Kirche zeigt sich
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Viaduktbögen
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Reden Sie über Geld!
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Ein Blick hinter Mauern und mitten ins Leben zweier unterschiedlicher Klostergemeinschaften ab Seite 6

Beat Auer, Synodalrat Ressort
Migrantenseelsorge
Foto: Archiv
Klöster und Orden gehören zur DNA des Christentums. Auch wenn sie meist etwas Abgeschiedenes an sich haben, sind sie eben nicht eine in sich geschlossene «Bubble», sondern – wie das Kloster Fahr zeigt – geprägt durch eine grosse Weite. Sie schotten sich weder gegen «die Welt» ab noch gegen «die Zeit». Sie leben in der Welt und in der Zeit und müssen sich immer wieder den Gegebenheiten anpassen. So hält die Gemeinschaft im Fahr Mahlfeiern auch ohne Priester. Und im Stadtkloster ist eine ganz neue Form von Gemeinschaft entstanden, ökumenisch und offen für alle Lebensformen.
Das Klosterleben früher wie auch das von heute machen deutlich: Vielfalt ist nicht Defizit, sondern Reichtum. Wie es viele verschiedene Ordensgemeinschaften gibt, so gibt es auch ganz unterschiedliche Arten, Spiritualität und Gemeinschaft zu leben. Und ein solches Leben strahlt aus. Gerade für junge Menschen kann ein solcher alternativer Lebensentwurf ansprechend sein, wie die Reportage unserer Fachmitarbeiterin Kommunikation Leonie Maurer zeigt.
Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle allen Ordensgemeinschaften, die in unserem Kanton wirken, sowohl als spirituelle Zentren als auch in der pastoralen Mitarbeit in unseren Pfarreien, Missionen und Dienststellen. Sie leben das «Miteinander und Füreinander» exemplarisch vor und machen deutlich, dass Vielfalt Reichtum bedeutet.
Beat Auer
4 Aktuell Neue Wege der HIV-Aidsseelsorge
5 Aktuell Bühne frei!
6-10 Fokus Zwischen Welten Ein Blick hinter Klostermauern
12 Engagiert Zwischen Viaduktbögen
14 Perspektiven Oase in Oerlikon
15 Seelen-Nahrung Reden Sie über Geld!
16 Ausläuten Klösterliche Identitäten
Impressum credo credo erscheint vierteljährlich und geht an Mitarbeitende, Behördenmitglieder und Freiwillige der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. N˚2, Juli 2026 www.zkath.ch/credo credo@zhkath.ch Auflage: 3ʼ200 Expl.
Layout Denis Schwarz, Zürich
Herausgeberin und Redaktion Katholische Kirche im Kanton Zürich Kommunikationsstelle Hirschengraben 66 8001 Zürich
Druck und Papier
Staffel Medien AG, Zürich
BalancePur: hergestellt aus 100% Recyclingfasern und mit dem Umweltlabel «Blauer Engel» zertifiziert
«Geh
Lukas 14,21
«Was sind gute Geschenke und für wen machen Geschenke am meisten Sinn?»
Diese Frage stellt die Installation der Designerin Fiona K. auf dem Weihnachtsmarkt Münsterhof in Zürich.




Diese Einladung aus dem Lukasevangelium ist aktueller denn je. Kirche lebt dort, wo Menschen ihren Alltag verbringen. Mit dem Bistumstag am Hauptbahnhof und der Reputationskampagne «miteinander –füreinander» ist die katholische Kirche bewusst im öffentlichen Raum präsent. Offen, nahbar und im Gespräch mit den Menschen wird sichtbar, was Kirche seit ihren Anfängen ausmacht: der Wunsch, hinauszugehen, Begegnung zu ermöglichen und die Frohe Botschaft mitten ins Leben zu tragen.
Fotos Bistumstag: Dennis Baumann, Timo Rüede Fotos Plakate: Mediaschneider Fotos Kirchturm: Denis Schwarz


Zahlen & Fakten
18ʼ000
Menschen leben hierzulande mit HIV.
53
Prozent aller Beratungen in Zürich betreffen
Klientel mit HIV.
3 Teilzeitmitarbeitende arbeiten bei der HIV-Aidsseelsorge.
800
Mal wurde unsere Stelle im letzten Jahr von queeren Menschen kontaktiert.
60
Prozent unserer Klientel und Gäste leben mit HIV.
Seit über 35 Jahren begleitet die HIV-Aidsseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich Menschen mit HIV. Neu werden mit der Strategie 2026-2030 noch stärker jene in den Fokus gerückt, die oft mehrfach betroffen sind: vulnerable queere Personen, Geflüchtete, Menschen in prekären Lebenslagen oder ohne tragendes soziales Netz.
Text: Bruno Willi, Franziska Fernández

