Deutsche Oper Berlin: Libretto # 6 (März 2026)

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Deutsche BerlinOper Libretto #6

Deutsche Oper Berlin, März 2026

Liebe Leserinnen und Leser, die Redewendung, dass der Ton die Musik macht, ist nirgends so zutreffend wie in der Oper. Entscheidend ist auf der Bühne nicht nur, was gesungen und gespielt wird, sondern auch, wie das geschieht. Für meine Arbeit als Grafikerin dieses Hauses gilt das genauso. In den Plakaten, Programmheften und Publikationen, durch die wir mit Ihnen in Kontakt treten, kommt es nicht nur auf die reinen Fakten an, sondern eben auch darauf, in welcher Form sie präsentiert werden. Die Gestaltung soll Ihnen immer auch vermitteln, wie wir sein wollen: unprätentiös, klar und abwechslungsreich, und dies alles in einer modernen Eleganz, wie sie auch die Architektur des Hauses ausstrahlt. Das beste Beispiel dafür ist das Heft, das Sie gerade in Händen halten. Denn »Libretto« liefert nicht nur die Fakten des Spielplans, sondern erzählt davon, was die Menschen bewegt, die für Sie Musiktheater machen. Dieses Magazin soll jeden Monat wieder eine Einladung an Sie sein, die Oper in ihrer ganzen Vielfalt zu entdecken. Ich hoffe, wir können Sie auch diesmal neugierig machen, und wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre! Ihre Sandra Kastl

Sandra Kastl ist Grafikerin an unserem Haus. Vielleicht sind Ihnen die Illustrationen zu den neuen Inszenierungen dieser Saison schon aufgefallen? Die aktuelle Außenkampagne entstand in ihrem Büro, Kastl hat die Kampagne gemeinsam mit der Videokünstlerin Ruth Tromboukis entwickelt

DON CARLO im März > 2 im Spielplan

3 Fragen

Roberto Tagliavini singt König Philipp II., einen herrischen Vater. Zu der Rolle hat der Bass eine sehr persönliche Beziehung

Was verbinden Sie mit Philipp II.?

Jeder Bass träumt von dieser Rolle. Ich habe in ihr 2024 debütiert, an der Staatsoper Wien. Für Philipp II. brauchen Sie eine reife Stimme und Lebenserfahrung.

An welche Art von Erfahrung denken Sie?

Selbstvertrauen. Ich bin Spätzünder, begann erst mit 25 Jahren professionell zu singen. Das war nicht einfach, aber heute, 20 Jahre und viele große Rollen an renommierten Häusern später, weiß ich, wie es geht.

Philipp II. ist ein Macho, der seinen Sohn runtermacht. Was davon steckt in Ihnen?

Ich identifiziere mich weniger mit dem Macho, sondern mit dem Leid der Figur. Mit Philipp II. begann mein Entschluss, Sänger zu werden. Mein Vater hat davon geträumt, mich in der Rolle live zu erleben. Leider ist er vor meinem Debüt gestorben. Auch an ihn denke ich, wenn ich als Philipp II. auf der Bühne stehe.

Online: Tagliavini über seine Kindheit in Parma, der Heimat Verdis

Gleich passiert’s

Die Außenseiterin Kundry wird als Bedrohung für die Gralsgesellschaft empfunden. Eine Zwangstaufe soll ihr die erotische Verführungskraft nehmen.

Von der Kreuzigung Christi bis in die Gegenwart spannt Philipp Stölzl den Bogen seiner bildmächtigen Erzählung von Wagners Bühnenweihfestspiel.

PARSIFAL im März > 7 im Spielplan

Gleich passiert’s

3. Akt

Die spanische Königin Elisabeth liegt in tiefem Schlaf. Ob sie von ihrem Stiefsohn Carlos träumt, zu dem sie eine tiefe Zuneigung verspürt?

Im Kern von Verdis Inquisitionsdrama steht der Konflikt zwischen König Philipp und seinem Sohn Carlos. Die Inszenierung von Marco Arturo Marelli vermittelt das Bild eines Königshofes, an dem niemand unbeobachtet bleibt.

DON CARLO im März > 2 im Spielplan

Neu an unserem Pult

Der 25 ­jährige Finne wird bereits international gefeiert. In diesem Jahr übernimmt er die Leitung des Hong Kong Philharmonic Orchestra

PARSIFAL im März > 7 im Spielplan

Der Dirigent Tarmo Peltokoski gibt mit PARSIFAL sein Debüt an unserem Haus. Von Wagners letztem Werk ist er durch und durch fasziniert

Ich dachte immer, es sei TRISTAN UND ISOLDE, aber seit ich letzten Sommer zum ersten Mal PARSIFAL dirigiert habe, hält mich diese Oper in ihrem Bann. »Sie müssen das Gefühl haben, Sie seien viel zu schnell –dann ist es richtig«, so ein Zitat von Wolfgang Wagner. Als wir PARSIFAL in Riga einstudierten, habe ich beim ersten Durchlauf des ersten Aufzugs aufs Timing geachtet und dachte hinterher, dass wir zu langsam waren. Beim zweiten Durchlauf gab ich stellenweise mehr Tempo vor, schaute hinterher auf die Uhr: Wir waren sogar noch langsamer! Sobald man versucht, das Stück analytisch herunterzubrechen, entzieht es sich. »Zum Raum wird hier die Zeit«, sagt Gurnemanz im ersten Aufzug, genau das passiert in der Musik, es ist geradezu magisch. Ich freu mich sehr auf die cineastische Inszenierung von Philipp Stölzl. Ich bin Mittelalter­Fan, ich liebe »Game of Thrones« und »Herr der Ringe«. Und natürlich freue ich mich auf das Wagner­ Orchester der Deutsche Oper Berlin – wobei es auch etwas ehrfurchteinflößend ist. Ich finde, das passt alles perfekt zur Magie eines Bühnenweihfestspiels.

Gionanidis machte im Opernorchester Bekanntschaft mit dem Cimbasso. Zum ersten Mal spielte er das Instrument 2013, in seinem Probejahr an der Deutschen Oper Berlin

Mein Instrument

Vikentios Gionanidis spielt als Tubist an der Deutschen Oper Berlin auch das wundervolle, sehr besondere Cimbasso: eines der Lieblingsinstrumente von Giuseppe Verdi

Das Cimbasso ist eine Kontrabassposaune mit Ventilen – eine Mischung aus Tuba und Posaune. Es wurde im 19. Jahrhundert in der italienischen Oper durch Bellini, Puccini und Verdi populär. Besonders Verdi schätzte es. Der Klang der Tuba war ihm zu voluminös, er suchte ein schlankeres, knackigeres Instrument für tiefe Blechbläser­Partien. Das Cimbasso spielt bei ihm viele Rollen: Es fungiert als Begleitbass, sein beißender Ton verstärkt dramatische Stellen und es hat immer wieder schnelle Passagen. In DON CARLO kommt es besonders prägnant zum Einsatz, wenn der spanische König erstmals mit dem furchterregenden Großinquisitor zusammentrifft. Für mich ist das Cimbasso eine willkommene Abwechslung zur Tuba. Gerade weil sich die Technik stark unterscheidet. Die Tuba verlangt einen kräftigen Atem. Das Cimbasso muss vorsichtiger gespielt werden, sonst klingt es schnell zu aggressiv und übertönt die anderen Bleche. Es braucht viel Feingefühl, damit es seine volle Präsenz entfaltet.

