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Programmheft »Visionary Dances«

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visionary dances


visionary dances Heatscape Justin Peck Yugen Wayne McGregor In the Upper Room Twyla Tharp

PREMIERE 28. MÄRZ 2026 – WIENER STAATSOPER


Laura Fernandez Gromova, Alessandro Cavallo (Heatscape)


Victor Caixeta (Yugen)


über die heutige vorstellung »Die drei Choreograf*innen haben das klassische Ballett erweitert und in neue Richtungen geführt. Twyla Tharp war die erste, die diese Tür mit ihrem ikonischen Werk In the Upper Room öffnete. Zum ersten Mal brachte sie zwei verschiedene Welten zusammen: die moderne und die klassische. Dieses Stück hat die Geschichte des Balletts nachhaltig geprägt. Justin Peck und Wayne McGregor fanden ihren Stil auf sehr unterschiedliche Weise. Sie haben ihre eigene Stimme geschaffen und sind in verschiedene Bereiche vorgedrungen. Justin Peck arbeitet am Broadway, an Filmen, er hat eine sehr originelle amerikanische Sprache. Heatscape ist eines seiner klassischsten Werke. Wayne McGregor hat das klassische Ballett auf die Spitze getrieben und die Regeln gebrochen. Yugen zeigt eine andere Seite von ihm, ist sehr lyrisch, bewegend und zerbrechlich. Er kann die wahre Tiefe einer Emotion auf abstrakte Weise erforschen.« Mit der Programmierung der Visionary Dances zeigt Ballettdirektorin Alessandra Ferri nicht nur, wie das klassische Ballett im Heute verankert werden kann, sondern auch, wie lebendig diese Kunstform ist. So begegnen sich in diesem Ballettabend drei Choreograf*innen, die jeweils einen eigenen Zugang zum Vokabular des akademischen Tanzes gefunden haben und die die Ballettkunst und deren Möglichkeiten in Bewegung auf individuelle Art und Weise erforschen. Während Twyla Tharps bahnbrechendes In the Upper Room 2026 sein 40-jähriges Jubiläum feiert, sind die Choreografien von Justin Peck und Wayne McGregor jüngere Werke, die nicht minder mannigfaltige tänzerische und visuelle Welten eröffnen. Visionary Dances zeigt dabei nicht nur drei unterschiedliche Lesarten der Sprache des Balletts, sondern auch spannende, kraftvolle und zugleich poetische Kollaborationen zwischen Choreograf*innen, Designer*innen und Bildenden bzw. Street Art Künstler*innen.

ÜBER DIE HEUTIGE VORSTELLUNG

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SARAH CROMPTON

»Drei Werke, drei wegweisende Choreograf*innen. Doch eine weitere Qualität verbindet dieses Programm der Visionary Dances. In jedem Fall ist die Choreografin bzw. der Choreograf ein*e Kollaborateur*in, die bzw. der ein Werk schafft, indem andere eingeladen werden, eine Vision für das Ganze zu entwickeln. In jedem einzelnen Fall ist das Ergebnis die Vorstellung einer ganzen Welt – die Offenbarung einer Atmosphäre, die einzigartig ist.«


Volksliedern. Zum anderen sind seine Werke inspiriert vom Jazz, von den französischen Impressionisten wie Claude Debussy, von Igor Strawinski sowie von der Möglichkeit, volksmusikalische Elemente in die Kunstmusik einzuarbeiten und von vielen weiteren musikalisch-künstlerischen Strömungen. Die Auseinandersetzung mit gattungsspezifischen Schwerpunkten gestaltete sich dabei zum Teil zeitlich begrenzt, so stand z.B. die Arbeit an der Symphonie im Mittelpunkt seiner USA-Jahre und die Concerto-Form bildete das Hauptaugenmerk seiner Pariser Zeit. Auch fünf Klavierkonzerte, die zwischen 1926 und 1939 uraufgeführt wurden, sind Teil seines Werkverzeichnisses. Das Klavierkonzert Nr. 1 ist Martinůs erste Komposition im Stil des Neoklassizismus, der während seines Aufenthalts in der französischen Hauptstadt zu den vorherrschenden Strömungen in der Musik oder Malerei zählte. So steht die Komposition bezeichnend für jenen Übergang: Spätromantische Klangvorstellungen werden mit scharfen Konturen, rhythmischer Lebendigkeit und eben jener neoklassizistischen Formklarheit und struktureller Ordnung, die bald zu Martinůs Markenzeichen werden sollte, verbunden. Während der erste Satz des dreisätzigen Konzerts energisch und fast von tänzerischer Spannung daherkommt, bildet der zweite Satz den lyrischen Gegenpol. Auf die schwebende, poetisch-melancholische Klangwelt folgt der finale dritte Satz, der die rhythmische Energie des Beginns wieder aufgreift und so in einen lebhaften, pointierten Schluss mündet. Martinůs Konzert ist kein romantisches Virtuosenstück, sondern ein pulsierender Organismus, ein Zusammenspiel aus Soloklavier und Kammerorchester, in welchem Klarheit, Spannung und Dialog vorherrschend sind. Seine motorische Kraft und seine transparente Struktur schaffen einen kongenialen Resonanzraum für den Tanz – präzise, lebendig und im ständigen Vorwärtsdrang.

