marie 58/ März 2021

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© zukunftbludenz

© Darko Todorovic

Kurt Fischer, 57, Bürgermeister in Lustenau, ÖVP 20 |

„Kinder und ihre Rechte, ihre Chancen in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, mit dem Fernziel chancenreichster europäischer Lebensraum für Kinder zu werden, das ist der Kern der Marke Vorarlberg, eine konsequente Weiterführung von ‚Kinder in die Mitte‘. Eine Region mit menschlichem Gesicht können die Bilder aus Kara Tepe nicht unberührt lassen.“

© Klaus Hartinger

Thema

Christoph Hackspiel, 64, Geschäftsführer Vorarlberger Kinderdorf, Präsident Kinderliga Österreich „Unseren Kindern Werte von Mitmenschlichkeit und Solidarität mit Schwächeren weiter zu geben ist die Basis unserer humanitär-christlichen Wertegemeinschaft. Wenn nun Österreich und die Länder Europas in erschreckender Weise schlimme Menschenrechtsverletzungen an Geflüchteten begehen und dabei mitten in Europa auch Kinder im Dreck leben lassen oder trotz gelungener Integration abschieben, zerreißt es einem das Herz. Diese staatlich verordnete Verrohung unserer Gesellschaft zum Zwecke populistisch gewünschter Abschreckung missachtet die Würde des Menschen und ist eine Kinderrechtskatastrophe. Wie sollen wir unseren Kindern Anstand und Toleranz vermitteln, wenn unsere Staatenlenker vielfache Exempel der Unmenschlichkeit statuieren?“

Jutta Jäger, 59, Flugbegleiterin, Hausfrau, Liste Simon Tschann

„Es macht mich nicht nur unendlich traurig, sondern es macht mir Angst, denn Empathie und Mitgefühl für den Mitmenschen ist ein Wert, der in einem so wohlhabenden Land wie Österreich auf der Prioritätenliste einer christlich-sozialen Partei, die zur Zeit in der Regierung ist, an vorderster Stelle stehen sollte. Wenn wir mit unseren Kindern in Notsituationen auf solche Menschen angewiesen wären... wie würde es uns gehen?“

Bertram Jäger, 91, Alt-Landtagspräsident, ehemaliger AK-Präsident, ÖVP

„Ich zähle mich zu dem Teil der ÖVP, für den ‚christlich-sozial‘ noch Gültigkeit hat. Die derzeitige Politik der türkisen Partei ist weit davon entfernt. Die Abschiebepraxis ist brutal, unmenschlich und unchristlich. Aber nicht nur die Abschiebepraxis, sondern noch mehr das sture ‚Nein‘ des Kanzlers zur Aufnahme von Kindern und deren Familien aus dem Lager Moria. Ich halte das für eine Schande! Statt ‚Sensibilität für die Schwächsten‘, die eine christlich-soziale Politik erfordern würde, wird eine populistische Politik gemacht, die auch Rechtsextremen gefällt. Das Argument des Kanzlers, das sei zu Abschreckung notwendig, heißt, sie der Perspektivlosigkeit und dem Elend zu überlassen, nur um andere davon abzuschrecken, auch zu versuchen, nach Österreich zu kommen.“


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