DON CARLO im März > 2 im Spielplan

Dr. Takts Zeitreisen

Dr. Takt ist ein Zeitwanderer durch die Opernwelt. So manchen Komponisten besucht er. Wer weiß, ob er hier und da nicht sogar ein bisschen nachhilft?

Diesmal reist Dr. Takt zu Miles Davis ins Tonstudio, wo er dem Jazzgenie einen alten Komponistentrick verrät – zu hören auf dem erfolgreichsten Album des Jazz

Ich lernte Miles Davis im März 1959 kennen, als er die Aufnahmesessions für eine neue Platte vorbereitete. Die wollte er mit seinem Sextett einspielen: den Saxofonisten Cannonball Adderley und John Coltrane, Paul Chambers am Bass, Jimmy Cobb an den Drums und dem Pianisten Bill Evans, der eigentlich nicht mehr Teil der Band war. Das Album sollte im Stil des modalen Jazz sein: ohne die schnellen Akkordwechsel des Bebop, sondern mit harmonischen Flächen und Melodielinien, die auf modalen Skalen basierten, orientiert an alten Kirchentonarten. Er wollte es minimalistisch, mit wenigen, aber prägnanten musikalischen Themen, die Miles mit der Band erst im Studio ausarbeiten wollte. Darunter war auch die Melodie für einen Blues, ex trem reduziert und voll von Miles’ ganzer Coolness. Ansonsten war das Stück aber irgendwie ziemlich konventionell, um nicht zu sagen langweilig. Ich habe ihm daher einen alten Komponisten­Trick vorgeschlagen: das Stück einfach in einem anderen Metrum zu spielen, statt eines 4/4­ einen 6/8­Takt zu nehmen. Und es kurz vor Ende des Blues ­Schemas vielleicht mit einer Rückung um einen halben Ton nach oben zu versuchen. Miles hat so dann mit seiner Band »All Blues« eingespielt, eines der Meisterwerke seines heute legendären Albums »Kind of Blue«.

»Jazz & Lyrics« im März > 1 im Spielplan

Mein Seelenort

Misha Kiria Das Stue am Tiergarten

Der georgische Bariton Misha Kiria ist Genussmensch. Er

liebt Musik und gutes Essen. Das verbindet ihn mit dem

Komponisten Rossini

Mein Seelenort ist Berlin, besonders ein Hotel, »Das Stue« am Tiergarten. Ich wohne in Frankfurt am Main, aber viele besondere Momente meines Lebens sind mit Berlin verbunden. Auch mit der Deutschen Oper, hier bekam ich vor zwölf Jahren meinen ersten Vertrag als Sänger, für die Rolle des Ping in TURANDOT.

Im Restaurant der Deutschen Oper Berlin machte ich meiner heutigen Frau den Heiratsantrag. Um genau zu sein: den zweiten. Zum ersten Mal hielt ich um ihre Hand an, als wir uns gerade drei Stunden kannten. Sie dachte, ich sei verrückt. Nach ein paar Monaten versuchte ich es erneut. Ich sagte ihr: »Nochmal frage ich nicht, das ist deine letzte Chance!« Zum Glück willigte sie ein. Die Kellnerinnen im Restaurant der Deutschen Oper Berlin bekamen das mit und spendierten uns Champagner. Danach gingen wir zum Essen ins Hotel Stue. Es gibt dort europäische Küche auf Sterne ­Niveau. Die Portionen sind nicht groß, aber raffiniert.

Als Georgier liebe ich gutes Essen. Ich stamme aus der Gegend, die in der Antike Kolchis hieß, sie liegt zwischen dem Kaukasus und der Ostküste des Schwarzen Meers. Die Argonautensage spielt dort, die Geschichte von Medea, Iason und dem Goldenen Vlies.

In diesem Teil Georgiens gibt es das beste Essen. Die Küche ist nicht so fleischlastig wie im Gebirge. Gewürze spielen eine große Rolle, die Speisen sind sehr aromatisch und vielschichtig. Meine eigene Spezialität ist ein Auberginengericht mit Nusspaste und Granatapfelkernen. Das bereite ich gern für Gäste zu.

Die Liebe zu gutem Essen und guter Musik verbindet mich mit Rossini. Der war ein begnadeter Komponist, Feinschmecker und leidenschaftlicher Koch. Gerichte wie »Tournedos Rossini« sind nach ihm benannt, ein Filet mit Gänseleber und Trüffeln. Rossinis Opern liegen mir, besonders die Buffo ­Partien. Damit fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser. Schon im Studium an der Accademia della Scala in Mailand entdeckte ich meine Vorliebe für dieses Fach. Die Kunst an Buffo ist, nicht das Komische zu spielen, sondern die Rolle bedingungslos ernst zu nehmen. So wie Louis de Funès es machte. Er führte nie einen lächerlichen Menschen vor, sondern jemanden, der durch Ungeschick in absurde Situationen gerät. Dadurch entsteht die Komik. Auch Taddeo aus L’ITALIANA IN ALGERI, den ich jetzt an der Deutschen Oper Berlin singe, ist eine tolle Buffo ­Partie. Er begleitet die schöne Isabella beim Versuch, ihren Geliebten Lindoro aus den Fängen des herrschsüchtigen Mustafà zu befreien. Taddeo ist in Isabella verliebt, traut sich aber nicht, ihr seine Gefühle zu gestehen. Ich kann mit der Rolle eine breite Palette an Emotionen zeigen: Enttäuschung, Trauer, Eifersucht.

Außerdem hat Taddeo eine Reihe schneller Passagen mit viel Text, das liegt mir als Sänger sehr. Ich durfte die Rolle schon zwei Mal singen, zunächst am Teatro dell’Opera di Roma in einer klassischen Inszenierung. Und beim Rossini Opera Festival in Pesaro in einer modernen Interpretation: Isabella zum Beispiel war eine Dragqueen.

