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Börsianer Grün, Mai 2025

Page 1

DACH-Region — 05/25 | EUR 18

Wer zuletzt lacht!

Die Hoffnung lebt – so ist der blaue Planet noch zu retten

ESG Fund Award Die besten nachhaltigen Fonds im DACH-Raum

Kreislaufwirtschaft Wie Unternehmen die Welt von morgen gestalten

Revolutionär gedacht Welches Mindset in den Chefetagen gefragt ist


Dein Weg, wohin er dich auch führt. Wir sind da. Für deine Ziele, Träume, Erfolge und Veränderungen.


So weit muss Bank gehen.


EDITORIAL / BÖRSIANER GRÜN

Liebe Börsianerinnen und Börsianer! DER EUROPEAN GREEN DEAL WIRD ENTSCHLACKT, über dem Atlantik regieren faktenverlachende Klimaleugner, und manche Fondsanbieter denken darüber nach, ESG-Investments durch Rüstungsbeigaben zu verwässern. In Sachen Nachhaltigkeit gab es schon mehr zu lachen. „Macht ihr mit Börsianer Grün wirklich weiter? Der Trend ist doch längst am Abflauen“, hört man da mancherorts.

Gute Ideen Ja, tun wir! Vor zehn Jahren, als die erste Edition grün des Börsianer erschien, lautete die Frage: „Was bringt’s?“ Seither gilt: Die grüne Transformation ist kein Trend, sondern das lebenswichtige Elixier des Wandels, das Wettbewerbsfähigkeit und künftigen Wohlstand sichert. Das zeigen zahlreiche Unterneh-

Daniel Nutz

men, die wir für dieses Jubiläumsmagazin besucht haben. Unser

Chefredaktion „Börsianer Grün“

Deutschland-Korrespondent Oliver Stock liefert eine Reportage über das Schweizer Unternehmen Synhelion, das jetzt in Nordrhein-Westfalen den Treibstoff der Zukunft herstellt (Seite 44). In unserer Serie über Start-ups stellen wir sechs Ideen vor, die das Problem Abfall auf innovative und teils disruptive Weise lösen. Kollegin Ingrid Krawarik ging bei Alpla-CEO Philipp Lehner der Frage nach, wie Plastikverpackungen im Kreislauf wandern (Seite 48). Das führte sie direkt zur Baubranche, denn Immobi­ lien sind einer der größten CO2-Verursacher (Seite 40). Für die Energiewende braucht es starke Netze (Seite 114) und viel Strom. Dass dieser bald durch Kernfusion erzeugt wird, glaubt man übrigens beim Start-up Marvel Fusion (Seite 106).

Live Folgen Sie uns:

Ob grüner Wasserstoff künftig die Industrie Europas antreibt, hängt auch von einer Transportbrücke nach Afrika ab – den Stand der Dinge hat Julia Kistner für uns recherchiert (Seite 110).

ESG Fund Award Woher kommt das Geld? Ein Backlash in den USA führte zu Mittelabflüssen bei ESG-Fonds. Es ergeben sich aber auch Investmentchancen: Vier davon hat Raja Korinek zusammengetragen

boersianer.at

(Seite 58). Die Investoren aus dem DACH-Raum freuen sich laut

linkedin Börsianer

einer Umfrage (Seite 52) über Bürokratieabbau, befürchten aber

x.com/derBoersianer

viel Druck aus den USA. Bereits zum dritten Mal suchten wir die

boersianer.at/gruen

Sieger beim ESG Fund Award des Börsianer Grün.


t m h a r e g n i E ESG Fund Award. Gemeinsam mit ESG Plus suchten wir die besten nachhaltigen Fonds im DACH-Raum. Diesmal auch mit einer reinen ESG-Sonderkategorie.

EDITORIAL / BÖRSIANER GRÜN

Prophetisch. Der Wirtschaftswissenschaftler Carlo M. Cipolla verfasste mit "Die Prinzipien der menschlichen Dummheit" einen humorvollen Klassiker.

Unser Schweiz-Korrespondent Daniel Zulauf sendete uns ein Porträt des Roche-Erben Andre Hoffmann (Seite 94) zu. Dieser steht ähnlich wie Kaschmirkönig Brunello Cucinelli, den unsere neue Italien-Korrespondentin Micaela Taroni getroffen hat, und Blinkist-Gründer Sebastian Klein (Seite 122) für eine neue Form des Wirtschaftens ein. Eine solche sucht auch die Wissenschaft: Hans Joachim Schellnhuber, der deutsche Klimaforscher, erklärte mir im Interview (Seite 34), wie seine Vision eines totalen Umbaus unseres Wirtschaftssystems auf den Baustoff Holz das Weltklima retten könnte.

staatszerstörenden Pläne der Regierung Trump noch Hoffnung. Apro­pos: Manche Intellektuelle haben bei der Analyse der ersten 100 Tage der Regierung Trump die Ideen des italienischen Wirtschaftswissenschaftlers und Schriftstellers Carlo Maria Cipolla wiederentdeckt. Der Kern seiner These: Dumme Menschen fügen anderen Schaden zu, ohne selbst davon zu profitieren – quasi die unaufhaltsamen Saboteure der kol-

n leg e ge s a

igital/nachhalti

seine Columbia Business School fürchten, hat aber trotz der

.d ss

not Wagner (Seite 28) muss zwar um Mittelkürzungen für

j

ein: Die Lösungen seien längst da. Und Klimaökonom Ger-

n

Seine Wiener Kollegin Helga Kromp-Kolb (Seite 117) mahnt mehr Tempo bei der Transformation zur Kreislaufwirtschaft

lektiven Vernunft. Blöderweise werde deren Durchsetzungskraft stets unterschätzt, und sie bekommen zu viel Aufmerksamkeit. Im Bewusstsein, dass wir Medien dabei auch oft eine zweifelhafte Rolle spielen, haben wir uns entschlossen, Sie auf den folgenden knapp 150 Seiten mit dem Konterfei des aktuellen US-Präsidenten zu verschonen. Ein selbst auferlegtes Abbildungsverbot, wenn Sie so wollen!

Ich freue mich auf Ihr Feedback!

d.nutz@boersianer.at Linkedin: Daniel Nutz

Nachhaltigkeit ist kein Trend. Sie ist das Rückgrat mit der wir Weitsicht walten lassen.


INHALT/ BÖRSIANER GRÜN

Nachhaltigkeit 20 Coverstory

94 Porträt

Welche Herausforderungen

48

sind. Woher die F ­ inanzierung

tritt für ein neues

Unter­nehmertum ein

kommt. Und wie weit die Transformation der Wirtschaft

102 Förderungen

ist. Plus: Klimaökonom Gernot

Lehren aus fehlgeleiteten

Wagner im Interview.

­Staatsinvestments

34 Interview

106 Kernfusion

Klimaforscher Hans Joachim

Ein Münchener Start-up auf

Schellnhuber baut auf Holz

Energiesuche

40 Innovation

58

Roche-Erbe Andre Hoffmann

beim Klimaschutz zu meistern

110 Wasserstoff

Wo die Bauwirtschaft schon im

Wann die Energie aus ­Afrika

Kreislauf denkt

kommen soll

44 Reportage

114 Infrastruktur

Wie aus Sonne, Luft und Liebe

Herausforderung

E-Fuels entstehen

Netzausbau

48 Interview

118 Porträt

Alpla-Chef Philipp Lehner über

Brunello Cucinelli produziert

den vielfachen Einsatz von

­exklusive und nachhaltige Mode

Plastik

102

122 Aktivist 80 Versicherungen Wer soll das bezahlen? 88 Finanzierung Wie grün sind die Banken?

Blinkist-Gründer sieht ­Reichtum als Gefahr 126 Start-ups Sechs Ideen für die Kreislaufwirtschaft

44 6


106

INHALT/ BÖRSIANER GRÜN Zukunft Kernfusion. 45 privat finanzierte Projekte versuchen derzeit, die Kernfusion in Gang zu bringen. Das Münchener Start-up Marvel Fusion will mittels eines Lasers ans Ziel kommen.

Grüne Rendite 52 Umfrage Grün hat zu viele Mascherln 58 Grüne Investments Vier Trendthemen für die Geldanlage 1. Teil: Kritische Mineralien 2. Teil: Kreislaufwirtschaft 3. Teil: Diversität 4. Teil: Wasser 5. Teil: Interview

70 ESG Fund Award Die besten nachhaltigen Fonds 84 Interview Allianz-Vorstand Günther ­Thallinger hält Kurs 98 Private Equity ESG und der Backlash

34

Seitenblicke

Meinungen

32 Zahlen

16 Patrick Lobis

Fakten zum Klimawandel

Klimaschutz braucht leistungsstarke Wirtschaft

78 Prädikate Übersicht zu Labels und Ratings

18 Stefan Kratzsch Billionen fehlen – wer finanziert

132 Pro & Contra

die Zukunft?

Ist die EU-Omnibus-Verordnung eine gute Idee?

76 Martin Kwauka Neue Regeln für grüne

136 „Börsianer“-Challenge

­Mäntelchen

Wir pflanzen wieder Bäume 116 Sebastian Firlinger 140 Marktgezwitscher Was sich auf Social Media tut 144 10 Jahre „Börsianer Grün“ Ein Blick zurück

20

Wettbewerbsfähigkeit braucht Infrastruktur 117 Helga Kromp-Kolm Europa muss jetzt handeln

146 Firmenindex / Impressum Auszüge von Unternehmen in dieser Ausgabe

7


WACHSTUM MIT WEITBLICK

REPLOID BRINGT ­KREISLAUFWIRTSCHAFT IN DIE EUROPÄISCHEN MÄRKTE Die REPLOID Group AG aus Oberösterreich treibt seit 2020 mit wegweisenden biologischen und technischen Lösungen die ­europäische Kreislaufwirtschaft voran – mit klarem Fokus auf nachhaltiger Wertschöpfung durch Insekten.