BOHUSLAV MARTINŮ

»Der Künstler ist stets auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, nach seinem eigenen wie nach dem der Menschheit, auf der Suche nach der Wahrheit.« 19

IM PULS DER FORM


Zsolt Török, Milda Luckuté


Ensemble


mit klassischen Ballettposen, virtuosen Sprüngen und Drehungen oder akrobatischen Hebungen. Alltagsbewegungen, wie Gehen oder (rückwärts) Laufen stehen neben Elementen aus dem Stepp- und Gesellschaftstanz, wie Tango- ähnliche Haltungen. Es finden sich ebenso Figuren aus dem Boxen und Yoga – etwa der »Krieger« oder der »herabschauende Hund« –, die Tharp selbst praktizierte. Die neun Abschnitte des Stücks zeigen die beiden Tänzergruppen in verschiedenen Konstellationen und Formationen den Raum erforschend. Meist tanzen diese nach- oder nebeneinander, jedoch ohne direkt zu interagieren, scheinbar jede für sich. Eine zentrale Rolle haben dabei zwei »Stomper«-Damen, die – gleichsam als Wächterinnen des Raumes – das Stück eröffnen, beschließen und immer wieder buchstäblich ihre Arme ausbreiten, um die einzelnen Tänzer*innen vorzustellen. Nur im sechsten Abschnitt mischen sich die Gruppen tatsächlich: zwei »Stomper«-Damen tanzen mit zwei Balletttänzern. Das bringt eine neue Kraft und sozusagen Gleichberechtigung zwischen den Stilen sowie den Geschlechtern. Im finalen Abschnitt sind erstmals alle 13 Tänzer*innen zusammen auf der Bühne vereint. Bewegungen aus den vorherigen Teilen werden wiederholt und mit neuem Material durchsetzt. Die Energie steigert sich immer mehr, die Sopranstimme erhebt sich noch einmal, bis alle im Dunkel verschwinden. Shelley Washington resümiert: »Auch wenn man gerade nicht auf der Bühne steht, feuert man die anderen an. Es ist wie bei einer olympischen Staffel: Einer läuft, übergibt den Stab, der nächste läuft weiter. Das Stück dauert nur etwa 39 Minuten, aber ist unglaublich anstrengend. Doch hat man Musik und Schritte einmal verinnerlicht entsteht ein Gefühl großer Freiheit.« Ein wesentlicher Bestandteil des Werks sind die Kostüme der amerikanischen Modedesignerin Norma Kamali, die in einem Kontrast von lockeren schwarz- bzw. blauweiß gestreiften Hemden oder über dem Bauchnabel zusammengeknoteten Blusen, Hosen und Faltenröcken zu Bodys, Röckchen und Socken in leuchtendem Rot stehen. Als Kamali die Tänzer*innen während der Proben beobachtete, wie diese immer mehr Schichten ihrer Trainingskleidung ablegten, wurde sie dazu inspiriert, dies in ihr Design einzubringen und so werden im Verlauf des Stückes darunterliegende Kleidungsstücke, wie rote Bodys, enthüllt, welche die Herren mitunter über den Hosenbund herunterrollen. Zu einem Markenzeichen wurden auch die roten Spitzenschuhe der Balletttänzerinnen im Gegensatz zu den hellen Sneakers der »Stompers«. Unerlässlich für die besondere Wirkung des Stücks, das auf leerer Bühne getanzt wird, ist auch das spezielle, von Nebel durchsetzte Lichtdesign von Jennifer Tipton, das eine nahezu unendlich wirkende Tiefe und Weite erzeugt und die Tänzer*innen laut Tharp »wie aus dem Nichts« erscheinen lässt. Durch die Verschmelzung von Bewegung, Klang und Licht entsteht letztendlich eine fast tranceartige Atmosphäre, ein erhebendes Gefühl – gleichsam einem »Upper Room«. Twyla Tharp und Jennifer Tipton wurden für In The Upper Room 1991 mit dem Olivier Award für »Outstanding Achievement in Dance« ausgezeichnet. Das Stück ist längst zu einem zentralen Werk im Repertoire vieler großer Ballettcompagnien weltweit geworden, darunter das American Ballet Theatre, Het Nationale Ballet, das Birmingham Royal Ballet und nun auch das Wiener Staatsballett. 43

