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Tali, Braunstein & Bruckner Orchester Linz

1. Februar 2026 11:00 Uhr

Großer Saal

Sonntagsmatineen III

Große Orchester 25–26

Mi, 11. Feb 2026, 19:30

Großer Saal

Ioffe, Chooi & Prague Radio Symphony Orchestra

Mit Max Bruchs 1. Violinkonzert und Antonín Dvořáks

8. Symphonie präsentieren Alevtina Ioffe, Timothy Chooi und das Prague Radio Symphony Orchestra zwei absolute Meisterwerke der Musikgeschichte.

Mo, 2. Mär 2026, 19:30

Großer Saal

Afkham, Ferrández & Orquesta Nacional de España

Der Cellist Pablo Ferrández und das Orquesta Nacional de España kombinieren spanische Orchesterklänge von Joaquín Turina und Manuel de Falla mit Richard Strauss’ Don Juan und Robert Schumanns Violoncellokonzert.

Fr, 20. Mär 2026, 19:30

Großer Saal

Yamada, Liu & City of Birmingham Symphony Orchestra

William Waltons selten gespielte 1. Symphonie und Pjotr Iljitsch Tschaikowskis populäres 1. Klavierkonzert mit Bruce Liu als Solisten erklingen vom City of Birmingham Symphony Orchestra unter Kazuki Yamada. Karten und Infos: +43 (0) 732 77 52 30 brucknerhaus.at

Timothy Chooi © D. Sweeney

alla breve

Das Programm auf einen Blick

Beatlemania im Brucknerhaus: Guy Braunstein, langjähriger Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, hat in seinem Abbey Road Concerto zahlreiche Songs der Beatles wie Come Together, Here Comes the Sun oder I Want You zu einem ebenso unterhaltsamen wie anspruchsvollen Solokonzert verwoben, das er bei seinem Debüt im Brucknerhaus gemeinsam mit dem Bruckner Orchester Linz und der estnischen Dirigentin Anu Tali zum ersten Mal in Österreich aufführen wird. In 15 Sätzen, die durch virtuose Intermezzi verbunden werden, führt uns Braunstein durch die Klangwelten der Abbey Road. In rauere Gefilde geleiten die zwei Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, die das Solokonzert einrahmen: Inspiriert zu seiner Konzertouvertüre Die Hebriden und seiner ›Schottischen‹ 3. Symphonie wurde der Komponist während einer ausgiebigen Reise durch die schroffen Landschaften Schottlands.

Programm & Besetzung

Felix Mendelssohn Bartholdy 1809–1847

Die Hebriden. Konzert­Ouvertüre

h­Moll op. 26 // 1829–30, 1832–33

Guy Braunstein * 1971

Abbey Road Concerto für Violine und Orchester // 2021

I Ouverture –

II Come Together –

III Intermezzo 1 – Oh Darling –

IV Intermezzo 2 –

V Something –

VI Intermezzo 3 – Octopus’s Garden –

VII Intermezzo 4 –

VIII Here Comes The Sun –

IX I Want You –

X Because –

XI Cadenza – »Remembering … strawberries?« –

XII Maxwell’s Silver Hammer –

XIII Golden Slumbers –

XIV Carry That Weight –

XV The End

// Pause //

Felix Mendelssohn Bartholdy

Symphonie Nr. 3 a­Moll op. 56 ›Schottische‹ // 1829, 1840–42

I Andante con moto – Allegro un poco agitato –

II Vivace non troppo –

III Adagio –

IV Allegro vivacissimo – Allegro maestoso assai

Konzertende: ca. 12:45 Uhr

Guy Braunstein Violine

Bruckner Orchester Linz

Anu Tali Dirigentin

Come Together!

