50 Liebe & Leben Stil
Samstag/Sonntag, 15./16. Februar 2025, Nr. 38 DEFGH
LADIES & GENTLEMEN Im neuen „Bridget Jones“-Film trifft Renée Zellweger wieder auf Hugh Grant – eine schöne Kino-Tradition. Nicht weniger Tradition haben die Premieren-Outfits der beiden.
Für sie: Nicht perfekt, aber genau richtig ie Schauspielerin Renée Zellweger ist seit Wochen auf der ganzen Welt unterwegs, um die vierte und letzte Folge unserer Lieblings-Tolpatsch-Reihe „Bridget Jones“ zu bewerben. In Sydney und in Rom und auch in Amsterdam sah sie schon ziemlich gut aus, das beste Outfit aber hat sie sich für die Filmpremiere in London aufgehoben, klar, Bridgets Spielwiese. Das Kleid: eine Haute-CoutureKreation aus dem Jahr 2000, von Balmain. Natürlich passt sie in dieses enge Seidenkunstwerk mit Schleppe locker rein, der streng gewickelte Look darf aber ja wohl trotzdem als kleine Verbeugung vor ihrem Film-Alter-Ego verstanden werden. Wir erinnern uns: Alles, was Bridget bei Abendveranstaltungen trägt, ist immer ein bisschen zu eng, zu kurz, zu unbequem. Eine erfrischende Note verleihen dem Outfit auch die Schuhe – sie glänzen noch mehr als das Kleid in einem dunklen Bordeauxrot-Ton. Das ist auf den ersten Blick ein eigenartiger Störer, auf den zweiten sind sie irgendwie cool, weil Schwarz zu hart und Kristall too much gewesen wären. Ja, auf solche Details achten Stylisten, dies also ist keine Bridget-Pointe. Aber da wäre noch der Schmuck. René Zellweger trug nämlich am Ringfinger ein Pflaster, woraufhin Leute, die nichts zu tun haben, gleich spekulierten, sie wolle damit den Abdruck eines Verlobungsrings verstecken. Social-Media-verblödeter geht es natürlich nicht. Wir denken, Zellweger ist einfach in ihrer Rolle geblieben und hat sich zuvor irgendwo geschnitten. Das Pflaster also ist das wahre Accessoire, dass die ewige Botschaft der Bridget Jones auf den roten Teppich bringt: Nobody is perfect! Julia Werner
Von Julia Rothhaas
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länzende Kabel, die in silbrigweißem Schweineschmalz stecken: Im ersten Moment bereut man den Blick, den ein entsprechendes Analysegerät möglich macht, auf diese Terra incognita. Denn wirklich ansehnlich ist die Kopfhaut – wenn auch Teil des eigenen Körpers – unter 200-facher Vergrößerung nicht. Die Erkenntnis aus dieser ungewöhnlichen Betrachtung ist aber doch interessant: Während jede Pore und jede Falte des Gesichts längst unter Dauerbeobachtung steht, gibt es da ein benachbartes Stück Hautareal, das bei den meisten Menschen bislang kaum eingehend betrachtet wurde. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen die Kopfhaut einfach nur Kopfhaut sein durfte, die eben regelmäßig mit irgendeinem Shampoo eingeschäumt wird. Peeling, Serum, Maske: Seit Jahren wächst der Berg an Produkten, die explizit nur für diese Körperpartie gedacht sind, und zwar jenseits aller Mittelchen, die Haarausfall verhindern oder gar stoppen sollen. Die fortschreitende „Skinification“ der Kosmetikindustrie hat diesen weißen Fleck nun für sich entdeckt, wohl das letzte freie Areal an der Außenfläche unseres Körpers. Denn mittlerweile kann auch die Kopfhaut mindestens so intensiv gepflegt werden wie andere Bereiche des Kopfes. Unzählige Videos in den sozialen Medien suggerieren heute, dass es zum guten Ton moderner Menschen gehört, einmal täglich mit einer Noppenbürste über die Kopfhaut zu schubbern. Beim Gang durch die Drogerie verfestigt sich dieser Eindruck: da die Plastikbürste, hier das
F ür ihn: E infach effektiv er dritte Frühling des Hugh Grant ist schon seit einer Weile angebrochen – mit erstaunlich fundierten Filmrollen und erstaunlich unfundierten Bonmots, die er großzügig in US-Talkshows verteilt. Man hat das Gefühl, dieser alternde Beau ist ganz mit sich im Reinen und zelebriert heute das Selbstbewusstsein eines Mannes, der weiß, dass er irgendwie mit allem davonkommt. Genau diese Rolle spielt er ja auch schon in den „Bridget Jones“-Filmen und eigentlich all seinen Komödien. Botschaft: Ich hab’s zwar vergeigt, aber hey, schau mal mein Lächeln! Im Alter nun hat er das welpenhafte Herumtollen gegen eine charmante, tja, Grantigkeit getauscht, und das ist sicherlich keine schlechte stilistische Maßnahme – sie verleiht ihm irgendwie ein charakterliches Fundament, das er vor zwanzig Jahren noch nicht hatte. Seinem Look ist Grant aber seit den Neunzigerjahren treu geblieben: Anzug, offenes Hemd, kein Schnickschnack. Es ist ein modisches Erfolgsgeheimnis gut alternder Männer, dass die Garderobe schon früh ein gewisses Niveau erreicht, aber eben nie eine Hauptrolle spielt und keinen drastischen Veränderungen unterliegt. Ein Gentleman behandelt seine Kleidung nie geringschätzend, aber doch als Nebensächlichkeit. Anders gesagt: Was hindert Männer eigentlich daran, jeden Tag mit einem harmlosen guten Anzug und einem passenden Hemd locker unterwegs zu sein? Die Jahreszeiten? Die Bequemlichkeit? Mit diesem einfachen Look sähe man in Alltagssituationen jedenfalls besser aus als 90 Prozent der männlichen Mitbewerber. Zumindest, wenn sie nicht Hugh Grant heißen. Max Scharnigg
Reine Kopfsache Die Kosmetik hat eine neue Problemzone entdeckt: unsere Kopfhaut. Sie soll mit viel Aufwand gepflegt werden – obwohl das vielleicht gar nicht unbedingt nötig ist.
