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FINANZRATGEBER

Wenn Sparen allein nicht mehr reicht

Finanzielle Vorsorge ist eine Schweizer Tugend. Im Durchschnitt legen private Haushalte rund 17 Prozent ihres Bruttoeinkommens zurück – ein im internationalen Vergleich ungewöhnlich hoher Wert Berücksichtigt man die Vorsorgebeiträge in der Pensionskasse, steigt die Sparquote sogar auf weit über 20 Prozent. Dennoch zeigt sich ein bemerkenswertes Paradox: Lediglich etwa die Hälfte der Bevölkerung investiert in Wertschriften.

Wer auf Investitionen verzichtet, lässt wertvolle Chancen ungenutzt. Sparen mag Sicherheit bieten, doch Investieren schafft Wachstum. Bei Tiefzinsen und steigender Lebenserwartung wird dieser Unterschied zunehmend entscheidend Trotzdem liegt bei vielen Menschen das Vermögen weiterhin auf Sparkonten. Die Gründe sind vielfältig: die Furcht vor Verlusten, ein Gefühl der Unsicherheit oder das Empfinden unzureichender Information Die Angst vor möglichen Börsenkorrekturen überwiegt oft die sachliche Betrachtung langfristiger Ertragschancen.

Ein bemerkenswerter Trend: Immer mehr Menschen lassen sich ihr Pensionskassenguthaben bei der Pensionierung auszahlen.Von einem Tag auf den anderen verantworten sie so sechsstellige Beträge – ohne Anlageerfahrung Wer nie investiert hat, muss plötzlich sein eigener Vermögensverwalter sein.

Dieser Finanzratgeber bietet Ihnen fundierte Orientierung. Er ersetzt keine persönliche Beratung, legt jedoch Grundlagen für durchdachte Entscheidungen. Auf Seite 3 erläutern wir die Funktionsweise von ETFs in prägnanter, verständlicher Weise Seite 5 widmet sich der Problematik des Sparens im Tiefzinsumfeld. Weiter beleuchten wir emotionale Fallstricke beim Anlegen und identifizieren potenzielle Vorsorgelücken (Seiten 9 und 13).

Besonders hervorzuheben sind die Seiten 6 und 7: Renommierte Fachleute analysieren die Chancen und Risiken des Anlagejahres 2026 Sie thematisieren nicht nur Unwägbarkeiten, sondern vor allem die Perspektiven, die sich eröffnen. Diese Einsichten verdienen Ihre Aufmerksamkeit

Denn bei aller Vorsicht gilt: Wir stehen auf solidem Fundament. Schweizerinnen und Schweizer sparen diszipliniert und verfügen über beachtlichen Wohlstand. Nun gilt es dieses Vermögen klug einzusetzen – mit Wissen und eigenem Urteilsvermögen. Was Ihre persönlichen Finanz- und Vorsorgeziele sind, kann Ihnen keine KI beantworten Diese Entscheidung liegt bei Ihnen.

Jürg Zulliger, Redaktor Wirtschaft und verantwortlich für diesen Schwerpunkt

Die Komplexität nimmt zu: Neben klassischen Indexfonds drängen immer mehr Spezial- und aktive ETFs auf den Markt.

Gebühren

sparen und typische Fehler vermeiden

Exchange Traded Funds verzeichnen Rekordzuflüsse Doch für den langfristigen Vermögensaufbau zählt nicht der Boom, sondern die richtige Auswahl – gerade für Schweizer Anleger.

MARK BAER

Das Jahr 2025 geht als Jahr der Superlative in die Geschichte der Geldanlage ein. Während Handelskonflikte und andere geopolitische Unsicherheiten die Schlagzeilen dominierten, zeigten die Kapitalströme ein anderes Bild Laut dem aktuellsten Marktbericht des Vermögensverwalters Vanguard flossen im vergangenen Jahr netto 372 Milliarden US-Dollar in europäische Exchange Traded Funds (ETFs) Das sind umgerechnet rund 335 Milliarden Franken. Damit wurde der Rekord des Vorjahres um fast 94 Milliarden Dollar übertroffen

Zum Jahresende bestätigte sich dieser Trend noch einmal eindrücklich: Allein im Dezember 2025 flossen weitere 35 Milliarden Dollar in europäische ETFs Dieser Schlussspurt unterstreicht eine fundamentale Verschiebung: Der ETF ist vom reinen Handelsinstrument zum Basisinvestment avanciert. Besonders sogenannte Core-Aktienstrategien, also breit diversifizierte Standardwerte, verzeichneten über das ganze letzte Jahr konstant Zuflüsse Doch diese Euphorie verdeckt, dass die Märkte anspruchsvoller geworden sind. Wo früher oft ein einziger Standardindex genügte, sehen sich Investoren heute einer wachsenden Flut aus Spezialprodukten, aktiven Strategien und teils undurch-

sichtigen Gebührenmodellen gegenüber. Wer heute erfolgreich investieren will, muss genau hinschauen. Es gilt zu unterscheiden: Welche neuen digitalen Sparmöglichkeiten taugen etwas? Wann lohnen sich die trendigen aktiven Strategien? Und wie soll man mit den volatilen Kryptomärkten umgehen?

Der helvetische Sparplanmarkt erwacht

Lange Zeit war die Schweiz ein schwieriges Pflaster für den automatisierten Vermögensaufbau mit ETFs Sparpläne fristeten hierzulande ein Schattendasein Hohe Mindestgebühren frassen die Rendite kleinerer monatlicher Sparbeträge oft vollständig auf. Das hat sich geändert Neue digitale Anbieter wirbeln den Markt auf

Rekordzuflüsse sind kein Garant für gute Renditen –entscheidend ist die richtige ETF-Wahl.

und brechen die verkrusteten Strukturen auf Es ist heute endlich möglich, kosteneffizient in kleinen Tranchen zu investieren. Aber Vorsicht ist geboten: Die Unterschiede zwischen den Anbietern bleiben gross Wer bei seiner Hausbank ungeprüft investiert, zahlt oft noch immer hohe Gebühren. Jeder Franken, den Sie an Gebühren zahlen, kann keine Rendite mehr erwirtschaften. Und leider potenziert sich dieser Verlust über die Jahre: Nach zwei Jahrzehnten fehlt Ihnen mit zu hohen Fees schnell der Gegenwert eines Kleinwagens Anlegerinnen und Anleger sollten daher nicht nur Pauschalgebühren und Courtagen prüfen. Ein oft übersehener Renditekiller sind auch die Währungskosten (siehe unten Punkt 4)

Exchange Traded Funds: Ist aktiv das neue passiv? Eine weitere eiserne Regel gerät ins Wanken: Sind ETFs per Definition passiv? Nein, das war einmal. Die Grenze zwischen aktivem Fondsmanagement und passiven Indexfonds verschwimmt zusehends Datendes AssetManagers Robeco zeigen hier eine deutliche Verschiebung in Europa. Während 2019 nur 5 Prozent der neuen ETF-Listings aktive Strategien verfolgten, waren es im letzten Jahr bereits 40 Prozent Der Anteil neuer aktiver Notierun-

gen hat sich auf unserem Kontinent in den letzten sechs Jahren damit verachtfacht.

Der Grund für diesen Wandel liegt in den veränderten Bedürfnissen. Viele Investoren geben sich nicht mehr mit dem reinen Marktdurchschnitt zufrieden. Sie suchen nach einer gezielten Steuerung von Risiken oder wollen Nachhaltigkeitskriterien strenger anwenden. Aktive ETFs nutzen die technische Hülle eines Exchange Traded Funds Sie sind einfach handelbar, transparent und liquide Gleichzeitig wird ihr Innenleben jedoch aktiv gesteuert Das bedeutet: Statt mechanisch einen Index 1:1 nachzubauen, entscheiden hier Fondsmanager oder Algorithmen gezielt über die Auswahl und Gewichtung der einzelnen Titel.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Als Anlegerin oder Anleger sind sie so nicht Sklave der Marktkapitalisierung In einem klassischen WeltIndex kaufen Sie beispielsweise automatisch einen gigantischen Anteil an grossen US-Tech-Titeln, egal wie teuer diese gerade bewertet sind Aktive Ansätze versuchen, diese Klumpenrisiken zu glätten. Doch auch hier gibt es Opportunitätskosten. Aktive ETFs sind oft teurer als ihre passiven Pendants Zudem wetten sie darauf, dass das Fondsmanagement klüger ist als der Markt.

Fortsetzung auf Seite 4

Für das fundamentale Herzstück eines Portfolios bleibt ein kostengünstiger, passiver ETF meist die robustere Wahl. Aktive ETFs können jedoch als gezielte Beimischung praktisch sein

Der einfache Weg zu Kryptoanlagen

Wer Kryptowährungen wie Bitcoin seinem Portfolio beimischen möchte, muss dafür nicht in die Ferne schweifen. Die Schweiz nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. An der SIX Swiss Exchange finden Anleger eine breite Palette an sogenannten ETPs Emittenten solcher Exchange Traded Products wie 21Shares, CoinShares oder WisdomTree bieten an der SIX physisch hinterlegte Produkte an, die Bitcoin und andere digitale Assets zuverlässig abbilden Der Umweg über US-Produkte ist für Schweizer Investorinnen meist unnötig Ein Blick auf die globalen Daten mahnt jedoch zur Vorsicht bei der Auswahl des Einstiegszeitpunkts Während der traditionelle Aktien-ETF-Markt Rekorde feierte, zeigten Kryptoanlagen gegen Ende 2025 ein wechselhaftes Bild. Der monatliche Report von 21Shares für Dezember bestätigt dies eindrücklich: Nach den Abflüssen im November kehrten europäische Krypto-ETPs im Dezember zwar in die Gewinnzone zurück und verzeichneten Netto-Zuflüsse von über 193 Millionen Dollar. Doch der Schein trügt: Während Bitcoin-Produkte stark gesucht waren, wurden andere Segmente, wie Kryptokörbe oder Produkte auf die Währung Solana weiterhin im grossen Stil abgestossen

Die Lehre aus den jüngsten Marktbewegungen ist eindeutig: Die traditionelle Finanzwelt und die Kryptomärkte laufen nicht immer synchron. KryptoETPs können ein Portfolio sinnvoll ergänzen, sie eignen sich jedoch nur als Beimischung Sie ersetzen jedoch weder einen breit abgestützten Aktienkern noch eine sorgfältige Vermögensallokation, die sich an Risikofähigkeit und Anlagehorizont orientiert.

Die zehn teuersten Irrtümer mit ETF-Anlagen

Selbst wer bei klassischen Indexfonds bleibt, ist vor Fehlern nicht gefeit Eine Analyse der häufigsten Fallstricke zeigt, wo Investorinnen und Investoren unnötig Rendite liegenlassen.

1. Die Diversifikationslüge

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass jeder ETF automatisch das Risiko breit streut. Ein Beispiel ist der Schweizer Leitindex SMI. Ein ETF auf diesen Index investiert fast die Hälfte des gesamten Kapitals in nur drei Firmen: Nestlé, Novartis und Roche Wenn einer dieser Riesen einmal schwächelt, spürt das gesamte Depot die Auswirkungen. Wer den Schweizer Markt abbilden will, sollte den SMI besser mit dem breiteren SPI ersetzen oder ihn zwingend mit einem Welt-Index kombinieren.

2. Die Kostenfalle

ETF ist leider nicht gleich günstig. Besonders Themen-ETFs erheben oft Gebühren, die ein Vielfaches von StandardETFs betragen. Ein weiterer Kostentreiber ist die Liquidität: Wenn ein ETF an der Börse nur selten gehandelt wird,

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müssen Investoren einen höheren Aufschlag bezahlen, um überhaupt kaufen oder verkaufen zu können. Die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, dem sogenannten Spread, ist dann deutlich grösser. Ein auf den ersten Blick günstiger, aber illiquider ETF kann Sie so teuer zu stehen kommen.

3. Die Steuerdomizilproblematik Für Schweizer Anlegerinnen ist das Domizil des Fonds essenziell. Bei Schweizer Aktien muss der ETF zwingend in der Schweiz domiziliert sein. Nur so können Sie die Verrechnungssteuer von 35 Prozent problemlos zurückfordern. Vorsicht ist geboten bei Produkten aus dem Ausland Bei USAktien hingegen sind ETFs mit Domizil Irland oft die bessere Wahl. Dank eines Doppelbesteuerungsabkommens ist die Quellensteuerbelastung auf US-Dividenden hier für Schweizer oft geringer Von ETFs, die direkt in den USA domiziliert sind, sollten Privatanleger meist Abstand nehmen. Hier droht die US-Erbschaftssteuer, die bereits ab Vermögenswerten von 60 000 Dollar greifen kann.

4. Der Währungsirrtum

Ein ETF, der in Schweizer Franken gehandelt wird, schützt Sie nicht vor Währungsverlusten. Hier sollten Sie wachsam sein Wenn der ETF US-Aktien wie Apple oder Nvidia enthält, hängt Ihr Geld am Dollar Der ETF rechnet den aktuellen Wert nur in Franken um. Fällt der Dollar, verliert aber auch Ihr ETF in Franken an Wert

Wer Währungsrisiken ausschliessen möchte muss zu sogenannten währungsgesicherten Produkten greifen. Diese

erkennen Sie am Zusatz «hedged» im Namen. Aber Achtung: Diese Absicherung kostet Gebühren und kann die Rendite schmälern. Bei langen Anlagehorizonten raten Experten oft dazu, das Währungsrisiko zu akzeptieren, da es sich über die Jahre oft ausgleicht.

