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Dodds, de Maistre & Festival Strings Lucerne

7. Dezember 2025 11:00 Uhr

Großer Saal

Sonntagsmatineen II

Jetzt WeltklasseMusik schenken!

Große Orchester 26–27

Sa, 19. Sep 2026, 19:30 Rakitina, Dohr & Bruckner Orchester Linz

Di, 20. Okt 2026, 19:30 Jacquot, Tamestit, Apkalna & WDR Sinfonieorchester

Mi, 18. Nov 2026, 19:30 Mäkelä & Royal Concertgebouw Orchestra

Do, 3. Dez 2026, 19:30

Altinoglu & Wiener Philharmoniker

Fr, 15. Jän 2027, 19:30 Hrůša, Gerstein & Bamberger Symphoniker

Di, 2. Mär 2027, 19:30

Altinoglu, Hagen & hr-Sinfonieorchester

Mi, 17. Mär 2027, 19:30 Manacorda, Saadi & Bruckner Orchester Linz

Mo, 12. Apr 2027, 19:30 Bychkov, Cho & Tschechische Philharmonie

Mo, 24. Mai 2027, 19:30 Fischer, Altstaedt & Budapest Festival Orchestra

Abonnements und Infos: +43 (0) 732 77 52 30 brucknerhaus.at

alla breve

Das Programm auf einen Blick

Die Harfe war zu Georg Friedrich Händels Zeiten ein seltenes Soloinstrument: Talentierte Virtuosen waren spärlich gesät und Aufführungen mit obligater Harfe deshalb teuer. Nichtsdestotrotz komponierte Händel im Vergleich zu seinen Zeitgenossen außergewöhnlich viele Werke für und mit Harfe, häufig mit exquisitem festlichen Charakter. Neben dem Konzert für Harfe B-Dur demonstriert Harfenist Xavier de Maistre mit einer Bearbeitung von Händels Orgelkonzert

F­Dur und dem Harfenkonzert des Franzosen François-Adrien Boieldieu eindrucksvoll die klanglichen Möglichkeiten seines Instruments. Die Festival Strings Lucerne runden das Programm mit Arrangements von Nummern aus Händels

Oratorien Solomon und Judas Maccabaeus, John Dowlands Pavane Lacrimae und der Serenade für Streicher von Antonín Dvořák ab.

Programm & Besetzung

Georg Friedrich Händel 1685–1759

Sinfonia B-Dur (›Arrival of the Queen of Sheba‹) aus dem Oratorium Solomon HWV 67 // 1748

Konzert für Harfe und Orchester B-Dur

HWV 294 // 1736

I Andante – Allegro

II Larghetto

III Allegro moderato

John Dowland 1563–1626

Lachrimae (›Flow, my tears‹). Pavane // 1596

[Bearbeitung für Streichorchester]

Alexandre Guilmant 1837–1911

Paraphrase über einen Chor aus Händels

Judas Maccabaeus // 1904

[Bearbeitung für Kammerorchester von Martin Braun]

Georg Friedrich Händel

Konzert für Orgel und Orchester F-Dur

HWV 293 // 1735

I Larghetto

II Allegro

III Alla Siciliana

IV Presto

[Fassung für Harfe und Orchester von Álmos Tallós]

// Pause //

François-Adrien Boieldieu 1775–1834

Konzert für Harfe und Orchester C-Dur // um 1800

I Allegro brillante

II Andante lento

III Rondo. Allegro agitato

[Fassung für Harfe und Streichorchester von Arthur H. Lilienthal]

