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Leise erzählt
Es gibt Momente, da fehlen die Worte.
Nicht, weil man nichts zu sagen hätte – sondern weil es dafür vielleicht gar keine Worte gibt. Oder braucht.
Denn Sprachlosigkeit kennt viele Gründe.
Enttäuschung. Glück.
Angst.
Erleichterung. Stolz. Zweifel.
Sie betrifft uns alle – und begegnet uns überall. Manchmal dauert sie nur einen Atemzug, manchmal bleibt sie länger. Und manchmal ist sie genau das, was ein Moment verlangt: nichts sagen und trotzdem vieles fühlen.
Sprachlos war Maria Walliser, als sie an der WM 1987 im Kombi-Slalom einfädelte und damit ihre erste Chance auf eine WM-Medaille verlor. Ein Augenblick, der jede weitere Chance hätte zerstören können. Doch Walliser fand allein aus dieser Enttäuschung heraus. Ohne grosse Worte – im Stillen.
Sprachlos war auch Camille Rast, als sie vor einem Jahr in Saalbach die Ziellinie überquerte, zur Anzeigetafel schaute und Slalom-Weltmeisterin wurde. Ihr Mund offen, kein Wort kam heraus – und doch haben wir sie verstanden. Heute sagt sie: «Ich sah mich nie auf dem höchsten Niveau der Welt.» Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieses Moments. Nicht im grossen Plan, nicht in lauten Ankündigungen, sondern darin, dass sich manchmal selbst die grössten Erfolge dort ereignen, wo man sie am wenigsten erwartet – und wo Worte für einen Augenblick überflüssig sind.
Auch ein Ryan Regez ist sprachlos - vor jedem Skicross-Rennen. Seine Anspannung ist so gross, dass ihm schlecht
wird. Ein ehrlicher Moment, der zeigt, wie unterschiedlich und wie stark sich Druck und Erwartung auf den Körper, die Stimme, auswirken können.
Als Michelle Gisin im Abschlusstraining zur Abfahrt in St. Moritz stürzte, war da zuerst auch diese Stille. Doch als klar wurde, dass die Verletzung die Halswirbelsäule betrifft, wurde diese Sprachlosigkeit irgendwie noch lauter.
Der Sport hielt inne. Und wir merkten einmal mehr, wie dünn die Linie ist zwischen Höchstleistung und Verletzlichkeit. Die vielen weiteren Verletzungsmeldungen bei Swiss-Ski in diesem Winter verstärken dieses Gefühl. Viele Namen. Viele Zwangspausen. Zu viele geplatzte Olympia-Träume.
Für Sprachlosigkeit gibt es kein Mehr oder Weniger.
Doch würde es eine Steigerungsform geben, dann wäre sie der 1. Januar. Der Tag, an dem die Nachricht von der Brandkatastrophe in Crans-Montana uns zutiefst erschütterte. Ein Moment, in dem alles in den Hintergrund rückte und uns klar wurde, dass es Ereignisse gibt, für die selbst die Stille kaum ausreicht.
Ein Ereignis ausserhalb des Sports –und doch mitten in unserer Welt.
Sprachlosigkeit ist kein Ausnahmezustand. Sie gehört zum Sport, zum Leben dazu. Sie zeigt, dass etwas Bedeutung hat. Dass es uns berührt. Dass es näher geht als geplant.
Nicht jede Geschichte braucht sofort eine Erklärung, nicht jeder Moment einen Kommentar. Manche Augenblicke sind genau deshalb so stark, weil sie uns sprachlos machen.
Leise erzählt.
Lia Näpflin, Chefredaktorin
Impressum
Das offizielle Verbandsmagazin von Swiss-Ski, erscheint viermal pro Jahr
Ausgabe vom Februar 2026, 60. Jahrgang
Herausgeber
Swiss-Ski
Home of Snowsports, Arastrasse 6, 3048 Worblaufen
T +41 31 950 61 11, snowactive@swiss-ski.ch
Redaktion
Lia Näpflin (lia.naepflin@swiss-ski.ch)
Roman Eberle (roman.eberle@swiss-ski.ch)
Freie Mitarbeit
Peter Birrer, Benjamin Steffen, Monique Misteli, Stephan Bögli, Sandro Anderes, Etienne Bornet, Yoan Reymond
Camille Rast fährt Ski, wie sie spricht und lebt: Wenig Show, viel Substanz. Und wenn sie da ist, ist sie da. Bilder: Etienne Bronet
Mehr als Gold
Camille Rast nimmt als Schweizer Teamleaderin an den Olympischen Spielen teil. Wie es dazu kommt, dass sich die Slalom-Weltmeisterin auch vom grössten Anlass nicht vereinnahmen lässt.
Vermag ein Slalom von 1 Minute und 58 Sekunden ein Leben zu verändern?
Es wird ein kurzer Weg sein, wenn Camille Rast im Februar 2027 an die Ski-Weltmeisterschaften fährt. Von ihrem Wohnort im Zentralwallis an den WM-Ort Crans-Montana, eine gute halbe Stunde, vorbei an Altbekanntem und Altbekannten, ach, wissen Sie, das Wallis.
Das Interview mit Camille Rast Ende 2025 findet in Thyon statt, ebenfalls im Wallis, nach einem Training. Für das Gespräch ist im kleinen Tourismusbüro ein Sitzungszimmer reserviert, man hilft sich. Eine Karaffe Wasser, zwei Gläser, zwei «Schöggeli», man verwöhnt sich. Blauer Himmel, pralle Sonne, perfekte Kulisse. Den Fotografen verabschiedet Camille Rast auf Französisch wie einen
Altbekannten, man kennt sich, «ach, wissen Sie, das Wallis ist klein», sagt sie auf Deutsch, als treffe sich in diesem Teil des Landes jede und jeder irgendeinmal irgendwo.
Zwischen Fotoshooting und Interview begegnet sie noch ihrem Servicemann, Simon Vicenzi, kein Walliser, ein Südtiroler, der nächste Schwatz, auf Italienisch, ach, wissen Sie, der Skisport ist klein. Und bunt. Er passt zu Camille Rast, dieser vielseitigen Person, für die am 15. Februar 2025 in Saalbach-Hinterglemm ein Traum in Erfüllung ging, den sie gar nie geträumt hatte.
Slalom-Weltmeisterin: Dieser Titel drängt sich nicht auf. Er reiht sich ein.
Der Skisport: Er ist nicht ihr Leben. Er ist Teil ihrer Lehre. Man verständigt und versteht sich, man lernt und lebt und lernt zu leben. Camille Rast lernte Deutsch und Italienisch und all die anderen Sprachen, die nicht aus Worten bestehen, sondern aus Verstehen und Verständnis.
Und nun ist sie die neue Schweizer Teamleaderin, nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin. Leaderin? Erwartungen? Ausgerechnet vor den Olympischen Spielen?
Berufswünsche als Kind: Tierärztin, Architektin
Camille Rast wuchs vielseitig auf, sie machte Leichtathletik, nahm Reitstunden und besuchte eine Zirkusschule. Der Zirkus, ein Nachmittag pro Woche, je eine halbe Stunde an mehreren Posten, Trampolin und Sprung, Bodenakrobatik, Jonglage. Und Clownerie? «Nein, nur athletische Sachen», sagt sie.
Im Winter gehörte der Skisport dazu, seit sie eines Tages im Kinder-Skigarten den Bob stehen gelassen hatte und zu den erstbesten Ski gerannt war. Fortan wollte sie auf diesen beiden Brettern bleiben, sogar auf dem Teppich im Wohnzimmer. Hauptsache, Ski.
Camille Rast posaunte nie heraus, Skirennfahrerin werden zu wollen oder vielleicht sogar: Weltmeisterin, nein, Berufswünsche als Kind: Tierärztin, Architektin. «Ich sah mich nie auf dem höchsten Niveau der Welt», sagt Camille Rast.
Bis sie dort angekommen war. Eine Woche später stürzte sie. Im ersten Slalom als Weltmeisterin kam sie kurz vor dem Ziel zu Fall, sie knallte auf die Hüfte. Es bedeutete nicht das Ende der Saison, aber den Schluss der Jagd. Vor diesem Slalom hatte sie die Disziplinenwertung angeführt, 41 Punkte Vorsprung vor Zrinka Ljutic, am Ende lag sie 49 Punkte zurück. War’s halt so. Camille Rast denkt nicht in Saisons, in Endpunkten, eher in einer Entwicklung, «ich mache einfach weiter, ich nehme einen Tag nach dem anderen, manchmal ist das Leben schnell vorbei».
Die Hüfte schmerzt immer noch, auch mehr als neun Monate nach dem Sturz, bald mehr, bald weniger. Die Weichteile sind betroffen, der Arzt habe ihr
gesagt, es sei möglich, dass sie die Verletzung ein, zwei Jahre begleite, «es ist kompliziert». Trotzdem verbuchte sie bis Anfang 2026 nach zwölf Weltcup-Rennen schon sechs Podestplätze und zwei vierte Ränge, Entthronung der Slalom-Queen Mikaela Shiffrin in Kranjska Gora inklusive. Nichts ist so kompliziert, dass es unlösbar wäre.
«Heute wird ein guter Tag»
Camille Rast sagt, sie hoffe ein Vorbild zu sein für Kinder, die verschiedene Sportarten machten; sie wolle nicht dazu inspirieren, dass die Kinder Skiprofis werden möchten, um jeden Preis, «sie sollen Spass haben an dem, was sie machen. Wenn es Skifahren ist: super. Und wenn es etwas anderes ist: auch gut.»
Die Haltung ist umso bemerkenswerter, als dass Camille Rast früh als grosses Skitalent galt. Als habe sie es geschafft, so gut zu sein, obwohl sie niemals – um jeden Preis - danach gestrebt
Viele Höhepunkte, frühe Tiefpunkte: Ihre Biografie macht Camille Rast glaubwürdig.
Leaderin? Erwartungen? Na und? Camille Rast lässt sich nicht vereinnahmen.
«Ich könnte morgen sagen: Ich fahre nicht mehr Ski –und ich hätte trotzdem schon etwas ganz Grosses erreicht.»
Camille Rast
hatte. Doch vielleicht war es zu früh zu gross. Weltcup-Debüt mit 17, Rang 9 im erst fünften Weltcup-Rennen, JuniorenWeltmeisterin, WM-Teilnehmerin 2017 in St. Moritz. Manchmal hilft auch die perfekte Kulisse nicht. Vor der Saison 2017/18 erkrankte sie am Pfeifferschem Drüsenfieber, im darauffolgenden Winter durchlebte sie eine Depression, 2019 z og sie sich eine schwere Verletzung am rechten Knie zu. Ihre Biografie macht Camille Rast glaubwürdig. Die Inspiration, d ie sie den Kindern geben möchte, lebte sie selber. Noch in den Sommern 2021 und 2022 startete sie als Mountainbikerin in der Enduro World Series, sie fuhr Rennen in Italien, Österreich, Slowenien. Mit dem Camper und zwei Kollegen fuhr sie von Wettkampf zu Wettkampf, Hauptsachen, Spass und Adrenalin.
Wann befasste sich Camille Rast mit dem Szenario des WM-Titels? Wann dachte sie, sie wolle Weltmeisterin werden? Wenn nicht als Kind: ein halbes Jahr vor den Weltmeisterschaften? Am Vorabend des WM-Slaloms? Vor dem zweiten Lauf, als sie mit fast sechs Zehnteln Reserve in Führung lag?
Camille Rast sagt, sie arbeite einfach daran, die beste Version von sich selber zu sein, sie fokussiere sich auf den Weg, nicht auf einen Rang – «deshalb sagte ich nie: Ich will Weltmeisterin werden. Ich sagte eher: Ich fühle mich gut, ich bin in der Lage zu performen.» Mit diesem Gefühl ging sie
am 14. Februar 2025 ins Bett, am nächsten Morgen spürte sie: «Heute wird ein g uter Tag» - und diese Wahrnehmung begleitete sie durch den 15. Februar. «Wenn du schlafen gehst, kannst du nichts mehr machen», sagt sie, all die Vorarbeit musste erledigt sein.
Am 15. Februar 2025 war das Mentale ihre grösste Stärke, weil alles andere
selbstverständlich ist, ihr Fahrstil, direkt und kompakt, im Steilen stark, im Eisigen stabil. Wenig Show, viel Substanz. Sie fährt, wie sie lebt. Und wenn sie da ist, ist sie da.
Keine Superlative, Platz für anderes
Bis zur Weltcup-Saison 2024/25 war sie im Slalom nie auf dem Podium gestanden, doch als es erstmals gelungen war, folgten gleich zwei Siege. Und ein Podest im Riesenslalom. Der WM-Titel als Supplement. Camille Rast sucht sich ihren Platz nicht, sie nimmt ihn. So fuhr sie im WM-Slalom. Keine halben Sachen, 1 Minute und 58 Sekunden, keine Hundertstelsekunde mehr oder weniger. Jahrelang hatte sie darauf hingearbeitet, ohne zu wissen, was es ist, Hauptsachen: Ski, Spass, Adrenalin - und nun lieferte sie Massarbeit, 1-58-haargenau. Als Camille Rast Gold gewonnen hatte, strahlte und schwärmte sie, sie war da und
auch wirklich anwesend, sie sprach vom schönsten Tag ihres… nein, stop, eben nicht. Camille Rast sagte: «Wir sind nicht weit vom schönsten Tag meines Lebens entfernt.»
Keine Superlative, Platz für anderes, aber stark genug, dass erkennbar ist, wie viel Ernsthaftigkeit sogar in Geschichten liegt, die doch nur Spass machen sollen. Im Gespräch in Thyon im Dezember 2025 sagt Camille Rast: «Ich könnte morgen sagen: Ich fahre nicht mehr Ski – und ich hätte trotzdem schon etwas ganz Grosses
erreicht.» Sie fügt gleich an, dass sie selbstverständlich noch weiterfahre, die Olympischen Winterspiele stehen bevor, Camille Rast erwähnt sie fast beiläufig, sie drängen sich nicht auf, sie reihen sich ein, Camille Rast lässt sich nicht vereinnahmen. Leaderin? Erwartungen? Ausgerechnet vor den Olympischen Spielen? Na und?
Die Zusammenarbeit mit dem Servicemann Simon Vicenzi haben eben erst begonnen. Vicenzi wechselte Head-intern von einer Weltmeisterin zur anderen Weltmeisterin, von der zurückgetretenen
Super-G-Gewinnerin Stephanie Venier zu Camille Rast. Mit Vicenzi will sie etwas aufbauen, er ist ein Pfeiler in Camille Rasts Plänen, erst recht, weil Denis Wicki, ihr langjähriger Swiss-Ski-Trainer, 2026 pensioniert wird. Wicki hat Camille Rast jahrelang begleitet, an all die Rennen, die nicht auf die Sekunde genau zu Ende gingen. Wicki ist mehr als ein Trainer, er ist ein Mentor, er spricht mit Camille Rast genau eine solche Sprache, die nicht aus Worten besteht, sondern aus Verstehen und Verständnis, er ist ein Walliser, man kennt sich.
Das Gewicht, das Leichtigkeit gibt
Vermag ein Slalom von 1 Minute und 58 Sekunden ein Leben zu verändern? Vielmehr eine Haltung, ein Gefühl. Diese 1 Minute und 58 Sekunden veränderten Camille Rasts Leben, weil sie diesem Moment gar nicht hinterhergejagt war; weil sie es geschafft hatte, nichts zu erwarten. Sie hat sich als Weltmeisterin von ihrem Management nicht x-weitere SponsoringEngagements aufschwatzen lassen, weil sie nicht zu viele Trainings wegen zu vieler
Verpflichtungen verpassen will – «und weil ich Camille bleiben und nicht als Plakat durch die Gegend spazieren möchte». Ihr Management? Ist sie selber. Sie lerne quasi «on the job», sagt Camille Rast. Der Skisport: Teil ihrer Lehre.
Es wird nicht bloss ein kurzer Weg sein, wenn Camille Rast 2027 von ihrem Wohnort im Zentralwallis nach CransMontana fährt. Bis dahin wird sie einen Tag nach dem anderen nehmen, manchmal ist das Leben schnell vorbei, aber sie wird gesetzt sein als Titelhalterin, und sie sagt heute bereits: «Ich werde an die WM kommen und nicht Gold holen müssen – ich habe es schon.» Es wirkt fast so, als liege darin das Gewicht der Goldmedaille: dass sie Leichtigkeit geben wird.
Trotz allem, trotz Neuland in der Heimat. Die Datenbank des Weltverbands FIS verbucht noch keinen einzigen Renneinsatz von Camille Rast in Crans-Montana. Auf Weltcup-Ebene fuhren die Frauen in Crans-Montana seit der Jahrtausendwende stets nur Speed-Rennen oder Kombinationen. Ein Europacup-Slalom fand letztmals im März 2009 statt, als Camille Rast knapp 10 Jahre alt war, ein Ski-, Leichtathletik-, Pferde- und Zirkus-Kind, ein Mädchen, das sich nicht eingrenzen mochte und damit womöglich bereits Grenzen verschob.
Siegerin dieses Europacup-Slaloms in Crans-Montana 2009: Rabea Grand, eine andere Walliserin, eine Rennfahrerin, die mit 26 Jahren die Karriere beendete. Auch sie war einst mit Spass Ski gefahren, aber sie tat sich schwer mit den Strukturen im Profisport, später arbeitete sie in der Theaterszene. Als rufe die Geschichte nach einer Parallele mit dem Walliser Zirkusmädchen, das heute auch 26 Jahre alt ist, aber weiterfährt. Und weiter. Und vielleicht weiter.
