FH Italien Special 2026

Page 1


Offizieller Kooperationspartner der FRUIT LOGISTICA 2026 Halle 5.2 Stand A-50

30. JANUAR 2026 N. 04 I 2026

04 I TALIEN AUF DER FRUIT LOGISTICA

08 Jingold: „Jeder Moment ist ein guter Moment für eine Kiwi“

09 Jingold: From promotions to new products

13 VIP Vinschgau blickt auf 2026: Eine Saison voller Chancen und Herausforderungen

18 Melinda: Fruchtige Innovation auf der Fashion Week

19 Melinda goes Milano

20 Apofruit: „Wir haben alles richtig gemacht“

21 Apofruit: Clear strategy, strong varieties

28 Eurocirce: Zwischen Klimadruck und Kontinuität

29 Eurocirce: Maintaining Italian quality standards in challenging times

30 Capp-Plast: Nachhaltige Lösungen für sicheren und effizienten Transport

31 Capp-Plast: Big boxes with big advantages for logistics

06 EVEN TS IN ITALIEN

16 Interpoma: Bozen als Stammplatz der Apfelwelt

17 Interpoma: the hub for apple expertise and application technologies

22 Macfrut: Neues Team, klare Themen und eine „kontinuierliche Begleitung“ der Aussteller

23 Macfrut‘s 43rd edition with fresh faces and focused formats

26 TuttoFood: Kategorien und Kontakte neu verknüpfen

27 A closer look at TuttoFood NEUE ENTWICKLUNGEN AUS ITALIEN

04 Fruitimprese-Präsident Mario Salvi über Wirkstoffe, Wendepunkte und den Wert von Qualität

06 Kiwis: Eine Kategorie zwischen Umbruch, Wachstum und Wertschöpfung

07 Trendobst: Traube

10 Der Apfel: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

12 Assomela lobt die „beste Qualität der vergangenen fünf Jahre“

12 The Apple Walk

14 Goldmedaille für den Südtiroler Apfel g.g.A.

24 Von wegen Nische: Bio-Anbau in Italien

32 Sizilien: Zwischen Spitzenprodukten und Strukturproblemen

34 Logistik: Wachsende Mengen, wachsender Druck

36 Zitronen aus Italien: Vielfalt mit verdreifachtem Handel

37 Citrusfrüchte aus Süditalien: Vorteile mit Nebenwirkungen

38 UNESCO-Weltkulturerbe: Gute Küche entsteht auf dem Feld

38 IMPRESSUM

Titelfoto: siculodoc/Adobe Stock

Von Wirkstoffen, Wendepunkten und dem Wert von Qualität

Fruitimprese ► Es passiert viel in der Welt, und während dieses Special sich speziell mit Italien auseinandersetzt, so sind doch viele Ereignisse nicht national begrenzt. Mit Fruitimprese-Präsident Marco Salvi hatte ich Gelegenheit, mich über Entwicklungen in Italien, Europa und der Welt und deren Auswirkungen auf die italienische Obst- und Gemüsebranche auszutauschen.

Inga Detleffsen

„Bei Citrusfrüchten, vor allem Zitronen, zahlt es sich für Italien aus, dass unsere Landwirte wieder verstärkt auf die Qualität der Früchte achten“, so Marco Salvi.

Signor Salvi, italienische O+GExporte sind 2025 in den ersten neun Monaten im Volumen gestiegen, doch die Handelsbilanz ist negativ. Ist diese Entwicklung positiv oder ein Alarmsignal?

Marco Salvi: Die Medaille hat zwei Seiten: Unsere Exporte wachsen sogar noch stärker als im Rekordjahr 2024, als wir erstmals die 6 Mrd Euro überschritten, doch gleichzeitig zeugen die steigenden Importe von Produktionsschwierigkeiten. In den ersten neun Monaten 2025 sind Frischobst-Importe in der Menge gesunken, aber im Wert empfindlich gestiegen, was die europaweite Verknappung zeigt. Bei Nüssen und Trockenobst haben sich die Importe um 18,8 % in der Menge erhöht, da in Italien durch Starkregen die Produktion in den

wichtigsten Anbaugebieten deutlich geringer ausgefallen ist, doch da die Türkei selbst mit Ernterückgängen zu kämpfen hat, sind diese Importe gleichzeitig um 50 % im Wert gestiegen. Bei Kartoffeln und Gemüse importieren wir zunehmend Ware, vor allem aus nordafrikanischen Ländern, die geringere Produktionskosten haben, insbesondere für Arbeitskräfte.

Was kann Italien dem steigenden Wettbewerbsdruck entgegensetzen?

Leicht wird es sicher nicht, denn die Importe von Sommergemüse sind in den vergangenen fünf Jahren um über 50 % gestiegen, bei Möhren und Zwiebeln haben sich die Importe vervierfacht. Das liegt einerseits an den Produktionskosten, andererseits daran, dass unsere Wettbewerber mehr Wirkstoffe im Anbau einsetzen dürfen. Der Anbau wird in Italien zunehmend schwieriger: Es gibt weniger Arbeitskräfte, die höhere Löhne haben als in Nordafrika, Spanien oder Osteuropa. In der Folge verzeichnet Italien selbst im Sommer, wo wir z.B. bei Tomaten, Paprika, Zucchini, Karotten und Salaten führend waren, einen massiven Zustrom ausländischer Erzeugnisse.

Frischobst hingegen verzeichnet im Export starkes Wachstum. Welche Faktoren sind an dieser positiven Entwicklung beteiligt? Dies ist sicherlich auf die hervorragende Exportentwicklung bei Äpfeln zurückzuführen, die bei Qualität und Mengen eine sehr gute Kampa-

gne verzeichnen konnten. Auch die Kiwi-Exporte erholen sich nach einem schwierigeren Jahr, wobei hier gelbe Sorten, aber auch neue grüne Varietäten tonangebend sind. Bei Steinobst haben wir gute Exportergebnisse erzielen können, auch wegen des frostbedingten Rückgangs unseres größten Mitbewerbers Spanien. Bei Citrusfrüchten, v.a. bei Zitronen, gewinnt Italien wieder an Bedeutung – hier zahlt sich aus, dass unsere Landwirte verstärkt auf die Qualität der Früchte achten.

Während Äpfel, Kiwis und Citrusfrüchte teils zweistellig wachsen, schwächeln Trauben – ist dies kurzfristig oder handelt es sich um ein strukturelles Problem?

Die vergangene Traubenkampagne war kompliziert: Erst sah es gut aus, so dass zu Beginn der Saison auf ein ähnliches Ergebnis wie das der 2024er-Kampagne gehofft wurde. Dann wurde es jedoch zunehmend schwieriger: Die Mengen waren gut, doch durch klimatische Entwicklungen reiften die Früchte in einem Maße, dass letztendlich alles gleichzeitig geerntet werden musste. Die Betriebe mussten in kürzester Zeit Arbeitskräfte finden und große Mengen verarbeiten – einige Trauben konnten gar nicht erst geerntet werden. Das hat die Qualität und Haltbarkeit der Früchte stark beeinträchtigt. Für die Erzeuger war das ein unvorhersehbarer Schock, der sich in der Zukunft sogar wiederholen könnte, wenn hier keine Lösungen gefunden werden.

Foto: ChiccoDodiFC/AdobeStock

Was macht Äpfel und Kiwis als Kategorie so stark? Und was könnte man davon auf andere Kategorien adaptieren?

Die Antwort ist klar: Entscheidend sind Qualität und der Wiedererkennungswert – darauf müssen wir uns fokussieren. Club-Äpfel und gelbe Kiwis sind das Vorbild, auch bei Citrus gibt es zunehmend Exklusivsorten. Alle haben eine durchgehend hohe Qualität und einen wiedererkennbaren Geschmack. Pfirsich- und Nektarinenproduzenten arbeiten ebenfalls daran, süßere, geschmackvollere Sorten anzubauen. Bei Trauben ist das Thema vielschichtiger: Zweifelsohne sind kernlose Trauben Gegenwart und Zukunft, doch in einigen Fällen wird der Markt mit unterschiedlichen Sorten überschwemmt, so dass der Konsument den Überblick verliert und kernlose Trauben als Massenware, als Commodity wahrnimmt, statt die qualitativ besten Sorten zu bevorzugen.

Während Äpfel Bestleistungen erzielen, kommen Birnen aus der Krise nicht heraus. Sollten klassische Sorten neuen Züchtungen oder gar anderen Produkten Platz machen?

Die EU-Entscheidung zu neuen genomischen Techniken (NGT) haben Sie mit „Wir in Italien sind bereit“ kommentiert und positiv bewertet. Was bedeutet die Zulassung konkret für Italien?

Die NGT könnten einen Wendepunkt für die globale Landwirtschaft darstellen. Wenn wir über die sog. NGT1 sprechen, wo Eingriffe mit herkömmlicher Züchtung gleichgesetzt werden, ist es eine beachtliche Beschleunigung von etwas, das der Mensch seit Jahrhunderten mit traditionellen Methoden macht. Es ist ein Verfahren, das wir als „natürlich“ bezeichnen können, und dass uns in Anbetracht der erzielten Ergebnisse ermöglichen wird, Produkte anzubauen, die weniger Ressourcen wie Licht oder Wasser, aber auch weniger oder überhaupt keine chemischen Stoffe mehr benötigen, da sie natürliche Resistenzen gegenüber Krankheiten und Klimaschwankungen haben. Der einzig kritische Punkt ist aktuell die Umsetzung: Für eine großflächige Produktion braucht es womöglich über zehn Jahre, und bis dahin müssen wir die Anforderungen an den Anbau mit den Schäden durch Klima, Krankheiten und Insekten unter einen Hut bringen.

Kommen wir zu einer weiteren wichtigen Entscheidung: dem Mercosur-Abkommen. Welche Auswirkungen wird dieses auf die italienische O+G-Branche haben? Nur sehr begrenzte, denn wie auch bei anderen Freihandelsabkommen wurden Zollbestimmungen nicht mit einem Abkommen zu Pflanzenschutzbestimmungen ergänzt. Aktuell können wir weiterhin keine Trauben nach Brasilien exportieren, den derzeit interessantesten Markt, solange die südamerikanischen Behörden nicht das Pflanzenschutzdossier genehmigen. Vergangenes Jahr haben wir endlich grünes Licht für Pflaumen bekommen – diese Freigabe hat zehn Jahre gedauert. Wenn Freihandels-

Wir setzen alles daran, den Anbau von Abate Fetel-Birnen zu retten –hier werden so viele Ressourcen eingesetzt, wie dies bei keiner anderen Sorte bisher getan wurde. Doch es ist eine sehr empfindliche Birne – sie leidet unter der Marmorierten Baumwanze, unter Pflanzenkrankheiten und unter Temperaturschwankungen. Das hat zu einem Teufelskreis geführt, der schwer zu durchbrechen ist: Um die Erzeuger von Rodungen abzuhalten, müssen wir hohe Preise erzielen, so dass Abate Fetel im Regal mehr als Birnen aus den Niederlanden oder Belgien kosten, die dann vom Konsumenten bevorzugt werden. Gerade wissen wir nicht, was die Zukunft bringt, doch in der Produktion und Vermarktung setzen wir alles daran, die Abate zu retten. Der größte Unsicherheitsfaktor liegt hier bei fehlenden Wirkstoffen, die benötigt werden, um Krankheiten und Insekten bekämpfen zu können.

abkommen gut begleitet werden, können sie für ein exportorientiertes Land wie Italien vorteilhaft sein, doch dann müssen sie getreu des Prinzips der Gegenseitigkeit alle Bereiche einschließen, sonst verschiebt sich das Gleichgewicht nur zugunsten einer Seite.

Thematisch passt dazu die Entscheidung Frankreichs, bestimmte O+G-Importe aus Drittländern zu stoppen, sofern diese mit in der EU verbotenen Wirkstoffen behandelt wurden. Was denken Sie darüber?

Das ist eine bislang beispiellose Entscheidung, denn im Vergleich zu vorherigen Maßnahmen betrifft dies nicht nur französische Ware, sondern auch ausländische. Mit dieser protektionistischen und WTO-fernen Handlung will Frankreich eine Reaktion der EU erzwingen, und die zeichnet sich bereits ab: Eine Nulltoleranzgrenze für Rückstände der Mittel Carbendazim, Benomyl und Thiophanat-methyl für importierte Citrusfrüchte, Mangos und Papayas könnte ab Mai gelten, damit Marktakteure noch Zeit hätten, sich anzupassen. Weitergehende Maßnahmen aus Brüssel bleiben jedoch aus, da es derzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Grundlagen für ein generelles Verbot aller von Frankreich gelisteten Wirkstoffe gibt. Als Präsident einer Vereinigung, die stets auf internationalen Handel ausgerichtet war, kann ich nur gegen solche Entscheidungen sein, die den Austausch unterbinden – auch zwischen europäischen Ländern,

FruitimpresePräsident Marco Salvi

Foto: Fruitimprese

denn auch Italien liefert jährlich tropische Früchte im Wert von rund 100 Mio Euro nach Frankreich. Es ist also eine Entscheidung, die man mit Blick auf das Reziprozitätsprinzip bei der Behandlung europäischer und importierter Erzeugnisse nachvollziehen kann, die jedoch zur falschen Zeit und in der falschen Art und Weise getroffen wurde. Uns ist bekannt, dass französische Branchenverbände die Maßnahme ihrer Regierung kritisiert haben und sich nun mobilisieren, um ihre Rechte und den freien Warenverkehr innerhalb der EU zu schützen. 

Kiwis

– eine Kategorie

Die Export-Entscheidung ist noch nicht reif: Bei Trauben wartet Italien weiterhin auf Brasiliens Genehmigung der Pflanzenschutzprotokolle.

zwischen Umbruch, Wachstum und Wertschöpfung

Marktentwicklung ► Italiens Kiwibranche befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Nach Schätzungen von CSO Italy wird für die laufende Kampagne 2025/26 eine Gesamtproduktion von 341.000 t erwartet, was einem Plus von 17 % gegenüber 2024 entspricht.

Was diese auf den ersten Blick positiven Zahlen nicht zeigen, ist der Strukturwandel im italienischen Kiwianbau, denn getragen wird das erwartete Wachstum vor allem von gelbfleischigen Kiwis, deren Produktion um fast ein Drittel (27 %) auf rund 128.000 t steigt. Rote Kiwis sind zwar weiterhin eine Nische, überschreiten mit zehnprozentigem Wachstum jedoch erstmals die Marke von 4.000 t. Auch grüne Kiwis legen mit 208.000 t noch um 11 % zu – allerdings bei gleichzeitig rückläufigen Anbauflächen. Die Zahlen verdeutlichen eine strategische Verschiebung hin zu meist lizensierten Premium-Sorten.

Deutschland weiter wichtigster Markt

Diese Entwicklung spiegelt sich auch im Außenhandel wider. Der italienische Kiwiexport blieb zuletzt auf einem stabilen Niveau von 217.000 t mit einem Gesamtwert

von 563 Mio Euro. Zwar gingen die ausgeführten Mengen leicht zurück, dies wurde jedoch durch einen deutlichen Anstieg der Durchschnittspreise um rund 30 % mehr als ausgeglichen – auch hier spielen vor allem gelbe Premium-Kiwis eine entscheidende Rolle. Deutschland bleibt laut CSO Italy wichtigster Absatzmarkt für die Vermarktung italienischer Kiwis.

Kiwisterben auch bei gelben Sorten beobachtet

Zu den positiven Signalen gesellen sich jedoch strukturelle Herausforderungen, besonders in der Region Latium, einem der wichtigsten Kiwianbaugebiete des Landes. Allein im vergangenen Jahr sind dort die Anbauflächen für grüne Kiwis um fünf Prozent zurückgegangen, was laut Zespri größtenteils auf das in Italien als „Kiwi-Moria“ bekannte Kiwi-

sterben bzw. Kiwifruit Vine Decline Syndrome (KVDS) zurückzuführen sei. In den vergangenen Jahren habe Italien dadurch landesweit über 8.000 ha Anbaufläche verloren, rund 30 % der ursprünglichen Kiwigebiete. Vor allem seien grünfleischige Sorten betroffen, doch auch bei gelben Varietäten sei die Krankheit nachgewiesen worden.