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Serum, das beim Haarwachstum helfen soll, dort das Peeling, das die Poren reinigen und abgestorbene Hautzellen entfernen kann. Mal soll ein Shampoo das Mikrobiom der Kopfhaut regulieren, ein wording, das man so bisher nur aus tiefer im Körper liegenden Organen kannte; mal darf ein Leave on über Nacht einwirken, mit dem Auftrag, die Haarfasern zu stärken und die Kopfhaut mit Feuchtigkeit zu versorgen. Zum Einsatz kommen Wirkstoffe, die bereits 13-Jährige herunterbeten können wie das Einmaleins: Ceramide, Niacinamid, Vitamin C, Coenzym Q10. Versprochen wird nach Anwendung im Grunde das Gleiche wie fürs Gesicht, schließlich gelten kräftige, glänzende Haare seit jeher als Zeichen von Jugendlichkeit, Schönheit, Vitalität. Mit „Scalping“, angelehnt an das englische Wort scalp für Kopfhaut, hat das übrigens nicht zu tun; damit ist eine spezielle TradingStrategie an der Börse gemeint. Bleibt die Frage: Braucht die Kopfhaut das eigentlich alles? „Wie viel Pflege und Zuwendung nötig ist, lässt sich nicht pauschal festlegen“, erklärt Andreas Finner, Facharzt für Dermatologie und Haarchirurg aus Berlin. Das hänge von der Empfindlichkeit der Kopfhaut ab, also ob sie trocken oder fettig ist, ob man Allergiker sei, wie die Hautbarriere beschaffen ist. „Die beste Pflege für die Kopfhaut ist ohnehin der Talg, also das, was die Drüsen ohne unser Zutun absondern.“ Dieser körpereigene Automatismus kann allerdings auch missverstanden werden: Viele Menschen würden ihre Haare zu selten waschen, oft aus Angst vor Haarausfall, so
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Millimeter weit an die Oberfläche. Diese Wachstumsphase dauert zwischen zwei und sechs Jahren. Danach ist erst mal für bis zu drei Monate Ruhe, bis das dann von der Nährstoffversorgung abgeschnittene Haar ausfällt. Erst danach beginnt der Follikel wieder mit der Produktion. Damit sich das Haar gleichmäßig über den Kopf ausbreiten kann, finden die drei Phasen glücklicherweise asynchron statt. Nichtsdestotrotz verlieren wir durchschnittlich bis zu hundert Haare pro Tag – das klingt viel und sieht manchmal nach dem Kämmen auch so aus. Im Head Spa dürften sich an diesem Tag gewiss einige Haare lösen, denn nach dem wiederholten Waschen hantiert Sabrina mit den unterschiedlichsten Bürsten: Mal streicheln dicke runde Noppen sanft über den Kopf, dann zieht sie in schnellen, zackigen Bewegungen mit einem Holzkamm über die Haut. Es folgt die elektrische Bürste, deren Knubbel an Katzenpfoten erinnern, und ein Konstrukt aus Drähten, die wie dünne Spinnenbeine über den Kopf tänzeln. Danach dürfen die großen Gerätschaften ran.
Nach der Behandlung fühlt sich der Kopf zumindest freier an denn je
„Viele dieser Produkte sind den Haarwurzeln doch ziemlich egal.“
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seine langjährige Beobachtung. „Doch zu viel Talg auf der Kopfhaut ist auch nicht gut, davon ernähren sich nämlich Pilze und Bakterien, die auf jeder Kopfhaut zu finden sind. Ein Ungleichgewicht kann Entzündungen und Schuppen fördern.“ Von ausdrücklich für die Kopfhaut bestimmten Produkten aus der Drogerie ist Finner nicht überzeugt; als Kosmetika dürften sie die Haarwurzel gar nicht beeinflussen, sondern müssten in dem Fall erst einmal als Medikament zugelassen werden. Ergo: „Viele dieser Produkte sind den Haarwurzeln doch ziemlich egal.“ Der neueste Hype in Sachen Kopfhaut ist allerdings weder Serum noch Maske, sondern ein Besuch in einem sogenannten Head Spa, dessen Idee ursprünglich aus Japan kommt. Gemeint ist die extended version einer angenehmen Kopfmassage, die es manchmal beim Friseur gibt – und die immer viel zu schnell vorbei ist.
