
Inspire the next era of sustainable energy

November ’25
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Inspire the next era of sustainable energy

November ’25
Der Präsident der German University of Digital Science darüber, wie Menschen befähigt werden, die digitale Zukunft zu gestalten.
Wolfgang Gröting & Prof. Dr. Hendrik Wöhrle
Deutschland diskutiert gerne über Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI) und industrielle Transformation – nur bei der Umsetzung bleiben wir oft im Konjunktiv und lassen gute Ideen und Potenziale ungenutzt. So wurden führende Köpfe in der KI-Revolution bekanntermaßen an deutschen Universitäten ausgebildet, arbeiten nun aber in den USA. Es wird Zeit, den Blick stärker auf die Praxis zu richten: dorthin, wo Zukunft tatsächlich entsteht – in der Verbindung von Technologie, Industrie und realen Anwendungen und die nächsten technologischen Revolutionen nicht leichtfertig aus der Hand zu geben.
Wenn sich agentische KI mit Robotik vereint
Eine solche Revolution könnte die autonome, intelligente Robotik sein. Die neue Generation von KI ist nicht nur reaktiv, sondern handlungsfähig. »Agentische KI« wird zunehmend in der Lage sein, eigenständig Aufgaben zu planen und auszuführen. Anders als heutige Systeme wird sie jedoch auch einen physischen Körper haben – und damit die Fähigkeit, mit der realen Welt zu interagieren. Die größte Herausforderung dabei ist die reale Welt selbst: Maschinen müssen ihre Umgebung erfassen, verstehen und vorausschauend handeln können. Sie müssen antizipieren, wie die wirkliche Welt auf ihr Tun reagiert und welche Folgen daraus entstehen.
Ohne robuste Sensorik und einen physischen Körper bleibt KI jedoch blind und handlungsunfähig. Ebenso entscheidend ist, dass die Rechen- und Steuerintelligenz der KI direkt im Roboter integriert ist, um die nötige Reaktionsgeschwindigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Daher widmet sich die Wissenschaft gerade der Verknüpfung all dieser Technologien: Große KI-Modelle, die ihre Umgebung über Sensordaten erfassen, diese analysieren, schlussfolgern, was zu tun ist, und dies schließlich in konkretes Handeln übersetzen. Viele Grundlagen sind bereits gelegt. Damit entsteht ein entscheidender Schritt hin zu Maschinen, die in Echtzeit mit ihrer Umwelt interagieren.
Industrie neu denken – von Automatisierung zur AI-Assisted Factory Diese Entwicklung ermöglicht völlig neue
Möglichkeiten der Interaktion mit Technologie. Insbesondere im Mittelstand, aber ebenso in großen Betrieben lassen sich einzelne oder mehrere Produktionsschritte einfach und kostengünstig automatisieren. Die bislang aufwendige und teure Spezialprogrammierung von Robotern und Maschinen kann wesentlich vereinfacht werden oder ganz durch eine umgangssprachliche Interaktion ersetzt werden. So entstehen Lösungen, die Prozesse effizienter machen, Ausschuss reduzieren und Raum für neue Geschäftsmodelle eröffnen. Für Deutschland ist das mehr als ein Produktivitätsschub, es stärkt die wirtschaftliche Souveränität, da Automatisierung auch für kleine und mittelständische Betriebe erschwinglich und damit flächendeckend sinnvoll wird.
Der nächste Schritt heißt AI-Assisted Factory: Produktionsprozesse, Maschinensteuerung und Betriebsführung werden durch vernetzte KI-Systeme definiert und damit flexibel wie Baukastensysteme gestaltet. Einzelne Funktionen lassen sich dynamisch anpassen – von der Intralogistik bis zur Maschinenwartung. So kann eine Fabrik kurzfristig auf Marktbedarfe reagieren, zwischen Produktlinien wechseln oder Kapazitäten neu verteilen. Industrie 4.0 hat die Grundlagen gelegt, Industrie 5.0 ist nun in der Umsetzung – nicht als Vision, sondern bereits als gelebte Realität in ersten Produktionsumgebungen.
KI als Kollege Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Organisationen eingebettet. Nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. In Logistik, Verwaltung oder Planung übernehmen KI-Systeme Routineaufgaben, analysieren Daten und schlagen Optionen vor. Menschen behalten den Überblick, setzen Prioritäten und tragen Verantwortung. Damit verändert sich die Arbeitsteilung grundlegend: KI wird zum »digitalen Kollegen«, der unermüdlich rechnet, sortiert und organisiert. Der Mehrwert liegt darin, dass Mitarbeitende sich auf strategische, kreative und kundennahe Aufgaben konzentrieren können.
Vertrauenswürdigkeit und Regulierung: Hemmschuh oder Chance Europa diskutiert über Regulierung von Entwicklungen im Bereich der KI oft länger, als die Konkurrenz in den USA oder Asien für
Brandreport • Jacqueline Savli Coaching und Training
Uderen Umsetzung braucht. Doch klug gemachte Regeln sind kein Innovationshemmnis. Richtig ausgestaltet können sie sogar zum Standortvorteil werden: Qualität, Sicherheit und Vertrauen sind echte Wettbewerbsvorteile. Gleichzeitig zeigen aktuelle Umfragen: KI wird von vielen genutzt, doch das Vertrauen bleibt gering. Deshalb ist es essenziell, dass die Wissenschaft Methoden entwickelt, um die KI vertrauenswürdiger, verständlicher und robuster zu machen. Insbesondere dann, wenn KI mit der echten Welt interagiert. Auch wenn diese Probleme noch nicht gelöst sind, so sind die Fortschritte sichtbar. Es wäre also fatal, wenn übertriebene Angst zu einer Skepsis an der Technologie an sich führen würde und die weitere Entwicklung durch gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Regulierung unterbunden oder ausgebremst wird. Entscheidend ist, Risiken beherrschbar zu machen und einen Regulierungsrahmen zu schaffen, der Freiräume für Innovation eröffnet.
Fazit: Deutschland braucht
Mut zur Umsetzung
Deutschland erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel: Klassische Industriearbeitsplätze gehen zurück, während Pflege, Gesundheit und soziale Dienstleistungen wachsen. Die Industrie bleibt wichtig, doch Wohlstand wird in Zukunft auch stärker durch digitale Geschäftsmodelle, KI und innovative Produktionskonzepte gesichert
Das ist keine Absage an die Industrie, sondern die Weiterentwicklung ihres Erfolgsmodells. Dafür braucht es keine weiteren Gipfeltreffen, sondern entschlossenes Handeln: Fördermittel müssen zielgerichtet in Umsetzung fließen, Regularien praxisnah gestaltet und Pilotprojekte schneller skaliert werden.
Die Bausteine sind vorhanden: eingebettete KI, flexible Produktionskonzepte, smarte Sensorik und Aktuatorik. Jetzt braucht es die Bereitschaft, sie konsequent einzusetzen. Weniger Ankündigungen, mehr Taten. Oder anders gesagt: weniger Gipfel, mehr Innovation.
Text Wolfgang Gröting, Head of Innovation Center and Sales und Prof. Dr. Hendrik Wöhrle, Leitung Smart Embedded Systems am Fraunhofer IMS
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04 Digitale Souveränität & KI
08 Industrie 4.0
10 Interview: Prof. Dr. Christoph Meinel
12 Smart Energy
14 Dokumentenmanagement
16 KI-Regulation
Smart Innovation Verlag und Herausgeber
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Redaktion (verantwortlich)
Matthias Mehl
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Tel +41 44 258 86 00
Layout (verantwortlich)
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Druckerei
Handelsblatt Media Group GmbH


Jacqueline Savli Geschäftsführerin
nternehmen investieren in digitale Lösungen, optimieren Abläufe und erweitern ihre strategischen Fähigkeiten. Gleichzeitig entstehen Drucksituationen durch Digitalisierung, Arbeitskräftemangel und hohe Leistungsanforderungen. Diese Bedingungen erzeugen ambitionierte Pläne, doch Verzögerungen und Reibungen prägen häufig den Alltag. Jacqueline Savli erkennt in vielen Projekten die gleiche Ursache. Führungskräfte tragen hohe Verantwortung, bewegen sich in komplexen Strukturen und benötigen
Unterstützung für die kulturellen und kommunikativen Anforderungen von Wandel.
Kultur entsteht durch Führung – nicht durch Technologie Innovation gewinnt Kraft, wenn Führung Orientierung schafft. Ziele benötigen Klarheit, Entscheidungen benötigen Transparenz, und bereichsübergreifender Austausch benötigt Struktur. Technologie liefert Impulse, doch Kultur entscheidet über Wirkung. Organisationen erzielen spürbare Fortschritte, wenn Führung alte Denkmuster loslässt, Dialog ermöglicht und lösungsorientiert handelt.
Change-Mentoring ein struktureller Hebel für Innovation
Jacqueline Savli entwickelt Mentoring-Programme, die Führungskräfte gezielt auf ihre Rolle im Wandel vorbereiten. Der Ansatz basiert auf sechs Prinzipien:
1. Klare Ziele verankern: Präzise Zielbilder
schaffen Fokus und Energie.
2. Kompetenzaufbau fördern: Mentoring stärkt Sicherheit und Handlungsfähigkeit.
3. Dialogformate strukturieren: Regelmäßiger Austausch reduziert Fehlinterpretationen.
4. Haltung und Handeln verbinden: Konsequentes Führungsverhalten erzeugt Glaubwürdigkeit.
5. Mitgestaltung ermöglichen: Beteiligung erhöht Verantwortungsbereitschaft.
6. Technologie und Kultur synchronisieren: Beide Ebenen erhalten dadurch einen gemeinsamen Rahmen.
Organisationen, die diese Prinzipien verankern, beschleunigen Projekte, reduzieren Reibungsverluste und stärken ihre Transformationsfähigkeit. Für Jacqueline Savli steht fest: Change-Mentoring macht Innovation wirksam.
Und Führung erzeugt Wirkung. Beides entwickelt die Menschen hinter der
Veränderung und erhöht die Widerstandskraft ganzer Organisationen.
Über Jacqueline Savli Expertin für Change-Mentoring, Kommunikation und Führung. Langjährige Erfahrung in C-LevelManagement, Business-Training und Organisationsentwicklung. info@jacqueline-savli.de jacqueline-savli.de


»Die Zeit für kleine Reformen ist abgelaufen«
In Sachen »künstliche Intelligenz« haben Deutschland und Europa Nachholbedarf. Dies soll sich nun ändern: Das junge Unternehmen Polarise will mit technischen Innovationen den Sprung in die digitale Zukunft fördern. Dabei spielt Deutschlands leistungsstärkste KI-Fabrik in München eine Schlüsselrolle.

Deutschland hinkt digital hinterher – das ist unbestritten. Mit dieser Aussage bringt Michel Boutouil, CEO von Polarise, die aktuelle Lage klar und deutlich auf den Punkt. »Das Gros der Führungskräfte sieht uns im Rückstand und satte 98 Prozent beklagen die mangelhafte Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung«, ergänzt er. Daher erachtet Michel Boutouil die Mission von Polarise als absolut wesentlich: Accelerating what comes next – also diejenigen Entwicklungen zu beschleunigen, die heute und morgen entscheidend sein werden. »Und das bedeutet konkret, dass wir in Deutschland nun endlich den Sprung in die digitale Zukunft initiieren müssen.« Nur so könne man mittelfristig zu einem Europa beitragen, das im Bereich KI unabhängig ist.
Wie fördert Polarise diese wichtigen Entwicklungen? »Als End-to-End-Anbieter von KI-Fabriken können wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette agieren, von der Planung und Errichtung von KI-Rechenzentren (KI-Fabriken) bis hin zu deren Betrieb und darüber hinaus«, erklärt Boutouil.
Das Münchner Leuchtturmprojekt
Dank der besonderen Kombination aus technischer Expertise und Erfahrung (die mehr als eine Dekade umfasst) ist Polarise in der Lage, als Architekt souveräner KI in Deutschland zu fungieren. In diesem Zusammenhang wurde kürzlich ein wichtiger Meilenstein erreicht: Polarise unterstützt als Infrastrukturpartner den Bau eines neuen, hoch spezialisierten Rechenzentrums für künstliche Intelligenz (AI-Factory) in München. Von der konzeptionellen Planung über die hochdichte Stromversorgung und das KI-zentrierte Design bis hin zum Rack trägt Polarise die Verantwortung
Mit unseren Projekten sowie unserem Engagement wollen wir daher zu einem soliden Fundament beitragen, das als Sprungbrett ins digitale Morgen dient.
– Michel Boutouil, CEO
Der Moment ist gekommen Die Zeit für kleine Reformen ist abgelaufen. Deutschland sowie Europa benötigen einen strategischen Digitalisierungssprung mit souveräner europäischer Technologie als Basis – und das nicht in drei oder vier Jahren, sondern jetzt. Unternehmen, die bereits heute diese Infrastruktur und souveränen Lösungen entwickeln, müssen schnell und unbürokratisch unterstützt werden. Denn während man hierzulande oftmals noch damit beschäftigt ist zu klären, ob das Faxgerät noch zeitgemäß ist oder nicht, werden anderswo unglaubliche Summen zur Förderung unabhängiger Systeme und Technologien mobilisiert. »Mit unseren Projekten sowie unserem Engagement wollen wir daher zu einem soliden Fundament beitragen, das als Sprungbrett ins digitale Morgen dient«, schließt der Polarise-CEO.
Über Polarise
für die spezialisierte Infrastruktur der Anlage. Diese Einrichtung wird künftig eine skalierbare sowie energieeffiziente Infrastruktur bieten, welche es der deutschen und europäischen Industrie ermöglicht, KI souverän und sicher zu nutzen. Die Deutsche Telekom wird die AI-Factory ihrerseits als Fundament für die Industrial AI Cloud nutzen. »Damit entsteht eine der leistungsstärksten KI-Infrastrukturen Deutschlands im Herzen Münchens, die vergleichbaren Projekten in anderen Landesteilen um Jahre voraus ist«, führt Michel Boutouil aus. Polarise kann bei der Planung und Realisierung dieses Mammutprojekts auf seine umfassende Expertise in der Bereitstellung souveräner KI-Infrastrukturen in ganz Europa zurückgreifen: Eine ähnliche Anlage wurde jüngst in Oslo fertiggestellt.
Das geplante Rechenzentrum in München wird in Rekordzeit errichtet: Bereits zu Beginn des neuen Jahres soll die Telekom die ersten Hochleistungs-KI-Chips für die
Industrial AI Cloud in Betrieb nehmen können. Weitere AI-Factorys sind in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen durch Polarise entweder in Planung oder befinden sich bereits im Bau. Diese Geschwindigkeit ist entscheidend: »Wir können nicht auf die EU-Gigafactorys warten«, betont Boutouil. »Das Rennen um die KI entscheidet sich heute – im Jahr 2025 – und nicht erst in zwei oder drei Jahren. Wir müssen rasch handeln.« Polarise setzt dabei aber nicht nur auf Dynamik, sondern verfolgt ein agiles wie ressourcenschonendes Konzept: Die Wiederverwendung existierender Infrastruktur in Verbindung mit den sogenannten »AI Pods« von Polarise (hierbei handelt es sich um ein kleines Rechenzentrum innerhalb eines Rechenzentrums) ermöglicht eine zügige Implementierung der benötigten Rechenleistung – während langwierige und umfassende Neubauten entfallen. »Unser Konzept vereint Schnelligkeit mit ressourcenschonendem Einsatz«, so Boutouil.
Polarise ist ein innovatives Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und den Betrieb souveräner AI-Factorys in Deutschland und Europa spezialisiert hat. Diese hochmodernen Rechenzentren bieten überlegene Rechenleistung und sind spezifisch auf die Anforderungen der KI-Industrie zugeschnitten. Mit einem Fokus auf europäische Datensouveränität und Nachhaltigkeit setzt Polarise neue Maßstäbe im Bereich der digitalen Infrastruktur und der künstlichen Intelligenz.
Weitere Informationen unter: polarise.eu
In vielen Unternehmen gleicht die Informationslandschaft einem Labyrinth: Alle Daten liegen isoliert in unterschiedlichen Systemen. Gleichzeitig werden Produkte immer komplexer, softwaregetriebener und stärker vernetzt. Wer diese Komplexität beherrscht, hat einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und genau hier setzt der Digital Thread an.