D

ie Ausgangslage könnte dramatischer kaum sein: Weltweite Globalisierungsgedanken neigen sich dem Ende zu, die regionale Kreislaufwirtschaft wird reanimiert. Zu den Verwerfungen an den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten gesellt sich eine Art “Nachhaltigkeitskeule” der Europäischen Union, welche unter Strafandrohung vorgibt, dass Emissionen zu halbieren seien. Dem nicht genug, werden CBAM, EUDR und SCOPEVorgaben schlagend. Die REPLOID Group AG antizipiert diese globale Herausforderung seit Jahren und überzeugt durch mehrfach prämierte Innovationskraft. Was einst als kleines Projekt mit zwei Initiatoren begann, ist heute ein leistungsstarkes Unternehmen mit über 60 Mitarbeitenden. REPLOID verdeutlicht eindrucksvoll das Ausmaß eines globalen Problems: Jährlich gehen weltweit rund 931 Millionen Tonnen Lebensmittel entlang linearer Wertschöpfungsketten verloren – wertvolle Nährstoffe bleiben ungenutzt, während ihre Entsorgung erhebliche Treibhausgasemissionen verursacht. Für Dr. Jonas Finck liegt eine der vielversprechendsten Antworten auf globale Ressourcenfragen in der Natur selbst – präziser, in den Insekten. Insekten machen etwa 46 % der globalen tierischen Biomasse

aus und stellen damit die bedeutendste Tiergruppe. Wer das Potenzial dieser Organismen erkennt, findet Lösungen für viele der Herausforderungen, mit denen unsere Gesellschaft zunehmend konfrontiert ist. Insekten übernehmen seit Millionen von Jahren zentrale Aufgaben in natürlichen Stoffkreisläufen – effizient und resilient. Genau hier setzt das Team um Dr. Finck an: Es entwickelt innovative Systeme, mit denen Nährstoffrecycling durch Insekten industriell umgesetzt werden kann. Wir bringen natürliche Effizienz ins Wirtschaftsmodell – und schaffen daraus investierbare Lösungen mit Wachstums­ potenzial Die REPLOID Group AG setzt mit ihrem Führungsteam gezielt auf wirtschaftliche Exzellenz und internationale Markterfahrung. An der Spitze steht der Österreicher Philip Pauer, der über zwei Jahrzehnte internationale Expertise in Finanzwesen und Vertrieb mitbringt. Gemeinsam mit einem hochkarätig besetzten Vorstand sowie einem erfahrenen Aufsichtsrat, vereint REPLOID fundierte Branchenkenntnis mit strategischem Weitblick. Die Exzellenz spiegelt sich in einer Akademikerdichte von über 80 % wider – mit Teammitgliedern aus neun Nationen und

operativer Präsenz in mehr als sieben Ländern. Diese interdisziplinäre Vielfalt bildet das Fundament für die erfolgreiche Entwicklung standardisierter, teils patentierter Biotechnologielösungen. Bereits 29 künftige Aktionäre – darunter etablierte Industrieakteure wie der Konzern von Clemens Tönnies, KR Markus Friesacher, Mag. Florian Ölz, die Eigentümerfamilie von ALMI-Gewürzen, Dr. Schmidbauer (BIOGENA), die Mühldorfer Nutrition AG, die Neuburger Holding, Ing. Mag. Kurt Asamer (Asamer Family Office) und BIO-OIL Geschäftsführer Mag. Georg Klöckler – begleiten REPLOID auf dem Weg, skalierbare Lösungen für Kreislaufwirtschaft, Ressourcenmanagement und biobasierte Industrieprozesse in den Markt zu bringen. Industrielle Aufwertung vom Reststoff zum Rohstoff Insektenlarven der Schwarzen Soldatenfliege verwerten organische minderwertige Biomasse und wandeln sie in hochwertige Rohstoffe um. REPLOID überführt die außerordentlichen Fähigkeiten in ein industrielles Plug & Play Modell, in dem täglich bis zu 40 Tonnen organischer Reststoffe aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrieetwa Brauereien, Molkereien, Fruchtsafterzeugern – von den Larven zu hochwertigen


Entgeltliche Einschaltung

ReFarmUnit made by REPLOID

tierischen Proteinen, Fetten und Düngemittelvorstufen umgewandelt werden. Aktuell erfreut sich das dezentrale Industriekonzept großer Nachfrage. Von der Landwirtschaft und dem Lebensmittelhandel hin zu verschiedensten lebensmittelproduzierenden Betrieben und der chemischen Industrie, könnten die Anfragen unterschiedlicher kaum sein. Für produzierende Betriebe und Erzeuger von Lebensmitteln bedeutet das REPLOID-System eine wertvolle Lösung für ihre Scope 3-Emissionen. Jährlich entstehen mithilfe des REPLOID-Systems aus 10.000 Tonnen organischem Reststoff 2.000 Tonnen Larvenfrischmasse aus einer dezentralen Produktion – ideale Ausgangsstoffe für Tierfuttermittel sowie verschiedene technische Anwendungen wie SAF oder Biotreibstoffe – sowie 2.200 Tonnen Insektenfrass. Das Material besteht aus den Überresten der Insektenmast und eignet sich hervorragend, um es zu organischem Dünger und Biostimulanzien zu veredeln. Klimaschonendes Tierfutter made by “regionalem Reststoff“ REPLOIDs Primärprodukte aus der Insektenzucht bieten nachhaltige Alternativen zu konventionellen Erzeugnissen in der Heim- und Nutztierfütterung. Futtermittel auf Insektenbasis können dazu beitragen,

den ungünstigen ökologischen Fußabdruck von Millionen in Europa gehaltenen Hunden und Katzen zu verringern. Zum Vergleich: Die Ökobilanz eines 15 kg schweren Hundes ergibt bei 13 Lebensjahren einen CO2-Ausstoß ähnlich den bei der Produktion eines Mittelklassewagens anfallenden Emissionen. Der größte Anteil entfällt dabei auf die Futterproduktion. REPLOID bietet eine umweltschonende und zudem wirtschaftliche Alternative: Insektenbasierte Proteine aus regionalen Reststoffen sichern langfristig verfügbare Rohstoffe, reduzieren geopolitische Abhängigkeiten und ermöglichen eine resiliente Wertschöpfungskette – ein klarer strategischer Vorteil in einem wachstumsstarken Zukunftsmarkt. Organischer Dünger made by „regionalem Reststoff“ Ein Großteil der in der EU verwendeten mineralischen Düngemittel – vor allem Phosphat und Kalium – stammt aus Drittländern. Ihre Herstellung ist energieintensiv und verursacht hohe CO₂-Emissionen. Der neue EU-Mechanismus CBAM soll Importe mit einem CO₂-Preis belegen, als wären sie in der EU produziert worden. Gleichzeitig will die EU mit einer neuen Verordnung Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch konventionelle Düngemittel sowie Impor-

tabhängigkeiten reduzieren. REPLOID entwickelt in Europa organische Düngemittel und Biostimulanzien auf Basis nachhaltig erzeugtem Insektenfrass‘. Dieser fördert das Pflanzenwachstum und stärkt deren Widerstandskraft. Die Bedeutung solcher Lösungen zeigt sich auch in der Förderung durch das EU-LIFE-Programm. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „Waste4Growth“ fördert die EU REPLOID und ihre Partner mit einem Gesamtvolumen von 3 Millionen Euro. REPLOID setzt auf Visibilität und ein starkes Wachstum! Mit starkem Zuspruch und Rückhalt seiner Initialaktionäre sowie der festen Absicht, in Europa eine echte wirksame Kreislaufwirtschaft zu etablieren, steht REPLOID an der Startlinie für ihr Listing an der Wiener Börse (MTF Direct Market Plus). Die Unternehmer versprechen sich davon gesteigerte Visibilität und ein möglichst zügiges Wachstum, denn diese deutsch-österreichische Lösung soll künftig nicht nur beim Larvenwachstum exponentielle Ergebnisse abliefern.


FOTO: ELLIOTT FRANKS / EYEVINE / PICTUREDESK.COM

KUNST ALS BEWUSSTSEINSBILDUNG Kunst soll zum Diskurs anstoßen! Die US-Amerikanerin Jenny Kendler schafft dies ganz eindrucksvoll über ihre Riesenskulpturen. Hier installiert sie gerade „Birds Watching“ auf dem Dach der Hayward Gallery in London. Die Augen von vom Aussterben bedrohten Vogelarten sollen uns daran erinnern, dass diese Vögel uns beobachten und dass wir Verantwortung für die Aus­ wirkungen des Klimawandels tragen.


FOTO: LIU XIAO XINHUA / EYEVINE / PICTUREDESK.COM

NEUE TECHNOLOGIE Ob dieser Herr noch den Durchblick hat? Er kontrolliert gerade die Treibstoff­ zuflüsse für ein Flugzeugtriebwerk. An europäischen Flughäfen müssen Flugzeuge ab 2025 mit einem kleinen Anteil an nachhaltigeren Kraftstoffen betankt werden. Bis der „Klimakiller“ Flugverkehr komplett nachhaltig ist, sind aber noch einige Flugmeilen zurückzulegen. Derzeit gehen 2,7 Prozent aller Emissionen auf die Luftfahrt zurück.


FOTO: ROBERT MICHAEL / DPA / PICTUREDESK.COM

RÜSTUNG ODER KLIMASCHUTZ? US-General Darryl Williams inspiziert das Luftabwehrsystem Skyranger der Rheinmetall AG. Die Aktionäre des deutschen Rüstungskonzerns durften sich zuletzt über Kursgewinne freuen. Doch kann es sein, dass nachhaltig veranlagte Gelder in Rüstung fließen? Nicht alle Fondsanbieter zeigen Skrupel. Große Fondshäuser wie AGI oder DWS lockerten bereits Investmentrichtlinien für Artikel8-Fonds und ernteten dafür Kritik. DWS stellte diesbezüglich gegenüber „Börsianer Grün“ klar: Zumindest wo ESG im Fondsnamen steht, ist keine Rüstung drinnen. Etwas anderes wäre laut neuen ESMA-Regeln auch nicht möglich.


MEINUNGEN / KOMMENTARE

KLIMASCHUTZ BRAUCHT LEISTUNGSSTARKE WIRTSCHAFT Mit dem Clean Industrial Deal und der Spar- und ­ nvestitionsunion legt die EU das Fundament für eine I klimaneutrale und wettbewerbsfähige Wirtschaft. Jetzt braucht ­ es Mut zur Umsetzung – und Kapital, das bewegt!

