marie 111/ Jänner 2026

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KÖNIGSWÜRDE

Die Königinnen und Könige des Bildhauers Ralf Knoblauch erinnern uns an die unverlierbare Würde jedes Menschen. Eine der Holzskulpturen begleitete Marc beim marie-Verkauf. Selten habe er so viele schöne Momente erlebt. Seiten 4-7.

3,60 Euro

davon 1,80 Euro für die Verkäuferin/ den Verkäufer

Foto: Katharina Amann

Vergünstigter Abendtarif ab 18 Uhr

Carl Lampert - Das erste Gebet

LIEBE LESERINNEN UND MITARBEITERINNEN DER MARIE, für das kommende Jahr wünschen wir Ihnen viel Freude, Gesundheit und Zuversicht

Bezahlte Anzeige

Inhalt

4-7

Ein stiller König auf Reisen

Wie die Figuren von Holzbildhauer Ralf Knoblauch auf ihrer Weltreise in Vorarlberg Halt machten

7 Rätsellösungen

8-9

10-11

12-15

16-17

Ein Herz spricht

Brief eines Geflüchteten an sein neues Heimatland

Poetisches zum Neuanfang

Texte aus der Schreibgruppe Biografisches Schreiben

Wie ein großer bunter Blumenstrauß

Mitorganisator des Dornbirner Flohmarktes, Sunny Fäßler, im marie-Interview

Wenn Sparen zur sozialen Frage wird

Sozialraumkonferenz der FHV widmet sich den Themen soziale Ungleichheit und Armutsgefährdung

18-21 Der Krieg hat nicht das letzte Wort gehabt

In außergewönlichem Buchprojekt widmen sich zwei Frauen dem Leben ihrer Oma Delphina Burtscher

22 Wurzelbehandlung

Daniel Mutschlechner verrät uns, wie er Randig am liebsten mag

23 Reparaturcafés, marie-Freundeskreis

24-25 Das Geschenk eines verpassten Fluges

Ein literarischer Beitrag von Daniela Egger

26 Sudoku, Impressum

27 Meine Straße

Bernhard Amann, Sozialarbeiter und Stadtpolitiker, erinnert sich an die Straße seiner Kindheit

28-30 Erste Hilfe für den Planeten

Was Jake Johnson ein Erste-Hilfe-Kurs über den Kampf gegen den Klimawandel gelehrt hat

31 Es glitzert und funkelt

Bekannte Drag-Artists zu Besuch im Literaturhaus

32-33 Die Hüterin des Friedhofs

Schwester Julia kümmert sich mit Hilfe von Roma um ein Stück englische Geschichte

34-35 Was ist Zivilcourage?

Landestheater widmet sich dem Leben des Vorarlberger Priesters Carl Lampert

36 Filmclub-Tipps

37 Schachecke, Rechenrätsel

38-39 Veranstaltungskalender

Die nächste Ausgabe der marie erscheint am 30. Jänner

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser! Neues Jahr, neuer Kalender. Nach wie vor halte ich meine Termine und To-do-Listen am allerliebsten in analogen Jahresplanern fest. Ich mag Stifte und Papier, ich mag das Highlighten und Einkringeln, die Sternchen und Blumen und sogar die Armada an Rufzeichen, wenn etwas superdringend wird. Vor allem mag ich das Abhaken und Durchstreichen, wenn Dinge erledigt sind. Der Effekt beim Umblättern nach vollgekritzelten Seiten ist ein großer Loslassmoment. Quasi das kleine Shavasana des Büroalltags. Geht es in einer Besprechung um den nächsten Termin, habe ich meinen Kalender allerdings in den seltensten Fällen dabei. Und weil ich meinem Gedächtnis schon lange nicht mehr ganz traue, schicke ich mir dann jedes Mal per WhatsApp (!) den vereinbarten Termin zu, um ihn zu Hause einzutragen. Jetzt gebe ich jedem recht, der sagt, das ist doch sehr umständlich. Mag sein. Aber: Kalender, ganz egal ob digital oder analog, sind schlussendlich sowieso nur so weit hilfreich, wie man fähig ist, ein Datum korrekt zu erfassen. Unlängst ließ mich jedenfalls eine Aktion kurz an meinen Sinnen zweifeln: Da bin ich gerade dabei, meine Terminzettel-Sammlung in den – einmal mehr in Papierform erworbenen – 2026er-Kalender zu übertragen und finde darin doch tatsächlich den Samstag, den 20. März nicht. Fassungslos starre ich auf die zwölfte Kalenderwoche. Es gibt zwar einen Freitag, den 20. und einen Samstag, den 21., aber eben nicht in der Mischung, wie ich sie bräuchte. Und wie sie vor allem auf den sündhaft teuren Eintrittskarten steht, die ich meinem Sohn für eine Zaubershow geschenkt habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich auf so einem Luxus-Ticket der Zahlenteufel eingeschlichen hat. Aber noch absurder erscheint mir, dass sich die Kalendermacher beim Tagezählen vertan haben. Als der Groschen fällt, kann man es fast klimpern hören. Ich hatte doch tatsächlich im Oktober 2025 ein Ticket für 2027 gekauft. Ich, die ich meistens so spät dran bin mit Erledigungen, dass die Regale der Osterhasen und Nikoläuse schon leer sind, bevor ich mich eindecken kann. Oder dass Restaurants längst ausgebucht sind, weil man in Vorarlberg – so habe ich das inzwischen gelernt – bei Terminen wie Erstkommunion & Co am besten fünf Monate zuvor schon reserviert. Ich hatte also tatsächlich ein Ticket eineinhalb Jahre im Voraus gekauft! Sollte ich mich freuen? Ich weiß nicht so recht. Vorfreude mag zwar die schönste Freude sein, aber 15 Monate lang im Vorfreude-Modus? Das hält doch kein Mensch durch. Ich hab’ mich fast nicht getraut, meinem Sohn den Lapsus zu beichten. Er nahm’s eh gelassen. Gehen wir halt ins Kino, meinte er. Das schaffen wir sogar ganz ohne Kalender.

Machen Sie’s besser als ich, starten Sie möglichst ohne Terminverirrungen ins neue Jahr und vor allem: Füllen Sie sich Ihren Kalender voll mit guten Momenten.

Alles Gute für 2026 wünscht im Namen der ganzen Redaktion

Ihre Simone Fürnschuß-Hofer Redakteurin

Ein Hinweis in eigener Sache: Die marie kostet wegen gestiegener Produktionskosten ab dieser Ausgabe 3,60 Euro, davon gehen 1,80 Euro an die Verkäuferin/den Verkäufer.

EIN STILLER KÖNIG

AUF REISEN

Angela Merkel beherbergt eine, so manch eine trifft man in Schulen und Kindergärten an, andere wiederum sind in Gefängnissen oder an Kriegsorten unterwegs: Insgesamt rund 1500 Königsfiguren des Bonner Holzbildhauers Ralf Knoblauch sind an weit über 200 Standorten auf der ganzen Welt präsent. Seit Kurzem auch in Vorarlberg. Dabei fiel der marie das besondere Glück zu, einen König bei sich aufnehmen zu dürfen – um mit ihm ein sichtbares Zeichen für die Würde jedes Menschen zu setzen.

Text: Simone Fürnschuß-Hofer

Ich weiß nicht, wie ich die immense Freude in Worte fassen kann, die ich mit dieser königlichen Figur erlebt habe“, schreibt uns Marc, der in der Tiefgarage des Rheincenters in Lustenau seit Jahren marie-Zeitungen verkauft. An zwei Samstagen im Dezember leistete ihm die rund 50 Zentimeter große Königsskulptur von Ralf Knoblauch Beistand. „Sie zieht viele Menschen an. Ich liebe es, wenn Erwachsene wie Kinder mit einem großen Lächeln auf mich zukommen – ich habe das Gefühl, dass diese Figur manchen Menschen Stress nimmt.“

SIE ZIEHT VIELE MENSCHEN

AN. ICH LIEBE ES, WENN ERWACHSENE WIE KINDER MIT EINEM GROSSEN LÄCHELN AUF

MICH ZUKOMMEN – ICH HABE DAS GEFÜHL, DASS DIESE

FIGUR MANCHEN MENSCHEN

STRESS NIMMT.“

„Der Zufriedene“, wie der kleine Würde-Botschafter inoffiziell genannt wird und für den die marie eine temporäre Patenschaft übernommen hat, ist einer von zehn Königinnen und Königen, die das Bildungshaus Batschuns anlässlich ihres 60-Jahr-Jubiläums zu sich geholt haben. Um sie von dort aus auf eine Reise durch ganz Vorarlberg zu schicken. Ursprünglich angestoßen wurde die Aktion von der pensionierten Pädagogin Hannerose Koch-Holzer aus Rankweil, die dem deutschen Seelsorger und Holzbildhauer Ralf Knoblauch schon länger folgt. Mit dem Wunsch nach „gemeinsamer Sache“ wandte sie sich an das Bildungshaus Batschuns und stieß bei Geschäftsführer Christof Abbrederis sofort auf Zustimmung. Mehr noch, inspirierte ihn, ein großes Projekt daraus zu konzipieren. „Diese Figuren, die für unsere gemeinsame Würde stehen und die Botschaft in sich tragen, dass in jedem Menschen eine ‚Königin‘ oder ein ‚König‘ wohnt, passen wunderbar zu unserem Haus“, so Abbrederis.

Aus besonderem Holz geschnitzt

Das Holz, aus dem die Wanderkönige geschnitzt sind, trägt die DNA des Bildungs-

hauses – einem Ort, wo Bildung weit über Wissensvermittlung und Qualifizierungen hinaus verstanden wird. „Wir wollen nicht die Gesellschaft verändern, sondern Dinge anstoßen“, bringt der Geschäftsführer die gemeinsame Haltung auf den Punkt. „Natürlich stets verbunden mit der Hoffnung, dass unsere Themen im Außen wirken oder zumindest den Samen legen, und neue Nachdenkräume schaffen.“ Aus diesem Blickwinkel sei auch diese König:innen-Reise zu betrachten. „Wenn diese Figuren es schaffen, Menschen zu berühren, wenn durch sie Menschen untereinander und mit sich selbst in Beziehung kommen, dann ist viel geschafft.“

Un(ver)käuflich

So wie die Würde des Menschen nicht käuflich ist, so stehen auch die königlichen Figuren nicht zum Erwerb. Man kann ihnen lediglich Herberge bieten bzw. sie auf ihrer Wanderschaft begleiten. Sie gehören „niemandem und allen“ und auch das Bildungshaus wird sich Mitte Jänner wieder von ihnen trennen müssen. Jedenfalls von fast allen, denn gegen Spenden dürfen eventuell zwei Figuren bis auf Weiteres auf Würde-Mission im Land bleiben. Der Erlös fließt dabei in das Ukraine-Projekt von Ralf Knoblauch.

Auch die marie hat den kleinen König ins Herz geschlossen. Die Kraft, die Ausstrahlung dieser Figuren ist mit Worten schwer erklärbar. Man schaut sie gerne an. Sie geben einem ein warmes Gefühl. Man wähnt sich in guter Gesellschaft. Und lässt sie aller Einsicht und Vernunft zum Trotz gar nicht so gerne weiterziehen. Die Berührung aber bleibt. So oder so.

Der kleine König begleitet uns beim großen Erstverkaufstag im Vismut, Dornbirn.

„Der Zufriedene“ reist per Rad zur Grafikerin der marie.

Besuch in der Redaktion!

Auch Justin am Garnmarkt in Götzis erhielt königlichen Beistand (Bild links) ebenso wie Freedom im Rohrbach in Dornbirn (Bild rechts).
© Katharina Amann

„KÖNIGE, DIE NICHT HERRSCHEN“

Hauptberuflich ist er Seelsorger im Bonner Norden. Doch seit Ralf Knoblauch „in einem Stück Treibholz einen König gesehen hat“ und mit seinem Schnitzmesser sogleich zur Befreiungsaktion schritt, hat sich eine Initiative ungeahnten Ausmaßes entwickelt – und sein Leben grundlegend verändert. 2025 erhielt er für sein Engagement den Golden Planet Award*.

Interview: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: privat

marie: Wenn Projekte eine solche Dimension erreichen wie die Ihrer Königsfiguren, ist eine Frage immer besonders spannend: Wie fing eigentlich alles an?

Ralf Knoblauch: Den Anfang markiert ein Stück Treibholz, das ich 2007 gefunden habe. Für mich steckte in diesem Stück Holz ein König, der irgendwie zu mir gesprochen hat. Hol mich hier raus, hat er zu mir gesagt. Und das war letztlich das Schlüsselerlebnis, das dann sehr viel in meinem Leben verändert und ihm eine neue Richtung gegeben hat – vor allen Dingen im Hinblick auf die Thematik Menschenwürde. Die ja gerade dort eine hohe Aktualität hat, wo Menschen in schwierigen Lebenssituationen stecken. Ich merkte, mit diesem Motiv des Königs, der Königin kann man Menschen ein Stück weit Hoffnung geben und ihnen spiegeln, dass jeder Mensch, egal wie schlecht oder gut es ihm geht, Würde in sich trägt. Würde, die ihm nicht genommen werden kann. Königswürde.

Spürten Sie gleich das große Potenzial dieser Initialzündung?

Also das Ausmaß, das das bekommen hat, hätte ich mir nie erträumt – und war ja auch nicht intendiert. Die meditative Arbeit des Schnitzens in den Morgenstunden diente im Wesentlichen zunächst mal mir selbst. Um die vielen Begegnungen mit Menschen, die in sehr schwierigen Lebenslagen stecken, ein Stück weit in diesen Königen und Königinnen zu verarbeiten. Ich habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass sie gute Türöffner sind, um mit Menschen in Kom-

munikation zu treten. Über Würde, über Wertschätzung und Einzigartigkeit – all das, was das Menschsein letztlich ausmacht. Irgendwann haben das dann andere mitbekommen, wurden neugierig und fragten mich, ob sie mich begleiten oder sich einen König ausleihen dürften. Und so hat sich das letztlich immer mehr verselbstständigt und es gibt inzwischen viele, viele Königsbotschafter:innen, die das Würde-Thema in die Welt tragen.

Sie selbst sind nach wie vor auf der Straße als Seelsorger unterwegs?

Ja, ich bin hier im Bonner Norden eingesetzt, in einer Gemeinde mit sehr prekären Verhältnissen, mit großen vulnerablen Gruppen. Da bin ich sozialarbeiterisch unterwegs, also sehr nah bei den Menschen, die all ihren Ballast mit sich tragen und all die Themenfelder letztlich widerspiegeln, wie wir sie aus schwierigen Stadtteilen kennen: Suchtproblematik, Arbeitslosigkeit, Migration, Inklusion – riesige Themenfelder.

Und täglich schnitzen Sie an neuen Königinnen und Königen?

Ja, montags bis freitags von fünf bis sechs. Das ist mein Einstieg in den neuen Tag. Nicht als ein Hobby, sondern als mein spiritueller, meditativer Prozess.

Wie würden Sie aus Ihrer Sicht beschreiben, was die Figuren „können“?

Dort wo wir in immer mehr Lebenskontexten beobachten, wie die Würde angekratzt wird, versuchen meine Könige und Königinnen mahnend dagegenzuhalten. Sie mahnen permanent diese Unantastbarkeit und diesen Universalanspruch der Würde für jeden Menschen ein und sie tun das in ihrer völlig zurückgenommenen Art. Vielleicht ist es genau ihre absolute Machtlosigkeit, die ihre Kraft bzw. ihr Potenzial erst freigibt. Sie erfüllen im Grunde nichts von einem königlichen Motiv, wie wir es ansonsten suggeriert bekommen. Das ist ja hier um 180 Grad gedreht. Es sind Könige und Königinnen, die nicht herrschen, nicht expandieren oder im Vordergrund stehen wollen. Wenn man ihnen gegenübersteht, bekommt man eher noch das Gefühl, Partei für sie ergreifen zu wollen. Das mag das Paradoxe, das Irritierende an dieser Geschichte sein, das eben ganz viel Dialog und Kommunikation ermöglicht. Zum Beispiel der König, der bei euch bei der marie ist und die Krone nicht auf dem Haupt trägt, sondern sie einfach lässig in der Hand hält. Das wirft Fragen auf.

Um die 1500 Könige und Königinnen zirkulieren auf der ganzen Welt! Und gleichzeitig gäbe es so viele weitere Orte, wo sie gebraucht würden.

Können Sie die vielen Anfragen überhaupt noch wuppen?

Ich muss das für mich schon gut gedeckelt bekommen, dass es nicht zu viel wird. Aber es ist natürlich auch schön zu sehen, was die Könige auf der Welt bewirken.

Wissen Sie eigentlich, wo gerade alle Königsfiguren stecken?

Bevor ein König oder eine Königin meine Werkstatt verlässt, wird ein Erinnerungsfoto gemacht. Sie suchen sich dann ihren Ort in der Welt und auch das ist dokumentiert. Alle Könige und Königinnen sind miteinander vernetzt. Ich weiß also genau, wo die Könige sind.

