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durch kräftiges Vorgehen Errungenes weiter auszunützen und vor allem die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten; „niemals wollte man viel aufs Spiel setzen“.
Dieser zuerst wohl auf strategischem Gebiet als Folge der schwächeren Marine in den früheren Kriegen erwachte Gedanke hat wahrscheinlich ebenso zur Ausbildung einer defensiven Taktik beigetragen, wie die Erkenntnis der Schwächen in der englischen Taktik, die auf eine solche hinwiesen. Auch bei Minorka hat La Gallissonnière wohl sicher von der Offensive abgesehen, um seine Flotte zu schonen; daß er nach der Schlacht dem geschwächten Gegner nicht folgte, um ihm weitere Verluste beizubringen, geschah nach seiner eigenen Äußerung tatsächlich, um „seiner Instruktion gemäß“ das Landunternehmen nicht aus dem Auge zu lassen und zu dessen Schutz seine Flotte möglichst stark und schlagfertig zu erhalten.
Bei der allgemeinen Betrachtung des französischen Personals (Seite 43) wurde betont, daß die Orders unter Louis XV. nicht dazu geeignet waren, die Offiziere zu schneidigem Handeln zu erziehen. Schon während der Landung hatte sich der Admiral die Gelegenheit entgehen lassen, die englischen Schiffe im Hafen abzufangen, und jetzt nach der Schlacht verfolgte er nicht. Ein französischer Autor (Lacour I, Seite 264) sagt gerade bei Beschreibung der Minorka-Expedition: „Mais des instructions trop timides ont souvent paralysé dans notre histoire maritime l'ésprit d'initiative des chefs les plus capables.“
La Gallissonnière fand volle Anerkennung und Billigung seines Verfahrens; der Erfolg über das seemächtige England erregte in Frankreich großen Jubel und Begeisterung für die Marine. Er erhielt das Großkreuz des Ludwigsordens sowie eine hohe Pension; auch seine Ernennung zum Marschall war in Aussicht genommen, doch starb er schon am 26. Oktober 1756. — Der Admiral Byng dagegen wurde ein Opfer für die Fehler seiner Regierung, die ihm zu schwache Streitmittel gegeben hatte, und des Volksunwillens. Er wurde kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt und erschossen.
Das Kriegsgericht über Byng. Nach dem Eintreffen in Gibraltar wurde der Admiral abberufen und in Untersuchung gezogen. Die Hauptanklagepunkte waren, daß er[141] nicht mit der ganzen Linie angegriffen, sondern mit den der „Intrepid“ folgenden Schiffen Segel gemindert habe, um die Ordnung herzustellen. Gewiß
wäre dies richtig gewesen und hätte auch im allgemeinen wohl den Vorschriften entsprochen, aber man hatte doch nach Toulon den Admiral Mathews angeklagt, weil er aus der Linie gebrochen war, und ähnlich würde Byng auch haben handeln müssen. Ferner wurde ihm vorgeworfen, daß er nach notdürftiger Ausbesserung seiner Schiffe nicht bei Minorka geblieben sei und alles versucht habe, Port Mahon zu unterstützen. Dies hatte ja aber der Kriegsrat der Land- und Seeoffiziere für unmöglich erklärt.
Er wurde verurteilt nach dem Kriegsartikel, der mit dem Tode diejenigen bedrohte, die aus Feigheit, bösem Willen oder Nachlässigkeit es unterließen, alles daran zu setzen, feindliche Schiffe zu nehmen oder zu vernichten. Die Verurteilung zeigt, daß die englischen Gefechtsvorschriften mangelhaft und hemmend waren, sowie daß die meisten englischen Seeoffiziere dieser Zeit sie nur dem Buchstaben, nicht dem Sinne nach auffaßten. Das Kriegsgericht empfahl nun zwar den Angeklagten der Gnade des Königs, da er nicht aus Feigheit, noch mit Kopflosigkeit gehandelt, sondern, wenn auch irrig, kühl und mit Überlegung. Das Urteil wurde aber dennoch bestätigt, denn die Regierung hatte das Mittelmeer vernachlässigt, jetzt war der Schaden da und der Volksunwille groß; man brauchte einen Sündenbock. Nun hatte gar Byng, als er auf der Ausreise in Gibraltar die Landung der Franzosen erfuhr, in einem Bericht an die Admiralität die bisherige Vernachlässigung des Mittelmeeres sowie die Schwäche seiner Flotte kritisiert. Der mehrfach angezogene französische Autor (Lacour I, Seite 266) sagt treffend: „Einen solchen Brief verzeiht man wohl einem siegreichen, aber nie einem geschlagenen Admiral.“
B y n g war ein tapferer, see- und diensterfahrener, ehrenwerter Mann, aber doch wohl kein bedeutender höherer Führer; sein Bericht über die Schlacht enthielt zu viele Entschuldigungen und zeigte zu wenig Selbstbewußtsein. Während der Untersuchung und bei seinem Tode trat er jedoch würdig auf. Am 17. März 1757 wurde er in Spithead auf dem Achterdeck des Linienschiffes „Monarch“ erschossen.[80]
Der Krieg In den europäischen Gewässern.
Am 17. Mai 1756, wenige Tage vor der Schlacht bei Minorka, als die Nachricht von der Landung der Franzosen auf dieser Insel eingetroffen war, erklärte England den Krieg.
Das Jahr 1756 brachte jedoch in der Biskaya und im Kanal keine Ereignisse von Bedeutung. England hielt aus Besorgnis vor einer Invasion seine Hauptmacht, die nach und nach auf über 50 Linienschiffe sowie gegen 40 Fregatten gebracht wurde, in den Kanalhäfen zusammen. Von hier aus beobachtete Ende Februar
Admiral Sir Edward Hawke mit einem ziemlich starken Geschwader Brest; vorher war es zwei französischen Divisionen geglückt, nach Westindien auszulaufen. Diese Beobachtung, später unter den Admiralen Boscawen und dann Knowles, wurde bis zum November aufrechterhalten, doch man verringerte die dazu bestimmten Kräfte allmählich, da im Sommer ein Leutnant durch eine kühne nächtliche Bootsfahrt in den Hafen von Brest festgestellt hatte, daß dort nur wenige Schiffe lägen. Bald darauf entschlüpften wieder zwei französische Divisionen, die eine nach Westindien, die andere nach Westafrika. Die starke Streitmacht Englands hatte also nicht einmal den Gegner von seinen Kolonien abgeschnitten. Frankreich vermochte indessen, außer den Entsendungen nach den Kolonien, nichts zu unternehmen.
Der Plan zu einer Invasion in England blieb in Frankreich während der Jahre 1756–1759 rege, in jedem Jahre wurden Rüstungen dazu angeordnet. Entweder konnte man aber die Mittel nicht aufbringen oder man betrieb die Sache nicht ernstlich; die Schiffe, die in Dienst gestellt wurden, gingen dann größtenteils nach den Kolonien. Im Jahre 1756 trug man sich auch mit der Absicht, die normannischen Inseln, die so wichtigen Vorposten Englands im Kanal, zu erobern, jedoch dies kam gleichfalls nicht zur Ausführung. All diese Gedanken wurden jedoch 1759 aufgegeben, als man sich stark genug glaubte, aber schon bei den ersten Schritten zu ihrer Ausführung die schweren Niederlagen von Lagos und Quiberon erlitt.
Im Mittelmeer verlief der Krieg 1756 schleppend. Admiral Byng traf nach der Schlacht bei Minorka am 19. Juni in Gibraltar ein, fand hier eine von England gesandte Verstärkung von 5 Linienschiffen und bereitete die Rückkehr ins Mittelmeer vor. Am 3. Juli langte jedoch Hawke mit dem Kontreadmiral Saunders an und brachte die Rückberufung Byngs sowie Temple-Wests mit. Er übernahm das Kommando und führte die jetzt 21 Linienschiffe starke Flotte nach Minorka, doch war es zu spät, um Port Mahon zu retten oder auch nur den Rücktransport des französischen Heeres anzugreifen. Hawke beschränkte sich darauf, den Hafen zu blockieren und den Handel im Mittelmeer zu schützen.
