Das Magazin für Mitarbeitende der Katholischen Kirche im Kanton Zürich
N˚4, Dezember 2025
Neuer Fonds der katholischen Schulen für Kinder Seite 4
Interreligiös Weihnachten feiern Seite 12
Erinnerung an Jochen Klepper in c-Moll Seite 16
«Es braucht eine Revolution» Interview mit Bischof Joseph Maria Bonnemain im Fokus zum Bistumstag ab Seite 6
Dezember 2025
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Editorial
Mehr Licht und Frieden
Luis Varandas, Generalvikar Foto: Archiv
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Credo N˚4
Das Heilige Jahr neigt sich dem Ende zu, das Bistumsjahr ist auf Kurs. Im Heiligen Jahr waren und sind wir eingeladen, als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung, gestärkt im Glauben, unterwegs zu sein. Das Bistumsjahr hat den Aufruf von Papst Franziskus aufgegriffen und für die Menschen im Bistum Chur konkretisiert. Daraus ist das Motto «Hören – Handeln – Hoffen» entstanden. In seinem Interview in dieser «Credo»-Ausgabe berichtet Bischof Joseph Maria Bonnemain, was er darunter versteht und warum dieses Bistumsjahr für ihn und für das ganze Bistum von grosser Bedeutung ist. Das Bistum Chur hat eine lange Geschichte. Es ist eines der ältesten Bistümer nördlich der Alpen. Seine Geschichte ist sehr lebhaft und von verschiedenen Ereignissen geprägt. Jede Zeitepoche hinterlässt seine Spuren und prägt die Zukunft. Mit dem Bistumsjahr, das wir gemeinsam als Glaubensgemeinschaft begehen, wollen wir eine Spur der Einheit in der Vielfalt hinterlassen und darauf aufbauen für die Zukunft des Bistums. In den Tagen vor Weihnachten kommt das Friedenslicht von Betlehem in der Stadt Zürich an – ein wunderbares Zeichen des Friedens. Das Motto lautet dieses Jahr «Frieden leben – einander Licht sein». Es soll uns anregen, in unserem Umfeld für mehr Licht und Frieden zu sorgen, so die Einladung des nationalen Trägerverbands Friedenslicht Schweiz. Im Licht der frohen Botschaft der Geburt unseres Erlösers wünsche ich allen frohe und gesegnete Weihnachten und Gottes Segen für das neue Jahr. Bleiben wir gemeinsam unterwegs im Hören – Handeln - Hoffen.
4 Aktuell
Schule für alle Schichten 5 Aktuell
Gamen für Werte 6-10 Fokus
Bistumstag Zürich 12 Engagiert
Raus aus den Schulden 14 Perspektiven
Der Blick auf das eigene Verhalten 15 Seelen-Nahrung
Ein Stern in jeder Hand 16 Ausläuten
Singt dem Morgenstern
Impressum credo credo erscheint vierteljährlich und geht an Mitarbeitende, Behördenmitglieder und Freiwillige der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.
Herausgeberin und Redaktion Katholische Kirche im Kanton Zürich Kommunikationsstelle Hirschengraben 66 8001 Zürich
N˚4, Dezember 2025 www.zkath.ch/credo credo@zhkath.ch Auflage: 3ʼ200 Expl.
Druck und Papier Staffel Medien AG, Zürich BalancePur: hergestellt aus 100% Recyclingfasern und mit dem Umweltlabel «Blauer Engel» zertifiziert
Layout Denis Schwarz, Zürich
Momentum
«Was sind gute Geschenke Kirche «Die Katholische und für wen machen Geschenke bewegt emotional. Darauf am meisten Sinn?»
sollte sie aufbauen.»
Diese Frage stellt die Installation der Designerin Fiona K. auf dem Weihnachtsmarkt Münsterhof in Zürich. David Schärer, Werber
Im November fanden die Dreharbeiten zum Reputationsfilm der Katholischen Kirche statt. Lanciert wird der 60-Sekunden-Spot zum Auftakt der Reputationskampagne im Frühjahr. Die Szene zeigt ein gemeinsames Essen, ein Zusammenkommen in Gemeinschaft, bei dem alle willkommen sind. So wie es dutzendfach in unseren Pfarreien und Kirchgemeinden und bei Essensausgaben für Bedürftige gelebt wird. Foto: Ansgar Wörner, Filmproduzent
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Aktuell
Zahlen & Fakten
Bis zu 700
Schülerinnen und Schüler besuchen die FKSZ.
100
Prozent der Schulgebühren können bei Annahme eines Antrages über die gesamte Schullaufbahn von 4. Primar bis zur Matura über den Fonds finanziert werden.
Beste Voraussetzungen für schulischen Erfolg
Seit über hundert Jahren stehen die Freien Katholischen Schulen Zürich (FKSZ) für einen Bildungsansatz, der Wissen, Werte und Menschlichkeit verbindet. Dank eines neu geäufneten Fonds macht die FKSZ Bildung unabhängig von der finanziellen Situation der Familien möglich. Text: Saskia Richter
94
Prozent der Eltern empfehlen die FKSZ gemäss einer anonymen Umfrage weiter.
91
Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben in einer anonymen Umfrage an, dass sie sich wohl in ihrer Klasse fühlen.
54
von 74 Zürcher Kirchgemeinden sind Mitglieder der FKSZ Zürich und unterstützen diese auch finanziell.
36
Klassen gibt es, von der Primarstufe bis zum Gymi.
2,3
Millionen Franken beträgt die Unterstützung der FKSZ durch die Katholische Körperschaft für das Jahr 2026.
