PGH _ 6. Philharmonisches Konzert

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KONZERT theater-vorpommern.de
6. PHILHARMONISCHES

6. Philharmonisches Konzert

Robert Schumann (1810 – 1856)

OuvertĂŒre, Scherzo & Finale E-Dur op. 52

OuvertĂŒre. Andante con moto

Scherzo. Vivo

Finale. Allegro molto vivace

Carl Maria von Weber (1786 – 1826)

Konzert fĂŒr Fagott und Orchester F-Dur op. 75

1. Allegro ma non troppo

2. Adagio

3. Rondo. Allegro

– Pause –

Joseph Haydn (1732 – 1809)

Sinfonie in G-Dur Hob. I:88

1. Adagio – Allegro

2. Largo

3. Menuetto. Allegretto

4. Finale. Allegro con spirito

Solistin: Nina Schönberger, Fagott

Philharmonisches Orchester Vorpommern

Dirigent: Alexander Mayer

Öffentliche Generalprobe

Mo 25.03.2024, Greifswald: Stadthalle / Kaisersaal

Konzerte

Di 26.03.2024, Greifswald: Stadthalle / Kaisersaal

Mi 27. & Do 28.03.2024, Stralsund: Großes Haus

So 31.03.2024, Putbus

Liebe GĂ€ste, wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, dass Ton- und/oder Bildaufnahmen unserer AuffĂŒhrungen aus urheberrechtlichen GrĂŒnden untersagt sind. Vielen Dank.

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Nina Schönberger , 1997 in Wangen im AllgĂ€u geboren, begann schon frĂŒh, im Alter von sechs Jahren, mit ihrem ersten Quintfagottunterricht bei RĂŒdiger Schwedes und spĂ€ter dann auf dem Fagott bei Andrea Osti an der Jugendmusikschule Wangen. Noch wĂ€hrend ihrer Schulzeit war sie Jungstudentin am Landeskonservatorium Feldkirch (Österreich) bei Prof. Allen Smith. WĂ€hrend dieser Zeit konnte sie bereits Orchestererfahrung in verschiedenen Projektorchestern und Jugendsinfonieorchestern sammeln. Durch ihre regelmĂ€ĂŸige Teil-

nahme an Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ und „prima la musica“, bei denen sie zahlreiche Preise gewann, konnte sie bereits erste solistische Erfahrungen sammeln, welche sie spĂ€ter bei diversen Meisterkursen, wie zum Beispiel bei Prof. Dag Jensen, Prof. Georg KlĂŒtsch, Robert Birnstingl oder Prof. Carlo Colombo erweitern konnte. 2015 begann sie ihr Studium bei Prof. Ole Kristian Dahl an der Staatlichen Hochschule fĂŒr Musik und darstellende Kunst Mannheim. Es dauerte nicht lang, bis sie Stipendiatin an der Orchesterakademie Rhein-Neckar wurde und somit in Top-Orchestern wie dem Nationaltheater Mannheim, dem Philharmonischen Orchester Heidelberg oder der Staatsphilharmonie RheinlandPfalz spielen durfte. Des Weiteren erhielt sie die Möglichkeit mit den Göteborgs Symfonikern Strauss’ „Ein Heldenleben“ unter der Leitung AndrĂ©s Orozco-Estradas aufzufĂŒhren. Seit 2019, noch vor Abschluss ihres Studiums in Mannheim, spielt Nina Schönberger als Solo-Fagottistin beim Philharmonischen Orchester Vorpommern, wo dem sie bereits solistisch mit Elgars Fagottsolo-Werk „Romanze“ zu hören war. Neben ihrer TĂ€tigkeit am Theater absolvierte sie 2021 erfolgreich ihren Bachelor-Abschluss an der Hochschule fĂŒr Musik und Theater Rostock bei Prof. David Petersen.

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Das Theater Vorpommern wird getragen durch die Hansestadt Stralsund, die UniversitĂ€ts- und Hansestadt Greifswald und den Landkreis Vorpommern-RĂŒgen. wird gefördert durch das Ministerium fĂŒr Wissenschaft, Kultur, Bundes- und EU-Angelegenheiten des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Wenn man genau hinschaut, entdeckt man auch neben dem Großen noch Schönes.