Guy Braunstein // Abbey Road Concerto

Der Soundtrack eines Lebens

Erstmals habe ich die Beatles in den 1980er-Jahren gehört – als ich in Israel aufwuchs, hörte ich ihre Musik ständig im Radio und der Fahrer unseres Schulbusses spielte die Musik auch. Schnell wurden die Beatles zum Soundtrack meiner Kindheit! Jetzt lebe ich in Berlin mit meiner Familie und vor sieben Jahren zeigte mein jüngster Sohn auf das Gebäude des dortigen John-Lennon-Gymnasiums und fragte mich: »Wer ist das?« Ich erzählte ihm, was ich wusste und zeigte ihm die Musik der Beatles auf YouTube – er war komplett fasziniert und während der nächsten sechs Monate sprach er von nichts anderem mehr. Wenn ich übte, wollte er nicht Bartóks Violinkonzert hören, sondern die Musik der Beatles! Auf diese Weise wurde die Musik der Beatles abermals Teil meines Lebens und ich entdeckte erneut meine Liebe für sie.

Ich habe mich schon immer für das Arrangieren und Transkribieren von Musik interessiert, ohne Rücksicht auf stilistische Grenzen; ich nähere mich der Musik von Komponisten wie Billy Joel oder Tschaikowski auf die gleiche Weise. Ich habe sogar ein paar Beatles-Songs immer wieder als SoloViolin-Zugaben verwendet. Als die Pandemie kam, hatte ich mehr Zeit, diese Arrangements weiterzuentwickeln und sie mit einer Klavierbegleitung

zu versehen. Ich wollte Musik aus dem Album Abbey Road arrangieren, da ich alle Lieder seit meiner Kindheit kenne, aber ich konnte mich

einfach nicht für einzelne Lieder entscheiden – also beschloss ich, sie stattdessen alle in einem Konzert zu vereinen.

Cover des Beatles-Albums Abbey Road, Fotografie von Iain Macmillan, 1969

Guy Braunstein

Das Abbey Road Concertos besteht aus 35 Minuten hochanspruchsvollen Violinspiels und es ist alles andere als einfach für den Dirigenten und das Orchester, geschweige denn für den Solisten. Von Beginn an werden sie Fragmente einiger Ihrer liebsten Beatles-Songs hören, wie etwa I Want You, das als Einleitungsmelodie verwendet wird und im ersten Abschnitt immer wieder auftaucht. Die zweite Hälfte des Konzerts führt in eine verrückte Kadenz, die an die Melodie von Strawberry Fields erinnert. Wenn Sie genau hinhören, können Sie dieses Zitat entdecken, ehe wir uns dem Finale nähern.

Mit den Beatles auf den Spuren Paganinis

Guy Braunstein ist ein Meister der Verwandlung. Nicht nur schlüpft er selbst immer wieder in neue musikalische Rollen, ob als Orchestermusiker – so war er von 2000 bis 2013 erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, leidenschaftlicher Kammermusiker, Solist, Dirigent und Komponist auch das ›Verwandeln‹ von Musik selbst zählt zu seinen großen Leidenschaften. So wagt er sich immer wieder an die herausfordernde Aufgabe, Meisterwerke der Musikgeschichte zu transkribieren, arrangieren und (neu) zu orchestrieren und stellt sich damit ganz bewusst in die Tradition großer Vorgänger wie Franz Liszt, Fritz Kreisler, Gustav Mahler oder Sergei Rachmaninoff. Die jüngste und vielleicht bisher herausragendste seiner Schöpfungen stellt er bei seinem heutigen Brucknerhaus-Debüt vor: In seinem Abbey Road Concerto verarbeitete Braunstein Songs, Melodien und Strukturen des berühmten Beatles-Albums aus dem Jahr 1969 zu einem hochvirtuosen Konzert für Violine und Orchester im Stile Niccolò Paganinis: »Wir hatten zu Hause ein Beatlemania-Problem«, so Braunstein. »Mein Sohn war total besessen und wollte immer, dass ich die Beatles spiele. Ich beschloss, einen Song für Klavier und Violine zu arrangieren. So fing ich an, wieder Abbey Road zu hören – weil ich das Album liebe – nur, um einen passenden Song zu finden. Ich merkte schnell, dass mir alles gefiel: Something, Oh! Darling und Come Together! Ich konnte mich einfach nicht festlegen