DIE WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN Ankündigun-

starken Wirtschaft. Ein zentraler Erfolgsfak-

gen aus den Vereinigten Staaten während der

tor ist hier die Mobilisierung von privatem

vergangenen Wochen und der jüngste Bericht

Kapital. Daran mangelt es in der EU prinzipiell

zum Zustand des Klimas in Europa haben eines

nicht. Woran es allerdings fehlt, ist ein effizi-

gemeinsam: Sie zeigen, wie wichtig die Umset-

enter Kapitalmarkt. Finanzinstrumente wer-

zung des Deals für eine saubere Indus­trie ist,

den in der EU an 116 geregelten Märkten und

den die Europäische Kommis­sion Ende Februar 2025 vorgeschlagen hat. Die Initiative hat zwei große Zielsetzungen: die Wettbewerbs­ fähigkeit Europas zu stärken und die Dekarbo-

148 multilateralen Handelsplattformen ge-

»EU-Kapitalmarkt statt Fleckerl­ teppich.«

handelt. Darüber hinaus sind 26 Zentralverwahrer und 14 zentrale Gegenparteien in der EU zugelassen, die Abwicklungs- und Clea-

nisierung der Industrie mit Blick auf die EU-

ringdienstleistungen erbringen. Diese Frag-

Klimaziele voranzutreiben.

mentierung verhindert die Heranbildung von

Der Deal für eine saubere Industrie, der im deutschsprachigen Raum oftmals unter seinem englischen Namen Clean Industrial Deal firmiert, fußt auf mehreren Säulen. Eine davon ist die Bereitstellung erschwinglicher Energie, was den Ausbau der Erneuerbaren und der Leitungsnetze in der EU bedingt. Weitere Eckpunkte sind die Steigerung der Nachfrage nach sauberen Produkten – Nachhaltigkeit soll im öffentlichen Beschaffungswesen eine größere Rolle spielen –, Zugang zu Rohstoffen, Stärkung der Kreislaufwirtschaft, Qualifizierung von Arbeitskräften, administrative Erleichterungen für Unternehmen, neue Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern und natürlich Finanzierung. Hier ist etwa geplant, den EU-Innovationsfonds zu stärken und eine Bank zur Dekarbonisierung der Industrie mit einem Finanzierungsziel von 100 Milliarden

Vita

Skaleneffekten und führt zu höheren Kosten. Hier setzt die Europäische Spar- und Investi-

Patrick Lobis Vertreter in Wien EU-Kommission

tionsunion an. Sie zielt darauf ab, den aktuel-

Der Südtiroler Jurist leitet die Vertretung der Europäischen Kommission in Wien. Zuvor war er im Kabinett von EUFinanzkommissarin Mairead McGuinness zuständig für Finanzdienstleistungen, Finanzstabilität und Kapitalmarktunion. Als Finanzexperte bringt er langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von Klimapolitik, Kapitalmarkt und europäischer Regulierung mit.

Ersparnisse effizienter in produktive Investi-

len Fleckerlteppich in ein liquideres und integriertes EU-Finanzsystem zu verwandeln, das tionen lenkt. Kurzum: Es geht darum, den europäischen Kapitalmarkt attraktiver zu machen und mehr Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, die Geld anlegen möchten. Aktuell werden rund zehn Billionen Euro an Ersparnissen als Bankeinlagen mit geringer Rendite gehalten. Es besteht daher ein erheblicher Spielraum, um das Potenzial dieses Kapitals in vollem Umfang nutzen zu können. Direktanlagen auf den Kapitalmärkten würden eine stärkere Unterstützung für Investitionen mit sich bringen.

Euro einzurichten. Der Deal für eine saubere

Ihre Meinung ist gefragt!

Industrie ist ein wichtiger Baustein, um den

Wie bei solch wichtigen Initiativen üblich, holt

Grünen Deal umzusetzen und das – übrigens

die Kommission auch bei der Spar- und Inves-

EU-rechtlich verankerte – Ziel der Klimaneu-

titionsunion die Meinung der Betroffenen ein,

tralität bis 2050 zu erreichen. Klimaschutz

bevor sie weitere Schritte setzt. Sie alle sind

braucht innovative Lösungen. Und innovative

eingeladen, bis 10. Juni eine Stellungnahme

Lösungen sind das Resultat einer leistungs-

abzugeben. —

16


btv.at/nachhaltigegeldanlage

Eine Welt, neuer Mut Investieren mit Geist und Haltung bedeutet: Ich will, dass mein Geld nachhaltig Gutes für die Umwelt tut. Mutig voran!


MEINUNGEN / KOMMENTARE

BILLIONEN FEHLEN – ­ WER FINANZIERT DIE ZUKUNFT? Die Finanzierungslücke für die SDG ist riesig – doch es gibt Wege, sie zu schließen. Impact Investing und Blended Finance zeigten, wie nachhaltiger Wandel möglich werde, erklärt Stefan Kratzsch von den Vereinten Nationen.

DIE UMSETZUNG des neunten Nachhaltigkeits-

risiken besonders hoch erscheinen. Durch

ziels der Vereinten Nationen (SDG 9) – Indus-

technische Unterstützung, gezielte Investi­

trie, Innovation und Infrastruktur – ist zen­

tionsförderung und Risikominimierung bietet

tral für ein nachhaltiges Wachstum und ge-

Unido wirksame Instrumente zur Förderung

sellschaftlichen Fortschritt, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Industrial Development Report 2024 der Unido zeigt: SDG 9 schafft Zugang zu wichtigen Gü-

nachhaltiger Investitionen an. Dazu gehö-

»Privates Kapital mobilisieren und ­Risiken minimieren.«

ren beispielsweise Comfar, eine Software für Machbarkeitsanalysen, sowie digitale Plattformen wie die Invest in ACP Platform, die

tern, neue Arbeitsplätze, technologische In-

derzeit mehr als 1.000 konkrete Investitions-

novationen – und hilft, Emissionen zu redu-

möglichkeiten in Afrika, der Karibik und dem

zieren. Doch der Weg dorthin ist teuer. Weltweit fehlen jährlich rund vier Billionen USDollar zur Finanzierung aller SDGs – allein 400 Milliarden davon für Infrastrukturprojekte. Um diese erhebliche Lücke zu schließen, müssen neben traditionellen Finanzierungsquellen wie Direktinvestitionen und Entwicklungshilfe verstärkt neue und innovative Akteure und Ansätze bemüht werden. Zwei dieser innovativen Finanzierungsmodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung: Impact Investing und Blended Finance. Impact Investing verwaltet bereits heute rund 1,57 Billionen US-Dollar und wächst seit 2019 mit einer jährlichen Rate von 19 Prozent. Besonders stark entwickelt sich der Bereich SDG-9-relevanter Infrastrukturprojekte mit einem Plus von 28 Prozent jährlich.

Vita

Pazifikraum präsentiert. Zusätzlich unterstützt Unido den Aufbau von institutionellen

Stefan Kratzsch Referatsleiter Unido

Kapazitäten von Investitionsförderungsagen-

Der Mitverfasser der einflussreichen „International Guidelines for Industrial Parks" leitet bei der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (Unido) das Referat für nachhaltige Investitionen und verantwortungsvolles Wirtschaften. Er hat eine breite Palette von Projekten in den Bereichen ­ Investitionsförderung umgesetzt.

nische Unterstützung weiterhin entschei-

turen in Partnerländern. Blickt man in die Zukunft, bleibt die techdend, um die bestehende Investitionslücke zu schließen, vor allem über De-Risking. Impact-Investing-Fonds, insbesondere solche gemäß Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung, müssen gezielt skaliert werden, um institutionelle Investoren stärker einzubinden. Der Aufbau und die Erweiterung von MultiStakeholder-Netzwerken und eine umfassende Entwicklung des Investitionsökosystems sind hierfür ebenso unabdingbar. Die enge Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie der ge-

Durch Blended Finance werden öffentli-

zielte Einsatz von Blended Finance und Impact

che mit privaten Mitteln kombiniert, um pri-

Investing setzen entscheidende Impulse für

vates Kapital zu mobilisieren und Risiken zu

die Erreichung von SDG 9. Es ist nun essenzi-

minimieren. Multilaterale Entwicklungsban-

ell, diese Dynamik konsequent zu nutzen – für

ken, Staaten und philanthropische Organisa-

nachhaltige Industrialisierung, innovative In-

tionen setzen gezielt auf diesen Ansatz, um

frastruktur und dauerhaften Wohlstand. Nur

Investi­tionen in Regionen zu fördern, in de-

so können die ambitionierten Ziele der Agen-

nen Marktversagen besteht oder Investitions­

da 2030 erfolgreich umgesetzt werden. —

18


Wasser, Recycling, erneuerbare Energie Heute in die Themen von morgen investieren www.erste-am.at Hierbei handelt es sich um eine Werbemitteilung der Erste Asset Management GmbH. Der Prospekt für OGAW-Fonds (sowie dessen allfällige Änderungen) wird entsprechend den Bestimmungen des InvFG 2011 idgF erstellt und veröffentlicht. Für die von der Erste Asset Management GmbH verwalteten Alternative Investment Fonds (AIF) werden entsprechend den Bestimmungen des AIFMG iVm InvFG 2011 „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ erstellt. Der Prospekt, die „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ sowie das Basisinformationsblatt sind in der jeweils aktuell gültigen Fassung auf der Homepage www.erste-am.com jeweils in der Rubrik Pflichtveröffentlichungen abrufbar und stehen dem/ der interessierten Anleger:in kostenlos am Sitz der Verwaltungsgesellschaft sowie am Sitz der Depotbank zur Verfügung. Das genaue Datum der jeweils letzten Veröffentlichung des Prospekts, die Sprachen, in denen das Basisinformationsblatt erhältlich ist, sowie allfällige weitere Abholstellen der Dokumente, sind auf der Homepage www.erste-am.com ersichtlich. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte ist in deutscher und englischer Sprache auf der Homepage www.erste-am.com/investor-rights abrufbar sowie bei der Verwaltungsgesellschaft erhältlich. Die Verwaltungsgesellschaft kann beschließen, die Vorkehrungen, die sie für den Vertrieb von Anteilscheinen im Ausland getroffen hat, unter Berücksichtigung der regulatorischen Vorgaben wieder aufzuheben. Umfassende Informationen zu den, mit der Veranlagung möglicherweise verbundenen Risiken sind dem Prospekt bzw. „Informationen für Anleger gemäß § 21 AIFMG“ des jeweiligen Fonds zu entnehmen. Ist die Fondswährung eine andere Währung als die Heimatwährung des/der Anleger:in, so können Änderungen des entsprechenden Wechselkurses den Wert der Anlage sowie die Höhe der im Fonds anfallenden Kosten - umgerechnet in die Heimatwährung - positiv oder negativ beeinflussen.


