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Leseprobe Die Donauinsel [2026]

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die donau insel 21 Kilometer Freiraum

Phönixteich

Endelteich

Einlaufbauwerk

Jedleseer Brücke
Neue Donau
Donau
Donau
FKK
Kirschenhain
FKK

Klima-Garten Nord

Donau

Schulschiff

Sportinsel

Naturerlebnispfad

Inselinfo

Klima-Garten Mitte

Donau

Neue Donau

Nordbrücke

Steinitzsteg

Floridsdorfer Brücke

Donauinselplatz

Nordbahnbrücke

Georg-Danzer-Steg, U6

Brigittenauer Brücke

Pier 22

Ponte Cagrana

Reichsbrücke, U1

Wasserspielplatz

Kaisermühlenbrücke

Neue Donau

B C D

die donau insel

Kilometer Freiraum

die donau insel

21 Kilometer Freiraum

herausgegeben von Martina Nußbaumer und Ulrike Krippner

Die Donauinsel. Eine facettenreiche Geschichte und Gegenwart

—Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner

1 Vor der Insel

Das Ringen mit dem Fluss. Hochwasser und die Vorgeschichte des Hochwasserschutzes in Wien bis Mitte der 1950er Jahre

—Severin Hohensinner

Wilde Wiese.

Hundert Jahre Inundationsgebiet in Wien

—Matthias Marschik

Wien an die Donau!

Frühe städtebauliche Planungen für das Überschwemmungsgebiet

—Sándor Békési

2 Planung und Bau

Planung und Bau der Neuen Donau und der Donauinsel.

Eine Chronologie

„Pissoir“ oder „Paradies“?

Die Donauinsel als öffentliches und politisches Konfliktthema (1969–1973)

—Peter Eigner

Der lange Weg zu einer bebauungsfreien Donauinsel. Vom technischen Hochwasserschutzprojekt zum städtebaulichen Ideenwettbewerb „Donaubereich Wien“

—Ulrike Krippner

Die landschaftsarchitektonische Gestaltung von Neuer Donau und Donauinsel

—Ulrike Krippner

Der grüne Maschinenraum. Die Donauinsel als Infrastrukturstandort

—Sándor Békési

Imagewerbung für den „Lido von Wien“. Eine exemplarische PR-Rundschau

—Martina Nußbaumer, Sándor Békési

„Das Umdenken ist nicht von heute auf morgen erfolgt.“

Interview mit Bruno Domany, Grünraumplaner

—Ulrike Krippner, Martina Nußbaumer

„Wir haben versucht, im mittleren Teil der Donauinsel urban zu werden.“ Interview mit Stefan Hübner, Architekt

—Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner

„Es hat keine Stunde Stillstand auf der Baustelle gegeben.“

Interview mit Walter Redl, Bauinspizient

—Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner

„Ein zentrales Ziel war es, abwechslungsreiche Landschaftsräume zu gestalten.“

Interview mit Gottfried Hansjakob, Landschaftsarchitekt

—Ulrike Krippner

Im Leo.

Kunst auf der Donauinsel zwischen zeitkritischem Anspruch und Community Based Art

—Patricia Grzonka

Freihalten und Regulieren.

Die Donauinsel als Ausnahmefall städtischer Planung

—Michael Klein

Fertig? Nie!

Adaptionen auf der Donauinsel seit 1988

—Stephanie Drlik

„Einmal pro Jahr müssen wir die Wehre der Neuen Donau wegen eines Hochwassers öffnen.“

—Porträt des Hochwasserdienstleiters Wilfried Fellinger

„Die größte Herausforderung für die Insel ist der Klimawandel.“

Interview mit Gerald Loew und Thomas Kozuh­Schneeberger, Stadt Wien – Wiener Gewässer

(MA 45)

—Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner

3 Gemachte Natur

Die gebaute Natur der Donauinsel —Gertrud Haidvogl

„Wichtig bei der Anlage von Biotopen auf der Insel war es, einen Ausgleich für die verlorenen Feuchtgebiete des Überschwemmungsgebiets zu schaffen.“ Interview mit der Gewässerökologin Ulrike Goldschmid

