Wirtschaftszeitung der Handwerkskammer Magdeburg, Regionalausgabe Norddeutsches Handwerk
130. Jahrgang | Nr. 5 | 15. Mai 2025
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Mehr Ausbildungsplätze als Bewerber: Wie positionieren sich Betriebe optimal?
Die eigene Steuerlast senken Wie Sie per Verlustvortrag und Verlustrücktrag höhere Verluste steuerlich geltend machen Seite 2
Foto: Seusta Stade
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Azubi-Suche: Chancen erhöhen as Ausbildungsjahr beginnt bald, doch bei Ihnen ist noch eine Stelle frei? Damit sind Sie nicht allein. Laut Azubi-RecruitingTrends konnten im vergangenen Jahr 39 Prozent von knapp 1.800 befragten Betrieben nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Für die Azubi-Recruiting-Trends werden jedes Jahr neben Ausbildungsverantwortlichen auch junge Menschen in oder vor einer Ausbildung befragt. Bei den Antworten der beiden Gruppen zeigt sich, dass so mancher Betrieb einem oder mehreren Denkfehlern aufsitzt. Vier Tipps, damit Ihnen das nicht passiert.
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Warnung vor Betrug Die Zahl der gefälschten Meisterbriefe nimmt zu. Auf welche Warnzeichen sollten Sie achten? Seite 3
Neuer Koalitionsvertrag Was halten Unternehmer von den Plänen? Wir haben Handwerker verschiedener Branchen befragt. Seite 4
E-Rechnung in der Praxis 1. Die Azubi-Suche ist kein Selbstläufer
Wie klappt die Umsetzung der E-Rechnung? Erfahrungsberichte aus dem Betriebsalltag. Seite 7
Die Hälfte der rund 5.000 befragten jungen Menschen gab an, mehr als ein Angebot für einen Ausbildungsplatz erhalten zu haben. Handwerksbetriebe sollten deshalb auf sich aufmerksam machen und aus der Masse hervorstechen. Das empfehlen die Autoren der Azubi-Recruiting-Trends: ɓ Liefern Sie wichtige Informationen zu Ihrem Ausbildungsangebot wie Arbeitszeiten, Ausbildungsvergütung, Urlaubsanspruch sowie Ablauf und Inhalt der Ausbildung. ɓ Storytelling – erzählen Sie Geschichten aus Ihrem Arbeitsalltag, um die Jugendlichen zu begeistern.
Steuerfreie Gehaltsextras
Foto: Tischlerei Kasper
Mitarbeitende motivieren und binden – und mehr Netto für das Team rausholen Seite 10
Um Kontakte zu Auszubildenden zu knüpfen, ist das Team der Johs. Seufert + Sohn GmbH, kurz Seusta, regelmäßig auf Ausbildungsmessen aktiv. „Dorthin begleiten uns auch einige Azubis“, sagt Alexander Brotsmann, gewerblicher Ausbildungsleiter in dem Betrieb in Stade. Das senke die Hemmschwelle: „Die Kommunikation der Jugendlichen auf Augenhöhe hat eine sehr starke Wirkung“, betont er. Der persönliche Kontakt auf den Messen sei der Schlüssel zum Erfolg. Es brauche aber eine kontinuierliche Präsenz auf mehreren Ausbildungsmessen, um sichtbar zu sein. Ein Netzwerk in die Schulen der Region ermöglicht es dem Betrieb zudem, Schülerinnen und Schüler für ein zweiwöchiges Praktikum zu gewinnen. „In dieser Zeit lernen wir uns kennen und können prüfen, ob wir zueinander passen“, sagt Brotsmann. Wenn es für beide Seiten stimmt, folge zeitnah die Zusage für einen Aussbildungsplatz und die Vertragsunterzeichnung. Auch die Arbeitskleidung werde gleich anprobiert, „damit ist der Weg in die Ausbildung strukturiert und transparent“.
Wissen für den Nachfolger Tischlermeister Hermann Kasper hat Tipps, die nicht im Lehrbuch stehen, auf Videos dokumentiert. Seite 11
Ausbildung mit Kindern Ein Betrieb zeigt: Kinder von Azubis müssen kein Problem für einen Ausbildungsbetrieb darstellen. Seite 15
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Ausbildungsleiter Alexander Brotsmann ist im engen Austausch mit den Auszubildenden Robin und Hennes (v. r. n. l).
nur 19 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen schalten für die Azubi-Suche Google-Anzeigen. Sichtbarkeit erhöhen Betriebe zum Beispiel so: ɓ Laden Sie Stellenanzeigen auf Ihrer Seite nicht als PDFs hoch, Google kann sie nicht lesen. Nutzen Sie eine HTML-Seite. ɓ Verwenden Sie die richtigen Keywords. Kein Jugendlicher sucht nach Schüler (m/w/d), sondern eher nach Berufsbezeichnungen wie „Ausbildung auf dem Bau (m/w/d)“. In dem Stader SHK-Betrieb starten pro Jahr vier bis sechs Auszubildende. Sie erlernen den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Für die Sichtbarkeit im Netz spielt auch der Webauftritt eine große Rolle, betont Ausbildungsleiter Brotsmann. Bei Seusta gibt es einen Karrierebereich. Hier sind Informationen zu den Ausbildungsberufen und Stellenanzeigen zu finden. Interessenten erfahren alles über die Zusammenarbeit in dem Betrieb. Auch Kontaktmöglichkeiten per E-Mail, Telefon und Social Media werden genannt. Über Social-Media-Kanäle gibt der Betrieb Jugendlichen einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag. „Direkte Bewerbungen erhalten wir darüber nicht – doch es stärkt das Interesse an unserem Unternehmen“, ist sich der 33-Jährige sicher.