5. Der Rückspiegelfehler

Viele Investoren kaufen den ETF, der in den letzten drei Jahren am besten lief Das bedeutet meistens, dass sie diesen teuer einkaufen. Sektoren, die bereits extrem gut gelaufen sind, weisen oft hohe Bewertungen auf. Wer erst einsteigt, bezahlt viel für die Hoffnung auf künftige Gewinne.Value-Ansätze sind oft günstiger bewertet. Der Blick sollte daher nach vorne gerichtet sein, statt der vergangenen Performance hinterherzujagen.

6. Der Grössenwahn

Vermeiden Sie sogenannte «ZwergenETFs». Ein Fonds sollte idealerweise ein gewisses Volumen aufweisen. Oft wird eine Grenze von 100 Millionen Franken als Richtwert genannt. Ist ein ETF zu klein, besteht das Risiko einer Schliessung durch den Anbieter Das investierte Kapital ist zwar nicht verloren. Aber es muss dann oft zu einem ungünstigen Zeitpunkt neu angelegt werden. Dabei fallen erneut Börsengebühren und Stempelsteuern an.

7. Die falsche Benchmark Nicht überall, wo «Welt» draufsteht, ist die ganze Welt drin. Ein klassischer «MSCI World» deckt nur die Industrieländer ab: Das Gewicht der USA beträgt dabei, getrieben durch die Tech-Giganten, aktuell über 70 Prozent. Wer die Weltwirtschaft abbilden will und auch Schwellenländer wie China oder Indien im Portfolio haben möchte, sollte genau hinschauen Indizes wie der «MSCI ACWI» oder der «FTSE All-World» schliessen diese Märkte explizit mit ein.

8. Der Steuermythos Viele Schweizer lesen deutsche Finanzratgeber und glauben deshalb: Thesaurierende ETFs sparen Steuern. Damit sind Fonds gemeint, welche die Dividenden automatisch wiederanlegen Das ist für die Schweiz jedoch falsch Die Eidgenössische Steuerverwaltung behandelt sowohl thesaurierende als auch ausschüttende ETFs gleich Investorinnen bezahlen Einkommenssteuer auf die Erträge, egal ob diese tatsächlich auf ihrem Konto landen oder vom Fonds intern reinvestiert werden. Die Steuerrechnung ist am Ende also identisch. Viele Anleger bevorzugen deshalb ausschüttende ETFs, um den Cashflow direkt für die Begleichung dieser Steuerschuld zu nutzen.

Wer ETF-Gebühren, Tracking Difference, Steuerdomizil und Währungsrisiken ignoriert, verschenkt Tausende Franken

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9. Die Weckerfalle Nur weil Sie einen ETF an der SIX in Zürich um 9.00 Uhr morgens kaufen können, heisst das nicht, dass Sie dies so tun sollten. Wenn Sie morgens einen ETF auf den US-amerikanischen S&P 500 kaufen, sind die Börsen in den Vereinigten Staaten noch geschlossen Die Market-Maker in der Schweiz müssen die Kurse schätzen und verlangen dafür oft einen Risikoaufschlag, also einen höheren Spread. Handeln Sie US-ETFs daher idealerweise erst, wenn die Wall Street geöffnet hat, also ab 15.30 Uhr Schweizer Zeit

10. Die TER-Blindheit

Anlegerinnen und Anleger starren oft nur auf die Gesamtkostenquote TER. Doch ist der ETF mit 0,07 Prozent Kosten immer besser als der mit 0,10 Prozent? Nicht zwingend Wichtiger ist die sogenannte Tracking Difference Sie zeigt die echten Kosten unter dem Strich. Der Grund: Viele ETFs verleihen ihre Aktien kurzzeitig gegen eine Gebühr an andere Banken. Das ist wie eine Mieteinnahme, die zurück in den Fonds fliesst und die Kosten senkt. Das paradoxe Ergebnis: Ein ETF mit 0,10 Prozent Gebühren kann für Sie damit am Ende rentabler sein als ein Konkurrenzprodukt, das zwar nur 0 07 Prozent kostet aber diese Zusatzeinnahmen nicht nutzt.

Fazit: Das Rekordjahr 2025 hat gezeigt, wie gross das Interesse an ETFs geworden ist. Doch erst die richtige Strategie und ein Bewusstsein für die Details machen aus einem einfachen Produkt ein erfolgreiches Instrument für den Vermögensaufbau.

Fortsetzung

Wenn sich Frankenanleihen nicht mehr lohnen

Die Nationalbank hält den Leitzins voraussichtlich bei null – mit spürbaren Folgen für Sparkonten, Obligationen und die langfristige Vermögensplanung

WERNER GRUNDLEHNER

Der finanzielle Ausnahmezustand scheint zur neuen Normalität zu werden. Im Juni des vergangenen Jahres beschloss die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Einführung von Nullzinsen. Bereits in den Jahren 2015 bis 2022 befand sich unser Land in einem Niedrig- oder gar Negativzinsumfeld. Auch diesmal vollzog die SNB den Schritt nicht ohne Not. Die Zinssenkung im vergangenen Juni war angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen, der gedämpften Inflationserwartungen, des anhaltend starken Schweizer Frankens sowie der durchzogenen Konjunkturentwicklung nachvollziehbar

Ein wichtiger Punkt für eine nachhaltige, langfristige Anlagestrategie ist die Einschätzung, wohin sich die Zinsen bewegen und wie lange sie dort verharren. «Wir gehen nicht von einer langen Tiefzinsphase wie in den 2010er Jahren aus Im Vergleich zu damals beobachten wir heutzutage global stabil höhere Inflationsraten, mehr Wachstum, den Willen zu fiskalpolitischer Lockerung sowie weniger internationale Kooperation –alles Faktoren, die schneller wieder zu höheren Zinsen führen sollten» sagt Philipp Burckhardt, Fixed-IncomeStratege bei Lombard Odier Investment Managers Da die SNB viel Wert auf das Zinsdifferenzial zur Eurozone lege, seien die jüngsten Kommentare bezüglich Zinserhöhungen der EZB-Direktorin Isabel Schnabel sicherlich wohlwollend aufgenommen worden.

Doch könnte die SNB unter Umständen erneut zu Negativzinsen greifen –und was müsste dafür passieren? Burckhardt rechnet nicht damit, auch wenn er das Szenario grundsätzlich für möglich hält. «Aus unserer Sicht wäre dafür ein externer Schock nötig, der den Franken deutlich aufwertet. Dies könnte zu stärkerer Disinflation oder gar Deflation führen. Gleichzeitig müsste sich das Wachstum bei einem schwächelnden Arbeitsmarkt weiter abschwächen, und die EZB müsste mit Zinssenkungen beginnen», sagt der Stratege Schweizer Investoren haben immer einen starken Home-Bias, das heisst, sie fokussieren sich auf den Schweizer Markt. Das ist dem Franken geschuldet. Denn dessen Stärke kostet bei Investitionen im Ausland Währungsverluste, also Rendite Mit Negativzinsen könnte sich die Attraktivität des Frankens aber reduzieren Die SNB halte das Zinsdifferenzial absichtlich hoch, sagt der Lombard-Odier-Stratege «Dies sollte den Schweizer Franken relativ gesehen weniger attraktiv machen. Dies bedeutet aber nicht, dass der Schweizer Fran-

ken abwerten muss, wenn die Nachfrage aufgrund zyklischer sowie auch struktureller Faktoren hoch bleibt», erklärt er Banken geben Margendruck weiter Das aktuelle Zinsumfeld erschwert verantwortungsvolles Sparen und setzt die Altersvorsorge weiter unter Druck. Die Banken schultern durch den erhöhten Margendruck im Kreditgeschäft erneut eine geldpolitische Last. Dieser wird von ihrer Kundschaft getragen werden müssen, welche auf ihren Einlagen kaum mehr Rendite erhält. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen beklagen in solchen Zeiten die fehlenden Anlagealternativen und treten vermehrt als Immobilieninvestoren auf Doch angesichts der starken Nachfrage und steigender Preise ist es schwierig, tatsächlich attraktive Projekte respektive Liegenschaften zu finden, jedenfalls nicht an teuren Stadtlagen.

Die Knappheit an attraktiven Anlagen ist damit kein exklusives Problem der Pensionskassen

In diesem Umfeld fragt sich auch der Privatanleger, ob klassische Aufteilungen im Wertschriftensparen noch angezeigt sind. Seit Jahrzehnten geistert die «klassische Allokationen» wie 60 Prozent in Aktien und 40 Prozent in Obligationen durch Anlagepläne und Beratungsmandate

Doch lohnen sich hohe Obligationenanteile, wenn diese kaum Verzinsung abwerfen? «Klassische Allokationsmodelle sind wie ein bewährtes Fundament, das man nicht einfach herausreisst, nur weil sich die Architektur weiterentwickelt. Sie schaffen die Grundlage für Diversifikation, auf die Investoren gerade in einer von geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägten Welt angewiesen sind», sagt Rochus Appert vom Anleihenexperten PGIM Investments Ob das konkrete Modell dann 80/20, 60/40 oder anders laute, hänge stark von der persönlichen Risikopräferenz ab Kurz: Die Modelle sind gemäss Appert nicht überholt, sie bräuchten vielleicht nur ein zeitgemässes Update. Entscheidend sei, dass Anleger nicht alles auf eine Karte setzen. Doch erstklassige Staatsanleihen, die praktisch nicht verzinst werden, wie etwa Schweizer «Eidgenossen» oder Frankenanleihen von soliden einheimischen Unternehmen kommen aus Renditeüberlegungen für Privatanleger nicht infrage «Schweizer Anleger finden attraktive Renditen im Nullzinsumfeld naturgemäss nicht mehr vor der Haustür, sondern müssen oft über die Landesgrenzen hinausdenken und investie-

«Wir gehen nicht von einer langen Tiefzinsphase wie in den 2010er Jahren aus.»

Philipp Burckhardt Lombard Odier Investment Managers

ren. Auch bei Anleihen gilt: Der einzige Free Lunch bleibt Diversifikation», sagt der PGIM-Experte Viele Anleger investieren neben den USA vermehrt auch innerhalb von Europa und schauen auch auf Schwellenländer Darüber hinaus bieten sich gemäss Appert-Spezialprodukte an, wie etwa Verbriefungen mit hohen Ratings oder Produkte, die über mehrere Bereiche hinweg investieren, sogenannte Multi-Sector-CreditAnlagen.

Nach Währungsabsicherung sind mit solchenAnlagen 3 bis 4 Prozent möglich –deutlich mehr als klassische Schweizer Staatsanleihen bieten. Rochus Appert fasst zusammen: «Wer den Free Lunch

geniessen will, muss den Teller heute breiter füllen – mit globalen Zutaten.»

Die Auswahl festverzinslicher globaler Anleihen ist gross – einzelne Anleihen sind aber nur mit hohen minimalen Nominalwerten zu haben.

Stellt sich für Sparer damit die Frage, ob sie auf aktiv gemanagte Anleihenfonds setzen oder ein passives Anlageprodukt bevorzugen sollten, das einen Index nachbildet – etwa einen ETF (Exchange Traded Fund)? «Wenn Allokationsmodelle das Fundament sind, das Stabilität gibt und die Last trägt, dann sind die konkreten Investments die Architektur Sie entscheidet darüber, wie flexibel und zukunftsfähig das Ge-

bäude ist», sagt Rochus Appert. Einzeltitel seien wie massgefertigte Elemente: individuell, aber anfällig bei Strukturveränderungen. ETF bildeten die Standardarchitektur – effizient, aber ohne Raum für Anpassungen. «In einem Marktumfeld mit hoher Unsicherheit braucht es den Architekten des aktiven Managements, um tragende Wände und Stützen so zu setzen, dass das Haus auch bei Sturm sicher steht», erklärt der Anlageexperte.

Frankenanleihen reichen nicht mehr «Das Problem ist nicht 60/40, sondern die Frankenobligationen. Staats- und viele Unternehmensanleihen in Franken liefern kaum Realertrag und erfüllen ihre Renditefunktion nur eingeschränkt – als alleiniges Anleihenelement sind sie nicht mehr ausreichend» sagt Maurizio Porfiri, CIO bei Maverix. Substitute müssten Funktionen ersetzen, nicht Titel. Die Obligationenquote stehe für Stabilität, Liquidität und Diversifikation – nicht zwingend für Anleihen. Geeignete Alternativen seien dividendenstarke Qualitätsaktien, defensive Faktorstrategien oder Cashflow-starke Realwerte Doch die meisten Aktien schütten Dividenden aus Worauf muss ein Investor achten, der Aktien nicht in erster Linie wegen Kursgewinnen kauft, sondern auf regelmässiges Einkommen setzt? «Bei sogenannten Dividendenperlen zählt Qualität vor Rendite. Entscheidend sind nachhaltige Cashflows moderate Ausschüttungsquoten, Preissetzungsmacht und eine stabile Dividendenhistorie – nicht die höchste aktuelle Dividendenrendite», sagt Porfiri. Man müsse sich vor Dividendenfallen in Acht nehmen Überdurchschnittliche Renditen sind oft ein Warnsignal für strukturelle Probleme hohe Verschuldung oder zyklische Geschäftsmodelle mit unsicheren Gewinnen. Nach einem überdurchschnittlichen Börsenjahr 2025 sind Aktien dynamisch ins neue Jahr gestartet. Das ist für Anleger erfreulich, doch die Börsen sind mittlerweile generell hoch bewertet. Welche Sektoren sind noch günstig und bieten Schutz vor Kurskorrekturen? Der Maverix Stratege empfiehlt defensive Value-Sektoren, da diese relativen Schutz bieten würden. Konkret setzt er auf Aktien aus den Bereichen Basiskonsum, Gesundheitswesen, Versorger sowie ausgewählte Finanzwerte «Diese sind moderat bewertet und können bei Kurskorrekturen stabilisierend wirken –ohne vollständig immun auf Rückschläge zu sein.»