Weil Camille Rast einfach ihren Weg weitergeht. Weil diese 1 Minute und 58 Sekunden ihr Leben nicht verändert haben. Weil sie der WM-Titel nicht definiert, sondern ergänzt.
«Ich werde an die WM kommen und nicht Gold holen müssen –ich habe es schon.»
Camille Rast
Text: Benjamin Steffen
Der Trainer Denis Wicki: ein Mentor, der mit Camille Rast eine Sprache spricht, die nicht aus Worten besteht, sondern aus Verstehen und Verständnis.
ES GEHT UM DIE ZUKUNFT
ES GEHT UM DIE ZUKUNFT
ES GEHT UM DIE ZUKUNFT
DES SCHWEIZER SPORTS.
DES SCHWEIZER SPORTS.
DES SCHWEIZER SPORTS.
Fokus entsteht durch Wiederholung und Stille. Vor dem Start wird die Strecke im Kopf gefahren – immer wieder. Bilder: Stephan
Heat für Heat
springen – immer wieder dieselben Abläufe. Heat für Heat. Jede Person folgt ihrem eigenen Rhythmus, sammelt sich. Fokus entsteht hier durch Wiederholung und Stille. Und er muss halten.
Zwischen Schreien und Schweigen bereiten sich Athletinnen und Athleten immer wieder auf denselben Start vor. Wie sie mit dieser Spannung umgehen, trennt Routinen, Typen und Charaktere.
Der Startbereich im Skicross ist ein Widerspruch. Bis auf den Zielraum mit den jubelnden Fans ist er der lauteste Ort der Strecke – und gleichzeitig der leiseste. Rund um das Gate herrscht Dauerbetrieb. Das kurze, harte «Tätsch», wenn sich das
Startgate öffnet. Alle paar Minuten und das während mehreren Stunden. Trainer feuern ihre Athletinnen und Athleten an, rufen, pushen, schreien sie je nach Nation fast aus dem Gate hinaus. Spannung liegt im Frost der Luft – hörbar, ja fast greifbar.
Ein paar Meter daneben wird es still. Dort, wo sich Athletinnen und Athleten aufwärmen, verschwindet der Lärm fast vollständig. Kaum Gespräche, kaum Blickkontakt. Sie bewegen sich, dehnen,
Denn wer es bis in den Final schafft, steht an einem Renntag bis zu fünf Mal am Start – immer wieder neu, immer wieder unter Spannung. In anderen Sportarten fährt man einmal, vielleicht zweimal - allein, gegen die Zeit. Im Skicross beginnt nach jedem Heat alles von vorn. Nicht allein, sondern zu viert. Gleichzeitig. Mit direktem Körperkontakt, wechselnden Konstellationen und der Gewissheit, dass ein einziger Fehler das Ende bedeuten kann. Spannung wird hier immer wieder aufgebaut. Über Stunden. Heat für Heat.
Bögli
Spannung in Wellen
Für Alex Fiva ist genau das eine Herausforderung. «Ich muss mich künstlich aufpushen», sagt er. Sonst wäre sein Puls vor dem Start zu tief. Er, der Bündner mit seinem bekannt gelassenen Gemüt. Dafür steigt er auf das vom Team genannte «Alex-Brettli»: Ein Holzbrett mit zwei Schlaufen, auf dem er steht, sich wegdrückt und zieht. Dazu Sprints, Sprünge in die Hocke, wieder hoch. Bewegung, um Spannung zu erzeugen.
Ein Skicross-Wettkampf verläuft für ihn nicht linear, sondern in Wellen. «Die Spannung die ganze Zeit oben zu halten, würde mir nicht guttun», sagt Fiva.
Bei Ryan Regez ist es genau umgekehrt. Er braucht die Spannung konstant. Lässt er sie fallen, findet er sie nur schwer wieder. Die Anspannung wird dabei so gross, dass sie körperlich spürbar wird – bis hin zur Übelkeit. Irgendwann zwischen Aufstehen und Trainingsstart muss Regez sich übergeben. Das fast bei jedem Rennen. «Deshalb esse ich an einem Renntag nicht viel», sagt er. Hat Regez den Rennfokus einmal gefunden, bleibt er darin. Er zieht sich zurück, setzt sich auf seinen Stuhl, wärmt sich auf – am liebsten mit Abstand zu den anderen. «Aus seinem Tunnel lässt er sich nicht rausbringen», sagt Starttrainer Patrick Gasser über Regez. «Man hat wirklich das Gefühl, man darf ihn nicht anfassen.»
Der Startbereich im Skicross ist kein neutraler Raum. Er ist ein Spiegel. Hier zeigt sich, wie unterschiedlich Menschen mit Druck, dieser Spannung, umgehen –und wie individuell sie sich auf den gleichen Moment vorbereiten.
Und die Trainer wissen das.
Nähe oder Abstand
Patrick Gasser und Stefan Thanei betreuen je nach Aufgebot bis zu 18 Athletinnen und Athleten an einem WeltcupRennen am Start. Ihre Aufgabe ist weniger laut als präzise. Sie beobachten von aussen: Suchen die Augen Kontakt oder
Alex Fiva kann die Spannung während des Wettkampfs nicht konstant halten. Er baut sie gezielt auf – und lässt sie bewusst wieder fallen.
Ein Holzbrett mit zwei Schlaufen. Bewegung, Zug, Druck – das «Alex-Brettli».
Ryan Regez braucht konstante Spannung –lässt er sie fallen, findet er sie nur schwer wieder.
weichen sie aus? Braucht es Nähe oder Abstand, ein Wort oder genau keines? Heat für Heat.
«Vieles läuft nonverbal», sagt Thanei. Trainer im Startbereich steuern nicht – sie lesen. Sie helfen bei den Aufwärmübungen, geben Rückmeldungen, ordnen ein, reduzieren oder schärfen Taktiken – je nachdem, was gerade gebraucht wird. «Nicht alle brauchen dasselbe. Nicht im selben Moment», sagt Gasser.
Alex Fiva zum Beispiel will alles wissen.
Kaum zurück im Startbereich, verschwindet er im Zelt zur Videoanalyse, sucht den Austausch mit den Trainern. Er will verstehen, was im eigenen Heat passiert ist – vor ihm, hinter ihm – und
was sich in den anderen Heats abgespielt hat. «Information gibt ihm Kontrolle», sagt Trainer Thanai über Fiva.
Saskja Lack dagegen will nur das Nötigste wissen. Details nur dann, wenn sich im Vergleich zum vorherigen Heat etwas verändert hat. Sie möchte gefragt werden, bevor man sie anspricht. Feedback ja – aber knapp, direkt und ohne Umwege. «Zu viel Information würden mich aus dem Fokus bringen», sagt Lack.
Rituale unter Druck
Kapuze oben, kaum Blickkontakt –ausser zu ihrem persönlichen Betreuer und dem Servicemann. So wärmt sich Fanny Smith auf. Viel Arbeit mit Gummibändern,
viel Atmung. Jede Bewegung sitzt. Ein klarer, exakt getakteter Ablauf – eine jahrelange Routine, die sich etabliert hat.
Strukturiert geht auch Talina Gantenbein vor. Sie folgt immer demselben Ritual: gleiche Übungen, gleiche Reihenfolge, gleiche Wiederholungen. Abweichungen gibt es nicht. «Das nimmt mir etwas die Nervosität», sagt Gantenbein. Dazu gehört auch das ständige Richten der Skibrille. «Das ist ein Tick, den ich habe.»
Tobias Baur mag es nicht, wenn es im Gate zu laut wird. In der Qualifikation will er keine Zurufe der Trainer. In den Heats dagegen schon. Isabelle Zippert braucht vor jedem Lauf motivierende Worte. Gilles Martin eine Umarmung. So einfach –und so unterschiedlich.
Skicross ist Chaos und Kontrolle zugleich. Vier Athletinnen oder Athleten, ein Gate, ein «Tätsch» – und dann explodiert alles. Laut. Schnell. Unberechenbar. Doch was auf der Strecke sichtbar wird, entsteht oben, im Startbereich. Zwischen Lärm und Stille. Zwischen Ritual und Instinkt. Zwischen einem Wort, einem Blick – oder genau keinem.
Heat für Heat.
Text: Lia Näpflin
Die Rolle der Starttrainer ist leise und präzise. Entscheidend ist, wann Nähe hilft – und wann Abstand.
Ein paar Meter neben dem Gate wird es still. Jede Person folgt ihrem eigenen Rhythmus zur Startvorbereitung – Heat für Heat.
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Saskja Lack will während der Heats nur das Nötigste wissen. Zu viele Informationen würden ihren Fokus stören.
120 Medaillen: Von Molitor und Olinger bis Regez und Fiva
Karl Molitor und Ralph Olinger gewannen 1948 zeitgleich
Bronze in der Abfahrt und damit als erste Schweizer Schneesportler eine Olympia-Medaille. Bilder: Keystone-SDA
In der Geschichte der Olympischen Winterspiele liessen sich Schweizer Schneesportlerinnen und Schneesportler bislang 120-mal eine OlympiaMedaille umhängen – goldene waren es bis dato genau 50. Ein Blick zurück – von Karl Molitor und Ralph Olinger bis zu Ryan Regez und Alex Fiva.
Sämtliche 120 Podestplätze in den zehn olympischen Swiss-Ski-Sportarten wurden anlässlich der Olympia-Austragungen nach dem Zweiten Weltkrieg realisiert. In den Jahren 1924 (Chamonix), 1928 (St. Moritz), 1932 (Lake Placid) und 1936 (Garmisch-Partenkirchen) waren Medaillenfeiern ausschliesslich Schweizer Athletinnen und Athleten sowie Teams vorbehalten, die nicht auf Schnee, sondern auf Eis um Ruhm und Ehre kämpften (Bob, Eishockey, Eiskunstlauf).
Für die Medaillen-Premiere im Schneesport an Olympischen Winterspielen sorgten 1948 in St. Moritz die Alpinen mit je zweimal Gold, Silber und Bronze. Für die ersten Medaillen überhaupt verantwortlich zeichneten Karl Molitor und Ralph Olinger, die am 2. Februar 1948 zeitgleich Bronze in der Abfahrt errangen. Gleichentags, ein paar Stunden
später, verewigte sich Hedy Schlunegger in der Abfahrt der Frauen als erste Olympiasiegerin aus dem Schneesport in den Schweizer Sportgeschichtsbüchern.
Vor 70 Jahren fanden die Olympischen Winterspiele bereits einmal am diesjährigen Olympia-Ort Cortina d'Ampezzo statt. Damals resultierten für die Schweiz sechs Medaillen – vier im Ski Alpin und zwei im Bob. Madeleine Berthod in der
Renée Colliard wurde 1956 in Cortina Olympiasiegerin im Slalom.
Abfahrt (vor Frieda Dänzer) und Renée Colliard im Slalom liessen sich Gold umhängen, derweil Raymond Fellay mit Silber in der Abfahrt der Männer die vierte Schneesport-Medaille errang.
Mit 75 Medaillen, davon 27 goldenen, sind die Alpinen innerhalb von Swiss-Ski an Olympischen Winterspielen mit Abstand am erfolgreichsten. Seit 2010 gingen 45 von insgesamt 50 Schweizer Olympia-Medaillen auf das Konto von Athletinnen und Athleten von SwissSki, zuletzt in Peking alle 15. Der bislang letzte Olympia-Wettkampf mit Schweizer Podestplätzen war jener im Skicross der Männer am 18. Februar 2022, als sich Ryan Regez vor Alex Fiva zum Olympiasieger kürte.
Mit Simon Ammann und Dario Cologna sind zwei Nordisch-Athleten die bislang erfolgreichsten Schweizer Winter-Olympioniken. Beide errangen viermal Gold. Am häufigsten an Olympischen Winterspielen auf dem Podest stand von allen Schneesportlerinnen und Schneesportlern Vreni Schneider, die zwischen 1988 und 1994 dreimal Gold sowie je einmal Silber und Bronze gewinnen konnte. Vor 32 Jahren in Lillehammer brachte sie in Slalom, Kombination und Riesenslalom einen kompletten olympischen Medaillensatz in ihren Besitz – als bislang einzige Swiss-Ski-Athletin in Einzelwettkämpfen an ein und demselben Anlass.
Text: Roman Eberle
2018 errangen Sarah Höfflin (Gold) und Mathilde Gremaud (Silber) die ersten Schweizer Olympia-Medaillen im Freeski.
Nach dem Doppelsieg im Skicross 2022 durch Ryan Regez (Gold) und Alex Fiva (Silber) steht der Schweizer Schneesport aktuell bei 120 Olympia-Medaillen.
Erfolgreichste Swiss-Ski-Athletinnen und -Athleten
Simon Ammann (Skispringen)
Dario Cologna (Langlauf)
Vreni Schneider (Ski Alpin)
Michelle Gisin (Ski Alpin)
Marie-Theres Nadig (Ski Alpin)
Anmerkung: Team-Events/Staffeln nicht berücksichtigt
Dario Cologna durfte sich sowohl 2010 als auch 2014 (zweimal) sowie 2018 Olympia-Gold umhängen lassen.
Simon Ammann wurde 2002 Doppel-Olympiasieger – und 2010 gleich noch einmal.
3x Gold und je 1x Silber und Bronze: Keine andere Schweizer Schneesportlerin gewann mehr OlympiaMedaillen als Vreni Schneider.
Als 17-Jährige wurde Marie-Theres Nadig 1972 in Sapporo Doppel-Olympiasiegerin.
Michelle Gisin ist mit bislang zweimal Gold und einmal Bronze eine der erfolgreichsten Schweizer Olympionikinnen.
Swiss-Ski-Medaillenbilanz nach Jahren
1948 | St. Moritz
1952 | Oslo
1956 | Cortina d'Ampezzo
1960 | Squaw Valley
1964 | Innsbruck
1968 | Grenoble
1972 | Sapporo
1976 | Innsbruck
1980 | Lake Placid
1984 | Sarajevo
1988 | Calgary
1992 | Albertville
1994 | Lillehammer
1998 | Nagano
2002 | Salt Lake City
2006 | Turin
2010 | Vancouver
2014 | Sotschi
2018 | Pyeongchang
2022 | Peking 50 32 38
Anmerkung: Snowboard wurde erst 2004 als Sportart bei Swiss-Ski aufgenommen. Die Olympia-Medaillen 1998 und 2002 (insgesamt je zweimal Gold und Bronze) wurden in den Auflistungen gleichwohl mitberücksichtigt.
Swiss-Ski-Olympiasiege nach Geschlecht
Frauen: 21 Männer: 28 Mixed: 1
Madeleine Berthod (links) gewann vor 70 Jahren in Cortina d'Ampezzo Gold in der Abfahrt (vor Frieda Dänzer, rechts).
Gian Simmen schrieb als erster Snowboard-Olympiasieger überhaupt Schweizer Sportgeschichte.
Wendy Holdener
Schweizer Skirennfahrerin und Olympiasiegerin
Sein Himmel, seine Grenze
Der Slalomspezialist Tanguy Nef sah sich als Kind nie im Weltcup – aber an Olympischen Spielen. Bilder: Keystone-SDA
Tanguy
Wie der Slalomspezialist Tanguy Nef auf ganz eigenem Weg an die Weltspitze fand, bis zur Jagd nach dem heiligen Gral.
Dieselbe Leidenschaft, derselbe Anlass: eine Europacup-Abfahrt am 22. Januar 2015 in Crans-Montana – Tanguy Nef, Jahrgang 1996, startet mit der Nummer 21, stürzt und erleidet einen Beinbruch; Gabriel Gwerder, Jahrgang 1997, startet mit der Nummer 35, stürzt und erleidet einen Beinbruch. Dieselbe Kurve, dasselbe Spital – andere Geschichte.
Gwerders Skirennkarriere endete mit Sturz und Verletzung, Nef stand knapp acht Monate später wieder an einem Start – und brach ohnehin zu einer Reise auf, die in der Schweiz niemand für möglich gehalten hätte. Nef ist zu einem etablierten Weltcup-Fahrer geworden, einfach auf seine Art, auf seinem Weg, als Auswanderer. 2016 ging er an die renommierte Dartmouth University in den USA; er spürte, dass es für ihn nicht leicht würde, auf dem herkömmlichen Swiss-SkiWeg den Durchbruch in den Weltcup zu schaffen. Wobei: Um den Durchbruch in den Weltcup war es ihm gar nicht gegangen, genaugenommen, ursprünglich, als Kind.
Als Kind sah sich Tanguy Nef in Tagund anderen Träumen nie als WeltcupFahrer. Er stellte sich an Olympischen Spielen vor, ihn faszinierte das olympische Konzept, die griechische Tradition, nach der sich die Allerbesten aller Sportarten und Disziplinen treffen, alle vier Jahre bloss, und die Medaillen seien so etwas wie der heilige Gral – so erzählt es Nef.
So gesehen dachte und träumte Nef als Kind so, wie eine ganze Sport-Nation träumt und tickt: Die Sport-Nation USA, die keinen Anlass so hoch hängt und wertet wie Olympia. Alles andere ist zweitrangig, der traditionelle europäische Sport sowieso – aber wenn Olympiamedaillen vergeben werden, schaut Amerika hin.