ROBERT SCHUMANN: OUVERTÜRE, SCHERZO & FINALE

Das Kind

ohne Namen

Zögerlich, ja fast fragend beginnt diese OuvertĂŒre. Dass dies kein Auftakt zu einer BĂŒhnenhandlung sein wird, versteht sich mit den ersten Takten. Aber was ist es dann? Mehrere AnlĂ€ufe benötigt das musikalische Geschehen, zu dem sich die HolzblĂ€ser nach und nach hinzugesellen, bis das anfĂ€ngliche Andante con moto ins Allegro umschlĂ€gt und den heiteren Grundton des Werkes manifestiert. Doch was genau ist das fĂŒr ein Werk, das Robert Schumann innerhalb kĂŒrzester Zeit – im April/Mai 1841 zu Papier gebracht hatte? Clara Schumann schreibt Anfang Mai 1841 in das gemeinsame Ehetagebuch: „Wir wissen es noch nicht zu benennen, es besteht aus OuvertĂŒre , Scherzo und Finale .“ An Ideen mangelt es nicht. Schumann denkt ĂŒber Bezeichnungen wie „Suite“, „Novelle fĂŒr Orchester“, „Sinfonietta“ oder die Wortneuschöpfung „Symphonette“ nach.

Die NĂ€he zur sinfonischen Idee schwingt in diesen Überlegungen also schon mit. Aber handelt es sich um eine Sinfonie? Formal betrachtet weist die Komposition in ihrer DreisĂ€tzigkeit und Satzfolge mehr Ähnlichkeit mit einer barocken Suite oder OuvertĂŒre auf als mit einer romantischen Sinfonie. Inhaltlich liegt der Fall anders: Motivische VerknĂŒpfungen und Reminiszenzen ziehen sich durch alle drei SĂ€tze und schaffen lose, aber hörbare Verbindungen – ganz so, wie Schumann die romantische Sinfonie verstand. „Schlag auf Schlag“ sollen die Themen da wechseln, „doch durch ein inneres geistiges Band verkettet“ sein. Dies postulierte der Komponist 1854 und kritisierte im selben Artikel, den er fĂŒr die Allgemeine musikalische Zeitung verfasst hatte, die „neueren Sinfonien“, namentlich von zeitgenössischen Komponisten wie Gottfried von Preyer, Carl Gottlieb Reißiger und Franz Lachner, denen er vorwarf, ihre Werke „verflachen sich zum grĂ¶ĂŸten Theil in den Ouverturenstyl hinein, die ersten SĂ€tze namentlich; die langsamen sind nur da, weil sie nicht fehlen dĂŒrfen; die Scherzo’s haben nur den Namen davon; die letzten SĂ€tze wissen nicht mehr, was die vorigen enthalten.“

Aber was unterscheidet nun Schumanns „OuvertĂŒre, Scherzo & Finale“ von jenen so kritisierten Werken? Sicherlich vorrangig die Tatsache, dass er seine Komposition nicht als „Sinfonie“ im Sinne der „Königskategorie“ der Orchestermusik verstand. Er selbst hatte lange damit gehadert, eine Sinfonie zu komponieren, sah er sich doch – genau wie Johannes Brahms und andere Zeitgenossen – mit dem ĂŒbergroßen Vorbild Beethoven konfrontiert. Ein erster sinfonischer Versuch aus den Jahren 1832/33 blieb unvollendet. Erst Schumanns Wiederentdeckung von Franz Schuberts großer –seinerzeit verschollener – Sinfonie in C-Dur zeigte ihm einen Weg aus dem Dilemma. Schubert hatte mutig seinen eigenen sinfonischen Weg beschritten, ohne sich dabei an Beethovens abzuarbeiten. Schumanns Dachbodenfund (er war von Schuberts Bruder Ferdinand auf die Partitur im Nachlass des Komponisten aufmerksam gemacht worden) hatte den Knoten gesprengt. Im Jahr 1841 schrieb Schumann gleich zwei Sinfonien: die „FrĂŒhlingssinfonie“ und die Erstfassung der heute als 4. Sinfonie gezĂ€hlten. Dazwischen entstand mit „OuvertĂŒre, Scherzo & Finale“ ein vergleichbar angelegtes

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Werk heiteren Charakters – eine Studie, könnte man meinen, vielleicht aber auch der Ausdruck eines IdeenĂŒberschwangs, der sich nun musikalisch Bahn brechen musste, nachdem die erste HĂŒrde genommen worden war. Dieses als „Sinfonisches Jahr“ betitelte 1841 stellt einen Ă€ußerst kreativen Abschnitt in Schumanns Karriere dar. So schwer und dramatisch manche Schumann-Komposition erscheinen mag und so sehr das tragische Ende des Komponisten rĂŒckblickend sein ganzes Leben ĂŒberschattet, gab es Momente, in denen er vor Ideen ĂŒberschĂ€umte.

