Brand Relations (D)

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ZUKUNFT BAUEN

Cool der Zeit voraus

Die schwedische Electrolux-Gruppe betreibt in den sanften Hügeln Venetiens die modernste Kühlschrankfabrik Europas. In Susegana entstehen jährlich bis zu eine Million Geräte – darunter mehr als 120 Modelle für den hiesigen Markt, inklusive solcher nach Schweizer Masssystem. Von Marc Zollinger

Das Erste, was auffällt, sind nicht die vielen Roboterarme. Auch nicht die Bildschirme, die Montagebänder oder das generell futuristisch anmutende Ambiente. Es ist das Licht, die Helligkeit. Die Böden und Stahlträger in der riesigen Fabrikhalle im norditalienischen Susegana sind hell gestrichen. Chromstahl reflektiert das Tageslicht, das durch die grossen Dachfenster fällt. Die Atmosphäre erinnert eher an ein Labor als an eine klassische Fabrik. Das ist kein Zufall: Licht und klare Sicht sind entscheidend für Präzisionsarbeit und schaffen ein angenehmes Arbeitsklima.

164 Industrieroboter auf 1,8 Kilometern Susegana ist eine kleine Gemeinde mit knapp 12 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Provinz Treviso in Venetien. Das Städtchen befindet sich unweit der Hügel von Conegliano und Valdobbiadene, dem Herzstück der italienischen Prosecco-Produktion und seit 2019 Unesco-Weltkulturerbe. Hier hat die schwedische Electrolux-Gruppe ein Werk errichtet, das in Europa seinesgleichen sucht. Auf dem Areal mit einer beeindruckenden Fläche von mehr als 600 000 Quadratmetern wurde unter dem Namen «Genesi» ein Pionierprojekt realisiert: 130 Millionen Euro investierte der Konzern, um einen Produktionsstandort nach den modernsten Erfordernissen zu schaffen.

Nach Lamborghini war Electrolux damit das zweite Unternehmen in Italien, das die sogenannte vierte industrielle Revolution umgesetzt hat. Digitale Technologien, Automatisierung und intelligente Vernetzung interagieren hier in Echtzeit miteinander. Ziel ist ein reibungsloser Ablauf, bei dem Mensch und

Automatisierung zum Trotz: Über 1200 Personen arbeiten auf dem Werkgelände.

QR-Code scannen und Video über die Kühlschrankfabrik auf nzz.ch schauen

Maschine optimal zusammenspielen. Das Resultat: eine effizientere, flexiblere und nachhaltigere Produktion. An drei Montagelinien mit einer Gesamtlänge von 1,8 Kilometern arbeiten 164 Industrieroboter. Sie übernehmen schwere Hebetätigkeiten und risiko behaftete Arbeitsschritte. Das macht den Prozess nicht nur effizienter, auch die Sicherheit der Mitarbeitenden wird erhöht.

«Weiterhin echtes Handwerk gefragt»

Trotz eines Automatisierungsgrades von über 50 Prozent bleibe der Mensch aber unverzichtbar, erklärt René Schaffner, Senior Product Manager von Electrolux Schweiz. «Besonders beim Löten der Kühlmittelsysteme ist weiterhin echtes

Handwerk gefragt.» Auch Qualitätskontrollen und andere Arbeiten, die Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordern, werden von Menschen ausgeführt.

Insgesamt arbeiten über 1200 Personen auf dem Werkgelände. Davon sind mehr als zwei Drittel in den Produktionshallen tätig. Electrolux geniesst als verlässlicher und grösster Arbeitgeber der Region viel Ansehen. Und das über Generationen hinweg. Die starke Verbundenheit ist auch daran abzulesen, dass Werktätige im Durchschnitt 16 Jahre für die Firma arbeiten. Die aussergewöhnlichen Ausmasse und die hohe Flexibilität der Produktionsstätte ermöglichen nicht nur, dass in Susegana bis zu eine Million Einbaukühlschränke pro Jahr hergestellt werden. Extra für den Schweizer Markt kann

Wie sehr der Kühlschrank die Welt verändert hat

Buchdruck, Elektrizität, Atomspaltung, Internet: So manche Erfindung hat die Welt grundlegend verändert. Wie sehr der Kühlschrank den Alltag geprägt hat, wird dabei gerne übersehen. Die Idee, Lebensmittel zu kühlen, geht weit zurück. Man weiss zum Beispiel, dass die reichen Bürger im antiken Rom Eis aus den Bergen heranschafften, um Getränke und Speisen länger haltbar zu machen. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde in der westlichen Welt zu diesem Zweck Natureis aus Seen und Gletschern gewonnen. Doch der Aufwand war gross, die Wirkung beschränkt. Der schottische Arzt John Gorrie (1803–1855) setzte als erster die Idee um, ein von Maschinen erzeugtes Kühlsystem zu entwickeln. Er konzipierte einen Mechanismus, der auf der Kompression

und Dekompression von Gasen basierte. Bis solche Geräte auch in den privaten Haushalten eingesetzt wurden, dauerte es aber noch eine Weile. Die ersten Kühlschränke wurden in den USA ab 1918 verkauft. Erst mit der Massenproduktion ab 1945 begannen sie die Welt zu erobern. Die Erfindung des Kühlschranks veränderte die Essgewohnheiten grundlegend. Dank ihr wurden frische Produkte das ganze Jahr über verfügbar. Die Vielfalt der konsumierbaren Lebensmittel nahm erheblich zu. Gekühlte Transportmittel ermöglichten überdies, dass frische Produkte von einem Ende der Welt an den anderen gebracht werden konnten – eine globalisierte Narungsmittelindustrie entstand.

Heute sind moderne Kühlschränke wahre Hightech-Geräte. Sie verlängern

die Frische von Lebensmitteln dank ausgeklügelter Technologien deutlich. Unterschiedliche Temperaturzonen und Schubladen mit regulierbarer Luftfeuchtigkeit sorgen für optimale Bedingungen für alle möglichen Esswaren. Ventilationssysteme gewährleisten eine gleichmässige Temperatur im gesamten Kühlraum. Hinzu kommen zunehmend auch smarte Funktionen, die sich an die Gewohnheiten der Nutzer anpassen. Sie machen die Aufbewahrung der Esswaren nicht nur effizienter, spielerischer und intelligenter. Sie helfen auch mit, den Energieverbrauch massgeblich zu senken. Der Kühlschrank ist zwar längst erfunden, aber der Perfektionierung sind keine Grenzen gesetzt. Die 1919 gegründete Electrolux-Gruppe lotet diese seit über einem Jahrhundert aus.

Electrolux auch mehr als 120 unterschiedliche Modelle anfertigen. Dazu gehören insbesondere Geräte nach dem Schweizer Masssystem, der sogenannten SMS-Norm. «Wir investieren bewusst in die Weiterentwicklung der Schweizer Normlinie, um unseren Kunden auch in diesem Segment künftig modernste Technologien anzubieten», sagt Peter Barandun, CEO von Electrolux Schweiz. Es sei keineswegs selbstverständlich, dass ein global tätiger Konzern wie Electrolux in einer Fabrik, die Kühlschränke für ganz Europa produziert, auch die besonderen Anforderungen eines nationalen Marktes erfüllen könne, betont Barandun. «Doch der hiesige Markt geniesst innerhalb des Unternehmens höchste Priorität. So gelingt es uns, Lösungen zu entwickeln, die alle spezifischen Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz abdecken.»

Nachhaltiger Fokus auf Umweltthemen

Fortschritt messe sich nicht nur an Technologie, sondern auch an der Verantwortung gegenüber der Umwelt, sagt Schaffner. «Genesi» sei diesbezüglich beispielhaft: «Nahezu alle Abfälle werden recycelt, wiederverwendet oder energetisch verwertet.» Die grossen Anstrengungen auf diesem Gebiet haben der Fabrik das wertvolle Zertifikat «Zero Landfill» eingebracht. Damit verbunden ist die Verpflichtung, dass weniger als 1 Prozent des Abfalls auf Deponien landet. Intelligente Lösungen, die der Umwelt zugutekommen, hat Electrolux auch beim Produktdesign gefunden. Zum Beispiel besteht die Innenauskleidung der Kühlschränke aus 70 Prozent recyceltem Kunststoff. Für die Herstellung dieser Bestandteile arbeitet die Firma mit einem Partner zusammen, der den Kunststoff von ausrangierten Geräten in ein Granulat verarbeitet, das allen Erfordernissen bezüglich Kontakts mit Lebensmitteln gerecht wird. In der Fabrik in Susegana wird dieses Granulat zu Kunststoffplatten gepresst, die dann für die Produktion der Kühlschränke verwendet werden. René Schaffner, Senior Product Manager bei Electrolux Schweiz, ergänzt: «Damit sind wir nicht nur weniger abhängig von Primärrohstoffen, wir leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.»

Ein von drei Montagelinien in Susegana:
die Electrolux-Gruppe hat 130 Millionen Euro investiert.
Peter Barandun CEO von Electrolux Schweiz

#TopTenGamechanger

Langlebig, flexibel –und immer nachhaltiger

Als einer der grössten Zementhersteller der Welt sieht sich Holcim in der Pflicht, den ökologischen Fussabdruck des unverzichtbaren Baustoffs zu verkleinern. Das ist anspruchsvoll – gelingt aber immer besser. Von Marius Leutenegger

Dass Beton auf der Welt eine grosse Rolle spielt, ist allen klar, die sich mit offenen Augen in der gebauten Umwelt bewegen. Dass er aber nach Wasser der weltweit am häufigsten verwendete Stoff überhaupt ist, dürfte manche und manchen doch eher überraschen. Tatsächlich werden jährlich rund um den Planeten zwischen 15 und 20 Milliarden Kubikmeter Beton verbaut, etwa die Hälfte davon allein in China. Das entspricht etwa zwei Kubikmetern pro Erdbewohnerin und -bewohner – Jahr für Jahr.

Dass die Nachfrage nach Beton so enorm ist, hat mit den nahezu konkurrenzlosen Eigenschaften dieses Baustoffs zu tun: Beton ist äussert langlebig, widerstandsfähig, flexibel einsetzbar, belastbar und pflegeleicht. Zudem verfügt die Bauwirtschaft über eine kaum zu überschätzende Erfahrungsbasis, denn sie arbeitet seit Jahrtausenden mit diesem Material. Schon bei den Pyramiden von Gizeh kamen betonähnliche Baustoffe zum Einsatz, ebenso bei römischen Aquädukten und Kuppelbauten, von denen manche bis heute bestehen. Beton ist damit nicht nur ein moderner, sondern auch ein historisch bewährter Werkstoff.

Unverzichtbarer Baustoff

Bekanntlich hat jede Medaille zwei Seiten, und das gilt auch für Beton. Er besteht im Wesentlichen aus Zement, Kies, Sand und Wasser. Der Zement ist dabei das entscheidende Bindemittel, das alles zusammenhält – und genau er macht den enormen Verbrauch von Beton zu einem ökologischen Problem. Denn die Produktion von jährlich über 4,5 Milliarden Tonnen Zement setzt weltweit sehr grosse Mengen an CO2 frei. Die wichtigsten Rohstoffe bei der Zementproduktion sind Kalkstein und Ton. Diese werden getrocknet und zusammen mit Zuschlagstoffen wie Quarzsand und Eisenerz mehlfein gemahlen. Anschliessend gelangt das Material in einen riesigen Drehrohrofen, wo es auf

Zweite Gotthard-

Röhre: Holcim setzt auf E-Lkw

Bis 2030 entsteht die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels. Sie wird gebaut, damit die in die Jahre gekommene erste Röhre ab 2030 saniert werden kann. Erstellt wird die zweite Röhre im Auftrag des Bundesamts für Strassen (Astra). Holcim Schweiz ist Zement-Hauptlieferant. Der gesamte Zement, eine Menge von 150 000 Tonnen, wird entweder per Bahn – am Nordportal – oder per elektrischen Lkw d– im Süden – angeliefert. Die E-Lkw können direkt vor Ort aufgeladen werden, Holcim Schweiz hat die dafür nötige Infrastruktur aufgebaut.

rund 1450 Grad Celsius erhitzt wird. Dabei laufen komplexe chemische Prozesse ab, bei denen der sogenannte Zementklinker entsteht. Dieser wird später erneut mit bestimmten Zuschlagstoffen gemahlen – erst dann ist der marktfähige Zement fertiggestellt. Besonders das Brennen der Rohstoffe im Drehrohrofen emittiert viel CO2. Zum einen, weil dem Kalkstein bei der Umwandlung in Klinker CO2 entzogen wird, zum anderen, weil der Ofen viel Energie frisst. Es ist natürlich einfach, Zement zu verteufeln und die grossen Produzenten als Umweltsünder anzuprangern, doch man sollte es sich, wie so oft im Leben, nicht zu einfach machen. Denn auf Beton können die modernen Gesellschaften schlichtweg nicht verzichten, von der Zementproduktion profitieren letztlich alle. Daher müssen dringend Wege gefunden werden, wie sich diese Produktion umweltfreundlicher gestalten lässt. Vorreiter aus guten Gründen

Holcim ist einer der grössten Zementhersteller der Welt und gilt als Vorreiter bei der Dekarbonisierung der Branche. Das Schweizer Unternehmen beschäftigte sich bereits um die Jahrtausendwende, als dieser Begriff noch kein Allgemeingut war, intensiv mit Nachhaltigkeit. Hier erkannte man früh: Der ökologische Ansatz kann ein Alleinstellungsmerkmal sein, das sich langfristig auch wirtschaftlich positiv niederschlagen wird. Die Entwicklung von nachhaltigerem Zement ist also nicht allein dem gesunden Menschenverstand geschuldet, sondern eine Investition in die Zukunft. In Europa müssen CO2-Verursacher Emissionsrechte erwerben, und diese werden immer knapper und teurer. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss die CO2-Emissionen künftig dort reduzieren, wo sie anfallen. «Es ist unsere Pflicht, alles dafür zu tun, die Zementproduktion so ressourcenschonend und CO2-arm zu gestalten, wie es technisch machbar ist», ist Roman Andermatt,

Head Commercial bei Holcim Schweiz überzeugt. «Wir müssen beweisen, dass nachhaltigerer Beton leistungsfähig und ökonomisch tragbar ist.» Diesen Beweis soll die jüngste Innovation von Holcim erbringen: der Zement ECOPlanet. Seine Produktion verursacht rund 25 Prozent weniger CO2 als jene des Standardzements CEM II/A-LL – im Vergleich zum europäischen Referenzstandard CEM I beträgt die Reduktion sogar rund 40 Prozent.

Zum Emissionsrückgang tragen mehrere Faktoren bei. Zentral ist die veränderte Zusammensetzung des Zements. Ein Teil des als Füllstoff eingesetzten Kalksteins wird durch Mischabbruchgranulat ersetzt, das aus verschiedenen mineralischen Bauabfällen besteht. Dadurch werden Primärrohstoffe geschont und Stoffkreisläufe geschlossen. «Wird ein Bauwerk abgebrochen, trennt man das Material sauber auf. Das ist aufwendig, lohnt sich aber mehrfach», erklärt Andermatt. Während Bauschutt früher meist deponiert wurde, wird er heute Teil eines hochwertigen Baustoffs. ECOPlanet enthält gut 20 Prozent Recyclinganteil – gegenwärtig das Maximum, soll Zement seine Eigenschaften behalten. Ein weiterer Hebel ist die Reduktion des Klinkeranteils. Bei ECOPlanet liegt dieser bei noch rund 55 Prozent, während herkömmliche CEM-II-Zemente zwischen 65 und 95 Prozent Klinker enthalten. «Wir arbeiten derzeit sogar an einem Zement mit einem Klinkeranteil von unter 45 Prozent», sagt Andermatt. Die notwendige Kompensation liefert kalzinierter Ton, der bei rund 700 Grad Celsius thermisch behandelt wird. Er weist ebenfalls hydraulische Eigenschaften auf, benötigt aber deutlich weniger Energie als Klinker. Ergänzend kommt Hüttensand zum Einsatz, ein Nebenprodukt der Stahlproduktion – allerdings mit längeren Transportwegen. Darüber hinaus lässt sich auch der Beton selbst optimieren. «Wo die Statik es zulässt, kann der Zementanteil im Beton reduziert werden», sagt Andermatt, etwa bei nichttragenden Bauteilen. Gleich-

zeitig werde insgesamt bewusster und sparsamer mit Beton geplant. «Der Verbrauch wird zurückgehen», ist er überzeugt. «Hybridbauten mit einem hohen Holzanteil werden immer häufiger.» Holcim hat auf diese Entwicklung mit einer Value-over-Volume-Strategy reagiert: Ziel ist nicht, möglichst viel Zement und Beton zu verkaufen, sondern immer bessere Baustoffe anzubieten, um im Markt bestehen zu können. Doch nimmt dieser Markt die neuen Baustoffe überhaupt an? Die eindrücklichen Innovationen sind ja nicht gratis: ECOPlanet ist 15 Prozent teurer als ein herkömmlicher Zement. Bei der Gesamtrechnung macht sich das lediglich im Promillebereich bemerkbar. Doch der Preisdruck ist hoch, zudem gilt die Branche als ziemlich konservativ – Neuentwicklungen lassen sich nicht so leicht durchsetzen. Alternativen zu wenig bekannt

Roman Andermatt sagt: «Die Nachfrage nach unseren umweltfreundlicheren Produkten ist überraschend gross.» Zum einen rückt gerade bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand die Umweltverträglichkeit immer stärker in den Vordergrund. Zum anderen sind Produkte wie ECOPlanet auch bei Baumeistern beliebt, weil sie gut verarbeitbar sind. Allerdings sei das Wissen darüber noch zu wenig verbreitet. «Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht», sagt Roman Andermatt selbstkritisch –und erwähnt ein Erlebnis mit einem jungen Ingenieur, der mit Blick auf die Produktpalette von Holcim erstaunt meinte, er habe nicht gewusst, dass er überhaupt eine Wahl habe. Diese Wahl wird sich in den nächsten Jahren zunehmend Richtung nachhaltigerer Zement und Beton verschieben. «Die Entwicklung schreitet sehr schnell voran, die bislang verwendeten Produkte werden verschwinden», sagt Roman Andermatt. Den wirklich umweltfreundlichen Zement wird es zwar kaum je geben – aber Holcim wird noch an vielen Stellschrauben drehen.

Roman Andermatt ist Head Commercial bei Holcim Schweiz.

#TopTenGamechanger

«Wiederverwenden spart CO2 und langfristig auch Kosten»

SBB Immobilien setzt beim Bauen verstärkt auf Kreislaufwirtschaft: Schienen werden zu Tragwerken, Fenster aus Eisenbahnwaggons zu solchen in Büros – Wiederverwendung ist aber nur ein Teil des grösseren Konzepts, sagt Salomé Mall, Leiterin Development und Mitglied der Geschäftsleitung. Interview: Marius Leutenegger

Wo setzt SBB Immobilien beim Thema Kreislaufwirtschaft an?

SALOMÉ MALL: Die SBB ist der wichtigste Anbieter nachhaltiger Mobilität in der Schweiz; der Fokus auf Nachhaltigkeit ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Dasselbe gilt für die Immobiliensparte. Das Wiederverwenden hochwertiger Bauteile, in denen viel graue Energie steckt, spart CO2 ein und langfristig auch Kosten, denn Bauteile werden immer teurer. Zudem macht uns Kreislaufwirtschaft resilienter gegen Lieferkettenprobleme. Während der Covid-19-Pandemie zeigte sich, wie rasch es zu solchen kommen kann. Wir haben daher schon vor Jahren damit begonnen, unseren Bestand zu analysieren und einen SBBinternen Bauteilkatalog zu erstellen: Wir listen auf, über welches Material wir verfügen, und hinterlegen die nötigen Daten. Daten sind unerlässlich, wenn es um Kreislaufwirtschaft geht.

Das klingt aufwendig Das ist es auch. Aber es lohnt sich. Nehmen wir das Beispiel des ehemaligen Güterbahnhofs Wolf in Basel, auf dessen Areal ein neues Quartier entsteht. 2020 und 2021 analysierten wir sämtliche Bestandsliegenschaften mit 3D-Scannern und integrierten die Daten in ein digitales Modell. Jedes Bauteil wird darin detailliert beschrieben, etwa hinsichtlich Zustand oder Demontagefähigkeit. Diesen Bauteilkatalog stellten wir für den Projektwettbewerb zur Verfügung. Wir verlangten nicht, dass das vorhandene Material genutzt werden muss – wir gaben aber CO2-Emissionszielwerte vor, denn die SBB verpflichtet sich zu einer umfassenden Nachhaltigkeit. Auf welche Weise diese Vorgabe erreicht wird, blieb den Wettbewerbsteilnehmenden überlassen. Die eingereichten Beiträge fielen sehr vielfältig aus und zeigten eindrucksvoll, wie sich bestehende Bauteile weiterverwenden lassen, ohne dass es zu Abstrichen bei Baukultur und gestalterischer Qualität kommt. Wie verändert der Fokus auf Kreislaufwirtschaft den Prozess bei Bauprojekten? Kreislauflösungen erfordern eine frühere und vertiefte Planung. Nicht nur die erwähnte Recherche über die verfügbaren Bauteile braucht Zeit, auch der Rückbau bestehender Liegenschaften ist aufwendiger: Die Bauteile müssen schonend gewonnen werden, anschliessend werden sie oft noch aufbereitet. Natürlich ist es einfacher, ein neues Projekt auf der grünen Wiese zu errichten. Die Branche ist lange mit dem Prinzip «planen, bestellen, bauen» gut gefahren, aber dieses entspricht immer weniger den heutigen Anforderungen und Ansprüchen. Wir kommen von einer linearen zu einer zirkulären Bauweise. Der Fokus auf Kreislaufwirtschaft bedingt auch, dass die an einem Projekt beteiligten Raum- und Fachplaner, Ingenieurinnen sowie Architekten viel enger zusammenarbeiten.

Beeinflusst das Konzept auch die Ästhetik?

Ja, durchaus – und oft auf bereichernde Weise. Der Kreislaufgedanke kann neue gestalterische Qualitäten

SBB Immobilien

SBB Immobilien hat den Auftrag, die Bahnhöfe attraktiv zu gestalten, das Bahnhofsumfeld und den Zugang zur Bahn weiterzuentwickeln und die Betriebsgebäude effizient zu unterhalten. Frei gewordene Flächen werden von SBB Immobilien gemeinsam mit den Städten und Gemeinden zu lebendigen Quartieren umgestaltet; gegenwärtig verfolgt SBB Immobilien in der ganzen Schweiz rund 150 Arealentwicklungen.

eröffnen. Beim Gebäude X auf dem Areal Werkstadt in Zürich etwa prägen zwölf Kilometer wiederverwendete Eisenbahnschienen die Grundkonstruktion, ergänzt durch Fenster von ausrangierten Personenwagen des Typs Einheitswagen IV. Die Wiederverwendung ist sichtbar und wird zum gestalterischen Element. Es ist unser bislang konsequentestes «Re Use»Projekt und zeigt, welches architektonische Potenzial in der Wiederverwendung von Bauteilen liegt. Gleichzeitig ermöglicht der Ansatz auch Gebäude, bei denen die Wiederverwendung nicht unmittelbar ablesbar ist. Kreislaufwirtschaft und hohe gestalterische Qualität schliessen sich also keineswegs aus, sondern ergänzen einander auf vielfältige Weise.

Fenster werden immer besser, beim Gebäude X werden alte eingebaut. Verhindert man mit dem Wiederverwenden von Bauteilen Innovation – und verzichtet man auf potenziell Besseres? Wiederverwendung schliesst Innovation nicht aus. Im Gegenteil: Wir erlangen dabei viel neues Wissen. Die Fenster der Einheitswagen IV sind nicht dreifach verglast, wie das heute üblich ist. Also musste eine Lösung ge -

funden werden, wie sich vergleichbare Eigenschaften erzielen lassen. Es werden nun zwei Fenster zusammenmontiert. Auf diese Weise sparen wir sehr viel CO2-Emissionen ein – und wir haben erst noch ein Alleinstellungsmerkmal: Fenster von ausrangierten Zügen passen zu einem Gebäude der SBB.

Typisch SBB ist beim Gebäude X auch das Tragwerk aus Schienen. Was braucht es, damit alte Schienen so verwendet werden können? Gute Analysen und Dokumentationen. Wir haben diesbezüglich beim Gebäude X viel gelernt. Zuerst müssen die Schienen technisch geprüft werden, wir müssen sie begradigen und einer Oberflächenbehandlung unterziehen, damit sie die gebäudetechnischen Anforderungen erfüllen. Aber auch das lohnt sich, denn in Stahl steckt sehr viel graue Energie.

Kreislaufwirtschaft bedeutet auch, heute so zu bauen, dass ein Gebäude übermorgen umgenutzt oder als Ressource für andere Bauwerke verwendet werden kann. Haben Sie diese Langfristigkeit bei Ihren Projekten ebenfalls im Fokus?

Ja, das ist ein wichtiger Aspekt. Bis voraussichtlich 2029 entsteht an unserem Hauptsitz im Berner Wankdorf ein Bürogebäude, das von Herzog & de Meuron und Losinger Marazzi entwickelt wurde. Es ist so konzipiert, dass man es in 100 Jahren auseinandernehmen und jedes Bauteil neu verwenden kann. Das bedeutet etwa, dass man die Bauteiltrennung von Anfang an im Auge behält.

Man schraubt Teile zusammen, statt sie zu verkleben?

Zum Beispiel. Auch die Haustechnik ist so konzipiert, dass die einzelnen Module voneinander getrennt werden können. Manches veraltet, anderes nicht.