Guy Braunstein

und entschied mich, das Ganze einfach für ein Orchester zu arrangieren. So ist es ein 35-minütiges Violinkonzert geworden. So viel zu dem Versuch, nur einen Song zu machen.«

Das Ergebnis ist eine violinistische Tour de force, bei der der Solist zwischen halsbrecherischen Figurationen und klangvoll singenden Melodiepassagen einmal quer durch die Songs des Albums Abbey Road reist. Nach einer majestätischen Ouvertüre übersetzt Braunstein das bluesig-swingende Motiv von Come Together in einen virtuosen Variationensatz, dem sich Paul McCartneys Oh Darling leichtfüßig tänzelnd gegenüberstellt. Als klassischer ›langsamer Satz‹ entpuppt sich anschließend George Harrisons Something, dessen Melodie in kunstvollen Doppelgriffen der Violine über einem weichen Streicherbett erklingt. Über das verspielt-extrovertierte Octopus’s Garden von Ringo Starr führt der Weg zu Harrisons Here Comes The Sun und John Lennons I Want You (She’s So Heavy), das sich in Kombination mit dem OuvertürenMotiv zu immer größerer orchestraler Pracht auftürmt. Im größtmöglichen Kontrast dazu steht das kammermusikalisch reduzierte Because, ehe Braunsteins »verrückte Kadenz« auf das einzige nicht auf dem Album Abbey Road zu findende Lied verweist: Lennons Strawberry Fields Forever. Mit seinem launigen Brass-Arrangement zollt das folgende Maxwell’s Silver Hammer dem Arrangement des Originals orchestralen Tribut. Golden Slumbers rückt noch einmal den elegischen Gesang des Soloinstruments in den Vordergrund, ehe Carry That Weight und The End das Abbey Road Concerto in einem ebenso virtuosen wie ausgelassenen Finale beschließen.

Andreas Meier
Guy

»Thran und Möven und Laberdan«

Im Frühjahr 1829 trat der 20-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy von Berlin aus eine Reise an, die ihn in den nächsten drei Jahren über London, die Nordwestküste Schottlands, Paris und Rom schließlich zurück nach London führte. Die Aufenthaltsorte waren im Zuge umfassender Planungen seines Vaters Abraham Mendelssohn festgelegt worden, der seinen Sohn, ganz in der Tradition der klassischen Kavalierstour, mit den kulturellen Zentren Europas bekanntmachen wollte. Nach einer äußerst erfolgreichen Londoner Konzertsaison im Frühsommer 1829 reiste der junge Komponist mit seinem Freund, dem Diplomaten Karl Klingemann, nördlich nach Schottland weiter, wo er sich zur Erholung vom hektischen Treiben der englischen Hauptstadt in die archaische Landschaft der Ossian’schen Dichtung zurückzog. Das vermeintlich altgälische Epos Ossian genoss seit seiner ›Entdeckung‹ durch James Macpherson (1736–1796) im Zuge des kulturellen Historismus der Romantik enorme Popularität. Wie sich später herausstelle, hatte Macpherson die Erzählung um den keltischen Helden Ossian und dessen Vater Fingal allerdings keinesfalls aus dem Gälischen übersetzt, vielmehr hatte er sie selbst erfunden und als angebliche Transkription zu Papier gebracht. Obwohl erste Gerüchte über die wahre Urheberschaft des Werkes schon Ende des 18. Jahrhunderts aufkamen, übertönte die naive Begeisterung, auf deren fruchtbaren Boden das fingierte Nationalepos fiel, alle kritischen Stimmen, sodass die Fälschung noch bis ins 20. Jahrhundert als authentisch angesehen wurde. Auch Mendelssohn stand im Bann des Zaubers, mit dem die Gesänge des Ossian die schottische Küstenlandschaft in eine Welt voller Sagen und Mythen verwandelt, als er im August 1829 bei unruhiger See zur berühmten Fingalshöhle der Insel Staffa übersetzte. Hatte er sich die Zeit an den Tagen zuvor meist mit Landschaftszeichnungen vertrieben, so inspirierten ihn die pittoresken Felsformationen unmittelbar zu einer musikalischen