WER ZAHLT? Der Klimawandel kostet viel Geld, jährlich 2,4 bis neun Billionen US-Dollar. Pflaster picken und weitertun wie bisher ist nicht mehr.


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

Wer zuletzt lacht!

»  Wie ernst ist die Lage beim Klimawandel, und wo liegen die größten Hebel? »  Zwischen Billionenlücke und Renditechancen: Was kostet es, was bringt es? »  Wo Europa steht im Wettlauf um Technologien, K ­ apital und Zukunftsmärkte?

M

Text: Daniel Nutz und Robert Winter

Manch Klimaforscher nimmt es mit schwarzem Humor, wie dieser Witz zeigt: Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Oh, du siehst aber schlecht aus. Was hast du denn?“ Antwortet der andere: „Ich habe Homo sapiens.“ Darauf der erste: „Oh, das hatte ich auch einmal. Das geht vorüber!“ Aktuelle Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus zeigen: Es steht schlecht um die Welt und das Klima. 2024 war das erste Jahr, das mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau von 1850 bis 1900 lag. Die Pariser Ziele wackeln gehörig. Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer aus Chi-

GRAFIK: JELIO STEFANOV

na, aus Indien, Europa und sogar aus den USA. Im Folgenden haben wir versucht, sechs zentrale Hauptfragen der grünen Transformation und deren Finanzierung zu beantworten.

21


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

Wie steht es um die Welt, wie um das Klima?

Märkten gab. Weniger ging allerdings beim eigentlichen Konferenzthema weiter: Finanzierung von Klimaschutz und

Extremwetterereignisse wie Trocken-

Klimawandelanpassung. Dafür gab die

heit und Starkregen häufen sich auf-

Staatengemeinschaft

grund der höheren Temperaturen und

US-Dollar frei. „Zu wenig, um die me-

der dadurch erhöhten Verdunstung.

taphorisch gesprochen riesigen Löcher

Laut Rückversicherer Munich Re belie-

im gemeinsamen Boot, in dem wir als

fen sich die weltweiten Klimaschäden im

Weltgemeinschaft sitzen, zu stopfen“,

Jahr 2024 auf 320 Milliarden US-Dollar,

wie WWF-Klimaexperte Reinhard Uh-

wovon 140 Milliarden US-Dollar versi-

rig dem Börsianer Grün vorrechnet. Was

chert waren. Aufgrund der Komplexität

seiner Meinung nach fehlt, ist „das Ende

des Phänomens sind die tatsächlichen

der

durch den Klimawandel prognostizier-

durch ineffiziente Prozesse wie schlecht

ten Schäden oder Kosten schwer fassbar. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt in einer Analyse die Ausgangssituation ohne Klimaauswirkungen. Demnach würde die globale Wirtschaft als Folge unserer bisherigen Emissionen bis 2049 einen mittleren Einkommensverlust von 19 Prozent erleiden. Oder anders ausgedrückt: Mit-

300

Energieverschwendung

Milliarden

weltweit

gedämmte Gebäude bis zu veralteten In-

»800 Milliarden Euro für ökologische und technologische Herausforderungen pro Jahr.«

dustrieprozessen und dem unglaublich ineffizienten Antrieb von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren“. Dass in den USA Donald Trump und seines Geistes Komplizen mit der Abrissbirne gegen den Klimaschutz vorgehen, ist ein herber Schlag. Es gibt aber

Mario Draghi

auch Lichtblicke: Erneuerbare Energie-

te des Jahrhunderts wären die Schäden

träger boomen weltweit, da sie günstiger

sechsmal höher als die Aufwendungen,

und schneller zu errichten sind als fossi-

die es braucht, um das Pariser Klima­

le oder gar atomare Kraftwerke. Aktuelle

abkommen einzuhalten. Erfreulich war,

Daten der Denkfabrik Ember zeigen, dass

dass es auf der letzten Klimakonferenz

im vergangenen Jahr die Kapazitäten der

in Baku ein Abkommen zu Kohlenstoff-

Solarenergie weltweit um sieben Pro-

NACHHALTIGKEIT, GREEN INVESTING UND ERDERWÄRMUNG. DIE WICHTIGSTEN EREIGNISSE.

18. JAHRHUNDERT Der aus der ­Forstwirtschaft stammende Begriff „Nachhaltigkeit“ wird erstmals formuliert.

22

19. JAHRHUNDERT Gründung des Friends Provident Fund durch die Quäker, ein früher Meilenstein für ethisches ­Investieren.

1957 BIS 1958

19 38 19 28 Lancierung des Pioneer Fund, des ersten Ethikfonds in den USA.

Guy Callendar zeigt erstmals, dass die globale Temperatur durch den Anstieg von CO2 in der Atmosphäre steigt.

Start der CO2-­ Messungen an der Mauna-Loa-Station auf Hawaii – die Grundlage für die ­ ­„Keeling-Kurve“.


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

Woher kommt das Geld?

zent anstiegen, in den vergangenen drei

im Rest der Welt insgesamt. Anders ti-

Jahren hat sich die Stromerzeugung mit

cken die Uhren in den USA. Der vorma-

Sonnenenergie verdoppelt. Insbesonde-

lige US-Präsident Joe Biden hatte mit

Die Klimafinanzierung für Entwick-

re China nimmt hier eine herausragende

dem 2022 verabschiedeten Inflation Re-

lungsländer von jährlich 300 Mil­liarden

Rolle ein – mehr als die doppelte Men-

duction Act (IRA) die grüne Wende an-

US-Dollar soll aus öffentlichen und pri-

ge der Stromerzeugung aus erneuerba-

gekurbelt. Seit damals wurden in Ame-

vaten Quellen bis 2035 auf 1,3 Billionen

ren Energien bis 2030 gegenüber 2023 ist

rika über 500 Milliarden Dollar in saube-

US-Dollar pro Jahr aufgestockt werden.

darum durchaus realistisch.

re Energieprojekte investiert. Schon an

Auch hier stellt sich die Frage, wie sich

seinem ersten Arbeitstag drückte jedoch

die entwickelten Staaten Unterstützun­

Donald Trump die Stopptaste. Er unter-

gen in dieser Höhe leisten können.

zeichnete mehrere Dekrete, die einen

Schließlich wird viel Kapital für Rüs-

Der Klimawandel kostet viel Geld. So ta-

drastischen Rückgang der US-Investi-

tungsausgaben verwendet, weshalb die

xiert die Ratingagentur Moody’s die glo-

tionen in den grünen Wandel bewirken.

Investitionen in den nachhaltigen Um-

bale Investitionslücke bis 2030 jährlich

In der EU sollen mit dem Clean In-

bau des Planeten Erde den Kürzeren zie-

auf fast 2,4 Billionen US-Dollar. Laut

dustrial Deal 100 Milliarden Euro zur Fi-

hen können. Stichwort Investitionen:

dem Emissions Gap Report 2024 des Uni-

nanzierung der Energiewende bereit-

Das gesamte globale nachhaltige Fonds-

ted Nations Environment Pro­ gramme

gestellt werden. Der frühere EZB-Prä-

volumen erreichte Ende Q1/2025 knapp

(UNEP) kann der Finanzbedarf bis 2035

sident ­ Mario Draghi schlägt vor, zwi-

3.200 Milliarden US-Dollar, und 84 Pro-

sogar rund neun Billionen US-Dollar

schen 750 Milliarden und 800 Milliarden

zent dieses Geldes entfielen auf Investo-

pro Jahr betragen. Woher diese Beträ-

Euro jährlich zu investieren, um die in

ren aus Europa. Aber der Run privater so-

ge kommen sollen, ist noch unklar. Tat-

der EU herrschenden ökologischen und

wie institutioneller Anleger auf nachhal-

sache ist, dass Chinas Präsident Xi Jin-

technologischen Herausforderungen zu

tige Investments ist versiegt. Laut dem

ping auf dem Gas steht. Ein Zwischen-

meistern. Dabei soll öffentliches Kapital

Finanzinfo-Unternehmen Morningstar

ziel hat der Machthaber erreicht. Laut

eine wesentliche Rolle spielen, da pri-

sanken die weltweiten finanziellen Mit-

der Rosa-Luxemburg-Stiftung stiegen

vates Geld derartige Summen kaum auf-

tel für nachhaltige offene und börsen-

die Investitionen in saubere Energie im

bringen kann. Ob die europäischen Plä-

gehandelte Fonds im Vorjahr gegenüber

Reich der Mitte im Jahr 2023 gegenüber

ne umsetzbar sind, steht angesichts der

2023 um die Hälfte, während das übrige

2022 um 40 Prozent auf 890 Milliarden

zahlreichen ökonomischen Herausfor-

Fondsuniversum mit den zweithöchsten

US-Dollar. Das war fast genauso viel wie

derungen in den Sternen.

Zeichnungen in sieben Jahren boom-

Wie viel Kapital braucht es?

1960ERJAHRE Entstehung der ersten sozial verantwortlichen Investmentfonds, inspiriert von Bewegungen wie dem Kampf gegen die Apartheid und Protesten gegen den Vietnamkrieg.

19 79 19 72 Veröffentlichung von „Die Grenzen des Wachstums“ durch den Club of Rome.

1980ERJAHRE Die erste Weltklima­konferenz in Genf betont die ­Notwendigkeit ­internationaler ­Klimaschutzmaßnahmen.

Wachstum der Divestment-Bewegung, besonders im Zusammenhang mit Südafrika und der Apartheid.

19 87 Der Brundtland-­ Bericht prägt den Begriff „nachhaltige Entwicklung“.