Ein Regenbogen an Beratungsmöglichkeiten. Foto: zVg
HIV ist behandelbar. Vorurteile nicht. Und Queer-Sein ist für viele Menschen noch immer mit Ausgrenzung, Unsicherheit oder Angst verbunden – auch heute, auch bei uns in Zürich.
Die HIV-Aidsseelsorge arbeitet genau an diesen Bruchstellen. Nun erweitern wir unsere Arbeit mit einer klaren Strategie für 2026 – 2030. Wir bleiben nicht stehen – wir gehen hin. Dorthin, wo Menschen sonst nicht gesehen werden. Wir verbinden Seelsorge mit Sozialarbeit, schaffen geschützte Räume und setzen uns aktiv gegen Stigmatisierung ein. Und wir machen sichtbarer, wofür wir stehen: eine Kirche, die Vielfalt nicht nur toleriert, sondern ernst nimmt und lebt.
Die römisch-katholische Kirche öffnet und finanziert Räume für Men-
schen in ihrer – auch sexuellen – Vielfalt? «Ich habe kirchlich nie Ablehnung gegenüber diesem sozialen Engagement erlebt», sagt Stellenleiter Bruno Willi. «Im Gegenteil: Eher Menschen, die da waren und gehandelt haben.» Der Mensch mit all seinen Facetten steht bei uns im Zentrum – mit dem neuen Konzept nicht mehr nur Menschen mit HIV, sondern queere Personen generell. Kirche wird dort relevant, wo sie hinschaut – auch dorthin, wo es herausfordert. «Genau da sind wir.»
Unsere Türen stehen auch immer offen für Pfarreien, Kirchgemeinden, Gruppen oder Schulklassen – also für alle Interessierten. Wir ermöglichen Begegnungen mit Menschen, die ihre Geschichte teilen. Direkt, ehrlich, manchmal fast schockierend – aber immer wirksam. hiv-aidsseelsorge.ch

Sankt Franziskus Stars – so nennen sich die Jungs und Mädchen, die bei Gregory Arcement in Wollishofen zur Musicalausbildung gehen. Der 62-jährige Jugendarbeiter der Pfarrei St. Franziskus ist selbst ein erfahrener Musicaldarsteller.
«Ich schaffe einen Raum, wo musische Talente entdeckt und Fähigkeiten vertieft werden können», sagt der gebürtige Amerikaner über sein Angebot. In San Diego hat er sein Musicaldiplom gemacht und dann vorwiegend an internationalen Schulen Regie und Musikunterricht erteilt.
Als er der Liebe wegen 1994 in die Schweiz gekommen war, hat er schon am zweiten Tag einen Job gefunden. Inzwischen arbeitet er seit zwölf Jahren als Jugendarbeiter für die Kirche.
Mit den Jüngsten probt er derzeit «Annie», das Erfolgsmusical aus dem Jahr 1977, das die Geschichte eines Waisenkindes erzählt, das nie den Mut verliert. «Die positive Botschaft ist hoffnungsvoll, heisst: Gib nie auf!», so der Jugendarbeiter.
Für die 12- bis 16-Jährigen gibt es dieses Jahr «Sister Act». «Auch dies ist eine positive Geschichte über den Zusammenhalt von Ordensschwestern und Schwestern generell», so Arcement. Last but not least üben die Grössten, die bis 24-Jährigen, ein selbst geschriebenes Musical «The Four Faces of love», also nach der griechischen Philosophie Eros, Philia, Storge und Agape.
Zum Schluss platziert der Musicallehrer noch einen Aufruf an die Jungs: «Kommt doch auch, getraut euch!». Was sind denn die Anforderungen? Gregory Arcement: «Die Bereitschaft zur Teamarbeit und eine Offenheit, alles auszuprobieren!»
Sankt Franziskus Stars:
Zentrum St. Franziskus, Grosser Saal, Kilchbergstrasse 1, 8038 Zürich
Jeden Donnerstag:
16.00 - 17.00 Uhr: 2. bis 5. Klasse
17.30 - 18.50 Uhr: 5. bis 8. Klasse
19.00 - 20.15 Uhr: Jugendliche und junge Erwachsene
Kontakt: Gregory Arcement, 044 485 56 05 (Mo. bis Fr.)
Nächste Aufführungen (Sister Act): Freitag, 25. September | Samstag, 26. September
Vedrana Jelavić ist seit 1. April neue Köchin und Haushalthilfe in der Kroatenmission.
Judith Haas arbeitet seit 1. April als Sachbearbeiterin Administration und Events im jenseits im Viadukt.
Valeria Rosenstock verstärkt seit 1. Mai das Team von kabel.
John Pinzon unterstützt seit 1. Mai die AKJs als Leitungsassistent.
Yordan Pashev arbeitet seit 1. Mai als orthodoxer Spitalseelsorger.
Samuel Malapati ist seit 1. Mai neue Fachperson für die Organisationsentwicklung Pastoral im Generalvikariat.
Philipp Eichmann verstärkt seit 1. Juni das Team ICT der Verwaltung.
Pavel Zupan arbeitet seit 1. März als Spitalseelsorger im Universitätsspital Zürich (USZ).
Paula Angermann Strasser verstärkt seit 1. März als Spitalseelsorgerin das Team im Kantonsspital Winterthur (KSW) und in der Integrierten Psychiatrie Winterthur (IPW).
Fernanda Censale feierte im April ihr 30-jähriges Dienstjubiläum bei der MCLI Don Bosco Zürich.
Sales Meier feierte im Juni 20 Jahre Spitalseelsorge.
Spitalseelsorger Alberto
Dietrich trat Ende Mai in den Ruhestand, Beni Stillhart, ehemaliger Leiter Mittelschulseelsorge, am 30. Juni
Tanja Gmünder verliess das Sekretariat der Jugendseelsorge auf den 30. Juni. Franz Xaver Hiestand gibt die Leitung des aki ab und startet im September in der Predigerkirche.
Nathalie Jossen verlässt aus familiären Gründen die Leitung der Asylzentren-Seelsorge.
Leonie Maurer beendet Ende Juni ihre befristete Aushilfe auf der Kommunikationsstelle, Gabriela Dudler verlängert ihr Engagement um weitere sechs Monate.
Martin Ruhwinkel von Caritas Zürich geht per August in den Ruhestand.
Sophia Sala schloss am 17. April ihr Praktikum bei kabel ab.
Gertrud Schuster von der Fachstelle Religionspädagogik geht in den Ruhestand.
Sebastian Thayyil hat Ende März die syro-malabarische Seelsorge in der Schweiz verlassen.
Am 15. Juni ist Angelika Hecht verstorben. Sie war Präsidentin des Seelsorgerates im Kanton Zürich sowie seit 2020 Präsidentin und Co-Präsidentin des Katholischen Frauenbundes Zürich.
«credo» braucht Ihre Mithilfe!
Senden Sie uns bitte die Adressen Ihrer Mitarbeitenden, aber auch jener wichtigen Freiwilligen in der Pfarrei, die an «credo» interessiert sind. Kontaktadresse: credo@zhkath.ch

