P.P.A 6002 Luzern, Post CH AG – Nr. 48, Jahrgang 117
Dienstag, 29. November 2022
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Waldnutzung
Rangers helfen beim Schutz des Waldes «Förderung eines konfliktfreien Miteinanders von Erholungsuchenden und Natur» – mit diesem sperrigen Titel thematisiert ein Postulat Probleme der Waldnutzung.
815 Fussballfelder
Franz Lustenberger
Es ist ein regnerischer Novembertag, der Wald von der Spinnerei bis zu den Höllgrotten ist kaum begangen. Und doch sind Spuren des Sommers sichtbar – Feuerstellen an problematischen Orten, Pfade abseits der signalisierten Wege, Papiernastücher, die auf «wilde» Toiletten verweisen. Die Wälder sind heute ein begehrter Erholungsort. «Der Druck auf den Wald hat klar zugenommen», sagen Walter W. Andermatt, Präsident der Korporation Baar-Dorf, und Werner Stocker, Leiter Forst, übereinstimmend. Beide sind mit einer massvollen Nutzung des Waldes als Erholungsraum einverstanden, schliesslich ist das freie Betretungsrecht des Waldes und das Sammeln von Beeren oder Pilzen im «ortsüblichen Umfang» im Zivilgesetzbuch (Artikel 699) gewährleistet.
Pilotprojekt mit Rangern soll fortgesetzt werden Doch es gibt Regeln und Vorschriften, die auch für den Baarer Wald gültig sind. Walter W. Andermatt erwähnt etwa signalisierte Fahrverbote für Autos und Fahrräder: «Das Parkieren entlang des Lorzendamms im Wald haben wir dank ausgeschilderter Parkplätze mehr oder weniger im
Wilde Feuerstellen an der Lorze bereiten Förster Werner Stocker (links) und Präsident Walter W. Andermatt Sorgen. Griff.» Gar keine Freude haben die Verantwortlichen der Korporation Baar-Dorf an Personen, die ihre Hunde trotz Leinenpflicht frei laufen lassen. «Wir von der Korporation können und wollen nicht Polizei spielen», sagt Walter W. Andermatt. Die Überwachung des Waldes sei ein Ding der Unmöglichkeit, weil man fehlbare Velofahrer, Biker oder auch Fussgänger nicht einfach identifizieren oder allenfalls anzeigen kann, im Gegensatz etwa zu Autos mit Kontrollschildern. Wald Zug, der Dachverband der Waldeigentümer, setzt auf die Eigenverantwortung und
die Rücksicht der Menschen. Er setzt aber auch auf die Fortsetzung eines Pilotprojektes mit Rangern. Der Regierungsrat beantragt ein entsprechendes Postulat von Kantonsrätin Stephanie Vuichard (ALG Zug) und fünf Mitunterzeichnenden zur Annahme. Stephanie Vuichard, die selber im Tierpark Goldau als Rangerin arbeitet, weist etwa auf den kantonalen Richtplan hin, wonach in den Naherholungsgebieten der Kanton und die Gemeinden «die Konflikte zwischen Wald, Landwirtschaft, Naturschutz und Erholung» minimieren müssen. Das Geschäft ist der-
zeit im Kantonsrat pendent; vorgesehen sind jährlich 75 000 Franken für den Einsatz von Aufsichtspersonen. Das entspricht rund 0,4 Stellenprozent. «Das sollte uns der Schutz unserer Zuger Wälder wert sein», meint Walter W. Andermatt. Und Förster Werner Stocker macht einen Vergleich: «Im Naturschutzgebiet Sihlwald sind drei bis vier Ranger im Einsatz.»
Ob der Vorschlag des Regierungsrates ausreicht? Selbst wenn der Kantonsrat den Vorschlag der Regierung annehmen sollte – eine gewis-
Bild: Franz Lustenberger
se Skepsis bleibt bei den Verantwortlichen der Korporation Baar-Dorf. «Es ist ein guter erster Schritt in die richtige Richtung.» Man müsse die nächsten Jahre abwarten und den Einsatz der Ranger auf deren Wirkung hin immer wieder evaluieren, so der Korporationspräsident. «Es geht darum, mit diesen Rangern die Erholungssuchenden immer wieder zu informieren und auf die Regeln aufmerksam zu machen.» Der QR-Code führt zu einem Waldknigge.
Rund ein Drittel der Schweizer Fläche ist heute bewaldet. In der Gemeinde Baar sind es etwas weniger, nämlich mit 23,6 Prozent knapp ein Viertel. Prozentzahlen machen die Grösse der Waldfläche wenig sichtbar, deshalb hier zwei weitere, diesmal absolute Zahlen: In Baar sind es 587 Hektaren Wald oder umgerechnet rund 815 gewöhnlich grosse Fussballfelder. Mit Abstand grösste Waldeigentümerin in der Gemeinde Baar ist die Korporation Baar-Dorf mit 274 Hektaren, die sich vom Littibach über die Baarburg bis zum Wasserkraftwerk Lorzentobel 1 unterhalb der historischen Holzbrücke erstrecken. Ein weiterer grosser Waldbesitzer ist die Korporation Blickensdorf mit 81 Hektaren. Etwas kleiner sind die Korporationen Deinikon (36 Hektaren) und die Korporation Grüt Allenwinden (32 Hektaren). Grösste Waldbesitzer im Kanton Zug sind die Korporation Unterägeri, Oberägeri und Zug. Sie alle sowie weitere öffentliche und private Waldeigentümer sind im Verband WaldZug zusammengeschlossen, der sich für eine nachhaltige Waldwirtschaft einsetzt und deren Interessen auf der politischen Ebene vertritt. Präsidiert wird der Verband von Walter W. Andermatt, dem Präsidenten der Korporation Baar-Dorf. fra www.waldzug.ch
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