„Aber wĂŒssten Sie, wie es in mir drĂ€ngt und treibt und wie ich in meinen Sinfonien schon bis zu op. 100 gekommen sein könnte, hĂ€tte ich sie aufgeschrieben und wie ich mich so eigentlich im ganzen Orchester so recht wohl befinde.“

Womöglich ist „OuvertĂŒre, Scherzo & Finale“ diesem kompositorischen Überschwang zu verdanken: Ein leichtfĂŒĂŸiges Werk mit „freundlichem Charakter“, das Schumann „in recht fröhlicher Stimmung“ schrieb und so auch seinem Verleger Friedrich Hofmeister anpries. Und doch ist es mehr als das – vielleicht doch eher eine „Symphonette“, eine Sinfonie in kleinem Stil, denn alle drei SĂ€tze durchziehen thematische Bezugnahmen und verbinden sie somit zu einem kleinen Ganzen.

Auf die langsame Einleitung der OuvertĂŒre in e-Moll folgt der Allegro-Hauptteil in E-Dur, der thematisch auf die Einleitungsmotive zurĂŒckgreift, sie aber nun beschwingter verarbeitet. Die Coda der OuvertĂŒre liefert bereits thematische Bausteine fĂŒr das nun folgende Scherzo in cis-Moll: Ein sehr Schumann’sches Scherzo, das stets um Leichtigkeit bemĂŒht ist, aber rhythmisch prĂ€gnant bodenstĂ€ndig bleibt. Das zweimal wiederkehrende Trio erscheint im Gegensatz dazu lyrisch. In der Coda dieses Scherzos greift Schumann das Hauptthema der OuvertĂŒre erneut auf. Das temperamentvolle Finale in E-Dur ist sehr kontrapunktisch angelegt. Nach einer einleitenden Fanfare erscheint das Hauptthema im Fugato. Auch in diesem Satz wird der thematische Bogen zurĂŒck zur OuvertĂŒre geschlagen und so – trotz der durch den Titel implizierten Dreiteiligkeit – eine nahezu sinfonische Einheit geschaffen.

Erstmals aufgefĂŒhrt wurde das Werk gemeinsam mit der Erstfassung der 4. Sinfonie am 6. Dezember 1841 im Leipziger Gewandhaus unter der Leitung von Ferdinand David. Beiden Werken war in ihrer ersten Fassung kein großer Erfolg beschieden, sodass Schumann sie erneut ĂŒberarbeitete. An „OuvertĂŒre, Scherzo & Finale“ nahm er 1845 noch einmal grĂ¶ĂŸere Änderungen und 1853 letzte Retuschen vor. In dieser Form wurde das Werk letztlich verlegt und wird es heute gespielt. Lediglich der Titel lĂ€sst die Komposition bis heute seltsam unfertig erscheinen, suggeriert er doch nach wie vor eine gewisse ZufĂ€lligkeit der Satzzusammenstellung. Und dabei brĂ€uchte dieses wunderbar heitere sinfonische Kind eigentlich nur einen klingenden Namen.

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Ins Schwarze getroffen!

Das Werk im Schatten

„Weber kam auf die Welt, um den ‚FreischĂŒtz‘ zu schreiben.“ Komponistenkollege Hans Pfitzner brachte es auf den Punkt und legte gleichzeitig den Finger in die offene Wunde. NatĂŒrlich ist Carl Maria von Webers Oper unstrittig ein Meilenstein in der Entwicklung der Operngeschichte, aber ihr Bekanntheitsgrad scheint alle anderen Werke des Komponisten zu ĂŒberschatten – zu Unrecht. Es ist also an der Zeit, das Augenmerk einmal auf den anderen Weber und eine gĂ€nzlich andere Komposition zu lenken.