Antonín Dvořák 1841–1904

Serenade für Streicher E-Dur op. 22 // 1875

I Moderato

II Tempo di Valse

III Scherzo. Vivace

IV Larghetto

V Finale. Allegro vivace

Konzertende: ca. 13:00 Uhr

Xavier de Maistre Harfe

Festival Strings Lucerne

Daniel Dodds Violine & Leitung

Ein Fest der Saiten

Werke für Harfe und Streichorchester

Die Harfe ist eines der ältesten Instrumente und das älteste Zupfinstrument überhaupt: Die Idee, Saiten in einen hölzernen Rahmen zu spannen, kann bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurückverfolgt werden. Die vier ältesten erhaltenen Harfen wurden 1922 bei archäologischen Ausgrabungen in den Königsgräbern von Ur gefunden und können auf den Zeitraum zwischen 2550 und 2450 vor Christus datiert werden, sind mittlerweile also über 4500 Jahre alt. Im Laufe ihrer jahrtausendealten Geschichte wurde die Harfe zu einem Symbol der Musizierens: In der griechischen Mythologie werden Musen wie Erato (Muse der Liebeslyrik), Terpsichore (Muse für Chorlyrik und Tanz) und Polyhymnia (Muse des Gesangs) häufig mit einer Harfe, Leier oder einem anderen Saiteninstrument dargestellt. Der Sänger Orpheus verzaubert wiederum mit seiner Lyra Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen und Steine, während König David im Alten Testament mit seinem Gesang und Harfenspiel böse Geister vertreibt und im mittelalterlichen Versepos Tristan der gleichnamige Titelheld seinem Instrument solche berauschenden Töne entlockt, das seinen Zuhörer:innen Hören und Sehen vergeht.

Die Harfe durchlief dabei immer wieder instrumentenbauliche Veränderungen. Ende des 17. Jahrhunderts revolutionierte der deutsche Harfenist, Geigenbauer und Lautenmacher Jacob Hochbrucker das Instrument durch die Erfindung der Einfachpedalharfe: mit 35 Saiten, sieben Pedalen und einem neu entwickelten Mechanismus, der es ermöglichte, jeden der sieben Töne einer Es­Dur­Tonleiter gleichzeitig in allen Oktaven um einen Halbton zu erhöhen. Zum ersten Mal wurde so eine chromatische Tonleiter auf der Harfe spielbar – eine Errungenschaft, die die musikalischen Möglichkeiten des Instruments bedeutend erweiterte, was sich unter anderem Georg Friedrich Händel in seinen Werken für Harfe zu Nutze machte. Die Doppelpedalharfe – die heutige Konzertharfe – ist wiederum auf den berühmten Klavierbauer Sébastien

Érard zurückzuführen, der unter anderem den Virtuosen Franz Liszt mit Flügeln ausstattete. Er erhielt im Jahr 1810 das Patent für eine Drehscheibenmechanik, die es ermöglichte, jedes Pedal zweimal zu treten und so eine Saite um bis zu einem Ganzton zu erhöhen.

Fresko der Muse Erato in einer römischen Villa nahe Pompei, ca. 50 n. Chr.

Georg Friedrich Händel // Sinfonia B-Dur (›Arrival of the Queen of Sheba‹) aus dem Oratorium Solomon

Georg Friedrich Händel hatte ein besonderes Verhältnis zur Harfe. Schon in jungen Jahren war er mit dem Instrument in Kontakt gekommen: Im Rahmen seines Studiums der Komposition und des Orgelspiels, das er im Alter von nur sieben Jahren bei Friedrich Wilhelm Zachow in Halle begann, sollte Händel dessen Kantate mit obligater Harfe »Herr, wenn ich nur dich habe« kopieren. Bei der Abschrift handelt es sich um das früheste erhaltene Manuskript von Händel. Im Erwachsenenalter verlegte der Komponist im Jahr 1712 – nach Stationen in Hamburg und Italien – seinen Lebensmittelpunkt nach England. Dort komponierte Händel mindestens ein Solokonzert für das Instrument und auch in seinen Opern und Oratorien setzte er die Harfe gezielt zur Begleitung von Arien ein, so zum Beispiel in der Nummer »Praise the Lord with cheerful noise« in seinem ersten englischen Oratorium Esther. Nicht nur Händels Superstar­Status in England, sondern auch seine Vorliebe für die Harfe könnten insofern dazu geführt haben, dass der Bildhauer LouisFrançois Roubiliac 1738 ein lebensgroßes Denkmal des Komponisten anfertigte, das ihn als Orpheus mit einer Leier im Arm zeigt.

Georg Friedrich Händel als Orpheus, Marmorstatue von Louis­François Roubiliac, 1738

Ganz ohne Harfe kommt indessen die Sinfonia aus Händels Oratorium Solomon aus, die zu Beginn des dritten Akts das hektische Treiben vor Ankunft der Königin Saba musikalisch untermalt: Händel, der häufig unter hohem Zeitdruck komponierte, bediente sich für die Sinfonia –dem damals üblichen Parodieverfahren gemäß – bei verschiedenen Zeitgenossen: Dass Händel »die Kieselsteine anderer Männer nimmt und sie zu Diamanten schleift«, stellte sein Komponistenkollege William Boyce provokant fest. Neben Auszügen aus einem Konzert aus Georg Philipp Telemanns Tafelmusik und einer Gigue für Tasteninstrumente von Georg Muffat verwertete Händel das Hauptthema aus dem Ritornell einer Arie aus der Oper Numitore von Giovanni Porta. Da die Sinfonia ursprünglich für ein anderes Werk gedacht war, baute Händel sie erst zu einem späten Zeitpunkt in Solomon ein. Heute zählt sie zu seinen bekanntesten Kompositionen, die nicht nur häufig bei Hochzeiten gespielt wird, sondern auch bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in London 2012 und im Jahr 2023 während der Krönungszeremonie von König Charles III. erklang.

