P.P.A 6002 Luzern, Post CH AG – Nr. 32, Jahrgang 118
Dienstag, 8. August 2023
Eine Lokalausgabe der Zuger Presse
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UNABHÄNGIGE WOCHENZEITUNG FÜR BAAR UND ALLENWINDEN
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Wenn es zu bunt wird, muss man Farbe bekennen. Josef Imbach
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Politik
Baar forderte Regierungsgebäude in Baar Vor 150 Jahren tagte der damals 25-jährige Kantonsrat erstmals im Saal des neuen Regierungsgebäudes am See in Zug – nicht zur Freude der Baarer.
Baarer Bilder
Claudia Schneider
1863, also zehn Jahre vor der ersten Sitzung im neu erstellten Zuger Kantonsratssaal, forderten die Mitglieder der Korporation Baar-Dorf, ein künftiges Regierungsgebäude nicht etwa in Zug, sondern in Baar zu errichten. Diese selbstbewusste Forderung basierte auch auf dem Erfolg der rasant fortschreitenden Industrialisierung. Die Spinnerei an der Lorze war damals die grösste und modernste Baumwollspinnerei der Schweiz und beschäftigte über 600 Personen. Im Spinnereiquartier entstanden auch die Papierfabrik Meyenberg und die Brauerei Baar. Innerhalb von nur zehn Jahren (1850 bis 1860) stieg die Einwohnerzahl von 2350 auf über 3300 Personen. Die meisten Neuzuzüger kamen von ausserhalb des Kantons, was einerseits zur Gründung einer reformierten Kirche im katholischen Baar führte, andererseits auch liberale Stimmen in die Politik der Konservativen einbrachte.
Neue Verfassungen für den Bund und die Kantone Diese Entwicklung war auch eine Folge des letzten Bürgerkriegs in der Schweiz im November 1847. Zuvor hatten die konservativ regierten katholischen Kantone einen Sonderbund gegründet. Ihr Ziel war die Abwehr der von den liberalen Ständen geduldeten Freischarenzüge gegen konservativ regierte Kantone und die Verteidigung der Katholischen Kirche. Der Kanton Zug ergab
Eine Visualisierung des Zuger Regierungsgebäudes, zirka aus dem Jahr 1868, macht deutlich, dass die Korporation Baar-Dorf mit ihrem Anliegen, den Regierungssitz in Baar zu erstellen, kein Gehör fand. Bild: Staatsarchiv Zug sich kampflos und stimmte 1848 unter Druck diverser in Zug stationierter Armee-Einheiten einer neuen Kantonsverfassung zu. Auch die Schweiz bekam vor 175 Jahren eine Bundesverfassung, obschon sich der Kanton Zug dagegen aussprach. In Baar stimmten 803 Personen für und 1780 Personen gegen die neue Bundesverfassung.
Konservativer Volksführer und Lokalpatriot aus Baar Bei den Wahlen 1848 gewannen in Zug die Liberalen eine Mehrheit im damaligen Grossrat (ab 1873 Kantonsrat) und stiessen zahlreiche Reformen an. Diese Entwicklung missfiel Oswald Dossenbach (1824–1883, Bild), dem Sohn
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Innovative Fachleute
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Baar
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Impressum
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Forum/Sport
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Zum Gedenken
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Aus dem Rathaus
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Das läuft in Baar
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Region
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Kultur
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Rätsel
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einer reichen Bauernfamilie in der Sennweid. «Er hatte seinen eigenen Kopf, brach sein Studium ab, da er dem Willen der Eltern, Priester zu werden, nicht nachkommen wollte», weiss der Baarer Gemeindearchivar Philippe Bart. Um aktiv seine konservativen Ansichten einbringen zu können, politisierte Dossenbach ab 1847 im Baarer Gemeinderat und im Zuger Grossrat. Innerhalb von zwei Jahrzehnten stieg der Baarer zum einflussreichsten Führer der Rechtskonservativen im Kanton auf. «Zahlreich und über alle staatlichen Ebenen verteilt sind die Ämter, die er ausübte: Baarer Gemeinde- und Bürgerpräsident, Obergerichtspräsident, Erziehungsratspräsident, Regierungsrat und Ständerat», heisst es in einem Porträt. Daneben engagierte sich Dossenbach ab 1872 als Teilhaber der Kreditanstalt
Bossard & Cie in Zug. Damals gab es in der Zuger Politik noch wenig Vielfalt. Frauen waren nicht stimmberechtigt und konnten kein politisches Amt annehmen. Die Männer waren entweder liberal oder wie Oswald Dossenbach konservativ, wobei er nicht nur gegen die Liberalen, sondern auch gegen die gemässigten Konservativen kämpfte. So stellte er sich gegen die Machtansprüche der Städte, gegen die Eisenbahn und die sich in Baar ausbreitende Industrie. «Der Erzkonservative fürchtete, dass die wachsende Arbeiterschaft mit sozialdemokratischen Ideen sympathisieren könnte», erklärt Philippe Bart. Dossenbach trat daher für ein sozial geprägtes Fabrikgesetz ein, kämpfte für den Ausbau der Volksrechte und war Mitgestalter der in diesem Sinne revidierten Zuger Kantonsverfassung von 1876. 1848
zählte der Zuger Grossrat (Kantonsrat) 67 Mitglieder, davon stammten neun aus Baar.