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Credo N˚4
DIe FKSZ bieten ein ideales Lernumfeld für Kinder und Jugendliche. Foto: zVg
Privatschulen stehen im Ruf, Schulen für Reiche zu sein, denn hier muss im Gegensatz zur öffentlichen Schule ein Schulgeld bezahlt werden. Aber Privatschulen bieten manchen Vorteil – gerade auch für Kinder, die sich in der öffentlichen Schule nicht zurechtfinden. Damit auch Kinder aus Familien mit geringem Einkommen ihre Schulen besuchen können, haben die FKSZ einen Bildungsfonds eingerichtet. Dieser wird von einer katholischen Stiftung getragen. Generell orientiert sich das in Zürich weitgehend einzigartige, einkommensabhängige Schulgeldsystem am steuerbaren Einkommen und Vermögen der Eltern. Der neu geschaffene Fonds ermöglicht es nun Schülerinnen und Schülern aus einkommensschwachen Familien, ihre gesamte Schullaufbahn ohne Schulgeld zu durchlaufen. Privatschule trotz geringem Einkommen Über den Bildungsfonds können Familien nach dem Aufnahmegespräch oder bis spätestens Ende März für das kommende Schuljahr ein Gesuch für neueintretende Kinder und
Jugendliche stellen. Jedes Gesuch wird sorgfältig und diskret geprüft. Ist der Antrag genehmigt, erhalten die entsprechenden Schülerinnen oder Schüler die Möglichkeit, ihre gesamte Schullaufbahn an den FKSZ ohne Schulgeld zu absolvieren. Bildung lebt von Vielfalt Mit ihrem Modell verfolgen die Freien Katholischen Schulen Zürich das Ziel, eine qualitativ hochwertige katholische Bildung mit sozialer Verantwortung zu verbinden. Das Zusammenspiel von wirkungsvollem Unterricht, enger Begleitung beim Lernen, überschaubaren Klassengrössen und finanzieller Unterstützung beim Schulgeld soll sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer Herkunft die bestmöglichen Voraussetzungen für ihren weiteren Bildungsweg erhalten.
Für die Anmeldung bei der FKSZ mit QR-Code: https://www.fksz.ch/ anmelden/
Aktuell
Pfarrei St. Georg, Elgg
Personelles
Wir begrüssen
Wojciech Kaszczyc startete am 1. September als Pfarrer in solidum in den Pfarreien St. Anton und Maria Krönung in Zürich im Seelsorgeraum St. Anton-Maria Krönung – gemeinsam mit Pfarrer Andreas Rellstab. Audrius Micka wirkt seit 1. September in der Pfarrei St. Mauritius in Bonstetten als Pfarrer.
Gamen – Warum nicht? Was haben Gaming-Nachmittage in der Kirche zu suchen? Auf den ersten Blick vielleicht nichts. Doch die Pfarrei in St. Georg, Elgg, hat sich gesagt: Warum nicht? «Das Gamen ist bei Jugendlichen ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens», sagt Gemeindeleiter Jürgen Kaesler. «Wir sind überzeugt, dass wir damit sinnvolle und positive Wirkungen erzielen können.» Diese Nachmittage würden eine Gelegenheit schaffen, sich in einem lockeren Umfeld zu begegnen. «Durch die Spielangebote kommt wir leichter und niederschwelliger mit Jugendlichen ins Gespräch», so Kaesler. Spiele enthalten moralische Entscheidungen, Kooperation und Konflikte. «In Gesprächen rund ums Spielen lassen sich Werte wie Fairness, Verantwortung, Mitgefühl oder Vergebung thematisieren», so der Gemeindeleiter, «ganz alltagsnah und ohne Zeigefinger.» Kaesler sieht bei den Treffen einen weiteren Vorteil, dass nämlich für einmal nicht alleine gespielt wird. «Vor Ort zu spielen, digital oder analog, hilft, echte soziale Kontakte zu knüpfen und Einsamkeit vorzubeugen», ist er überzeugt. Die Gaming-Nachmittage bieten zudem Gelegenheit, auch über den bewussten Umgang mit digitalen Medien zu sprechen und über Spielzeiten, Game-Käufe, toxisches Verhalten in Online-Spielen oder den Datenschutz. «Solche Veranstaltungen zeigen, dass Kirche nicht rückständig ist, sondern offen für moderne Lebenswelten.» Und das – ist Kaesler überzeugt – kann das Image der Kirche positiv verändern. Gaming-Nachmittag für Jugendliche Offener Treff, ohne Anmeldung, Pfarrei St. Georg, Winterthurerstrasse 5, 8353 Elgg Infos bei Jürgen Kaesler kaesler@kathelgg.ch Telefon 052 364 24 13
Silvana Bartels-Gianelli ist seit 1. September neue Religionspädagogin bei der Seelsorge für Hör- und Sehbeeinträchtigte in der Behindertenseelsorge Zürich.
Tanja Haas Schmitt ist seit 1. September Seniorenseelsorgerin in der Pfarrei St. Felix und Regula in Thalwil.
Ante Jelavic wirkt seit 1. September als Spitalseelsorger am Kinderspital Zürich. Anika Trütsch ist seit 1. September Seelsorgerin in der Pfarrei St. Verena in Stäfa. Nathalie Jossen startete am 1. September bei ihrer Stelle als Leiterin der Asylzentrenseelsorge und Theologin im Praxisjahr.
Ingrid Bolliger ist seit 1. Oktober Pfarreibeauftragte a.i. in Co-Leitung in der Pfarrei St. Marien in Winterthur.
Marianne Pleines ist seit 1. Oktober Seelsorgerin m.b.A. und Pfarreibeauftragte a.i. in Co-Leitung in der Pfarrei St. Marien in Winterthur. Oliver van Grondel ist seit 1. Oktober neuer Fachmitarbeiter bei kabel.
Boris Kresko ist seit 1. November neuer Fachmann Finanz- und Rechnungswesen in der Verwaltung. Laura Sciano ist seit 1. November neue Seelsorgehelferin MCLI Kloten/Flughafen. Sie ist damit Nachfolgerin von Maria Rizzo, die Ende Oktober in Pension ging.
Judith Weber wird ab 1. Januar neue Beauftragte des Generalvikars für Pastoral und übernimmt somit die Nachfolge von Guido Estermann.
Sibylle Ratz übernimmt ab 1. Januar die Bereichsleitung Jugend, Bildung und Ökologie und verlässt auf Ende Jahr die Kommunikationsstelle. Sie wird somit Nachfolgerin von Susanne Brauer, die ab 1. Februar die Abteilung Lebenswelten der reformierten Landeskirche leitet.
Wir gratulieren
Spitalseelsorger Clemens Plewnia ist im November seit 30 Jahren für die Katholische Kirche im Kanton Zürich tätig, Ankica Blazevic, Haushälterin der Kroatischsprachigen Seelsorge, seit 25 Jahren und Pia Weber von der Personalabteilung seit 20 Jahren.
Wir verabschieden Karsten Riedl, Hagen Gebauer und Arthur Hermsdorf haben die Spitalseelsorge per 31. Oktober bzw. 30. November verlassen. Hauswart Pablo Argothy hat die Spanischsprachige Mission per 31. Oktober verlassen.