Mit der Rückkehr zu Nullzinsen entwertet sich Geld im Portemonnaie schleichend.
OLEKSANDR POKUSAI/ADOBE STOCK

Home-Bias oder globale Streuung:

Wie soll ein ausgewogenes Portfolio 2026 positioniert sein? Vier renommierte Anlageexpe Fremdwährungen einsetzen und welche Bedeutung sie Anleihen, Sachwerten,

Moz Afzal Global CIO der Privatbank EFG International

Anastassios Frangulidis, Head of Swiss Multi Assets, Pictet Asset Management

Wie stark sollten Schweizer Aktien in einem gemischten Portfolio gewichtet werden? Welche Bereiche des Marktes favorisieren Sie dabei?

Aktien und andere Risikoanlagen sind hoch bewertet. Halten Sie 2026 eine Reduktion der Aktienrisiken im Portfolio für sinnvoll? Falls ja: Wie gehen Sie vor?

Wir sind im Laufe des Jahres 2025 in Schweizer Aktien untergewichtet geblieben und behalten das auch zu Beginn des Jahres 2026 bei Innerhalb unserer Allokation in Schweizer Aktien konzentrieren wir uns auf kleinere Schweizer Unternehmen, da diese zyklischer sind und in einem Nullzinsumfeld eine bessere Performance erzielen. Aus Sektorsicht bevorzugen wir Gesundheitswesen und Banken.

Derzeit bleiben wir übergewichtet in Aktien Obwohl die Bewertungen eher hoch sind, werden sie durch ein Umfeld sinkender Zinsen und sich verbessernde Gewinntrends gestützt. Mit fortschreitendem Jahr rechnen wir 2026 mit einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums Diese Bedingungen begünstigen weitere Kursgewinne. Leider gibt es heutzutage keinen «Free Lunch», sodass die Sensibilität gegenüber Veränderungen der wirtschaftlichen Fundamentaldaten hoch ist. Ausserdem könnten die US-Zwischenwahlen im November für zusätzliche Volatilität sorgen.

Schweizer Aktien sollten einen wesentlichen Teil des Aktienanteils eines diversifizierten Portfolios ausmachen. Der einheimische Aktienmarkt besteht zu einem grossen Teil aus qualitativ hochwertigen Unternehmen, welche im globalen Vergleich über attraktive Bewertungen und gute Gewinnperspektiven verfügen. Das gilt insbesondere für mittlere und kleinere kapitalisierte Firmen Viele von ihnen haben in den letzten Jahren zum Teil aufgrund der Unsicherheiten rund um den globalen Handel deutliche Korrekturen erlebt. Heute kann man sie zu deutlich besseren Preisen erwerben

Nach drei starken Jahren für risikobehaftete Anlagen sind die Bewertungen an den globalen, US-geprägten Märkten hoch. Während wir aus mittel- und langfristiger Sicht mit niedrigeren als historisch üblichen Renditen rechnen müssen, sollte man trotzdem vorerst die Aktienrisiken nicht unbedingt reduzieren Denn das Wachstum der globalen Konjunktur dürfte trotz der Abschwächung in den USA recht stabil bleiben, während die globalen Notenbanken die Wirtschaft und Finanzmärkte weiterhin mit reichlicher Liquidität versorgen. Deshalb rechnen wir nicht mit einer bedeutenden Bewertungskorrektur während die globalen Unternehmen ein Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich erwarten dürften. Aktienanlagen sind deshalb weiterhin ein wichtiger Renditetreiber im Portfolio

Währungen beeinflussen SchweizerPortfolios stark. Sollte 2026 das USD-Exposure eher reduziert, gehalten oder erhöht werden – und weshalb? Wie sieht es beim Euro aus?

Welches Gewicht messen Sie 2026 Sachwerten wie Gold, Immobilien und Rohstoffen bei?

Der Schweizer Franken hat aufgrund geopolitischer Ereignisse und Befürchtungen hinsichtlich einer Abwertung des US-Dollars innerhalb kurzer Zeit erheblich an Wert gewonnen Allerdings befinden sich die Schweizer Zinssätze derzeit im Vergleich zu allen wichtigen Regionen auf dem niedrigsten Stand und liegen vor allem unter denen des japanischen Yen. Sollte sich die US-Wirtschaft also tatsächlich erholen und die US-Zinsen nicht so stark fallen wie derzeit erwartet, könnte der Schweizer Franken leicht an Wert verlieren. Für 2026 würde dies eine geringfügige Erhöhung des Engagements in US-Dollar begünstigen. In ähnlicher Weise sehen wir den Euro aufgrund des Zinsgefälles als geringfügig stärker als den Schweizer Franken an Gold und Edelmetalle bleiben nach einer Phase der Konsolidierung weiterhin vorteilhaft. Die jüngsten Bewegungen waren übertrieben, und wir sehen eine erhebliche Überbewertung Daher gehen wir davon aus dass der Goldpreis in den nächsten drei Monaten unverändert bis leicht schwächer bleiben wird. Danach könnte es zu weiteren geringfügigen Gewinnen kommen Beim Öl bleiben wir pessimistisch, da das Angebot weiterhin dominiert und die jüngsten Ereignisse in Venezuela sowie ein möglicher Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt zu einem anhaltend schwachen Ölpreis führen könnten

Trotz der starken Abwertung des US-Dollars im vergangenen Jahr ist die Währung keineswegs unterbewertet. Sie wird wahrscheinlich angesichts der nachlassenden Konjunkturperspektiven in den USA und der weiterhin hohen Defizite der öffentlichen Hand zur weiteren Schwäche neigen Deshalb sollte der US-Dollar untergewichtet bleiben. Der Euro wird dagegen von den starken europäischen und insbesondere deutschen Infrastruktur- und Verteidigungsprogrammen profitieren und sollte gegenüber dem Schweizer Franken eher stabil bleiben.

Die Tatsache, dass wir in einer geopolitisch instabilen Welt leben, in welcher die Bekämpfung der hohen Staatsschulden und der in den letzten Jahren über dem Ziel der Notenbanken liegenden Inflation nicht die oberste Priorität der Wirtschaftspolitik ist, macht Anlagen in Sachwerten attraktiv. Zudem sind Anlagen wie Gold oder Immobilien gute Diversifikatoren für ein gemischtes Portfolio

Viele sicherheitsorientierte Anleger erhöhen Cash-Bestände oder kaufen Obligationen Welche Rolle sollten Liquidität und Anleihen 2026 in der Vermögensallokation spielen?

Private Markets gewinnen an Bedeutung Welche Rolle sollten Private-MarketsAnlagen (Private Equity, Private Debt, Infrastruktur, Private Real Estate) in gemischten Portfolios von Privatanlegern 2026 spielen – und über welche Zugangswege sollte investiert werden?

Angesichts der weiter sinkenden Zinsen und der nach wie vor engen Kreditspreads ist es schwieriger mit Bargeld oder sogar Staatsanleihen substanzielle Gewinne zu erzielen. In einem solchen Umfeld sollten Bargeldbestände geringer oder untergewichtet sein. Wir sind in kurzfristigen Investment-Grade-Anleihen übergewichtet und bevorzugen hochverzinsliche Anleihen und festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern

Private Märkte bieten Vorteile hinsichtlich Diversifikation und Opportunitäten. Allerdings ist Selektivität entscheidend, da viele alternative Private-Markets-Fonds, die in den letzten drei bis fünf Jahren lanciert wurden, aufgrund schlechter Performance und fehlender Exit-Möglichkeiten zu kämpfen hatten. Immobilien sind problematisch und aufgrund struktureller Trends weniger attraktiv. Im Bereich Private Equity bevorzugen wir Sekundärmärkte, da Private-Equity-Investoren unserer Ansicht nach Liquidität suchen und daher ihre Bestände mit erheblichen Abschlägen verkaufen.

Weiterhin eine untergeordnete Für einen Schweizer Investor bringen Investitionen in Liquidität oder Staatsanleihen aufgrund des aktuell vorherrschenden Nullzinsniveaus der Schweizer Zinskurve keine Rendite und können den Realwert des Vermögens nicht vollständig schützen Deshalb ist es wichtig, auch in anderen, wenn auch etwas risikoreicheren Anlageklassen wie Unternehmensanleihen oder Immobilien zu investieren. Dafür erhält man den Vorteil der Diversifikation.

Privatmarktanlagen bieten eine wertvolle Diversifikation zu traditionellen Anlageklassen. Insbesondere Infrastruktur- und Immobilieninvestitionen können einen verbesserten Inflationsschutz bieten. Private Equity und Private Debt ermöglichen den Zugang zu wachstumsstarken Unternehmen, die noch nicht börsennotiert sind. Für sehr vermögende Privatkunden können direkte Beteiligungen über ausgewählte Anlagefonds attraktiv sein Anderen Privatanlegern, die nicht direkt in einzelne Fonds investieren können, bieten Dachfonds eine geeignete Alternative.

Wie viel Schweiz gehört ins Portfolio?

perten ordnen die Rolle von Schweizer Aktien ein und erläutern, wie sie Risiken absichern, Cash und Private Markets beimessen. Umfrage und Redaktion: Jürg Zulliger

Michael Bolliger,

Schweizer Aktien bieten Stabilität und Schutz durch den starken Franken – wichtige Eigenschaften für den Vermögensaufbau, gerade in unsicheren Zeiten. Dividendenaktien sind gute Alternativen zu Anleihen, besonders bei tiefen Zinsen Trotzdem haben wir in den globalen CHF-Portfolios nur eine tiefe Aktienquote im Schweizer Markt. Entscheidende Überlegungen sind hier Diversifikation und ein vergleichsweise tiefes Wachstumspotenzial. Für Anlegerinnen und Anleger mit bewusstem Schweizer Fokus liegt sie bei 15 bis 20 Prozent

Die Bewertungen sprechen nicht für Aktien. Aber wir erwarten für 2026 ein solides Gewinnwachstum und positive Gewinnrevisionen, vor allem in den USA. Auch Europa könnte 2026 wieder mit positivem Gewinnwachstum aufwarten Die Rally dürfte sich verbreitern; neben geld- und fiskalpolitischen Impulsen werden wohl strukturelle Trends wie KI für den breiteren Markt relevant – ein Segment, in dem die Bewertungen weniger problematisch sind Zudem bleiben Alternativen wie Anleihen riskant und bieten wenig Potenzial für Gewinne und Einkommen.

Anja Hochberg, Chief Investment Officer, Zürcher Kantonalbank

Der Schweizer Aktienmarkt gehört aufgrund seiner positiven strukturellen Rahmenbedingungen sowie der Dominanz eher defensiver Sektoren zu den risikoärmeren. Wir empfehlen unseren Schweizer Anlegern einen Home-Bias in ihren Portfolios, das heisst, einen höheren Anteil, als eigentlich in einem globalen Portfolio zu finden wäre. In einem ausgewogenen Portfolio mit insgesamt rund 52 Prozent Aktien setzen wir strategisch auf 20 Prozent Aktien Schweiz. Auch taktisch, also kurzfristig, setzen wir auf den Schweizer Markt mit einem Fokus auf den Finanz- und Gesundheitssektor.

«Hoch bewertet» ist keineswegs absolut, sondern relativ zum Umfeld zu betrachten Aktienmärkte werden grundsätzlich durch die Gewinnaussichten der Unternehmen getrieben. Das makroökonomische Umfeld bleibt konstruktiv, und die Notenbanken unterstützen. Auch in einem positiven Marktumfeld – und das vergangene Jahr ist ein gutes Beispiel – ist man vor Rücksetzern nicht gefeit.Taktisch kann man hier vielleicht etwas gegensteuern. Für die Mehrzahl der Privatanleger gilt aber: investiert bleiben!

Der Dollar hat 2025 an Glanz verloren. Für 2026 erwarten wir jedoch eine Konsolidierungsphase mit seitwärts tendierendem USD/CHF Der Euro könnte bei einer Konjunkturerholung in der Eurozone moderat zulegen. Geopolitische Risiken, unerwartete US-Leitzinssenkungen und Marktvolatilität lassen aber weiterhin Raum für Frankenstärke. Gemäss unseren Simulationen liegt die optimale Hedge-Ratio für den Dollar bei 40 bis 50 Prozent; wir erachten dies auch 2026 als sinnvoll. Beim Euro besteht dazu aktuell weniger Notwendigkeit.

Als Portfoliobeimischung gefallen uns Sachwerte weiterhin Gold dürfte weiterhin als Inflationsschutz und Mittel für die Währungsdiversifikation dienen Die Risiken für Gewinnmitnahmen sind gestiegen, viele Investoren warten aber auf Kursrückschläge um ihre Allokation zu erhöhen. Rohstoffe, vor allem Industriemetalle sind als Beimischung sinnvoll, auch weil sie von Trends wie der Digitalisierung, der Automatisierung oder dem Ausbau erneuerbarer Energie profitieren Immobilien bleiben attraktiv

Auch 2026 bleiben Liquidität und CHF-Anleihen infolge Nullzins und hoher Opportunitätskosten eher unattraktiv USD-Anleihen bieten höhere Renditen bergen aber Wechselkursrisiken Enge Risikoaufschläge machen festverzinsliche Anleihen tieferer Bonität vergleichsweise unattraktiv Wir bevorzugen daher ein Aktienübergewicht in Kombination mit strukturierten Produkten zur Absicherung und Einkommensgenerierung sowie alternative Anlagen wie Hedgefonds und Sachwerte zur Stabilisierung und Diversifikation.

