Sonderausgabe

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Sonderausgabe

Onsen: Freiluftbäder im Dampf & Schnee
Pulverschnee: Skiabenteuer in Japan
Nordische Wunder: Naturphänomene im hohen Norden
Nr. 27 Oktober 2025 www.japandigest.de


UNSERE LEISTUNGEN
Das Medienunternehmen News Digest veröffentlicht für die japanischen Gemeinden in Deutschland und England zweimal im Monat die Zeitschrift News Digest auf Japanisch. Um alle deutschsprachigen Japanfans zu versorgen, geben wir seit 2012 den JAPANDIGEST in Deutschland heraus.
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Der japanische Winter verbindet Gegensätze auf faszinierende Weise: Im Norden locken tief verschneite Landschaften, majestätische Naturphänomene und Skiorte von Weltruf, während die Städte mit funkelnden Illuminationen, festlicher Stimmung und kulinarischen Köstlichkeiten glänzen. In heißen Quellen unter freiem Himmel entfaltet sich ein einzigartiges Gefühl von Ruhe. Diese Ausgabe von JAPANDIGEST nimmt Sie mit auf eine Reise durch Japans Winterwunderland – von Traditionen und Festen über Natur und Poesie bis hin zu Inspirationen für unvergessliche Erlebnisse. Alle Artikel und mehr finden Sie online unter: www.japandigest.de
04 Japan im Winter WUNDERLAND & WINTERFLUCHT
08 Tradition im Wandel DER KIMONO AM TAG DER VOLLJÄHRIGKEIT
11 Reiseplanung WINTEREVENTS IN JAPAN
12 Naturphänomene WINTERWUNDER IM HOHEN NORDEN JAPANS
14 Pulverschnee & Après-Ski WINTERSPORTFREUDEN IN JAPAN
16 Silvester in Japan Z WISCHEN TEMPELN & IRISH PUBS
20 Onsen-Paradies Japan WINTERLICHE FREILUFTBÄDER IM DAMPF & SCHNEE
IMPRESSUM
Herausgeber: D oitsu News Digest GmbH
Geschäftsführung: Mie Mori
Generaldirektion: Kei Okishima
Vertrieb: Takuya Ine
Redaktion: M iho Doi, Isabelle Kullat, Kei Okishima

23 Eventkalender NOVEMBER BIS MAI
24 Winterpoesie HAIKU UND DIE VIELFALT DES JAPANISCHEN WINTERS
26 Lecker & locker japanisch kochen KULINARISCH DURCH DEN WINTER

FOLGEN SIE UNS ONLINE!
@japandigest

Übersetzung: Isabelle Kullat
Beiträge: Matthias Reich, Carolin Becke, Isabelle Kullat, Kei Okishima, Aya Puster, Yoko Rendel
Art Director: K anako Amano
Grafikdesign: K anako Amano, Moe Sawada Web: Masaru Mito
Cover-Bild: Schneeaffe in heißer Quelle, Nagano. | © ANDREYGUDKOV / iStock
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Es ist schon eigenartig: Während der Regenzeit im Juni und Juli sowie in der brüllenden Hitze des japanischen Sommers sieht man überall Touristen, die unter dem Wetter stöhnen. In den Wintermonaten hingegen ist an mancher Stelle deutlich weniger los. Doch Eingeweihte wissen längst, dass der Winter eigentlich die ideale Zeit für eine Reise nach Japan ist, denn der langgestreckte Archipel ist Winterwunderland und zugleich ein perfektes Winterfluchtziel. (Text: Matthias Reich)

iese Erkenntnis sollte nicht verwundern, denn würde man Japan auf den gleichen Breitengrad wie Europa verschieben, läge die Nordspitze Hokkaidōs etwa auf der Höhe von Mailand und das südwestliche Ende irgendwo in Mauretanien. Diese geografische Lage und weitere Faktoren sorgen dafür, dass Japan klimatisch sehr vielfältig ist: von sibirischen Temperaturen auf der nördlichen Insel Hokkaidō bis hin zu subtropischem Klima auf Okinawa oder den Ogasawara-Inseln, von meterhohen Schneefällen entlang der Japanmeerküste bis zu strahlend blauem Himmel ohne jeglichen Niederschlag – und das wochenlang. All das kann man in Japan sogar am gleichen Tag erleben.
Wer angenehmes, trockenes Wetter liebt, ist in den Wintermonaten entlang der
Pazifikküste, von Sendai bis nach Kyūshū, bestens aufgehoben. Da zu dieser Zeit der Wind oft aus nordwestlicher Richtung weht, halten die Berge im Inneren der Hauptinsel Honshū den Großteil der Niederschläge ab. Der zu dieser Zeit häufig auftretende Föhneffekt sorgt zudem für sehr trockene Luft und heiteren Himmel in Tōkyō, Ōsaka und Hiroshima. Das sind ideale Voraussetzungen für einen hervorragenden Weitblick. Vor allem in den Wintermonaten zeigt sich dann der Fuji-san von seiner Schokoladenseite, manchmal sogar aus 150 Kilometern Entfernung. Auch die Alpen sind dann schön anzusehen, denn sie sind von Dezember bis Mai schneebedeckt.
In den Straßen der Großstädte lässt es sich bestens aushalten – bei durchschnittlichen Tagestemperaturen von über 10 Grad und Nachttemperaturen, die selten in den Frostbereich fallen. Die trockene Luft, gepaart mit dem niedrigen Sonnenstand, sorgt für ein ganz besonderes Licht – wie gemacht für eine Fotosafari durch die Gegend.


Ganz anders sieht es keine 100 Kilometer weiter nördlich oder westlich aus – je nachdem, wo man sich befindet. Dort sind mehr als ein Meter Schnee an einem Tag keine Seltenheit, und es klart nur selten auf. In der Gegend der heutigen Stadt Jōetsu in der Präfektur Niigata mussten früher manchmal Schilder im Schnee stecken, auf denen stand: „Hierunter liegt die Stadt Takada“ – der alte Name der Stadt. In fast ganz Hokkaidō, aber auch in vielen Bergregionen, stehen entlang der Straßen mehrere Meter hohe Metallpfähle mit Pfeilen, die nach unten zeigen, da man sonst im winterlichen Weiß nicht wüsste, wie und wo man fahren muss.
Doch diese Schneemengen, so schön sie auch anzusehen sind, haben ihre Tücken: Sie sorgen manchmal dafür, dass nicht nur Ortschaften, sondern gelegentlich auch längere Straßenabschnitte tagelang von der Außenwelt abgeschnitten sind.So prägt der Schnee bis heute das Leben in Japans Norden.
A Der Ogamiyama-Schrein Okunomiya in Hōki-chō (Tottori) liegt am Fuße des Berges Daisen und ist auch im tiefen Winter ein wichtiger Pilgerort.
B Panoramablick auf die schneebedeckten Berge von Ishiuchi Maruyama und Yuzawa Kōgen bis zu den fernen Gipfeln nahe Echigo-Yuzawa (Niigata).
C Seltene Winterstimmung in Kyōto: Am Fushimi Inaritaisha legen sich Schneekappen auf die roten Torii-Tore und verleihen dem Schrein magische Ruhe.
D Am Kawaguchi-See erstrahlt der Fuji-san im Morgenlicht. Schnee am Ufer und klare Luft machen den Sonnenaufgang zu einem unvergesslichen Winterbild.