Katrin Blome hat per 30. November die Bahnhofkirche verlassen.
Pavol Saigalik wurde im Oktober zum neuen Militärbischof in seiner Heimat Slowakei geweiht und bleibt der hiesigen Slowakenmission nur noch bis Ende Jahr erhalten. Liegenschaftenverwalter Thomas Zumbrunnen geht auf Ende Jahr in den vorgezogenen Ruhestand. Elena Furrer beendet ihre Arbeit als Präventionsverantwortliche des Bistums Chur per Ende Januar.
Cayu Walter Suarez betreut seit 1. November als neuer Hauswart die Spanischsprachige Mission.
Veronika Ebnöther verstärkt seit 1. Dezember das Seelsorgeteam der Bahnhofkirche.
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Fokus: Bistumstag Zürich Bischof Bonnemain empfindet die Klause von Niklaus von Flüe als Kraftort, in dem er Energie tanken kann. Zu Beginn des Interviews nimmt er sich einen Moment Zeit für ein kurzes Gebet.
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«Wir sind noch zu klerikal» Es ist ein schöner Herbsttag in Flüeli-Ranft. Eigentlich ist es nicht wirklich verlockend, vom sonnigen Dorf hinunter in die Schlucht zur Klause von Niklaus von Flüe zu steigen. Aber genau hier will sich der Bischof zum Bistumsjahr und zur Zukunft des Bistums äussern. Text: Sibylle Ratz / Fotos: Linda Pollari
Warum hast du diesen Ort für das Interview gewünscht? Weil das, was Bruder Klaus vorgelebt hat, im Grunde die Ziele des Bistumsjahres sind. Und welche Ziele sind das? Hören: nicht das oberflächliche Hören, sondern in Gottesverbundenheit die Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen. Handeln: Das ist die zweite Säule. Diakonie, glaubwürdige Nähe zu Bedürftigen, Suchenden und Alleingelassenen zu pflegen. Die Menschen dürfen nicht im Stich gelassen werden, wie Gott uns niemals im Stich lässt. Hoffen: Selbst mit Gott verbunden bleiben und daraus die Botschaft des Evangeliums weitertragen. Wo tankst du selbst Kraft? Es gibt tatsächlich zwei Orte, die mir viel bedeuten. Der eine ist hier in Flüe-
Aus der bewegten Geschichte des Bistums Chur Quelle u.a.: Das Bistum Chur, Band I und II, Albert Fischer, UVK: 2017/19.
li-Ranft, in dieser Klause, der andere ist Einsiedeln. Bruder Klaus hat ein gelungenes Leben im Dienst für die Menschen geführt. Man könnte meinen, dass er hier isoliert lebte. Doch gerade durch seine Kontemplation, blieb er offen für die Anliegen ganz vieler Menschen, aus ganz Europa, die bei ihm Rat suchten. Mit dem Bistumsjahr willst du auch die Menschen ansprechen. Was ist dein Ziel mit dieser Initiative? Was soll am Schluss in Erinnerung bleiben? Die Idee war, ein Feuer zu entfachen. Wir sollen offen sein für alle Anliegen, eine Bewegung entwickeln, um immer wieder weiterzumachen. Mit dem Bistumsjahr haben wir die Leitplanken gesetzt. Die Dynamik soll nicht mit dem Anlass in Zürich zu Ende sein.
Und, konnte das Bistumsjahr bis jetzt Feuer und Dynamik entfalten? Ja und Nein. In Chur denke ich, ist es ganz gut gelungen. Den Anlass konnten wir mitten in der Stadt, auf dem Arcasplatz, durchführen. Es kamen viele andere Leute, die sonst nicht in Kontakt mit der katholischen Kirche sind. In der Innerschweiz war die Bistumsfeier anders. Es fand ein Sternmarsch aus allen Pfarreien der Urschweiz nach Ingenbohl statt. Obwohl das Wetter miserabel war, haben ebenfalls hunderte Menschen teilgenommen. Die drei Anliegen «Hören, Handeln, Hoffen» haben noch nicht das Wirken und die Programme der Pfarreien im Bistum geprägt. Ein offenes Ohr zu haben, reicht das? Das kann man nicht befehlen. Die einzige Möglichkeit, diese Lebensund Glaubenshaltung zu vermitteln, ist
Um 500
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wird das Bistum Chur von Mailand aus gegründet. Erster urkundlich genannter Bischof ist Asinio. Bistumspatron ist der heilige Luzius. Er wirkt im 5./6 Jahrhundert als Missionar in der Umgebung von Chur.
stellt Karl der Grosse dem Bischof von Chur, Constantius, für das Volk Churrätiens eine Schutzurkunde aus. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts existieren bereits rund 50 Pfarreien.
werden die ersten Domherren («fratres episcopi Curiensis») ernannt. Die ersten noch erhaltenen Statuten datieren zurück auf 1273.
werden die Prämonstratenser nach Chur berufen ins Kloster St. Luzi, das ab 1807 ein Priesterseminar ist. 1170 wird Bischof Egino (1160 bis 1170) als erster Churer Oberhirte als Fürstbischof bezeichnet.
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Fokus: Bistumstag Zürich durch Empathie, Zeugnis und Glaubwürdigkeit. Ich spreche manchmal von einer «Pandemie des Guten». Ich kann nur hoffen, dass das Feuer von Mensch zu Mensch weitergegeben wird. Was erwartest du für Zürich? Das Bistumsjahr soll sich nicht nur auf die drei Veranstaltungen beschränken. Ich möchte, dass Dynamik, Offenheit, Synodalität, die Botschaft der Freude, des Glaubens und des Friedens über dieses Jahr hinaus Wirkung entfalten, auch in den Pfarreien. Da geht noch mehr, erhoffe ich mir. Wie beurteilst du den aktuellen Zustand des Bistums, des «kranken» Bistums, wie du es selbst einmal bezeichnet hast? Am Anfang meines Wirkens als Bischof habe ich davon gesprochen. Es gab vor meiner Zeit einen Konflikt eines grossen Teils der Gläubigen mit dem Bischof. Die Beziehungen waren sehr distanziert. Diesen Graben sehe ich mittlerweile als überwunden. Wo siehst du die zentralen Probleme der katholischen Kirche? Unsere Probleme sind gleichzeitig die Schwäche, die auch in der ganzen Weltkirche vorhanden ist. Man denkt: Die Institution Kirche, die Verantwortlichen der Kirche, sollten die Lösungen bringen. Aber es ist an uns selbst, diese Lösungen zu suchen und zu finden. Jeder und jede ist Kirche. Auch Frauen? Jeder Mensch, jeder Gläubige, jeder Mann, jede Frau, ich selbst, kann die Welt verändern, wenn ich mit Christus verbunden bin. Christinnen und Christen müssen bereit sein, in der Nachfolge Christi eine neue Welt zu schaffen. Dieses Bewusstsein ist noch zu wenig vorhanden. Wir sind noch zu klerikal.