Private Markets spielen eine wichtige Rolle im Portfoliokontext. Sie bieten Zugang zu Renditequellen, die an öffentlichen Märkten nur teilweise verfügbar sind. Infrastrukturinvestments und Immobilien können stabile Cashflows und Inflationsschutz bieten. Wir sehen für Privatanleger 10 bis 20 Prozent (bei tiefem Liquiditätsbedarf bis zu 40 Prozent) als sinnvoll, wobei der Zugang über diversifizierte Lösungen erfolgen sollte. Da viele Lösungen illiquide sind, spielen Liquiditätsplanung und Risikomanagement eine zentrale Rolle.

Grundsätzlich dürfte das neue Jahr bei den Währungen etwas weniger Dynamik bringen. Beim US-Dollar allerdings dürften weiter fallende Leitzinsen eine nächste leichte Abschwächung begünstigen. Die Absicherungskosten sind allerdings nach wie vor hoch In einem ausgewogenen Portfolio belassen wir die strategische Quote wie im Vorjahr bei 13 Prozent. In der Eurozone dürfte neben dem Aktienmarkt auch die Währung von einer allmählichen Wachstumserholung profitieren Wir sind mit einem leicht erhöhten Euro-Exposure ins neue Jahr gestartet.

Gold bleibt auch zu Jahresbeginn unser Favorit unter den Sachwerten Im Umfeld erhöhter geopolitischer Risiken, steigender Staatsschulden und eines schwächeren USDollars bleibt das gelbe Metall in der Investorengemeinschaft inklusive der internationalen Notenbanken als sicherer Hafen gefragt. Bei Rohstoffen gehen wir von neutralisierenden Effekten aus Bei bedeutenden Industriemetallen wie Kupfer dürfte das knappe Angebot das Preisniveau hoch halten.Andererseits ist die Produktion bei den Energierohstoffen mehr als ausreichend, um die Nachfrage zu decken. Schweizer Immobilienfonds bieten gerade im Tiefzinsumfeld eine attraktive Ausschüttungsrendite

Festverzinsliche Anlagen sind sowohl eine Ertragsquelle als auch ein Diversifikationsinstrument. Gerade Schweizer Staatsanleihen haben in den Marktturbulenzen letzten Frühling ihre stabilisierende Wirkung in einem gemischten Portfolio aufgezeigt. Aus Ertragssicht ergeben sich im anhaltenden Tiefzinsumfeld in der Schweiz allerdings Herausforderungen. Liquiditätspositionen werfen nichts mehr ab, und auch die Ertragsaussichten bei den Eidgenossen sind niedrig Dank eines konstruktiven Konjunkturausblicks und soliden Unternehmensbilanzen rechnen wir mit einer Mehrrendite bei Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen Trotzdem sehen wir mehr Chancen bei Aktien und Gold Private Markets bieten Ertrags- und Diversifikationspotenzial und können für Privatanleger eine interessante Beimischung sein.Allerdings sind nicht alle Anlagen geeignet, da sich Risikostruktur, das Mindestinvestitionsvolumen und die Liquidität teils deutlich unterscheiden. Eine Beratung unter Berücksichtigung des individuellen Risikoprofils ist daher unerlässlich.

GRUND

Fiskalimpulse und gelockerte Geldpolitik stützen Märkte

Gastbeitrag Mehr Staatsausgaben, tiefere Zinsen, stabile Gewinne: 2026 verspricht Rückenwind für die Märkte Wo sich Chancen eröffnen, wo Risiken lauern – und welche zehn Thesen Anleger beachten sollten.

TILMANN GALLER

Das Jahr 2026 wird voraussichtlich von einem seltenen Gleichlauf aus fiskalpolitischer Expansion und geldpolitischer Unterstützung geprägt sein. Staaten dürften weiterhin konjunkturelle Impulse geben, obwohl sich die Weltwirtschaft in keiner akuten Schwächephase befindet. Zugleich dürfte die USNotenbank die Zinsen weiter senken Für 2026 passt das Bild einer Dampflok sehr gut: Der Kessel wird jetzt noch einmal richtig aufgeheizt, sowohl von fiskalpolitischer als auch von geldpolitischer Seite

Diese Kombination stützt die Wirtschaft, birgt aber potenzielle Risiken wie eine Wiederkehr der Inflation oder das Bilden einer Vermögensblase. Gleichwohl dürfen wir für 2026 weiterhin mit steigenden Unternehmensgewinnen rechnen, sodass höhere Bewertungen durchaus gerechtfertigt sind. Es ist aber wichtig und sinnvoll das Portfolio breiter zu diversifizieren und extreme Bewertungs- und Marktkonzentrationsrisiken zu vermeiden. Unsere aktuellen Makro- und Markteinschätzungen übersetzen sich in folgende zehn Thesen:

These 1: Rezessionsrisiko dank Fiskalpaketen gering halten

In der traditionellen stabilitätsorientierten Fiskalpolitik wurden staatliche Ausgaben erhöht, um Krisen zu bekämpfen. In Boom-Phasen wurden die staatlichen Ausgaben in der Regel zurückgefahren.

Zur Erinnerung: US-Präsident Trump hatte sich bereits in seiner ersten Amtszeit von der Stabilitätsorientierung verabschiedet In 2017 wurden trotz Anzeichen einer spätzyklischen Konjunkturphase Steuersenkungen verabschiedet. Die expansive Fiskalpolitik wurde unter Präsident Biden fortgesetzt und scheint sich in der zweiten Amtszeit von Präsident Trump, trotz hohem Haushaltsdefizit, inzwischen fest zu etablieren

Die Steuersenkungen des One Big Beautiful Bill Act (OBBBA) sollten in der ersten Jahreshälfte zu Steuerrückzahlungen für die US-Haushalte von über 100 Milliarden USD führen und damit zu einem stabilen Konsumwachstum beitragen. Die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik zu einer aktiven Fiskal- und Industriepolitik hat seit der Pandemie zunehmend auch in Europa immer mehr Unterstützer gefunden. Wir bekommen auch im nächsten Jahr ohne Anzeichen einer Rezession eine beispiellose fiskalische Expansion, flankiert von einer sehr unterstützenden Geldpolitik Deutschland spielt hier eine Schlüsselrolle. Die Lockerung der Schuldenbremse und die geplanten Investitionspakete in Infrastruktur und Verteidigung könnten in den nächsten 12 Jahren zu zusätzlichen Staatsausgaben von über 800 Milliarden Euro führen. Das entspricht einer Grössenordnung von über 18 Prozent des letztjährigen Bruttoinlandsprodukts. Das sollte ausreichen, um mit zusätzlicher Unterstützung des Wiederaufbaufonds für Südeuropa das Wachstum in der EU über die 1-Prozent-Marke zu heben. Die Rezessionsrisiken ausserhalb eines geopolitischen Schocks sind deshalb für die Industrieländer relativ gering.

These 2: Die Fed setzt weitere Zinssenkungen um

Trotz robustem Konsum zeigt der USArbeitsmarkt zunehmend Schwächen. Treiber sind dabei Rationalisierungseffekte durch KI und Effizienzmassnahmen im öffentlichen Sektor In diesem Umfeld kann die US-Notenbank die Zinsen weiter senken – bis zu einer

Fiskalimpulse und Zinssenkungen als verborgenes Ass für die Märkte

Spanne von 3 bis 3,25 Prozent. Bemerkenswert ist, dass diese geldpolitische Unterstützung ausserhalb einer Rezession erfolgt. Eine Folge der günstigeren Zinsen könnte beispielsweise eine Belebung des Immobilienmarkts durch eine höhere Hypothekennachfrage sein, was auch den Bausektor ankurbeln dürfte

These 3: TechnologieInvestitionsboom hält an Tech-Investitionen werden immer dominierender Im ersten Halbjahr 2025 haben sie ein Drittel zum US-Wirtschaftswachstum beigetragen. Da die Cashflows und Bilanzqualität gerade bei den grossen Tech-Unternehmen sehr positiv sind, ist keine Wiederholung der Dotcom-Blase zu befürchten Risiken liegen vielmehr in Rohstoffengpässen, Energieinfrastruktur und der unklaren Endnachfrage im KI-Zyklus Es ist durchaus fraglich ob die gewaltigen Investitionssummen für die KI-Anbieter den erhofften Ertrag auf das eingesetzte Kapital liefern werden. Ein Beispiel ist die geringe Nutzerzahl kostenpflichtiger KI-Abos im Vergleich zum Marktpotenzial Entscheidend wird aber auch die Frage sein, welcher der Tech-Giganten die besseren Chips liefern kann

These 4: Trügerische Ruhe –die Volatilität steigt

2026 wird die ruhige Marktphase bei Staatsanleihen wohl enden. Die expansive Fiskalpolitik ist nicht im Interesse der Bond-Investoren und führt zu einem wachsenden Emissionsvolumen, was zu «Druck am langen Ende» führen kann

Nicht High-BetaAktien, sondern Dividendenwerte dürften 2026 überzeugen.

J.P. Morgan Asset Management

J.P. Morgan Asset Management ist mit einem verwalteten Vermögen von 4,2 Billionen US-Dollar (Stand: 31 Dezember 2025) einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Asset Management Zu den Kundinnen und Kunden zählen institutionelle Investoren, Privatanlegerinnen und -anleger sowie vermögende Privatpersonen in allen bedeutenden Märkten weltweit. Das Unternehmen bietet globales Investment Management in den Anlageklassen Aktien, Obligationen, Immobilien, Hedgefonds, Private Equity und Liquidität

Weitere Informationen: www.jpmorganassetmanagement.ch

Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Investorennachfrage jederzeit in der Lage sein wird, das steigende Obligationsangebot zu absorbieren Länder wie Japan könnten bei zu expansiver Politik vom Markt diszipliniert werden –ähnlich dem «Liz-Truss-Moment» in Grossbritannien.

These 5: Südeuropa outperformt Bundesanleihen In Europa finden derzeit tektonische Verschiebungen statt, denn die Grenzen zwischen «Kern» und «Peripherie» verwischen zunehmend. Dabei werden Staaten, die strukturelle Reformen verschleppten, vom Markt bestraft Frankreich ist hierfür ein Beispiel: Spanien und Griechenland weisen niedrigere Renditen bei 10-jährigen Anleihen auf als Frankreich. Auch Deutschland könnte bei fortgesetzten Ausgaben höhere Risikoprämien zahlen. Südeuropäische Anleihen werden auch 2026 Momentum haben. Dass die südeuropäischen Länder so gut dastehen, hat neben den Strukturreformen auch mit den Wachstumswirkungen des EU-Wiederaufbaufonds zu tun. Italien erhielt 6 Prozent der Wirtschaftsleistung in Form von Zuschüssen und Darlehen, perspektivisch bis zu 9 Prozent, bei Griechenland waren es bislang sogar bis zu 15 Prozent

These 6: Unternehmensgewinne steigen 2026 Trotz hohen Bewertungen ist eine stabile ja sogar positive Gewinnentwicklung zu erwarten, was sowohl

Aktienmärkte als auch Unternehmensanleihen stützt. Solange Gewinne steigen, können Märkte mit höheren Bewertungen oder mit engeren Spreads gut leben.

These 7: Carry dominiert ErträgebeiUnternehmensanleihen Die Spreads liegen dabei bereits am unteren Rand historischer Spannen. Der Ertrag von Unternehmensanleihen wird 2026 stärker vom Carry kommen – nicht von sich einengenden Risikoaufschlägen oder fallenden Renditen. Entscheidend bleibt aber, dass Gewinne stabil bleiben und Kupons bedient werden.

These 8: Hohe Dividenden schlagen High-Beta-Aktien Nach extremer Outperformance sehr risikoreicher Aktien ist für dieses Segment in 2026 Gegenwind zu erwarten. Das so genannte High-Beta-Segment dürfte zukünftig schwächer performen; wir haben den Eindruck, dass in diesem Segment des Aktienmarkts aktuell zu optimistische Wachstumsaussichten eingepreist sind. Im Vorteil sind dagegen defensivere Titel, insbesondere dividendenstarke Unternehmen, für die ein stabiles Wachstumsumfeld ausreichend sein sollte

These 9: Europäische Wachstumswerte outperformen Mag 7 Europa bleibt weiter attraktiv Die sogenannten Granolas – grosse europäische Wachstumsunternehmen aus Gesundheit, IT und Konsum – bieten vergleichbares Wachstum zu günstigeren Bewertungen. Den Granolas ist sogar zuzutrauen, die Mag 7 zu schlagen Dort gibt es mehr Wachstum zu etwas günstigerem Preis. Das Bewertungsniveau der Aktien aus Europa ist insgesamt weit weg von Euphorie Bewertungssteigerungen sind im Gegensatz zu den USA oder Ländern wie Taiwan oder Korea geringer ausgeprägt.