Da war wieder dieses süsse US-Team-Gefühl:
Wie sich eine Welt öffnete
Wo hätte Nef besser hingepasst als an eine amerikanische Universität, die ihm eine andere Welt öffnete. Das Leben als Sportmittelschüler in Brig hatte er als fast schon repressiv wahrgenommen, er spricht von einer «old school»-Umgebung mit Morgengebeten vor dem Frühstück, von einem «bizarren Umfeld», in dem es Aufsichtspersonen jederzeit erlaubt war, die Zimmertüren der Jugendlichen zu öffnen, um zu schauen, «ob du etwas Schlechtes machst – und etwas Schlechtes bestand nur schon darin, wenn du nach 21 Uhr 30 noch am PC warst».
Nicht alle Heranwachsenden und Sportschul-Besuchenden erleben die Umgebung so – Nef aber fühlte sich erst vom US-Spirit so richtig angesprochen. Die Studierenden und Sporttreibenden waren nicht primär Einzelkämpfer, sondern Teamkollegen. Mit dem Gruppengedanken traten sie auch zu den Wettkämpfen an, junge Frauen und Männer standen gemeinsam am Start, was zu einem anderen, gleichsam umfassenderen Gemeinschafts- und Verantwortungsgefühl führte. Wer scheiterte, scheiterte nicht für sich, sondern für das Team; wer zu spät kam, erhielt nicht vom Trainer eine Standpauke, sondern vom Captain, von einem Weggefährten mit gleichen Interessen.
«The sky is the limit» - und jeder kann gewinnen, auch Tanguy Nef.
Team-Silber an der WM 2025 mit Alexis Monney.
«Ich kann hart sein, wenn ich mich nicht respektiert fühle.»
Tanguy
Die meisten Kameraden waren etwas älter als Nef, langfristig gesehen verfolgten sie ein anderes Ziel als Nef. Sie studierten vier Jahre lang und trieben parallel L eistungssport ohne Ziel «Profisport», vielmehr mit dem Fokus auf einen baldigen Einstieg in die gewöhnliche Arbeitswelt. Nef aber spürte, dass ihm dieser a merikanische Esprit womöglich doch noch zum Durchbruch verhelfe. Er merkte, wie gut dieses weniger strikte Umfeld seinem Charakter tat. Nef beschreibt sich als «eigentlich scheu», aber Sport und Skifahren hülfen ihm, Selbstvertrauen zu s püren und sozial zu sein. Und: Autoritäten stellten ihm immer wieder Herausforderungen, «ich kann hart sein, wenn ich m ich nicht respektiert fühle».
Und da war dieses Mindset, das amerikanischer kaum möglich wäre: Dieses « sky is the limit»-Mantra. «Klingt vielleicht dumm», sagt Nef, aber es wirkt schon weniger dumm, wenn es mit Leben gefüllt wird, mit der Überzeugung und der Übersetzung, die da heisst: Jeder kann gewinnen – und wenn jeder gewinnen kann, k annst auch du gewinnen.
Die Welt, die für Nef aufging, war vielleicht sogar eine Welt zu sich selber. Er sagt auch: «Wenn du etwas anderes machst, merkst du, was du wirklich willst» - und wie er also in Übersee Ski fuhr und auch Rennen gewann, merkte er, wie sehr er Weltcup-Rennen fahren und idealerweise gewinnen will, the sky is the limit.
«Wenn die Noten gut genug sind…»
Im November 2018, nach fast zweieinhalb Jahren in den USA, gab er das Weltcup-Debüt, mit dem verblüffenden elften Rang im Slalom von Levi, als Schweizer Exot gewissermassen, weil ihn ausser Insidern niemand kannte. In den nächsten zwei Monaten fuhr er weitere sechs Rennen, einzig den Slalom von Wengen verpasste er – weil er des Studiums wegen rasch in die USA pendeln musste. Die Ausbildung hatte Vorrang, so war’s jahrelang. Er war Universitätsathlet, und als solcher zählte das Studium mehr. Seine Eltern hätten stets gesagt: «Wenn die Noten gut genug sind, darfst du Ski fahren – nicht umgekehrt.» 2021 schloss Nef das Informatikstudium ab, und er sagt, er habe «ein bisschen Angst» gehabt vor diesem Wechsel zum Skiprofi – doch er präzisiert umgehend: «Nein, es war nicht Angst –aber ich spürte eine gewisse Unsicherheit.» Deshalb habe es auch so lange gedauert, bis er das eigentliche Ziel erreichte: die Etablierung unter den ersten 15 der Welt.
Tanguy Nef weiss noch heute, wo er in Wengen 2025 den Podestplatz vergab«in einem Training hätte ich diese Stelle in zehn Läufen zehnmal durchgehämmert».
Nef
«Wenn du etwas anderes machst, merkst du, was du wirklich willst.»
Tanguy Nef
Nachdem sich das Gespräch fast eine halbe Stunde lang um die ersten und zweiten und dritten Ski- und Karriere- und Entwicklungsschritte gedreht hat, sagt Nef von sich aus: «Und nun möchten Sie bestimmt wissen, wo die Verbindung zu meinem heutigen Ich ist.» Darin: the sky is the l imit – und jeder Mensch hat einen anderen Himmel und andere Grenzen.
Nef sagt, wenn er einen schlechten Tag habe, wenn er aufstehe und es regne und er sich frage: «Was machen wir hier?» -d ann dauere es bloss so lange, bis er die Ski anschnalle und auf der Piste stehe und die Leidenschaft spüre. Immer und immer wieder suche er nach dem perfekten Lauf, nach dem höchsten Punkt seines Levels, er will unentwegt sehen, wie weit er kommt, und wenn er einmal spüre: «<Okay, ich schaffe es hierhin und nicht weiter> – dann werde ich es akzeptieren.»
Im Weltcup stand er, Stand Anfang Januar, noch nie auf dem Podest, aber der letztjährige Winter bestärkte Nef, nicht aufzugeben. Es war der Winter, in dem er seine Angst, nein, seine Unsicherheit überwand und die Weltcup-Slalomwertung als Achter erstmals in den Top 15 abschloss. In Wengen 2025 belegte er den vierten Platz, vor je zwei Schweizern und Österreichern, aber hinter drei Norwegern, vier Hundertstelsekunden hinter dem drittklassierten Henrik Kristoffersen. Nef weiss noch heute genau, wo er den Podestplatz vergeben hat, in welcher Kurve im zweiten Lauf, wie er sie etwas zu hart fuhr, «ein kleines Bisschen», ein kleines Bisschen, das zu viel Zeit kostete. «Vielleicht fuhr ich ein kleines Bisschen zu konservativ», aber so sei es mit d en Rennen – «in einem Training hätte ich diese Stelle in zehn Läufen zehnmal durchgehämmert, kein Problem, aber in
«Eigentlich scheu» – doch der Skisport gibt Tanguy Nef Selbstvertrauen. Erfolg, wie an der WM 2025, hilft dabei.
Rennen…», und bevor Nef auflöst, warum er in einem Rennen nicht jede Stelle einfach durchhämmert, kein Problem, sagt er: «… aber in Rennen… vor allem, wenn du weisst, dass du einen guten Lauf hast –und es ist Wengen, mein Lieblingshang –und du weisst: Du fühlst dich unglaublich –aber wenn du dich unglaublich fühlst, fühlen sich andere auch unglaublich – und das ist dir bewusst, und dann passiert dir so etwas», dieses kleine Bisschen eben… -«ach», sagt Nef einfach.
Olympia-Kriterien per express
Doch dieses Gefühl, «ach», diese eine Kurve in Wengen, dieses kleine Bisschensie trugen Nef durch den Sommer. Er hat sich viele Läufe angeschaut und die Überzeugung erhalten, dass er fähig ist, sich weiter zu verbessern. Er arbeitet daran, seinem Himmel näher zu kommen oder vielleicht sogar die Grenzen zu verschieben. A n diesem totalen Willen zur sportlichen Arbeit sieht Nef, dass er kein Universitätsathlet mehr ist, sondern ein Skiprofi. Doch a n den Weltmeisterschaften 2025, als er mit Alexis Monney in der Team-Kombination Silber gewann, spürte er genauso, w ie sehr er es immer noch mag, beides zu sein, Teamplayer und Skisolist – «eine Medaille, das war verrückt, und heuer ist ein Olympiajahr, das will ich wieder schaffen». In Gurgl, im zweiten Slalom der Saison, belegte er den fünften Rang, womit er als erster Schweizer Slalomfahrer die Kriterien für die Olympia-Selektion erfüllte – als könne es ihm nicht schnell genug gehen.
Dieselbe Leidenschaft, derselbe Anlass: Gabriel Gwerder wird womöglich auch vor Ort sein, er arbeitet heute im Trainerstaff von Swiss-Ski – viele Wege führen an Olympia. Und Nef kommt erstmals dahin, wo er sich als Bub stets sah, in den Kreis der Besten der Welt, auf der Jagd nach dem heiligen Gral. Jeder kann gewinnen – und wenn jeder gewinnen kann, k annst auch du gewinnen. «Du» ist auch er, Tanguy Nef.
Text: Benjamin Steffen
Michelle Gisin setzt auf Sonnenenergie
«Ein Haus zu errichten, ist anstrengender als eine komplette Skisaison», meint Michelle Gisin lachend. Für ihr neues Zuhause entschied sich die Olympiasiegerin bewusst für Lösungen, die Umwelt und Ressourcen schonen.
Obwohl sie durch ihren Sport ständig unterwegs ist, bleibt Engelberg OW für Michelle Gisin der wichtigste Ort in ihrem Leben. «Heimat bedeutet mir enorm viel», erklärt sie. «Ich habe unzählige Nächte in Hotels verbracht, deshalb geniesse ich es umso mehr, meine eigenen vier Wände zu haben.» Bisher wohnte
sie bei ihren Eltern, wenn sie in der Schweiz war. Im November jedoch sind sie und ihr Partner, der italienische Riesenslalomfahrer Luca De Aliprandini, in ihr neu gebautes Haus eingezogen. Die Verwirklichung dieses Projektes empfindet sie als grosses Privileg.
«Wir freuen uns riesig über unser Einfamilienhaus. Schliesslich war die ganze Familie involviert. Für mich ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, wir haben auf einem sehr hohen Standard mit Minergie-Zertifikat, Solaranlage, Ökoboiler, Batteriespeicher und einer Elektroladestation gebaut. Es ist eine
einmalige Sache, ein solches Projekt realisieren zu dürfen. Es war mir sehr wichtig, die Qualität so hoch wie möglich zu halten.» so Michelle Gisin
Die BKW, Nachhaltigkeitspartnerin von Swiss-Ski, war für Stromspeicher, Ladestation und Energiemanagement verantwortlich. «Es ist genial, eine Partnerin an der Seite zu haben, die so viel Know-how mitbringt», schwärmt Gisin. In ihrem Haus am Gardasee habe sie die Vorteile einer Solaranlage kennen und schätzen gelernt und erfahren, welche Möglichkeiten erneuerbare Energie bietet. In Engelberg entschied sie
Michelle Gisin vor ihrem Eigenheim mit Photovoltaikanlage. Bilder: Remo Buess
sich zusätzlich für einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch, sodass überschüssiger Strom von der in der Nachbarschaft lebenden Familie genutzt werden kann.
So setzen auch ihre Eltern auf mehr Nachhaltigkeit. Der Ökoboiler im Haus der Eltern nebenan, stammt von den GebäudetechnikSpezialisten der AEK, ebenfalls eine Konzerngesellschaft der BKW. «Das Gerät fasst 300 Liter, besteht aus Chromstahl und arbeitet sehr leise“, erläutert Projektleiter Markus Wetterwald.
Mit Sonnenenergie im Winter Abendessen kochen
Besonders begeistert ist sie vom Batteriespeicher. Mit 16 Kilowattstunden könne sie am Abend kochen, Licht einschalten oder andere Geräte betreiben – gerade im Winter ein echter Vorteil. Solstis, eine Konzerngesellschaft der BKW, plante den Speicher passend zur Grösse der Solaranlage sowie zum erwarteten Verbrauch. Auch die bestehende, ursprünglich von
einer anderen Firma installierte Solaranlage wurde durch Solstis erweitert. «Die Ladestation fürs Auto wird ebenfalls mit Überschussenergie versorgt», erklärt Projektleiter Simon Sutter. Für Gisin ideal: «Ich fahre seit vier Jahren elektrisch – dank der Zusammenarbeit von SwissSki mit Audi. Zu Hause laden zu können, ist einfach perfekt.»
Dank Photovoltaik-Schnittstelle und integrierter Zeitschaltuhr werde sowohl der Energieeinsatz optimiert als auch die Kosten niedrig gehalten. Alle Systeme sind über ein Energiemanagement verbunden,
das den erzeugten Strom bedarfsgerecht verteilt. Gesteuert wird alles über eine App. Die digitale Übersicht kommt ihr entgegen, denn so behält sie den Energiefluss auch während Abwesenheiten im Blick.
Für eine wohlverdiente Pause hat sie bereits einen Lieblingsort gefunden: den Balkon mit Aussicht auf den Titlis und das ganze Panorama. Aber auch die Küche, wo Luca mit Leidenschaft kocht, ist bereits zum Herzstück im neuen Zuhause geworden.
Text: BKW
Projektleiter Simon Sutter von Solstis erklärt das Energiemanagementsystem.
Mehr Nachhaltigkeit im alpinen Lebensraum
Die BKW setzt sich für lebenswerte Lebensräume im alpinen Raum ein. Mit unseren Gebäude-, Energie- und Infrastrukturlösungen engagieren wir uns für mehr Nachhaltigkeit im Schneesport.
Mehr erfahren unter www.bkw.ch/schnee
Im November
In der Regel werden die Statistik-Bücher von Swiss-Ski im Februar und März um Eintragungen betreffend errungene Trophäen erweitert. In der laufenden Saison kam ein weiterer Titel bereits im vergangenen November dazu – jener für den Sieg im Nationencup 1987/88 der Alpinen.
«Das Dutzend ist voll», titelte SwissSki am Abend des 27. März 2025, nach dem letzten Rennen in Sun Valley, auf seiner Website und führte weiter aus: «Die Gesamtwertung des Nationen-Rankings gewann die Schweiz bei den Alpinen heuer zum zwölften Mal – und zum fünften Mal in den vergangenen sechs Jahren.» Wer lediglich acht Monate später, also Ende November des vergangenen Jahres, die auf der Website von Swiss-Ski einsehbaren Verbandsstatistiken genauer studierte, stellte fest, dass die Schweiz mittlerweile sogar auf 13 Siege in der Nationenwertung des alpinen Ski-Weltcups zurückblicken darf.
Wie ist das möglich – zu einem Zeitpunkt, als lediglich vier Rennen der aktuellen Weltcup-Saison stattgefunden hatten? Am Ursprung des «neuesten» Schweizer Triumphs im Nationencup der Alpinen stand ein Mail eines deutschen Journalisten der Österreich-Ausgabe der Wochenzeitung «Die Zeit». Kurz nach dem Saisonstart wies er in einem Mail an Swiss-Ski darauf hin, dass er auf unterschiedliche Angaben betreffend die Anzahl Nationencup-Siege Österreichs gestossen sei. In einer Infografik der Zeitung «Die Zeit» habe er selbst 42 Siege angegeben, worauf ihn ein Leser darauf aufmerksam machte, dass es in Wahrheit «nur» deren 41 seien – und die Schweiz dafür auf 13 statt 12 Siege komme. Vereinzelte mehr oder weniger zuverlässige Quellen im Internet stützten den Hinweis des Lesers.
schlugs 13
Anders als der jüngste Sieg im Nationencup vor zehn Monaten in Sun Valley (hier im Bild) war jener aus dem Jahr 1988 in den FIS-Statistiken zwischenzeitlich verschwunden. Bild: Keystone-SDA
Erinnerungen an Cologna
Auf der Suche nach der Diskrepanz geriet schliesslich die Saison 1987/88 in den Fokus. Was lässt sich für jenen Weltcup-Winter aus der Datenbank des Weltverbandes FIS herauslesen? Nun, die offiziellen FIS-Statistiken, an welchen sich auch diejenigen von Swiss-Ski orientieren, wiesen Anfang November für das Jahr 1988 Österreich auf Platz 1 des Nationencups aus. Gab es Anpassungen im Reglement, von denen die breite Öffentlichkeit nichts mitbekommen hat? Konnte Österreich davon profitieren – und steht die Schweiz folglich also doch korrekterweise bei zwölf Siegen im Nationencup? Dass die FIS aufgrund einer modifizierten Zählweise nachträglich Anpassungen in ihren Statistiken vornimmt, wäre jedenfalls keine Premiere. So schnellte die Anzahl Weltcup-Siege für Dario Cologna Ende 2015 beispielsweise von einem Tag
auf den anderen von 12 auf deren 21 hoch, weil die FIS beschlossen hatte, künftig (und nachträglich) Etappensiege an Touren im Rahmen des Langlauf-Weltcups, beispielsweise bei der Tour de Ski, als vollwertige Weltcup-Siege zu werten. Viel Lärm um nichts also im Zusammenhang mit dem Alpin-Nationencup 1988?