Von elf zu sieben Mitgliedern im Zuger Regierungsrat Heute zählt die Zuger Legislative 80 Mitglieder und deren 15 leben in Baar. Der Zuger Regierungsrat umfasste 1848 elf Männer, davon einen (Martin Josef Müller) aus Baar; heute zählt das Gremium sieben Personen (davon zwei aus Baar). Die erste Zuger Regierungsrätin, die Baarerin Ruth Schwerzmann-Müller (FDP), wurde im November 1994 gewählt. Die Bevölkerung ist am 19. August zum Jubiläum «175 Jahre Bundesverfassung» ins Zuger Regierungsgebäude eingeladen. Fürs Detailprogramm den QR-Code scannen.
Fleisch
Käse
Spätzli
Die Dorfmetzgerei an der Dorfstrasse
Fröhliches Fest trotz Regenwetter
Legenden der Volksmusik
Christian Rogenmoser hat von seinen Eltern, den Gründern der Metzgerei Rogenmoser, eine Tradition übernommen: Er verarbeitet Fleisch von Landwirten aus der nächsten Umgebung. Heute prägen auch zahlreiche Innovationen, wie das tägliche Menü zum Mitnehmen, den Baarer Traditionsbetrieb. Seite 2
Gemeindepräsident Walter Lipp war am Eidgenössischen Jodlerfest in Zug angetan von der höchsten Jodlerin der Schweiz und lud Karin Niederberger ein, am Nationalfeiertag in Baar die Festrede zu halten. Die Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodlerverbands brachte als Geschenk auch einen speziellen Käse mit. Seite 3
Franz Marty und das ganze OK freuen sich schon auf den Ländler-Abig von Samstag, 19. August , im Gemeindesaal Baar. Nicht nur für lüpfige Musik und Tanz bis in die frühen Morgenstunden wird gesorgt. Die Gäste können sich im Festsaal auch verpflegen, beispielsweise mit Ragout und Spätzli. Seite 11
Das 1873 fertiggestellte Regierungsgebäude an städtebaulich dominanter Stelle stiess bei der Bevölkerung auf Widerstand. Der Neubau und Namensänderung von Grossrat zu Kantonsrat standen für ein gewandeltes Politik- und Staatsverständnis. Aber noch bis in die 1930erJahre sassen sich Konservative und Liberale nach Vorbild des englischen House of Commons gegenüber. Anlässlich der ersten gründlichen Auffrischung 1938 wurde auf Hörsaalbestuhlung umgestellt. Im Lauf der Zeit wurde der Saal immer wieder aktuellen Gegebenheiten angepasst, so auch 1952 im Ambiente der Geistigen Landesverteidigung. Damals erhielt der Baarer Künstler Gebhard Uttinger (1879– 1960) den Auftrag, zwei grosse, noch heute vorhandene Leinwandgemälde zu malen: «Aufnahme Zugs in den eidgenössischen Bund 1352» und «Heimkehr und Aufnahme». Uttinger stammte aus einer alteingesessenen Baarer Familie, suchte sein Glück jedoch in Deutschland, erst an der Baugewerkschule Karlsruhe, dann an der Kunstakademie Dresden. Ab 1909 unterrichtete er an der Kunstgewerbeschule Breslau und spezialisierte sich dort auf Kirchenmalerei. 1934 konnte er an die Kunstgewerbeschule Luzern wechseln, verliess sie jedoch nach vier Jahren im Streit und kehrte nach Breslau zurück. 1944 zwang ihn der Krieg zurück in die Schweiz – nach Zürich, wo der Baarer Künstler aber nie richtig Fuss fassen konnte und verarmte. Ein Grossteil seines Nachlasses gehört heute der Einwohnergemeinde Baar. csc
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