Die französische Toulonflotte zeigte sich nicht mehr, obgleich sie nach Rückkehr von Minorka instandgesetzt wurde und im August 16
Linienschiffe sowie 6 Fregatten zählte. So ganz unbedingt müssen jedoch die Engländer die See nicht beherrscht haben, denn es gelang den Franzosen wiederholt, Port Mahon zu verproviantieren sowie im November 3600 Mann von Antibes nach Korsika zur Unterstützung Genuas gegen die Aufständischen überzusetzen; genannte Republik übergab dann alle befestigten Hafenplätze dieser Insel den Franzosen. Im Dezember kehrte Hawke mit einem Teil der Flotte nach England zurück und überließ dem Kontreadmiral Charles Saunders den Befehl auf der Mittelmeerstation.
Auch im Jahre 1757 bieten die Operationen im Mittelmeer wenig Bemerkenswertes. Im März gingen 4 Linienschiffe unter Kapitän Durevest von Toulon nach Nordamerika. Saunders hatte Nachricht davon erhalten und lauerte ihnen in der Straße von Gibraltar mit 5 Linienschiffen auf. Am 5. April um 5 Uhr nachmittags sichteten sich die Gegner; es kam bei Einbruch der Dunkelheit zu einem zweistündigen Gefechte auf weitere Entfernung, aber in der Nacht entschlüpften die Franzosen und erreichten unbelästigt ihr Ziel (15. Juni in Louisbourg). Im Mai wurde die englische Station unter dem Kommando des Vizeadmirals Henry Osborne wieder verstärkt. Dieser nahm das Kreuzen wie im Vorjahre auf; er erschien im Juni mit 14 Linienschiffen vor Toulon und landete auch einmal bei Bormes, einem Küstenplatz östlich der Hyèren, zur gewaltsamen Eintreibung von Schlachtvieh sowie frischem Proviant.
In Toulon lagen nur 6 Linienschiffe unter dem Chef d'Escadre de La Clue; man beabsichtigte, weitere 8 in Dienst zu stellen, aber es fehlte an Material wie Mannschaften. Auch de La Clues Division, die über St. Domingo nach Louisbourg segeln sollte, war erst im Oktober seeklar und ging am 8. November in See. Der Admiral wagte jedoch wegen Osbornes Anwesenheit dort nicht, die Straße von Gibraltar zu passieren, sondern suchte Cartagena auf, um hier Verstärkungen zu erwarten; diese trafen aber erst im nächsten Jahre ein.
Im Atlantik wurde es 1757 etwas lebhafter. Obgleich die Engländer das Kreuzen vor den französischen Häfen im Frühjahr wieder mit verstärkten Kräften aufnahmen, gelang es doch drei
Geschwadern, auszulaufen: Der Chef d'Escadre de Bauffremont verließ am 30. Januar Brest mit 5 Linienschiffen und einer Fregatte und traf am 23. Mai in Louisbourg ein; Chef d'Escadre Comte d'Aché segelte am 4. Mai mit einem Linienschiff sowie 7 großen Schiffen der Ostindischen Kompagnie nach Ostindien, er war am 11. Dezember in Isle de France; Lieutenant-Général Dubois de La Motte führte am 3. Mai 9
Linienschiffe nebst 4 Fregatten nach Louisbourg und erreichte es am 19. Juni. Im weiteren Verlauf des Jahres entwickelte aber England mehr Tatkraft, was sicher mit dem Eintritt Pitts in die Regierung zusammenhängt. Es wurden Angriffe auf die feindliche Küste ins Auge gefaßt, als Gegenstoß gegen französische Invasionspläne, mit denen man in England immer noch rechnete. Ein Angriff auf Rochefort schlug jedoch gänzlich fehl, was bei den bedeutenden Kosten, die er verursacht hatte, großen Unwillen im englischen Volke erregte.
Angriff der Engländer auf Rochefort 1757. Man wählte diese Stadt, da man hoffte, hier leicht die Docks, Magazine, Arsenale und Schiffe zerstören zu können. Im Jahre 1754 hatte ein Kapitän C l a r k, der von Gibraltar nach England reiste, die Stadt besucht und mit Erlaubnis der Behörden sämtliche Anlagen besichtigt. Er fand die Befestigungen fehlerhaft angelegt und seit sechzig bis achtzig Jahren vernachlässigt, entwarf danach einen Angriffsplan und legte diesen jetzt, im Juli 1757, W i l l i a m P i t t vor. Da nun ein verräterischer französischer Lotse, Thierry, die Angaben Clarks bestätigte und weitere über L'Ile d'Aix, die kleine befestigte
Insel vor der Charente, von der die Reede von Rochefort (gewöhnlich Reede von L'Ile d'Aix benannt), sowie die Flußmündung beherrscht werden — sowie über Fouras, ein Fort an der Flußmündung, hinzufügte, glaubte man, hier leichtes Spiel zu haben.
Insgeheim wurde eine Flotte von 16 Linienschiffen, zahlreichen kleineren Fahrzeugen sowie Transportern mit 10000 Soldaten ausgerüstet; die Flotte befehligten Admiral H a w k e, Vizeadmiral K n o w l e s und Kontreadmiral B r o d e r i c k, die Truppen standen unter Generalleutnant S i r J o h n M o r d a u n t. Die Expedition segelte am 8. September und erschien am 20. überraschend in der Durchfahrt zwischen den Inseln Oléron und Ré. Noch am selben Tage ging Knowles mit 2 Mörserbooten gegen Ile d'Aix vor, zwei französische Schiffe, die auf der Rhede lagen, liefen in die Charente ein und alarmierten. Am 23. wurden die Befestigungen der Insel beschossen, leicht niedergekämpft, besetzt und zerstört. In der Zwischenzeit suchten kleinere Fahrzeuge einen geeigneten Landungsplatz auf dem Festlande. Sie fanden jedoch
die Landung überall schwierig, bei Widerstand sogar unmöglich; ein Kriegsrat am 25. beschloß daher, von dem Unternehmen abzusehen. In einer zweiten Versammlung am 28. wurde zwar doch der Angriff wieder ins Auge gefaßt, obgleich der Gegner jetzt manche Verteidigungsmaßregeln[144] getroffen hatte, aber am 29. wehte heftiger Landwind, und man stand abermals davon ab. Am 1. Oktober ging die Flotte unter Segel und traf am 6. in Spithead ein.
Nach französischen Auffassungen hätte das Unternehmen gelingen müssen. So sagt ein Autor (Lacour I, der die Ereignisse Seite 305 genauer beschreibt): „Die Macht der Engländer war stark genug, den Erfolg sicherzustellen. Man fing 1757 eben an, die Insel Aix zu befestigen... Die Werke Rocheforts waren in dem Zustande, wie sie Clark beschrieben hatte... Im Fort Fouras war keine Batterie in Ordnung, und es lagen nur 300 Mann dort... Der Marinekommandant und der Intendant dieses Hafens waren so überrascht und von der Einnahme der Stadt so überzeugt, daß sie nur an die Rettung der Dokumente und Akten, nicht aber an Verteidigungsmaßregeln dachten. (Rettung der Kassen wird nicht erwähnt, in ihnen war wohl nichts?)... Aber was die Verteidiger aus Kopflosigkeit sowie Kleinmut verfehlten, das hoben die Angreifer durch Mangel an Tatkraft und schnellem Handeln auf. Der Befehlshaber der Truppen, Generalleutnant L a n g e r o n, gewann Zeit, die Garnison von Fouras zu verstärken, sowie an einigen Stellen am Strande Schanzen aufzuwerfen, auch verstand er es, seine schwachen Kräfte stärker erscheinen zu lassen; so wagten die Gegner nicht, etwas gegen das Festland zu unternehmen.“
Kurz nach der Rückkehr der Expedition ging Admiral Hawke am 22. Oktober aufs neue mit 15 Linienschiffen in See, um die französische Flotte abzufangen, die unter Dubois de La Motte von Louisbourg zurückerwartet wurde. Seine Schiffe wurden jedoch in der Biskaya durch einen Sturm zersprengt, und ehe sie sich wieder vereinigt hatten, lief der Gegner am 23. November in Brest ein.