EIN HYBRID AUS TANZSTILEN


Francesca Cesaro, Gaia Fredianelli


HARRIET JUNG – Kostüme Heatscape Harriet Jung ist Kostümbildnerin und Co-Creative Director von Reid & Harriet. Sie arbeitete mit Choreograf*innen wie Kyle Abraham, Justin Peck, Christopher Wheeldon und Pam Tanowitz zusammen. Ihre Werke wurden unter anderem vom New York City Ballet, American Ballet Theatre und Royal Ballet London präsentiert. Ihre Arbeit geht über die Ballettbühne hinaus und umfasst Projekte im Metropolitan Museum of Art, bei Works & Process im Guggenheim Museum sowie im Museum of Arts and Design. Zu ihren Off-Broadway-Produktionen zählt Did You Eat? (2025) am Public Theater, ihre Arbeiten am Broadway umfassen Bob Fosse’s Dancin’ (2023) und Illinoise von Justin Peck (2024).

BRANDON STIRLING BAKER – Licht Heatscape Brandon Stirling Baker ist ein international tätiger, für den Tony Award nominierter Lichtdesigner. Seine Arbeiten sind auf Bühnen in den USA und weltweit zu sehen, darunter am Broadway, im Lincoln Center, im Kennedy Center, in der Hollywood Bowl, der Walt Disney Concert Hall, beim New York City Ballet, Ballet de l’Opéra national de Paris, San Francisco Ballet, Australian Ballet, Hong Kong Ballet, American Ballet Theatre, Alvin Ailey American Dance Theater, Miami City Ballet, Boston Ballet, Joffrey Ballet, Houston Ballet, Pacific Northwest Ballet und bei Het Nationale Ballet. Baker erhielt eine Tony-Award-Nominierung für sein Lichtdesign von Justin Pecks Illinoise am Broadway und ist Träger des Knight of Illumination Award für seine Arbeiten im Bereich Tanz. Er hat weltweit über 30 Uraufführungen für Choreograf Justin Peck gestaltet und arbeitet regelmäßig mit William Forsythe, Jamar Roberts und Pam Tanowitz zusammen.

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BIOGRAFIEN


MICHAEL BREEDEN – Einstudierung Heatscape Michael Breeden wurde in Lexington, Kentucky, geboren, wo er im Alter von sieben Jahren seine Tanzausbildung begann. Nach dem Besuch der School of American Ballet trat er 2006 dem Miami City Ballet bei, dessen Ensemble er zwölf Jahre lang angehörte. In dieser Zeit tanzte er Solisten- und Hauptrollen in Werken von George Balanchine, Jerome Robbins, Frederick Ashton, Antony Tudor, Twyla Tharp, Paul Taylor, Alexei Ratmansky, Liam Scarlett und Justin Peck. Als Einstudierer arbeitete er an mehr als zwanzig Produktionen von Justin Peck, darunter für das New York City Ballet, das Royal Danish Ballet, das Semperoper Ballett Dresden, das Atlanta Ballet, das Hong Kong Ballet und das Miami City Ballet. Zudem studierte er 2025 Alexei Ratmanskys The Fairy’s Kiss bei Het Nationale Ballet Amsterdam ein. 2016 gründete Michael Breeden gemeinsam mit Rebecca King Ferraro den Podcast Conversations on Dance. Das Format umfasst auch Live-Interviews, unter anderem am Kennedy Center, bei Works & Process im Guggenheim Museum und beim Vail Dance Festival.

ERIC TROPE – Einstudierung Heatscape Eric Trope tanzte insgesamt zwölf Jahre lang beim Miami City Ballet und beim Pennsylvania Ballet, wo er zahlreiche Haupt-, Solisten- und Corps de ballet-Rollen übernahm. Mit beiden Compagnien gastierte er international, u.a. im New York State Theater, im New York City Center, im Segerstrom Center for the Arts, im Kennedy Center sowie im National Arts Centre in Ottawa. 2024 übernahm er anlässlich der 50. Jubiläumssaison die interimistische Künstlerische Leitung des Lexington Ballet. Seit Juli 2025 ist er Artistic Director des Ballet Des Moines. Dort wurde er kürzlich vom Iowa Business Record als BPC Cultural Leader Newcomer of the Year ausgezeichnet. Zu seinen choreografischen Auszeichnungen zählen die Teilnahme an der Creative Movers Choreographic Initiative der Joffrey Concert Group, der Gewinn des Choreocontest beim Nantucket Atheneum Dance Festival sowie die Teilnahme am New York Choreographic Institute, einem Partnerprogramm des New York City Ballet. Darüber hinaus schuf er Choreografien unter anderem für das New Jersey Ballet, das Dimensions Dance Theater und das Mainly Mozart Festival. Als Repetiteur arbeitete er mit Justin Peck zusammen und studierte dessen Werke beim Finnischen Nationalballett, beim Semperoper Ballett Dresden, bei der Compañía Nacional de Danza und am National Moravian-Silesian Theatre ein. BIOGRAFIEN

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wiener-staatsballett.at


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