Potenzial und Perspektiven für die Kongressdestination Zürich, Schweiz.
Potenzial und Perspektiven für die Kongressdestination Zürich, Schweiz.
Einleitung und Zielsetzung
Zürich steht im internationalen Wettbewerb um hochwertige Kongresse und Konferenzen und positioniert sich als attraktiver Standort für Wissensaustausch, Innovation und internationale Vernetzung. Das Zurich Convention Bureau spielt dabei eine zentrale Rolle in der Akquise und trägt massgeblich dazu bei, internationale Kongressformate für den Standort zu gewinnen. Ergänzend dazu werden gemeinsam mit dem Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Ansätze entwickelt, um wiederkehrende sowie strategisch besonders relevante Veranstaltungen gezielt zu unterstützen und langfristig am Standort zu verankern. Mit diesem Bericht zeigt Zürich Tourismus auf, welches Potenzial Zürich als Kongressdestination hat und welche Entwicklungen künftig möglich und sinnvoll sind. Grundlage bilden zwei zentrale Analyseinstrumente: die
von PROJECT M im Jahr 2024 durchgeführte Studie zum internationalen Marktpotenzial sowie ein ergänzender Bericht der ICCA. Die Studie von PROJECT M hatte das Ziel, die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Kongressstandorts ganzheitlich zu bewerten. Zudem wurden Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Kongressinfrastruktur erarbeitet. Im Fokus stand insbesondere die Frage, ob ein grösseres Kongresszentrum für Zürich wirtschaftlich, gesellschaftlich und städtebaulich sinnvoll wäre. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden anschliessend in einer Fokusgruppe von Zürich Tourismus vertieft diskutiert und mit weiteren relevanten Studien abgeglichen. Auf dieser Basis konnten Empfehlungen formuliert werden, die den strategischen Ausbau der Kongressdestination Zürich unterstützen.
Rahmenbedingungen und Marktentwicklung (2024/25)
Die globale MICE-Branche (Meetings, Incentives, Conventions, Exhibitions) erholt sich nach der Pandemie weiterhin langsamer als der Freizeittourismus. Im Jahr 2025 wurde das Vorkrisenniveau jedoch beinahe wieder erreicht. Der Markt bleibt dennoch volatil: Hybride Formate und ein erhöhter Digitalisierungsgrad auf der einen Seite sowie die wieder zunehmende Bedeutung persönlicher Begegnungen auf der anderen Seite prägen die Entwicklung. Grosse Events mit über 1’000 Teilnehmenden haben zwar die grösste Strahlkraft, der Grossteil der internationalen Kongresse findet aber im Segment von 150 bis 1’000 Personen statt.
Kongresse als Wachstumstreiber einer Destination Kongresse gewinnen als wertschöpfungsstarke Form des
Business Tourismus immer mehr an Bedeutung. Sie generieren hochwertige Übernachtungen, schaffen wirtschaftliche Impulse und kompensieren den Rückgang klassischer Geschäftsreisen. Internationale Kongresse bieten zudem Planungssicherheit für die Tourismusbranche, da sie langfristig vergeben und frühzeitig vorbereitet werden.
Mehr als nur wirtschaftliche Wertschöpfung Kongresse schaffen für eine Destination nicht nur einen unmittelbaren wirtschaftlichen Mehrwert – sie entfalten weit darüber hinaus Wirkung. Unterhalb der sichtbaren «Wirtschaftsspitze» liegen vielfältige immaterielle Effekte, die für die Standortentwicklung und Forschung sowie gesamtgesellschaftlich gewinnbringend sind.
15 – 20 % Wirtschaftlicher Nutzen
80 – 85 % Wissenstransfer Internationale Vernetzung Innovationskraft Gemeinschaftseffekte
Gemeinschaftseffekte
Stärkung der lokalen Gesellschaft durch Infrastrukturinvestitionen, Wissenstransfer und gesellschaftliche Impulse.
Innovationskraft
Impulse für neue Ideen, Projekte und branchenübergreifende Entwicklungen.
Internationale Vernetzung Globale Vernetzung, internationale Sichtbarkeit und neue Kooperationen.
Ausgangslage Zürichs als Kongressdestination
Wissenstransfer Austausch von Expertise, neueste Forschungserkenntnisse und praxisrelevantes Fachwissen.