Georg Friedrich Händel // Konzerte für Harfe und Orchester HWV 293 & 294

Nach Händels früher Begegnung mit der obligaten Harfe während seiner musikalischen Ausbildung bei Zachow in Halle vergingen viele Jahre, in denen er dem Instrument keine Beachtung schenkte. Während seiner frühen Jahre in England waren virtuose Harfenisten eine echte Rarität – die Harfe als solistisches Instrument einzubauen war daher teuer und entsprechend selten. Im Jahr 1720 gelangte jedoch der walisische Harfenist William Powell in den Dienst des Duke of Chandos, bei dem auch Händel seit 1717 beschäftigt war. So erklärt sich, weshalb Händel im Vergleich mit seinen Zeitgenossen auffällig viele Kompositionen für obligate Harfe schrieb. Von Powells musikalischen Fähigkeiten war Händel so begeistert, dass er den Harfenisten bald vielseitig förderte und unterstützte: »Um ihn bekannt zu machen, schrieb Mr. Händel für ihn so manche Lehrstücke und führte sein Spiel in ein oder zwei Oratorien ein«, schrieb der Händel­Biograf John Hawkins in seiner

Der blinde Harfenist John Parry, Gemälde von William Parry, ca. 1770

General History of the Science and Practice of Music aus dem Jahr 1776 über die Beziehung der beiden Musiker. Die künstlerische Kollaboration erreichte schließlich mit der Uraufführung von Händels erstem und einzigen Harfenkonzert am 19. Februar 1736 im Londoner Covent Garden Theatre ihren Höhepunkt: Powell übernahm den Solopart des Konzerts, das bei der Uraufführung gemeinsam mit einem Concerto grosso und einem Harfenkonzert als opulente Einlagemusik für Händels Ode Alexander’s Feast erklang. Ein weiterer berühmter Interpret des Harfenkonzerts wurde der blinde Harfenist John Parry, der im Dienst des walisischen Adeligen Sir Watkin Williams­Wynn stand und das Werk 1741 im Rahmen zweier Benefizkonzerte aufführte: Parry gehörte zu den bekanntesten Harfenisten seiner Zeit und wurde auch von Händel sehr

geschätzt. Von seinem Sohn, dem Maler William Parry, wurde der Interpret gemeinsam mit einem Assistenten porträtiert, der Noten von Händels Krönungshymne Zadok, the Priest in seinen Händen hält.

Zwei Jahre nach seiner Uraufführung erschien das Harfenkonzert erstmalig im Druck, nun allerdings als Teil einer Sammlung von insgesamt sechs Orgelkonzerten op. 4. In seiner Beschreibung der Sammlung gibt eine Ungenauigkeit von Händel­Biograf Hawkins jedoch Anlass zur Vermutung, dass mitunter noch ein weiteres der sechs Konzerte ursprünglich für Harfe komponiert worden war: Hawkins schreibt, dass »das fünfte Konzert der Sammlung ein Lehrstück für Harfe darstellt«, komponiert für Powell. Das Harfenkonzert aus Alexander’s Feast ist allerdings das sechste Konzert in der Sammlung, nicht das fünfte, welches in der Tonart F­Dur steht. Handelt es sich um einen Fehler von Hawkins? Oder war auch das fünfte Konzert ursprünglich für Harfe gedacht? Aufschlussreich ist in jedem Fall, dass das Konzert in F­Dur ebenso vor teilhaft für die Harfe ›liegt‹ wie das Konzert in B­Dur. Auch hier griff Händel auf musikalisches Material aus bereits vorhandenen Werken zurück:

Ursprünglich entstand das Konzert in F­Dur im Jahr 1735 für eine Wiederaufführung des Oratoriums Deborah, für die Händel wiederum vier Sätze seiner Blockflötensonate HWV 369 ›recycelte‹.