Wörtlich übersetzt bedeutet »Digital Thread« digitaler Faden. Gemeint ist damit die durchgängige Integration aller produktrelevanten Informationen über alle Entwicklungsphasen und Disziplinen hinweg. Mechanik, Elektronik und Software sollen künftig nahtlos zusammenarbeiten, während Anforderungen, Simulationen, Tests und Änderungsprozesse transparent miteinander verknüpft sein müssen. Das so entstehende digitale Nervensystem hält alle Beteiligten auf demselben Informationsstand und steuert eine reibungslose Zusammenarbeit. Ohne diesen digitalen roten Faden steigt bei modernen, mechatronischen Systemen schnell das Risiko von Fehlern und Verzögerungen.
Komplexität unter Kontrolle bringen Die Praxis ist anspruchsvoll: Entwicklungsprozesse für mechatronische Produkte sind hochgradig komplex. Ihre Entwicklung erstreckt sich über verschiedene Phasen, von der Anforderungsdefinition über Design und Simulation bis zur Verifikation, Validierung und zum Betrieb. Mechanik-, Elektronik- und Softwareteams arbeiten dabei meist in unterschiedlichen Tools und Datensilos, die selten miteinander kommunizieren, doch Änderungen in einem Teil des Systems können zeitlich versetzt Auswirkungen auf andere Disziplinen haben.
Noch heute nutzen viele Unternehmen
Tabellen oder isolierte Anwendungen; ein Relikt aus der Zeit mechanischer Produkte.
Doch ohne eine gemeinsame, zeitlich nachvollziehbare Informationsbasis über den gesamten Produktlebenszyklus bleibt es nahezu unmöglich, Traceability, Regelkonformität und Systemsicherheit zuverlässig sicherzustellen.
Vom Insellösungsdschungel zum digitalen Fluss
Hier setzt der Digital Thread an. Er verbindet Prozesse horizontal über alle Fachbereiche hinweg und vertikal bis in die jeweiligen ITSysteme. Anstatt Inhalte zu replizieren, werden Beziehungen zwischen Informationsobjekten
Der
Digital Thread ist weit mehr als ein optionales Werkzeug. Vielmehr ist er ein strategischer Baustein für moderne Industrieunternehmen.
verlinkt, ähnlich einem neuronalen Netz, das Informationen dort abruft, wo sie liegen.
Diese Orchestrierung schafft nicht nur Nachvollziehbarkeit, sondern unterstützt auch die Einhaltung branchenspezifischer Standards wie A-SPICE in der Automobilindustrie oder DO-178C in der Luftfahrt. Unternehmen sparen Zeit, weil Informationen schneller auffindbar sind, während die Integrität der Fachsysteme erhalten bleibt.
Traceability über den gesamten Produktlebenszyklus
Traceability ist längst kein Thema für regulierte Branchen allein. Nicht nur regulierte Branchen stehen unter Druck: Auch Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Energieunternehmen müssen jederzeit nachweisen können, dass Compliance, Produktsicherheit
und Nachhaltigkeit eingehalten werden. Der Digital Thread macht dies möglich, indem er lückenlos dokumentiert, wann Entscheidungen auf welcher Grundlage getroffen wurden, welche Auswirkungen sie auf das Gesamtsystem hatten und wie Änderungen umgesetzt wurden. Fehlerquellen lassen sich schneller identifizieren, Reibungsverluste zwischen den Fachbereichen werden reduziert und Kundenfeedback fließt unmittelbar zurück in die Entwicklung. Prozesse, die früher Tage dauerten, lassen sich nun in Stunden oder Minuten nachvollziehen.
Change-Management im Fokus Besonders das Änderungsmanagement profitiert. Neue gesetzliche Vorgaben, Kundenrückmeldungen oder technische Innovationen betreffen meist mehrere Disziplinen gleichzeitig. Der Digital Thread ermöglicht, diese Änderungen
domänenübergreifend zu steuern: Mechanik, Elektronik und Software werden im gleichen Kontext betrachtet. Ingenieurinnen und Ingenieure nutzen dazu ein »Change Cockpit«. Dort sehen sie auf einen Blick, welche Artefakte betroffen sind, welchen Status sie haben und wie weit der Prozess fortgeschritten ist. Der sogenannte »Digital Change Thread« verknüpft Informationen und Prozesse und schafft so einen durchgängigen, auditfähigen Entwicklungsfaden.
Effizienz und Innovation
Der Nutzen des Digital Thread zeigt sich klar: Entwicklungszeiten können verkürzt, Fehlerquoten reduziert und Ressourcen gezielter eingesetzt werden. Parallel dazu schafft der Digital Thread die Basis für Innovationen, ohne die Abläufe in den Fachbereichen zu stören, von digitalen Zwillingen über KI-gestützte Analysen bis hin zu simulationsbasierten Optimierungen.
Durch eine konsequente Vernetzung sämtlicher relevanter Informationen können Entscheidungen schneller getroffen, Änderungen effizient umgesetzt und die auch bereichsübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden. Unternehmen, die den Digital Thread nutzen, steigern somit nicht nur Geschwindigkeit und Qualität der Produktentwicklung, sondern sichern sich auch langfristig digitale Souveränität.
Mehr als ein technisches Konzept Der Digital Thread ist weit mehr als ein optionales Werkzeug. Vielmehr ist er ein strategischer Baustein für moderne Industrieunternehmen. Er befähigt Firmen, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und ihre Innovationskraft nachhaltig zu sichern. Auf Basis des digitalen roten Fadens entstehen aus isolierten Informationen vernetzte, orchestrierte Entwicklungsökosysteme, die Produktentwicklung und Zusammenarbeit auf ein neues Niveau heben. Das macht die Produktentwicklung in Unternehmen nicht nur effizienter, sondern auch zukunftsfähiger.
Text Miriam Rauh
Künstliche Intelligenz verspricht Effizienz und Erkenntnisgewinn, doch sie verändert auch, wer über Systeme bestimmt. Warum digitale Souveränität zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird, erläutern Dr. Norbert Lotter und Dr. Rainer Zeifang von der PROSTEP Gruppe.

Dr. Rainer Zeifang Head of Business Unit Software
Development & Business Unit Consulting –Business Development & Sales

Dr. Norbert Lotter Head of Near- and Offshore Operations
Herr Dr. Lotter, was verstehen Sie unter digitaler Souveränität im industriellen Kontext und warum ist sie gerade beim Einsatz von KI so entscheidend?
Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben. Es geht darum, über die Gestaltung und Nutzung der eigenen digitalen Systeme selbst zu bestimmen. Souverän ist nur, wer Wahlmöglichkeiten hat und wer Funktionen oder Systeme selbst bereitstellen oder wechseln kann. Das unterscheidet Souveränität klar von Datensicherheit oder Compliance.
Ich unterscheide zwei Ebenen: funktionale Souveränität, also die Fähigkeit, digitale Funktionen aktiv zu gestalten und auch zu begrenzen, und Datensouveränität, also das Wissen darüber, wer meine Daten wofür nutzt und wie ich sie selbst als strategische Ressource einsetze. Daten, die einfach abgelegt werden, sind kein Kapital. Erst wenn ich weiß, was in ihnen steckt und wie ich sie verknüpfen kann, entsteht ein Wettbewerbsvorteil.
Wie gelingt es, aus verschiedenen Datenquellen konsistente und vertrauenswürdige Informationen zu gewinnen? Das ist weniger eine technische als eine sprachliche Frage. Daten sind Aussagen über die Realität und jede Aussage gilt nur in einem bestimmten Kontext. Unternehmen verwalten ihre Daten in verschiedenen Systemen, die oft „unterschiedliche Sprachen“ sprechen. Ohne gemeinsame Semantik bleibt Integration Stückwerk.
Es gibt keine universelle Ontologie, die für alle gilt, weil es keine kontextfreie Sprache gibt. Jedes Unternehmen muss für seinen eigenen Handlungsraum eine semantische Struktur definieren, die erlaubt, Daten aus unterschiedlichen Systemen sinnvoll miteinander zu korrelieren. KI kann helfen, Daten automatisch entlang solcher Ontologien zuzuordnen, Zusammenhänge zu erkennen und Widersprüche aufzulösen; also gewissermaßen eine Übersetzung zwischen den Datensprachen der verschiedenen Systeme zu leisten. Um es mit Wittgenstein zu sagen: „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt.“ Wer die Sprache seiner Daten beherrscht, erweitert seine digitale Welt und damit seine Handlungsfreiheit.
Digitale Souveränität ist die Fähigkeit, handlungsfähig zu bleiben. Es geht darum, über die Gestaltung und Nutzung der eigenen digitalen Systeme selbst zu bestimmen.
Dr. Norbert Lotter, Head of Near- and Offshore Operations
machen und Anforderungen mit modellbasiertem Systems Engineering verknüpfen.
Und in der Softwareentwicklung setzen unsere Entwickler GitHub Copilot ein. Das beschleunigt die Code-Erstellung, verbessert die Qualität und reduziert die Time-to-Merge.
Darüber hinaus haben wir dieses Jahr mit dem Einsatz von Large Language Models bei der Vorbereitung eines internen ISO-Audits in beeindruckender Weise Zeit gespart.
Herr Dr. Zeifang, viele Unternehmen nutzen die Cloud- und KI-Dienste globaler Anbieter. Wie lässt sich zwischen Effizienz und Unabhängigkeit eine nachhaltige digitale Souveränität aufbauen?
KI hat einen Zentralisierungseffekt. Große Modelle erfordern eine enorme Rechenleistung, die heute nur wenige globale Plattformen bereitstellen können. Das schafft Abhängigkeiten. Gerade deshalb brauchen wir in Europa eine eigene KI-Infrastruktur, die auf Offenheit, Datenschutz und technologische Eigenständigkeit setzt. Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Gestaltung. Wir müssen Technologie verstehen, um sie selbstbestimmt nutzen und weiterentwickeln zu können.
PROSTEP hat den „KI Data Hub“ entwickelt. Was unterscheidet ihn von klassischen Data-Lakes?
Ein Data-Lake ist ein Sammelbecken; er schafft Zugriff, aber noch kein Verständnis. Der KI-Data-Hub geht weiter: Er verknüpft Daten semantisch entlang der Unternehmenssprache und verdichtet sie zu einer logisch strukturierten Wissensbasis. So greift die KI nicht auf unstrukturierte Datenmengen zu, sondern auf kontextualisierte Informationen. Das macht Ergebnisse nachvollziehbarer und vertrauenswürdiger. Kurz gesagt: Der KI-Data-Hub schafft nicht nur Speicherplatz, sondern Verstehbarkeit und das ist die Voraussetzung produktiver KI.
Wie stellen Sie sicher, dass KI-Systeme in komplexen IT-Landschaften transparent und auditierbar bleiben?
Die größte Gefahr liegt im blinden Vertrauen in KI-Ergebnisse. KI liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Wahrheiten. Transparenz entsteht nur, wenn klar ist, auf welche Daten, Regeln und Quellen sich eine Antwort stützt. Deshalb muss die Einführung von KI immer auch ein organisatorischer Wandel sein: Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und kritisches Denken müssen selbstverständlich sein. KI darf Verantwortung nicht ersetzen, sie soll unterstützen.
Herr Dr. Lotter, mit Ihrem Ansatz MADWYN –Make AI do what YOU need – soll KI gezielt geführt werden. Was steckt dahinter?
MADWYN ist die methodische Antwort auf die Frage, wie man KI nutzt, ohne ihr die Kontrolle zu überlassen. Der Ansatz trennt kognitive und deterministische Aufgaben; also das, was KI gut kann, von dem, was Kontrolle erfordert. KI liefert Kontext und Flexibilität, Algorithmen sorgen für Präzision und Reproduzierbarkeit. Erst das Zusammenspiel beider schafft eine hybride Intelligenz. Sie ist lernfähig und zugleich verlässlich.
Technisch basiert MADWYN auf dem Pattern-Ansatz: KI-Workflows werden in klar definierte Bausteine zerlegt, deren Ablauflogik deklarativ beschrieben ist. Jeder Schritt ist nachvollziehbar dokumentiert, inklusive der Prompts, Datenquellen und Regeln. So bleibt das System transparent, testbar und reproduzierbar.
Und Sie arbeiten bereits an der nächsten Stufe?
Ja. Mit dem PROSTEP Product Chatbot haben wir gezeigt, dass deklarativ gestaltete Workflows skalierbar und auditierbar sind. Der nächste Schritt ist die Agentic AI: spezialisierte KI-Agenten, die teilautonom zusammenarbeiten; etwa ein RequirementsAgent, der Anforderungen interpretiert, oder ein Coding-Agent, der Codevorschläge generiert. Sie agieren auf derselben semantischen Wissensbasis, bleiben aber kontrolliert und nachvollziehbar. Ziel ist, komplexe Aufgaben wie die Wartung von Legacy-Systemen deutlich zu vereinfachen und die Kluft zwischen Anforderung und Umsetzung zu schließen.
Herr Dr. Zeifang, können Sie Beispiele nennen, wo KI nachweislich Effizienz und Qualität verbessert hat?
Da sind zum einen unsere KI-gestützten Chatbots, die Wissen unmittelbar zugänglich
Wir brauchen in Europa eine eigene KI-Infrastruktur, die auf Offenheit, Datenschutz und technologische Eigenständigkeit setzt.
Dr. Rainer Zeifang, Head of Business Unit Software Development & Business Unit Consulting – Business Development & Sales
Mit RelAIable, einer Lösung unseres Partners wecon, automatisieren wir zudem GUI-Tests auf Basis natürlicher Sprache. Tests passen sich selbstständig an Änderungen der Oberfläche an, ohne ihre Intention zu verlieren.
All diese Beispiele zeigen, dass sich die Rolle der Akteure, der Ingenieure und Entwickler grundlegend ändert. Sie werden zu Gestaltern intelligenter Systeme, die KI reflektieren und verantwortungsvoll einsetzen.
Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken: Wie könnte die industrielle KI-Landschaft aussehen?
Dr. Norbert Lotter: KI wird ein integraler Bestandteil industrieller Systeme sein. Dennoch wird sie in den Kernprozessen nur innerhalb klarer Grenzen autonom handeln. Der Mensch bleibt gefragt, weil er Relevanz und Glaubwürdigkeit bewerten kann.
Dr. Rainer Zeifang: Für uns bei PROSTEP bedeutet das, KI- und Agentic-AI-Ansätze konsequent in unsere Digital-Thread-Plattform zu integrieren – als verbindendes System, das Lösungen wie OpenPDM, OpenCLM und OpenDXM GlobalX intelligent verknüpft. Ziel ist ein durchgängiger, smarter Produktlebenszyklus von der Idee bis zum Recycling, transparent, effizient und nachhaltig. KI wird so zum Enabler einer Produktentwicklung, in der Effizienz, Qualität und Ökologie keine Gegensätze mehr sind.