—Martina Nußbaumer, Gertrud Haidvogl

Inseltiere im Porträt

Der Eurasische Biber

—Sigrid Scheikl

Die Beutelmeise

—Thomas Zuna­Kratky

Die FlockenblumenLanghornbiene

—Bärbel Pachinger

Die Gabel­Azurjungfer

—Iris Fischer

Die Knoblauchkröte

—Sabine Greßler, Johannes Hill

Der Sterlet

—Thomas Friedrich

Wie pflegt man 124 Hektar

Offenland? Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung

der Biodiversität

—Elisabeth Wrbka, Viktoria Grass

Inselpflanzen im Porträt

Die Schwarz­Pappel

—Elisabeth Wrbka, Viktoria Grass

Der Götterbaum

—Elisabeth Wrbka, Viktoria Grass

Der Feld­Mannstreu

—Elisabeth Wrbka, Viktoria Grass

Der Niederliegende Ehrenpreis

—Elisabeth Wrbka, Viktoria Grass

Die Bedeutung der Donauinsel für das Stadtklima und für die Klimaforschung

—Brigitta Hollosi, Thomas Hübner

5 Freiraum für alle

Manchmal, zwischendurch, immer wieder.

Die Rhythmen und Zeitlichkeiten der Donauinsel

—Michael Klein

Eine Insel, viele Geschichten. Ein fotografisches Jahresprojekt

—Klaus Pichler

Europas nackte Stadtoase

—Nicole Spilker

„Zehn Tage habe ich gebraucht, um den Bikini wegzugeben. Aber dann habe ich mich ganz frei gefühlt!“

—Porträt Soheila

Zu Lande und zu Wasser. Sport auf der Donauinsel

—Bernhard Hachleitner

„Mein Weg hierher dauert zwanzig Minuten, und plötzlich bin ich in einer anderen Welt, quasi am Meer.“

—Porträt Ursula Knoll

„Die Donauinsel ist ein guter und sicherer Trainingsort für Blinde.“

—Porträt Patrick Bitzinger

Donauinsellieder

—Wolfgang Fichna

Augenhöhe und Überflug.

Die Donauinsel im filmischen Wien

—Werner Michael Schwarz

„Mir gefällt, dass es hier immer windig ist, so lerne ich, mit den Wellen zu rudern.“

—Porträt Andreas Bertagnoli

„Die Donauinsel ist ein sehr friedlicher Ort.“

—Porträt Salman, Sherazi und Faisal

„Donauinsel im Sommer ist einfach Standard.“ Warum Jugendliche ihre Freizeit besonders gern auf der „Insel“ verbringen

—Naz Küçüktekin

„Es ist cool, dass man während des Unterrichts die Wellen sieht.“

—Porträt Norah Marković

Skateboarding­Hotspot Donauinsel.

Erinnerungen an die Karriere eines Szeneorts

—Hans­Peter Hutter

„Der ‚Copa‘ ist der coolste Skatepark in Wien.“

—Porträt Adriana Kubicek

Ein Biotop für Sprayer:innen

—Christine Koblitz

„Im Sommer kommt hier wirklich Urlaubsfeeling auf.“

—Porträt Johanna und Marcus

Wohnen am Wasser. Vom Übernachten auf der Donauinsel

—Lisa Bolyos

„Die Donauinsel ist ein guter Platz zum Übernachten.“

—Porträt Ernst Manfred Watzinger

Wiener Daubelgeschichte/n

—Natascha Muhic

„Das Wasser hier ist sauber, und es gibt schöne, große Fische.“

—Porträt Lorand und Leon Lehman

Robinson Crusoe, vollversorgt.

Essen und Trinken auf der Donauinsel

—Florian Holzer

„Wenn du siehst, was die Leute grillen, weißt du meist auch, wo sie herkommen.“

—Porträt Zeljko Jovanovic

„Gemeinsam zu essen, ist ein wichtiger Teil der Treffen hier.“

—Porträt Suwanee Inplaeng

Irgendwann bleib i dann dort.

Feste und Festivals auf der Donauinsel

—Stefan Niederwieser

Am anderen Ufer.

Der Tote Grund als schwule Landschaft und Rückzugsort

—Max Sohm

„Der Tote Grund verbindet Queersein mit Natur, und genau das macht den Ort so besonders.“

—Porträt B.