John Dowland // Lachrimae (›Flow, my tears‹)

Einen klanglichen Gegenpol zu Händels barocker Festlichkeit bildet ein Arrangement des Lautenliedes Lachrimae (›Flow, my tears‹) des englischen Komponisten und Lautenisten John Dowland. Nach eigenen Angaben im Jahr 1563 geboren, lebte Dowland in der Blütezeit der englischen Renaissance im Elisabethanischen Zeitalter, das er als Musiker und Komponist selbst bedeutend prägte. Zunächst verschlug es den Musiker allerdings ins Ausland, nachdem er sich 1594 ohne Erfolg um die Nachfolge des verstorbenen königlichen Lautenisten John Johnson bemüht hatte. Nach Stationen in Wolfenbüttel und Kassel zog es Dowland zunächst nach Rom. Als er jedoch in Florenz von einem geplanten Attentat auf Königin Elisabeth I. erfuhr, reiste er Hals über Kopf nach

John

Nürnberg zurück, um von dort aus seine Landsleute zu warnen. Ende 1596 – dem Entstehungsjahr von Lachrimae – reiste Dowland nach London, um sich erneut als königlicher Lautenist zu bewerben: auch diesmal jedoch erfolglos. Erst im Jahr 1612 sollte er den heißbegehrten Posten des ›Musician for the lute‹ am englischen Königshof erlangen. Die zunächst als instrumentale Pavane entstandene und später textier te Komposition Lachrimae wurde zu Dowlands berühmtestem Werk und so gleichzeitig zu seinem musikalischen ›Markenzeichen‹: Zu mehreren Gelegenheiten unterschrieb Dowland als »Jo: dolandi de Lachrimae«.

Marie Antoinette an der Harfe, Gemälde von Jean­Baptiste André Gautier­Dagoty, 1775

Alexandre Guilmant // Paraphrase über einen Chor aus Judas Maccabaeus

Alexandre Guilmant // Paraphrase über einen Chor aus Judas Maccabaeus

Hinter der Paraphrase über einen Chor aus Händels Judas Maccabaeus von Alexandre Guilmant steckt eine kleine musikalische Überraschung: Der Chor »See, the conqu’ring hero comes«, den Händel zunächst für den dritten Akt des biblischen Oratoriums Joshua komponierte und schließlich auch 1751 in die überarbeitete Fassung seines Oratoriums Judas Maccabaeus einbaute, ist heutzutage besser als Adventlied »Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem« nach einem Text von Friedrich Heinrich Ranke bekannt. Der 1837 in der nordfranzösischen Hafenstadt Boulogne­sur­Mer geborene Organist und Komponist Alexandre Guilmant wählte dieselbe eingängige Melodie im Jahr 1904 als musikalischen Ausgangspunkt für eine Paraphrase für Orgel, die nun wiederum in einer Bearbeitung für Streichorchester des Dirigenten Martin Braun erklingt und für vorweihnachtliche Stimmung sorgt.

François-Adrien Boeildieu // Konzert für Harfe und Orchester C-Dur

In der Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Harfe in Paris einen regelrechten Boom: Ihr zarter, weicher Klang machte sie zu einem der beliebtesten Instrumente aristokratischer Salons – die häufig mit zahlreichen filigranen Verzierungen versehenen Harfen waren in der Welt des Rokokos dekorativer Einrichtungsgegenstand und begehrtes Accesscoire der Adeligen zugleich. Auch nach der Französischen Revolution blieb die Popularität des Instruments ungebrochen: Nicht nur Marie­Antoinette spielte die Harfe, sondern auch Napoleons Ehefrau Joséphine de Beauharnais, spätere Kaiserin von Frankreich. Nichtsdestotrotz war die Harfe zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit ihrem eingeschränkten Tonartenvorrat als ›unvollkommenes Instrument‹ in die Kritik geraten: Mit den Anforderungen eines musikalischen Repertoires, das zunehmend chromatischer und harmonisch komplexer wurde, konnte sie schwer mithalten. Dass allerdings auch die Einfachpedalharfe des 18. Jahrhunderts vielfältige klangliche Möglichkeiten hatte, zeigt das im Jahr 1800 ent­