Dr. Amadeusz Kargul Squad Owner GenoGPT
Endlose Recherchen gehören der Vergangenheit an: Mit GenoGPT wird Wissen in Sekunden verfügbar. Die KI-Plattform der Atruvia AG entlastet Bankmitarbeitende und schafft Freiraum für das, was wirklich zählt. Corporate Communication Manager Hannes Dienel erzählt, wie das gelingt.
Herr Dienel, was ist GenoGPT? GenoGPT ist eine KI-basierte Wissens-, Agenten- und Informationsplattform der Atruvia AG für die genossenschaftliche FinanzGruppe der Volks- und Raiffeisenbanken (GFG) sowie genossenschaftliche Verbundunternehmen. Sie bündelt interne und externe Datenquellen und stellt den Mitarbeitenden in den Banken über ein sicheres Chat-Interface bankenspezifisches Wissen schnell und kontextgerecht zur Verfügung. Ziel von GenoGPT ist es, Informationen aus verschiedenen Systemen effizient nutzbar zu machen, Prozesse zu vereinfachen und die Servicequalität zu erhöhen. GenoGPT wird in Europa gehostet und funktioniert datenschutzkonform.
Wovon profitieren Banken am meisten? Banken profitieren vor allem davon, dass Wissen und Arbeitsanweisungen endlich zentral, strukturiert und sofort abrufbar sind. Mitarbeitende erhalten kontextgenaue, handlungsleitende Antworten, ganz gleich, ob es sich dabei um die neuesten internen Anweisungen und Vorgaben, bestehenden Regularien oder andere Fragen handelt – und zwar in Sekunden statt Stunden. Das sorgt für mehr Sicherheit im Tagesgeschäft, schnellere Entscheidungen und deutlich entlastete Teams. Die intelligente semantische Suche, die in der Chat-Eingabeleiste nicht nur den exakt richtigen Begriff, sondern auch alternative Formulierungen erkennt, liefert umgehend das richtige Ergebnis und die richtige Antwort. Alle haben sofort Zugriff und können dank der erhaltenen Informationen sofort weiterarbeiten.
Was macht GenoGPT im Detail?
GenoGPT dient als zentrale Wissens- und Agenten-Plattform, die jedoch nicht nur interne Systeme durchsucht, sondern zusätzlich Fachportale und perspektivisch externe Quellen miteinbezieht und diese verknüpft, aktuell ist beispielsweise eine Internetsuche möglich. Über ein sicheres Chat-Interface erhalten Mitarbeitende schnellen Zugriff auf relevantes Wissen und konkrete Handlungsempfehlungen. So werden Informationssilos aufgelöst, Prozesse effizienter und die Servicequalität spürbar verbessert.
Wurde GenoGPT bereits in der Praxisanwendung getestet?
Ja, GenoGPT ist seit August/September für die Banken der GFG verfügbar und wurde davor
Brandreport • Boehmert & Boehmert Anwaltspartnerschaft mbB
Informationssilos werden aufgelöst, Prozesse effizienter und die Servicequalität spürbar verbessert.
– Dr. Amadeusz Kargul, Squad Owner GenoGPT
intensiv von Pilotbanken wie der Volksbank Jade-Weser getestet. Dort bereitete ein internes Innovationsteam dazu die Datenlandschaft systematisch auf strukturierte Arbeitsanweisungen und band sie in GenoGPT ein.
Künftig sollen Aktualisierungen automatisiert über eine Schnittstelle erfolgen, sodass stets aktuelle Informationen verfügbar sind. Zudem soll demnächst ein Bot integriert werden, um Produkt- und Release-Infos zentral im Kundenportal von Atruvia durchsuchbar zu machen.
Was sind die Learnings aus dem Pilotprojekt?
Dank der semantischen Suche finden Mitarbeitende nun schnell und kontextgenau
Informationen, was nicht nur zu deutlich mehr Effizienz und Sicherheit führt, sondern auch zu messbarer Zeitersparnis. Einsparungen von 10 bis 15 Minuten bei der Erstellung eines Kundenanschreibens sind heute die Regel. Das summiert sich schnell auf mehrere Stunden – jeden Tag.
Wie entwickelt sich GenoGPT weiter? Während weitere Banken der Genossenschaftsgruppe GenoGPT implementieren, entwickelt Atruvia parallel zusätzliche Bots, um Effizienz und Arbeitserleichterung im Bankingalltag weiter zu steigern. Gleichzeitig ermöglicht GenoGPT künftig die Integration von Bots externer Anwendungen. In einer Ausbaustufe sollen dann Agenten vermehrt Prozesse innerhalb der Arbeitsschritte steuern und GenoGPT noch effizienter machen.
Der EU AI Act schreibt vor, dass alle Mitarbeitenden vor der Nutzung von KI-Technologien geschult werden müssen. Die Schulung der Mitarbeitenden ist somit ein zentraler Schritt, bevor GenoGPT flächendeckend eingeführt wird.
Weitere Informationen unter: atruvia.de
Künstliche Intelligenz revolutioniert das geistige Eigentum – von der Entwicklung neuer Technologien über Patente bis hin zur Ausbildung junger Jurist:innen. Boehmert & Boehmert, eine der führenden Kanzleien im IP-Bereich, sieht in der Digitalisierung enorme Chancen, aber auch rechtliche Herausforderungen. Zwei Partner, Dr. Matthias Hofmann und Dr. Jakob Valvoda, geben Einblicke.

Dr. Matthias Hofmann Patentanwalt

Dr. Jakob Valvoda Patentanwalt
Künstliche Intelligenz verändert die Welt des geistigen Eigentums tiefgreifend. »KI bringt nicht nur neue Technologien hervor, sondern verändert auch Prozesse, wie wir geistiges Eigentum schaffen, nutzen und schützen«, erklärt Patentanwalt Dr. Matthias Hofmann von Boehmert & Boehmert, der selbst auf dem Gebiet maschinelles Lernen promoviert hat . Mit einer eigenen Software »PatentMaker« werden Patentanmeldungen effizienter bearbeitet – ein Beispiel dafür, wie sich digitale Werkzeuge schon heute produktiv einsetzen lassen.
Wir sehen KI als hoch entwickeltes Werkzeug.
– Dr. Jakob Valvoda, Patentanwalt und Informatiker
Doch die Transformation betrifft nicht nur die Arbeit für Mandant:innen, sondern auch die Ausbildung der nächsten Generation. »Junge Patentanwältinnen und -anwälte müssen künftig nicht nur rechtlich sattelfest sein, sondern auch den Umgang mit digitalen Tools beherrschen«, betont Patentanwalt und Informatiker Dr. Jakob Valvoda. Das erfordert eine Anpassung der Ausbildungsinhalte, weg von reinem Dogma, hin zu einer praxisnahen Auseinandersetzung mit KI.
Doch mit KI treten auch neue rechtliche Fragen auf. Besonders strittig: Kann eine KI selbst »erfinden«? Wer ist Urheber von KI-generierten Inhalten? »Wir sehen KI als hoch entwickeltes Werkzeug. Entscheidend ist, wie Menschen es einsetzen«, so Valvoda. Hier liegen Chancen und Risiken eng beieinander.
Die Digitalisierung verschärft die Anforderungen zusätzlich. Enorme Datenmengen,
Plattformmodelle und algorithmische Geschäftsmodelle müssen geschützt werden. Für Unternehmen bedeutet das, neben klassischen Patenten und Marken auch Daten, Schnittstellen und Algorithmen in den Blick zu nehmen. Hofmann empfiehlt, Schutzrechte frühzeitig und international zu planen, klare Prozesse zur Dokumentation von Know-how zu etablieren und Nutzungsrechte in Verträgen eindeutig zu regeln.
Ein weiterer Aspekt ist die Gesetzgebung. Europa versucht mit Initiativen wie dem EU AI Act Schritt zu halten, doch die Regulierung schafft auch Unsicherheiten. »Unternehmen brauchen Klarheit, damit sie investieren und innovieren können«, so Hofmann. Gleichwohl bleibt der IP-Schutz eine Konstante. Valvoda betont: »Geistiges Eigentum ermutigt Innovatoren, Ideen zu veröffentlichen, und ermöglicht es der Gesellschaft, davon zu profitieren.«
Für Unternehmen bedeutet das: mutig nach vorne blicken, KI-Tools einsetzen und deren Chancen wie Gefahren realistisch einschätzen. Denn KI und Digitalisierung durchdringen nicht nur die Wirtschaft, sondern die gesamte Gesellschaft.
Die Effizienzpotenziale sind enorm. »Mit Tools wie ›PatentMaker‹ können Patenterteilungsverfahren effizienter geführt werden«, erklärt Hofmann. Das steigert auch die Qualität im Anmeldeverfahren. Zugleich mahnt Valvoda: »IP-Strategie ist Chefsache. Gerade in Zeiten des Wandels bleibt IP ein zentrales Asset von Unternehmen.«
Ihr gemeinsames Fazit: KI und Digitalisierung werden den IP-Bereich dauerhaft prägen. Wer rechtzeitig in digitale Kompetenzen, klare Schutzstrategien und den klugen Einsatz neuer Technologien investiert, verschafft sich nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern gestaltet auch aktiv die Zukunft mit.
Weitere Informationen unter: boehmert.de



Automatisierte Stores, smarte Einkaufswagen und KI-gestützte Prozesse verändern den Handel grundlegend.
CTO Andreas Starzmann vom Retail Solutions Partner Wanzl spricht über den Balanceakt zwischen Effizienz und Erlebnis – und darüber, wie digitale Lösungen den Menschen entlasten, ohne ihn zu ersetzen. Denn auch im Zeitalter vernetzter Systeme bleibt der Einkauf vor allem eines: ein menschliches Erlebnis.
Herr Starzmann, Wanzl gilt als Pionier beim Wandel des stationären Handels. Wie lässt sich digitale Souveränität wahren, wenn Cloud-Plattformen wie wanzl connect immer stärker in Prozesse und Datenströme eingreifen? Wir haben wanzl connect entwickelt, um Einzelhändlern die Kontrolle, Analyse und Steuerung ihrer Geschäftsprozesse zu erleichtern. Die Plattform ersetzt aber nicht die individuelle Erfahrung und Entscheidungsfreiheit. Jeder bestimmt selbst, in welchem Umfang er die Plattform nutzt. Sie liefert datenbasierte Einblicke und Handlungsempfehlungen, die Umsetzung liegt vollständig beim Händler. Wir greifen nur nach ausdrücklicher Rücksprache unterstützend ein. Auch alle erhobenen Daten bleiben im Besitz des Händlers.
KI im Handel wird oft mit Überwachung gleichgesetzt. Wie gelingt Wanzl der Spagat zwischen Sicherheit – etwa bei Diebstahlerkennung – und einem vertrauensvollen Einkaufserlebnis? Wir unterscheiden zwischen KI-Anwendungen ohne direkten Konsumentenbezug, wie bei der Ladenbauplanung, und solchen mit direktem Kundenkontakt, beispielsweise bei Altersverifikation, Diebstahlerkennung oder Check-out-Prozessen. Grundvoraussetzung für alle Anwendungen mit Kundenbezug ist der vollständige Schutz der Persönlichkeitsrechte. So werden etwa bei Kameraaufnahmen mit unserem intelligenten Einkaufswagen FastLaner Gesichter automatisch verpixelt. Natürlich übernimmt die KI je nach Anwendung eine Kontrollfunktion, im Fokus steht für uns jedoch immer die Steigerung von Komfort,
Wir verstehen Smart Innovation als Brücke zwischen Erlebnis und Effizienz .
Effizienz und Sicherheit, sowohl für Händler als auch Konsumentinnen und Konsumenten.
Der smarte Einkaufswagen FastLaner verknüpft KI-Sensorik, Payment und Retail-Media, wanzl connect bündelt Zutritt, Check-out und Analyse. Welche Rolle spielen hier Datenethik und Datensicherheit? Datensicherheit und Datenethik haben höchste Priorität. Es werden keinerlei personenbezogene Daten erhoben, gespeichert oder verarbeitet. Unsere Lösungen erkennen keine Persönlichkeitsmerkmale, zeichnen keine Videos auf und arbeiten ausschließlich mit anonymisierten Datenströmen. Zudem versteht sich Wanzl als Technologieintegrator, nicht als Datenverwerter. Wir stellen die technischen Komponenten und Plattformen bereit, die von unseren Kunden in ihre Systeme integriert werden. Die Verantwortung für Speicherung, Nutzung und Schutz der Daten liegt daher bei den jeweiligen Betreibern.
Viele Ihrer Lösungen – vom Smart Exit bis zu 24/7-Stores – ersetzen klassische Servicefunktionen. Wird der Händler der Zukunft eher zum Systembetreiber als zum Gastgeber? Nein, ganz im Gegenteil. Gerade Lebensmittel sind Produkte, die Kundinnen und Kunden erleben wollen. Dieses Bedürfnis wird auch in Zukunft bestehen. Der Beruf des Lebensmittelhändlers verändert sich jedoch durch den Einsatz von Technologie. Er wird sich künftig noch stärker auf das konzentrieren können, was den stationären Handel ausmacht, nämlich die Rolle als Gastgeber. Prozesse wie Self-Check-out oder KI-gestützte Bestandskontrollen übernehmen Routineaufgaben im Markt. Der gewonnene Freiraum kann für persönliche Kundenbetreuung und eine hochwertige Warenpräsentation genutzt werden.
Wanzl spricht von einer »intelligenten Kombination aus digitalen Services,
– Andreas Starzmann, CTO
Automatisierung und Erlebnis«. Wie definieren Sie in diesem Kontext »Smart Innovation«? Wir verstehen Smart Innovation als Brücke zwischen Erlebnis und Effizienz. Sie ist ein evolutionärer Schritt, kein disruptiver. Wir verbinden digitale Services, Automatisierung und Erlebnis, um einen konkreten Mehrwert für Händler und Kunden zu schaffen. Technologie ist dabei kein Selbstzweck, sondern eine Möglichkeit, um Prozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig die CustomerExperience auf der Fläche zu verbessern.
KI-Anwendungen verändern auch die Zusammenarbeit mit Markenherstellern. Entstehen durch smarte Einkaufswagen neue Geschäftsmodelle im Bereich Retail-Media?
Ja, smarte Einkaufswagen eröffnen völlig neue Möglichkeiten für datenbasiertes Marketing im stationären Handel. Displays am Einkaufswagen können gezielt Inhalte, abgestimmt auf die aktuelle Customer-Journey, ausspielen. Datenschutzkonform erfasste Bewegungs- und Kaufdaten lassen sich mit Verkaufsdaten kombinieren und ermöglichen so Predictive Ads, dynamische Preisgestaltung und individualisierte Produktempfehlungen. Letzteres selbstverständlich nur bei aktivem Kundenkonto.
Seit dem ersten Würth24-Store 2018 hat sich das Smart-StoreKonzept rasant entwickelt. Was war technologisch der entscheidende Durchbruch und wo liegen heute noch die Grenzen?
Der Erfolg der Smart Stores beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren – Technologie ist nur einer davon. Stabile Zutritts- und Authentifizierungssysteme, eine verlässliche Cloud-Infrastruktur sowie die Vernetzung über IoT-Plattformen sind wichtig. Hinzu kommen intuitive
Self-Check-out-Technologien und die Beachtung von Sicherheitsaspekten, zum Beispiel bei Diebstahl, Vandalismus oder Notfällen. Darüber hinaus beeinflussen ökonomische und gesellschaftliche Aspekte die Entwicklung: Return on Investment, rechtliche Rahmenbedingungen und die Akzeptanz der Konsumentinnen und Konsumenten spielen eine wesentliche Rolle. Grenzen bestehen derzeit vor allem in der personalisierbaren Kundenkommunikation, bei beratungsintensiven Sortimenten sowie bei der technischen Infrastruktur, etwa einer stabilen Internetverbindung.
Sie entwickeln Lösungen für autonome oder hybride 24/7-Formate. Wie reagieren Konsumentinnen und Konsumenten auf diese neuen Freiheitsgrade?
Die Resonanz ist überwiegend positiv. Konsumentinnen und Konsumenten schätzen die neu gewonnene Flexibilität, insbesondere außerhalb klassischer Öffnungszeiten. Besonders der Sonntag hat sich in allen bisherigen Projekten als umsatzstärkster Wochentag erwiesen. Das ist ein deutliches Signal dafür, dass die Nachfrage nach 24/7-Formaten real und nachhaltig ist. Zudem bieten die Konzepte eine Lösung für aktuelle Herausforderungen des Handels wie die Sicherstellung der Nahversorgung oder die Personalknappheit.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wird Wanzl in zehn Jahren eher Technologieunternehmen oder immer noch PremiumAusstatter des Handels sein? Wanzl wird beides sein, Premium-Ausstatter und Technologiepartner des Handels. Unsere Wurzeln liegen in handwerklicher Qualität, Designkompetenz und funktionalem Produktverständnis. Diese Basis bleibt, doch sie wird mit digitalen Angeboten wie wanzl connect oder dem FastLaner erweitert. Wir stellen dabei immer den Händler in den Mittelpunkt, mit dem wir gemeinsam die beste Lösung für ihn entwickeln.
Weitere Informationen unter: wanzl.com
Digitale Transformation, Predictive Analytics, Prozessautomatisierung, Internet der Dinge. Diese Schlagwörter fliegen in jedem Technologieunternehmen und Thinktank umher. Aber nicht zu Unrecht, denn diese Innovationen stellen die altbekannte Arbeitswelt auf den Kopf.

