marie 56/ Jänner 2021

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Gsi

Schneemond, Honigmond und Heilmonat

Ein neues Jahr beginnt. Vieles hat sich in den vergangenen 2000 Jahren verändert, aber die Monatsnamen sind geblieben. Kurios, dass wir heute noch römische Götter und Kaiser ehren – oder deren Verehrung wohlwollend dulden. Dabei hätten auch die altdeutschen Monatsnamen ihren Charme.

Text: Gerhard Thoma, Fotos: Archiv

Jänner

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Als erster Monat des Jahres ist der Jänner dem römischen Gott Janus (Ianuarius) gewidmet, dem Gott des Anfangs und des Endes. Mit seinen zwei Gesichtern kann er in die Vergangenheit und in die Zukunft schauen. Laut Überlieferung hat Numa Pompilius, der legendäre zweite König von Rom, den Jänner (Januar) um 700 v. Chr. eingeführt. Aus dem deutschen Sprachraum ist für den Jänner der Name Hartung überliefert. Er wurde von der Bezeichnung Hartmonat oder Hartmond abgeleitet und bezieht sich auf die harte, gefrorene Erde, die in unseren Breiten zu dieser Jahreszeit vorherrscht. Auch die Bezeichnung Eismonat geht auf die strenge Witterung im Jänner zurück. Weitere Namen sind Schneemond und Wintermond.

Februar

Der Name (Februarius) wurde vom römischen Sühne- und Reinheitsritual februa inspiriert, das traditionell in dieser Zeit des Jahres stattfand. Dieses Fest kommt wiederum vom Beinamen der Juno, der römischen Göttin der Geburt, Ehe und Fürsorge. Ein alter deutscher Name für den Februar ist Hornung. Zur Wortherkunft gibt es verschiedene Theorien. Eine davon besagt, dass sich die Bezeichnung auf den Rothirsch bezieht, der zu dieser Jahreszeit sein Geweih abwirft. Weitere volkstümliche Namen für den Februar sind Sturmmond, Hungermond, Schmelzmond und Taumond.

März

Der März ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt und heißt im Lateinischen Martius. Im alten Rom galt der März als die Jahreszeit, zu der nach

der Winterpause Kriege wieder aufgenommen wurden. Unsere deutschsprachigen Vorfahren verwendeten die Begriffe Lenzing oder Lenzmond. Der Lenzmond leitet sich direkt vom althochdeutschen Begriff für Frühling ab: lenzo oder Lenz. Weitere Namen sind Fastenmond, Krähenmond, Zuckermond, Sirupmond, Rindenmond, keuscher Mond.

April

Wie alle anderen heute gebräuchlichen Monatsnamen leitet sich auch der Begriff April von seinem lateinischen Äquivalent ab: Aprilis. Wo dieser Name seinen Ursprung hat, ist jedoch nicht gesichert. Der April könnte auf das lateinische Wort aperire (öffnen) zurückgehen, da die Natur in dieser Jahreszeit aus ihrem Winterschlaf erwacht und sich die Knospen öffnen. Möglich ist auch, dass der Name seinen Ursprung im lateinischen Wort apricus (sonnig) hat. Wie mehrere andere Monate ist der April einer Gottheit gewidmet – in diesem Fall Venus, der Göttin der Liebe, der sexuellen Lust und Schönheit. Die alte deutsche Bezeichnung Ostermond bezieht sich auf die Tatsache, dass Ostern meistens in den April fällt. Verwandt ist die Bezeichnung auch mit der Himmelsrichtung Osten: Zu dieser Jahreszeit geht die Sonne ziemlich genau in Ostrichtung auf. Weitere Namen sind Grasmond, Wandelmond, Eimond, Fischmond.

Mai

Auch der Mai (lat. Maius) ist nach einer römischen Gottheit benannt. In diesem Fall wurde der Name von Maia inspiriert, die mit Bona Dea assoziiert wird, der römischen Göttin der Fruchtbarkeit. Der „Wonnemonat Mai“ ist auch

heute noch vielen Menschen ein Begriff – eine Abwandlung des alten deutschen Monatsnamens Wonnemond. Dieser entspringt einerseits dem Wort für Freude (wunni). Andererseits ist der Begriff auch mit wunne verwandt, was Futterplatz oder Weide bedeutet: Zu dieser Jahreszeit trieb man traditionell das Vieh wieder auf die Weide. Weitere idyllische Namen sind Hasenmond, Pflanzmonat, Maispflanzmond, Milchmond, Marienmond.

Juni

Der Juni (lat. Iunius) ist nach Juno benannt, der besagten römischen Göttin der Geburt und Ehe und Frau des Göttervaters Jupiter. Im Deutschen wird der Monat in Abgrenzung zum Juli mitunter auch Juno genannt. Die alte deutsche Bezeichnung Brachmond oder Brachet geht auf die Dreifelderwirtschaft zurück, bei der die landwirtschaftliche Fläche in drei Teile aufgeteilt und dann im jährlichen Wechsel bewirtschaftet wurde. In diesem Monat wurde traditionell das Brachfeld bearbeitet. Weitere wohlklingende Namen für den Juni sind Honigmond, Rosenmond, heißer Mond, Honigweinmond.

Juli

Mit dem Juli (lat. Iulius) wurde dem römischen Staatsmann Julius Caesar ein bleibendes Denkmal gesetzt. In alter deutschsprachiger Tradition wird der Juli-Vollmond traditionell als Heumond bezeichnet, speziell im süddeutschen und Vorarlberger Raum auch Heuet. Der Grund: Zu dieser Jahreszeit findet die Heuernte statt. Weitere Namen sind Donnermond, Sonnenmond, Würzmond.


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