Flexibilität verspricht langfristigen Erfolg

Zusätzlich verschärfen klimatische Faktoren den Anpassungsdruck: häufigere Extremwetterereignisse, anhaltende Trockenperioden, Starkregen, Überschwemmungen sowie ein Mangel an ausreichenden Kältestunden im Winter zwingen die Erzeuger dazu, Produktionssysteme, Sortenwahl und Investitionsentscheidungen grundlegend zu überdenken. Der italienische Kiwimarkt zeigt, dass Wachstum nicht automatisch durch größere Anbauflächen kommen muss, sondern

Foto: Inga
Detleffsen

Die Produktion gelber Kiwis steigt in Italien um 27 % auf 128.000 t. Foto:

auch durch den Fokus auf Segmente mit höherer Wertschöpfung entstehen kann. Dass auch die erfolgreichen gelbfleischigen Kiwis nicht dauerhaft frei von phytosanitären Risiken oder wachsendem Wettbewerbsdruck bleiben werden, ist absehbar. Zugleich verdeutlicht die aktuelle Entwicklung des Angebots italienischer Kiwis, dass Sorteninnovation, Markenentwicklung und Anpassungsfähigkeit zentrale Trümpfe der Branche sind. Diese dürften auch künftig eine wichtige Rolle spielen, um auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren. id

articolo_unacoa copia.pdf 1 13/01/26 09:45

KONSUM

Trendobst: Traube

Trauben sind laut Mario Schiano die einzigen Produkte, die auch jüngere Konsumenten überzeugen: Wie der Ismea-Analyst beim Event Regina di Puglia im Jahr 2025 erklärte, sind Traubenkäufe in Italien zwischen 2023 und 2024 um 4,6 % in der Menge und um 10,4 % im Wert gestiegen. Besonders inte ressant: Verpackte Trauben, die 2020 noch 27 % Marktanteil hatten, kommen inzwischen auf 47 %. Gerade Familien mit kleinen Kindern grif fen in Italien häufiger zu (+18,9 %), bei der Altersgrup pe 35-44 stiegen die Einkäufe um 8,8 %. Als Gründe nannte er neben dem unkomplizierten Konsum – Stichwort Snackification – auch den Vorteil der Verpackungen, die für Transport und Marketing gleichermaßen nützlich seien.

Foto:
NIKCOA

„Jeder Moment ist ein guter Moment für eine Kiwi“

Jingold ► Winterzeit ist Kiwizeit – vor allem, wenn sie wie beim italienischen Spezialisten aus der Emilia-Romagna zu 90 % in der Nördlichen Hemisphäre angebaut werden. Marketingmanager Federico Milanese gibt uns einen Einblick in aktuelle Projekte. Kleiner Spoiler: Es geht nicht nur um Kiwis!

In den vergangenen Wochen war Jingold im deutschen Markt sehr präsent: „Deutschlandweit waren wir mit gelben und roten Kiwis bei Edeka sowohl in den ‚Superknüller‘Angeboten als auch mit Couponing in der App vertreten. Mit Netto haben wir ebenfalls Werbeaktionen gestartet, inklusive eines landesweit ausgestrahlten Videos, und in der BILD war eine Jingold-Anzeige zu sehen. Es gab regionale Aktionen mit speziellen Displays zum Start des neuen SpongeBob-Films und weitere Aktivitäten zur Verkaufsförderung unserer gelben und roten Kiwis“, fasst der Marketingleiter zusammen. Zum Filmstart habe man die Verpackungen mit Sonderetiketten versehen, über deren QRCode Konsumenten Kinokarten für „SpongeBob: Piraten Ahoi!“ und andere Gadgets gewinnen konnten.

Co-Branding mit Wiedererkennungswert

Grundsätzlich seien Gewinnspiele und bekannte Figuren wirkungsvoll; auffällige Etiketten, Themendisplays und z.B. Taschen mit SpongeBob-Motiv erhöhten die Aufmerksamkeit am PoS zusätzlich und sprächen gezielt Familien an. Die Zusammenarbeit mit SpongeBob fügt sich konsequent in die Markenstrategie von Jingold ein: Man setze seit jeher auf aufmerksamkeitsstarke Aktionen, die sich auch an Familien und jüngere Zielgruppen richten, erläutert Milanese, und SpongeBob stehe für Neugier, Entdeckergeist und positive, ehrliche Werte – Eigenschaften, die gut zu Jingold passten. Ob die Aktion die Absätze messbar beeinflusst haben, lässt sich kaum isolieren. „Es

85 % der Kiwis im JingoldPortfolio sind gelbe Sorten.

ist ein besonderes Jahr mit insgesamt höheren Volumina, bei gleichzeitig langsameren Abverkäufen. Da ist es schwierig, den Effekt einer einzelnen Kooperation eindeutig zu messen“, ordnet Milanese ein.

Qualität bis ins Regal

90 % der Jingold-Kiwis stammen aus der Nördlichen Hemisphäre, aktuell stellen gelbe Kiwis mit einem Anteil von 85 % weiterhin das Kerngeschäft dar, die verbleibenden 15 % bestehen aus roten und grünen Sorten, gibt er einen Überblick. Über alle Farben hinweg überzeugten die Jingold-Kiwis jedoch nicht nur im Geschmack: „Unsere Früchte zeichnen sich dadurch aus, dass wir durchgehend hohe Qualität liefern.“ Diese werde durch strenge Kontrollen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abgesichert – beginnend bei den Pflanzen vor dem Anbau, über Bodenanalysen und die kontinuierliche Begleitung der Erzeuger durch eigene Agrartechniker. „Nur wenn alle Parameter unseren Standards entspre-

chen, geben wir grünes Licht für die Ernte“, so Milanese. „Damit hören unsere Kontrollen nicht auf: Auch in der Verarbeitung, bis zum Warenausgang, prüfen wir die Früchte penibel, damit jede Kiwi perfekt im Regal landet“, führt er aus.

Avocado-Ausbau

Und wie genießt er so eine perfekte Kiwi dann am liebsten? Milanese hält es einfach: „Schälen und in große Stücke schneiden oder auslöffeln. Ich würde sie weder kochen noch pürieren – so kommt der feine Geschmack am besten zur Geltung. Aber am Ende gilt: Jeder Moment ist ein guter Moment für eine gute Kiwi“, stellt er fest. Unser Austausch endet mit einem Ausblick zum Abschluss: Auf der FRUIT LOGISTICA wird Jingold erstmals auch in Italien angebaute Avocados vorstellen, die das Unternehmen neben Kiwis unter der Marke „Avocado Italiano by Jingold“ vermarktet. id

Halle 2.2, Stand A-10

Foto: Jingold

From promotions to new products

Jingold ► Winter is kiwi season – especially when, as is the case with the Italian specialist from Emilia-Romagna, around 90% of production comes from the Northern Hemisphere. Marketing Manager Federico Milanese shares insights into current projects. A small spoiler: it’s not just about kiwis.

In recent weeks, Jingold has been particularly visible in the German market. “Nationwide, our yellow and red kiwis were featured in Edeka’s Superknüller promotions, complemented by couponing offers in the Edeka app,” Milanese explains. Promotional campaigns were also rolled out with Netto, including a video broadcast nationwide, while a Jingold advertisement appeared in BILD. In addition, regional activities with specially designed in-store displays accompanied the launch of the new SpongeBob film. Further displays were deployed nationwide to support sales of Jingold’s yellow and red kiwis. To mark the film release, packaging featured labels with QR codes that allowed consumers to win cinema tickets for “SpongeBob: Search for Square Pants“; additional prizes were offered online.

Co-branding with high recognition

In marketing, prize draws and wellknown characters are generally considered effective tools. Eyecatching labels, themed displays and gadgets – such as bags featuring SpongeBob motifs – further increase attention at the point of sale and appeal in particular to families. The collaboration with SpongeBob fits consistently into Jingold’s brand strategy. The company has long relied on impactful and creative marketing initiatives that also address families and younger target groups, Milanese notes, adding that SpongeBob stands for curiosity, a spirit of exploration and positive, honest values – qualities that align well with Jingold. Whether the campaign had a clearly measur-

able impact on sales is difficult to isolate. “It‘s a special year, with overall higher volumes but slower sellthrough. In that context, it is difficult to measure the effect of a single cooperation,” Milanese explains.

Quality as a constant

90% of Jingold kiwis come from the Northern Hemisphere. At present, yellow kiwis remain the core business, accounting for around 85% of volumes, while the remaining 15% consist of red and green varieties. Across all colours, Jingold kiwis aim to impress not only in terms of flavour. “Our fruit stands out because we deliver consistently high quality,” Milanese stresses. This is ensured through strict controls along the entire value chain – starting with the plants before cultivation, continuing with soil analyses and the ongoing support of growers by Jingold’s own agronomic technicians. “Only when all parameters meet our standards do we give

the green light for harvesting,” he says. “And our controls do not stop there: during processing and right up to dispatch, we check the fruit meticulously to ensure that every kiwi arrives on the shelf in perfect condition.”

Expanding into avocados

And how does he personally prefer to enjoy a perfect kiwi? Milanese keeps it simple: “Peel it and cut it into large pieces or scoop it out with a spoon. I wouldn’t cook or purée it – that’s when the delicate flavour gets lost. But in the end, every moment is a good moment to eat a good kiwi.”

The conversation concludes with a look ahead: at FRUIT LOGISTICA in Berlin, Jingold will for the first time present avocados grown in Italy. Alongside kiwis, the company will market them under the brand “Avocado Italiano by Jingold”. id

Hall 2.2, Stand A-10

This winter, Jingold has been active in the German market with promotions and activities linked to the new SpongeBob movie.

Foto: Sebastian Felici

Der Apfel: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

VOG | Foodtrends ► Schon in der Bibel kam dem Apfel eine entscheidende Rolle zu, und noch heute steht er als liebstes Obst der Deutschen im Lebensmittel-Mittelpunkt. Dass er darüber hinaus noch ein Trendsetter ist, zeigte Ernährungswissenschaftlerin und Foodtrendforscherin Hanni Rützler zum Jubiläumsevent des Verbands der Südtiroler Obstgenossenschaften VOG und ordnete zentrale Makroentwicklungen im Konsumverhalten ein.

Schneller Snack oder Mini-Mahlzeit? Gesund und im Trend ist der Griff zum Apfel allemal.

Diese übergeordneten „Megatrends“ bilden komplexe Veränderungen in unserem Zusammenleben ab. Dazu gehört die sog. Ökointelligenz, bei der es um die Verbindung von Mensch und Natur gehe und darum, wie wir ebendiese Verbindung wahrnehmen. „Wir müssen nachhaltigere Wege finden, die Ökologie und soziale Ökonomie vereinbaren“, betonte Hanni Rützler. Als weiteren Trend führte sie „Gesundheit“ auf – über reine Krankheitsvermeidung hinaus als ganzheitliches Wohlbefinden von Mensch und Umwelt, wo Prävention und Regeneration – auch mithilfe digitaler Technologien – eine Schlüsselrolle spielten. „Diese Idee geht über die

persönliche Vorstellung von Gesundheit hinaus. Diesen Wandel müssen wir lernen zu verstehen“, betonte die Foodforscherin. Während die Globalisierung weiterhin Entwicklungen beschleunige, führe sie auch zur Rückbesinnung auf regionale Produktionskreisläufe, erklärte Hanni Rützler eine weitere Strömung in der Gesellschaft. Auch das Bedürfnis nach Sicherheit nehme zu und wirke sich auf die Nahrungsmittel-Wertschöpfungsketten aus: „Das Thema ist zurück auf der Agenda und wird durch den Klimawandel wichtiger. Wir müssen widerstandsfähiger werden“, war sich Hanni Rützler sicher.

Storytelling mit einer „Sprache der Freude”

Neben übergeordneten Entwicklungen sprach die Foodforscherin über konkrete Ernährungstrends. Diese entstünden als Antworten auf Probleme und Bedürfnisse in der Gesellschaft und hielten durchschnittlich 15 Jahre an, ging sie ins Detail. Aus elf Trends wählte sie drei und startete mit „Vielfalt und Fachkompetenz“: Angesichts einer Überzahl an Informationen und sich wandelnder Lebensstile sei die Herausforderung, Inhalte verständlich zu vermitteln. Storytelling und eine „Sprache der Freude“, die auf sinnliche Erfahrungen statt auf nüchterne Fakten setze, könnten dabei eine Rolle spielen. Der bereits erwähnte Megatrend „Gesundheit“ spiegele sich auch in der Ernährung wider, führte Hanni Rützler als weiteren Trend aus. Gesunde Ernährung werde dabei ganzheitlich gedacht –nicht nur individuell, sondern auch

kollektiv und im Sinne der planetaren Gesundheit. Der bekannte Satz „An apple a day keeps the doctor away“ stehe in diesem Zusammenhang als Metapher für einen verantwortlichen Umgang mit sich selbst und der Umwelt. Noch sei dieser Ansatz jedoch kein Mainstream, betonte sie: „Hier ist ein kollektives und globales Handeln gefragt.“

Kreisläufe, Snacks und kollektive Verantwortung

Abschließend kam sie auf Lebensmittelkreisläufe zu sprechen. Hier sei ein Umdenken wichtig: Betrachte man Abfall als Ressource, gebe es letztendlich gar keinen Abfall als solchen mehr. Als weiteren Trend führte sie die „Snackification“ an, bei der traditionelle Mahlzeiten an Struktur verlieren und Grenzen zwischen Mahlzeiten und Snacks verblassten. Darin sah sie eine Entwicklung, die Raum für neue, auch gesündere Formen des Snacking eröffnen könne. All diese Trends seien bereits präsent und Vorboten eines Wandels. „Wir tragen die Zukunft schon in uns: Sie zeigt sich in den Entscheidungen, die wir treffen, in den Lebensmitteln, die wir essen – und sie ist eine kollektive Verantwortung“, betonte die Foodforscherin abschließend. Der Apfel taucht dabei in vielen dieser Trends ganz selbstverständlich auf – in Fragen regionaler Produktion, der Gesundheit und planetarer Verantwortung ebenso wie im veränderten Essverhalten. Ein gutes Indiz dafür, dass er auch weiterhin für die Menschen eine wichtige Rolle spielen wird – diesmal hoffentlich ohne Schlangen und Skandale. 

Foto: Armin Huber / VOG
Crimson

Assomela lobt die „beste Qualität der vergangenen fünf Jahre“

Marktupdate ► Die italienische Apfelproduktion hat sich im Jahr 2025 auf einem stabilen Niveau gehalten. Wie der Verband der italienischen Apfelproduzenten Assomela nach der Sitzung ihres Marketingkomitees am 13. Januar mitteilt, belief sich die Gesamternte auf 2.317.715 t und lag damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber der im Dezember kommunizierten Schätzung falle das Endergebnis sogar leicht höher aus.

Besonders dynamisch entwickelt haben sich 2025 Italiens Clubsorten mit +17 %.

Regional betrachtet verzeichnete insbesondere Südtirol mit 1.057.000 t ein Plus von 2 %, während Trentino um 8 % auf 517.411 t zulegen konnte. Rückgänge wurden unter anderem in Venetien (-14 %) und im Piemont (-10 %) registriert. Die Bio-Produktion sank laut Assomela im Vergleich zu 2024 um 7 % auf 174.387 t. Auf Sortenebene blieb Golden Delicious mit 660.934 t die wichtigste Sorte, auch wenn sie ein leichtes Minus von 1 % verzeichnete. Deutlich rückläufig entwickelte sich Red Delicious (–18 %), die mit 163.180 t den niedrigsten Produktionswert der vergangenen vier Jahre erreichte. Zulegen konnten dagegen Fuji (+2 %) sowie Cripps Pink, die auf

148.680 t kam. Besonders dynamisch entwickelten sich erneut die Clubsorten, die mit über 319.000 t ein neues Produktionshoch erreichten (+17 %).