An der Deutschen Oper Berlin wird der Regisseur Rolando Villazón die Oper ins mexikanische WrestlingMilieu verlegen. Darauf bin ich gespannt. Wenn eine Inszenierung handwerklich professionell gemacht ist, spielt die Frage von traditionell oder modern für mich eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass ich als Sänger Gestaltungsspielraum habe, um möglichst viele Farben zu zeigen.

Georgier wachsen mit einer reichen Tradition an Volksmusik auf, in fast jeder Familie wird gesungen. In den Kirchen gibt es keine Instrumente, dafür vielstimmige Choräle. Den Entschluss, Opernsänger zu werden, fasste ich Anfang der 90er Jahre. Eine schwierige Zeit, Georgien befand sich in einer Phase politischer und militärischer Konflikte, oft gab es nur wenige Stunden am Tag Strom. Wenn das Fernsehen funktionierte, zeichnete ich Konzerte der »Drei Tenöre« auf. Pavarotti, Domingo und Carreras begannen damals mit ihren Tourneen. Sie waren meine Inspiration.

Heute bin ich an einem Punkt in meiner Karriere, wo sich alles erfüllt hat, wovon ich als Sänger geträumt habe. Noch nie hat sich auch nur eine Minute auf der Bühne wie Arbeit angefühlt. Zu singen ist für mich der pure Genuss. Wie ein gutes Essen.

Misha Kiria im Restaurant des Hotels Das Stue am Tiergarten. Hier feierte der Bariton mit seiner Frau, nachdem sie seinen Heiratsantrag angenommen hatte

L’ITALIANA IN ALGERI im März > 3 im Spielplan

Wusstest du, dass

wir ein Pust­ Orchester haben?

Pauline Jacob ist Sängerin und Performerin. Mit Musiker Chris Lüers hat sie die Knirpskonzerte für Kinder ab 3 Jahren entwickelt

Bei uns entsteht Musik nach dem Prinzip Quodlibet, ähnlich einem Kanon. Kurze Strophen greifen ineinander, werden von unterschiedlichen Instrumenten gespielt, live aufgenommen und am Ende zu einem gemeinsamen Klangbild zusammengesetzt. Neben der Posaune, gespielt von Chris, kommen eine Tuba und bunte Schläuche zum Einsatz, sie machen die Musik sichtbar, hörbar und spielerisch – durch pusten, langziehen, zupfen, kitzeln. Wir spielen in der Tischlerei, die Gruppen sind bewusst klein, was eine gemütliche Atmosphäre schafft und selbst zurückhaltende Kinder schnell auftauen lässt. Immer schnell ausverkauft zeigen die Konzerte, wie groß die Lust auf Musik ist, wenn man sie einfach erleben darf. Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern ums Ausprobieren, Lauschen und Mitmachen. Denn am Ende zählt vor allem eins: Musik entdecken, Klänge erforschen und gemeinsam Spaß haben.

»Knirpskonzerte« im März > 5 im Spielplan

Bum, bum kra, kra tac, tac Was mich bewegt

Zwischen Opera buffa, mexikanischem Wrestling und Warner­Brothers ­ Cartoons. Rolando Villazón über seine Inszenierung von Rossinis spritzigem Meisterwerk L’ITALIANA IN ALGERI

Slapstick at it’s best: Was bei Bugs Bunny und Co. Soundeffekte und zackiger Schnitt leisten, machen bei Rossini Stimmfeuerwerk und rasante Musik

Christoph Seuferle rief an und fragte, ob ich Lust habe, L’ITALIANA IN ALGERI zu inszenieren. Was der Operndirektor nicht wissen konnte: Ich hatte mich schon als Student in die Oper verliebt. Unser Gesangslehrer am Konservatorium in Mexico City brachte mal eine DVD in die Klasse, eine alte Aufnahme, Claudio Abbado dirigiert, Frank Lopardo und Agnes Baltsa singen – ich war verzaubert. Die Musik ist so frisch, so wild, so lebendig. Die Oper war eine Entdeckung!

Rossini hat L’ITALIANA mit 21 geschrieben, in nur 27 Tagen, sagt man. Erst danach komponierte er sein Meisterwerk IL BARBIERE DI SIVIGLIA. Doch man hört schon seine ganze Musikalität, den Reichtum und das Genie. Man hört Mozart und Haydn: die Tradition, auf die er sich bezieht. Vor allem fallen seine Kreativität auf und die Energie, mit der er eine völlig absurde Geschichte musikalisch durcherzählt. Es geht um eine Italienerin, Isabella, die ihren Geliebten sucht, in Algerien gefangengenommen wird und mit viel Klugheit und List ihre Freiheit zurückgewinnt – und ihre Liebe. Dies alles ist so dicht und temperamentvoll erzählt, musikalisch wie dramaturgisch, dass man die ganze Zeit mitfiebert und alles glaubt. Es ist herrlich. Ich habe sofort zugesagt, die nächsten Telefonate drehten sich um die Frage, wie wir die kolonialistischen, xenophoben Elemente um »gute Italiener« und »dumme Algerier und Türken« brechen. Christoph hatte die Idee, alles vielleicht im Boxumfeld stattfinden zu lassen. Das fand ich gut, mir war nur die Ästhetik der Box­Hallen zu karg, wir müssen ja drei Stunden Oper füllen, da braucht es mehr als eine sportliche Metapher. Rossinis Musik ist Commedia dell’arte, Opera Buffa, Theater mit Bewegung, Irrsinn und viel Herz.

Ich dachte an die physische Comedy von Buster Keaton und Charlie Chaplin – und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Lucha Libre!

Lucha Libre ist mexikanisches Wrestling, die Sportler tragen bunte Masken, glitzernde Capes, sehen aus wie aztekische Actionfiguren. Die Helden meiner Kindheit hießen »El Santo« und »Blue Demon«, ich habe Stickeralben mit ihren Fotos vollgeklebt. Lucha Libre ist eine Mischung aus Kampftheater und Show, eine Kunst, die sich in keinem Moment ernst nimmt. Die Kostüme, das Glitzernde, diese Übertreibung: Lucha Libre ist Camp. Genau wie Rossini! Warum nicht die Heldin in ein »Seraglio Gym« entführen, eine Fantasiewelt zwischen Italien, Algerien und Mexiko, wo sich zwei verfeindete Wrestling­Teams gegenüberstehen? Plötzlich passte alles.