Was verstehst du unter klerikal? Wenn man meint, die Ordensleute, die Kleriker, die Priester, die Bischöfe seien wichtiger als alle Getauften. Das stimmt nicht.
Evangelium für die heutige Zeit ein Geschenk ist. Er muss glaubwürdig und nahe bei den Menschen sein in allen Lebenslagen.
Wie sind die Probleme zu lösen? Es braucht eine «Revolution» des Christentums. Wir können nur eine neue, gerechtere Welt schaffen, wenn alle mitmachen, sich alle engagieren. Dies aber bescheiden, ganz offen für andere Meinungen, im Dialog mit allen. Wir müssen demütig gemeinsam die Wahrheit suchen. Von daher: Ich bin und bleibe ein Suchender bis zum letzten Tag. Diejenigen, die von sich behaupten, die Wahrheit gefunden zu haben, sind nicht reif im Glauben.
«Die Bischöfe sind nicht wichtiger als die anderen Menschen.»
Voraussichtlich in knapp drei Jahren, zu deinem 80. Geburtstag, endet deine Amtszeit. Was wünschst du dir für das Bistum? Ich hoffe, dass in diesen drei Jahren die Dynamik, der Schwung, dieses Feuer ein wenig kräftiger geworden sind und weitergetragen werden.
Joseph Maria Bonnemain
Was für einen Bischof braucht das Bistum nach dir? Eine Person, die überzeugt ist, dass das
Wird es im Sinne einer synodaleren Kirche auch eine Mitwirkung des Volkes Gottes bei der Auswahl des nächsten Bischofs geben? Die Bischofsernennungen sind eine wichtige Frage bei der Weltsynode. Ich hoffe, dass bis Oktober 2028, wenn die-
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1806
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erhält das Domkapitel Chur (bis 1806) das freie Bischofswahlrecht.
breitet sich die Reformation auf dem Territorium der Drei Bünde aus. Von 191 Pfarreien nehmen 62 den neuen Glauben an. Von Ende des 16. bis Mitte des 17. Jahrhunderts findet im Bistum Chur die innerkirchliche Reformarbeit statt.
wird der Bestand des Domkapitels Chur kurial fixiert in 6 residierende und 18 nicht-residierende Domherren. Das gilt bis heute.
markiert den Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1816 endet das Bistum Chur in seinen alten historischen Grenzen; die österreichischen Anteile werden an Brixen und Trient abgegeben.
wird das Bistum Konstanz aufgehoben und zwei Jahre später das Doppelbistum ChurSt. Gallen gegründet. Die Bistumskantone Uri, Ob- und Nidwalden, Glarus und Zürich sind seit 1819 Administra-
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Credo N˚4
tionsgebiete, welche dem Churer Bischof zugeordnet sind.
se Synode zu Ende geht, das auch entsprechend geklärt sein wird. Das soll sich auch auswirken für die Wahl des neuen Bischofs von Chur. Im Bistum Chur erhält das Domkapitel drei Namen möglicher Kandidaten, damit das Domkapitel daraus den Bischof wählt. Es gibt aber viele Wege, wie sich das Volk an der Auswahl der Kandidaten beteiligen könnte. Vor ein paar Monaten hast du die Katholikinnen und Katholiken im Bistum gefragt, ob es neue Weihbischöfe geben soll. Mit welcher Absicht hast du diesen Konsultationsprozess eingeleitet? Es war mein Wunsch, einen oder zwei Weihbischöfe zu haben. Mein Wunsch spielt aber eigentlich keine Rolle.
Warum? Es geht nicht um die Erfüllung eines persönlichen Wunsches, sondern darum, was für die Diözese gut sein kann. Es geht auch nicht um meine Entlastung, sondern um eine Ausweitung meines Wirkens. Ein Bischof sollte in allen Wirklichkeiten präsent sein, bei den Leuten. Ich bekomme unzählige Einladungen. Aber ich schaffe es nicht, überall vor Ort zu sein. Als Weihbischof möchte ich keinen Büromenschen. Ich will jemanden, der raus zu den Menschen geht, der charismatisch ist. Es hängt nun davon ab, ob der Papst das eine gute Idee findet. Noch vor dem Sommer habe ich ihm geschrieben. Es ist nicht einfach, die richtige Person zu
finden. Aber der Heilige Geist ist immer phantasievoll. Ist das dann schon eine Vorentscheidung für deine Nachfolge? Nein, wenn es einen oder zwei Weihbischöfe gibt, dann ganz bestimmt ohne Nachfolgerecht. Auf keinen Fall! Was ist eigentlich aus der Diskussion um ein Doppelbistum ChurZürich geworden? Ich habe nie von einem Doppelbistum gesprochen. Mein Ziel ist, dass alle Gebiete, die seit 230 Jahren provisorisch dem Bischof von Chur als apostolischem Administrator anvertraut wurden, völlig ins Bistum integriert werden. Dies betrifft Zürich, einen Teil des Kantons Uri, von Obwalden, Nidwalden und Glarus. Das Anliegen der Zusammenführung bleibt aktuell, auch wenn es praktisch nur juristisch einen Unterschied macht. In meiner Amtszeit möchte ich das noch erreichen. Wie gehst du vor? Dazu braucht es ein Dekret vom Papst. Ich werde diesen Antrag nicht stellen ohne Konsultation der Seelsorgenden, der Kantonalkirchen und der Regierungen. Ich hatte das mit Bischof Amédée bereits weit vorangebracht Aber dann hat der Papst den Rücktritt von Bischof Amédée angenommen und das Projekt blieb liegen. Wie sieht es mit dem Erzbistum Liechtenstein aus? Das wird ein Erzbistum bleiben. Das ist kein Thema.
nen zweiten Bischofssitz geben. Der historische Sitz ist und bleibt in Chur. Zürich macht aber mehr als die Hälfte des Bistums aus. Daher halte ich eine Kon-Kathedrale für angebracht. Und welche Kirche soll diese Kon-Kathedrale sein? Dazu kann und werde ich noch nichts sagen (lacht). Ich habe meine Präferenzen. Auch das werde ich sicher nicht alleine entscheiden.