Beste Qualität seit fünf Jahren

Die allgemeine Apfelqualität wird von Assomela als sehr gut beschrieben – sie sei „die beste der vergangenen fünf Jahre“, insbesondere mit Blick auf Farbe und Kaliber. Rund 2.037.445 t entfielen auf Tafeläpfel, was einem Plus von 2 % entspricht. Die für die Verarbeitung bestimmten Mengen gingen hingegen um 15 % auf 280.269 t zurück. Der Markt zeige sich für traditionel-

MARKETING

le Sorten aufnahmefähig, mit einem schnelleren Abbau der Lagerbestände als ursprünglich geplant. Auch der Absatz der Clubsorten liege im Rahmen der vorgesehenen Vermarktungspläne, so Assomela. Der italienische Inlandsmarkt entwickle sich erwartungsgemäß. Besonders positiv beurteilt der Verband die Entwicklung auf den außereuropäischen Exportmärkten, die zum Rekordergebnis des Jahres 2025 beigetragen hätten. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Assomela moderat optimistisch für den weiteren Verlauf der Kampagne und erwartet auch auf europäischer Ebene ein insgesamt stabiles Marktumfeld. 

Zwischen Obstbau und Erlebniswelt: „The Apple Walk“

In Südtirol zeigen Apfelbauern, wie sich Landwirtschaft und Erlebnis verbinden lassen: Der interaktive Lehrpfad „The Apple Walk“ in Partschins führt auf rund 3,4 km durch Apfelgärten und macht mit zwölf Stationen Wissen über Sorten, Anbaumethoden und Ökologie erlebbar. Wanderer scannen QR-Codes, sehen erklärende Videos und beantworten Quizfragen – und können am Ende ein kleines Apfel-Insektenhotel mitnehmen. Das Konzept verknüpft Produktionswissen, Nachhaltigkeit und Regionalerlebnis und schafft so neue Berührungspunkte zwischen dem landwirtschaftlichen Alltag und Konsumenten außerhalb klassischer Einkaufssituationen.

Foto: VIP

Vinschgau

VIP Vinschgau blickt auf 2026: eine Saison voller Chancen und Herausforderungen

VIP – Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse – schließt das Jahr mit positiven Aussichten und einer guten Qualität ab. Das Ziel? Die Rolle als First Class Apple Partner in Europa weiter stärken.

Für VIP endet das Jahr 2025 mit einer Geschichte, die von klaren Perspektiven und vielversprechenden Möglichkeiten erzählt. Der Verband der Vinschgauer Obstgenossenschaften startet unter optimalen Bedingungen in das Jahr 2026.

Im Mittelpunkt der Strategie bleibt ein unveränderter Grundsatz: Qualität als tägliches Versprechen. Eine im Vergleich zum Vorjahr nochmals gesteigerte Qualität zeigt sich in einem höheren Anteil für den Frischmarkt, einer verbesserten Ausbeute der ersten Qualität sowie in einer intensiveren Färbung. Hervorragende organoleptische Eigenschaften unterstreichen einmal mehr die Besonderheit des Vinschgaus – eines Anbaugebietes, das für unverwechselbare Äpfel steht.

Auf den internationalen Märkten zeigt sich in diesem Jahr ein dynamisches und differenziertes Bild. In Deutschland führt eine größere heimische Apfelernte und eine höhere Eigenversorgung zu Auswirkungen auf die Nachfrage bei VIP, insbesondere bei Sorten, die traditionell am deutschen Markt positioniert sind, wie et-

wa Kanzi®, Bonita oder Gala, sowie im Bio-Segment, in dem Deutschland zu den Hauptmärkten zählt. Andererseits eröffnen sich für VIP Chancen in Märkten mit unzureichender Eigenproduktion, wie etwa Spanien. In diesem komplexen Marktumfeld bleibt Golden ein verlässlicher Anker. „Die Golden-Produktion ist sowohl auf europäischer als auch auf italienischer Ebene gut auf die Marktnachfrage abgestimmt – ein ausgesprochen positives Signal für unsere wichtigste Sorte.“

Was all diese Aspekte verbindet, ist die langfristige Vision von VIP: ein Modell aufzubauen, das Qualität, Verantwortung und Marktkompetenz miteinander vereint. Dieser Ansatz zeigt sich in der engen Zu-

sammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel, in gezielten Kommunikationsprojekten und in einer sorgfältigen Planung, die Verfügbarkeit und Wertschöpfung in Balance hält.

Wenn 2025 ein Jahr war, das Ordnung und Klarheit gebracht hat, öffnet sich 2026 mit einem Versprechen: weiterhin Äpfel zu produzieren, die ein ganzes Gebiet erzählen – sein Klima, seine Tradition und das Engagement vieler Familien über Generationen hinweg. Für VIP ist Qualität kein Ziel, sondern ein Weg. Und dieser Weg führt die Vinschger Äpfel auch im neuen Jahr wieder nach ganz Europa.

VI.P Gen. landw. Gesellschaft Hauptstraße 1/c39021 Latsch (BZ)Italien Kontakt: marketing@vip.coop

Goldmedaille für den Südtiroler Apfel g.g.A.

Marketing ► Wenn die FRUIT LOGISTICA endet, startet ein anderes Event von internationaler Bedeutung: Die Olympischen Spiele, die vom 6. bis 22. Februar in Mailand und Cortina D‘Ampezzo stattfinden. Millionen Menschen aus aller Welt blicken dann auf Italien – ein Großteil wird die Wettkämpfe per TV und Streaming verfolgen, doch auch vor Ort wird sicherlich massenhaft mitgefiebert.

Inga Detleffsen

Kulinarisch ganz weit oben: der Südtiroler Apfel g.g.A. ist Italiens erfolgreichstes Produkt mit EU-Herkunftssiegel in der Kategorie Obst & Gemüse.

KI-generiertes Bild

Wer sportelt oder zuschaut, lebt nicht von guter Bergluft allein, und so wurden kulinarische Spitzenprodukte vergangenes Jahr zum Nebenschauplatz der Olympischen Spiele: Rekordverdächtige 3,4 Mio Euro hat Südtirol unter Beteiligung der einzelnen Konsortien laut der Tageszeitung Südtirol News investiert, um offizieller Sponsor der Olympischen Spiele Mailand-Cortina 2026 zu werden. Die Verhandlungen waren erfolgreich: IDM Südtirol ist nun Partner der Spiele, gar „Wegbereiter“, wie Andrea Varnier, CEO der Olympischen Spiele in Mailand-Cortina, es ausdrückt. „Die Zusammenarbeit wird die Verbindung zu den Gastgebergemeinden stärken, die ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung sind.“ Gemeinsam mit der Provinz Südtirol habe IDM Südtirol einen Vertrag ausgehandelt, der – vermutlich ungeplant passend zu den fünf Ringen – fünf

typische Südtiroler Produkte umfasst: Südtiroler DOC-Wein, den Südtiroler Apfel g.g.A., Südtiroler Speck g.g.A., das Südtiroler Schüttelbrot g.g.A. und den Stilfser Käse g.U. Diese dürfen während der Spiele an allen offiziellen Veranstaltungsorten verkauft und ausgeschenkt werden, berichtet die Tageszeitung Buongiorno Südtirol.

Sichtbarkeit für Spitzenprodukte

Das Ziel der Initiative ist klar: Eine stärkere Sichtbarkeit der Südtiroler Qualitätsprodukte, die im Zuge der medialen Aufmerksamkeit weiter an Bekannt- und Beliebtheit zulegen sollen. Das dürfte gelingen, denn wie Südtirol News berichten, darf das Logo in der gesamten Olympia-Kommunikation in Italien mit den offiziellen Emblemen auftreten – also auf Plakaten genauso wie beim Public Viewing. Zum ersten Mal finden Wettkämpfe dabei auch direkt in Südtirol statt, und das Catering, z.B. in Antholz, werde ebenfalls bevorzugt lokale Produkte aus Südtirol verwenden.

Siegertreppchen für den Südtiroler Apfel g.g.A.

Dabei hat der Südtiroler Apfel g.g.A. schon seine ganz eigene Goldmedaille verdient: Ende 2025 veröffentlichte das Statistikinstitut Ismea einen Bericht über die Entwicklung italienischer Lebensmittel mit den europäischen Herkunftssiegeln DOP (g.U.) sowie IGP (g.g.A.). In der Kategorie Obst und Gemüse lag der Südtiroler Apfel g.g.A. im Ranking des Insti-

tuts auf dem Treppchen ganz oben, die Äpfel hatten in allen betrachteten Kategorien zweistellige Wachstumszahlen erreicht: Die Produktion sei 2024 gegenüber 2023 um 12,9 % auf 181.875 t gestiegen, der Wert wuchs im exakt gleichen Verhältnis, sowohl im Anbau (91 Mio Euro) als auch im Verkauf (180 Mio Euro). Im Export zeigte sich die größte Steigerung, wo der Südtiroler Apfel g.g.A. von 98 Mio Euro (2023) auf 145 Mio Euro (+48,3 %) zulegte. Für diesen Erfolg wurde bereits 2005 der Grundstein gelegt, als zunächst elf Sorten aus Südtirol das g.g.A.-Siegel der EU erhielten. 2013 kamen zwei weitere Sorten hinzu, und pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum erhielten weitere vier Varietäten das begehrte Herkunftssiegel – Bonita, Ipador, CivM49 sowie SQ159 – so dass der Südtiroler Apfel g.g.A. heute nun insgesamt 17 Sorten umfasst. Angebaut werden diese von über 6.000 Landwirten unter bekannt günstigen Bedingungen: Südtirol bietet den Äpfeln nicht nur viel Sonne, sondern auch kühle Nächte und warme Tage, was für Farbe und Aroma gleichermaßen förderlich ist. Doch allein die Herkunft ist nicht ausreichend, um das g.g.A.-Siegel tragen zu dürfen: Regelmäßig prüft eine unabhängige Stelle, ob die Äpfel klar definierte Qualitätsmerkmale – darunter Größe, Färbung oder Zuckergehalt – erfüllen, auch die Anbaumethoden werden kontrolliert. Im Markt hat der Südtiroler Apfel g.g.A. so bereits 2024 die Goldmedaille gewonnen – Olympia 2026 bietet nun die passende Bühne, um die Spitzenleistung auch international noch sichtbarer zu machen. 

Foto:

Dein Genuss ist für uns Familienangelegenheit.

Aus Südtirol. Für Dich.

Bozen als Stammplatz der Apfelwelt

Interpoma ► Sofern Sie auf irgendeine Art und Weise mit Äpfeln zu tun haben, ist der Termin vermutlich schon dick in Ihrem Kalender markiert – aber zur Sicherheit hier noch einmal: 2026 ist ein Interpoma-Jahr! Vom 25. bis 27. November, also diesmal bereits ab Mittwoch, wird Bozen mit der internationalen Fachmesse zum 14. Mal Treffpunkt der Apfelbranche.

Im Jahr 2024 konnte die Messe weiteres Wachstum verzeichnen: 400 Aussteller aus 20 Ländern waren in Bozen vertreten, ein Plus von 9 % gegenüber 2022. 16.000 Besucherinnen und Besucher aus über 60 Ländern (+3 %) fanden ihren Weg in die Messehallen. Schwerpunkt der Interpoma soll in diesem Jahr der Bereich der Anwendungstechnologien sein, um den Apfelanbau in Zukunft „noch nachhaltiger und effizienter“ zu gestalten, erklärt Thomas Mur, Direktor der Messe Bozen. Dieser Schwerpunkt findet sich an unterschiedlichen Punkten der Messe wieder.

Anwendungstechnologien der Zukunft

Etwa am ersten Tag des Interpoma Congress: 2024 lagen die Schwerpunkte bei neuen Züchtungstechniken und digitalen Lösungen für den Obstanbau. In diesem Jahr steht mit „Spraying Technologies“, also der Sprühaufbringung von Pflanzenschutz- oder anderen Mitteln, erneut ein relevantes Thema im Fokus. An Tag 2 setzen sich die Vortragenden mit Lateinamerika auseinander – angesichts des Mercosur-Abkommens ist auch hier mit spannenden Beiträgen zu rechnen. Wie in den Vorjahren, wird der Kongress von Walter Guerra koordiniert, dem Leiter der Arbeitsgruppe Pomologie am Versuchszentrum Laimburg. Anwendungstechnologien sind auch Thema des Interpoma Award, bei dem eine Expertenjury die innovativsten Technologielösungen für Sprühanwendungen auswählt. Die Messebesucher können sämtliche Ideen, die für den Award kandidieren, auf der H1-Ausstellungsfläche

Branchentreffpunkt in

Südtirol: Im November öffnet die Interpoma zum 14. Mal ihre Tore.

kennenlernen und mit dem Visitors‘ Choice Award sogar selbst zur Jury werden, indem sie ihre Stimme für das für sie überzeugendste Konzept abgeben.

Touren und ipomaMagazin wieder dabei

Fortgesetzt werden 2026 die beliebten Interpoma-Touren: Mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, z.B. Besichtigungen lokaler Produktions- oder Lagerstätten, haben internationale Teilnehmende die Möglichkeit, gute Praktiken des weltweit erfolgreichen Südtiroler Apfelanbaus aus nächster Nähe kennenzulernen und Fachwissen mit lokalen Experten auszutauschen. Auch das ipomaMagazin kehrt in vierter Auflage zurück, diesmal als rein digitale Ausgabe, die weiterhin von Marktkenner und -berater Gerhard Dichgans verantwortet wird.

Konkrete Mittel und globaler Austausch

„Die Interpoma ist für die Apfelbranche weltweit ein Fixpunkt“, betont Thomas Mur, Direktor der Messe Bozen, gegenüber dem Fruchthandel Magazin. „Unser Ziel ist es, Produzenten, Forschenden und Unternehmen konkrete Mittel an die Hand zu geben, mit denen sie zukünftigen Herausforderungen der Apfelbranche begegnen können, und dabei auch den internationalen Austausch zu fördern“, so Mur.

„Mit der diesjährigen Ausgabe der Interpoma wollen wir unsere Rolle als Innovationsplattform und Ort der Begegnung weiter stärken“, erklärt er abschließend.

Praktisches zum Schluss

Bitte beachten Sie, dass die Messe in diesem Jahr bereits am Mittwoch startet. Der Interpoma Congress findet jedoch wie gewohnt am Donnerstag und Freitag statt. id

Foto:

Interpoma: the hub for apple expertise and application technologies

INTERPOMA The famous fair will return to Bolzano from 25 to 27 November 2026, once again positioning the city as an international hub for the global apple industry. The event will take place for the 14th time and is expected to bring together professionals from across the entire value chain. At its last edition, Interpoma continued to grow: around 400 exhibitors from 20 countries and 16,000 visitors from more than 60 nations underlined the event’s international reach. Building on this momentum, the 2026 edition will place a strong focus on application technologies, aiming to support apple production that is both more sustainable and more efficient, explains Thomas Mur, Director of Fiera Bolzano.

This thematic focus will be reflected across several formats, including the Interpoma Congress. On the first congress day, attention will turn to spraying technologies, a highly practical topic addressing the application of crop protection and other inputs. The second day will focus on Latin America, a region gaining increasing relevance for the apple sector. As in previous years, the congress programme will be coordinated by Walter Guerra from the Laimburg Research Centre. Application technologies will also be at the heart of the Interpoma Award, where an expert jury will select the most innovative solutions in spraying technology. All nominated projects will be showcased in the exhibition area, with visitors invited to vote for their favourite via the Visitors’ Choice Award.