standene Harfenkonzert in C­Dur des französischen Komponisten

François­Adrien Boieldieu – einem guten Freund des Erfinders der Doppelpedalharfe Érard, der vermutlich bereits um die Jahrhundertwende an der revolutionären Mechanik tüftelte. Boieldieu war eigentlich für sein Schaffen im Bereich der Pariser Opéra­comique bekannt. Im Entstehungsjahr des Konzerts feierte er mit seinem Einakter Le calife de Bagdad in der französischen Hauptstadt einen großen Erfolg. Sein Harfenkonzert steht mit seinen intrikaten Verzierungen, Umspielungen und Trillern ganz im Zeichen der Virtuosenkultur der Jahrhundertwende: Der erste Satz – beginnend mit einer Orchesterfanfare in strahlendem C­Dur – zeichnet sich durch elegante Leichtigkeit aus. Im Gegensatz dazu beginnt der langsame zweite Satz in desolater Melancholie, die sich schließlich in ein liebevolles, warmes Dur verwandelt. Eine ausdrucksstarke Kadenz der Harfe mündet schließlich nahtlos in ein eingängiges Rondo.

Antonín Dvořák

// Serenade für Streicher E-Dur op. 22

Neudeutsche Schule Bezeichnung für eine Komponistengruppe um Franz Liszt in Weimar, die die ›Zukunft‹ der Musik in der Programmmusik, der Anwendung neuer harmonischer Mittel und unkonventionellen Formen sah

Die Serenade für Streicher gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Werken Antonín Dvořáks. Nur zwei Wochen benötigte er im Frühjahr 1875 für die Fertigstellung des fünfsätzigen Werkes in einer Lebensphase, in der seine Karriere als Komponist langsam aber sicher an Fahrt aufnahm: Dvořák hatte zu Beginn der 1870er­Jahre in Prag erste Erfolge mit Werken wie dem Hymnus aus dem Gedicht Die Erben des Weißen Berges gefeiert und bekleidete seit Februar 1874 das Organistenamt an der Kirche St. Adalbert. Im selben Jahr erhielt er außerdem erstmalig das staatliche Künstlerstipendium des Wiener Unterrichtsministeriums, mit dem mittellose, talentierte Künstler unterstützt werden sollten. Die so gewonnene finanzielle Freiheit ermöglichte ihm die Hochzeit und Familiengründung – 1874 wurde das erste seiner neun Kinder geboren – und natürlich das Komponieren: In der ›Wendezeit‹ zwischen 1873 und 1875 entwickelte sich Dvořáks Klangsprache von anfänglichen ›neudeutschen‹ Experimenten hin zu einer formalen

Klassizität, die zugleich Elemente der slawischen Folklore in sich trug. Die Serenade für Streicher ist dafür das beste Beispiel, auch wenn sie im Gegensatz zu Werken der anschließenden ›slawischen‹ Periode

Dvořáks keine unmittelbaren musikalischen Anleihen aus der böhmischen Volksmusik enthält: Die fünf kurzen Sätze, fast alle in dreiteiliger Liedform aufgebaut, demonstrieren Dvořáks melodischen Einfallsreichtum und sein Talent für kleine Formen. Charakteristisch für die Komposition sind neben ihrem idyllischen, pastoralen Gestus satztechnische Kniffe wie die Imitation von Themen in verschiedenen Stimmen: Motive ›wandern‹ so durch die verschiedenen Stimmgruppen. Dvořák zitiert außerdem das Hauptthema des ersten Satzes in der Coda des letzten Satzes und sorgt so für eine zyklische Geschlossenheit des Werkes.

Dreiteilige Liedform Vom Volkslied abgeleitete Form, bestehend aus einem Anfangsteil, einem kontrastierenden Mittelteil und anschließender Wiederholung des Anfangsteils

Xavier de Maistre

Harfe

Xavier de Maistre ist einer der führenden Harfenisten der Gegenwart und ein zutiefst innovativer Musiker. Als leidenschaftlicher Verfechter seines Instruments hat er das Harfenrepertoire erweitert und bei Komponisten neue Werke in Auftrag gegeben. Außerdem erstellt er Transkriptionen von wichtigen Instrumentalwerken. Xavier de Maistre konzertiert regelmäßig als Gastsolist mit exzellenten Orchestern auf der ganzen Welt. Er arbeitete mit Dirigent:innen wie Sir André Previn, Sir Simon Rattle, Riccardo Muti, Daniele Gatti, Philippe Jordan, Andrés Orozco­Estrada, Bertrand de Billy, Daniel Harding, Susanna Mälkki und Mirga Gražinytė­Tyla und war als Solist bei hochkarätigen Festivals weltweit zu Gast.