Was ist dein persönlicher Wunsch für den Bistumsanlass in Zürich? Ich habe schon lange den Wunsch gehabt, dass ein solcher Anlass in der Bahnhofshalle in Zürich stattfindet: präsent mitten in der Welt, wo das Leben pulsiert, wo die Menschen sich begegnen. Das ist ein kleines Statement, wenn wir dort Gottesdienst feiern. Es soll ein freudiges Fest des Glaubens sein für alle Menschen, unabhängig von Konfession und Religion.
Sind die Pläne einer Kon-Kathedrale in Zürich, also einem zweiten Bischofssitz, noch ein Thema? Ja. Das ist auch ein Wunsch, den ich mit mir trage. Ich hätte gerne eine Kon-Kathedrale in Zürich. Es wird aber kei-
Dürfen wir zum Abschluss des Bistumsjahres mit einer grossen Überraschung rechnen? Ist bis dann die Frage des Weihbischofs geklärt? (schmunzelt) Die Anfrage nach einem Weihbischof ist in Rom deponiert. Wir rechnen mit einer Antwort vor Ende Jahr. Dann kann ich Kandidaten vorschlagen. Wir werden sehen.
1869/70
1874
1948
1968
wird das Val Poschiavo an das Bistum Chur überführt. Seit 1870 gehören die Bistumskantone Graubünden (vollumfänglich), Schwyz (seit 1824), das Urserntal (seit jeher) und das Fürstentum Liechtenstein (bis 1997) zum Bistum Chur.
wird für die römischkatholischen Gläubigen im Zürcher Quartier Aussersihl eine Notkirche geschaffen. Daraus entsteht die «Mutterkirche» von Katholisch-Zürich: St. Peter und Paul.
erlässt Rom neue Regeln für die Bischofswahl: Das Domkapitel wählt den Kandidaten aus einer von Rom vorgelegten Dreierliste (Terna).
wird die Theologische Hochschule Chur errichtet.
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Fokus: Bistumstag Zürich
Das erwartet uns am Bistumstag in Zürich Text: Manuela Moser
Der Engel von Niki de Saint Phalle schwebt in der Halle des Hauptbahnhofs und über dem Bistumstag. Foto: zVg
Ein grosses Glaubensfest mitten im Herzen von Zürich, nah bei den Menschen: Das war ursprünglich der Traum von Bischof Joseph Maria Bonnemain. Nun wird er Wirklichkeit. Am 31. Mai laden die Zürcher Katholikinnen und Katholiken zum Bistumstag im HB Zürich ein. Vor knapp zwei Jahren hatte Bischof Bonnemain die Idee, anlässlich des Heiligen Jahres 2025 ein eigenes Bistumsjahr auszurufen. «Es geht darum, eine Dynamik im Bistum zu entfachen, die wie Sauerteig und Katalysator mitten in der Gesellschaft wirken sollte», regte er an.
1988 ernennt Papst Johannes-Paul II. Wolfgang Haas zum Koadjuturbischof von Chur, mit dem Recht auf automatische Nachfolge. Das Wahlrecht des Domkapitels wird so von Rom ausgehebelt. Die Bischofsweihe findet trotz massiver
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Proteste von Klerus und Kirchenvolk statt. 1990 wird Haas Nachfolger von Johannes Vonderach und stürzt mit seinem konservativen Kurs das Bistum in die tiefste Krise der neueren Geschichte.
Am Dreifaltigkeitssonntag, 15. Juni dieses Jahres, war es soweit: Der Startschuss für die Glaubensfeste in den drei Bistumsregionen fiel in der Altstadt von Chur, auf dem Arcas Platz. Unter freiem Himmel, vor rund 800 Menschen, setzte der Bischof seine Predigt unter das Motto des Heiligen Jahres «Pilger der Hoffnung», sowie die drei Pfeiler des Bistumsjahres: Synodalität, Diakonie und Evangelisierung. Evangelium mitten im Leben In den einfachen Begriffen «Hören, Handeln und Hoffen» finden sie ihren konkreten Ausdruck. Anders gesagt
sollen Synodalität (Hören), Diakonie (Handeln) und Evangelisierung (Hoffen) helfen, das Evangelium nicht nur theologisch zu begreifen, sondern aktiv im Leben zu verankern. Ende September folgte der Begegnungstag in der Urschweiz auf dem Klosterhügel Ingenbohl in Brunnen, der mit einem Sternmarsch begann und mit einem Wortgottesdienst endete. Auch hier gelang es, Menschen zu versammeln und zusammen zu bringen. Den Abschluss des Bistumsjahres bildet nun der 31. Mai in Zürich. Nicht irgendwo, sondern bewusst mitten unter den Menschen: am HB Zürich,
1991
1993
wird die «Konferenz der kantonalen staatskirchenrechtlichen Organisationen im Bistum Chur» gegründet (Biberbruggerkonferenz) als Reaktion auf die Amtsübernahme durch Bischof Haas.
stellt Rom mit Peter Henrici und Paul Vollmar zwei Weihbischöfe zur Seite, um die Lage zu entspannen.1997 errichtet der Vatikan ein eigenes Erzbistum Liechtenstein. Haas wird dessen erster Erzbischof.
dem Nadelöhr der Grossstadt und dem grössten Bahnhof der Schweiz. Der Bischof wird zusammen mit Luis Varandas, Generalvikar der Bistumsregion Zürich-Glarus, den Dienststellen, den Missionen und den engagierten Pfarreien Gastgeber sein; auch der Synodalrat Zürich ist beteiligt. So wird das Fest ein wahres duales Zusammenspiel und ist offen für alle.
«Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass schon heute viel Kirche hinter sozialen Angeboten steckt und dass Passanten niederschwellig mit verschiedenen Playern ins Gespräch kommen können.»
trotzdem eine gute Sicht haben, denn das Geschehen wird auf einer grossen Leinwand übertragen. Nach dem Gottesdienst bietet die Kirche ein Mittagessen zu einem symbolischen Preis von 5 Franken an, es
«Am Bistumstag können wir die Hoffnung auf einen Kanton Zürich sichtbar machen, in dem alle Menschen genug zum Leben haben. Darin liegt die grosse Chance des Bistumstags: im gemeinsamen Handeln für eine solidarische Zukunft.»