Skizze zur Hebriden-Ouvertüre aus Mendelssohns Brief, August 1829

Idee: »Um zu verdeutlichen, wie seltsam mir auf den Hebriden zu Muthe geworden ist«, schrieb er an seine

Eltern, »fiel mir eben folgendes bey.« Auf der nächsten Briefseite skizzierte er einen Particellentwurf der ersten Takte seiner späteren Konzert-Ouver türe h-Moll op. 26 mit dem Titel Die Hebriden

Particell mit Angaben zur Instrumentation versehene Klavierpartitur

Es sollten allerdings noch viele Jahr ins Land – oder in Mendelssohns Fall in die Länder – ziehen, ehe er das Werk abschließen konnte. Wie so oft unterzog der notorisch selbstkritische Komponist seine Ouver türe einem langjährigen Überarbeitungs- und Veränderungsprozess. Zunächst vollendete er das unter dem vorläufigen Titel Einsame Insel noch in Schottland begonnene Werk nach einer intensiven Arbeitsphase im Winter 1830 in Rom. In dieser sogenannten ›Rom-Fassung‹ erklangen Die Hebriden allerdings wohl nur ein einziges Mal, als Mendelssohn das Stück dem befreundeten Hector Berlioz auf dem Klavier vorspielte: »In Rom lernte ich zum erstenmal jenes zarte, feine musikalische Gewebe schätzen«, erinnerte sich dieser später, »das mit so reichen Farben geschmückt ist und den Titel ›Hebriden-Ouver türe‹ führt. Mendelssohn hatte sie eben vollendet und gab mir davon einen ziemlich genauen

»Die ›Hebriden‹ aber kann ich hier nicht geben, weil ich sie, wie ich Dir damals schrieb, noch nicht als fertig betrachte; der Mittelsatz im forte D dur ist sehr dumm, und die ganze sogenannte Durchführung schmeckt mehr nach Contrapunkt, als nach Thran und Möven und Laberdan [i. e. eingelegter Kabeljau], und es sollte doch umgekehrt sein.«

Mendelssohn am 21. Jänner 1832 an seine Schwester Fanny

Begriff – so fabelhaft ist seine Geschicklichkeit, die schwierigsten Partituren auf dem Klavier wiederzugeben.« Ein gutes Jahr später, am 21. Jänner 1832, berichtete Mendelssohn aus Paris an seine Schwester Fanny: »Die ›Hebriden‹ aber kann ich hier nicht geben, weil ich sie, wie ich Dir damals schrieb, noch nicht als fertig betrachte; der Mittelsatz im forte D dur ist sehr dumm, und die ganze sogenannte Durchführung schmeckt mehr nach Contrapunkt, als nach Thran und Möven und Laberdan [i. e. eingelegter Kabeljau], und es sollte doch umgekehrt sein. Um das Stück aber unvollkommen aufzuführen, dazu hab’ ich’s zu lieb und hoffe mich also bald daran zu machen, um es für England [...] fertig zu haben.« Im Mai 1832 schließlich, während seiner zweiten Reise nach London, überarbeitete er das Werk innerhalb dreier Wochen konzentrierter Arbeit: »Die ›Hebriden‹ rufen. Ich mache sie jetzt nämlich fertig, d. h. der eilige Mittelsatz kommt weg, muß die ganze Partitur fast noch einmal schreiben, das ist nicht so bequem, als man denkt [...].«

Am 14. Mai 1832 gelangten Die Hebriden unter der Leitung von Thomas Attwood durch die Londoner Philharmonic Society zur Uraufführung, wobei sie laut Mendelssohn »ungemein freundlich aufgenommen« wurden.