These 10: Lange Duration versus kurze Duration Als Absicherung gegen Bewertungsrisiken eignet sich eine längere Duration. Anlagen mit längerer Laufzeit können auch Cash outperformen. In früheren Krisen hätten langlaufende Staatsanleihen aufgrund fallender Zinsen erhebliche Kursgewinne verbucht und konnten damit die negative Entwicklung der Aktien zumindest partiell kompensieren. Zusammenfassend ist von einem konstruktiven wirtschaftlichen Umfeld im Jahr 2026 auszugehen Dabei ist es wichtig, Risiken stärker zu beachten. Vor allem ist es relevant, das Portfolio stärker ausserhalb des Tech-Bereichs zu diversifizieren, etwa in Europa Zur breiteren Risikostreuung und Verbesserung des Risiko-Ertrags-Profils bieten sich auch die Private Markets an Dank des neuen Vehikels der ELTIFS (European Long Term Investment Funds) werden diese alternativen Anlageklassen nun zunehmend auch für breitere Anlegerschichten verfügbar und sollten an Momentum und Relevanz gewinnen.

Gastbeitrag Tilmann Galler Managing Director, CEFA/CFA arbeitet als globaler Kapitalmarktstratege für die deutschsprachigen Länder be J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Als Teil des globalen «Market Insights»-Teams erstellt er auf der Basis von umfangreicher Research Informationen zu globalen Finanzmärkten und leitet Investmentstrategien ab Er verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Finanzbranche

SANDRA WILLMEROTH

Die Macht der Emotionen

Nicht neue Informationen, sondern emotionale Muster führen Anleger zu Fehlentscheiden. Angst und Gier wirken stärker als Kennzahlen Entscheidend für den Anlageerfolg ist Gelassenheit

Der Preis für Gold ist im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent gestiegen. Hand aufs Herz: Wer das liest, ärgert sich sofort, dass er gar nicht oder zu wenig in Gold investiert ist, und fragt sich automatisch, ob es sich noch lohnt, dies jetzt nachzuholen. Mit diesem Gedanken steckt der Anleger bereits mit einem Bein im Herdentrieb; nur eine der vielen psychologischen Fallen, die die Welt des Geistes für die des Geldes bereithält. Denn Geist und Geld, so unterschiedlich sie auch auf den ersten Blick anmuten, pflegen eine wilde Beziehung miteinander, die letztlich von Emotionen befeuert wird, von denen einige tief in der menschlichen Seele verankert sind: Angst und Gier Dienten sie in frühen Evolutionsstadien dazu, das Überleben des Steinzeitmenschen zu sichern, sorgen sie heute dafür, dass Börsenkurse immer wieder übertreiben – sei es nach oben oder nach unten «Wenn Gier und Angst herrschen, wird der Markt zu einer Herde. Jeder Blick geht auf den anderen. In der Gier will jeder hinein, in der Angst will jeder hinaus Es ist der Moment, in dem der Herdentrieb die Märkte beherrscht», beschreibt der Schweizer Vermögensverwalter Leo Wüst seine Erfahrungen aus den letzten 45 Jahren. Er hat viele Crashs und viele Bubbles am Händlerdesk in der ersten Reihe miterlebt und weiss, dass sich der Ablauf von Euphorie,Angst, Panik, Depression, Hoffnung, Optimismus und wieder neue Euphorie seit der Tulpenmanie im Jahr 1637 ständig wiederholt «An den Märkten läuft es jedes Mal nach dem gleichen Muster ab, auch wenn alle behaupten, diesmal sei alles anders», weiss Leo Wüst

Social Media jagt die Herde

Sich dem zu widersetzen, was alle anderen sagen und tun, wird umso schwieriger, je mehr, je lauter und je schneller alle etwas sagen. In Zeiten von Social Media hinterlassen die Einflussnahme von selbst ernannten Finanzbloggern sowie die Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit Schlagzeilen, die nach sofortiger Aufmerksamkeit heischen, und News, die kaum mehr als 2,5 Sekunden Lesezeit beanspruchen, ihre Spuren. «Neue wissenschaftliche Erhebungen bestätigen, dass Social-Media- Plattformen wie Reddit oder dessen deutschsprachige Pendants das Herdenverhalten der Anleger

an den Märkten verstärken», berichtet Professor Thorsten Hens Professor für Behavioral Finance an der Universität Zürich und Mitbegründer der Behavioral Finance Solutions GmbH. «Die Nutzer solcher Plattformen stecken sich gegenseitig an, und zwar in beiden Marktphasen. Das heisst, es kommt einerseits in der «Crash-o-Phobia» häufiger und schneller zu Panikverkäufen und andererseits sorgt die «Fomo» (Fear of missing out), also die Angst, etwas zu verpassen, für stärkere Übertreibungen nach oben», erklärt Hens

Der Wissenschaftler ist ein Vertreter der Behavioral Finance, eines auf die Finanzmärkte bezogenen Anwendungsfelds der Verhaltensökonomie, das den Einfluss der Psychologie auf ökonomische Entscheidungen analysiert. Der US-Ökonom Daniel Kahnemann erhielt 2002 den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Grundlagenforschung in diesem Bereich, auch weil sie die bis anhin vorherrschende Prämisse des ausschliesslich rational handelnden Homo oeconomicus ins Wanken brachte.

Im Jahr 2011 doppelte Kahnemann mit dem Buch «Schnelles Denken, langsames Denken» nach, in dem er ausführlich beschreibt, warum Anleger systematisch falsche Entscheidungen treffen –selbst dann, wenn sie davon überzeugt sind, rational zu handeln. Demnach denkt der Mensch in zwei verschiedenen Systemen: einem langsamen und einem schnellen. Das schnelle System arbeitet intuitiv und emotional, da es auf Emotionen und Assoziationen beruht, während das langsame Denksystem prüft, analysiert und rechnet, da es auf Logik und bewusster Reflexion aufbaut. Da dies der anstrengendere Weg für das Gehirn ist, schaltet sich dieses System nur auf ausdrücklichen «Befehl» ein – und meist erst dann, wenn das schnelle, intuitive System versagt. «Die meisten Eindrücke und Gedanken tauchen also in unserem Bewusstsein auf, ohne dass wir wüssten, wie sie dorthin gelangten», folgert Kahnemann aus den Ergebnissen jahrzehntelanger Experimente und Studien in denen er zentrale kognitive Verzerrungen identifizierte, die das Handeln von Anlegerinnen und Anlegern unbewusst steuern.

Auch der amerikanische Finanzdenker Morgan Housel legt in seinem 2020 erschienenen populärwissenschaftlichen Buch «Psychologie des Geldes» dar dass der Umgang mit Geld weniger vom Wissen als vom Verhalten abhängt. Er

kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Menschen finanzielle Entscheidungen selten rational treffen, sondern primär emotional handeln, da sie im Umgang mit Geld von individuellen Erfahrungen,Ängsten, Zufällen und ihrer persönlichen Lebensgeschichte geprägt sind.

Erfolg dank Strategie und Ruhe Wenn Anleger also systematisch emotional handeln, stellt sich die Frage, welche Rolle die Zahlen, Bewertungen und Kennziffern spielen, mit denen Analysten und Fondsmanager um sich werfen. «Märkte basieren langfristig auf Zahlen, doch sie bewegen sich kurzfristig im Rhythmus der Stimmungen. Und diese sind selten rational», sagt der Vermögensverwalter Leo Wüst Überschwang, Nervosität oder Hysterie hätten an der Börse zwar nichts zu suchen, seien aber dennoch allgegenwärtig Wer

investiert, bringe deshalb nicht nur sein –meist mühsam verdientes – Kapital mit, sondern immer auch Erwartungen, Hoffnungen und bisweilen Illusionen. Gerade daraus leite sich der entscheidende Erfolgsfaktor ab, so Wüst: «Die Antwort liegt in der eigenen Stärke und darin, der festgelegten Strategie zu folgen –unabhängig davon, was an den Märkten geschieht.» Rationalität trage weiter als jede grosse Geschichte die aus Gier oder Angst geboren sei, und weiter als jede neue Nachricht, die kurzfristig die Kurse und die Gemüter bewegt. Dank Social Media und Internet prasseln mehr Informationen als je zuvor auf die Menschen ein. Der Verhaltensökonom Thorsten Hens warnt jedoch vor der Illusion, mehr Information führe auch automatisch zu besseren Entscheidungen. «Den meisten Nutzern fehlen die Konzepte, um Information sinnvoll zu verarbeiten», sagt er Entsprechend rät

er auch davon ab, Portfolios zu stark an kurzfristigen Erwartungen auszurichten. Nur die Gelassenheit führt letzten Endes zu besseren Anlageentscheidungen, und laut dem Finanzautor Morgan Housel führt sie auch zurück zur eigentlichen Funktion des Geldes Für ihn besteht der grösste Nutzen des Geldes darin, die maximale Freiheit über die eigene Zeit zu erlangen Viele Anlegerinnen und Anleger haben einen Grossteil ihrer Lebenszeit dafür verwendet, Kapital aufzubauen. Umso schwerer fällt es ihnen später, loszulassen –und die Freiheit anzunehmen, die dieses Kapital ihnen eigentlich ermöglichen könnte Letztlich konkurrieren viele Anleger also nicht primär mit dem Markt, sondern mit sich selbst. Denn der Markt ist, was er ist: volatil, unvorhersehbar, gelegentlich irrational. Die eigene Reaktion darauf entscheidet über Erfolg oder Misserfolg

Was Behavioral Finance über Anlagefehler lehrt

Kognitive Verzerrungen

Gemäss den Erkenntnissen des Verhaltensökonomen Daniel Kahnemann begründen die meisten Anlagefehler nicht im fehlenden Wissen, sondern entstehen aufgrund mentaler Abkürzungen des Denkens und tief verwurzelter Emotionen. Wer diese Verzerrungen erkennt, kann ruhigere, rationalere und langfristig erfolgreichere Entscheidungen treffen.

Verlustaversion Verluste schmerzen etwa doppelt so stark wie Gewinne Freude bereiten. Anleger halten deshalb Verlustpositionen zu lange und Gewinner verkaufen zu früh

Selbstüberschätzung

Viele Anleger überschätzen ihre Fähigkeit, Märkte zu schlagen oder Trends zu erkennen. Das führt zu übermässigem Trading, zu geringer Diversifikation und zu riskanten Wetten

Ankereffekt

Ein Einstiegskurs oder ein früherer Höchststand wird zum mentalen Anker, obwohl er rational irrelevant ist. Dadurch werden Positionen gehalten oder gekauft, obwohl sich die Lage längst verändert hat

Bestätigungsfehler

Anleger suchen Informationen, die ihre Meinung stützen, und ignorieren Warnsignale Das verstärkt Fehleinschätzungen und führt zu einseitigen Portfolios

Verfügbarkeitsheuristik

Was in den Medien präsent ist, wirkt wichtiger oder wahrscheinlicher Anleger überschätzen Risiken nach Crashs und überschätzen Chancen in Hype-Phasen.

Rückschaufehler Nach einem Crash oder Boom wirkt alles offensichtlich. Anleger überschätzen dadurch ihre Fähigkeit, die Zukunft vorherzusehen, und treffen übermütige Entscheidungen.

Repräsentativitätsheuristik Wenn ein Unternehmen «gut aussieht» oder ein Trend stark wirkt, wird automatisch angenommen, dass es so weitergeht. Das führt zu Trendjagden und Blasenverhalten.

Basisratenignoranz Anleger ignorieren langfristige statistische Wahrscheinlichkeiten, etwa dass ideales Timing selten ist, und glauben stattdessen an Einzelfälle oder gute Storys

Affektheuristik

Sympathie für eine Marke oder ein Management beeinflusst Anlageentscheidungen stärker als Fakten Emotionale Bindung führt zu übergrossen Positionen oder mangelnder Risikokontrolle

Framing-Effekt

Die Art der Darstellung beeinflusst Entscheidungen. Ein Produkt mit «90 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit» wirkt attraktiver als eines mit «10 Prozent Verlustwahrscheinlichkeit», obwohl es identisch ist

Sunk Cost Fallacy

Anleger halten an schlechten Investments fest, weil sie bereits Geld oder Zeit investiert haben (Concorde-Effekt). Rational wäre es, nur zukünftige Chancen und Risiken zu betrachten.

Gesetz der kleinen Zahlen

Aus wenigen Datenpunkten werden weitreichende Schlüsse gezogen, etwa aus einzelnen guten Quartalen. Das führt zu überzogenen Erwartungen.

Illusion der Validität Prognosen wirken überzeugend, obwohl sie statistisch kaum belastbar sind. Anleger überschätzen die Aussagekraft von Analystenmeinungen oder Charts

Emotionen schärfen den Blick. In der Geldanlage verzerren sie ihn oft.
OLEKSANDR POKUSAI/ADOBE STOCK

Warum es einen «Saving January» geben müsste

Gastbeitrag Wer gleich zu Jahresbeginn spart und investiert, verschafft sich einen Vorsprung. In Zeiten tiefer Zinsen verlieren Sparkonten an Attraktivität, während börsengehandelte Indexfonds (ETFs) Renditechancen und breite Diversifikation bieten.