Björn Callensten, Direktor Caritas Zürich
Die 30 Stände eröffnen um 10 Uhr. Dort stellen sich die Dienststellen der Kirche vor, von der Spitalseelsorge über die Caritas bis zu den anderssprachigen Missionen. Um 10.30 Uhr wird der Gottesdienst mit dem Bischof gefeiert. Wer auf den rund 400 Sitzplätzen keinen Platz findet, wird in der Halle
wird in Gemeinschaft zusammen an Tischen gegessen, bevor das Bühnenprogramm ab 13.30 Uhr beginnt – hier darf man sich von einem bunten Programm von Talks, Gesängen und Tänzen überraschen lassen. Auf einem «Plauderbänkli» lassen sich der Bischof und andere Exponenten der Kirche zu einem Schwatz nieder. Nahbar und bei den Leuten soll dieses Fest über die Bühne gehen. Um 16 Uhr ist die Veranstaltung am HB fertig – den besinnlichen Schlusspunkt bildet die ökumenische Vesper im Grossmünster um 16.30 Uhr. Gemeinsam mit Glaubensgeschwistern anderer Konfessionen feiern wir dort einen Abend-Gottesdienst mit einem ökumenischen Impuls von Kirchenratspräsidentin Esther Straub und dem Bischof.
1998
2019
Sabine Zgraggen, Dienststellenleiterin Spital- und Klinikseelsorge
findet die erste Bischofswahl durch das Domkapitel Chur nach dem Wahlmodus von 1948 statt. Gewählt wird aus der von Rom vorgelegten Dreierliste Amédée Grab OSB (1998–2007). Sein Nachfolger Vitus Huonder,
regulär gewählt, knüpft am konservativen Kurs von Wolfgang Haas an. Die Entfremdung von Bischof und grosser Teile des Klerus wie des Kirchenvolks verfestigt sich.
«Bald beginnt ein neues Jahr», schreibt ein Pfarrer auf seiner Website mit Verweis auf das Bistumsfest in Zürich. «Im Winter, wenn Vieles ruht, wächst im Verborgenen schon Neues. Möge dieses Bistumsjahr uns
weigert sich eine knappe Mehrheit des Domkapitels Chur, den Nachfolger von Bischof Vitus Huonder (2007–2019) aus dem Dreiervorschlag aus Rom zu wählen. 2021 ernennt Papst Franziskus
Joseph Maria Bonnemain zum Churer Bischof. Mit ihm setzt ein Prozess der Überwindung jahrzehntelanger Spaltung im Bistum ein. 2024 stirbt Vitus Huonder und wird auf eigenen
helfen, genau das wahrzunehmen: dass Gott mit uns geht – Schritt für Schritt, durch die Dunkelheit hin zum Licht.»
Weitere Hinweise zum Bistumstag Über diesen QR-Code:
https://www.bistum-chur.ch/ bistumstag-zuerich.html
Wunsch nicht in Chur, sondern bei der schismatischen Pius-Bruderschaft in Ecône beigesetzt.
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Engagiert
Auswege aus der Schuldenspirale Text: Sibylle Ratz, Quelle: Armutsforum Caritas Zürich
Es ist wichtig, offen über finanzielle Sorgen zu reden. Foto: zVg
«Wer ist schuld an Schulden?», so das rum ist es wichtig, früh hinzuschauen Thema des jüngsten Armutsforums und zu handeln. Der Ansatz der Frühervon Caritas Zürich. kennung und Frühintervention kann In der Schweiz lebt gemäss aktuel- dabei helfen. len Zahlen des Bundesamtes für StatisHinschauen und handeln können tik jede siebte Person in einem Haushalt wir alle. Und so mithelfen, dass Schulmit Zahlungsrückständen. Im Kanton den gar nicht erst entstehen. Es gibt AnZürich liegt die Schuldnerquote ge- zeichen, die auf finanzielle Schwierigmäss der Wirtschaftsauskunftei CRIF keiten hinweisen, zum Beispiel, wenn mit 4,5 Prozent leicht tiefer als im sich eine Person in einer Krisensituatigesamtschweizerischen Durchschnitt on befindet (Trennung, Krankheit, Ar(5,6 Prozent). Die höchste Verschuldung beitslosigkeit). Es gibt Merkmale für haben Männer zwischen 40 und 44 Jah- finanzielle Probleme (offene Rechnunren (10 Prozent). gen, voller Briefkasten, ZahlungsbeFinanzielle Sorgen haben oft weit- fehl. Oder der Person geht es nicht gut reichende Folgen. Auch die Gesundheit (Rückzug, Müdigkeit, Stress). kann darunter leiden: körperlich, psyWer solche Zeichen bemerkt, sollchisch und sozial. Menschen mit fi- te sich nicht scheuen auch mal zu frananziellen Schwierigkeiten verzichten gen, wie es der Person geht und auch häufiger auf Gesundheitsleistungen, er- nach der finanziellen Situation fragen. leben mehr Stress, Schlafstörungen und Wer Geld frühzeitig anspricht, hilft depressive Symptome und fühlen sich mit, dass aus kleinen Problemen keihäufiger einsam. ne grossen werden. Sind bereits Schulden vorhanden, empfiehlt sich eine Geldfragen ansprechen Schuldenberatung. In der Schuldenberatung von Caritas Zürich zeigt sich, Viele Menschen mit Geldsorgen suchen dass es dringend rechtliche Anpassunerst spät Hilfe. Je länger die Belastung gen im Betreibungswesens braucht: anhält, desto schlimmer wird sie. Da- eine Einberechnung der Steuern im
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betreibungsrechtlichen Existenzminimum (BEX), höhere Mietzinse im BEX und ein Sanierungsverfahren mit Restschuldbefreiung. Ebenso wäre die Einführung eines Direktabzugs der Steuern vom Lohn eine grosse Hilfe.