„Wenn man den Leuten freundlich erklärt, warum manches verboten ist, reagieren sie mit Verständnis.“

—Porträt Elisabeth Oslansky

#Donauinselmomente

Autorinnen und Autoren

Dank

Impressum

Foto: Klaus Pichler/Wien Museum, 2025

Die Donauinsel

Eine facettenreiche Geschichte und Gegenwart

Die Donauinsel – zwischen 1972 und 1988 gemeinsam mit der Neuen Donau erbaut, um Wien endgültig vor verheerenden Hochwassern zu schützen – ist heute aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Schätzungen zufolge kommen im Sommer mehr als 200.000 Menschen – und damit zehn Prozent der Wiener Stadtbevölkerung – pro Tag auf die 21 Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Insel, um hier ihre Freizeit zu verbringen: Sonnenbaden, Schwimmen, Rad fahren, Joggen, Picknicken, Grillen, Freund:innen treffen, Partys feiern und Fischen sind nur einige von vielen beliebten Aktivitäten. Vielfältig wie die Nutzungen der Insel sind auch ihre Nutzer:innen: Wenige Orte in Wien werden von so diversen Gruppen der Stadtgesellschaft zugleich besucht wie die Donauinsel – nicht zuletzt deshalb, weil sie ein weitgehend konsumfreier Raum ist. Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Herkunft treffen hier mit verschiedenen Bedürfnissen nach Ruhe und Rückzug, aber auch nach Bewegung, Geselligkeit und Unterhaltung aufeinander. Dass dieses Miteinander beziehungsweise Nebeneinander weit­

gehend konfliktfrei möglich ist, verdankt sich auch der schieren Länge der Insel: Sie bietet gleichsam „Platz für alle“. Diese intensive Erholungs­ und Freizeitnutzung war beim Gemeinderatsbeschluss, der 1969 den Startschuss für die Bauarbeiten an der Donauinsel und der Neuen Donau gab, weder geplant noch vorhersehbar. Ursprünglich als rein technischer Hochwasserschutz konzipiert und politisch höchst umstritten, wurde die Insel erst im Lauf von mehr als 30 Jahren Planungs­ und Bauzeit und nach langwierigen Debatten zu einem vielfältigen Natur­ und Erholungsraum am Wasser. Eine Ausgestaltung als rein wasserbautechnischer Damm wurde ebenso verworfen wie Ideen für eine abschnittsweise Bebauung mit Hochhäusern oder einen Zentralbahnhof auf der Insel. Zahlreiche Protagonist:innen setzten sich – vor allem vor dem Hintergrund der erstarkenden Umweltbewegung der 1970er Jahre – für eine möglichst naturnahe Gestaltung ein und hatten wesentlichen Anteil daran, dass sich die Donauinsel auch zu einem ökologisch und stadtklimatisch bedeutsamen Areal in der Stadt entwickeln konnte.

Das Buch Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum, das begleitend zur gleichnamigen Ausstellung im Wien Museum

1 Vor der Insel

Wilde Wiese

Hundert Jahre

Inundationsgebiet in Wien

Die Regulierung der Donau in Wien (1870–1875), die die Stadt vor Hochwassern schützen und der Sicherung der Schifffahrt und des Handels dienen sollte, bedeutete links­ wie rechtsufrig eine massive Veränderung der Landschaft wie auch der Stadt. Ein Teil der neu geschaffenen Flächen wurde für Wohnbau und Industrie genutzt, daneben blieben von der ‚Natur‘ geprägte öffentliche Flächen übrig, die rasch (im Prater) oder zögerlich (in der Lobau und entlang der nunmehrigen Alten Donau) von der Bevölkerung in vielfältiger Weise angeeignet wurden. Von dauerhafter Bebauung ausgenommen blieb jedoch einzig das Inundationsgebiet, das sich durch die oft zweimal jährlich auftretenden Hochwasser per definitionem einer permanenten Nutzung entzog. Angelegt wurde es im Jahr 1875 als etwa 20 Kilometer langes, 474,5 Meter (das entsprach 250 Wiener Klaftern) breites und etwa zehn Quadratkilometer großes Brachland neben dem Donaubett, das die zusätzlichen Wassermassen aufnehmen sollte.