Für kurze Zeit tauscht Leonie Maurer ihren
Stadtzürcher Alltag mit Bürojob in der Kommunikation gegen das Leben hinter Klostermauern: Ein Besuch in zwei anderen Lebensrealitäten und die Entdeckung von dem, was alle eint.
Text: Leonie Maurer | Fotos
Der Kies rund um den Laudato-si’-Garten knirscht unter meinen Schuhen, als ich unter einer Torricelli-Malerei zu stehen komme. Prompt geht ob mir ein Fenster auf und ein Kopf erscheint: «Warten Sie, ich muss nur schnell den Schlüssel holen». Kurz darauf steht Schwester Martina vor mir: Sie ist eine hochgewachsene Frau mit einem einnehmenden Lächeln und freundlichen blauen Augen.
Schwester Martina ist eine der Ordensschwestern des Klosters Fahr –meine erste Station auf dieser Entdeckungsreise. Der Alltag in Fahr ist seit 1130 nach der benediktinischen Regel gestaltet, besteht also aus aufeinanderfolgenden Phasen von Stille, Gebet und Arbeit – mein Tagesrhythmus während der nächsten 24 Stunden.
Der Schlüssel, der noch gefehlt hat, ist für mich: Damit komme ich durch die gesamten Klosterräumlichkeiten und natürlich in mein Zimmer. Mir stehen also buchstäblich alle Türen offen – abgesehen von der Klausur, dem Privatbereich der Schwestern. Auf dem Weg nach oben in mein Zimmer im ehemaligen Estrich der Klausur gibt mir Schwester Martina sehr klare Hinweise, was die Orientierung betrifft – ich bin aber zu abgelenkt von den grossen Fenstern, den vielen dunklen Holztüren, hellen Steinböden mit gelbem Klebeband auf losen Stellen. Bis ich merke, dass die vielen Gänge durch
Linda
|
all die Fenster, Holztüren und Steinböden sehr ähnlich aussehen. Also bekomme ich eine Kerze zur Markierung des Treffpunkts mit Schwester Martina hingestellt – zuerst grün, dann lila.
«Es macht etwas mit uns, eine Schwester hinter dem Altar zu sehen»
Priorin
Irene
Zwar bin ich jetzt schon hinter den Klostermauern, der wirkliche Einstieg in den Klosteralltag ist allerdings die Kommunionfeier. Seit 2005 führen die Schwestern die Feier unter sich durch, also ohne einen Pater aus Einsiedeln, dem Fahr untersteht –ausser am Sonntag und Dienstag zur
Aniela
Eucharistiefeier. Priorin Irene wird mir später dazu sagen: «Es macht etwas mit uns, eine Schwester hinter dem Altar zu sehen.» Schwester Martina und ich treffen uns also an meiner Kerze und sie begleitet mich in die Klosterkirche. Bevor wir eintreten, lädt sie mich dazu ein, unabhängig von meiner Konfession am Abendmahl teilzunehmen. Dann gehen wir über die knarrende Rampe in die Kirche selbst und ich verdrehe mir beinahe den Hals beim Versuch, die hohen, wunderschön bemalten Wände zu bestaunen. Rund um den Altar ist alles, selbst der Boden, aus rotem Marmor. Als wir am Altar vorbeilaufen, verbeugt sich Schwester Martina. «Unser Mittelpunkt», erklärt sie mir, «auch wenn wir wegen des Alters nicht mehr die vollständige Kniebeuge machen».

Es ist meine erste Kommunionfeier überhaupt und ich mache meine Sache so mittelmässig: Trotz laminierter «Gebrauchsanweisung» finde ich die richtigen Stellen im Gesangsbuch nicht, weiss nie, wann was zu sagen wäre, beginne mit «Unser Vater» und verschlucke mich an der Hostie. Aber: niemand schaut mich böse an, im Gegenteil. Die hellen, klaren Stimmen der Schwestern füllen den Kirchenraum aus und wann immer ich mich umsehe, werde ich warm angelächelt.