De Maistre ist seit 2008 Exklusivkünstler bei Sony Music, sein erstes Album bei diesem Label Nuit d’Etoiles ist Debussy gewidmet. Weitere Veröffentlichungen waren Hommage à Haydn (2009), Aranjuez (2010) und Notte Veneziana (2012) mit bedeutendem Barockrepertoire, Moldau (2015), Soloharfenstücke slawischer Komponisten, und La Harpe Reine (2016) mit Les Arts Florissants und William Christie. Sein Album Christmas Harp (Oktober 2021) enthält Paraphrasen und Fantasien berühmter Weihnachtslieder. Mit Rolando Villazón nahm er 2020 das hochgelobte Album Serenata Latina auf (Deutsche Grammophon). Im Herbst 2022 erschien seine neueste, der russischen Musik gewidmete CD mit dem berühmten Harfenkonzert von Reinhold Glière und dem vergessenen Konzert von Alexander Mosolow, begleitet vom WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Nathalie Stutzmann. Im Jahr 1998 erhielt de Maistre den Ersten Preis (und zwei Interpretationspreise) beim renommierten Internationalen Harfenwettbewerb der USA und wurde im selben Jahr als erster französischer Musiker bei den Wiener Philharmonikern aufgenommen. Seit 2001 unterrichtet er an der Musikhochschule in Hamburg. Er spielt auf einem Instrument von Lyon & Healy.

Festival Strings Lucerne

Seit ihrer Gründung 1956 im Rahmen der Internationalen Musikfestwochen Luzern (seit 2001: Lucerne Festival) üben die Festival Strings Lucerne eine weltweite Tourneetätigkeit aus. Prägend ist seit jeher die Zusammenarbeit mit herausragenden Partner:innen wie Augustin Hadelich, Hélène Grimaud, Khatia Buniatishvili und Maria João Pires oder Leia Zhu, Anastasia Kobekina und Bruce Liu. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht mit Rudolf Buchbinder und Midori, auch auf CD. Das Repertoire reicht vom Barock bis zur Gegenwart; mittels Neubearbeitungen und Uraufführungen von Komponisten wie Jean Françaix, Frank Martin, Bohuslav Martinů oder Krzystof Penderecki leistet das Orchester einen substanziellen Beitrag zur Erweiterung des Streichund Kammerorchesterrepertoires. Gegründet wurden die Festival Strings Lucerne von Wolfgang Schneiderhan und Rudolf Baumgartner als Streicherensemble mit Cembalo. Mit Daniel Dodds als Leiter tritt

das Orchester, geleitet vom Konzertmeisterpult, vermehrt auch mit symphonischem Repertoire in erweiterten Besetzungen auf. Die Festival Strings Lucerne können eine reiche Diskografie vorweisen. Aktuell erschienen sind Aufnahmen bei Warner Classics, Sony Classical und Pentatone. Seit 2012 ist der Geiger und Pädagoge Daniel Dodds künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucerne. Er war bereits seit 2000 erster Konzertmeister des Ensembles. Daniel Dodds, der australischchinesische Eltern hat, trat als Solist unter Dirigenten und Dirigentinnen wie Zubin Mehta, Vladimir Ashkenazy oder Oksana Lyniv auf und arbeitete dabei mit Orchestern wie dem Luzerner Sinfonieorchester, Orchestra della Svizzera italiana, Melbourne Symphony Orchestra und dem Australian World Orchestra zusammen. Er spielt die Stradivari »Hämmerle­Baumgartner« von 1717, die ihm von der Stiftung Festival Strings Lucerne zur Verfügung gestellt wird.

Festival Strings Lucerne

Erste Violine

Daniel Dodds (Violine & Leitung)

Yuta Takase (stellvertretender

Konzertmeister)

Thomas Schrott

Yana Gottheil

Miriam Müller

Aronghua Griffiths

Zweite Violine

Daniel Meller (Stimmführer)

Reiko Koi

Izabela Iwanowska

Jonas Moosmann

Daniel Frankenberg

Viola

Fagott Michaela Špačková

Cembalo

Katrin Burger (Stimmführerin)

Marlène Züsli­Spahr

Chin­Ting Huang

Mira Maranta

Martin Zimmermann

Impressum

Herausgeberin

Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz

Künstlerischer Direktor

Norbert Trawöger

Programmplanung & Dramaturgie

Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter

Redaktion

Paula Schlüter

Grafik

Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer

Abbildungen

gemeinfrei (S. 7, 10, 13 & 15), Victoria and Albert Museum, London (S. 9), N. Lund (S. 17), F. Umiglia (S. 18–19)

Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz

Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!

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