23


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

te. Karin Kunrath, Chief Investment Of-

forschungsinstitut (Wifo), während die

sich aus den Einnahmen des EU-Emis-

ficer bei Raiffeisen Capital Management

USA durch Trumps Politik gerade über

sionshandels finanziert, Zukunftsinves-

(RCM), sagt: „Transformatorische In-

die eigenen Beine stolpern. Und Europa?

titionen ermöglichen. Bereits 2026 sol-

vestmentthemen litten stark unter den

Obwohl der Alte Kontinent derzeit etwas

len dafür 100 Milliarden Euro zur Verfü-

Zinsanhebungen der EZB. Zudem kam

auf der Bremse steht, sind die Ziele noch

gung stehen. Private Investitionen erfol-

es zu einer Wiederbelebung von nach-

vor Augen. Diese wurden erst im Febru-

gen durch den Competitiveness Fund, die

haltig schwierigen Branchen wie fossile

ar durch den Clean Industrial Deal (CID)

Europäische Investitionsbank und eine

Energieträger oder Waffen.“ Fazit: Auch

bekräftigt: ein Rahmenwerk, etwas un-

Umsetzung der Spar- und Investunion.

wenn die Schätzungen des Geldbedarfs

konkret, wie man es von EU-Vorgaben

Wobei speziell für Letztere zu berück-

für die Klimawende von Moody’s oder

kennt, aber mit der Zielrichtung Wett-

sichtigen bleibt, dass die Mühlen des ge-

der UN weit auseinanderliegen – die Fi-

bewerbsfähigkeit. Das sei ein „zentraler

einten Europas keine Hochleistungstur-

nanzierung gleicht einer Herkulesaufga-

Pfeiler für industrielle Wettbewerbsfä-

binen sind. Der Weg ist also klar, auch

be, bei der Staaten, der Finanzsektor und

higkeit“, sagt Walburga Hemetsberger,

wenn der Ausblick durch andere Themen

Private bis hin zu Philanthropen an ei-

Präsidentin von Solar Power ­Europe.

wie Sicherheit getrübt ist: „Der Bedarf an

nem Strang ziehen müssten.

Auch Herbert Eibensteiner, CEO der

ökologischer Transformation steigt lang-

Voest­alpine AG, gibt sich gegenüber dem

fristig definitiv. Am globalen Markt sind

Börsianer Grün optimistisch: „Neben der

jene Standorte erfolgreich, die das früh

Klimaneutralität geht es auch um Maß-

beherrschen“, meint Wifo-Ökonom Pe-

Bis vor einigen Jahren galt Europa in

nahmen zur Verbesserung der Wettbe-

neder. Er ist für den DACH-Raum und für

zentralen Klima-Schlüsseltechnologien

werbsfähigkeit der europäischen Indus-

Europa allgemein optimistisch – nicht

als global führend. Das hat sich verän-

trie. Allerdings müssen die Überschriften

zuletzt deshalb, weil ein hohes ökologi-

dert, speziell durch den Inflation Reduc-

der Kommission nun weiter konkretisiert

sches Bewusstsein vorhanden ist.

tion Act (IRA) in den USA kam Europa un-

und in Parlament und Rat weiterentwi-

ter Druck, und richtige Konkurrenz kam

ckelt sowie auch legistisch beschlossen

aus China. Dort ist aber auch der Weg aus

werden.“ Vorgesehen sind derzeit zwei

dem fossilen Zeitalter der längste. China

zentrale Fördertöpfe. Für Zukunftstech-

sei derzeit voll auf Transformationskurs,

nologien sollen kurzfristig 100 Millionen

Nachhaltiger Wandel bringt allen etwas.

sagt Michael Peneder, Wettbewerbsex-

Euro mobilisiert werden. Langfristig soll

RCM-Expertin Kunrath sagt: „Unter-

perte vom österreichischen Wirtschafts-

die Industrial Decarbonisation Bank, die

nehmen, die bei Nachhaltigkeit führend

Wo steht Europa?

Wie weit sind die Unternehmen?

NACHHALTIGKEIT, GREEN INVESTING UND ERDERWÄRMUNG. DIE WICHTIGSTEN EREIGNISSE.

19 88

1990ERJAHRE

19 90 Gründung des Weltklimarats (IPCC) zur Bewertung ­wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel.

24

19 89 Auflegung der ersten ­Windkraftfonds.

Mit dem Aktienindex Domini 400 Social Index (Domini 400) wurde der erste SRI-Index lanciert.

ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance) etablieren sich in Investment­ strategien.

19 92 Die UN-Klimarahmenkonvention wird auf dem Gipfel in Rio de Janeiro verabschiedet.


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

sind, weisen in der Regel eine besse-

Aktuell zählt in Österreich der Stahlkon-

re operative Performance auf als nicht-

zern Voestalpine AG zu den Vorreitern bei

nachhaltige

Welche

nachhaltiger Transformation. RCM-An-

ATX-, Dax- und SMI-Konzerne mit ei-

lagechefin Kunrath sagt: „Die CO2-Neu-

nem guten ESG-Score vorn dabei sind,

tralität bis 2050 steht im Mittelpunkt der

lässt sich am aktuellen Rating der Agen-

Ambitionen.“ Auch der steirische Anla-

tur Sustainalytics ablesen. In Österreich

genbauer Andritz AG hat bei Nachhaltig-

schneiden CA Immo AG, Telekom Aus­tria

keit einige Projekte am Laufen. Deutliche

AG, CPI Property Group AG und Raiffei-

Fortschritte macht auch der Baustoff-

sen Bank International AG gut ab. In

konzern Wienerberger AG.

Unternehmen.“

Deutschland kommen der Immokonzern

In Deutschland liegt der Halbleiter-

Vonovia SE, die Deutsche Börse AG, Alli-

hersteller Infineon im Mittelfeld des Sus-

anz SE und Siemens Energy AG am bes-

tainalytics-Rankings. Aber das hauseige-

ten weg. In der Schweiz sind der Hard-

ne, weltweit verwendete ESG-Risikosys-

warehersteller Logitech und der Rückversicherer Swiss Re top. Viele Konzerne haben ihre ESG-Bemühungen verstärkt. Das zeigt sich exemplarisch an einer Analyse der Technischen Hochschule Rosenheim der Nachhaltigkeitskennzahlen von Dax-Konzernen, die im November 2024 erschienen ist. Die Studienautoren stellten die ESGScores der Unternehmen von 2015 bis 2021 auf den Prüfstand. Das Ergebnis: Im Mittel stiegen die ESG-Scores um knapp

tem gilt als vorbildlich. Und die Investi-

»Wichtig sind Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.«

tionen in Klimaschutz und Energieeffizienz sprechen für sich. Beim Versicherungskonzern Allianz SE und dem Elektro- und Energietechnikhersteller Siemens Energy AG sind wiederum die Platzierungen in der jeweiligen Peergroup mustergültig. Die Allianz SE liegt unter weltweit 300 Assekuranzen auf Rang vier. Mit Rang drei von 313 vergleichbaren Un-

Herbert Eibensteiner

ternehmen schneidet Siemens Energy AG noch einen Tick besser ab. Auch in der

17 Prozent. Eine Besonderheit stellte sich

Schweiz kann mit Swiss Re ein Versiche-

bei Vonovia SE ein, die ihren ESG-Score

rungskonzern in seiner Vergleichsgrup-

zwischen 2015 und 2021 verfünffachte.

pe mit Rang fünf unter den Mitbewer-

19 94

20 02

19 97 Damals sind erst 26 nachhaltige Fonds verfügbar. Deren Volumen beträgt insgesamt 1,9 Milliarden US-­Dollar.

Verabschiedung des Kioto-Protokolls als erstes inter­nationa­ les Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen.

Lancierung des Mellon European Ethical Index Tracker, eines Fonds mit dem Segen von Papst Johannes Paul II.

20 06 Start der ­UN-Prinzipien für verantwortungs­ bewusstes ­Investieren (PRI).

20 07 Der IPCC und Al Gore erhalten den Friedensnobelpreis für die Schärfung des Bewusstseins für den Klimawandel.

25


bern punkten. Zementerzeugung ist aus

Management mit grünen Technologien

nachhaltiger Sicht ein heikles Geschäfts-

beschäftigt, hält es aber für möglich, dass

feld. Aber der Schweizer Baustoffkonzern

aufgrund der großen Unsicherheit in den

Holcim AG konnte von 2022 bis 2023 den

USA grünes Kapital nach Europa wandern

CO2-Ausstoß gemessen am Umsatz um

könnte. Derzeit gibt es in Europa aber zu

20 Prozent verringern. Seit 2020 sind es

viele Börsenplätze. Pläne für eine Harmo-

sogar 42 Prozent. Weitere Verbesserung

nisierung im Sinne einer Kapitalmarkt­

versprechen die Avancen, den Klinker-

union gibt es, diese würde das Kapital für

anteil in der Zementproduktion zu redu-

Finanzierungen stärker bündeln.

zieren und den Einsatz grüner Energie zu

China spielt mittlerweile – durch staat-

steigern.

liche Investments – ebenso eine wichtige Rolle in der Transformation. Auch der

Welche sind die Schlüsseltechnologien der Zukunft? Nach wie vor ist die Energiewende der Hoffnungsträger bei der CO2-Reduktion. Ganz simpel deswegen, weil Erneuerbare bei den Herstellungskosten bereits spitze sind und sich Speicher positiv entwickeln. Deswegen setzt der republikanisch regierte US-Bundesstaat Texas mittlerweile in erster Linie auf Solarenergie. Die größ-

Green Industrial Deal der EU sieht als zentralen Punkt die Förderung der Schlüsseltechnologien vor; dabei geht es auch um

»In der Regel bessere operative Performance bei nachhaltigen Unternehmen.«

schnellere Genehmigungsverfahren. Auf dem Sprung ist das Thema Wasserstoff (Seite 110), wiewohl es da etwas ruhiger geworden ist. Ein Henne-EiProblem, wie Weiss es nennt: Projekte zur Elektrolyse werden derzeit nicht umgesetzt, darum entstehen kaum Folge-

Karin Kunrath

projekte. Das ähnelt aber auch der Phase,

ten Unternehmen heißen Nextera Energy,

die die Solarenergie vor rund zehn Jah-

First Solar oder Enphase Energy und be-

ren durchgemacht hat. Ebenso mit ei-

finden sich weiterhin in den USA – auch

nem großen Fragezeichen sind die prin-

wenn die neue Regierung ihnen die Förde-

zipiell sehr vielversprechenden Projekte

rungen kappen will. Fondsmanager Alex-

der Kernfusion (Seite 106) zu sehen. Der

ander Weiss, der sich bei der Erste Asset

beste Klimaschutz entsteht zweifels-

20 15 20 10 Die EU initiiert eine Srategie für Corporate Social Responsibility (CSR). Unternehmen sollen so nachhaltiger werden.

26

Verabschiedung des Pariser Abkommens mit dem Ziel, die Erderwärmung unter 2 °C zu halten; die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) werden als Leitfaden für ethische Investitionen verabschiedet.

20 19 20 18 Greta Thunberg startet die Bewegung Fridays for Future.

20 19 Die EU beschließt den European Green Deal mit dem Ziel, bis 2050 klimaneu­ tral zu sein.

Weltweites Volumen nachhaltiger Fonds knackt laut Morningstar erstmals die Marke von 1.000 Milliarden US-Dollar.