Wer diesen starken Kontrast einmal erleben möchte, setzt sich am besten in einen Shinkansen von Tōkyō nach Niigata: Fährt man noch bei bestem Wetter los, rast man keine Stunde später durch tief verschneite Berglandschaften. Es ist kein Wunder, dass Orte wie Echigo-Yuzawa mit seinen Dutzenden Loipen bei den Hauptstädtern so beliebt sind – man ist in Windeseile dort, und es gibt genügend Pisten und Hotels für alle.
Der Winter hält zudem zahlreiche andere Freuden bereit – kulinarische zum Beispiel, denn einige Leckerbissen gibt es nur in den kälteren Monaten. Dazu zählt zweifelsohne Oden, in einem deftigen Sud gegarte Zutaten, die von Fleisch über Solei, Gemüse, Fischkuchen bis zu Glasnudeln reichen. Die heiße Brühe, gepaart mit den Zutaten und dem japanischen, sehr scharfen Senf, bildet eine ideale Mahlzeit.
Auch andere Genüsse sind im Winter
Saison, etwa Krabben und Austern. Dabei handelt es sich nicht um winzige Nordseekrabben, sondern um riesige Schnee- und andere Krabben, die gerne 50 Zentimeter und größer werden.
An jahreszeitlichen Veranstaltungen mangelt es ebenfalls nicht. Weltberühmt ist das im Februar stattfindende Schneefestival von Sapporo, bei dem riesige Skulpturen aus Eis und Schnee zur Schau gestellt werden – begleitet von zahlreichen Essensbuden in der unmittelbaren Umgebung.
Mangels Schnee verlegt man sich in Tōkyō und anderen Städten entlang der Pazifikküste auf sogenannte Lichtershows, auf Neujapanisch „Illuminations“ genannt, bei denen ganze Straßen, Parks oder Gebäudekomplexe nachts aufwendig beleuchtet werden. Besonders

E Krabben, Austern und Garnelen zählen zu den Delikatessen der japanischen Winterküche und werden regional oft frisch vom Markt serviert.
F Vor dem Kiyomizu-Tempel in Kyōto bereitet ein Straßenverkäufer dampfendes Oden zu – ein winterlicher Duft, der Besucher durch die Gassen lockt.
G Roppongi zählt zu den bekanntesten Orten für Winter-Illuminationen in Tōkyō. Mit Blick auf den festlich beleuchteten Tokyo Tower ein absolutes Highlight.
beeindruckend sind die Lichterfeste von Nabana no Sato (Mie), Itō (Shizuoka), dem Ashikaga Blumenpark oder Roppongi in Tōkyō.
Das ultimative japanische Wintererlebnis ist und bleibt jedoch eine kleine Schneewanderung, gefolgt von einer Übernachtung in einem Ryokan mit eigener heißer Quelle. Besonders erholsam wird das mit einem rotenburo, also einem heißen Bad im Freien. Im Ryokan werden danach meist Spezialitäten der Saison serviert, und wenn es richtig kalt ist, wärmt ein atsukan, ein heißer Sake, ganz hervorragend. Wie angenehm ein heißes Bad im Freien ist, kann man gut an den Gesichtern der Rotgesichtsmakaken im Jigokudani-Tal in der Präfektur Nagano ablesen – denn auch sie fühlen sich im warmen Wasser bestens.



1918 reiste Taketsuru nach Schottland, um Whisky nach schottischen Standards zu studieren. Nach seiner Rückkehr gründete er 1934 im kleinen Küstenort Yoichi auf Hokkaidō seine erste Destillerie. Die klimatischen Bedingungen dort erinnerten stark an Schottland: kühle Temperaturen, frische Luft, reines Wasser und feuchte Nebelschwaden. Ideale Voraussetzungen für die Reifung hochwertiger Whiskys. Innerhalb weniger Jahre entstand so der charakterstarke Nikka Whisky, der heute mit seinen Brennereien in Yoichi und Miyagikyō als eine der renommiertesten japanischen Marken gilt.
Was ist Nikka From The Barrel?

Barrel Sour
• 60 ml Nikka From The Barrel
• 15 ml brauner Zuckersirup (Kokutō-Sirup)
• 20 ml frischer Zitronensaft
Nikka Whisky wurde im Norden Japans auf Hokkaidō geboren. Der Gründer Taketsuru Masataka lernte in Schottland die Kunst der Whiskyherstellung und brachte dieses Wissen zurück nach Japan. Taketsuru gilt bis heute als „Vater des japanischen Whiskys“. Zum 40-jährigen Jubiläum des vielfach ausgezeichneten Nikka From The Barrel hat der japanische Bartender Yuto Nagasawa aus Düsseldorf einen exklusiven Cocktail kreiert, der japanische Eleganz mit intensiver Aromenvielfalt verbindet.
• 15 ml Eiweiß
• 1 Dash Vanillebitters
• Matcha-Salz für den Glasrand
Aus dem Hause Nikka stammt der kraftvolle
Blended Whisky Nikka From The Barrel. Er vereint Malt- und GrainDestillate, die nach der Vermählung nochmals mehrere Monate reifen. Mit einem Alkoholgehalt von 51,4 % wird er nahezu unverdünnt abgefüllt und besticht durch sein intensives Aroma – als käme er direkt aus dem Fass.

Alle Zutaten – mit Ausnahme des Matcha-Salzes – in einen Shaker gegeben. Nun erfolgt ein kräftiger Dry Shake ohne Eis, um das Eiweiß optimal zu emulgieren. Danach wird Eis hinzugefügt und der Drink erneut kräftig geschüttelt. Zum Schluss wird der Cocktail doppelt durch ein Sieb in ein Cocktailglas mit MatchaSalz-Rand gegossen.
Hideaway
Bartender Yuto Nagasawa gewann in Japan renommierte Cocktailwettbewerbe und schaffte es ins Finale der WORLD CLASS Bartender of the Year 2023-Awards. Der hier vorgestellte Cocktail wird exklusiv in der angesagten Bar Hideaway angeboten. Jahnstraße 6, 40215 Düsseldorf https://bar-hideaway.de/

Farbenfrohe Kimonos, prachtvolle Frisuren und feierliche Zeremonien: Der Seijin no Hi markiert für junge JapanerInnen einen bedeutenden Übergang ins Erwachsenenleben. Doch wie hat sich der Tag über die Jahrhunderte entwickelt – und welche Rolle spielt der Kimono dabei heute? Die Kulturwissenschaftlerin Carolin Becke hat in ihrer Doktorarbeit Antworten auf diese Fragen gesucht und ihre Erkenntnisse für uns zusammengefasst. (Text: Carolin Becke)
Mehr auf der Webseite: Kultur-Erbe > Bräuche
A Neue Erwachsene feiern in Funabashi die Coming-of-Age-Zeremonie, in farbenprächtigen Kimono versammelt vor der Civic Cultural Hall.
B Der Hakama, ein traditionelles Gewand mit weitem Beinschnitt, wird von Männern bei Zeremonien, Prüfungen in Kampfkünsten oder festlichen Anlässen getragen.
C 2018 beim Seijin no Hi in Kyōto aufgenommen: Junge Frauen im festlichen Furisode strahlen am Tag der Volljährigkeit in die Kamera.
D Die Nahaufnahme eines Obi mit Schleife und dekorativen Elementen zeigt die handwerkliche Kunst des Kimono-Ankleidens und die Liebe zum Detail traditioneller Kleidung.