Der bald etablierte Begriff „Überschwemmungs­“ bzw. „Inundationsgebiet“ suggeriert zwar eine monotone Fläche, doch war sie alles andere als einförmig: Baumgruppen, von Schwemmsand gefüllte Sutten, kleine Lacken und größere stehende Gewässer strukturierten die Landschaften. Unterschiedliche Böden sorgten für wechselnden Bewuchs, zudem hatten sich ehemalige Wasserläufe erhalten. Jedes Hochwasser hinterließ veränderte Topografien. Weite Blickachsen existierten neben versteckten Winkeln, deren Zahl durch die zahlreichen Bombentrichter, die der Zweite Weltkrieg zurückließ, noch zunahm. Dieses riesige städtische Brachland wurde aufgrund der Vielfältigkeit des Terrains bald auf unterschiedlichste Arten und Weisen genutzt, die in der Funktionsbeschreibung des Überschwemmungsgebiets nicht vorgesehen waren und teils akzeptiert, vielfach aber auch sanktioniert wurden. Tagsüber wurde das Areal als Naherholungsgebiet genutzt, nachts galt es hingegen als erotischer und gefährlicher Ort: Hier wurden nicht nur Kinder gezeugt, sondern auch Überfälle, Morde und Selbstmorde verübt, es war ein klandestiner Raum für dunkle Geschäfte, Prostitution oder Schleichhandel.1

Übersicht über das Überschwemmungsgebiet von der Reichsbrücke bis nach Klosterneuburg, um 1960 (Bezirksmuseum Floridsdorf)

Strukturiert wurde das Inundationsgebiet vor allem durch fünf in den 1870er Jahren errichtete Brücken. Wo jeder Baum als landschaftlicher Marker erschien, bildeten die mächtig über den Fluss gespannten Übergänge markante Zäsuren, die sich optisch wie auch akustisch bemerkbar machten – zunächst durch pfeifende Lokomotiven und quietschende Straßenbahnschienen, später auch durch hupende Automobile. Jene Brücken, die einen direkten Treppenabgang am linken Donauufer hatten, bildeten zugleich die zentralen Zutrittstore zum Inundationsgebiet: So wurde „bei der

Reichsbrücke“ ein beliebter Treffpunkt für Verabredungen. Der Struktur entsprach auch eine spezifische Terminologie: Während in alten Stadtplänen das ganze Areal als „Inundationsgebiet“ bezeichnet wurde, existierten im Alltag unterschiedliche Namen: Der nördliche Abschnitt bis zum Gebiet südlich der Reichsbrücke wurde als „Donauwiese“ bezeichnet, die Gegend am Südende der Alten Donau als „Stürzl“ oder „Stürzllacke“, die Fläche südlich der Ostbahnbrücke wurde hingegen im Volksmund schon der „Lobau“ zugerechnet.

Zwischen Wasser und Eis

Der Hochwasserschutz war zwar die Hauptfunktion des Inundationsgebiets, doch konnte es diese Aufgabe keineswegs immer bewältigen. Deshalb stellten

„Ein

zentrales Ziel war es, abwechslungsreiche Landschaftsräume zu gestalten.“

Das in München ansässige Büro des Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob (88) gewann im Jahr 1970 den Wettbewerb zur Gestaltung der Rheinaue in Bonn für die Bundesgartenschau 1979. Ausgestattet mit Erfahrungen aus diesem Großprojekt machte das Büro im Jahr 1973 beim Wettbewerb „Donaubereich Wien“ mit und schlug keine Verbauung der Insel vor. Im Gespräch mit Ulrike Krippner schildert Gottfried Hansjakob, wie er – auch ohne Prämierung im Wettbewerb – die Ausführungsplanung der Insel mitprägte und welche Ideen das Gestaltungs­ und Bepflanzungskonzept leiteten.

Gottfried Hansjakob beim Interview im Juni 2021, gefilmt von Johannes Hloch/BOKU University

Welche Grundidee verfolgt Ihr Beitrag zum Wettbewerb „Donaubereich Wien“ im Jahr 1973?

Ihr Wettbewerbsbeitrag wurde nicht prämiert. Wie kam es, dass Sie dennoch in die zweite Wettbewerbsstufe einbezogen wurden?