Die vierte industrielle Revolution oder Industrie 4.0 ist der Oberbegriff für den rasanten technologischen Fortschritt des 21. Jahrhunderts. Getauft wurde sie 2016 vom Gründer des WEF. Ihre Hauptbestandteile sind die künstliche Intelligenz, die zunehmende Automatisierung vieler Prozesse und das Internet der Dinge. Der technologische Wandel fordert eine Hinterfragung bestehender Unternehmensstrukturen und Arbeitspraxen – ganz wie bei der Einführung des angetriebenen Fließbandes im Jahre 1804.
Optimierung durch KI
Die künstliche Intelligenz bietet eine enorm breite Anwendung über praktisch alle Sektoren. Zwar denkt man im ersten Moment an Tools wie ChatGPT, aber KI ist auch ein zentraler Treiber in Robotik, Automation und Datenanalyse. Neben der klassischen industriellen Anwendung positioniert sie sich zudem in Bereichen wie der Agrikultur, zum Beispiel indem Landwirte in Echtzeit Informationen über die Reife der Pflanzen und den Bewässerungsstand der Erde erhalten.
Eine weitere KI-basierte Komponente der Industrie 4.0 sind sogenannte Smart Factorys. In solchen werden beispielsweise logistische Arbeiten mit minimaler menschlicher Interaktion ausgeführt. Dies gelingt dank des Internets der Dinge, zu Englisch Internet of Things (IoT). Damit kommunizieren die Maschinen konstant miteinander und lassen auch direkte Interventionen und Anpassungen durch Mitarbeitende zu. Solche Prozesse erlauben eine effizientere Verbindung zur Lieferkette und unterstützen die Optimierung von Produktionsabläufen.
Vernetzung von Mensch und Maschine Das wohl erste Projekt, das eine konstante Kommunikation zwischen zwei Geräten erlaubte, war ein Getränkeautomat. Im Jahre 1982 installierten Studenten der Carnegie
Arbeitnehmende aller Branchen und Berufsprofile müssen sich anpassen, neue Technologien und Arbeitsprozesse erlernen und sich weiterbilden.
Mellon University in Amerika ein Interface in einem Coca-Cola-Automaten, welches Informationen über den Bestand und die Innentemperatur des Gehäuses lieferte. Ein simples Konzept, aber es war ein prominentes, frühes Beispiel der möglichen Applikationen des IoT.
Neben der Industrie und Produktion bietet das IoT auch auf Konsumseite unzählige Anwendungsmöglichkeiten. Zum Beispiel kann das eigene Haus automatisiert werden, indem Bestandteile wie Heizung, Licht, Medien- und Sicherheitssysteme ihre Aufgaben selbstständig ausführen. Ebenso findet es auch Anklang in der Medizin und Altenpflege. So können Patient:innen und Bewohnende überwacht werden. Und es gibt mittlerweile Sensoren, die spezifisch auf Stürze oder Schlaganfälle ausgelegt sind und das Personal sofort alarmieren können.
Technologie als Hellseher Prädiktive Analyse erlaubt es Unternehmen, die mit großen Datenmengen arbeiten, Beziehungen und Muster frühzeitig zu erkennen. Dies bedarf eines gezielten Einsatzes von KI, Machine-Learning, Data-Mining und der Umwandlung der Daten in Modelle. Daraus können fundierte Voraussagen gemacht und zum Beispiel ein Kreditkartenbetrug in Echtzeit erkannt werden. Ein Vorbehalt: Die Genauigkeit der Voraussage hängt enorm stark von der Qualität der zur Verfügung stehenden Daten ab.
Eine Applikation, die bei großen Unternehmen immer mehr Anklang findet, ist die Personalisierung von Marketingkampagnen. Anstelle der immer gleichen Standard-EMails und -Briefe können Offerten mithilfe
von prädiktiver Analyse nach Maß erstellt werden. Das Datenmodell berechnet, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Angebot angenommen wird, und bietet Verbesserungsvorschläge, um die Chancen zu erhöhen.
Industrie 5.0
Ganz im Geiste der Innovation entwickeln manche Expert:innen und Unternehmen bereits Konzepte und Strategien für die fünfte industrielle Revolution. Die Beschreibung der Industrie 5.0 prognostiziert, dass ein Paradigmenwechsel weg von der industriellen Effizienz und näher zur Kultivierung eines gesunden Sozialwesens und der Führung einer nachhaltigen Wirtschaft stattfinden soll. Das zentrale Ethos ist: »Der Mensch wird nicht verdrängt, sondern gestärkt.« So spricht sie die zentrale Angst vieler Arbeitnehmender an, von Maschinen ersetzt zu werden und ihren Job zu verlieren.
Doch so ein technologisches Idyll kann nicht ohne die Überwindung von beträchtlichen Herausforderungen erreicht werden. Arbeitnehmende aller Branchen und Berufsprofile müssen sich anpassen, neue Technologien und Arbeitsprozesse erlernen und sich weiterbilden. Ebenso kommen Fragen über den Datenschutz und die Cybersicherheit auf. Je größer die Datenmengen sind, desto attraktiver sind sie für Menschen, die sie missbrauchen. Und die zunehmende Digitalisierung bietet automatisch auch mehr Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Um vollständig von den Vorteilen der Industrie 4.0, und später 5.0, profitieren zu können, müssen Unternehmen eine robuste Dateninfrastruktur aufbauen, den nahtlosen Austausch dieser Daten sicherstellen und einen menschenzentrierten Ansatz anpeilen. Innovation, Sicherheit und Kreativität bleiben dabei das höchste Gebot.
Text Ayman Duran
Endress+Hauser Deutschland • Brandreport 9
Wie lassen sich Emissionen präziser überwachen und Energie effizienter nutzen? Im Interview spricht Oliver K. Stöckl, Geschäftsführer Endress+Hauser Deutschland, darüber, wie das Unternehmen neue Technologien in verschiedenen Industriebereichen einsetzt und somit Emissionen senkt.

Oliver K. Stöckl Geschäftsführer
Herr Stöckl, wie innovativ ist Deutschland heute?
Deutschland bleibt trotz hoher Energiepreise und politischer Unsicherheiten ein Zentrum industrieller Innovation. Auch unsere Firmengruppe trägt dazu bei: 2024 investierte Endress+Hauser weltweit 275 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung – 7,4 Prozent des Umsatzes –, was im Schnitt täglich zu einer neuen Erfindung führt. Das Schutzrechteportfolio umfasst über 9000 aktive Patente und Anmeldungen. Diese Innovationskraft bestimmt auch unseren Blick nach vorn. Mit mehr als 100 Millionen Euro tätigen wir eine Rekordinvestition am Standort Maulburg. Das Projekt Campus 2030+ modernisiert und erweitert die Entwicklung sowie Produktion von Füllstands- und
Druckmesstechnik und macht sie fit für die Zukunft. Es steht stellvertretend für unseren Anspruch, technologische Entwicklungen aktiv mitzugestalten – in einem Land, das seit jeher für Ingenieurskunst und Präzision steht.
Welche Technologien treiben Ihrer Meinung nach Innovationen in der Prozessindustrie am stärksten voran?
Der Zugang zu Daten – jederzeit und überall. Intelligente Sensorik und digitale Konnektivität schlagen dabei die Brücke zwischen bestehender Anlagentechnik und der vernetzten Industrie von heute. Zugleich gewinnen präzise Mess- und Analysetechnologien an Bedeutung, um Emissionen zu reduzieren und Prozesse ressourcenschonender zu gestalten. Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit schließen sich nicht aus. Sie ergänzen sich und treiben gemeinsam den Fortschritt voran.
Wie wichtig sind strategische Partnerschaften – z. B. mit SICK – für Ihren Erfolg?
Sie sind ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Durch die strategische Partnerschaft mit SICK konnten wir unser bewährtes Produktportfolio um moderne Lösungen
in der Gasanalytik und Durchflussmesstechnik erweitern. Diese Technologien kommen unter anderem in Kraftwerken, der Chemie- und Stahlindustrie oder im Schiffsbau zum Einsatz und leisten dort einen entscheidenden Beitrag zur Emissionsüberwachung und Energieeffizienz. Wie stellt Endress+Hauser sicher, dass Digitalisierung und Vernetzung in der Prozessindustrie echten Mehrwert schaffen – statt nur Datenströme zu erzeugen? Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Entscheidend ist, dass aus Daten Erkenntnisse entstehen, die Prozesse verbessern, Ressourcen schonen und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen. Wir konzentrieren uns deshalb darauf, Informationen aus der Feldebene nutzbar zu machen – also dort, wo sie entstehen – und sie in einen Kontext zu setzen, der unseren Kunden hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen. Offene Schnittstellen und einheitliche Kommunikationsstandards spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sorgen dafür, dass Systeme miteinander sprechen können und digitale Lösungen in bestehende Anlagen integriert werden, unabhängig von Hersteller oder Technologie.
Endress+Hauser hat den Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Messund Regeltechnik gewonnen. Wie möchten Sie Ihr Ziel von Netto-Null-Treibhausemissionen bis 2050 entlang der gesamten Wertschöpfungskette erreichen?
Den größten Hebel sehen wir in unseren vor- und nachgelagerten Prozessen, etwa bei der Beschaffung von Materialien oder beim Betrieb unserer Geräte bei den Kunden. Hier entwickeln wir Produkte, die mit weniger Material und Energie auskommen, und unterstützen unsere Kunden dabei, Ressourcen effizienter zu nutzen, Emissionen zu senken und Prozesse nachhaltiger zu gestalten.
Weitere Informationen unter: endress.com
In der Industrie 4.0 nimmt die Automatisierung eine zentrale Rolle ein. Jaka Robotics ist ein Pionier in der Produktion und Anwendung von sogenannten kollaborativen Robotern. Sowohl beim Ausbau bestehender Applikationen als auch bei der Erschließung neuer Möglichkeiten steht das Unternehmen an vorderster Front.

Wolfgang Lienke
Vice President, Jaka Robotics Europe

Oliver
Rössler CFO, Jaka Robotics Europe
Beim Stichwort Automatisierung denkt man in erster Linie an Bereiche wie Palettierung oder Beladelösungen. Aber in diesen Gebieten haben sich Roboter bereits etabliert. Neben der ständigen Kosten- und Leistungsoptimierung arbeitet Jaka Robotics stetig daran, neue Anwendungen und Innovationen zu erforschen und marktfähig zu machen.
Die Spitze des Eisbergs Gemäß einer Studie gibt es insgesamt über neun Millionen potenzielle Anwendungsgebiete

für kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, von denen heute nur ein kleiner einstelliger Prozentsatz erschlossen ist. Deshalb arbeitet Jaka Robotics konstant daran, diese Felder zu erkunden und neue Lösungen anzubieten. Dabei stehen Kreativität und Innovationskraft ganz oben auf der Liste. »Es ist wie ein Ölfeld, das man zwar lokalisiert, aber noch nicht erschlossen hat«, erklärt Wolfgang Lienke, Vizepräsident von Jaka Europe. Die Realisierung dieses Potenzials ist zentral für die Wettbewerbsfähigkeit.
Ein weiterer Vorteil von Cobots ist die einfach zu erlernende Programmierung. Bei der Applikation von Kaffee-Robotern beispielsweise setzt Jaka Robotics auf Motion-Capture-Technologie. Die Bewegungen eines Barista-Meisters werden aufgezeichnet, die Daten bereinigt und daraus
dann das Programm des Roboters geschrieben. Die spezialisierten Greifer für solche Maschinen werden teilweise 3D-gedruckt – eine Methode, die die Kooperation zwischen Roboterherstellern und innovativen Start-ups fördert und fordert.
Regulatorische Unterstützung der Innovation Für Jaka Robotics ist es auch wichtig, dass möglichst viel Produktion und Forschung innerhalb Deutschlands und Europas betrieben wird. Dies gestaltet sich durch den enorm gestiegenen bürokratischen Aufwand aber als schwierig, gerade gegenüber Asien. Durch strikte Regulationen und Vorschriften wird Innovation verhindert und es besteht die Gefahr, dass Outsourcing stark zunimmt und die Wirtschaft darunter leidet.
Deutschland gerät dadurch auch im internationalen Wettbewerb in den Rückstand. Gemäß neuen Zahlen der IFR gehört Deutschland nicht mehr zu den drei Ländern mit der höchsten Roboterdichte pro 10 000 Mitarbeitenden. Zudem gilt es, die aktuell hohen Energiekosten in der Produktion zu reduzieren. So erläutert CFO Oliver Roessler: »Wenn sie weiter so aufrechterhalten werden, dann wird uns ein Teil der industriellen Basis wegbrechen.«
Jaka Robotics sieht sich nicht nur als Hersteller, sondern auch als aktiver Gestalter einer technologischen Zukunft, in der Mensch und Maschine zusammenarbeiten. Dabei versteht sich das Unternehmen als Teil eines Ökosystems, das Fortschritt verantwortungsvoll und nachhaltig vorantreibt – im Bewusstsein, dass Innovation nur dort entstehen kann, wo Raum für Entwicklung geschaffen wird.
Weitere Informationen unter: jaka.com/en_eu

Prof. Dr. Christoph Meinel
Deutschland steht vor der Aufgabe, digitale Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zugleich zu sichern. Im Interview erläutert
Prof. Dr. Christoph Meinel, Mitgründer der German University of Digital Science, wie Bildung, KI und Smart Energy zur Schlüsselachse einer souveränen, klimafreundlichen Wirtschaft werden und warum Transformation vor allem Mut und Verantwortung braucht.
Interview Miriam Rauh Bild zVg
Herr Professor Meinel, Sie haben das Hasso-Plattner-Institut fast zwei Jahrzehnte lang geprägt und 2025 die German University of Digital Science (GUDS) mitgegründet. Worin unterscheidet sich diese Universität von anderen?
Wir bauen eine digitale Universität für das digitale Zeitalter, wissenschaftlich fundiert, forschungsnah und zugleich radikal anwendungsorientiert. Unser Prinzip ist, exzellente Studierende und Lehrende virtuell so zusammenzubringen, dass Dynamik und Tiefe zunehmen. In einer solchen Lernumgebung kann in kürzerer Zeit mehr vermittelt werden, weil das Niveau die Gruppe trägt. Zugleich öffnen wir Bildung modular: Micro-Credentials mit ECTS-Punkten ermöglichen lebensbegleitendes Lernen, etwa berufsbegleitend, ohne aus dem Job auszusteigen. So entsteht Bildung, die verfügbar, anschlussfähig und skalierbar ist und damit echte digitale Souveränität ermöglicht.
Wie wirkt sich dieser Ansatz auf Ihr Studienangebot aus?
Wir trennen Lerninhalte und Abschlüsse. Wer ein Spezialthema vertiefen möchte, belegt ein Modul als Micro-Credential, das sich später im Studium anrechnen lässt. Unsere Masterprogramme (60 bzw. 120 ECTS) sind flexibel und berufsbegleitend. Ergänzend bieten wir eine offene Lernplattform open.German-UDS.de mit frei zugänglichen Kursen an, demnächst z. B. »Lernen mit KI«. Dort können Teilnehmende praxisnah den Einsatz von KI trainieren beim Recherchieren, Übersetzen, Schreiben, Codieren, Erfassen gesprochener Inhalte und zugleich ethische Fragen reflektieren.
Wie ist die Universität organisiert? Trägerin ist eine gemeinnützige GmbH unter dem Dach einer Stiftung. Daneben gibt es eine Gesellschaft für Projekte, Beratung, Executive Education und Start-ups. Wir vergeben deutsche Hochschulabschlüsse; BAföG kann wie üblich beantragt werden. Besonders wichtig ist uns die globale Zugänglichkeit: Wer bei uns studiert, kann eine Qualifizierung »made in Germany« erwerben, auch ohne physisch in Deutschland zu sein.
Europa spricht viel über digitale Souveränität, nutzt aber überwiegend außereuropäische Plattformen. Was braucht es wirklich?
Zunächst Kompetenz und Forschung. Wir brauchen Menschen, die digitale Systeme verstehen, gestalten und verantworten, nicht nur bedienen. Gleichzeitig müssen europäische Architekturen entstehen, die Datenschutz ernst nehmen und zugleich Nutzung ermöglichen. Datenschutz ohne Datennutzung bringt uns nicht weiter. Hinzu kommt Forschung zu energie- und ressourceneffizienter KI. Wir arbeiten beispielsweise an neuronalen Netzwerken mit nur leicht reduzierter Präzision, die bis zu 95 Prozent Energie sparen, auf eigenen Laptops laufen ohne spürbare Qualitätseinbußen beim Einsatz. Das ist gelebte digitale Souveränität.
Welche Kompetenzen brauchen Fach- und Führungskräfte in einer KI-getriebenen Wirtschaft? Sie brauchen vor allem technologische