Zugegebenermaßen war Carl Maria von Weber die Theaterbegeisterung in die Wiege gelegt: Als Sohn eines WanderbĂŒhnenunternehmers und einer OpernsĂ€ngerin kann man seine AffinitĂ€t zur Oper schon beinahe als genetisch betrachten. Beinahe ebenso klischeehaft romantisch erscheint die Biografie Carl Maria von Webers, der in seinen frĂŒhen Jahren vom Vater zum Wunderkind lanciert wurde und im Zuge dieser Ausbildung auch Unterricht von Michael Haydn, dem Bruder Joseph Haydns, erhielt. Nach einem kurzen Ausflug ins Handwerk als Lithograph schlug Weber dann doch die Komponistenlaufbahn ein, wechselte hĂ€ufig die Anstellungen und fĂŒhrte bald ein stets von Geldnot geprĂ€gtes und um AuftrĂ€ge bemĂŒhtes Leben, das er selbst in seinem fragmentarisch gebliebenen Roman „TonkĂŒnstlers Leben“ romantisch ĂŒberhöhte:

„Der Tondichter, der von da seinen Arbeitsstoff holt, ist beinah stets arm gebohren, oder auf dem Wege, seinen Geist dem Gemeinen und Gewöhnlichen selbst in die HĂ€nde zu geben 
 Da muß es endlich aufschreien, wie es jetzt in mir that. Fort! Du mußt hinaus, fort ins Weite! Des KĂŒnstlers Wirkungskreis ist die Welt! 
 Fort! der Geist suche sich in Andern; und hast du fĂŒhlende Menschen durch deinen Genius erfreut, hast du Dir ihr Wissen angeeignet, – dann kehre zur friedlichen Heimath und zehre von dem Erbeuteten!“

Ganz so erhaben stellte sich die RealitĂ€t fĂŒr Weber nicht dar. 1810 war er – bereits hoch verschuldet – wegen einer KorruptionsaffĂ€re aus seinem DienstverhĂ€ltnis in Stuttgart entlassen und der Stadt verwiesen worden. Auf der tĂ€glichen Jagd nach einem Auskommen tingelte er von dort aus durch Mannheim, Frankfurt, Darmstadt, Gießen, WĂŒrzburg, Erlangen, Bamberg und Augsburg, um Kontakte zu knĂŒpfen, seine neueste Oper „Abu Hassan“ auf die BĂŒhne zu bringen und schlicht Geld zu verdienen. In Gießen zog er alle Register – mit Erfolg. Ein Auftritt, bei dem er ein Klavierkonzert von Anton Eberl gespielt, ĂŒber eigenen Themen fantasiert und schließlich italienische Canzonetten zur Gitarre gesungen hatte, brachte ihm begeisterte Zuhörer und sogar Einnahmen. „Zwei Schreiner in Gießen nahmen nichts fĂŒr ihre Arbeit, weil sie mich spielen gehört hatten. Das nenn’ ich Kunstsinn.“

10 CARL MARIA VON WEBER: KONZERT FÜR FAGOTT UND ORCHESTER F-DUR

In MĂŒnchen schließlich sollte sich das Blatt fĂŒr Weber entscheidend wenden. Mit seiner Ankunft dort im MĂ€rz 1811 begann fĂŒr den Komponisten und seine Auftragslage eine GlĂŒcksstrĂ€hne. Auf Veranlassung des Bayerischen Königs Max I. komponierte Weber zwei Konzerte und ein Concertino fĂŒr den in der MĂŒnchner Hofkapelle spielenden Klarinettenvirtuosen Heinrich Joseph Baermann. Die Konzerte hatten Erfolg und zogen weitere AuftrĂ€ge nach sich. So viele, dass Weber einem Großteil der Anfragen nicht nachkam. Ein Solokonzert fĂŒr den Hoffagottisten Georg Friedrich Brandt allerdings nahm er im November 1811 in Angriff und stellte es innerhalb von nur zwei Wochen fertig.