Interpoma will once again offer its popular guided tours, allowing international participants to visit local production and storage faci lities and exchange expertise with South Tyrolean specialists. In addition, the Interpoma Magazine will return in 2026 in a digital-only format, curated by market expert Gerhard Dichgans. One practical note for visitors: unlike previous editions, Interpoma 2026 will take place from Wednesday to Friday. The Interpoma Congress will be held on Thursday and Friday, as in past years.

Foto: Inga
Detleffsen

Fruchtige Innovation auf der Fashion Week

Melinda ► Wenn Mailand Ende Februar zur internationalen Modehauptstadt wird, dreht sich in der Stadt alles um Stil, Trends und neue Formen der Markeninszenierung – Themen, die sich auch in der Obst- und Gemüsebranche immer häufiger widerspiegeln. Dass Obst und Gemüse an sich schon höchst fotogen ist, wird kaum jemand bestreiten. Warum also nicht den Schritt wagen, der statt Spagat eher logische Folge scheint, und neben „glamourösen“ Äpfeln auch gleich die passend entworfene Kleidung präsentieren?

Für das Melinda-Konsortium wird es sogar direkt die zweite Teilnahme in Folge an der Fashion Week sein: Bereits 2025 hatte das Team den Apfel Dolcevita in Mailand in Szene gesetzt. Nun präsentiert das Konsortium neben seinem „glamouröstesten“ Apfel die „Melinda Collection“, eine eigens designte Bekleidungs- und Lifestylelinie in limitierter Auflage. „Für uns ist die Kollektion eine natürliche Fortsetzung der DolcevitaMarkenidentität“, erklärt Andrea Fedrizzi, Marketingleiter bei Melinda. Und Mailand sei mit der Fashion Week dabei genau richtig: „Für diesen Apfel ist das Event eine ideale Bühne: Dolcevita ist eine junge Sorte, sie ist modern, elegant und spricht mit der strahlend roten Schale und dem süßen, floralen Geschmack perfekt unsere Zielgruppe an: junge Konsumentinnen und Konsumenten, die neugierig auf innovative Ideen sind, gleichzeitig aber auch Qualität, Geschmack und Natürlichkeit zu schätzen wissen“, führt er aus. Das Konsortium positioniere die Dolcevita-Äpfel als Lifestyle-Produkt bewusst im internationalen Fashion-Umfeld, wo sich Genuss, Ästhetik und moderne Markenkommunikation treffen.

Pop-up in Portanuova

Zentraler Anlaufpunkt der diesjährigen Präsenz ist ein Pop-upErlebnisraum im Mailänder Stadtteil Portanuova, wo Konsumenten die Dolcevita-Äpfel nicht nur verkosten, sondern als ganzheitliche Markenwelt erleben können – inklusive der Melinda Collection, die das Konsortium dort vorstellen möchte. Vorab verraten, um was genau es

Dolcevita, der laut Andrea Fedrizzi „glamouröseste“ Apfel des MelindaKonsortiums, wird 2026 zum zweiten Mal auf der Mailänder Fashion Week vertreten sein.

sich dabei handelt, möchte Andrea Fedrizzi nicht: „Wir haben entschieden, die Kollektion exklusiv vor Ort zu präsentieren und nichts vorab zu veröffentlichen, um das Erlebnis in Mailand so hochwertig wie möglich zu gestalten.“

Kommunikation auf allen Kanälen

Begleitet wird der Auftritt von einer breit angelegten Kommunikationskampagne. Schon in den Wochen vor der Fashion Week setzt Melinda auf großangelegte Sichtbarkeit und plant, neben klassischen Fernseh- auch digitale Kanäle inklusive Social Media mit Videomaterial zu bespielen. Das ehrgeizige Ziel: Über 15 Mio Nutzerinnen und Nutzer sollen so erreicht werden, der Fokus liege auf besonders jungen Altersgruppen. Aufmerksamkeitsstarke Maßnahmen im Mailänder Stadtbild ergänzen die Kampagne, zu denen neben einer vollflächig be-

klebten Straßenbahn, der sog. Jumbotram, auch digitale Außenwerbeflächen gehören. Mit der Aktion wolle man eine eigene Vorstellung von „Schönheit“ vermitteln, erklärt Andrea Fedrizzi, die von einer rein optischen Ästhetik zu einem „stilvollen und innovativen Erlebnis“ werde, das man mit allen teilen möchte, führt er aus. Die Präsenz des Melinda-Konsortiums bei der Mailänder Fashion Week zeigt, wie sich auch landwirtschaftliche Erzeugnisse zunehmend über Emotion, Erlebnis und Lifestyle definieren können. Statt allein über Herkunft und Qualität zu sprechen, setzt Melinda zusätzlich auf Inszenierung, Storytelling und neue kulturelle Kontexte. Damit folgt das Konsortium einem Trend, der im Frischebereich immer stärker an Bedeutung gewinnt: Marken wollen nicht nur gekauft, sondern erlebt werden. id

Halle 4.2, Stand A-40

Foto: Melinda

Melinda goes Milano

Marketing ► When Milan becomes the international fashion capital at the end of February, the city revolves around style, trends and new forms of brand presentation – themes that are increasingly reflected in the fruit and vegetable sector as well.

For the Consorzio Melinda, this will already be the second consecutive appearance at Milan Fashion Week. Back in 2025, the consortium had already showcased its Dolcevita apple in the city. This year, Melinda is stepping things up by presenting its most “glamorous” apple alongside the Melinda Collection, a limited-edition line of clothing and lifestyle items. “For us, the collection is a natural extension of the Dolcevita brand identity,” explains Andrea Fedrizzi, Marketing Director at Melinda. Milan, and Fashion Week in particular, is the ideal setting, he adds: “This apple variety is young, modern and elegant. With its bright red skin and sweet, floral flavour, Dolcevita appeals perfectly to our target group – young consumers who value innovation, taste and quality.”

Pop-up in Portanuova

The central hub of this year’s presence is a pop-up space in Milan’s Portanuova district, where consumers can not only taste Dolce-

vita apples but also experience the brand – including the Melinda Collection, which will be presented there. Fedrizzi deliberately refrains from revealing details in advance: “We decided to present the collection exclusively on site and not to release any previews, in order to make the Milan experience as special as possible.”

Communication across all channels

The Fashion Week appearance is supported by a wide-ranging communication campaign. In the weeks leading up to the event, Melinda is planning extensive visibility, combining television advertising with digital and social media video content. The aim is to reach more than 15 million users, with a particular focus on younger audiences. The campaign is complemented by high-impact measures in Milan’s cityscape, including a fully wrapped tram – the so-called Jumbotram – as well as digital out-of-home advertising. With this initiative, Melinda wants to convey its own idea

of “beauty”, explains Fedrizzi, moving beyond pure visual aesthetics towards a “stylish and innovative experience” designed to be shared. Melinda’s presence at Milan Fashion Week shows how agricultural products are increasingly communicated through emotion, experience and lifestyle, alongside their origin and quality. id

Hall 4.2, Stand A-40

A sustainable system that transports our apples directly from the orchard to the hypogeal warehouse, reducing truck traffic on mountain roads. Less traffic, fewer emissions, more respect for the land that provides us with its fruits. For us, sustainability means making choices, every day.

„Wir haben alles richtig gemacht“

Apofruit ► Nachdem die Genossenschaft 2025 ihr 65-jähriges Bestehen feiern durfte, gibt es auch 2026 allerhand Aktuelles zu berichten, merke ich, als ich mich mit Generaldirektor Ernesto Fornari austausche. Besonders die Kiwi Dulcis™ sowie Mandarinen und Orangen, die das Citrusangebot bereichern, stehen diesen Winter und somit in dieser Ausgabe im Fokus, doch viele weitere Projekte stehen an.

Ernesto Fornari, Generaldirektor von Apofruit

Begeistert ist er von den Tango/ Tang Gold® Mandarinen, vor allem seit der Kampagne 2024/25, „als wir gemerkt haben, wie viel die Bäume produzieren – und wie gut die Mandarinen schmecken“, erklärt er lachend. „Inzwischen bauen wir sie auf 35 ha an, ein Großteil davon ist Bio. Sie ist kernlos und wirklich sehr lecker, mit einem optimalen Verhältnis zwischen Süße und Säure. Die Größe ist ideal, und mit ihrer kräftig orangen Schale ist die Tango/Tang Gold® ausgesprochen hübsch und hat zudem von der Ernte bis zum Konsumenten eine ausgezeichnete Haltbarkeit“, schwärmt der Generaldirektor. Dank hoher Erträge sei die Sorte auch bei den Produzenten sehr beliebt – da sei es fast schon schade, dass der spanische Lizenzinhaber derzeit keine weiteren Flächen freigebe.

Citrusfrüchte von Oktober bis Mai

Verfügbar sei die Tango/Tang Gold® vor allem im Februar, einer besonders günstigen Zeit für Citrusfrüchte. Hinzu komme Valley Gold®,

bei der Apofruit in dieser Kampagne mit über 200 t Mandarinen erste vermarktungsrelevante Mengen verfügbar habe. Beide Sorten überzeugten qualitativ und geschmacklich, und zum Glück müsse man sich nicht entscheiden: Während Valley Gold® bereits im Januar verfügbar sei, komme Tango/ Tang Gold® im Februar dazu. Beide Mandarinen ergänzen das Citrusportfolio von Apofruit ideal, das auch bei Orangen weiter ausgebaut wird: „In den vergangenen Jahren haben wir unser Angebot mit Blondorangen so ergänzt, dass wir nun ab 20. Oktober bis Ende Mai liefern können.“ Möglich machen dies neue Sorten, aber auch neue Anbauregionen: Gerade kältesensible Zitronen habe man bis vor wenigen Jahren nicht in Nordkalabrien oder der Basilikata anbauen können, inzwischen erlaubten wärmere Temperaturen eine Ausweitung der Produktion. Insgesamt habe Apofruit in dieser Kampagne 9.000 t Citrusfrüchte verfügbar, 90 % davon sei Bio-Ware, betont Fornari.

Dulcis™ steigt bei Mengen und Beliebtheit

Kiwis sind eine weitere Kategorie mit wachsender Bedeutung für Apofruit, umso mehr, da neben dem Anbau gelber Zespri-Kiwis nun mit der exklusiven Sorte Dulcis™ auch eine 100%ig italienische Sorte zum Portfolio gehört. „In dieser Kampagne haben die drei italienischen Partner insgesamt 2.000 t geerntet, allein 1.200 t davon bei Apofruit. Für 2026 und 2027 erwarten wir, dass sich die Erntemengen jeweils noch einmal verdoppeln“, gibt Ernesto Fornari einen Ausblick. Das seien „sehr interessante Mengen“ für ein

ebenso spannendes Projekt, von dem er sichtbar überzeugt ist. „Für uns könnte Dulcis™ die Zukunft sein“, betont er. Während Hayward an Flächen und Beliebtheit verliere, erweise sich die Kiwi mit grünem Fruchtfleisch, aber süßerem Geschmack als gute Entscheidung. Sie überzeuge im Anbau, aber auch den Handel, habe sich inzwischen nicht nur in Italien, sondern auch in Nordeuropa etabliert, in Portugal wurde Dulcis™ sogar als „Sabor del Año“ ausgezeichnet. Guter Geschmack sei Erfolgsvoraussetzung: „Hohe Erträge und eine schöne Optik reichen uns nicht.“ Erst, wenn eine Sorte geschmacklich überzeuge, werde sie weiter getestet, und bei Dulcis™ zeige sich, dass man „alles richtig gemacht“ habe. Seit drei Jahren vermarkte man die grüne, süße Kiwi in Italien, auch in Deutschland soll Dulcis™ bald erhältlich sein. „Dafür ist die FRUIT LOGISTICA genau der richtige Zeitpunkt: In Madrid hatten wir noch keine Kiwis geerntet, doch in Berlin wird es die Dulcis™ zu verkosten geben.“ Verfügbar soll sie in diesem Jahr bis Ende März/April sein, erklärt Ernesto Fornari.

Fred® und vieles mehr

Auch die Kernobst-Kategorien werden von Apofruit stetig ausgebaut: Candine® und Joya® ergänzen das Angebot an Bicolor-Äpfeln, die beide neben ihrem Geschmack auch mit sehr guter Haltbarkeit überzeugen, so Fornari: „Nach der Ernte Ende September kann Candine® direkt verzehrt werden, hält sich aber auch bis Ende Mai im Kühllager. Und auch der Konsument könnte die Äpfel noch zwei Wochen zu Hause in der Obstschale aufheben

Fotos: Apofruit

– aber natürlich hoffen wir, dass er sie sofort isst“, lacht er. Bei Birnen soll die Sorte Fred® für Aufschwung sorgen, nachdem Italiens Traditionsbirne Abate Fetel zunehmend unter Druck gerät. Fred® bringe dank neuer Unterlage auch neue Eigenschaften mit sich und komme deutlich besser mit dem sich wan-

delnden Klima klar, berichtet der Generaldirektor. Für ihn ist Fred® eine „außergewöhnliche Birne, knackig und saftig“ und „eine der besten Birnen, die ich je gegessen habe.“ Jetzt noch alle weiteren Projekte zu nennen, mit denen Apofruit 2026 die Obst- und Gemüselandschaft bereichern wird, würden den

Rahmen sprengen, doch zwischen Kakis, Heidel- sowie Erdbeeren oder kernlosen Trauben wird klar: Mit dieser Vielfalt sollte die Genossenschaft auch in diesem Jahr zur Feierstimmung aufgelegt sein. id

Halle 2.2, Stand A-40

Clear strategy, strong varieties

Apofruit ► After celebrating its 65th anniversary in 2025, Apofruits General Director Ernesto Fornari has plenty of news to share in 2026. New mandarin varieties, an expanding offer of oranges and the Italian kiwi Dulcis™ are shaping the cooperative’s current strategy.

Since 2024/25, the Tango/ Tang Gold® mandarin produces relevant volumes. Now, the variety is grown on around 35 ha, much of it organic. The mandarins are seedless, well balanced in sweetness and acidity, visually attractive and offer excellent shelf life from harvest to the consumer. High yields also make the variety popular with growers, Fornari adds. Tango/ Tang Gold® is mainly available in February and is complemented by Valley Gold®, harvested in January. This campaign is the first year of a production worth mentioning, Fornari explains, with more than 200 t of Valley Gold® available. Together, the two varieties strengthen the cooperative’s citrus portfolio, which has also been expanded on the orange side. Thanks to a broader range of blond oranges, Apofruit can now supply from 20 October through to the end of May. In total, around 9,000 t of citrus are available this season, around 90% of which is organic.

Dulcis™ kiwifruit were awarded “Sabor del Año“ in Portugal.

Fred® is one of the best pears he has eaten so far, Fornari says.

Kiwi and other promising categories

Another category of rising importance is kiwis. Alongside yellow fruits, the cooperative is now focusing on Dulcis™, an exclusive, fully Italian variety. In the current season, the three Italian partners harvested around 2,000 t, including 1,200 t at Apofruit alone, Fornari says. Volumes are expected to double again in both 2026 and 2027. Dulcis™ combines green flesh with a sweeter taste profile and has already established itself not only in Italy but also in Northern Europe. In Portugal, the variety was awarded “Sabor del Año”. Fornari emphasises that taste is the decisive factor: only varieties that truly convince in flavour are further developed. In his view, Dulcis™ shows that this time, everything was done right. After three years on the Italian market, the variety is now preparing to enter Germany, with tastings planned at FRUIT LOGISTICA. Availability is

expected to run until March/April. Beyond citrus and kiwis, Apofruit continues to develop other categories. Candine® and Joya® strengthen the bicolour apple range, combining flavour with very good storage potential. In pears, Fred® is seen as a promising response to the increasing pressure on Abate Fetel, offering improved climate resilience thanks to a new rootstock. And while it would go too far to list all projects for 2026, from persimmons and berries to seedless grapes, one thing is clear: Apofruit enters the new season with a broad and diversified portfolio. id

Hall 2.2, Stand A-40

Today, Apofruit grows the Tango/Tang Gold® variety on around 35 ha, much of it organic.