Nein, weitere Recherchen ergaben nämlich, dass sowohl die «Neue Zürcher Zeitung» als auch die österreichische Nachrichtenagentur APA nach dem Saisonfinale 1988 in Saalbach-Hinterglemm vermeldeten, dass die Schweiz den Nationencup mit vier Punkten Vorsprung auf Österreich gewonnen hat. «Es war die knappste Entscheidung in der Geschichte des Weltcups», hiess es seitens APA am 27. März 1988. Also doch: 13 statt 12 Siege für die Schweiz – in den Jahren 1981, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988, 1989, 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025. Oder?
Solange für diese Zählweise kein grünes Licht von oberster offizieller Stelle kommt, sprich vom Weltverband selbst, möchte der Chronist von Swiss-Ski nicht vorbehaltlos Änderungen in den eigenen Statistiken vornehmen. Die zwischenzeitliche Verwirrung im Zusammenhang mit der von der FIS vor zehn Jahren nachträglich angepassten Anzahl Weltcup-Siege für Dario Cologna bleibt im Hinterkopf.
Zwei Parallel-Slaloms ausschlaggebend
Der Internationale Ski- und Snowboard-Verband, so meldete der «Zeit»Journalist wenig später Swiss-Ski zurück, habe um Zeit gebeten, um zu verstehen, ob, und wenn ja, wo ein Fehler vorliegt. Einige Tage später meldete sich die FIS beim Journalisten und erklärte, man sei durch die Ergebnislisten gegangen, die nur auf Papier vorlagen, und habe zwei Parallel-Slaloms gefunden, die für den Nationencup zählen sollten, es aber nie in die offizielle Wertung geschafft hatten. «Dieses Versäumnis wurde korrigiert», wurde die FIS schliesslich in einem «Zeit»-Artikel am 20. November 2025 zitiert. Die Anpassung in der FIS-Datenbank erfolgte umgehend, womit auch von oberster Stelle bestätigt wurde: Platz 1 für die Schweiz in der Nationenwertung des alpinen Ski-Weltcups 1987/88. Noch so gerne hat Swiss-Ski die falsche «2» in der verbandseigenen Statistik durch eine korrekte «1» in der entsprechenden Kolonne fürs Jahr 1988 ersetzt.
Nachdem es im vergangenen November statistisch im wahrsten Sinne des Wortes 13 geschlagen hat, liegt es nun wieder an den Athletinnen und Athleten des aktuellen Alpin-Kaders von Swiss-Ski, die Anzahl Schweizer Siege im Nationencup baldmöglichst weiter nach oben zu schrauben.
Text: Roman Eberle
Hier geh'ts zum StatistikPortal von Swiss-Ski
Die Trophäe für den Sieg im Nationencup des alpinen Ski-Weltcups gewann die Schweiz seit 2020 bereits fünfmal. Bild: Stephan Bögli
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Die NordischZwillinge
Ihre Lebensläufe ähneln sich frappant, aber richtig kennengelernt haben sich die beiden Bündner Rafael Ratti und Gion-Antieni Maissen erst fern der Heimat. Heute verbindet sie eine Freundschaft – und eine gemeinsame Mission bei Swiss-Ski.
Beide wachsen im Kanton Graubünden auf und sprechen Rätoromanisch. Der eine, Rafael Ratti, in Madulain im Engadin, der andere, Gion-Antieni Maissen, in Trun in der Surselva. Beide träumen im Junioren-Alter davon, als Langläufer im Weltcup zu starten. Beide studieren Sport und Geografie, beide verfügen über eine Lehrerausbildung – und beide sind sie nach ihrer Aktivkarriere als LanglaufTrainer tätig.
Vor einigen Jahren verschlägt es sie in die Region Bern – und schon bald treten beide eine beinahe identische Stelle bei einem Sportverband an. Der eine, GionAntieni Maissen, als Leiter Ausbildung bei Swiss-Ski. Der andere, Rafael Ratti,
als Leiter Ausbildung bei Swiss Snowsports, dem Dachverband der Schweizer Skischulen und Ausbildungsverband der Schweizer Schneesportlehrpersonen. Erst in diesen Funktionen lernen sich die beiden richtig kennen. Seit dieser Saison verantworten sie bei Swiss-Ski als Chef Elite (Rafael Ratti) respektive als Chef Nachwuchs (Gion-Antieni Maissen) die Geschicke und Entwicklungen in den Sportarten Langlauf und Biathlon.
Über den Weg gelaufen sind sich die beiden in ihren Jugendjahren öfters. Der heute 41-jährige Maissen sagt, er habe den ein Jahr älteren Ratti während der Zeit als Nachwuchs-Langläufer durchaus wahrgenommen. Umgekehrt sei dies weniger der Fall gewesen. «Rafael war einfach besser, ich sah ihn meist nur von hinten.» Auch später bei Engadin Nordic, dem Regionalen Leistungszentrum (RLZ) im Oberengadin, kreuzten sich ihre Wege gelegentlich. Sie kannten sich vom Sehen, wechselten aber selten Worte miteinander.
Ähnliche Biographie, gleiche Prinzipien und Visionen: Gion-Antieni Maissen (links) und Rafael Ratti. Bilder: Sandro Anderes
Arbeit und Privates verschmelzen
Dies änderte sich entscheidend und nachhaltig, als Rafael Ratti bei Swiss Snowsports und Gion-Antieni Maissen bei Swiss-Ski als Verantwortliche für den jeweiligen Ausbildungsbereich tätig wurden. Beide arbeiteten nun beruflich eng zusammen. Dabei merkten sie rasch, dass sie die gleichen Ideen und Visionen teilen – und dass sie auch auf privater Basis sehr gut miteinander auskommen. Eines Abends verabredeten sich die beiden für ein Feierabend-Bier an der Aare. Was als kurzer Ausflug nach der Arbeit gedacht war, endete in einer langen, geselligen Nacht in der Berner Innenstadt. Maissen sagt: «Ich habe bei Rafael das Feuer für den Sport im Allgemeinen und den Langlaufsport im Besonderen gespürt und gemerkt, dass er den Willen hat, etwas zu verändern. Wir ticken diesbezüglich sehr ähnlich.»
Rafael Ratti (links) und Gion-Antieni Maissen leiten seit dieser Saison als Chef Elite respektive als Chef Nachwuchs die Sportarten Langlauf und Biathlon.
Im Fokus die Bewegung, dahinter ein klares Konzept: Der Schweizer Langlauf und Biathlon stehen für Tempo, Ausdauer und eine Entwicklung, die von der Basis bis zur Elite gedacht wird.
Immer häufiger trafen sich die beiden Bündner ausserhalb der Arbeit – sei es bei einer Velotour, beim Langlaufen auf dem Gantrisch oder, wie mittlerweile Tradition, mit den Partnerinnen am Gurten-Festival. «Wie viel Anteil das Private und das Berufliche bei Gesprächen einnehmen, ist dabei schwierig zu beziffern. Bei uns vermischt sich das», sagt Ratti. Dass sie nicht trennscharf unterscheiden können zwischen Arbeit und Hobby, ist eine weitere Gemeinsamkeit. Die Verständigung untereinander erfolgt stets auf Rätoromanisch – für beide eine Selbstverständlichkeit. «Mit Rafael Deutsch zu sprechen, würde sich komisch anfühlen. Es wäre gekünstelt», sagt Maissen schmunzelnd. «Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich vertiefte berufliche Diskussionen in meiner Muttersprache Romanisch führen. Das schätze ich sehr.»
Der eine nicht ohne den anderen
Seit dem Frühjahr hat sich der Austausch der «biographischen Zwillinge» erheblich intensiviert, denn für beide öffnete sich mit Beginn der Olympia-Saison eine neue berufliche Türe. Nicht irgendeine, sondern die gleiche. Im Zuge der Umstrukturierung im Nordisch-Bereich legte Swiss-Ski die operative Führung der beiden Sportarten Langlauf und Biathlon zusammen. Ratti ist seither als Chef Elite für Langlauf und Biathlon verantwortlich, Maissen über beide Sportarten hinweg für den Nachwuchsbereich. Beide betonen unisono, dass für die Zusage zur Übernahme des jeweiligen Verantwortungsbereichs entscheidend gewesen sei, dass der andere künftig in der Pendant-Funktion tätig ist.
«In dieser Struktur – mit der Aufteilung Nachwuchs/Elite über beide Sportarten hinweg – ist der Koordinationsaufwand enorm. Es geht nur, wenn die Chefs miteinander matchen. Ansonsten
ist es unmöglich», ist Maissen überzeugt. Denn: Bei vielen Dossiers ist es schwierig zu sagen, wer für was explizit zuständig ist und wo genau die Trennlinie verläuft. «Wichtig ist, dass man eine Vertrauensgrundlage hat, wenn man in der Sache hart diskutieren muss», so Ratti.
Die neue Struktur bezeichnen beide als «risky». Riskant deshalb, weil einer vertrauensvollen, engen Zusammenarbeit zwischen dem Chef Elite und dem Chef Nachwuchs eine grosse Bedeutung zukommt. «So, wie wir jetzt unterwegs sind, ist der Mehrwert für den Sport riesig. Wir sehen beide Sportarten und stellen fest, dass es keinen Sinn macht, sie auf unterschiedlichen Wegen zu entwickeln», erklärt Ratti. Durch die Strukturanpassung erfuhr der Nachwuchs im Biathlon und Langlauf eine massive Aufwertung. Denn für einen Chef einer einzelnen Sportart zählen primär die Resultate auf Elite-Stufe. Er ist kurz- bis mittelfristig von diesen abhängig. Entsprechend genoss der Nachwuchs zuvor nicht jene Priorität, die er hätte haben sollen.
Gion-Antieni Maissen arbeitet seit 2018 in unterschiedlichen Funktionen für Swiss-Ski.
Einst war Rafael Ratti als LanglaufTrainer für Swiss-Ski tätig, nun als Disziplinenchef für zwei Sportarten.
Eisbaden als Ritual
Zunächst war offen, wer von den beiden welche Führungsfunktion übernimmt. «Wer wo in welcher Position ist, ist sekundär. Wichtiger ist der gleiche Grundsatz, die gleiche Basis», betont Maissen. Als Chef Nachwuchs ist er weniger häufig im Ausland unterwegs, was seiner aktuellen Familiensituation mit einer 13 Monate alten Tochter zupasskommt. Beide pflegen einen integrativen Führungsstil und wollen eine Diskussionskultur etablieren. Es soll in der Sache hart debattiert werden und die Dinge sollen beim Namen genannt werden können. Ratti betont: «Trotz unseres integrativen Ansatzes kann es nicht immer einen basisdemokratischen Entscheid geben. Irgendwann
ist ein Punkt erreicht, wo wir die Richtung vorgeben müssen – auch gegen allfällige Widerstände.»
Wenn man wie Gion-Antieni Maissen und Rafael Ratti sowohl privat als auch beruflich auf einer Wellenlänge ist, spürt man schnell, wenn die Zeit gekommen ist, um einfach einmal nur zuzuhören, wenn der andere emotional aufgewühlt ist und Dampf ablassen muss. Wenn beide am Verbandssitz in Worblaufen über Konzepten und Strategien brüten und zeitintensive Sitzungen abhalten müssen, nehmen sie sich zwischendurch eine kurze Auszeit, um im wahrsten Sinne des Wortes abzukühlen. In den vergangenen Jahren, noch vor ihrer Tätigkeit als Führungsduo von Swiss-Ski im Langlauf und Biathlon, haben sie für sich als eine Art Ritual etabliert, für
drei Minuten in die mitunter eiskalte Aare zu sitzen. Das mache den Kopf frei. Und weniger krank wird man obendrein auch noch, sind beide überzeugt.
Je tiefer sie in der neuen Materie als Verantwortliche für Langlauf und Biathlon bei Swiss-Ski drin waren, desto mehr wurde ihnen in den vergangenen Monaten bewusst, dass man die Stufen Elite und Nachwuchs nicht voneinander trennen kann. Entsprechend sehen sich die beiden mittlerweile eher als Co-Leiter der beiden Sportarten. Das Bündner Nordisch-Duo ist überzeugt: «Zusammen haben wir vier und nicht nur zwei Schultern. Das hilft sehr – und zeichnet unsere Zusammenarbeit aus.»
Text: Roman Eberle
Vieles ist gleich, Entscheidendes anders. Biathlon und Langlauf bleiben eigenständig –und die Trainer nutzen ihre Gemeinsamkeiten gezielt als Synergie. Bild: Nordic Focus
FIRED UP, UNSTOPPABLE.
THE 2026 COLLECTION THE 2026 COLLECTION
Zwischen Medaille und Marketing
Olympischer Erfolg ist auch für Swiss-Ski ein Schaufenster für Athletinnen, Athleten und ihre Partner. Doch rund um die Spiele gelten strenge Regeln für Werbung, Bilder und Begriffe. Das kann zur heiklen Gratwanderung werden.
Wer hätte das gedacht: Auch die Olympischen Spiele fallen nicht vom Himmel. Hinter der Magie der Ringe steht das Internationale Olympischen Komitee (IOC), das die ganze olympische Bewegung finanziert und die Durchführung von Olympischen Spielen massgeblich unterstützt. Eine zentrale Rolle bei dieser Finanzierung spielen dabei die Sponsoren und Partner des IOC. Gemeinsam mit jenen von Swiss Olympic ermöglichen sie also die Durchführung der Spiele und auch den Auftritt und die Betreuung des Swiss Olympic Teams – inklusive der Swiss-SkiAthletinnen und -Athleten.
Um die olympischen Sponsoren in ihren Rechten zu schützen, bilden die Rule 40 des IOC und der olympische Markenschutz einen Rahmen: Sie regeln die kommerzielle Nutzung olympischer Inhalte und sichern offiziellen olympischen Partnern und Sponsoren exklusive Rechte. Ein Prinzip, das bei Swiss-Ski anerkannt ist, in der Praxis aber immer wieder für Kopfzerbrechen sorgt –denn die Vorgaben korrekt umzusetzen, ist komplexer, als es scheint.
Was heisst das konkret für SwissSki und seine Athletinnen und Athleten? Das wiederum ist einfach zu zeigen: Sponsoren wollen mit Olympiasiegerinnen und Olympiasiegern werben – und umgekehrt möchten Athletinnen und Athleten ihren grössten Erfolg auch mit ihren Partnern teilen.
Ein Beispiel liefert Skicross-Olympiasieger Ryan Regez. In einer Videoserie begleitet er seinen Weg Richtung Olympia 2026, dabei sind die Logos seiner persönlichen Sponsoren und von Swiss-Ski auf
Das Actionbild darf kommerziell verwendet werden, da kein geschützter Olympiabezug (wie die Ringe) sichtbar ist. Bild: Keystone-SDA
Kleidung und Material sichtbar. Gleichzeitig spricht er über die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 – und genau hier steckt der Konflikt: Begriff, Austragungsort und Jahreszahl sind markenrechtlich geschützt, in dieser Kombination gilt die Darstellung als kommerzielle Nutzung.
Swiss Olympic und Swiss-Ski wiesen Regez darauf hin. Im wiederholten Dreh löste er es einfach: Statt von den Olympischen Spielen zu sprechen, sagt er nun, er sei Olympiasieger und Doppel-Weltmeister auf dem Weg nach Milano Cortina – die zusätzlichen Weltmeistertitel verschieben den Fokus bewusst weg vom olympischen Bezug. Die Nennung einer olympischen Errungenschaft unter mehreren sportlichen Erfolgen anerkennt das IOC in diesem Kontext, womit dies als Ausnahme des olympischen Markenschutzes gilt.
Der Markenschutz umfasst nicht nur Begriffe wie «Olympische Spiele», Olympiade, Olympionikin oder Olympionike, sondern auch Motive mit olympischen Marken – allen voran die olympischen Ringe.
Keine reine «Polizeiarbeit»
Während der Markenschutz für olympische Begriffe und Symbole dauerhaft gilt, greift die Rule 40 des IOC nur in einem klar definierten Zeitfenster rund um
die Spiele: neun Tage vor der Eröffnungsfeier bis drei Tage nach dem Ende. In dieser Phase dürfen Athletinnen und Athleten trotz der Einschränkungen ihren nicht-olympischen Sponsoren bis zu sieben Dankesposts widmen. Auch nicht-olympische Sponsoren dürfen pro Wettkampf einmal Glück wünschen oder gratulieren – solange kein geschützter Olympia-Bezug hergestellt wird.
«Wir gratulieren unserem Olympioniken zu diesem Erfolg» ist deshalb nicht erlaubt, «Wir gratulieren dir zu diesem Erfolg» hingegen schon, sofern auf dem Bild keine geschützten olympischen Marken wie beispielsweise die olympischen Ringe zu sehen sind, etwa weil sie auf der Startnummer durch die Körperhaltung verdeckt werden. Bei Verstössen können rechtliche Schritte eingeleitet werden, die gegebenenfalls zu finanziellen Sanktionen führen können – so lange nicht kooperiert wird.
Vom olympischen Markenschutz und von der Rule 40 des IOC ausgenommen ist die rein journalistische Berichterstattung. Wenn Swiss-Ski oder Medienunternehmen beispielsweise einen Resultate-Post auf Instagram veröffentlicht, dürfen darauf Medaillen, Ringe und Logos sichtbar sein –und es darf von Olympioniken und Olympionikinnen die Rede sein.