Die ursprünglich weit verzweigte Donau war durch die erste Donauregulierung von 1870 bis 1875 bereits stark eingeengt worden. Daher waren wir Landschaftsarchitekten 1973 der Meinung, dass der bestehende Donauraum in seiner vollen Breite als Denkmal, als landschaftliches Element, als Luftschneise für Wien erhalten bleiben muss und die neue Insel nicht verbaut werden darf. Es hieß ja rund um den Wettbewerb immer: Wien soll an die Donau. Wir haben gesagt: Gut, dann soll am rechten und linken Ufer gebaut werden, aber nicht in die Mitte hinein. Doch die Architekten wollten Wien in der Donau bauen. Das war der Unterschied: Wien an der Donau oder Wien in der Donau. Deshalb haben wir die Alte Donau, den Donaukanal, den Prater, die Lobau und die ganzen Auen in unser Wettbewerbsprojekt miteinbezogen und von da aus Grünverbindungen rein in die Stadtviertel entwickelt. Die Grundidee war also, den Donauraum von Bebauung freizuhalten.

Nach dem Ende der ersten Wettbewerbsstufe haben die fünf Preisträger – allesamt Architekten – zunächst einmal gegeneinander gearbeitet. Erst aufgrund des wachsenden Zeitdrucks auf der Baustelle draußen wurden 1975 zwei Arbeitskreise gebildet, unter denen das Planungsgebiet aufgeteilt wurde. Aber irgendwann wurde klar, dass den Architekten das Fachwissen fehlte, um qualifizierte Pläne für die Modellierung der Insel, für die Bepflanzung und den Wegebau zu erstellen. Schließlich schlug Bruno Domany, Mitarbeiter der Planungsabteilung der Stadt Wien und später, von 1977 bis 1992, Leiter der Koordinationsstelle Donaubereich Wien, vor, Landschaftsarchitekten wie Wilfried Kirchner und mich, die ebenfalls am Wettbewerb teilgenommen hatten, aber nicht prämiert wurden, hinzuzuziehen. Auch für viele österreichische Landschaftsarchitekt:innen war ein Projekt dieser Größenordnung neu. Ich hatte aber bereits bei der Umgestaltung der Rheinaue in einen hundertsechzig Hektar großen Landschaftspark wichtige Erfahrungen gesammelt. Auch die Anforderungen an die Hochwassersicherheit waren in Wien ähnlich wie in Bonn.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie bei der Detailplanung konfrontiert?

Zeitgleich mit der Bildung der Arbeitskreise waren erste Leitpläne für den Norden und den Süden der Insel entstanden: Die äußeren Bereiche sollten naturnah, der zentrale Bereich städtisch gestaltet werden. Auf Basis dieser Leitpläne haben wir die Ausführungsplanung gemacht, mussten aber jeweils auf die Situation vor Ort Rücksicht nehmen, etwa auf bestehende Brücken oder U-Bahn­Stationen, auf Relikte der Au oder darauf, ob hier oder dort eine Badebucht entstehen sollte. Wichtig war, dass das Gerinne der

Die Knoblauchkröte

Pelobates fuscus

Die Knoblauchkröte gehört aufgrund ihrer versteckten und hauptsächlich nachtaktiven Lebensweise zu den am wenigsten bekannten heimischen Froschlurchen. Mit einer Körpergröße von etwa sechs bis sieben Zentimetern ist sie relativ klein. Ihr auffälligstes Merkmal sind die senkrechten Pupillen. Die Grundfarbe ihrer Haut variiert von cremeweiß über grau bis zu lehmbraun. An der Oberseite weist diese Art eine individuelle Fleckenzeichnung und ziegelrote Punkte auf. Markant sind auch die scharfkantigen Fersenhöcker an den Hinterbeinen, mit denen sich die Knoblauchkröte rückwärts senkrecht in lockeren Boden eingräbt, wo sie den Tag verbringt und auch überwintert.

Für die Fortpflanzung sucht die Knoblauchkröte im Frühjahr größere, besonnte und vegetationsreiche Gewässer auf. Die Paarungsrufe der Männchen sind zu dieser Zeit nur leise unter Wasser zu hören. Mit einer Größe von bis zu 22 Zentimetern sind die Kaulquappen die größten unter den heimischen Amphibien.

Ihren Namen verdankt die Knoblauchkröte dem knoblauchähnlichen Geruch eines Abwehrsekrets, das sie

unter starkem Stress absondern kann. Sie zeigt sich bei Angriffen auch recht wehrhaft und kann dabei laute, quiekende Rufe von sich geben.