Wenn ich es richtig verstehe, dann senden Sie die Königsfiguren aber nicht zu jenen Politiker:innen, von denen man sich mehr Menschlichkeit wünschen würde?

Stichwort Putin, Trump, AfD ...?

Nein, so weit bin ich noch nie gegangen. Aber in Ostdeutschland gibt es eine Bürgerinitiative, die ein kleines Königspaar aufgenommen hat. Und weil sie Neonazis im Stadtrat haben, setzen sie ihr Königspaar als eine Art Mediatoren ein – um dort mit den Rechten immer wieder über grundethische Fragen ins Gespräch zu kommen.

Aber ich selbst halte mich mit dem Verteilen sowieso sehr zurück. Die Orte, wo Könige oder Königinnen von mir sind, kommen dadurch zustande, dass Privatpersonen oder NGOs auf mich zukommen und um Skulpturen anfragen.

Dennoch die Frage: Nachdem Angela Merkel seit Kurzem einen König von Ihnen beherbergt, welcher bekannten Person würden Sie noch gerne einen zukommen lassen? Wenn der Barack Obama eine Königin oder einen König vor mir hätte, darüber würde ich mich freuen. Ja, das wäre richtig gut.

* Der Golden Planet Award ist eine Auszeichnung (Deutschland) für gelebte Nachhaltigkeit und geht an Unternehmen wie auch an Privatpersonen mit hohem sozialen Engagement leben. Vergeben wird er von der Voice Aid Association, D.I.P.E.S.H. und Radio Frankfurt (golden-planet-award.com)

ICH MERKTE, MIT DIESEM MOTIV DES KÖNIGS, DER

KÖNIGIN KANN MAN MENSCHEN EIN STÜCK WEIT

HOFFNUNG GEBEN UND IHNEN SPIEGELN, DASS JEDER

MENSCH, EGAL WIE SCHLECHT ODER GUT ES IHM GEHT, WÜRDE IN SICH TRÄGT. WÜRDE, DIE IHM NICHT GENOMMEN WERDEN KANN. KÖNIGSWÜRDE.“

Der ausgebildete Tischler, der später Theologie studiert hat, lebt mit Ehefrau und drei (mittlerweile erwachsenen) Kindern im Pfarrhaus von St. Laurentius in Bonn-Lessenich. Dort befindet sich auch die Werkstatt, in der Ralf Knoblauch täglich vor Tagesanbruch an seinen Königsskulpturen arbeitet.

LÖSUNGEN

Schachecke

1...c5! Diese starke Fortsetzung entscheidet bereits die Partie. 2.Lxf6 [Die eigentliche Pointe des Zuges 1...c5! ist, dass nach 2.Sxc5 Sxc5 3.dxc5 La4! die weiße Dame gefangen ist. Mit dem Partiezug versucht Weiß noch im Trüben zu fischen – vergeblich.] 2...Lxa4 [Natürlich gewinnen auch 2...c4 oder 2...Lxf6 ohne größere Probleme.] 3.Dxd5 Lxd1 [Auch nach 3...Lxf6 4.Df5 Sf8 hat Schwarz eine Mehrfigur.] 4.Lxe7 Lxe2 5.Lxe2 Txe7 Weiß hat einen Turm weniger und steht völlig hoffnungslos. 1.Td5! [Dieser spektakuläre Zug mit der Doppeldrohung 2.Dxf7+ und 2.Txc5 bringt die sofortige Entscheidung. Nicht ganz so überzeugend ist 1.Td2 Sxe4 2.Txa2 Sxf6 3.Txf6, obwohl auch dann Weiß à la longue gewinnen sollte.] 1...Tf8 [Das Schlagen des Turms scheitert natürlich an 1...cxd5? 2.Dxf7+ Kh8 3.Dxe8+ Kg7 4.Df8#.] 2.Txc5 Txe4 3.Lf5! Dies ist die stärkste Fortsetzung, auch wenn andere Züge ebenfalls gewinnen. 3...Te1 [3...gxf5 4.Tcxf5 Für den schwarzen König gibt es keine Rettung.] 4.Lc2 Te6 5.Dc3 Te7 6.Txa5 Mit der Mehrfigur steht Weiß klar auf Gewinn. 1...Sxf2+! [Der einzige Gewinnzug. Die Alternative 1...Txf2? führt nach der starken Antwort 2.Dxh3! nur zu einer unklaren Stellung.] 2.Kg1 [Nach 2.Kg2 ist die Lage des weißen Königs noch ein wenig schlechter.] 2...e4! [Die gleichwertige Alternative 2...Tf6! gewinnt ebenso deutlich.] 3.Txf2 Txf2 4.Sxe4 Txb2 [Auch 4...Dg6+ ist eine überzeugende Möglichkeit.] 5.Sg3 Dc2!? Die drei schwarzen Schwerfiguren stehen optimal und sichern der Nachziehenden eine klare Gewinnstellung.

Rechenrätsel

Für Anfänger = 33

Für Fortgeschrittene = 84

Für Genies = 47

Ich bin Geflüchteter, ja, aber das ist nicht meine ganze Identität. Es ist nur ein Kapitel in einer langen Erzählung, deren Anfang ich mir nicht ausgesucht habe. Doch ich glaube fest daran, dass ich das Recht habe, ihr Ende selbst zu schreiben.

Bevor ich zu einer Nummer in einer Akte wurde, war ich ein Mensch mit einem Traum, einem Beruf, einer Sprache, einem Zuhause – und mit Würde. Oft sieht man uns Geflüchtete als Menschen, die ständig „nachqualifiziert“ werden müssen – als hätten wir bei null angefangen, als warteten wir nur darauf, dass uns jemand den Weg zeigt.

Aber in Wahrheit kamen wir nicht mit leeren Händen. Wir brachten Erfahrung mit, Wissen – und Geschichten, die nur gehört werden können, wenn man ihnen mit Gerechtigkeit lauscht.

Wir haben unsere Heimat nicht verlassen, weil wir das Reisen lieben –sondern weil das Bleiben zur Erstickung wurde: für Gedanken, Stimmen, Träume und für den Menschen selbst.

Wir sind gegangen – mit einer unstillbaren Sehnsucht im Herzen und einer unerschütterlichen Kraft in den Händen.

Text: Yahya El Abbassi, Foto: privat

Ein Herz spricht

Brief an mein neues Heimatland

Ein Herz spricht – die Stimme eines Geflüchteten an sein neues Zuhause. Eines Geflüchteten, der nicht nur einen Koffer, sondern eine Geschichte trägt.

Als wir den Boden dieses neuen Landes betraten, suchten wir nicht nur Zuflucht – sondern eine Chance auf Zugehörigkeit.

Wir forderten keine Privilegien – sondern Gerechtigkeit. Wir brachten keine Schwäche mit – sondern eine erschöpfte Würde.

Unter uns ist der Arzt, der einst Leben rettete – nicht Grenzen überquerte.

Der Lehrer, der Wissen säte, bevor man ihn entwurzelte. Der Künstler, der mit Feder und Farbe Widerstand leistete. Der Arbeiter, der weiß, was wahre Mühe bedeutet.

Wir sind keine Fremden für Arbeit – und keine Fremden für Hoffnung.

Wir sind nur fremd geworden für Sicherheit …, wenn man sie uns nimmt.

Und doch wird meine Existenz oft auf ein einziges Wort reduziert: „Flüchtling“ – als bedeute es Ohnmacht oder Mangel.

Wir verlangen kein Mitleid.

Wir wünschen uns, gesehen zu werden – nicht verurteilt. Verstanden zu werden – nicht reduziert.

Eine Chance zu bekommen. Teil dieses „neuen Heimatlandes“ zu sein, das wir gewählt haben, das wir erreicht haben – mit Narben im Herzen, Wissen im Kopf und Kraft in unseren Händen.

Und mit der Hoffnung, dass auch dieses Land uns eines Tages erwählt.

Ja, wir leiden – aber in würdevoller Stille.

Eine Stille, die kein Zeichen von Schwäche ist, sondern von Würde.

Und Geduld, die nicht Kapitulation bedeutet – sondern der Glaube, dass große Gesellschaften entstehen, wenn sie ihr Herz genauso öffnen wie ihre Grenzen. © jr korpa via unsplash

Über mich

Ich bin Yahya El Abbassi, geboren am 9. Oktober 1997, Sohn der Westsahara – jenes Landes, das seine Kinder die Bedeutung von Freiheit lehrt, noch bevor sie ein Alphabet lesen können, und in dem die Leidenschaft für das Wort und die Würde untrennbar zur Seele gehören. Ich wuchs in einem Umfeld auf, das Entschlossenheit achtet und an seinen Träumen festhält. Das hat meine Wesensart geprägt und mich gelehrt, meine Werte zu verteidigen, ganz gleich, wie wechselhaft die Umstände sind. Ich studierte von der Grundschule bis zum Erwerb meines Diploms Privatrecht, bevor mich meine Neugier zum Menschen und zur Gesellschaft in die Soziologie führte. Doch das Leben ließ mich diese Reise nicht beenden. Nach meinem ersten Studienjahr war ich gezwungen, mein Land zu verlassen, nicht aus freien Stücken, sondern um meines Lebens willen, im Angesicht der Gewalt der Besatzung.

Über das Schreiben

All diese Erfahrungen, all diese Wege haben meinen Traum nicht gebrochen. Sie haben ihn gestärkt, haben mir die Gewissheit gegeben, dass Stift und Papier meine Weggefährten bleiben, und dass wahre Worte, jene, die aus dem Innersten hervortreten und das Empfinden spiegeln, die Seele erreichen und Spuren hinterlassen, die kein Zuhörer je vergisst.

Seit meinen ersten Lebensjahren war es nicht das Schreiben, das mich erwählte … Ich war es, der in ihm Zuflucht fand. Der Stift wurde zu meinem unerschütterlichen Gefährten, das Blatt zu dem einzigen Raum, der mir erlaubte, der Welt ohne Angst, ohne Zögern und mit vollkommener Aufrichtigkeit entgegenzutreten. Ich träumte davon, Politiker oder Anwalt zu werden – nicht aus Sehnsucht nach Macht, sondern aus dem tiefen Glauben heraus, dass ein Wort, geboren aus echtem Empfinden, die Seele erschüttern kann wie keine Kraft dieser Welt; dass es den Menschen verändert, bevor es die Wirklichkeit berührt. So formten sich meine Gedanken, und so entstand jener Satz, der mich auf jedem Weg begleitet: Gib mir Papier und Stift … – und lass mich der Welt entgegentreten.

Über die Entstehung des Textes „Ein Herz spricht“ „Zeig‘ uns deine Idee von einem guten Zusammenleben“ war das Motto des Workshops „Yallah Demokratie“ der Caritas Flüchtlingshilfe Vorarlberg. Neben der partizipativen Ausarbeitung der Grundzüge von Demokratie und Menschenrechten diskutierten die Teilnehmenden ihre Vorstellungen, Wünsche und Erfahrungen im gesellschaftlichen Miteinander. Das Projekt wurde von Sozialarbeiter*innen der Caritas Flüchtlingshilfe entwickelt und von der koje und dem Land Vorarlberg gefördert.

Yahya ist seit Juli 2022 in Österreich, wohnt in Tschagguns und arbeitet in der Gastronomie.

POETISCHES

ZUM

NEUANFANG

Texte der Schreibgruppe Biografisches Schreiben unter der Leitung von Christine Hartmann, Autorin und Kunstschaffende aus Bregenz.

Neubeginn 1

Wer sagt, dass neu beginnen immer gelingen muss, redet Stuss.

Aber es kann, dann und wann.

Neubeginn 2

Oft ist es 'ne doofe Katastrophe, die unseren Neubeginn erzwingt. Wollen wir hoffen –ergebnisoffen –dass es wirklich gelingt.

Von Martha Caballero aus Altach

Auf geht´s

Den Kopf hängen lassen, Mundwinkel nach unten, die Gedanken schwarz. Und dann - dein Anruf, meine Rettung. Wohin?

Ja klar, ich komme!

Lass uns losfahren, irgendwo hin, sowitasgoht (so weit es geht) haben meine Vorfahren schon gesagt, jene Segler, jene verwegenen Bootsbauer, die vom Bodensee bis nach New York gesegelt sind mit ihrem selbstgebauten Segelboot. Nein, segeln wollen wir nicht. Aber wir können in den Zug steigen.

Treffpunkt Feldkirch, ja?

Ja, machen wir. Kleine Tasche, zwei Unterhosen, drei Shirts und die warme Jacke. Geld und Handy und los geht´s.

Juhu!

Du hast mich gerettet. Schluss mit Krieg und Hunger und Erderwärmung und Fischsterben und Wölfen und Teuerung und Müdigkeit und Rückenschmerzen. Schluss mit Trübsal blasen. Ich komme mit. Mein Geburtstagsgeld wird ausreichen für das Zugticket.

Wohin willst du fahren? In den Süden. Einfach südwärts, oder auch westwärts oder was halt grad möglich ist. Nein, nichts hält mich hier. Keine Familie. Keine Kinder. Kein Mann. Du, du kommst mir gerade recht. Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Sieben Jahre? Ha, lustig! Wenn das kein Grund ist, hier alles stehen und liegen zu lassen - der Trübsal, dem Nebel, der Einsamkeit, der Vergesslichkeit, dem Zwicken und Zwacken den Rücken zu kehren! Meine liebe Schulfreundin, wie war das nochmal damals, als wir ausgebrochen sind aus dem Internat? Genau.

Danke! Bis morgen also! Feldkirch 7:30 Uhr, der Railjet! Freue mich! neujahr es ist da das neue jahr angeschlichen oder angepoltert ist es fix und fertig seit jeher seine tage sind gezählt und benannt in wesen geruch und farbe aus sich selbst es ist da doch nicht in meiner hand minuten stunden tage werden einzeln mir geschenkt wie nehme ich sie an in freudiger umarmung in verzweiflung und abwehr mit lauem gemüte in zorn oder güte

Beide Beiträge von Edith Meusburger aus Altach

ANGST IST NIE KONKRET SONST WÄRE ES FURCHT

ANGST IST NUR EINE VORSTELLUNG

EIN GEDANKENGESPINST IM KOPF

BESONDERS GUT GEDEIHT ES IN SCHLAFLOSEN NÄCHTEN

WENN MONDLICHT SICH BEQUEM AUF DER DECKE DEHNT

UND STERNE IHR HELLES GEFUNKEL LACHEN

IHNEN GELÄNGE ES MÜHELOS

DIE ANGST INS BODENLOSE ZU STÜRZEN

SIE IN STERNSCHNUPPEN ZU VERWANDELN

MIT DEM NEUMOND IN EIN NICHTS AUFZULÖSEN

BIS DIE ERSTEN GERÄUSCHE DEN TAG WECKEN

UND DIE ANGST IN EINER TASSE TEE ERTRINKT

Von Astrid Spiegel-Vetter aus Dornbirn

Plötz lich Neu be ginn!

Ist dann der An fang Zau ber?

O der ist da Schmerz?!

An fang ge län ge –wie ei ne schwe re Ge burt, Zau ber ist im Spiel.

Ü ber wäl ti gend, et was Runz li ges ist es –und ent fal tet sich!

Wir kön nen zu hör‘n, ein ge läu tet die Wen de, die uns jetzt ret tet!

Wer den wir le ben?

Zu sam men ein Fest fei ern?

Ge mein sam tan zen?

Haikus von Ursula Kainz-Mathis aus Hohenems

Der Neuanfang, wie kann er gelingen, da ist doch so vieles, was eingekerbt ist. So vieles gedacht, getan, wie soll etwas neu beginnen? 63 Jahre kennzeichnen mich, wie und wo neu?

Welche Türen kann ich öffnen? Neu womit? Mit dem Gefühl, dem Glauben, der Dankbarkeit?

Da gingen Hänsel und Gretel in den Wald. Sie stolperten über Wurzeln, rutschten in den Wald hinein. „Nein, Hänsel, du musst dich nicht fürchten. Ich schau zu dir, und die Hex ist nicht zu Haus.“ Sie tanzt und jodelt und er – beruhigt sich.

Danke. Thank you for the music, thank you for the body, for the words, the thoughts, oh God, I can think.

Da tanzen die Vögel auf der Stromleitung. Gott sei Dank ist die Leitung nicht mit der Erde verbunden, sonst könnten die Vögel dort nicht sitzen, würden verkohlt werden, wie die Menschen unter Franco, geht es noch schlimmer? Un-Mensch sein, noch un-menschlicher?

Wozu der Mensch fähig ist. Wenn freie Demokratien auf der ganzen Welt ausgerufen werden, ist der Zenith erreicht, hab ich demletzt gelesen. Quo vadis, du Welt?

Unser Nest, unsere Zuflucht, unser Zu-Hause.

Nüchternheit macht sich breit. Nüchtern die Tat-sachen an-schau-en.

Der Mensch hat sich nicht verändert. Wie wunderlich, wie grausam, enttäuschend.