Zu Jahresbeginn haben gute Vorsätze Konjunktur: Sportlichkeit und Gesundheitsbewusstsein rücken in den Vordergrund, der «Dry January» oder gar der «Veganuary» liegen voll im Trend Kaum jemand dürfte jedoch von einem «Saving January» gehört haben. Schlicht weil es einen solchen (noch) nicht gibt. Leider: Gerade im Januar wäre der Zeitpunkt ideal, um mit Blick auf ein persönliches Spar- oder Anlageziel Geld auf die Seite zu legen. Wieso eigentlich? Weshalb macht es ausserdem Sinn, über das traditionelle Sparkonto hinaus auch eine Anlage in Wertschriften ins Auge zu fassen? Und warum können sich hierzu börsengehandelte Indexfonds – kurz ETFs – besonders gut eignen? All diesen Fragen gehen wir im Folgenden auf den Grund. Die Krux mit den tiefen Zinsen Doch der Reihe nach Finanzielle Ziele begleiten jeden Lebensabschnitt: die Finanzierung einer Ausbildung, der Erwerb von Wohneigentum, die Gründung einer Familie oder die Vorsorge für den Ruhestand Wer solche Vorhaben plant, steht früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: Reicht es, Vermögen zu sparen – oder ist es notwendig Kapital gezielt anzulegen? Während das Sparen auf einem Sparkonto Sicherheit bietet, kann das Anlegen langfristig höhere Renditechancen bieten. Dies insbesondere, weil Sparkonti hierzulande wegen des hartnäckigen Tiefzinsumfelds kaum noch Erträge abwerfen. Mehr noch: Die Sparzinsen liegen mittlerweile oft unter der

Inflationsrate Das bedeutet, dass das gesparte Vermögen mit der Zeit an Kaufkraft verliert. Beim Anlegen wird das Geld in Wertpapiere wie Aktien und Anleihen oder in Anlagelösungen wie Fonds oder ETFs investiert Zwar gibt es hier ein gewisses Risiko, da die Kurse dieser Investments schwanken können. Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass Anlagen in den Kapitalmarkt langfristig eine höhere Rendite bieten. Historische Daten machen ersichtlich, dass breit gestreute Aktienportfolios über lange Zeiträume hinweg attraktive Renditechancen bieten, während Fonds und ETFs durch Diversifikation in eine grosse Zahl von Titeln das Risiko von Verlusten reduzieren können Unter dem Strich bedeutet dies, dass Anlegen helfen kann, die Kaufkraft des angesparten Gelds nicht nur zu bewahren, sondern unter bestimmten Marktbedingungen auch noch einen Vermögenszuwachs zu erzielen. Als weiterer entscheidender Vorteil des Anlegens gilt der Zinseszinseffekt Dieser beschreibt, wie sich Erträge aus einer Investition im Laufe der Zeit potenzieren. Die Idee dahinter ist einfach. Wenn Zinsen oder Erträge dem Vermögen nicht entnommen, sondern erneut investiert werden, wachsen die Ersparnisse – und zwar exponentiell Das bedeutet: Je länger investiert wird, desto stärker wirkt der Zinseszins

Der frühe Vogel fängt den Wurm Genau deshalb ist es auch so wichtig, bereits zu Jahresbeginn zu investieren. Der frühe Vogel fängt den Wurm: Sie nutzen die gesamte Zeitspanne des Jahres, um von möglichen Kurssteigerun-

Vorschüssige vs nachschüssige Verzinsung Vermögensentwicklung bei jährlicher Einzahlung von 5000 Franken über 30 Jahre hinweg

Renditechancen am Kapitalmarkt und der Zinseszinseffekt helfen, Sparziele zu verwirklichen.

gen und Dividenden zu profitieren. Dabei können über die Zeit beträchtliche Summen ins Spiel kommen Angenommen, jedes Jahr werden 5000 Franken in einem ETF mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent angelegt.Wer die Summe jeweils gleich am 1. Januar investiert und das ganze Jahr über von der Verzinsung profitiert, hätte nach 30 Jahren bereits rund 349000 Franken angespart. Würde hingegen jedes Jahr erst am 31 Dezember investiert, käme das Resultat auf etwa 332 000 Franken zu liegen (siehe Grafik). Ein Unterschied von rund 17 000 Franken – nur weil jeweils auf zwölf Monate Zinseszins verzichtet wurde.

ETFs verzeichnen hohe Zuflüsse Das zeigt: Die Renditechancen des Kapitalmarkts und Vorteile wie der Zinseszinseffekt können Anlegerinnen und Anleger dabei unterstützen, ihre Sparziele zu verwirklichen und sich finanzielle Freiheit zu verschaffen. Möglich ist dies bereits ab kleineren Beträgen und auf einfache Weise – deshalb kann sich Geldanlegen auch für Anfängerinnen und Anfänger lohnen Als eines der beliebtesten Instrumente, um langfristig anzulegen, gelten derzeit ETFs Die börsengehandelten Fonds bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Index ab – beispielsweise des Schweizer Bluechip-Aktienindex SMI oder des Weltaktien-Index MSCI World. ETFs haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum erfahren – allein im Jahr 2025 flossen den Anlagelösungen in Europa gemäss den Daten des Branchendiensts etfbook.com mehr als 389 Milliarden US-Dollar zu. Das kommt nicht von ungefähr weisen ETFs doch aus Anlagesicht eine Reihe von attraktiven Eigenschaften auf Das sind die wichtigsten:

 Kostengünstig: ETFs weisen in der Regel niedrigere Gebühren auf als aktiv verwaltete Fonds, da sie passiv gemanagt werden. Das bedeutet, dass sie einem Index folgen, ohne dass ein Fondsmanager aktiv Entscheidungen treffen muss

 Einfache Handhabung: ETFs können wie Aktien an der Börse gekauft und verkauft werden. Es braucht lediglich ein Wertschriftendepot, um damit loszulegen.

 Breite Diversifikation: Mit einem ETF investieren Anleger in eine Vielzahl von Unternehmen, was das Risiko eines Totalverlusts minimiert.

 Transparenz: Da ETFs einen Index abbilden, lässt sich in der Regel leicht nachvollziehen, welche Werte im Fonds enthalten sind

 Flexibilität: Es gibt ETFs für nahezu alle denkbaren Anlageklassen, Regionen und Branchen

 Mit kleinen Beträgen starten: Viele ETFs erlauben bereits Investitionen ab wenigen 100 Franken.

 Nachhaltigkeit kommt nicht zu kurz: Eigens entwickelte Nachhaltigkeitsansätze wie jener hinter den Swisscanto ESGeneration SDG ETFs berücksichtigen beim Anlegen auch Aspekte wie Umwelt, Gesellschaft und gute Unternehmensführung (siehe Box unten).

Fazit: Anlegen lohnt sich

Während das Sparen auf einem Sparkonto Sicherheit bietet, kann das Anlegen langfristig höhere Renditechancen bieten. Der Zinseszinseffekt zeigt, wie wichtig es ist, frühzeitig zu investieren und Erträge wieder anzulegen. Besonders ETFs sind eine attraktive Option für alle, die kostengünstig, einfach und breit diversifiziert investieren möchten. Und es kann sich rechnen, schon Anfang Jahr damit zu beginnen

Gastbeitrag Ramon Vogt leitet das Schweizer Wholesale-Vertriebsteam im Asset Management der Zürcher Kantonalbank Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung ist er ein fundierter Kenner von Indexlösungen. Zuvor war er als Senior Sales Executive bei Vanguard tätig, einem der führenden Anbieter von ETFs

Wie Nachhaltigkeit in ETFs gelangt

Um nachhaltige Aspekte bei der Anlage zu berücksichtigen, folgen ETFs bei der Anlage oftmals Standard-ESGIndizes Diese berücksichtigen bei der Zusammensetzung des Referenzindex die Kriterien Umwelt (Environmental, E), Gesellschaft (Social, S) und gute Geschäftsführung (Governance, G) Die vier nachhaltigen Swisscanto ESGeneration SDG ETFs heben sich davon ab dank einer vom Asset Management der Zürcher Kantonalbank inhouse entwickelten Nachhaltigkeitsmethodik: Diese kombiniert die Anwendung von ESG-Kriterien mit einem Fokus auf die UN-Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs). Nur die Unternehmen, die einen positiven Beitrag zu den SDGs leisten, verbleiben im Universum. Der eigens kreierte innovative Ansatz wird umgesetzt mit massgeschneiderten Indizes, die ein unabhängiger Indexanbieter täglich kalkuliert. Mehr erfahren zu Swisscanto ETFs: swisscanto.com/etfs

Rechtliche Hinweise: swisscanto.com/anlageinformationen

Disziplin

«2026 wird das Jahr der Value-Aktien»

Der US-Anlagestratege Larry McDonald erwartet eine Rotation aus Tech-Aktien in günstige Substanzwerte. Er sagt, bei welchen Namen er die besten Chancen sieht und wer am meisten vom Bau von KI-Rechenzentren profitiert

Herr McDonald, die Börsen blicken auf ein ereignisreiches und vor allem gutes Jahr zurück.Was kommt 2026 auf Investoren zu?

Ich rechne damit, dass zwei starke, entgegengesetzte Kräfte das Geschehen an den Märkten dominieren werden, vergleichbar mit einem Tauziehen: Einerseits dürfte sich die Anspannung im US-Kreditsektor weiter verschärfen, andererseits wird die Konjunktur durch die Geld- und Fiskalpolitik angeheizt. Die amerikanische Wirtschaft wächst bereits robust, die Arbeitslosenquote ist niedrig und das Budgetdefizit entspricht dem Doppelten des 30-jährigen Durchschnitts Hinzu kommt eine Art modernes Manhattan-Projekt mit rund zwei Billionen US-Dollar an Investitionen in künstliche Intelligenz. Trotzdem senkt das Fed die Zinsen und pumpt nun mit Wertschriftenkäufen zusätzlich Liquidität ins System. Mit Blick auf die Inflation ist das extrem gefährlich.

Was heisst das für die Aussichten an den Finanzmärkten?

Wir werden eine kolossale Migration von Kapital erleben. Dieser Trend hat bereits begonnen und wird sich 2026 akzentuieren. Das disinflationäre Regime das in den Jahren 2010 bis 2020 vorherrschte, liegt endgültig hinter uns Die Märkte befinden sich in einer neuen Ära mit hartnäckiger Inflation und erhöhten Zinsen, womit sich ausgezeichnete Perspektiven für «Hard Assets» ergeben: Realwerte und Unternehmen, die Realwerte kontrollieren.

Was bedeutet diese Kapitalverschiebung konkret?

Durch den Hype um KI hat sich die Marktkapitalisierung des Nasdaq 100 in den vergangenen drei Jahren von rund 12,4 auf 33,8 Billionen Dollar aufgebläht. Damit genügt es bereits, wenn nur wenig Kapital aus Tech-Aktien in andere Bereiche abfliesst, um dort die Kurse hoch nach oben zu treiben. Ein Beispiel: Bei unserem letzten Gespräch vor einem Jahr umfasste der Börsenwert von Gold- und Silberminenaktien gut 320 Milliarden Dollar, inzwischen sind es 830 Milliarden Dollar Die Kurse haben sich in kurzer Zeit weit mehr als verdoppelt, was verdeutlicht, wie explosiv dieser Effekt sein kann. Sie haben Minenaktien damals zum Kauf empfohlen. Bleiben Sie nach diesen eindrücklichen Avancen zuversichtlich für den Sektor?

Grundsätzlich ja Die Chancen stehen gut, dass die Branchenleader Newmont und Barrick in den nächsten fünf Jahren zu den zwanzig grössten Namen an der US-Börse aufsteigen werden. Es mag überraschen: Obwohl der Kurs vieler Minengesellschaften rasant gestiegen ist, sind sie noch immer günstig bewertet. Dies, weil ihre Ertragskraft durch die massive Rally beim Goldpreis deutlich zugenommen hat. In einem derart volatilen Sektor ist es aber entscheidend, Disziplin zu wahren; das heisst, in Stärkephasen Positionen zu trimmen und in Schwächephasen nachzukaufen. Praktisch jedes Mal, wenn ich davon abweiche, geht es schief Angesichts der eindrücklichen Avancen haben wir deshalb etwas verkauft, doch wir halten immer noch eine bedeutende Position

Und wie beurteilen Sie die Aussichten für Silber?

Für Silber sind wir noch zuversichtlicher als für Gold Die Gold-SilberRatio belief sich Anfang des Jahres auf 88. Seither ist sie auf 63 gesunken, und sie sollte weiter auf 35 bis 40 fallen, denn Silber ist nicht nur ein monetäres Edelmetall; seine hohe Leitfähigkeit macht es auch zu einem wichtigen Rohstoff für erneuerbare Energien und Rechenzentren. Aktien von Silberminengesellschaften sind derzeit aber ebenfalls stark überkauft. Dieser Vorbehalt ist rein technischer Natur.

Auf mittlere bis lange Sicht bleibt das Potenzial für Edelmetalle und Minenkonzerne enorm gross, zumal der Sektor mit einem durchschnittlichen Anteil von bloss rund 1 Prozent in den meisten Portfolios noch immer stark untervertreten ist.

Wo ist die Ausgangslage heute ähnlich spannend wie Anfang 2025? Besonders spannend ist die Schnittstelle, an der sich die Megatrends KI und Hard Assets überlappen: Verlagerungen aus finanziellen in reale Vermögenswerte vereinen sich hier sozusagen mit dem immensen Bedarf an Infrastruktur zur Stromversorgung von Rechenzentren. Etwas simpel gesagt: Damit Nvidia weiter wachsen kann, müssen sich Aktien aus Bereichen wie Erdgas, Kohle, Kernenergie, Kupfer und Aluminium verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Was meinen Sie damit genau?

In den nächsten fünf Jahren sind allein in den USA mehr als 850 neue Rechenzentren geplant. Diese Projekte sind der Schlüssel dazu, weshalb Nvidia heute zum 24-Fachen des Umsatzes bewertet ist. Doch für typische KI-Aktien wie Nvidia besteht hinsichtlich 2026 ein bedeutendes Risiko: Gegen viele Rechenzentren regt sich lokaler Widerstand, vor allem wegen des hohen Energieverbrauchs

Was heisst das für die Börsen?