Souveränität praktisch machen bedeutet: Datenschutz und Datennutzung zusammendenken und europäische Plattformen konsequent einsetzen.
– Prof. Dr. Christoph Meinel, Mitgründer und Präsident der German University of Digital Science (GUDS)
Grundsouveränität, also ein Verständnis dafür, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und wie Qualität gesichert wird. Hinzu kommt Produkt- und Prozesskompetenz, um Daten und Prototypen in reale Geschäftsprozesse zu überführen. Und schließlich Governance und Verantwortung, also Sensibilität für Bias, Sicherheit, Haftung und Transparenz. Diese Themen sind bei uns Pflichtstoff, kein Feigenblatt.
Wo liegen die größten Hebel, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?
Wir müssen KI in die Fläche bringen. Ob vorausschauende Instandhaltung, bildbasierte Qualitätssicherung, digitale Zwillinge oder optimierte Logistik – die Werkzeuge sind da. Entscheidend ist der Transfer: Professorinnen und Professoren mit Industrieerfahrung, reale Unternehmensdaten, Projektseminare, in denen Forschung zu Anwendung wird. Auch
die Robotik in Kombination mit deutschem Maschinenbau birgt enormes Potenzial. Kurz gesagt: Zu zögern und nur über Regulierung zu diskutieren, wird teurer als loszulegen.
Hemmt Regulierung derzeit Innovation?
Regulierung kann Orientierung geben, darf aber nicht zu Erstarrung führen. Da wir noch viel zu wenig wissen, brauchen wir Experimentierklauseln und SunsetRegeln, also Gesetze mit Ablaufdatum, die regelmäßig überprüft werden. Innovation braucht geschützte offene Räume, in denen es keine Denkverbote gibt und Neues ausprobiert werden darf. Zukunft entsteht nicht am Schreibtisch. Bei der Regulierung des Einsatzes von KI reicht es nicht, das Risiko zu betrachten und dann Hochrisikoanwendungen zu verbieten, denn gerade in der Medizin bietet die KI ein riesiges Potenzial, Leben zu retten. Wo der Nutzen
evident ist, muss man ermöglichen und gleichzeitig absichern, statt eindimensionaler Betrachtungen folgend zu verbieten.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit werden oft gegeneinander gestellt. Zu Unrecht?
Absolut. Natürlich verbraucht IT Energie, aber sie spart an anderer Stelle vielfach Ressourcen: bei Meetings, Logistik, Produktion, Gebäudesteuerung oder Energienetzen. Smart-Energy-Systeme erhöhen die Effizienz durch Prognosen, Lastmanagement und intelligente Speicher. Transparente Daten entlang der Lieferkette ermöglichen gezielte CO₂-Reduktion. Und elektrische Energie ist die, die sich am leichtesten erneuerbar erzeugen lässt. Kurz gesagt: Messen, steuern, optimieren sind ohne Digitalisierung undenkbar.
Gibt es aus Ihrer Sicht Tabus beim Energiemix?
Ich warne vor Dogmen. Wer Technologien von vornherein ausschließt, verliert Handlungsspielräume. Entscheidend ist, Versorgungssicherheit und Emissionssenkung pragmatisch auszubalancieren und immer wieder offen zu sein für neue technologische Entwicklungen.
Thema FinTech, Blockchain, Tokenisierung … Wo sehen Sie sinnvolle Entwicklungen?
Reine Blockchain-Lösungen sind oft zu energie- und ressourcenintensiv. Zukunft haben hybride Modelle, die Effizienz und Transparenz verbinden. Besonders spannend finde ich die Tokenisierung realer Vermögenswerte, etwa von Kunstwerken. Das demokratisiert den Zugang und schafft neue Formen von Liquidität. Deutschland agiert hier wie so oft sehr vorsichtig und risikoscheu, das darf aber nicht in Selbstverzicht münden.
Transformation ist auch Kultur. Wie lässt sich digitale Offenheit verankern? Durch Zugriff und Kompetenz. Wissen ist so verfügbar wie nie, aber Menschen brauchen Werkzeuge, Übung und Urteilskraft, um es sinnvoll zu nutzen. Bildungseinrichtungen müssen Hands-on-Erfahrung ermöglichen und Verantwortung einüben, von Diskurskultur bis Datenethik. Unsere offene Lernplattform lädt bewusst auch externe Partner ein, ihr Wissen zu teilen und dadurch Wissen in einem offenen Ökosystem weiterzuentwickeln.
Bei all der Dynamik der digitalen Transformation – was treibt Sie persönlich an, mit der German UDS noch einmal neu zu starten? Bildung zu vermitteln ist für mich immer Herzensangelegenheit gewesen und der stärkste Hebel der Digitalisierung. Die Welt verändert sich in rasantem Tempo und Mündigkeit entsteht nur, wenn Menschen verstehen, was geschieht, und befähigt sind, bewusst zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Genau das ist auch der Kerngedanke unserer digitalen Universität: Wir möchten möglichst niedrigschwellig im globalen Maßstab viele Menschen befähigen, die digitale Zukunft nicht nur zu erleben, sondern aktiv mitzugestalten.

»Deutschland ist mit KI vorn dabei –wenn wir es souverän tun«
Deutschland steht vor einer historischen Chance: Gemeinsam mit Nvidia baut die Deutsche Telekom in München die weltweit erste industrielle KI-Fabrik auf. Sie soll die Grundlage einer neuen, wettbewerbsfähigen Wirtschaft werden – sicher, souverän und für jedes Unternehmen nutzbar.
Klaus Werner, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, erklärt, warum KI zum Wachstumstreiber des Mittelstands wird, wo Deutschland jetzt Mut braucht und wie ein neues digitales Ökosystem entsteht, das Europas Wirtschaft verändern könnte.

Klaus Werner Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland GmbH
Herr Werner, Anfang 2026 steht eine der größten KI-Infrastrukturen Europas bereit. Was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort Deutschland? Ich höre in fast jedem Kundengespräch den gleichen Satz: »Wir brauchen sichere KIRechenleistung, und zwar jetzt.« Die Nachfrage kommt aus allen Branchen. Von Start-ups, Mittelstand, Großindustrie. Alle haben verstanden, dass ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit unmittelbar vom Einsatz von KI abhängt. Was es jetzt braucht, ist echte KI-Souveränität.
Unternehmen wollen KI-Modelle entwickeln und betreiben, ohne sensible Daten ins Ausland geben zu müssen. Genau dafür bauen wir in München eine souveräne Computing-Infrastruktur auf, kombiniert mit einem modernen Software-Stack. Wir sprechen hier von einem neuen europäischen KI-Ökosystem – mit Partnern und Pionieren wie SAP, Siemens, Agile Robots, Quantum Systems, Wandelbots, PhysicsX oder Perplexity. Dieser gemeinsame »Deutschland-Stack« bringt uns enorm voran.
Viele Unternehmen sagen, die KI-Welt sei zu komplex. Wie begegnen Sie dieser Sorge? Komplexität ist aktuell die größte Hürde – nicht der Wille. Deshalb brauchen wir Anwendungen, die unmittelbar Wert schaffen: Produktionsoptimierung, Qualitätskontrolle, Simulationen, digitale Zwillinge, Robotik, Predictive Maintenance.
Unternehmen müssen dafür keine KI-Fachabteilung aufbauen. Wir liefern Infrastruktur, Software-Stack, Partner-Ökosystem und den sicheren Betrieb aus einer Hand. Das ist ein entscheidender Unterschied zu globalen
Hyperscalern. Wir kennen die Realität der deutschen Industrie und genau daraus ist die Industrial AI Cloud entstanden.
Welche konkreten Vorteile bietet die Industrial AI-Cloud für kleine und mittelständische Unternehmen?
Sie ermöglicht ihnen zum Beispiel, Produktionsstätten virtuell zu planen und zu simulieren, bevor sie gebaut werden. Nehmen wir einen Mittelständler, der auf der KI-Cloud mit einem digitalen 3D-Zwilling Produktionsstätte-Prototypen entwickeln und Robotik testen kann. Gleichzeitig bleiben sensible Daten geschützt. Digitale Souveränität »Made in Germany«.
Digitale Zwillinge gibt es schon länger, was ist jetzt anders? Produktionsszenarien und »Was wäre wenn«Analysen lassen sich mit den KI-optimierten Simulationen in kürzester Zeit durchspielen. Dank Rechenpower. Die neue KI-Fabrik steigert die KI-Rechenleistung in Deutschland auf einen Schlag um rund 50 Prozent. Das schafft sie dank leistungsstarker »Graphic Processing Units« (GPUs), die im Gegensatz zu herkömmlichen Computer-Prozessoren sehr viele rechenintensive Aufgaben gleichzeitig erledigen können.
Damit erreichen wir eine Rechenleistung von 0,5 Exaflops. Zur Einordnung: Ein Supercomputer mit 0,5 Exaflops kann in einer Sekunde mehr Rechenoperationen durchführen als acht Milliarden Menschen in über zwei Millionen Jahren. Dazu kommen 20 Petabyte Speicher, was etwa vier Millionen HD-Filmen entspricht. Entwicklungszyklen, die früher Tage oder Wochen dauerten, verkürzen sich auf Stunden.
Das sind beeindruckende Zahlen. Was nützen die den Unternehmen konkret?
Für die Anwender in der Cloud bedeutet das deutlich verkürzte und kostengünstigere Entwicklungszyklen und somit zum Beispiel schnellere Produkteinführungen. Die KI-Cloud kann riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeiten. Um Daten zu analysieren, Muster zu erkennen, Trends vorherzusagen, Produkte zu personalisieren. Von der Simulation bis zum Design ergeben sich unzählige Innovationschancen.
Ist KI mehr Risiko oder Chance? Wie erleben Sie die Stimmung in Ihren Gesprächen?
Unternehmen sind realistisch, aber nicht ängstlich. Sie wollen KI einsetzen, aber ohne Kontrollverlust. Viele sagen mir: »Wir brauchen jemanden, der Technologie versteht, aber genauso unsere Geschäftsrealität.« Genau das ist unsere Rolle als Telekom.
KI ist längst kein Experiment mehr. Sie wird die Grundlage der Wertschöpfung. Europa mag bei generativen KI-Modellen hinter den USA und China liegen. Unsere Stärke liegt in unserer Industriekompetenz und Ingenieurskunst. Wir haben die Anwendungsfälle im Maschinenbau, der Fertigung, der Logistik. Europa kann dank wertvoller Industriedaten und Expertise die größte Wirkung von KI entfalten –aber nur mit digitaler Souveränität.
Was braucht es dafür?
Wir müssen eigene Infrastruktur und Software-Plattformen entwickeln, auf denen industrielle KI entsteht und betrieben wird. Nur so bleibt die Wertschöpfung bei uns. Ein Maschinenbauer, ein Automobilzulieferer und ein Softwarehaus können gemeinsam Modelle trainieren, die heute jeder einzeln entwickeln müsste – aber ohne sensible Daten auszutauschen. So entstehen Innovationen, die klassische Lieferketten nie ermöglicht hätten.
Souveräne KI ist damit nicht nur Technologie. Sie ist der Beginn eines neuen Miteinanders in der Wirtschaft: vernetzt, vertrauensbasiert, partnerschaftlich. Dafür schaffen wir mit der Industrial AI Cloud den Rahmen.
Was erwarten Sie von deutschen Unternehmen auf ihrem Weg zur KI-Transformation?
Vor allem Mut zur Umsetzung. Viele wissen genau, wie KI sie unterstützen kann. Aber sie warten auf den perfekten Moment. Den wird es nicht geben. Entscheidend ist, jetzt Pilotprojekte zu starten, Erfahrungen zu sammeln und interne Kompetenzen aufzubauen.
Was ich immer wieder erlebe: Sobald Unternehmen auf einer souveränen, sicheren
Infrastruktur arbeiten, beginnt die Transformation fast automatisch. KI ist Gegenwart. Wer jetzt handelt, wird bald massiv profitieren.
Wie sieht Ihre Vision für den KI-Standort Deutschland aus?
Die physische Infrastruktur für die KI-Cloud, die wir in Bayern aufbauen, ist nur der Anfang. Wir werden uns an der Gigafactory-Initiative der EU bewerben. Diese plant den Aufbau einer leistungsstarken KI-Infrastruktur mit mindestens 100 000 GPUs pro Land und Gigafactory. Mit einer Kapazität von 10 000 GPUs erreicht unser Standort bereits rund ein Zehntel der Dimensionen einer europäischen AI-Gigafactory.
Unsere Vision ist es, die Industrial AI Cloud zum Leuchtturm für digitale Souveränität und zum Produktivitätsmotor für Deutschland und Europa zu machen. Was mich dabei besonders zuversichtlich stimmt: Die KI-Fabrik ist eine rein privatwirtschaftliche Initiative. Das zeigt, dass die Unternehmen Verantwortung übernehmen und in den KI-Standort Deutschland investieren.
Welche Rolle übernimmt die Telekom im KI-Zeitalter?
KI braucht vor allem drei Dinge: Rechenleistung, sichere Netze und Vertrauen. Genau das ist unser Kern. Wir begleiten 2,5 Millionen Geschäftskunden durch die Digitalisierung. Diese Breite und Tiefe gibt es so nur einmal in Deutschland.
Wir bauen die souveräne Infrastruktur, auf der Unternehmen ihre digitale Zukunft gestalten können. Und ich bin sicher: Ohne Souveränität wird KI ihr Potenzial nicht entfalten. Deutschland ist bereit. Und wir sind bereit, die Infrastruktur dafür zu liefern.
Weitere Informationen unter: geschaeftskunden.telekom.de/business
Was einst als bloßer Science-Fiction-Wunschtraum galt, rückt immer näher an die Realität. Fast die Hälfte aller deutschen Haushalte ist mittlerweile mit smarten Geräten wie Amazons Alexa oder Apples HomePod ausgestattet. Aber die möglichen Applikationen dieser Technologien gehen über den Alltagsgebrauch hinaus.