Fotos:
Apofruit

Neues Team, klare Themen und eine „kontinuierliche Begleitung“ der Aussteller

Save the date ► Die italienische Macfrut, die vom 21. bis 23. April 2026 im Rimini Expo Centre stattfindet, bereitet ihre 43. Ausgabe mit einer neu aufgestellten Führungsstruktur, thematischen Schwerpunkten entlang der gesamten Wertschöpfungskette und einem verstärkten internationalen Fokus vor.

Die Entscheidung, das Event in den April zu verlegen, sei strategischer Natur: „Im Mai war es angesichts steigender Nachfrage nicht mehr möglich, die Ausstellungsfläche weiter zu vergrößern“, erklärt Patrizio Neri auf Nachfrage des Fruchthandel Magazins. Das positive Feedback der Aussteller, deren Zahlen zweistellig gewachsen seien, zeige, dass die Macfrut sich im Reigen der internationalen Messen gut etabliert habe. „Sie ist ein Treffpunkt der gesamten Branche, vom Feld bis zum Verkauf“, betont der Präsident von Cesena Fiera, der in diesem Jahr erstmalig an der Spitze der Macfrut steht. Unterstützt wird er von einem breit aufgestellten Team: Neben dem Verwaltungsrat, der die Messevorbereitung begleitet, gehört dazu Paolo Borgio in der operativen Leitung. Zwei neue Komitees ergänzen die Struktur: ein technisch-wissenschaftliches mit Fokus auf Forschung und Innovation sowie ein weiteres, das Unternehmen und Institutionen in die

inhaltliche Ausrichtung der Messe einbindet. „Die Stärke der Macfrut war schon immer das Team“, erklärte Neri. Die Messe verstehe sich nicht als punktuelles Ereignis, sondern als Prozess, der „365 Tage im Jahr“ dauere und Aussteller kontinuierlich begleite.

Von Catania bis Karibik

Inhaltlich setzt die Macfrut 2026 einige bewährte Formate fort, etwa die Partnerregion, die in diesem Jahr Sizilien sein wird. Die Insel nimmt im italienischen Obst- und Gemüseanbau eine führende Rolle ein: Nach Angaben für das Jahr 2024 entfallen rund 263.000 ha – etwa 22 % der nationalen Anbaufläche – auf Sizilien, bei einer Produktion von 4,6 Mio t. Wertmäßig erreicht der Sektor rund 3 Mrd Euro, was 16 % des nationalen Gesamtwertes entspricht. Im Bio-Anbau ist Sizilien mit rund 47.000 ha Spitzenreiter. „Sizilien zeichnet sich nicht nur durch Volumen und Umsatz aus, sondern vor allem durch die besonderen Merkmale seines Angebots“, betonte Mario Schiano (Ismea) bei einer Präsentation in Catania. Die Region profitiere zunehmend von Innovationen und klimatischen Veränderungen, die den Anbau tropischer und subtropischer Kulturen ermöglichten und eine Ausdehnung der Erntefenster erlaubten. Als internationaler Fokus wurde für dieses Jahr die Karibik ausgewählt. Geplant sind verstärkte Messepräsenzen, Business-Formate sowie eine Wirtschaftsmission mit italienischen Unternehmen in die Dominikanische Republik. „Die Zusammenarbeit bestätigt den internationalen Kurs von Macfrut,

der ein prägendes Element unserer Identität ist“, erklärte Neri.

Hallenstruktur mit Preund Post-Harvest-Fokus

Inhaltlich bildet Macfrut 2026 erneut die gesamte Wertschöpfungskette ab. Die Messe strukturiert sich in Themenbereiche, die von der Produktion bis zur Vermarktung reichen. Die Healthy Food Area bündelt verschiedene Segmente rund um Gewürze, Kräuter, Bio-Produkte sowie frische und verarbeitete Lebensmittel mit funktionalem Mehrwert. Ergänzt wird dies durch die Pre-Harvest Area, wo Lösungen für den Anbau zu finden sind – von Biosolutions und digitaler Landwirtschaft über Bewässerung, Pflanzmaterial und Biotechnologien bis zu KI- und Robotik-Anwendungen. Die Post-Harvest-Fläche richtet den Blick auf Sortierung, Verarbeitung, Verpackung, Kühlketten, Logistik und Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Die Berry Area widmet sich, wie der Name schon sagt, den Beeren, die in Italien laut Macfrut-Team einen Marktwert von über 621 Mio Euro und 2024 rund 15 % Wachstum erreicht hätten. Im Fokus stehen Züchtung, Produktion und Vermarktung von Beeren sowie der Austausch zwischen Forschung und Markt. Ergänzt wird das Messeprogramm durch Angebote wie die Avocado & Mango Days, wo in Panels, Business-Meetings und Networking-Formaten internationale Anbieter und Einkäufer zusammentreffen sollen, um Markttrends, Produktion und Nachernteprozesse zu diskutieren. id

Patrizio Neri, neuer Präsident von Cesena Fiera Foto: Macfrut

Fresh faces and focused formats

Macfrut ► Italy’s leading fresh produce trade fair will return to the Rimini Expo Centre from 21 to 23 April 2026. For its 43rd edition, Macfrut is gearing up with a newly structured leadership team, clearly defined thematic areas covering the entire value chain, and a strong international outlook.

The earlier date is the result of “a strategic decision driven by the need to grow, since it was no longer possible to expand the exhibition area in May due to increasing demand,” Patrizio Neri explained. It will be his first edition as President of Cesena Fiera. He is supported by the Macfrut board of directors, while operational management is handled by Paolo Borgio. The organisational structure is further complemented by two newly established bodies: a Technical and Scientific Committee focusing on research and innovation, and a second committee designed to give companies and institutions a voice in shaping the fair’s content. “Teamwork has always been Macfrut’s real strength”, Neri said, describing the event not as a one-off appointment, but as a process that runs “365 days a year”, supporting exhibitors on an ongoing basis. “The positive response from exhibitors, with a significant double-digit increase, highlights how Macfrut has established itself on the international trade fair scene as a meeting point representing the entire supply chain, from seed to table,” Neri added.

From Catania to the Caribbean

In terms of content, Macfrut 2026 continues with established formats, including its annual Partner Region, which this year will be Sicily. The island plays a leading role in Italian fruit and vegetable production: according to 2024 figures, around 263,000 hectares – roughly 22% of the national horticultural area – are located in Sicily, with

In 2025, Macfrut visitors gathered to listen to the speech of Italian Agriculture Minister Francesco Lollobrigida.

total output reaching 4.6 million tonnes. In value terms, the sector generates around €3 billion, accounting for 16% of Italy’s overall production value. Sicily also ranks first nationwide in organic farming, with about 47,000 hectares under cultivation. “Sicily stands out not only for volumes and turnover, but above all for the distinctive characteristics of its produce,” emphasised Mario Schiano (Ismea) during a presentation in Catania. Innovation and changing climatic conditions are increasingly enabling the cultivation of tropical and subtropical crops, extending harvest windows and market presence. At an international level, the Caribbean has been selected as the geographical focus for 2026 with an expanded presence at the fair, dedicated business formats and a trade mission to the Dominican Republic. “This cooperation underlines Macfrut’s international direction, which is a defining element of our identity,” Neri said.

Pre- and Post-Harvest

With exhibition areas ranging from production to marketing, Macfrut aims to cover the entire value chain. The Healthy Food Area shows segments such as spices and herbs, organic produce, as well as functional foods. The Pre-Harvest Area focuses on production – from biosolutions and digital farming to irrigation, plant material, biotechnologies and applications with AI and robotics. The Post-Harvest Area concentrates on sorting, processing, packaging, cold chain technologies, logistics and related services along the supply chain. Another feature is the Berry Area with a spotlight on breeding, research, production and marketing of berries. Other events such as the Avocado & Mango Days bring together international suppliers and buyers through panels and networking sessions focused on market trends, production and post-harvest issues. id

Foto:
Inga
Detleffsen

Von wegen Nische: Bio-Anbau in Italien

Produktion ► Italien bleibt einer der wichtigsten Bio-Akteure Europas, wie der Bio-Bericht 2025 von Ismea zeigt: Neben Flächen wachsen die zertifizierten Betriebe; auch der Konsum steigt. Gleichzeitig zeigen sich regionale Unterschiede und strukturelle Herausforderungen, die den weiteren Ausbau prägen werden.

Mit durchschnittlich rund 29 ha sind Bio-Betriebe in Italien laut Ismea dreimal größer als die konventionellen Betriebe im Land.

Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Italien hat im Jahre 2024 erstmals die Marke von 2,5 Mio ha überschritten und um +2,4 % gegenüber 2023 zugelegt. Damit wurden insgesamt 20,2 % der nationalen landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet – ein Wert, mit dem sich Italien weiter dem EU-Ziel des Green Deals von 25 % Bio-Fläche bis 2030 annähert und deutlich über dem Niveau anderer großer Agrarländer wie Spanien, Deutschland oder Frankreich liegt. Auffällig ist dabei die Betriebsstruktur: Mit durchschnittlich rund 29 ha sind Bio-Betriebe in Italien laut Ismea dreimal größer als die konventionellen Betriebe. Damit unterscheidet sich Italien von Ländern wie Frankreich oder Deutschland, wo Bio-Höfe mit 44 ha bzw. 50 ha zwar im Durchschnitt größer sind als in Italien, jedoch kleiner als die konventionellen Betriebe im jeweiligen Land. Der ökologische Anbau ist in Italien damit weniger Nische als vielmehr ein tragfähiges Betriebsmodell.

Wachsende Zahl der Bio-Betriebe

Das Wachstum der Bio-Flächen kommt v.a. durch Grünland, Wiesen und Weiden (+8,2 %), während Ackerbau- und Gemüseflächen leicht rückläufig sind. Auch Dauerkulturen legen insgesamt zu, wenn auch differenziert: Während Olivenhaine und Nusskulturen wachsen, gingen Bio-Flächen bei Obst und Citrusfrüchten zuletzt zurück. Regional konzentriert sich der Bio-Landbau weiterhin stark im Süden Italiens, wo 58 % der Bio-Fläche beheimatet sind, allen voran auf Sizilien, Apulien und die Toskana, die zusammen 38,1 % der nationalen Bio-Fläche stellen. Gleichzeitig verzeichnet der Norden die höchsten Wachstumsraten, was auf eine zunehmende Verbreitung des Bio-Landbaus auch in traditionell stärker konventionell geprägten Regionen hindeutet. Parallel zur Flächenentwicklung wächst auch die Zahl der Landwirte, die auf ökologische Landwirtschaft umstellen: 2024 waren in Italien 97.160 Bio-Betriebe registriert, ein Plus von 2,9 % gegenüber dem Vorjahr. Auf

längere Sicht zeigt sich ein klarer Strukturtrend: Innerhalb von zehn Jahren ist laut Ismea die Zahl der Bio-Betriebe um 62 % gestiegen.

Steigendes Interesse bei Konsumenten

Auch die Nachfrage wächst: 2024 gaben die Haushalte in Italien 3,96 Mrd Euro für Bio-Lebensmittel aus (+2,9 %). Die Absatzmengen wuchsen mit +4,3 % stärker als der Gesamtmarkt, was auf eine vergleichsweise moderate Preisentwicklung hindeutet. Der Bio-Anteil an den gesamten Lebensmittelausgaben stieg damit wieder leicht auf 3,6 %. Wichtigster Absatzkanal bleiben die Supermärkte, die rund 1,5 Mrd Euro Umsatz mit Bio-Produkten erzielen, stellt Ismea fest. Auch im internationalen Kontext spielt die italienische Bio-Branche eine relevante Rolle: Die stabile Inlandsnachfrage wird durch eine wachsende Bedeutung im Export ergänzt – insbesondere auf europäischen Märkten wie Deutschland, wo Bio-Produkte aus Italien eine hohe Akzeptanz genießen. Gleichzeitig verweist Ismea auch auf Grenzen des Wachstums. Trotz grundsätzlich positiver Rahmenbedingungen geben in einzelnen Regionen Betriebe den Bio-Anbau wieder auf – u.a. wegen hoher Auflagen und als unzureichend empfundener Förderanreize. Vor diesem Hintergrund misst Ismea der Umsetzung des nationalen Aktionsplans für den ökologischen Landbau (PAN 2024–2026), der Abschaffung unnötiger Bürokratie sowie der konsequenten Anwendung der bestehenden Bio-Gesetzgebung eine zentrale Rolle für die weitere Entwicklung bei. 

Foto: sda AdobeStock

FRUIT & VEG PROFESSIONAL SHOW

21-23 APRIL, 2026

Macfrut ist das Pflichtevent für die italienische und internationale Obst- und Gemüsebranche – der Treffpunkt, an dem Top-Einkäufer, führende Anbieter und Branchenentscheider zusammenkommen. Tauchen Sie ein in dynamische Themenbereiche, entdecken Sie die Trends von morgen und erschließen Sie hochwertige B2B-Chancen. Finden Sie die Lösungen, Kunden und Partner, die Ihr Wachstum entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschleunigen – vom Feld bis zum Verbraucher.

IHR KOSTENLOSES TICKET

TuttoFood: Kategorien und Kontakte neu verknüpfen

Messe-Ausblick ► Vom 11. bis 14. Mai findet in Mailand die Lebensmittelmesse TuttoFood statt, die in diesem Jahr mit weiter steigenden Besucher- und Ausstellerzahlen rechnet. 2025 nahmen nach Messeangaben 95.000 Fachbesucher aus über 100 Ländern sowie 4.200 Aussteller aus rund 70 Ländern teil. Alessandro Gammaldi aus dem Marketing der Messe teilt neben Highlights der diesjährigen Ausgabe auch seine Tipps für einen zweistündigen Messebesuch.

Deutschland ist für Italien ein wichtiger Handelspartner, und habe auch bei der TuttoFood 2025 „enorm zum Erfolg der Messe beigetragen“ und nach Spanien den zweitgrößten Anteil ausländischer Besucher gestemmt. Nationen-unabhängig komme der Großteil der Besucher aus dem Handel, so Gammaldi, doch auch für die Außer-Haus-Verpflegung sei die Messe interessant; ihnen wolle man aufzeigen, wie durch eine stärkere Integration von Obst und Gemüse Mehrwert generiert werde. Die TuttoFood bleibe aber eine Messe der gesamten Lebensmittelbranche, stellt Gammaldi klar: „Wir werden nicht zur Weltleitmesse für Obst und Gemüse, die gibt es schon in Berlin und funktioniert dort super – in Mailand wollen wir entdecken, wie O+G mit anderen Kategorien verknüpft werden kann.“ Besonders gewachsen seien die Bereiche Tiefkühl und Getränke, berichtet Gammaldi. Gerade letzterer sei spannend mit dem „Beverage Pairing“-Konzept, bei dem Lebensmittel und Getränke geschickt zusammen angeboten werden. „Mit Obst, aber v.a. mit Gemüse gibt es außergewöhnliche, innovative Kombinationen, die man in der ‚Mixology Experience‘-Fläche entdecken kann“ – so entstehe der erwähnte Mehrwert.

Fachbetreuung für Akteure aus dem Handel

Speziell für internationale Fachbesucher aus dem Einkauf gibt es das „Buyers‘ Program“, das neben sprachlicher Unterstützung u.a. auch dank „Business Agenda“-Tool die Terminfindung mit Ausstellern

Internationale Fachbesucherinnen und -besucher aus dem Einkauf werden im „Buyers‘ Program“ der TuttoFood vier Tage „rund um die Uhr“ begleitet.

vereinfacht sowie zusätzliche Veranstaltungen inkludiert, darunter Networkingtreffen, Workshops oder Touren in LEH und Produktion. „Wir begleiten sie vier Tage lang rund um die Uhr“, betont Gammaldi. Insbesondere für O+G-Spezialisten aus dem Handel sei in diesem Jahr übrigens ein internationales Networking-Event des europäischen LEH geplant, kündigt er an.

