Groupe Mutuel (D)

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Ulrike Mann funktionierte aufder Bühne–diestrotz jahrelangemSchlafmangel.

Noch immerist dieMenopause mitihren Symptomen einTabuthema.Dabei,erzählendreiFrauen, würde nur schonetwas Enttabuisierungnicht nurden Frauen, sondernder gesamten Gesellschaft helfen.

Rundjededritteberufstätige Frau in derSchweiz reduziert wegenWechseljahrbeschwerdenihr Pensum,wechseltdie Stelle oder nimmt eine Auszeit– daszeigt dieStudie «MenoSupport Suisse», in derüber 2200 Frauen befragtwurden. Bleiben Symptome wieSchlafstörungen,KonzentrationsproblemeoderStimmungsschwankungen unbehandelt,können diesenicht nurdas persönlicheLeben betroffenerFrauenverändern,sondern auch zu Produktivitätsverlustenin Unternehmenund so zu volkswirtschaftlichem Schadenführen. Diesen drei Frauen istesein Anliegen,die Tabuisierung desThemaszubrechen, weshalbsie offenüberihreErfahrungen währendder Menopausesprechen.

ulrikemann:

«auf derbühne durfte ichmir nichts anmerken lassen» Ichbin alsklassischeMusikerin seit über 40 Jahren in einermännerdominiertenBühnenweltunterwegs und habe meineWechseljahrepraktisch vollständigauf derBühne durchlebt. Zwischen etwa 49 und60hatte ich wiederkehrende Hitzewallungen, Schwindel, Brainfog,Herzrasen, Schlaflosigkeitund Fressattacken–Symptome,die sich erst ab etwa 58 langsamabschwächtenund seithernur noch vereinzelt auftreten. Unterstützend habe ichTCM-Kräuter genommen, aber derWeg warlang, undüberJahre habe ichmichmehrschlechtals recht durchden Alltag unddie Nächte geschleppt.Die schwierigsten Momente warenjeneimScheinwerferlicht.Man stehtauf derBühne,mussfunktionieren, performen, präsentsein–und gleichzeitig rollteineWallung heran, derSchweissbrichtaus,eswird schwindlig,der Kopf vernebelt.Nach aussen hindarfman sich nichts anmerkenlassen, denn dasPublikumund das Umfeld erwarten,dassman «liefert», egal,wie mansichfühlt.Überdie Zeit hinweg habender permanente Schlafmangel undder Leistungsdruck mein Immunsystemspürbar geschwächt. Im beruflichenUmfeldwar die MenopausekeinThema.Meine Erfahrung ausvierJahrzehnten in einer männerdominiertenArbeitswelt ist,

dass ichfrohseinkonnte, überhaupt akzeptiert zu werden –hätte ichoffen über Menstruations- oder Menopausebeschwerdengesprochen, wäre ich vermutlich ausgelacht worden.Heute denkeich,dassesenorm wichtig wäre,diesesThema offenzuadressieren: dieGesellschaftzuinformieren, welche HerausforderungenanFrauen in dieser Lebensphasegestelltwerden, unddeutlichzumachen, dass es nicht um «Befindlichkeiten»,sondern um handfestegesundheitliche undberuflicheKonsequenzengeht.

antonellacolotti: «ich musste meinen beruf komplett umstellen» Ichkam schonmit 39 Jahren in die Wechseljahre.Mit derHormonumstellung kippte meineperiodischmelancholischeGrundstimmung in eine ausgeprägteDepression. Gleichzeitig kamenstarkekörperliche Symptome dazu:Wallungen,Kopfschmerzen, extremeMüdigkeit,kontinuierliche Gewichtszunahme.

Beruflichwar ichdamalsineinem 100-Prozent-Pensum in derSchadenabteilungeiner Versicherung tätig, ein anspruchsvollerJob.Nachsechs Jahren desDurchquälensund am Randeeines Burn-outshabeich mich mit45entschieden,dassessonicht weitergehen kann.Ich habe an derhöheren Fachschule eine neue Ausbildung begonnen undabgeschlossen –diplomierte Pflegefachfrau in derPsychiatrie

DieUmschulungwar nuraufgrund zweier Faktoren möglich. Erstens, weil mich mein Partnerfinanziell mitgetragenhat.Zweitens, weil ich nach Jahren derFehldiagnosen schliesslich eine Hormontherapie verschrieben bekommen habe Ohne Hormonegehtesseither gar nichtmehr. JedesMal,wennich sie abzusetzen versucht habe,kamen alle Beschwerdenmit voller Wuchtzurück, inklusiveSchlafstörungen undeiner massiven Verschlechterung meiner generellen psychischenVerfassung. Ich nehmedie Hormonersatztherapie nun bereitsseit15Jahren.