»Alexa, wie wird das Wetter heute?« Solche Fragen gehören zur täglichen Morgenroutine vieler deutscher Menschen. Und nicht zu Unrecht: Die künstliche Intelligenz, die diesen Geräten innewohnt, kann das Leben vereinfachen und bei der Planung des Alltags helfen. Ob es nun eine Wetterprognose, eine Einkaufsliste oder nur ein Wecker ist; Smart-Geräte bieten eine Alternative zum ständigen Zücken des Smartphones. Aber der Fortschritt dieser Technologie bringt markante Implikationen für den Energie- und Stromsektor als Ganzes mit sich.
Smart Buildings – die Welle der Zukunft Es wird heute gar nicht mehr daran gedacht, aber der Bewegungssensor, mit dem praktisch jedes moderne Gebäude ausgestattet ist, war das erste Anzeichen der Ankunft von Gebäudeautomation – und das schon in den 1980erJahren. Als fester Bestandteil von sogenannten Smart Buildings sorgt er dafür, dass das Licht nur eingeschaltet wird, wenn es auch nötig ist. Damit können je nach Anwendung bis zu 80 Prozent der Stromkosten eines Bürogebäudes eingespart werden. Energie- und Umweltforscher:innen liefern sich nun ein Wettrennen in der Entwicklung weiterer Applikationen.
Mit verschiedenen im Gebäude verteilten Sensoren können Zentralcomputer, sogenannte Controller, Daten wie Temperatur,
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Luftfeuchtigkeit und Lichtmenge messen und die entsprechenden Systeme automatisch anpassen. Ebenso werden Lüftungsanlagen so modernisiert, dass sie durch einen Mix der Rück- und Außenluft die Notwendigkeit der künstlichen Befeuchtung und Kühlung reduzieren.
Für private sowie geschäftliche Immobilien rücken auch neue Alarmanlagen in den Fokus. Wenn durch ihre Sensoren unerwartete oder unbekannte Bewegungen festgestellt werden, erhält die verantwortliche Person direkt eine Benachrichtigung auf einem persönlichen Gerät und kann mobil auf die Kameras zugreifen. Dies hilft nicht nur bei möglichen Kriminalakten, sondern lässt die Benutzer:innen zum Beispiel auch Pakete annehmen, wenn sie gerade nicht vor Ort sind.
Vom passiven zum aktiven Stromkonsum
Im klassischen Stromnetz agieren die Verbraucher – das Familienhaus, ein Bürogebäude oder industrielle Anlagen – passiv, sprich: Sie bezahlen für den Strom und konsumieren ihn, nehmen aber sonst keinen Einfluss aufs Netz. Smart Grids sollen dies ändern und das Elektrizitätssystem strukturell umstellen. Der erste Schritt: eine Dezentralisierung der Stromproduktion. Im klassischen System wird das Netz von wenigen, großen Kraftwerken
versorgt. Weniger Anbieter bedeuten weniger Alternativen, wenn einer ausfällt.
Dieses Problems nehmen sich Smart Grids an. Verschiedene, kleinere Stromproduktionen sorgen für mehr Flexibilität und mehr Möglichkeiten, variable erneuerbare Energien in den Stromplan einzubinden. Große Distributionszentren verschwinden so ebenfalls aus der Landschaft und öffnen Wege für angepasste regionale Lösungen. So kann das Angebot für die Nachfrage optimiert werden.
Eine grundlegende Veränderung findet auch beim letzten Punkt, dem oder der Endkonsument:in, statt. So sollen Gebäude, die an Smart Grids angeschlossen sind, eine aktive Komponente des Systems werden. Anstatt dass der Informationsfluss des Energiebedarfs nur in eine Richtung fließt, wird bei Smart Grids die Kommunikation konstant bilateral stattfinden. So können auch die Endkonsument:innen das allgemeine Stromnetz bei einer Überlastung oder beim Ausfall eines Lieferanten unterstützen.
Nachhaltige Stromproduktion
Mit Solaranlagen, Geothermie, Wasser- und Windkraftwerken haben sich erneuerbare Energien bereits fest in den Alltag integriert. Aber die Forschung zu neuen Alternativen läuft konstant weiter. Sand-Batterien mögen wie eine Erfindung aus Frank Herberts »Dune«
klingen, werden aber Realität. Diese mit Speckstein gefüllten Tanks absorbieren die Hitze des Sands und entladen sie als Dampf oder heiße Luft, welche durch die herkömmlichen Methoden in Strom umgewandelt werden.
Nebst der nachhaltigen Produktion optimieren Energie- und Umweltforscher:innen auch die Energiekonservation, also dass dieselben Produkte und Dienstleistungen mit weniger Stromverbrauch zur Verfügung gestellt werden können. Neben den Innovationen für Smart Buildings spielt auch die Anpassung des Konsumverhaltens eine tragende Rolle. Die Videokonferenz anstelle der Geschäftsreise oder die Nutzung des Fahrrads anstelle des Autos konservieren Energie und helfen dabei, die globale CO2-Bilanz zu verbessern. Die Umstellung des Stromkonsums bietet viele unternehmerische Vorteile. Durch die Anwendung von Smart-Building-Technologien werden Stromkosten gespart, was wiederum zu einer langfristigen Profitsteigerung führt. Zudem machen sich umweltbewusste Unternehmen attraktiv; Investoren suchen vermehrt nach Möglichkeiten, ihr Kapital in nachhaltigen Firmen anzulegen. Zudem können durch diese Positionierung neues Top-Talent angeworben und finanzielle und regulatorische Vorteile gewonnen werden.
Text Ayman Duran

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Im tschechischen Ostrava hat Brose eine Montagelinie in Betrieb genommen, die weltweit einzigartig ist. Die »Universal Assembly Line« (UAL) markiert einen Meilenstein in der Automatisierung – entwickelt und gebaut im oberfränkischen Coburg.
enn in Ostrava die ersten Sitzstrukturen vom Band laufen, ist das mehr als nur ein Produktionsstart. Es ist der Beginn einer neuen Ära in der industriellen Fertigung bei Brose. Denn die »Universal Assembly Line« – kurz UAL – denkt Montage völlig neu. Statt sich wie herkömmliche Linien auf ein einzelnes Produkt auszurichten, ist sie auf den Montageprozess selbst optimiert. Das Ergebnis: maximale Flexibilität, höhere Auslastung und geringere Kosten.
Flexibilität als Erfolgsfaktor
Die Automobilindustrie steht unter enormem Innovationsdruck: kürzere Entwicklungszyklen, wachsende Modellvielfalt und schwankende Produktionsvolumina. Klassische Fertigungskonzepte geraten dabei zunehmend an ihre Grenzen. Brose reagiert darauf mit einer völlig neuen Herangehensweise.
Mit hochflexiblen Fertigungslinien wird nun ein völlig neuer Ansatz etabliert, der das Potenzial hat, die industrielle Fertigung bei Brose nachhaltig zu verändern. Im Gegensatz zu bisherigen Linien entfallen lange Umrüstphasen – ein Wechsel von einem Modell des Herstellers A auf eines des Herstellers B ist binnen kürzester Zeit möglich. Die Linie »denkt mit«: Standardisierte Schnittstellen und intelligente Software passen die Prozesse automatisch an das jeweilige Produkt an.
Diese radikale Flexibilisierung schafft nicht nur eine höhere Auslastung der Anlagen, sondern eröffnet auch neue Wege für die Umsetzung bedarfsgerechter Fertigungsstrategien. »Wir haben die klassische Trennung von projektspezifischer Fertigung aufgehoben«, betont Eric Hempel, Experte Produktionstechnologie Sitz. »Künftig richtet sich die Produktionskapazität flexibel nach dem Bedarf eines Werks und nicht mehr nach starren Linien oder Produktzyklen.«
Durch die kompakte Bauweise und den modularen Aufbau werden zudem Flächenbedarf und Energieverbrauch reduziert – ein Pluspunkt für Effizienz und Nachhaltigkeit.
Hightech aus Coburg
Konzeptionell weist diese Linie eine sinnvolle Balance zwischen Automatisierung und menschlicher Arbeit bzw. Innovationen und bekannten Montagekonzepten auf. Das Herzstück der UAL stellt die flexible Roboterendmontage dar, welche in der Zentralen Betriebsmitteltechnik am Brose-Stammsitz Coburg gebaut wurde. Seit Mitte 2023 arbeiteten dort Spezialist:innen aus Mechanik, Elektronik und Softwareentwicklung an dem Projekt. Das Ergebnis: eine modulare Roboterlinie aus sechs voll automatisierten Montagezellen mit insgesamt 19 Robotern, Kamerasystemen und definierten Kontrollpunkten.
Verschiedene Sitzverstellervarianten können so vollflexibel in kundenspezifischen Schraubpositionen montiert werden. Jede Zelle übernimmt einen spezifischen Arbeitsschritt vom Einlegen der Komponenten über das automatisierte Verschrauben von Ober- und Untergestell bis zur Montage der Höhenund Neigungsverstellung. Sensoren und 3D-Kameras überwachen jeden Handgriff in Echtzeit. Der gesamte Materialfluss wird digital gesteuert; die Anlage erkennt selbstständig,

welche Sitzvariante aktuell gefertigt wird. Das »Herzstück« verbindet eine Reihe automatisierter Vormontagen und vielfältiger Testzellen zu einem integrierten System, in dem insgesamt 30 Roboter perfekt zusammenarbeiten.
Auch für die Mitarbeitenden bringt das System Vorteile. Besonders körperlich belastende Aufgaben, etwa das Einsetzen und Verschrauben der sogenannten »Hochzeitsbolzen«, wurden vollständig automatisiert. Das erhöht die Ergonomie, verringert den Ausschuss und steigert die Produktivität deutlich.
Wirtschaftlich und nachhaltig Die Kombination aus Automatisierung, Standardisierung und Softwareintelligenz zahlt sich schnell aus. Die direkten Produktionskosten der Sitzmontage sinken um rund ein Drittel gegenüber konventionellen Linien, die Investition amortisiert sich in weniger als zwei Jahren. Durch die kompakte Bauweise und den modularen Aufbau werden zudem Flächenbedarf und Energieverbrauch reduziert – ein Pluspunkt für Effizienz und Nachhaltigkeit.
Für das Werk Ostrava werden aktuell drei »Universal Assembly Lines« (UAL) geplant, auf denen zukünftig jeweils 1,1 Mio. Sitzstrukturen für verschiedene Kunden montiert werden sollen. Aktuell befindet sich die erste Linie im Hochlauf und produziert seit dem vierten Quartal 2025 erste Serienteile für eine Elektrofahrzeugplattform von Mercedes-Benz. Ein globales Pilotprojekt Für Brose ist die UAL weit mehr als eine neue Anlage, sie ist ein skalierbares Konzept, das künftig weltweit in weiteren Werken eingesetzt werden soll. Das Prinzip »One Line for Many« ermöglicht es, die Fertigungskapazitäten flexibel an regionale Märkte anzupassen, ohne neue Produktionslinien aufbauen zu müssen.
»Die universelle Montagelinie ist ein Paradebeispiel für Innovation made by Brose«,
sagt Niclas Pfüller, Werkleiter in Ostrava. »Sie vereint Wirtschaftlichkeit, Qualität und Ergonomie auf höchstem Niveau. Damit schaffen wir die Basis für eine global standardisierte, hochflexible Produktion.«
Innovation made by Brose Das UAL-Konzept zeigt, wie Digitalisierung und Automatisierung in der Praxis verschmelzen. Intelligente Steuerungssysteme, Echtzeit-Datenanalyse und adaptive Robotertechnik machen die Linie lernfähig und zukunftssicher. Die »Universal Assembly Line« steht für eine Fertigungsphilosophie der Zukunft, bei der sich industrielle Produktion an die Dynamik der Märkte anpassen kann, ohne an Qualität oder Wirtschaftlichkeit zu verlieren.
Was in Coburg konzipiert und in Ostrava realisiert wurde, ist damit mehr als eine neue Montagelinie. Es ist ein Symbol für Innovationskraft, Ingenieurskunst und den Mut, Fertigung neu zu denken – made by Brose.
Standort Ostrava, Tschechien
Entwicklung und Bau Brose, Zentrale Betriebsmitteltechnik Coburg
Produkt
Sitzstrukturen für verschiedene Fahrzeughersteller
Produktionsstart Q4 2025
Kapazität 1,1 Mio. Sitzstrukturen pro Jahr
Besonderheit
Fertigung unterschiedlicher Varianten auf einer Linie, 30 Roboter, modulare Bauweise
Weitere Informationen unter: brose.com
Nie zuvor haben Firmen so viele Daten erzeugt – und gleichzeitig so wenig Kontrolle darüber besessen. Studien zeigen, wie teuer schlechte Dokumentenprozesse wirklich sind und warum KI zwar helfen kann, aber nur, wenn die Basis stimmt.
Ein Alltag voller Suchbewegungen
In vielen Betrieben beginnt der Arbeitstag nicht mit Entscheidungen, sondern mit Suchen. E-Mails, Cloud-Ordner, Archivsysteme, Projektplattformen – alles wächst schneller, als Mitarbeitende es überblicken können. Die deutsche Wirtschaft setzt heute im Durchschnitt deutlich mehr als hundert verschiedene Softwareanwendungen ein, wie aktuelle Bitkom-Auswertungen zeigen. Was als Fortschritt gedacht war, wird zunehmend zu einer Belastung. Denn immer mehr Systeme bedeuten nicht automatisch mehr Effizienz, sondern oft weniger Orientierung. Laut mehreren Digitalisierungsstudien verbringen Beschäftigte inzwischen spürbare Teile ihrer Arbeitszeit damit, Informationen zu lokalisieren, neu zu sortieren oder von Kolleg:innen anzufordern, die im Zweifel ebenfalls suchen müssen. Der Verlust von Wissen hat System Hinzu kommt eine demografische Entwicklung, die den Dokumentenfluss zusätzlich unter Druck setzt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet, dass bis zum kommenden Jahrzehnt Millionen Fachkräfte fehlen werden. Mit ihnen verschwinden auch Wissen und Erfahrungen, die nie strukturiert abgelegt wurden. In vielen mittelständischen Unternehmen sind Prozesse historisch gewachsen und Ablagen über Jahre unkoordiniert entstanden. Fehlen klare Regeln, entstehen Unsicherheiten darüber, welche Version eines Dokuments gültig ist oder wo eine Entscheidung festgehalten wurde. Dadurch werden Projekte langsamer und Fehlerwahrscheinlichkeiten steigen. Besonders kritisch ist es, wenn verschiedene Teams parallel mit unterschiedlichen Datenständen arbeiten und niemand mit Sicherheit sagen kann, welcher korrekt ist.
PUBLIREPORTAGE

Warum technische Systeme allein nicht genügen
Trotz moderner Infrastruktur bleibt das Dokumentenmanagement vieler Betriebe erstaunlich lückenhaft. Ältere DMSLösungen laufen weiter, weil sie »noch funktionieren«, während neue Plattformen im Arbeitsalltag oft nur teilweise genutzt werden. Die Folge sind fragmentierte Informationslandschaften, in denen Dokumente verteilt, kopiert oder lokal abgelegt werden. Studien zu digitaler Arbeit belegen, dass rund die Hälfte der Beschäftigten Schwierigkeiten hat, benötigte Informationen rechtzeitig zu finden. Gleichzeitig steigt das Sicherheitsrisiko: Je mehr Systeme im Einsatz sind, desto schneller entstehen Inkonsistenzen oder veraltete Inhalte.
Viele Unternehmen unterschätzen zudem, wie groß der Schaden sein kann, wenn ein falsches Dokument in einen Prozess gerät oder eine überholte Vorlage verwendet wird.
Die KI-Erwartung – und die Ernüchterung Während vielerorts über neue KI-Werkzeuge gesprochen wird, zeigt die internationale Datenlage ein nüchternes Bild. Der StepUpReport zur europäischen KI-Adoption macht deutlich, dass nur ein kleiner Teil der Firmen künstliche Intelligenz wirklich produktiv einsetzt. Besonders ernüchternd sind die Zahlen zu Pilotprojekten. Das internationale IT-Fachmedium CIO berichtet über Auswertungen des Marktforschers IDC, wonach ein Großteil experimenteller KI-Initiativen nicht über die Testphase hinauskommt. Die Analyse zeigt, dass rund 88 Prozent dieser Projekte niemals den Sprung in den regulären Betrieb schaffen. Ein später im Technologiebereich des Massachusetts Institute of Technology veröffentlichter Befund kommt sogar auf eine globale Ausfallquote von über 95 Prozent. Diese Zahlen zeigen, wie anspruchsvoll es ist, KI im Unternehmensalltag zu
verankern. Die Technologie scheitert dabei weniger an technischen Grenzen, sondern an fehlenden Grundlagen wie unklaren Verantwortlichkeiten, unstrukturierten Daten und ungepflegten Dokumentprozessen.
Wenn Dokumente zum Risiko werden Eine weitere Entwicklung verschärft die Lage: Mitarbeitende greifen zunehmend auf spontane Lösungen zurück, etwa indem sie Inhalte in private Tools hochladen, um sie schneller auszuwerten oder zusammenzufassen. Arbeitsschutz- und Datenschutzexpertinnen warnen seit Längerem vor steigenden Risiken, da Unternehmen in solchen Situationen kaum nachvollziehen können, wo sensible Informationen landen. Die Gründe für dieses Verhalten sind nachvollziehbar. Wer unter Zeitdruck steht und im internen System nicht findet, was sie oder er braucht, sucht sich Abkürzungen. Die Folge ist jedoch ein Kontrollverlust, der im Widerspruch zu den steigenden Anforderungen an Compliance, Sicherheitskultur und Nachvollziehbarkeit steht.
Strukturen schaffen, bevor KI wirken kann
Die Studienlage führt zu einem zentralen Ergebnis: Dokumentenmanagement ist keine Randaufgabe mehr, sondern ein Fundament für jede Form der digitalen Transformation. Erst wenn Versionen eindeutig, Ablagen konsistent und Zuständigkeiten klar sind, können Unternehmen mit Automatisierung und KI echte Wirkung entfalten. Projekte, die auf strukturierten Informationsflüssen basieren, zeigen messbare Beschleunigungseffekte. In Märkten, in denen Geschwindigkeit zunehmend den Wettbewerb bestimmt, wird die Fähigkeit, Dokumente verlässlich zu finden, zu bewerten und zu nutzen, zum strategischen Vorteil. Viele Unternehmen stehen deshalb vor einer Phase der Neuordnung. Wer diese Chance ergreift, wird in den kommenden Jahren deutlich stabiler und schneller arbeiten können als jene, die im Dokumentendschungel verharren.
Text Thomas Soltau
Was kann die Beschaffungssoftware von prodot?