Felix Mendelssohn Bartholdy, Lithografie von Friedrich Jentzen nach einem Gemälde von Theodor Hildebrandt, 1837

»Schottische Nebelstimmung«

Felix Mendelssohn Bartholdy // Symphonie Nr. 3 a-Moll op. 56 ›Schottische‹

Am 30. Juli 1829, noch ehe Mendelssohn mit der Arbeit an seiner Hebriden-Ouvertüre begonnen hatte, berichtete er aus Edinburgh von seiner Besichtigung der Ruinen des Palace of Holyroodhouse, in dem mehr als zweieineinhalb Jahrhunderte zuvor die schottische Königin Maria Stuart gewohnt hatte, die dort am 9. März 1566 auch Zeugin der Ermordung ihres Privatsekretärs David Rizzio geworden war: »In der tiefen Dämmrung gingen wir heut nach dem Pallaste wo Königinn [sic] Maria gelebt und geliebt hat; es ist da ein kleines Zimmer zu sehn mit einer Wendeltreppe an der Thür; da stiegen sie hinauf und fanden den Rizzio im kleinen Zimmer, zogen ihn heraus, und drei Stuben davon ist eine finstre Ecke, wo sie ihn ermordet haben. Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach, Gras und Epheu wächst viel darin, und am zerbrochnen Altar wurde Maria zur Königinn von Schottland gekrönt. Es ist da alles zerbrochen, morsch, und der heitre Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden.« Und tatsächlich skizzierte Mendelssohn unterhalb dieser Zeilen die ersten acht Takte seiner späteren 3. Symphonie a-Moll op. 56 … über die er während seines Schottland-Aufenthalts allerdings nicht hinausgekommen zu sein scheint. So schrieb er knapp zwei Jahre später, am 1. März 1831, aus Rom, als er bereits an seiner 4. Symphonie, der sogenannten ›Italienischen‹ arbeitete: »Wenn ich nur noch die eine von den beiden Symphonien hier fassen könnte! Die italienische will und muß ich mir aufsparen, bis ich Neapel gesehen habe, denn das muß mit spielen; aber auch die andere läuft weg, je näher ich ihr kommen möchte; und je näher das Ende dieser römischen, ruhigen Zeit heranrückt, desto befangener werd’ ich, und desto weniger will es gehen.« Wenige Wochen später fügte er hinzu: »Mit dem Arbeiten geht es schlimm seit ein paar Tagen; der Frühling ist in seiner Blüthe […] –

op. 56 ›Schottische‹

Titel der ›Schottischen‹ Symphonie in der Erstausgabe von Breitkopf & Härtel, 1842

wer kann es mir da verdenken, daß ich mich nicht in die schottische Nebelstimmung zurückversetzen kann? Ich habe die Symphonie deshalb für jetzt zurücklegen müssen […].« Zehn weitere Jahre gingen ins Land ehe Mendelssohn, mittlerweile als königlich-preußischer Kapellmeister in Berlin, weitere Fortschritte erzielen konnte: »Eine grosse Symphonie habe ich einstweilen angefangen und stehe schon im 3. Stück [i. e. Satz], daran arbeite ich täglich mit Wonne«, schrieb er am 6. September 1841 an seinen Freund Klingemann. Als er die Partitur der ›Schottischen‹ am 20. Jänner 1842 endlich abschließen konnte, hatte er, freilich mit wechselnder Intensität, fast 13 Jahre und damit mehr als ein Drittel seines Lebens an dem Werk gearbeitet.