Auf das Gebet folgt die Stille während des Zmittags: An meinem Sitzplatz wartet bereits ein weisses Papier mit Stift auf mich. Wow, denke ich mir, so zuvorkommend.
«In der Stille höre ich plötzlich meine Gabel überlaut auf dem Teller»
Leonie Maurer
Bis jetzt wurde ich immer als die «Journalistin» bezeichnet, da legen sie mir prompt einen Notizzettel hin. Plötzlich kommt eine Schwester auf mich zu: «Sie müend’s aaschriebe», flüstert sie. Der Notizzettel entpuppt sich nämlich als Couvert für meine Stoffserviette. Ach je - auch das noch. Leicht angespannt geht es auch weiter: Das Essen in Stille stellt mich vor unerwartete Herausforderungen. Beim Essen herrscht bei mir zuhause
immer eine Geräuschkulisse, es wird geschwatzt, gelacht, Netflix geschaut. In der Stille höre ich plötzlich meine Gabel überlaut auf dem Teller, das Abstellen des Glases kommt mir vor wie der Urknall und ich sitze mit gerade durchgestrecktem Rücken da. Mit der Zeit schaue ich mich mehr um und beobachte die Schwestern: Sie tunken Salatsauce auf, kratzen den Teller aus, hie und da wird ein Stuhl gerückt – so wie ich mich bei mir zuhause am Esstisch verhalte.
Langsam weicht meine Nervosität der Neugier, gleichzeitig wechselt sich Stille mit Arbeit ab. Arbeit, das bin ich heute für Schwester Martina. Während wir die verschiedenen Teile des Klosters besuchen, löchere ich sie mit meinen tausend Fragen.

Sie erzählt mir von ihrer 57-jährigen Zeit hier in Fahr, zeigt mir wunderschöne Töpferarbeiten, Zimmer mit Kachelofen und lacht mit mir über die falschen Türen auf jedem Stock –manchmal legen sie so die Handwerker rein.
Wir besuchen Schwester Mathäa und die riesigen Webstühle in der Paramenten-Werkstatt. Als ich gerade eine gold-weisse Stola bewundere, fragt sie mich, wie viele Fäden dafür wohl von Hand aufgezogen worden sind. Ich tippe auf 25. Es sind 670.
Später nimmt sich Priorin Irene lange Zeit für mich: Auch sie ist offen, warm und gibt mir das Gefühl, dass sie meine tausend Fragen gerne beantwortet. Also frage ich: Muss man als Ordensschwester eigentlich eine Steuererklärung ausfüllen – ja –, haben sie Freizeit – einen Nachmittag pro Woche. Gegen Ende unseres Gespräches nimmt mich Wunder, was die meisten Leute wohl am Klosterleben überraschen würde.
Zurück in meinem Zimmer kreisen meine Gedanken um den heutigen Tag. Einerseits bin ich sehr berührt davon, wie warm, offen und freundlich die Schwestern sind.

«Dass es so normal ist.
Dass es unser Alltag ist»
Sie muss lächeln und sagt: «Dass es so normal ist. Dass es unser Alltag ist.» Natürlich, durchzuckt es mich, das ist ja hier jeden Tag so – wirklich verstehen werde ich diesen Satz aber erst später.
Mit meinem Fragenhagel neigt sich auch langsam der Tag dem Ende zu. Während des Abendlobs, also der Vesper, gebe ich offiziell auf, beim Gesangsbuch mitzuhalten und lausche stattdessen den Schwestern. Beim Znacht gelingt es mir, ohne ständiges Zusammenzucken zu essen – langsam komme ich an. Das Ende des Tages bildet das Nachtgebet, die Komplet: Draussen ist es schon lange dunkel und als die Schwestern beim Fürbittegebet die Namen nennen, deren sie gedenken, kullern mir prompt ein paar Tränen über die Wangen.
Andererseits sackt langsam ein, was Priorin Irene damit gemeint hat, das Leben in Fahr sei normal.
Für mich ist dieses Leben mit Gott, der Gemeinschaft, der festen Tagesstruktur weit weg von meinem Alltagstrott und somit dieser Tag besonders und einzigartig.
Für die Schwestern ist es ein Montag wie jeder andere. Und obwohl sich ihr Leben so von meinem unterscheidet, müssen wir über dieselben Dinge lachen, diskutieren miteinander, geniessen gutes Essen und manchmal geht uns das Handy zu den ungünstigsten Zeitpunkten los. Mit diesem Gedanken schlüpfe ich unter die weichen Daunen und schlafe bis zum Weckerklingeln durch.
Am nächsten Morgen frühstücke ich alleine im Torricelli-Raum, als mich Schwester Martina überrascht. Sie verabschiedet sich bereits jetzt von mir anstatt nach der Eucharistie-Feier. Nach den klassischen «Vielen Dank für alles» legt sie mir sanft beide Hände auf die Schultern, lächelt und sagt «Bhüet di Gott». Und ich antworte aus dem Affekt – tief gerührt und mit roten Wangen – «gliichfalls».

Rund um mich herum summen und brummen die Bienen, während ich mitten in Wiedikon im blühenden
Gleich wie in Fahr sind die öffentlichen Gebetszeiten, die vom Stadtkloster angeboten werden – ob Vesper,