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

frei durch die Energie, die gespart wird.

net sich das“, sagt Fondsmanager Weiss.

Der niederländische Lichttechnikspezi-

Carbon Capture and Utilization (CCU)

alist Signify hat daraus – wie andere –

funktioniert, indem CO2 aus Industrieab-

ein Geschäftsmodell entwickelt. Einspa-

gasen oder der Luft abgeschieden und an-

rungspotenzial gibt es fast überall: bei

schließend als Rohstoff für Produkte wie

Industrieprozessen, aber vor allem bei

Kunst-, Treib- oder Baustoffe weiterver-

Immobilien. „Da spielt das Circular Pl-

wendet wird (Seite 40). Die OMV AG hat

anning eine wichtige Rolle“, sagt Alex-

mehrere Carbon-Capture-Projekte in der

ander Weiss. Unternehmen wie die in Ir-

Pipeline. Sie hält etwa mit Partnerunter-

land sitzende Kingspan Group haben sich

nehmen zwei Speicherlizenzen in der nor-

hier zu Playern entwickelt, die innovati-

wegischen Nordsee – Poseidon und Iroko

ve Lösungen anbieten.

–, wo potenziell fünf und 7,5 Millionen

Auf der Seite jener, die den Klima-

Tonnen CO2 jährlich gespeichert werden

wandel bislang leugneten oder verharm-

können. Die Drill-or-drop-Entscheidung

losten, kommt mit Geoengineering gerade ein scheinbar technologischer Ausweg auf, der die gravierenden Auswirkungen der Erderwärmung beschränken soll. Kurz zusammengefasst wird dabei in das Klimasystem der Erde eingegriffen – etwa durch das Reflektieren von Sonnen-

für die Poseidon-Lizenz soll 2025 fallen.

»Die USA stolpern ­gerade über die ­eigenen Beine.«

Conclusio Trotz aller Rückschläge, trotz politischen

Michael Peneder

Gegenwinds

und

milliarden-

schwerer Investitionslücken: Die grü-

licht oder die Bindung von CO2, um die

ne Transformation ist in Bewegung –

Erderwärmung technisch zu begrenzen.

technologisch, wirtschaftlich und zu-

Klimaökonom Gernot Wagner (Seite 28)

nehmend auch politisch. Wer klug in-

erklärt, dass dies wenig zielführend sei.

vestiert, wer langfristig denkt und wer

Viele Ölfirmen versuchen derzeit, die

heute handelt, hat morgen die besseren

technologische Abscheidung von CO2 zu

Karten. Und vielleicht ist es dann ja am

forcieren. „Da wird viel investiert. Bei

Ende doch der Planet, der zuletzt lacht –

einem entsprechenden CO2-Preis rech-

mit uns, nicht über uns. —

20 20 Im ersten Quartal 2020 werden weltweit 45,6 Milliarden Dollar neu in nachhaltige Fonds investiert. Bei herkömmlichen Fonds werden wegen der Corona-Pandemie 384,7 Milliarden Dollar abgezogen.

20 21

20 20 Laut MSCI sind 268 ESG-ETFs und 1.500 Nachhaltigkeits-­ Indizes verfügbar.

Das nachhaltige Fondsvolumen erreicht in Europa fast 2.000 Milliarden ­US-Dollar. Weltweit sind es rund 3.000 Milliarden Dollar.

20 22 20 21 Die COP 26 in Glasgow führt zu neuen Klimaschutzverpflichtungen.

Der weltweite CO2-Ausstoß erreicht einen Höchststand von über 35 Milliarden Tonnen.

27


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

MR. KLIMA. Der Transforma­ tions­ zug sei nicht mehr aufzuhalten, sagt Gernot Wagner.

Vita

GERNOT WAGNER Klimaökonom Columbia Business School

Der gebürtige Amstettener ist Professor an der Columbia Business School in New York und zählt zu den bedeutendsten Klima­ ökonomen der Welt. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit den ökonomischen Folgen der Klimakrise und den politischen Hebeln zur Emissionsreduktion. Er ist Autor mehrerer Bücher.

20 24

28

ENDE 2024 Das weltweite Volumen von Sustainable Funds beträgt 3.200 Milliarden US-Dollar.

20 25 US-Präsident Donald Trump beschließt neuerlich den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen.

FOTO: BEIGESTELLT

Die globale Durchschnitts­ temperatur steigt auf 1,6 °C über das vorindustrielle Niveau. Unternehmen müssen erstmals die neuen CSRD-Regeln anwenden.


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

Klimakrise? Texas macht mir Hoffnung Was uns die Erderwärmung kostet, warum Europa und Texas Hoffnungen nähren und wie die Antworten in einer heißer werdenden Welt lauten, haben wir den Klimaökonomen Gernot Wagner gefragt. Interview: Daniel Nutz

In den USA regieren jetzt Klimawandel-

gehen ja nicht mit dem Skalpell ran, son-

Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähig-

leugner. Auch Europa hat den Drive beim

dern mit dem Vorschlaghammer!

keit bei Klimatechnologien der USA, China und Europa? – China ist klar vorn. Weil

Klimaschutz verloren. Was macht Ihnen Hoffnung? – Gernot Wagner: Tatsächlich

Indem US-Präsident Trump etwa die kli-

es bei vielen Technologien um Ska-

Europa. Und auch Texas!

marelevanten Förderungen aus dem Infla-

lierbarkeit geht. Auch Europa hat gute

tion Reduction Act – das sind um die 370

Technologien, wobei die Marktumset-

Erklären Sie das! – Erst letzte Woche

Milliarden US-Dollar – abschaffen will.

zung manchmal schwieriger ist. Die

war ich bei Tata Steel. Der größte Kli-

Was bedeutet das? – Ich glaube, er wird

USA haben eigentlich mit dem Infla­tion

maverschmutzer der Niederlande sagt,

es tun. Das wird jedoch für Amerikas

Reduction Act sehr gut nachgezogen.

man habe einen Plan, bis 2023 den ers-

Wirtschaft zu einem Rückschritt führen.

Es gibt auch einige chinesische Unter-

ten Hochofen umzustellen und bis 2040

Aber, und jetzt sind wir beim zweiten

nehmen, die mit amerikanischen Un-

CO2-neutral zu sein. So einen Plan ha-

Hoffnungsträger: Es gibt Texas!

ternehmen Joint Ventures eingehen. In Ohio, auch ein republikanischer Bun-

ben viele europäische Unternehmen. Der Bundesstaat hat Kalifornien bei der

desstaat, entstanden so gerade 1.500

Produktion von Solarenergie überholt. –

Arbeitsplätze. Bei all dem steht jetzt die

Die EU-Kommission ist aber dabei, einige

Dass Kalifornien früh mit S ­ olarenergie

Regierung Trump im Weg.

Beschlüsse des Green Deals wieder aufzu-

begonnen hat, lag am Austroamerika-

machen. Das ist doch schlecht für den Kli-

ner Arnold Schwarzenegger, der das als

Pumpen wir in Europa zu wenig öffentli-

maschutz? – Die EU reduziert das Tempo.

Gouverneur in die Wege geleitet hat. Te-

ches Geld in die Förderung der Klimatech-

Dass KMUs jetzt nicht oder später nicht

xas hat da jetzt sehr stark aufgeholt, weil

nologien? – In Europa ist es, was Förde-

berichten müssen, klingt wie ein großer

man erkannte, dass Solarenergie die

rungen anbelangt, etwas komplizierter

Rückschritt. In Sachen CO2-Emissionen

billigste Form der Energiegewinnung

als in den USA (weil das EU-Recht dies

sind aber noch immer 90 Prozent mit ein-

ist. Heute erzeugt Texas 80 Prozent sei-

einschränkt, Anm.). Aber es gibt auch

bezogen. Ich finde, Europa macht das gut.

ner Energie aus Erneuerbaren. Auch die

Eigentore, wie zum Beispiel die Schul-

Windkraft und natürlich die Batte­ rien

denbremse in Deutschland. Jetzt wird

Das ist Balsam auf die europäische Seele. –

spielen eine Rolle. Gegen den weite-

diese temporär aufgehoben, was ich

Die Europäer machen das aber nicht nur

ren Ausbau stemmen sich nur noch die

als einen wichtigen Schritt sehe, wenn

für das Klima. Wie Mario Draghi in sei-

fossilen Energieerzeuger. In Texas gibt

jetzt die richtigen Investitionen getätigt

nem Bericht (Draghi Report, Anm.) ganz

es übrigens keine Subven­tionen für So-

werden.

richtig feststellt, geht es auch um die Ver-

larstrom. Das zeigt, dass in der Markt-

besserung der eigenen Wettbewerbsfä-

wirtschaft die Solarenergie die wettbe-

Deutschland will 500 Milliarden Euro in

higkeit. Klimaschutz und Wettbewerbs-

werbsfähigste Energieform ist.

Waffen investieren und nur 100 Milliar-

Europa setzt das sehr effizient um.

den in den Klimaschutz. Ist für beides ge-

fähigkeit in Einklang zu bekommen ist doch ein ganz rationaler Weg. Und den

Man braucht die Netze und die Speicher. Wie

nug Geld da? – Es geht ja um mehre-

geht man in Brüssel am geradlinigsten.

macht das Texas? – Mit Batterien, die sind

re Dinge. Auf die USA ist kein Verlass,

Was in Amerika gerade Trump und Musk

auch schon so billig, dass sich das aus-

und Amerika wird in den kommenden

machen, bewirkt genau das Gegenteil. Die

zahlt.