Swiss Olympic ist in der Schweiz im Auftrag des IOC für die Sicherstellung des olympischen Markenschutzes und der Rule 40 zuständig. Die meisten Verstösse seien nicht böswillig, sondern entstünden aus Unkenntnis, sagt Cyrill Woodtli, Leiter Partnerschaften bei Swiss Olympic. Statt «Polizeiarbeit» gehe es vor allem um die Sensibilisierungsarbeit im Vorfeld und darum, aufzuzeigen, was im Rahmen möglich ist. Der Fokus liege auf der Prävention: Seit den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro wird systematisch sensibilisiert. Zwar gebe es bei jeder Austragung von Olympischen Spielen Fälle, doch nur bei den wenigsten müsse interveniert werden. In Peking vor vier Jahren waren es rund 120 – meist wegen Verletzung des olympischen Markenschutzes.
Text: Lia Näpflin
Formel 1 als globale Bühne für «Vorsprung durch Technik»
Mit dem Einstieg 2026 in die Königsklasse des Motorsports setzt Audi ein klares, ambitioniertes Statement. Es ist das nächste Kapitel in der Neuaufstellung des Unternehmens. Die Formel 1 wird ein Katalysator für den Wandel hin zu einem schlankeren, schnelleren und innovativeren Audi sein. Zudem steige Audi laut CEO Gernot Döllner mit einem ehrgeizigen, aber realistischen Plan in die Rennserie ein: «Wir gehen nicht in die Formel 1, um nur dabei zu sein. Wir wollen gewinnen. Gleichzeitig wissen wir: Ein TopTeam in der Formel 1 wird man nicht über Nacht. Es erfordert Zeit, Ausdauer und unermüdliches Hinterfragen des Status quo. Ab 2030 wollen wir um den Weltmeistertitel kämpfen.»
Audi Revolut F1 Team R26
Die Lackierung ist eine visuelle Erzählung basierend auf den vier grundlegende Designprinzipien: Klarheit, Technologie, Intelligenz und Emotion.
Die Lackierung des Audi Revolut F1 Team R26 zeigt die konkrete Farbwelt sowie das Design des ersten Formel-1-Rennwagens der Marke. Minimalistische Grafikflächen zeichnen sich durch geradlinige geometrische Schnitte aus und verbinden sich mit der komplexen Geometrie des Rennwagens. Die Farbpalette besteht aus den Farben Titanium, Carbon-Schwarz und dem neu vorgestellten Audi Rot. Als Teil dieser Identität integriert Audi auch die roten Ringe, um nuanciert seine Präsenz in der Formel 1 zu unterstreichen.
Der TelemarkHotspot der Schweiz
Freie Ferse, freier Geist: Telemark steht für Freiheit, Gemeinschaft und Freude. Bilder: Yoan Reymond
Seit einem Vierteljahrhundert ist Thyon die Heimat eines besonderen Clubs: Mouch’Paba. Wie die Mitglieder den Telemark-Sport pflegen – und warum bei allem Ehrgeiz die Geselligkeit nicht zu kurz kommen darf. Ein Augenschein im Wallis.
Dieses Glänzen in den Augen. Diese Lust, stundenlang auf der Piste unterwegs zu sein. Dieser Antrieb, besser zu werden, ohne sich ständig einem Leistungsdruck ausgesetzt zu fühlen.
An diesem Samstag, der wie gemacht ist für alle Wintersportbegeisterten, unterbricht Saskia Hermann das Training kurz. Fast schon kitschig blau ist der Himmel, die Sonne scheint seit dem Morgen, der Schnee lässt keine Wünsche offen. «Die Bedingungen sind tadellos», sagt die 17-Jährige aus Grimisuat nahe Sitten.
Telemark heisst ihre Leidenschaft, die sie vor drei Jahren entdeckte. Sie fuhr bis dahin bei den Alpinen, hörte aber auf, weil der Rahmen für sie nicht mehr stimmte.
Hohe Erwartungen, grenzenloser Ehrgeiz, verbissene Gegnerinnen, fordernde Trainer – «ich merkte: Das ist nichts für mich». Sie wechselt die Disziplin und findet eine Welt, die perfekt zu ihr und ihren Bedürfnissen passt.
Sie hat das Glück, dass der zeitliche Aufwand überschaubar ist, um dorthin zu gelangen, wo sich Freundinnen und Freunde des Telemarks treffen: in Thyon, hoch oberhalb von Sitten. Das Dorf liegt auf knapp 2100 Metern über Meer am Westhang des Val d’Hérémence, ist angebunden an das grosszügige Skigebiet 4 Vallées – und die Heimat des TelemarkClubs Mouch’Paba. Der Name stammt aus dem lokalen Sprachgebrauch und bedeutet so viel wie: «Stürz nicht».
Sie coachen sich gegenseitig
Saskia Hermann empfindet auf den Telemarkski ein tiefes Gefühl von Freiheit. Sie schätzt die entspannte Atmosphäre, hebt den kollegialen Spirit im Team hervor
– und doch kommt der Ehrgeiz nicht zu kurz. Beharrlich feilt sie an Details, arbeitet an sich, um ihren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.
Dass dieser Weg längst nicht mehr nur ein Traum ist, zeigte sich im Januar 2025: Als eine der Nachwuchsathletinnen von Swiss-Ski bestritt sie in Melchsee-Frutt ihre ersten beiden Weltcup-Rennen. Im März folgte der nächste Meilenstein mit dem Start am Weltcup-Finale in Thyon. Schritte auf die grosse Bühne.
Und irgendwann will Saskia Hermann ganz oben ankommen. Ihren Traum fasst sie in einem Satz zusammen: «Ich möchte einmal den Gesamtweltcup gewinnen.»
Besser werden, das bedeutet auch: Tipps annehmen vom Coach. Vor jedem Trainingslauf. Über Funk gibt's Anstösse, worauf sie achten soll: «Achte auf einen stärkeren Kanteneinsatz» oder «wähle die direkte Linie zwischen den Toren». Hermann mag zwar eine Individualsportlerin sein, aber im Telemark ist von Egoismus nichts spürbar. Es findet ein konstanter Austausch unter Athletinnen und Athleten statt. «Wir coachen und korrigieren uns auch gegenseitig», sagt Yoan Reymond. «Wenn mir bei Saskia etwas auffällt, schauen wir das zusammen an.» Der 18-Jährige ist ein Teamkollege von Hermann, der ähnlich Grosses im Sinn hat wie sie und das grosse Ziel verfolgt, einmal einen Platz im Schweizer A-Kader zu ergattern.
Aber die Ellbogen ausfahren, um die Karriere zu beschleunigen? Mätzchen anwenden, um sich einen Vorteil zu verschaffen? Niemals. Es würde Grundsätze verletzen, die im Telemark einen hohen Stellenwert haben. «Wir sind eine Gruppe von guten Freunden», versichert Reymond. «Selbst an Wettkämpfen pushen sich Teilnehmende verschiedener Nationen gegenseitig.»
Das kann Julien Despond nur bestätigen. Der 40-jährige Ausbildner leitet ein Trainerteam, das sich um die Telemark-Renngruppe namens Mouch’Tec kümmert, die zum Club Mouch’Paba gehört. Er schwärmt davon, wie selbstverständlich man einander unterstützt. «Im Wettkampf wollen natürlich alle
Saskia Hermann schätzt beim Telemark die entspannte Atmosphäre und den kollegialen Spirit.
die Besten sein», sagt er. «Aber erbitterte Rivalität kennen wir bei uns nicht.» Er erinnert sich an ein Weltcup-Rennen in Thyon, in dem eine Athletin einen Stock verlor – und kurzerhand Ersatz bekam vom Coach einer Fahrerin, die als Mitfavoritin auf den Sieg galt.
Ein hoch dekorierter Club
Die Liaison zwischen Thyon und Mouch’Paba hat ihren Ursprung kurz nach der Jahrtausendwende. Hinter der Gründung des Clubs stecken drei treibende Kräfte aus der Region: Yves Roduit, Jean-Pierre Meyer und François Theytaz. Als starkes Zugpferd und perfekte Werbeträgerin für den Telemark-Sport dient Françoise Besse, die damals zur internationalen Elite zählte.
Mouch’Paba legt stetig an Popularität zu – und ist stolz auf Mitglieder, die international für Aufsehen sorgen. An erster Stelle ist die Sittenerin Amélie Wenger-Reymond zu nennen, die erfolgreichste Telemark-Sportlerin der Geschichte. Eindrückliche 164 Weltcupsiege, 47 Kristallkugeln und 17 Weltmeistertitel bis zu ihrem Rücktritt 2023 machen sie zur erfolgreichsten Athletin, die der Wintersport je hervorgebracht hat. Oder da ist Bastien Dayer, ehemaliger Weltmeister und mehrfacher Gewinner des Gesamtweltcups, der inzwischen ebenfalls aufgehört hat. Noch immer aktiv ist Nicolas Michel, mehrfacher Weltcupsieger und WM-Medaillengewinner. Mit seinen 31 Jahren führt der Unterwalliser das aktuelle Schweizer TelemarkNationalteam an.
Thyon, der Walliser Skiort, hat sich zu einem Telemark-Hotspot entwickelt, an dem nicht nur Mouch’Paba zuhause ist, sondern an dem auch bedeutende Wettkämpfe organisiert werden. 2005 fand erstmals ein Weltcup-Rennen statt, 2007 folgte die WM, bei der unzählige Clubmitglieder mithalfen, den Anlass zu stemmen. Thyon hat mit seiner optimalen Infrastruktur das Interesse, regelmässig grössere Veranstaltungen auszurichten. Vor einem Jahr traf sich die
Telemark-Elite zum Weltcup-Finale hier –und Christoph Wenger, Telemark-Nachwuchstrainer bei Swiss-Ski und Ehemann von Amélie Wenger-Reymond, erlebte seine Premiere als OK-Präsident.
Freie Ferse, Freier Geist
Wenger sieht als Vorzüge von Thyon nicht nur die Vielfalt der Pisten. Er betont auch die Wichtigkeit eines lokalen Sportgeschäfts, das alles telemarkrelevante Material zur Verfügung stellen kann. «Man erhält hier eine komplette Ausrüstung und eine kompetente Beratung. Das ist gegenüber anderen Skigebieten ein grosser Vorteil.»
Das Skigebiet geniesst in der Szene sehr wohl den Ruf eines Telemark-Mekkas. Aber sowohl die Verantwortlichen von Mouch’Paba als auch Christoph Wenger sind sich bewusst, dass sie kreativ und hartnäckig sein müssen, um Nachwuchs zu finden und zu fördern.
Darum ist es so wichtig, die Visibilität zu erhöhen und jede Gelegenheit zu ergreifen, um Werbung in eigener Sache zu machen. «Wenn man sich zurücklehnt, tut sich logischerweise nichts», sagt Wenger. «Wir gehen aktiv auf ehemalige JO-Fahrerinnen und -Fahrer zu, bieten ihnen an, es einmal bei uns zu versuchen, und sind immer wieder erfreut darüber, dass einige von ihnen hängen bleiben.»
Das hat gewiss auch mit besagter Entspanntheit zu tun und einer geselligen Ambiance. «Telemark ist nicht nur eine Technik, sondern auch eine Lebenseinstellung», sagt Samuel Lebsir. «Und der Name Mouch’Paba ist auch ein augenzwinkernder Hinweis auf den geselligen und leicht schelmischen Geist, der uns antreibt.» Der 44-Jährige ist seit drei Jahren Clubpräsident, aktiver Stammgast in Thyon und ein gewiefter Verkäufer seines Sports. «Man sagt gerne: Freie Ferse, freier Geist. Und meint damit, dass Telemark für Freiheit, Gemeinschaft und Freude steht.»
Das Telemark-Team von Swiss-Ski
Ausser Timo Walser sind alle aktiven Kaderathletinnen und -athleten bei Mouch'Tec grossgeworden.
Nationalteam
• Léa Lathion (Arpettaz), Teamleaderin
• Nicolas Michel (Vey-Les-Collons-Thyon), Teamleader
• Maxime Mosset (Vue-des-Alpes Giron Jurassien)
A-Kader
• Romain Beney (Mouch’Paba)
• Alexi Mosset (Vue-des-Alpes Giron Jurassien)
B-Kader
• Timo Walser (SC Bühler)
Thyon ist angebunden an das grosszügige Skigebiet 4 Vallées – und die Heimat des Telemark-Clubs Mouch’Paba.
Gleichzeitig beschreibt er die Disziplin als sehr ästhetisch und überaus anspruchsvoll. «Sie erfordert eine gute körperliche Verfassung, technische Präzision und ein hohes Mass an Konzentration», sagt Lebsir. «Die Fahrgefühle sind unvergleichlich: fliessend, intensiv und kraftvoll.» Worte, die Yoan Reymond als junger Athlet nur unterschreiben kann – und um einen Begriff ergänzt: «Magisch!»
Das Lob des Nationaltrainers
Thyon ist ein idealer TelemarkNährboden, auf dem sich Talente entfalten und sich so entwickeln können, dass sie ein Thema für ein Swiss-SkiKader werden. Erwan Faivre, seit diesem Winter neuer Cheftrainer des TelemarkTeams von Swiss-Ski, schaute im Dezember im Unterwallis vorbei und gewann
einen vorzüglichen Eindruck. «Wir sind auf die Arbeit solcher Clubs angewiesen», sagt der Franzose. «Es ist wichtig, dass in einer Skination wie der Schweiz auch Telemark gepflegt wird. Das geschieht in Thyon auf eindrückliche Weise.»
Er will mithelfen, Talente Schritt für Schritt an ein hohes Leistungsniveau heranzuführen – im Nationalteam sollen dabei auch die Teamleaderin und der Teamleader eine zentrale Rolle übernehmen: Léa Lathion und Nicolas Michel. «Es ist ein Glück, zwei solche Topleute im Kader zu haben», sagt Faivre. «Sie sind Vorbilder, die ihre Erfahrung den Jungen weitergeben.» Wobei das mit dem Alter so eine Sache ist. Das Schöne am Telemark sei auch, dass man relativ spät damit beginnen könne. Und: «Wir sind eine kleine Gruppe in der grossen Familie des Skisports und quasi der kleine Bruder der Alpinen. Die Wahrscheinlichkeit, etwas Schönes zu gewinnen, ist darum auch eher gegeben.»
Erwan Faivre kämpft in seiner Rolle auch um Aufmerksamkeit, im Wissen, dass sich die Popularität nicht endlos steigern lässt. Ein Argument, das er immer wieder erwähnt, ist das Einstiegsalter. «Man kann mit 20 oder noch älter problemlos mit Telemark beginnen», sagt er.
Saskia Hermann hat viel früher angefangen und den Wechsel nicht bereut, im Gegenteil. Ihr ist zwar bewusst, dass sie mit dem Sport kaum Geld verdienen wird. Aber das hält sie nicht davon ab, vieles ihrer Passion unterzuordnen. Unterstützung erhält sie von der Schule, die ihr oft erlaubt, dem Unterricht fernzubleiben, wenn sie irgendwo in Europa einen Wettkampf bestreitet. Sie hat ihre sportliche Berufung gefunden und verbringt nach dem offiziellen Training weitere Stunden auf den Telemark-Ski – aus purer Freude am Fahren.
Text: Peter Birrer
Telemark steht für Gemeinschaft, Spass und Freude am Schneesport – locker, offen und cool. Genau diese Haltung prägt auch den Telemark-Weltcup auf Melchsee-Frutt. Das OK nimmt den Begriff «Gemeinschaft» wörtlich und hat im Januar zum zweiten Mal ein Rennen für Menschen mit Beeinträchtigung durchgeführt. Nachdem das Angebot im Premierenjahr mit sechs Teilnehmenden auf ein schönes Echo gestossen war, war klar: Dieses Rennen gehört wieder dazu. Vor den Finals des zweiten Parallel-Sprints wurde die Weltcup-Piste zur besonderen Bühne.
Der OK-Präsident Tino Tresch bringt es auf den Punkt: «Telemark steht für Gemeinschaft, für Zusammensein – da sollen alle dabei sein.» Dass die Teilnehmenden mit Beeinträchtigung mit Alpinski und nicht im Telemark-Stil unterwegs sind, spielt dabei keine Rolle. Es gehe nicht um Technik oder Tempo, sondern um das gemeinsame Erlebnis und darum, Teil des Weltcups zu sein. Die Lockerheit des Events, getragen vom Telemark-Lifestyle und der Überzeugung der Szene, schaffe den nötigen Spielraum dafür. «Wir haben mehr Freiheiten als grosse Weltcups in anderen Sportarten», so Tresch. Fest steht: Die beeinträchtigten Sportlerinnen und Sportler sollen auch in den kommenden Jahren ein fixer Bestandteil des Telemark-Weltcups bleiben. (LNN)
Ein Blick hinter die Kulissen des Schweizer Speed-Teams
Seit sechs Jahren führt Reto Nydegger die Männer Speed-Gruppe von Swiss-Ski. Rund um Marco Odermatt hat er ein Team aufgebaut, das international Massstäbe setzt – geprägt von Loyalität, Fairness und starkem Zusammenhalt.
Der rund 60-minütige Dokumentarfilm «Leading the Line» von Sven Allenbach begleitet Nydegger und das Team durch eine Saison und zeigt, wie neben Technik und Material auch Analyse, mentale Stärke und Teamgeist über Erfolg entscheiden. Der Film wird Ende Februar auf SRF gezeigt. (LNN)
Hier geht’s zum Trailer
2 Engelberg und Davos «Im Bann der fünf Ringe»
Vor hundert Jahren wurden die Olympischen Winterspiele zum ersten Mal an die Schweiz vergeben. Der Austragungsort 1928 war bekanntlich St. Moritz. Doch neben dem Engadiner Kurort hatten sich damals auch Davos und Engelberg für die Ausrichtung der Spiele beworben.