Angebote im Kanton Zürich Schuldenberatung Caritas Zürich Kontaktaufnahme über die telefonische Kurzberatung: Telefon 044 366 68 28 Schuldenberatung Kanton Zürich www.schulden-zh.ch Kostenlose Präventionsangebote Schuldenprävention Stadt Zürich stadt-zuerich.ch/ schuldenpraevention
Unsere Kirche Zwischen Büro und Bühne: Andreas Reinhart von Caritas Zürich (l.) und sein Alter Ego Fotos: zVg
Tipp 1: Licht im Advent Es gibt viele Adventsbräuche, welche die Zeit des Wartens auf die Geburt Jesus prägen und die auf seine Ankunft vorbereiten sollen. Auch wir möchten diese Tage bis Weihnachten nutzen und die Zeit des Wartens mit unserer Social-Media-Adventsserie erhellen. Freuen Sie sich an den Adventswochenenden auf vier spannende Persönlichkeiten aus der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, deren Licht sogar schon Fernsehbühnen erhellte. https://www.instagram.com/zhkath/
Tipp 2: Silberhochzeit Vom 17. bis 18. Januar 2026 feiern wir mit der Reformierten Kirche im Kanton Zürich Silberhochzeit. Zum 25. Mal sind wir mit einem gemeinsamen Stand auf der Hochzeitsmesse im Kongresshaus mitten in Zürich vertreten. www.josy.ch/hochzeitsmesse/zuerich
Tipp 3: Im Garten Gartentechnisch sind wir 2026 erst zum zweiten Mal gemeinsam unterwegs. Nach erfolgreicher Präsenz auf der grössten Schweizer Gartenmesse Giardina 2025 werden wir vom 11. bis 15. März erneut zusammen mit den Reformierten einen Stand haben. https://www.giardina.ch/de
Mein Hobby
Gnadenloses Geballer Ich war 12, vielleicht schon fast 13, als es passierte: Mein Bruder brachte ein paar Metallica-Scheiben nach Hause – wahrscheinlich um die Eltern zu ärgern, man weiss es nicht genau. Weiter interessiert scheinen ihn die Platten jedenfalls nicht zu haben, dafür mich umso mehr: Nach ein paar Durchläufen machte es irgendwo in meinem Hirn «Klick», und das wars. Heavy Metal. Der perfekte Soundtrack für die Pubertät: Grösse, Wildheit, Gefahr, Pathos, gnadenloses Geballer, endlose Gitarrensolos. ( Ja, Solos. Nur Streber sagen Soli.) Und laut musste es sein. Logisch: Eine Gitarre musste her! Und ein Verstärker! Und eine Band! Tatsächlich: Es folgten Auftritte mit verschiedenen Formationen – die erste hiess Österlü und war die Band der Stunde an der Kanti Wiedikon. 40 Jahre nach meiner Stromgitarren-Epiphanie ist die Plattensammlung diverser und die Haare sind schon lange ab. Aber wenn der Schalldruck aus dem Marshall-Amp die Hosenbeine flattern lässt, macht es immer noch «Klick» – und da ist er wieder, der fast 13-Jährige. Old love never dies.
Andreas Reinhart (52) arbeitet seit 2018 im Kommunikationsteam von Caritas Zürich, unter anderem als Mediensprecher. Er lebt in Zürich und hat drei Töchter. Seine aktuelle Band heisst Mirto Massaker und spielt seit 25 Jahren Coverversionen von grossen Metalsongs.
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Perspektiven
Spielerisch sich selbst entdecken Text: Maria Kolek, Dienststelle Spital- und Klinikseelsorge, Leitung Fachbereich Psychiatrieseelsorge und Regionalleitung
Die Klinik- und Spitalseelsorge hat sich mit der praktischen Umsetzung des Verhaltenskodex im Berufsalltag intensiv auseinandergesetzt und bietet diese Reflexionen jetzt auch anderen Stellen an. Foto: Maria Kolek
Zur täglichen Arbeit der Spitalseelsorge gehören auch emotionale und körperliche Nähe zu den Kranken, Sterbenden und Angehörigen. Deshalb ist für uns der Verhaltenskodex sehr relevant. Eine Projektgruppe aus Maria Kolek Braun (Dienststelle Spital- und Klinikseelsorge), Bernd Siemes (USZ) und Markus Holzmann (Triemli) hat die Vorgaben für unsere Arbeit im Spital durchleuchtet. Herausgekommen ist «kein neues Papier», sondern ein Arbeitsinstrument mit Fragen, die konkrete Situationen im Spital und in der Klinik thematisieren. Sie wollen der Reflexion des eigenen Verhaltens dienen und für bewusstes und verantwortungsvolles Handeln sensibilisieren. Herausgekommen ist auch noch ein Spiel. Es erlaubt auf spezielle Wei-
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Credo N˚4
se, schwierige Situationen und unbewusstes Verhalten besprechbar zu machen. Es ist ja immer leicht gesagt, dass wir uns achtsam, reflektiert und differenziert in Seelsorgesituationen verhalten. Aber jeder und jede hat auch eigene blinde Flecken. Situationen können unterschiedlich wahrgenommen werden. Es gibt hierbei kein «Richtig oder Falsch». Wichtig ist, dass wir die Grundsätze unseres Handelns jederzeit transparent machen können. In den Seelsorgebüros aller Spitäler und Kliniken ist dieses Spiel vorhanden und kann in ökumenischen Teams und in den Regionalgruppen gespielt werden. Sich einfach eine Stunde Zeit nehmen und eigene Reaktionen und Sätze, die wir sprechen würden, Handlungen, die wir vollziehen würden, diskutieren. Dass es dabei durchaus mehrere Lösungen geben kann, liegt in der Natur der
unterschiedlichen Persönlichkeiten – andererseits kann es inspirieren, eine Situation auch mal von einer anderen als der eigenen Perspektive zu sehen. Zunächst im Spiel, dann auch in der täglichen Arbeit.
Verhaltenskodex «Verhaltenskodex zum Umgang mit Macht. Prävention von spiritueller Macht und sexuellem Missbrauch – Praxis Spitalseelsorge» und das Spiel können in einer Box bei spitalseelsorge@zhkath.ch für 20 Franken erworben werden.
Seelen-Nahrung
Für alle einen Stern Von Edith Weisshar-Aeschlimann
Edith WeissharAeschlimann ist Seelsorgerin in den Bundesasylzentren (BAZ) Embrach und Dübendorf.
Da Edith Weisshar-Aeschlimann pensioniert wird, beendet sie ihr Engagement für unser Magazin, auch wenn sie noch anfangs Jahr einige Zeit weiterarbeitet.