Ausschreibungen im Handel sind häufig von personenabhängigem Wissen geprägt. Fällt eine Schlüsselperson aus, fehlen oft wichtige Informationen. Vertretungen werden zur Herausforderung.
• Uneinheitliche Prozesse und fragmentierte Systemlandschaften führen zu unstrukturierten, verstreuten Daten und erschweren fundierte Entscheidungen. Wichtige Informationen wie Lieferantendaten, Zertifikate oder Vergleichswerte aus früheren Ausschreibungen sind oft nicht aktuell oder schwer zugänglich.
• Know-how und Erfahrungswerte bleiben häufig für andere unzugänglich und werden nicht aktiv geteilt. Personalengpässe
und ein hoher manueller Suchaufwand kosten Zeit und erhöhen das Risiko, dass Prozesse ins Stocken geraten.
• Ein zentraler Grund: die fehlende Digitalisierung in vielen Einkaufsabteilungen und Excel-Chaos verhindern eine zentrale Übersicht.
Die Folge: ineffiziente und intransparente Prozesse – und damit ein klarer Wettbewerbsnachteil. Digitale Lösungen wie smartTender bieten hier einen entscheidenden Hebel zur Optimierung.
Mit smartTender gestalten Unternehmen ihre Einkaufsprozesse effizienter, transparenter und zukunftssicher. Unsere Ausschreibungsplattform wurde speziell für
die Anforderungen im Handel entwickelt und vereint alle relevanten Informationen und Funktionen an einem zentralen Ort. So wird teamübergreifende Zusammenarbeit gefördert.
Aktuelle Angebote, Lieferanteninformationen und Zertifikate stehen jederzeit übersichtlich zur Verfügung. So behalten Sie stets den Überblick über relevante Dokumente, Lieferantenkommunikation und können sich auf verlässliche, tagesaktuelle Daten stützen.
Zentrale und übersichtliche Preisvergleiche ermöglichen es allen Beteiligten, Angebote schnell und objektiv zu bewerten, damit sichern Sie sich fundierte Entscheidungen und Preisvorteile.
Automatisierung von Workflows beschleunigen Prozesse und minimieren Fehlerquellen. Deadlines und wichtige Termine bleiben dabei stets im Blick. Erinnerungen und automatische Benachrichtigungen sorgen für reibungslose Abläufe.
Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen ist ein zentrales Merkmal von smartTender. Alle Schritte werden dokumentiert, wodurch Transparenz und Compliance sichergestellt sind. Die Software ist intuitiv, leicht zu erlernen und schnell im Einsatz.
Durch die Einbindung von KI wird der Import und die Verarbeitung von Dokumenten beschleunigt. Importierte Daten lassen sich so einfach validieren und auf Plausibilität überprüfen.
smartTender lässt sich in die bestehende Softwarelandschaft integrieren, kann an ERP-, FiBu- und PIM-Systemen angeschlossen werden und ist skalierbar, sodass die Software mitwächst, wenn Anforderungen steigen.

Kontakt
Katja Kammilla katja.kammilla@prodot.de
Oder buchen Sie sich gleich einen Online-Termin bei ihr:
In Unternehmen explodieren täglich Datenmengen, während Fachwissen leise aus den Systemen verschwindet.
Eine deutsche Antwort macht Wissen nicht nur sichtbar, sondern auch nutzbar.
Wer im Arbeitsalltag Informationen sucht, kennt das Szenario: mehrere Systeme offen, ein halbes Dutzend Tabs aktiv – und das gesuchte Dokument bleibt unauffindbar. Laut einer aktuellen Bitkom-Erhebung arbeiten Beschäftigte im Durchschnitt mit über 130 verschiedenen Softwarelösungen und jede vierte Fachkraft verliert dadurch täglich enorme Zeit mit Suchen und Nachfragen. Zudem warnt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass bis 2035 rund 7,2 Millionen Beschäftigte fehlen könnten – Wissensträger, die dann nicht mehr für Rückfragen zur Verfügung stehen. Deren Arbeitsergebnisse sind jedoch zum Teil in digitaler Form hinterlegt und somit immerhin theoretisch verfügbar.
Wenn Wissen in Rente geht Mit dem Ausscheiden erfahrener Kolleginnen und Kollegen verschwinden nicht nur Ansprechpartner, sondern auch das implizite Wissen im Unternehmen. In Kombination mit der wachsenden Zahl von Plattformen – ERP, CRM, Cloud, DMS, Intranet – wird das Auffinden von Informationen zunehmend komplexer. Beschäftigte verlieren den Überblick, greifen auf Insellösungen zurück oder nutzen private KI-Tools, um sich kurzfristig zu behelfen. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) warnt: Privat genutzte, nicht autorisierte Tools bergen enorme Sicherheitsrisiken, weil Unternehmen nicht nachprüfen können, wohin bestimmte Daten fließen.
Ordnung im Informationsdschungel – mit amber Mitten in dieser Herausforderung tritt das Aachener Unternehmen amber Tech GmbH

Wenn Mitarbeitende Dokumente in unzähligen Laufwerken, Mails oder Clouds suchen, geht Wissen verloren und Zeit gleich mit. amber will das ändern – mit einer KI, die Daten versteht, statt nur zu finden. amber CRO Bastian Maiworm erklärt, wie das gelingt.
Herr Maiworm, was macht amber genau?

auf. Die Plattform verbindet vorhandene Informations- und Datensilos und macht Wissen zugänglich – unabhängig vom Speicherort. Über 200 Unternehmen nutzen amber bereits täglich mit Funktionen zur Einbindung von Laufwerken, Cloud- und On-Premise-Daten. Bastian Maiworm, einer der drei Gründer von amber: »Unternehmen können KI-Agenten nur effektiv nutzen, wenn diese direkt mit dem bestehenden Wissen interagieren können. Wir bauen keine neue Insel-IT, sondern ein sicheres Tor in die vorhandene Welt der Daten.«
Souveränität und Compliance im Fokus amber setzt auf Hosting in der deutschen Open Telekom-Cloud sowie auf ISO27001-Zertifizierung und DSGVO-Konformität – ein entscheidender Aspekt in Zeiten hybrider Cloud- und KI-Nutzung. Laut Unternehmensangaben wird eine Erfolgsquote bei Projekteinführungen von über 90 Prozent erreicht – weit über den circa fünf Prozent erfolgreichen Pilotprojekten, die eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) als globalen Durchschnitt nennt. Denn: Erfolgreiche Technologien
scheitern selten technisch, sondern an Nutzerakzeptanz, Integration und Sicherheit.
Mehr als Suche: Assistenz im Arbeitsalltag amber geht über die klassische Suche hinaus und bietet KI-basierte Assistenten (sog. »Agents«) für konkrete Arbeitsabläufe. Mitarbeitende können etwa Dokumente hochladen und sofort Zusammenfassungen oder Kontextinformationen erhalten – ohne Tiefenkenntnisse des Systems. Maiworm betont: »Wenn Wissen nicht gefunden wird, ist es verlorene Zeit – wir wollen, dass Mitarbeitende direkt Antworten bekommen und nicht erst suchen müssen.«
Europäische Antwort auf globale Herausforderung
Die digitale Transformation verläuft nicht linear – und viele Unternehmen bleiben auf der Strecke. amber zeigt, dass Ordnung im Datenchaos möglich ist mit einer Technologie, die direkt auf das im Unternehmen vorhandene Wissen zugreift. Wer heute nicht nur Daten sammelt, sondern sie verfügbar macht, legt den Grundstein für produktives Arbeiten und Zukunftssicherheit. Im besten Fall mit amber, der führenden Business-KI aus Europa.
Weitere Informationen unter: ambersearch.de
»Wir machen Wissen sichtbar«
Dokumenten – egal ob in Laufwerken, Projektmanagementtools oder Intranets – und können Antworten inhaltlich statt nur nach Schlagworten liefern. So entsteht eine Art »Google fürs Unternehmen«, allerdings auf Basis der bereits im Unternehmen vergebenen Zugriffsrechte.
Viele Firmen verlieren täglich Zeit, weil Wissen unauffindbar ist. Woran liegt das?
Wir entwickeln mit amberSearch eine KI-Such- und Chatlösung für Unternehmen, die interne Informationen systemübergreifend zugänglich macht. Während klassische Suchsysteme nur Datenquellen abfragen, entwickeln wir eigene Retrievalmodelle gepaart mit intelligenten Datenbanken und einem KnowledgeGraphen. Damit verstehen wir den Inhalt von
Das hat vier Gründe: Erstens historisch gewachsene IT-Landschaften – von Laufwerken über Intranet bis zur Cloud. Zweitens der demografische Wandel: Wissensträger gehen in Rente, junge Mitarbeitende – mit weniger Fachwissen – wechseln häufiger. Drittens die steigende Komplexität der Arbeit. Und viertens: Weil interne Systeme zu unübersichtlich sind, nutzen Beschäftigte oft private KI-Tools wie ChatGPT – und gefährden durch diese Schatten-IT unabsichtlich Datensicherheit und Compliance.
Das klingt nach einem echten Risiko. Wie schützt amber Unternehmenswissen?
Indem alle Daten dort bleiben, wo sie sind. amber hostet ausschließlich auf der Open
Telekom Cloud in Deutschland und ist ISO 27001-zertifiziert. Unsere Software greift nur auf vorhandene Systeme zu und berücksichtigt sämtliche Zugriffsrechte. Das unterscheidet uns fundamental von generischen KI-Plattformen, die Daten zum Trainieren exportieren oder bei denen Unternehmensdaten manuell hochgeladen und aktuell gehalten werden müssen. Wir verbinden Datensouveränität mit Nutzerfreundlichkeit. Das ist ein entscheidender Punkt, denn am Ende setzen sich nur Lösungen durch, die Mehrwerte schaffen und intuitiv zu bedienen sind.
Viele Unternehmen bauen eigene KI-Lösungen. Warum sollten sie auf amber setzen? Selbstentwicklungen funktionieren technisch oft, scheitern aber an der Akzeptanz. Die Entwicklung dauert häufig so lange, dass das Produkt zum Livegang schon wieder funktional hinten anhängt. Beschäftigte erwarten heute dieselbe Nutzererfahrung wie von Instagram oder WhatsApp. Wenn ein Tool zu kompliziert ist, wird es ignoriert. Wir bringen die Erfahrung aus Hunderten Projekten mit, wissen, welche Systeme wie angebunden werden müssen und liefern eine Lösung, die sofort funktioniert –inklusive Schulung und Support aus einer Hand.
amber bietet inzwischen mehr als Suche – was steckt hinter amberAI und amberAgents? amberAI ist unser KI-Assistent, der Dokumente versteht, Verträge zusammenfasst oder Fehlercodes erklärt. amberAgents sind spezialisierte KI-Profile – etwa ein juristischer Assistent, der NDAs prüft oder ein Marketing-Agent, der individuelle Inhalte produziert. Unternehmen können eigene Agents definieren, die sich sicher innerhalb des internen Wissens bewegen.
Wo steht amber heute und wohin geht die Reise?
Wir haben 2020 zu dritt gegründet, heute sind wir rund 50 Mitarbeitende. Unser Ziel: Europas führende Business-KI bleiben. Dafür bauen wir unsere Technologie ständig weiter aus, um Wissen in Echtzeit über alle Systeme hinweg verfügbar zu machen – unabhängig von Anbietern wie Microsoft oder Google. Künftig wollen wir noch stärker international wachsen, aber immer mit dem Anspruch, KI souverän und weiterhin nach deutschen Standards zu denken.
Bilder © Lukas Gerke Fotografie
Obwohl KI-Anwendungen bereits Alltag sind und in unzähligen Bereichen Vorteile mit sich bringen können, bestehen noch Unsicherheiten mit deren Umgang – vonseiten der Bevölkerung, der Unternehmen als auch der Politik. Eine Auseinandersetzung mit KI-Regulationen.
Schnell den nächsten Zug finden, die optimale Route nachschauen oder das Wetter überprüfen – viele der alltäglichen Apps und Programme beinhalten eine Form der künstlichen Intelligenz. Grundsätzlich ist KI also nichts Neues, ihr Potenzial ist aber noch lange nicht ausgeschöpft.
KI im Blick
Oftmals wird von »schwacher« gegenüber »starker« KI gesprochen. Alles bisher Mögliche gehöre hierbei zur schwachen KI, während eine zukünftige, starke KI der menschlichen Intelligenz ebenbürtig sei oder diese sogar übertreffe. Jedoch sind auch diese Begriffe und ihre genauen Abgrenzungen umstritten, insbesondere da eine vermeintliche »Super-KI« auf Gedankenspielen und Spekulationen beruht.
Immer wieder tauchen reißerische Narrative über die Zukunft der Technologie auf. 2022 sorgte ein Google-Ingenieur für Furore, als er im Sprachmodell Lamda eine Bewusstseinsentwicklung festgestellt haben will.
Nach einer Analyse des Sachverhalts durch KI-Expert:innen konnte die Geschichte in Kontext gesetzt und Entwarnung gegeben werden. Trotzdem bleiben solche Narrative hängen und beeinflussen die Vor- und Einstellungen zu technologischen Lösungen von Nicht-Fachpersonen. Sie können so unnötige Ängste schüren und verhindern zudem eine vorurteilsfreie Bewertung bestehender Technologien, deren Nutzen sowie eine klare Sicht auf die zu beobachtenden Dynamiken.
Wahrnehmung und Realität
Die Wahrnehmung der Technologie ist entscheidend – einerseits vonseiten der Bevölkerung, die schlussendlich die KI-Anwendungen akzeptieren muss, und andererseits vonseiten der Unternehmen, der Politik und der Forschung, die die Lösungen gezielt entwickeln, angemessen regulieren und verantwortungsvoll einsetzen sollten.