Führt es nicht gezwungenermassen zu gesichtslosen Gebäuden, wenn man diese so konzipiert, dass sie sich später auch ganz anders nutzen lassen? Ideal wären dafür grosse Einheitsbauten. Gute Architektur zeichnet sich für mich dadurch aus, dass ein Gebäude gestalterisch und mit den für den Ort passenden Nutzungen auf sein Umfeld reagiert und den Stadtraum bereichert. Gesichtslose Einheitsbauten werden diesem Anspruch nicht gerecht. Gleichzeitig sollte ein Gebäude im Inneren möglichst flexibel nutzbar sein. Diese Kombination aus architektonischer Identität nach aussen und Anpassungsfähigkeit im Inneren ist heute durchaus realisierbar. Ein Beispiel dafür ist ein Gebäude auf Baufeld B in der Zürcher Europaallee: Es wurde von Beginn an so geplant, dass die heutigen Büroflächen bei Bedarf ohne grundlegende Eingriffe in Wohnungen umgewandelt werden können.

Wie stehen Ihre Partner – das sind vor allem Behörden, aber auch Ausführende – dem Transformationsprozess hin zur Kreislaufwirtschaft gegenüber? Der Wandel ist in der Branche klar spürbar, das Thema ist angekommen. Heute besteht ein breites Bewusstsein dafür, dass es neue Konzepte und andere Herangehensweisen im Planen und Bauen braucht, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Entsprechend entwickeln sich auch internationale, nationale und lokale gesetzliche Rahmenbedingungen weiter. Besonders die öffentliche Hand, Grundeigentümerinnen und Investoren übernehmen dabei eine Vorreiterrolle, und die Baubranche zieht zunehmend nach. Nun braucht es Pilotprojekte wie das Gebäude X in Zürich oder das Areal Wolf in Basel. An solchen Vorhaben lassen sich neue Prozesse gemeinsam entwickeln, erproben und weiter verfeinern. Die Zahl dieser Projekte nimmt stetig zu, und wir verstehen unsere Rolle darin, diesen Wandel mitzugestalten und voranzutreiben. Insgesamt zeigt sich: Wir sind auf einem sehr guten Weg. Wo liegen auf diesem Weg die grössten Herausforderungen?

Es fehlt noch viel Wissen. Wir eignen es uns Schritt für Schritt an. Der Markt für Sekundärmaterialien ist noch unterentwickelt, es gibt noch zu wenige wirtschaftliche Anreize, ihn auszubauen. Das wird sich aber auch ändern.

Salomé Mall ist Leiterin Development und Mitglied der Geschäftsleitung bei SBB Immobilien.

#TopTenGamechanger

Kreislaufwirtschaft beginnt bei den Haushaltsgeräten

Investoren und Verwaltungen rechnen immer genauer, was ein Gebäude über die Jahrzehnte kostet. Warum Haushaltsgeräte dabei mehr sind als ein Detail – und wie V-ZUG mit Service, Kreislaufwirtschaft und «Buy Local» den Unterschied macht.

Von Michael Baumann

Wer heute Wohnraum plant, denkt nicht mehr nur in Grundrissen und Renditen. Investoren, Verwaltungen und Generalunternehmer rechnen zunehmend in Vollkosten: Wie viel kostet ein Gebäude über Jahrzehnte wirklich – inklusive Energie, Unterhalt, Ausfällen und Ersatz?

In dieser «Total Cost of Ownership»Logik (TCO) rücken Haushaltsgeräte wie Backofen, Steamer, Kühlschrank, Geschirrspüler und Waschmaschine zunehmend stärker in den Fokus. Denn ihr Anteil an den Erstellungskosten ist klein, ihre Wirkung im Betrieb und die laufenden Kosten aber deutlich spürbar.

Langlebigkeit, die sich auszahlt

Marcel Feurer, seit Mai 2024 Managing Director Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung von V-Zug, sieht darin einen Hebel, den viele unterschätzen. «VZug ist als Komplettanbieter vertikal integriert – mit eigener Entwicklung, Produktion, eigenem Service und kurzen Wegen.» Das verschaffe ihren Partnern Vorteile über den ganzen Lebenszyklus. Gerade in grossen Überbauungen zähle jede Störung doppelt: als Kostenpunkt und als Ärger bei der Mieterschaft. «Wir haben sehr langlebige und störungsarme Produkte», erklärt Feurer. Das wirke sich «äusserst vorteilhaft auf die Gesamtkosten» einer Liegenschaft aus: weniger Ausfälle, weniger Folgekosten, weniger Umtriebe.

In der Immobilienrechnung wird zudem gern in langen Zyklen gedacht. Über die Lebensdauer einer Immobilie wird eine Küche oder der Waschraum mehrfach teilerneuert oder komplett saniert. Der Effekt der Haushaltsgeräte auf die Betriebskosten und den Energieverbrauch sei über die Lebensdauer deshalb deutlich relevanter, als es die Anschaffung vermuten lasse. V-Zug unterstütze Partner projektspezifisch, etwa mit Analysen zur CO2-Reduktion und zur Kostenwirkung über mehrere Erneuerungszyklen hinweg. Langlebigkeit bedeutet für Feurer jedoch nicht «reparieren um jeden Preis». Er sagt, Effizienzsprünge bei neuen Geräten könnten die ökologische und ökonomische Entscheidung beeinflussen. VZug verfüge deshalb über detaillierte Ökobilanzen für jede Gerätekategorie. Damit lasse sich beurteilen, ab wann ein Austausch sinnvoll sei. Bei älteren Kühlschränken könne sich der Ersatz beispielsweise schneller lohnen, weil der Stromverbrauch über die Jahre entscheidender werde als die «graue Energie», die bei der Herstellung entstanden sei.

Schweiz-Chef Marcel Feurer verantwortet bei V-ZUG den Heimmarkt – inklusive Verkauf, Serviceorganisation, Marketing.

Gleichzeitig betont Marcel Feurer den Grundsatz, die Geräte so lange wie möglich in Betrieb zu halten – weil das im Alltag oft der beste Mix aus Kosten- und Ressourcensicht sei. Als Beleg für die Servicefähigkeit nennt der Schweiz-Chef ein Extrembeispiel: V-Zug habe kürzlich ein 44-jähriges Gerät erfolgreich repariert. Dafür brauche es Ersatzteile und Know-how – beides müsse über Jahrzehnte verfügbar bleiben.

Servicefähigkeit als Erfolgsfaktor

Im Objektgeschäft entscheidet nicht nur das Produkt, sondern die Geschwindigkeit danach bei Service und Reparatur. Feurer hebt hervor, V-Zug halte den Service «in der eigenen Hand» und investiere bewusst in eine breite Präsenz: Rund 20 regionale Zentren und etwa 300 Servicetechniker seien in der ganzen Schweiz im Einsatz. Ergänzt wird diese Struktur durch ein enges Netz qualifizierter Ver-

«Wer sich für uns entscheidet, unterstützt auch die Schweizer Wirtschaft.»

kaufs- und Servicepartner, die regional verankert sind und gemeinsam mit V-Zug für kurze Wege und schnelle Reaktionszeiten sorgen. Ein grosses Ersatzteillager und Service-Logistikzentrum in Rotkreuz soll die Verfügbarkeit und kurze Reaktionszeiten garantieren.

Hinter dem Service steht ein klar organisiertes Betriebsmodell: standardisierte Abläufe und moderne Logistik –aber mit regionaler Nähe und persönlichen Ansprechpartnern. Feurer erklärt, automatisierte Routenplanung, überregionale Zusammenarbeit und ein abgestuftes Lagersystem sorgten dafür, dass Reparaturen nicht am fehlenden Ersatzteil scheiterten. Die Reaktionszeit liege bei Ausfällen im Regelfall bei rund drei Tagen, sagt der Schweiz-Chef – und schildert als Momentaufnahme einen Fall, in dem ein Problem am Freitagabend gemeldet worden sei und «am Montagmorgen um halb acht» bereits behoben war.

Dass Kreislaufwirtschaft in der Baubranche Fahrt aufnimmt, ist für Feurer nicht einfach ein Trend, sondern ein klarer Teil der Strategie. Nachhaltigkeitsorientiertes Bauen werde über grosse Positionen wie Beton, Stahl und Wiederverwendung definiert, – «aber es geht bis hinunter zu den Haushaltsgeräten». V-Zug wolle Elektroschrott vermeiden und möglichst viele Komponenten wiederverwenden, beginnend beim Produktdesign bis hin zur Rücknahme.

Konsequent weitergedacht sei dann das «Product as a Service»-Modell (PaaS) von V-Zug. Wie Marcel Feurer erläutert, erhielten Partner gegen fixe periodische Raten Zugang zu Geräten, während sich die Mieterschaft im Störungsfall direkt an den Service von V-Zug wenden könne – ohne Umweg über die Verwaltung. Dies entlastet insbesondere Immobilienbesitzer mit eigenem Verwaltungsapparat, da interne Ressourcen eingespart oder effizienter eingesetzt werden können. Nach Vertragsende hole V-Zug die Geräte ab und verwende sie, wenn möglich, als Ganzes wieder oder führe deren Komponenten und Materialien in die Produktion zurück, etwa in der eigenen Kreislaufwirtschaftsfabrik.

Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt von V-Zug, in dem alte Haushaltsgeräte zurückgenommen, repariert, zerlegt und ihre Materialien hochwertig im Kreislauf gehalten werden, um eine echte zirkuläre Wertschöpfung zu ermöglichen. Feurer betont, dass PaaS hauptsächlich eine Option für B2BPartner sei, die Nachhaltigkeit und ein «Rundum-sorglos-Paket» bewusst wünschten.

Verlässlichkeit bedeutet für Feurer, die Bedürfnisse der Beteiligten zu verstehen und «zuverlässige, individuelle Lösungen» zu liefern – gemeinsam mit Bauherren, Planern, Generalunternehmern und Küchenbauern. V-Zug wolle zum «Projektmitarbeiter» werden,

der zwischen den Parteien vermittle und die richtigen Akteure früh an einen Tisch bringe. Ihm zufolge ist V-Zug in allen Kategorien zu Hause – vom Einstiegs- bis zum Luxussegment. Weil die Schweiz aber ein «Mieterland» sei – rund 60 Prozent lebten in Mietwohnungen –, bleibe dieses Segment zentral.

Den Werkplatz Schweiz stärken

Dabei spielt auch der Werkplatzgedanke eine Rolle. Marcel Feurer sagt: «Wer sich für V-Zug entscheidet, unterstützt auch die Schweizer Wirtschaft, befindet sich doch die Produktion samt den Arbeitsplätzen in Zug.» V-Zug wolle das Qualitätslabel «Lokal kaufen» stärker kommunizieren und lege Wert auf Investitionen in Produktion, Service und Logistik in der Schweiz sowie auf kurze Wege in der Beschaffung. Das bedeute, nicht nur regional einzukaufen, sondern ein ökosystemisches Zusammenspiel mit lokalen Partnern aufzubauen, das die Kreislaufwirtschaft erst praktikabel mache. Welche Trends prägen gegenwärtig das Objektgeschäft? Feurer nennt Alterswohnungen, Tiny Kitchens und Studios sowie die Verschiebung der Waschküche in die Wohnung. Daraus folgten neue Anforderungen an die Bedienbarkeit, die Lesbarkeit und die Robustheit der Geräte. Digitalisierung solle nicht einfach um der Technologie willen eingesetzt werden, sagt er, sondern nur dann, wenn sie das Nutzungserlebnis verbessere. Automatisierung in der Produktion sei wichtig, aber V-Zug wolle keine «Dark Factory» ohne Menschen: «Industriearbeitsplätze in der Schweiz gehören zu unserem Selbstverständnis.»

Die Schweiz ist mit über 85 Prozent des Umsatzes der klare Heimmarkt von V-Zug und bleibt weiterhin der Fokus der Investitionen, wie Feurer ausführt. Wachstum finde aber auch ausserhalb, in klar definierten Märkten wie Deutschland, Grossbritannien, Australien und China statt. Produziert werde sogar für jene Märkte die grosse Mehrheit der Geräte in der Schweiz, selbst für die weit entfernten Märkte. Überall und jederzeit gelte es, auf die operative Exzellenz zu achten, die er über Kundenzufriedenheit definiert, und zwar bei Investoren und Fachpartnern ebenso wie bei der Endkundschaft. Und persönlich treibt ihn die «Triple Bottom Line» an: People, Planet, Profit. «V-Zug zeigt, dass ein Schweizer Traditionsunternehmen im internationalen Wettbewerb bestehen kann, ohne die Verantwortung und die Wertschöpfung aus der Hand zu geben», sagt Feurer.

V-ZUG

V-Zug ist eine Schweizer Herstellerin von Haushaltsgeräten und steht für Präzision, Design und Qualität aus Zug. Das Unternehmen verbindet industrielle Fertigung mit hoher Ingenieurskompetenz und entwickelt seine Produkte mit Blick auf Alltagstauglichkeit, Langlebigkeit und Ressourceneffizienz. Neben dem Heimmarkt ist V-Zug auch international aktiv und positioniert sich als Premiumanbieterin mit Schweizer Herkunft. Damit will die Marke zeigen, dass technologischer Anspruch, verantwortungsvolles Wirtschaften und Wertschöpfung am Standort Schweiz zusammengehen.

#InnovationGamechanger

«Jetzt ist ein guter Moment, zu überlegen, wie wir leben wollen»

Aufgrund des Bevölkerungswachstums sind neue Wohnkonzepte gefragt, damit für alle genug Lebensqualität bleibt.

Britta Friedrich, Leiterin des Migros-Pionierfonds, gibt Einblick in mögliche Wohnszenarien. Interview: Sandra Monn

Weshalb befasst sich der MigrosPionierfonds auch mit dem Thema Bauen, Wohnen, Leben?

BRITTA FRIEDRICH: Wir adressieren mit unserer Förderung gesellschaftliche Herausforderungen und stellen dabei regelmässig besonders dringliche Themen in den Vordergrund. Bei dem aktuellen Thema geht es um mehr als Wohnraum. Es geht darum, wie wir als Gesellschaft zusammenleben und welche Werte uns dabei leiten. Uns interessieren zentrale gesellschaftliche Fragen – von der Raumplanung über ökologische Nachhaltigkeit bis hin zu sozialer Gerechtigkeit. In der Schweiz ist die Dringlichkeit besonders spürbar: Der begrenzte Raum und die wachsende Bevölkerung verlangen nach neuen Lösungen. Wir möchten dazu beitragen, dass diese Diskussionen nicht nur geführt, sondern in konstruktive Ansätze und konkrete Lösungen übersetzt werden. Dafür setzen wir gezielt Impulse, holen die Bedürfnisse der Bevölkerung ab und nehmen sie als Ausgangspunkt für unsere Förderung.

Um diese Denkanstösse zu geben, haben Sie vier mögliche Szenarien ausgearbeitet, wie wir in der Schweiz in Zukunft leben könnten.

Bei unseren Recherchen ist uns aufgefallen, dass es bereits zahlreiche Ansätze und Ideen gibt, wie Wohnen und Leben angesichts des Bevölkerungswachstums in Zukunft gestaltet werden könnte. Wir haben versucht, diese Vielzahl an Lösungen zusammenzufassen. Das Ergebnis sind vier Szenarien, die einen neuen Umgang mit Fläche, aber auch ein neues Verständnis von «Heimat» definieren: Sie spannen den Bogen von der Idee einer nach innen verdichteten, kompakteren Stadt über ein Netzwerk neuer regionaler Zentren bis hin zu grossen, hochverdichteten «Super Cities» mit viel Grün als Ausgleich. Ein weiteres Szenario denkt Wohnen deutlich beweglicher und setzt vermehrt auf geteilte Lebensräume. Entstanden sind diese Szenarien übrigens mithilfe von Expertinnen und Experten und mit künstlicher Intelligenz.

Welche Funktion haben die Szenarien, sind sie eine Art Weckruf – oder Phantasien für mögliche Entwicklungen?

Die Szenarien sind bewusst keine fertigen Lösungen, sondern Denkanstösse, die dazu einladen, die Zukunft des Wohnens und Lebens in der Schweiz aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Sie dienen als Impulse, um konstruktiv über die Herausforderungen und Chancen von Verdichtung, Raumplanung und gesellschaftlichem Wandel nachzudenken. Verdichtung beispielsweise wird häufig negativ wahrgenommen, doch sie kann soziale Vorteile bieten: Sie schafft Nähe, Begegnungen und kann eine Antwort auf die zunehmende Einsamkeit in der Gesellschaft sein.

Ist die Schweizer Bevölkerung bereit für solche Szenarien?

Gute Frage! Genau das wollen wir mit einer repräsentativen Umfrage herausfinden. Wie steht die Schweizer Bevölkerung zu neuen Ansätzen? Was sind Hürden und Ängste? Wo zeigt sich aber auch Offenheit für Veränderung? Ich denke, wir sind uns alle darüber bewusst, dass es vor dem Hintergrund, der sich verän-

«Es sind Denkanstösse, die dazu einladen, die Zukunft des Wohnens zu betrachten.»

Migros-Pionierfonds: Starthilfe für Startups mit Verantwortung

Der Migros-Pionierfonds adressiert mit seiner Förderung gesellschaftliche Herausforderungen. Mit der Initiative «Von 0 auf 100» stellt er besonders dringliche Themen in den Vordergrund. Aktuell ist es das Thema Bauen, Wohnen, Leben und die Frage, wie Lebensqualität, Zusammenhalt und Wohlstand in einer wachsenden Schweiz gesichert werden können. Der Fonds ergänzt das gesellschaftliche Engagement der Migros-Gruppe seit 2012 um einen unternehmerisch ausgerichteten

dernden Bedingungen Veränderung geben wird. Die Frage, die wir uns in der Förderung stellen ist: Welche Ansätze und Lösungen sind erfolgversprechend – im Sinne von akzeptiert – und können Veränderung in Gang setzen oder beschleunigen? Wo gilt es zunächst, Bedenken aus dem Weg zu räumen? Damit stellen wir sicher, dass unsere Förderung nicht an der Lebensrealität der Menschen vorbeigeht und sie und ihre Bedürfnisse mitnimmt.

Förderansatz. Er bietet Anschubfinanzierung für junge Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben. Seit seiner Gründung hat der Migros-Pionierfonds über 160 Projekte mit rund 140 Millionen Franken unterstützt. Er wird von Tochterunternehmen der MigrosGruppe wie Denner, Migros Bank, Migrol, Migrolino und Ex Libris finanziert.

von0auf100.org

(Anm. d. Red.: Die Resultate der Umfrage werden im Februar vorliegen.)

Eines der Szenarien sieht eine Verdichtung der Stadt nach innen vor. Der generelle Tenor lautet aktuell aber eher: Mehr Platz zu haben, wäre schön. Wie kriegt man die Menschen dazu, für sich weniger Fläche zu beanspruchen?

Die Frage, wie man Menschen zu Veränderung bewegt, ist komplex. Das gilt auch für das Thema Wohnfläche. Wohn-

raum und der Anspruch an Wohnraum hat etwas mit der eigenen Vorstellung von Komfort und Lebensqualität zu tun. Nicht zuletzt ist es eine Frage der Gewohnheit. Ich bin davon überzeugt, dass man Menschen mit gezielten Anreizen und ganz praktischen Beispielen abholen kann. Wichtig ist dabei, aufzuzeigen, welche Chance in der Veränderung liegt und dass sie nicht notwendigerweise mit Verzicht einhergeht. Eine Infrastruktur, die im 15-Minuten-Radius alles bietet, was ich im Alltag brauche, bringt mich vielleicht dazu, ab und an auf das Auto zu verzichten. Ein Service, der das temporäre Mieten von Gästezimmern in meiner unmittelbaren Nachbarschaft ermöglicht, lässt mich das fünfte Zimmer in meiner Wohnung vielleicht nicht mehr vermissen. Und wenn ich im Keller meines Mietshauses zum Beispiel auf grosse Kochtöpfe oder den grossen Esstisch für das Geburtstagsfest zurückgreifen kann, brauche ich diese Dinge vielleicht nicht alle selbst.

Ein anderes Szenario beschreibt, dass die Bevölkerung mobiler wird und Heimat dort ist, wo sie gerade gebraucht wird – je nach Lebenssituation. Ändert sich diese, zieht man weiter. Das ist sicherlich das anspruchsvollste Szenario, weil es unsere tradierte Vorstellung von Heimat und Zuhause herausfordert und uns ein neues Mass an Flexibilität abverlangt. Für meinen Job ziehe ich vielleicht in die Agglomeration, weil ich es mit Kindern gerne zentral haben möchte, ziehe ich wieder in die Stadt, im Alter suche ich die Ruhe auf dem Land. Das setzt mich als Mensch stark in Bewegung. In Australien beispielsweise ist es gang und gäbe, dass man oft umzieht. Für die Menschen hier ist diese Vorstellung schwer greifbar, weil sie mit starken emotionalen und praktischen Hürden verbunden ist. Wenn man aber Services anbietet, die Menschen bei einem Wohnortwechsel begleiten und diesen Prozess stark vereinfachen, dann ist dieses Szenario vielleicht nicht mehr ganz so utopisch.

Worin sehen Sie das grösste Potenzial für ein gutes Leben in der wachsenden Schweiz – und wo das grösste Risiko?

Dass die Bevölkerung in der Schweiz wächst, ist eine Tatsache, und dass es neue Lösungen fürs Wohnen und Leben braucht auch. Jetzt ist also ein guter Moment, innezuhalten und zu überlegen, wohin es gehen soll, wie wir leben und was für ein Miteinander wir haben wollen – mit unseren Mitmenschen, aber auch mit unserer Umwelt –und was es dafür braucht. Es ist ein guter Moment, Prioritäten zu setzen. Das grösste Risiko wäre, diese Chance auf Wandel ungenutzt zu lassen und nicht aktiv mitzugestalten.

Was ist Ihre persönliche Vision, in welcher Schweiz würden Sie sich in Zukunft wohlfühlen?

Als Stadtmensch stelle ich mir eine Schweiz vor, in der sich Grossstadt und Natur harmonisch verbinden – ein grüner, lebendiger Grossstadtdschungel, in dem Flora und Fauna Teil des urbanen Lebens sind. Und für später könnte ich mir durchaus vorstellen, mit Freunden zusammen in einer Senioren-WG zu wohnen und so vielleicht mehr Dichte, aber auch mehr Mensch und Solidarität zu spüren.

Britta Friedrich arbeitet seit sechs Jahren für den Migros-Pionierfonds, den sie seit drei Jahren leitet.

Kochendes Wasser aus der Armatur wird zum massgebenden Standard

In Überbauungen entscheidet sich die Qualität einer Küche oft an scheinbar kleinen Dingen. Eine Armatur, die kochend heisses Wasser direkt liefert und sich in Serie einbauen lässt, kann für Mieter den Ausschlag geben. Von Maurice Müller

Wer eine Wohnung vermietet, verkauft nicht nur Quadratmeter, sondern Alltagstauglichkeit. In der Küche zeigt sich das besonders deutlich. Hier treffen Routine, Technik und Platzökonomie aufeinander. Quooker setzt an dieser Stelle mit einem System aus Armatur und Reservoir an. Aus ein und demselben Hahn kommt warmes, kaltes und kochendes Wasser. Mit dem CUBE lässt sich das Angebot um gekühltes sprudelndes und stilles Wasser ergänzen. Sven Breitenmoser, Geschäftsführer von Quooker Schweiz, hört von Mietern oft dieselbe Beobachtung: Erst mit dem System merken sie, wie häufig sie früher auf kochendes Wasser gewartet haben. Pasta am Abend, die French Press am Morgen oder das Reinigen eingebrannter Pfannen. Es wird weniger als Luxus beschrieben, eher als neue Selbstverständlichkeit.

Das Entscheidende passiert unter der Arbeitsplatte. Ein isoliertes Reservoir hält kochendes Wasser bereit, ein separater Behälter übernimmt bei Bedarf das gekühlte Wasser. Kochendes Wasser wird über einen geriffelten Funktionsring aktiviert, der zweimal nach unten gedrückt und gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird. Ein roter Leuchtring signalisiert die Ausgabe des kochenden Wassers. Der Auslauf bleibt dank separater Leitungen kühl, und das kochende Wasser tritt als Sprühstrahl aus, um das Verbrühungsrisiko zu reduzieren.

Ein Hahn für alle Küchen

Für Bauträger und Verwaltungen ist weniger die einzelne Küche entscheidend als die Wiederholbarkeit. Quooker vergibt je Wohnung eine Seriennummer und koordiniert Lieferung und Montage über eine zentrale Ansprechperson. Das schafft Ordnung: Störungen lassen sich einfach über ein Self-Service-Tool melden.

Breitenmoser stösst dennoch regelmässig auf Vorbehalte: In Mietwohnungen sei ein solches System «zu kompliziert» oder nicht rückbaubar. «In Wahrheit lässt es sich einfach installieren und beim Mieterwechsel problemlos ersetzen oder übernehmen.» Entscheidend sei dabei auch der Platzbedarf. «Viele glauben fälschlicherweise, der Einbau eines Komplettsystems sei kompliziert, dabei passt es mit nur 15,3 Zentimeter Breite und 50 Zentimeter Tiefe problemlos neben ein 35-Liter-Abfallsystem in ein Schweizer Küchenfach.» Der Einbau bleibt nahe am Standard: 35-Millimeter-Lochbohrung, Eckventile für Kalt- und Warmwasser, mindestens zwei Bar Wasserdruck und eine Steckdose. Das Reservoir verträgt maximal sechs Bar. Der Anschluss erfolgt über eine 230-Volt-Steckdose; beim CUBE kommt ein zweiter Stromanschluss hinzu. Falls es die Situation verlangt, ist eine Verlegung über eine Länge von bis zu zwei Meter Leitung möglich. Für die Integration unter der Spüle arbeitet Quooker mit abgestimmten Kübelsystemen von Peka und Müllex; beim Abfalltrennsystem Oeko Complet Aqua ist die seitliche Fläche dafür ausgelegt, dass neben dem Abfall ein PRO3 mit CUBE samt CO2-Zylinder Platz findet. Je nach Auslegung stehen unterschiedliche Reservoirmodelle zur Verfügung: PRO3 für drei Liter kochendes Wasser, COMBI für sieben Liter kochendes Wasser plus bis zu 15 Liter Warm-

Für gekühltes stilles Wasser genügt ein

Dreh bis zum ersten Klick, für gekühltes sprudelndes Wasser ein

Dreh bis zum zweiten Klick.

wasser mit rund 60 Grad sowie COMBI+ mit unbegrenztem Warmwasser. COMBI eignet sich, wenn nur eine Kaltwasserleitung vorhanden ist, COMBI+ bei langen Ausstosszeiten für warmes Mischwasser. In Schweizer Haushalten mit Quooker wird in rund 90 Prozent der Küchen ein PRO3 eingesetzt.