Von Elisa Blum aus Altach

Nachtrag zu Neuanfang fürchte mich vor alledem was uns nächstens überrollt künstlich optimiertes, operiertes, digitalisiertes könnte ich noch schlafen träumte ich von neuanfang

Von Astrid Spiegel-Vetter aus Dornbirn

Interview: Frank Andres Fotos: Dornbirner Flohmarkt

ICH HABE NOCH NIE ETWAS AUF

EINEM FLOHMARKT GEKAUFT. ICH BIN KEIN SAMMLER. ICH ÜBERLASSE DIE DINGE LIEBER MENSCHEN, DIE DIESE WIRKLICH BRAUCHEN.“

marie: Was sind Ihre Erinnerungen an Ihren ersten Flohmarkt?

Sunny Fäßler: Ich weiß nur von Fotos, dass ich beim Flohmarkt 1973 als Baby in einer Schachtel gesessen bin und das Geschehen so erlebt habe. Ich habe dann später als junger Pfadfinder in der Stadthalle Dornbirn mitgeholfen, Waren aus dem Keller zu holen und sie an die verschiedenen Plätze in der Halle zu verteilen.

Und was war Ihr erstes Flohmarktstück, das Sie sich selbst gekauft haben? Ich habe noch nie etwas auf einem Flohmarkt gekauft. Ich bin kein Sammler. Ich überlasse die Dinge lieber Menschen, die diese wirklich brauchen. Ich hatte auf einem Flohmarkt noch nie das Gefühl, etwas brauchen zu müssen.

Aber wie kommt es dann dazu, selbst bei der Organisation eines so großen Flohmarktes mitzuhelfen?

Das ist eine gemeinsame Idee der Pfadfindergruppe Dornbirn und dem Lionsclub Vorarlberg. Entstanden ist das Ganze in den 70er Jahren. Man wollte etwas Soziales und Nachhaltiges schaffen. Heute sind über 700 Menschen beim Dornbirner Flohmarkt im Einsatz. Ich sehe diesen Flohmarkt als Dienstleitung an die Gesellschaft. Mit den gespendeten Waren können wir Menschen bzw. Familien, denen es nicht so gut geht, helfen. Und zudem macht das Miteinander viel Spaß.

Inwieweit spielt auch der Umweltgedanke bei diesem Projekt eine Rolle?

Das ist der zentrale Punkt. Der Aspekt der Nachhaltigkeit, also Dinge nicht wegzuwerfen, sondern diese weiter zu verwenden, ist zunehmend wichtig.

„Wie ein großer bunter Blumenstrauß“

Sunny Fäßler ist im OrganisationsKomitee des größten Flohmarktes in Westösterreich. Doch selbst hat er noch nie etwas auf einem Flohmarkt gekauft. Wie passt das zusammen? Ganz gut, wie sich im Interview mit dem 52-Jährigen herausstellt.

Haben Sie das Gefühl, dass es heute mehr Menschen gibt, die auf dem Flohmarkt kaufen, weil Sie sich die Dinge sonst vielleicht nicht leisten könnten?

In den Anfängen war der Dornbirner Flohmarkt eher ein Gastarbeiter-Basar. Heute ist es nicht mehr so die Bedürftigkeit, sondern vielmehr der Umweltgedanke. So nach dem Motto: Ich kaufe etwas Gebrauchtes, das ich mir neu nicht gekauft hätte. Ich würde nicht behaupten, dass unsere Besucher bedürftig sind, aber der Flohmarkt ist eine günstige Einkaufsquelle. Die Bedürftigkeit zeigt sich vielmehr bei den Menschen, denen wir durch unsere Einnahmen unbürokratisch helfen können. Zum Beispiel Familien nach einem Schicksalsschlag oder einem Krankheitsfall.

Wie viel Geld wird da verteilt?

Eine genaue Summe kann ich nicht nennen. Es ist aber eine schöne Stange Geld. Es rentiert sich, dass sich 700 Menschen über vier, fünf Wochen ehrenamtlich engagieren.

Ist es schwer, jedes Jahr so viele ehrenamtlicher Helfer:innen zu finden?

Wir sind inzwischen eine sehr große Flohmarkt-Familie. Es sind die Dornbirner Pfadis, der Lionsclub Vorarlberg, Ver-

wandte, Freunde und Bekannte mit an Bord. Es ist heute auch eine Art gesellschaftliches Treffen. Die Abende, an denen die Flohmarkt-Sachen gesammelt werden und auch die zwei Verkaufstage sind ja nicht nur Arbeit. Jede und jeder findet seine Aufgabe. Der eine ist beim Ausladen dabei und der andere hilft beim Verkauf mit. Hauptantrieb sollte die Freude beim gemeinsamen Tun sein.

Wie sehr ist Ihre Familie in die Flohmarkt-Vorbereitungen eingebunden?

Sehr intensiv. Die Familie Fäßler ist seit Anfang an mit dem Flohmarkt sehr eng und stark verbunden. Mein Papa war sehr lange dabei und mein Göte ist heute noch aktiv dabei. Es gibt aber auch jungen Nachwuchs, der den Flohmarkt ein tolles und sinnvolles Projekt findet. Ein weiterer großer Vorteil beim Dornbirner Flohmarkt ist, fünf Wochen sehr intensiv zu helfen und dann den Rest des Jahres sich wieder anderen Dingen widmen zu können.

Wie lange ist die Vorbereitungszeit für den Dornbirner Flohmarkt?

Unser Kernteam besteht aus neun Leuten, die sich auch während des Jahres um alle Belange kümmern. Das reicht >>

von der Organisation von Tischen und Bänken für die Verkaufsstände bis zu Bauzäunen, Hubwägen, Verkehrszeichen und Staplern. Wir sind inzwischen an einer Größenordnung angelangt, wo wir an Grenzen stoßen. Es geht auch darum, Dinge möglichst kostengünstig zu organisieren.

Wie gehen Sie mit Begehrlichkeiten, sich als Mitglied des Flohmarkt-Teams schon vorab das eine oder andere Schnäppchen zu sichern, um?

Es gibt dieses Spannungsfeld. Aber unsere Mitarbeiter sehen sich primär im Dienst der guten Sache. Es gibt aber natürlich Einzelne, die sich ein Paar Ski vorab sichern wollen. Das versuchen wir auch zu organisieren. Aber grundsätzlich werden alle gespendeten Waren 1:1 in den Verkauf gebracht.

Verhandeln ist erlaubt?

Ja, mit uns kann man auch über den Preis verhandeln. Wenn wir das Gefühl haben, dass jemand etwas wirklich braucht, es sich aber sonst nicht leisten kann, sind wir preislich sehr großzügig. Aber wenn es um die Schnäppchenjagd geht, dann sind wir im Gegenzug zurückhaltender.

Was sind die Klassiker im Sortiment des Dornbirner Flohmarktes?

Der Flohmarkt ist eine Schatztruhe, wo man grundsätzlich alles findet. Aber trotz der Digitalisierung sind Bücher nach wie vor der Renner. Sie sind etwas, das man in die Hand nehmen kann. Bücher sind in der Gesellschaft nach wie vor etwas sehr Angesehenes, die man nicht im Altpapier entsorgt. Wenn sie nicht mehr gebraucht werden, werden sie oft dem Dornbirner Flohmarkt geschenkt. Damit macht man anderen wiederum eine Freude.

Gibt es Erlebnisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Das Gipfelerlebnis ist nach so vielen Jahren für mich immer noch, wenn wir am Freitag um 23 Uhr die Halle zusperren, und es ist alles angerichtet für den Verkaufsstart am nächsten Tag um 8 Uhr. Das ist auch das, was unsere Flohmarktbesucher am meisten freut. Das Ganze hat inzwischen natürlich auch einen Volksfest-Charakter, es ein gesellschaftliches Treffen.

Wenn an zwei Tagen knapp 40.000 Besucher:innen zum Dornbirner Flohmarkt strömen, kann das auch Hektik bzw. Stress bedeuten. Wie gehen Sie bzw. die Mitarbeiter:innen damit um?

Das Schöne ist, wir reden beim Dornbirner Flohmarkt von positivem Stress. Es geht bei uns ja um nichts Lebensnotwendiges. Wir sperren am Samstag um 8 Uhr in der Früh auf. Ich bin meist schon um 6.30 Uhr da, um die Hallen zu heizen und die Lichter einzuschalten. Und dann stehen bereits die ersten 50 Besucher vor der Halle. Da denke ich mir: Hej Freunde, es dauert noch mindestens zwei Stunden, bis die Tore geöffnet werden. Und viele sagen dann zu mir: „Das ist uns egal, wir warten gerne.“ Wenn es draußen kalt ist, haben wir auch

WANN?

51. DORNBIRNER FLOHMARKT

SAMSTAG, 07.02. (8-17 UHR) SONNTAG, 08.02. (9-12 UHR)

schon Kaffee und Tee ausgeschenkt. Es gibt aber auch Besucher, die eine Nacht davor auf dem Parkplatz übernachten.

Wirklich?

Ja. Die kommen mit ihrem Campingwagen oder Wohnmobil und parken erste Reihe fußfrei, damit sie am nächsten Morgen ihre Waren direkt in ihre Fahrzeuge laden können.

Oft ist es doch auch so, dass sich manche im Trubel verirren und nicht finden, wonach sie suchen.

Das kommt vor. Vor allem in den ersten 30 Minuten nach dem Öffnen des Flohmarktes. Du tauchst in diese Flohmarktwelt ein, alles ist groß und mächtig und am Schluss weißt du nicht mehr, wo du dich befindest. Aber genau für diese verirrten Seelen gibt es speziell am Samstagvormittag gut 30 Mitarbeiter:innen, die wieder Ordnung ins Chaos bringen.

Woher kommen denn all diese Besuchermassen?

Aus dem gesamten Bodenseeraum. Aber inzwischen kommen viele Besucher aus Tirol, dem schwäbischen Raum, aber auch aus Norddeutschland – bis Hamburg. Die kennen den Termin und kommen für ein Wochenende her. In den letzten Jahren hatten wir auch schon Skifahrer, die extra wegen des Flohmarkt-Trubels angereist sind, sich bei uns verköstigt, zwei, drei Sachen gekauft haben und dann weitergereist sind.

Haben Sie jemals damit gerechnet, dass dieser Flohmarkt solche Dimensionen annimmt?

Die Vorzeichen des Dornbirner Flohmarktes sind einfach gut. Es ist eine ehrenamtliche Geschichte, es sind geschenkte Gegenstände. Es geht beim Verkauf nicht darum, Superlative zu erreichen. Am Ende des Tages geht es um einen sozialen Dienst. Um Dinge, die andere nicht mehr verwenden, an Menschen zu geben, die diese vielleicht brauchen oder suchen. Es geht um einen wertschätzenden Umgang.

Sie sind laut eigener Aussage kein Flohmarkt-Besucher, aber geben Sie im Gegenzug Gegenstände, die Sie nicht mehr brauchen, an andere ab?

Ja natürlich. Jeder, der beim Dornbirner Flohmarkt ehrenamtlich arbeitet, hat zuhause in seiner Garage, im Keller oder im Dachboden Gegenstände, die er sammelt. Und wenn einmal im Jahr der Dornbirner Flohmarkt stattfindet, werden diese abgegeben. Der Vorteil bei den Flohmarkt-Mitarbeitern ist, dass sie wissen, was gesucht wird und Sinn macht. Der Dornbirner Flohmarkt ist ein großer, bunter Blumenstrauß, wo jeder etwas für sich findet.

Der klassische Flohmarkt-Besucher kommt meist mit dem eigenen Auto. Wie gehen Sie mit dem Thema Verkehr und Umwelt um?

Wir arbeiten inzwischen sehr eng mit V-mobil zusammen und überlegen uns auch, wie wir es schaffen, dass mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Wir bieten zum Beispiel einen sehr kostengünstigen Zustellservice an. Der Kunde kann zahlen, gibt uns seine Adresse und wir stellen die Waren im Lauf des Wochenendes zu.

Sie sind 52 Jahre alt, seit Jahrzehnten beim Flohmarkt aktiv dabei. Gibt es nicht Überlegungen, die Organisation an Jüngere abzugeben?

Wir sind breit aufgestellt. Es gibt viele im Team, die sich sehr gut auskennen. Ich habe für mich noch kein Ende definiert. Ich bin dabei, möglichst viele junge Menschen zu motivieren mitzumachen. Und irgendwann werden zwei, drei dastehen, wie wir damals, und das Ganze übernehmen. Für mich ist das schönste Credo, Jung und Alt zusammenzubringen, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Jeder bringt seine Fähigkeiten ein. Es gibt bei uns keine graue Eminenz.

Abschlussfrage: Was passiert mit Dingen, die am Flohmarkt keine Käufer finden?

Der Worst Case ist für uns immer die Entsorgung im Müll. Wir haben viele Sozialprojekte, die im Vorfeld sondiert werden. Bei der Tsunami-Katastrophe 2004 haben wir Betroffene unterstützt. Wir arbeiten auch mit dem Projekt Ora zusammen. Das ist eine Organisation, die sehr viele bedürftige Menschen in Bulgarien, Rumänien, Albanien, ähnlich wie bei uns die Caritas, unterstützt. Eine Kooperation gibt es auch mit Ammareal in Frankreich. Mit Bücherspenden soll die Alphabetisierung bzw. die Lesebegabung von Kindern vorangetrieben und gefördert werden. Und es gibt auch Unterstützung in kleinen Bereichen. Wenn zum Beispiel ein Pfarrer zu uns kommt und Kochtöpfe oder ein Bett für eine bedürftige Familie sucht, dann helfen wir selbstverständlich auch.

WENN WIR DAS GEFÜHL HABEN, DASS

JEMAND ETWAS WIRKLICH BRAUCHT, ES

SICH ABER SONST NICHT LEISTEN KANN, SIND WIR PREISLICH SEHR GROSSZÜGIG.“

Dornbirner Flohmarkt: Zahlen und Fakten

→ 1971 von der Pfadfindergruppe Dornbirn und dem LIONS Club Dornbirn gegründet.

→ Aktuell sind über 700 Mitarbeiter:innen 20.000 Arbeitsstunden ehrenamtlich im Einsatz

→ 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, 1900 Laufmeter Verkaufsstände

→ Gesammelt und verkauft werden alle Artikel des täglichen Gebrauchs (Kleider, Geschirr, Haushaltsgeräte, Bücher, Spiele, Möbel, …)

Für sperrige Waren und all jene, die sperrige Waren nicht selber vorbeibringen können, gibt es im Raum Dornbirn einen

Abholservice (T 0664 207 03 10) jeweils am Montag (05.01., 12.01., 19.01. und 26.01.) von 10 bis 16 Uhr.

Der Reinerlös kommt sozialen Zwecken oder Familien im Vorarlberger Raum zugute. Sämtliche Arbeits- und Dienstleistungen werden honorarfrei und ehrenamtlich erbracht.

Sammeltermine im Jänner:

Donnerstag, 08.01., 18.30-21 Uhr

Samstag, 10.01., 9-12 Uhr

Dienstag, 13.01., 18.30-21 Uhr

Donnerstag, 15.01., 18.30-21 Uhr

Samstag, 17.01., 9-12 Uhr

Dienstag, 20.01., 18.30-21 Uhr

Donnerstag, 22.01., 18.30-21 Uhr

Samstag, 24.01., 9-12 Uhr

Dienstag, 27.01., 18.30-21 Uhr

Donnerstag, 29.01., 18.30-21 Uhr

Samstag, 31.01., 9-12 Uhr

Letzter Abgabetermin ist Samstag, der 31.01. um 21 Uhr

Ort für die Abgabe: Messequartier, Hypo Vorarlberg Halle 11, Einfahrt über Parkplatz West

Sunny Fäßler (links) mit seinem Team im Flohmarkt-Einsatz.

Wenn Sparen zur sozialen Frage wird

Wenn derzeit allerorts davon die Rede ist, dass „alle ihren Beitrag leisten müssen“, weil dem Staat offenbar das Geld ausgeht, stellt sich eine zentrale Frage: Was ist mit jenen, die schon bisher jeden Euro zweimal umdrehen mussten? Genau hier setzt die Sozialraumkonferenz 2026 an. Sie nimmt soziale Ungleichheit und Armutsgefährdung in den Fokus und versammelt dafür das Who’s who sozialer Einrichtungen Vorarlbergs in der Aula der FHV (Fachhochschule Vorarlberg).