Bärlauch kauere und mit all meiner Kraft eine überdimensionierte Schraube in den Boden drehe.
Meine zweite «Welt» führt mich nämlich für einen Tag in das ehemalige Pfarrhaus der reformierten Kirche Bühl. Dort befindet sich seit 2022 das «Hauptquartier» des Stadtklosters – 2011 gegründet, 2015 als Verein konstituiert. Vor Ort befindet sich auch eine WG, die von sechs Mitgliedern des Stadtklosters und drei geflüchteten Personen bewohnt wird.
Die meisten Mitglieder des Stadtklosters leben also im Gegensatz zum Kloster Fahr nicht im Haus selbst –ausserdem gibt es keinen Zölibat und auch keine Gelübde, die Gemeinschaft ist ökumenisch.
Taizé-Gebet oder Bibelteilen. Wie ich in den ersten Minuten meines Aufenthaltes merke, ist noch etwas anderes genau gleich: nämlich die überwältigende Freundlichkeit mir gegenüber. Ganz ohne Schlüssel stehen mir auch hier alle Türen offen.
«Ganz ohne Schlüssel stehen mir auch hier alle Türen offen»
Leonie Maurer
An diesem Donnerstag findet nämlich im paradiesischen Garten des ehemaligen Pfarrhauses das Projekt «Begegnungsgarten» statt: Geflüchtete, Interessierte und Mitglieder oder Angestellte des Stadtklosters treffen sich und arbeiten dann am und im Garten, inklusive Zmittag – zu dem ich beinahe zu spät komme. Janique hat mir nämlich eine kurze Führung durch das Stadtkloster gegeben – sie ist eines der WG-Mitglieder und arbeitet für ihren Beruf im Homeoffice. Bei der Führung habe ich mich mal wieder verschwatzt und wir können nur noch die letzten Takte von «Kumbaya» mitsingen, bevor es ans Essen geht. Allen wird der Teller gefüllt mit Gemüse, türkischem Frischkäse, Spinatsalat, Himbeeren… Gleichzeitig wird munter geplaudert, ob Klostermitglied, Gast oder Geflüchtete.

Gestärkt geht es für mich jetzt aber an die Arbeit: Während Thomas, einer der beiden Verantwortlichen hinter dem Gartenprojekt, zwei jungen Frauen Deutschunterricht erteilt, gehe ich mit Werner, einem WG-Mitglied, auf meditative Wege, will heissen: Wir bohren zwischen Bienen und Bärlauch gemeinsam Stangen ein für einen zukünftigen Meditationsweg.
Nach meinen Bohrungen geht es ans Zwiebelstecken – ich unterhalte mich währenddessen mit den beiden jungen Frauen. Wir finden heraus, dass wir alle im gleichen Alter sind. Sie sind beide viel besser im Zwiebelstecken als ich: Jedes Mal, wenn ich aufstehe, um eine der kleinen Zwiebeln zu greifen, komme ich hinten am Drahtzaun an und plumpse fast quer über das Beet –ein wenig der Elefant im Porzellanladen. Dafür ist dann beim Radieschen sähen mein Moment gekommen: Endlich sind meine langen Arme für etwas gut und ich recke und strecke mich über die frisch gesteckten Zwiebeln hinweg.

Es werden fleissig Zwiebeln gesteckt.
Die meisten der 25 Aktivmitglieder des Stadtklosters sind in ihren eigenen Wohnungen daheim, arbeiten, haben Familie und sind manchmal auch in Pfarreien oder Kirchgemeinden aktiv.
«Benediktinischignatianisch-chaotisch»
Wir sind so in die Arbeit vertieft, dass wir die Zeit vergessen und schnell zum Abschlussritual übergehen: Die Übergabe der goldenen Karotte – bio natürlich. Jeden Donnerstag wird einer Person die goldene Karotte überreicht, als Zeichen der Wertschätzung für das Kommen und Mithelfen, diese Person darf in der folgenden Woche jemandem die nächste goldene Karotte verleihen.
Nach dem Gartenprojekt schlüpfe ich in das gelbe Haus hinein – auch hier lassen mich die Mitglieder in ihren privaten Raum, im übertragenen und direkten Sinne. Während in der Küche drei Laib Brot im Ofen backen, nehmen sich verschiedene Stadtkloster-Mitglieder Zeit für mich, unter ihnen Karin, eine weitere WG-Bewohnerin. Sie erzählt mir von ihrem privaten Werdegang, aber vor allem vom Stadtkloster: Sie bezeichnet die Gemeinschaft als «benediktinisch-ignatianisch-chaotisch», erklärt mir, dass sie oft als Ergänzung der spirituellen Bedürfnisse und des eigenen Alltags gelebt wird.
Der Tag, den ich also hier verbracht habe, ist nicht der Standard-Donnerstag, sondern ein möglicher Alltag: Jedes Mitglied kann selbst steuern, wann und wie mitgewirkt, an was teilgenommen wird – aber die Gemeinschaft ist immer da. Darauf bauen Liturgie und Diakonie auf – sei es das Gartenprojekt oder das Notfallzimmer gleich neben dem Eingang des Hauses. Diese Gemeinschaft erlebe ich jetzt auch noch in anderer Form. Vor der Vesper esse ich mit einigen Mitgliedern und Bewohnenden Znacht – inklusive leckerem Bärlauchpesto aus dem eigenen Garten – bis dann weitere Mitglieder für die Vesper selbst eintrudeln. Es werden Liedhefte verteilt und Bibelstellen gelesen, wir singen und beten gemeinsam.
Danach verlagert sich das Zusammensein ins Wohnzimmer; es wird munter geschwatzt und zusammengesessen – eben Gemeinschaft gelebt. Ich verabschiede mich dankend und schlüpfe leise zur Tür heraus.
Auf dem Heimweg vom Stadtkloster sitze ich wieder im Bus mit meinem Wohnungsschlüssel in der Hand –beende diese Reise also genauso, wie ich sie begonnen habe.
Während die Stadt an mir vorbeizieht, denke ich an die drei verschiedenen Welten, die ich erlebt habe: Von meiner Welt aus nach Fahr und ins Stadtkloster. So verschiedene Lebensformen, ein völlig anderer Alltag und Lebensmittelpunkt. Ich bin doch, stelle ich in Retrospektive fest, mit einer relativ klaren Vorstellung in diese Begegnungen hineingegangen: Mit der Überzeugung, dass es zwischen den verschiedenen Personen und mir himmelweite Unterschiede geben werde. Bis zum Gespräch mit Priorin Irene, dass der Alltag sich zwar von meinem unterscheiden mag, aber nichtsdestotrotz ein Alltag ist. Sozusagen mein Schlüsselerlebnis um zu erkennen, dass das, was mich tatsächlich erwartet hat, offene Türen sind, Herzlichkeit, gemeinsame Momente geprägt von Freude, Trauer und vor allem dem Wunsch nach Gemeinschaft.