er Übergang ins Erwachsenenleben ist in vielen Kulturen mit symbolischen Handlungen verbunden, so blickt auch in Japan diese Tradition auf eine lange Geschichte zurück. 1948 wurde der Seijin no Hi (Tag der Volljährigkeit) als moderner Feiertag eingeführt, der seither jährlich am zweiten Montag im Januar gefeiert wird. Bis 2022 galt man in Japan mit 20 Jahren als volljährig. Heute liegt das gesetzliche Alter bei 18, dennoch richten sich die meisten kommunalen Feiern weiterhin an 20-Jährige. Der Tag vereint individuelle Inszenierung, familiären Stolz und nationale Tradition.
Der Kimono als Symbol des Erwachsenwerdens
Kaum ein Kleidungsstück steht so sehr für den Seijin no Hi wie der furisode – ein farbenfroher, aufwändig gestalteter Kimono mit langen, schwingenden Ärmeln, der historisch von unverheirateten Frauen getragen wurde. Für viele junge Japanerinnen ist er Ausdruck von Eleganz, Stolz und sozialem Status.
Auch bei der Kleidung von jungen Männern lassen sich ähnliche Tendenzen beobachten: Während der westliche Anzug lange Zeit als Standard galt, ist im letzten Jahrzehnt ein sichtbares Revival traditioneller Kleidung zu erkennen. Immer
mehr junge Männer greifen – teils aus modischem Interesse, teils als Ausdruck kultureller Rückbindung oder Gruppenzugehörigkeit – bewusst zu einer Kimono-Kombination mit hakama und haori Es ist üblich, sich einen Kimono für diesen Anlass zu leihen. Die Auswahl erfolgt oft gemeinsam mit der Mutter oder Großmutter, wobei persönliche Vorlieben, regionale Stile und modische Trends gleichermaßen eine Rolle spielen. Der Kimono fungiert an diesem Tag somit nicht nur als festliche Kleidung, sondern als kulturelles Zeichen, das Zugehörigkeit, Generationsbezüge und soziale Rollen vermittelt. Gerade diese Verbindung zwischen den Generationen zeigt sich auch in einem


Trend, der in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen hat: dem sogenannten mamafuri. Dabei übernehmen junge Frauen den furisode ihrer Mutter oder eines anderen Familienmitglieds und kombinieren ihn mit modernen Accessoires wie einem auffälligen Obi, verspielten Haarspangen oder modischen Schuhen. Die Mischung aus Familientradition und individuellem Ausdruck verleiht dem Tag nicht nur eine sehr persönliche Note, sondern auch eine emotionale Tiefe.
Der große Tag: Einblicke in heutige Feierlichkeiten
Egal ob Leihkimono oder mamafuri , die Vorbereitungen für den Seijin no Hi beginnen oft Monate im Voraus. Insbesondere junge Frauen buchen bereits ein Jahr vorher ein Komplettpaket bestehend aus Kimono-Verleih, Anprobe, Friseurtermin und professionellem Fotoshooting. Auch bei den Männern, die sich für traditionell-japanische Kleidung entscheiden, gehört eine Anprobe und Styling-Beratung inzwischen häufig dazu.
Am Tag selbst finden in Städten und Gemeinden offizielle Zeremonien statt, meist in öffentlichen Hallen, Rathäusern oder
Kulturzentren. Bürgermeister oder lokale Vertreter halten Ansprachen, es gibt kleine Geschenke oder Erinnerungsfotos, aber vor allem gilt: Die festlich gekleideten jungen Menschen stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Oft reisen Eltern oder Großeltern mit an, fotografieren ihre Kinder und feiern anschließend gemeinsam im Familien- oder Freundeskreis. Neben dem offiziellen Teil hat sich eine zweite Bühne etabliert: die sozialen Medien. Auf Instagram, TikTok oder LINE werden Gruppenfotos, Selfies oder Making-of-Clips gepostet, oft mit Hashtags wie #seijinshiki oder #furisodejoshi. Besonders in Großstädten entstehen dadurch regelrechte Bild- und Stilwelten, die eigene Modetrends prägen. Doch nicht überall sieht der Tag gleich aus: In Okinawa tragen viele junge Männer statt Kimono das bunte Festgewand kariyushi , während in ländlichen Regionen die Zeremonien oft kleiner, familiärer und weniger inszeniert ablaufen.
Zwischen Kommerz, Kritik und Kreativität
Trotz der festlichen Stimmung bleibt der Seijin no Hi nicht frei von Kritik.
Die zunehmende Kommerzialisierung des Feiertags mit teuren Leihkimonos, Stylingpaketen und Fotoshootings erzeugt sozialen Druck, der nicht selten auf den Schultern der Familien lastet. In manchen Fällen werden hohe Summen für einen einzigen Tag investiert, was zu Diskussionen über soziale Ungleichheit und Konsumverhalten führt.
Gleichzeitig entstehen neue Formen des Ausdrucks: Manche junge Menschen entscheiden sich bewusst gegen den Kimono und tragen stattdessen westliche Kleidung oder genderneutrale Outfits. Andere greifen zu Secondhand-Kimonos, kombinieren diese unkonventionell oder gestalten sie selbst neu – etwa mit Accessoires oder bunten Haarfarben. Die klare Grenze zwischen „Tradition“ und „Mode“ verschwimmt dabei zunehmend. Der Seijin no Hi ist längst mehr als ein kollektives Fest – er spiegelt die Vielfalt heutiger Identitäten und Lebensentwürfe wider. Zwischen Tradition und Inszenierung, Stolz und Kritik, Uniformität und Individualität zeigt sich, wie junge Menschen auf ihre ganz eigene Weise heute ihren Platz in der Gesellschaft verhandeln. Der Kimono spielt dabei eine zentrale Rolle: als kulturelles Zeichen und als Projektionsfläche gesellschaftlicher Erwartungen.

Nozawa Onsen, Präfektur Nagano Nozawa Onsen Dōsojin Feuerfest 野澤温泉道神祭り
Ein ganz anderes Wintererlebnis erwartet Reisende im Bergdorf Nozawa Onsen. Jedes Jahr am 15. Januar feiern die Bewohner dort das Dōsojin-Feuerfest, eines der drei großen Feuerfeste Japans. Höhepunkt ist der Moment, wenn Dorfbewohner ein riesiges Holzschrein-Bauwerk gegen die Flammen verteidigen, während Funken dramatisch in den Nachthimmel schießen und die Zuschauer die Hitze spüren. Tief in Tradition und Glauben an die Schutzgötter verwurzelt, endet das Spektakel oft mit Entspannung in den heißen Quellen und Sake bei traditioneller Musik.

Anfang Februar


Sapporo-Schneefestival
Das Sapporo-Schneefestival ist das wohl bekannteste Winterereignis in Japan und verwandelt die Hauptstadt Hokkaidōs jedes Jahr in ein glitzerndes Wintermärchen. Im Ōdōri-Park ragen monumentale Schneebauten in den Himmel, begleitet von Musik, Lichtprojektionen und abendlichen Illuminationen. In Susukino, dem Ausgehviertel der Stadt, beeindrucken kunstvoll geschaffene Eisfiguren, während das Tsudome-Gelände mit Schneerutschen, Winterspielen und zahlreichen regionalen Spezialitäten aufwartet. Wer das Festival erleben möchte, sollte frühzeitig buchen.
Wochenenden

See Kawaguchiko, Präfektur Yamanashi
Kawaguchiko Winter Fireworks Festival
河口江冬の花火
Am Ufer des Kawaguchiko, einem der schönsten Seen am Fuße des Fuji, zeigt sich der Winter von seiner festlichsten Seite. An den Wochenenden im Januar und Februar steigen dort farbenprächtige Feuerwerke in den klaren Nachthimmel, während sich die Spiegelungen im Wasser brechen und der verschneite Fuji im Hintergrund eine majestätische Kulisse bietet. Die Feuerwerke lassen sich vom Seeufer ebenso gut wie von einer Bootsfahrt aus genießen und werden oft mit einem Aufenthalt in den lokalen Onsen verbunden, was dem Erlebnis eine besondere Note verleiht.
Yokote Kamakura Festival 横手カマクラ祭
Seit mehr als 450 Jahren wird in Yokote, im Herzen der Präfektur Akita, das Kamakura-Festival gefeiert. Charakteristisch sind die kleinen, igluartigen Schneehäuser, die überall in der Stadt aufgebaut werden. BesucherInnen können in diese Kamakura eintreten, wo Kinder traditionell heißen Amazake und süße Reiskuchen anbieten. Eine alte Geste der Gastfreundschaft. Besonders stimmungsvoll ist die Kulisse rund um die verschneite Burg von Yokote. Abends werden die Kamakura von Kerzen erleuchtet, wodurch die ganze Stadt in ein sanftes Licht getaucht wird.