Bei gezielter Umsetzung können sogenannte Legacy-Effekte entstehen: langfristige positive Wirkungen auf Stadt, Wirtschaft und Gesellschaft – etwa durch Wissensaustausch, Kooperationen, nachhaltige Investitionen oder Bildungsinitiativen. Besonders förderwürdig sind Ökosysteme mit hoher Relevanz für Forschung und Wirtschaft:
Wirtschaft & Finance
Wirtschaftspolitisch relevante nationale oder internationale Foren Life Sciences Angewandte Forschung, ClusterThemen wie Biotech, Medtech
Food Innovation
Wissenschafts- und innovationsnahe Foren
Technologie & Innovation
AI, Robotics, Drohnen, Space, Tech
Sustainability & Climate
Klima, Energie, Mobilität, Transformation
Zürich zählt zu den attraktivsten Städten Europas – wirtschaftlich, wissenschaftlich und touristisch. Diese Faktoren schaffen eine ideale Ausgangslage für Zürich als weltweit gefragten Kongressstandort. Gemäss ICCA-Statistik erholt sich die Schweiz bei Veranstaltungen und Teilnehmenden etwas langsamer als der europäische Durchschnitt. Zürich bildet jedoch eine Ausnahme: Die Stadt erholt sich sowohl schneller als Europa als auch die Schweiz insgesamt. Die wichtigsten Konkurrenten Zürichs liegen primär innerhalb der Schweiz, insbesondere Basel und Genf. Zu den bedeutenden europäischen Wettbewerbern zählen Wien, Rotterdam und
Barcelona. Der Wettbewerb um internationale Kongresse ist gross – aber das Potenzial von Zürich ist erheblich. Aktuell kann Zürich Kongresse mit rund 1’500 bis 2’000 Teilnehmenden gut ausrichten. Bei grösseren internationalen Veranstaltungen stösst die Stadt jedoch an ihre Grenzen: eingeschränkte Raum- und Hotelkapazitäten sowie hohe Kosten wirken limitierend. Besonders in den Kongressmonaten Juni und September kommt es aufgrund der hohen touristischen Nachfrage zu Engpässen. Die Akquise grosser Verbandskongresse bleibt daher anspruchsvoll und mit Unsicherheiten verbunden.
• Exzellente Erreichbarkeit
• Hohe Sicherheitsstandards
• Hochwertige KongressInfrastruktur
• Attraktives Rahmenprogramm
• Hohes Preisniveau
• Starke Konkurrenz
• Fehlende Kapazitäten grosser Locations
• Keine direkte finanzielle Förderung
Entwicklungspotenziale und Zukunftsperspektiven
Der internationale Kongressmarkt wächst – insbesondere in Bereichen wie Life Sciences, Medtech, Biotech und ICT. Studien zeigen ein deutlich steigendes Interesse an Kongressen mit bis zu 3’000 Teilnehmenden. Auf Formate dieser Grössenordnung ist die Infrastruktur in Zürich heute nur begrenzt ausgelegt. Um beurteilen zu können, welche Entwicklung den grössten Mehrwert für den Standort bringt, wurden Expert:innen aus Hotellerie, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik einbezogen. Ihre Beurteilung zeigt ein klares Bild: Zürich sollte auf eine zweigleisige Strategie setzen, die kurzfristige Realisierbarkeit und langfristiges Wachstum intelligent verbindet.
Dieser Schritt stärkt die Position Zürichs in internationalen Zukunftsbranchen und eröffnet neue Potenziale für Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus.
Handlungsempfehlungen
1. Entwicklung einer gemeinsamen Kongressstrategie Ein breit abgestützter Strategieprozess schafft Verbindlichkeit und Orientierung für alle Beteiligten.
2. Sicherung des Status quo und gezielte Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit Öffentliche Hand, Wirtschaft, Wissenschaft und touristische Partner müssen enger zusammenarbeiten, um Zürich als Kongressstandort wirkungsvoll weiterzuentwickeln.
• Aktive und gezielte Vermarktung des bestehenden Angebots
Morgen
Moderater Ausbau auf bis zu 3’500 Personen
Fokus
Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsposition
Ein Ausbau kommt infrage, sobald:
• politische Unterstützung gewährleistet ist
• geeignete Flächen verfügbar sind
• wirtschaftliche Machbarkeit nachgewiesen ist
Dieser Schritt stärkt die Position Zürichs in internationalen Zukunftsbranchen und eröffnet neue Potenziale für Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus.
Szenario Status quo bis 2’000
Szenario 3’500
Szenario 5’000
Ausblick
Zürich als Hub für gesellschaftlich relevante Kongresse
Zürich verfügt über ein starkes Fundament, um sich langfristig als führende Kongressdestination für Veranstaltungen bis zu 3’500 Teilnehmenden zu positionieren. Dieses Potenzial gilt es mit strategischer Weitsicht zu entwickeln – denn die Konkurrenz in der Schweiz und in Europa macht ihre Hausaufgaben. Die Entwicklung der Kongressdestination Zürich muss deshalb bereits heute konzipiert werden.
In den kommenden Jahren steht die Optimierung des Status quo im Vordergrund. Die Mehrheit der Kongresse bewegt sich im Segment bis 2’000 Teilnehmende – ein Bereich, in dem Zürich bereits heute sehr gut aufgestellt ist und seine Stärken gezielt weiter ausbauen kann.
Parallel dazu müssen frühzeitig die Weichen für die Weiterentwicklung gestellt werden. Solange die entsprechenden Kapazitäten,
Flächen und politischen Rahmenbedingungen fehlen, bleibt der heutige Fokus auf die Entwicklung der bestehenden Infrastruktur die realistische und wirkungsvollste Entwicklungsstrategie.
Entscheidend für den Erfolg beider Szenarien ist eine kohärente, gemeinsam getragene Strategie aller relevanten Partner. Zürich verfügt als internationale Wissenschafts-, Innovationsund Kongressstadt über hervorragende Voraussetzungen.
Mit gezielt erweiterten Kapazitäten und einer abgestimmten Ausrichtung aller Stakeholder kann dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden. So stärken Kongresse nicht nur den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Austausch, zur Wissensvermittlung und zur Lösung zentraler Zukunftsfragen.