P.P.A 6002 Luzern, Post CH AG – Nr. 47, Jahrgang 117
Dienstag, 22. November 2022
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Spinnereiareal
«Wir wollen eine neue Atmosphäre schaffen» 2016 nahm eine Vision ihren Anfang. Nun liegen Bebauungsplan und Zonenplanänderung bis zum 19. Dezember öffentlich auf. Nächstes Jahr wird über die Zukunft des Areals abgestimmt.
Im Zeitraffer
Claudia Schneider
«Die Grundlagen für die öffentliche Auflage sind in steter Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Denkmalschutz entstanden. Man merkt, dass den Planern viel daran liegt, dass hier etwas Schönes entsteht», so begrüsste der Baarer Bauchef Jost Arnold rund 60 Interessierte am Informationsanlass von vergangenem Donnerstag in einem Saal der ehemaligen Spinnerei an der Lorze. Die Atmosphäre des Saals mit seinem genagelten Holzparkett, den schmalen Säulen und hohen Fenstern ist einnehmend – ebenso die Präsentation der Vision, wie sich das aktuell eher trist anmutende Areal entwickeln soll.
Zwischen Langgasse und Spinnerei entsteht ein Freiraum Bereits vor gut einem Jahr wurde das Richtprojekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Grundsatz bleibt es dabei: Das denkmalgeschützte Spinnereigebäude rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die vorgelagerte Halle entlang der Langgasse wird entfernt. Urs Oechslin (Lilin Architekten) freut sich auf den frei werdenden Raum: «Wir wollen an der Langgasse einen neuen Ort schaffen, an dem man sich gerne aufhält – einen belebten Ort
Geht es nach den Besitzern und den Planern der Weiterentwicklung des Spinnereiareals, entsteht am Fuss der Baarburg ein attraktives und belebtes Zentrum, Bilder: Virtual Design Unit, Zürich das Historisches ehrt, aber auch Neues für eine vielfältige Nutzung zulässt. mit vielen Bäumen und vielen Nutzungen im Erdgeschoss des gut sichtbaren Spinnereigebäudes.» Auch die Kanäle, die heute ein Schattendasein fristen, sollen aufgewertet und erlebbar gestaltet werden.
Das Spinnereigebäude bleibt eigentlich wie heute bestehen Auf dem Parkplatz hinter dem Spinnereigebäude sind Wohnungen geplant, ein Teil davon preiswert und altersgerecht. Richtung Lorze gibt es Wohnateliers. Vorgesehen ist zudem eine Wasserfläche, die sich abdecken lässt, sodass dort beispielsweise ein Markt stattfinden kann. Viel Wert le-
gen die Planer auf eine beschattete, parkähnliche Begrünung des gesamten Areals.
Es läuft gut, so wie es ist, aber es kann noch viel besser werden Christoph Syz, Geschäftsführer Patrimonium, erachtet das 2015 gekaufte Areal als eines der spannendsten im aktuellen Portfolio: «Es läuft gut, die Mieteinnahmen kommen.» So gesehen könnte sich das Unternehmen zurücklehnen. «Doch das Areal ist nicht sehr attraktiv», wendet Syz ein. Patrimonium investiert im Namen von Investoren wie Pensionskassen oder der AHV: «Es geht um langjährige nachhaltige
Planungen, inklusive Klimazielen.» Diese Absicht ermunterte das Publikum an der Präsentation zu Fragen, etwa nach dem Verkehrsaufkommen. Adrian Arquisch (Teamverkehr) erläuterte, dass das Areal weitgehend verkehrsfrei wird. Von den aktuell 520 Parkplätzen verbleiben 495, hauptsächlich in einer Tiefgarage. Das Areal liegt direkt bei Bushaltestellen und am Velowegnetz. Siedlungsplaner Michael Camenzind (Suter, von Känel, Wild) machte deutlich, dass die Bäume auf den Visualisierungen Zeit brauchen werden, bis sie gross gewachsen sind. Doch es soll sie geben; ihre Standor-
te werden minutiös geplant, da hohe Bäume mit tiefen Wurzeln abseits des Parkhauses wachsen müssen. Die Frage nach dem Heizsystem beantwortete Jost Arnold: «Das steht noch nicht fest, wird sich aber zeigen im Rahmen der Studie über mögliche Wärmepumpen und Energieverbünde in der Gemeinde; auch die Korporation mit ihren Holzheizungen spielt eine Rolle.» Deutlich wurde an diesem Abend das Interesse der Verantwortlichen an den Bedürfnissen und Bedenken der Baarer Bevölkerung. Diese können bis zum 19. Dezember angemeldet werden.
Der Bau der Spinnerei an der Lorze prägte zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Entwicklung Baars. Damals liefen in der grössten Spinnerei der Schweiz viele Fäden zusammen. Dieser Meilenstein der Schweizer Industriegeschichte soll gewürdigt werden. Eine erste Machbarkeitsstudie erfolgte 2016/2017 durch Patrimonium, die neuen und aktuellen Grundeigentümer. Im April 2019 stimmte der Gemeinderat der geplanten Arealentwicklung zu, und das Studienverfahren wurde gestartet. Im November erfolgte die Jurierung. Die Resultate des Studienauftrags wurden im Januar 2020 präsentiert, das Konzept in Begleitung eines Fachgremiums weiter bearbeitet bis zum Richtprojekt. Die Bevölkerung wurde im September 2021 eingeladen, sich mit dem verabschiedeten Richtprojekt zur Arealentwicklung bekannt zu machen. Anschliessend stand die Erarbeitung des Bebauungsplans an. Dieser liegt nun öffentlich auf, ebenso eine Zonenplanänderung, da die aktuelle Zone nur Arbeiten, jedoch kein Wohnen auf dem Gelände erlaubt. Eine Volksabstimmung zum Bebauungsplan und zur Zonenplanänderung ist für Mitte 2023 geplant. Gibt es dafür die Zustimmung, erfolgt der Baustart Ende 2024. Die Bauzeit wird rund zweieinhalb Jahre betragen. csc Weiteres auf: www.spinnereilorze.ch, www.baar.ch/planauflagen/12923
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