Der nächste Teil der Arbeit besteht darin, die Figuren zu übertragen: einen Sklaven zum »Luchador« zu machen, einen Höfling zum Geschäftsführer und aus dem Bey von Algerien »El Bayo«, den Teamchef. Der größte Teil besteht darin, die gesamte Oper durchzugehen. Und je mehr Spaß ich hier habe, umso besser

L’ITALIANA IN ALGERI von Gioacchino Rossini

Musikalische Leitung

Alessandro De Marchi

Inszenierung

Rolando Villazón (Foto)

Premiere 8. März 2026

Tickets u. Termine

weiß ich, dass die Idee funktioniert. Szene für Szene notiere ich bei jeder Figur, bei jedem Einsatz, jedem Crescendo, was auf der Bühne passieren soll, schreibe es in Skizzenbücher, übertrage es in die Partitur, sie sieht am Ende aus wie eine bunte Landkarte: Pfeile, Markierungen, Zeichnungen für alle Bewegungen der Figuren. Es ist wie ein Tanz. Gerade in der Komödie ist Timing alles. Jede Geste, jeder Blick, jedes Schweigen ist Teil einer Choreografie. Und je dynamischer die Musik, umso genauer muss man arbeiten.

Es wird sogar einen »echten« Wrestling ­ Kampf geben, am Ende des ersten Akts, bei dem ikonischen Septett, wenn alle im Stakkato durcheinander singen: »Bumm, bumm, bumm. Ding, ding, ding. Tac, taca, taca, tac!« Ein verrücktes Chaos, präzise getaktet, genau wie die Musik zu den Warner­Brothers ­ Cartoons. Bugs Bunny, Daffy Duck, der Tasmanische Teufel, das waren die anderen Helden meiner Kindheit, und auch sie sind eine Inspiration für diese Inszenierung. Achten Sie mal drauf: Die Filme der »Loony Tunes« sind wie kleine Rossini­ Opern: völlig überdreht, extrem musikalisch und bis ins kleinste Detail choreografiert. Ich glaube, es wird richtig Spaß machen. Aber wie immer, gilt auch bei dieser Inszenierung: »prima la musica!« Jede Idee soll die Musik unterstützen. Und genau deswegen macht die Arbeit an L’ITALIANA IN ALGERI so viel Spaß. Das ist das Geniale dieses wahren Meisterwerks von Rossini: Es gibt keinen schwachen Moment, keine Szene, die nicht glänzt. Es ist immer die Musik, die uns diese völlig absurde Geschichte erzählt und uns so herrlich unterhält.

L’ITALIANA IN ALGERI im März > 3 im Spielplan

Rasantes Genie: Gioacchino Rossini komponierte L’ITALIANA mit 21 Jahren, in nur einem Monat. Es folgte: IL BARBIERE DI SIVIGLIA

Die Verwandlung

Keinen Part hat er so oft gesungen, vor keinem hat er so viel Respekt. Dean Murphy erklärt, wie er im BARBIER VON SEVILLA in den Figaro schlüpft

Die Rolle des Figaro ist meine bisher herausforderndste und die, die ich am meisten gesungen habe: In Kopenhagen, in Zürich, in San Diego, allein an der Deutschen Oper Berlin stand ich bestimmt fünfzehn Mal als Figaro auf der Bühne. Die Stimmlage ist durchweg hoch, die Oper ist recht lang, die meiste Zeit davon bin ich auf der Bühne –ich muss also darauf achten, topfit zu sein, sonst spielt schon allein die Stimme nicht mit. Mein Kostüm ist an die Commedia dell’ arte angelegt, es ist extrem bequem und angenehm zu tragen. Meine eigentliche Herausforderung besteht darin, dass ich einen Teil meines Auftritts im Flugwerk verbringe, durch die Luft fliege, aufpassen muss, das Führungsseil nicht ins Gesicht zu bekommen, während ich – singe! Das Publikum hat Spaß und lustigerweise hilft mir sogar die Fliegerei: Oben in der Luft denke ich wirklich an nichts anderes als an meine Atmung, den Gesang und den Moment. Klingt komisch, oder? Ist aber so.

IL BARBIERE DI SIVIGLIA im März > 6 im Spielplan

In der Inszenierung von Katharina Thalbach tritt Murphy zunächst in Jeans auf. Ins Harlekinkostüm wechselt er nach dem Duett mit dem Grafen; inklusive der Maske, bleiben ihm dafür auf der Seitenbühne vier Minuten

Hinter der Bühne

Rolando Villazón verlegt die Rossini­ Oper L’ITALIANA IN ALGERI in die Wrestlingwelt. Trainer Ahmed Chaer entwickelt die Choreografie

Die German Wrestling Federation gibt es seit über 30 Jahren, fast so lange betreiben wir unsere WrestlingSchule. Wir touren mit Shows durch Deutschland, treten auf Festivals auf und im Fernsehen, zuletzt bei ProSieben. Ich selbst bin Trainer, arbeite als Stuntman in Filmen wie »Matrix« oder »Die Tribute von Panem«, auf einer Opernbühne ist jedoch bisher keiner von uns in den Ring gestiegen. Aber genau das machen wir jetzt. Rolando Villazón lässt seine Inszenierung in der Welt des Lucha Libre stattfinden, wo maskierte Wrestler Superheldenkostüme tragen, die an Aztekengötter erinnern. Unsere Wrestler Pascal Spalter (hinten in orangefarbener Hose) und Rambo (vorne rechts im grauen T­Shirt) entwickeln mit zwei Tänzern der Deutschen Oper Berlin eine Choreografie, das Bühnenbild zeigt einen Ring, die Kostümabteilung näht Fantasie ­ Outfits; bis auf die herrlichen Stiefel, die beziehen wir direkt aus Mexiko. Ich glaube, das wird ein Riesenspaß fürs Publikum – und auch für uns!

L’ITALIANA IN ALGERI im März > 3 im Spielplan

Der Operntherapeut

Patientin: Amneris (25 ­ 30 Jahre alt)

Sie ist Königstochter, frisch verliebt und zutiefst gekränkt. Denn sie muss erfahren, dass sich Liebe nicht erzwingen lässt. Weil ihr gewohntes Ordnungssystem versagt, sucht Amneris Hilfe. Ein Fall für den Operntherapeuten

Fachärztlicher Bericht:

Überweisungsgrund emotionale Überlastung infolge eines Beziehungskonflikts, Eifersucht, Kontrollverlust und narzisstische Kränkung nach Zurückweisung

Anamnese Patientin erscheint unangekündigt, wirkt angespannt, nach außen beherrscht. Berichtet von einer Liebe, die sie als selbstverständlich vorausgesetzt habe: »Er gehört zu mir.« Dann die Zurückweisung: »Ausgerechnet meine eigene Sklavin.« Die Rivalin wird abgewertet, zugleich obsessiv beobachtet. Auffällig ist der Versuch, emotionale Nähe über Macht herzustellen. Als Tochter des Pharaos ist sie an ein System von Anspruch und Kontrolle gebunden. Dass dieses im Privaten versagt, erzeugt massiven Leidensdruck. Musikalisch spiegelt sich die Eskalation in scharf akzentuierten Ausbrüchen, abrupten Affektwechseln, kaum tragfähigen Ruhepunkten. In der Gerichtsszene kippt ihre Dominanz endgültig in Ohnmacht.

