marie 58/ März 2021

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Thema

„ WIR BRAUCHEN EINE STARKE ZIVILGESELLSCHAFT“ Viele Menschen fliehen nach wie vor vor Hunger und Krieg. Einige schaffen es bis nach Österreich. Eva Fahlbusch ist die Geschäftsführerin des Vereins Vindex – Schutz und Asyl, der Geflüchteten eine psychosoziale Beratung anbietet. Mit der marie spricht sie über die Rettung des Vereins, über die strenge Abschottungspolitik der EU und wie sie Personen bei sich zuhause aufgenommen hat. Text: Daniel Furxer, Fotos: Verein Vindex

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SPENDENKONTO: Vindex – Schutz und Asyl e. V. Raiffeisenbank Bodensee-Leiblachtal IBAN: AT0537 4310 0008 8272 89 BIC: RVVGAT2B431

s war ein richtiger Schock für Eva Fahlbusch, als die Stiftung, die Vindex bisher finanziell unterstützte, letztes Jahr bekanntgab, dass sie die Förderung nicht verlängern würde. „Sie hat ihren Förderschwerpunkt geändert und wir haben da leider nicht mehr reingepasst. Auch eine Anfrage unsererseits bei der Vorarlberger Landesregierung um Unterstützung wurde abgelehnt. Wir standen finanziell vor dem Aus“, schildert Eva Fahlbusch. In der Not wurde ein Komitee für die Rettung von Vindex ins Leben gerufen. Ein Kalender wurde produziert und sehr gut verkauft, viele Menschen haben sich gemeldet und Geld gespendet. „Die Zivilgesellschaft hat schlussendlich das gemacht, was die Landesregierung hätte tun sollen. Sie haben schnell und unkompliziert geholfen“, so Fahlbusch. Der Verein ist nun für das heurige Jahr 2021 so gut wie abgesichert. Die Aufgaben für den Verein Vindex, der seit April 2013 existiert, sind auch unter Corona nicht weniger geworden. Beratung ist zentral für Menschen, die in einem gesellschaftlichen Umfeld ankommen, in dem sie sich nicht zurechtfinden. „Es fängt alles mit einer Tasse Kaffee oder Tee an,“ erläutert Fahlbusch. „Wir sind eine kleine Beratungsstelle und so können wir einen sehr unbürokratischen und persönlichen Kontakt zu den Leuten pflegen, die zu uns kommen.“ Zwei Personen sind fix angestellt, bei Nähworkshops werden Näherinnen auf Honorarbasis bezahlt. „Das ist das Menschliche, das so dringend nötig ist. Und das braucht es in Vorarlberg unbedingt. Leider mussten wir die Villa Vindex aus finanziellen Gründen aufgeben. Hier haben sich Geflüchtete und Nicht-Geflüchtete getroffen und ausgetauscht. Durch die Renovierungsarbeiten haben sich ganz viele Leute kennengelernt und ehrenamtlich angepackt. Menschen mit und ohne Asylstatus haben tatkräftig mitgeholfen. Es war ein unkomplizierter Begegnungsraum.“

Aufstehen gegen die Abschottungspolitik

Für dieses Jahr plant Eva Fahlbusch wieder Vindex-Veranstaltungen, wenn diese von Neuem durchführbar sind. Der Geschäftsführerin geht es auch darum, Themen aufzugreifen und die Menschen zu sensibilisieren. „Was Frontex, die europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, jetzt plant, ist ein Wahnsinn. Sie wollen mit Wärmebildkameras geflüchtete Menschen noch besser aufspüren und in ihre Länder zurückschieben. Frontex arbeitet auch eng mit Staaten wie Libyen zusammen, damit die Menschen es gar nicht erst bis zu uns schaffen. Auf diese verstärkte Abschottungspolitik wollen wir noch mehr hinweisen.“ Die Abschottungspolitik habe keinen Sinn, so Fahlbusch weiter. „Unser Planet ist groß genug. Es gibt genügend zu essen und es gibt genügend Platz zum Leben. Die Frage ist nur, ob wir reichen Länder teilen wollen.“ Wirtschaftliche Interessen stünden


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