Ich glaube, dass der Technologiesektor erheblich unter Druck kommen wird weil der Bau dieser Anlagen erschwert wird. Aus Nvidias Börsenwert von 4,6 Billionen Dollar zum Beispiel könnten 1 bis 2 Billionen abfliessen. Derweil werden Unternehmen umso mehr von Investitionen profitieren, die in die Infrastruktur zur Stromversorgung neuer Rechenzentren involviert sind.

Wie können sich Investoren auf Basis dieser These positionieren?

Grosse Rechenzentren werden eigene Kraftwerke benötigen, wobei es sich oft um Gaskraftwerke handelt. Entsprechend muss mehr Gas innerhalb der USA transportiert werden, weshalb der Pipeline-Betreiber Energy Transfer zu unseren Favoriten zählt. Er transportiert rund 30 Prozent der USErdgasproduktion und wird von den grossen Datacenter-Projekten in Nordtexas profitieren. Zudem zahlt er eine Dividendenrendite von 8,1 Prozent. Besonders spannend ist ebenso Nuscale Power, ein führendes Unternehmen in der Entwicklung modularer Kernreaktoren. Diese Aktie ist aber hochspekulativ, und für den Bau solcher Kleinanlagen braucht es sechs bis acht Jahre.

Welche Möglichkeiten für Investments eröffnen sich hier?

Der Aluminiumproduzent Alcoa zum Beispiel ist ein klarer Kauf Wir halten die Aktie schon seit einigen Jahren. Es ist noch nicht lange her, als eine Rekordzahl von Analysten die Titel zum Verkauf empfohlen hat Jetzt erwärmt sich Wallstreet allmählich für den Investment Case, doch der riesige Bedarf an Aluminium, den es für erneuerbare Energien, neue Stromleitungen, Umladestationen und auch in Rechenzentren selber braucht, wird noch immer unterschätzt.

Wechseln wir zum zweiten wichtigen Thema, das Sie eingangs erwähnt haben: die Anspannung im Kreditsektor. Was hat es damit auf sich?

Investoren sollten zwei Entwicklungen gut im Auge behalten Erstens stecken Neocloud-Unternehmen wie CoreWeave in Schwierigkeiten. Der Konzern hat gerade eine Wandelanleihe mit einem Volumen von knapp 2,3 Milliarden Dollar begeben. Das ist insofern auffällig als Unternehmen solche Papiere bevorzugt bei einem hohen Aktienkurs verkaufen. Der Kurs von CoreWeave

«Alle

Affen sitzen momentan im selben Baum. Viel zu viel Geld ist in einigen wenigen Tech-Aktien konzentriert.»

hingegen ist seit Sommer um mehr als 55 Prozent eingebrochen, weshalb die Emission auf eine Art Verzweiflungsakt hindeutet Dazu passt, dass manche Anleihen von CoreWeave in den letzten Wochen zeitweise zu einem Abschlag von bis zu 12 Prozent gehandelt worden sind Neocloud-Unternehmen verbrennen raue Mengen an Geld und sind deshalb auf einen raschen Ausbau von Rechenzentren angewiesen Sollte sich das Tempo verlangsamen, wird es in diesem Bereich ziemlich schnell zu heftigen Verwerfungen kommen

Welche weiteren Themen werden das Jahr prägen? Aus meiner Zeit bei der Investmentbank Lehman Brothers habe ich gelernt, dass am Ende eines Quartals oder eines Jahres immer erhöhte Wachsamkeit gegenüber bedeutenden Trendwenden angezeigt ist. Mit Beginn des neuen Jahres ist dann alles bereit für eine massive Rotation weg von Tech-Aktien hin zu anderen Sektoren.

Das hat es schon öfter geheissen, und doch haben sich Tech-Aktien immer wieder an der Spitze behauptet Alle Affen sitzen momentan im selben Baum Viel zu viel Geld ist in einigen wenigenAktien konzentriert.Die Marktkapitalisierung des S&P 500 besteht zu annähernd 40 Prozent aus Unternehmen

Zur Person

Larry McDonald ist Herausgeber des «The Bear Traps Report» eines Research-Diensts für professionelle Investoren, der sich auf makroökonomische Themen fokussiert. Sein 2024 veröffentlichtes Buch «How to Listen When Markets Speak: Risks, Myths, and Investment Opportunities in a Radically Reshaped Economy» befasst sich mit dem Investmentumfeld der kommenden Jahre und leitet daraus konkrete Anlageideen ab

mit Bezug zu KI, und ein bedeutender Teil entfällt auf den Halbleitersektor Zwei der drei grössten Aktien, Nvidia und Microsoft, machen zusammen 14 bis 15 Prozent des Index aus, und alle wissen, wie stolz diese beiden Unternehmen bewertet sind. Zum Vergleich: In den vergangenen vierzig bis fünfzig Jahren machten die beiden grössten Werte im S&P 500 zusammen meistens bloss rund 5 bis 6 Prozent aus Würde Jack Bogle, der Vater des Index-Investierens, heute auf den US-Aktienmarkt blicken, wäre er angesichts dieser extremen Konzentration bestimmt fassungslos.

Wohin wird das Geld demnach fliessen, das aus KI-Aktien abgezogen wird? Drei hochkarätige Investoren, die sich untereinander nicht kennen, berichten mir derzeit exakt dasselbe – und wenn ich eine derartige Übereinstimmung aus völlig unterschiedlichen Quellen bemerke, weckt das mein Interesse Alle drei sehen Chancen in Value-Aktien, Small Caps sowie ausländischen Unternehmen. Internationale Value-Aktien, wie sie beispielsweise im iShares MSCI United Kingdom ETF vertreten sind, haben bereits im auslaufenden Jahr fast doppelt so gut abgeschnitten wie der S&P 500. Wenn sich die Lage im US-Kreditsektor also weiter verschärft, werden solche Titel noch mehr gefragt sein. Es wird ähnlich sein wie nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000, als eine kräftige Hausse bei Value-Aktien und internationalen Aktien begann. Welche Namen sind besonders attraktiv? Einer unserer Favoriten ist Diageo Mit den Aktien kann man derzeit drei der bekanntesten Marken in der Geschichte des Alkohols – Johnnie Walker, Guinness und Smirnoff – zu einer unglaublich günstigen Bewertung kaufen. Der Kurs bewegt sich unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Monate, was extrem selten ist. Dass jüngere Generationen weniger Bier und Hochprozentiges trinken, ist zudem längst bekannt und somit eingepreist. Besonders gut gefallen uns ebenso Namen wie Target, Chipotle Mexican Grill, LyondellBasell und Old Dominion. Historisch ergeben sich derzeit einige der spannendsten Gelegenheiten überhaupt Man kann Konzerne von Weltklasse zu Kursabschlägen von bis zu 50 Prozent kaufen – und das in einem Bullenmarkt.

Sie halten auch Ölaktien wie Occidental Petroleum und Schlumberger im Depot. Was spricht für solche Titel? Es verhält sich damit ähnlich wie bei chinesischen Aktien vor anderthalb Jahren: Jeder kennt den Bear Case, und Investoren sind dermassen stark für sinkende Kurse positioniert, dass es ausgesprochen interessant wird, dagegen zu wetten. Auch hier geht es erneut um die Frage wohin das Geld fliessen wird, wenn Tech-Aktien an Glanz verlieren. Der US-Energiesektor hat derzeit eine Marktkapitalisierung von bloss rund 2,8 Billionen Dollar, wogegen es beim Nasdaq 100, wie gesagt, fast 34 Billionen Dollar sind. Das war nicht immer so Vor elf Jahren belief sich die Differenz zwischen diesen beiden Sektoren auf bloss 700 Milliarden Dollar. Wenn Geld in einem Regime mit hartnäckiger Inflation in reale Vermögenswerte wandert, steckt im Energiesektor somit grosses Potenzial.

Interview: Christoph Gisiger

Dieses Interview mit dem US-Anlagestrategen Larry McDonald erschien erstmals im digitalen NZZ-Finanzmagazin «The Market»am 24 Dezember 2025. Mehr Informationen: themarket.ch

247000 Franken und kein Gefühl von Sicherheit

Gastbeitrag Kennen Sie Markus? Er hat diszipliniert gespart und Risiken gemieden. Trotzdem wächst das Unbehagen: Das Geld auf dem Konto gibt ihm keine Ruhe Die Geschichte zeigt ein Vorgehen, das Ordnung schafft – bevor Produkte ins Spiel kommen

ALAIN BEYELER

Markus, 57 Jahre alt, sitzt spätabends am Küchentisch in seiner Berner Wohnung. Vor ihm liegt ein Kontoauszug, den er nicht wirklich liest. Sein Blick bleibt an einer Zahl hängen: 247000Franken. Objektiv ist das viel Geld. Subjektiv stellt sich bei Markus kein Zufriedenheitsgefühl ein, eher Irritation Wie kann etwas, das nach Sicherheit aussieht, zugleich das Gefühl auslösen, man müsse handeln? Die Antwort ist nicht dramatisch. Sie ist leise Und gerade deshalb gefährlich. Denn wer nichts tut, trifft ebenfalls eine Entscheidung – nur unbewusst Warten ist nicht neutral.

Sicherheit täuscht

Markus weiss, wie diese Summe zustande gekommen ist: durch Disziplin Monat für Monat sparen, keine Experimente Er ist Architekt – verlässlich, strukturiert Geld war für ihn nie ein Spielfeld, sondern ein Sicherheitsnetz. Doch dieses Sicherheitsnetz hat sich verändert – nicht in Franken, sondern in seiner Wirkung Krankenkassenprämien, Lebensmittel, Reisen: Vieles wird Jahr für Jahr teurer Das Guthaben auf dem Konto bleibt hingegen fast unverändert Nominal ist es stabil, doch im Alltag verliert es zunehmend an Kaufkraft. Markus erlebt keinen Bruch eher eine Verschiebung. Er denkt: Ich müsste etwas tun. Und ergänzt sofort: Aber ohne mich auf etwas einzulassen, das ich nicht verstehe – oder das mich nachts wachhält.Wer diese Entwicklung ignoriert, merkt sie selten sofort. Später umso deutlicher Die Entscheidung, nichts zu verändern ist auch eine Strategie – nur selten eine bewusste. Und je näher der Ruhestand rückt, desto teurer werden Umwege

Hausbank bleibt abstrakt

Markus wendet sich an seine Hausbank. Man begrüsst ihn freundlich. Der Berater lobt seine Disziplin: «Sie haben gut gespart.» Beim nächsten Termin folgen Grafiken, Modellrechnungen, Prognosen. Alles wirkt korrekt – und zugleich abstrakt. Markus stellt Fragen, erhält Antworten, und doch nimmt er zu wenig Greifbares mit, um daraus eine Entscheidung abzuleiten Er gewinnt den Eindruck, sein

Gegenüber sei stärker in der Hypothekarlogik als in der praktischen Anlagefrage zu Hause: Risiken, Kostenstrukturen, Konsequenzen im Alltag Das ist kein persönlicher Vorwurf, eher eine strukturelle Beobachtung Am Ende liegt ein Dossier auf dem Tisch: «Schauen Sie das in Ruhe an.»

Gebühren werden sichtbar

Zu Hause blättert Markus die Unterlagen durch Vieles wirkt standardisiert Dann liest er die Kosten: Prozentangaben, Fussnoten, Kleingedrucktes Er rechnet grob in Franken um Wer ein Auto kauft, sieht den Preis Bei vielen Anlageprodukten bleibt er abstrakt, bis man ihn in Franken übersetzt. Aus einem Prozentpunkt wird über Jahre ein Betrag, der sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Entscheidend ist nicht nur der Satz, sondern die Dauer. Bei Gebühren zählt die Zeit

Plötzlich geht es nicht mehr nur um Produkte sondern um Fairness und Kontrolle Transparenz ist nicht ein Zusatz. Sie ist die Voraussetzung, um überhaupt entscheiden zu können. Markus legt das Dossier weg Nicht weil er Anlagen grundsätzlich ablehnt, sondern weil er spürt: So trifft er keine tragfähige Entscheidung Markus spricht mit Freunden. Viele sind in einer ähnlichen Lage: finanziell solide, strategisch unklar «Ich lasse es

Erst Transparenz, Kostenklarheit und eine saubere Struktur ermöglichen tragfähige Anlageentscheidungen.

liegen», sagt einer «Ich bin bei der Hausbank, aber gut fühlt es sich nicht an», sagt ein anderer «Ich blicke nicht durch», sagt ein dritter. Es ist beruhigend, nicht allein zu sein – und zugleich ein Warnsignal.Wenn so viele ratlos sind, hat das weniger mit individueller Nachlässigkeit zu tun als mit einem System, das komplex wirkt und Kosten oft erst auf den zweiten Blick sichtbar macht. Was heisst das für Markus? Mit 57 geht es weniger um theoretische Optimierung über Jahrzehnte als um Entscheidungen, die in den kommenden Jahren Wirkung entfalten. Fehlentscheide lassen sich nicht mehr beliebig aussitzen.

Verfügbarkeit ist teuer

Markus beginnt, anders zu denken: Nicht alles Geld muss jederzeit verfügbar sein. Ein Teil gehört als Reserve aufs Konto –für Unvorhergesehenes für Ruhe Ein anderer Teil darf Zeit haben.