Chancen für Austausch und Entdeckungen

Neben allem Genannten sei die TuttoFood auch etwas Besonderes, weil sie eine „mediterrane Messe“ sei: Vor oder nach beinahe jedem Event gebe es Gelegenheiten, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Und schließlich sei auch Mailand als Wirtschaftsstandort ideal für Trends, was sich auch jenseits des Messegeländes mit zahlreichen B2B- und B2C-Events zeige, wo zusätzliche Möglichkeiten für Networking und Business warten. Das klingt nach vielen

„Sehens-Würdigkeiten“, und da Messen zunehmend vom Faktor „Zeit“ diktiert werden, bitte ich Alessandro Gammaldi um seine Tipps, was man beim ersten Mal auf der TuttoFood sehen sollte –und zwar in maximal zwei Stunden. „Das ist eine Herausforderung“, findet er, legt aber dann direkt los: „30 Minuten würde ich für ‚TUTTOBio‘ einplanen, die neue Sonderfläche für Bio-Produkte, die wir gemeinsam mit NatExpo organisieren; danach 15 Minuten Innovationen auf der ‚International Startup Area‘ entdecken. Die nächsten 30 Minuten geht‘s auf die Fläche ‚TUTTO Fruit & Veg‘, mit Produkten, Konferenzen und Preisverleihungen. Dann gibt‘s einen 15-minütigen Spaziergang durch die 100 Finalisten des ‚Better Future Awards‘, um in den letzten 30 Minuten noch an einem der Global Market Talks teilzunehmen, die jeweils einzelne Märkte oder Kanäle betrachten“, endet seine Empfehlung für den Blitz-Besuch der Mailänder Messe. id

Foto:
TuttoFood

A closer look at TuttoFood

Save the date ► From 11 to 14 May, the food trade fair TuttoFood will take place in Milan. The organisers are once again expecting growing visitor and exhibitor numbers. Alessandro Gammaldi from the fair’s marketing team talks about this year’s edition and about how to make the most of a short visit.

Last year, the fair welcomed 95,000 visitors from more than 100 countries and 4,200 exhibitors from around 70 countries. Germany accounted for the second-largest group of international visitors and “made an enormous contribution to the success of TuttoFood 2025”, Gammaldi said. Most visitors come from the retail sector, but the fair is also relevant for foodservice professionals, with a focus on demonstrating how fruit and vegetables can be integrated more effectively to create added value.

New links and ideas for fruit and vegetables

TuttoFood remains a fair for the entire food industry, Gammaldi stressed: “We will not become the world’s leading trade fair for fruit and vegetables – that already exists in Berlin and works very well there. In Milan, our focus is on discovering how fruit and vegetables can be linked with other categories.” In recent years, the frozen food and beverage segments have grown strongly. The

latter is interesting in the context of beverage pairing, where food and drinks are combined in a targeted way. “With fruit and vegetables there are exceptional, innovative combinations to be discovered in the ‘Mixology Experience’ area,” Gammaldi said.

Strong support for buyers

International buyers benefit from the Buyers’ Program, which offers language support, helps to arrange meetings with exhibitors and includes additional activities such as networking events, workshops and tours of retail outlets and production sites. “We accompany buyers around the clock for four days,” Gammaldi emphasised. For fruit and vegetable specialists from the retail sector, he also announced a networking event for European retailers planned for this year.

Exchange and explore

Beyond its professional offering, TuttoFood is special because it is

a “Mediterranean fair”, Gammaldi said, with frequent opportunities for exchange and networking, both on and beyond the exhibition grounds.

Two hours at TuttoFood

As trade fair visits are increasingly dictated by time constraints, I asked Gammaldi what first-time visitors should see at TuttoFood if they only have two hours. “That’s quite a challenge,” he admitted, before outlining his ideal route: “I would spend 30 minutes at ‘TUTTOBio’, the new special area for organic products organised together with NatExpo, followed by 15 minutes in the ‘International Startup Area’. The next 30 minutes should be dedicated to the ‘TUTTO Fruit & Veg’ area, which features products as well as conferences and award ceremonies. After that, a 15-minute walk through the 100 finalists of the ‘Better Future Awards’, before spending the final 30 minutes attending one of the Global Market Talks, each focusing on specific markets or channels.“ id

ENTDECKEN SIE TUTTO FRUIT&VEG!

In der Halle 4, erwarten Sie die exzellenten Obst- und Gemüse-Produkte aus Italien und allerWelt.

Zwischen Klimadruck und Kontinuität

Eurocirce ► Die Erzeugergemeinschaft blickt auf ein Jahr 2025 zurück, das nach Angaben von Präsident Matteo Fresch in der Produktion „ein besonderes“ war, wie er gegenüber dem Fruchthandel Magazin erklärt, während er einen Rück- sowie einen Ausblick aus Sicht von Eurocirce liefert.

Als Ursache für die Turbulenzen im Anbau nennt er das Klima, das die Kulturen so beeinflusst habe, dass die Landwirte der Erzeugergemeinschaft eine regelrechte „Verschiebung“ der einzelnen Erntezeiten aus den üblichen Zeitfenstern heraus beobachten konnten, berichtet Fresch. „Das Klima verändert die gesamte Branche – und nicht unbedingt zum Positiven: Die extreme Hitze im Oktober hat für zahlreiche Herausforderungen gesorgt, sowohl, was neue Anpflanzungen betrifft als auch bei Erzeugnissen, die bereits erntereif waren. Wir hoffen, dass wir bald wieder etwas in Richtung Normalität zurückkehren können, denn an Themen wie das Einsparen von Wasser ist in solchen Zeiten nicht zu denken. Das besorgt uns“, so Fresch. Insgesamt könne man sich mit dem Verlauf der Kampagne jedoch „ausreichend zufrieden“ zeigen, resümiert er dann.

Aufbau auf die „hervorragende Arbeit” der letzten Jahre

Besonders zufriedenstellend hätten sich im vergangenen Jahr weiterhin Zucchinis entwickelt, die das „Aushängeschild“ von Eurocirce darstellten, betont der Präsident. Die Verarbeitungslinien seien dank der Zucchinis das gesamte Jahr über ausgelastet gewesen. Weniger zufriedenstellend hingegen hätten sich die Marktpreise der Kultur entwickelt. Ähnliches weiß er von Zucchiniblüten zu berichten, die ein weiteres wichtiges Standbein der Erzeugergemeinschaft darstellen. Bei allen anderen angebauten Produkten habe man den Weg der vergangenen Jahre fortgesetzt und auf

die „hervorragende Arbeit“ aufbauen können, so Fresch. Besonders positiv betonte er die Entwicklung im Anbau frühreifer Wassermelonen, wo man gute Ergebnisse erzielt habe.

Hohe Qualität fortsetzen

Aufgrund der Zufriedenheit mit dem Angebot habe man daher auch im vergangenen Jahr keine Änderungen an der Produktionsplanung vorgenommen, erklärt der Präsident und setzt auf Kontinuität: „Wir bei Eurocirce werden weiterhin daran arbeiten, immer besser zu werden und bei unseren Firmen und Produkten einen Qualitätsstandard aufrechtzuerhalten, den ich als ‚typisch italienische Qualität‘ bezeichnen würde – einen Standard, um den man uns weltweit beneidet.“ Dies werde man fortsetzen, in der Hoffnung, so lange aushalten zu können, bis es seitens der Politik Unterstützung gebe. Dazu gehöre auch eine Lösung für das vieldiskutierte Thema der Pflanzenschutzmittel. „Ständige Einschränkungen bei Wirkstoffen helfen uns ehrlich gesagt nicht besonders. Da wir jedoch in geschütztem Anbau produzieren und

viele gute agronomische Maßnahmen umsetzen, gelingt es uns, den Einsatz von Pflanzenschutz auf das nötige Mindestmaß zu reduzieren“, gibt Fresch an.

Neue und bekannte Kontakte sind herzlich willkommen

Für das gerade begonnene Jahr sind die Erwartungen hoch, vor allem auch in Bezug auf die FRUIT LOGISTICA, die für das Eurocirce-Team einen Fixpunkt im Jahreskalender darstellt. „In Berlin trifft sich die weltweite Obst- und Gemüsebranche – für uns ist es die wichtigste Messe im ganzen Jahr. Wir sind gespannt, was uns 2026 erwartet und streben neue Geschäftsbeziehungen mit dem LEH an, freuen uns aber auch, bestehende Kundenkontakte mit Stolz und Gastfreundschaft an unserem Stand zu begrüßen“, erklärt Matteo Fresch abschließend. id

Halle 4.2, Stand A-31

Foto:
Inga Detleffsen

Maintaining Italian quality standards in challenging times

EUROCIRCE The producers‘ organisation looks back on a 2025 season that its President, Matteo Fresch, describes as “unusual” from a production point of view. Climatic conditions led to noticeable disruptions in the usual cropping rhythms, with extreme heat in October creating challenges both for new plantings and for crops ready for harvest. Water-saving measures, Fresch notes, are difficult to implement under such conditions, which remains a major concern. Despite these difficulties, Eurocirce considers the overall outcome of the campaign to be satisfactory.

Zucchini once again proved to be a cornerstone of the organisation’s production, keeping packing lines busy throughout the year, although market prices were less satisfactory. Zucchini flowers also remained an important pillar. For other crops, Eurocirce continued along the path of recent years, building on previous experience. Particularly positive results were achieved in early watermelon production.

Given its overall satisfaction with the product range, Eurocirce made no changes to its production planning and continues to focus on continuity. Fresch emphasises the cooperative’s commitment to maintaining a high level of quality, which he describes as a distinctly Italian standard. At the same time, he points to ongoing challenges linked to regulatory restrictions on plant protection products. Thanks to protected cultivation and sound agronomic practices, Eurocirce aims to keep plant protection use to the necessary minimum.

Looking ahead to 2026, Fresch highlights FRUIT LOGISTICA as a key fixture in the company’s calendar. The trade fair remains the most important annual meeting point for Eurocirce, offering opportunities both to establish new business relationships with the retail sector and to strengthen existing customer contacts. id

Foto: Eurocirce
Zucchini are a cornerstone of Eurocirce’s production.

Nachhaltige Lösungen für sicheren und effizienten Transport

Capp-Plast ► Seit fast 20 Jahren ist Andreas Goslar in der Kunststoffbranche unterwegs, seit über zehn Jahren im Bereich Big Boxen und Paletten. Teil des Capp-Plast-Teams ist er seit inzwischen zwei Jahren – kurz: er kennt sich aus. Kunststoff ist und bleibt für ihn ein nachhaltiger Rohstoff, vor allem im Transport.

Durchschnittlich

hält eine Big Box von Capp-Plast 15 Jahre – mit Ersatzteilen ist eine Reparatur meist möglich, was sie zu einer nachhaltigen Lösung macht, so Andreas Goslar.

Die Big Boxen hätten eine durchschnittliche Lebensdauer von 15 Jahren, erklärt er. Bei Beschädigungen sei eine Reparatur durch Ersatzteile in der Regel möglich, und sollte das irgendwann doch nicht mehr möglich sein, recycelt Capp-Plast die Boxen: „Sie werden zu Granulat geschreddert, und dieses wird zu einer neuen Box – die Cradle-to-CradleZertifizierung gewährleistet das.“

Die Nachhaltigkeit des Materials ist nicht der einzige Vorteil, den Andreas Goslar bei den Lösungen von Capp-Plast sieht: „Unsere Big Boxen sind für die heutigen Anforderungen an den Transport ideal geeignet: Waren sollen heute schnell, günstig und verlässlich von A nach B gelangen. Die Big Boxen ermöglichen es, viel Ware auf engstem Raum unterzubringen; gleichzeitig ist die Box – und somit ihr Inhalt – gut geschützt. Mit einer Box

können auf einem Stellplatz 600 kg untergebracht werden, was den Transport sehr effizient macht.“

Big Boxen bis zum PoS

In der Obst- und Gemüsebranche sind meist perforierte Boxen im Einsatz, häufig werden darin Citrusfrüchte oder Äpfel, aber auch andere Kategorien transportiert. „CappPlast stammt aus der Toskana, so dass wir natürlich auch viele Kunden haben, die unsere Big Boxen für den Transport ihres wertvollen Weins nutzen“, lacht Andreas Goslar. Gerade in Italien oder in Spanien würden die Big Boxen häufig auch bis auf die Verkaufsfläche eingesetzt, was in Deutschland derzeit aufgrund anderer Ladenstrukturen nicht der Fall sei, stellt er fest.

Produktion in den Niederlanden für kurze Wege und geringere Kosten

Apropos Strukturen – hier gibt es bei Capp-Plast gute Neuigkeiten für Kunden nördlich der Alpen: „Wir haben neben unserem Hauptwerk in der Toskana eine Produktion in den Niederlanden, wo seit etwas mehr als zwei Jahren ausschließlich Big Boxen für den Food-Sektor hergestellt werden“, erklärt Andreas Goslar. „In der Regel handelt es sich dabei um perforierte Boxen, in so ziemlich allen Größen, die wir von dort aus neben den Niederlanden selbst auch nach Deutschland, Skandinavien oder Österreich versenden.“ Das hat mehrere Vorteile: „Durch kürzere Wege haben wir niedrigere Frachtkosten, was wir so direkt an unsere Kunden weiter-

geben können. Außerdem produzieren wir dort die meistgenutzten Boxen auf Vorrat, so dass wir innerhalb von fünf bis sechs Werktagen liefern können“, führt er aus. Alle anderen Formate werden auftragsbezogen produziert. Bei Capp-Plast direkt gebe es zwar nicht die Möglichkeit, die Boxen zu mieten, doch „ein Großteil unserer Kunden ist im Bereich der Pooling-Unternehmen zu finden“, die dann derartige Optionen anbieten.

Faltbox LogiFold spart 70 % Platz

Um die Boxen noch nachhaltiger zu gestalten, hat das Unternehmen mit der neuen LogiFold eine Faltbox auf den Markt gebracht, die einen weiteren Vorteil mit sich bringt: Reduzierte Ladevolumina bei Leertransport der Boxen. „Zusammengeklappt spart die LogiFold fast 70 % Platz ein“, betont Andreas Goslar. „Während bei starren Boxen je nach Format zwischen 104 und 110 in einen Lkw passen, sind es bei der LogiFold zusammengeklappt bis zu 380 Stück – das bedeutet deutlich effizientere Transporte und reduzierte Frachtkosten.“ Bisher sei die LogiFold allerdings nicht als perforierte Variante erhältlich, schränkt Andreas Goslar ein, das werde aber bald umgesetzt, so sein abschließender Ausblick. Wie auch immer sich die Logistik weiterentwickle, „Capp-Plast ist der richtige Ansprechpartner“, stellt er abschließend fest und lädt ein, Projekte und Ideen mit dem Capp-Plast-Team auf der FRUIT LOGISTICA zu besprechen. id

Halle 3.2, Stand B-12

Foto: Capp-Plast

Big boxes with big advantages for logistics

Capp-Plast ► For almost 20 years, Andreas Goslar has worked in the plastics industry and for more than a decade with Big Boxes and pallet boxes. He has been part of the Capp-Plast team for two years and considers plastics a sustainable raw material, particularly for transport applications.

According to Andreas Goslar, the Big Boxes have an average lifespan of around 15 years. If damaged, they can usually be repaired using spare parts; if repair is no longer possible, the boxes are recycled. “They are shredded into granulate, which is then used to produce new boxes – the Cradleto-Cradle certification guarantees this closed-loop system,” he explains.