Shirakawa-go, Präfektur Gifu
Shirakawa-go Light-Up
白川郡紅明節
Das Weltkulturerbe Shirakawa-go ist berühmt für seine traditionellen Gasshō-zukuri-Häuser mit steilen Strohdächern, die im Schnee wie aus einem Märchen wirken. Während der Light-UpEvents erstrahlt das Dorf im sanften Licht und bietet vom Shiroyama-Aussichtspunkt einen atemberaubenden Blick. Einheimische öffnen ihre Häuser, servieren heiße Getränke und kleine Speisen. Da die Besucherzahl stark begrenzt ist, sollte man für ein unvergessliches Wintererlebnis früh reservieren. Ein kleiner lohnender Aufwand!

Wer im Winter nach Japan reist, landet oft bei den Klassikern: Skifahren in Niseko, Schneefestival in Sapporo, Onsen im Schneegestöber. Doch abseits dieser wundervollen Erlebnisse warten Naturphänomene, die selbst viele JapanerInnen nie gesehen haben. Zwischen driftendem Eis, dampfenden Seen und geisterhaften Schneegestalten entfaltet der Norden Japans eine Magie, die man nur in den kältesten Monaten erleben darf. (Text: Isabelle Kullat)
–das Ryūhyō von Abashiri
Jeden Winter löst sich an der Mündung des Amur in Russland mächtiges Treibeis, das von Strömungen und Winden über hunderte Kilometer bis an die Küsten Nordost-Hokkaidōs getrieben wird. Von Ende Januar bis März bedeckt es das Ochotskische Meer mit einer weiß-blauen Schicht, die knirscht, bricht und sich unaufhörlich neu formt. In den Städten Abashiri und Monbetsu fahren spezielle Eisbrecher wie die „Aurora“ durch die Schollen. Ein Erlebnis, bei dem man das dumpfe Bersten des Eises unter dem Schiffsrumpf spürt und den Atem in der klaren Winterluft sieht. Abenteuerlustige können noch näher heran: Im dicken Trockentauchanzug wagt man sich beim Wandern über das Packeis, springt ins eisige Wasser und folgt einem Guide auf gefrorenen Schollen. Eine Begegnung mit einer Welt, die sonst eher arktischen Regionen vorbehalten ist.


Im Osten Hokkaidōs, eingebettet in eine Landschaft aus Vulkanbergen und tiefen Wäldern, liegt der Akan-See. An besonders klaren, windstillen Wintermorgen zwischen Dezember und Februar verwandelt er sich in ein märchenhaftes Wunderland: Tausende zarte Eiskristalle, sogenannte Frost Flowers, wachsen auf seiner gefrorenen Oberfläche. Sie entstehen nur unter strengsten Bedingungen, wenn die Temperaturen unter minus 15 Grad sinken, der See von Schnee befreit ist und kein Lüftchen weht. Dann breiten sich die Kristalle wie ein weißes Blütenmeer über das dunkle Eis aus. Das Schauspiel ist vergänglich. Schon der erste Sonnenstrahl oder ein Hauch von Wind lassen die filigranen Strukturen verschwinden. Wer die Frost Flowers erleben möchte, bricht am besten im Morgengrauen mit erfahrenen Guides auf.

Eisdorf auf dem Shikaribetsu-See –gefrorene
Hoch in den Bergen des Daisetsuzan-Nationalparks liegt der Shikaribetsu-See, im Winter nur über verschneite Straßen erreichbar. Hier entsteht von Ende Januar bis März das temporäre Eisdorf „Shikaribetsu Kotan“ direkt auf der zugefrorenen Wasserfläche – mit Iglus, einer Eisbar und einem Onsen im Freien. Eingehüllt in warme Dämpfe kann man hier auf den gefrorenen See blicken, während über einem der Winterhimmel in kristallklarem Blau strahlt. Tagsüber wird das Dorf zum Treffpunkt für Familien und Abenteuerlustige: Eisskulpturen-Wettbewerbe, Musikveranstaltungen und kleine Restaurants aus Schnee sorgen für eine fröhliche Stimmung. Abends dagegen verwandelt sich das „Shikaribetsu Kotan“ in eine stille, magische Welt. Das Dorf hat inzwischen eine mehr als 35-jährige Tradition.



An der Grenze der Präfekturen Yamagata und Miyagi verwandeln gefrierende Winde Bäume in bizarr geformte Skulpturen: die juhyō (wörtlich: Baum-Eis). Die Eisschichten wachsen über Wochen zu meterhohen Gestalten, die wie erstarrte Riesen oder Wächter wirken. Vom Skigebiet Zaō Onsen aus führen Lifte mitten hinein in diese stille Armee. Tagsüber leuchten die Schneegeister im Sonnenlicht und werfen lange Schatten über die Hänge. Nachts werden sie in wechselnden Farben angestrahlt. Nebel und Schneefall lassen die Szenerie dann wie eine Kulisse aus einem Fantasy-Film wirken. Wer Glück hat, erlebt einen klaren Sternenhimmel, der sich über das gefrorene Meer aus Formen spannt. Von Ende Januar bis Anfang März erreicht das Phänomen seinen Höhepunkt.


Kyōto, Tōkyō, Reisfelder, Kimono und Sushi – viele assoziieren Japan zunächst mit diesen Stichworten. Doch viele Menschen in Ost- und Südostasien sowie zahlreiche Australier denken an etwas anderes: Pulverschnee und endlose Loipen, auf denen man sich mit Ski oder Snowboard die Berge hinunterstürzen kann. Japan ist so schneesicher, dass bereits zweimal Olympische Winterspiele stattgefunden haben – 1972 in Sapporo und 1998 in Nagano. (Text: Matthias Reich)
Mehr auf der Webseite: Moderne Kultur > Sport

A Powder-Jäger in Rusutsu (Hokkaidō): Snowboarder genießen unberührten Tiefschnee und epische Backcountry-Abfahrten durch den Winterwald.
B Wanderer genießen die winterliche Stille in Hakuba, wo schneebedeckte Berge und klare Luft ein Panorama von einzigartiger Schönheit eröffnen.
C Ein Skilift in Echigo-Yuzawa führt Wintersportler hinauf zu den schneereichen Pisten. Ein klassisches Wintersportgebiet mit langer Tradition.
D Verschneite Skihütten in Myōkō Kōgen erstrahlen im ersten Licht des Tages, während die Sonne die weiße Landschaft golden färbt.
An Skigebieten mangelt es in Japan jedenfalls nicht: Selbst auf der südlichsten Hauptinsel Kyūshū gibt es Skigebiete wie Gokase in der Präfektur Miyazaki. Auch auf Shikoku kann man im Winter rodeln, doch die bekannten Skidestinationen liegen nördlich, in den nördlichen und südlichen japanischen Alpen. Besonders attraktiv: Viele Resorts sind für Tagesausflüge von Tōkyō oder Ōsaka erreichbar.
Myōkō Kōgen (Niigata) zählt zu den schönsten und leicht zugänglichen Resorts. Dank der Hokuriku-Shinkansen-Streckenerweiterung, eröffnet im März 2024, dauert die Fahrt ab Tōkyō nur etwas mehr als zwei Stunden. Am Vulkan Myōkō (ca. 2.500 m hoch) bietet das Akakura-Onsen-Skigebiet 17 Pisten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und 14 Lifte – der längste Lift erreicht fast 1,5 km Länge. Ein Tagespass kostet rund 6.000 Yen (unter 40 €). Vor Ort lässt sich auch Ausrüstung wie Ski und Snowboards ausleihen.