Der Gebetsraum im Stadtkloster.
Ich entschlüssle die Situation für mich: Von mir zum Kloster Fahr und dem Stadtkloster sind die Unterschiede vielleicht gar nicht so gross – oder eher unsere Gemeinsamkeiten viel wichtiger.

In der April-Synode wurde für das jenseits ein neues Rahmenkonzept verabschiedet – damit bleibt das jenseits für junge Menschen in und um Zürich erhalten – und entwickelt sich zugleich weiter: hin zu einem offenen Ort für junge Erwachsene, die sich in klassischen Pfarreistrukturen oft nicht zuhause fühlen und dennoch nach Spiritualität, Gemeinschaft und Tiefe suchen.
Die alten Bögen des Zürcher Viadukts faszinieren und geben den äusseren Rahmen für das, was wir als Team gemeinsam mit vielen helfenden Händen in den letzten Monaten aufbauen durften. Unser Leitgedanke dabei ist: «Weg vom Konsum, hin zur Teilhabe.»
Früher standen oft Vorstellungen im Raum, wie junge Menschen angesprochen werden könnten und welche Angebote passend erscheinen. Heute möchten wir Räume öffnen, in denen junge Erwachsene ihre eigenen Interessen, Fragen und Anliegen einbringen und den Betrieb mitgestalten können. Teilhabe bedeutet für uns nicht nur Mitmachen, sondern Mitprägen.
Schon jetzt beeindrucken mich die vielen Ideen und Initiativen, die junge engagierte Menschen mittragen – an
Kreativität, Stil und eigener Kultur. Ich denke an die Table-de-Cana-Abende, an Centering Prayer mit anschliessendem Austausch oder an innige musikalische Taizé-Abende.
Was also im neuen strategischen Konzept beschrieben wird, ist bereits spürbar: ein lebendiger Begegnungsraum, in dem Alltag, Spiritualität, Kultur und Nachhaltigkeit zusammenkommen. Ein Ort, der Gemeinschaft stärkt und zeigt, wie Kirche heute offen, kreativ und vernetzt wirken kann.
Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke – und noch bewegt bin vom Pfingstgeschehen – kann ich sagen: Ja, der Geist ist da und er wirkt. Durch Offenheit und echtes willkommen heissen möchten wir mitten in Zürich einen Ort schaffen, der mit den Pfarreien der Stadt und des Kantons sowie mit dem städtischen Leben verbunden ist.
Den Betrieb in eine neue Zukunft zu überführen bedeutet auch, Altes zu verabschieden, um Neuem Platz zu geben. Vieles ist noch im Entstehen.
Das fordert Mut, Geduld und die Bereitschaft, Wege gemeinsam mit jungen Erwachsenen zu beschreiten.

Isa Pedano ist in Mailand aufgewachsen und hat vor 14 Jahren in Zürich eine neue Heimat gefunden. Nach einem Masterstudium in Wirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik schloss sie den CAS in Christlicher Spiritualität ab. Spirituell fühlt sie sich dem ignatianischen Prinzip sehr verbunden. So wurden das aki und Lassalle-Haus zu ihrer spirituellen Heimat. Isa ist Mutter von zwei Kindern. Besonders die Erfahrungen mit ihrem älteren Sohn, der mit einer Cerebralparese lebt, haben ihren persönlichen und spirituellen Weg geprägt.
https://jenseitsimviadukt.ch/

Die Ausstellung
«Kunst und Kloster» zum Werk der Künstlernonne Pia Willi im Klostermuseum Müstair wird aufgrund der positiven Resonanz bis Ostern 2027 verlängert. So kann Einblick gewonnen werden in die drei Schaffungsperioden von Pia Willi: Ob es die Zeichnungen aus ihren Studienjahren, meisterhafte Trachtstickereien oder die humorvollen Willi-Karten mit Motiven aus ihrem Alltag im Kloster sind.
Die Ausstellung im Kloster St. Johann in Müstair ist täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Zwischen dem 1. Juli und dem 28. Oktober finden jeweils mittwochs Führungen um 15.45 Uhr statt. Weitere partizipative Angebote finden sich auf der Webseite des Klostermuseums.
Mehr dazu: www.muestair.ch/museum/ausstellungen/detail/ piawilli-kunstundkloster

Der jetzt schon vierte Band der Reihe zum theologischen Schaffen in der Schweiz widmet sich Theologinnen und Theologen der jüngsten Geschichte. Die Vielfalt biografischer Herkünfte, Fachbereiche und theologischer Herangehensweisen - etwa vom afrikanischen Ethiker Bénézet Bujo bis zur Schweizer Feministin Ina Praetorius - ist enorm. Die nach wie vor starke Präsenz der Theologie an Schweizer Fakultäten und Hochschulen weckt den Wunsch, Vertreterinnen und Vertreter dieser Disziplin wieder stärker in den öffentlichen Debatten wahrzunehmen.
Theologisches Schaffen in pluraler Gesellschaft. Schweizer Theologinnen und Theologen an der Schwelle des 21. Jahrhunderts. Hg. Adrian Holderegger, Stephan Leimgruber, Silvia Schroer.
Theologischer Verlag Zürich, 2025. 888 Seiten, 80 Franken.