Im Jahre 1758 fanden in England schon im Winter große Indienststellungen statt. Im Februar verließ Admiral Boscawen Portsmouth mit einer Expedition von 20 Linienschiffen, 18 Fregatten, vielen kleineren Fahrzeugen sowie über 100 Transportern mit 12000 Mann (14000?), die Louisbourg nahm. Kleinere Geschwader gingen nach West- und Ostindien sowie nach Westafrika ab. Die Admirale Lord Anson und Hawke wurden zur Blockade von Brest und zur Beobachtung der Kanalhäfen entsandt; man sammelte ein kleineres Geschwader unter Kommodore Richard Howe sowie Truppen
auf Wight zu Vorstößen gegen die feindliche Küste. Endlich kreuzte Kommodore Holmes mit einigen Schiffen an der holländischen Küste.
Die Division Holmes griff durch die E r o b e r u n g E m d e n s unmittelbar in den Siebenjährigen Krieg ein. Die Stadt war am 4. Juli 1757 von den Franzosen besetzt, jetzt wurde sie im März 1758 mit Unterstützung der Seestreitkräfte zurückerobert.
Frankreich gelang es wiederum, von den atlantischen Häfen Verstärkungen nach Kanada zu senden, und zwar während der Wintermonate, als der Gegner die Blockade noch nicht in vollem Maße aufgenommen hatte oder sie auch wegen der Stürme nicht streng durchführen konnte. In drei Abteilungen — unter Führung der Kapitäne Des Gouttes, Beaussier de L'isle und Comte de Du Chaffault — segelten insgesamt 9 Linienschiffe ab, von denen aber nur 4 voll, die anderen als Flüten armiert waren, 2 Fregatten, ein schweres Schiff der Indischen Kompagnie, sowie einige Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial. Im April sollte ein weiterer Transport von Ile d'Aix aus folgen, wurde jedoch durch Hawke festgehalten.
Angriff auf französische Schiffe bei Ile d'Aix 1758. Am 3. April erschien H a w k e vor der Insel; auf der Rhede lagen 5 Linienschiffe, 2 Fregatten und etwa 40 Transporter. Als er am 4. nachmittags herankam, kappten die Franzosen ihre Ankertaue und setzten sich auf Strand. Die Engländer mußten gleichfalls der geringen Wassertiefe halber ankern und vermochten sich auch am 5. bei Flut nicht so weit zu nähern, daß sie die feindlichen Schiffe hätten vernichten können. Die französischen Kriegsschiffe erleichterten sich dann durch Überbordwerfen der Kanonen und liefen in die Charente ein; ihre Gegner mußten sich damit begnügen, die Bojen auf den Kanonen zu entfernen. Immerhin war die Abfahrt der Verstärkung verhindert, was vielleicht die Eroberung Louisbourgs erleichtert hat.
Nun folgte eine Reihe von Angriffen auf französische Kanalhäfen. Ihr Zweck war angeblich, zugunsten Friedrichs II. französische Truppen vom Kriegsschauplatz in Deutschland abzuziehen, doch wollte wohl England, wie in den früheren Kriegen, hierdurch die Ausgangshäfen der französischen Freibeuterei vernichten. Der Flotte unter Anson, dem Hawke als zweiter im Kommando zur Seite stand, fiel die Aufgabe zu, jede
Störung durch französische Seestreitkräfte von den atlantischen Häfen aus zu hindern; zur Ausführung war unter Howe ein Geschwader von Schiffen bestimmt, die besonders für die Küstengewässer geeignet waren; die Landungstruppen, 14000 Mann, befehligte General Herzog von Marlborough, an dessen Stelle im Juli General Bligh trat. Da die Ereignisse wenig Bemerkenswertes bieten, sollen sie nur kurz behandelt werden[81] .
Angriffe auf französische Kanalhäfen 1758. H o w e s Geschwader zählte 1 Linienschiff, 4 Schiffe zu 50 Kanonen, 10 Fregatten, 5 Sloops, 2 Brander, 2 Mörserboote, viele kleine Fahrzeuge zu besonderen Zwecken sowie 100 Transporter für die Truppen; die Schiffe hatten eine große Zahl flachgehender Boote für Landungen an Bord. Am 1. Juni segelte A n s o n von England, um sich mit Hawke vor Brest zu vereinen, bald darauf ging Howe in See. Am 5. Juni nachmittags ankerte die Expedition in einer Bucht 6 Seemeilen östlich von St. Malo, 3 Fregatten sowie 1 Sloop setzten die dort befindliche Strandbatterie außer Gefecht und vertrieben am Strande befindliche Truppen, so daß die Landung ohne Verlust vor sich gehen konnte; sie war am 6. beendet und am 7. wurde auf St. Malo marschiert. Die Einnahme der Stadt zeigte sich jedoch undurchführbar, und am 11. sowie 12. schiffte man die Truppen wieder ein, nachdem die Umgebung gebrandschatzt war; das Unternehmen hatte 30 Tote und Verwundete gekostet. Durch ungünstigen Wind aufgehalten, langte die Expedition erst am 26. vor Le Havre an. Hier versuchte man eine Landung nicht erst, da der Gegner zu gut vorbereitet war. Man ankerte am 29. Juni zwei Seemeilen entfernt vor Cherbourg. Hier vereitelte aufkommender Sturm die schon vorbereitete Landung. Da die Wetteraussichten für die nächste Zeit ungünstig erschienen, und da auch auf den überfüllten Schiffen Krankheiten ausgebrochen waren, ging H o w e nach Spithead zurück; eine französische Fregatte war während der Unternehmungen genommen. In England wurden zunächst die Truppen zur Erholung ausgeschifft. Einen Teil derselben sandte man später zum Heere in Deutschland, mit dem Rest ging die Expedition am 1. August aufs neue in See. Am 6. wurde vor Cherbourg erkundet, am 7.[146] und 8. in einer Bucht 6 Seemeilen westlich der Stadt fast ungestört gelandet und diese dann ohne ernsten Widerstand besetzt. Stadt sowie Werke waren von den Franzosen geräumt. Man zerstörte nun die Befestigungen, Magazine und Schiffe im Hafen, doch war der Erfolg mehr moralischer Art, da Cherbourg damals nur eine unbedeutende Marinestation war; in kleinen Scharmützeln hatte man 20 Tote sowie 30 Verwundete eingebüßt. Am 16. nahm man die Truppen wieder an Bord und ankerte am 18. bei Portland, da aber der Regierung der Erfolg nicht genügte, wandte man sich wieder gegen St. Malo.
Am 4. September landete man in der Bucht von St. Lunaire, westlich der Stadt, sah aber auch diesmal vom Angriff auf die Stadt ab und beschränkte sich auf
Brandschatzen. Da die genannte Bucht sehr felsigen Grund hatte, und das Wetter bedrohlich aussah, erachtete der Kommodore die Wiedereinschiffung hier für gefährlich; man wählte deshalb die Bucht von St. Cas, aber der Marsch dahin brachte eine schwere Niederlage. Aus Wäldchen und Hecken wurden die Truppen beschossen und sahen sich plötzlich am 11. September durch eine stärkere feindliche Streitmacht bedroht. In Eile wurde der Weg nach St. Cas fortgesetzt, aber hier gelang es nur noch, etwa ein Drittel der Truppen in Ruhe und Ordnung an Bord zu bringen, wobei man zuerst die Reiter und die Artillerie einschiffte. Da griffen die Franzosen mit allen Waffen an, und der Rückzug artete in Flucht aus. Der Gesamtverlust dieses Unternehmens bezifferte sich auf 822 Tote, Verwundete und Gefangene; darunter 4 Schiffskommandanten, die bei der Einschiffung befehligt hatten.
Bemerkenswert ist, daß der „Sieg am 11. September“ in der Bretagne wie in ganz Frankreich großen Jubel erregte; er wurde gefeiert, in Liedern besungen, und der H e r z o g v o n A i g u i l l o n, der die Truppen von Brest herangeführt hatte, war der Held des Tages.