Obwohl dies Anfang des letzten Jahrhunderts hohe Wellen warf, geriet dieser Teil der Sport- und Tourismusgeschichte in Engelberg wie auch in Davos in Vergessenheit. In St. Moritz ist Olympia dank der Durchführung der Winterspiele von 1928 und 1948 hingegen bis heute allgegenwärtig. Der Engelberger Autor Beat Christen hat sich auf Spurensuche gemacht und ruft in seinem Buch «Im Bann der fünf Ringe» die Ereignisse von damals in Erinnerung. Das Buch weist 148 Seiten mit 59 Fotos auf und ist in ausgewählten Buchhandlungen sowie beim Verlag der Druckerei Odermatt AG in Dallenwil erhältlich. (VRL)
Bild: ZVG 1 Inklusion am Telemark-Weltcup
Elm eröffnet Museum für Vreni Schneider
Die aussergewöhnliche Karriere einer Jahrhundertsportlerin: 30 Jahre nach ihrem Rücktritt wird Vreni Schneider in ihrer Heimat mit einem eigenen Museum geehrt. Ihr Weg aus dem Glarnerland auf die Weltbühne des Skirennsports wird im alten Schulhaus in Elm erlebbar gemacht. Das Museum wurde Mitte Dezember eröffnet.
3 Wer die SRG halbiert, schwächt den Sport
ES GEHT UM DIE ZUKUNFT DES SCHWEIZER SPORTS.
Am 8. März 2026 stimmt die Schweiz über die sogenannte «Halbierungsinitiative» ab. Ein Ja hätte weitreichende Folgen für den Schweizer Sport – und damit auch für SwissSki. Die SRG müsste ihr Sportangebot massiv reduzieren. Swiss-Ski setzt sich deshalb vehement für ein Nein und damit für die Ablehnung der Initiative ein.
Bei der «Halbierungsinitiative» geht es um die Zukunft des Schweizer Sports – nicht um eine abstrakte Gebührendiskussion. Wird die SRG halbiert, verliert der Sport seine Bühne, Sponsoren ihr Publikum, Sportarten ihre Sichtbarkeit. Verschiedene grosse Sportevents würden schrittweise ins Pay-TV abwandern, das zeigt die TV-Situation in unseren Nachbarländern. Kleinere Sportarten würden in der Schweiz gar nicht mehr im Fernsehen übertragen. Wer den (Schnee-)Sport liebt, sagt deshalb Nein zu dieser extremen Initiative.
Die SRG überträgt durchschnittlich rund 9’000 Stunden Live-Sport pro Jahr – rund 30 verschiedene Sportarten finden regelmässig live im Fernsehen, in Livestreams und im Radio statt. Schneesport (Ski- und Snowboardsport) übertrugen die SRG-Sender 2024 während rund 900 Stunden live (TV & Online). Für viele traditionsreiche Schweizer Sportevents wie die Lauberhornrennen in Wengen oder Davos Nordic ist die SRG eine unverzichtbare Partnerin in Produktion und Berichterstattung. (REE)
Neben Weltcup-Kugeln, ihrer kompletten Medaillensammlung und Olympia-Trikots widmet sich ein eigener Bereich des Museums der mentalen Stärke von Vreni Schneider. Unter dem Leitsatz «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg» zeigen interaktive Stationen, wie persönliche Entwicklung, innere Haltung und Erfolg zusammenhängen – und machen diese Themen besonders für Schulklassen und Gruppen greifbar. Mit 55 Weltcup-Siegen sowie als dreifache Weltmeisterin, dreifache Olympiasiegerin und dreifache Gesamtweltcup-Siegerin ist Vreni Schneider die erfolgreichste Schweizer Skirennfahrerin der Geschichte. (VRL)
Infos gibt's hier
62 Millionen für den Schweizer Sport
An der 29. Versammlung des Sportparlaments in Ittigen erhielt Swiss Olympic von der Stiftung Sportförderung Schweiz Fördergelder in der Höhe von 62,3 Millionen Franken. Ruth Metzler-Arnold betonte die Verantwortung, den Schweizer Sport nachhaltig zu stärken. Dafür brauche der Sport die notwendigen finanziellen Mittel, so die Präsidentin von Swiss Olympic. «Entsprechend dankbar sind wir für die wertvolle und kontinuierliche Unterstützung durch die Lotterien Swisslos und Loterie Romande.»
Diese Unterstützung fiel erneut grosszügig aus: Im Rahmen des Sportparlaments durfte Ruth Metzler-Arnold von Paolo Beltraminelli, dem Präsidenten der Stiftung Sportförderung Schweiz, die für die Verteilung der Lotteriegelder an den Sport zuständig ist, einen Check in der Höhe von 62'311’511 Franken entgegennehmen. Die Höhe des Betrags ergibt sich aus dem Reingewinn der Lotterien Swisslos und Loterie Romande. (REE)
Weitere
Bild: Swiss Olympic
4 Über
Wintermomente, die verbinden –Erlebnisse mit Sunrise
Manchmal sind es nicht die grossen Siege, sondern die kleinen Begegnungen, die einen Winter einzigartig machen. Für Sunrise bedeutet Schneesport als Main Partner von Swiss-Ski mehr als Sponsoring und Informations- sowie Kommunikationstechnologie – es bedeutet Nähe, Emotionen und gemeinsame Erlebnisse.
Seit Beginn unserer Partnerschaft durften wir unseren Kundinnen und Kunden genau solche Momente ermöglichen: exklusive Einblicke hinter die Kulissen, persönliche Begegnungen mit Sportgrössen und Augenblicke, die man nicht jeden Tag erlebt. Einige Stimmen zeigen, wie besonders diese Erfahrungen waren:
1 FIS Ski Weltcup Wengen
Das Renngeschehen von der Sunrise Loube – der Plattform direkt beim Hundschopf mit spektakulärer Sicht – verfolgen und die Lauberhornabfahrt nach dem Rennen selbst auf Skiern hinunterfahren.
2 FIS Skicross Weltcup Arosa
Führung mit dem Streckenbauer auf der Weltcuppiste sowie ein Meet & Greet mit Alex Fiva sowie Isabelle Zippert (Sunrise Rising Star).
3 FIS Langlauf Weltcup Davos
Langlauflektion mit Ex-Profi Jonas Baumann auf der Original-Weltcup-Loipe und spannende Einblicke hinter die Kulissen mit OK-Präsident Peter Engler.
Emilia: «Ein super Event. Tolle Organisation, das Ambiente, das Catering und die Lokation waren perfekt. Das Wetter und die Resultate der Schweizer haben natürlich auch mitgeholfen :-) Ein einzigartiges Erlebnis. Besten Dank hierfür, Sunrise.»
«Herzlich, unkompliziert und sympathisch, wie dieser Event durchgeführt wurde. Perfekt organisiert!»
Emma: «Es war einfach ein geniales Erlebnis! So toll, was Sunrise uns Kunden da ermöglicht hat!»
Moritz:
4 FIS Skisprung
Weltcup Engelberg
Schanzenführung und eine Behind-theScenes-Tour – ein aussergewöhnlicher Blick in die Welt des Skispringens.
5 FIS Skicross Weltcup Veysonnaz
Streckenbesichtigung, Meet & Greet mit Ryan Regez und Anna Dietrich (Sunrise Rising Star) sowie ein urchiges Dinner mit dem «Raclette-Papst» Eddy Baillifard.
6 Kaffeetrinken und Buchvernissage mit Marco Odermatt
Ein entspannter Nachmittag mit persönlichem Austausch mit Marco Odermatt und anschliessender Buchvernissage.
Franziska: «Vielen Dank für die Fotos! Und nochmals herzlichen Dank für den fantastischen Event den wir erleben konnten! Es war so toll! Nicht nur dass wir Marco kennenlernen durften, sondern auch euch von Sunrise und die Autoren, das ganze Team! Wir haben durch euch einen unvergesslichen Tag erleben dürfen.»
Tobias: «Die Möglichkeit, aussergewöhnliche Orte zu besuchen, um solche Veranstaltungen zu erleben. Vor allem aber zu sehen, dass Sunrise den Schweizer Sport insgesamt unterstützt und nicht nur die grossen Sportarten.»
Stefan: «Ein solches spezielles Engagement für Kunden verdient Dankbarkeit in Form von Treue und Loyalität! Hat unglaublich grossen Spass gemacht und dank euch habe ich ein unvergessliches Erlebnis mit meinem Sohn, dass ich mein Leben lang nicht vergessen werde – DANKE!!!»
Momente, die bleiben
Was diese Erlebnisse so besonders macht? Sie schaffen Nähe – zu den Athletinnen und Athleten, zum Sport und zu den Menschen, die ihn möglich machen. Genau darin liegt der Kern des Engagements von Sunrise: nicht nur Präsenz zeigen, sondern gemeinsam Erinnerungen schaffen, die verbinden.
Die aktuelle Saison bietet noch zahlreiche spannende Highlights, und auch in Zukunft wird es immer wieder Überraschungen geben. Unter Sunrise Moments , dem Treueprogramm von Sunrise, sind alle Gewinnspiele und Möglichkeiten zu finden, um mit etwas Glück solche besonderen Augenblicke mitzuerleben. Ein regelmässiger Blick lohnt sich.
Jetzt entdecken: sunrise.ch/moments
Unvergesslich. Unerzählt.
Maria Walliser war 23 Jahre alt, als sie als eine der grossen Schweizer Medaillenhoffnungen an die WM 1987 nach Crans-Montana reiste. Bilder: Keystone-SDA
DER MENTALE EFFORT
DER MARIA WALLISER
Gewaltige Erwartungen lagen auf den Schultern der Favoritin. Ein Moment reichte, um alles ins Wanken zu bringen. Alleine stellte sie sich dem entscheidenden Kampf. Was dort geschah, sollte ihre ganze WM verändern.
Im Februar 1987 lag in Crans-Montana etwas in der Luft, das schwerer war als Schneeflocken. Die Schweiz hatte die Tribünen aufgebaut, die Fahnen ausgerollt, wartete auf ihre Stars – und hatte ihre Erwartungen längst in den Schnee geschrieben. Maria Walliser war 23 Jahre alt, Gesamtweltcupsiegerin, eine der Hoffnungsträgerinnen eines skiverrückten Landes. Doch während draussen alles nach Triumph aussah, begann ihr Wettkampf an einem ganz anderen Ort.
Im Hotelzimmer. Allein.
Sehr selten in ihrer Karriere hatte Walliser ein Zimmer für sich alleine. Keine Teamkollegin, keine fremden Atemzüge, kein leises Rascheln im Dunkeln, kein geteiltes Warten auf den nächsten Tag. Nur sie, ihre Gedanken. Die Toggenburgerin aus Mosnang konnte es noch nicht wissen, dass diese Weltmeisterschaften keine Rennen wie alle anderen bringen würden – sondern einen inneren Parcours, ein Auf und Ab der Emotionen, so steil wie die Hänge draussen vor dem Fenster.
Zwischen Hoffnung und Unsicherheit, zwischen Erwartung und Zweifel würde sich alles entscheiden. Doch eines wusste Maria Walliser ganz bestimmt: Am Ende würden nicht nur ihre Beine, ihr Talent und die schnellen Ski darüber bestimmen, wie diese WM ausgeht, sondern vor allem das, was in ihrem Kopf geschieht.
Walliser trägt bei der WM-Eröffnung die Schweizer Fahne – und spürt in diesem Moment, dass diese WM «etwas ganz Besonderes» werden würde, begleitet von einer Nervosität, die tief geht.
Die Bühne ohne Proben
Als sie mit der Schweizer Fahne zur Eröffnungsfeier einmarschierte, stieg die Nervosität drastisch. «Da habe ich gespürt, dass diese WM etwas ganz Besonderes wird.» Grösser. Schwerer. Persönlicher. Während die Männer auf der legendären «National» fuhren, wurde für die Frauen
eine neue Abfahrtsstrecke gebaut. Eine Piste, die niemand kannte. Eine Bühne ohne Proben.
Das sorgte für Unsicherheit. Und ja, die Erwartungen waren hoch – von aussen wie bei ihr selbst. Doch Walliser hatte sich darauf vorbereitet. Nicht mit Kraft und Schweiss, sondern leise,
Crans-Montana 1987
Unvergesslich. Unerzählt.
mit innerer Arbeit. In der Saison davor hatte sie gelernt, ihre eigene Stimme klarer zu hören als all das Drumherum. Ablenkung hatte keinen Platz mehr. In CransMontana wollte sie nichts beweisen, sondern ihr bestes Skifahren zeigen – und wie sie selbst sagt: «Mich ganz auf mich konzentrieren.»
Dass Maria Walliser für die Abfahrt bereits gesetzt war, gab ihr zusätzlichen Raum zum Atmen. Keine interne Qualifikationsmühle, kein zusätzliches Zittern. Stattdessen: Fokus. Ruhe. Und das leise Wissen, dass sie genau dort war, wo sie sein musste.
Und dann kam der Schlag.
Der Kombinations-Slalom wurde wegen schlechten Wetters vorgezogen. Walliser fädelte ein.
Aus. Keine Kombi-Abfahrt.
Keine echte Rennprobe zur Vorbereitung. Keine erste Chance, die Erwartungen zu erfüllen. Während Erika Hess die erste Goldmedaille für die Schweiz holte, sass Walliser allein in ihrem Hotelzimmer und schaute zu. Tränen liefen über ihr Gesicht. Nicht aus Selbstmitleid, sondern aus diesem tiefen, wütenden Frust, wenn man weiss, dass man mehr hätte erreichen können.
Der Einfädler im Kombinations-Slalom hätte alles kippen können. Doch über Vertrauen in ihre innere Ruhe fand Maria Walliser zurück in die Erfolgsspur.
Sie zog sich die Jacke an und ging hinaus. Allein. Durch verschneite Wege. Schritt für Schritt zurück in ihr Gleichgewicht. Und irgendwo zwischen den Bäumen und dem Knirschen des Schnees wurde aus Enttäuschung wieder Entschlossenheit. «Und ich wollte umso mehr um die Medaillen an dieser WM kämpfen.»
Ihr innerer Werkzeugkasten
Maria Walliser hatte Werkzeuge für solche Momente. Alles war Teil eines Ablaufs – bewusst oder unbewusst. Vor dem Frühstück ein Footing für den klaren Kopf. Draussen Atemübungen, so oft es ging. Die Kassette mit Entspannungsübungen
Zwischen Zweifel und Triumph: Maria Walliser auf dem Podest, Sinnbild für das emotionale Auf und Ab, das diese WM prägte. Bild: Hervé Deprez
In Betroffenheit und Trauer vereint
Die Brandkatastrophe in der Silvesternacht in Crans-Montana hat auch Swiss-Ski und das lokale Weltcup- und WM-Organisationskomitee erschüttert. Die Weltcup-Rennen vom 30. Januar bis 1. Februar fanden in angepasster Form statt. Sämtliche Side-Events im Zentrum von CransMontana waren abgesagt worden. Zum Rahmen der Rennen gehörten Momente und Gesten des Schweigens und Gedenkens.
Swiss-Ski und das OK entbieten den Familien, Freundinnen und Freunden der Todesopfer auch an dieser Stelle ihr tiefstes Beileid. Unsere Gedanken sind auch bei den zahlreichen Verletzten, denen wir viel Kraft wünschen. «Diese Silvesternacht hat uns alle in Betroffenheit und Trauer vereint; wir werden uns ein Leben lang an diese Tragödie erinnern», sagt Didier Défago, CEO des Organisationskomitees.
hatte sie immer dabei. Dazu Nahrungsergänzung fürs Hirn, am Abend Yoga, vor dem Einschlafen Lesen und Tagebuchschreiben. Positive Sätze waren für sie so selbstverständlich wie «das Müesli zum Frühstück».
«Du hast alles, was du brauchst.» «Lass deine Gefühle zu.» «Du bist bereit.» «Du kannst alles erreichen.»
Mentaltraining war damals kein offenes Thema, vieles lief im Stillen. Auch Frauentrainer Markus Murmann wusste nie genau, welche Tools Maria Walliser nutzte – und umgekehrt galt dasselbe im Team: Jede arbeitete für sich, ohne gross darüber zu sprechen. Eine Schlüsselfigur im Hintergrund war die Physiotherapeutin: nahe bei den Athletinnen, erste Anlaufstelle, Vertrauensperson. Viel von dem, was mental lief, lief über sie –und blieb für die Trainer unsichtbar.
Aus Murmanns Sicht war Walliser vor allem eines: hungrig. Nicht im emotionalen Sinn, sondern in der Konsequenz. «Ich will gewinnen, ich will die Beste sein» war kein Slogan, sondern ihre Haltung, wie Murmann sagt. «Sie sog alles auf, was ihr einen Vorteil verschaffen konnte.»
Vorbereitung bis ins Detail
Vor jedem Rennen ging sie die Läufe im Kopf durch, Tor für Tor, Linie für Linie. Visualisieren. Murmann wusste, dass Walliser diese genaue Besprechung gemeinsam mit ihrem Trainer brauchte, dass ihr diese Klarheit Sicherheit gab – also stellte er sicher, dass er ihr das geben konnte. Es war eines der wenigen mentalen Werkzeuge, die er als Trainer bewusst und gezielt einsetzte. «Maria überliess nichts dem Zufall», sagt Murmann. Wenn sie am Start stand, sollte nichts mehr ungeklärt sein. Nur noch der Lauf vor ihr im Kopf.