Text/Interview: Simone Fürnschuß-Hofer, Fotos: Lisa Luger, iStock

Wer armutsgefährdet ist, verliert rasch den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe. Ganz konkret heißt das: Kino, Kaffee oder Freibad werden zu kaum leistbaren Ausnahmen. Hinzu kommt die Scham. Beispielsweise darüber, nicht schön genug zu wohnen, um Freunde einzuladen. Wenn man überhaupt noch wohnt – denn nicht jeder und jede in Vorarlberg hat ein Dach über dem Kopf. Soziale Ausgrenzung ist die unausweichliche Folge. Dass es auch im Wohlstandsland Vorarlberg längst nicht allen „eh noch gut geht“, sondern viele Menschen unter zunehmendem Druck stehen oder sich bereits in der Armutsspirale befinden, thematisieren wir in der marie immer wieder. Fakt ist: Österreichweit liegt unser Bundesland bei der Armutsgefährdung an zweiter Stelle. Wenn nun im Zuge globaler Krisen und als Nachwirkung der Corona-Politik erneut betont wird, dass „alle ihren Beitrag leisten müssen“ und unter dem politischen Schlagwort „Strukturreform“ Sparmaßnahmen im Sozialbudget im Umfang von 15 Millionen Euro verabschiedet werden, trifft das jene besonders hart, die auf Hilfe angewiesen sind. Bei der diesjährigen Sozialraumkonferenz, einer Veranstaltung der FHV in Kooperation mit der Vorarlberger Armutskonferenz, sollen möglichst viele Perspektiven eingebracht werden. In der Hoffnung, gemeinsam Antworten zu finden.

Aus dem Programm:

// An fachlichen Standards orientierte Definition von „Armut“ und „Armutsgefährdung“

// Blick auf die gesellschaftliche Faktenlage in Vorarlberg

// Einblick in konkrete Angebote der Sozialen Arbeit im Handlungsfeld der Existenzsicherung: ifs Schuldenberatung und Caritas – Kreislead Existenz & Wohnen, Fachbereichskreis Sozial-Beratung/-Begleitung

// Ausstellung „Armut hat ein Gesicht“

// Austausch mit unterschiedlichen Expertinnen und Experten (Fishbowl Methode)

// Gemeinwesenarbeit (GWA)-Plakatausstellung der BA-Studierenden

// Moderierte Gespräche mit Landesrätin Martina Rüscher und Caritas-Direktor Walter Schmolly

// Lesung „Steuern sind unsexy – aber demokratisch“

Sozialraumkonferenz 2026: „Armutsgefährdung im Land des Wohlstands –Sparen ohne Plan vs. konstruktiver Sozialplanung“

16.01. von 14 - 17:30 Uhr in der Aula der FHV

Alle Details: www.fhv.at/fh/die-fhv/events/sozialraumkonferenz

„Krieg

ich überhaupt noch einen Job?“

Und was sagen eigentlich jene zu den aktuellen Umbrüchen, die sich für Sozialberufe ausbilden lassen? In welchem Ausmaß sind sie von den Kürzungen betroffen – direkt wie indirekt? Das haben wir Stefanie Maria-Luise Geri, 36, aus Hohenems gefragt. Sie studiert seit Herbst 2022 berufsbegleitend Soziale Arbeit an der FHV, ist Vorsitzende der Hochschulvertretung und als Lerncoach in der Offenen Jugendarbeit in Dornbirn tätig.

marie: Wie geht es euch Studierenden mit den Kürzungen des Sozialbudgets? Wie ist die Stimmung?

Stefanie Maria-Lusise Geri: Bedrückt und betroffen. Gerade in der Bubble des Sozial- und Gesundheitsbereich drehen sich die Gespräche doch sehr um Existenzängste und die Frage, krieg ich überhaupt noch einen Job. Drei meiner Kommiliton:innen sind bereits gekündigt worden. Die Arbeit wird aber nicht weniger, umso mehr Last liegt auf denen, die in den Jobs bleiben und umso höher ist die Burnout-Gefahr.

Betreffen die Kürzungen auch direkt euer Studium?

Insofern ja, als dass Studierende zwei Pflichtpraktika machen müssen und die Institutionen durch die Kürzungen kaum mehr Kapazitäten dafür haben, uns aufzunehmen. Wer ein Praktikum macht, muss begleitet werden. Und Sozialarbeiter:innen, die Praktikant:innen einlernen, müssen zwei Jahre Berufserfahrung mitbringen. Wenn nun aber Sozialarbeit-Stunden gekürzt werden, können Institutionen niemanden mehr einstellen, der uns an die Hand nimmt. Das Dilemma ist, dass die Landesregierung gleichzeitig die Plätze für Sozialarbeit-Studierende erhöht hat – das ist gut, der Bedarf ist da – und gleichzeitig die Rahmenbedingungen fehlen, um fertig zu studieren. Und noch eins: Wenn für uns Arbeitsplätze verloren gehen, dann ist das nicht nur für uns persönlich schwierig. Es verursacht auch Konsequenzen für den Staat, wenn es mehr arbeitslose Menschen gibt und immer weniger Personen Zugang zu Sozialarbeit bekommen.

Was tut ihr dagegen?

Ein nächster ganz praktischer Schritt wird sein, aufzuzeigen, wie viele Studierende es gibt und wie viele noch einen Praktikumsplatz brauchen. Wir haben im Dezember eine E-Mail-Protestaktion gestartet und darin klare Forderungen an die Landesregierung formuliert: Angebote in Einrichtungen nicht auszudünnen etwa, mehr Planungssicherheit für zukünftige Fachkräfte oder Anerkennung unserer Profession – sprich, ein Berufsgesetz für Soziale Arbeit.

Wer hat geantwortet?

Martina Rüscher. Sie spricht von Strukturreformen, nicht von Kürzungen. Ich darf kurz vorlesen: „2026 steigt das Ausgabenvolumen des Sozialfonds auf rund 551 Mio. Euro im Vergleich zu 522 Mio. Euro im Jahr 2025 bzw. zu 396 Millionen Euro im Jahr 2020 – ein Zuwachs von rund 30 Mio. im Vergleich zu 2025 und rund 155 Mio. bzw. 39 Prozent von 2020 bis 2026. Nächstes Jahr werden einzelne Positionen reduziert, aber auch zahlreiche erhöht – wie beispielsweise die stationäre Langzeitpflege oder Refinanzierung des höheren Kollektivvertrags in allen Pflegesettings. Wir investieren in den Sozialbereich also mehr Mittel, nicht weniger.“

Klingt nicht nach sparen. Was sagt ihr dazu? Darauf möchte ich sinngemäß mit den Worten von Walter Schmolly* antworten, denen ich mich anschließe: Von einer Kostenexplosion im Sozialbereich könne keine Rede sein. Seit 2019 sind die Ausgaben im Sozialfonds inflationsbereinigt lediglich um 1,26 Prozent gestiegen, während der Landeshaushalt jedoch um 1,93 Prozent zulegte. Die Einsparungen werden jedenfalls direkt bei den Menschen spürbar sein, die Unterstützung brauchen. Ich sehe das schon jetzt bei mir in der Offenen Jugendarbeit, wo beispielsweise das Programm Albatros in Frage gestellt ist. Dieses ermöglicht Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren, den Pflichtschulabschluss nachzuholen. Wir haben Wartelisten für mindestes zwei Kursperioden. Wenn das Angebot nun wegfällt, würde es Jugendliche als erstes treffen – jene also, die keinen Schulabschluss und keine Lehre haben und so abhängig von Sozialhilfen werden. Angesichts all der Studien, die belegen, wieviel nur ein eingesparter Euro pro Kind den Staat in Folge kostet, ist das schwer nachvollziehbar. Ähnliches erleben wir in der Flüchtlingshilfe – wenn Ansprechpartner*innen fehlen, ist der Weg der Integration erschwert und das wiederum völlig konträr zu den viel zitierten Forderungen nach Integration.

* Direktor Caritas Vorarlberg und Obmann des Arbeitgebervereins für Sozial- und Gesundheitsorganisationen

„DER KRIEG HAT NICHT DAS LETZTE WORT GEHABT“

Interview: Brigitta Soraperra, Illustrationen: Anna Stemmer-Dvorak

Im Rahmen eines Crowdfunding wird gerade für ein außergewöhnliches Buchprojekt gesammelt. Lydia Arantes (43) und Sarah Kühne (41) erzählen in Kooperation mit dem vorarlberg museum die Geschichte ihrer Großmutter in Form einer „Graphic Novel“, einem Comic im Buchformat. Dabei ist das Leben von Delphina Burtscher (1926-2008) geprägt von Armut, Krieg und Verlust. Warum ihre Geschichte dennoch Mut machen kann und für junge Generationen Anknüpfungspunkte bildet, beantworten ihre Enkelinnen im Gespräch mit der marie.

marie: Wie kam die Idee für dieses Projekt zustande?

Lydia: : Ich wurde als Kulturanthropologin vor ein paar Jahren eingeladen, einen Text darüber zu verfassen, wie sich der eigene soziale Hintergrund und insofern auch die Familiengeschichte, in die kulturwissenschaftliche Forschung mit hineinschreibt. Mich interessierte die Großelterngeneration, denn in unserer Familie haben sich über die letzten zwei, drei Generationen drastische Änderungen ergeben. Unser „Omile“ ist als eines von 14 Kindern in ärmsten Verhältnissen im hintersten Großen Walsertal aufgewachsen und ihr Leben ist ja nicht nur aufgrund der Kriegserlebnisse eine Verlustbiografie. Sie hat auch später viel verloren. Ich hab‘ dann nochmal in ihr Büchlein* reingelesen und mir sind ganz viele Passagen so bildhaft erschienen, dass ich dachte, eigentlich müsste man das zeichnen. Dann habe ich gemeinsam mit meiner Mutter einen Text über Delphina, ihre Brüder und ihren Verlobten für das aus dem Forschungsprojekt von Peter Pirker hervorgegangene Buch über Wehrmachtsdeserteure** verfasst. Bei der Buchpräsentation im Landhaus Bregenz habe ich von meiner Idee erzählt, so ist alles ins Rollen gekommen.

Die Form der Graphic Novel ist allerdings eher ungewöhnlich für die doch sehr tragische Geschichte eurer Großmutter.

Lydia: Für uns aber aus verschiedenen Gründen passend. Weil es ein Format ist, mit dem man vielleicht auch ein jüngeres Publikum erreicht. Die Geschichte der jungen Delphina bietet ja doch viele Anknüpfungspunkte für junge Menschen: Sie war 17 Jahre alt und so mutig. Ich habe mich selbst oft gefragt, wie hätte ich gehandelt. Es war wohl auch viel Liebe im Spiel, aber Liebe klingt so kitschig. Ich habe früher gedacht, jeder hätte so gehandelt, jeder hätte doch die Familie beschützen wollen. Aber gerade das Projekt von Peter Pirker zeigt auf, dass es damals nicht überall so war. Es ist anscheinend nicht selbstverständlich und der Aspekt des Denunzierens spielt in Kriegszeiten eine große Rolle, so auch hier. Die Burtschers wurden nach einem Jahr verraten, was Delphinas Bruder und Verlobten ins Gefängnis brachte und das Leben kostete.

Und ihr greift das ebenfalls auf?

Sarah: Ja, das ist auch ein weiterer Grund für uns, die Geschichte noch einmal zu erzählen. Man hat vor zwei Jahren ganz zufällig den Reichskriegsgerichtsakt zum Fall Burtscher und Lorenz im Vorarlberger Landesarchiv entdeckt – eine kleine Sensation eigentlich, denn die Akten wurden zu Kriegsende systematisch vernichtet, um Spuren zu verwischen. Und da sind neue Informationen drin, Material, das wir verwenden können – neben den Gerichtsurteilen zum Beispiel auch eine Stillbescheinigung der Hebamme. Omile wurde ja wegen Unterstützung der Wehrdienstverweigerung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und hat den Gefängnisaufenthalt in München durch die Begründung hinauszögern können, dass sie am Stillen ist. (Anmerkung: Die gemeinsame Tochter von Delphina Burtscher und Martin Lorenz kam drei Monate vor seiner Enthauptung Anfang September 1944 zur Welt.) Sie hat noch ein weiteres

Wir versuchen, die Vergangenheit und Zukunft zusammenzubringen, ihre Geschichte aus unserer Sicht zu verstehen, und darüber nachzudenken, wie man auch damals so handeln hat können. Ich finde, das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig.“

Mal probiert, den Haftantritt hinauszuzögern, aber beim zweiten Mal hat es nicht funktioniert. Da sieht man auch wieder den Mut.

Was habt ihr in euren Recherchen noch entdeckt?

Sarah: Was für uns überraschend war, ist, dass in den Akten auch von Widerstand die Rede ist. Das liest sich aus dem Reichskriegsgerichtakt heraus und ist für uns eine neue Erkenntnis. Davon wurde in unserer Familie nie geredet, dass sie damals auch Pläne geschmiedet haben, wie sie in Sonntag wieder eine Ordnung schaffen können nach dem Krieg. Angeblich hat Omile sich auch beteiligt, hat Armbinden bestickt.

Lydia: Ich würde gerne wissen, was sie dazu sagt, dass man sich in der heutigen Geschichtsforschung einig ist, sie bzw. ihr Handeln als widerständig zu bezeichnen. „Widerstand“ ist nie über ihre Lippen gekommen. Auch in ihrem Buch schreibt sie nicht davon. Sie hat einfach nur aus einer Menschlichkeit heraus gehandelt.

Spannend an eurem Projekt ist auch, dass ihr als dritte Generation selber Teil der Geschichte seid.

Lydia: Ja, wir spannen einen transgenerationalen Bogen, wenn man das so sagen möchte, wir versuchen, die Vergangenheit und Zukunft zusammenzubringen, ihre Geschichte auch aus unserer Sicht zu verstehen, und darüber nachzudenken, wie man auch damals so handeln hat können. Ich finde, das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig.

Sarah: Es sind verschiedene Zeitebenen vorhanden und damit verschiedene Perspektiven. Wir haben uns

gemeinsam mit Anna, der Illustratorin, entschieden, mit Farben zu arbeiten. Die Geschichte von Delphina ist in Farbe dargestellt und wir selber sind immer wieder am Rand eingefügt in Graustufen, im Dialog miteinander. Einerseits erlaubt uns diese Erzählstrategie, Inhalte einzuführen, die Omile selbst nicht erzählt hat, die wir nur aus den Akten wissen. Andererseits können wir so das Geschehen aus unserer Wahrnehmung heraus kommentieren. Ich glaube, dadurch, dass wir da sind, wird es auch den Leserinnen und Lesern leichter gemacht, sich zu fragen, wie man selbst gehandelt hätte. Ich glaube, das ist der Clou.

Was findet ihr denn, können wir heute von Delphinas Geschichte lernen?

Lydia: Delphinas Leben fängt nicht mit dem Krieg an und hört nicht mit dem Krieg auf. Ich würde sagen: Ihr Wesen hat den Krieg überwunden. Der Krieg hat nicht das letzte Wort gehabt. Und das ist uns wichtig zu erzählen – dass man das kann, dass man schwerste Schicksalsschläge überwinden kann. Darum ist das Cover auch recht witzig. Das irritiert vielleicht zunächst in Anbetracht der Schwere der Geschichte. Sarah: Es passt aber absolut zu ihrem Wesen. Sie war sehr humorvoll. Sie war eine, die immer wieder Schmerzvolles erlebt hat, schon von jung auf, aber sie hat ihren Humor nicht verloren. Ich finde das so berührend, wie sie das, was sie durchgemacht hat, geschafft hat, ohne den Mut zu verlieren oder den Humor. Das ist vorbildhaft für mich. Nicht den Kopf hängen lassen und weitermachen. Sie hat acht Kinder großgezogen. Sie ist für mich eine unglaublich starke Person.

* Delphina Burtscher: Meine Lebensgeschichte, herausgegeben von Thomas Gamon, Markus Barnay, Schriftenreihe Nenzing 2015 (4. Aufl), Bd. 3

** Peter Pirker, Ingrid Böhler (Hg.): Flucht vor dem Krieg. Deserteure der Wehrmacht in Vorarlberg, Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs herausgegeben vom Vorarlberger Landesarchiv, 15 (N.F.), München 2023

Ich finde das so berührend, wie sie das, was sie durchgemacht hat, geschafft hat, ohne den Mut zu verlieren oder den Humor. Das ist vorbildhaft für mich.“

CROWDFUNDING

„Delphina. Kleine Frau ganz groß“– Krieg, Liebe, Mut, Verlust, Humor – Delphina Burtschers Leben im Schatten des Krieges neu vermittelt. Weitererzählt von ihren Enkelinnen und ergänzt von farbenfrohen Illustrationen. Herausgegeben von Lydia Arantes & Sarah Kühne, Illustrationen: Anna Stemmer-Dworak/Text: Tobias Fend/Grafik: Anouschka Fink

Um das Projekt möglich zu machen, benötigt es noch finanzielle Mittel. Es kann unterstützt werden unter www.respekt.net/projekte-unterstuetzen/details/projekt/2780/ sowie unter https://mit.einander.at/delphina (aktuelle Projekte)

AUSSTELLUNG UND BUCHPRÄSENTATION

Am 17. Juli 2026 wird das Buch anlässlich des 100. Geburtstags von Delphina Burtscher im Rahmen der dazugehörenden Ausstellung im vorarlberg museum der Öffentlichkeit präsentiert. www.vorarlbergmuseum.at

Delphina Burtscher wurde 1926 als Tochter der Bergbauernfamilie Burtscher im Küngswald bei Sonntag geboren. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1943 übernahm sie als 17-Jährige zusammen mit ihrem Vater und dem jüngsten Bruder die Bewirtschaftung des Hofs. Im Sommer 1943 desertierten zwei ihrer Brüder sowie ihr Verlobter Martin Lorenz aus der Wehrmacht. Delphina verköstigte und versorgte die Männer. Am 9. Juli 1944 wurden Wilhelm Burtscher und Martin Lorenz nach einem Verrat verhaftet und später vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und in Graz hingerichtet; Leonhard Burtscher gelang die Flucht. Delphina wurde ebenfalls festgenommen, für die Geburt ihrer Tochter freigelassen und wenige Monate später in München inhaftiert, bis sie im Juli 1945 freikam. Nach Kriegsende kehrte sie in das Große Walsertal zurück. 1954 verlor sie beim großen Lawinenunglück von Blons ihr neues Zuhause, woraufhin sie mit ihrem Mann Pirmin und den damals vier Kindern nach Schlins und später nach Nenzing übersiedelte. Dort starb sie im Jahr 2008.