Im Head Spa wird die Kopfhaut hingegen über Stunden gereinigt, massiert, bedampft. Dadurch sollen überschüssige Shampoo-Reste und Schadstoffe entfernt und die Kopfhaut gepflegt und mit Feuchtigkeit versorgt werden, ähnlich wie in einem Schönheitssalon. Entsprechend ausgestattete Studios finden sich bereits in vielen Städten und Hotels, darunter im Posthotel Achenkirch in Österreich. Die Tür zum Behandlungszimmer öffnet sich. Auf einem Podium steht eine Liege, die an einen dicken Massage-Sessel erinnert, ein überdimensionales Waschbecken schließt daran an. Sabrina, die freundliche Herrin über das Head Spa, bettet einem den Kopf auf ein Nackenkissen. Über die Zimmerdecke schieben sich Polarlichter in Regenbogenfarben, im Hintergrund legen sich Wellengeräusche über sphärische Klänge. Bitte nicht mehr denken, so die indirekte Botschaft.
Zuvor war einem die 33-Jährige mit ihrer digitalen Lupe über die Kopfhaut gefahren, um sich einen Eindruck über die örtlichen Gegebenheiten zu machen, Stichwort Kabel in Schweineschmalz. Die meisten ihrer Kunden hätten eine viel zu trockene Kopfhaut, erklärt sie, es werde eben zu viel gewaschen und geföhnt. Durch Massage und mithilfe natürlicher Öle will sie die Durchblutung der Kopfhaut verbessern, was zur „Stärkung der Haarfollikel und zum Wachstum gesunder Haare“ beitrage. Normalerweise haben zwischen 80 000 und 150 000 Haare Platz auf dem Kopf, also diese zarten, langen Hornfäden, die vor allem aus Keratinen bestehen. Am dichtesten bewachsen sind in der Regel Menschen mit blonden Haaren (dafür sind es dann auch die dünnsten), gefolgt von Brünetten, Schwarzhaarigen, Rothaarigen. Damit Friseure was zu tun haben, schiebt sich ein Haar pro Tag durchschnittlich 0,3
Sabrina montiert nun ein Gerüst auf das Waschbecken und schiebt einem den „Wasserfall“ über die Stirn. Ein kontinuierlicher Schwall angenehm warmes Wasser perlt über den Kopf, von vorne nach hinten und wieder zurück, parallel gibt es eine Nackenmassage. Als Nächstes bekommt man eine dicke Haube über den Schädel gezogen, die an ein Hollywood-Alien mit übergroßem Hinterkopf erinnert. Diese Haardampf-Sauna, ein spezielles Gerät aus Japan, soll die Poren öffnen und es sämtlichen Seren ermöglichen, effektiver einzudringen. Anderthalb Stunden wird gekämmt, gewaschen, massiert. Auch wenn man selbst nach dem finalen Scan ehrlicherweise keinen Unterschied auf der Haut entdecken kann, so fühlt sich der Kopf doch freier denn je an. Noch einmal beim Profi nachgefragt: Die Kopfhaut im Head Spa betüdeln, ist das eine gute Idee? Auch wenn es gewiss seriöse Anbieter gebe und die Haut keinen Schaden davontragen müsse, könne so eine Behandlung auch kontraproduktiv sein, sagt Dermatologe Finner. Die harmlos wirkende Noppenbürste etwa führe beim Rubbeln über die Oberfläche ab einem bestimmten Punkt zu Haarbruch, und das schon an der Wurzel. „Und um die Durchblutung muss man sich ohnehin keine Sorgen machen, denn die Kopfhaut ist auch ohne Massage grundsätzlich gut durchblutet.“ Dass unser Haar nicht nur schön aussehen kann, sondern via DNA-Analyse auch Auskunft über Verbrechen geben kann, ist – Krimi sei Dank – längst bekannt. Ablesen lassen sich unter dem Mikroskop aber auch Mangelzustände, Schadstoffbelastung, Stress, und das selbst Jahrtausende später. So konnten Forscher der Western Ontario University in Kanada 2009 an zehn Mumien aus dem Alten Peru ein überdurchschnittlich hohes Stresslevel feststellen. Die Cortisol-Werte, die sich bis zu 27 Monate vor ihrem Tod zurückverfolgen ließen, waren mehr als doppelt so hoch wie heutige Normwerte. Der Grund dürften belastende Lebensumstände gewesen sein, Stress kennt der Mensch also seit jeher. Nur gut, dass man sich heute sämtliche Sorgen auch mal kurz vom Kopf rubbeln lassen kann. RothhaasJ 301.0..SZ20250215S10076927