Echigo-Yuzawa (Niigata) ist mindestens ebenso beliebt bei BesucherInnen aus Tōkyō. Von dort fährt der Shinkansen in nur 1 ¼ Stunden direkt dorthin. In der Region liegen rund zwölf Skigebiete, und wer mit einer der vielen Gondeln bis ganz nach oben fährt, kommt in den Genuss spektakulärer Loipen. Einige Loipen sind bis zu 5.000 m lang, die man übrigens im Japanischen gerende (Gelände) nennt, denn Japan hat viele Begriffe aus der Bergwelt aus dem Deutschen übernommen. Das Flair ist dabei ein ganz anderes: Während Myōkō mit seinem malerischen, an die Schweiz erinnernden, schmucken Ortskern punktet – mit zahlreichen Restaurants und Bars – bleiben die meisten Wintersportler in Yuzawa am Abend im Hotel. Einige Hotels haben eigene Skipisten, Onsen und vieles mehr – sie sind damit ideal für Reisen mit Kindern.
Hakuba (Nagano-Alpen), bekannt durch die Olympischen Winterspiele 1998, ist ein spektakulärer Wintersportort mit bis zu 3.000 m hohen Bergen, reichlich Schnee, Après-Ski und urigen Berghütten in den Nördlichen Alpen. Zwar gibt es auch Angebote für AnfängerInnen und Familien, doch das Gebiet ist besonders bei Profis sowie erfahrenen Ski- und SnowboardfahrerInnen beliebt. In der Saison 2024/25 wurde ein Rekordschneefall von 782 cm verzeichnet – solche enormen Schneemengen schaffen paradiesische Zustände. Wer zwei oder mehr Tage erübrigen kann, ist in Hakuba gut aufgehoben.

Niseko (Hokkaidō) wird als der „heilige Gral“ der japanischen Skigebiete bezeichnet. Per Flug sind es rund zwei Stunden von Tōkyō nach Sapporo, anschließend gibt es Busverbindungen nach Niseko. Das Gebiet umfasst die Gemeinden Niseko und Kutchan mit vier großen Skigebieten (Niseko United: Hanazono, Grand Hirafu, Niseko Village und Annupuri). Durchschnittlich fallen dort über 10 m Pulverschnee pro Saison, in Kiroro sogar bis zu 21 m – extrem beliebt bei Powder-Fans. Begriffe wie „Japow“ (Japan Powder Snow) und „Japanuary“ entstanden wegen der extremen Schneesicherheit im Januar. Die idealen Bedingungen ziehen in jeder Saison Hunderttausende, zumeist junge AusländerInnen an. Diese finden in der Region Shiribeshi rund um Niseko und Kutchan ideale Bedingungen, denn dank eines Ausländeranteils von fast 20 % geht es dort sehr international zu, und es hat sich ein lebendiges Après-Ski-Nachtleben etabliert – nur ohne Schlagermusik.
Wer den ganzen Trubel vermeiden möchte und sich nach Ruhe sehnt, muss gerade auf Hokkaidō nicht lange suchen, denn hier gibt es unzählige weitere, oft nur den Bewohnern bekannte, menschenleere Skigebiete. Allerdings ist Vorsicht angebracht: Viele Regionen sind abgelegen, oft ohne Mobilfunkempfang. Wer sich dort in den Schneemassen verirrt, setzt sich Gefahren aus und gerät schnell in Not.
Silvester in Deutschland – das ist der Duft von Feuerwerksrauch in der kalten Nachtluft, das Klingen von Gläsern und das Knallen der Raketen. Punkt Mitternacht tritt man vor die Tür, um gemeinsam das neue Jahr zu begrüßen. Am Morgen danach glitzert der Asphalt im Tageslicht, übersät mit den Überresten der Nacht. Für ein Land, das sonst für Regeln bekannt ist, wirkt diese eine Nacht wie ein kontrollierter Kontrollverlust mit eigenem Charme. Diese Geschichten sorgen im Ausland regelmäßig für irritierte Blicke. „Ist das nicht gefährlich?“ Vielleicht. Doch wie beginnt man das neue Jahr in Japan? Ich durfte bislang drei ganz unterschiedliche Varianten erleben – und auch die könnten für erstaunte Reaktionen sorgen. (Text: Isabelle Kullat)
Mehr auf der Webseite: Kultur-Erbe > Bräuche


Mein erstes japanisches Neujahr verbrachte ich als Austauschschülerin in Takasaki (Präfektur Gunma). Dort wohnte ich bei meiner Gastfamilie. Statt Bleigießen, Böllern und Bier erwartete mich ein traditionsreiches Fest voller Ruhe, Ritual und Fernsehen – viel Fernsehen.
Der Klassiker zum Jahresende ist die Musikshow Kōhaku Uta Gassen des öffentlich-rechtlichen Senders NHK. Ein musikalischer Wettstreit zwischen Team Weiß (Männer) und Team Rot (Frauen), bei dem Schlagergrößen, Popsternchen und Idol-Gruppen um die Gunst des Publikums singen. Die genauen Regeln habe ich nie verstanden.
Meine Familie allerdings hatte einen anderen Favoriten: Gaki no Tsukai – No Laughing Batsu Game. Eine Silvestersendung, bei der Comedians 24 Stunden lang durch eine bizarre Szenerie geschickt werden – etwa ein Spukhotel, ein Polizeirevier oder ein Krankenhaus – und dabei unter allen Umständen nicht lachen dürfen. Tun sie es doch, werden sie mit Klatschen auf den Hintern, Wasserfontänen oder schrillen Sirenen bestraft. Ein Fest für Freunde des japanischen Humors. Für Außenstehende manchmal eine Mischung aus Sadismus und „Darf man das?“. 2020/21 lief die letzte Ausgabe. Man munkelt, Eltern hätten sich über den erzieherischen Wert beschwert: Schließlich soll man in der Schule nicht lernen, dass es lustig ist,

andere mit Gummibällen zu beschießen. Am Morgen des 1. Januar ging es zum Tempel. Takasaki ist berühmt für seine Daruma-Figuren – jene knallroten Glücksbringer mit wildem Blick und ohne Pupillen. Meine Gastfamilie kaufte mir einen für 2011. Wer sich erinnert, weiß: Es sollte mit Natur- und Atomkatastrophe kein einfaches Jahr für Japan werden. Trotzdem steht mein Daruma bis heute in meinem Regal. Eigentlich hätte ich ihn im darauffolgenden Jahr dem Tempelfeuer übergeben sollen, so will es der Brauch. Aber ich konnte mich nicht trennen. Stattdessen habe ich dabei zugesehen, wie andere Daruma-Figuren feierlich verbrannt wurden – eine beeindruckende Szene zwischen Symbolik und Flammenmeer.
Mein zweites Neujahr in Japan verbrachte ich in der größten Metropole der Welt.
A Der im Jahr 211 gegründete Sumiyoshi Taisha in Ōsaka zählt zu den ältesten Schreinen Japans, berühmt für seinen einzigartigen Sumiyoshizukuri-Baustil.
B Brennende Daruma beim Ritual: Die Figuren werden dem Feuer übergeben, um erfüllte Wünsche zu ehren und neue Wege zu öffnen.
C Zum Jahresbeginn genießen Familien in Japan Osechi-Ryōri, dessen vielfältige Speisen jeweils einen guten Wunsch für die Zukunft verkörpern.
D Golden Gai im Herzen Shinjukū bewahrt seinen Charme der Nachkriegszeit, mit über 200 winzigen Bars, in denen nur wenige Gäste Platz finden.