2. Unterschätzen Sie Google nicht
3. Den Bewerbungsprozess vereinfachen
83 Prozent der angehenden Azubis nutzen für ihre Suche nach einem Ausbildungsplatz Google. Doch
Lebenslauf, Bewerbungsschreiben, Zeugnisse – je höher die Anforderungen an eine Bewerbung sind,
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Alexander Brotsmann, Ausbildungsleiter
4. Geben Sie nicht zu früh auf Viele Jugendliche suchen noch auf den letzten Drücker. 17 Prozent gaben in der Befragung an, sich erst nach dem Schulabschluss intensiv mit der beruflichen Orientierung zu beschäftigen. Auch bei Seusta kamen in den vergangenen Jahren einige Bewerbungen später als sonst an. Deshalb vergibt der Handwerksbetrieb auch kurzfristig Ausbildungsplätze. Normalerweise kümmern sich Alexander Brotsmann und Team schon ab August um die Akquise für das Folgejahr. „Nach der Vertragsunterzeichnung erhält jeder eine Einladung zum Willkommenstag“, erläutert er. Dort lernen sich die Azubis untereinander kennen. Das Positive daran: Es springen sehr wenige Azubis vor Ausbildungsbeginn ab. MARTINA JAHN UND KATHARINA WOLF W
KfW-Studie: So viel Zeit geht für Bürokratie drauf Die Wirtschaft beklagt die Bürokratiebelastung seit Langem. Wer ist besonders betroffen und wie hoch sind die Kosten?
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Damit Auszubildende Vertrauen aufbauen, braucht es einen strukturierten und transparenten Prozess.
desto weniger sind Jugendliche geneigt, sich zu bewerben. Der Recruiting-Umfrage zufolge erhöhten für 51 Prozent der Befragten einfache Bewerbungen die Chance, dass sie sich bewerben. 42 Prozent der befragten Ausbildungsverantwortlichen gaben hingegen an, die Bewerbenden müssten schon „ein bisschen Engagement“ mitbringen. Ihnen sind vor allem der Lebenslauf, Schulzeugnisse und Anschreiben wichtig. Dennoch klare Empfehlung: Machen Sie Ihren Bewerbungsprozess so einfach wie möglich und verzichten Sie auf Unterlagen, die auch eine KI oder die Eltern geschrieben haben können.
Vom Ausbildungsprojekt zur Kollektion Den Bubble Ring hat Sina Meier 1999 während ihrer Ausbildung entworfen: „Ich habe damals mit der Wachstechnik experimentiert und so ist das Schmuckstück entstanden“, berichtet die Goldschmiedin, die heute ein Atelier in Hannover führt. „Mir gefällt die schlichte Form. Das Design ist unkompliziert, aber markant und unverwechselbar “, sagt die Unternehmerin. Deshalb hat sie den Ring seit 2006 konsequent weiterentwickelt. Inzwischen gibt es eine ganze Bubble-Kollektion: Dazu gehören neben Ringen auch Ohrringe, Ketten und Anhänger. „Jedes Jahr wird die Kollektion um mindestens ein Schmuckstück erweitert“, sagt Meier. Auch 2025 bekommt die Bubble-Kollektion Zuwachs: „Bald kommt der Bubble Loop, das ist ein Kettenanhänger.“ (AML)
Sieben Prozent ihrer Arbeitszeit verwenden mittelständische Unternehmen in Deutschland im Schnitt für bürokratische Prozesse. Das entspricht durchschnittlich 32 Stunden im Monat pro Unternehmen oder 1,5 Milliarden Arbeitsstunden im Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt das KfW-Mittelstandspanel, für das die Förderbank 10.000 Unternehmen verschiedener Größen und Wirtschaftszweige befragt hat. Laut KfW ging es dabei neben Dokumentations- und Informationspflichten auch um die Zeit, die Unternehmen für die Befolgung von Gesetzen und Regeln benötigen. Nicht inbegriffen seien hingegen Belastungen, die sich nicht oder kaum in Arbeitszeit erfassen lassen – also zum Beispiel langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren, schlechte Behördenerreichbarkeit oder die strittige Auslegung von Vorschriften.
„Speziell diese psychologischen Kosten im Umgang mit Bürokratie nehmen aber eine tragende Rolle ein“, sagt Michael Schwartz, Mittelstandsexperte bei der KfW. Er weist darauf hin, dass der „Faktor Bürokratie“ aus Sicht der Unternehmen „das mit Abstand größte Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit und den Standort Deutschland“ ist. Die Förderbank hat zudem ermittelt, dass Solo-Selbstständige mit 8,7 Prozent den größten bürokratischen Aufwand haben. Eine Branche, die besonders viel Arbeitszeit – nämlich 8,1 Prozent – auf bürokratische Prozesse verwendet, sei das Baugewerbe. Die Studie zeigt auch: Gemessen an einem Wert von 41,30 Euro pro Arbeitsstunde (Daten des Statistischen Bundesamtes für 2023) gaben die Unternehmen rund 61 Milliarden Euro für die Erfüllung sämtlicher gesetzlicher Vorgaben aus. (AML) W