Jahren auch kein verlässlicher Partner

29


NACHHALTIGKEIT / COVERSTORY

sein. Also klar, es gibt Zielkonflikte bei

500 oder sogar 1.000 US-Dollar nicht

der Frage: Wohin mit dem Kapital? Aber:

ausschließen. Um das zu veranschauli-

Es geht hier ja nicht bloß um staatliche

chen: Bei 200 US-Dollar pro Tonne CO2

Subventionen. Es geht darum, dass sich

sind das acht bis zehn Prozent des BIPs

der Strompreis in Deutschland verdrei-

weltweit. 1.000 US-Dollar wären dann

facht hat und heute im Schnitt doppelt so hoch wie in den USA ist. Kritiker sagen: Das liege an den Erneuerbaren und an der Tatsache, dass man in Deutschland etwa die Kernkraft vom Netz genommen hat. – Gut, die AKWs abzu-

»Wer vom ­Klima-Schmutz profitiert, soll auch dafür zahlen.« Gernot Wagner

50 Prozent des globalen BIPs. Die Kosten sind so hoch. Die Frage ist: Wer bezahlt es – mit Geld oder dem eigenen Leben oder der Gesundheit? Das führt zu einer moralischen Frage: Wer soll für den Klimaschutz zahlen? – Die

schalten war eine schlechte Idee. Aber

Antwort ist da ganz klar: Jene, die von

die hohen Strompreise hängen nicht an

Klima-Schmutz profitieren!

den Erneuerbaren. Im Endeffekt werden die Aktionäre der Energieunternehmen

Das sogenannte Geoengineering soll die

priorisiert. Schauen wir auf Österreich:

Auswirkungen der Erderhitzung mildern,

Da hatten wir zuletzt über den Daumen

etwa durch die Verdunkelung der Sonne. Sie haben das Thema länger beforscht.

gerechnet 60 Prozent aus Wasserkraft, 30 Prozent aus neuen Erneuerbaren und

angeblich zu wenig tun. Ich beobach-

Sollten wir dort jetzt unser Kapital und

den Rest aus russischem Gas, das sind

te, dass Assetmanager weniger darüber

Anstrengungen einsetzen? – Meine kurze

aber nicht einmal zehn Prozent. Be-

sprechen, es aber trotzdem tun.

Antwort ist: Nein! Es geht mit solarem

kanntlich kommt der Strompreis nur

Engineering, also mit den Investments

über den Gaspreis zustande. Es zah-

Wobei ja Blackrock selbst zurückgerudert

in Solaranlagen, viel besser als mit so-

len die energieintensiven Unterneh-

ist. Zumindest in den öffentlichen Aussagen

larem Geoengineering, etwa der Abdun-

men drauf. Und da sind wir wieder bei

von CEO Larry Fink. – Die haben trotz-

kelung der Sonne. CO2 zu senken ist der

der Transformation: In Schweden steht

dem seit 2022 den Net-Zero-Plan. Bis

bessere Weg.

Stegra – ein Stahlwerk, wo die aus Er-

2030 erwarten sie, dass 75 Prozent der

neuerbaren selbst grünen Wasserstoff

Investitionen Net-Zero-orientiert sein

Aber es wäre doch so schön einfach. Etwa

herstellen. Da kostet die Kilowattstun-

werden. Das ist eine Verdreifachung zu

indem Aerosole in die Stratosphäre ge-

de 2,9 Cent. Da gibt es viel Potenzial.

2022. Das ist ja nicht das Geld von Larry

schickt werden, die dann das Sonnenlicht

Fink, sondern es geht darum, Profite zu

reflektieren und die Erde abkühlen. – Ja,

Effizienz als Wettbewerbsvorteil. – Klar,

maximieren. Mit anderen Worten: Ihre

wenn man die Nebenwirkungen außen

da können die USA von den Deutschen

Investitionen fließen in ihre Forecasts.

vor lässt. Diese Frage wäre ähnlich, wie

mit ihren gedämmten Fenstern lernen.

Und weil die wissen, dass sie von einer

wenn man einen Krebsforscher fragt, ob

Aber nicht nur dort, in Deutschland ist

Welt profitieren, die transformiert, un-

Chemotherapie etwas Schönes ist. Für

der Strombedarf in den vergangenen

terstützen sie diese Transformation. Sie

den 75-Jährigen, der an Lungenkrebs

15 Jahren um 20 Prozent gesunken. Es

wollen, dass die Welt in diese Richtung

leidet, mag das die Lebensrettung sein.

geht darum, dass wir effizienter produ-

geht. Da ist Blackrock ein Beispiel – und

Aber niemand würde einer jungen Frau

zieren und natürlich auch effizienter le-

vielen anderen geht es um dasselbe.

sagen: Bitte fang mit dem Rauchen an,

ben und konsumieren.

weil wir dann eh die Chemotherapie für Kein Backlash? – Vielleicht verzögern

In den USA geht die Regierung gegen ESG-

sich Dinge. Aber es geht schon in die

Investments vor. Merkt man schon, dass

richtige Richtung.

weniger Gelder in Unternehmen fließen?

dich haben! Ist der Planet nicht schon eher im Szenario eines Lungenkranken? – Das soll

– Nein, diesen Backlash gibt es nicht.

Als Ökonom errechnen Sie Risiken. Was

aber jetzt nicht heißen, dass wir weiter

Denn ich sehe nicht, dass sich Investo-

kostet uns der Klimawandel? – Verdammt

schmutzige Profite machen dürfen, weil

ren in Scharen von ESG abwenden. Te-

viel! Meine Berechnungen gehen in die

es eh die Chemotherapie gibt. Aber na-

xas verklagt Blackrock, weil die angeb-

Richtung 280 US-Dollar für jede Tonne

türlich brauchen wir Mittel und Grund-

lich zu viel in Richtung ESG tun. New

CO2. Da gibt es natürlich viele Unge-

lagenforschung für das Thema Geoengi-

York verklagt dann Blackrock, weil sie

wissheiten. Ich kann da auch Zahlen von

neering. —

30


Entgeltliche Einschaltung

UNIQA

KLIMATRANSITIONSPLAN ALS HEBEL FÜR DEN KLIMASCHUTZ Als erste österreichische Versicherung setzt UNIQA mit ihrem Klimatransitionsplan ein starkes Zeichen Richtung Netto-Null-Emissionen im Geschäftsmodell. Die 2024 gegründete UNIQA Sustainable Business Solutions ­unterstützt Unternehmens­kunden bei der nachhaltigen ­Transformation.

2,4 Milliarden Euro Sustainable Investments Ein zentraler Bestandteil ist der schrittweise Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Erdgas. Ab 2025 tätigt UNIQA keine neuen Investitionen mehr in Öl, ab 2026 auch nicht mehr in Erdgas. Bis Ende 2030 laufen alle Investments in Unternehmen aus, die mehr als 5 Prozent ihrer Einnahmen aus Kohle oder Öl erwirtschaften. Bei Erdgas ist es 2035 so weit.

© Adobe Stock

D

er Klimawandel ist einer der größten globalen Risikofaktoren. Naturkatastrophen nehmen an Häufigkeit und Intensität zu, was neben dem menschlichen Leid auch zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führt. Allein in Österreich betragen die Schäden aus Naturkatastrophen über 1 Milliarde Euro jährlich. Die europäische Versicherungsbranche verwaltet rund 9,5 Billionen Euro und kann daher durch entsprechende Investments den Übergang zu Netto-Null-Emissionen bedeutend vorantreiben. Als eine der größten institutionellen Anlegerinnen bekennt sich UNIQA klar zum Pariser 1,5-Grad-Ziel. Mit ihrem Klimatransitionsplan setzt UNIQA als erste österreichische Versiche­ rung ein starkes Zeichen für den Klimaschutz: Er umfasst die Investitionspolitik und eigene Betriebsführung genauso wie das Corporate Business. Bei der Umsetzung vertraut UNIQA auf wissenschaftlich fundierte Begleitung wie die Science Based Targets initiative (SBTi) und ein Umweltmanagementsystem gemäß EMAS und ISO14001.

Auch bei der Veranlagung ist Klimaschutz ein Herzstück der Strategie: UNIQA hat bereits über 2,4 Milliarden Euro ESG-orientierte Assets under Management. Der Anteil am gesamten Portfoliowert lag Ende 2024 bei rund 11 Prozent – eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren. Durch aktives Engagement motiviert UNIQA auch ihre Investitionspartner und Unternehmenskunden zu einer nachhaltigen Transformation ihrer Geschäftsmodelle. Klima-Selbsthilfe für Unternehmenskunden Seit Juli 2024 bietet die Tochterfirma ­„UNIQA Sustainable Business Solutions“ Risikobewertung und -management im Zuge des Klimawandels für Unternehmenskunden und begleitet bei der nachhaltigen Transfor-

mation von Geschäftsmodellen. Besonderes Augenmerk liegt auf der quantitativen Bewertung von klimabedingten Risiken, um fundierte Entscheidungen zur Risikominderung zu ermöglichen. UNIQA Sustainable Business Solutions ist aktuell in Österreich, Polen, Tschechien und der Slowakei tätig; eine Expansion in weitere Länder ist geplant. Infos: www.uniqa-sustainable.com Mehr über das nachhaltige Engagement von UNIQA erfahren Sie im aktuellen Konzernund Nachhaltigkeitsbericht 2024. www.uniqagroup.com


SERVICE / STATISTIK

Aufgeheizter Planet In postfaktischen Zeiten hat die Börsianer Grün-Redaktion Tatsachen zur Erderwärmung zusammengetragen. Text: Robert Winter

CO2-Gehalt steigt auf 427 ppm

Übeltäter Homo sapiens

Meereis: Rückgang um 12,2 % pro Jahrzehnt

Kohlendioxid, eine chemische Verbindung aus Kohlen- und Sauerstoff, erwärmt den blauen Planeten und verursacht den Klimawandel. Der anhand der Einheit „parts per million“ (ppm) gemessene CO2-Gehalt in der Atmosphäre lag Mitte März 1958 bei 315,71 ppm. Bis Mitte Jänner 2025 stieg die Konzentration von Kohlendioxid auf 426,65 ppm.

Das Treibhausgas Methan trägt nach CO2 am zweitstärksten zur Klimaerwärmung bei. Rund 60 Prozent der Methanemissionen gehen auf menschliche Akti­ vitäten zurück. Die Konzentration von Methan in der Atmosphäre hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht und seit 200 Jahren mehr als verdoppelt.

Die sommerliche Ausdehnung des Meereises in der Arktis schrumpft wegen der wärmeren Temperaturen im Vergleich zum Schnitt zwischen 1981 bis 2010 um 12,2 Prozent pro Jahrzehnt. 1979 waren in der Arktis noch 6,9 Millionen Quadratkilometer von Eis bedeckt, 2024 waren es nur noch 4,28 Millionen.

