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Linke Seite: Dass schönes, kräftiges Haar auch Kopfhautsache ist, rückt zunehmend ins Bewusstsein – genau hier setzen Head-Spas an.
HEAD-SPAS nach asiatischem Vorbild boomen. Unser Autor testete im „ POSTHOTEL“ IN ACHENKIRCH die Kopf- und Haar-Verwöhnung.
Foto JIALING HOO
Ich komme in einen abgedunkelten Spa-Raum. Gewohnt-entspannende Musik, aber auch: ein Waschsessel à la Friseur. Dann erst mal der Schock: Meine Kopfhaut wird analysiert, 200-fach vergrößert sieht sie wie die Oberfläche eines lebensfeindlichen Planeten aus, ich warte nur darauf, dass ein Alien hinter einer XL-Schuppe hervorschlüpft. Die Tiefenreinigung, der erste Step, ist also mehr als willkommen. Mir wird aber auch –zweiter Schock – eine mangelnde Durchblutung attestiert. Ausgerechnet am Kopf. Jene anzuregen und dadurch auch das Haarwachstum, ist zum Glück erklärtes Ziel dieser Anwendung. Plus: Ablagerungen entfernen, generell für eine gesunde Kopfhaut sorgen. Die Wurzeln japanischer Head-Spas gehen auf jahrtausendealte Traditionen zurück, bei denen Kopfhautpflege eng mit Onsen-Reinigungsritualen verbunden ist. Im Zuge des Wellnessbooms und der Einsicht, dass Haare nur glänzen können, wenn das Fundament hält, kommen sie auch bei uns an, in meinem Fall: im schönen „Posthotel“ in Achenkirch, das in der Nähe des fjordähnlichen Achensees in Tirol liegt. Mittlerweile wird es in der vierten Generation von Karl Reiter geführt, einem juvenilen Tiroler, der selbst bestes Aushängeschild für die Wirksamkeit der dortigen Behandlungen ist. Es gibt so ziemlich alles in einem 7000 Quadratmeter großen Wellnessbereich inklusive mehrerer Innenund Außenpools. Reiter hat eine Ausbildung zum Logotherapeuten absolviert, auch Longevity liegt ihm am Herzen – und so findet man in dieser Hinsicht das Neueste vom Neuesten. Vor allem aber war er auch immer wieder länger in Asien, zum Beispiel in einem buddhistischen Kloster in China. Das hat ihn dermaßen nachhaltig geprägt, dass man im „Posthotel“ auch einen waschechten Shaolin-Mönch konsultieren kann oder eine Ärztin der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Großartig finde ich das – als jemand, den es immer gen Asien zieht, wenn ein Langstreckenurlaub ansteht. Und praktisch: fernöstliche Entspannung nur eine Autostunde von München entfernt. Aber vielleicht fühlt sich das hier doch irgendwie fehl am Platz an, denke ich beim Einchecken inmitten von rustikalem Holz. Beim Betreten der Signature-Suite, meines Domizils für die nächsten Tage, bin ich überrascht: Materialien wie Holz, Leinen und Heilerde als Wandputz sowie eine kleine Schaukel am Fenster legen mir nahe, erst mal tief durchzuschnaufen. Kein Wunder, diese Suiten sind nach dem japanischen Ästhetikkonzept „Wabi Sabi“ eingerichtet. Diskrete, unaufgeregte Wellness – das können die Japaner:innen. Und damit zurück ins japanische Head-Spa: Ich besteige den Waschsessel, meine Kopfhaut wird mit Jojobaöl massiert (gleicht den pH-Wert aus), mit verschiedenen Bürsten und Kämmen weiter angeregt, es folgt Aromatherapie sowie mein Highlight: der Wasserfall. Ein Gerät, das einen kontinuierlichen, warmen Schwall entlang des Ansatzes in die Haare fließen lässt – begleitet von einem Plätschern, das an kleine Wasserspiele in japanischen Gärten erinnert. Dazu bekomme ich eine Nackenmassage, bin ich eingenickt? Es folgen mehr Massagen, eine Haardampfsauna und – bin ich schon wieder eingenickt? Wir wagen erneut einen Ausflug auf den Kopfhaut-Planeten: Der Talg ist weg, aber die Haut sieht nun rot aus, adrig … soll das …? Jaja, das sei gut, nun endlich sei die Haut richtig durchblutet, beruhigt mich die Head-Spa-Expertin. Und meine Haare? Glänzen, fühlen sich toll an, auch viele Tage danach noch. Was mich aber am meisten beeindruckt an dieser Behandlung, ist die Tiefenentspannung, mit der ich den Raum verlasse. Sie kennen das Gefühl, wenn es wo juckt und Sie erreichen endlich diese Stelle mit Hilfsmittel oder -person? Genau so. Georg Wittmann