Diagnostische Einschätzung F43.2 Anpassungsstörung bei belastendem Lebensereignis. Kein Hinweis auf eine primäre Persönlichkeitsstörung.

Therapieplanung und Zielsetzung Affektregulation, Abbau machtförmiger Kompensation. Überprüfung des Verhältnisses zu hierarchischen Beziehungen (Sklaventum), weil ungünstig für die eigene Stabilität.

Prognose Verhalten günstig. Patientin zeigt Einsichtsfähigkeit und emotionale Tiefe. Fortschritte möglich, sofern Macht nicht länger als Ersatz für Bindung dient.

AIDA im März > 4 im Spielplan

Da war was los!

Große Gefühle, tragische Momente, Glück und Unglück. Wir blicken zurück auf die spektakulärsten Ereignisse an der Deutschen Oper Berlin. Diesmal gehen wir ins Jahr 1945: zum Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Das kleine Blatt bedeutet für viele Berliner ein großes Versprechen: »The first opera­performance in Berlin after the 1939 ­1945 war« steht auf dem Theaterzettel, mit dem die Deutsche Oper Berlin die erste Aufführung nach Kriegsende ankündigt. Weil das Stammhaus an der Bismarckstraße schwere Bombenschäden aufweist, ist der neue Intendant Michael Bohnen mit dem Ensemble ins Theater des Westens an der Kantstraße umgezogen. Doch auch hier sind zunächst Trümmer fortzuräumen und es grenzt an ein Wunder, dass der Spielbetrieb so bald wieder aufgenommen werden kann. Ab Mitte August wird Ballett gespielt, zwei Wochen später dann auch endlich wieder Oper. Auf dem Programm steht FIDELIO – nicht nur, weil die Deutsche Oper Berlin 1912 mit diesem Stück eröffnet worden war, sondern eben auch, weil Beethovens Freiheitsoper für die Rückbesinnung auf ein besseres, ein anderes Deutschland stehen soll. Dass die stolze Ankündigung auf Englisch verfasst ist, hat einen praktischen Grund: Die erste Vorstellung ist den Mitgliedern der alliierten Truppen vorbehalten. Die Berliner müssen sich noch zwei Tage gedulden, bis auch sie wieder großes Musiktheater erleben dürfen.

Mehr Bewegendes in der Foyer­Ausstellung »Skandal!«

Meine Liste

Es gibt Träume jenseits der Oper: Was Opernstars unbedingt noch schaffen wollen

1. Endlich kochen lernen

Manche von Ihnen haben Christina Nilsson vielleicht gerade erst als Elisabeth von Valois in DON CARLO erlebt. Im März kehrt die Sopranistin für die Titelrolle in Giuseppe Verdis AIDA auf die Bühne der Deutschen Oper zurück

Ein Huhn im Backofen zuzubereiten, das kriege ich gerade so noch hin, Reis kochen geht auch. Aber was mir wirklich schwerfällt, ist die Komposition, also ganze Gerichte zusammenzustellen. Ich kann noch nicht einmal Köttbullar, diese schwedischen Fleischbällchen. Ich glaube, ich muss einfach wieder mehr Freunde einladen und Dinnerpartys geben.

Den Tempel Göbekli Tepe besuchen

Ich habe davon in einer Dokumentation auf Netflix erfahren, seitdem will ich unbedingt in die Türkei, um diesen Ort zu besuchen. In Südanatolien, an der Grenze zu Syrien, liegt der türkische Teil Mesopotamiens. Dort haben Forscher eine Anlage gefunden, die sich erst Jahrzehnte und zahlreiche Ausgrabungen später als die älteste, von Menschen errichtete Siedlung herausstellte. Die frühesten Teile reichen mehr als 10.000 Jahre zurück, sie belegen, dass Menschen schon in der Jungsteinzeit in der Lage waren, sich zu organisieren, um komplexe Bauten zu errichten. Es gibt so vieles, was wir noch zu entdecken haben.

3. Meinen Humor auf der Bühne erkunden

Ich würde gerne ein Bühnenprogramm entwickeln, in dem Schauspiel und Humor zusammenkommen. Es geht nicht um Stand­up, sondern um eine Art komödiantisches Schauspiel. Seit vier Jahren lasse ich mich von der berühmten schwedischen Schauspielerin Marie Hansson coachen. Ich glaube, bald ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen und es zu wagen.

AIDA im März > 4 im Spielplan

Rätselhaft

Ihnen ist Oper kein Geheimnis? Dann raten Sie mal, was wir hier suchen (von oben): Komponist*in, Werk, Regisseur*in. Ein Tipp: Beachten Sie, wie sich das, was Sie sehen, anhört – auch in unter schiedlichen Sprachen!

Bitte senden Sie die Lösungen bis zum 16.02.2026 an diese Adresse: libretto@deutscheoperberlin.de. Unter allen Einsendungen verlosen wir zwei mal zwei Eintrittskarten für die Premiere von L’ITALIANA IN ALGERI am 8.03.2026 um 17 Uhr, in der Deutschen Oper Berlin. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Lösung finden Sie wie immer im nächsten Heft.

Auflösung aus Libretto #5: Erich Wolfgang Korngold, VIOLANTA, David Hermann

Impressum

Herausgeber Deutsche Oper Berlin – Stiftung Oper in Berlin

Intendant Christoph Seuferle

Geschäftsführender Direktor Thomas Fehrle

Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles

Konzept Grauel Publishing / Redaktion Ralf Grauel; Tilman Mühlenberg, Patrick Wildermann / Texte und Redaktion für die Deutsche Oper Berlin

Jörg Königsdorf [verantwortlich], Kirsten Hehmeyer, Marion Mair, Wenke Vendt, Dramaturgie, Marketing / Gestaltung und Satz Sandra Kastl

Anzeigen und Vertrieb anzeigen@deutscheoperberlin.de

Druck PIEREG Druckcenter Berlin GmbH

Libretto erscheint zehnmal pro Spielzeit

Bestellung und Anregungen libretto@deutscheoperberlin.de

Bildnachweise

Cover Matthias Baus / Editorial Nancy Jesse / Drei Fragen Victor Santiago / Gleich passiert’s Bettina Stöß [2] / Neu an unserem Pult

Peter Rigaud / Mein Instrument Nancy Jesse / Dr. Takts Zeit reisen

Eva Harmann / Mein Seelenort Nancy Jesse / Wusstest Du schon? S.I. / Was mich bewegt Alamy Stock [2], Julien Benhamou / Die Verwandlung

Max Zerrahn / Hinter der Bühne Nancy Jesse / Operntherapeut Bettina Stöß / Da war was los Bart Sparnaaij / Meine Liste Peter Knutson / Das muss ich nochmal sehen privat, Bettina Stöß / Spielplan Eike Walkenhorst, Tristram Kenton, Bettina Stöß [2]

Cover: Szenenfoto aus Parsifal

Wir danken unserem Medienpartner.

