HG-Zeitung 17/2021

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HGZ No 17

Luzern, den 14. Juli 2021

Mit 50 zu alt fürs Gastgewerbe?

Pepper ist ein so genannt sozialer Roboter. Seine Aufgabe ist die Interaktion mit den Gästen. Er dient der Unterhaltung der A D O B E S TO CK Gäste, beantwortet oft gestellte Fragen, erteilt Auskünfte zur Destination und gibt Ausflugstipps.

Entschärfen Roboter den Fachkräftemangel?

Frischer Wind in Kombination mit grosser Berufserfahrung: Altersmässig A D O B E-S TO CK gemischte Teams wären für viele Betriebe ideal.

«Es gibt viele ältere Gastgewerbler, die auch nach der Pensionierung noch sehr fit sind.»

Clevere Chefs wissen ältere Mitarbeitende zu schätzen «Ich würde gerne ältere Gastgewerbler einstellen», sagt Urs Auchter. Er führt das Berggasthaus Crest’ota auf der Lenzerheide/GR. Sein Interesse an älteren Mitarbeitenden hat g ute Gründe: × Sie verfügen über viel Lebenssowie Berufserfahrung und behalten dank ihrer Routine in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf. × Sie sehen die Arbeit, sind pflichtbewusst, motiviert und arbeiten selbständig. × Mit Auslandsaufenthalten, Karrieresprüngen und Familienplanung haben sie in der Regel abgeschlossen. Gefällt es ihnen im Betrieb, bleiben sie im Idealfall bis zur Pensionierung.

Gerade für Restaurants und Hotels mit vielen Stammgästen oder einem altersmässig gemischten Publikum ist es sinnvoll, ältere Mitarbeitende im Team zu haben. Übrigens: Das Argument, diese U R S AU CH T ER , B ERGG A S T H AU S seien wegen höherer PensionskasCR E S T ’ OTA , LENZER H EI D E senbeiträge für den Betrieb teurer, als jüngere, stimmt im GastgeStellvertretend für alle über werbe nicht. Um Altersdiskrimi50-Jährigen im Gastgewerbe nierung zu verhindern schreibt schreibt Aldo Steger in seinem Le- der Landes-Gesamtarbeitsverserbrief: «In der Ausgabe vom trag vor, dass Arbeitgeber für alle 16. Juni der Hotellerie Gastrono- Angestellten ab dem 25. Lebensmie Zeitung las ich, dass es überall jahr sieben Prozent vom Lohn einin der Gastronomie an Fachkräf- bezahlen müssen. R I CC A R DA FR EI ten fehlt. Ich dachte, ich lese nicht richtig! Viele über 50-Jährige wurden, wie ich, trotz sehr guter Gastrojob.ch Zeugnisse und Fähigkeiten auf die Strasse gestellt.» Er habe sehr viele BewerbunDie Hotel & Gastro Union gen geschrieben, aber wenn man und der Hotellerie Gastronomie Verlag betreiben das über fünfzig sei, würden einen die Stellenportal gastrojob.ch. Wirte und Hoteliers nicht mehr Zurzeit sind über 950 Stellen wollen. Zudem würden viele über auf allen Hierarchiestufen 50-Jährige altersdiskriminierend ausgeschrieben. Darunter gemobbt. Das sei ein Armutszeugauch Jobs im Tourismus und nis für die Branche, findet Steger. Event- und Bäckergewerbe. Er warnt: «Bekommen Junge mit, dass man bereits mit 50 Jahren www.gastrojob.ch

Sie kochen, räumen Tische ab und beantworten Gästefragen. Roboter übernehmen immer mehr Standardaufgaben. Auch in Schweizer Hotels.

Mehr Informationen unter: www.welcomehotels.ch/allegra-lodge www.operahotel.ch

Die Situation ist paradox. Auf der einen Seite fehlt es an Fachkräften, und es wird viel investiert, um gastgewerbliche Berufe für den Nachwuchs interessant zu machen, Ausbildungsplätze zu schaffen und junge Berufsleute in der Branche zu halten. Zum Beispiel mit subventionierten Aus- und Weiterbildungen wie den eidgenössischen Berufsprüfungen. Auf der anderen Seite finden erfahrene Berufsleute wegen ihres Alters keine Stelle mehr.

auf dem Abstellgleis steht, muss man sich nicht wundern, wenn es sie abschreckt, eine Gastronomielehre zu machen.» Mehr Informationen unter: www.crestota.ch

Der Fachkräftemangel hat sich im Corona-Jahr weiter verschärft. Gleichzeitig finden ältere Gastgewerbler keine Anstellung mehr.

