AN TONÍN DVOŘ ÁK
KOPFZEILE
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ANDREAS LÁNG IM GESPRÄCH MIT DEM PREMIEREN-DIRIGENTEN J I Ř Í B Ě L OH L ÁV E K
AN DER OPER RUSALKA IST ALLES BESONDERS !! al
Rusalka weist im Untertitel die Bezeichnung »Lyrisches Märchen« auf. Sagt diese Gattungsbezeichnung etwas über die musikalische Struktur der Oper aus? jb Ich betrachte Rusalka nicht nur als lyrisches Märchen, sondern zugleich auch als ein großes innerliches Drama. Das ganze Konzept von Rusalka ist so aufgebaut, dass eindeutig eine archetypale Komposition erkennbar wird – genauer: die vier Hauptcharaktere sind alle Archetypen von verschiedenen Qualitäten. Rusalka bildet das Prinzip der Liebe und der absoluten Zuneigung zum Geliebten ab; der Prinz ist der kontrastierende Archetyp des leidenschaftlichen, aber oberflächlichen Liebhabers; der Wassermann steht für Gerechtigkeit und Vaterliebe und Ježibaba für geheimnisvolle Kräfte, die der Handlung Impulse geben. al Hat Dvořák die Oper Rusalka sängerfreundlich instrumentiert? jb Die Instrumentation ist, wie ich finde, wunderbar, ungemein reich und fantasievoll. Natürlich gibt es manche Stellen, wo man sehr auf die Sängerinnen und Sänger, behutsam auf die Balance zwischen Bühne und Orchestergraben achten muss. Aber wenn eine
gegenseitige Aufmerksamkeit aller Beteiligten vorhanden ist, sehe ich diesbezüglich keinerlei Schwierigkeiten. al Nahm Dvořák bei der Komposition der Rusalka grundsätzlich Rücksicht auf die vokalen Möglichkeiten von Sängern? jb Meiner Meinung nach hatte der Meister ein sehr gutes Gespür für das, was man von Sängerinnen und Sängern verlangen kann. Er strapaziert nicht unnötig, geht nie über die vokalen Grenzen hinweg – das heißt allerdings nicht, dass die Gesangspartien nicht recht anspruchsvoll wären… al Gibt es Instrumente in der Oper Rusalka, die bestimmten Charakteren zugeordnet sind, findet sich so etwas wie ein harmonisches oder melodisches Programm? jb Rusalka weist neben einem harmonischen Reichtum auch ein gewisses, den Hauptfiguren klar zugeordnetes thematisches Material auf. Nicht gerade eine Leitmotivik im Sinne Richard Wagners, aber doch eine Form der Charakterisierung, die die Situation oder Personen musikalisch schildert: zum Beispiel das Wassermann-Motiv, das Rusalka-Motiv, ein Jagd-Motiv. Und das Rusalka-Motiv
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A M A L I E B OB KOVÁ
UND SO SANG ICH IN DER URAUFFUHRUNG ERINNERUNGEN DER PRAGER ENSEMBLESÄNGERIN AMALIE BOBKOVÁ
An die Rusalka habe ich sehr schöne persönliche Erinnerungen; als schönste bewahre ich die, dass mir der Komponist persönlich die Aufgabe stellte, die führende Stimme im Terzett der Elfen zu übernehmen, obwohl ich damals eine unbekannte, schüchterne Anfängerin war: Eines Tages im März 1901 hatte ich auf der Bühne des Prager Nationaltheaters eine Orchesterprobe für Smetanas Oper Der Kuss, in der ich die Vendulka singen sollte. Ich sang mit Elan, kümmerte mich gar nicht um das, was um mich herum vorging, verließ mich nur auf mein Gehör, das mich glücklicherweise nie verließ. Deshalb hatte ich auch keine Ahnung, dass Meister Dvořák im Zuschauerraum anwesend war. Noch während der Probe ließ er sich den Orchesterwart Kuthan rufen und sagte ihm: »Geh Er hinauf in die Kanzlei und sage Er dort, dass die Sängerin, die heute die Vendulka probiert, die 1. Elfe singen wird.« Natürlich war für diese Partie bereits eine andere Sängerin ausersehen, ich weiß nicht wer, aber man respektierte den Wunsch des Autors, und so sang ich die Partie in der Uraufführung und in den Reprisen, noch als Gast. Das Terzett studierte der Komponist persönlich ein und so gewann ich gleich die schön sten Eindrücke. Der Meister war augenscheinlich mit mir zufrieden und blieb mir für immer ein gewogener Gönner und hörte mich gerne in der Sopranpartie der Geisterbraut, die ich immer mit Freude sang.