Felix Mendelssohn Bartholdy // Symphonie Nr. 3 a-Moll op. 56 ›Schottische‹

Im Vorwort des 1842 bei Breitkopf & Härtel erschienenen Erstdruckes der Symphonie vermerkte Mendelssohn:

»Die einzelnen Sätze dieser Symphonie müssen gleich auf einander folgen, und nicht durch die sonst gewöhnlichen längeren Unterbrechungen von einander getrennt werden. Für die Hörer kann der Inhalt der einzelnen Sätze auf dem Programm des Concertes angegeben werden wie folgt: / SINFONIA. / Introduction und Allegro agitato, / Scherzo assai vivace. / Adagio cantabile, / Allegro guerriero und Finale maestoso.«

Mit diesem Hinweis wollte sich der Komponist in eigenen Worten nicht nur der »stimmungsmordenden Pausen zwischen den Sätzen« erwehren, sondern gleichsam die motivische und damit dramaturgische Geschlossenheit seines Werkes verdeutlichen. So kehrt das balladeske Motiv der langsamen Einleitung am Ende des Kopfsatzes wieder und fungiert zugleich als thematische Keimzelle der gesamten Sinfonie. Sein markanter einleitender Quartsprung findet sich auch in den zwi-

Skizze der Anfangstakte der ›Schottischen‹ Symphonie aus Mendelssohns Brief, Juli 1829

schen folkloristischer Idylle und funkensprühender Ausgelassenheit wechselnden Melodien des Scherzos wieder, an das ein innig gesanghaftes Adagio anschließt, dessen lyrisches Melos immer wieder von trauermarschartigen Abschnitten unterbrochen wird. Der Beginn des Finales, den Mendelssohn im Vorwort der Partitur noch mit Allegro guerriero überschrieb – in den Noten selbst trägt er dagegen die Bezeichnung Allegro vivacissimo –, beschwört mit seinen kraftvoll akzentuierten Begleitfiguren und seinen schroffen dynamischen Kontrasten tatsächlich das Bild einer Kampfszene herauf, an deren Ende die Musik niedergeschlagen zu verebben scheint. Doch unterwartet erklingt nach einer Generalpause ein bisher ungehörtes, feierliches A-Dur-Thema im 6/8-Takt, das sich in mehreren Anläufen zu immer größerer Klanggewalt steigert und das Werk mit einem triumphalen Hymnus beschließt.

Nach der umjubelten Uraufführung am 3. März 1842 im Leipziger Gewandhaus nahm Mendelssohn einige Änderungen an der Partitur vor, so etwa im Schlussabschnitt: »Der Eintritt des letzten a dur 6/8 ist ohne Zweifel jetzt hundertmal besser instrumentirt«, berichtete er anschließend dem Geiger Ferdinand David. »Manchmal ist man doch wie mit Blindheit geschlagen. Klingt die Melodie jetzt noch immer nicht ganz klar heraus, so laß die d Hörner stärker markiren. Und hilft auch das nicht, so autorisire ich Dich hiemit feierlich die 3 Paukenwirbel in den ersten 8 Tacten wegzulassen; aber dies letzte Mittel nur in der höchsten Noth! Ich hoffe, es braucht das nicht, und klingt jetzt ordentlich deutlich und stark wie ein Männerchor (so möchte ich’s nämlich, u[nd] deswegen würd ich mich am Ende auch von der Pauke losreißen, so leid mir’s thäte.).« In dieser Fassung dirigierte der Komponist am 13. Juni desselben Jahres die englische Erstaufführung in London und entschloss sich daraufhin dazu, das Werk, das er viele Jahre zuvor auf den britischen Inseln begonnen hatte, nun auch dessen künstlerischer ›Heimat‹ zu widmen: »Noch habe ich nachzutragen, daß ich mir die Erlaubniß ausbat, der Königinn [sic] die amoll Symphonie zuzueignen, weil die doch eigentlich Veranlassung meiner Reise gewesen sei, u[n]d weil der Englische Name auf das Schottische Stück doppelt hübsch paßt.«

Felix

Guy Braunstein

Violine

Guy Braunstein wuchs in Tel Aviv auf. Unterrichtet wurde er dort von Chaim Taub sowie später in New York von Glenn Dicterow und Pinchas Zukerman und seinem Mentor Isaac Stern. Insbesondere die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado zählt zu Guy Braunsteins wichtigsten Einflüssen. Im Jahr 2000 übernahm er als jüngster Geiger in der Geschichte des Orchesters die Position des ersten Konzertmeisters der Berliner Philharmoniker und gestaltete zwölf Jahre lang die Arbeit des Klangkörpers mit.