Wer hier nun an rauschende Partynächte, riesige Feuerwerke und überfüllte Clubs denkt, wird überrascht sein: Das japanische Oshōgatsu ist ein ruhiges, traditionsreiches Familienfest und damit so ziemlich das Gegenteil von „urbanem Ausnahmezustand“. Tōkyō selbst wirkt in dieser Nacht fast entschleunigt. Viele Bewohner verlassen die Stadt, um das neue Jahr im Kreis der Familie auf dem Land zu begrüßen. Zurück bleiben nächtliche Wanderer, Touristen und ein paar Einheimische, die auf der Suche nach einem offenen, einladenden Ort sind. Unsere kleine Gruppe verschlug es schließlich nach Golden Gai, jenes legendäre Barviertel in Shinjuku, in dem sich winzige Kneipen wie Bauklötze aneinanderreihen. Kaum eine Bar fasst mehr als


fünf oder sechs Gäste, und oft fühlt man sich eher wie in einem Wohnzimmer als in einer Kneipe. In einer dieser Bars bestellten wir Toshikoshi Soba – die traditionellen Jahreswechsel-Nudeln – mit Tempura. Die Stimmung war herzlich und vertraut. Als Mitternacht näher rückte, hoben alle Gäste die Gläser und wünschten sich freudig ein gutes neues Jahr. Keine Böller, keine Menschenmassen, keine Musik auf den Straßen, stattdessen eine intime Atmosphäre.
E Der Yodogawa-Fluss teilt Ōsaka bei Nacht, während im Hintergrund die funkelnde Skyline des Geschäftsviertels Umeda emporragt.
F Toshikoshi Soba wird in Japan traditionell an Silvester gegessen. Die langen Nudeln stehen für ein langes Leben und sollen Glück und Gesundheit bringen.
Mein drittes japanisches Neujahr verbrachte ich in Ōsaka, während meines Studiums an der Universität. Die Stadt ist bekannt für ihre herzliche Art, ihre offene Lebenskultur und ihren Sinn für Humor. Wer Tōkyō als geschäftig und effizient erlebt hat, spürt in Ōsaka schnell: Hier geht es um Lebensfreude, ums Genießen – kuidaore sagt man hier: „Iss dich bankrott“. Ōsaka ist mit knapp 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Japans. Als Naniwa war sie schon im 7. Jahrhundert ein wichtiges Handelszentrum. Heute ist sie das wirtschaftliche Herz Westjapans, aber auch ein Zentrum für Street Food, Comedy (man denke an manzai) und warmherzige Direktheit. Gemeinsam mit anderen Austauschstudierenden verbrachten wir den Silvesterabend auf der Dachterrasse. Jeder brachte etwas mit: selbstgemachtes Sushi, Supermarkt-Snacks, Getränke aus dem Konbini-Store. Vor uns glitzerte das Lichtermeer des Viertels Umeda, und unter uns floss ruhig der Yodogawa, der größte
Fluss der Stadt. Vor Mitternacht zog es uns dann doch hinaus. Ōsakas Nachtleben ist vielfältig, von winzigen Izakaya bis zu internationalen Bars, und so landeten wir am Ende in einem Irish Pub mit Livemusik. Eine japanische Band spielte englische bekannte Lieder wie Auld Lang Syne, das Guinness floss (oder Snakebite – ein Drink aus gleichen Teilen Guinness und Apfelwein) und der Jahreswechsel wurde ausgelassen betanzt. Nicht ganz so traditionell, aber ganz Ōsaka: herzlich, chaotisch, lebendig.
Am Neujahrstag folgte das, was in ganz Japan zum Pflichtprogramm gehört: Hatsumōde, der erste Schreinbesuch des Jahres. In Ōsaka ist dafür vor allem der Sumiyoshi-Taisha-Schrein bekannt, einer der ältesten des Landes. Schon am frühen Morgen strömen hier Menschenmengen durch die hölzernen Torii, um für Glück und Gesundheit im neuen Jahr zu beten. Zwischen duftenden Imbissständen und Verkaufsständen zieht man sein persönliches Omikuji-Wahrsagelos für das kommende Jahr und hofft auf eine gute Vorhersage.

Ein Freiluftbad, in das man eintaucht, während man von der klaren Winterluft umhüllt ist, gehört zu jenen Momenten, die eine Winterreise nach Japan unvergesslich machen. Dieses Gefühl, im heißen Wasser eins mit der Natur zu werden, während der Blick über verschneite Berge oder spiegelnde Seen schweift, prägt sich tief ins Herz ein – auch für Reisende, die zum ersten Mal hierherkommen. (Text: Kei Okishima)

in Rotenburo 露天風呂 ist eine heiße Quelle im Freien, nicht von Dach oder Wänden umschlossen. Sein Reiz liegt in der Freiheit: im offenen Himmel, im Panorama der Natur, das sich vor den Badenden entfaltet, und im angenehmen Kontrast von kühler Luft und heißem Wasser. Anders als in Innenbädern staut sich der Dampf nicht, und der Körper bleibt länger erfrischt. Besonders im Winter sind Rotenburo ein Erlebnis der besonderen Art. Der Moment, in dem man den Körper ins Wasser sinken lässt und dabei die kalte Luft auf der Haut spürt, ist einzigartig. Noch eindrucksvoller wird es beim yukimi-buro, dem Baden, während Schnee fällt. Sanft setzen sich Flocken auf Haare und
AUSGEWÄHLTE ROTENBURO IN GANZ JAPAN
Japan ist reich an heißen Quellen, die überall im Land sprudeln. Manche sind traditionsreich und leicht zugänglich, andere verborgen in abgelegenen Tälern. Hier eine Auswahl von sieben besonderen Rotenburo, die man im Winter unbedingt erleben sollte.
Schultern, während sich über dem Wasser Dampf erhebt und die weiße Landschaft ringsum in eine märchenhafte Szenerie verwandelt. Viele Reisende beschreiben dieses Erlebnis als beinahe überirdisch – ein Wintermärchen, das man nicht mehr vergisst. Heiße Quellen im Schnee sind längst kein Geheimtipp mehr. Auch internationale Gäste zieht es in Scharen an diese Orte, um den Luxus zu erleben, die verschneite Landschaft vom heißen Wasser aus zu genießen. Doch ein Onsen-Besuch ist mehr als nur Wellness. Er ist zugleich eine Begegnung mit der Kultur, der Küche und der Natur einer ganzen Region. Ein Aufenthalt in einem Rotenburo öffnet ein Fenster zum Verständnis der japanischen Lebensweise und wärmt nicht nur den Körper, sondern auch das Herz.
Neun verschiedene Quellarten machen Noboribetsu zu einem „Kaufhaus der heißen Quellen“. Besonders eindrucksvoll ist das vulkanische Gebiet Jigokudani, das „Höllental“. Hier entweichen Dämpfe und Schwefelgase aus der Erde, und im Winter verwandelt sich die Landschaft in eine dramatische Schneeszenerie. Noboribetsu ist gut erreichbar: Von Sapporo benötigt man mit dem Expresszug rund 80 Minuten, vom Flughafen Shin-Chitose fahren Direktbusse.


Präfektur Gunma
Kusatsu gehört zu den drei bekanntesten Onsen Japans und rühmt sich der größten natürlichen Quellförderung des Landes. Im Zentrum liegt das Yubatake, das „Heißwasserfeld“, wo heißes Wasser über Holzrinnen abgekühlt wird und dabei eine symbolträchtige Szenerie schafft. Besonders beeindruckend: das weitläufige Nishi-no-Kawara-Rotenburo mit 500 Quadratmetern Wasserfläche, wo man im Winter inmitten der Schneelandschaft badet. Kusatsu ist von Tōkyō aus in drei Stunden mit Zug und Bus erreichbar, alternativ auch per Direktbus.

Präfektur Akita
Dieses Tal in den Bergen gilt als Inbegriff der „geheimen heißen Quellen“. Mehrere historische Ryokan mit Strohdächern sind hier verstreut, jedes mit eigenem Charakter. Berühmt ist das große Freiluftbad von Tsurunoyu-Onsen: Von einer dicken Schneedecke umhüllt, erscheint es im Winter wie aus einem Märchenbuch entsprungen. Vom Bahnhof Tazawako dauert die Busfahrt etwa 50 Minuten. Abgelegen, aber unvergleichlich.