Lydia Arantes, geb. 1982, ist promovierte Kulturanthropologin. Sie lehrt an der Universität Graz und leitet das am vorarlberg museum angesiedelte Vermittlungsprojekt über ihre Großmutter Delphina.

Sarah Kühne, geb. 1984, forscht als promovierte Gesundheitswissenschaftlerin an der Fachhochschule Vorarlberg. In ihrer Freizeit widmet sie sich neben Malerei und Handarbeit vor allem der Geschichte ihrer Großmutter Delphina und unterstützt die Umsetzung des Vermittlungsprojekts.

Ein neuer Ort für EFZ Lebens.Beratung

„Ohne euch würde ich immer noch am Boden liegen und meine Sachen nicht geordnet haben.“ (Manuel, 37)

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Wurzelbehandlung

Randig auf meine liebste Art

Zutaten für 4 Personen:

• 700 g Rote Bete

• zum Backen etwas Salz, Pfeffer, Öl, Kümmel und Thymian

• für die Marinade 1 Ei

• 1 TL gerissenen Kren

• 1 TL Tahin

• 1 Zehe Knoblauch

• 1 kl. Schalotte

• 2 EL Zitronensaft

• 2 EL Essig

• 4 EL Rapsöl

• 4 EL Walnussöl

• Salz und Pfeffer

• ein paar Sprossen zum Dekorieren

Zubereitung:

Rote Bete schälen, in zentimeterdicke Spalten schneiden und mit einem Schuss Öl, Salz, Pfeffer, Kümmel und etwas Thymian marinieren. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei 200° Umluft knapp 30 Minuten backen. Währenddessen ein Ei hart kochen. Im hohen Becher ½ Ei, Kren, Tahin, Knoblauch, Schalotte, Säure und Öle sowie Salz und Pfeffer fein mixen. Randig mit der Marinade anrichten, mit Sprossen und dem gehackten halben Ei dekorieren und servieren. Am besten mit Walnussbrot oder Zwiebelbaguette.

Von Daniel Mutschlechner, probelokal.com

Manchen Wörtern tut es gut, eine neue Bedeutung verliehen zu bekommen. Dachte ich früher an Wurzeln, kam mir unweigerlich meine Zahnärztin in den Sinn. Doch seit ich diesen Winter dauernd Randig zubereite, klingt das Wort Wurzelbehandlung völlig anders. Es ist angenehm leicht geworden.

Außerdem liegt in der Zubereitung von Wurzelgemüse in dieser unübersichtlichen Zeit, in denen so viele Bälle herumfliegen, die Steigerung des Bodenständigen. Schließlich essen wir etwas, das unter der Erdoberfläche wächst. Mehr Erdung geht nicht. Und es gibt kaum etwas Einfacheres, als den intensivsten Geschmack aus dem saisonalen Gemüse zu holen: Schälen, in gleichmäßige Stücke schneiden, mit etwas Öl und Salz für knapp 30 Minuten bei 200° im Ofen schmoren, würzen, mit Brot genießen. Da kann nichts schiefgehen.

Egal ob Randig, Karotten, Sellerie oder Schwarzwurzeln –schnappen Sie sich das, was der winterliche Wochenmarkt hergibt. Nur Pastinaken kann ich beim besten Willen nicht empfehlen, sie erscheinen mir so nutzlos wie Musik von Rod Stewart, Schneeregen oder Rosinen im Kaiserschmarren.

Die Marinade verleiht dem Randig übrigens eine erstaunliche geschmackliche Tiefe. Sie ist cremig, süß, salzig und leicht sauer. Verlangt da noch jemand nach Vitello Tonnato?

Musiktipp: Norma Winstone In der Zurückgezogenheit zwischen den Feiertagen entdeckte ich ein paar Alben, die lange unberührt im Regal standen. Etwa „Stories Yet To Tell“ von Norma Winstone, Klaus Gesing und Glauco Venier. Schon das Cover erinnert an den wunderbar tristen Bodensee im Winter. Auch Lieder wie „The Titles“ untermalen diese Jahreszeit. Und das Beste: Norma Winstone, diese Grande Dame des europäischen Jazz, kommt diesen Februar nach Vorarlberg. Und zwar zum Festival jazzambach. Damit hat auch der triste Jänner eine erfreuliche Perspektive! Weitere Rezeptgeschichten und Musiktipps finden Sie auf www.probelokal.com.

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Kirchstraße 8, 6822 Satteins (Untergeschoß Pfarrsaal) | Jeden ersten Freitag im Monat 8.30 bis 11.30, 19 bis 22 Uhr

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DAS GESCHENK EINES VERPASSTEN FLUGES

Text: Daniela Egger, Foto: iStock

Meine Schwester träumte seit vielen Jahren von einer Reise nach Marokko und vor allem von der Wüste. Sie ergriff die Gelegenheit, als sie sich einer ihr sehr angenehmen Gruppe von Menschen anschließen konnte. Es war ein Meditationsretreat mit dem Titel „Transformation und innere Stille“. Das Ende des Jahres sollte mit einer neuen Perspektive auf das Nächste beginnen, unter dem Sternenhimmel der Wüste. Die Sache war sehr viel teurer, als sie für so eine Reise geplant hatte, aber die Hotels waren luxuriös, die Reiseroute interessant und vor allem die Gruppe war ihr wichtig. Der Aufenthalt in der Wüste schien genau für sie gemacht – nicht zu anstrengend, nicht zu lange und trotzdem das Versprechen auf einen tiefschwarzen, leuchtenden Sternenhimmel.

Das war ihr eigentliches Ziel, ein Platz auf der Erde ohne Lichtverschmutzung und die Erfahrung der menschlichen Dimension in Relation zum Universum. Sich endlich wieder einmal klein und bedeutungslos im besten Sinn fühlen – das wollte sie. Und weil ihr Sehnen eine zutiefst menschliche Erfahrung beinhaltet, wurde aus dieser Reise eine Heldenreise, wie Joseph Campbell sie analysiert hat. Folgt man einem inneren Ruf und macht sich auf den Weg, dann stellen sich Prüfungen ein. Die Hürden, die sich vor einem auftun, richten eine Frage an die Reisende und eine Antwort muss gegeben werden. Lässt man sich einschüchtern und gibt auf oder findet man die innere Entschlossenheit für den nächsten Schritt? Für diese Prüfungen tauchen unterschiedliche Protagonisten auf – im Fall meiner Schwester war es ein nicht allzu freundlicher Mann hinter dem Bildschirm der Gepäckkontrolle. Ihr Handgepäck enthielt eine Flasche mit Haarschaum, die sich als Problem erwies. Meine Schwester dachte keine Sekunde daran, dass Haarschaum als Flüssigkeit deklariert werden könnte. Die Flasche verursachte das Öffnen des Koffers und eine gründliche Untersuchung aller Gegenstände, vor allem aller Kosmetika – ihr Angebot, den Haarschaum in den Müll zu werfen wurde abgelehnt. Leider war schon vor ihr eine lange Warteschlange gewesen und die Zeit wurde deutlich knapp – als ihr Flug zum Boarding ausgerufen wurde, stand sie noch immer vor dem Mann, der keinen Grund zur Eile hatte. Sie war schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Er blieb unerbittlich und folgte einem nicht erkennbaren Prozedere. Die Uhr tickte, meine Schwester sah zunehmend gestresst aus, was ihre Vertrauenswürdigkeit offensichtlich nicht erhöhte. Als endlich der Haarschaum im Müll lag und sie durch die Menschenmengen hastete, wurde ein letztes Mal zum Boarding gerufen – das Gate war noch weit entfernt. Mit Tränen in den Augen stand sie bald danach vor dem verschlossenen Gate und sah zu, wie der Flieger abgekoppelt wurde und die Flugzeugtüre sich schloss. Ihr Traum war geplatzt und sie setzte sich zutiefst enttäuscht in die nächste Bar und bestellte einen Tee. Das war ihr noch nie passiert. Ihre Reisegruppe war auf dem Weg zum Rollfeld und sie würde wieder nach Hause fahren müssen. Das Geld für die Reise war verloren.

Sie betrachtete die vielen Menschen mit teuren Koffern und verfluchte kurzfristig ihre finanzielle Situation, weil sie sicher war, sich diese Reise kein zweites Mal leisten zu können. Ein kleiner unfreundlicher Gedanke in Richtung der besonders wohlhabenden Menschen, die zur VIP-Lounge steuerten, muss auch dabei gewesen sein, aber der war zu diesem Zeitpunkt noch nicht wichtig. Sie versuchte mich anzurufen, ich konnte aber grade nicht sprechen. Also schrieb sie mir eine Nachricht und schilderte ihr Unglück. Ich schrieb zurück: Nimm den nächsten Flug! Ich hatte wirklich grade keine Zeit, aber wir wechselten zwei, drei Textnachrichten über Reisekosten und Umbuchungen und meine Gewissheit, dass verpasste Flüge kein Weltuntergang sind.

So funktioniert die Heldenreise. Der oder die Reisende hat sich in eine Situation manövriert, die aussichtslos erscheint. Man sieht die einfachste Lösung nicht mehr, weil man so in seiner eigenen Vorstellung feststeckt. Nach Joseph Campbell treten dann Mentoren auf – das können Passanten sein, oder Verkäuferinnen in einem Shop oder … eine Schwester in einer weit entfernten Stadt, die grade mit etwas ganz anderem beschäftigt ist. Oft reicht ein kurzer Satz: Nimm den nächsten Flug!

Meine Schwester fasste Mut, trank ihren Tee aus und wandte sich an die nächste Person in Uniform, erfuhr, welcher Schalter für Umbuchungen zuständig war. Sie müsse sich zum Transformation Desk begeben, mit Schwierigkeiten wäre aber zu rechnen, weil ihr Ticket von einer anderen Fluglinie beim Swiss-Schalter mit großer Wahrscheinlichkeit nicht akzeptiert werden würde. Sie musste die gesamte Länge des Zürcher Flughafens durchqueren, um an die richtige Stelle zu kommen. Dort traf sie, immer noch sehr aufgelöst, auf eine zweite Mentorin. Der Schalter heißt nicht wirklich so, aber sie war zu einem „Transformation Desk“ geschickt worden – und diese Bezeichnung drehte in ihren Gedanken Schlaufen. Eine überaus herzliche junge Frau erkannte den Grad der Verzweiflung meiner Schwester und setzte alles daran, die Sache zu regeln. Bei meiner Schwester setzt sich ein inneres Feuerwerk in Gang. Sie hatte jahrelang damit gehadert, zu wenig Geld zu besitzen, um in so einer Situation einfach entspannt sofort die nächste Reise zu buchen, oder andere großzügige Lösungen. Sie verdiente immer genug, so wie ich auch, aber wohlhabend sind wir beide nicht. Gleichzeitig hatte sie einen deutlichen Widerstand gegen Reichtum, der ihr bei dem Namen Transformation Desk wie Schuppen von den Augen fiel. Sie lehnte reiche Menschen ab und empfand auch ein wenig Verachtung, wenn Reichtum zur Schau gestellt wurde – das gestand sie mir später, als sie mir diese Reise schilderte. Auch dies war eine Prägung aus unserer Kindheit, die ich selbst gut kenne. Gleichzeitig wünschte sie sich mehr finanzielle Freiheit. Während sich in ihr ein lang gehegter Knoten zu lösen begann, sich eine neue Sichtweise auf ihre zukünftigen Finanzen eröffnete und ihr eine familiäre Altlast von den Schultern glitt, regelte die junge Swiss-Mitarbeiterin die Sache mit dem Flugticket. Sie buchte den nächsten Flug mit einem kleinen Umweg über Genf und händigte meiner Schwester ihre neue Boarding-Karte aus – für einen sehr geringen Betrag. Sie würde, wenn jetzt alles gut ging, rechtzeitig zum Abendessen gemeinsam mit ihrer Reisegruppe am Tisch sitzen.

Meine Schwester saß bald darauf in einem Flugzeug nach Genf und landete mit einer unwesentlichen Verspätung von drei Stunden in Marrakesh, wo ein Fahrer auf sie wartete – von ihrer Reisegruppe organisiert. Nicht, dass die Einreise am Flughafen von Marrakesh keine Herausforderung darstellte –aber diese gehörte nicht mehr zu den Stationen der Heldenreise, denn sie hatte ihre Prüfungen bereits bestanden und trat mit einem neuen Bewusstsein aus dem Wagen in den Wüstensand. Dort, wo der Himmel sie belohnte mit einer Stille, die ihr tief ins Herz drang und wo das Essen und die Menschen sie erwarteten, als wäre sie heimgekehrt – an einen Ort, den sie zuvor noch nie betreten hatte.

*Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten

Impressum

Grundlegende Richtung

So geht‘s: Füllen Sie die leeren Felder so aus, dass in jeder Reihe, in jeder Spalte und in jedem Block (= 3×3-Unterquadrate) die Ziffern 1 bis 9 genau einmal vorkommen. Viel Spaß!

Lösung auf Seite 7

Die Straßenzeitung marie versteht sich als Sprachrohr für die Anliegen von Randgruppen unserer Gesellschaft. marie ist ein Angebot zur Selbsthilfe für Menschen an oder unter der Armutsgrenze, die ihren Lebensmittelpunkt in Vorarlberg haben. Ziel ist die Förderung des Miteinanders von Menschen am Rande der Gesellschaft und der Mehrheitsgesellschaft. Die Hälfte des Verkaufspreises von 3,60 Euro verbleibt den Verkäufer:innen. marie ist ein parteiunabhängiges, soziales und nicht auf Gewinn ausgerichtetes Projekt.

Redaktion

marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-Maximilian-Straße 18, 6845 Hohenems, Telefon: 0677 615 386 40, eMail: redaktion@marie-strassenzeitung.at Internet: www.marie-strassenzeitung.at

Redaktion: Frank Andres, Simone Fürnschuß-Hofer Mitarbeiter:innen dieser Ausgabe: Katharina Amann, Daniela Egger, Guntram Gärtner, Walter Gasperi, Daniel Mutschlechner, Brigitta Soraperra, Gerhard Thoma

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Erinnerungen an die Straße seiner Kindheit von Bernhard Amann, Sozialarbeiter und Stadtrat für Soziales in Hohenems:

Die Straße meiner Kindheit heißt „Im Sohl“. Sie hat nur eine einzige Adresse: „Im Sohl 1“. Vom Ortszentrum geht man die Schweizerstraße etwa einen Kilometer entlang bis zur Firma Collini (die Diepoldsauer Straße existierte in meiner Kindheit noch nicht) und biegt dort rechts in die Sohlstraße ein. Nach zirka 500 Metern erreicht man das Ried und folgt weiter der Sohlstraße. Nach weiteren 500 Metern zweigt bei einem Wegkreuz die Sackgasse „Im Sohl“ links ab und nach einigen Minuten ist man endlich „Im Sohl 1“. Die fast zweieinhalb Kilometer gingen wir zu Fuß zur Volksschule. Da früher von Montag bis Freitag auch am Nachmittag Unterricht war und dazu auch noch am Samstagvormittag, betrug unser wöchentlicher Schulweg 25 Kilometer.