Wer alles verfügbar halten will, bezahlt oft mit verpassten Chancen.Gleichzeitig ist Investieren ohne Plan selten beruhigend. Die Frage lautet deshalb nicht: Wie viel Rendite? Sondern: Wie viel Unruhe hält man aus – im Alltag, über Monate? Markus sucht keine spektakuläre Lösung. Er sucht eine Struktur, die er versteht.

Weg wird klar

In dieser Phase stösst Markus auf eine digitale Lösung Weniger aus Lust am Neuen, sondern weil sie Ordnung schafft und sich wie ein Gegenmodell anfühlt: strukturiert, digital unterstützt, verständlich

Für Markus ist nicht entscheidend, ob irgendwo ein besonders ausgeklügeltes Produkt wartet Entscheidend ist, ob der Weg dorthin nachvollziehbar ist –und ob er sich zu nichts gedrängt fühlt. Nicht die Produktpalette steht am Anfang, sondern die Frage: Was muss die-

ses Geld in Markus’ Leben leisten – und welche Schwankungen wären für ihn tatsächlich tragbar?

Der Einstieg erfolgt über einen Anlageplan, der zentrale Punkte systematisch klärt: Ziele, Zeithorizont, Risikofähigkeit und Risikotoleranz. Daraus entsteht eine geordnete Standortbestimmung: ein nachvollziehbares Risikoprofil, eine strukturierte Aufteilung zwischen Reserve und langfristiger Anlage, klare nächste Schritte.

Am Ende steht nicht eine Produktliste, sondern ein Dokument, das Markus bisher fehlte: eine begründete Struktur, eine klare Kostensicht und eine Entscheidungsvorlage, die er nachvollziehen kann. Darauf baut die persönliche Beratung auf: Annahmen prüfen, Ergebnisse einordnen, eine Empfehlung ableiten – erst danach Umsetzung und, auf Wunsch, Begleitung. Die digitale Lösung betont dabei Transparenz: Gebühren erscheinen nicht als Fussnote, sondern als klar ausgewiesene Zahl – inklusive eines Gesamtkostenblicks, der die Kostenwirkung über die Zeit greifbar macht. Für Markus ist das der Unterschied zwischen beraten werden und entscheiden können

Ein anderer Blick

Heute sitzt Markus wieder am Küchentisch. Das Setting ist ähnlich, die Haltung ist es nicht. Er sieht sein Vermögen nicht mehr als eine einzige Zahl, sondern als Aufteilung: Liquidität für Ruhe Anlage für Zeit. Die wesentliche Veränderung liegt weniger in einem einzelnen Produkt als in der wiedergewonnenen Entscheidungsfähigkeit. Markus hat nicht «mehr Mut» entwickelt, sondern mehr Klarheit: über Reserve, Zeithorizont, Schwankungen und Kosten. Für Leserinnen und Leser, die sich in Markus wiedererkennen, liegt die Konsequenz selten in einem schnellen Pro-

duktentscheid, sondern in einer sauberen Standortbestimmung: Wie hoch ist die Reserve? Wie lang ist der Zeithorizont? Welche Schwankungen sind realistisch tragbar? Und welche Kosten fallen tatsächlich an? Wer Klarheit will, beginnt mit einer Standortbestimmung –und entscheidet danach. Ein Anlageplan kann dafür ein pragmatischer erster Schritt sein.

Gastbeitrag Alain Beyeler ist CEO der Finpact AG Er hält einen Bachelor in Business Administration der Universität Bern und einen Master in Banking and Finance der Universität St Gallen

In vier Minuten zum Anlageplan –mit Finpact

Markus aus Bern hat 247000 Franken. Er macht nicht den Klassiker «einfach mal investieren», sondern klärt zuerst drei harte Fragen: Liquidität (was muss kurzfristig aufs Konto?), Zeithorizont (braucht er das Geld in drei bis fünf Jahren oder darf es arbeiten?) und Risikoprofil (wie viel Schwankung hält er aus?) In vier Minuten erstellt Markus auf finpact.ch seinen persönlichen Anlageplan.DanachnimmterdieoffenenPunkte in ein Gespräch mit einem FinpactExperten mit – gezielt, ohne Umwege Das Resultat ist eine klare Strategie, schnell auf den Punkt gebracht. Finpact ist ein Spin-off der Universität St Gallen (HSG) und bietet Menschen ab 50 eine clevere, einfach verständliche Vermögensverwaltung auf der Basis eines persönlichen Anlageplans. finpact.ch

In der Geldanlage zeigt sich Nichtstun selten sofort. Später jedoch umso klarer OLEKSANDR POKUSAI/ADOBE STOCK

60 Prozent vom letzten Lohn? Für viele bleibt das Wunschdenken

Viele gehen davon aus, ihre Altersvorsorge werde schon irgendwie reichen. Dieser Eindruck kann täuschen

MANUELA TALENTA UND

MARIUS LEUTENEGGER

Nach der Pensionierung sollten die Renten der AHV und der Pensionskasse rund 60 Prozent des bisherigen Einkommens ausmachen – so die Idee des Schweizer Vorsorgesystems Dieser Wert wird in der Regel aber nur erreicht, wenn man während des gesamten Erwerbslebens lückenlos und mit stabilem Lohn gearbeitet hat. Doch längst nicht alle erfüllen diese Voraussetzung «Manche arbeiten nicht von 20 bis 65 in der Schweiz, andere sind nicht lückenlos erwerbstätig, wieder andere arbeiten Teilzeit», sagt Andreas Habegger Er ist Leiter Finanzplanung und Vorsorge bei der Zürcher Kantonalbank und berät seit Jahren Privatpersonen zu ihrer Altersvorsorge. Sorgen bereiten ihm vor allem jene, die sich nicht mit ihrer Altersvorsorge befassen oder sich nicht beraten lassen. Wie viele das sind zeigt das VorsorgePanorama Schweiz. Die jährliche Studienreihe, die Swiss Life Ende 2025 lanciert hat, beleuchtet die finanzielle Situation, das Finanzwissen sowie das Spar-, Vorsorge- und Investitionsverhalten der Schweizer Bevölkerung

Rund ein Fünftel der Befragten misst demnach der Altersvorsorge eine hohe Bedeutung bei und plant diese aktiv,während fast die Hälfte ihr zwar eine gewisse Relevanz zuschreibt, sich damit aber nur punktuell auseinandersetzt. Dieser Befund ist erstaunlich, denn den Menschen in der Schweiz ist laut Studie durchaus bewusst, dass sie im Alter in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten: Nur 42 Prozent der Befragten im Erwerbsalter gehen davon aus ihren bisherigen Lebensstandard im Ruhestand halten zu können. Bemerkenswert ist ein weiterer Widerspruch, den die Studie offenlegt: 62 Prozent der Erwerbstätigen geben an, aktuell Geld zur Seite legen zu können. Gespart wird also durchaus – jedoch oft nicht mit Blick aufs Alter. Vor allem jüngere Menschen legen Geld für

Reisen, Konsum oder Wohneigentum zurück Erst in den Jahren kurz vor der Pensionierung verschiebt sich der Fokus: Bei den 55- bis 64-Jährigen sparen viele gezielt, um den Ruhestand finanziell absichern und gestalten zu können.

Budgetieren? Schwierig

Aus seiner langjährigen Beratungspraxis heraus rät Andreas Habegger, nicht so lange zu warten und sich spätestens im Alter von 50 Jahren vertieft mit der eigenen Altersvorsorge auseinanderzusetzen: «So bleibt zumindest noch Zeit, um bestehende Vorsorgelücken zu schliessen oder deren Umfang zu verringern.» Dafür ist zunächst die Frage zentral, wie viel Einkommen man im Ruhestand tatsächlich benötigt. «Das zu budgetieren, ist anspruchsvoll, da vielen Menschen auch während ihres Erwerbslebens ein detaillierter Überblick über ihre finanziellen Ausgaben fehlt», so der Experte. Zudem werden die Lebenshaltungskosten im Alter oft unterschätzt – das begegnet Andreas Habegger in der Beratung regelmässig Zwar fallen gewisse Ausgaben weg, zum Beispiel der Arbeitsweg oder die auswärtige Mittagsverpflegung Gleichzeitig entstehen aber neue Kosten; etwa für die Freizeit, denn nach der Pensionierung steht mehr Zeit für Hobbys oder Reisen zur Verfügung Aber auch die Gesundheitsausgaben steigen in der Regel mit dem Alter. Darüber hinaus gibt es eine gewisse Teuerung; und es fallen steuerliche Abzüge weg, die während des Erwerbslebens noch getätigt werden konnten. Im Alter muss deshalb oft ein höherer Anteil des Einkommens versteuert werden

Ob die Rente reicht oder eine Vorsorgelücke besteht, zeigt sich erst im Vergleich von Einnahmen und Ausgaben. Der jährliche Finanzbedarf wird den zu erwartenden Einkünften aus AHV, Pensionskasse und privatem Vermögen gegenübergestellt. Die voraussichtliche AHV-Rente lässt sich über

einen individuellen Kontoauszug ermitteln, den man bei der Ausgleichskasse bestellen kann «Einfacher ist aber eine Rentenvorausberechnung», so der Vorsorgeexperte. Diese kann man ebenfalls bei der Ausgleichskasse beantragen. Die voraussichtlichen Leistungen aus der zweiten Säule kann man dem Vorsorgeausweis entnehmen, den alle Erwerbstätigen jährlich von ihrer Pensionskasse erhalten. Zeigt sich schliesslich, dass die Ausgaben über den Einnahmen liegen, besteht eine Vorsorgelücke Diese kann beträchtlich sein, wenn sie auf die restliche Lebenserwartung hochgerechnet wird. Diese liegt bei 65-Jährigen statistisch bei 20 bis 25 Jahren.

Einkaufen und Steuern sparen Den effizientesten Hebel, um Vorsorgelücken zu schliessen, sieht Andreas Habegger darin, zusätzliche Einzahlungen ins Vorsorgesystem zu leisten. «Denn das wird steuerlich begünstigt» sagt er In die AHV kann man sich nicht freiwillig einkaufen, aber in die Pensionskasse schon. Die Höhe des Einkaufspotenzials ist auf dem Vorsorgeausweis ersichtlich In manchen Fällen besteht zudem die Möglichkeit, innerhalb der Pensionskasse in einen anderen Vorsorgeplan zu wechseln und so höhere Sparbeiträge zu leisten. Ob und welche Optionen bestehen, hängt vom Vorsorgeinstitut, dessen Reglement sowie der Vereinbarung zwischen Pensionskasse und Arbeitgeber ab Maximalbetrag ausschöpfen

Auch mit der gebundenen und steuerlich privilegierten privaten Vorsorge 3a lässt sich die Vorsorge verbessern. Andreas Habegger: «Wer den jährlichen Maximalbetrag noch nicht ausschöpft, sollte dort ansetzen.» Neu gibt es sogar die Möglichkeit, nachträglich Beitragslücken zu schliessen. Bis letztes Jahr galt die Regel: Ist das Geld bis zum 31 Dezember nicht auf dem 3a-Vorsorgekonto eingetroffen

hat man die Chance verpasst Das ändert sich mit dem Steuerjahr 2026, denn der Bundesrat hat die «Verordnung über die steuerliche Abzugsberechtigung von Beiträgen an anerkannte Vorsorgeformen» angepasst Die neue Regelung erlaubt es, unter bestimmten Voraussetzungen rückwirkend Beitragslücken zu füllen

Prioritäten setzen

Andreas Habegger rät,zuerst die Säule 3a auszuschöpfen, bevor man sich freiwillig in die zweite Säule einkauft. «Ein Grund dafür liegt in der Flexibilität», sagt er «Bei 3a ist man in der Ausgestaltung der Investition weitgehend frei es gibt verschiedene Lösungen. In der zweiten Säule ist man hingegen an die Lösung des Arbeitgebers gebunden.» Als zweiten Grund nennt er die rechtliche Einordnung im Todesfall vor der Pensionierung «Bei der Säule 3a handelt es sich um privates Vorsorgevermögen – dieses kommt im Todesfall nach einer klaren Begünstigtenordnung immer zur Auszahlung.»

Bei Pensionskassengeldern ist das nicht unbedingt der Fall. Bei diesem Guthaben handelt es sich um anwartschaftliches Vermögen. Ob daraus im Todesfall vor der Pensionierung eine Leistung für die Hinterbliebenen resultiert, hängt von den gesetzlichen Grundlagen und dem Vorsorgereglement der Pensionskasse ab So sieht das Gesetz zum Beispiel bei Konkubinatspartnern keine Leistungen vor. «Daher ist es wichtig, vor freiwilligen Einkäufen in die zweite Säule die Konsequenzen im Todesfall vorab zu prüfen», sagt Andreas Habegger Am Ende zeigt sich aus Sicht des Vorsorgeexperten: Eine Vorsorgelücke ist kein Randphänomen, sie betrifft im Gegenteil einen grossen Teil der Bevölkerung – nicht selten unbemerkt. Wer frühzeitig hinschaut, sorgfältig plant und die vorhandenen Instrumente gezielt nutzt, kann sie zwar nicht immer vollständig schliessen, aber zumindest verkleinern Entscheidend ist, sich mit der eigenen Altersvorsorge auseinanderzusetzen, bevor es dafür zu spät ist.

Ihre ganz persönlichen Vorstellungenverdienen eine individuelle Beratung.Erleben Sieein PrivateBanking, beidem Sieund Ihre ZieleanersterStellestehen.

Ein Signal, das viele zu spät hören:Vorsorgelücken entstehen oft schleichend. ADOBE STOCK

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