Die englische Hauptflotte unter Anson blockierte die französischen Kriegshäfen bis Mitte September. Als dann die Angriffe auf die Kanalhäfen aufgegeben wurden, ging sie heim und ließ ein kleineres Geschwader zurück, das erst im Dezember eingezogen wurde. Im Oktober kam Du Chaffault mit seiner Division — 4 Linienschiffen, 2 davon als Flüten armiert, dem Kompagnieschiff und einer Fregatte — von Kanada; er wäre wohl abgefangen worden, wenn die Blockade noch in vollem Umfange bestanden hätte. So erlitt er nur durch Zufall Verluste. Er traf nämlich vor dem Eingang des Kanals mit Boscawen zusammen, der mit einem Teile seiner Flotte gleichfalls auf der Heimreise von Nordamerika war. Zum Glück der Franzosen war diese durch einen Sturm versprengt; Boscawen hatte nur 4 Linienschiffe und 3 Fregatten bei sich. Die Gegner sichteten sich am 27. Oktober und es kam gegen Abend zu einem Gefecht, das jedoch wegen stürmischen Windes und hoher See bald abgebrochen wurde. In der Nacht kam Du Chaffault von seinen Schiffen ab und erreichte Rochefort. Seine übrigen Schiffe wurden am 28. von Boscawen gejagt; das Kompagnieschiff wurde aufgebracht, ein Linienschiff lief in Seenot Bristol an und wurde dort mit Beschlag belegt, der Rest rettete sich nach Brest.
Im Mittelmeer kreuzte 1758 die englische Flotte unter Vizeadmiral Henry Osborne. De La Clue lag seit November 1757 in Cartagena, wo er Verstärkungen erwartete. Im Januar stießen 2 Linienschiffe nebst einer Fregatte zu ihm, weitere 3 und eine Fregatte mußten noch in Toulon das Eintreffen einer Division von der Levante, die Kauffahrer heimführte, abwarten, um ihre Besatzungen zu ergänzen. Sie erschienen am 27. Februar bei Cartagena und erhielten Befehl, vor dem Hafen zu bleiben, da de La Clue nunmehr die Reise nach Westindien sofort antreten wollte. In der Nacht aber wurden die Wartenden durch Sturm vertrieben und stießen am anderen Morgen beim Kap de Gata auf Osborne. Sie wurden einzeln gejagt: 2 Linienschiffe wurden genommen, das dritte auf den Strand getrieben, nur die Fregatte entkam. Da nun in Toulon keine Schiffe mehr bereit waren und de La Clue ohne Verstärkung die Ausfahrt aus dem Mittelmeer nicht wagen konnte, rief man ihn nach Toulon zurück, wo er am 26. April eintraf. Daß die geschilderten Bewegungen der Franzosen überhaupt möglich gewesen waren, spricht nicht zugunsten der Engländer; Osborne verfügte insgesamt über 14 Linienschiffe, je zwei zu 40 und 50 Kanonen, 6 Fregatten und 2 Sloops.
Der Versuch der Franzosen, 1759 in England einzufallen, macht dieses Jahr zu einem entscheidenden im See- und Kolonialkriege. Zwei große Niederlagen in den europäischen Gewässern brachten der französischen Marine derartige Verluste, daß ihre Tätigkeit auf allen Kriegsschauplätzen gelähmt war. Pläne zu einem Einfall in England beschäftigten Frankreich bereits seit 1756. Die verflossenen Jahre hatten nun erkennen lassen, daß man nicht imstande sei, in allen Meeren zu kämpfen, ja daß die Geldmittel den doppelten Krieg auf dem Festlande und auf der See überhaupt nicht erlaubten. Der eigene Handel lag hoffnungslos danieder, während der englische aufblühte und diesem Lande die Mittel zu reichlicher Unterstützung der Gegner Frankreichs lieferte.
Diese Erwägung im Verein mit der Verstimmung über die Mißerfolge des Jahres 1758 auf dem Lande brachten den feurigen Choiseul, der seit November dieses Jahres Frankreich leitete, zu
dem Entschlusse, die ganze Kraft der Marine auf ein Ziel zu richten, auf den Einfall in England. Mit dem Kriegsminister, Marschall von Belle-Isle, entwarf er folgenden Plan[82]: Von Ostende aus sollten auf eigens dazu erbauten flachen Fahrzeugen 20 000 Mann unter General de Chevert nach der Mündung des Blackwater, nordöstlich von London, übergeführt werden; ein gleichstarkes Heer unter dem Herzog d'Aiguillon sollte bei Vannes gesammelt, in der Morbihanbucht[83] eingeschifft und in Schottland gelandet werden; ein kleineres Korps endlich wollte man von Dünkirchen aus nach Irland werfen, da man hier auf einen allgemeinen Aufstand rechnete. Die vereinigten Seestreitkräfte von Brest und Toulon — 35 bis 40 Linienschiffe — waren bestimmt, unter Marschall de Conflans zuerst die Expedition nach Schottland zu führen und dann den Übergang nach England zu decken; für die Überführung nach Irland waren nur einige Kriegsschiffe vorgesehen. — Schon im Winter 1758/59 wurde mit den Vorbereitungen zu diesem großen Unternehmen begonnen, aber Beratungen über den Plan, Mangel an Geldmitteln, sowie der schlechte Zustand der Werften und Arsenale verzögerten die Ausführung; erst spät im Sommer glaubte man sich bereit. Inzwischen aber war eine Hauptsache, die Vereinigung der Toulonflotte mit den Streitkräften des Atlantik, durch die Schlacht bei Lagos verhindert, und England hatte Zeit zu nachdrücklichsten Abwehrmaßregeln gefunden.
Obgleich man sämtliche Schlachtschiffe in Brest zusammenziehen wollte, hatte man zu Anfang 1759 den Chef d'Escadre d e B o m p a r t mit 8 Linienschiffen und 3 Fregatten von Brest nach Westindien gesandt. Er sollte Truppen nach den bedrohten Inseln bringen und dann sofort zurückkehren. Durch die Ereignisse in Westindien wurde er zwar länger aufgehalten, als vorauszusehen war; da sich die Expedition aber verzögerte, so traf er noch vor deren Abgang in Brest wieder ein.
In England erfuhr man bald von der Absicht Frankreichs, und die Furcht vor der Invasion erregte wie gewöhnlich die Gemüter. Aber die leitenden Kreise hatten doch in strategischer Hinsicht gelernt und der einsichtsvolle Pitt stand an der Spitze. Man hielt nicht mehr, wie bisher so oft, die Streitkräfte ängstlich an der eigenen Küste zusammen, sondern verwendete sie jetzt ganz in der
Art, wie sie in der Einleitung zu diesem Kriege (vgl. Seite 125) geschildert ist. Ein Geschwader (Kommodore Boys) kreuzte vor Dünkirchen und Ostende, eins (Kontreadmiral Rodney) vor der Küste der Normandie; hinter diesen lag ein Geschwader (Admiral Thomas Smith und Kommodore Sir Piercy Brett) in den Downs. Sir Edward Hawke blockierte Brest, und das Mittelmeergeschwader (Admiral Edward Boscawen) war verstärkt. Diese Streitkräfte zur Beobachtung und Abwehr des Gegners in den europäischen Gewässern gewannen im Laufe des Jahres mehr und mehr an Stärke. Genaue Zahlen stehen uns leider nicht zu Gebote, doch mag als Anhalt dienen, daß Hawke im Juni über 25 Linienschiffe (dazu 4 50-Kanonenschiffe) und Boscawen über 13 (dazu 2 50-Kanonenschiffe) verfügte; die kleineren Beobachtungsgeschwader waren aus nur wenigen Linienschiffen zu 60 Kanonen, sonst aus 50-Kanonenschiffen und Fregatten zusammengesetzt.