Der Aussiedlerhof „Im Sohl 1“ wurde von meinen Eltern 1955, ein Jahr nach meiner Geburt, errichtet. Dort wuchsen wir sieben Kinder (Jahrgang 1953, 1954, 1955, 1956, 1960, 1961,1965) fernab der Zivi-

lisation auf, sofern man Hohenems überhaupt als zivilisiert betrachten kann. Da sich unsere Eltern fast rund um die Uhr landwirtschaftlich und politisch betätigten, waren wir Kinder weitgehend uns selbst überlassen und genossen nahezu unendliche Bewegungs- und Aktivitätsfreiräume. Als Publikum bei unseren selbst erfundenen Theaterstücken fungierten die zahlreich vorhandenen Johannisbeersträucher. Die Darsteller waren meist Blumen und Gemüse, wobei die Löwenmäulchen nach jeder Vorstellung beerdigt werden mussten, da ihre Kinnladen schnell ausgeleiert waren. In Hohenems galten wir als die „wilden Kinder“. Wenn wir bei unseren Großeltern in der „Spanischen Villa“ zu einem der zahlreichen Großfamilientreffen auftauchten, erschallte regelmäßig der Schreckensruf „Achtung, die Hofkinder kommen!!!“

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Bernhard ganz links im Bild
Illustration © Gerd Altmann via pixabay

Erste Hilfe für den Planeten

Was mich ein Erste-Hilfe-Kurs über den Kampf gegen den Klimawandel gelehrt hat

Ein Gastbeitrag von Jake Johnson (aus dem Englischen übersetzt), Foto: privat, Illustrationen: iStock, freepik

IDAS VERHALTEN, DAS WIR AUF INDIVIDUELLER EBENE AN DEN TAG LEGEN, BREITET SICH IN UNSEREM UMFELD AUS.

ch habe vor Kurzem an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen, um zu lernen, wie man Menschen in Notsituationen hilft. Während ich den Kursteilnehmern erzählte, dass ich hier bin, weil mein Vater einmal jemandem mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung das Leben gerettet hat, habe ich den Kurs in Wahrheit vor allem deshalb besucht, weil meine Partnerin meinte, ich solle mir etwas Sinnvolles suchen und versuchen, Freunde zu finden. Die anderen Teilnehmer schienen dagegen alle aus eigenem Antrieb dabei zu sein, obwohl sie vielleicht auch andere Beweggründe hatten. Unabhängig davon, was uns antrieb, hatten wir alle Geld aus unseren eigenen Taschen bezahlt, um zu lernen, wie man Bedürftigen helfen kann. Das Wesentliche des Kurses wurde in mehreren Rollenspielen demonstriert. In der Regel wurde eine Person, die das Opfer spielte, in ihre Rolle eingewiesen, während die beiden anderen, die Retter, vor der Tür warteten, ohne das Problem zu kennen – bis sie ein Signal erhielten, den Raum zu betreten, wo sie mit einem Notfall konfrontiert wurden.

Eine bestimmte Szene ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich wartete mit einem anderen Kursteilnehmer vor der Tür und überlegte, was das Problem sein könnte: Schlaganfall, Erstickungsanfall, Asthmaanfall? Das Signal ertönte und wir betraten den Raum, wo wir von einem „älteren Nachbarn“ mit Tee und Keksen erwartet wurden. Als er uns begrüßen wollte, ließ er das Teetablett fallen, griff sich an die Brust und krümmte sich vor Schmerzen. Er konnte noch sprechen und sagte uns auf unsere Nachfrage, dass er einen stechenden Schmerz in der Brust habe. Wir stützten ihn, zogen einen Stuhl heran, um eine weitere Gefahr durch einen Sturz zu vermeiden, und setzten ihn hin. Er meinte mit gepresster Stimme, dass er diesen Schmerz noch nie zuvor gehabt habe und dass er unerträglich sei. Er war nicht am Ersticken. Seine Atmung schien in Ordnung zu sein. Meine Kurskollegin rief den Notdienst an und gemeinsam versuchten wir, ihm weitere Fragen zu stellen. Aber er war sich nicht sicher, wie es passiert war. Wir blieben verlegen an seiner Seite, um ihn zu beruhigen und auf den Krankenwagen zu warten.

Die Übung endete, und wir setzten uns wieder hin. Der Ausbilder sprach uns an und fragte, wie wir uns fühlten. Was mir massiv auffiel, war das Gefühl der Machtlosigkeit. Als Ersthelfer sollte ich doch in der Lage sein, etwas Entscheidendes zu tun, zu handeln, um die Situation zu verbessern. Meine Kurskollegin stimmte mir zu, und der Ausbilder nickte zustimmend. Als wir dann die Theorie durchgingen, stellte sich heraus, dass wir eigentlich alles getan hatten, was wir konnten. Wir hatten das Opfer auf einen Stuhl gesetzt und gewartet. Mehr war nicht zu tun. „Man kann nicht in das Opfer hineinsehen“, sagte der Ausbilder. „Sie können nicht sicher sein, was vor sich geht. Man kann nur reagieren, beruhigen und darauf warten, dass die Leute mit den richtigen Werkzeugen vorbeikommen und helfen.“ Auch in weiteren Notfallsituationen wurde deutlich, was es zu tun galt: Zunächst mussten wir die Situation einschätzen und uns ein klares Bild von den Vorgängen machen. Dann die Rettungsdienste alarmieren. Und in der Zwischenzeit bestand unsere Aufgabe darin, das Opfer zu beruhigen, wenn möglich grundlegende Hilfe zu leisten, aber häufiger einfach die Situation zu „sichern“, bis kompetentere Leute eintreffen und übernehmen würden. Es schien, dass unsere Rolle als Ersthelfer ihre Grenzen hatte.

Die Dissonanz der Ersthelfer

Dieses Gefühl der Dissonanz als vermeintlicher Retter, Ersthelfer, Lebensretter mit einer Macht, die sich darauf beschränkt, dem Nachbarn einen Stuhl zu bringen und dann einfach festzuhalten und zu warten, kam mir bekannt vor. Ich habe das Gefühl, dass es mit dem „Kampf“ gegen den Klimawandel nicht unähnlich ist – mit einer Macht, die im Gegensatz zu dem, was die militanten Begriffe suggerieren, darin besteht, 30 Cent mehr für Hafer- statt Kuhmilch zu bezahlen, weniger Fleisch zu essen, nicht das Flugzeug zu nehmen und an einem regnerischen Tag mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Diese schmerzlich banalen Gesten kratzen kaum an der Oberfläche des „großen Ganzen“. Seit wir keine Plastikstrohhalme mehr benutzen, habe ich noch nicht erlebt, dass sich der Gletscherrückgang verlangsamt. Kurz gesagt, diese Gesten sind ungefähr so wirkungsvoll, wie einem Nachbarn, der einen Herzinfarkt hat, einen Stuhl zu bringen. Es war also interessant, im Kurs die Gewissheit zu bekommen, dass dies genau das Richtige war. Um dies näher zu erläutern: Uns wurde beigebracht, wie wichtig es ist, in solchen Krisensituationen Ruhe zu bewahren, indem wir unser Verhalten anpassen. Das Akronym, das dieses Verhalten zusammenfasst, lautet „MERE“ („Mutter“ auf Französisch) und steht für „maitrise“ – „Herrschaft“ (über sich selbst), „ecoute“ – Aufmerksamkeit, „Respekt“ und „Einfühlungsvermögen“. Diese Tugenden nach außen zu tragen, scheint mit Aufgabe des Ersthelfers zu sein. Im Falle der Herzinfarkt-Szene war das so ziemlich alles, was wir tun konnten: sich ver-

ständnisvoll verhalten und abwarten. Ich habe mich gefragt, ob es Parallelen zwischen der „Rettung des Nachbarn“ und der „Rettung des Planeten“ gibt. Könnten wir auch die „MERE“ für den Planeten sein? Ist es das Richtige, sich einfach wie eine „MERE“ zu verhalten? Und ist das alles, was wir tun können?

Eine „MERE“ des Planeten

WENN SICH GENÜGEND MENSCHEN DAZU

ENTSCHLIESSEN, SICH AUF EINE BESTIMMTE

ART UND WEISE ZU VERHALTEN, KÖNNEN DIE

UMSTEHENDEN NICHT EINFACH UNWISSEND ZUSEHEN.

Die schiere Größe des Planeten bedeutet, dass „Beruhigung, Reaktion und Handeln mit den richtigen Mitteln“ kollektiv erfolgen müssen, um eine gewisse Wirkung zu erzielen. Welche Rolle spielt also das Verhalten des Einzelnen in diesem Zusammenhang? Was können wir tatsächlich tun? Glücklicherweise lese ich auf dem Klimaplanet-Blog* einen Artikel, der erklärt, wie individuelle Gesten das kollektive Verhalten beeinflussen. Es stellt sich heraus, dass es ansteckend ist, eine „MERE“ zu sein. Das Verhalten, das wir auf individueller Ebene an den Tag legen, breitet sich in unserem Umfeld aus. Die Tage, an denen wir im Regen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder beschließen, nicht mit dem Flugzeug in den nächsten Urlaub zu fliegen, tragen zum kollektiven Bewusstsein bei, das mehr und mehr an das Wohlergehen des Planeten denkt und nicht nur an unser eigenes.

Darüber hinaus kann die kollektive Anpassung des „MERE“Verhaltens als Alarmsignal dienen. Das ist äußerst praktisch. Es wäre so, als ob in einer echten Erste-Hilfe-Situation allein der Akt des tröstenden Gesprächs mit dem Opfer, das Stellen von Fragen und das Herbeibringen des berühmten Stuhls den Rettungsdienst darauf aufmerksam machen würde, dass gehandelt werden muss. Wenn sich genügend Menschen dazu entschließen, sich auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten, können die Umstehenden nicht einfach unwissend zusehen. Der >>

Akt, eine „MERE“ zu sein, ist zwar von geringem individuellem Wert für den Planeten, hat aber seinen Nutzen im Aufbau von Strukturen, die dies tun. Seine Macht liegt in seinem Potenzial, geteilt und weitergegeben zu werden. Die Ohnmacht, „nur einen Stuhl mitzubringen“ oder „nur mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren“, verschwindet mit der Erkenntnis, dass dies den Dialog innerhalb unserer Gesellschaft eröffnet, der zu Veränderungen und Eingriffen von erheblichem Ausmaß führt. Ich glaube, wie bei der Ersten Hilfe, es ist das Richtige zu tun.

Die Kehrseite dieser Sichtweise ist, dass die Verbreitung von „MERE“ durch Personen gedämpft werden kann, die sich in Zurückhaltung üben, sich meisterhaft (beherrscht), aufmerksam, respektvoll und einfühlsam zu verhalten. Die Gründe dafür können vielfältig sein – ihre eigenen Interessen, Unwissenheit, vermeintlich größere Probleme wie finanzielle Unsicherheit usw. Glücklicherweise wird man aber eher in Folge – oder als Ergebnis von etwas anderem – eine „MERE“ als durch Zielsetzung und Absicht. Wahrscheinlich nahmen so wie ich einige andere auch nicht nur deshalb am Erste-Hilfe-Kurs teil, um „Leben zu retten“, sondern sahen es als eine Art Vergnügen oder bereichernde Aktivität. Was auch immer unsere Beweggründe und Absichten waren, wir alle gingen aus dem Kurs mit einem gestärkten Gefühl für unser Potenzial, eine „MERE“ zu sein, hervor. Es war ein implizites Ergebnis unserer ausdrücklichen Absichten. Es ist erwähnenswert, dass jeder seine eigenen Möglichkeiten hat, sich im „Kampf“ gegen den Klimawandel zu engagieren. Als Ersthelfer zum Beispiel ist unsere medizinische Kapazität schnell erschöpft. Einfühlsam handeln und abwarten war alles, was wir tun konnten. Wenn jedoch ein ausgebildeter Herz- und Gefäßchirurg einfach nur zuschauen und abwarten würde, wären wir schockiert. Diese Person hat die Fähigkeit, mehr zu tun. In diesem Fall wäre es richtig, eine Operation durchzuführen. In Bezug auf den Klimawandel hat jeder Mensch sein eigenes Gefühl für das, was er tun kann. Es reicht schon aus, sich diese Frage zu stellen: „Was kann ich tun?“

Und vielleicht hilft auch eine Haltungsänderung: Wenn wir den Klimawandel nicht „bekämpfen“, sondern uns vielmehr ums Klima „kümmern“ – so wie sich sowohl Ersthelfer als auch Ärzte auf ihre Weise und im Rahmen ihrer Möglichkeiten um ein Opfer kümmern – dann würden wir uns in unserer Rolle erfüllter fühlen, im Großen wie im Kleinen, vor allem, wenn wir uns als „MERE“ verhalten.

IN BEZUG AUF DEN KLIMAWANDEL

HAT JEDER MENSCH SEIN EIGENES

GEFÜHL FÜR DAS, WAS ER TUN KANN.

ES REICHT SCHON AUS, SICH DIESE

FRAGE ZU STELLEN: WAS KANN ICH TUN?

Jake Johnson ist in Sheffield, Großbritannien, aufgewachsen. Er mochte die Natur nicht, bis seine Lehrer ihn im Alter von 19 Jahren davon überzeugten, sein Moped gegen ein Fahrrad zu tauschen. Er radelte 2019 von Singapur nach Sheffield und überquerte im Winter 2025 mit dem Fahrrad und auf Skiern die Alpen. Seine Reisen organisierte er neben seiner Arbeit als Physiker im Bereich Nuklearmedizin.

*Als Gastautor schreibt er für Klimaplanet.com – den Blog von marieVorstandsmitglied Christina den Hond-Vaccaro. Der Blog setzt sich in Meinungs- und Wissensbeiträgen sowie in literarischen Texten mit der Klima- und Biodiversitätskrise auseinander. Der Artikel, auf den sich Jake Johnson bezieht, heißt: „Sind individuelle Entscheidungen wirklich unwichtig? Der Versuch einer Antwort“ von Pawel Strzelczyk.

ES GLITZERT UND FUNKELT IM LITERATURHAUS

Bekannte Drag-Artists an zwei Tagen in Hohenems

„Das Literaturhaus Vorarlberg ist ein offener Ort für alle. Es ist uns wichtig, Sichtbarkeit für queere Themen und Lebensrealitäten zu schaffen und uns für Toleranz starkzumachen, vor allem in Zeiten, in denen Rechtsruck und Queerfeindlichkeit größer werden“, so die Projektverantwortliche Marina Höfler vom Literaturhaus Vorarlberg. Ende Jänner steht dieses nämlich ganz im Zeichen von Drag – einer queeren Performancekunst, die Geschlecht spielerisch überzeichnet, hinterfragt und neu erfindet. Drag King Eric und Drag Queen Bürgerschreck sind eingeladen, einen Abend zu gestalten, der

Eric BigClit, bekannt für einen humorvollen und zugleich kritischen Stil, ist erster Mis*ster Tuntenball ever und Gründer von DragWrestling, House of Clits & Events wie Pride Rage, From Kings to Queens & Queer fetzt!

Drag-Artists im Literaturhaus Vorarlberg (in Kooperation mit den Vereinen Amazone und GoWest, dem Verein für LGBTQIA+):

// Do., 29. Jänner, 17 - 20 Uhr, Workshop mit Drag King Eric für Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren: von queerer Geschichte über Make-up-Skills bis hin zur Charakterfindung;

Anmeldung: anmeldung@literatur.ist, keine Teilnahmegebühr

// Fr., 30. Jänner, 19 Uhr, Wasserglaslesung mit Drag King Eric und Drag Queen Bürgerschreck: Zwei Drag Artists, eine Bühne – und ein Abend voller Glanz, Witz & Wort

Anmeldung: anmeldung@literatur.ist, Eintritt: pay as you wish

Vielfalt, Experimentierfreude und Empowerment in den Mittelpunkt stellt. Geschichten voller Glamour und überraschender Momente werden dabei Einblick in die glitzernde Welt der Drag Kings und Queens geben. Nie unkritisch, dafür aber mit viel Humor.

„Wer in neue Identitäten schlüpfen möchte, kann gemeinsam mit Drag King Eric die eigene Ausdruckskraft entdecken“, verweist Marina Höfler auf ein weiteres Angebot, Glitter in das Jänner-Grau zu streuen. In einem dreistündigen Workshop sind Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren eingeladen, verschiedene Drag-Formen kennenzulernen, mit Make-up zu experimentieren und ihre ganz persönliche Drag-Persona zu entwickeln.

Die vielen Leben von Schwester Julia –der Hüterin des Englischen Friedhofs

1937 in London geboren, Ehefrau, Lehrerin, Mittelalter-Expertin, Nonne (zunächst anglikanisch, dann katholisch) – Schwester Julia kümmert sich in Florenz mit Hilfe einer Gruppe von Roma um ein Stück englischer Geschichte. Und in ihrer Freizeit unterrichtet sie Italiener:innen in der Kunst von Dante.

Fotos:

In Florenz kennt jeder den Englischen Kirchhof, einen umzäunten Friedhof inmitten des inzwischen riesigen Kreisverkehrs an der Piazzale Donatello. Weit weniger Menschen sind sich der Geschichte dieses Ortes bewusst, und fast niemand kennt die Frau, welche ihn seit mehr als einem Vierteljahrhundert bewacht: Schwester Julia Bolton Holloway.

Schwester Julia begann 1996, sich um den Kirchhof zu kümmern, und wurde im Jahr 2000 offiziell als dessen Verwalterin anerkannt, doch ihr Engagement geht über die reine Verwaltung hinaus. Einerseits restauriert sie die Grabstätten, von denen einige monumental sind, andererseits pflegt sie die Erinnerung an diejenigen, die dort ruhen, dank ihrer Studien in der umfangreichen Bibliothek, in welcher sie auch Bücher und Manuskripte restauriert.