Traditionell dreisĂ€tzig angelegt ist dieses Konzert formal betrachtet nicht experimentell. Als Auftragswerk befolgte Weber hier seinen eigenen Grundsatz, dass „EffektivitĂ€t im Verstand einen sichern Pass zum Erfolg bildet“. Doch gepaart mit VirtuositĂ€t und originellen EinfĂ€llen wird aus diesem Konzert das, was es bis heute ist: ein musikalisches Juwel mit Seltenheitswert, fand doch das Fagott als konzertantes Soloinstrument im 19. Jahrhundert kaum Beachtung.

Das Konzert eröffnet mit einem effektvoll strahlenden Orchestertutti, das das erste, marschartige Thema sowie das zweite lyrische anreißt, bevor das Fagott ĂŒbernimmt und das Konzertieren beginnt. Neben dem Herausarbeiten der virtuosen Seiten des bis heute schnell als „Großvater unter den Instrumenten“ unterschĂ€tzten Fagotts trĂ€gt Weber hier auch der Vielfalt der möglichen Ausdrucksformen gekonnt Rechnung. virtuosen Seiten und Sanglichkeit wechseln hier ebenso wie solistisches Auftrumpfen und nachdenkliche ZurĂŒckhaltung. Schon in diesem ersten Satz setzt Weber das Fagott effektvoll in Szene, indem es nicht nur in virtuosen LĂ€ufen brilliert, sondern der gesamte seinerzeit mögliche Tonumfang des Instrumentes bis in die Extreme ausgenutzt wird. Der zweite Satz ist ein kantables Adagio. Hier steht der lyrische Ausdruck im Vordergrund. Im Gegensatz zu den beiden EcksĂ€tzen kommen hier im Orchester ausschließlich Streicher und Hörner zum Einsatz. Die IntimitĂ€t des Satzes kulminiert in dem Moment, wo lediglich Fagott und Hörner miteinander zu einem zarten Klangereignis verschmelzen. Die Kadenz am Ende des Adagios ist ebenfalls lyrisch gehalten. FĂŒr GelĂ€ufigkeit – und eine gehörige Portion Humor – bietet der Finalsatz genĂŒgend Raum. Als Rondo gestaltet trumpft das Allegro mit einem launigen Hauptthema auf und gibt immer wieder Raum fĂŒr unterschiedliche, sich immer weiter steigernde virtuose Passagen die dem Schluss des Konzertes schier entgegensprudeln und ungebremst dem Schlussakkord entgegeneilen.

Ob das Konzert noch im Dezember 1811 in MĂŒnchen uraufgefĂŒhrt wurde, ist bis heute nicht erwiesen. VerbĂŒrgt ist jedoch eine AuffĂŒhrung in Prag am 19. Februar 1813, wo Weber gerade die Stelle des Kapellmeisters am StĂ€ndetheater angetreten hatte. An jenem Theater also, in dem Mozarts „Don Giovanni“ mit großem Erfolg uraufgefĂŒhrt worden war. Weber wird hier drei Jahre lang als Kapellmeister wirken und der Stadt dann den RĂŒcken kehren. Auf ihn warten neue Herausforderungen 
 und der „FreischĂŒtz“.

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Unverhofft, aber nicht unverdient

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Oft kopiert und nie erreicht

Joseph Haydn hat zeit seines Lebens ĂŒber einhundert Sinfonien komponiert. Aus der barocken, meist dreisĂ€tzigen Sinfonia oder OuvertĂŒre erwachsen ist ihre klassische ViersĂ€tzigkeit vornehmlich Haydn zu verdanken, aber erst mit Ludwig van Beethoven wurden Sinfonien zu kompositorischen SolitĂ€ren. Um die Vielzahl von Haydns Sinfonien besser einordnen zu können, wurden viele mit Beinamen versehen, die sich meist entweder auf eine Schaffensphase und die damit verbundene Örtlichkeit (z.B. „Oxforder“ oder „Pariser“) oder eine musikalische Besonderheit („mit dem Paukenschlag“, „die Uhr“) beziehen. Aus heutiger Sicht geht damit eine gewisse qualitative Einordnung einher. Sinfonien ohne Beinamen scheinen nicht ganz so greifbar oder populĂ€r und daher mutmaßlich nicht so interessant. Mutmaßlich – denn die Sinfonie HOB I:88 weist wunderbare SingularitĂ€ten auf, und um ihre Werkgeschichte rankt sich ein wahrer Krimi.