Aber auch die anderen Kriegsschauplätze wurden nicht vergessen. Nach Nordamerika ging im Februar eine Flotte unter Vizeadmiral C h a r l e s S a u n d e r s ab und brachte die dortigen Streitkräfte auf 20 Linienschiffe (dazu 2 50-Kanonenschiffe); zur Verstärkung der sonstigen Stationen waren schon im November 1758 8 Linienschiffe nach Westindien, 5 nach Ostindien ausgelaufen. Ferner sandte man Truppen nach diesen drei Kriegsschauplätzen sowie zum Festlandskriege; in England selber wurden die Milizen aufgeboten. Da die Franzosen nur an den Einfall in England dachten, blieben ihre Kolonien außer Westindien ohne Unterstützung und die Engländer errangen überall große Erfolge.
Die Schlacht bei Lagos, 18. August 1759. In Toulon rüsteten die Franzosen ein Geschwader von 12 Linienschiffen, darunter 2 50-Kanonenschiffe, und 3 Fregatten aus, das der Chef d'Escadre de La Clue[84] nach Brest führen sollte. Dies war bei der Überlegenheit der Engländer eine schwierige Aufgabe, zumal diesen Gibraltar als Beobachtungsplatz zur Verfügung stand, wenn die Blockade von Toulon nicht durchführbar war. Gerade jetzt erwies sich die Wichtigkeit dieses Wachtturmes am Ausgange des Mittelmeeres, und es ist sehr befremdend, daß selbst der einsichtige Pitt noch 1757 die Rückgabe Gibraltars Spanien als Preis für ein Bündnis angeboten hat. Die englische Mittelmeerflotte war während des
Winters und des Frühjahrs auf 13 Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 10 Fregatten, 2 Sloops und 2 Brander gebracht.
Admiral Boscawen[85] übernahm am 16. Mai das Kommando und blockierte sofort Toulon streng; am 7. Juni ließ er sogar durch 3 Linienschiffe 2 französische Fregatten auf der Äußeren Rhede angreifen, die englischen Schiffe gerieten aber unter den Befestigungen in Windstille und litten schwer. Um sie auszubessern, sowie um Wasser und Vorräte der Flotte zu ergänzen, ging der Admiral Anfang Juli nach Gibraltar; er gebrauchte aber die Vorsicht, auf der Höhe von Malaga, sowie vor Ceuta je eine Fregatte auszulegen.
De La Clue verließ am 5. August, als seine Schiffe endlich segelfertig und mit genügender Mannschaft versehen waren, Toulon, traf am 17. August vor der Straße von Gibraltar ein und wurde hier durch die eine der Fregatten gesichtet. Diese meldete den Feind schon um 7½ Uhr abends in Gibraltar. Der französische Admiral beabsichtigte, sich jedem Zusammenstoße zu entziehen, aber Boscawen ging mit äußerster Beschleunigung unter Segel und bereitete ihm, der von einem Teil seiner Schiffe im Stich gelassen wurde, in einem Verfolgungsgefechte am 18. und 19. August eine schwere Niederlage.
Schilderung der Schlacht bei Lagos. B o s c a w e n war nicht völlig seeklar gewesen, sein Flaggschiff hatte nicht einmal Segel untergeschlagen, dennoch gelang es, noch vor 10 Uhr nachts die Flotte in zwei einige Seemeilen voneinander getrennten Gruppen in See zu bringen. D e L a C l u e hatte mit östlichem Winde die Straße in Kiellinie passiert; er beabsichtigte nun, unter vollen Segeln mit westlichem Kurse in die offene See zu steuern, um sich einer Verfolgung zu entziehen. Er minderte auf dem[150] Flaggschiff Segel und gab das Signal für den neuen Kurs; als dies von den nächsten Hinterleuten beantwortet war, löschte er die Admiralslaternen am Heck, mehrte Segel und steuerte WNW. Die Kiellinie war wohl bisher nicht gut geschlossen gefahren, denn die Segeleigenschaft der Schiffe war sehr verschieden, die des Flaggschiffes besonders gut, und so kam es, daß die letzten 5 Linienschiffe sowie die Fregatten das Signal nicht bemerkten; als sie die Admiralslaternen aus Sicht verloren, steuerten sie NNW, um Cadiz zu erreichen, da dieser Hafen durch einen früheren Befehl als Sammelpunkt bei verloren gegangener Fühlung bezeichnet war.
Am 18. August gegen 7 Uhr vormittags sichtete Boscawen mit seiner vorn segelnden Gruppe, 8 Linienschiffen, de La Clue mit 7 Linienschiffen unter vollen Segeln in Kiellinie; er gab seinen drei besten Seglern den Befehl, Segel zu pressen und die letzten Schiffe der Franzosen festzuhalten. Um 2½ Uhr nachmittags kam der vorderste Engländer mit dem hintersten Feinde ins Gefecht; zum Vorteil der Verfolger flaute der Wind für die westlicher stehenden Schiffe ab, während die nachfolgenden noch Wind genug hatten, so daß bis bald nach 4 Uhr die ganze Gruppe Boscawens eingreifen konnte.
Um 4½ Uhr kam es zum Kampf zwischen den beiden Flaggschiffen, in dem das englische, „Namur“ mit 90 Kanonen, von dem französischen, „L'Océan“ mit 80 Kanonen, im Laufe einer halben Stunde durch Beschädigung der Takelage außer Gefecht gesetzt wurde, so daß Boscawen auf ein anderes Schiff gehen mußte. Hervorragend focht auch das letzte französische Schiff, „Centaure“, mit 74 Kanonen unter Kapitän de Sabran, der 11 Wunden davontrug; es hielt stundenlang gegen 5 englische Schiffe stand, bis es wrack und halb voll Wasser die Flagge strich. Dieser Opfermut gab den anderen Franzosen Gelegenheit, ihre Flucht fortzusetzen. Boscawen warf später einigen seiner Kommandanten vor, nicht tatkräftig genug eingegriffen zu haben, doch wurden sie anscheinend durch Windstille zurückgehalten. Während der unsichtigen Nacht retteten sich dann zwei Franzosen durch Ausbrechen aus ihrem Geschwader; der Rest wurde am 19. in die Bucht von Lagos gejagt. Das Flaggschiff setzte sich hier auf den Strand, die anderen ankerten unter den portugiesischen Batterien. Boscawen, dessen zweite Gruppe (Vizeadmiral Broderick) nun auch herangekommen war, nahm aber keine Rücksicht auf die Neutralität Portugals und griff an; 2 feindliche Schiffe wurden genommen, 2 verbrannt. Unter den letzteren war das Flaggschiff; den an beiden Beinen schwer verwundeten Admiral hatten seine Leute vorher an Land geschafft.
D e r V e r l u s t der Franzosen betrug 5 Linienschiffe, sowie gegen 200 Tote und Verwundete allein auf „Océan“ und „Centaure“. Die Engländer büßten 175 Mann ein, und zwar fast nur auf den Schiffen der ersten Gruppe. Aber auch die entwichenen französischen Schiffe waren außer Gefecht gesetzt. Die nach Cadiz gesegelten wurden hier bis zum Januar 1760 blockiert gehalten; die beiden später geflohenen erreichten auf Umwegen erst im Oktober Rochefort.
Die Schlacht bei Lagos kostete Frankreich seine Mittelmeerflotte und ist bemerkenswert als gutes Beispiel eines reinen Verfolgungsgefechtes. Die französischen Streitkräfte waren den englischen an Schlachtschiffen nur wenig unterlegen; es standen 12 Franzosen mit 806 Kanonen gegen 15 Engländer mit 998. Dennoch handelte de La Clue richtig, wenn er ein Zusammentreffen unbedingt zu vermeiden suchte; seine Aufgabe war, die Flotte ungeschwächt und schnell zur
Vereinigung nach Brest zu führen. Sich dem Kampfe durch Einlaufen in Cadiz, dem von ihm für alle Fälle angegebenen Sammelpunkt, zu entziehen, wäre zwecklos gewesen, da er dann hier wie bislang in Toulon blockiert worden wäre.