Sieht man Schwester Julia durch die Straßen von Florenz gehen, könnte man sie leicht für eine ganz normale Nonne halten. Und doch bieten die 88 Jahre ihres Lebens „eine etwas verrückte Geschichte“, wie sie es selbst definiert. Geboren 1937 in London, verspürte Schwester Julia bereits als junges Mädchen eine Berufung, die jedoch mit 16 Jahren durch einen Umzug nach Amerika, wo sie bei einer nichtgläubigen Tante lebte, im Keim erstickt wurde. Mit 20 heiratete sie einen Mann, der sie und ihre drei Kinder später als den Ruin seines Lebens bezeichnete, weil sie ihn an der Aufnahme eines Studiums zur Vorbereitung auf eine Lehrtätigkeit an der Universität hinderten.

Julia zog ohne einen Cent in der Tasche mit ihren Kindern nach Berkeley,

Kalifornien, und machte dort ihren Abschluss an der staatlichen Universität, wo sie die Möglichkeit erhielt, eine Promotion anzustreben. „Ich hatte Angst davor, das zu tun“, erklärt sie, „weil es der Traum meines Mannes war und ich seine missgünstige Reaktion fürchtete. Also kam ich mit den Kindern nach Italien, wo mein Vater bei der FAO arbeitete. Nach einem Jahr beschloss ich, nach Berkeley zurückzukehren und mein Studium zu beenden.”

Von der Professorin zur Nonne Nach ihrer Berufung zur Professorin lehrte sie an der Quincy University in Massachusetts und der Princeton University in New Jersey, bevor sie dann Direktorin für Studien zum Thema Mittelalter an der University of Boulder in Colorado wurde.

„Zu dem Zeitpunkt, als meine Kinder unabhängig geworden waren, verspürte ich das Bedürfnis, nach England zurückzukehren, in das Kloster, in welchem meine inzwischen betagten Lehrkräfte Pflege benötigten. Auch die Bücher in deren wunderschöner Bibliothek durften nicht vergessen werden. Ich fasste den Entschluss, anglikanische Nonne zu werden und dort zu studieren. Es war eine wunderbare Zeit, denn ich konnte mich ganz den Büchern widmen, ohne dem Stress und den hierarchischen Ungerechtigkeiten des Universitätsumfelds ausgesetzt zu sein. Kurz darauf beschlossen die anglikanischen Bischöfe jedoch, die Einrichtung zu schließen, und so kam ich nach Italien.“

Schwester Julia war bereits während der vergangenen Sommer in Florenz gewesen, wo sie sich insbesondere mit Dante und seinem Lehrer Brunetto Latini befasste, dem eines der Bücher gewidmet ist, die sie im Laufe der Jahre veröffentlicht hat. Dieses Mal jedoch traf sie mit einem neuen Bewusstsein ein: „Ich wollte eine Katholikin werden, und Kardinal Silvano Piovanelli gab mir die Möglichkeit, die Eucharistie zu empfangen.“

„Vier Jahre lang lebte sie wie eine Art Einsiedlerin in einem ungeheizten Zimmer. 2000 wurde ihr dann die Erhaltung des Kirchhofs anvertraut, welcher in jenen Jahren von Vandalen und Drogenabhängigen geprägt war, mit beschmierten Gräbern und herumliegenden Spritzen. Einige Roma boten an, sich um den Garten zu kümmern, und im Gegenzug halfen ihnen

Schwester Julia restauriert die Grabstätten, von denen einige monumental sind, andererseits pflegt sie die Erinnerung an diejenigen, die dort ruhen, dank ihrer Studien in der umfangreichen Bibliothek, in welcher sie auch Bücher und Manuskripte restauriert.

Schwester Julia und ihre Mitschwestern bei ihren Formalitäten und Italienischkursen.

Für diese Menschen war es nach einer Situation der Sklaverei in Rumänien ein enormer sozialer Fortschritt.

„Natürlich war es anfangs nicht einfach, da ich mich mit dem italienischen Recht nicht gut auskannte und nicht wusste, dass ich keine Nicht-EU-Bürger beschäftigen durfte. Aber als Nonne und Ausländerin genoss ich eine Art diplomatische Immunität“, sagt sie mit einem Lächeln.

Während sie diese Geschichte erzählt, zeigt Schwester Julia auf Grabsteine von Persönlichkeiten wie dem amerikanischen Journalisten und Historiker Richard Hildreth und der englischen Schriftstellerin Frances Trollope, deren Bücher Harriet Beecher Stowe zu ihrem Roman Onkel Toms Hütte inspirierten. Es ist bemerkenswert, dass die Gräber derer, die für die Abschaffung der Sklaverei gekämpft haben, von denjenigen restauriert werden, welche gegenwärtig Sklaven der modernen Gesellschaft sind und in jeder Hinsicht am stärksten benachteiligt werden und ausgegrenzt sind. „Die Roma sind Sklaven ihrer Lebensumstände“, betont Schwester Julia, „und hier finden sie einen Weg in die Freiheit. Ich bin froh, mein Gelübde zum Evangelium abgelegt zu haben, denn Jesus war für die am meisten Verachteten da.“

Es gibt heute Menschen zwischen Florida und Schottland, die stolz darauf sein können, eine Urgroßmutter zu haben, die Nonne ist, Italienern die Kunst von Dante näherbringt und benachteiligten Menschen Arbeit gibt.

Ein internationaler und ökumenischer Ort

Der Englische Kirchhof wurde 1827 auf einem Stück Land gegründet, welches das Großherzogtum Toskana der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (welche es bis heute besitzt) überlassen hatte, um nicht-katholische Verstorbene – hauptsächlich Protestanten – aufzunehmen, die zu jener Zeit nicht auf den katholischen Kirchhöfen der Stadt beigesetzt werden durften. Zuvor wurden Nicht-Katholiken, die in Florenz starben, in Livorno beigesetzt, wo es bereits einen Kirchhof für Ausländer anderer Glaubensrichtungen gab. Tatsächlich war die Küstenstadt Heimat einer historischen evangelischen Gemeinde.

Der vom Architekten Carlo Reishammer entworfene Kirchhof wurde als internationaler und ökumenischer Ort konzipiert, der Gläubige anderer christlicher Konfessionen, wie Russen und griechisch-orthodoxe Christen, willkommen heißt. Er wurde zur Begräbnisstätte von Dichtern, Künstlern, Intellektuellen und ausländischen Reisenden. Da die meisten von ihnen Engländer oder Amerikaner waren, wurde er schließlich als „der englische Kirchhof“ bekannt – es gibt jedoch Gräber aus 16 verschiedenen Nationen. Im Jahr 1858 wurde eine Säule auf dem Gipfel des Hügels errichtet, welche bis heute dessen Mittelpunkt markiert.

Übersetzt aus dem Italienischen durch Translators Without Borders Mit freundlicher Genehmigung von Scarp de’ tenis / INSP.ngo

Was ist Zivilcourage, was moralische Verantwortung?

Auch in dieser Spielzeit widmet sich das Landestheater in Bregenz wieder einer herausragenden Persönlichkeit der jüngeren Vorarlberger Geschichte: Carl Lampert. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich selbst in höchster Lebensgefahr weigert, seine Überzeugungen zu verraten. Das Theaterstück lädt ein zu einer intensiven Reflexion über Zivilcourage, Widerstand und der Frage nach moralischer Verantwortung.

Die Autorin Kirsten Ossoinig und die Autoren Peter Mair und Hermann Weiskopf haben das Leben und insbesondere die Lebenseinstellung von Carl Lampert in die Gegenwart transferiert und für die Bühne adaptiert. Die Handlung: Zwei jugendliche Straftäterinnen werden inhaftiert. Ihre Angst und ihre Verzweiflung suchen sie mit einem Hörbuch über den seligen Priester Carl Lampert zu bekämpfen – und entdecken dabei ein Schicksal, das sie veranlasst, ihr eigenes Leben und Handeln neu zu betrachten.

Der 1894 in Göfis geborene Carl Lampert entschied sich früh für das Priestertum. Geschätzt als kluger Denker, Mann des Volkes und treuer Diener Gottes stieg er in der klerikalen Hierarchie schnell auf und wurde schließlich Provikar, das heißt Stellvertreter des Bischofs der Diözese Innsbruck, zu der damals auch Vorarlberg gehörte. Doch mit der nationalsozialistischen Herrschaft und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 begann auch für ihn eine Zeit zunehmender Bedrohung.

„Ein quälender, todgeängstigter Morgen ist soeben überstanden. Wieder zogen sie heute früh wie schon so oft durch die Gänge in aller Frühe – diese Todesknechte, und holten da und dort aus einer Zelle ihre Opfer: sieben Erschießungen heute früh! Ach, wie bleiern liegt dieser Morgen auf meinem Gemüt! Wie angstvoll horchte das Ohr auf die schlürfenden Schritte draußen und vermeinte, jetzt und jetzt öffnet sich meine Tür und gellt der Ruf an mein Ohr: „Aufstehen, fertig machen!“ – Ja, fertig machen!“

Das Leben Carl Lamperts ist eine Geschichte von Mut, Verantwortung und Entschlossenheit. Das neue Theaterstück des Vorarlberger Landestheaters bringt diese Biografie in verdichteter Form auf die Bühne: die Standhaftigkeit des Priesters, seine Konfrontation mit Terror und Willkür, seine inneren Kämpfe und die Kraft seines Glaubens. Die Inszenierung stellt Fragen nach Zivilcourage, Verantwortung und nach dem Preis der Wahrheit. Fragen, die weit über die Zeit des Nationalsozialismus hinausreichen.

Christliche Grundhaltung

(Carl Lampert am 3. November 1944, zehn Tage vor seiner Hinrichtung)

Mit Sorge nahm Lampert wahr, was um ihn herum geschah: die Unterdrückung der Kirche und der Gläubigen, die Verfolgung von Andersdenkenden. Und er schwieg nicht, sondern bezog Stellung gegen das TerrorRegime. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) nahm ihn ins Visier und er wurde mehrfach verhaftet. Während der Haft machte man ihm dubiose Angebote: Er soll Gott entsagen, ein bürgerliches Leben führen und Kinder fürs Vaterland zeugen. Dann würde man ihn freilassen. Doch Lampert blieb unbeugsam. So wurde er weiter in die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen deportiert, wurde zum Spielball der nationalsozialistischen Willkürjustiz. Unter anderem wurden ihm Spionage und Wehrkraftzersetzung vorgeworfen. 1944 kam es zu einem Schauprozess, dessen Urteil von Anfang an feststand: Tod durch das Fallbeil. Am 13. November 1944 wurde Carl Lampert in einem Gefängnis in Halle an der Saale geköpft und hingerichtet.

Es gab viele Laien und Geistliche in Vorarlberg, die nicht nach Stellungnahmen durch den hohen Klerus fragten, sondern aus ihrer christlichen Grundhaltung heraus sich durch das NS-System nicht vereinnahmen ließen und sich dagegen wandten. Nebst Carl Lampert wurden auch der Feldkircher Pater Franz Reinisch und der gebürtige Hesse und in Feldkirch wirkende Pater Alois Grimm hingerichtet. Vier weitere Geistliche mussten den bitteren Weg in ein Konzentrationslager antreten, über 30 Geistliche waren zumindest kurzfristig in „Schutzhaft“.

Pater Alois Grimm fiel zwei Monate vor Carl Lampert dem Henkerbeil zum Opfer. Lange Jahre war Grimm als Professor an der Stella Matutina in Feldkirch tätig gewesen. Für die Nazis war das Gymnasium eine „schwarze Kaderschmiede“, die unter anderen Zöglingen wie die ehemaligen Bundeskanzler Otto Ender und Kurt Schuschnigg hervorgebracht hatte. Nach Auflösung der Schule wirkte der Jesuitenpater als Aushilfspriester und Privatgelehrter in Feldkirch-Tisis. In dieser Zeit zog er sich durch Aussagen über die politische Lage die Feindschaft der örtlichen NS-Größen zu. Ein im Feldkircher Schulwesen tätiger Nationalsozialist initiierte dann auch die Gestapo-Aktion, die zur Tötung des Paters führen sollte. Die Schwester des Geistlichen erhielt am 18. September 1944 folgende Mitteilung: „Das gegen ihren Bruder Alois Grimm ergangene Todesurteil des Volksgerichtshofs vom 12. August

1944 ist am 11. September 1944 vollstreckt worden. Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig.“

Kein Eid auf einen Verbrecher

„Den Eid, den Soldateneid auf die NS-Fahne, auf den Führer, darf man nicht leisten. Das ist sündhaft. Man würde ja einem Verbrecher einen Eid leisten.“

(Pater Franz Reinisch)

Der dritte Vorarlberger Geistliche wurde wegen Wehrdienstverweigerung hingerichtet: Franz Reinisch. Bereits zu Kriegsbeginn 1939 geriet er durch konsequente Stellungnahmen gegen das NS-Regime mit den Behörden in Konflikt. Im September 1940 wurde ihm ein Predigt- und Redeverbot erteilt. Doch der Missionar und Männerseelsorger wollte nicht schweigen. In einer Diskussion hatte Reinisch etwas gesagt, das ihn den Kopf kosten sollte: „Den Eid, den Soldateneid auf die NS-Fahne, auf den Führer, darf man nicht leisten. Das ist sündhaft. Man würde ja einem Verbrecher einen Eid leisten.“

Bald darauf, im April 1942, erhielt der 39-jährige Priester einen Einberufungsbefehl in die Wehrmacht. Demonstrativ kam er einen Tag zu spät und erklärte, den Soldateneid nicht leisten zu wollen. Auch nach seiner sofortigen Verhaftung änderte er seinen Standpunkt nicht: „Kein Eid auf einen Verbrecher wie Hitler!“ Am 7. Juli 1942 kam es zur Verhandlung. Nach den Gründen für seine Wehrdienstverweigerung gefragt, sagte Reinisch: „Die gegenwärtige Regierung hat ihre Macht nur errungen durch Gewalt, Lug und Trug. Es gibt für mich daher keinen Eid der Treue auf eine solche Regierung. Einen Eid mit Vorbehalt muss ich nicht und will ich nicht ablegen.“ Das war sein endgültiges Todesurteil. Am 21. August 1942, um 4.56 Uhr, wurde Franz Reinisch in Berlin-Plötzensee geköpft.

Carl Lampert (1894 - 1944)

Uraufführung im Landestheater:

CARL LAMPERT – DAS ERSTE GEBET

Am Samstag, 17. Jänner, findet im Vorarlberger Landestheater in Bregenz die Uraufführung des Schausspiels „Carl Lampert – Das erste Gebet“ von Peter Mair und Kirsten Ossoinig in der Inszenierung von Hermann Weiskopf statt. Handlung: Zwei jugendliche Straftäterinnen werden inhaftiert. Ihre Angst und ihre Verzweiflung suchen sie mit einem Hörbuch über den seligen Priester Carl Lampert zu bekämpfen – und entdecken dabei ein Schicksal, das sie veranlasst, ihr eigenes Leben und Handeln neu zu betrachten. Ein Stück für Theaterfreunde ab 14 Jahren, dessen Erzählstruktur drei Leben im Gestern und Heute auf schicksalhafte

Weise verknüpft.

Matineegespräch: So, 11. Jänner, 11 Uhr

Premiere: Sa, 17. Jänner, 19.30 Uhr

Weitere Vorstellungen:

Di, 20. Jänner, 19.30 Uhr

Do, 5. Februar, 19.30 Uhr

Fr, 6. Februar, 19.30 Uhr

Sa, 28. Februar, 19.30 Uhr

So, 1. März, 17 Uhr (im Anschluss an die Vorstellung: Publikumsgespräch im T-Café)

Vormittagsvorstellung: Mi, 4. Februar, 10 Uhr

WEITERE INFOS

Susanne Emerich (Hg.): „Carl Lampert – Hätte ich nicht eine innere Kraft …“ Tyrolia, Innsbruck, 2011

Richard Gohm: „Selig, die um meintwillen verfolgt werden

– Carl Lampert: Ein Opfer der Nazi-Willkür“, Tyrolia, Innsbruck 2008.

Johann-August-Malin-Gesellschaft (Hg): „Von Herren und Menschen – Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 19331945“, fink's Verlag, Bregenz 1985.

Internet: Carl Lampert Forum unter www.kath-kirche-vorarlberg.at

15 Liebesbeweise

FILMCLUBTIPPS von Walter Gasperi

Ausführliche Filmrezensionen zu Mainstream- ebenso wie zu Arthausfilmen und einen Filmclubkalender finden Sie unter www.film-netz.com

Ein gleichgeschlechtliches Ehepaar bekommt ein Kind, doch die nicht-biologische Mutter muss im Frankreich des Jahres 2014 bürokratische Hürden überwinden, um offiziell als Mutter anerkannt zu werden: Alice Douard gelang mit ihrem Spielfilmdebüt eine leichthändige und frische Komödie, die auch durch starke Schauspielerinnen und den genauen Blick für Situationen überzeugt.

→ TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 02.01. + Sa 03.01. (franz. O.m.U.)

→ Spielboden Dornbirn: Di 06.01. + Fr 23.01. –jeweils 19.30 Uhr (franz. O.m.U.)

Kinderkino: Sauvages – Tumult im Urwald

Claude Barras nutzt in seinem auf Borneo spielenden Stop-Motion-Animationsfilm die Geschichte einer Elfjährigen und ihres indigenen Cousins, um den Raubbau an der Natur durch multinationale Konzerne anzuprangern: Eine durch ihre liebevolle Gestaltung und den perfekten Mix von Spannung und Witz begeisternde Öko-Fabel.

→ Spielboden Dornbirn: Sa 03.01., 15 Uhr (deutsche Fassung)

Quand vient l'automne

François Ozon entwickelt um zwei alternde Freundinnen und ihre schwierigen Beziehungen zu ihren erwachsenen Kindern einen komplexen Mix aus Familiendrama und Thriller: Ein von zwei großartigen Hauptdarstellerinnen getragener, sanft-melancholischer Film, der seine Geheimnisse nur langsam preisgibt und vieles in der Schwebe lässt.

→ Kinotheater Madlen, Heerbrugg: Mo 05.01., 20.15 Uhr (franz. O.m.U.)

Mother's Baby

Der Kinderwunsch entwickelt sich für eine Dirigentin zu einem Albtraum, als sie nach der Geburt keine Beziehung zu ihrem Baby aufbauen kann und ihr Verdacht wächst, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt: Johanna Moders Drama über postnatale Depression und die Belastungen der Mutterschaft entwickelt sich souverän zum ebenso subtilen wie packenden Thriller.

→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 14.01., 18 Uhr + Do 15.01., 19.30 Uhr (deutsche Originalfassung)

→ Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mi 28.01., 20 Uhr + Mo 02.02., 18 Uhr (deutsche Originalfassung)

Neuigkeiten aus Lappland

Miia Tervo erzählt in ihrer 1984 spielenden Tragikomödie vor dem Hintergrund eines im finnischen Lappland abgestürzten sowjetischen Marschflugkörpers von einer alleinerziehenden Mutter, die einen Job als Journalistin annimmt, um Schulden abzuzahlen: Viele starke Szenen, schräge Typen und skurrile Momente lassen über die fehlende dramaturgische Linie hinwegsehen.

→ Vorarlberger Museumswelt, Frastanz: Fr 16.01., 18 Uhr + 20 Uhr (deutsche Fassung)

Miroirs No. 3

Christian Petzold erzählt im abschließenden Teil seiner Trilogie der Elemente von zwei Frauen, die ihren Bezug zum Leben und zur Welt verloren haben, aber durch ihre Begegnung langsam wieder zurückfinden: Ein meisterhaft inszenierter und gespielter, lichter Sommerfilm, durchsetzt mit märchenhaften und thrillerhaften Momenten, der von Trauer und Verlust zu Heilung führt.

→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 21.01., 18 Uhr + Do 22.1., 19.30 Uhr (deutsche Originalfassung)

→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 21.01., 18 Uhr + Do 22.1., 19.30 Uhr (deutsche Originalfassung)

Sentimental Value

Ein egozentrischer Regisseur, dem die Karriere immer wichtiger war als die Familie, und seine zwei gegensätzlichen Töchter: Joachim Trier erzählt in seinem in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichneten sechsten Spielfilm feinfühlig und vielschichtig ein klassisches Familiendrama um Kunst und Leben, um Entfremdung und Sehnsucht nach Versöhnung.

→ LeinwandLounge in der Remise Bludenz: Mi 21.01., 19 Uhr (norweg.-engl. O.m.U.)

→ Kinothek extra in der Kinothek Lustenau: Mo 26.01., 18 Uhr + Mi 04.02., 20 Uhr (norweg.-engl. O.m.U.)

→ FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 18.02., 18 Uhr + Do 19.02., 19.30 Uhr (norweg.-engl. O.m.U.)

Die kompletten Filmclubprogramme finden Sie hier: www.filmforum.at // www.spielboden.at // www.allerart-bludenz.at/leinwand-lounge // www.fkc.at // https://saumarkt.at/taskino

Sentimental Value © Filmladen Filmverleih

Lösen Sie es in 60 Sekunden

Beginnen Sie die Kopfrechnung mit der Zahl im Feld ganz links. Rechnen Sie von links nach rechts – Kästchen für Kästchen. Die Lösung im leeren Feld rechts eintragen. Jede Rechnung unabhängig von der Schwierigkeit sollte in weniger als 60 Sekunden gelöst werden. Keinen Taschenrechner verwenden!

Lösungen auf Seite 7

SCHACHECKE

Mit ungewöhnlich spätem Termin startete die 1. Frauen-Bundesliga Mitte Dezember in ihre neue Saison. Vom 12. bis 14. Dezember trafen sich die zehn Teams in der Stadthalle Fürstenfeld, wo gemeinsam mit der 1. Bundesliga die ersten drei Runden ausgetragen wurden. Die Spielbedingungen waren für alle Beteiligten ideal – ein großes Kompliment gilt dem Organisationsteam um Siegfried Posch sowie dem Live-Übertragungsteam von Philipp Raedke. Bereits in der Sommerausgabe (marie #105) widmeten wir uns dem Thema Frauen-Bundesliga und erwähnten, dass diese Meisterschaft sowohl qualitativ als auch quantitativ einen beeindruckenden Aufschwung erlebt. Dieser Trend setzt sich auch in der neuen Saison 2025/26 fort. So stehen neben vier Ex-Weltmeisterinnen auch zahlreiche hochrangige internationale Titelträgerinnen in den Kaderlisten. Die 181 gemeldeten Spielerinnen kommen aus 28 verschiedenen Ländern. Nach drei Runden liegt der große Favorit Victoria Linz mit drei souveränen Siegen und dem Punktemaximum in Füh-

WIM Sofia Hryzlova (Dornbirn)

WGM Viktoria Radeva (Schach ohne Grenzen)

1. Frauen-Bundesliga, Fürstenfeld 2025

Wie erlangt Schwarz am Zug klaren Materialvorteil?

rung. Das Weltklasse-Team aus Oberösterreich unterstrich seine Titelambitionen in der dritten Runde mit einem klaren 3½:½-Erfolg gegen den Titelverteidiger Pamhagen. Ebenso drei Mannschaftssiege erreichten die Spielerinnen aus Wulkaprodersdorf. Aufgrund der schlechteren Feinwertung liegen die Burgenländerinnen auf dem zweiten Platz der Tabelle.

Die Bilanz der Dornbirnerinnen fällt an diesem Wochenende gemischt aus. Nachdem sie zum Auftakt eine deutliche Niederlage im Westderby gegen Schach ohne Grenzen einstecken mussten, erreichte das Team um WFM Julia Novkovic am nächsten Tag ein beachtliches Remis gegen Titelverteidiger und Mitfavorit Pamhagen. Mit einem knappen, aber verdienten Sieg in der dritten Runde gegen Gamlitz rückten die Messestädterinnen noch ins Mittelfeld der Tabelle vor.

Und nun bringen wir wie gewohnt drei Kombinationen aus Partien der 1. Frauen-Bundesliga. Wir wünschen Ihnen viel Spaß!

WIM Sofia Hryzlova (Dornbirn)

WFM Agnesa Ter-Avetisjana (Gamlitz)

1. Frauen-Bundesliga, Fürstenfeld 2025

Mit welcher spektakulären Fortsetzung gewinnt Weiß am Zug entscheidendes Material?

WFM Emilia Deak-Sala (Gamlitz)

WGM Jana Schneider (Dornbirn)

1. Frauen-Bundesliga, Fürstenfeld 2025

Wie nützt Schwarz am Zug die unsichere weiße Königsstellung aus?

Lösungen auf Seite 7

VERANSTALTER AKZEPTIEREN DEN KULTURPASS FÜR FREIEN/ERMÄSSIGTEN EINTRITT

Infos über den Kulturpass unter www.hungeraufkunstundkultur.at

Mo., 05.01.

17 - 19.30 Uhr, bugo Bücherei, Göfis SCHREIBWERKSTATT mit Astrid Marte

Mo., 05.01.

19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch

NEUJAHRSJAZZFESTIVAL

mit Melissa Coleman und Elfi Aichinger

Mo., 05.01.

19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch

LA VITA È BELLA

Die Schurken, Konzert

Do., 08.01.

19.30 Uhr, Theater Kosmos, Bregenz MONIKA HELFER LIEST GEDICHTE AUS „BITTE SCHICK MIR EINE DROGE“

Der Abend mit Monika Helfer und Michael Köhlmeier gibt Einblick in das Innerste einer Menschenseele, ist aber auch eine Präsentation des feinsten Handwerkszeugs der Literatur

Fr., 09.01. & Sa., 10.01.

20 Uhr, kammgarn Hard LÄNDLE SESSIONS mit Great Spirit, km special Band, Lari+the Wolves und Jussel

Fr., 09.01.

20 Uhr, Spielboden Dornbirn

MASCHEK – DAS WAR 2025 Kabarett

Veranstaltungskalender

Mi., 14.01.

18.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

DER FISCHER VOM BODENSEE –ARBOGASTER GENUSS-ABEND

Die Fischspezialitäten der Familie Bösch aus Gaißau wurden schon mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Zum Genuss-Abend bringt Albert Bösch mit, was der Bodensee zu bieten hat – bekannte und überraschende Spezialitäten.

Do., 15.01.

18-21 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

KOMBUCHA, KEFIR UND GINGERBEER

Ein Food-Campus-Arbogast-Workshop mit Sanjay Bösch

Do., 15.01.

18 Uhr, Heimatmuseum Schruns AUFRUHR IM SÜDLICHEN VORARLBERG ZUR ZEIT DES BAUERNKRIEGES 1524-1526

Vortrag von Manfred Tschaikner

Do., 15.01.

20 Uhr, Heimatmuseum Schruns POETRY SLAM

Reisende Poet:innen aus dem deutschsprachigen Raum slammen um die Gunst des Publikums. Sei dabei und klatsch deine Favorit:innen zum Sieg! Moderation: Marvin Suckut

Do., 15./16./22./23.01.

jeweils 20 Uhr, Altes Kino, Rankweil DIE SPECHTE: OPUS 8 Kabarett

Fr, 16.01.

14-16 Uhr, Trachtennäherei Riefensberg

VERDREHEN UND VERKREUZEN VON GARNEN

Klöppelkurs für Anfänger*innen

Fr, 16.01.

19.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

MIT GANZEM HERZEN, MIT

GANZER SEELE

Konzert-Lesung mit Kohelet3 und Maya Rinderer

Sa., 17.01.

19.30 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch

PAUL WINTER FEAT. 10TH ANNIVERSARY BOWIE, PRINCE UND GRUNDEINKOMMEN

David Bowie († 10.1.2016); Prince Rogers Nelson († 21.4.2016), Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ († 5.6.2016). Es erwartet Sie ein gemischter Abend mit Songs und Texten, Interpretation und Original, Polemik und Provokation, Politik und Poesie.

Sa., 18.01.

11 Uhr, Palais Liechtenstein, Feldkirch EIN MUSIKALISCHER NEUJAHRSGRUSS

„Musik in der Pforte“ lädt alle Vereinsmitglieder & Mutmacher:innen herzlich zu einer musikalischen Begrüßung des neuen Jahres ein. Bei diesem festlichen Auftakt erleben Sie die Stipendiat:innen auf der Bühne und nach dem Konzert werden Sie von ihnen auch kulinarisch verwöhnt. —

Do., 22.01.

19.30-21 Uhr, Jüdisches Museum, Hohenems

VON DER GENISA ZUR GOTEIN –ÜBER DIE „ARABISCHE FRAGE“ JÜDISCHER ORIENTALISTEN

Vortrag und Gespräch mit Markus Kirchhoff (Leipzig)

Do., 22.01.

19.30 Uhr, Spielboden Dornbirn TRUMP 2.0: 365 TAGE KAMPF UM BZW. GEGEN DAS BESTEHEN DER DEMOKRATIE

Vortrag und Gespräch mit Cornelia Klecker, stellvertretende Leiterin des Instituts für Amerikastudien der Universtität Innsbruck

Do., 22.01.

20 Uhr, kammgarn Hard CHRISTOPH&LOLLO Konzert

Sa., 24.01.

20 Uhr, Altes Kino, Rankweil MARTIN SPENGLER & DIE FOISCHN WIENER*INNEN Konzert

So., 25.01. (17 Uhr), Sa., 31.01. (19.30 Uhr), Theater am Saumarkt, Feldkirch

MARKUS LINDER: BÄM VALLERA – AUF DER SUCHE NACH DEM GRÜNEN ZWEIG

Musik-Comedy

So., 25.01.

18 Uhr, Konsumsaal Göfis

KONZERT KLAVIER, CELLO, SAXOFON

mit Christian Wachter (Klavier), Andrei Denisenko (Cello), Laura Matinez (Saxofon), gespielt werden Werke von Maurice Ravel und Claude Debussy

Di., 27.01.

19 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems

#DEINE BÜHNE: ZEIG DICH MIT DEINEN TEXTEN

Im Literaturhaus Vorarlberg greifst du zum Mikro und probierst deine Idee auf der Bühne aus. Keine Anmeldung, kein Wettbewerb, kein Druck – nur du, dein 8-Minuten-Moment und ein Publikum, das sich zufällig zusammenwürfelt und ganz sicher auf dich freut.

Mi., 28.01.

14.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

ABER BITTE MIT SAHNE – ARBOGASTER GENUSS-NACHMITTAG

Raphaela Burger vom Hotel Hirschen in Schwarzenberg gibt Einblicke in ihr kreatives Schaffen und verrät, wie auch zuckerreduzierte Desserts gelingen. Neben Kreationen von Raphaela Wirrer werden auch die beliebtesten Kuchen und Torten aus der Arbogaster Küche serviert.

Mi., 28.01.

19 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

MACH'S WIE GOTT: WERDE MENSCH!

Vortrag von P. Pepp Steinmetz

Do., 29.01.

17.30 Uhr, Literaturhaus Vorarlberg, Hohenems

LESEZEIT: MITEINANDER ÜBER GEMEINSAM GELESENE BÜCHER REDEN

Wir lesen quer durch den Büchergarten – niemand muss, jeder kann, wenn er:sie will – bei unserer LeseZeit über gemeinsam gelesene Bücher sprechen. Du bist willkommen!

Do., 29.01.

19.30 Uhr, Bildungshaus St. Arbogast, Götzis

UND EWIG SINGEN – UND ERZÄHLEN – DIE WÄLDER

Hanskaspas Enkel, die Nachfolger der Kleaborar Bahnteifl, musizieren wieder. Ulli Troy (Zündschnur) und seine Cousins Richard und Jos Natter bringen altbewährte und neue Lieder mit ins winterliche St. Arbogast. Manche sind schräg, andere „schwarz-humörig“. Feinsinnig ergänzt werden sie von einem weiteren Bregenzerwälder, nämlich Msgr. Rudl Bischof, der zwischen den Liedern heitere Anekdoten zum Besten gibt.

Do., 29.01.

19.30 Uhr, Bildungshaus Batschuns VERNISSAGE: ARTQUER: LAUT UND LEISE

mit Werken von Leon Wust und WolfGeorg

Do., 29.01.

20.30 Uhr, Spielboden Dornbirn DAS BO – TOURLICH TOURLICH 2026

Konzert

Do., 29.01.

12.15-13.30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz

BORN FOR HORN

Die musikalische Mittagspause im Museumscafé. In Zusammenarbeit mit der Stella Vorarlberg Privathochschule für Musik

Fr., 30.01.

20.30 Uhr, kammgarn Hard DISTANT BELLS

Konzert der Pink Floyd Tribute Band

Sa., 31.01.

15 Uhr, Theater am Saumarkt, Feldkirch

THEATER IM OHRENSESSEL: SCHNEEWITTCHEN

Kindertheaterstück mit Puppen und Spielern nach einem Märchen der Gebrüder Grimm

Idee und Spiel: Stefan Libardi

Sa., 31.01.

15-16.30 Uhr, vorarlberg museum, Bregenz

OFFENES SINGEN MIT EVELYN FINK-MENNEL UND PHILIPP LINGG

Sa., 31.01.

20.30 Uhr, Spielboden Dornbirn

EDWYN COLLINS – THE TESTIMONIAL TOUR Konzert

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Sie haben Anregungen, Wünsche oder Beschwerden? Dann schreiben Sie uns doch einfach. marie – Die Vorarlberger Straßenzeitung, Graf-MaximilianStraße 18, 6845 Hohenems.

E-Mail: redaktion@marie-strassenzeitung.at oder Sie rufen uns an unter 0677 615 386 40. Internet: www.marie-strassenzeitung.at.

Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!

marie ist Mitglied im Weltverband der Straßenzeitungen. www.insp.ngo

WIR MACHT’S MÖGLICH.

Alleine kann man einiges erreichen, zusammen fast alles.

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