Inhaltlich habe icheinen Aufbruch erlebt,ich habe im neuenBeruf neuen Sinn gefunden.Aberkörperlichhabe

AntonellaColotti: seit 15 Jahren Hormontherapie

SerainaManzanell: wünschtsicheineEnttabuisierung.

groupe mutuel: daswahre leben ist,frei entscheidenzukönnen

Die Groupe Mutuel unterstützt Frauen dabei, ihre Gesundheit in jederLebensphase selbstbestimmt zu gestalten.Obfür dieVorsorge, beieiner Schwangerschaft oder beim Brustkrebsscreeningbietetsie ihren Versicherten massgeschneiderte Lösungen fürihre Gesundheit. AlsUnterstützerindes schweizweit ersten FemTech-Förderprogramms Tech4Eva setztsichdie Groupe Mutueldafür ein,Innovationen rund um die Menopause undandereFrauenthemen voranzutreibenund Tabusabzubauen

ichnie mehr zu meiner früheren Form zurückgefunden.Die chronische Müdigkeitund diekörperlichenBeschwerdenmachenmir auch mitHormontherapiezuschaffen; gleichzeitig liebeich meineArbeitund empfinde es alsfrustrierend, dass meineKraft nichtmehrfür einvollesPensum reicht.Das hatauchfinanzielle Konsequenzen. Ohne meinen Partnerwürde es nichtgehen.Rückblickendhätte ich mirvielmehrAufklärunggewünscht. Darauf,dassmeine Symptome zu grossenTeilender Menopausezuzuschreibensind, musste ichnacheigenenRecherchenselbstkommen.

serainamanzanell: «adhsund wechseljahre –alleswirdinstabil» Ichbin Jahrgang 1978,Sonderpädagogin, systemischeTherapeutin,berate Schulen, gebe Weiterbildungenund arbeiteselbständig alsNeurodivergenzCoach(ADHS/ASS).

Beimir hatesvor drei Jahren schleichendangefangenund in einermassivenErschöpfung gemündet.Durch meineArbeitwaren mirdie Wechseljahrezwarein Begriff, aber erst durch eigene Recherchehabeich bemerkt, dass ichfastalleSymptomeabhaken kann.Neben bleiernerErschöpfung undBrainfogauchHerzstolpern, Gelenkschmerzen, Gewichtszunahme undTinnitus. Mein ADHS-Medikament griffnicht mehr zuverlässig, Strategien,die jahrelangfunktioniert hatten,hielten demAlltagnicht mehr Stand. Ichhabeschliesslichselbstbei derGynäkologin nach einerHormontherapie gefragt. Nach einereinzigen Tablette warmeinKopfplötzlich wiederdeutlichklarer. Erst dadurchhabe ichrealisiert, wievielKraft mein Alltagzuvor gekostet hatte. Auch beruflich hatalles mehr Energieerfordert: Terminekoordinieren, dieZeiteinschätzen,administrativeTätigkeiten –wasmit ADHS ohnehinherausforderndist,wirddurch dieWechseljahre zusätzlich deutlich erschwert.

Ichwünsche mirein Gesundheitssystem,das FrauenmedizinimBlick hatund vernetzt arbeitet.MehrGynäkologinnen,die denZusammenhang zwischen Hormonumstellung und Neurodivergenz kennen.Ich wünsche mirEnttabuisierung,dennüberWechseljahre,Brainfogund Leistungsabfall sprichtman kaum,geradeineiner Gesellschaft,inder Frauen über 40 schnellunsichtbarwerden, wenn sie nichtperfekt funktionieren.

In meinem Praxisalltag begegneich oftFrauen, welche mitden Herausforderungen vonADHSinZusammenhang mitdem Hormonabfall während derWechseljahrekämpfen.Geradefür neurodivergenteFraueninmeinem Alterist es unglaublichentlastend, wenn siegut begleitetwerdenvon einerFachperson, welche dieseZusammenhängeimBlick behält. ■

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