Pudu und Jeeves sind Service-Roboter, die Getränke und Speisen an den Tisch oder aufs Zimmer bringen. Tom Sawyer ist ein Roboter, der an der Melitta-Maschine Kaffeespezialitäten zubereitet. Kona und Koya wiederum sind Roboter, die vier verschiedene Ramennudel-Gerichte produzieren. Sie sind schnell, aber unflexibel. Stur kochen Kona und Koya die Standardrezepte ohne Rücksicht auf Gästewünsche oder allfällige Lebensmittelallergien. Trotz ihrer eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten sind Roboter als Arbeitskräfte interessant. Sie brauchen weder Lohn noch Ferien. Sie leisten ohne zu klagen Überstunden und sind eine Attraktion für die Gäste. Und sie

nehmen Mitarbeitenden lästige «Wir haben Pepper seit 2019 im Pflichten ab. BellaBot von Pogas- ‹Opera› im Einsatz. Er wird für Intro beispielsweise hilft beim Ab- formation, Unterhaltung, Taxiburäumen. Die Servicemitarbeiten- chungen und Check-in gebraucht», den rufen den Roboter über ihr sagt Michael Böhler, Group GeneSmart-Armband an den abzuräu- ral Manager bei Meili Unternehmenden Tisch und beladen ihn. mungen. Neben dem «Opera» beBellaBot kann bis zu viermal treibt die Unternehmung in der mehr Geschirr wegtragen als der Stadt Zürich auch die Hotels Seemenschliche Mitarbeitende. hof, Ambassador, Rössli und Felix. «Pepper wurde mehrheitlich Gäste haben Spass, Mitarbeiter gut angenommen», zieht Michael befürchten Mehraufwand Böhler Bilanz. Gäste begegnen dem Roboter neugierig-interesDas Institut für Tourismus und siert. Die Mitarbeitenden hingeFreizeit der Fachhochschule Grau- gen hatten anfangs gemischte Gebünden FHGR möchte nun her- fühle. Einige scheuten sich vor ausfinden, ob sich der Einsatz dem Aufwand, den Gästen die Bevon Robotern in Schweizer Hotels dienung des Roboters zu erklären. wirklich lohnt und wo er sinnvoll Andere befürchteten, durch ihn ist. Dazu arbeiten Jan Mosedale ersetzt zu werden. Ob diese Furcht begründet ist, und sein Team mit zwei Hotels im Kanton Zürich zusammen. klären nun die Wissenschaftler In der «Allegra Lodge» in Klo- der FHGR. Im Rahmen einer noch ten ist der Roboter Cruzer, hier laufenden Gästebefragung wollen wird er George genannt, seit Feb- sie unter anderem herausfinden, ruar 2020 im Einsatz. Er gibt Gäs- in welchen Situationen Gäste den ten Infos über Zürich und zeigt ih- Roboter nutzen oder sich eher an nen, wo sich die Toiletten befin- einen Mitarbeiten wenden. den. «Kinder lieben George und für Mitarbeitende ist er eine Ab- Potenzial im Housekeeping wechslung», sagt Isabelle Gsponner, Geschäftsführerin im Hotel Von Staubsaugen bis ZimmerdesAllegra Lodge. infektion durch Vernebelung oder UV-C-Licht – gerade im Housekeeping ist der Einsatz von Robotern gut möglich. Das findet auch Michael Böhler. Er habe fürs Hotel Opera jedoch keine solchen Pläne. «Unsere Korridore sind zu kurz, als dass sich die Investition lohnen würde.» R I CC A R DA FR EI

Kein Ersatz, aber eine valable Alternative

Roboter wie BellaBot sind Werkzeuge, die Routinearbeiten effizient erledigen. P O G A S T RO Mitarbeitende haben dadurch mehr Zeit für die Gästebetreuung.

An der ETH Zürich ist der «Huggie­b ot» entwickelt worden. Er ist weich, warm, hat die Grösse eines Menschen und Drucksensoren, die messen, wie intensiv und lange das Gegenüber umarmt werden möchte. Er soll Einsamkeit lindern und Trost spenden, zum Beispiel in Spitälern und Altersheimen.


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