Beispiele aus der Praxis

Quooker ist längst nicht mehr nur ein Thema fürs Einfamilienhaus. Im Projekt «Giige» im Klettgau entschied sich IT3 Treuhand + Immobilien für die Integration, weil der Mehrwert für Mieter spürbar sei und das System bei Besichtigungen ein Profil schaffe. In der Schaffhauser Siedlung «Breitipark» wurde Quooker in allen Mietwohnungen vorgesehen, verknüpft mit dem Anspruch, Wasser und Energie zu sparen sowie Flaschen zu vermeiden. Und im Projekt «Milano» in Kloten berichtet SI Specogna Immobilien von spürbarer Nachfrage bei Besichtigungen, weshalb Neubauten und Sanierungen konsequent damit ausgestattet würden. «Von aussen sieht man nur das Design», sagt Sven Breitenmoser. «Intern entscheidet aber die Abstimmung mit Planung, Betrieb und Service über den Erfolg.» Die Wartung bleibt überschaubar: Der HiTAC-Filter im Reservoir wird etwa alle fünf Jahre getauscht, der Strahlregler regelmässig entkalkt. In Mietwohnungen bestellen die Bewohner die CO2-Zylinder in der Regel selbst; ein Vierer-Set reicht für rund 240 Liter Sprudelwasser.

Ein Test des Gebäudetechnik-Experten Klinova vergleicht den Energiebedarf beim Erhitzen von drei Litern Wasser. Mit der Quooker-Technik waren es rund

350 Wattstunden, ein Wasserkocher lag bei 505 Wattstunden, ein Induktionskochfeld bei 747 Wattstunden. Der Standby-Verbrauch des isolierten Reservoirs beträgt laut Hersteller etwa zehn Watt, vergleichbar mit zwei LED- Lampen. «ESG wird so konkret und nicht abstrakt», ergänzt Breitenmoser. Weil nur die tatsächlich entnommene Menge nacherhitzt wird, lassen sich mit dem grösseren Reservoir bis zu 4200 Liter Wasser pro Jahr einsparen. Ein CO2Zylinder reicht für rund sechzig Liter Sprudelwasser und ersetzt den Kauf von Flaschen. Am Hauptsitz in den Niederlanden erzeugen mehr als 900 Solarzellen einen Teil des Stroms. Ausgediente Geräte werden zurückgenommen und gemäss WEEE-Richtlinien recycelt.

In ESG-Bewertungen einer Liegenschaft werden Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung als betriebliche Faktoren betrachtet. Eine Küche, die weniger Energie fürs Wassererhitzen benötigt, Abfall durch Flaschenkäufe reduziert und im Unterhalt klar strukturiert ist, liefert dafür konkrete Ansatzpunkte.

Überschaubarer Unterhalt

Seit letztem Oktober ist die Variante Flex Square erhältlich. Sven Breitenmoser beobachtet, dass Küchen «ruhiger, architektonischer und weniger verspielt» werden. «Eckig steht für Klarheit und dafür, dass die Küche stärker Teil des Wohnraums ist.» Der rechteckige Auslauf lässt sich um 270 Grad schwenken. Wie die runde Version verfügt die Armatur über einen ausziehbaren Schlauch. Sobald dieser herausgezogen ist, blockiert die Kochendwasserfunktion auto -

matisch. Zur Wahl stehen fünf Oberflächen: verchromt glänzend, Voll-Edelstahl, schwarz, Gunmetal und KupferRosé. Der überarbeitete Bedienring lässt sich präziser einsetzen. Der Funktionsring steuert neben dem kochenden Wasser auch die gekühlten Varianten: Für gekühltes stilles Wasser genügt ein Dreh bis zum ersten Klick, für gekühltes sprudelndes Wasser ein Dreh bis zum zweiten Klick.

Für Bauträger zählt am Ende, was im Betrieb trägt und in der Vermarktung wirkt. Breitenmoser sagt, das stärkste Argument sei oft die langfristige Attraktivität der Wohnungen: Der Komfort sei sofort spürbar, der Unterhalt bleibe überschaubar. «Das wirkt direkt auf Vermietbarkeit und Zufriedenheit.» Zugleich lasse sich der Effekt im Alltag erklären –vom Wegfall von Flaschen bis zu klaren Abläufen bei Service und Recycling.

Quooker

Das 1970 in den Niederlanden gegründete Unternehmen Quooker ist Erfinder und Pionier des Kochendwasserhahns und entwickelt seit mehr als 50 Jahren Küchensysteme. Bei Quooker Schweiz mit Sitz in Kloten liegt der Fokus auf standardisierten, langlebigen Lösungen für Immobilienprojekte, Mietwohnungen und Eigenheime. Mit dem geplanten Showroom in Crissier (VD) in diesem Jahr stärkt das Unternehmen hierzulande seine Präsenz als Ansprechpartner für Architekten, Projektentwickler, Händler sowie Endkunden.

Sven Breitenmoser, Geschäftsführer von Quooker Schweiz, hört von Mietern oft das Gleiche: Erst mit dem System merken sie, wie häufig sie kochendes Wasser brauchen.

Stadtraum Hauptbahnhof: Aufbruch ins Jahr 2050

Was wäre, wenn das Zentrum von Zürich nicht vom Autoverkehr dominiert wäre? Wenn Fussgänger, Velos, Tram, Bus, Autos und Anlieferungen sicher nebeneinander vorankommen würden? In Zukunft soll dieser Stadtraum so organisiert werden, dass er auch zum Verweilen einlädt. Von Sandra Monn

Die Strassen und Plätze um den Hauptbahnhof Zürich sind geprägt vom motorisierten Verkehr, der zu jeder Tageszeit um den Bahnhof herumbraust. Die rund 700 000 Menschen, die dort täglich zu Fuss unterwegs sind, haben kaum Platz und müssen aufmerksam sein. Die wachsende Bevölkerung, die zunehmende Nachfrage nach Mobilität, aber auch der Klimawandel sind gesellschaftliche Herausforderungen, die ein Handeln erfordern. Sämtliche Parteien des Gemeinderats forderten die Stadt auf, die Strassenbauprojekte im Raum Hauptbahnhof besser auf die künftigen verkehrlichen und klimatischen Anforderungen abzustimmen.

Als Antwort darauf hat die Stadt ein Weissbuch mit der Vision «Stadtraum Hauptbahnhof 2050» erarbeitet. «Mit dem Weissbuch haben wir eine Grundlage für die künftigen Planungen und Bauprojekte im öffentlichen Raum um den Hauptbahnhof geschaffen. Die Zielsetzungen sollen Schritt für Schritt über mehrere Jahrzehnte umgesetzt und mit ohnehin notwendigen Sanierungen oder zum Beispiel dem Fernwärmeausbau koordiniert werden», sagt Simone Rangosch, Direktorin Tiefbauamt Zürich. Es wird nicht ein Gesamtprojekt geben, sondern mehrere koordinierte Strassenbauprojekte mit eigenen Krediten, die wie Puzzleteile das Zukunftsbild zusammensetzen.

Neuorganisation des Verkehrs

Das Gebiet um den Hauptbahnhof soll zur würdigen Visitenkarte der Stadt für Wirtschaft, Hochschulen und Tourismus werden. Auf dem Bahnhofplatz sowie dem Central, dem Bahnhofquai, dem Löwenplatz, der Löwenstrasse, dem Sihlquai und zum Landesmuseum soll man zu Fuss sicher und einfach vorankommen. Dank mehr Bäumen wird auch das Klima und die Luft zum Atmen besser. Die einstigen Plätze sollen wieder zurückgewonnen werden. Der Schlüssel für die Rückgewinnung des zentralen Stadtraums ist die klare Organisation des Verkehrs. Der öV, Fussund Veloverkehr werden bevorzugt. Sie sind effizient und benötigen wenig Platz. Eine Person im Auto hat heute im Stadtraum Hauptbahnhof 165-mal mehr Platz als jemand, der zu Fuss unterwegs ist. Das bedeutet für die Zukunft einen Verzicht auf Durchgangsverkehr, so wie es auch die kantonale Richtplanung vorsieht. Künftig dienen die Strassen und Plätze rund um den Hauptbahnhof der Erschliessung der Innenstadt und des Hauptbahnhofs selbst. Zum Einkaufen kommt man wie gewohnt in die Stadt hinein. Durch die Stadt hindurchzufahren, ist allerdings nicht erwünscht. Der Durchgangsverkehr, beispielsweise vom Flughafen nach Thalwil, soll auf die Autobahn, der städtische Durchgangsverkehr auf den Innenstadtring. Dadurch reduziert sich das Verkehrsaufkommen merklich, es gibt weniger Staus und Emissionen in der Innenstadt. Wer jemanden mit dem Auto zum HB bringen oder abholen möchte, wird auf allen Seiten des HB Kurzzeitparkplätze und Taxistände vorfinden. Die Anlieferung aller Liegenschaften bleibt gewährleistet.

Der Hauptbahnhof fungiert wie ein Tor, das die Leute in die Quartiere leitet, Studierende zu den Hochschulen, Kulturbegeisterte ins Museum, Naturliebende in den Park und Shoppingfreudige an eine Vielzahl von Orten. Darunter etwa an die Bahnhof- und die Löwenstrasse, ins urbane Zentrum an der Europaallee oder in Richtung Central und Niederdorf. Die Wege sind durchlässig und miteinander verbunden, die Orientierung intuitiv und das Umsteigen von einem Verkehrsmittel auf das andere klappt mühelos.

Besser zugängliche ÖV-Haltestellen

Entsprechend sind auch Anpassungen an den Bus- und Tramhaltestellen der Verkehrsbetriebe Zürich nötig. Die Haltestellen rücken näher an den HB und werden durchgehend hindernisfrei ausgebaut. Die Haltestelle Central wird dafür auf die Bahnhofbrücke verschoben. In ferner Zukunft werden die Trams bei der Europaallee halten und über die Postbrücke zum Bahnhofplatz verkehren. Die neue Haltestelle beim Europaplatz schafft einen bequemen Umstieg zu den Zügen über die Sihlquaipassage. In der Konsequenz wird die Haltestelle Löwenplatz aufgehoben. Löwenplatz und Löwenstrasse werden zur Fussgängerzone und sind fussläufig nahtlos an den Hauptbahnhof angebunden. Durch die nahe gelegenen Haltestellen Bahnhofstrasse und Bahnhofplatz ist die Anbindung ans Tramnetz nach wie vor gegeben.

Die VBZ-Netzentwicklungs strategie rechnet mit einer Steigerung der öV-Nutzenden von 30 bis 60 Prozent. «Mit der neuen Lage der VBZ-Haltestellen und zusätzlichen Gleisen sind die nötige Leistungssteigerung, eine verbesserte Anbindung an den HB und ein stabilerer Betrieb an dieser zentralen Lage möglich», sagt Martin Sturzenegger, Direktor der Verkehrsbetriebe Zürich. Auch die Veloverbindungen werden im Rahmen des Projekts komfortabel und konfliktfrei gestaltet. «Das Gebiet um den Hauptbahnhof wird optimal in das Netz der Velovorzugsrouten eingebunden. Alle, die mit dem Velo unter-

«Chancen fürs Gewerbe»

Was wird ab 2050 die grösste Veränderung sein?

SIMONE RANGOSCH: Das letzte Puzzleteil der Vision wird die Aufhebung der Tram- und Bushaltestelle Löwenplatz irgendwann ab 2050 sein. Die Haltestelle liegt in einer Kurve und kann deshalb nicht hindernisfrei ausgebaut werden, wie es das Behindertengleichstellungsgesetz vorschreibt. Um hohe Haltekanten zu bauen, müsste sie in eine Gerade verschoben werden. Da aber der Europaplatz eine Tramhaltestelle braucht, sieht die Vision eine neue Tramführung über die Postbrücke vor. Deshalb entfallen die Tramgleise an der Löwenstrasse. Wir sehen darin eine Chance, die Löwenstrasse und den Löwenplatz attraktiver zu machen und zu einer Flanierzone im Zentrum der Stadt umzugestalten und somit allen, die zu Fuss unterwegs sind, mehr Platz zu geben. Die Distanz zu den nächsten Tramhaltestellen beträgt weniger als 200 Meter.

Was wird bei der Umsetzung die grösste Herausforderung sein?

Der Raum um den HB ist wortwörtlich höchst anspruchsvoll. Die Interessen sind vielfältig und zahlreich, der Raum begrenzt. Im Erarbeitungsprozess haben wir die Ansprüche sorgfältig austariert. Es wird eine Herausforderung sein, bei den konkreten Bauprojekten, die dem Weissbuch folgen, an diesen Abwägungen oder auch Kompromissen festzuhalten. Eine weitere Herausforderung wird sein, die Geduld zu wahren, bis die ganzen Prozesse, die es braucht, um ein Bauprojekt zu bewilligen, durchlaufen sind. Und die Bauarbeiten in diesem hoch frequentierten Gebiet werden ebenfalls sehr anspruchsvoll sein. Notwendig werden sie aber ohnehin sein, um die Infrastruktur langfristig erhalten zu können.

wegs sind, erreichen den Bahnhof aus allen Richtungen, auf jeder Seite des Bahnhofs befindet sich eine unterirdische Velostation», sagt Simone Rangosch.

Natur in der Stadt neu erleben

Die Lage des Hauptbahnhofs zwischen zwei Flüssen ist aussergewöhnlich. Die Flussufer von Sihl und Limmat werden besser sichtbar und akustisch erlebbar. Über den Platzspitzpark werden die neuen, grünen Flussräume verbunden. Neue Plätze und Fussgängerzonen werden Passantinnen und Touristen anziehen, die das Gewerbe fördern und den Standort Zürich HB noch attraktiver machen.

Sobald der zentrale Stadtraum Hauptbahnhof nicht mehr vom motorisierten Individualverkehr dominiert ist, verbessern sich seine Luftqualität und die Lärmbelastung. Die Reduzierung des motorisierten Verkehrs und die Verlagerung auf umweltschonende Verkehrsmittel leisten auch einen Beitrag zur Erreichung des Netto-Null-Ziels. «Ausschlaggebend für die Entwicklung des Weissbuchs Stadtraum Hauptbahnhof ist das Bedürfnis der Stadt Zürich, das grosse Ganze im Auge zu behalten», sagt Simone Rangosch. Es bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit und Koordination mit Kanton, SBB, Grundeigentümerinnen und weiteren Anspruchsgruppen für deren künftige Planung. Stadträumliche Einzelvorhaben sollen nicht losgelöst verfolgt werden, sondern im Hinblick auf ihre Wirkung auf die bis ins Jahr 2050 geplante Entwicklung. Die Projekte werden untereinander koordiniert, geplant und etappiert umgesetzt. Sie beschreiben nicht den Endzustand, sondern das Konzept für die schrittweise Weiterentwicklung des Zentrums von Zürich.

PD

Wie wollen Sie die Kritiker überzeugen? Auf Veränderungen reagieren viele Menschen naturgemäss mit Widerstand. Auch die Akzeptanz von stadträumlichen und verkehrlichen Veränderungen braucht Zeit. Kaum jemand wünscht sich heute die Transitachse über die Weststrasse zurück, den Autoverkehr auf dem Limmatquai oder die Parkplätze auf dem Münsterhof. So birgt auch der Stadtraum Hauptbahnhof 2050 Chancen, gerade fürs Gewerbe oder etwa die Gastronomie. Wichtige Projekte werden wir unter Einbezug der Beteiligten entwickeln.

Viel Platz für Fussgänger: So könnte der Stadtraum Hauptbahnhof Zürich ab 2050 aussehen.
Simone Rangosch Direktorin Tiefbauamt Zürich

Es ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, aber: Mitten an allerbester Lage in Zürich, dort, wo unterirdisch Gold lagert, Bankiers in Massanzügen über eines der teuersten Pflaster der Welt eilen und sich die exklusivste Adresse des MonopolySpiels verbirgt, dort grasten einst Pferde. In der historischen Liegenschaft beim Paradeplatz an der Tiefenhöhe 6 stellten vor gut 400 Jahren Fuhrunternehmer und Reisende ihre Gefährte unter, versorgten ihre Pferde, verpflegten sich und übernachteten im damals zweigeschossigen Gebäude.

Übernachten können Gäste auch heute wieder, Pferdeäpfel und fluchende Kutscher sind aber selten geworden: Die Art und Weise der Gastfreundschaft ist in der neusten Inkarnation der Nutzung des geschichtsträchtigen Hauses ungleich luxuriöser. Drei durch Caduff Interiors designte Armani/Casa-Suiten warten auf Besucher. Auch die Verpflegung unterscheidet sich doch stark von damals: Im neuen «Mews House» bietet der 16-Punkte-Gault-Millau-Koch Pascal Schmutz Spitzengastronomie an. Wo Pionier Albert Escher einst wirkte …

Übernachten, Essen – alles klar. Aber das «Mews House» ist so viel mehr, dass es einer langen Liste bedarf, um aufzuschreiben, was hier alles wartet: In der Boutique mit wechselndem kuratiertem Angebot einkaufen. Sitzungszimmer buchen, um Meetings abzuhalten. Eine exquisite Bibliothek benutzen. Ausstellungen, Lesungen, Konzerte besuchen. Beim Kaffeetrinken plaudern. Sich im Sommer im lauschigen Innenhof entspannen und im Gewühl der Stadt Ruhe finden. Nur die Pferde, die sind nur noch metaphorisch vorhanden: Als Illustration im Logo des vor gut einem Monat neu eröffneten «Mews House». «Mews» ist die englische Bezeichnung für Pferdeställe mit Übernachtungsmöglichkeiten, die einst in Städten hinter repräsentative Liegenschaften gebaut wurden. Der «neue» Name verweist also auf die ursprüngliche Nutzung der Liegenschaft, die im Laufe der Jahrhunderte so manche Funktion einnimmt: Hier, in seinem damaligen Büro, gründet der Eisenbahnpionier Alfred Escher 1856 die Schweizerische Kreditanstalt und legt so den Grundstein des einst wichtigsten Schweizerischen Finanzinstituts. Im letzten Jahrhundert wird das Haus zudem ein Meisterstück des Architekturund Ingenieurswesens, wie der Unternehmer und Initiator Thomas Abegg im Gespräch erklärt: «In den 1990er Jahren bezog eine japanische Bank das Gebäude und benötigte nicht nur oberirdische Fläche, sondern auch Platz für Technik und Arbeitsplätze.» Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, sei eine Aufstockung natürlich nicht möglich gewesen. Die Lösung der Japaner: Das ganze Gebäude hydraulisch anheben, drei Stockwerke in die Tiefe bauen, das Gebäude wieder darauf «pflanzen».

… shoppt und isst man jetzt auf Spitzenniveau

Heute entspinnt sich deshalb beim Eintreten schon aus architektonischen Gründen eine Art Magie: Das Haus ist innen ungleich viel grösser, als von aussen zu erahnen ist. 61 Türen befinden sich darin, und die Konzeptidee, sagt Thomas Abegg, sei, «hinter jeder Tür eine überraschende Geschichte zu erzählen». Hierfür hat der Initiator mit einem hochkarätigen Team zusammengespannt: Stararchitektin Tilla Theus, Architektin des Fifa-Neubaus und Denkmalschutz-Koryphäe, zeichnet für den Umbau verantwortlich. In den Suiten kam das schweizerische Architektenund Interiordesign-Paar Claudia und Oliver Caduff – kurz: Caduff Interiors –zum Zug. Mit der Interior-Design-Linie von Armani/Casa haben sie drei exklusive, harmonische Suiten geschaffen. Und Beda Achermann, einst Kreativdirektor der deutschen Männer-Vogue und Gründer der international erfolgreichen Designagentur Studio Achermann hat

#VisionDowntownZurich

61 Türen, 61 Überraschungen

Zürich hat einen neuen Ort mit Strahlkraft: Das neu eröffnete «Mews House» entzieht sich gängigen Definitionen. Es ist Boutique-Hotel, Shopping-Extravaganz, kulinarischer Hotspot und kultureller Leuchtturm in einem. Von Silvia Tschui

den visuellen Auftritt mit Illustrationen des italienischen Künstlers Andrea Ferolla entworfen. Achermann, respektive ein Teil seines Lebenswerks, ist auch anderweitig präsent: In der Bibliothek, dem Forum Achermann 1, findet seine europaweit bedeutende Sammlung von Kunst-, Kultur- und Fotobüchern eine öffentlich zugängliche Heimat, das Forum Achermann 2 beinhaltet seine ebenso umfassende Sammlung an Kunst-, Mode- und Lifestyle-Magazinen. Nicht nur diese Sammlung soll aber hier Nahrung für Geist und Seele bieten, auch für weitere wechselnde Ausstellungen, für Konzerte, Lesungen und kulturelle Veranstaltungen bietet das Haus Platz.

Die Gastronomie verdient an dieser Stelle eine zweite Erwähnung. Spitzenkoch Schmutz' unbändige Kreativität ist im «Mews House» für alle zu geniessen. Über Mittag bietet das Restaurant «Mews Table» ein einfacheres, abends ein raffinierteres Angebot – beides auf Topniveau gekocht, ehrlich, mit allerbesten Zutaten und ohne komplizierten Schickschnack: «Wir wollen ausdrücklich für den besten Braten der Stadt bekannt werden!», sagt Schmutz, dessen kühne Kreationen regelmässig Kritiker begeistern. Aber auch wer nichts Grosses essen will, findet Feinstes: Gäste können sich in der blauen Bar und im Sommer auf der Dachterrasse und im Secret Garden im Innenhof kleinere Köstlichkeiten zu Gemüte führen. Pascal Schmutz ist für individuelle Anfragen für Privatanlässe offen, und das Team um den exzellenten «Mews Table» kommt sogar für private Caterings zu Gästen nach Hause. Nicht vergessen gegangen ist im Konzept des Hauses, dass es sich an der exklusivsten Shopping-Meile der Schweiz befindet. So ist hier auch, was Shopping betrifft, Besonderes zu finden. Der «Mews Store» auf drei Etagen schafft es, für Zürcher und Zürcherinnen ein Stück Heimat zu bewahren: Das nach der Schliessung des Traditionswarenhauses Jelmoli hochkompetente Team der über Jahrzehnte legendären Unter- und Nachtwäscheabteilung wirkt nun hier auf drei Etagen. Im «Mews Store» finden sich nicht nur qualitativ hochwertige Unterwäsche, Loungewear sowie Seiden- und Flanellpyjamas von schweizerischen und internationalen Marken wie Zimmerli, Hanro, Tom Ford oder Versace, sondern auch ganzjährig hochwertige Bademode für sie und ihn. Egal, ob Ende der Badesaison der Sommer am Meer verlängert werden soll, oder ob Sonnenhungrige im Winter ein Bikini für den Urlaub in der Südsee suchen, hier findet sich ganzjährig Bademode von internationalen Premium-Marken wie Missoni Mare, Adriana Degreas, Vilebrequin oder Frescobol Carioca. Strumpfwaren von Wolford oder Falke runden das Angebot ab, das so in Zürich nicht zu finden ist. Ein Pop-up-Store ergänzt das sorgfältig kuratierte Angebot mit saisonal wechselnden Trouvaillen. Aktuell sind die farbenprächtigen Möbel und Wohnaccessoires der iranisch-französischen Architektin und Designerin India Mahdavi zu erstehen.

Kuratierter Gegenpol zur anonymen Innenstadt Kunst, Kultur, Shopping, Kulinarik, Meetings… Und erst noch Platz, um einfach zu verweilen und zu sein. In Zeiten der sozialen Vereinzelung, des Online-Shoppings und der oft seelenlosen FlagshipStores, will das «Mews House» einen sorgfältig kuratierten Kontrapunkt setzen und einen Ort bieten, in dem man sich wohl fühlt und stets Überraschendes und Neues entdeckt. Und so leben die Pferde, die einst im Schatten der Liegenschaft grasten, nicht nur im Logo fort. Vielmehr stehen sie dafür, dass dieses Haus in seiner jüngsten Nutzung nun wieder ein Ort des Ankommens, Auftankens – in kultureller und gastronomischer Sicht – und des Verweilens ist, eine Oase der Ruhe und des Austauschs mitten in der hektischen Stadt.

Angebot, Programm und Events des Mews House am Paradeplatz unter mewshouse.ch.

Mews House: Chef’s Table und Hospitality Hosts mit Lukas Hasler (links) und Pascal Schmutz (rechts) sowie Thomas Abegg (Mitte).
Blaue Bar: Illustration von Andrea Ferolla. Suite Escher: Einblick in eine der drei historischen Suiten.
Der Mews House Concept Store auf drei Etagen mit Fokus auf Underwear, Loungewear, Legwear und Swimwear.