Die Jahre 1787-89 verbrachte Jospeh Haydn ĂŒberwiegend in Wien und auf EsterhĂĄza in Ungarn. Hier komponierte er fĂŒnf Sinfonien, die die Phase zwischen den sogenannten „Pariser Sinfonien“ und den spĂ€ten „Londoner Sinfonien“ kennzeichnen. Der mittlerweile international renommierte Komponist, der als „Vielschreiber“ bekannt war, arbeitete zu diesem Zeitpunkt sowohl fĂŒr seinen Geldgeber EsterhĂĄzy als auch unabhĂ€ngig oder fĂŒr andere Auftraggeber.

Die genauen EntstehungsumstĂ€nde der G-Dur-Sinfonie liegen im Dunkeln, ebenso wie das Autograph der Komposition, das bis heute verschollen ist. Es wird aber vermutet, dass Haydn die Sinfonie 1787 in zeitlicher NĂ€he zu dem Folgewerk, HOB I:89, komponierte. Trotz des hohen Arbeitspensums und des mit 56 Jahren fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse hohen Alters entwickelte Haydn seinen sinfonischen Stil nach wie vor immer weiter, sodass jedes einzelene Werk Neuerungen und Überraschungen aufweist, fĂŒr die der Komponist ja bekannt ist.

Komponiert hat Haydn beide Sinfonien, HOB I:88 und 89, die auch als „Schwestersinfonien“ bezeichnet werden, fĂŒr Johann Tost, der in dieser Zeit als Geiger bei der Hofkapelle in EsterhĂĄza angestellt war.

Im darauffolgenden Jahr reiste Tost mit den Sinfonien und einigen Streichquartetten Haydns im GepĂ€ck nach Paris, um die Werke dort dem Verleger Jean Jacques Sieber zum Druck zu verkaufen. Genaueres ĂŒber die Vereinbarungen, die Haydn und Tost darĂŒber getroffen haben mögen, ist nicht bekannt. Sicher war aber nicht vereinbart, dass Tost die Haydn-Sinfonien mehrfach verkaufte und so nicht nur Sieber, sondern auch das Verlagshaus Artaria die Sinfonien verlegte. Wenige Monate spĂ€ter erschienen die Werke darĂŒber hinaus bei Longman & Broderip in London, ein Jahr spĂ€ter dann noch in Berlin, Amsterdam und Offenbach. Tost hatte sich also nicht nur als guter Geiger, sondern auch als verschlagener GeschĂ€ftsmann entpuppt.

14 JOSEPH HAYDN: SINFONIE G-DUR HOB I:88

Äußerst erbost ĂŒber diesen Vorgang, der ihm neben Ärger keinerlei geldlichen Vorteil verschaffte, versuchte Haydn von da an, eine Art „Kopierschutz“ zu etablieren, indem er die einzelnen Teile seiner Werke von unterschiedlichen Kopisten abschreiben ließ und so niemand unerlaubt in den Besitz einer Gesamtpartitur gelangen sollte. Dessen ungeachtet, trug aber die Mehrfachverlegung der G-Dur-Sinfonie zu ihrer Verbreitung bei, sodass sie bald zu den meistgespielten Orchesterwerken Haydns gehören sollte.

Die Sinfonie beginnt mit einer langsamen Einleitung , die in ihrer rhythmischen Anlage an eine Sarabande erinnert. Die PrĂ€gnanz bleibt im weiteren Verlauf, jedoch Ă€ndert sich mit der Vorstellung des Hauptthemas radikal der Charakter des weiteren Satzverlaufes. Eine knappe, von Repetitionen geprĂ€gte Achtelfolge, bestimmt das anschließende Allegro . Dabei ist das Thema so dominant, dass sich sĂ€mtliche Nebengedanken diesem unterordnen. Es ist dieser eine thematische Einfall, aus dem sich alles Weitere entwickelt.