Obwohl man ihn leicht in die »Tradition der großen jüdischen Violinisten wie Mischa Elman und Isaac Stern« (Telegraph) einreihen kann, lebt für ihn Musik nicht nur aus ihrer eigenen Geschichte heraus, sondern durch immerwährende Erneuerung, Fortschreibung und unerwartete Wendungen. Ob als gefeierter Solist oder als kongenialer Kammermusikpartner in unterschiedlichsten Besetzungen: Guy Braunstein ist bei den weltweit wichtigsten Musikzentren und Festivals zu Gast. Dabei konzertierte er mit renommierten Klangkörpern wie dem Boston Symphony Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Philharmonia Orchestra London und den Berliner Philharmonikern. Zu seinen musikalischen Partner:innen zählen dabei András Schiff, Zubin Mehta, Yefim Bronfman, Maurizio Pollini, Wladimir Fedossejew, Daniel Barenboim, Simon Rattle, Martha Argerich, Mitsuko Uchida, Lang Lang, Christoph von Dohnányi, Emanuel Ax, Andris Nelsons und Semyon Bychkov.

Auch als Dirigent ist Guy Braunstein auf den internationalen Konzertpodien präsent. Guy Braunsteins größte Leidenschaft ist das Arrangieren und Komponieren: In der romantischen Tradition Paganinis und Liszts transkribiert er musikalische Meisterwerke brillant für seines oder andere Instrumente und Besetzungen und präsentiert Opern, Kammermusik oder auch Songs in völlig neuer Form. Guy Braunstein spielt eine Geige von Francesco Ruggieri aus dem Jahr 1679.

Anu Tali

Dirigentin

Vom Herald Tribune als »charismatisch, brillant, energiegeladen« beschrieben, gilt Anu Tali als eine der faszinierendsten und vielseitigsten Dirigentinnen weltweit. Zu den Höhepunkten der Saison 2025/26 zählen Konzerte mit dem Konzerthausorchester Berlin, der Kansas City Symphony, dem Münchner Rundfunkorchester, dem Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, dem Kölner Kammerorchester, dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie sowie dem Nordic Symphony Orchestra in Tallinn, das Tali 1997 zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Kadri gründete, um den Kulturaustausch zwischen Estland und Finnland zu vertiefen und Musiker:innen der ganzen Welt miteinander zu vereinen.

Als ehemalige Musikdirektorin des Sarasota Orchestra in Florida arbeitet Anu Tali regelmäßig mit Orchestern wie New Japan Philharmonic, Tokyo Philharmonic, Orchestre National de France, Houston Symphony Orchestra, Mozarteumorchester Salzburg und dem Schwedischen Rundfunk-Sinfonierorchester. In Deutschland führten sie Engagements zum Deutschen Symphonieorchester Berlin, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Konzerthausorchester Berlin, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und zum Ensemble Modern. Nach dem großen Erfolg mit Il barbiere di Siviglia an der Staatsoper Unter den Linden wurde sie zum Freiburger Barockorchester für eine Produktion von Glucks Telemaco eingeladen, ebenso zu den Schwetzinger Festspielen und an das Theater Basel. 2021 wurde sie als erste Frau eingeladen, eine Oper am Teatro de la Maestranza in Sevilla zu dirigieren.