Für Eberhard Jost ist Weihrauch nicht nur Rauch, sondern ein lebenslanger Begleiter. Fotos: zVg

An einem verregneten Novembermorgen während meiner Studienzeit in Jerusalem machte ich mich von meinem Zimmer in der griechisch-orthodoxen Schule in der Altstadt auf den Weg zur Grabeskirche. Unterwegs traf ich Schwester Rose von den «Kleinen Schwestern vom Namen Jesu». Ich fragte sie, wo es den besten Weihrauch der Stadt gäbe. Sie lächelte und schickte mich in einen kleinen Laden oberhalb der Via Dolorosa. Dort fand ich Weihrauch, der nach Rose und Zeder duftete.
Während der Gebetswoche für die Einheit der Christen begegnete ich später Armeniern, Syrern, Melkiten und Orthodoxen. Jede Gemeinschaft hatte ihren eigenen Weihrauch, ihren eigenen Duft der Erinnerung. Da verstand ich: Weihrauch ist mehr als Rauch. Er bewahrt Sehnsucht. Er ist der Duft unserer Kindheit, der uns durch das Leben begleitet. Wenn ich in meiner Sammlung heute Weihrauch mit Zeder und einem Hauch Rose rieche, schliesse ich die Augen und stehe wieder in der kleinen Krypta der St.-Anna-Kirche beim Löwentor. Die Glocke läutet dort mit leicht verzerrtem Klang durch den dichten Weihrauch. Dann wird für einen Augenblick aus Schall und Rauch Frieden.
Eberhard Jost ist Pfarreibeauftrager in St. Theresia, Zürich Friesenberg.
Text: Leonie Maurer



Mitten in Zürich Oerlikon liegt ein Ort, der auf den ersten Blick fast unscheinbar wirkt – sich aber beim Eintreten schnell als kulturelles Fenster in den Himalaya entpuppt: Willkommen im tibetisch-asiatischen Kulturzentrum Songtsen House.
Vor 26 Jahren wurde das Zentrum ursprünglich gegründet, um den Tibeterinnen und Tibeter hier in Zürich eine Plattform zu bieten, um ihre Kultur auszuleben – und den Austausch mit der hiesigen Kultur zu suchen. «Das hat auf jeden Fall funktioniert, vielleicht sogar ein wenig zu gut», meinen Dana Rudinger und Daniel Aufschläger, beide vom Vorstand des Songtsen House. Unterdessen sind nämlich viele Mitglieder des heutigen Vereins Menschen aus dem Westen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Songtsen House natürlich weiterentwickelt. Zwar ist die tibetische Kultur nach wie vor ein wichtiger Faktor, im Mittelpunkt stehen jetzt aber vielmehr interkultureller Austausch, politische Bildung und ein breiter Blick auf asiatische Gesellschaften generell. Neben dem Fokus auf die Himalayaregion ist also auch die Auseinandersetzung mit der mongolischen, burmesischen, thailändischen oder koreanischen Kul-
tur Teil des breiten Angebots – präsent bleibt dabei der buddhistische Grundgedanke. Genau diese Mischung macht den Ort so besonders: Hier treffen spirituelle Traditionen auf aktuelle gesellschaftliche Fragen, persönliche Praxis auf politische und kulturelle Reflexion.
Das Angebot spiegelt diese Offenheit wider. Neben regelmässigen Veranstaltungen wie Meditationen, tibetischem Heilyoga oder der zweiwöchentlichen «Weisheit im Alltag» unter Anleitung eines buddhistischen Lehrers bietet das Songtsen House die Möglichkeit, über Vorträge, Filmabende und Diskussionen verschiedene asiatische Perspektiven einzubeziehen. So entsteht ein Raum, der nicht nur Ruhe bietet, sondern auch Reibung zulässt –im besten Sinn: als Ort des Nachdenkens, des Lernens und des Dialogs.
Durch die erstmalige finanzielle Unterstützung der beiden Landeskirchen wird dieses Jahr das 25-jährige Jubiläum des Songsten House am 12. September gefeiert.
Gleichzeitig wird «Einblick in den Buddhismus» geboten - wie das Kulturzentrum selbst steht auch diese Veranstaltungsreihe im Zeichen des Austauschs und Interessierte sind herzlich willkommen.
Verschiedene Anlässe bieten zum 25-jährigen Jubiläum Einblick in buddhistische Lebensweisen. Die kostenfreien Anlässe finden freitags ab 19.30 Uhr im Songtsen House an der Gubelhangstr. 7 in Zürich Oerlikon statt.
8.–11. September
Ein tibetischer Mönchsgelehrter streut ein Sandmandala (tagsüber).
25. September
Wie kam ich zum Buddhismus?
Lama Irene, tibetisch-buddhistische Nonne und Schweizerin, gibt Einblick in ihren Werdegang.
2. Oktober
Kailash-Ausstellung mit Vortrag, Musik und buddhistischer Poesie.
30. Oktober
Der Buddhismus Burmas und Thailands mit Ariya Baumann.
13. November
Der Buddha und die Seele: Was hat buddhistische Psychologie mit uns im Westen zu tun? Mit Thomas Lempert.
4. Dezember
Die acht buddhistischen Glückssymbole und deren Einfluss auf das Leben von Lobsang Zatul.
11. Dezember
Die Stellung der Frau im Buddhismus mit Carola Roloff, buddhistische Nonne.
https://songtsenhouse.ch/