Sustainable and efficient

Beyond sustainability, Andreas Goslar highlights efficiency as a key advantage. “Today, goods need to be transported quickly, reliably and at low cost. Big Boxes allow large volumes to be transported in a very small space while protecting the product.” One box can hold up to 600 kg on a single storage position, significantly improving transport efficiency. In the fruit and vegetable sector, perforated boxes are most commonly used, for citrus fruit, apples and other categories. In southern Europe, Big Boxes are sometimes used right up to the point of sale, Goslar notes, whereas different retail structures currently limit this application in Germany.

Shorter routes, reduced costs

To better serve customers north of the Alps, Capp-Plast operates

a production facility in the Netherlands in addition to its main plant in Tuscany. “For just over two years, we have been producing Big Boxes there exclusively for the food sector, mainly perforated boxes in almost all standard sizes,” says Andreas Goslar. From there, the company supplies customers in the Netherlands, Germany, Scandinavia and Austria. Shorter transport routes reduce freight costs, which can be passed on to customers. In addition, standard boxes are produced for stock, allowing delivery within five to six working days. While Capp-

Plast does not offer rental models directly, many of its customers operate in the pooling sector. With the new LogiFold folding box, CappPlast has introduced another solution aimed at improving sustainability. When folded, the LogiFold reduces empty transport volume by almost 70 %. Up to 380 folded boxes can be transported per truck, compared with around 104 to 110 rigid boxes, significantly lowering transport costs. A perforated version is currently in development. id

Hall 3.2, Stand B-12

One Big Box can hold up to 600 kg, significantly improving transport efficiency.

Foto:
Capp-Plast

Zwischen Spitzenprodukten und Strukturproblemen

Markteinblick ► Sizilien nimmt unbestritten eine zentrale Rolle in der italienischen Obst- und Gemüseproduktion ein. Mit rund 264.000 ha vereint die Insel 20 % bis 22 % der gesamten italienischen Anbauflächen, bei den Mengen stemmt die Insel mit 4,6 Mio t einen ähnlichen Anteil (19 %).

Die Region erwirtschaftet über 3 Mrd Euro, was 15 % bis 17 % der landesweiten O+G-Produktion ausmacht, und zählt damit zu den wirtschaftlich bedeutendsten Agrarregionen Italiens, wie Mario Schiano (Ismea) anlässlich eines Macfrut-Events aufzeigte. Besonders ausgeprägt ist die Rolle Siziliens im ökologischen Landbau. Mit rund 47.000 ha Bio-Fläche ist die Insel führend in Italien und beheimatet etwa ein Viertel der nationalen Bio-Anbaufläche. Hinzu kommt die hohe Bedeutung geschützter Herkunftsbezeichnungen: Sizilien ist die italienische Region mit der höchsten Anzahl an DOP- und IGP-Produkten im Obst- und Gemüsesegment, ein Faktor, der wesentlich zur Wertschöpfung beiträgt.

Sizilien als entscheidende Produktionsstätte

Die Stärke Siziliens liegt jedoch nicht allein in der Menge, sondern auch in der Breite der Kulturen. Nach Analysen von Elisa Macchi (CSO Italy) entfallen rund 45 % des sizilianischen Obstanbaus auf Citrusfrüchte, was die Insel zum Zentrum der italienischen Citrusproduktion kürt. 65 % der nationalen Orangenflächen, rund 90 % der Zitronenproduktion sowie 98 % der Kaktusfeigen-Erzeugung stammen aus Sizilien. Auch bei weiteren Kulturen wie Melonen, Auberginen und Zucchini erreicht die Region zweistellige Flächenanteile. Neben traditionellen Produkten gewinnen zunehmend auch tropische Früchte wie Avocado, Mango oder Papaya an Bedeutung – ein Trend, der durch die veränderten klimatischen Bedingungen begünstigt wird.

Auch für Zitronen ist Sizilien ein bedeutendes Anbaugebiet.

Zyklon Harry sorgt für Verwüstung

Dass das sich wandelnde Klima jedoch auch erhebliche Risiken birgt, hat im Januar 2026 der Zyklon „Harry“ gezeigt. Wie die Tageszeitung La Sicilia berichtet, verursachte das Unwetter zwischen dem 19. und 21. Januar insbesondere entlang der ionischen Küste Siziliens massive Schäden. Erste Schätzungen der Regionalregierung beziffern die materiellen Schäden auf rund 740 Mio Euro. Betroffen waren neben Infrastruktur und Küstenanlagen auch landwirtschaftliche Flächen: Überschwemmungen, zerstörte Gewächshäuser und Ernteverluste prägten das Bild vor allem im Südosten der Insel. Erzeuger berichteten von massiven Ausfällen in der laufenden Citruskampagne, die in Einzelfällen bis zu 80 % oder sogar 100 % der Produktion betreffen könnten, so die Zeitung weiter. Die Ereignisse verdeutlichten, wie stark Extremwetterlagen in Produktions-

abläufe eingreifen – und wie sehr sich Zukunftsstrategien der sizilianischen Obst- und Gemüsewirtschaft zunehmend zwischen Innovationschancen und klimatischen Risiken bewegen.

International gefragt –organisatorisch gefordert

Trotz der grundsätzlich starken Ausgangslage im Anbau zeigt sich, dass das vorhandene Potenzial nicht in allen Bereichen ausgeschöpft wird. Insbesondere strukturelle Defizite entlang der Wertschöpfungskette sowie zunehmende klimatische Risiken stellen die Betriebe vor neue Herausforderungen. Wie im Rahmen des Macfrut-Events deutlich wurde, gilt Sizilien im internationalen Handel zwar als attraktiver Herkunftsraum – zugleich erfordert der Zugang zu ausländischen Märkten jedoch eine stärkere Organisation der Angebote.

Foto:

Fragmentierung und Vorsicht als Hemmnisse

Sizilianische Produkte seien „einzigartig“, doch eine stärkere Aggregation kleinerer Produzenten könne helfen, neue Projekte zu entwickeln, Ressourcen zu bündeln und Investitionen anzuziehen“, schätzte Alfio Mancuso, Einkäufer der ArenaGruppe. Auch Germano Fabiani (Coop Italia) empfahl Zusammenarbeit, moderner organisierte Lieferketten und eine Ausweitung der Absatzmärkte. „Die Qualität ist da“, Sizilien habe viele Top-Produkte, es müsse sich nur besser organisieren, so Fabiani. „Sizilien ist für uns von grundlegender Bedeutung“, betonte Domenico Lo Re (Eurogroup Italia). Fehlende Infrastrukturen, begrenzte Sorteninnovationen und hohe Logistikkosten seien jedoch klare Hindernisse. Er plädierte für mehr Mut: „Zu viel Vorsicht lässt uns den Anschluss verpassen – oft für Jahre.“ Auch Nicolò Sparacino (Biofruit) bezeichnet Sizilien als gefragte Herkunft; die Zukunft liege darin, diese Herkunft konsequent mit den jeweiligen Produkten zu verknüpfen, z.B. auch durch den Tourismus.

Ansätze für mehr Koordination und Innovation

Gleichzeitig zeigen sich auch positive Entwicklungen. Die Vereinigung DOS Sicilia (Consorzio delle Denominazioni di Origine Siciliane) setzt sich seit 2020 für die gemeinsame Förderung von 16 sizilianischen Agrarerzeugnissen mit EU-Herkunftssiegel ein, und der Erfolg der Sizilianischen Blutorange g.g.A. zeigt, dass eine abgestimmte Strategie von Erzeugern, Konsortium und Institutionen Wirkung entfalten kann: Die zertifizierte Blutorange ist vom fünften auf den dritten Platz der wichtigsten italienischen O+G-

Erzeugnisse mit EU-Herkunftssiegel aufgestiegen. Mit Fördermitteln in Höhe von 18 Mio Euro unterstützt die Region Sizilien zudem den Anbau neuer Kulturen – genutzt unter anderem für tropische Früchte wie Papaya, Mango oder Avocado. In der Region Catania ist der Bau einer neuen Bewässerungsanlage geplant, während in einem anderen Projekt der Region Versuche mit digitalen Tools laufen, die Erzeuger künftig bei Entscheidungen zu Bewässerung oder Pflanzenschutz unterstützen sollen. Die Region steht also nicht still, sondern befindet sich – wie die Märkte, die sie bedient – mitten im Wandel. id

98 % der italienischen Kaktusfeigen werden auf Sizilien angebaut.

Quelle: Roberto / AdobeStock

Wachsende Mengen, wachsender Druck

Logistik ► Italiens Obst- und Gemüsebranche gehört zu den stärksten in Europa, Tendenz steigend: In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 wuchsen die italienischen O+G-Exporte um 7,8 % in der Menge sowie um 13,2 % im Wert. Deutschland zählt zu den wichtigsten Handelspartnern – doch wie sieht es mit der Logistik zwischen den beiden Ländern aus?

Emanuela Stifano & Inga Detleffsen

Positiv, betont die Landwirtschaftsvereinigung Coldiretti, und nennt neben einer professionellen Disposition der Warenströme auch Logistikhubs in Norditalien und Bayern als Grund für pünktliche Lieferungen. Bei den Obst- und Gemüsetransporten zwischen Italien und Deutschland seien Anbau, Verpackung und Logistik eng verzahnt, was Qualität, Frische und kontinuierliche Lieferungen gewährleiste. Durchschnittlich liegen die Transitzeiten zwischen 24 und 48 Stunden, können jedoch auch bis zu 72 Stunden betragen. Meist werden Kühltransporter eingesetzt, die bei empfindlicher Ware wie Salaten, Obst und Sommergemüse unerlässlich sind, aber auch bei Äpfeln und Citrusfrüchten durch konstante Temperaturüberwauchung bestmögliche Haltbarkeit und Frische garantieren.

Effiziente Logistik für wertvolle Produkte

Wie die Außenhandelsagentur ICE aufzeigt, geht rund ein Drittel der italienischen O+G-Exporte – 31,2 % bei Obst, 30,7 % bei Gemüse – nach Deutschland. Zwischen Januar und November 2024 importierte die BRD Gemüse im Wert von 573 Mio Euro aus Italien, bei Obst waren es 1,1 Mrd Euro; Tendenz steigend. Hohen Anteil am Wachstum haben Produkte mit hoher Wertschöpfung – und um diesen Wert auf dem Weg bis ins Regal nicht zu riskieren, braucht es Lösungen, die Produktion, Verpackung und Logistik effizient verknüpfen. Wer dabei noch das Thema Nachhaltigkeit einbringt, z.B. durch Fahrzeuge mit

Stau wird schlimmer: Für 2026 wurden auf der Brenner Autobahn schon jetzt zahlreiche Sperrungen bekanntgegeben.

einer geringeren Umweltbelastung, wiederverwend- bzw. recycelbare Umverpackungen oder Ladeoptimierungs-Systemen, sorgt für hohe Qualitätsstandards in der Logistik und punktet bei Handelspartnern und Konsumenten gleichermaßen, denn: Je besser die Logistik, desto frischer die Ware – und das hilft, Lebensmittelverschwendung und Folgekosten zu reduzieren.

Brenzlige BrennerBeeinträchtiungen

Doch die Logistikbranche steht unter Druck; hohe Kosten v.a. für Langstrecken-Kühltransporte, der Mangel an Fahrern und Infrastruktur-Hindernisse setzen ihr zu. Auf der Brenner Autobahn, strategische Strecke für den Frischetransport zwischen Italien und Deutschland, soll die Modernisierung der Luegbrücke auf der A13 bis 2030 dauern,

was deutliche Einschränkungen für den Fernverkehr mit sich bringt. Bereits jetzt sind Teil- oder komplette Fahrverbotstage für 2026 vorgesehen. Italien will den Verkehrsfluss auf der A22 neu regeln, um die Auswirkungen von Sperrungen in Österreich abzumildern; um aktuelle Staus zu entzerren, könnten Nachtfahrverbote oder die doppelte Nachtmaut aufgehoben werden. Bei einem Treffen italienischer Unternehmer und Logistikakteure in Bozen Mitte Januar war man sich einig: „Für eine effiziente Mobilität der Menschen und der Waren entlang der Brennerachse müssen Schiene und Straße bestmöglich genutzt werden“, wird ein gemeinsames Statement bei SüdtirolNews zitiert, der Brenner wurde als „zentraler Wettbewerbsfaktor“ für Italien und Südtirol eingeordnet. Langfristig wolle man auf Innovationen wie die E-Mobilität setzen. Auch die

Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene wurde als Option genannt, doch die Eröffnung des Brennerbasistunnels ist Stand heute frühestens für 2032 zu erwarten. Derzeit soll die Bahnstrecke am Brenner als Ausweichstransport genutzt werden, doch auch im Schienenverkehr ruckelt es: Die Verbindung Rosenheim-Kufstein ist z.B. nach einem Unfall Anfang Januar derzeit nur eingleisig befahrbar.

Intermodale Alternativen

Auch, wenn ein Großteil des Warenverkehrs zwischen Deutschland und Italien über die Straße abgewickelt wird sind Alternativen bzw. Ergänzungen möglich. Ansätze im Intermodalverkehr ersetzen z.B. auf Teilstrecken Straßen- durch Schienentransport, was größere Zuladungen ermöglichen und beim erwähnten Fahrermangel helfen kann. „Im Vergleich zum reinen Straßentransport spart der Intermodalverkehr über 70 % CO 2 ein“, was besonders für Unternehmen mit „ambitionierten ESG-Zielen“ interessant sei, kommentierte dazu Paneuropa-CEO Nils Buchmann gegenüber dem Fruchthandel Magazin. Europaweit hatte der Intermodalverkehr 2024 zwar um 5,2 % zum Vorjahr zugelegt, grenzüberschreitende Nord-Süd-Verbindungen durch Deutschland entwickelten sich im gleichen Zeitraum allerdings mit -1,5 % deutlich schlechter, wie die UIRR angibt. „Das System steht massiv unter Druck“, heißt es in einer aktuellen Initiative der Operateure Kombiverkehr und Hupac, die u.a. eine Sanierung der Strecken sowie faire Trassenpreise fordert.

ETS2: Empfindliche Erhöhungen erwartet

Derweil zeichnet sich am Horizont direkt die nächste Herausforderung ab: Das erweiterte Emissionshandelssysstem der EU (ETS2) soll ab 2028 auch den Straßenverkehr betreffen. Erwartete Einnahmen des italienischen Staates in Höhe von 2 Mrd bis 3 Mrd Euro stehen

Intermodale Transportlösungen sind eine Ergänzung zum Straßenverkehr, doch auch sie leiden unter Schäden am Schienennetz.

Preiserhöhungen von rund 20 % für Dieselkraftstoff gegenüber, schätzt der italienische Handelsverband Confcommercio. Pasquale Russo, Präsident des Logistikverbands Conftrasporto, rechnete gar mit weiteren Steigerungen und „schwerwiegenden Folgen“: „Steigerungen von 30 % bedeuten, dass man komplett aus dem Markt gedrängt wird“, mahnte Russo im Dezember 2025. Wie das italienische Zentrum für nachhaltige Mobilität (MOST) in seinem Logistikbericht 2025 aufzeigte, ist der Straßengüterverkehr in Italien im Jahr 2024 um 2 % zum Vorjahr angestiegen. Das Volumen könne man kurzfristig nur schwer reduzieren, doch bei der Beladung der Lkw gebe es Optimierungspotenzial, um die Hin- und Rückfahren ideal auszulasten.

Künftig mehr

KI-Unterstützung

Insgesamt bewertete das MOST Italiens Logistikbranche als widerstandsfähig, der Umsatz sei von 92,7 Mrd Euro (2024) auf voraussichtlich 94,5 Mrd Euro (2025) um 1,9 % gestiegen. Um Optimierungen

voranzutreiben, könnte zukünftig KI unterstützend eingesetzt werden: 18 % der für den Bericht befragten Unternehmen gaben an, künstliche Intelligenz in der Disposition einzusetzen; in den kommenden drei Jahren werde der Anteil auf 40 % steigen, so eine vorsichtige Schätzung des MOST.

