LENZBURGER WOCHE
DONNERSTAG, 30. OKTOBER 2025
Amtliches Publikationsorgan für den Bezirk Lenzburg und angrenzende Gemeinden.
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Seit einer Woche im Guide Michelin aufgeführt: Das «Rosmarin» mit Céline Huber und Philipp Audolensky.
Eine Küche voller Finesse: «Rosmarin» erhält Michelin-Stern
Restaurant
METZGETE 07.11.25 & 28.11.25
im High-End-Bereich der Gastronomie verstehen können, was er isst. Die Qualität der Produkte ist wichtig, nicht ihre Exklusivität.»
Lenzburg Das Restaurant Rosmarin ergatterte den 1. Michelin-Stern. Küchenchef Philipp Audolensky und seine Köchin Céline Huber punkten mit genialer Bodenhaftigkeit. ■
Christoph Brunner, Eidg. Dipl. Obergärtner Kleemattweg 23, 5702 Niederlenz
Foto: Rinaldo Feusi
Setzt auf Vertrauen und Nachhaltigkeit
RINALDO FEUSI
R
östi mit frischen Kartoffeln und Raclettekäse überbacken», antwortet Philipp Audolensky auf die Frage, welches Gericht ihn an seine Mutter erinnere. Vergangene Woche ist der neue Guide Michelin erschienen. Sein Restaurant Rosmarin in der Eisengasse, das er zusammen mit seiner Souschefin Céline Huber betreibt, wird zum ersten Mal mit einem Stern ausgezeichnet. Rösti mit frischen Kartoffeln und Raclettekäse überbacken – diese Bescheidenheit findet man auch auf seinem Teller. «Deliziös beschreibt nicht das beste Gericht aus den teuersten Produkten», erklärt er. «Es beschreibt das Handwerk, aus ganz normalen Produkten etwas Besonderes zu kreieren. Der Gast soll auch
Audolensky setzt bei der Auswahl seiner Lieferanten auf Vertrauen. Mit ständig wechselnden Partnerinnen und Partnern wäre die Stabilität seiner Gastrosophie gar nicht gewährleistet. Dabei verfolgt er Regionalität – radikal. Der Fisch kommt beispielsweise aus der Zucht in Bremgarten, die Wassermelonen aus Lenzburg. Sollte es einmal Lachs oder Zander geben, stammen diese Produkte aus Lostallo oder aus dem Lago Maggiore. Weine aus Südafrika oder Kalifornien sucht man bei ihm vergebens. «Das sind zwar exquisite Weine. Aber weshalb soll ich etwas vom anderen Ende der Welt ausschenken, wenn sensationeller Wein hier, quasi vor der Haustüre, produziert wird?», erläutert er. Der Vollblutgastronom macht vieles anders, als es in der Branche üblich ist. Er bietet ein Überraschungsmenü an
– mit fünf, sechs oder sieben Gängen. Dabei weiss der Gast beim Reservieren nicht, was ihn erwartet. Die Weine bestimmt der Küchenchef. «Ich schicke meine Menüs an die Weinlieferanten und Winzer. Diese bestimmen, welche Weine zu den Gerichten funktionieren. Am Ende könnte ich noch ein Veto einlegen, wenn mir ein Wein nicht passen würde», erklärt er.
Wie geht es jetzt weiter? Ein Michelin-Stern, drei Falstaff-Gabeln und 15 Gault-Millau-Punkte – wollen Philipp Audolensky und Céline Huber noch mehr? «Das Restaurant ist meine Existenz», sagt der Küchenchef. «Ich mache hier, was mir gefällt, und erkunde, was noch alles möglich ist. Diese Auszeichnung freut uns sehr; solche Erfolge bestätigen uns. Aber uns geht es in erster Linie darum, unsere Gäste glücklich zu machen», erklärt der Koch der Königsklasse. «Das Restaurant soll leben.» Auf die Frage, welches Essen er gar nicht leiden könne, antwortet Audolensky: «Alles, was lieblos gekocht wurde.»
Es ist ein ruhiger Vormittag. Der Wind spielt mit den goldenen Blättern am Ahornbaum vor meiner kleinen Terrasse. Die letzten warmen Sonnenstrahlen des Rinaldo Feusi Herbstes brechen in den Wassertropfen, die der nächtliche Regen auf Gräsern und Blättern hinterlassen hat. Ich sitze auf meinem Sessel. In der einen Hand einen Kaffee, in der anderen nicht etwa ein Buch oder eine Zeitung – nein. Da ist nichts. Im Hintergrund läuft «City of Stars» aus den Lautsprechern meiner Musikanlage. «Stadt der Sterne, es gibt so vieles, was ich nicht sehen kann», teilt die chinesische Sängerin Wang Ok mit ihrer tiefen Stimme mit. Dieser Moment gehört mir und meinen Gedanken. Und das ist gut so. Denn Momente wie diese sind ein rares Gut. Es geht mir nicht anders als allen anderen: Sei es ein Schreibtisch voller Arbeit, ein Rucksack voller Sorgen und Sörgeli oder ein Auto, das seit einiger Zeit interessante Geräusche von sich gibt – wir alle tragen Pendenzen mit uns. Seelisch, psychisch – ja sogar körperlich. «Das muss ich noch», «Das darf ich nicht vergessen». Ein Blick in den Spiegel genügt: «Ui, was ist denn das an den Hüften? Das war doch gestern noch nicht da?» Allesamt Sorgen, die wir uns selbst machen. Denn die Arbeit auf dem Schreibtisch wird nicht weniger. Was abgeschlossen ist, wird ersetzt durch Neues. Vergangene Sorgen? Die kommen wieder. Und das an den Hüften? Das war gestern bestimmt auch schon da. Und keinem Menschen ist es aufgefallen – nicht einmal einem selbst. Ich sitze nun also auf dem Sessel mit mir und meinen Gedanken. Tausend Dinge fliegen durch meinen Kopf. Nichts davon entlastet mich. Typisch. Gemäss Forschungen neigt das Hirn dazu, negative Gedanken stärker zu registrieren als die guten. Das ist, wie wenn man auf der Arbeit etwas Gutes macht: Es interessiert die wenigsten. Doch mach einen Fehler, und du wirst es schon noch früh genug erfahren, Bürstli. Doch an diesem Vormittag sitzt das Bürstli auf seinem Sessel, nimmt einen Schluck Kaffee und sagt seinem Kopf: «Sei jetzt still.» Rinaldo Feusi, Redaktionsleiter
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