#VisionDowntownZurich

Wie der Zürichsee die Innenstadt klimaneutral macht

Zürich will bis 2040 klimaneutral sein. Mit dem Mammutprojekt «CoolCity» verwandelt ewz den Zürichsee in einen grossen Energiespeicher für die Innenstadt. Von Pamela Beltrame

Es gibt gar nichts Besseres als den See, den man hier vor Ort hat», sagt Benedikt Loepfe. Für den Direktor des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (ewz) ist das Gewässer vor der Haustür nicht nur Postkartenidylle, sondern die entscheidende Antwort auf die Klimafrage. Wenn ein Energieverbund mit See- oder Flusswasser eine fossile Heizung ersetzt, lassen sich die CO 2-Emissionen im Durchschnitt um rund 90 Prozent senken.

Das Ziel lautet Netto-Null. In Zürich gibt es mit dem Jahr 2040 dafür einen fixen Termin: Die Stimmbevölkerung hat diesem Klimaschutzziel bereits im Mai 2022 mit einer klaren Mehrheit von 75 Prozent zugestimmt. Wer es mit diesem Volksentscheid ernst meint, muss bei der Wärmeversorgung ansetzen. Rund 35 Prozent der Treibhausgasemissionen entfallen schweizweit auf die Beheizung von Gebäuden.

Für ihre Klimaziele setzt die Stadt Zürich deshalb konsequent auf effiziente Energieverbunde. Dabei sollen vor allem lokale Quellen genutzt werden: Abwärme aus Abwasserreinigungs- und Kehrichtverwertungsanlagen, Energie aus regionalem Holz – und eben das Wasser des Zürichsees. Dieser bringt die Wärme und Kälte dorthin, wo der Platz knapp und der Energiebedarf hoch ist: mitten in die Zürcher Innenstadt.

Unsichtbare Technik unter dem Pflaster

Bereits seit dem Jahr 2003 baut ewz die Seewasserverbunde rund um das Seebecken kontinuierlich aus. Prominente Adressen wie das Stadthaus, das Kongresshaus und das NZZ-Gebäude nutzen den See bereits als nachhaltigen Energiespeicher.

Verborgen liegt diese Technik oft an Orten, die man dort nicht vermuten würde – etwa direkt unter dem Kongresshaus. Nur eine Wand trennt dort die hochmodernen Wärmetauscher von Lagerräumen, in denen die Requisiten für Konzerte und Orchester verstaut sind. Die dortige Anlage versorgt nicht nur den Saal selbst, sondern liefert auch dem Hotel Park Hyatt und zahlreichen Bürogebäuden am Bleicherweg umweltfreundliche Energie.

In einer Seewasserzentrale von ewz ist die Luft kühl, die Atmosphäre industriell. Das tiefe Dröhnen der gewaltigen Pumpen schluckt jedes Gespräch, und feine Vibrationen sind im Boden deutlich zu spüren. Hier wird das unsichtbare Rückgrat der Stadt verwaltet. In dicken

«Wenn wir nachhaltig sein wollen, muss die Gesellschaft lernen, dass Technik auch ihren Platz im Stadtbild hat.»

Rohren zirkulieren Ströme von Seewasser, verschwinden in Wänden und bahnen sich ihren Weg durch ein komplexes Labyrinth aus Technik, Filtern und Ventilen. Technisch betrachtet ist das Prinzip der Seewassernutzung verblüffend schlicht: Das Seewasser wird in etwa 12 Metern Tiefe und rund 250 Meter vom Seeufer entfernt gefasst. Von dort aus wird es durch Leitungen in die Seewasserzentrale transportiert. Dort wird es über einen Wärmetauscher energetisch «angezapft», ohne dass das Seewasser selbst in den internen Kreislauf der Gebäude gelangt. Im Winter dient das kalte Seewasser als thermische Quelle: Moderne Grosswärmepumpen heben das Temperaturniveau auf jene Werte an, die für Gebäudeheizungen benötigt werden. Im Sommer funktioniert das System exakt umgekehrt: Das Seewasser nimmt die

überschüssige Wärme aus den Gebäuden auf. Es kann so anstelle von stromfressenden Klimaanlagen direkt zur Raumkühlung eingesetzt werden.

Mit anderen Worten: Dem See wird lediglich Wärme entzogen oder zugeführt, das Wasser selbst fliesst chemisch vollkommen unverändert zurück in den See. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern werden dadurch nicht nur die CO2-Werte gesenkt, sondern auch die Versorgungsrisiken reduziert und die lokale Wertschöpfung erhöht. Das Verfahren selbst sei «ökologisch absolut unbedenklich», teilt ewz mit.

Eine Einschätzung, die auch das Wasserforschungsinstitut Eawag stützt: Die thermische Entnahme sei im Verhältnis zum Seevolumen so klein, dass die Ökosysteme unberührt bleiben. ewz betont indes nicht nur den ökologischen

Aspekt: «Auch wirtschaftlich sind die Preise im Vergleich zu anderen Lösun-

gen für Immobilieneigentümerschaften wettbewerbsfähig», sagt Direktor Benedikt Loepfe.

CoolCity: ein Verbund der Superlative

In der Innenstadt ist der Kühlbedarf vieler Büro- und Geschäftshäuser hoch –und dürfte in Zukunft eher wachsen. Unter dem Namen «CoolCity» entsteht derzeit einer der grössten Seewasserverbunde der Schweiz. Rund 500 Gebäude zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bürkliplatz sollen an das Netz angeschlossen werden. Der Zürcher Stadtrat hat für dieses Vorhaben im Juli 2024 über 303,7 Millionen Franken aus dem Rahmenkredit «Thermische Netze» bewilligt. Der Grossteil der finanziellen Mittel für den Ausbau der städtischen Fernwärme stammt aus einem weiteren Rahmenkredit über

2,26 Milliarden Franken. Die Finanzierung erfolgt laut Loepfe jedoch nicht über Steuergelder, sondern über eigene Mittel von ewz sowie über klar abgegrenzte Kreditgefässe. Das Versorgungsgebiet umfasst den Perimeter zwischen Hauptbahnhof und Bürkliplatz sowie zwischen dem Lindenhof und dem Schanzengraben. ewz beziffert den Bedarf dort auf rund 100 GWh Wärme pro Jahr und über 34 GWh Kälte pro Jahr. Auch bei der Anschlussquote legt ewz die Messlatte höher als bei bisherigen Projekten: Während bei vergleichbaren Verbundlösungen oft ein Zielwert von 70 Prozent der Liegenschaften definiert wird, sollen bei CoolCity rund 90 Prozent des Bestands angeschlossen werden. CoolCity soll Grosses bewirken. Dafür braucht es zwei zentrale Bausteine: Die Seewasserzentrale für CoolCity soll am Bürkliplatz entstehen. Das Herz des Verbunds, die Energiezentrale, ist hingegen beim Selnau vorgesehen. Dafür benötigt ewz Räumlichkeiten von rund 4000 Quadratmetern mit einer Raumhöhe von mindestens 5 Metern.

Nach einer intensiven Analyse fiel die Wahl auf das bestehende ewz-Unterwerk Selnau. Warum man nicht einfach direkt am Seeufer bleibt, erklärt Benedikt Loepfe mit den Platzverhältnissen: «Es ist ein enormes Raumvolumen, das man für die Wärmepumpentechnik und die Speicheranlagen benötigt – am See vorne hätten wir dafür schlicht keinen Platz.»

Baustellen als Zeichen des Aufbruchs Einwände gegen sichtbare Veränderungen im Stadtbild kann Loepfe nachvollziehen – er räumt aber ein, dass der Preis des Verzichts am Ende höher sei: «NettoNull bringt zwangsläufig Technik in die Stadt.» Wer es ernst meine mit der Energiewende, müsse akzeptieren, dass die Infrastruktur dafür auch im urbanen Raum sichtbar werde, so Loepfe. Für die unterirdischen Verbindungen setzt ewz, wo möglich und sinnvoll, auf den Tunnelbau. Bereits im Jahr 2024 begann der Bau eines sogenannten Microtunnels: rund 300 Meter lang und etwa 10 Meter tief, führt er vom Bürkliplatz bis zur Bahnhofstrasse. Er bildet das Bindeglied zwischen dem Gebiet Fraumünster und CoolCity. Der Vorteil: Ein Grossteil der Arbeiten findet tief unter der Erde statt.

Die nächste Dimension folgt voraussichtlich ab 2028: Ein Microtunnel mit einem Durchmesser von rund drei Metern soll die Verbindung von der Seewasserzentrale beim Bürkliplatz zur Energiezentrale Selnau herstellen. Die erste Energielieferung von CoolCity ist für das Jahr 2031 vorgesehen. Bis 2035 soll die City schliesslich mehrheitlich erschlossen sein.

«Man wird es merken», sagt Loepfe mit Blick auf die kommenden Baustellen im Stadtzentrum. Gleichzeitig betont er, dass Tiefbauamt und ewz durch koordiniertes Bauen alles versuchen, um die Auswirkungen auf den Verkehr und den Alltag so gering wie möglich zu halten. Deshalb setze man auch darauf, Synergien zu nutzen, wo ohnehin gebaut wird. Letztlich seien all diese Baustellen die Umsetzung dessen, was die Zürcher Bevölkerung demokratisch entschieden hat: «Es handelt sich um ein Generationenprojekt, das den grössten Einzelbeitrag zum Netto-Null-Ziel unserer Stadt leisten wird.» ewz.ch/coolcity

Für ewz-Direktor Benedikt Loepfe ist klar: Das Herz eines Verbundes sind die Energiezentralen.

Destination Jelmoli – ein Haus für alle

Wie das Gebäude des ehemaligen Warenhauses zum neuen Dreh- und Angelpunkt an der Bahnhofstrasse werden soll. Von Silvia Tschui

Viele Zürcher haben es nicht unbedingt mit einem lachenden Auge zu Kenntnis genommen – das traditionelle Warenhaus Jelmoli ist seit Februar 2025 Geschichte. Schön ist dabei aber, dass das Gebäude der Öffentlichkeit erhalten bleibt. Und noch schöner ist, dass dessen neues Konzept überzeugt: Es soll, wie es bereits im neuen Namen ersichtlich wird, richtungsweisend werden. «Destination Jelmoli» heisst der «neue alte» Einkaufstempel an der Zürcher Bahnhofstrasse, und er soll sozusagen zum Reiseziel für viele werden. Einkaufen und Arbeiten, Ausgehen und Ausruhen und vieles mehr wird sich hier bald verbinden lassen. Damit trägt das neue Konzept für die altehrwürdige Liegenschaft gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung. Jahrzehntelang bot Jelmoli als klassisches Warenhaus insgesamt 24000 Quadratmeter Verkaufsfläche, auf denen Kundinnen und Kunden nahezu alles fanden. Ein solches Format gilt heute als überholt: «Ein Warenhaus auf sechs Stockwerken auf solch einer riesigen Fläche ist heute schlichtweg zu gross, um rentabel als einzige Filiale zu funktionieren», sagt Karin Voigt, Chief Investment Officer bei Swiss Prime Site Immobilien und von der Universität Stuttgart diplomierte Architektin.

Künftig erhält Manor vom Sous-sol bis zur ersten Etage wieder eine Heimat an der Bahnhofstrasse – einfach mit einer Flächendimension, die den heutigen Bedürfnissen entspricht. Ansonsten müssen die grossen Warenhäuser von einst heute anders und vielfältiger genutzt werden, davon ist Voigt auch aus stadtplanerischen Gründen überzeugt: «Es sollte nicht sein, dass mitten in der Stadt um halb sieben die Tore eines der schönsten Gebäude schliessen und es abends leblos dasteht. So wird die Innenstadt nach Ladenschluss zur toten Zone.»

Die Eigentümerin Swiss Prime Site wolle Immobilien vielmehr so gestalten, dass sie möglichst vielfältig genutzt werden können. Die Bedürfnisse und das Verhalten vieler Menschen, die in Städten arbeiten, hätten sich gegenüber früher stark verändert, sagt Voigt: «Wer sich der Arbeit wegen bereits in der Innenstadt aufhält, will am Feierabend vielleicht auch gleich noch etwas unternehmen. Freunde auf einen Drink treffen, einkaufen für den täglichen Bedarf, essen gehen, Sport treiben, wellnessen.» Dazu gehöre auch, dass duschen kann, wer über Mittag dem See entlang joggt, oder sich umziehen kann, wer nach der Arbeit einen Event besucht.

Sie fasst es so zusammen: «Die Menschen, die hier arbeiten, sollen sich hier auch wohlfühlen. Sie sollen das Gebäude und seine Umgebung als ‹ihr› Quartier erleben.» Karin Voigt spricht deshalb auch davon, nicht mehr nur «Flächen» anzubieten, sondern ein Gemeinschaftsgefühl zu ermöglichen. Weitergedacht gehören deshalb Services ins Konzept, wie sie das Unternehmen bereits erfolgreich an anderen Standorten anbietet. Etwa Kleiderreinigungs- oder Schuhservice, kleinere Convenience-Angebote, Blumen- oder Foodstände. Und zusätzlich saisonale Aktionen und Anlässe.

Dies auch, um die Gemeinschaft unter den Mietenden zu fördern.

Klare Nutzung bei flexiblen Lösungen

Konkret bedeutet das eine klar definierte Verteilung: Untergeschoss, Erdgeschoss und erstes Obergeschoss «gehören» bald schon Manor. Darüber, vom zweiten bis zum vierten Obergeschoss, entstehen moderne, zusammenhängende Büroflächen. Das Dach soll schliesslich neu für die Öffentlichkeit zugänglich werden.

Ein Publikumsmagnet könnte zukünftig die bereits angedachte, begrünte Dachterrasse werden, mit Gastronomie und Raum für Anlässe wie Konzerte oder Firmenevents. Auf gleicher Ebene wird der High-End-Fitnessanbieter Holmes Place Räumlichkeiten belegen. «Mixed Use Architecture» ist das Zauberwort, dass dafür sorgen soll, dass sich Einkaufen, Büro, Gastronomie und Freizeit gegenseitig – und zusätzlich auch gleich die Innenstadt – beleben.

Traditionalisten wird es freuen: Äusserlich bleibt der charakteristische, historisch bedeutsame Kubus an der Bahnhofstrasse erhalten. Im Inneren geschieht hingegen viel Neues, aber auch da mit historischem Bezug: So gibt Swiss Prime Site dem Gebäude die grosszügigen Lichthöfe zurück, die einst seine Ästhetik prägten, seit längerer Zeit aber überbaut waren. Tageslicht wird so wieder tief ins Gebäude fluten und in den

Arbeitsetagen ein helles Ambiente erlauben. Radikal neu ist hingegen die Aufteilung der Bürogeschosse. Jedes der Geschosse bleibt in sich flexibel gestaltbar; je nach Nachfrage seitens der Mieter teilt es die Betreiberin Swiss Prime Site in bis zu drei Einheiten oder ermöglicht eine geschossübergreifende Nutzung. Dies erlaubt es, Flächen für einzelne Grossnutzer genauso anzubieten wie für mehrere kleinere Firmen und sie bei Mieterwechseln später wieder neu zu konfigurieren.

Verschiedene Unternehmen finden so passende Räume, denn Versicherungen schätzen andere Aufteilungen als Kreativagenturen, technologieaffine Firmen arbeiten mit offeneren Strukturen als etwa klassische beratende Berufe, die auf Diskretion angewiesen sind.

Alte Raumkonzepte neu interpretiert

Swiss Prime Site

Swiss Prime Site ist die grösste börsenkotierte Immobiliengesellschaft der Schweiz und fokussiert im Eigenbestand auf hochwertige Gewerbeimmobilien an zentralen Lagen. Das Unternehmen verwaltet insgesamt rund 27 Milliarden Franken an Immobilienvermögen, davon gut 13 Milliarden Franken im eigenen Portfolio und einen vergleichbaren Betrag im Asset Management für Dritte. Mit Projekten wie «Destination Jelmoli» oder der Fraumünsterpost setzt Swiss Prime Site auf die Weiterentwicklung von Traditionsliegenschaften hin zu flexiblen, gemischt genutzten Stadträumen und legt dabei besonderen Wert auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Community-orientierte Bewirtschaftung.

«Die Menschen, die hier arbeiten, sollen sich hier auch wohl fühlen.»

Diese Durchmischung ist ganz im Sinne von Swiss Prime Site, die für das neue Konzept der Liegenschaft einen dreistelligen Millionenbetrag investiert und dafür auch eine Gold-Zertifizierung der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI) anstrebt. Und weil verschiedene Ansichten und Perspektiven sich oft gegenseitig befruchten, ergänzt Swiss Prime Site die Mietflächen durch gemeinsam nutzbare «Shared Spaces» mit flexibler Nutzung. Angedacht ist zudem ein «Business Club», der vielfältige Services wie etwa eine repräsentative Lobby mit Empfang, buchbare Meetingräume, einen Cafébetrieb, Catering-Angebote sowie Vorzugskonditionen etwa im hauseigenen Fitnessstudio vereinen kann. Swiss Prime Site scheint den richtigen Riecher zu haben. Die offizielle Vermarktung der Büroflächen beginnt erst Mitte 2026, und die modernen Büroflächen sind im oberen Preissegment angesiedelt. Dennoch klopfen Interessenten beim Immobilienunternehmen bereits an. Unternehmen aus dem Bankensektor, Technologie- und Beratungsfirmen, Schönheitskliniken sowie kreative Branchen haben bereits Interesse angemeldet. In gut zwei Jahren sollen sie einziehen: Während der Rückbau und die Schadstoffsanierung bereits ab März 2025 begonnen haben, erfolgt die Eröffnung voraussichtlich gestaffelt ab Ende 2027. Für die Stadtbevölkerung wird die Transformation damit zu einem sichtbaren, mehrjährigen Prozess. Am Ende soll ein Stück Bahnhofstrasse entstehen, das die Innenstadt belebt.

Will die Innenstadt beleben: Karin Voigt, Chief Investment Officer bei Swiss Prime Site.

#TopTenGamechanger

Die Boutique für Immobilien am Zürichsee

Baumann Estate kombiniert familiären Charakter mit internationaler Ausrichtung. Die inhabergeführte Agentur aus Thalwil ist auf exklusive Neubauprojekte sowie Wohneigentum im In- und Ausland spezialisiert. Dabei steht die persönliche Beratung und Begleitung im Zentrum.

Dass die Inhaber von Baumann Estate ihren Kundinnen und Kunden auf Augenhöhe begegnen, wird bereits beim Betreten der lichtdurchfluteten Räumlichkeiten in der Thalwiler Wirtschaftszone klar. Vom modernen Sitzungsraum blickt man direkt in das verglaste Büro der Gründer Ingila und Claudio Baumann. Das Ehepaar, das aus der Region stammt, legt Wert auf eine persönliche Abwicklung sämtlicher Erstkontakte. «Der familiäre Charakter gehört zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen unseres Unternehmens – er prägt bereits das erste Telefongespräch und zieht sich konsequent durch alle weiteren Schritte bis über den Kaufabschluss hinaus», sagt Ingila Baumann. Dadurch wolle man sicherstellen, dass sich die Kundschaft wohlfühle und eine Atmosphäre der Wertschätzung und der Transparenz herrsche.

Die studierte Marketing- und Kommunikationsspezialistin, die über 19 Jahre Branchenerfahrung verfügt, wusste schon früh, dass sie einst als Unternehmerin agieren will. Als sie ihren späteren Mann Claudio kennenlernte, drehten sich viele ihrer Gespräche um Immobilien. Der Wirtschaftsinformatiker erkannte rasch das enorme Potenzial, IT in die Immobilienwelt zu integrieren und damit eine Vielzahl von Interessenten zu erreichen. Irgendwann traf das Paar den Entschluss, seine Ideen zu konkretisieren und den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

Gamechanger-Ansatz

Ein Jahr vor der Corona-Pandemie, am 1. Januar 2019, startete Baumann Estate seine Tätigkeit in der Zürichsee-Region –mit klarem Fokus auf Qualität, Marktkenntnis und nachhaltiges Wachstum. Sowohl Ingila Baumann als auch Claudio Baumann verfügten dank ihren früheren Tätigkeiten über grosse Netzwerke, auf die sie zurückgreifen konnten. Bereits nach wenigen Monaten hatten sie Gelegenheit, Neubauprojekte zu führen und Einzelmandate zu verkaufen. «Das Feedback war durchwegs positiv. Da wir schlank organisiert sind und uns nicht an starre Templates oder Richtlinien halten müssen, haben wir die Möglichkeit, sehr flexibel und gezielt auf die Bedürfnisse der Kundschaft einzugehen», erklärt Claudio Baumann. Ein weiterer Punkt, der Baumann Estate zum Gamechanger in der Branche mache, sei die internationale Ausrichtung des Unternehmens (siehe

Seite 13). Zudem habe man ein Advisory Board aufgebaut, dessen Beiräte aus verschiedenen Branchen stammten und ihr spezifisches Know-how in die Firma integrieren könnten. Dazu gehören der Marketing- und Strategieprofi Mike Fuhrmann; der Energie- und Gebäudetechnikunternehmer Roger Neukom von Neukom Engineering; Alex Leuzinger, der Inhaber des Architekturbüros Studioforma; und Sandro Votta, Managing Partner des Hypothekarbrokers feyn. Wie Firmenmitinhaber Claudio Baumann betont, würden so viele relevante Bereiche abgedeckt. «Wir haben einen Boutiquecharakter, was aber ganz bewusst gewählt ist: Dadurch können wir jedes Projekt persönlich mitbegleiten und die Qualität sicherstellen. Das ist uns sehr wichtig.»

Statt auf Grösse setzt das Unternehmen laut Claudio Baumann bewusst auf Exzellenz – mit einem eingespielten, spezialisierten Team. Relevant sei, dass diese die Philosophie der inhabergeführten Agentur mittragen und leben würden. Zentral seien eine offene Kommunikation, Loyalität sowie Teamgeist –und dass alle das Mindset der Immobilienboutique verfolgen würden. Die Linie des familiären Umgangs sollten Kunden von Anfang an spüren.

Cross-Selling-Ansatz

Baumann Estate ist in verschiedenen Dienstleistungsbereichen aktiv und setzt auf spezialisierte Mitarbeitende: Eine Person fokussiert ausschliesslich auf das internationale Geschäft, andere sind für Anlageimmobilien zuständig, weitere verantworten Akquise und Einzelmandate, und die beiden Inhaber verfügen über viel Wissen und Erfahrung im Bereich Neubauprojekte. Im Geschäftsmodell der Immobilienboutique spielt Cross-Selling eine führende Rolle. Viele, meist ältere Kundinnen und Kunden hätten das Bedürfnis, sich zu verkleinern und ihr Haus oder ihre Eigentumswohnung zu verkaufen, nachdem die Kinder ausgezogen seien. Oft habe diese Kundschaft auch den Wunsch nach mehr Komfort und der Möglichkeit, spontan zu verreisen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, wer in dieser Zeit den Garten pflege. «Diese Personen suchen eine Nachfolgelösung, da können wir mit unseren Neubauprojekten sehr rasch Hand bieten», sagt Claudio Baumann. Vor allem im vergangenen Jahr sei der

«Der familiäre Charakter gehört zu den Alleinstellungsmerkmalen unseres Unternehmens.»
Ingila Baumann

Neubauprojekte in der Pipeline

Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird Baumann Estate die Vermarktung folgender geplanter Neubauprojekte starten:

• Neubauprojekt in Thalwil mit sieben Eigentumswohnungen, 2,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen;

• Neubauprojekt in Kilchberg mit fünf Eigentumswohnungen, 3,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen;

• Neubauprojekt mit Villa in Rüschlikon.

baumann-estate.ch

Cross-Selling-Anteil stark gewachsen –als Nachfolgelösungen seien insbesondere 3,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen beliebt.

Baumann Estate ist in den Kantonen Zürich, Zug, Schwyz und Luzern aktiv. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Zürichsee-Region, vor allem auf dem linken Seeufer. Dieses wird laut den Immobilienspezialisten immer beliebter, was sich auch an den steigenden Preisen zeigt. Eine hohe Nachfrage besteht für grössere Familieneigentumswohnungen, aber auch für Reihenhäuser sowie Einfamilienhäuser mit Garten.

Anders als früher beeinflussen heute auch Nachhaltigkeitsüberlegungen den Kaufentscheid. Wie Claudio Baumann erklärt, wünschen sich viele Kunden moderne Heizsysteme, die mit erneuerbaren Energien betrieben werden, weshalb eine Ölheizung meist negativ sei. Ebenso würden Solarpanels vorausgesetzt – insbesondere bei Neubauprojekten seien diese ein Muss. Genauso wie Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge. «Die Kunden sind mittlerweile sehr gut informiert, umweltbewusst und wissen genau, was sie möchten», sagt Claudio Baumann.

Rund 30 Prozent der Kundinnen und Kunden von Baumann Estate stammen aus dem Ausland; besonders in unsicheren Zeiten gelte die Schweiz als sicherer Hafen. Auch die wirtschaftliche Stabilität und die guten Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder würden sehr geschätzt. Dennoch sei das Kundeportfolio sehr divers – man biete nicht nur luxuriöse Objekte an, sondern auch solche im mittleren Preissegment. Aktuell sei die Nachfrage nach Immobilien in der Schweiz extrem hoch und das Angebot an beliebten Lagen entsprechend knapp. Man sei im engen Kontakt zu verschiedenen Banken, und alle gingen davon aus, dass die Immo -

bilienpreise in nächster Zeit weiter ansteigen würden.

Consulting-Ansatz

Was raten die beiden Immobilienexperten potenziellen Käuferinnen und Käufern?