Er hätte aber für Zusammenhalten der Flotte sorgen müssen, in der Nacht vor der Schlacht trennten sich jedoch die hintersten 5 Schiffe und segelten nach Cadiz. Von älteren französischen Quellen werden die Kommandanten dieser Schiffe des Ungehorsams, ja selbst der Feigheit, beschuldigt, neuere Schriftsteller urteilen mit Recht milder. Der Admiral mußte seine Absicht noch bei Tageslicht kundgeben oder hätte sich doch in der dunkeln Nacht erst überzeugen müssen, ob sein Signal allgemein verstanden sei, ehe er den beschleunigten Marsch antrat; bei dem noch unvollständigen Signalsystem[86] war dies unbedingt notwendig. Er hätte ferner schon vorher die Marschgeschwindigkeit der Flotte den langsamsten Schiffen anpassen müssen, um einem Zurückbleiben dieser vorzubeugen.
Den Nachteil, der einer Flotte durch ungleiche Marschfähigkeit ihrer Schiffe erwächst, wenn sie sich dem Kampfe entziehen will, nützte Boscawen richtig aus, als er am 17. folgte, ehe er seine Flotte aufgeschlossen hatte, und als er am 18. August ohne Rücksicht auf Ordnung durch seine schnellsten Schiffe die letzten des Gegners angreifen ließ, um diesen überhaupt festzuhalten. Der Kommandant des hintersten französischen Schiffes, Kapitän de Sabran, verdient das höchste Lob dafür, daß er hierbei durch heldenmütige Verteidigung und Aufopferung so viele Gegner festhielt, um seine Kameraden zu retten.
K a p i t ä n d e S a b r a n wurde während seiner Gefangenschaft in Gibraltar von den Engländern mit Auszeichnung behandelt und später in Toulon, in Paris sowie am Hofe sehr gefeiert. Den übrigen Kommandanten warf die öffentliche Meinung Ungeschick und Ungehorsam, ja sogar Feigheit und Verrat vor. Auch d e L a C l u e fiel in Ungnade. Nach älteren Quellen soll er bald nach der Schlacht seinen Wunden erlegen sein, nach englischen Angaben schon in Lagos. Dies muß ein Irrtum sein, denn Lacour führt ausdrücklich an, er sei von C h o i s e u l, der 1761 das Marineministerium übernahm, milder beurteilt und habe erst 1764 den Dienst verlassen.
Bezeichnend ist endlich noch das Auftreten des englischen Admirals an der Küste des neutralen Portugals; aber dieser Staat war so abhängig von England, daß man keine Rücksicht zu nehmen brauchte. Es erfolgte auch später nur eine förmliche Entschuldigung durch den englischen Gesandten; dieser war aber durch Pitt angewiesen, dabei keinen Zweifel zu lassen, daß man weder die genommenen Schiffe wieder ausliefern noch den Admiral tadeln würde.
Das Auslaufen der französischen Brestflotte 1759. Am 3. Juli erschien Kontreadmiral Rodney vor Le Havre mit einem Linienschiffe, 4 50-Kanonenschiffen, 5 Fregatten und 6 Mörserbooten, um die hier für die Expedition gebauten flachen Transportfahrzeuge, sowie die angehäuften Ausrüstungsgegenstände zu vernichten. Er überschüttete während 52 Stunden Stadt und Hafen mit 1900 Bomben und 1100 Brandgeschossen. Die Einwohner flüchteten; die Kauffahrer im Hafen, sowie die Magazine erlitten großen Schaden, und die flachen Boote, die in einem benachbarten kleinen Seinehafen Schutz gesucht hatten, wurden verbrannt, um sie nicht in Feindeshand fallen zu lassen.
Admiral Hawke hatte die Blockade von Brest im Juni mit 25 Linienschiffen nebst zahlreichen Fregatten aufgenommen. Er ließ hierbei seine leichten Schiffe dicht vor dem Hafen kreuzen, während er sich mit den schweren in sicherer Entfernung von der Küste hielt. Später zweigte er eine kleine Division unter Kommodore Robert Duff zur Beobachtung der Morbihanbucht ab, wo sich die französische Expedition sammelte, und sandte bald darauf noch eine zweite unter Admiral Geary vor die Quiberonbucht, um dem von Westindien zurückerwarteten Geschwader de Bompart (siehe Seite 148) den Weg nach Rochefort zu verlegen. Nur einmal versuchten die Franzosen mit 4 Linienschiffen von Brest zur Morbihanbucht durchzubrechen; diese mußten jedoch wieder umkehren, da die innere Blockadelinie aufmerksam war und die Flotte heranrief.
Diese kleine französische Division unter Kapitän de Morogues sollte die unmittelbare Deckung des Transportes für den Einfall in England übernehmen. An diesem hielt man nämlich immer noch fest, obgleich die Rüstungen so langsam fortschritten, daß die Herbststürme herannahten, und obgleich mit der Mittelmeerflotte nicht mehr gerechnet werden konnte. Der Plan erlitt aber insofern eine Einschränkung, als von der Überführung eines Heeres über den Kanal abgesehen und nur die große Landung in Schottland, sowie die Diversion nach Irland im Auge behalten wurde. Auch diese Einschränkung scheint erst spät beschlossen oder überhaupt nur die Folge der weiteren Ereignisse gewesen zu sein, denn noch in einer Verfügung an Admiral Conflans in Brest vom 13. September ist von dem gegen England bestimmten Heere die Rede, als dessen Führer man jetzt den Prinzen Soubise nannte.
Das Mißgeschick bei Lagos sowie die sorgfältige Überwachung der Küsten durch die Engländer hätte wohl von dem ganzen Unternehmen abmahnen müssen. Aber man wünschte in Paris durch einen Erfolg auf dem Meere die im Landkriege erlittenen Scharten auszuwetzen und dadurch einen ehrenhaften Frieden herbeizuführen. Französische Quellen besagen, das Aufgeben des Planes nach den großen Vorbereitungen wäre für Frankreich ein volles Eingeständnis seiner maritimen Ohnmacht gewesen. Daraufhin aber sich in ein fast aussichtsloses Wagnis zu stürzen, spricht nicht für die Einsicht der leitenden Kreise. Doch kann dies kaum mehr wundernehmen als die Bestimmung des Prinzen von Soubise, der sich bei Roßbach ganz unfähig gezeigt hatte, zum Führer eines so schwierigen Unternehmens.
Im September hielt man das an der Morbihanbucht zusammengezogene Heer, sowie die Flotte in Brest für schlagfertig und erteilte am 15. d. M. dem Vizeadmiral der Levante, Marschall de Conflans[87] , den Befehl, von Brest in See zu gehen, die Truppen abzuholen und am Clyde oder an der Ostküste Schottlands zu landen. Doch wieder traten Verzögerungen ein, weil die Ansichten über die Ausführung des Planes auseinandergingen. Der Marineminister Berryer erachtete den Admiral taktisch für nicht geschickt genug, um das Vorgehen des Feindes zu hindern und die Überfahrt der Transportflotte ohne entscheidenden Kampf zu sichern. Sein Plan war daher, für die unmittelbare Begleitung der
Transporter nur 6 Linienschiffe zu bestimmen, die Flotte aber vorauszusenden, um die Schlacht vorher zu schlagen; brachte diese einen entscheidenden Sieg, so wäre der Weg frei, verlief sie ungünstig, so würde wenigstens der Transport nicht gefährdet.
De Conflans — der sich übrigens stets darüber beklagt hatte, daß Heer und Transporter nicht bei Brest gesammelt seien und daß er so bei Benutzung einer günstigen Gelegenheit für das Auslaufen zu einem zeitraubenden Umweg gezwungen sei — war anderer Ansicht; er bestand darauf, den Transport mit der ganzen Flotte zu begleiten und, wenn nötig, auch so einen Angriff abzuschlagen. Am 14. Oktober erhielt er denn auch eine neue Order (wörtlich bei Lacour I, Seite 366), die ihm freistellte, „ganz nach seiner Ansicht und Erfahrung zu handeln“. Der Augenblick war günstig, da die englische Flotte wegen eines Sturmes die Blockade für kurze Zeit hatte aufgeben müssen. Aber Conflans zögerte immer noch und zwar, wie er berichtete, weil die Ausrüstung der Flotte nicht abgeschlossen und die Besatzungen nicht vollzählig, sowie zu wenig eingeübt seien; die meisten Schiffe hatten seit drei Jahren den Hafen nicht verlassen. Am 9. November sah sich die englische Flotte wiederum durch das Wetter genötigt, die Blockade abzubrechen und nach Torbay zu segeln; diese Gelegenheit benutzte das gerade vor Westindien anlangende Geschwader Bomparts, um in Brest einzulaufen. Es zählte 8 Linienschiffe und würde die Brestflotte auf 27 solcher gegenüber 23 der englischen Blockadeflotte gebracht haben; Conflans zog sie aber hierzu nicht heran, sondern füllte mit ihren seeerfahrenen Besatzungen seine Schiffe auf. Diese Maßregel wird sehr verschieden beurteilt, muß aber wohl als zweckentsprechend angesehen werden; sie läßt auf den traurigen Zustand der übrigen Schiffe schließen. Conflans ging dann am 14. November mit östlichem Winde in See und steuerte südwärts.