Das muss ich nochmal sehen!

Für Entwicklungspädagogin Ann­ Katrin

Winklbauer war Benedikt von Peters Inszenierung von AIDA ein besonderes Erlebnis

AIDA im März > 4 im Spielplan

Als würde man von der Musik unerwartet umhüllt, die Trennung zwischen Betrachten und Zuhören war aufgehoben. Ich hatte einen positiven Schockmoment, als Teile des Chors in unserer unmittelbaren Nähe plötzlich aufstanden und zu singen begannen. So etwas habe ich noch nie erlebt, intensiv und berührend. Der Saal, das Publikum, wir alle wurden zu einem Resonanzraum; eine Wirkung, der man kaum entfliehen konnte. Eine eindringliche Nähe entstand, fast ein Übergriff, der zum Aushalten einlädt. Die Inszenierung verweigert sich der Fassade, fordert ein Publikum, das bereit ist, seine Gewohnheiten neu zu justieren. Toll!

MärzSpielplan 2026

Premieren, Repertoire, Uraufführungen –Musiktheater im großen Saal und in der Tischlerei

Radames scheint den Boden unter den Füßen zu verlieren: Von seiner Traumfrau Aida ist ihm nur das weiße Hochzeitskleid geblieben. Was ist Traum, was Realität?

Unsere Premiere Giuseppe Verdi im März

8., 11., 14., 20., 28. März; 2. April

3. März 2026: Opernwerkstatt*

L’Italiana in Algeri

Gioacchino Rossini

Dirigent Alessandro De Marchi

Regie Rolando Villazón

Mit Tommaso Barea, Hye ­Young Moon, Arianna Manganello / Lucy Baker, Artur Garbas / Benjamin Dickerson, Jonah Hoskins, Aigul Akhmetshina, Misha Kiria u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 13+

Nach LA RONDINE und DIE FLE­

DERMAUS kehrt Rolando Villazón als Regisseur an die Bismarckstraße zurück, um mit einer der großen Opernkomödien des Belcanto sein humoristisches Talent unter Beweis zu stellen: Die satirische Handlung um das Begehren Mustafàs, der seiner Gattin Elvira überdrüssig geworden ist, und um die intrigenreichen Befreiungsversuche Lindoros und Isabellas, vermengt mit dem exotistischen Flair des Sujets, trafen einen Nerv der damaligen Zeit. Villazón verlegt die Handlung in konkurrierende Lucha Libre­Clubs, in denen Masken, inszenierte Kämpfe und große Theatralik zu Hause sind.

Lesen Sie auch S. 16-21, 24-29, 32

1. März 2026

Rigoletto

Dirigent Roberto Rizzi Brignoli

Regie Jan Bosse

Mit Xabier Anduaga, Juan

Jesús Rodríguez, Lilit Davtyan, Patrick Guetti, Stephanie Wake ­ Edwards u. a.

Dauer 2:45 | Eine Pause | 14+

Der Titelheld in Verdis Klassiker ist überfürsorglicher Vater, bildet zugleich aber als Hofnarr des Herzogs von Mantua den Archetypen des Spaßmachers auf Kosten Anderer. Hämisch teilt er gegen die politischen Gegner seines Herren aus, so lange, bis seine größten Ängste sich einlösen: Er und seine Tochter geraten selbst ins Fadenkreuz der feudalen Willkür.

Regisseur Jan Bosse stellt den Außenseiter Rigoletto dem Publikum im Opernhaus gegenüber.

* Opernwerkstatt

Lernen Sie schon einige Tage vor der Premiere die Inszenierung und Musik kennen. Nach einer Einführung ins Werk besuchen Sie eine Bühnenorchsterprobe. Im Anschluss begrüßt Konstantin Parnian Mitglieder des Teams für eine Fragerunde.

7., 13., 22. März 2026

Don Carlo

Giuseppe Verdi

Dirigent Friedrich Praetorius

Regie Marco Arturo Marelli

Mit Roberto Tagliavini, Valentyn Dytiuk, Davide Luciano, Huanhong Li, Maria Motolygina, Karis Tucker u. a.

Dauer 3:30 | Eine Pause | 16+

Verdi hat mit DON CARLO eine seiner großen politischen Opern erschaffen. Doch zugleich hat er in der Adaption des schillerschen Freiheitsdramas den Akzent stärker auf das individuelle Schicksal der Figuren gelegt, auf ihr Lieben, ihre Leidenschaften, auf Freundschaft, Begehren, Enttäuschung. Marco Arturo Marelli verdichtet dies in seiner strengen, bildmächtigen Inszenierung, indem er den Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit in ein dunkles Mauergefüge verschließt – und über allem thront die Inquisition.

Lesen Sie auch S. 5, 8, 13

Letzte Vorstellungen

15., 23., 26. März 2026

Aida

Giuseppe Verdi

Dirigent Dominic Limburg

Regie Benedikt von Peter

Mit Tobias Kehrer, Judit Kutasi, Christina Nilsson, SeokJong Baek, Byung Gil Kim, Michael Bachtadze Dauer 3:15 | Eine Pause | 15+

Das exotische Ägypten ist in Benedikt von Peters Inszenierung von Verdis Pharaonen ­ Oper nur als Traumwelt auf der Postkarte gegenwärtig. In dieser Lesart gilt die Aufmerksamkeit vor allem Radames’ Zwiespalt zwischen seinem ernüchternden Alltagsleben mit Amneris und der Sehnsucht nach der unerreichbaren Traumfrau Aida. Mit dem im Zuschauerraum verteilten Chor und dem Orchester auf der Bühne wird der Abend zu einem immersiven Klangerlebnis, das die emotionale Wirkung von Verdis Musik auf ungewöhnlich direkte Weise erfahrbar macht.

Lesen Sie auch S. 35, 38-39, 42

Weitere Opern im Repertoire

6. März 2026

Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart

Dirigent Friedrich Praetorius

Regie Günter Krämer

Mit Tobias Kehrer, Andrei Danilov, N. N., Lilit Davtyan, Flurina Stucki, Martina Baroni, Aleksandra Meteleva, Hyejin Lee, Artur Garbas, Burkhard Ulrich u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 10+

In der Mischung aus Volkstheater, Freimaurermysterium und Märchen ist diese Oper die wohl meistgespielte im deutschen Sprachraum und in der farbenfroh­bildstarken Inszenierung von Günter Krämer ein Favorit unseres Publikums und ein sinnlich­heiteres Einstiegswerk in die Welt der Oper.