Präfektur Kanagawa
Hakone ist eines der bekanntesten Onsen-Resorts des Landes – und von Tōkyō aus sogar für einen Tagesausflug erreichbar. 17 verschiedene Quellen, die „Hakone Jūshichi-yu“, speisen die zahlreichen Bäder. Viele Unterkünfte bieten Rotenburo mit Blick auf den Ashi-See oder sogar den Fujisan. Die Fahrt mit dem Romancecar von Shinjuku dauert nur 85 Minuten. Ein unkompliziertes Ziel auch für internationale Gäste.

Präfektur Hyōgo
Kinosaki blickt auf eine 1.300-jährige Geschichte zurück und lädt bis heute zum Bummel im Yukata ein. Gäste ziehen mit Geta-Sandalen von Bad zu Bad, denn gleich sieben öffentliche Bäder prägen das Stadtbild. Im Winter locken zusätzlich kulinarische Genüsse: Viele Unterkünfte servieren Gerichte mit frischen Matsuba-Krabben. Von Kyōto oder Ōsaka fährt man in rund zweieinhalb Stunden mit dem Expresszug „Kōnotori“.

Präfektur Nagano
Am Fuß des Shiga-Kōgen-Gebirges liegen neun Onsen-Orte mit Kopfsteinpflasterstraßen und historischen Gasthäusern, die den Charme des alten Japan bewahren. In der Nähe befindet sich der berühmte Affenpark Jigokudani Yaen Kōen: Hier wärmen sich wilde Schneeaffen in heißen Quellen – ein Anblick, der Besucher aus aller Welt anzieht. Von Tōkyō erreicht man Yudanaka mit dem Shinkansen bis Nagano und weiter mit der Regionalbahn in knapp drei Stunden.

Präfektur Ōita
Kinosaki blickt auf eine 1.300-jährige Geschichte zurück und lädt bis heute zum Bummel im Yukata ein. Gäste ziehen mit Geta-Sandalen von Bad zu Bad, denn gleich sieben öffentliche Bäder prägen das Stadtbild. Im Winter locken zusätzlich kulinarische Genüsse: Viele Unterkünfte servieren Gerichte mit frischen Matsuba-Krabben. Von Kyōto oder Ōsaka fährt man in rund zweieinhalb Stunden mit dem Expresszug „Kōnotori“.
ONSENETIKETTE
Tattoos
In vielen Anlagen nicht erlaubt. Kleine Motive lassen sich mit Abdeckstickern kaschieren; private Bäder sind die sichere Alternative.
Vorher duschen Nackt baden
Badebekleidung ist tabu. Das kleine Handtuch darf mitgenommen, aber nicht ins Wasser getaucht werden.
Gründliches Waschen vor dem Betreten des Beckens ist Pflicht.
Keine Fotos
Diskretion gilt als oberstes Gebot. Fotografieren im Badebereich oder in Umkleiden ist strengstens untersagt.
Berlin / 30. November 2025
Japanmarkt Berlin: Weihnachtsmarkt www.japanevents.shop
Der japanische Kultur- und Designmarkt feiert Weihnachten! Am 30. November findet der beliebte Japanmarkt erneut im Festsaal Kreuzberg statt. Gäste erwartet ein kuratiertes Kulturprogramm sowie zahlreiche Verkaufs- und Infostände.
Anime Festival Kassel www.animefestival.de Kassel / 5.–7. Dezember 2025
Dieses Festival ist ein Highlight für Anime- und Manga-Fans aus ganz Deutschland. Auf mehreren Bühnen finden Panels, Workshops, CosplayWettbewerbe und Live-Performances statt, mit Stars direkt aus Japan.
München / 14. Dezember 2025
JAPANDULT: Wintermarkt www.japandult.de
Bavaria meets Japan: JAPANDULT kombiniert traditionelles japanisches Kunsthandwerk mit kulinarischen Köstlichkeiten und Live-Auftritten. BesucherInnen können an Workshops teilnehmen oder handgefertigte Produkte erwerben.
Bundesweit
KOKUBU – The Drums of Japan –„INFINITY“-Tour 2026 www.kokubu.eu
KOKUBU, eine der weltweit bekanntesten Taiko-Trommelgruppen, geht 2026 auf große Deutschlandtournee. Mit donnernden Rhythmen, atemberaubender Präzision und spektakulären Choreografien entführen sie das Publikum in die Seele Japans.




/ 29.–31. Mai 2026
DoKomi – Deutschlands größte Anime - und Japan -Expo www.dokomi.de
Die DoKomi ist das Mega-Event für alle Japan-Fans: Über 1.800 Aussteller, ein großes Food-Festival, eine Künstler-Allee und zahlreiche Cosplay-Wettbewerbe erwarten die BesucherInnen. Zusätzlich gibt es Panels, Workshops und Live-Performances von KünstlerInnen.

Main Kurisumasu www.main-kurisumasu.de
Weihnachtliches Japan-Event mit Ständen, Workshops und kreativen Darbietungen.
Comic- & Manga-Convention www.comic-messen.de
Jahresabschluss-Convention in NRW für Fans japanischer Popkultur.
The Animesy im Konzert www.koelner-philharmonie.de
Das Orchester bringt eine Mischung aus epischen Anime-Soundtracks und klassischer Musik auf die Bühne.
MAG-C – Manga • Anime • Games • Cosplay www.mag-c.de
Manga- & Anime-Convention in Mitteldeutschland.
Anime-Flohmarkt www.anime-flohmarkt.de
Flohmarkt für Anime- und Manga-Fans.
The Sound of Epic Anime www.thesoundofepicanime.de Orchestrales Konzert mit epischen Anime-Soundtracks in der Hauptstadt.
YumeKai 2026 www.yumekai.de
Anime-, Manga- und Cosplay-Convention mit Ausstellungen, Workshops und Cosplay-Events.
HanaCon www.hanacon.de
Frühlingsconvention mit Anime, Manga, Cosplay, K-Pop und kreativen Workshops.
Taiko Concert Nights www.kaiserdrums.de
Taiko-Ensembles aus Japan und Europa präsentieren die immense Kraft japanischer Trommelkunst.
Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere Infos erhalten Sie bei den jeweiligen Veranstaltern.
Der Winter in Japan zeigt sich in seiner ganzen Vielfalt: Von den schneebedeckten Gipfeln Hokkaidōs bis zu den milden Küsten Okinawas. Auf einer Strecke von etwa 2.400 Kilometern durchquert das Land mehrere Klimazonen, die ganz unterschiedliche Winterbilder malen. Begleiten Sie mich auf eine poetische Reise durch Japans Winterlandschaften – in Haiku, der Kunst der kurzen, tiefgründigen Verse. (Text: Aya Puster)
Mehr auf der Webseite: Alltag > Sprache
Auf Hokkaidō stand der Dichter Imai Kyōtarō (1928–2012) auf der Halbinsel Shiretoko dem Ohōtsuku-kai (Ohotskischen Meer) gegenüber.
Shiretoko no umi o nagaruru kōri kana
„Auf der Halbinsel Shiretoko stehe ich und staune, wie Eisbrocken vor mir treiben.“
Das Jahreszeitenwort (kigo) dieses Haiku ist kōri (氷, Eis). Dabei ist nicht eine gewöhnliche Eisschicht gemeint, wie man sie an heimischen Flüssen findet, sondern das vom Norden herantriebende Treibeis, bestehend aus zigtausenden Eisbrocken. Die Eisschollen füllten das Meer vor den Augen des Dichters und verwandelten die gesamte Gegend in eine weiße, fast magische Welt.