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KS MICHAEL SCHADE als PRINZ KS KRASSIMIRA STOYANOVA als RUSALKA MONIKA BOHINEC als FREMDE FÜRSTIN
KARL LÖBL
ER WOLLTE ANTONÍN SEIN Nehmen wir an, das Verlagshaus Ricordi hätte die Salome veröffentlicht und den Namen des Komponisten als Riccardo Strauss gedruckt. Das hätte sich der Autor wohl kaum gefallen lassen. Dass der Berliner Verleger Fritz Simrock aus Antonín Dvořák zunächst beharrlich einen »Anton« machte, das war freilich nicht Fiktion, sondern Tatsache. Es dauerte drei Jahre, bis der Verlagschef Dvořáks Einwände nicht bloß für eine Marotte hielt. Dann verstand er, dass der Komponist seinen Namen auch aus nationalpolitischen Gründen auf dem Titelblatt seiner Werke nicht eingedeutscht, sondern in tschechischer Form – also Antonín statt Anton – gedruckt sehen wollte. »Was ich von Ihnen verlange«, schrieb Dvořák im August 1885, »war bloß mein Wunsch, und wenn Sie mir den nicht erfüllen können, so habe ich wohl recht, es als Ungefälligkeit von Ihnen zu betrachten«. Und noch deutlicher ein Monat später: »Nationen, wollen wir hoffen, welche Kunst haben und repräsentieren, werden nie untergehen, wenn sie auch noch so klein sind. Verzeihen Sie mir dies, aber ich wollte Ihnen nur sagen, dass ein Künstler auch ein Vaterland hat, für welches er eben auch festen Glauben und ein warmes Herz haben muss.« Dvořák fühlte, dass er in und außerhalb seiner Heimat das Recht einer Minderheit inmitten der österreichischungarischen Monarchie vertreten müsse. Das erklärt auch seine Befriedigung, als ab Beginn des Jahres 1888 endlich auf dem Titel der gedruckten Noten »Antonín« stand. »Es macht hier große Wirkung«, schreibt er aus Prag an Simrock, »und wird mit aufrichtiger Befriedigung aufgenommen. Es ist fast komisch: Das Parlament in Wien hat sich dagegen gesträubt, auf den Banknoten slawische Worte aufzunehmen, und in Berlin lässt man der Gleichberechtigung volle Gerechtigkeit widerfahren.«
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UNSERE ENERGIE FÜR DAS, WAS UNS BEWEGT. Das erste Haus am Ring zählt seit jeher zu den bedeutendsten Opernhäusern der Welt. Als österreichisches und international tätiges Unternehmen sind wir stolz, Generalsponsorin der Wiener Staatsoper zu sein. Alle Sponsoringprojekte finden Sie auf: omv.com/sponsoring
IMPRESSUM ANTONÍN DVOŘ ÁK
RUSALKA SPIELZEIT 2023/24 (PR EM IER E DER PRODU KT ION: 26. JÄ N N ER 2014) Herausgeber WIENER STAATSOPER GMBH, Opernring 2, 1010 Wien Direktor DR. BOGDAN ROŠČIĆ Musikdirektor PHILIPPE JORDAN Kaufmännische Geschäftsführerin DR. PETRA BOHUSLAV Redaktion SERGIO MORABITO, ANDREAS LÁNG, OLIVER LÁNG Gestaltung & Konzept EXEX Layout & Satz ANTON BADINGER Lektorat MARTINA PAUL Bildkonzept Cover MARTIN CONRADS, BERLIN Druck PRINT ALLIANCE HAV PRODUKTIONS GMBH, BAD VÖSLAU TEXTNACHWEISE: Alle Texte – außer jene von Sergio Morabito, Jaroslav Kvapil, Sigmund Freud, Amalie Bobková, die Briefe sowie der Text über die Herkunft des Namens Rusalka – sind Originalbeiträge für das Premierenprogrammheft 2014 der Wiener Staatsoper. Der Text von Sergio Morabito stammt aus: Sergio Morabito: Opernarbeit, Texte aus 25 Jahren, Kassel, 2019. BILDNACHWEISE: Coverbild: Brooke DiDonato: You Could Go Anywhere but You Won‘t, 2023 – Alle Szenenbilder: Michael Pöhn / Wiener Staatsoper GmbH Nachdruck nur mit Genehmigung der Wiener Staatsoper GmbH / Dramaturgie. Kürzungen werden nicht gekennzeichnet. Rechteinhaber, die nicht erreicht werden konnten, werden zwecks nachträglicher Rechtsabgeltung um Nachricht gebeten. Die Produktion wird gefördert von