Ich freue mich auf unsere Weihnachtsfeier in Embrach. Wie jedes Jahr laden wir Geflüchtete in die katholische Kirche ein. Wir, das sind Musikerin Martina Zimmerli, interreligiöses Seelsorgeteam des BAZ Embrach, und Freiwillige. Willkommen sind alle. Am Weihnachtstag stellt uns die katholische Pfarrei die festlich geschmückte Kirche zur Verfügung. Trotz Sprachbarrieren begreifen die Eingeladenen, dass wir Christinnen und Christen vom Ort gerne unsere Freude mit ihnen teilen. Wir feiern die Geburt des Kindes in der Krippe. Nichtchristinnen und -christen ist zwar nur schon der Gedanke, dass Gott Mensch wird, fremd – aber Hand aufs Herz, begreife ich denn je die Bedeutung des Geschehens? Ein Neugeborenes ist Zeichen der Hoffnung – das will gefeiert sein und das verstehen Menschen mit unendlich viel Erfahrung von Leid und Ungerechtigkeit gut. Festlichkeit in das Geschehen bringt die Cellistin. Jedes Jahr mit einem anderen Repertoire. Flexibilität ist gefordert. Ein Grossteil der Feiernden erinnert sich kaum noch an ähnliche Momente. Mir kommen sie wie ausgetrocknete Schwämme vor. Ohne Wasser jeder Geschmeidigkeit beraubt. Dank der Kinder wird uns allen der Zugang zum Wasser erleichtert. Sie bringen Weihnachtslieder mit, in der Schule gelernt, von Martina souverän am Flügel begleitet. Manche Augenpaare blicken stolz Richtung Chor. Die Stimmung wird gelöster, Zeit für die Weihnachtsgeschichte nach Lukas. Danach jedem ein Stern, schwarz verpackt, in die Hand gelegt – Zeichen für das weihnächtliche Licht, uns heute geschenkt. Wir Feiernden zünden still auch eine Kerze an – dem Licht alle persönlichen Sorgen und Nöte anvertrauend. Das Lichtermeer unter dem Christbaum bietet nach dem Gottesdienst einen wunderbaren Hintergrund für Fotos. Es bleibt gerade noch Zeit für einen Apéro, bevor in der Kirche Weihnachten auf Italienisch gefeiert wird. Lieber Leser, liebe Leserin, du merkst, wie ich an Weihnachten reich beschenkt werde. Dasselbe wünsche ich auch dir.
Über zwei Jahre lang gab sie Einblicke in ihre Tätigkeit für und mit den geflüchteten Menschen in den Bundesasylzentren, so weit es möglich war. Wir danken ihr an dieser Stelle ganz herzlich für
ihr Engagement und ihre Beiträge im Credo. Im neuen Jahr werden wir einen neuen Gastautor oder eine Gastautorin begrüssen dürfen. Lassen Sie sich überraschen und bleiben Sie neugierig.
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Ausläuten
Der Tag besiegt die Nacht Text: Mario Pinggera
Sonnenaufgang in Richterswil. Der Tag ist nicht mehr fern! Foto: Mario Pinggera.
Das Lied findet sich in allen evangelischen Gesangbüchern im deutschen Sprachraum, sowie in den katholischen Gesangbüchern Gotteslob und KG (Nr. 310). Auf den ersten Blick mag dieser Liedtext altertümlich erscheinen. Kennt man jedoch den historischen Kontext, offenbart der Text eine ungeahnte Aktualität und Tiefe. Wer war also der Autor dieser Verse? Jochen Klepper (1903-1942) hatte Theologie studiert und war seit 1927 Mitarbeiter des deutschen Pressedienstes. Er verfasste sowohl Lyrik als auch Prosa. 1931 heiratete er Johanna Stein, die aus einer angesehenen jüdischen Familie entstammte und zog nach Berlin. Dort bekam er eine Stelle beim Rundfunk. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde er entlassen und konnte sich dank seines schriftstellerischen Erfolges ein kleines Einkommen sichern. Die Verfolgung der Juden macht jedoch auch vor seiner Frau und den beiden Stiefschwestern nicht Halt. Brigitte, die ältere Tochter, kann 1939 noch nach England ausreisen. Im Jahr 1940 wird Klepper zur Wehrmacht einberufen, 1942 aber wegen Führung einer «Mischehe» als «wehrunwürdig» aus der Wehrmacht entlassen. Sein Vorhaben, die jüngere Stieftochter und seine Frau vor der Deportation zu bewahren, scheitert. Auch ein direktes Verhandeln mit Adolf Eichmann ändert nichts mehr. In der Nacht auf den 11. Dezember 1942
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Credo N˚4
Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein. Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht. Gott selber ist erschienen zur Sühne für sein Recht. Wer schuldig ist auf Erden, verhüll nicht mehr sein Haupt. Er soll errettet werden, wenn er dem Kinde glaubt. Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah. Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her. Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt. Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht. Text: Jochen Klepper 1938; Melodie: Johannes Petzold 1939
nimmt er sich mit seiner Frau und der jüngeren Tochter das Leben. Die letzte Tagebucheintragung Kleppers lautet:
«Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – wir gehen in dieser Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.» In derselben Nacht übergibt Jochen Klepper seinem Nachbarn Hans Karbe alle Manuskripte, um eine sichere Aufbewahrung zu gewährleisten. Wären diese nach dem Freitod von den Nationalsozialisten gefunden worden, würden sie heute kaum mehr zugänglich sein. Jochen Kleppers Dichtung «Die Nacht ist vorgedrungen» könnte auch 2025 aktueller nicht sein. Wir sind eingeladen, diesen prophetischen Text unter den Klängen der Vertonung Petzolds zu vertiefen. Die Tonart ist c-Moll, eine Tonart, die Hoffnung und Sehnsucht gleichermassen auszudrücken vermag. Die Melodie ist nach oben gewandt mit einem grossen Tonumfang. Dies entspricht der Absicht des Dichters Jochen Klepper: Auch in tiefster Bedrängnis dominieren Hoffnung und Zuversicht, wohl wissend, dass das Böse, wann immer es auftritt, nicht von ewiger Dauer, sondern endlich ist. Gottes Atem der Liebe ist nicht nur länger, sondern ewig. Weihnachten ist Ausdruck dieser ewigen Liebe Gottes.