Isabelle Lüthi
Projektleiterin
Grundlagen und Sozialpolitik
Caritas Zürich
Von Isabelle Lüthi
Sprechen Sie mit Ihren Freunden über Geld? Mit Ihren Arbeitskolleginnen über Ihren Lohn? Oder mit Ihrer Familie über finanzielle Schwierigkeiten? Mir persönlich hat es lange Mühe gemacht, über Geld zu reden. Denn ich habe, wie wir alle, gelernt, dass man in der Schweiz nicht über die eigenen Finanzen spricht. Man will sich weder schämen für seinen tiefen Lohn – noch angeben mit einem hohen Lohn.
Über die Jahre hinweg habe ich mir aber angewöhnt, über meinen Lohn zu sprechen. Ich erlebe, dass meine Offenheit anderen Menschen ermöglicht, ihr eigenes Einkommen zu thematisieren. Und das führt zu wichtigen Gesprächen über faire Löhne. Deutlich schwieriger hingegen ist es, über finanzielle Probleme zu sprechen. Ich kenne in meinem Umfeld – ob persönlich oder beruflich – kaum eine Person, die das offen tut.
Das hat viel damit zu tun, dass Geldprobleme so stark stigmatisiert sind. Dass im Begriff «Schulden» das Wort «Schuld» steckt, zeigt dies eindrücklich. Die moralische Bewertung dahinter: Du bist selbst dafür verantwortlich, dass du Schulden hast. Du hast es nicht anders gewollt.
Aber: Bist du wirklich selbst schuld, dass du krank geworden bist oder einen Unfall hattest? Dass es zu einer Scheidung kam? Bist du selbst schuld, dass du deine Arbeitsstelle verloren hast? Das sind nämlich die häufigsten Gründe für eine Verschuldung und sie zeigen: Die Ursachen für Schulden sind oft strukturell bedingt, hinter Schulden steckt nicht einfach individuelles Versagen.
Das Stigma der Schuld zu brechen, ist wichtig. Denn es hält viele verschuldete Menschen davon ab, über ihre Geldprobleme zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. Aber wie kann das Aufbrechen des Stigmas gelingen? Die Antwort ist einfach: Reden wir über Geld!

Bis ins Jahr 2006 durfte ich Pfarrer im Val Müstair sein. Dazu gehört die bekannte St. Johann Kirche, welche zusammen mit dem Kloster der Benediktinerinnen zum UNESCO Welterbe zählt. Die Klosterkirche ist gleichzeitig auch Pfarrkirche.
Klöster als Orte der Beständigkeit
In Ermangelung eines Kirchenmusikers bediente ich auch die Ämter des Chorleiters und Organisten. Eine besondere Aufgabe wurde mir nach einiger Zeit übertragen: das Amt des Cantusmagisters bei den Klosterfrauen, welche dann auch die bestens frequentierten Gottesdienste musikalisch gestalteten. Ausgestattet mit einer Zutrittsberechtigung in die (strenge) Klausur probte ich wöchentlich die Gesänge mit den Frauen. Neben der Musik war auch immer der Humor mit dabei. Strenge Klausur heisst: Ausser für Arztbesuche durften die Schwestern das Kloster nicht verlassen. Ich weiss heute noch nicht, wie ich das geschafft habe, aber nach vollendeter Renovation des Pfarrhauses lud ich die Schwestern im Rahmen einer Sing-
probe zu mir ins Pfarrhaus ein. Tiefes Schweigen war die Folge, bis die Priorin meinte, das ginge aufgrund der Klausur nicht. Da meinte eine Schwester, «Doch, Frau Priorin, das geht, das machen wir!» Begeisterung unter den Schwestern war die Folge! So kamen alle an einem Mittwoch zum Zvieri ins Pfarrhaus. Schwester Clara meinte, sie hätte zum ersten Mal seit 48 (!) Jahren das Kloster verlassen.
Klöster als Orte des stillen Widerstands
Als sich in den 1920er Jahren der furchtbare Faschismus von Mussolini «die Auslöschung sämtlichen Deutschtums» in Südtirol vornahm, wurden die Klöster Muri-Gries und Marienberg gezwungen, aus der österreichischen Benediktiner Kongregation auszutreten und sich der italienischen anzuschliessen. Kontakte zu Österreich und zu jedweder deutschsprachigen Kultur waren weitgehend verboten. Mit benediktinischer Klugheit wählten diese beiden Abteien aber einen ganz anderen Weg: Sie schlossen sich der schweizerischen Kongregation an, wozu sie noch heute
gehören. So sind Klöster tragende Säulen des christlichen Glaubens auch in schwierigen Zeiten.
Klöster als Orte der Kultur
Ein ehemaliges Benediktinerkloster mit einer sehr grossen Kirche befindet sich im Hochschwarzwald. Im kleinen Kurort St. Blasien steht ein Dom, dessen Kuppel mit 36 Metern Durchmesser zu den grössten überhaupt gehört. In den Dom kommen heute die Menschen von überall her, um die geistlichen Konzerte zu besuchen. So ist dieser Dom erneut Säule des Glaubens, allein durch die Musik. Letztes Jahr durfte ich im Rahmen einer Installation ein Konzert spielen. Das Stück «Fountain Reverie» von Percy Fletcher erinnert an die Bedeutung des Wassers für unseren Planeten. Widerstand gegen die Zerstörung der Natur, beständige Hüter des Erbes, Orte kultureller Entwicklung – von Klöstern können wir für die ganze Kirche viel lernen.
Hier hören Sie Mario