Im letzten Training vor der WM-Abfahrt fuhr Walliser Bestzeit. Ihr Servicemann René Schlumpf gab ihr nicht den schnellsten Ski, sondern den, dem sie am meisten vertraute. «Er wusste, dass ich mit meinem Lieblingsski auch mit Fehlern gewinnen kann.» Dieses Zusammenspiel aus Vertrauen in sich, ins Material und in ihr Umfeld trug Maria Walliser –und am Ende blieb nur noch eines: Vertrauen in ihr Können.
Gold in der Abfahrt. Gold im Super-G. Bronze im Riesenslalom.
Gold in der Abfahrt, Gold im Super-G, Bronze im Riesenslalom – ein WMMärchen, getragen von mentaler Stärke.
Drei Medaillen nach einem WMStart, der alles hätte zerstören können.
Maria Walliser gewann diese Medaillen nicht, weil sie nie zweifelte – sondern weil sie gelernt hatte, mit Zweifeln umzugehen. Auf die Frage, ob sie während der WM 1987 je etwas im Hotelzimmer vergessen habe, antwortete sie trocken: «Ja, meine Zweifel.» Was sie stattdessen mit auf den Berg nahm, war ihre Überzeugung. Doch oben, im Wind und im Weiss, war ihr genauso klar: Den Hang musste sie selbst meistern - egal wie gross die Erwartungen sind. Keine Technik, kein Hilfswerkzeug, kein Gedanke konnte ihr diese Aufgabe abnehmen.
Maria Wallisers Stärke lag in ihrer Natürlichkeit. «Bei Zweifel oder Blockaden hat mir vor allem die Verbindung zur Natur, zur Bergwelt und zur Bewegung geholfen.» Dafür brauchte es kein Mentaltraining.
Fast vierzig Jahre später sagt Maria Anesini-Walliser, die WM 1987 sei ein Auf und Ab der Gefühle gewesen. Aber vielleicht war es genau dieses Auf und Ab, das sie so stark machte. Nicht ihre Perfektion, sondern die Fähigkeit, immer wieder zurückzufinden – zu sich selbst, zur Ruhe, zur Klarheit. In Crans-Montana wurde Maria Walliser nicht nur Weltmeisterin. Sie wurde Meisterin ihres eigenen Kopfes. «Ende gut und weiter.»
Text: Lia Näpflin
In diesem Moment zwischen Start und Ziel ist Maria Walliser allein mit dem Hang – getragen von der Gewissheit, dass alles, was sie braucht, um schnell zu sein, in ihr steckt. Bild: Hervé Deprez
Dürfen
Sebastian Stalder hat eine Lehre als Zimmermann und eine Ausbildung zum Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit absolviert – und ist seit einigen Jahren erfolgreich als ProfiBiathlet im Weltcup unterwegs. Bilder: Stephan Bögli
Was macht dich wütend?
Ein schlechter Wettkampf. Insbesondere dann, wenn ich in einem Rennen alles gegeben habe und mein Gefühl danach nicht mit der tatsächlich realisierten Zeit respektive Klassierung übereinstimmt.
Wann hast du zum letzten Mal geweint und warum?
An der Heim-WM in Lenzerheide im vergangenen Februar, nach dem Verfolgungsrennen. Auf der Auslaufrunde kam ich bei meiner Familie und bei meinem Fanclub vorbei, da nahm es mich – aus Freude – emotional mit.
Was erzählst du von dir, wenn du jemanden beeindrucken willst?
Ich habe neben dem Sport eine Lehre als Zimmermann gemacht, nun absolviere ich eine Ausbildung zum Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit. Ich habe beide Ausbildungen mit dem Profisport kombiniert und konnte gleichwohl Top-Klassierungen im Weltcup und an Weltmeisterschaften herauslaufen.
Sebastian Stalder zählt seit einigen Jahren zu den besten Schützen im Biathlon-Weltcup.
Was möchtest du unbedingt noch lernen?
Ich war früher überhaupt nicht musikalisch. Nun möchte ich aber gerne lernen, Gitarre zu spielen – jetzt, wo ich auch meine zweite Ausbildung abgeschlossen und mehr Zeit habe. Gitarre ist ein sehr vielseitiges Instrument, das gefällt mir.
Sebastian Stalder
Sebastian Stalder ist zweimaliger WM-Siebter im Massenstart und zählt zu den besten Schützen im Weltcup. Sein Gewehr, eine Eigenkonstruktion namens «Stalder Schaft», ist mit einer einzigartigen Nachladetechnik ausgestattet. Die Magazine befinden sich im Innern des Schafts, das jeweils neue Magazin rutscht beim Wechsel eigenständig nach.
Der gelernte Zimmermann und ausgebildete Fachspezialist Zoll und Grenzsicherheit blickt auf mehrere Top-10-Resultate in Weltcup-Einzelrennen zurück. 2023 beendete er die Massenstart-Disziplinenwertung im 5. Rang. An den Junioren-Weltmeisterschaften in Lenzerheide drei Jahre zuvor hatte der heute 28-jährige Zürcher Oberländer im Einzel über 15 km Bronze gewonnen.
instagram.com/sebastianstalder
Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
Im vergangenen November habe ich in unserem Schlafzimmer die Wände mit Gips verputzt. Ich bin ziemlich stolz, dass diese Arbeit so gut geworden ist.
Wo – wenn nicht in der Schweiz – würdest du leben wollen?
In Dänemark, dort war ich mit meiner Freundin im letzten Sommer in den Ferien. Erst in ländlichen Orten, dann in städtischen. Beides hat mir sehr gut gefallen. Wir könnten es uns sehr gut vorstellen, später dorthin zu ziehen.
Was nervt dich an unserer Gesellschaft?
Nicht viel. Ausser dass der Sport bei uns in der Schweiz – im Vergleich mit unseren Nachbarländern – einen nicht so hohen Stellenwert geniesst.
Bei was hast du deine Meinung fundamental geändert?
Ich diskutiere sehr gerne und habe gerne einen konstruktiven Austausch mit Leuten. Ich würde sagen, dass ich sehr diplomatisch bin, was andere Meinungen betrifft. Wenn jemand bessere Argumente hat, dann habe ich keine Mühe, diese zu akzeptieren. Absolut festgefahrene Ansichten habe ich nicht, weshalb ich meine Meinung auch noch nie fundamental ändern musste.
Worüber sprichst du nicht gerne?
Über einen schlechten Wettkampf –insbesondere in den ersten drei Stunden danach nicht. Ich bin dann mit mir selbst beschäftigt und ohnehin schon verärgert genug. Dann auch noch darüber reden will ich eigentlich nicht. Aber mir ist bewusst, dass man auch in solchen Situationen professionell sein muss und den Medienschaffenden anständig Rede und Antwort stehen soll. Das gehört zum Job dazu.
Was war die letzte Lüge, die du erzählt hast?
Letztmals richtig gelogen habe ich im Zusammenhang mit einem
Weihnachtsgeschenk. Meine Freundin nahm zuhause ein Paket an. Ich sagte ihr danach, sie solle es verstecken, weil es für meinen Bruder Gion bestimmt sei. Eigentlich war es aber ihr Geschenk.
Bei wem müsstest du dich eigentlich entschuldigen?
Bei allen Leuten, die bei WhatsApp mindestens drei Tage auf eine Antwort von mir warten müssen. Ich bin nicht so fleissig, wenn es ums Zurückschreiben geht. Die Nachrichten lese ich jeweils schnell, sofort antworten tue ich aber nur, wenn es sehr dringend ist. Es kommt auch vor, dass ich meiner Mutter nicht sofort zurückschreibe, das tut mir im Nachhinein jeweils sehr leid.
Ist es besser, als Sportler geliebt oder gefürchtet zu sein?
Beides – hier gebe ich eine sehr diplomatische Antwort. Ich hätte gerne, dass ich während des Wettkamps auf der Strecke gefürchtet werde von meinen Konkurrenten, neben der Strecke von ihnen jedoch gleichwohl gemocht – als fairer Sportsmann.
Wovor drückst du dich am meisten?
Ganz klar vor dem Trockentraining. Ich brauche diese Trainingsform, bei der es darum geht, Bewegungsabläufe zu automatisieren sowie Ziel-, Atem- und Abzugstechnik
zu verbessern, jedoch auch nicht so häufig. Mit zunehmender Routine merkt man immer besser, wann man ein Trockentraining einlegen sollte.
Wie lange hältst du es ohne Handy aus?
Das kommt auf die Situation an. Wenn ich im Training oder bei der Arbeit bin, kann ich problemlos einen kompletten Nachmittag verbringen, ohne aufs Handy zu schauen. Das gilt auch, wenn ich zuhause etwas baue, dann höre ich meist einfach einen Podcast, der übers Handy läuft. An Wettkampf-Wochenenden oder während Trainingslagern, das muss ich jedoch gestehen, ist meine Bildschirmzeit ziemlich hoch – weil man dann einfach
«Aus schlechtem Gewissen habe ich jeweils auch ein Buch dabei.»
Sebastian Stalder
weniger Möglichkeiten hat, abseits der Hotelzimmer etwas zu unternehmen. Aber: Aus schlechtem Gewissen habe ich jeweils auch ein Buch dabei – und ich lese darin regelmässig ein paar Seiten.
Wenn jemand deine WebSuchverläufe sehen würde: Was wäre dir am unangenehmsten?
Derzeit schaue ich oft Videos über ferngesteuerte Autos. Das ist zwar nicht sehr peinlich, aber ich denke, wenn das jemand entdecken würde, würde er sich schon fragen, wieso ich diese Videos gucke. Seit vergangenem Sommer gibt es bei uns im Team eine Art Lego-Vernarrtheit. Wir Jungs haben in die Trainingslager Lego-TechnicSets mitgenommen und zusammengebaut – eine Beschäftigung, um eben nicht immer am Handy zu sein. Ich bin dann etwas abgeschweift –zu den ferngesteuerten Autos.
Welche Freiheiten sind dir wichtig?
Ich bin froh, dass ich essen darf und kann, was ich will. Natürlich achte ich auf eine für Spitzensportler sinnvolle und passende Ernährung, aber ich leide glücklicherweise unter keinen Unverträglichkeiten.
Wann hattest du so richtig Glück?
Vor drei Jahren, beim Weltcup in Hochfilzen. Ich lernte damals zufällig meine grosse Liebe kennen.
Ist es eine Illusion zu glauben, Erfolg verändere einen nicht?
Ja, es ist eine Illusion. Erfolg verändert einen – aber es muss nicht zwingend auf eine negative Art sein. Ich war zum Beispiel früher eher scheu, mit den
sportlichen Erfolgen wurde ich dann immer selbstbewusster. Für mich und mein Umfeld ist es angenehmer, wenn ich ein gewisses Selbstvertrauen habe.
Welche Entscheidung in deinem Leben bereust du insgeheim immer noch?
Nichts, was einschneidend gewesen wäre. Denn wenn ich irgendetwas in der Vergangenheit anders gemacht hätte, dann wäre ich möglicherweise nicht da, wo ich jetzt bin. Etwas eher Unbedeutendes, das ich erwähnen kann, ist die Tatsache, dass ich mir einmal In-Ear-Kopfhörer kaufte, als diese aufkamen. Sie kosteten mich etwa 250 Franken, zum Sporttreiben brauchbar waren sie jedoch nicht. Diese Kaufentscheidung war zwar schlecht, aber nicht einschneidend.
Was würdest du gerne können, kannst es aber nicht?
Ich würde gerne richtig gut schwimmen können. Leider ist mein derzeitiges Niveau nicht dafür geeignet, um Schwimmeinheiten zur Abwechslung ins Training einzubauen.
Was glaubst du, denken andere über dich, wenn du den Raum verlässt?
Ich denke, sie machen Witze über Rothaarige. Hoffentlich nicht allzu bösartige.
Du hast drei egoistische Wünsche frei, was wünschst du dir?
Mehr Lotto spielen und dabei den Jackpot gewinnen, zudem hätte ich immer gerne die schnellsten Ski im Feld und das Wettkampfglück stets auf meiner Seite.
Aufgezeichnet: Roman Eberle
Der Moment ihres grössten Triumphs: 2006 wird Daniela Meuli im Piemont Olympiasiegerin. Bilder: Keystone-SDA
Wie eine Olympiasiegerin Generationen bewegt
Vor 20 Jahren stand Daniela Sonderegger-Meuli als Olympiasiegerin im Parallel-Riesenslalom auf dem Podest in Bardonecchia im Piemont. Heute hilft sie Menschen, im Alter fit zu bleiben – und gibt ihre Leidenschaft für Bewegung weiter.
Vor der frisch renovierten Turnhalle gleich hinter dem Dorfplatz wischt Bettina mit einem Besen den Schnee von ihren Winterstiefeln. Zum ersten Mal in diesem Winter liegt in Saas, der 780-Seelen-Gemeinde im Prättigau, eine dicke Schneedecke. Die Menschen schaufeln ihre Einfahrten frei, auf dem Dorfplatz rattert der Schneepflug. Es ist Donnerstagabend, gleich beginnt in der Turnhalle die 75-minütige Turnstunde für Seniorinnen und Senioren.
«Wir sind alle sehr stolz, dass wir Daniela als Trainerin haben», sagt Bettina. Als vor drei Jahren Pro Senectute das Projekt «Fit im Alter» in der Gemeinde
startete und Daniela Sonderegger-Meuli als Trainerin verpflichten konnte, wollte Bettina zuerst nicht mitmachen. Sie hatte, wie viele, ein falsches Bild vom Seniorenturnen – eines, wo man auf Stühlen sitzt und Stoffbänder durch die Luft schwingt. «Daniela fordert uns ganz schön, das gefällt mir», sagt Bettina und marschiert Richtung Garderobe.
Was Bettina mit Fordern meint, wird gleich ab der ersten Übung klar. Auf dem Hallenboden liegen Nummern von eins bis neun verteilt. Anstatt zum Aufwärmen von Nummer zu Nummer zu joggen, müssen die Turnerinnen in Zweierteams ihre Postleitzahl ablaufen. In der zweiten Übung müssen sie die jeweiligen Nummern addieren oder subtrahieren, in der dritten Runde kommt Multiplizieren und Dividieren dazu. Die Übungen fordern nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf. «Das Gehirn brauchen wir genauso wie den Rest unseres Körpers, deshalb trainieren wir es», sagt Sonderegger-Meuli.
Rücktritt 166 Tage nach Olympia-Gold
Dass Daniela Sonderegger-Meuli heute als selbstständige Bewegungstherapeutin einmal in der Woche zwischen acht bis zwanzig Seniorinnen trainiert, hätte sie sich während ihrer aktiven Karriere wohl kaum vorgestellt. Damals, im Februar 2006, stand sie als Snowboarderin bei den Olympischen Spielen in Turin auf dem Podest und holte in Bardonecchia Gold im Parallel-Riesenslalom. Im Sommer darauf, genau 166 Tage nach ihrem Triumph, trat sie vom Spitzensport zurück.
Die Medien betitelten ihren Entscheid als kurios – eine 24 Jahre junge Spitzenathletin, Olympiasiegerin mit drei Gesamtweltcupsiegen in Folge und 22 Weltcup-Siegen insgesamt, die weder ausgebrannt noch unmotiviert war, will nicht mehr? «Ich hatte das Privileg, all meine Ziele und Träume im Snowboard Alpin erreicht zu haben und verspürte den Drang, etwas Neues anzufangen.» Die Angst, in ein Loch zu fallen, sei nie dagewesen, weil sie immer einen Plan B gehabt hätte, erzählt sie.
Und dieser Plan B war real: Parallel zur Sportkarriere hatte sie ihr Studium zur Sportlehrerin an der ETH Zürich abgeschlossen. «Mir waren immer beide Sachen wichtig. Einerseits der Spitzensport, wo ich meine Ziele und Träume hatte. Daneben wollte ich trotzdem meine Ausbildung machen, weil es ein Leben nach dem Spitzensport gibt.»
Mit Olympia-Gold krönte Daniela Meuli ihre Karriere - weniger als ein halbes Jahr später trat die Bündnerin vom Spitzensport zurück.
Olympia-Gold, WM-Titel und Sieg im Gesamtweltcup: Daniela SondereggerMeuli errang als Alpin-Snowboarderin die wichtigsten drei Titel.
«Mir waren immer beide Sachen wichtig. Einerseits der Spitzensport, wo ich meine Ziele und Träume hatte.
Daneben wollte ich trotzdem meine Ausbildung machen, weil es ein Leben nach dem Spitzensport gibt.»
Daniela Sonderegger-Meuli
Motivation3
Zurück in der Turnhalle. Eine Koordinationsübung mit Gewichtssäckli steht an. In Zweierteams sollen die Frauen auf Kommando der Kollegin mit einem Fuss ein Säckli nach vorne oder zurück schieben, während die Arme mit dem anderen Säckli nach oben oder auf die Seite vom Körper ausgestreckt werden. Das Herausfordernde sei, dass die Turnübungen die verschiedenen Altersgruppen von 60 bis 85 Jahren mit deren unterschiedlicher körperlicher Verfassung
fordern müssen, erklärt Sonderegger-Meuli. Deshalb unterteilt sie die Übungen jeweils in verschiedene Schwierigkeitsstufen. So können die Frauen selbst entscheiden, welches Level für sie passt.