27. März 2026

Il barbiere di

Siviglia

Gioacchino Rossini

Dirigent Friedrich Praetorius

Regie Katharina Thalbach

Mit N. N., Simone del Savio, Martina Baroni, Dean Murphy, Volodymyr Morozov u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 12+

Rossinis Oper ist voller mitreißender Arien, virtuoser Koloraturen und temporeichem Witz. Der mit allen Wassern gewaschene Frisör Figaro hilft dem Grafen Almaviva, die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. Thalbach versetzt die Handlung in einen belebten Badeort, an dem ein mysteriöser Theaterkarren mit Figuren der Commedia dell’arte den Alltag des Ortes kräftig durcheinanderwirbelt. Die Kostüme Guido Maria Kretschmers machen diesen Abend auch zu einem Fest für die Augen.

Lesen Sie auch S. 30

Letzte Vorstellungen

29. März; 3., 11. April 2026

Parsifal

Richard Wagner

Dirigent Tarmo Peltokoski

Regie Philipp Stölzl

Co-Regie Mara Kurotschka

Mit Thomas Lehman, Tobias Kehrer, Albert Pesendorfer, Attilio Glaser, Philipp Jekal, Irene Roberts u. a.

Dauer 5:30 | Zwei Pausen | 16+

Großes Wagner­ Kino bietet Philipp Stölzl in seiner Inszenierung des »Bühnenweihfestspiels«: Mit ebenso detaillierten wie eindringlichen

Bildern erzählt schon das Vorspiel die Geschichte des Heiligen Grals, jener Schale, in der nach der Legende das Blut des ans Kreuz geschlagenen Christus aufgefangen wurde. Und der Palast des Zauberers Klingsor entfaltet die exotische Verführungskraft alter Hollywood­ Filme. Zugleich aber betont Stölzl die Zeitlosigkeit der Erlösungssuche: Am Ende landet der Held in einer verrohten Gegenwart, in der die Menschen im trüben Lichtschein von Parkplatzlaternen vegetieren.

Lesen Sie auch S. 6, 11

Staatsballett Berlin

21. [Premiere], 24., 25.,

30. März; 1., 4., 6., 7., 12., 18., 24., 26. April 2026

Nurejew

Musik von Ilya Demutsky

Choreographie Yuri Possokhov

Inszenierung Kirill Serebrennikov

Dirigent Dominic Limburg

Mit Tänzer*innen des Staatsballetts Berlin, Odin Lund Biron, Aleksandra Meteleva / Stephanie WakeEdwards, Joel Allison / Navasard Hakobyan / Artur Garbas, Iwan Borodulin / Edu Rojas, Alexander Boldachev u. a.; Vocalconsort Berlin

Dauer 2:20 | Eine Pause | 16+

Das vielfach preisgekrönte Ballett NUREJEW feierte seine Premiere im Dezember 2017 am Bolschoi und erregte erneut internationales Aufsehen, als es 2022 vom Spielplan gestrichen wurde. Jetzt bringt das Staatsballett Berlin dieses monumentale Tanzereignis erstmals außerhalb Russlands auf die Bühne. Ballett, Schauspiel und Gesang verschmelzen zu einer eindrucksvollen Hommage an das Leben und die Karriere von Rudolf Nurejew, ein Künstler, der nicht nur die Ballettwelt revolutionierte, sondern auch für künstlerische Freiheit und Selbstbestimmung stand.

Kammermusik für Groß und Klein

1. März 2026 | Tischlerei

Jazz & Lyrics II

100 Miles Ahead

Dirigent Martin Auer

Mit Musiker*innen der BigBand

Dauer 1:30 | Keine Pause | 14+

Der 100. Geburtstag eines der größten Jazzmusiker aller Zeiten ist ein schöner Anlass, Miles Davis in seiner Genialität und Zwiespältigkeit musikalisch und als Persönlichkeit zu beleuchten. Entdecken sie „Another Kind of Miles“ in einem musikalischen Abend über dieses

Enfant terrible mit u. a. Christian Brückner

Lesen Sie auch S. 15

8. März 2026 | Foyer

Konzert­Matinée

der Internationalen Musikakademie

Mit Schülerinnen und Schülern der Internationalen Musikakademie

Dauer 2:00 | Eine Pause| 10+

Die Deutsche Oper Berlin als Patin präsentiert gemeinsam mit der Internationalen Musikakademie junge, hochbegabte Nachwuchsmusiker.

16. März 2026 | Tischlerei

4. Tischlereikonzert

Wo die Zitronen blühen ...

Moderierte Kammermusik

Mit Martina Baroni, Musiker*innen des Orchesters

Dauer 2:00 | Eine Pause | 14+

In Italien – dem kulturellen Mittelpunkt Europas – wurden die berühmtesten Künstler ausgebildet; europäische Schriftsteller reisten dorthin, um Schreibblockaden zu überwinden. Wir stellen original italienische Musik derjenigen gegenüber, die durch kulturellen Austausch inspiriert wurde, und lesen aus Goethes „Italienische Reise“.

22. März 2026 | Tischlerei

Frühlingssingen

Leitung Rosemarie Arzt

Konzept Rosemarie Arzt, Charlie Rackwitz, Anne Keil

Mit dem Kleinen Chor

Dauer 1:00 | Keine Pause | 4+

Barfußlaufen, Sonne tanken, abends noch draußen spielen: Jetzt noch

nicht, aber ganz bestimmt bald, denn Ende März ist doch irgendwie Schluss mit dem Winter. Wir laden zum Frühlingssingen, bei dem es auch die Gelegenheit zum Mitsingen für alle geben wird.

17. [2x], 18. [2x] März 2026 | Foyer

Babykonzert

Konzert für Eltern mit Baby

Mit Saskia Klumpp, Franziska­Marie Scholz, Liz Fréon

Dauer 0:45 | Keine Pause | 0 – 2 Jahren

Dieses Konzert lässt den Babys ihren Bewegungsraum und gibt die Möglichkeit, erstmals Live­Musik fast hautnah zu erleben. Wir laden Eltern ein, ihre Kinder in ihrer Wahrnehmung zu beobachten und zu unterstützen. Da das Konzert auf dem Teppichboden mit Kissen ohne Stühle stattfindet, bitten wir Sie, warme Socken mitzubringen.