Ingila Baumann empfiehlt als Erstes den Gang zur Bank, um die Liquiditätslage zu analysieren und einen Budgetrahmen zu definieren. «Der Immobilienmarkt ist vor allem in der Zürichsee-Region und im Kanton Zug sehr kompetitiv. Da ist es hilfreich, wenn die Bankbestätigung bereits vorliegt», sagt die Firmenmitinhaberin von Baumann Estate. Ausserdem sei es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass man vielleicht Abstriche machen müsse, wenn man an gewissen

Lagen wohnen möchte. Vielleicht gebe es ein Objekt, das schon etwas ins Alter gekommen sei und saniert werden müsse; oder ein Haus biete nicht die volle Seesicht. «Am besten ist es, vor einer Besichtigung seine eigenen Bedürfnisse und die der Familie zu evaluieren und festzulegen, was wirklich wichtig ist und was nicht», rät Ingila Baumann. Hier könne Baumann Estate Hand bieten. Durch den 360-Grad-Beratungsansatz kenne man die Ansprüche und Wünsche der Kunden sehr genau und habe mit wenigen Klicks die entsprechenden Profile vor Augen. «Wir präsentieren Verkaufsobjekte möglichst massgeschneidert und zielgenau, so dass die richtige Zielgruppe angesprochen wird»,

Das Team von Baumann Estate und ein Teil des Advisory Board (von links nach rechts): Halime
Blick von Thalwil, wo Baumann Estate ihren Hauptsitz hat, über den Zürichsee in Richtung

sagt Ingila Baumann. Einige Objekte inseriere man daher ganz gezielt innerhalb des internationalen Netzwerks.

Generell versuche man, den Kunden immer die beste Plattform zu bieten. Im Bereich IT und Marketing gebe es einen intensiven Austausch mit Partnerfirmen aus anderen Ländern, wodurch man neue Trends eng verfolgen und umsetzen könne. «Auch hier versuchen wir, zu

den Schweizer Marktführern zu gehören», s agt die Immobilienexpertin. Wie Claudio Baumann erklärt, treibe man die Digitalisierung inhouse stark voran; in der Branche gebe es aber mehrere Bereiche, in denen die digitale Transformation noch ganz am Anfang stehe.

«Auch wenn wir uns lokal bewegen, haben wir Zugang zu einem weltweiten Netzwerk.»

Claudio Baumann

Im Verlauf des Jahres möchten Ingila und Claudio Baumann das internationale Netzwerk weiter ausbauen, den B2B-Bereich stärken und sich deutlicher im Mehrfamilienhausbereich positionieren. Mittelfristig werde man den Weg weiterverfolgen, den man eingeschlagen habe. «Zudem streben wir ein gesundes Wachstum an, ohne eine riesige Maschinerie werden zu wollen. Wir möchten die Vorzüge, die uns heute ausmachen, bei behalten und unseren Boutiquecharakter bewahren, sodass wir immer schnell und flexibel auf Situationen reagieren können», sagt Claudio Baumann. Und Ingila Baumann ergänzt: «Auch in Zukunft wird für uns der persönliche Kontakt im Mittelpunkt stehen – denn am Ende des Tages ist entscheidend, dass uns unsere Kundinnen und Kunden vertrauen.»

Internationale Ausrichtung

Baumann Estate ist über die Landesgrenzen hinaus tätig und profitiert von einem globalen Immobiliennetzwerk. Von Denise Weisflog

Der Kauf oder Verkauf einer Immobilie im Ausland ist mit vielfältigen Herausforderungen verbunden. Baumann Estate ist Mitglied von Luxury Portfolio International, der Vereinigung der weltweit führenden unabhängigen Immobil ienmakler für hochpreisige Wohnobjekte, sowie des Netzwerks Leading Real Estate Companies of the World, dem nur eine Handvoll Schweizer Immobilienunternehmen angehört. Dieses unabhängige Brokernetzwerk eröffnet seinen Mitgliedern den Zugang zu renommierten Maklerfirmen weltweit.

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder zur Kontaktpflege und zum fachlichen Austausch. «Wenn ein Kunde von uns ein Objekt im Ausland kaufen oder verkaufen möchte, können wir ihm vertrauenswürdige Makler vor Ort empfehlen, die wir persönlich kennen und die unseren Kriterien entsprechen», sagt Claudio Baumann. Umgekehrt gelange jemand, der aus dem Ausland in die Schweiz ziehe und hier eine Immobilie erwerben wolle, über das Netzwerk vielleicht an Baumann Estate. «Auch wenn wir uns lokal bewegen, haben wir Zugang zu einem weltweiten Netzwerk. Damit können wir uns klar von den Mitbewerbern abheben», sagt Claudio Baumann. Und Ingila Baumann ergänzt, dass eine internationale Reichweite heute von der Kundschaft vorausgesetzt werde. Man müsse ein vollständiges Paket anbieten können – insbesondere, da viele Kunden sowohl Immobilien in der Schweiz als auch im Ausland besitzen.

So sei Baumann Estate kürzlich von einem Kunden kontaktiert worden, der ein Ferienobjekt auf Sardinien verkaufen wollte. Ihn habe man von der Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten lokalen Makler bis hin zum Abschluss der Transaktion begleiten können. Es bereite Freude, sowohl in der Schweiz als auch international tätig zu sein und den Kunden alles aus einer Hand zu bieten. «Jemand, der Immobilien in der Schweiz und im Ausland besitzt, hat damit nur einen einzigen Ansprechpartner», sagt Ingila Baumann.

Dies führt häufig zu langjährigen Kundenbeziehungen – teilweise sogar zu Freundschaften. So gebe es etwa eine

Das lokal verankerte Ehepaar Ingila und Claudio Baumann denkt international.

Kundin, die sich mit sämtlichen Anliegen und Fragen rund um Immobilien stets an Baumann Estate wende und die das Unternehmen seit Jahren begleite. Heute sei es nicht mehr üblich, ein Haus zu kaufen und 30 oder 40 Jahre darin zu wohnen. Stattdessen wechseln viele Menschen Arbeitsort und Stadt, verkaufen ein Objekt und erwerben an einem anderen Standort eine neue Immobilie. «Emotional sind die Leute zwar nach wie vor stark mit ihren Objekten verbunden, doch der Investmentaspekt oder die veränderten Lebensumstände stehen heute im Vordergrund», sagt Ingila Baumann. Für die Inhaber der exklusiven Immobilienboutique am Zürichsee ist das internationale Geschäft mittlerweile so wichtig geworden, dass der eigene Standort an Bedeutung verliert. «Wo sich unser Büro befindet, spielt keine grosse Rolle: Dank Internet, globalem Netzwerk und guter Verkehrsanbindung ist die enge Begleitung der Kunden jeder zeit gewährleistet», sagt Ingila Baumann.

Internationales Netzwerk

•Leading Real Estate Companies of the World (LeadingRE) ist ein exklusives, internationales B2B-Netzwerk unabhängiger Immobilienunternehmen, das führende lokal verankerte Maklerhäuser weltweit verbindet. Ziel ist es, Mitgliedern Zugang zu qualifizierten internationalen Kunden, Weiterbildungsangeboten, Marketing- und Technologielösungen sowie einem strukturierten Referral-System zu geben. Das Netzwerk umfasst über 550 Unternehmen mit Tausenden Büros und mehr als 130 000 Immobilienmaklern in über 70 Ländern. LeadingRE erzielt durch seine Mitglieder jährlich über eine Million Transaktionen beziehungsweise mehrere Hundert Milliarden Dollar

an Verkaufsvolumen. Mitglied kann nur werden, wer in seinem Markt zu den leistungsstarken, unabhängigen Häusern gehört; die Aufnahme erfolgt nach Performance- und Marktanteilskriterien und nur auf Einladung. Mehr dazu unter: leadingre.com.

•Luxury Portfolio International (LPI) ist die spezialisierte LuxusMarketing-Abteilung von Leading Real Estate Companies of the World. Das 2005 gegründete Netzwerk umfasst heute über 200 renommierte Maklerhäuser, die jährlich mehr als 50000 Luxusimmobilien im Wert von jeweils über einer Million USDollar vermarkten. Mehr dazu unter: luxuryportfolio.com.

Halime Husejni, Alex Leuzinger, Ingila Baumann, Claudio Baumann, Roger Neukom, Jong Frochaux, Cynthia Randolfi, Mike Fuhrmann.
acht Jahren gegründete Immobilienboutique ist in den Kantonen Zürich, Zug, Schwyz und Luzern aktiv.

Druck ist ein Privileg

Das Zürcher Startup beyondBIM von Alar Jost und Michal Rontsinsky gehört nach kurzer Zeit zu den bedeutendsten Anbietern für digitale Transformation im Immobiliengeschäft. Am Anfang stand eine kühne Skizze auf einem Blatt Papier. Von David Schnapp

rund zwei Jahre nach dem Trainingslager – beyondBIM im Zürcher Kreis 1 entstand, hatten die beiden Firmengründer zwar beste Voraussetzungen, aber letztlich immer noch kein fertiges Produkt. «Unsere ersten digitalen Lösungen und Cockpits waren noch nicht genügend integriert, auch wenn wir Daten erheben und sammeln konnten, die sich mit unseren Kunden teilen liessen», ergänzt Rontsinsky. Vor der Gründung von beyondBIM hatten Jost und Rontsinsky bei einem namhaften Beratungsunternehmen gemeinsam an datenbasierten Entscheidungsgrundlagen und digitalen Modellen für das Immobiliengeschäft gearbeitet. Bis ihnen klar wurde, dass sie ihre Vision nur mit dem Mut zum eigenen Risiko als Unternehmer realisieren konnten. Beim Start im Jahr 2022 bestand das Startup aus zwei Laptops und einer Handvoll Kunden, die immerhin an die Idee glaubten. Das Vorschussvertrauen war allerdings an hohe Anforderungen mit wenig Verständnis für Mittelmass geknüpft.

«Unsere ersten Lösungen und Cockpits waren funktional, aber noch nicht integriert genug. Wir konnten Daten erheben und teilen – doch unser Anspruch war deutlich höher», sagt Michal Rontsinsky über diese Phase. Eine der glücklichen Fügungen für ihn bestand darin, dass er für eine universitäre Lehrtätigkeit in Luzern in den Bereichen Data Management und Programmierung sich immer tiefer in das Thema einarbeitete und dabei auf Lösungen stiess, die für das eigene Startup wertvoll waren. Parallel dazu beschäftigte sich Alar Jost im Rahmen eines Executive MBA an der Universität St. Gallen (HSG) mit der Frage, wie ein aus sich selbst heraus finanziertes datengetriebenes Geschäftsmodell funktionieren könnte. Verlässliche Daten über gesamten Lebenszyklus

«beyondBIM Value Creation Model» als Grundlage für digitale Weiterentwicklung.

Gleichgewicht zwischen Technologie, Innovation und Menschen. Ein wichtiger Pfeiler der Philosophie von beyondBIM ist die Überzeugung, dass Daten und digitale Transformation kein reines Technologieprojekt sind. Studien zeigen, dass die meisten Digitalisierungsvorhaben nicht an der Technik scheitern, sondern am fehlenden konkreten Mehrwert sowie der Mitnahme der Nutzer.

«beyondBIM

Value Creation Model»

Der entscheidende Hebel für das «beyondBIM Value Creation Model» liegt daher in der Befähigung der Teams, Prozesse effektiv mitzugestalten und Daten souverän zu nutzen, so Jost und Rontsinsky. Indem digitale Kompetenz gelernt und gesteigert wird, werden Mitarbeitende und Unternehmen zusammen besser und effektiver. Gemeinsam mit den Teams der Kunden werden relevante Prozesse identifiziert sowie Anforderungen präzisiert. beyondBIM bringt dabei sein fach- und spartenübergreifendes Immobilienwissen ein, um jene Themen herauszuarbeiten, bei denen datenbasierte Ansätze tatsächlich Mehrwert schaffen.

Die neu definierten Prozesse werden schliesslich über Lakehub in die bestehenden Softwareökosysteme der Kunden integriert. Gemeinsam zu lernen, zu wachsen und weiterzukommen – ganz wie in einem Trainingslager –, ist eines der Prinzipien von beyondBIM. Die Firmengründer sprechen vom «Athlete Mindset», was keine leere Managementfloskel ist, sondern gelebte Praxis. Alar Jost und Michal Rontsinsky mussten auf dem Weg von der Skizze zur Wirklichkeit einige Rückschläge hinnehmen. Die eigene Leistungsfähigkeit wurde immer wieder hart geprüft. Allein die Entwicklung der Plattform Lakehub wurde durch die steigende Komplexität, regulatorische Anforderungen und Erwartungen der Kunden, zu denen unter anderem der Flughafen Zürich, die ETH Zürich, die Insel Gruppe, die Hirslanden Gruppe, Immofonds Asset Management sowie Swiss Life Asset Managers gehören, laufend herausgefordert. Druck sei keine Belastung, sondern Ausdruck von Verantwortung – für Relevanz, Qualität und Innovation. Denn nur wer es parat an die Startlinie geschafft hat, weiss, wofür er antritt, sagen Jost und Rontsinsky. #TopTenGamechanger

Angefangen hat alles auf einem Blatt A4Papier, wobei diese Geschichte tatsächlich wahr ist und nicht bloss gut ausgedacht. Sie würde noch etwas besser klingen, wenn im Zentrum des Geschehens kein normales Papierblatt, sondern eine schlichte Serviette oder ein Bierdeckel stehen würde. Aber das wäre dann erfunden. Kein Produkt der Phantasie ist, dass sich im Juni 2020 die beiden Freunde, Radrennfahrer und Architekten Alar Jost und Michal Rontsinsky für ein Trainingslager in den Dolomiten verabredet hatten. Der Anlass war die Vorbereitung auf die «Tortour», ein Ultra- Radrennen für ambitionierte Amateure über 1000 Kilometer durch die Schweiz.

Nach einem Tag reich an Höhenmetern, den Körper noch voller Glückshormone, Adrenalin und Endorphin, sprachen Jost und Rontsinsky darüber, wie eine eigene Businessidee aussehen würde, mit der man den Weg in die Selbständigkeit gehen könnte. Sieben grundlegende Gedanken wurden auf ebendiesem Blatt nieder geschrieben. Es war das, was im Silicon Valley der Heureka-Moment in der sprichwörtlichen Garage gewesen wäre – eine dieser raren Gelegenheiten, wo an einem unspektakulären Ort etwas

Aussergewöhnliches passiert, ohne dass sich die Beteiligten darüber vollends im Klaren sind. Denn tatsächlich war es ein vager Moment. Abgesehen von der Vision, fehlte es an vielem: Weder hatten die beiden Geschäftspartner ein Produkt noch eine Finanzierung oder gar einen Erfolg am Markt vorzuweisen. Es gab nichts mehr als eine Idee, ein geteiltes Verständnis von Qualität und der selbst auferlegte Druck, die Skizze Realität werden zu lassen.

Vom Mitarbeiter zum Unternehmer

«Wir haben von einem modularen Ökosystem und einer durchgängigen Softwarelösung für das ImmobilienDatenmanagement geträumt, obwohl zu dieser Zeit noch nicht einmal Cloud Computing ein Thema war», erzählt Michal Rontsinsky. Die Skizze bildete ein Businessmodell in einer idealen, aber nicht real existierenden Welt ab, das datengetrieben und «best in class» sein sollte. «Was wir uns vorgenommen hatten, ist heute immer noch richtig, auch wenn es nur durch eine ganze Reihe von Zufällen, glücklicher Fügungen und viel, viel Arbeit in die Tat umgesetzt werden konnte», sagt Alar Jost. Als –

Neu definierte Prozesse werden über Lakehub in die Softwareökosysteme der Kunden integriert.

Der Durchbruch kam mit der veränderten Einsatzfähigkeit von Cloud Computing im Immobilienbereich. Dadurch sanken die Barrieren für die Verarbeitung und Verknüpfung grosser Datenmengen. Jost und Rontsinsky nutzten dies, um ein in ihren Augen strukturelles Defizit anzugehen: die fehlende Verlässlichkeit von Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Immobilienprojekts. Von den sieben einst auf dem Blatt A4Papier niedergeschriebenen Punkten, wurden nach und nach alle Realität –und beyondBIM hatte sich eine Alleinstellung im Schweizer Immobilienmarkt erarbeitet. Der letzte und entscheidende Schritt ist die Realisation der integrierten Datenplattform Lakehub. Sie ermöglicht die Transformation, um im Immobilienmarkt auf allen Seiten Entscheidungen auf Grundlage solider Daten statt auf Basis ungesicherter Annahmen fällen zu können. Fehlerhafte oder unvollständige Flächendaten etwa haben einen direkten Bezug zur Rendite eines Objektes. Sie führen zu Fehlkalkulationen, ungenauen Abrechnungen und zweifelhaften Nachhaltigkeitsbewertungen. Ungenaue Daten sind teuer, aber weit verbreitet. Um dieses und eine Reihe weiterer Probleme zu lösen, bietet Lakehub Werkzeuge, welche Organisationen – unabhängig von ihrem digitalen Entwicklungsstand – von der ersten Datennutzung bis zur vollständig datengetriebenen Wertschöpfung unterstützen. Denn hier hat schon die allererste Überlegung von Alar Jost und Michal Rontsinsky angesetzt, die zu einer Zeit formuliert wurde, als Immobilien noch mithilfe von Excel-Tabellen verwaltet und gemanagt wurden. «Unsere Idee eines digitalen Geschäftsmodells war es von Anfang an, Immobiliendaten so nutzbar zu machen, dass für Eigentümer realer Wert entsteht», sagt Jost. «From Data to Value» wurde zum Leitmotiv von beyondBIM. Es steht für den Anspruch, das Potenzial eines datenorientierten Immobilienmanagements zu erschliessen. Und der Erfolg des Startups beruht auf dem Verständnis für das

«Athlete Mindset» selbst erfahren

Wer Michal Rontsinsky und Alar Jost – und das «Athlete Mindset» von beyondBIM – live erleben möchte, trifft die beiden am besten auf dem Rennvelo oder Gravelbike. Bei den sogenannten Construction Rides bringen sie Fachleute aus der Bau- und Immobilienbranche zusammen, um sich jenseits von Sitzungszimmern über Real Estate, sportliche Ambitionen, Herausforderungen und Zukunftsfragen auszutauschen.

constructionride.net

Radrennfahrer und Architekten: Michal Rontsinsky und Alar Jost haben gemeinsam beyondBIM gegründet, um die Digitalisierung im Schweizer Immobilienmarkt voranzutreiben, insbesondere mit Lakehub.

#TopTenGamechanger

Bauen auf Zeit für grosse Erlebnisse

Von der Formel-1-Tribüne in Las Vegas bis zur Interims-Philharmonie in München: Nüssli realisiert spektakuläre Bauwerke, durch die bei Millionen von Menschen grosse Emotionen entstehen. Interview: Alexander Vitolić

Man sieht sie kaum – aber sie sind überall. Im Stadion, auf dem See, an der Rennstrecke, an Olympischen Spielen oder an der Expo. Dort, wo vorher ein Platz war, stehen plötzlich Pavillons, Arenen oder ganze Gebäude. Wer am Eidgenössischen in Appenzell jubelt, an einem Skirennen in Adelboden oder am Lauberhorn mitfiebert, den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung in Osaka besichtigt, an einem Formel-1-Wochenende in Las Vegas auf der Tribüne steht oder bei den Olympischen Spielen von Paris ein Volleyballspiel vor historischer Kulisse schaut, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal Besucher eines Bauwerks von Nüssli gewesen – ohne es zu wissen. Die Mitarbeitenden von Nüssli verwandeln öffentliche Räume und urbane Flächen in Tribünen, Fanzonen, Hospitalitybereiche oder Festivalareale – und bauen sie nach dem Anlass wieder zurück.

Andy Böckli ist CEO der Nüssli-Gruppe und prägt das Unternehmen seit vielen Jahren. Unter seiner Führung hat sich Nüssli von einer klassischen Event- und Tribünenbaufirma zu einem international tätigen Anbieter temporärer Infrastruktur entwickelt, der heute weltweit bei Grossanlässen im Einsatz ist – oft sichtbar, selten als Marke.

Nüssli ist grösser, als manch einer denkt, nicht wahr?

ANDY BÖCKLI: Sagen Sie es mir. (lacht) Wir sprechen heute von rund 1500 Projekten pro Jahr in mehr als 20 Ländern, die wir mit unseren rund 500 Mitarbeitenden umsetzen.

Nur im Eventbau?

Der Eventbau ist sicher der grösste Bereich: Sportevents, Konzerte, Festivals, – alles, was mit Tribünen, Bühnen und Zuschauerinfrastruktur zu tun hat. Darüber hinaus realisieren wir temporäre Sport- und Turnhallen sowie Hochbauten wie Hospitalitybereiche, ExpoPavillons, olympische Anlagen oder temporäre Theaterbauten. Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere Tochterfirma Ruba, die Schreinerei, Zimmerei und Metallbau vereint und Innenausbauten, Spezialkonstruktionen und Produktionslösungen aus einer Hand ermöglicht.

Wie lange ist temporär?

Temporär ist für uns ein dehnbarer Begriff. Ein gutes Beispiel ist München: Dort wird aktuell das Kulturzentrum Gasteig, eines der grössten Kulturzentren Europas, umfassend saniert. Damit der Kulturbetrieb während dieser mehrjährigen Umbauphase weitergeführt werden kann, hat Nüssli in München-Sendling im Jahr 2021 den Gasteig HP8 mit der Isarphilharmonie rea-

Höchstleistungen

Seit 1964 war Nüssli bei 18 Olympischen im Einsatz, aktuell auch bei den Winterspielen 2026 in Milano Cortina, wo das Unternehmen in Livigno die höchste Big-Air-Schanze der Geschichte mit 60 Metern Höhe errichtet. 23-mal baute Nüssli die Arena für das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest; 2019 und 2025 entstanden dafür die grössten temporären Stadien mit jeweils 56 500 Sitzplätzen. Seit 2002 erstellt Nüssli zudem temporäre Infrastrukturen für 48 Formel-1-Rennen; die längste Tribüne erstreckt sich mehr als

von Nüssli-Gruppe seit den ersten Jahren: CEO Andy Böckli auf der Swiss-Indoors-Baustelle.

lisiert. Dieses temporäre Ausweichquartier wird mehrere Jahre genutzt und anschliessend zurückgebaut.

Und wie wird der Bau beurteilt?

Die Akustik des Konzertsaals wird von Musikern und Fachleuten als herausragend beurteilt – teils sogar im Vergleich mit renommierten Konzerthäusern wie der Elbphilharmonie in Hamburg. Dass ein temporärer Bau diese Qualität erreicht, galt lange als schwierig. Ebenso wichtig ist für uns: Wir sind trotz Covid und Lieferengpässen in der Zeit und im Budget geblieben.

Was ist Ihr Anteil an solchen Projekten?

Architektur und Akustik kommen von spezialisierten Planern und Stararchitekten. Unsere Rolle war es, deren Vision in die Realität umzusetzen – mit technischer Präzision, termingerecht und nicht zuletzt bezahlbar. Wir sind nicht diejenigen, die komponieren, aber wir sorgen dafür, dass das Orchester den Raum bekommt, den es braucht, damit seine Performance beim Publikum ankommt. Daher auch unser Credo «Connecting You». Wir verbinden an Grossanlässen die Menschen, schaffen gemeinsame Erlebnisse und bleibende Erinnerungen.

325 Meter entlang der StartZiel-Geraden in Las Vegas. Die höchstgelegene Baustelle weltweit war 2011 die Casa Alemana Roadshow in Quito auf 2850 Metern über Meer, aktuell ist es die Konzertarena in Bogotá auf 2640 Metern über Meer. Zudem ist Nüssli im GuinnessBuch der Rekorde verzeichnet: Mit dem «largest plotted image», einer am Boden ausgelegten Grafik aus Konstruktionselementen, entstand anlässlich der Expo 2015 in Mailand eine zusammenhängende Fläche von 878,75 Quadratmetern.

Wie international ist Nüssli heute?

Die Schweiz ist unser Ursprung, aber die Welt ist unser Markt. Mehr als 70 Prozent unserer Projekte realisieren wir ausserhalb der Schweiz, Tendenz 80 Prozent. Ich fliege morgen nach Japan, wo wir an der Weltausstellung in Osaka fünf Länderpavillons umgesetzt haben, unter anderem den Kuwait-Pavillon. Wenn es um Länderpavillons für die Expo geht, ist Nüssli die erste Adresse. Seit 2000 sind wir praktisch bei jeder Expo dabei: Hannover, Aichi, Saragossa, Shanghai, Mailand, Dubai. Sie bauen ja auch Sport- und Turnhallen, die für längere Zeiträume ausgelegt sind.

Richtig. Es gibt Projekte, die bewusst dauerhaft ausgelegt sind, wie die grösste Turnhalle Europas, die Achtfach-Sporthalle in Monheim am Rhein. Andere, wie eine Stahl-Sporthalle in Albstadt, werden längerfristig als Zwischenlösung genutzt. Viele Schweizer Gemeinden haben kurz- bis mittelfristig Platzprobleme – Sanierungen, Umbauten, steigende Schülerzahlen. Mit unseren Systemen können sie schnell auf Raumknappheit reagieren und hochwertige Lösungen für Unterricht und Sport realisieren. Ob ein Bauwerk drei Monate oder

mehrere Jahre stehen soll, spielt für unsere Auslegung kaum eine Rolle – wir planen immer mit denselben hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards. Dass wir damit auch auf kommunaler Ebene konkrete Probleme angehen können, ist mir persönlich ein Anliegen.

Nachhaltigkeit hat für Sie einen hohen Stellenwert. Aufbauen, abbauen, weiterverwenden – das ist unser Geschäftsmodell. Wir bauen seit Jahrzehnten mit Systemmaterial, das immer wieder eingesetzt wird. Unsere langlebigen Bauteile sind im besten Fall 365 Tage im Einsatz. Nachhaltigkeit liegt in unseren Genen. Auch bei Grossanlässen, Weltausstellungen oder Olympischen Spielen wird sie mitgedacht. Ziel ist, möglichst wenig permanente Infrastruktur zu hinterlassen, die später brachliegt.