Dem schwungvollen ersten Satz steht das lyrische Largo gegenĂŒber. Die Solo-Oboe stellt eine innige Kantilene vor, die den Charakter des Satzes prĂ€gt, der so lyrisch weiterfließen könnte, wĂ€re er nicht von Haydn komponiert. Denn plötzlich fallen Pauken und Trompeten in das Geschehen ein. Ein wirklich unerwarteter Zug des Komponisten, der bewusst auf den Einsatz dieser Instrumente im Kopfsatz verzichtet hatte und sie nun in dem ansonsten instrumental reduzierten zweiten Satz geradezu hereinbrechen lĂ€sst. Noch mehrere Male wird es diese schicksalhaft anmutenden Einschnitte in den sonst geruhsamen Fluss des Largo geben, bis der Satz schließlich leise verklingt. Ein unbeschwertes Menuett schließt sich an. TĂ€nzerisch und doch voller Manierismen, scheint es noch dem Übergang von höfischem zu volkstĂŒmlichem TanzvergnĂŒgen verpflichtet. SpĂ€testens im Trio schlĂ€gt es sich ganz auf die Seite eines LĂ€ndlers. Die Bordunquinten in den Bratschen und Fagotten sowie die MelodiefĂŒhrung mit ihren deftigen Synkopen lĂ€sst die NĂ€he zu slowenischen Dudelsackweisen hörbar werden. Das Finale schließlich gleicht einem Kehraus nach Perpetuummobile-Art. Das Thema, das durchaus Parallelen zu demjenigen des ersten Satzes aufweist, gibt sich flink, ja unermĂŒdlich und duldet keine Pausen bis – und da ist er wieder, Haydns Sinn fĂŒr musikalische Überraschungen – sich zwischen Violinen und BĂ€ssen ein Nachlaufspiel in Form eines Kanons entfaltet, das dem Geschehen kurzzeitig eine andere Wendung gibt, bevor der Achtelmotor wieder anlĂ€uft und dem Ende entgegenschnurrt.

Bei so viel musikalischer Frische, augenzwinkerndem Humor und einer Lyrik im langsamen Satz, die Johannes Brahms zu der Äußerung veranlasst haben soll, dass er sich so seine eigene Neunte Sinfonie vorstelle, braucht es da noch einen Beinamen fĂŒr eine solche Sinfonie?

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Auch kleine Dinge können

uns

entzĂŒcken ...

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Vorschau

7. Philharmonisches Konzert

„Das

monumentalste Finale der gesamten Musikliteratur der Welt“ Wilhelm FurtwĂ€ngler

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 5 B-Dur

Philharmonisches Orchester Vorpommern

Dirigent : GMD Florian Csizmadia

Öffentliche Generalprobe

Mo 15.04.2024, 19.00 Uhr , Greifswald: Stadthalle / Kaisersaal

Konzerte

Di 16.04.2024, 19.30 Uhr , Greifswald: Stadthalle / Kaisersaal

Mi 17. & Do 18.04.2024, 19.30 Uhr , Stralsund: Großes Haus

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Weiterhin im Programm

7. PHILHARMONISCHES KONZERT ANTON BRUCKNER: SINFONIE NR. 5 B-DUR

16.04.2024 Greifswald

17. & 18.04.2024 Stralsund

8. PHILHARMONISCHES KONZERT WERKE VON GEORG FRIEDRICH HÄNDEL

28.05.2024 Greifswald

29. & 30.05.2024 Stralsund

31.05.2024 Putbus

9. PHILHARMONISCHES KONZERT WERKE VON JOHANNES BRAHMS

11.06.2024 Greifswald

12. & 13.06.2024 Stralsund

14.06.2024 Putbus

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Herausgeber:

Theater Vorpommern GmbH, Stralsund – Greifswald – Putbus, Spielzeit 2023/24

GeschĂ€ftsfĂŒhrung:

André Kretzschmar

Impressum

Redaktion:

Katja Pfeifer

Gestaltung: giraffentoast

Textnachweise: Bei den Texten handelt es sich um OriginalbeitrĂ€ge von Katja Pfeifer fĂŒr dieses Heft.

Bildnachweise: S. 3: Nina Schönberger, 2023, Foto: Privatbesitz; S. 4: Waldmops am MĂŒhlentorturm in Brandenburg an der Havel. Foto: wikipedia; S. 8: Gemeinfeie Fotos von Luis Eusebio auf unsplash und pxhere; S. 12: Streetart von Elena auf pixabay und von Tim Hufner auf unsplash; S. 16: „Ricotta Records“ und „Noix de vie“ von Anonymouse. Foto: wikipedia

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