26. [3x], 27. [3x], 28. [3x] März 2026

Tischlerei

Knirpskonzert

Szenisches Konzert für Kinder ab 3 Jahren

Idee, Leitung Fanny Frohnmeyer, Elli Neubert

Von und mit Pauline Jacob, Chris Lüers

Dauer 0:35 | Keine Pause | 3+

Wenn das PustlangziehzupfkitzelOrchester in die Tischlerei kommt, führen zwei Musiker*innen durch die Klangwelt ihrer Instrumente: Stimme, Kontrabass, Tuba, Posaune, wobei die Musikstile von Barock über Jazz bis Pop reichen. Durch spielerische Interaktion werden die Instrumente auch körperlich für das junge Publikum erfahrbar. Da das Konzert auf dem Teppichboden mit Kissen ohne Stühle stattfindet, bitte wir Sie, warme Socken mitzubringen.

Lesen Sie auch S. 22

Vorschau April und Mai 2026

5., 10., 15., 17. April 2026

Suor Angelica / Gianni Schicchi

Karabulut befragt in SUOR ANGELICA zunächst mit großer Sensibilität die Möglichkeiten weiblicher Selbstbestimmung innerhalb eines geschlossenen Systems, bevor sie mit ihrem perfekten Gespür für Timing in GIANNI SCHICCHI die skurrilen Abgründe einer heuchlerischen Verwandtschaft aufdeckt, die sich noch einmal um das Totenbett des Familienoberhaupts versammelt.

19., 23. April 2026

Tosca

Folter, Selbstmord, Hinrichtung –Puccini ließ sich vom Medium Film inspirieren, wie die extremen Kontraste zu verbinden sind, die dem Publikum das Gefühl vermitteln, in Echtzeit die überschlagenden Ereignisse im Rom der napoleonischen Ära zu verfolgen.

25., 28. April; 1., 3., 10. Mai 2026

Giulio Cesare in Egitto

McVicar setzt in seiner Inszenierung auf das barocke Soffittentheater, um ein abwechslungsreiches Spiel zu entfalten, in dem Raum für große Gefühle ist, das aber auch mit Charme und Humor die Avancen Cleopatras gegenüber dem starken Mann aus Rom auskostet.

2., 9., 14. Mai 2026

A Midsummer

Night’s Dream

In Huffmans Regie ist das Feenreich der Ort der Träume, des Theaters. Es braucht einfache Mittel, um die Fantasie zu wecken: einen Mond, eine Leiter oder den skur rilen Puck, der in kurzen Hosen und Zylinder durch die Luft fliegt.

Karten, Preise, Adressen

Unsere Adressen

Großes Haus

Bismarckstraße 35, 10627 Berlin

Tischlerei

Richard­Wagner­Straße / Ecke Zillestraße, 10585 Berlin [direkt an der Rückseite der Deutschen Oper Berlin]

Kartenverkauf

Webshop www.deutscheoperberlin.de

Am Telefon

T +49 30 343 84 343

Mo – Sa 9.00 – 20.00 Uhr

So, feiertags 12.00 – 20.00 Uhr

An der Tageskasse

[Bismarckstraße 35]

Fr – Sa 12.00 – 19.00 Uhr

So – Do, feiertags geschlossen

Abendkasse

[Bismarckstraße 35]

Für Vorstellungen im großen Haus ab 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Für Vorstellungen in der Tischlerei gibt es keine Abendkasse.

Sie wollen generelle

Ermäßigungen nutzen?

Deutsche Oper Card

Die Deutsche Oper Card 25/26 kostet einmalig € 75,00 und berechtigt Sie zum Kauf von bis zu zwei Karten für sich und Ihre Begleitung mit einer Ermäßigung von 30% je Vorstellung der Preiskategorien A bis E (ausgenommen DER RING DES NIBELUNGEN , Fremd­ und Staatsballettveranstaltungen und Vorstellungen mit Einheitspreisen im Saal sowie in Tischlerei und Foyer).

Die Deutsche Oper Card können Sie an der Tageskasse, am Telefon oder im Webshop erwerben.

Unsere Operntage!

Oper zum Einheitspreis: Karten für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren kosten € 10,00, für alle anderen – unabhängig von der Platzwahl – € 34, 00. Die Operntage finden Sie in den Monatskalendarien vermerkt.

ClassicCard App

Für alle bis 30 Jahren: Im Vorverkauf kosten Karten für Oper und Ballett € 18,00, für Konzerte € 16,00 / an der digitalen Abendkasse Oper und Ballett nur

€ 13,00, Konzerte € 11,00. Die Jahresmitgliedschaft kostet einheitlich € 28,00: classiccard.de

Live-Audiodeskription

Für blinde und sehbehinderte Gäste bieten wir Vorstellungen an, bei denen Sprecher*innen live audiodeskriptive Erläuterungen zum Bühnengeschehen geben. Vor der Vorstellung laden wir zu einer Tastführung und einer Stückeinführung ein: wieder am 27. März 2026 zu IL BARBIERE DI SIVIGLIA .

Spielplanansage:

T +49 30 279 08 776

Karten zu € 25,00:

T +49 30 343 84 343

Besucher*innen mit Behinderung

Unsere Oper ist barrierefrei. Informieren Sie sich im Detail

T +49 30 343 84 343

Kontakt

T +49 30 343 84 343 info@deutscheoperberlin.de www.deutscheoperberlin.de

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Führungen

7., 14., 21., 28. März 2026

5., 12., 18., 25. April 2026

jeweils 13.00 Uhr

Dauer 1:30 | Kosten € 10,00

Familienführungen

speziell für Kinder ab 6 Jahren

7., 14., 21., 28. März 2026

5., 12., 18., 25. April 2026

jeweils 14.30 Uhr

Dauer 1:00 | Kosten € 5,00

Unsere Kartenpreise

Im Großen Saal

Im Kalendarium finden Sie in der letzten Spalte jeweils einen Buchstaben, der auf das geltende Preisgefüge verweist. Für den Saal erwerben Sie ein Ticket, das Ihren Sitzplatz präzise bezeichnet.

Die Preise der jeweiligen Kategorien belaufen sich auf:

A: € 18,00–€ 74,00

B: € 24,00–€ 92,00

C: € 26,00–€ 108,00

D: € 30,00–€ 144,00

E: € 36,00–€ 184,00

In Foyer und Tischlerei

In der Tischlerei gelten Einheitspreise, wobei in der Darstellung des Kalenders der reguläre Preis zuerst genannt ist. Den niedrigeren Preis erhalten Ermäßigungsberechtigte. Mehr dazu auf unserer Website oder im telefonischen Kartenservice. In der Tischlerei sowie bei der Opernwerkstatt gilt freie Platzwahl.

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