Zum Beispiel?

Ein Beispiel sind Expo-Pavillons, die entweder rückgebaut und wiederverwendet oder in einem anderen Land erneut aufgebaut werden. Im Gegensatz dazu steht Sotschi. Dort wurden für die Olympischen Spiele massive Betonbauten erstellt, die kaum genutzt wurden und heute teilweise verfallen –

Nüssli und Ruba

Nüssli wurde 1941 als Zimmerei gegründet. Der Systemgedanke ist mit der legendären Keilkupplung, einer Erfindung des Firmengründers Heini Nüssli, über Jahrzehnte gewachsen. Heute arbeitet das Unternehmen mit modularen Bauteilen, fast wie mit Lego – einfach in anderen Dimensionen und technisch sehr viel anspruchsvoller. Jedes Element ist statisch berechnet, zertifiziert und wiederverwendbar. Neue Bauteile werden stets mit dem Anspruch entwickelt, sie später auch für andere Projekte einsetzen zu können. Die Stärken von Nüssli liegen in der Kombination aus Systembau, Ingenieurskompetenz und handwerklicher Präzision –bis hin zu Innenausbauten und Spezialanfertigungen aus Holz, die mit der Tochterfirma Ruba inhouse realisiert werden.

eine traurige Bilanz. Paris hat es besser gemacht: Rund 90 Prozent der Anlagen waren temporär, und bestehende Infrastruktur wie das Stade de France wurde sinnvoll erneuert. Das architektonisch hochwertige und vom Wall Street Journal als «The Greatest Stadium on Earth» gelobte Beachvolleyballstadion, das wir umgesetzt haben, wurde ebenso konsequent wieder zurückgebaut.

Wie kommen so gewaltige Projekte eigentlich zustande?

Solche Dinge entstehen selten linear. Meist kommen Veranstalter und Architekten mit einer starken Idee zu uns, und wir übernehmen die Rolle des Umsetzers. Unsere Aufgabe ist es, diese ersten Vorstellungen so zu übersetzen, dass sie technisch machbar, sicher, bewilligungsfähig und vor allem finanziell möglich werden. Würde man alles genau so bauen, wie es im ersten Entwurf gedacht ist, wäre es oft unbezahlbar. Unsere Stärke liegt darin, Gestaltung, Funktion und Budget in Einklang zu bringen. Im Eventbau kommt hinzu: Ein Tag Verzögerung ist keine Option – wenn wir zu spät sind, findet der Anlass nicht statt.

Welches Projekt beschäftigt Sie gerade am meisten?

In Livigno wird bei den Olympischen Winterspielen 2026 ein spektakulärer Freestyle- und Snowboard-Park von uns gebaut. Die Big-Air-Schanze ist ein extrem anspruchsvolles Projekt: rund 60 Meter hoch, auf fast 1900 Metern über Meer, mit enormen statischen Anforderungen. Mit jedem zusätzlichen Meter wächst die Komplexität exponentiell, und wir müssen fertig werden, bevor der Schnee fällt. Genau solche Projekte reizen mich, weil wir dafür unser modulares System weiterentwickeln mussten und neue Bauteile geschaffen haben, die später auch wieder für andere Anwendungen eingesetzt werden können. Diese Kombination aus technischer Herausforderung, Innovation und Schweizer Qualität fasziniert mich sehr.

Projektpartner
Nüssli plante und errichtete die Schweizer Pavillons an der Expo 2025 in Osaka.

Wenn der Roboter den Pinsel führt und das Abwasser plötzlich trinkbar wird

Während viele in der Baubranche klagen, tritt ein Meilener Traditionsbetrieb die Flucht nach vorn an. Ein Besuch beim Team Schlagenhauf zeigt: Der Handwerker der Zukunft trägt nicht nur Latzhose, sondern bedient Roboter, Drohnen, Laser und mobile Kläranlagen. Von Mark Baer

Es ist Anfang Januar, kalt und in der Tiefgarage riecht es nach Betonstaub. Doch der Maler, der hier die Wände streicht, hustet nicht, er leidet nicht unter Nackenschmerzen und er macht keine Pause – dieser Handwerker ist eine Maschine. «Man stellt den Roboter auf, richtet den Laser aus, drückt den Knopf und dann streicht er die Halle komplett sauber aus», erklärt Rolf Schlagenhauf. Der 54-jährige Inhaber des gleichnamigen Gesamtdienstleisters für Gebäudehüllen und Innenräume beobachtet das Szenario mit einer Mischung aus Faszination und kaufmännischem Kalkül. Der Roboter, entwickelt vom Startup ConBotics, könnte Bestandteil der neuen Strategie des Unternehmens mit Sitz am Zürichsee werden. Er ist ein Vorbote einer Zeitenwende in einem Gewerbe, das seit Jahrhunderten unverändert scheint. In einer Branche, die oft als träge gilt, wirkt das Team Schlagenhauf fast schon hyperaktiv. Drohnen inspizieren Fassaden, um historische Bauten substanzschonend zu reinigen. Warum tut man sich das an, wenn die Auftragsbücher ohnehin voll sind und der Traditionsbetrieb nach eigenen Angaben keinen Fachkräftemangel spürt? «Wir müssen uns heute mit diesen Technologien befassen, um attraktiv und marktfähig zu bleiben», sagt Schlagenhauf.

Antworten auf fragwürdige Methoden

Der Inhaber der Handwerksgruppe nervt sich, dass der Ruf der Baubranche in den letzten Jahren massiv gelitten hat und der Preisdruck zu immer fragwürdigeren Methoden führt. Anstatt über die Zustände zu klagen, setzt er aber auf eine klare Gegenstrategie: Qualität und ökologische Verantwortung als Unterscheidungsmerkmal. Wer technologisch und moralisch vorangeht, mache sich heute unangreifbar. Für den Patron ist der Vorsprung durch Innovation deshalb auch eine Frage der Haltung. Schlagenhauf beweist, dass man auch in einem harten Umfeld anständig und transparent wirtschaften kann.

Ein weiteres Element dieser Strategie ist eine andere Anlage, die draussen an der Fassade zum Einsatz kommt. Eric Schwärzler, Leiter Innovation bei

Rolf Schlagenhauf ist Inhaber von Team Schlagenhauf, einem Gesamtdienstleister für Gebäudehüllen und Innenräume.

Dass Innovationen Geld kosten, ist klar. Doch die Rechnung scheint aufzugehen.

Schlagenhauf, nennt es «einen echten Gamechanger». Der Prozess beginnt dabei ganz unspektakulär am Boden: Statt aufwendig ein Gerüst hochzuziehen, nutzen die Spezialisten zur Reinigung der Wände eine Teleskoplanze. Mit ihr erreichen sie selbst hohe Fassadenabschnitte mühelos und sicher vom Boden aus. Das spart nicht nur Zeit und Gerüstkosten, sondern schont auch die Umgebung.

Entscheidend ist aber, was mit dem Wasser geschieht, das von den gereinigten Aussenwänden herabfliesst. Früher lief die graue Brühe oft ungefiltert in den Boden – ein ökologisches Problem; belastet mit Mikroplastik, Algenvernichtern und Mikroschichten der Ge -

surren

um

bäudehülle. Heute rollt Schwärzlers Team mit einem mobilen Reinigungsund Aufbereitungssystem an. Die Technik funktioniert wie eine Dialyse für Gebäude. Das ablaufende Wasser wird aufgefangen, direkt in das autarke Reinigungs- und Aufbereitungssystem geführt, gespalten und danach wiederverwertet.

Das Prinzip ist so simpel wie revolutionär: Das Wasser wird im Kreislauf geführt. Was am Ende übrig bleibt, ist ein kleiner Restschlamm, der fachgerecht entsorgt wird. Kein Tropfen Chemie landet im Grundwasser. Für Schwärzler ist das mehr als nur Technik. Es sei der Anspruch, Verantwortung zu übernehmen.

«Wir wollen Vorreiter sein und zeigen:

Hey, wir können das!», sagt der 43-Jährige, der seine Karriere vor 20 Jahren selbst als Maler im Betrieb begann.

Der Druck von Kundenseite wächst

Dass diese Innovationen Geld kosten, ist klar. Ein solch komplexes System ist teurer als der Gartenschlauch und die simple Entsorgung in die Kanalisation. Doch die Rechnung scheint aufzugehen, weil der Druck von aussen stetig steigt: Immobilienbesitzer und die öffentliche Hand fordern zunehmend ökologische Nachweise. Wer da noch Dreck und Giftstoffe versickern lässt oder mit der Chemiekeule um sich schlägt, hat schlechte Karten.

Der ESG-Härtetest fürs Team Schlagenhauf

Transparenz ist die härteste Währung im Nachhaltigkeitsdiskurs. Beim Team Schlagenhauf kam der Anstoss von aussen: Eine Lieferantenanfrage forderte den Handwerksbetrieb auf, seine Nachhaltigkeit mit einem ESG-Bericht zu belegen. Begleitet wurde der Prozess von Matthias Häni, Nachhaltigkeitsberater bei BHP – Brugger + Partner. Häni prüft Bilanzen nüchtern und wird selten euphorisch. Doch in Meilen stutzte er. Was er vorfand, waren nicht nur korrekte Daten, sondern eine intrinsisch motivierte Haltung. Sein Urteil: «Das ist einer der höchsten Werte, den ich bisher gesehen habe.»

Bericht dient als Kompass: Er deckte etwa auf, dass die schwere Fahrzeugflotte die CO2-Bilanz, trotz E-Bikes und E-Autos noch drückt; ein Punkt, den man nun unter anderem angehen will. Und auch die Teppichetage selber sorgte für Minuswerte: Dass Rolf Schlagenhauf das Unternehmen als CEO führt und gleichzeitig das Amt des Verwaltungsratspräsidenten innehat, gab im Rating Punktabzug. «Governance-technisch nicht ideal», lacht der Patron charmant, aber diese kleine «Strafe» nimmt er für die kurzen Entscheidungswege gerne in Kauf. Das gute Rating ist für ihn ohnehin «kein Ablasshandel», sondern der Beweis, dass ökonomischer Erfolg und ökologische Verantwortung zusammengehören. #TopTenGamechanger

Für Rolf Schlagenhauf ist das Resultat Bestätigung, aber kein Ruhekissen. Der

um Fassaden kostengünstig zu reinigen.

Eric Schwärzler, der neben seiner Rolle als Innovationschef auch einen CAS-Abschluss in Recht der Denkmalpflege und des Heimatschutzes hat, sieht in der Zukunftstechnik paradoxerweise eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Wenn der Roboter die monotonen Kilometer in der Tiefgarage streicht, haben die Fachkräfte in Zukunft Zeit für das Filigrane.

Auch in der Luft versucht der Meilemer Betrieb, neue Wege zu gehen. Anstatt prächtige Fassaden wochenlang hinter grauen Gerüstplanen zu verstecken, surren heute Drohnen um die Häuser. Dabei geht es nicht nur um Sauberkeit: Die Fluggeräte erstellen Wärmebilder zur energetischen Analyse, messen Gebäude digital aus oder reinigen verwinkelte Stellen in grosser Höhe, die selbst für die Lanze unerreichbar sind.

Zwar brauche es heute viele Bewilligungen, um solche Fluggeräte steigen zu lassen, gibt Rolf Schlagenhauf zu bedenken, aber richtig eingesetzt, könnte der Gewinn an Geschwindigkeit und Sicherheit enorm sein. Kein Gerüst bedeutet: freie Sicht, keine Einbruchgefahr und kein zertretener Vorgarten. Kraft tanken im Schlafzimmer

Der technologische Marsch in die Zukunft hat eine zweite Front: die Gesundheit. Während draussen die Roboter arbeiten, kämpft Roger Anker, der für Schlagenhauf in Zug tätig ist, für ein besseres Raumklima. Der dortige Geschäftsführer ist ausgebildeter Baubiologe. Seine Feinde sind unsichtbar: Elektrosmog, Schimmelsporen, giftige Ausdünstungen. «Viele Leute sind sich gar nicht bewusst, was heute alles möglich ist», erklärt der Fachmann. Er spricht von Abschirmfarben gegen Strahlung und von Materialien, welche die Luft reinigen. Für Patron Schlagenhauf ist das keine Esoterik, sondern Lebensqualität. Er vergleicht es gerne mit Wellness, nur nachhaltiger: «Ich ziehe gesunde Lebensräume Wellnessmassagen vor.» Vor 15 Jahren begann Schlagenhauf, Giftstoffe aus den Innenraumfarben zu verbannen. Damals hiess es bei den Lieferanten: Das geht nicht. Heute ist es Standard. «Wir konnten den Markt wirklich bewegen», sagt der Unternehmer nicht ohne Stolz. Fast 99 Prozent der eingesetzten Farben sind heute biologisch unbedenklich. «Ein Prozent Konservierungsmittel hat es immer noch», präzisiert Baubiologe Anker trocken, aber der Fortschritt sei gewaltig.

All diese Massnahmen münden in einem Begriff, den Rolf Schlagenhauf gerne verwendet: «Enkelgerecht!» Er will seine Unternehmung so aufstellen, dass sie auch in der nächsten Generation noch Bestand hat.

«Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Kunden», antwortet der Inhaber auf die Frage, was ihn am glücklichsten mache. Es klingt wie eine Floskel, aber wenn man sieht, wie der Roboter in der Garage seine Bahnen zieht, glaubt man ihm. Die Baustelle 4.0 ist keine Dystopie, also kein düsteres Zukunftsszenario, in dem der Mensch überflüssig wird. Nein, den zukünftigen Arbeitsplatz für Maler, Gipserinnen, Bodenleger, Maurerinnen, Fassaden- und Isolationsspezialisten sieht Schlagenhauf einfach nur sauber, effizient und weiterhin sehr menschlich.

Drohnen
Häuser,

#TopTenGamechanger

«Die chemiefreie Technologie bietet bis zu 94 Prozent Schutz vor Kalk»

Salz galt lange als unverzichtbar für den Kalkschutz. Eine neue Technologie stellt dies nun infrage. Sie schützt vor Kalk ohne Chemie, senkt Kosten und schont die Umwelt. Der CEO und der Verkaufsleiter von Hydro Service Schweiz erklären, weshalb ein Umdenken angezeigt ist. Interview: Anja Kutter

Herr Bussmann, als CEO von Hydro Service Schweiz vertreten Sie die Ansicht, dass wir Kalkschutz neu denken müssen. Weshalb?

FEDERICO BUSSMANN: Der bisherige Ansatz beruht auf einer falschen Prämisse. Man ging lange davon aus, dass Kalk nur dann beherrschbar ist, wenn man ihn dem Wasser entzieht. Aquazino zeigt, dass das nicht nötig ist. Wir verändern nicht die Zusammensetzung des Wassers, sondern den Kalk selbst.

Was geschieht dabei konkret?

FEDERICO BUSSMANN: Unsere EAF-Technologie wird am Leitungsrohr montiert und erzeugt hochfrequente elektrische Impulse, welche die Kristallisationsform des im Wasser gelösten Kalks beeinflussen. Die Kristalle verlieren ihre Haftfähigkeit, bleiben aber mineralisch vollständig erhalten. Dass Kalzium und Magnesium im Wasser bleiben, ist entscheidend für Qualität, Geschmack und Trinkwassersicherheit. Warum ist dieser Ansatz aus Ihrer Sicht dem klassischen Enthärten überlegen?

FEDERICO BUSSMANN: Weil er Nebenwirkungen vermeidet. Salzanlagen greifen chemisch ein und verursachen erhebliche Mengen salzhaltigen Abwassers. In einem Einfamilienhaus können das bis zu 7000 Liter pro Jahr sein. In grösseren Liegenschaften sprechen wir von Millionen Litern. Aquazino benötigt weder Salz noch Regeneration – und verschwendet kein Trinkwasser.

Herr Distel, Sie sind als Verkaufsleiter von Hydro Service Schweiz nahe bei Kundinnen und Kunden und kennen beide Systeme aus der Praxis. Wie zeigt sich der Unterschied im Alltag?

ROLAND DISTEL: Sehr klar. Kalk lagert sich deutlich weniger an, Armaturen und Duschflächen bleiben länger sauber, der Reinigungsaufwand sinkt spürbar. Viele Kundinnen und Kunden berichten zudem, dass sie weniger Wasch- und Reinigungsmittel benötigen. Das sind Effekte, die man nicht messen muss. Man sieht sie.

Sie haben selbst viele Jahre Salzanlagen verkauft. Weshalb der persönliche Wechsel?

ROLAND DISTEL: Weil ich überzeugt bin. Ich habe Aquazino bei mir zu Hause installiert, in einer Region mit sehr hartem Wasser. Der Effekt war unmittelbar sichtbar. Weniger Ablagerungen, kaum verkrustete Oberflächen und ein Wasser, das wieder natürlich schmeckt. Danach war für mich klar: Das ist keine theoretische Lösung, sondern eine funktionierende Technologie.

Herr Bussmann, dieser Wechsel findet nicht nur bei der Kundschaft statt.

FEDERICO BUSSMANN: Richtig. Viele unserer Mitarbeitenden entscheiden sich früher oder später auch privat für Aquazino. Das ist für mich ein starkes Signal. Wer die Technologie versteht und täglich damit arbeitet, trifft diese Entscheidung sehr bewusst. Diese interne Glaubwürdigkeit ist kein Marketingargument, sie ist ein Vertrauensbeweis.

Physikalische Systeme hatten lange mit Skepsis zu kämpfen. Wie begegnen Sie dieser?

FEDERICO BUSSMANN: Mit Wissenschaft. Der Markt wurde durch nicht belegte Magnetlösungen beschädigt, das hat Vertrauen gekostet. Deshalb haben wir eine unabhängige Unter-

suchung veranlasst. Ende letztes Jahr testete die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW unsere Technologie unter Extrembedingungen.

Zu welchem Ergebnis kam die Studie?

FEDERICO BUSSMANN: Sie weist eine Schutzwirkung von bis zu 94 Pro-

Wissenschaft bestätigt Schutzwirkung der EAF-Technologie

Eine wissenschaftliche Untersuchung der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW hat Ende letztes Jahr gezeigt: Aquazino schützt bis zu 94 Prozent vor Kalkablagerungen. Die Technologie generiert ein Feld aus hochfrequenten elektrischen Impulsen, welche die Form der Kalkkristalle verändern. So bleibt der Kalk zwar im Wasser gelöst, haftet aber nicht mehr an. Allfälliger Restkalk kann ganz einfach mit einem feuchten Lappen weggewischt werden. Die beiden Elektronenmikroskopaufnahmen zeigen den Unterschied: Ohne Behandlung dominieren dicht gepackte, unregelmässige Strukturen aus kubischen und stacheligen, sternförmigen Kristallen. Mit Aquazino hingegen erscheinen die Kristalle rundlich bis mandelförmig-länglich und gleichmässig verteilt. Dadurch bleibt der Kalk nicht mehr haften.

hydro-service.ch

Fünf Vorteile im Überblick

• Wartungsfrei: Keine Folgekosten (beispielsweise Service, Salz, Filter).

• Massive Einsparungen: Viermal günstiger als eine Salzanlage, in zehn Jahren Einsparungen von über 10 000 Franken im Vollkostenvergleich.

• Umweltfreundlich: Kein Wasserverschleiss, keine Chemie.

• Natürlich: Alle wertvollen Mineralien bleiben im Trinkwasser erhalten.

• Kostenloser Test: Alle Interessierten können Aquazino 30 Tage lang unverbindlich testen.

zent gegen Kalkablagerungen nach. Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen klar veränderte Kristallstrukturen, die deutlich weniger haften. Das Ergebnis ist reproduzier- und erklärbar. Für uns ist diese Studie ein Meilenstein. Herr Distel, welche Bedeutung hat diese wissenschaftliche Bestätigung im Gespräch mit Ihrer Kundschaft?

ROLAND DISTEL: Eine sehr grosse Bedeutung. Gerade technisch oder akademisch geprägte Kundinnen und Kunden wollen verstehen, warum etwas funktioniert. Die Studie liefert genau diese Erklärung. In Kombination mit unserem 30-Tage-Test entsteht Vertrauen durch Erfahrung, nicht durch Versprechen.

Wie ist Aquazino wirtschaftlich einzuordnen?

FEDERICO BUSSMANN: Im Vollkostenvergleich ist Aquazino rund viermal günstiger als eine klassische Salzanlage. Es ist eine einfache Rechnung: Die Kosten für Salz, Wartung und Regeneration entfallen. Gleichzeitig verlängert sich die Lebensdauer von Boilern und Leitungen.

Ist die Technologie auch für Mietwohnungen geeignet?

ROLAND DISTEL: In den meisten Fällen ja. Oft genügt eine Installation beim Boiler oder unter dem Spülbecken. Wir prüfen jede Situation individuell. Entscheidend ist die fachgerechte Auslegung, dann funktioniert das System auch im kleineren Rahmen zuverlässig.

Warum dominieren Salzanlagen dennoch weiterhin den Markt?

FEDERICO BUSSMANN: Weil sie historisch gewachsen sind und ein etabliertes Geschäftsmodell darstellen. Zudem unterliegen sie einer Zertifizierungspflicht. Unsere Systeme benötigen diese nicht, weil sie nicht ins Leitungsnetz eingreifen. Das wird oft missverstanden, ist aber in Tat und Wahrheit ein Vorteil für die Trinkwassersicherheit.

Mit Aquazino behandelt.
Kristalle ohne Behandlung.
Geschäftsführer Federico Bussmann (rechts) und Verkaufsleiter Roland Distel von Hydro Service Schweiz mit Sitz in Wohlen (AG).

#InnovationGamechanger

Energiesparen beginnt an der intelligenten Schiebetür

Dormakaba hat eine Technologie entwickelt, welche die Energieeffizienz automatischer Türen um bis zu 50 Prozent verbessert. Die Innovation wird zurzeit unter arktischen Bedingungen in Norwegen erprobt – und soll einen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten. Von David Schnapp

Das Phänomen ist bekannt, auch wenn man seine übergeordnete Bedeutung möglicherweise unterschätzt. Wer sich im Eingangsbereich von öffentlichen Gebäuden, Büros oder Restaurants aufhält, wird jedes Mal einem kalten Windhauch ausgesetzt, wenn sich die automatische Eingangstüre öffnet und nach einer Weile wieder schliesst. Auch wenn der Öffnungs- und Schliessvorgang nur einige Sekunden dauert, hat dies erhebliche Auswirkungen auf den Energieverbrauch eines Hauses.

In einer Zeit, in welcher der Verbrauch und die Kosten für Energie nicht nur in der Bau- und Immobilienbranche ein zentrales Thema sind, präsentiert der Schweizer Zugangsspezialist Dormakaba eine Innovation, die Effizienz und Komfort auf ein neues Niveau hebt: Das intelligente Türsystem MotionIQ ist nun erstmals auch für Schiebetüren erhältlich. «Als Marktführer in der Schweiz bietet Dormakaba Gesamtlösungen aus einer Hand – von der Zutrittskontrolle bis zur automatisierten Türtechnik. Mit MotionIQ schaffen wir nicht nur Komfort an kalten Winter- und in heissen Sommermonaten, sondern leisten auch einen Beitrag zur CO2-Reduktion. Gerade für Behörden und Unternehmen ist das heute ein zentrales Thema», sagt Till Reuter, CEO von Dormakaba, der das Unternehmen seit 2024 führt.

Revolutionäre Technologie

Die aus hochwertigen und wärmedämmenden Materialien hergestellten Türen sind mit einer revolutionären Steuerungstechnologie ausgestattet, die aktiv zur Energieeffizienz beiträgt. MotionIQ minimiert unnötige Öffnungszeiten von Dreh- und Schiebetüren, wodurch Energieverluste durch Heizung oder Kühlung erheblich reduziert werden. Daraus resultieren bis zu 50 Prozent Energieeinsparung im Vergleich zu konventionellen Systemen, niedrigere Betriebskosten sowie CO2-Emissionen, eine verlängerte Lebensdauer der Türen und ein sichererer Betriebsablauf. MotionIQ, das bisher nur für Drehflügeltüren angeboten wurde, steht jetzt auch für automatische Schiebetüren zur Verfügung und wird vom 20. bis 23. Januar auf der Swissbau 2026 in Basel zusammen mit der automatischen Energiespar-Schiebetür ST PRO Green mit feingerahmten, thermisch getrennten Profilen erstmals gezeigt. Das Herzstück dieser Schiebetüren ist eine Kombination aus einem fortschrittlichen Radarsensor und einem intelligenten Controller, dem sogenannten MotionIQ. Der Sensor erfasst nicht nur die Präsenz, sondern auch Distanz, Geschwindigkeit und Annäherungswinkel von bis zu zwei Personen gleichzeitig. Der Controller analysiert diese Daten in Echtzeit, berechnet den optimalen Öffnungszeitpunkt und die Haltezeit der Tür. So öffnet sie sich genau dann, wenn es nötig ist, und schliesst so schnell wie möglich wieder. Herkömmliche Systeme halten Türen oft unnötig lange offen, was zu erheblichen Wärmeverlusten führt. MotionIQ passt sich automatisch dem individuellen Bewegungsverhalten an, vermeidet Kollisionen und erleichtert den barrierefreien Zugang.