Die Knoblauchkröte ist eine typische Amphibienart des östlichen Flachund Hügellands in Österreich und ist etwa in den Donau- und Marchauen, in der Region Neusiedler See, in der Südoststeiermark sowie im Wald- und Weinviertel zu finden. Ihr Vorkommen auf der Wiener Donauinsel ist ein Relikt des Überschwemmungsgebiets vor dem Bau der Insel, wo diese Art häufig und weitverbreitet war. Gegenwärtig kann die Knoblauchkröte nur mehr im Südteil der Donauinsel nachgewiesen werden. Die vormals individuenreichen Vorkommen am Endelteich, die auch Gegenstand einer langjährigen populationsökologischen Untersuchung der Universität Wien waren, gelten als ausgestorben. Gründe für den drastischen Rückgang sind die Verschlechterung der Laichgewässer durch Verlandung und starke Beschattung sowie Beeinträchtigungen des Landlebensraums.

Foto: Johannes Hill
Foto: Elodie Grethen/Wien Museum, 2025

„Der ‚Copa‘ ist der coolste Skatepark in Wien.“

Die Donauinsel gilt als einer der traditionsreichsten und langjährigsten Treffpunkte der Wiener Skater:innen-Szene. Die Stufen unterhalb der U1-Station bei der Reichsbrücke werden als „Original Spot“ (OG-Spot) bezeichnet. Hier hat auch Adriana Kubicek (24) vor sechseinhalb Jahren zu skaten begonnen, bevor sie an den neuen Copa-Street-Skate-Park am linken Ufer der Neuen Donau wechselte. Heute gibt sie selbst beim Skateboard Club Vienna Kurse für alle, die skaten lernen wollen.

Robinson Crusoe, vollversorgt

Essen und Trinken auf der Donauinsel

Ein nahezu stehendes Gewässer von etwas mehr als 21 Kilometern Länge, voll erschlossen, nur fünf U-Bahn-Stationen vom Stephansplatz entfernt, mit ausgezeichneter Wasserqualität, zig Kilometern Radwegen und – nachdem Transdanubien bei der Bevölkerungsdichte kontinuierlich zulegt – quasi mitten in der Stadt gelegen. Das klingt nach gastronomischen Parametern gerechnet höchst interessant. Und ist es auch. Die Donauinsel –und damit ist im Wiener Sprachgebrauch auch und vor allem, wenn’s um Lokale geht, das linke Ufer der Neuen Donau mitgemeint – zählt zweifellos zu den lebendigsten Habitaten der Wiener Gastronomie. Die Lokaldichte ist aufgrund der Größe des Areals viel unterschiedlicher ausgeprägt als beispielsweise im Museumsquartier oder am Yppenplatz, und auch Angebotsbreite und Vielfalt – wir haben es hier mit einer augenscheinlichen Gyros-, Burger- und Pommes-Konzentration zu tun – sind nicht unbedingt die ganz großen Stärken der kulinarischen Inselwelt. Aller-

dings ist „die Insel“ wohl auch Wiens einzige Szenemeile, die effektiv nur in der warmen Jahreszeit funktioniert, die bei Schlechtwetter mit hundertprozentigem Ausfall zu rechnen hat und von der man sich im Fall des Falles das Hochwasser aus der Nähe anschauen kann. Weil wegen des Hochwassers ist die Neue Donau ja da.

Von der Wiese zum Eiland

Die Geschichte der Inselgastronomie ist eine kurze, und zwar nicht nur, weil das Entlastungsgerinne erst in den 1970er und 1980er Jahren gebaut wurde und das Areal erst ab Ende der 1980er Jahre dank Begrünung und Wegebaus nicht mehr wie eine Schottersteppe wirkte. Die gastronomische Nutzung des großen Stroms aus der Bundeshymne hatte in Wien schlichtweg keine Tradition.

Auf dem Vorläuferareal, dem Überschwemmungsgebiet vulgo „Donauwiese“, bis in die 1960er Jahre für damalige Verhältnisse als Naherholungsgebiet durchaus genutzt, gab es bis auf einige kleine

Fotos in diesem Beitrag:

Klaus Pichler/Wien Museum, 2024–2025

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