Admiral Hawke hatte am 12. Torbay wieder verlassen, sobald das Wetter besser geworden, war aber nochmals zur Umkehr gezwungen; er trat dann auch am 14. die Fahrt nach Brest an und hörte vor dem Hafen, daß der Feind im Süden mit östlichem Kurse gesehen sei; er schloß richtig, daß er zur Quiberonbucht wolle, und folgte unter einem Preß von Segeln.
Admiral Edward Lord Hawke.
Die Schlacht bei Quiberon, 20. November 1759[88] . Marschall de Conflans hoffte zwar eine Schlacht zu vermeiden, mußte aber eine solche sogar suchen, wenn er auf die englische Flotte stieß und dennoch die Expedition mit den Transportern durchführen wollte; die Vereinigung allein mit diesen in der Quiberonbucht würde sonst nur eine weitere Blockade von Flotte und Konvoi zur Folge gehabt haben, nunmehr in einem Hafen, also eine leichtere Aufgabe für den Gegner. In einem ausführlichen Flottenbefehle betonte er, daß man wahrscheinlich bald mit dem Feinde zusammenstoßen würde, und er erließ ausführlichste Gefechtsvorschriften für alle möglichen Verhältnisse, unter denen dies erfolgen könnte. Stets war mit tönenden Worten auf ein schneidiges Vorgehen hingewiesen. Mit Vorstehendem aber stimmte der weitere Verlauf der Dinge durchaus nicht; Conflans traf weder Maßregeln, um sich durch Aufklärer vor Überraschung zu sichern, noch trat er dem Feind entgegen, als dieser erschien. Südöstliche
Winde hemmten die Fahrt der Flotte und versetzten sie westlich; erst am 19. November abends stand sie etwa 70 Seemeilen südwestlich von Belle-Ile.
Jetzt drehte der Wind nach Westen und Conflans nahm Kurs auf die Quiberonbucht; da der Wind schnell auffrischte, mußte er aber kleine Segel führen, um nicht während der Nacht vor der Einfahrt anzukommen. Bei Tagesanbruch am 20. wurden voraus einige Segel gesichtet. Es war die Division des Kommodore Duff, der die Quiberonbucht bewachte: 1 Linienschiff, 4 50-Kanonenschiffe, sowie 3 oder 4 Fregatten. Duff hatte hinter Belle-Ile vor Anker gelegen und war in wenigen Minuten, nach Kappen der Ankertaue, unter Segel gegangen, als er durch eine vor der Einfahrt kreuzende Fregatte das Nahen der Franzosen erfuhr. Conflans, der in Brest stets Nachrichten von der Morbihanküste erhalten hatte, schloß ganz richtig, daß er es nur mit Duff zu tun habe, und befahl allgemeine Jagd. Die englische Division teilte sich; einige Schiffe segelten über Backbordbug beim Winde nach Süden, die anderen unter Duff hielten raum wieder auf die Küste zu. Diesen folgte Conflans mit Vorhut und Mitte seiner Flotte, da sie den größeren Teil des Feindes ausmachten und auf seinem Kurse lagen; gegen den kleineren Teil sandte er die Nachhut. Bald darauf aber meldete diese zahlreiche Schiffe im NW und auch das Flaggschiff sichtete sie; es war Hawkes Flotte, die unter vollen Segeln herankam. Duff ging nun an den Wind und vereinigte sich mit Hawke; Conflans rief seine Nachhut zurück und gab Befehl zum Bilden der Kiellinie, sowie für Vorbereitung zum Gefecht.
Wenn er wirklich zunächst die Absicht gehabt hatte, den Kampf auf offener See anzunehmen, so gab er sie doch bald auf, da es mit allen Anzeichen aufkommenden schweren Wetters hart aus WNW wehte und da die Flotte dicht unter einer Leeküste einem überlegenen Feinde gegenüber in Lee stand. Er entschloß sich, einzulaufen, in der sicheren Voraussetzung, daß Hawke nicht wagen würde, bei den Wetterverhältnissen ohne Lotsen und genaue Karten in das mit Bänken und Riffen besetzte Gewässer zu folgen. Er hoffte noch unbehelligt hineinzukommen und wollte dann dicht unter dem
westlichen Ufer der Bucht ankern. So dachte er den Gegner, falls dieser doch folgen sollte, zu zwingen, zum Angriff nun seinerseits die Leestellung mit der Küste in Lee einzunehmen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff an die Spitze der Flotte, um sie zu führen; auf seinen Platz für die Gefechtsformation in der Mitte beabsichtigte er erst später wieder zu gehen.
Aber keine seiner Voraussetzungen traf ein. Das Bilden der Linie dauerte lange, die Engländer kamen schnell näher, und Hawke ließ sich keinen Augenblick durch die vor ihm liegenden Gefahren beirren. Als erfahrener Seemann würdigte er sie vollauf, aber er war ein ruhiger und tapferer Mann und er schätzte den Schneid sowie die Erfahrung seiner, durch die harte Schule langer Blockaden erprobten Offiziere und Mannschaften höher ein als die der Franzosen; er wußte, daß sein Land die Vernichtung der feindlichen Flotte erwartete — wurde er doch, während er hier dieses Werk vollbrachte, in England in effigie verbrannt, weil er diese aus Brest hatte entschlüpfen lassen. Zweifellos rechnete er auch damit, daß die vorausfahrenden Franzosen ihm als Lotsen dienen oder zuerst auf den Grund kommen würden. Er nahm die Verfolgung auf, erreichte die feindliche Flotte noch in der Einfahrt und setzte sie durch einen Kampf in der Melée unter den schwierigsten Umständen — Sturm, schwere See, sowie Leeküste; eine ungeheure Zahl von Schiffen auf kleinem, gefährlichem Raum — für den weiteren Verlauf des Krieges außer Gefecht.
Die Stärke der Flotten:
Kanonenzahl 100 90 80 74 70 64 60
Englische Schiffe 1 3 7 5 2 5 = 23Linienschiffe
Französische Schiffe 4 6 4 7 = 21 „
Hinzu traten auf englischer Seite: 4 50-Kanonenschiffe (Division Duff), 6 Fregatten zu 28–36 Kanonen; auf französischer Seite: 2 oder 3 Fregatten zu 30 Kanonen, 2 Korvetten mit 6 und 16 Kanonen.
Französische Flaggoffiziere: Vorhut Chef d'Escadre d e B a u f f r e m o n t, Prince de Linois; Mitte Marschall d e C o n f l a n s; Nachhut Chef d'Escadre S t .
A n d r é e d u V e r g e r.
Englische Flaggoffiziere: Vizeadmiral S i r C h a r l e s H a r d y; Admiral H a w k e; Kommodore J a m e s Y o u n g.
Quiberonbucht.
Der Verlauf des Kampfes wird in allen Quellen nur skizzenhaft gegeben, ergänzt durch Schilderung der Schicksale einzelner Schiffe; dies ist dadurch erklärlich, daß auf beiden Seiten bald jede Ordnung aufhörte. Die englische Flotte stand beim Sichten des Feindes gegen 10 Uhr vormittags WzS von Belle-Ile, die französische in SW dieser Insel und näher bei ihr. H a w k e bildete Dwarslinie, um seine hinteren Schiffe aufkommen zu lassen, gab aber bald den 7 Schiffen, die dem Feinde am nächsten waren, Befehl zur Jagd. Auf französischer Seite dauerte das Bilden der Linie sowie das Aufnehmen der abgezweigten Vorhut längere Zeit, in der die Engländer vor dem stürmischen Westwinde schnell aufkamen. C o n f l a n s setzte dann schon frühzeitig so viel Segel als möglich, und während der nun folgenden Jagd gingen infolge der ungleichen Segelfähigkeit der Schiffe bald Fühlung und Ordnung in der französischen Linie verloren; die Nachhut war überhaupt noch nicht ganz herangekommen.