Im Innland zeigt sich die Landschaft etwas freundlicher. Der durch seine humorvollen Haiku bekannte Kobayashi Issa (1763–1828) schrieb:
Ōnehiki ōne de michi o oshiekeri
„Auf meine Frage nach dem Weg zeigte mir der Bauer die Richtung mit seinem frisch geernteten weißen Rettich.“
Das kigo hier ist ōne (おおね, Rettich), da dieser in Japan traditionell vor allem im Winter geerntet wurde. Der weiße Rettich wurde früher ōne genannt; heute verwendet man für das gleiche Kanji meist die On-Lesung daikon. Dieses Haiku zeigt eine stille, aber zugleich humorvolle Begegnung zwischen einem Reisenden im dicken Kimono und einem Bauern, der mit dem Rettich in seiner frierenden Hand den Weg weist. Eine solche Szene ist in Deutschland kaum vorstellbar, denn dort wird Rettich überwiegend im Sommer geerntet – weshalb einige deutsche Städte ihr Rettichfest an lauen Sommerabenden bei fröhlicher Musik feiern.

An der sonnigen Pazifikküste Japans wurde im Haus zwar für gute Zugluft im schwülen Sommer gesorgt, doch für die Heizung wenig getan. Der Haikudichter Yamaguchi Seishi (1901–1994) beschrieb die Kälte in Tōkyō eindrücklich:
Gakumon no sabishisa ni tae sumi o tsugu
„Während des Studiums muss man sich allein mit der Wissenschaft auseinandersetzen, welch eine Einsamkeit. Ich lege noch eine Holzkohle in meinen kleinen Hibachi-Ofen.“
Das kigo hier ist sumi (炭, Holzkohle). Als Yamaguchi 1924 dieses Haiku schrieb, war er vermutlich bereits an einer Lungenentzündung erkrankt. Die Kälte und Einsamkeit in seiner Studentenbude machten ihm damals besonders zu schaffen.
Der bekannte Masaoka Shiki (1867-1902) aus Tōkyō war der erste Haikudichter, der kurisumasu (クリスマス, Weihnachten) als Jahreszeitenwort benutzte.
Rōhachi no atoni kashimashi kurisumasu (1892)
„Nach dem buddhistischen Laba-Fest folgt das lärmende Weihnachtsfest.“
Hachinin no kodomo mutsumashi kurisumasu (1896)
„Ich sehe zu Hause acht Kinder fröhlich Weihnachten feiern und bin glücklich darüber.“
Okurimono no kazu o tsukushite kurisumasu (1899)
„So viele Geschenke! Ich freue mich, dass die Leute gegenseitig Geschenke austauschen.“

An diesen Haiku lässt sich sein Sinneswandel ablesen: Zunächst wurde Weihnachten als eine fröhlich-laute, amerikanische Feier wahrgenommen, im Laufe der Zeit jedoch als ein sinnliches, mitfühlendes Familienfest verstanden.

Wie dichtet man den Winter auf der Südspitze in Okinawa? Der Englischlehrer Sawa Seishi schrieb 2016:
Fuyuginga chika ni memureru ikotsu ari
„Unter dem wunderschönen Sternenhimmel, der im Winter besonders klar zu sehen ist, liegen unter der Erde noch die Überreste der Kriegsopfer, die nicht geborgen wurden und keine Ruhe finden können.“
Das kigo ist fuyuginga (冬銀河, die Wintergalaxie). Der schaudernd klare Sternenhimmel über Okinawa erinnert uns an die noch nicht geheilten Wunden der Vergangenheit.
Die japanische Winterküche ist geprägt von dampfenden Töpfen und herzhaften Aromen, die von innen wärmen. Ob ein geselliges Nabe, der Klassiker Oden oder zarte Yuzu-Mochi: Diese Gerichte machen den Winter zu einer Zeit des Teilens und Genießens. (Text und Fotos: Yoko Rendel)
Mehr auf der Webseite: Japan in Deutschland > Rezepte

Wärmender Eintopf HACKBÄLLCHEN-NABE
2 Portionen / Zubereitungszeit: 60 Min.
• 400 g gemischtes Hackfleisch
• 20 g Ingwer
• 2 EL Sojasauce
• 2 EL Stärke
ZUBEREITUNG
• 1 Stange Frühlingszwiebel
• 500 g Chinakohl
• 50 g Glasnudeln
• 200 g Tofu
ZUTATEN
• 400 g weißer Rettich
• 400 g Kartoffeln
• 2 hart gekochte Eier
• 160 g frittierter Tofu
ZUBEREITUNG
• 2 Shiitake-Pilze
• 2 g Kombu-Alge
• Salz und Sojasauce zum Abschmecken
1 Shiitake-Pilze 20 Minuten in Wasser einweichen, anschließend in Streifen schneiden. Chinakohl grob zerkleinern.
2 Hackfleisch mit Sojasauce, fein gehacktem Ingwer, Frühlingszwiebel und Stärke verkneten. 12 kleine Bällchen formen. Tofu in 8 Stücke schneiden.
3 Einweichwasser der Pilze mit Kombu und 800 ml Wasser in einem Topf zum Kochen bringen.
4 Mit Sesamsaat und Chilifäden garnieren und warm servieren.
5 Glasnudeln hinzufügen und 3–4 Minuten weitergaren. Mit Salz und Sojasauce abschmecken.
6 Heiß servieren – am besten direkt im Topf am Tisch.
2–3 Portionen / Zubereitungszeit: 90 Min.
• 200 g Wiener Würstchen
• 200 g vorgekochter Pulpo
• 200 g Hähnchenflügel
• 4 EL Sake
• 4 EL Sojasauce
• 3 EL Mirin
• 2 EL Zucker
• 3 cm Kombu-Alge
• 1–2 EL Senf
1 Rettich in 2 cm dicke Scheiben schneiden, schälen und an der Oberfläche kreuzweise einritzen. 10 Minuten vorkochen. Kartoffeln schälen und halbieren.
2 Tofu diagonal halbieren, Würstchen halbieren und mehrmals einschneiden. Pulpo in große Stücke schneiden.
3 In einem großen Topf 1.400 ml Wasser mit Kombu und Hähnchenflügeln aufkochen. Hitze reduzieren und 5 Minuten köcheln lassen, Schaum abschöpfen.
4 Vorgekochten Rettich, Kartoffeln, Tofu, geschälte Eier, Würstchen, Sake, Sojasauce, Mirin und Zucker hinzufügen. Köcheln, bis die Kartoffeln weich sind.
5 Zum Schluss Pulpo dazugeben und 3–4 Minuten weiterkochen.
6 Mit Senf heiß servieren.


Süße Köstlichkeit
8 Stück / Zubereitungszeit: 90 Min.
ZUTATEN
• 100 g Klebreismehl
• 100 g Zucker
• 80 ml kochendes Wasser
ZUBEREITUNG
• 1 EL Yuzu-Saft (alternativ Zitronensaft)
• 2 EL Stärke
1 Klebreismehl und Zucker mischen. Kochendes Wasser und Yuzu-Saft hinzufügen und mit einem Silikonspatel rasch verrühren. Falls die Masse noch bröselig ist, nach und nach etwas Wasser zugeben.
2 Ein nasses Küchentuch in einen Dämpfeinsatz legen, die Masse hineingeben und mit dem Tuch bedecken.
3 Wasser zum Kochen bringen, den Dämpfeinsatz aufsetzen und bei mittlerer Hitze 25 Minuten dämpfen. Deckel dabei geschlossen halten.
4 Masse vorsichtig mit dem Tuch herausnehmen (heiß!) und mit einem Stößel 20–30 Mal stampfen. Anschließend mit den Händen falten und mit der Faust klopfen, etwa 20 Mal wiederholen.
5 Zu einer Rolle formen, in Stärke wälzen und in Frischhaltefolie legen. Mit einer Bambus-Sushi-Matte umwickeln und mit Gummiband fixieren. 1 Stunde im Kühlschrank fest werden lassen.
6 Mit einem in Stärke bemehlten Messer in Stücke schneiden.
Seit April 2022 vertreten wir, die Doitsu News Digest GmbH, im Auftrag des Tokyo Convention & Visitors Bureau (TCVB) Tokyo als o izieller Tokyo Tourism Representative für Deutschland.



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