Die Vorteile von Schiebetüren mit MotionIQ werden an einer Beispielkalkulation für einen durchschnittlich grossen Drogeriemarkt in einer Stadt in der gemässigten Klimazone, wie in West- und Mitteleuropa, deutlich. In einem Szenario mit rund 800 Besuchern täglich an sechs Tagen in der Woche und einer Innenraumtemperatur von 19 Grad Celsius kann der Einsatz dieser Technologie durch Einsparungen bei Heiz- und Klimatisierungskosten die Investition oft bereits innerhalb von zwei Jahren amortisieren. Zudem ist MotionIQ nicht nur für Neuinstallationen geeignet, sondern auch als Upgrade für bestehende Anlagen. Für die vereinfachte Inbetriebnahme ist keine manuelle Abstimmung von Sensor und Antrieb mehr nötig – das System kalibriert sich selbst.

Strategische Bedeutung

Dormakaba-Chef Till Reuter unterstreicht die strategische Bedeutung dieser Technologie: «Mit innovativen Lösungen wie MotionIQ und dem Door Efficiency Calculator setzen wir neue

Standards für Energieeffizienz in unserer Branche. Diese Lösungen minimieren Energieverluste und fördern effizientes Gebäudemanagement. So wird ein energie effizienter Zugang Teil einer nachhaltigen Architektur.»

Um die Leistungsfähigkeit und Effizienz von Schiebetüren mit MotionIQ unter besonders herausfordernden Bedingungen unter Beweis zu stellen, wurde kürzlich ein Pilotprojekt im arktischen Teil Norwegens gestartet: Im Sorrisniva Resort in Alta, mit dem nördlichsten Eishotels der Welt, wurde die erste auto matische Schiebetür mit dieser Technologie direkt in die Struktur des Eishotels integriert. Mit bis zu 15 000 Gästen aus fast 50 Ländern jährlich bietet das

Dormakaba

Dormakaba ist ein weltweit führender Anbieter auf dem Markt für Zutrittslösungen. Diese fügen sich einfach in Gebäudeökosysteme ein, um sichere und nachhaltige Orte zu schaffen, an denen sich Menschen nahtlos bewegen können. Das kotierte Unternehmen mit Hauptsitz in Rümlang bei Zürich definiert Zugang neu, indem es Branchenstandards für intelligente Systeme und nachhaltige Lösungen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden setzt. Mehr als 15 000 Mitarbeitende weltweit stellen ihr Fachwissen zusammen mit Vertriebspartnern einem wachsenden Kundenstamm in mehr als 130 Ländern zur Verfügung.

ganz aus Eis gebaute Hotel eine aussergewöhnliche Testumgebung. «Wir gehen ähnlich vor wie Automobilhersteller, die Wintertests unter extremen klimatischen Bedingungen im Norden Norwegens durchführen», erklärt Till Reuter bei der Präsentation des Systems. Über die Installation im Eishotel hinaus erstreckt sich der Härtetest auf weitere Schlüsselbereiche des Resorts, vom Restaurant der Arctic Wilderness Lodge durch das Gebäude bis zur Tür, die zum Eingang des ikonischen Eishotels führt.

Dank Härtetest zum Tatbeweis

Sorrisniva legt – ebenso wie Dormakaba –grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Auch deshalb war es für das Schweizer Unternehmen naheliegend, diese effiziente Technologie in Norwegen erstmals unter arktischen Bedingungen zu testen. Die Bauwirtschaft spielt eine zentrale Rolle im globalen Klimaschutz. Weltweit verursacht der Sektor rund 40 Prozent der CO2Emissionen – durch Herstellung von Baustoffen, durch Bauarbeiten und vor allem durch den Betrieb von Gebäuden. Heizung, Kühlung und Belüftung machen dabei einen Grossteil des Energieverbrauchs aus. Das intelligente System MotionIQ greift genau hier ein: Es optimiert den Energiehaushalt bestehender und neuer Gebäude, ohne dass bei Sicherheit oder Komfort Kompromisse gemacht werden müssen. Solche Innovationen sind essenziell, um die EU-Ziele für klimaneutrale Gebäude bis 2050 zu erreichen und den Ressourcenverbrauch zu senken. Dormakaba gehört weltweit zu den führenden Anbietern für Zugangs- und Sicherheitssysteme. In Norwegen unterstreicht das Unternehmen seine starke Marktposition durch langjährige Partnerschaften, etwa mit der Avinor Group, dem Betreiber aller staatlichen Flughäfen des Landes. Dormakaba liefert dort exklusiv Sensorschleusen für den Self-BoardingProzess und zur Prüfung der Bordkarten für den Zugang zum Sicherheitsbereich. Norwegen, mit seinem Fokus auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz, ist ein geradezu perfekter Pilotprojekt-Standort, um innovativen Zutrittstechnologien wie den Schiebetüren mit MotionIQ zum Durchbruch zu verhelfen.

Türinstallation im Sorrisniva Resort in Alta, dem nördlichsten Eishotel der Welt.
Till Reuter, CEO von Dormakaba, führt das Unternehmen mit Hauptsitz in Rümlang seit zwei Jahren.

#EducationGamechanger

«Der Kulturwandel in der Baubranche muss endlich greifen»

Die strategische Kommunikationsagentur Senarclens, Leu + Partner fokussiert auf Technologie, Bildung und Wissenschaft mit Schwerpunkt in Bauen und Immobilien. Sie setzt sich seit mehr als 40 Jahren mit Zukunftsthemen auseinander. Von Denise Weisflog

Der Sitz von Senarclens, Leu + Partner (SLP) befindet sich in einem Altbau oberhalb des Zürcher Römerhofs. In den Räumlichkeiten einer ehemaligen Arztpraxis führen Andrea Leu, Managing Partner und Verwaltungsratspräsidentin, sowie ihre Geschäftsleitungskolleginnen Lea Hasler und Sarah Beyeler ein zwölfköpfiges Frauenteam. Zu den Kompetenzfeldern der strategische Kommunikationsagentur gehören Beratung, Medien, Projektmanagement, Fundraising, Networking sowie Relation Management. Ausserdem fungiert SLP als Geschäftsstelle von Branchenvereinen und -verbänden wie «Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland», «IngCH MINT for our future» oder «Group of Fifteen» sowie als Organisation beziehungsweise Medienstelle von Fachveranstaltungen wie dem «Digital Real Estate Summit». SLP führt innerhalb seiner Mandate eine Reihe von Events zur Nachwuchsförderung und gegen den Fachkräftemangel durch. «Für uns geht es immer darum, in die Zukunft zu blicken und Menschen zusammenzubringen, damit sie gemeinsam erfolgreich sein können», sagt Hasler. Innerhalb der Bau- und Immobilienbranche bildet die auf Technologie, Bildung und Wissenschaft spezialisierte Agentur eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Akteuren und Interessengruppen. «Die Branche ist über den ganzen Lebenszyklus hinweg sehr fragmentiert – die grösste Herausforderung besteht darin, die Teile so zusammenzubringen, dass sie gut zusammenarbeiten. Dies fängt im Nachwuchsbereich an und geht hin bis zum Rückbau», erklärt Leu. Die Agentur habe zahlreiche Projekte initiiert und mitentwickelt, um Brücken zu bauen und die Kooperation sicherzustellen. SLP denke bei allen Mandaten sehr stark in Netzwerken. «Unser Vorteil ist, dass wir nicht aus der Bauwirtschaft kommen, jedoch seit Jahrzehnten eng mit dieser Branche zusammenarbeiten und daher über ein grosses Know-how verfügen», sagt Hasler. Zudem verfolge SLP keine Partikularinteressen, sondern würde Themen übergeordnet betrachten.

In der Bau- und Immobilienwirtschaft herrsche ein starkes Silodenken, das sich in den Prozessen manifestiere: «Überspitzt formuliert, hat jeder sein Gärtchen, das irgendwo anfängt und endet. Dazwischen gibt es Schnittstellen, die nicht oder nicht gut bewirtschaftet werden, wodurch der Lebenszyklus der Branche behindert wird», sagt Leu. «Wenn man sich nicht darauf einlässt, alles zusam-

menzuführen, kommt man nicht vorwärts», betont die SLP-Chefin. Dieser Prozess sei schwierig, weil er mit rechtlichen Fragen verbunden sei und Einfluss auf Geschäftsmodelle und Einkünfte haben könne. Damit alle am selben Strick zögen und das Ökosystem der Branche besser funktionieren würde, müssten sämtliche Akteure immer wieder an einen Tisch gebracht werden. «Am Ende des Tages geht es um Zusammenarbeit und wie man diese anders gestalten könnte», sagt Beyeler.

Alte Muster durchbrechen

Als Beispiel nennen die Kommunikationsexpertinnen das Thema Digitalisierung. Diese sei in der Bauwirtschaft sehr wichtig, da man von der Planung eines Gebäudes über dessen Bau und Betrieb bis hin zum Rückbau durchgehende Daten benötige, die idealerweise in jeder Prozessphase für alle Beteiligten verfügbar sein müssten. Dies sei heute praktisch unmöglich. «Es fängt schon damit an, dass nicht immer die gleiche Terminologie verwendet wird. Es kann sein, dass der eine X sagt, der andere Y – und beide meinen das Gleiche», erklärt Leu. Dies könne man nur ändern, wenn man die Leute immer wieder miteinander vernetze, bei den Grundlagen anfange und sich auf eine einheitliche Sprache einige. Nur so lasse sich der Datenlebenszyklus sicherstellen. Aus diesem Grund sei 2016 der Verband «Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland» ins Leben gerufen worden. Ursprünglich sei geplant gewesen, diesen nach zehn Jahren wieder aufzulösen, weil man davon ausging, dass sich die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft bis dann auf Kurs befinde. Davon sei man aber doch noch ein ziemliches Stück entfernt. Die Bauwirtschaft unternehme zwar viel in Sachen digitale Transformation, doch die Schnittstellen seien eine Herausforderung. Zirkuläres Bauen sei jedoch nicht möglich, wenn man keine Übersicht über seine Daten habe und nicht wisse, was wo verbaut sei. Noch grösseren Nachholbedarf gebe es beim Bestand. Hinzu komme, dass die Schweiz auch wegen EU-Verordnungen unter Zugzwang stehe. «Der wirtschaftliche Druck in der Bau- und Immobilienbranche ist hoch, und die Digitalisierung bringt in den wenigsten Fällen einen sofortigen Return on Investment. Dabei bräuchte es Investitionen, um mittelfristig Erfolg zu haben», sagt Beyeler.

«Am Ende des Tages geht es um Zusammenarbeit, und wie man diese anders gestalten könnte.»

«Was viele unterschätzen, ist, dass es nicht nur IT-Projekte braucht, sondern einen Kulturwandel», ergänzt Leu. Man könne sich nicht einfach eine Software kaufen und dann denken, man sei digital unterwegs. Stattdessen müsse man sich überlegen, wie man in Zukunft arbeiten wolle und was man dazu benötige. Dies habe Auswirkungen auf das gesamte Geschäft: Es gelte, Abläufe zu analysieren, Leute zu befähigen, mit den neuen Prozessen umzugehen und sie weiterzubilden. Wenn man eine Durchgängigkeit der Daten anstrebe, müssten deshalb alle Personen einer Organisation von Anfang an miteinbezogen werden. In der Realität geschehe dies selten. Zwar versuchten die verschiedenen Einzelverbände, ihre Mitglieder für die Digitalisierung zu sensibilisieren, doch diese Bestrebungen hätten weit mehr Erfolg, wenn es eine übergeordnete Gesamtinitiative für die ganze Branche gebe, an der sich alle orientieren könnten.

Junge für MINT begeistern

Eine noch grössere Herausforderung für die Bau- und Immobilienwirtschaft ist laut dem SLP-Führungstrio der Fachkräftemangel. SLP betreibt seit mehr als 40 Jahren Nachwuchsförderung in technischen Berufen. So hat die Agentur unter anderem die operative Führung des Verbands «IngCH» inne, der Jugendliche für Berufe im MINT-Bereich begeistern möchte. In dieser Funktion organisiert SLP beispielsweise «Meitli-TechnikTage», Technik- und Informatikwochen an Gymnasien oder ist Teil des «Engineers’ Day». Hasler führt dazu aus: «Oft arbeiten wir verbandsübergreifend zusammen und denken pragmatisch: Es geht darum, eine Zielgruppe abzuholen,

weshalb gemeinsames Organisieren mehr Sinn macht, als wenn jeder Verband seine eigene Veranstaltung durchführt.» Es sei wichtig, verschiedene Branchen zusammenzubringen, da Schnittstellen nicht nur innerhalb der Bauwirtschaft, sondern auch gegen aussen bestünden. Alles hänge zusammen und verwebe sich, und dieses Ökosystem werde immer grösser.

Die Offenheit gegenüber der Digitalisierung beginne bei den Kindern, weshalb SLP auch die Geschäftsstelle für «SVIA», dem Verband der Lehrpersonen im Informatikbereich, sei. «Der SVIA organisiert unter anderem jährlich den Informatikbiber, einen Onlinewettbewerb, an dem jeweils schweizweit rund 50 000 Kinder und Jugendliche teilnehmen», sagt Beyeler. Es gehe darum, Brücken über die ganze Spannbreite von Gesellschaft, Unternehmen und öffentliche Hand zu schlagen. Wenn man eine ganze Woche mit Jugendlichen verbringe, mit ihnen Hochschulen und Unternehmen anschaue und sie mit möglichst vielen Berufsleuten in Kontakt bringe, habe man die Möglichkeit, Berufsbilder fassbarer zu machen und falsche Vorstellungen zu korrigieren.

Gemeinsam mit den Organisationen «Plavenir» und «Swissmem» veranstalte «IngCH» zudem das Nachwuchsförderungsprojekt «Achtung, Technik, Los!» an Sekundarschulen, bei dem alle – Jungs und Mädchen, interessiert oder nicht –über verschiedene technische Berufe informiert würden. Daneben spreche man auch gezielt Mädchen an. Etwa, indem eine Ingenieurin innerhalb eines Workshops über ihre Tätigkeit informiere. Generell sei das Feedback der Jugendlichen positiv. «Es kommt immer wieder vor, dass wir mit einer Gruppe am Paul Scherrer Institut waren und sich am Ende der

Woche mehrere Teilnehmende dazu entschliessen, Teilchenphysikerin oder Teilchenphysiker zu werden. Oder dass uns jemand erzählt, er habe sich nicht zwischen einem Germanistik- und einem Informatikstudium entscheiden können, und nun Informatik wähle», sagt Hasler. Doch auch jene, die einen anderen Weg einschlagen würden, hätten ein klareres, positiveres Bild der technischen Berufe sowie der Bau- und Planungsbranche.

Frauen in der Branche halten

Es gehe aber nicht nur darum, den Nachwuchs zu fördern, sondern vor allem die Frauen langfristig in der Branche zu halten. Laut einer Umfrage von «Netzwerk Frau» und SIA zur Ungleichbehandlung und Diskriminierung im Arbeitsalltag in der Baubranche fühlen sich 55 Prozent der Befragten in ihrer Rolle als Frau in der Minderheit diskriminiert; 43 Prozent haben Lohnungleichheit erfahren; 39 Prozent erlebten anzügliches Pfeifen oder Rufen; und 18 Prozent wurden Opfer von sexueller Belästigung. Diese Missstände betreffen laut Hasler nicht nur die Bauwirtschaft, es sei jedoch schwieriger, damit umzugehen, wenn man die einzige Frau im Team sei. Auch die schlechte Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf führe dazu, dass junge Frauen und Männer die Branche wieder verliessen. Natürlich müsse eine Baustelle fünf Tage die Woche laufen, aber vielleicht werde man durch Druck flexibler. Beyeler ergänzt, dass die Babyboomer bald in Pension gehen würden und dann der Sektor unter starkem Zugzwang stehe. Und Leu erklärt: «Der Kulturwandel in der Baubranche muss endlich greifen. Das haben andere Wirtschaftszweige schon geschafft.»

Die Geschäftsleitung von Senarclens, Leu + Partner (von links nach rechts): Sarah Beyeler, Andrea Leu und Lea Hasler.

#InnovationGamechanger

Digitalisierung einer Branche: Bausoftware für 50 000 Unternehmen in der Schweiz

Die hiesige Bauindustrie hat Nachholbedarf punkto Digitalisierung. Abacus Business Solutions will mit Schweizer Standards, künstlicher Intelligenz und tiefer Branchenkenntnis einen Wirtschaftszweig in die Zukunft führen. Von Sophie Zellweger

Montagmorgen auf einer Schweizer Baustelle. Der Polier notiert händisch die Maschinenstunden, ein Mitarbeiter trägt Materiallieferungen in eine Liste ein, während der Bauleiter im Büro ExcelTabellen abgleicht. Bis alle Daten in der Zentrale ankommen und verarbeitet sind, vergehen Stunden, manchmal Tage. Was wie ein Relikt aus den 1990er Jahren klingt, ist in der hiesigen Baubranche im Jahr 2025 noch immer Realität.

«Tatsächlich wird bei vielen Baubetrieben die Abrechnung aufgrund manuell ausgefüllter Rapporte erledigt», berichtet Silas Schneider, CEO von Abacus Business Solutions. Während Produktionsbetriebe oder Dienstleister längst durchdigitalisiert sind und auf Knopfdruck ihre Kennzahlen abrufen können, arbeitet das Baugewerbe vielerorts noch hemdsärmelig.

Das ist bemerkenswert für eine Branche, die rund 50 000 Unternehmen umfasst und Milliarden erwirtschaftet. «Teilweise bildet das Bankkonto das einzige Controlling-Instrument», sagt Raffaelle Grillo, COO des Mutterhauses Abacus Research mit Sitz in St. Gallen. Eine riskante Strategie in einem Marktumfeld, das immer anspruchsvoller wird.

Methodische Eroberung einer Branche

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne agiert

Abacus Business Solutions. Das Tochterunternehmen mit Sitz in Thalwil hat sich darauf spezialisiert, die spezifischen Bedürfnisse der Schweizer Baubranche in einer ERP-Plattform (Enterprise Resource Planning) abzubilden und führt Kunden durch diese digitale Transformation.

Doch die Geschichte von Abacus in der Baubranche beginnt schon früher: 2000 mit der Integration der Finanzbuchhaltung in Zusammenarbeit mit Branchenpartnern. Schritt für Schritt wurden die technischen Hürden abgetragen. 2007 folgten Programme für das Bauhauptgewerbe und 2016 mit der Gründung von Abacus Business Solutions der klare Fokus auf das Baunebengewerbe wie Gebäudetechnik, Sanitär, Holz- und Metallbau. 2020 kam die hochspezialisierte Kalkulation für Elektriker hinzu.

Mit der Integration von Architekten, Ingenieuren und Planern (AIP) im Jahr 2024 sowie der vollständigen Abdeckung des Bauhauptgewerbes (Hoch-, Tief- und Strassenbau) im Jahr 2025 hat Abacus Business Solutions das Puzzle nun komplettiert. Heute vertrauen rund 750 Unternehmen auf diese Alles-auseiner-Hand-Lösung mit «AbaBau» als Kernapplikation – von kleinen Firmen mit fünf Mitarbeitenden bis hin zu Grossbetrieben mit mehr als 500 Angestellten. In einer globalisierten Softwarewelt ist der Ansatz von Abacus fast schon provokativ lokal. «Wir fokussieren uns nicht auf Deutschland, nicht auf Österreich, nicht auf die USA – wir fokussieren uns auf den Heimmarkt», betont Grillo. Die Schweizer Baubranche ist durch komplexe Normen geprägt, die an den Landesgrenzen enden. Wer versucht, diese Anforderungen mit einer Software zu erfüllen, die gleichzeitig für den US-Markt taugen muss, verliert zwangsläufig an Tiefe. Doch die Swissness ist nicht nur in der Software abgebildet: «Wir sind in der Schweiz verankert», erklären die Verantwortlichen. Es ist ihnen wichtig, dass die

Rechenzentren in der Schweiz stehen, die Entwickler in St. Gallen und St. Fiden sitzen, und die Eigentümerstruktur Stabilität für die nächsten zehn Jahre garantiert. In Zeiten, in denen digitale Souveränität zum kritischen Erfolgsfaktor wird, bietet diese Bodenhaftung den Kunden eine Sicherheit, die kein globaler Tech-Konzern bieten kann.

Integration statt

Insellösungen

Ein Hauptgrund für die ineffiziente Zettelwirtschaft in vielen Betrieben sind Medienbrüche. Die Zeiterfassung erfolgt auf Papier, die Projektplanung in Excel und die Lohnbuchhaltung in einem Drittsystem. Abacus führt diese Silos zusammen und bildet den gesamten Prozess vom ersten Kostenvoranschlag über die operative Bauausführung bis zur komplexen Lohnabrechnung in der Software ab. Besonders deutlich wird der Mehrwert im Alltag: Durch die Integration von Kommunikationslösungen wie Microsoft Teams erkennt das System bei einem eingehenden Anruf sofort den Kunden und öffnet automatisch das entsprechende Projektdossier. Der Bauleiter sieht sofort, welche Maschinen gerade wo im Einsatz sind, da GPS-Tracker auf den Geräten ihre Daten direkt in die Nachkalkulation einspeisen. Solche Automatismen sparen

Abacus Business Solutions agiert im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, um die Bauwirtschaft zu digitalisieren.

nicht nur Zeit, sondern eliminieren Fehlerquellen, die im Bauwesen schnell teuer werden können.

Pascal Knüsel von der Baufirma Saredi in Luzern kennt die Vorteile der durchgängigen Lösung aus erster Hand. Das 140-Personen-Unternehmen nutzt die gesamte Palette: Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Lohnbuchhaltung, «AbaBau» und «AbaImmo». Besonders bei komplexen Arbeitsgemeinschaften (Arge) zeigt sich der Mehrwert. «Dank der durchgängigen Lösung arbeiten wir ohne Schnittstellen», betont der Leiter Finanzen und Administration des Traditionsunternehmens.

Generationswechsel als Katalysator

Die Integration zeigt sich auch im Detail: Bei Schwizer Haustechnik in Gossau (SG) verbindet die App «Echo» Microsoft Teams mit Abacus. Wenn ein Kunde anruft, erscheinen automatisch dessen Daten aus dem Abacus-System: Name, Adresse, E-Mail. Sonja Koreli, Kundenberaterin mit über 12 000 Telefonaten pro Jahr, kann so bereits mit der Erfassung des Serviceauftrags beginnen, während das Telefon noch klingelt. «Heute habe ich den Auftrag meistens schon erfasst, bevor die Person überhaupt sagen kann, wo sie wohnt», sagt sie. Was früher

mehrere Minuten und diverse Systemwechsel erforderte, läuft heute in Sekunden ab. Das 65-Personen-Unternehmen war Pilotkunde für die Lösung. Trotz der technologischen Sprünge bleibt die Digitalisierung primär ein Change-Management-Projekt. Abacus Business Solutions sieht sich hier in einer besonderen Rolle. Da viele der 80 Mitarbeitenden in den Büros am Zürichsee selbst aus der Baubranche kommen, sprechen sie die Sprache der Kunden. Diese «Bau-DNA» ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen. Oft ist es der Generationswechsel in den Betrieben, der den Stein ins Rollen bringt. Die junge Generation, die mit Apps und Smartphones aufgewachsen ist, akzeptiert keine analogen Prozesse mehr. «Sie will das Unternehmen datenbasiert führen und attraktive, moderne Arbeitsplätze bieten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken», sagt Silas Schneider. Für das angelaufene Jahr hat Abacus ein ehrgeiziges Ziel: Die Digitalisierung soll auch die Kleinstbetriebe erreichen. Bisher konzentrierte man sich auf KMU ab einer gewissen Grösse, doch bald soll eine vereinfachte Lösung für Betriebe bis zu zehn Mitarbeitende auf den Markt kommen. «Das Potenzial für uns in diesem Markt ist riesig», ist sich Schneider sicher.

Dabei bleibt man dem Qualitätsanspruch treu: «Wir wollen nicht billig sein, wir wollen die Besten sein», betont Raffaelle Grillo. Es geht darum, ein Modell zu schaffen, das auch für kleinere Betriebe erschwinglich ist, ohne bei der Funktionalität Kompromisse einzugehen. Mit dem Ausbau des Standorts Thalwil um weitere 700 Quadratmeter und der geplanten Aufstockung auf mehr als 100 Mitarbeitende bis spätestens 2027 rüstet sich Abacus Business Solutions für die nächste Phase. Das Ziel ist nichts Geringeres als die Marktführerschaft in der Schweizer Baubranche. Wenn die Vision aufgeht, sorgt Abacus dafür, dass der Polier am Montagmorgen nicht mehr zur Liste greifen muss, weil die Daten automatisch dorthin fliessen, wo sie gebraucht werden. So bleibt dem Bauleiter mehr Zeit für das Wesentliche – das Bauprojekt selbst.

Abacus Research

Das Mutterhaus wurde 1985 durch drei Absolventen der Universität St. Gallen (HSG) gegründet, die heute noch im Unternehmen tätig sind. Mittlerweile ist Abacus Research der grösste sowie erfolgreichste unabhängige Schweizer Anbieter von Businesssoftware für KMU. Nach wie vor ist das Ziel der Softwarefirma, für Kundinnen und Kunden relevante Lösungen zu entwickeln. Dies nicht zuletzt dank einer einzigartigen Unternehmenskultur, die den Menschen mit seinen individuellen Stärken in den Mittelpunkt stellt. Der Hauptsitz befindet sich in Wittenbach/ St. Gallen, Niederlassungen befinden sich in St. Gallen/ St. Fiden, Winterthur, Biel, Lugano und Genf. Die Abacus-Gruppe wird komplettiert durch Niederlassungen in Thalwil, München, Hamburg sowie Stuttgart und beschäftigt insgesamt rund 850 Mitarbeitende.

Treibende Kräfte: Silas Schneider (links), CEO von Abacus Business Solutions, und Raffaelle Grillo, COO von Abacus Research.