Dystopische Zukunftsvisionen über Super-KI bringen Europa nicht weiter. Vielmehr sollte man sich der bestehenden Risiken bewusst sein, diese akkurat bewerten und entsprechend handeln.
Obwohl KI schon länger in vielen Technologien wie Sprachassistenten, Chatbots und etwaigen Apps Verwendung findet, erlebt sie derzeit einen Boom. Insbesondere ChatGPT hat gezeigt, wie weit KI-Anwendungen bereits entwickelt sind und welche Potenziale in ihr stecken. Ausschlaggebend über die Zukunft und die soziale Dynamik zwischen Mensch und Maschine ist das Vertrauen in die Technologie. KI erhält immer mehr Handlungsmacht – ob echte oder wahrgenommene – und diese muss im Auge behalten werden.
Das Problem liegt jedoch nicht grundsätzlich bei der Maschine. Die künstliche Intelligenz ist nicht an und für sich gefährlich. Die Gefahr geht vom Menschen aus, der sie mit unlauteren Absichten oder unbedarft einsetzen kann. Zum Beispiel machten einige KI-Anwendungen Schlagzeilen, weil sie diskriminierende Entscheidungen
trafen. Dies geschieht allerdings nicht aufgrund der Algorithmen selbst, sondern aufgrund der von Menschen bereitgestellten Daten. In gewisser Weise deckt die KI menschengemachte Diskriminierung auf, sie erschafft sie nicht.
Regulationen über die Verwendung und den Umgang mit KI sind nötig, um Unsicherheiten gegenüber technologischen Lösungen abzubauen. Gleichzeitig sollte eine KIGesetzgebung deren Möglichkeiten nicht beschneiden oder Innovationen im Wege stehen. Die Frage, wie dies umgesetzt werden kann, muss man sich immer wieder stellen. Denn die Technologie entwickelt sich rasant.
Erste KI-Regulationen
Die EU preschte in Sachen KI-Regulierung voran und verabschiedete den «AI Act».
Das risikobasierte Gesetz wird von vielen Seiten kritisiert: Es sei kompliziert und bürokratisch. Darüber hinaus steht in Zweifel, wie zielführend die Regulierung ist.
Trotz allem ist Hauptziel des Gesetzes, Innovation nicht zu verhindern und zur selben Zeit Schäden vermeiden. Es sollen nicht Unternehmen nicht gegen Endkund:innen ausgespielt werden. Alle Parteien sind an Klarheit im Umgang mit KI interessiert, denn es schafft Rechtssicherheit und Vertrauen.
Der Mensch im Zentrum Untersuchungen zeigen, dass die Skepsis in der Bevölkerung wächst, je weitreichender und automatisierter die Entscheidungen einer KI ausfallen. Und: Die Befragten äußerten sich optimistisch gegenüber der Verwendung von KI in Institutionen wie Gerichten, Behörden oder Organisationen des Gesundheitswesens, während sie sozialen Netzwerken, Banken und Versicherungen weniger vertrauen.
Wie bei allen Entwicklungen der Digitalisierung sollte auch bei der KI und deren Regulation der Mensch im Zentrum stehen und das Vertrauensverhältnis der Bevölkerung ernst genommen werden. Erste Schritte können weitere Forschungen, Ethik-Gremien und Transparenzkriterien darstellen. Denn Vertrauen basiert auf dem Wissen, wann man es mit KI zu tun hat, wofür sie eingesetzt wird und wie sie funktioniert.
Dystopische Zukunftsvisionen über Super-KI bringen Europa nicht weiter. Vielmehr sollte man sich der bestehenden Risiken bewusst sein, diese akkurat bewerten und entsprechend handeln. Es gilt, KI sachlich zu betrachten, Innovationschancen zu nutzen und einen ethischen sowie verantwortungsvollen Umgang mit modernen Technologien zu fördern.


Geschwindigkeit, Sicherheit und intelligente Automatisierung werden entscheidend sein, um Deutschlands Weg in die nächste Robotik-Ära zu ebnen.
Wie die sogenannten »Cobots« all diese Vorteile in sich vereinen, erklärt

Anders
VP of Technology
An Herausforderungen fehlt es den deutschen Fertigungsunternehmen derzeit nicht: Angesichts der weltweit steigenden Produktionsnachfrage besteht die Challenge nicht nur darin, mit Entwicklungen Schritt zu halten, sondern auch widerstandsfähige und reaktionsschnelle Systeme aufzubauen, die es Betrieben ermöglichen, einen Vorsprung zu wahren. Gleichzeitig steht Deutschland trotz Zuwanderungsbemühungen vor einem signifikanten Rückgang seiner Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter – bis 2035 wird ein Schwund von voraussichtlich vier bis sechs Millionen Arbeitskräften prognostiziert. »Dieser demografische Wandel setzt die Hersteller zusätzlich unter Druck«, betont Anders Billesø Beck.
Wie lässt sich dieses Dilemma beheben?
»Flexiblere Automatisierungslösungen, die Qualifikationslücken schließen und nachhaltiges Wachstum fördern können, sind in diesem Kontext unerlässlich«, betont Billesø Beck. Mit seiner robusten Industrie, der Ingenieurskompetenz sowie der politischen Unterstützung für Industrie 4.0 und den komplementären Ansatz der nachhaltigen und menschenzentrierten Industrie 5.0 sei Deutschland glücklicherweise prädestiniert, die nächste Ära der Automation anzuführen. Wohin aber führt der Weg?
Physische KI revolutioniert die Zusammenarbeit
Die Automation – insbesondere die Robotik –avanciert derzeit zu einem mächtigen Treiber für Innovation, Resilienz und Wachstum. Obwohl weltweit bereits über 4,2 Millionen Roboter in Fabriken im Einsatz sind, liegt die wahre transformative Kraft der Automation nicht in der schieren Zahl, sondern in der Intelligenz ihrer Fähigkeiten. Eine solche Intelligenz nimmt durch »physische KI« Gestalt an, bei der Wahrnehmung, Entscheidungsfindung sowie logisches Denken direkt in Robotersysteme eingebettet werden. »Kollaborative Roboter (Cobots) – nunmehr durch KI erweitert – spielen dementsprechend
Eine agile und schnelle Reaktion ist heute erfolgskritisch.
– Anders Billesø Beck, VP of Technology
installierten Maschinen vorbehalten waren. Ihr Design ermöglicht es Herstellern, die Produktivität zu steigern, ohne Kompromisse bei Platzbedarf oder Effizienz eingehen zu müssen.
Dementsprechend wird die Zukunft der Automation nicht länger durch einen Kompromiss zwischen Geschwindigkeit, Sicherheit und Intelligenz definiert – vielmehr geht es darum, alle drei Aspekte durch die Robotik der nächsten Generation zu vereinen.
eine zunehmend zentrale Rolle«, erklärt der Fachmann. Denn dank physischer KI werden die Cobots immer schneller, intelligenter und leistungsfähiger. »Dies erlaubt es uns, Präzision und Geschwindigkeit mit der sicheren menschlichen Kollaboration zu vereinen, was sie zur idealen Lösung für dynamische Produktionsumgebungen mit hohem Produktmix macht.«
Angesichts komplexer werdender Produktionsprozesse ist es essenziell, hohe Leistung zu gewährleisten, ohne die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gefährden. Für Anders Billesø Beck stellt KI hier ebenfalls einen Schlüssel zum Erfolg dar, denn sie ermöglicht EchtzeitEntscheidungen in der kollaborativen Robotik, die sowohl Effizienz als auch Arbeitsschutz steigern. »Traditionelle Industrieroboter waren einst in Sicherheitskäfige verbannt, konzipiert für hochvolumige, repetitive Aufgaben in isolierten Umgebungen. Cobots haben dieses Modell grundlegend neu definiert, indem sie eine bisher unerreichte Interaktion zwischen Mensch und Roboter ermöglichen.« Dieser Wandel ist auf den heutigen dynamischen Fertigungsflächen von besonderem Wert, wo die Bedingungen selten uniform sind und viele Aufgaben sowohl Präzision als auch Anpassungsfähigkeit erfordern.
Paradigmenwechsel bahnt sich an Der klassische Modus operandi des Fertigungssektors verschiebt sich also immer mehr hin zu einer flexiblen, skalierbaren Automatisierung, die auf sich wandelnde Anforderungen reagiert. Unternehmen streben nicht länger starre, monolithische »one size fits all«-Systeme an, sondern fordern Automatisierung, die sich anpasst.
In Deutschland haben die Volatilität der Energiepreise und die Störungen in den
Lieferketten zudem die Nachfrage nach modularen, leicht rekonfigurierbaren Automatisierungslösungen beschleunigt: »Eine agile und schnelle Reaktion ist heute erfolgskritisch«, betont Anders Billesø Beck. Dies kann die vollständige Anpassung der Produktion, einen schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Produkten oder die bedarfsgerechte Erweiterung der Kapazität umfassen. »Gefordert sind daher modulare Lösungen, die kostengünstig skaliert, umkonfiguriert oder aufgerüstet werden können – Anpassungsfähigkeit wird somit nicht nur zu einem Komfort, sondern zu einem essenziellen Pfeiler der Resilienz.«
Hier gereicht den Cobots auch ihre kompakte und leichte Bauweise zum Vorteil, denn diese ermöglicht es, sie nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren. Sie benötigen nur minimalen Platz und können schnell an unterschiedlichen Arbeitsstationen neu eingesetzt werden. Solche kompakten Systeme schaffen Agilität. Anstatt auf starre, fest installierte Anlagen angewiesen zu sein, können Hersteller modulare Cobots nutzen, um anpassungsfähige Workstations zu schaffen, die auf sich ändernde Anforderungen reagieren.
Überzeugendes Leichtgewicht
Obwohl Cobots leichtgewichtig sind, bieten sie Schwergewichtsperformance für anspruchsvolle Industrieaufgaben: Trotz ihrer kompakten Größe können moderne Cobots Traglasten von wenigen Kilogramm bis hin zu mehreren Dutzend Kilogramm bewältigen. Ganz gleich, ob es sich um das dynamische Sortieren und Verpacken von Komponenten an einem schnell getakteten Montageband handelt oder um die Navigation in komplexen Lagerlayouts mit KI-gestützter Präzision: Die Systeme sind darauf ausgelegt, erhebliche Arbeitslasten zu bewältigen, die einst viel größeren, fest
Der Mensch muss mitziehen Allerdings kann diese Transformation nicht allein durch Technologie vorangetrieben werden: Deutschlands Stärke liegt in seinem florierenden Robotikökosystem – von Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer und dem DFKI bis hin zu den Integratoren und KMU, welche die Industrie-5.0-Adoption vorantreiben. »Dieses Ökosystem fördert Innovation und beschleunigt die Bereitstellung KI-gestützter Cobots, indem es die Zusammenarbeit und offene Lösungen über verschiedene Branchen hinweg begünstigt.« Indem man diese Zusammenarbeit fördert, schafft man nicht nur intelligentere Maschinen – sondern eine skalierbare, flexible Infrastruktur, die Hersteller maßgeblich unterstützt. Die Kombination aus hochmoderner physischer KI und einem starken kollaborativen Ökosystem treibt diese neue Grenze der Robotik voran – sie beschleunigt den Fortschritt ohne Kompromisse.
Über Universal Robots
Universal Robots ist ein innovatives Robotikunternehmen mit über 1000 Mitarbeitenden, die hinter einer gemeinsamen Vision stehen – eine Welt zu schaffen, in der Menschen mit Robotern arbeiten und nicht wie Roboter.
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IHRE ANSPRECHPARTNER:INNEN






Pascal Daleiden Vorstandsvorsitzender Hitachi Energy Germany AG
Herr Daleiden, künstliche Intelligenz wird immer leistungsfähiger – aber auch immer stromhungriger. Wie groß ist die Herausforderung wirklich?
Die Dimension ist enorm. Die Rechenkapazität für KI wächst exponentiell und der zusätzliche Strombedarf kommt zu dem hinzu, was wir ohnehin schon durch Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Gebäuden benötigen. Unsere Analysen zeigen: Der weltweite Stromverbrauch könnte sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Strom wird zum zentralen Produktionsfaktor der digitalen Welt. Die gute Nachricht ist: Wir haben erprobte Technologien, um diesen Bedarf zu decken – aber wir müssen schneller werden.
Was bedeutet das für die Energieinfrastruktur in Europa?
Europa muss Erzeugung und Netz viel stärker zusammen denken. Windkraft aus der Nordsee, Solarstrom aus dem Süden und Wasserkraft aus Skandinavien sind da, aber sie erreichen die Verbraucher nicht in ausreichender Menge. Ohne einen massiven Ausbau der Übertragungsnetze bleiben erneuerbare Energien ungenutzt. Genau deshalb setzen wir als Hitachi Energy auf Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs(HGÜ)-Verbindungen, die Strom verlustarm über sehr große Entfernungen transportieren.
Hitachi Energy gilt als Erfinder der HGÜ-Technologie. Welche Rolle spielt sie heute? Eine zentrale: Die erste kommerzielle HGÜ haben wir 1954 realisiert – also vor mehr als 70 Jahren. Seitdem hat sich viel verändert, doch das Grundprinzip bleibt: Mit HGÜ lassen sich große Mengen erneuerbaren Stroms effizient
Europa braucht industrielle Stärke in der Energietechnik und es ist unser Ziel als Hitachi Energy, unseren Teil dazu beizutragen.
– Pascal Daleiden,
Vorstandsvorsitzender Hitachi Energy Germany AG
transportieren, etwa zwischen Offshore-Windparks und Verbrauchszentren im Süden. In Europa werden gerade so viele Projekte geplant, wie nie zuvor. Ob NordLink, SuedLink oder künftige Nordsee-Projekte: Ohne HGÜ wäre die Energiewende technisch nicht machbar.
Sie erwähnen den strategischen Vorteil von Hitachi Energy bei Halbleitern. Was meinen Sie damit? Viele Menschen denken bei Halbleitern sofort an Consumer-Elektronik. In der Energietechnik sind sie aber genauso entscheidend. Wir produzieren unsere Leistungshalbleiter – das Herzstück moderner HGÜ-Konverter und STATCOM-Systeme – selbst und in Europa. Das heißt: Die Weiterentwicklung der Halbleiter und darauf basierender Anwendungen kommt bei uns aus einer Hand. Das ist ein strategischer Vorteil, weil wir nicht nur Module zusammenbauen, sondern die Technologie vollständig beherrschen.
Wo sehen Sie im Netz die größten Engpässe?
Der Netzausbau hinkt der Erzeugung hinterher. Gleichzeitig führt das heutige Windhundprinzip bei Netzanschlüssen zu Situationen, in denen Projekte zwar realisiert
werden könnten – aber keinen Anschluss bekommen. Wir brauchen eine Priorisierung, die volkswirtschaftlichen Nutzen, System- und Versorgungssicherheit und KI-Rechenzentren berücksichtigt. Denn KI-Standorte entstehen nur dort, wo zuverlässig Strom verfügbar ist.
Speicher gelten als zweites Nadelöhr. Welche Lösungen sehen Sie? Wir brauchen ein Zusammenspiel verschiedener Speichertechnologien. Kurzzeitspeicher stabilisieren Sekunden bis Minuten, Langzeitspeicher gleichen saisonale Schwankungen aus. Besonders spannend sind hybride Lösungen wie unsere »Enhanced STATCOMs«, die Netzstabilität und Speicherleistung kombinieren. Diese Anlagen helfen, Frequenz und Spannung stabil zu halten – etwas, das früher große Kraftwerke übernommen haben.
Was bedeutet die steigende Komplexität für Netzbetreiber?
Moderne Netze bestehen aus Millionen Messpunkten. Mithilfe digitaler Plattformen und künftig zunehmend auch KI können wir diese Daten nutzen, um Engpässe vorherzusagen und Netze resilienter zu machen. KI wird Netze nicht autonom betreiben, aber sie wird sie besser machen: präziser, schneller und stabiler.
Hitachi Energy investiert derzeit viel in Europa. Warum?
Zum einen der Bedarf: Europa muss Schlüsseltechnologien auf dem Kontinent halten. Zum anderen ist das ein klares Bekenntnis zu unseren Standorten. Wir investieren weltweit sechs Milliarden Dollar bis 2027 auch in Deutschland, zum Beispiel in unser Transformatorenwerk in Bad Honnef. Europa braucht industrielle Stärke in der Energietechnik und es ist unser Ziel, unseren Teil dazu beizutragen. Sie sprechen häufig über Fachkräftemangel. Wie groß ist diese Herausforderung für Hitachi Energy? Es ist eines der zentralen Themen unserer Branche. Wir haben allein in Deutschland mehr als 150 offene Stellen. Die gute Nachricht: Ein großer Teil der jungen Generation sucht nach Berufen, die Sinn stiften – Energiewende, Klimaschutz, Technologie. Digitalisierung beginnt mit Energie – das müssen wir jungen Menschen vermitteln. Wer bei Hitachi Energy arbeitet, gestaltet die Zukunft.
Zum Abschluss: Welche Rolle spielt der Austausch mit Politik und Wirtschaft? Der Dialog zwischen den Akteuren ist wichtiger denn je. Aus diesem Grund unterstützen wir auch den kommenden Handelsblatt Energie-Gipfel als Partner. Wir brauchen einen offenen Austausch darüber, wie wir den Netzausbau beschleunigen, KI-Standorte ermöglichen und die Infrastruktur robuster machen. Die Technologie ist da, die Unternehmen investieren. Jetzt geht es um Geschwindigkeit und Prioritäten.
Weitere Informationen unter: hitachienergy.com/de/de




Christin mit ihrem Sohn im indischen Bundesstaat Jharkhand, in dem es immer wieder zu christenfeindlichen Übergriffen kommt.




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