Ideal bis ins Regal

Wie sich die Branche angesichts existierender und bevorstehender Hürden entwickelt, bleibt abzuwarten. Es wird deutlich, wie wichtig eine gemeinsame, gründliche Planung der Handelsströme und eine durchgehende Kommunikation der Akteure sowie eine bedachte Wahl der Logistikpartner ist, um Verzögerungen bestmöglich zu reduzieren und Obst und Gemüse so frisch wie möglich in die Regale des Handels zu bringen – was anschließend in den Küchen der Konsumenten geschieht, entzieht sich naturgemäß selbst der lückenlosesten logistischen Planung. 

Quelle: M. Perfectti / AdobeStock

Zitronen aus Italien: Vielfalt mit verdreifachtem Handel

Einblick ► Eine Zitrone ist eine Zitrone ist eine… nein, stopp: „Zitronen sind nicht alle gleich“, weiß Manuela Soressi. Die Journalistin ist seit langem in der Branche unterwegs und schreibt nicht nur für Fachmagazine, sondern auch für die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore – und hat den Zitronen sogar ein ganzes Buch gewidmet. In ihrem Gastbeitrag klärt sie über die Vielfalt der Früchte auf, quasi eine „Warenkunde all‘italiana“.

Manuela Soressi | Vorspann: Inga Detleffsen

Je nach Herkunft und Erntezeit werden italienische Zitronen für unterschiedliche Rezepte genutzt.

Nicht alle Zitronen gleichen sich – selbst, wenn sie vom gleichen Baum stammen. Zumindest in Italien, wo diese Früchte ganzjährig frisch verfügbar sind. Während der drei bis vier Durchgänge je Baum werden dort Früchte geerntet, die sich teils deutlich unterscheiden: Sie variieren in ihrer Form, dem Verhältnis zwischen Schale, der als Albedo bekannten weißen Innenschale und Fruchtfleisch, in der Saftmenge sowie im Verhältnis zwischen Süße und Säure. Diese Besonderheit macht Italien, ganz nach Goethe, auch heute noch zum „Land der

Zitronen“, denn diese Biodiversität ist seit Jahrhunderten verwurzelt und macht Italiens Anbau dank der Breite und der Sortenvielfalt weltweit einzigartig.

Sieben Zitronen mit Herkunftssiegel

In einem Weltmarkt, der immer knappere Preise und Erträge diktiert, droht die Zitrone, zur Massenware zu werden – ungeachtet ihrer gesundheitlichen und geschmacklichen Vorzüge. Italien stellt sich gegen diesen „Trend“ und legt den Fokus auf Qualität, Nachhaltigkeit, einen ausgedehnten Produktionskalender sowie auf die Einzigartigkeit seiner Zitronen – eine Tatsache, die auch insgesamt sieben europäische Herkunftssiegel mit „geschützter geographischer Angabe“ widerspiegeln: Dazu zählt die Limone di Siracusa, die Limone di Sorrento, die Limone Costa d‘Amalfi, die Limone Femminello del Gargano, die Limone dell‘Etna, die Limone Interdonato Messina sowie die Limone di Rocca Imperiale. Alle diese Zitronen stammen aus unterschiedlichen Regionen Italiens, alle habe ich in meinem Buch „Il Paese dei Limoni“, das bei Trenta Editore erhältlich ist, mit vielen Informationen und Rezepten berücksichtigt – und alle haben laut CSO Italy in den vergangenen zehn Jahren ihr Handelsvolumen verdreifacht. Auch international wächst die Präsenz italienischer Zitronen, das Land ist nach Spanien der wichtigste Produzent. 2024 wurden auf den über 26.000 ha Anbaufläche

rund 432.000 t Zitronen geerntet. Zwischen Januar und September 2025 sind die Exporte italienischer Zitronen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 % in der Menge sowie um 43 % im Wert gestiegen und erreichten 54.784 t bzw. 83,6 Mio Euro.

Vielfalt je Saison und Region

Unterteilt werden die Zitronen im Handel nach ihrer Blüte- und Reifezeit. Die ersten Zitronen, die in einer neuen Saison vermarktet werden, sind die Primofiore-Zitronen im Herbst, die aus der ersten Blüte im Jahr entstehen – daher der Name. Sie sind mit min. 90 g mittelgroß, länglich und haben eine dicke Schale. Sie gelten als sehr hochwertige Zitronen, haben einen deutlichen Geschmack mit idealer Balance zwischen Süße und Säure. Besonders von Konditoreien, Eisoder Likörproduzenten geschätzt werden dabei die Zitronen aus Amalfi und Sorrento, aus denen auch der bekannte Limoncello hergestellt wird. Als Winter-Primofiore liegen hingegen die Zitronen aus Siracusa g.g.A. vorne: Sie sind sehr saftig und säuerlich, reich an Vitamin C und an ätherischen Ölen und werden für Frischsäfte, Getränke und Parfums genutzt. Im Frühjahr werden dann die sog. „Bianchetto“oder „Maiolino“-Zitronen geerntet: Diese haben eine länglichere, zusammengepresste Form, ein dickeres Albedo und können feine Bitternoten enthalten.

Foto: Ramona Pizzano

Verdello-Zitronen sind ein Geheimtipp, vielseitig und mit Potenzial, Importe aus der Südlichen Hemisphäre zu ersetzen.

Geheimtipp mit Nachhaltigkeitsbonus

Im Sommer würden Zitronenbäume eigentlich ruhen – wenn findige sizilianische „Gärtner“ nicht eine Methode erfunden hätten, mit der die Bäume an den Hängen des Ätna und in der Gegend um Siracusa durch Wasserstress eine weitere Blütezeit im Jahr durchleben. So können Sommerzitronen, die sogenannten „Verdelli“, geerntet werden – ein echter Geheimtipp: Sie sind klein und rund, wiegen max. 80 g, haben einen frischen Duft und eine dünne, grüne Schale, die an Limetten erinnert. Oft werden sie verschmäht, da man sie für unreif oder säuerlich hält, doch im Gegenteil: Ihr Geschmack ist ausgewogen, mit wenig Säure und wenig Süße, was sie für jeden Anlass perfekt geeignet macht und die Sommerzitronen auch zur nachhaltigen Alternative für exotische Limetten oder für Importe aus der Südlichen Hemisphäre werden lässt. 

Citrusfrüchte aus Süditalien: Vorteile mit Nebenwirkungen

Markteinblick ► Orangen gehören zu den am stärksten standardisierten Produkten im internationalen Handel. Herkunft, Sorte oder Produktionsbedingungen treten im Massenmarkt oft in den Hintergrund. Auf Klasse statt Masse setzen die Produzenten der Sizilianischen Blutorange g.g.A. (Arancia Rossa di Sicilia IGP).

Laut Statistikinstitut Ismea zählt sie inzwischen zu den drei wertstärks ten Produkten mit EU-Herkunftssie gel in der italienischen O+G-Bran che – 2023 lag sie noch auf dem fünften Platz des Rankings. Die Produktion legte zuletzt um 8,4 % zu und erreichte 2024 einen Pro duktionswert von 19 Mio Euro (+11,8 % gegenüber 2023), die Ex porte stiegen im Wert von 10 Mio auf 12 Mio Euro an (+16,8 %), was das zunehmende Interesse an den italienischen Citrusspeziali täten bestätigt. In der Kampagne 2024/25 wurden insgesamt rund 26.200 t Blutorangen aus Sizilien g.g.A. vermarktet, darunter etwa 3.100 t aus biologischem Anbau.

Clementinen-Klima

Nicht nur für Blutorangen, auch für die gesamte Kategorie nimmt Sizilien eine Schlüsselrolle ein: Nach Angaben des italienischen Statistikdienstes Istat entfallen rund 64 % der nationalen Orangen-Anbauflächen auf die Insel. Insgesamt werden in Italien auf knapp 84.000 ha Orangen angebaut, was einen Rückgang von 2,9 % zu 2024 darstellt. Zurückgeführt wird diese Entwicklung auf ein zunehmend komplexes Klima mit weniger Kältestunden und längeren Hitzeperioden, was in der Kampagne 2024/25 einen höheren Bewässerungsbedarf und kleinere Kaliber zur Folge hatte, ordnet Istat ein. Andere Citrusfrüchte und Regionen profitieren von den sich wandelnden Bedingungen: In Kalabrien, wo 66 % der italienischen Clementinenproduktion beheimatet sind, habe man nicht nur höhere Temperaturen, sondern auch eine bessere

Foto: Wasai / AdobeStock

Die Sizilianische Blutorange g.g.A. wird auch für den Export immer interessanter.

Reifung und Ausfärbung der Früchte sowie höhere Erträge pro Hektar festgestellt, erklärt Istat. Auch ApofruitGeneraldirektor Ernesto Fornari gab an, dass – aller Herausforderungen zum Trotz – der Klimawandel auch den Anbau von Citrusfrüchten in Nordkalabrien und der Basilikata ermögliche.

Wetter lässt Produktion wanken

Doch so vorteilhaft die südlichen Regionen Italiens für den Citrusanbau auch sind, so deutlich zeigen Extremwetterereignisse wie Zyklon Harry, der Mitte Januar große Teile Siziliens und Süditaliens verwüstete, wie verwundbar diese Anbaugebiete zugleich sind. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurde das Ausmaß der Schäden auf 740 Mio Euro beziffert. Zahlreiche sizilianische Produzenten äußerten sich in italienischen Medien jedoch über überschwemmte Plantagen, Fruchtabwurf der Bäume und Probleme mit der Ernte und Haltbarkeit der Früchte. Man hoffe auf eine Unterstützung durch Handel und Konsumenten, um auch optisch nicht perfekte Ware vermarkten zu können, kommentierten die Erzeuger. id

Gute Küche entsteht auf dem Feld

UNESCO-Weltkulturerbe ► Kurz vor Weihnachten gab es für Italien ein besonders schönes Geschenk: Am 10. Dezember 2025 beschlossen die 24 Länder der UN-Kulturorganisation bei ihrer Sitzung in Neu-Delhi einstimmig die Aufnahme der italienischen Küche in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Vereinten Nationen.

Die Bewerbung hatten die italienischen Ministerien für Landwirtschaft sowie für Kultur Anfang 2023 abgegeben; darauf folgten zahlreiche Aktivitäten, bei dem die italienische Küche mal im Weltall, mal am New Yorker Times Square publikumswirksam inszeniert wurde. Ob all die Werbung nötig war? Schließlich gehört die Gastronomie des Belpaese zu den international beliebtesten Küchen: Weltweit ist knapp jedes fünfte Restaurant (19 %) der italienischen Küche zuzuordnen; italienische Erzeugnisse erwirtschafteten 2024 einen Gesamtwert von 251 Mrd Euro – Tendenz steigend. Die Lebensmittelproduktion Italiens ist laut Ismea seit 2020 um 25 % gewachsen und erreichte 2024 20,7 Mrd Euro, was einen Anteil von 19 % an der gesamten Lebensmittelwertschöpfung des Landes ausmacht. Kein Wunder, dass auch das „Italian Sounding“ wächst, also die Vermarktung bewusst italienisch klingender Produkte nicht-italienischer Herkunft.

Exzellenz der Wertschöpfungskette

„Gastronomische Spitzenleistungen sind durch das Netz der Großmärkte möglich, die für Frische und Qualität sorgen“, befand Fabio Massimo Pallottini, Präsident des italienischen Großhandelsverbands Italmercati, nach Bekanntgabe der Aufnahme. Doch die Spitzenleistung beginnt deutlich früher: Gutes Essen entsteht nicht erst auf dem Markt oder in der Küche, sondern bereits auf dem Feld. „Sie beginnt mit der hervorragen-

111. Jahrgang (gegründet 1916)

SPECIAL Italien

VERLAG

Fruitnet Media International GmbH

Simrockstraße 64-66 I 40235 Düsseldorf

Tel.+49 (0)211-99104-0 I info@fruchthandel.de www.fruchthandel.de

HERAUSGEBER

H. Günter Schweinsberg †

GESCHÄFTSFÜHRUNG

Ulrike Niggemann I Chris White

REDAKTIONSLEITUNG

Michael Schotten (ms, Chefredakteur) I Nadine Schotten (nsc, Chefin vom Dienst)

Tel. +49 (0)211-9 91 04-35 I redaktion@fruchthandel.de

Für perfekte Pasta al Pomodoro braucht es vor allem eins: qualitativ hochwertige Zutaten – und dafür ist Italien bekannt.

den Leistung unserer Landwirte“, betonte auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Denn um die qualitativ hochwertigen Gerichte zuzubereiten, von denen die Welt generationsübergreifend schwärmt, braucht es Landwirtinnen und Landwirte, die mit Achtung und Ahnung so produzieren, dass daraus

ANZEIGEN (ITALIEN)

NCX Drahorad srl, Strada Provinciale Vignola Sassuolo 315/1, 41057 Spilamberto (Modena), Tel: +39-059-7863863, media@ncx.it

sowie die Media-Beratung des Fruchthandel Magazins

Helmut Peskes I Panagiotis Chrissovergis I Gabi Höhle

Tel. +49-(0)211-9 91 04-40 anzeigen@fruchthandel.de

REDAKTION (ITALIEN)

Inga Detleffsen (id)

Tel. +49-(0)211-9 91 04-17 id@fruchthandel.de

ABONNEMENTS I VERTRIEB

Tel. +49-(0)211-9 91 04-12 I abos@fruchthandel.de

Sebastian Felici

eigentlich nur exzellentes Essen werden kann. 328 Konsortien und 184.000 Betriebe mit über 864.000 Mitarbeitenden setzen sich in Italien tagtäglich für genau dieses Ziel ein, und die in dieser Sonderausgabe präsenten Firmen und Verbände zeichnen ein klares Bild von diesem Engagement. id

EVENTS I AWARDS

Tel. +49-(0)211-9 91 04-10 I events@fruchthandel.de Kaasten Reh (Leitung)

Einen Überblick unserer kommenden Ausgaben finden Sie unter https://www.fruchthandel.de/ themenplan.

Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste und Vervielfältigung auf Datenträger nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung durch den Verlag. Keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte

Foto:

re:think packaging

Forum für Verpackung + Kreislaufwirtschaft 20./21. Mai 2026, Düsseldorf

Welche Auswirkungen hat die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) auf die Lieferkette? Wie positioniert sich der Handel? Antworten liefert das Forum re:think packaging.

Das Forum ist co-located mit der DFHV-Jahrestagung am 20. Mai 2026 und einem gemeinsamen Get-together am Abend.

Der Kongresstag findet am 21. Mai 2026 statt.

Jetzt anmelden zum Frühbucher-Preis von 495 € – kostenfrei stornierbar! Bei Buchung bis 31. März 2026 sparen Sie 200 €. Bis zu diesem Termin können Sie Ihr Ticket jederzeit kostenlos stornieren. Ab 1. April beträgt der Ticketpreis 695 €.

www.fruchthandel.de/rethink Kontakt: events@fruchthandel.de Tel. +49-211-99104-10

Obst und Gemüse “Made in Italy”

Seit über 65 Jahren auf dem italienischen und europäischen Markt.

12 Verarbeitungsbetriebe und 12 Lager- und Logistikzentren.

Spezialisierung auf die wichtigsten italienischen Obst- und Gemüsesorten.

Produktion von über 132.500 Tonnen Obst und Gemüse jährlich.

70 % der Produktion aus integriertem Anbau. Führend im biologischen Anbau.

Apofruit Italia ist Mitglied des Konsortiums Patata Italiana di Qualità, Inhaber der Marke Selenella®
Apofruit Italia ist Mitgliedder Dulcis Kiwifruit Company, Inhaber der Marke Dulcis™.

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.