#InnovationGamechanger

Immobilienbewirtschaftung 2.0: So leicht wie Onlineshopping

Schluss mit isolierten Dateninseln und mühsamen Telefonaten in der Bewirtschaftung. Die Plattform my-rubics will Verwaltung, Service und Vermietung in einem einzigen, logischen System verbinden. Von Mark Baer

Viele Gebäude sind heute hochwertig geplant und professionell gebaut. Architektur, Materialien und Technik entsprechen höchsten Standards. Doch sobald Menschen darin wohnen oder arbeiten, zeigt sich eine andere Realität. Mieter schreiben E-Mails, Bewirtschafter telefonieren hinterher, Informationen liegen in unterschiedlichen Programmen, Listen und Postfächern. Was digital beginnt, endet nicht selten analog. Genau an diesem Punkt setzt eine neue Schweizer Plattform an. Sie will den Betrieb von Immobilien so einfach und nachvollziehbar machen, wie man es aus anderen Lebensbereichen längst kennt.

Drei Partner, ein gemeinsames Ziel

Ein Gebäude ist kein abgeschlossenes Produkt. Es wird täglich genutzt, verändert sich über die Zeit und benötigt über Jahrzehnte hinweg laufend Betreuung, Wartung und Service. In der Praxis arbeiten jedoch alle Beteiligten mit voneinander getrennten Lösungen. Daten werden doppelt erfasst, Zuständigkeiten sind unklar, Prozesse dauern länger als nötig. Das führt nicht nur zu Ineffizienz, sondern auch zu Frust – bei Mietern ebenso wie bei Bewirtschaftern. Die Plattform my-rubics will diesen Zustand auflösen. Aber nicht als eine weitere Einzellösung oder Entwicklung, die von Grund auf neu entsteht. Sondern als nahtlose Zusammenarbeit von etablierten Lösungen, die Verwaltung, Service und Nutzererlebnis in einer gemeinsamen Logik zusammenführt. Das technische Fundament von myrubics stammt von der Firma Garaio

REM. Ihr ERP-System, also das Bewirtschaftungs- und Buchhaltungssystem, wird bereits heute für Tausende Liegenschaften in der Schweiz eingesetzt und ist für viele Bewirtschafter das zentrale Arbeitsinstrument im Alltag. CEO Beat Rohrbach erkannte früh, dass eine reine Datenverwaltung den Anforderungen heute nicht mehr genügt. «Systeme müssen Abläufe verstehen, Zusammenhänge erkennen und Prozesse automatisch steuern können», sagt er. Nur so würden sich wachsende Immobilienportfolios effizient betreuen lassen. Aus diesem Grund setzt Garaio REM bewusst auf eine enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern, statt auf lose Schnittstellen. Ein weiterer Partner ist imofix.io. CEO Philipp Meisel verantwortet bei my-rubics den Bereich Service. Sein Ansatz ist bewusst leicht gehalten: Mieterservice stets dann, wenn der Mieter beziehungsweise Kunde ein Bedürfnis hat. Dabei ist der Ablauf so einfach wie Onlineshopping und die Lösung der Supportfälle ist so zielgerichtet und transparent wie eine Paketzustellung. Klar, automatisiert, ohne Umwege. Das System erkennt automatisch den Mieter und kann Handwerker im Falle von Schadensmeldungen sofort vollständig automatisiert beauftragen. Durch die nahtlose Integration können Mieter bald auch selbständig auf ihre Stammdaten zugreifen und diese auch ändern. Der dritte Partner ist Beyonity. Das Immobilienvermarktungsunternehmen definiert bei my-rubics das digitale Nutzererlebnis neu, indem es die Vermarktung radikal aus der Perspektive des Mietinteressenten denkt. Sie können Wohnungen digital entdecken, verglei-

chen und Entscheidungen treffen, ohne zwischen verschiedenen Plattformen wechseln zu müssen. Wichtig dabei ist die direkte Verknüpfung mit den nachgelagerten Prozessen. Entscheidungen bleiben nicht im Digitalen stehen, sondern fliessen unmittelbar in den Vermietungsprozess ein. CEO Oliver Grimm beschreibt den Anspruch so: «Eine Wohnung zu mieten, ist so einfach wie ein Einkauf im Onlinehandel – verständlich, transparent und ohne unnötige Hürden.» Gemeinsam verfolgen die drei Firmen ein klares Ziel: Alle relevanten Schritte rund um eine Immobilie sollen in einer einzigen Plattform zusammengeführt werden. Ohne Medienbrüche, ohne doppelte Datenerfassung und ohne Informationsverluste zwischen den Beteiligten. Entscheidend ist: Für den Kunden bleibt der Aufwand minimal. So wird my-rubics nicht als zeitraubendes IT-Projekt ausgerollt, sondern als integriertes Ökosystem, dessen technische Komplexität die Partner bereits im Hintergrund gelöst haben. Wenn Service plötzlich einfach wird

Ein typisches Beispiel zeigt, wie sich der Alltag für alle involvierten Seiten dadurch verändert. Fällt am Wochenende beispielsweise ein Kühlschrank aus, bedeutet das heute oft Unsicherheit für den Mieter und einen hohen Koordinationsaufwand für die Bewirtschaftung. Telefonate, Rückfragen und manuelle Abklärungen bestimmen den Ablauf und warten auf den Arbeitsbeginn am Montag. Mit my-rubics läuft dieser Prozess strukturiert und automatisiert ab. Der Mieter

meldet den Vorfall digital, das System erkennt automatisch Wohnung und Vertrag, prüft Zuständigkeiten und löst den Auftrag beim passenden Handwerker aus. Der Mieter erhält eine Rückmeldung mit Zeitfenster und weiteren Informationen. Für Bewirtschafter bedeutet das endlich eine spürbare Entlastung im Alltag. Standardfälle werden in Zukunft automatisiert durch das System laufen, während komplexere Themen gezielt bearbeitet werden können. Das Berufsbild wird sich dadurch grundlegend verändern. Weg vom reinen Verwalten einzelner Fälle hin zum aktiven Steuern und Begleiten von Ausnahmen und Sonderfällen. Zeit wird dort eingesetzt, wo sie tatsächlich Mehrwert schafft. Ein zentrales Element von my-rubics ist der sogenannte Gestaltungsrat. Hier wird die Plattform nicht isoliert entwickelt, sondern gemeinsam mit grossen Marktteilnehmern weitergedacht. Der Immobiliendienstleister Privera gehört zu den beteiligten Unternehmen. Dessen Leiter für die Bewirtschaftung in der Deutschschweiz, Daniel Marquart, sieht den entscheidenden Vorteil vor allem in der operativen Konsequenz. «Zum ersten Mal existieren Verwaltungssysteme und digitale Services nicht nebeneinander, sondern werden konsequent zusammengeführt.». Privera nutze diese Integration, um Prozesse zu vereinfachen, Transparenz zu erhöhen und die Bewirtschaftung nachhaltig weiterzuentwickeln. Damit positioniere sich das Unternehmen frühzeitig in einem Markt, in dem Effizienz und Nutzererlebnis zunehmend über Qualität entscheiden. Auch die Previs Vorsorge bringt ihre Perspektive in die Entwicklung von myrubics mit ein. Markus Mürner, Leiter Asset Management, erklärt, dass sich die Erwartungen der Mieter in den letzten Jahren stark verändert haben. «Mieter wollen heute einfache, schnelle und transparente Abläufe – unabhängig von Öffnungszeiten oder persönlichen Ansprechpartnern.» Genau hier setze my-rubics an. Auch ein Netzwerk für Neubauprojekte

Da my­rubics auf den etablierten Lösungen aller Partner aufbaut, ist vieles sofort verfügbar.

Besonders deutlich wird der Ansatz des neuen Schweizer Netzwerks bei Neubauprojekten. Noch bevor ein Gebäude fertiggestellt ist, können Interessenten ihre zukünftige Wohnung digital erleben. Sie erkunden Grundrisse, Varianten und Ausstattungen und treffen Entscheidungen in ihrem eigenen Tempo. Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Lösungen liegt in der Integration. Informationen wie relevante Mieter- und Stammdaten fliessen direkt in den Vermietungsprozess ein und müssen nicht erneut erfasst werden. Dadurch kann der Mietvertrag innerhalb von wenigen Minuten finalisiert werden.

So entsteht ein nahtloser Übergang vom ersten Eindruck der zukünftigen Mieter- oder Käuferschaft bis zum Vertragsabschluss. Fehler werden reduziert, Abläufe beschleunigt und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert. Der Mensch steht dabei im Mittelpunkt –nicht das System. Digitale Prozesse unterstützen den Entscheidungsweg, ohne ihn zu verkomplizieren.

Die Plattform my-rubics steht für die Vision eines Gebäudes, das für alle Beteiligten verständlich und transparent wird. Wenn Daten nicht mehr in einzelnen Systemen isoliert sind, profitieren Eigentümer von besseren Entscheidungsgrundlagen, Bewirtschafter von klaren Prozessen und Mieter von einem unkomplizierten Alltag. Informationen stehen dort zur Verfügung, wo sie gebraucht werden. Das neue System unterstützt die langfristige Planung ebenso wie den täglichen Betrieb.

Da my-rubics auf den etablierten Lösungen aller Partner aufbaut, ist vieles sofort verfügbar. «Aber das Ziel verlangt mehr, viel mehr», sagt Beat Rohrbach. Schon bald kommen neue Funktionen dazu, die gemeinsam mit der Branche und vor allem dem Gestaltungsrat kontinuierlich weiterentwickelt werden.

my-rubics.com

Partner und Kunden von my-rubics während der IMMO26, die Messe fand am 14. und 15. Januar 2026 in Zürch statt (von links nach rechts): Philipp Meisel (imofix.io), Daniel Marquart (Privera), Markus Mürner (Previs Vorsorge), Beat Rohrbach (Garaio REM), Oliver Grimm (Beyonity).

#InnovationGamechanger

Wo Immobilienprojekte neu gedacht werden

Die Ostschweizer Immobilienfirma Aforia begleitet Bauherren und Eigentümer von der Idee bis zur Übergabe. Gründer Adrian Frei denkt Immobilien dabei bewusst anders: nicht als Produkte, sondern als Lebensentscheidungen. Von Marco Cousin

Wer in der Ostschweiz ein Neubauprojekt realisieren, eine Erstvermietung aufgleisen oder eine Liegenschaft verkaufen will, begegnet früher oder später Aforia. Die auf Immobiliendienstleistungen spezialisierte Firma mit Sitz in Horn am Bodensee hat sich in wenigen Jahren zu einer festen Grösse zwischen St. Gallen, Thurgau und Appenzell entwickelt. Entscheidend für diesen schnellen Aufstieg ist für Gründer Adrian Frei der innovative, ganzheitliche Ansatz von Aforia: «Wir beraten Architekten bei der Planung, behalten die Käuferperspektive im Blick und übernehmen dabei auch die Kommunikation zwischen Kunden und Bauleitern. Wir kommen früher ins Spiel – und bleiben länger.»

Aforia unterscheidet vier Kerndienstleistungen. Erstens die klassische Vermarktung von Bestandesliegenschaften – vom Einfamilienhaus über Eigentumswohnungen bis zur Renditeliegenschaft. Zweitens die qualifizierte Bewer-

IMPRESSUM

tung von Immobilien im Auftrag von Banken, Gerichten oder Privaten. Drittens Beratungsmandate für punktuelle Aufgaben, etwa Wohnungsabnahmen, Vertragsprüfungen oder Unterstützung, wenn Sprachbarrieren den Kaufprozess erschweren. Viertens – und das ist das Steckenpferd – die Begleitung von Neubauten von der «grünen Wiese» bis zur Schlüsselübergabe.

Verlässliche Begleiter

Bei Neubauprojekten unterstützt Aforia Bauherren von Anfang an im Entwicklungsprozess: Sie bringt ihre Marktkenntnis ein und hinterfragt Grundrisse, Wohnungsgrössen oder Preispositionierungen – immer mit Blick darauf, dass ein Projekt nicht nur architektonisch überzeugt, sondern am Markt auch wirklich ankommt. «Bei komplexen Neubauten sind die kommunikativen Schnittstellen zwischen Bauherr, Architekt und Baulei-

ter oft eine grosse Herausforderung. Genau dort setzen wir an», sagt Frei. Die Stärke von Aforia liegt nicht nur im Fachwissen, sondern in langjähriger Erfahrung und gewachsenen Partnerschaften: «Wir haben viele Prozesse schon dutzendfach durchlaufen. Das schafft Ruhe – auch in komplexen Situationen», sagt Frei. Architekten, Bauleiter und Investoren kennen das Team, Abläufe sind geübt, Entscheidungen können schnell und sicher getroffen werden. Gerade bei komplizierten Bauprojekten zahlt sich diese Routine aus: Konflikte werden früh erkannt und Schnittstellen effizient koordiniert. Diese ganzheitliche Rolle erklärt, weshalb Aforia in der Region überdurchschnittlich viele Neubauten begleiten darf. Allein im vergangenen Jahr wurden über 100 Liegenschaften beurkundet.

Bei aller Routine bleibt der menschliche Aspekt zentral, denn Immobilien sind Lebensgeschichten: Aforia beglei-

tet Menschen, die nach 50 oder 60 Jahren ihr Haus loslassen müssen, genauso wie junge Familien, die erstmals Wohneigentum finanzieren. «Neben unserer professionellen Rolle als Vermittler nehmen wir oft eine begleitende Funktion ein. Manchmal sind wir auch ein bisschen Seelsorger», sagt Frei.

Menschliches Gespür

In einer Branche, die oft als kühl und zahlengetrieben wahrgenommen wird, setzt Aforia damit einen Kontrapunkt, der Marktverständnis, Kommunikation und menschliches Gespür verbindet. Nahbarkeit ist dabei eine gelebte Arbeitsweise: bodenständig, unkompliziert und auf Augenhöhe. Ob Neubau oder Abschied vom Eigenheim: Aforia schafft Klarheit, wo Emotionen und Komplexität zusammenkommen – und begleitet Kundinnen und Kunden mit Erfahrung, Ruhe und Kommunikation bis zum Ziel.

Aforia Immobilien

Adrian Frei ist Gründer und Geschäftsführer der Aforia Immobilien AG mit Sitz im Schloss Horn direkt am Bodensee. Er berät private Eigentümer und Investoren bei Vermarktung, Immobilienbewertung und Projektentwicklung und verfügt über den eidg. Fachausweis als Immobilienbewerter. In der Weiterbildung unterrichtet er als Dozent am Schweizerischen Institut für Betriebsökonomie (SIB) im NDS Real Estate Management.

«Zukunft Bauen» ist eine Verlagsbeilage von NZZone im Auftrag von Brand Relations. Beilagen werden nicht von der Redaktion produziert, sondern von unserem Dienstleister für journalistisches Storytelling: NZZ Content Creation. Hinweis: Verlagsbeilagen sind komplett von einem Kunden finanziert; Redaktionsmitglieder des Unternehmens NZZ arbeiten freiwillig mit. Konzept: Sarah Schlagenhauf (Inhaberin, Brand Relations). Realisation: Norman Bandi. Layout: Armin Apadana. Verkauf: Hannes Rothfuss. Kontakt: NZZone, c/o Neue Zürcher Zeitung AG, Falkenstrasse 11, CH-8021 Zürich, +41 44 258 16 98, sales@nzzone.ch, nzzone.ch.

Der klimafreundliche Zement mit 390 kg eq CO₂/t.

Mehr erfahren unter: holcimpartner.ch/de/ecoplanet

Das Bürogebäude der Aforia Immobilien AG ist über 500 Jahre alt: das Schloss Horn am Bodensee.

#EducationGamechanger

Die Zukunft der Baukultur –transdisziplinär und regenerierbar

Die Berner Fachhochschule (BFH) vereint schweizweit einzigartig die wichtigsten Kompetenzen des nachhaltigen Bauens: Architektur, Bauingenieurwesen, Holztechnik und neu auch Landschaftsarchitektur. Jetzt will sie die Baukultur transformieren.

Von Marco Cousin

Bis 2050 herrscht auf der Alpennordseite ein Klima, wie es heute im südfranzösischen Toulouse zu finden ist. Die Schweiz muss sich damit auf deutlich mehr Hitzetage, trockenere Sommer und insgesamt weniger Niederschlag einstellen. Dies jedoch ohne eine Vegetation, Bodenstruktur oder Baukultur, die für solche Verhältnisse geschaffen wäre. Neben klimatischen Veränderungen sind mit dem seit Januar 2025 aktiven Klima- und Innovationsgesetz auch politische Massnahmen im Gebäudebereich umzusetzen. Die Herausforderungen sind komplex und erfordern ein grundsätzlich neues Denken. Vor diesem Hintergrund steht die Berner Fachhochschule (BFH) mit Nachdruck für das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele ein. Sie setzt auf ihre langjährige Expertise im Bauen mit Holz und biobasierten Materialien sowie auf einen transdisziplinären Lehransatz über alle Studiengänge hinweg. Mit dem neuen Bachelorstudiengang Landschaftsarchitektur stärkt sie ihre Ausrichtung auf eine resiliente, zirkuläre Baukultur im Einklang mit natürlichen Prozessen.

Konsequent transdisziplinär

Die Baubranche ist geprägt von wachsender Komplexität und der ständigen Abwägung sozialer, ökologischer, ökonomischer und kultureller Aspekte. Zukünftige Absolvierende müssen ihre eigene fachliche Expertise immer häufiger in einen grösseren Zusammenhang stellen können. «Gewässerschutz kann eine Gebäudeplanung beeinflussen, während die Biodiversität der Schweizer Wälder die Qualität von Holz als Baumaterial prägt», erläutert Jolanda Jenzer, Leiterin des Instituts für Infrastruktur und Umwelt.

Deshalb verfolgt die BFH einen konsequent transdisziplinären Ansatz: Fachwissen bleibt zentral, doch erst im Zusammenspiel mit bereichsübergreifenden Kompetenzen entsteht die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen im Bauwesen wirklich zu meistern. «Die grossen Herausforderungen unserer Zeit werden wir nur gemeinsam und transdisziplinär lösen können. Im Unterschied zum rein interdisziplinären Zusammenarbeiten bedeutet dies für uns

als Hochschule, dass wir uns nachhaltige Lösungen nicht im akademischen Elfenbeinturm ausdenken, sondern in Partnerschaft mit Praxis, Politik und Gesellschaft entwickeln und umsetzen», sagt Direktor Peter Staub.

Der Fokus auf transdisziplinäre Lehre ist die Konsequenz von Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis gleichermassen. «Die Studierenden sollen verstehen, welches gemeinsame Ziel eine biobasierte und regenerierbare Baukultur verfolgt – und lernen, ihr Fachwissen darauf auszurichten, anstatt lediglich Normen und Richtlinien im eigenen Bereich abzuarbeiten», erläutert Daniel Baur, Studiengangsleiter des neuen Bachelors in Landschaftsarchitektur.

Auch im Architekturstudium setzt die Co -Studiengangsleitung – bestehend aus Nelly Pilz und Matthew Phillips – von Beginn an auf den Dialog zwischen den Disziplinen. Bereits in der gemeinsamen Startwoche des ersten Semesters überschreiten die Studierenden bewusst die Grenzen ihrer Disziplinen und erleben, dass Bauprojekte nur im Team gelingen. Später können sie fachübergreifende Minors in zirkulärem und nachhaltigem Bauen sowie in integralem und digitalem Bauen wählen. Das fördert sowohl die Entwicklung als auch den Austausch der Studierenden. «Lehre ist niemals ein einseitiger Prozess: Eine transdisziplinäre Herangehensweise setzt den kollektiven Diskurs voraus. Dieser bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Anleitung, der Förderung intellektueller Freiheit und experimentellem Arbeiten», sagt Nelly Pilz. Im fünften Bachelorsemester arbeiten Studierende aller Studiengänge gemeinsam an einem Projekt, bei dem die Praxisanwendung von Beginn an mitgedacht ist: In Zusammenarbeit mit Unternehmen entwickeln sie etwa Entwürfe sowie konstruktive Lösungen für mehrgeschossige Holzbauten oder hybride Tragwerke.

Vom Holz und der Natur lernen

Der Standort Biel ist das bedeutendste Zentrum für Holztechnik und Holzbau in der Schweiz und ist international anerkannt. Ausgebildet wird auf drei Stufen – von der Höheren Fachschule über einen auf Holztechnik spezialisierten

Treiben die Transformation zusammen mit Studierenden und Mitarbeitenden voran (von links nach rechts): Nelly Pilz, Mathew Phillips, Ingo Mayer, Daniel Baur, Jolanda Jenzer und Peter Staub.

Bachelor bis zum Masterstudiengang Wood Technology. Während der Bachelorstudiengang bereits schweizweit einzigartig ist, bietet der Masterstudiengang sogar europaweit die einzige vertiefte Ausbildung zum Thema. Die langjährige Erfahrung der BFH im Bauen mit Holz und holzbasierten Produkten bildet die Grundlage für ihre ausgewiesene Expertise in biobasierten und regenerierbaren Baustoffen. «Grundsätzlich geht es darum, ölbasierte Baustoffe durch biobasierte und nachhaltigere Produkte zu ersetzen – von Bitumen in Strassenbelägen über Dämmstoffe bis hin zu Klebstoffen im Bauwesen», erklärt Studiengangsleiter Ingo Mayer. Holz und nachwachsende Baustoffe sind die Grundlage des zirkulären Bauens. Wie dies in Zukunft gelingen könnte, gehört zum Grundprogramm zahlreicher Studiengänge der BFH – auch zum neuen Bachelor.

Premiere: Bachelor

Landschaftsarchitektur

Ab nächstem Herbst bildet die Berner Fachhochschule eine Generation von Landschaftsarchitektinnen und -architekten aus, die Stadt, Natur und Gesellschaft als ganzheitliches System verstehen und nachhaltige Stadtentwicklung kreativ gestalten. Der Fokus auf überfachliche Fragestellungen ist zentraler

Bestandteil des neuen Studiengangs: Er vereint die Expertise der BFH aus den Bereichen Gestaltung, Ökologie, Wirtschaft, Technik und Soziales. «Unser systemischer Ansatz sowie die gelebte Transdisziplinarität eröffnen neue Denkund Handlungsweisen und schaffen einen Mehrwert, der weit über die Grenzen einzelner Disziplinen hinausgeht», sagt Daniel Baur. Für die BFH ist diese Form der Lehre eine Voraussetzung der Zukunftsfähigkeit ihrer Absolventinnen und Absolventen: Wer morgen baut, muss heute lernen, in Systemen zu denken. Die BFH wird damit zum Reallabor, in dem Stu-

dierende und Dozierende in Ausbildung, Forschung und Praxis gemeinsam an einer resilienten, zirkulären Baukultur arbeiten. Damit die Studierenden aus dem Vollen schöpfen können, braucht es sowohl Infrastruktur als auch Kompetenzen in Griffweite. Hier hat die BFH einen entscheidenden Vorteil.

Alle Kompetenzen unter einem Dach Neben den einzigartig gebündelten Kompetenzen des nachhaltigen Bauens, Architektur, Bauingenieurwesen, Holztechnik und Landschaftsarchitektur bietet die BFH weitere Vorteile: kurze Wege, Labore auf dem neuesten Stand der Technik und ab 2028 der neue Campus in Biel. «Unsere kurzen Wege sind massgeblich mitverantwortlich für die Agilität unseres Kollegiums. Sie ermöglichen uns den ausgewogenen Dialog zwischen theoretischen Fragen und angewandten Lösungen», sagt Daniel Baur. Im Techpark werden ganze Hauswände, Brückenteile oder komplexe Holztragwerke im Massstab 1:1 getestet. Produktionsprozesse können im Pilotmassstab erprobt, Werkstoffe weiterentwickelt und Innovationen direkt in die Lehre integriert werden. Dieses Know-how verbindet die BFH mit dem Anspruch, kreislauffähige Prinzipien in Entwurf und Konstruktion zu verankern: Digitale Modelle, gemeinsame Datenräume und frühe Ökobilanzierungen sollen Rückbau, Wiederverwendung und CO 2Reduktion bereits in der Konzeptphase wirksam machen.

Neben dem Techpark sollen zusätzliche Investitionen das Profil der BFH stärken: Ab 2028 wird der neue Campus in unmittelbarer Bahnhofnähe bislang auf mehrere Standorte verteilte Institute und Departemente unter einem Dach vereinen. Der neue Bildungs- und Forschungsstandort – eine Investition von über 400 Millionen Franken – bietet moderne Infrastruktur für rund 2500

Studierende und Mitarbeitende. Damit setzt die BFH als Impulsgeberin für natür liches nachhaltiges Bauen ein starkes Zeichen für Innovation, transdisziplinäres Arbeiten und für die Transformation der Baukultur: «Wir erzielen dort Wirkung, wo es konkreten Handlungsbedarf gibt», sagt Direktor Peter Staub.

Berner

Fachhochschule

Die Berner Fachhochschule (BFH) bietet ein breit aufgestelltes, anwendungsorientiertes Studienangebot. Am Departement Architektur, Holz und Bau (AHB) vermitteln Studiengänge wie Architektur, Bauingenieurwesen, Holztechnik und Landschaftsarchitektur gestalterische, technische sowie material- und umweltbezogene Kompetenzen und verknüpfen diese mit praxisnahen Projekten. Themen wie nachhaltiges Bauen, Ressourceneffizienz und der Einsatz von Holz als Baustoff spielen dabei eine wichtige Rolle. Für Studierende attraktiv sind die Nähe zur Berufspraxis, hervorragend ausgestattete Ateliers, Labore und Werkstätten sowie die Möglichkeit, das Studium flexibel zu gestalten und es durch Weiterbildungen zu ergänzen. Zudem erleichtern Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen den Einstieg ins Berufsfeld.

bfh.ch/ahb

QR-Code scannen und mehr über natürlich nachhaltiges Bauen an der BFH erfahren.

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