Gegen 2½ Uhr nachmittags passierte Conflans mit dem Flaggschiff die Felsen L e s C a r d i n a u x und ging näher an den Wind, um in die Quiberonbucht zu steuern; zu gleicher Zeit griff das vorderste englische Schiff südlich von Belle-Ile das letzte französische an und nach kurzer Frist waren 9 Engländer mit 4 oder 5 Franzosen der Nachhut in einem laufenden Gefecht. Bald darauf drehte der zum
Sturm mit schweren Böen gewordene Wind nach NNW, wodurch die Ordnung der französischen Linie noch mehr gestört und dem Rest der Engländer das Herankommen erleichtert wurde; auch[157] die letzten Schiffe der französischen Mitte wurden nun angegriffen. Gegen 3½ Uhr wendete C o n f l a n s mit dem Flaggschiff, um sich nach der Mitte zu begeben, auch heißte er für die anderen Schiffe das Signal, im Kontremarsch zu wenden; er hoffte so eine geordnete Linie wieder herzustellen, scheint also die Absicht gehabt zu haben, den Kampf aufzunehmen, um seine Nachhut zu retten. Von diesem Augenblicke an ist es nicht mehr möglich, den Verlauf des Gefechtes zu übersehen. Bei dem Versuche, dem Befehle nachzukommen, trieben die französischen Schiffe in Haufen zusammen, und immer mehr Engländer kamen heran; dabei ging der kurze Novembertag zu Ende.
In dem Dreieck zwischen den Bänken L e s C a r d i n a u x und L e F o u r sowie der Insel D u m e t fochten gegen 50 Schiffe in der Melée. Manche, namentlich französische, sind wohl kaum zum Feuern gekommen, weil sie sich gegenseitig behinderten, wie denn auch verschiedene Zusammenstöße erfolgten; dazu kamen der schwere Sturm sowie die hohe See, die die Manöver erschwerten und viele Schiffe zwangen, die Pforten der untersten Batterie geschlossen zu halten. Die 7 Schiffe der französischen Nachhut, die den Kampf wacker aufnahmen, hatten schon zu Anfang schwer gelitten. S t . A n d r é e fiel und ebenso sein Flaggkapitän (sein Bruder), aber das Schiff strich erst um 4½ Uhr die Flagge, als es 200 Tote verloren hatte und fast wrack war; ein zweites war genötigt, die Flagge zu streichen und zu ankern, da es jedoch des schweren Wetters wegen vom Gegner nicht besetzt wurde, heißte es die Flagge wieder und zog sich aus der Melée; ein drittes endlich floh schwer beschädigt und sank vor der Loiremündung. Von der französischen Vorhut kenterte ein von beiden Seiten hart bedrängtes Schiff, da in einer schweren Bö das Wasser durch die Leepforten der untersten Batterie hineinströmte; ein anderes wurde durch das Feuer des englischen Flaggschiffes zum Sinken gebracht.
Nach Eintritt der Dunkelheit löste sich das Gewühl. C o n f l a n s wollte seine Flotte wieder ins offene Meer hinausführen, konnte sich jedoch zuerst nicht aus dem Knäuel lösen, fürchtete dann, unklar von Le Four zu kommen und ankerte in der Nähe dieser Bank. 7 Schiffe, unter ihnen der Führer der Vorhut, B a u f f r e m o n t, entwichen nach Süden und fanden sich später vor Rochefort zusammen; 7 andere sowie die Fregatten ankerten vor der Mündung der Vilaine. Admiral H a w k e, der in der Dunkelheit an keine Verfolgung denken konnte, ging ungefähr in der Mitte des Kampfplatzes vor Anker, seinem Beispiele folgten aber nur die Schiffe in seiner Nähe, die dies bemerkten. Das Nachtsignal zum Ankern, zwei Kanonenschüsse, wurde nicht verstanden, da auch sonst noch gefeuert wurde; so suchten die anderen Schiffe sich Ankerplätze nach Belieben, einige gingen auch in See hinaus.
Am 21. November bei Tagesanbruch hatte H a w k e nicht viele Schiffe beisammen und englische Quellen sagen, hier sei für die Franzosen Gelegenheit gewesen, mit Übermacht aufzutreten. Dabei wird angenommen, daß die sieben nach Süden entwichenen französischen Schiffe während der Nacht in der Nähe, vielleicht südlich Le Four, vor Anker gelegen hätten; nach Andeutung einer französischen Quelle (Lacour) scheint dies der Fall gewesen zu sein, doch schweigen die anderen hierüber. C o n f l a n s sah sich am Morgen fast allein nicht weit von Hawke liegen, nur das Schiff der Nachhut, das die Flagge wieder geheißt hatte, war in seiner Nähe; er glaubte nicht mehr entkommen zu können und setzte sein Schiff in der Bucht von Croizic auf den Strand, wie es kurz vor ihm das eben genannte Schiff getan. H a w k e hatte tatsächlich ein Schiff gegen diese beiden beordert, doch strandete dies auf Le Four, wo schon ein anderes englisches seit dem Tage vorher festsaß. Weitere Versuche, den Sieg auszunutzen, konnte Hawke des Wetters wegen am 21. noch nicht machen und infolgedessen gelang es den französischen Schiffen vor der Vilaine an diesem und dem folgenden Tage, nachdem sie sich durch Überbordwerfen von Geschützen sowie Material möglichst erleichtert hatten, die Barre vor dem Flusse zu überschreiten, diesen eine Strecke hinaufzulaufen und sich so vor Angriffen von See her zu sichern. Als am 22. das Wetter besser geworden war, wollte H a w k e die Schiffe bei Croizic verbrennen, die Franzosen zündeten[158] sie aber selber an; es wurde ihnen dadurch unmöglich, die wertvolle Artillerie des Flaggschiffes zu bergen.
Beurteilung der Franzosen. Der 20. November 1759 war kein Ruhmestag für diese, weder für den Admiral noch für die meisten Kommandanten. Daß die französischen Seeoffiziere im allgemeinen tapfere Männer waren, wie es bei dem Charakter ihres Volkes und bei ihrer Abstammung von dem alten kriegerischen Adel von vornherein anzunehmen ist, beweist die ehrenvolle Verteidigung der Nachhutschiffe, die noch unter einigermaßen normalen Verhältnissen in den Kampf eintraten; aber fast allgemein fehlte es ihnen an Umsicht und an Selbstvertrauen. In Frankreich wurden dann auch Klagen erhoben, die von französischen Schriftstellern zum Teil noch jetzt als begründet angesehen werden[89] .
Dem Admiral C o n f l a n s wirft man zunächst vor, daß er sich auf seinem Marsche nicht gesichert habe; überrascht, habe er dann den Kopf verloren. Er hätte wie es auch d e L a C l u e bei Lagos hätte tun müssen beim Ansteuern der Quiberonbucht die Geschwindigkeit der Flotte nach der des langsamsten Schiffes regeln und vor allem die Nachhut herankommen lassen müssen. Als diese angegriffen wurde, hätte er sofort wenden sollen; vielleicht war dann noch Zeit, sie zu retten, ehe die Gesamtmacht des Feindes in Gefechtsordnung auftreten konnte. Oder er hätte sie opfern und seinen Plan, eine Verteidigungsstellung in der Bucht einzunehmen, mit Mitte und Vorhut zur Ausführung bringen müssen; durch den zu späten Versuch, dem Gegner entgegenzutreten, habe er die völlige Unordnung der Flotte und damit deren Ohnmacht hervorgerufen. Es wird dem Marschall endlich vorgeworfen, sein Schiff,