Bei der schwierigsten Stufe werden zwei Teams etwas ungeduldig. «Ui, das ist schwer.» Die 44-jährige gebürtige Davoserin weiss, dass die Übung selbst für aktive und junge Sportlerinnen anspruchsvoll ist. Sie motiviert: «Ich weiss, das ist schwer, das geht allen so.» Die Frauen bleiben dran, üben weiter. Ganz nach Sonderegger-Meulis
Freude an Bewegung kennt kein Alter. Die Übungen fordern – und machen sichtbar Spass. Bilder: Sandro Anderes
Motto: «Keep on going, keep on smiling.» Ein Leitsatz, nach den sie seit ihrer Zeit als Profisportlerin bis heute lebt.
Die Trainerin fordert Körper und Kopf zugleich. Bewegung und Denken gehören für Sonderegger-Meuli zusammen.
Im Übergang, von den Junioren zu den Profis, habe sie den Sport zu ernst genommen, die Freude verloren, sagt Sonderegger-Meuli. «Ich war verbissen. Der Grundgedanke, dass man ja eigentlich etwas macht, weil man sehr gerne snowboarden will und Freude daran hat – den habe ich verloren.» Nach einer Auslegeordnung fand sie zurück zur Freude. «Das prägt mich bis heute.» Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe. Gemeinsam bewegen, gemeinsam lachen – jede im eigenen Tempo.
Daniela
Von den Junioren zu den Senioren
Nach dem Rücktritt vom Spitzensport unterrichtete Daniela Sonderegger-Meuli Sport an der Alpinen Mittelschule in Davos, trainierte später die Junioren-Nationalmannschaft der AlpinSnowboarder und war Nationaltrainerin beim Mountainbike (Cross Country) der Frauen. Zehn Jahre lang arbeitete sie als Sporttherapeutin am Spital Davos, betreute Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, ebenso wie Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt. «Dort habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit mit älteren Leuten wirklich Freude macht», sagt Sonderegger-Meuli. Sie bildete sich in der Gerontologie, den Alterswissenschaften, weiter.
An der Arbeit mit älteren Menschen hafte zu Unrecht ein Image vom Abstellgleis, sagt sie. «Alle wollen mit den Jungen, den Erfolgshungrigen arbeiten. Aber
auch ältere Menschen haben Ziele – vielleicht nicht den New York Marathon, aber nach einer Herzoperation wieder mühelos in die eigene Wohnung zu kommen. Das kann genauso anspruchsvoll sein.»
So leitet Sonderegger-Meuli neben dem Seniorenturnen in Saas auch Sturzpräventionskurse und hält sie Referate zu Gesundheit im Alter für das Gesundheitsamt des Kantons Graubünden. Zudem ist sie als Expertin für Leiterausbildungen im Bereich «FitGym Turnen» von Pro Senectute für die Kantone Graubünden, Glarus und beide Appenzell zuständig. Hier kann Daniela SondereggerMeuli weitergeben, was ihr selbst sehr wichtig ist: Freude an Bewegung.
Kurz vor der Geburt ihres zweiten Sohnes ist Sonderegger-Meuli mit ihrem Mann und dem älteren Buben vor sechseinhalb Jahren von Davos nach Saas gezogen. Saas sei ein Glücksgriff gewesen, sagt sie. Das Dorf lebe
den Gemeinschaftscharakter, was ihr und ihrem Mann wichtig sei. So engagiert sie sich in der Gemeinde für gemeinschaftliche Aktivitäten wie den Generationenspielnachmittag, wo vom Zweijährigen bis zum 95-Jährigen gemeinsam gespielt wird. Zudem leitet sie eine zweite Turnlektion für Einwohnerinnen und Einwohner von Saas im Alter von 25 bis 50 Jahren. Die Lektionen wären eigentlich für alle offen, aber es kämen zur Zeit «nur» Frauen, so Sonderegger-Meuli.
Obwohl die ehemalige Profi-Snowboarderin und Olympiasiegerin als gesellig gilt, braucht sie ihre Momente für sich. Die holt sich Sonderegger-Meuli derzeit beim Mountainbiken, Langlaufen oder Puzzeln. Selbstständig zu sein passe für den Moment gut zu ihrem Familienalltag. Doch wenn ihre beiden Buben noch etwas grösser sind, könne sie sich gut vorstellen, wieder in einem Team zu arbeiten - in einem Spital, einem
Anleiten, ermutigen, anpassen: Sonderegger-Meuli unterteilt jede Übung in verschiedene Schwierigkeitsstufen.
Altersheim oder in einem Gesundheitszentrum. «Ich habe beide Seiten in mir. Aber grundsätzlich bin ich eher die Teamplayerin.»
In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele in Milano Cortina. Am 9. Februar wird im Snowpark von Livigno um Gold im Parallel-Riesenslalom gekämpft – genau 20 Jahre nach Daniela Sonderegger-Meulis Triumph bei den letzten Winterspielen in Norditalien. Wird sie mitfiebern? «Klar wird der Fernseher während der Wettkämpfe häufiger laufen», sagt sie. Ihr Olympiasieg sei Teil ihrer Geschichte, aber nicht mehr so präsent wie damals. Doch: «Wenn es auf die Grossanlässe zugeht, kommen die Erinnerungen schon wieder hoch», sagt SondereggerMeuli. «Dann merkt man plötzlich, wow, das habe ich auch mal geschafft.»
Die Turnerinnen räumen die Matten weg, plaudern noch ein paar Minuten. Draussen fällt weiter Schnee.
Was früher Olympiagold war, ist heute Freude an Bewegung. Daniela Sonderegger-Meuli gibt weiter, was sie selbst bewegt.
Sonderegger-Meuli packt ihre Gewichtssäckli in die Tasche. Ihr Leben dreht sich längst nicht mehr um Olympiasiege und Weltcup-Rennen. Früher ging es um ihre eigenen Ziele. Heute geht es darum, andere
dabei zu unterstützen, deren Ziele zu erreichen – mit Freude an der Bewegung. Keep on going, keep on smiling.
Text: Monique Misteli
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Mehr fahren, weniger warten
Das Smart-Competition-Format vermehrt die Fahrzeit der Kinder und rückt den Spass am Skifahren ins Zentrum. Bilder: zvg
Die Renngruppe Albis des Skiclubs Hausen am Albis setzt bei den Kinderskirennen auf neue Inhalte. Smart Competition heisst das Format, das bei seiner Premiere für Begeisterung sorgte. Nun folgt die Zweitauflage.
Die Geschichte beginnt mit einer kontroversen Diskussion. Jahrelang hatte die Renngruppe Albis, eine Untersektion des Zürcher Skiclubs Hausen, das Kinderskirennen (Voitsport-Race) organisiert. Nun drohte dem traditionellen Anlass das Aus – wegen sinkender Nachfrage und eines übervollen Rennkalenders.
Es war der Moment für einen Grundsatzentscheid: Wird das Ganze per sofort beendet – oder wagt man sich an ein neues Format?
Jan Herud gehört zu den treibenden Kräften hinter dem Projekt, die sich für die zweite Variante aussprachen. Der
49-jährige Unternehmer leitet die Renngruppe, sitzt im Vorstand des SC Hausen am Albis und engagiert sich mit Hingabe für den Nachwuchs. Als er sich mit der Frage auseinandersetzte, wie sich ein Renntag attraktiver gestalten lässt, stand für ihn fest: Die Kinder sollen möglichst viel fahren – und möglichst wenig Zeit mit Warten auf ihren Wettkampf verbringen.
Die Lösung lieferte ein Konzept von Swiss-Ski: Smart Competition. Es geht im Kern darum, die Bewegungszeit der Kinder im Schnee zu vervielfachen.
Side
Events bringen Abwechslung
Jan Herud kümmerte sich bei der Neuausrichtung um Sponsoren, führte Gespräche mit Eltern und war, so sagt er das, «der Papi». Als OK-Chefin stellte sich
Steffi Bowles zur Verfügung, Mutter von zwei Kindern im Skiclub und früher selber Rennfahrerin auf FIS-Stufe. Die 41-Jährige steckt viel Aufwand in die Organisation der Veranstaltung, die zum einen neu drei Läufe mit Riesenslalom- und Slalomabschnitten beinhaltet. In die Wertung aufgenommen werden aber nur die besten zwei Durchgänge. Zum anderen wurde das Programm um sogenannte Side Events erweitert, bei denen die Kinder auf spielerische Art ihre skifahrerischen Fähigkeiten erweitern können.
Freies Fahren gehört ebenso zu den Side Events wie ein Parallelslalom oder Start- und Skating-Übungen. «Der Spass steht im Zentrum», betont Steffi Bowles. Gleichzeitig soll der Wettkampfcharakter beibehalten werden. Die sechs- bis neunjährigen Kinder werden in clubübergreifende Teams eingeteilt, lernen also neue Gspänli kennen, und an diesem Tag werden sie nicht von ihren Eltern betreut, sondern von Gruppenleiterinnen oder Gruppenleitern. Die verantwortlichen Personen übernehmen eine bedeutende Rolle. «Sie sind der Schlüssel zum Erfolg», sagt Steffi Bowles, «sie sollen Freude am Skisport vermitteln und für eine gute Stimmung sorgen.» Mehrheitlich bringen die Leiterinnen und Leiter eine J+S-Ausbildung mit.
Am 9. März 2025 feierte die RG Albis in ihrem Stammgebiet Brunni-Alpthal die Premiere. Die OK-Chefin war angespannt, aber die Nervosität legte sich rasch, auch deshalb, weil sie sich auf ein Team verlassen konnte. Neben Wettkampfleiter Patrick Holzner leisteten rund 50 Freiwillige ihren Beitrag zu diesem Erlebnis.
Spielerische Side Events, neue Teams und viel Zeit im Schnee: So begeistert die RG Albis Kinder für den Rennsport.
Ein Sonderlob als Sondermotivation
Die vielen investierten Stunden haben sich gelohnt. «Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv – von ‹Wow!› bis ‹Mega!› war alles dabei», sagt Steffi Bowles. «Und für viele war klar: Wenn 2026 eine Zweitauflage stattfindet, wollen
sie unbedingt wieder dabei sein.» Im Artikel, der über das Voitsport-Race verfasst und auf der Homepage des Vereins publiziert wurde, berichten die Hausemer von einem weiteren positiven Feedback: «Im Swiss-Ski-Wettkampfbericht erhielt der Anlass Bestnoten mit abschliessendem Sonderlob als Rennformat mit Zukunft.»
Smart Competition: Mehr Fahren, weniger Warten
Das Ziel von Smart Competition ist es, die Vielseitigkeit und die Freude der Kinder und Jugendlichen auf Skiern zu stärken. Gleichzeitig werden Rennqualität und effektive Aktivitätszeit erhöht, was auch die Persönlichkeitsentwicklung fördert. Bei gleich vielen Renntagen soll sich die tatsächlich gefahrene Skizeit – mit Fokus auf Qualität und Spass – idealerweise verdoppeln.
Im Zentrum stehen Animations- und Mini-Rennen. Klassische Formate wie Riesenslalom, Slalom oder Combi-Race bleiben erhalten, werden aber flexibler umgesetzt. Da eine Besichtigung in diesem Alter wenig Mehrwert bringt, wird darauf bewusst verzichtet. Stattdessen werden – wo immer möglich – mehrere Läufe gefahren, damit die Kinder mehr Zeit aktiv auf den Skiern verbringen. Ergänzende Side Events sorgen für Abwechslung und spielerische Elemente.
Nach einer erfolgreichen Pilotphase wurde das Wettkampfreglement auf der entsprechenden Stufe angepasst. Ein Leitfaden unterstützt die Veranstalter bei der Umsetzung. Diese ist freiwillig, wird von Swiss-Ski jedoch ausdrücklich empfohlen.
Tatsächlich ist die nächste Austragung auf den 1. März 2026 terminiert. Steffi Bowles möchte von grossen Planänderungen absehen – «es klappte ja alles tadellos». Einzig eine Hoffnung hat sie: dass die Zahl der Anmeldungen steigt. 2025 waren es nur 65, nun hofft sie, dass die Hunderter-Grenze geknackt wird.
Nicht scheitern soll es an den eifrigen Leuten, die für den Tag weibeln und werben. Wer sich mit Jan Herud darüber und über die Nachwuchsförderung generell unterhält, spürt heraus, dass er allen Eltern empfiehlt, ihre Kinder zum Skifahren zu ermuntern. «Wenn ich die Begeisterung sehe, mit der sie im Schnee unterwegs sind, weiss ich, dass ich mich für etwas Gutes engagiere», sagt er. «Und wenn in einem Trainingslager 40 junge Menschen nach einem anstrengenden Tag strahlend zusammen Spaghetti essen, rührt mich das zu Tränen.»
Und noch etwas ist da: Der Leiter der Renngruppe des Skiclubs Hausen ist überzeugt, dass Kinder über das Sportliche hinaus profitieren, wenn sie den Rennsport betreiben: «Er fördert Selbstständigkeit, Mut, Disziplin, Ausdauer und Selbstbewusstsein», sagt Herud. «Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Kinder Ski fahren.»
Text: Peter Birrer
Hier geht's zum Leitfaden
Beim SC Hausen am Albis liegt der Fokus auf Freude, Entwicklung und Gemeinschaft – Erfolg und Jubel darf trotzdem sein.
Milano? Cortina?
Livigno! Oder: Zweifel gehören dazu
Sagen Sie sich vor jedem Text, den Sie zu lesen beginnen: «Du bist bereit»? So wie es die frühere Skirennfahrerin Maria Walliser auf Seite 54 dieser «Snowactive»Ausgabe über ihre Erinnerungen an die WM 1987 beschreibt?
Und sagen Sie sich auch vor jedem Text, den Sie zu schreiben beginnen: «Du hast alles, was Du brauchst»? Bleistift und Gummi, Laptop und Ideen? Und Kopfhörer?
Sind Sie bereit?
Gold in der Abfahrt. Gold im Super-G. Bronze im Riesenslalom.
So lautete Wallisers WM-Ausbeute 1987. Kommt da noch was?
250 Franken.
So viel bezahlte der Biathlet Sebastian Stalder einst für In-Ear-Kopfhörer, die sich damals zum Sporttreiben als noch unbrauchbar erwiesen und deshalb eine schlechte Kaufentscheidung darstellten, wie Stalder heute sagt (S. 58). Erhoffte sich Stalder, dass da noch etwas zurückkommt? Oder hat er gelernt, mit schlechten Kaufentscheidungen umzugehen?
Platz 2.
So war das Verdikt für die Schweizer Alpinen im Nationencup 1987/88. Sie hatten längst gelernt, damit umzugehen – aber da kam noch was!
Mehr als 37 Jahre später korrigierte der Weltverband FIS das Ergebnis, nahm zwei Parallel-Slaloms in die Wertung auf und hievte die Schweizer damit auf den ersten Platz, mit vier Punkten Vorsprung vor Österreich (S. 32). Nichts einfacher als das.
Wenn’s so einfach wäre.
Wie schwierig es ist, nein, sehr schwierig, nein: hochkomplex - zeigt die Rule 40 des Internationalen Olympischen Komitees. Fühlten Sie sich bereit, als Sie auf Seite 42 den Text über Olympia und Markenschutz zu lesen begannen? Fanden Sie ins Ziel, ohne Sturz und Einfädler, mit totalem Verständnis? Dem Skicrosser Ryan Regez war es nicht erlaubt, in einer Videoserie mit Logos seiner persönlichen Sponsoren über die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 zu reden - also sagt er in der korrigierten Version, er sei Olympiasieger und Doppel-Weltmeister auf dem Weg nach Milano Cortina.
auf dünnem
Milano Cortina? Kommt da noch was? Ein «und» oder ein «oder»? Wo liegt dieser Ort?
Wenn Sie sich aber Regez zugetan und bereit fühlen, an die olympische Veranstaltung aufzubrechen, mit allem, was Sie brauchen – so wäre es eine schlechte Entscheidung, auf der Karte nach Milano und/oder Cortina zu suchen, weil die Skicross-Wettkämpfe in Livigno stattfinden.
Und wenn Sie nun an sich selber zweifeln oder an diesem Text – nicht schlimm. Denn wie heisst es im Text über Maria Walliser auch: Sie gewann diese Medaillen nicht, weil sie nie zweifelte –sondern weil sie gelernt hatte, mit Zweifeln umzugehen.
Zweifeln Sie oder nicht –aber brechen Sie auf!
Und falls Sie auf dem Weg nach Livigno Milano Cortina und oder vielem mehr noch etwas Zeit aufholen – vielleicht finden Sie irgendwo 2 Sekunden und 29 Hundertstel. So viel bräuchte Maria Walliser, um 1987 zeitgleich mit Vreni Schneider auch noch Riesenslalom-Gold zu gewinnen. Soll’s ja geben, derlei Funde wie aus der Späteiszeit.
Gold in der Abfahrt, Gold im SuperG, Gold im Riesenslalom? Maria Walliser ist bereit.
Benjamin Steffen arbeitet für die Agentur GECKO Communication sowie als Kolumnist und Autor für «Snowactive». Bis im Frühling 2024 war der Berner Sportjournalist bei der NZZ, für die er unter anderem über Ski Alpin schrieb.
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