2003 erhielt Anu Tali mit ihrer Debut-Aufnahme Swan Flight den ECHO Klassik. Des Weiteren erschien das Album Action Passion Illusion mit Werken von Rachmaninoff, Sibelius und Erkki-Sven Tüür. Und auch ihre Einspielung von Tüürs Strata und Noēsis wurde von der Kritik ausführlich gefeiert.

Bruckner Orchester Linz

Das Bruckner Orchester Linz blickt auf über zwei Jahrhunderte Geschichte zurück und zählt heute zu den bedeutenden Klangkörpern Mitteleuropas. Seit 1967 trägt es den Namen Anton Bruckners – ein Bekenntnis zu jenem Komponisten, dessen Schaffen bis heute das künstlerische Profil des Orchesters entscheidend mitprägt. Im Brucknerjahr 2024 schloss das BOL unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus Poschner die weltweit erste Gesamteinspielung aller Symphonien Bruckners in sämtlichen Fassungen ab. Ein Projekt, das international große Beachtung fand und mit dem renommierten ›ICMA Special Achievement Award‹ ausgezeichnet wurde. In den Spielzeiten 2025/26 und 2026/27 setzen Markus Poschner und das BOL mit einem Zyklus aller Symphonien von Ludwig van Beethoven einen weiteren künstlerischen Schwerpunkt. Das BOL ist im Musiktheater des Landestheater Linz, einem der modernsten Theaterbauten Europas, zuhause und spielt

die musikalischen Eigenproduktionen der Sparten Oper, Tanz und Musical. 2020 wurde es beim Musiktheaterpreis als ›Bestes Orchester des Jahres‹ geehrt. Gleichzeitig gestaltet es als Symphonieorchester des Landes Oberösterreich die Konzertlandschaft entscheidend mit: Es ist regelmäßig mit eigenen Konzertzyklen im Brucknerhaus Linz und Wiener Musikverein sowie im Rahmen des Ars Electronica Festivals und beim Brucknerfest zu hören. Gastspiele führen das BOL als Kulturbotschafter Oberösterreichs auf bedeutende nationale und internationale Konzertbühnen. Die künstlerische Qualität des BOL spiegelt sich auch in den Kollaborationen mit den großen Solist:innen und Dirigent:innen unserer Zeit wider. Mit der Kammermusikreihe Mosaik sowie der Vermittlungsreihe Orchesterwerkstatt move.on erweitert das Orchester sein Profil und öffnet neue Räume des Dialogs mit seinem Publikum. Ab der Saison 2027/28 übernimmt Christoph Koncz die Position des Chefdirigenten.

13. bis 30. Sep 2026

So, 13. Sep 2026, 18:00

Großer Saal

poschner, rondeau & bruckner orchester linz

Frischer Wind

Markus Poschner und Cembalostar Jean Rondeau bringen mit Poulencs Concert champêtre die Natur in den Konzertsaal, eingerahmt von Debussys La Mer und Beethovens berühmter 6. Symphonie »Pastorale«

Mi, 16. Sep 2026, 19:30

Großer Saal

philipp von steinaecker, fleur barron & mahler academy orchestra

Revolution Mahler!

Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Mahlers Neunte sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.

Mi, 30. Sep 2026, 19:30

Großer Saal

bihlmaier, bbc singers & bbc philharmonic orchestra

Brahms’ Requiem

Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Boulangers Psaume 24 in einer internationalen Spitzenbesetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra

early bird tickets

Angebot gültig bis 13.2.2026 15% sparen

brucknerfest.at

Impressum

Herausgeberin

Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz

Künstlerischer Direktor

Norbert Trawöger

Programmplanung & Dramaturgie

Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter

Redaktion

Andreas Meier

Grafik

Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer

Abbildungen

alamy (S. 6–7), gemeinfrei (S. 11, 13 & 15), Hans­Günter Klein (S. 16), B. Arad (S. 19), K. Cardenas (S. 21), R. Winkler (S. 22–23)

Programm­ und Besetzungsänderungen vorbehalten

LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz

Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!

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