Quelle: NOAA, gemessen am ­ Mauna-Kea-Laboratorium, Hawaii

Quelle: NOAA (Juli 1983: 1625,96 ppb. Juni 2024: 1921,79 pbb)

Hitzeschlacht: plus 1,5 Grad Der blaue Planet schwitzt – 2024 war es auf der Erde so heiß wie noch nie und rund 1,5 Grad Celsius wärmer als im Durchschnitt von 1850 bis 1900. Im Vorjahr stellte sich der heißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 ein. Die Temperatur lag im Schnitt um 1,25 Grad höher als in den Sommern zwischen 1951 und 1980. Die letzten zehn Jahre sind die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Quelle: Nasa‘s Goddard Institute for Space Studies (GISS). Credit: Nasa/GISS

32

TEMPERATURABWEICHUNG Jahr

°C

1880

–0,12

1892

–0,31

1904

–0,44

1916

–0,33

1928

–0,18

1940

0,08

1952

–0,02

1964

–0,2

1976

–0,12

1988

0,34

2000

0,42

2021

0,84

2022

0,86

2023

1,17

Goodbye, Polarbär Eisbären sind die größte Raubtierart an Land. Wegen der Entwicklungen in der Arktis schmilzt den weißen Bären der Lebensraum unter den Tatzen weg. Laut WWF kann der Bestand bis 2050 um ein Drittel zurückgehen. Laut einer MetaStudie des Center of Biological Risk an der University of Connecticut sind sogar 500.000 Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht, sollte der Klimawandel nicht in den Griff zu bekommen sein.


SERVICE / STATISTIK

320.000.000.000 US-Dollar – laut dem im Dax-Index vertretenen Rückversicherer Munich Re brachten Unwetter und Naturkatastrophen im Vorjahr weltweit Schäden in Höhe von 320 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Dreißig-Jahres-Schnitt liegen die jährlichen Gesamtschäden bei 181 Milliarden US-Dollar, im Zehn-Jahres-Mittel bei 236 Milliarden US-Dollar.

0,9 % Prozent wärmer: Temperaturrekord in Ozeanen Etwa neunzig Prozent der globalen Erwärmung findet im Ozean statt. Laut der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Weltmeere im Jahr 2023 im Schnitt bei 20,6 Grad Celsius und somit um 0,91 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts. Die letzten zehn Jahre waren für Ozeane das wärmste Jahrzehnt seit den 1800er-Jahren.

WASSERSTRESS-SCORE Land

Score

Vereinigte Arabische Emirate

5,00

Saudi-Arabien

4,98

Indien

4,11

China

2,80

USA

2,60

Deutschland

2,04

Japan

1,97

Großbritannien

1,30

Russland

1,17

Schweiz

0,41

Österreich

0,26

Neuseeland

0,05

H2O: der Quell des Lebens Seit 1980 ist der weltweite Süßwasserbedarf jährlich um ein Prozent gestiegen. Laut einer im August 2024 publizierten Studie des Swiss Federal Institute of Aquatic Science and Technology haben weltweit bereits 4,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Laut dem von der Plattform World Population Review erstellten Water-StressIndex, der das Verhältnis von Wasserverfügbarkeit und -bedarf abbildet, stehen exemplarisch die Vereinigten Arabische Emirate, Saudi-Arabien und Indien besonders schlecht da. In Neuseeland, Österreich und der Schweiz ist die Lage gut.

Die Werte für Wasserstress reichen von 0,00 (am wenigsten gestresst) bis 5,00 (am meisten gestresst). Angaben für 2023. Quelle: worldpopulationreview.com

33


Vita

HANS JOACHIM SCHELLNHUBER Generaldirektor IIASA Als Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Papst Franziskus und der EU-Kommission sowie als Mitglied im Weltklimarat IPCC ist der 74-Jährige einer der einflussreichsten Klimaforscher weltweit. Er prägte die Konzepte der „Planetaren Grenzen“ und der „Kippelemente des Klimasystems“.


INTERVIEW / KLIMAWANDEL

#TRANSFORMATION

Auf dem Holzweg in die Zukunft Interview: Daniel Nutz

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hat einen Plan für die Zukunft. Börsianer Grün erklärt er, wie Holz zur Klimalösung und die Baubranche zum Klimaretter werden können und der DACHRaum dabei eine entscheidende

FOTO: IIASA

Rolle spielt.

35


INTERVIEW / KLIMAWANDEL

„Seit zwei Jahrhunderten leben wir in einer Art Goldgräberökonomie“

E

Ein sonniger Tag in Laxenburg, wo ein

Wir nutzen Ressourcen, als wären sie

pumpen sind vielfach effizienter als Öl-

Schloss den Hauptplatz ziert. Hier ar-

unerschöpflich, und ignorieren zudem

heizungen. Wer heute in fossile Syste-

beitet der weltberühmte Klimaforscher

die Belastungsgrenzen des Planeten.

me investiert, zahlt langfristig drauf. Es

Hans Joachim Schellnhuber, wenn er

geht um klugen Wandel, nicht um Ein-

nicht gerade durch die Welt reist und

Unsere Art zu Wirtschaften bringt uns dem-

Staatsoberhäupter, die Vereinten Natio-

nach selbst in Gefahr. Wie genau? – Vor

nen oder den Vatikan in Klimafragen be-

der industriellen Revolution war unse-

Sie sagen, dass wir die Pariser Klimaziele

rät. Er reise allerdings nicht, um „wich-

re Wirtschaftsweise nachhaltig. Wind,

nicht erreichen werden. Wir werden auch

tig“ zu erscheinen, nur wenn es unbe-

Wasser, Wälder – das waren erneuerba-

die zwei Grad Erderwärmung bald über-

dingt sein müsste, sagt „John“, wie ihn

re Ressourcen. Heute nutzen wir fossile

schreiten. – Ja, wir werden darüber hin-

die Scientific Community nennt. Noch

Energien, und das hat zu einem System

ausschießen. Wir müssen deshalb künf-

etwas müde von einer Dienstreise aus

geführt, das auf Dauer nicht tragfähig ist.

tig der Atmosphäre wieder Treibhaus­

Rom kommend, beginnt er mit uns ein

Die Natur regeneriert sich nicht in dem

gase entziehen.

mehr als einstündiges Gespräch und

Tempo, in dem wir sie ausbeuten. Zudem

wird schnell wach – wie immer, wenn es

gefährden wir durch die Treibhausgas-

Wie müsste hierfür ein alternatives System

um sein Lebensthema geht.

emissionen das Gleichgewicht des Kli-

aussehen? – Wir brauchen eine bioba-

masystems mit all seinen Kippelementen

sierte Kreislaufwirtschaft. Das bedeu-

Herr Schellnhuber, in 200 Jahren Indus­

– vom schmelzenden Eis in Grönland bis

tet, dass wir sowohl Energie als auch

triezeitalter haben wir den Wohlstand un-

zum Amazonas-Regenwald.

Materialströme aus der Natur schöpfen

glaublich vermehrt, konsumieren mehr

schränkung.

– aber nur in dem Maße, wie sie sich re-

denn je und stehen gleichzeitig vor einem

Es gibt Kritiker wie den deutschen Öko-

generieren können. Photovoltaik, Geo-

klimatischen Kollaps – wie sind wir so weit

nomen Hans-Werner Sinn, die sagen, der

thermie sowie nachwachsende Rohstof-

gekommen? – Hans Joachim Schellnhuber:

Klimaschutz gefährde unseren Wohlstand.

fe wie Holz spielen hier eine Schlüssel-

Seit zwei Jahrhunderten leben wir in ei-

Was entgegnen Sie? – Ich denke, dass er

rolle. Es geht nicht um Verzicht, sondern

ner Art Goldgräberökonomie. Die indus-

und andere noch nicht restlos verstan-

um ein intelligentes, regeneratives Sys-

trielle Revolution hat fossile Energie-

den haben, dass moderne Technologi-

tem, das langfristig tragfähig ist – öko-

schätze nutzbar gemacht, die zuvor über

en wie E-Mobilität oder Wärmepumpen

logisch, ökonomisch und sozial.

hunderte Millionen Jahren von der Natur

sich finanziell und klimatechnisch sehr

gespeichert wurden. Daraus entstand

schnell amortisieren. Lebenszyklusstu-

Ihr Ansatz ist die sogenannte Wald-Bau-

eine Extraktionswirtschaft mit schein-

dien zeigen: Elektroautos sind bereits

Pumpe. Dabei sollen Forst- und Bauwirt-

bar grenzenlosem Konsum – doch dieser

nach zwei Jahren Einsatz klimafreund-

schaft zusammen die Lösung schaffen. Wie?

Rausch hat massive Nebenwirkungen.

licher als Verbrenner. Auch Wärme-

– Die gebaute Umwelt verursacht rund

36


INTERVIEW / KLIMAWANDEL

40 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Mit einem radikalen Umbau hin zur regenerativen Architektur könnten wir aus einem Klimasünder einen Klimaretter machen. Holz oder Bambus entstehen durch pflanzliche Photosynthese und speichern das CO2, das sie zuvor der Atmosphäre entzogen haben. Außerdem vermeidet ihre Nutzung die Emissionen, die durch Beton oder Stahl entstehen

Info

Wer kontrolliert über Jahrzehnte hinweg, ob das CO2 auch wirklich gebunden bleibt? Insofern: Ja, gezielt einge-

VIRUNGA: EIN MODELL FÜR

setzt kann Carbon Capture Teil der Lö-

GRÜNE ENTWICKLUNG

sung sein – aber kein Ersatz für die eigentliche Transformation.

Ein Leuchtturmprojekt für Klimaschutz, Frieden und Entwicklung soll in der bürgerkriegsgeplagten Demokratischen

Aber ist der Holzbau technologisch schon so weit? – Absolut. Moderne Trocknung, Brandschutzdesign, maschinelles Vor-

würden. Wir hätten also eine doppel-

Republik Kongo entstehen. Der

te Klimadividende. Hinzu kommt: Holz

Virunga-Nationalpark verbindet

terreich wie Binderholz, Wiesner AG, KLH

schafft auch ästhetisch und wohnpsy-

Naturschutz mit sozialer

oder Rhomberg gehören zur Welt­spitze.

chologisch Vorteile – es wirkt beruhi-

Stabilität. Saubere Wasserkraft

Auch Deutschland und die Schweiz haben

gend, reguliert die Luftfeuchtigkeit, ist

bringt Strom für die Stadt

große Potenziale, aber Österreich lebt das

Goma, 21.000 Jobs – viele für

längst und ist ein Vorbild. Richtig behan-

Ex-Milizionäre – und neue

deltes und verbautes Holz hält hunderte

Die Beton- und Zementindustrie investie-

Perspektiven. Eine lokale Scho-

Jahre und ist brandsicher – viele Vorur-

ren derzeit in Technologien zur CO2-Ab-

koladenfabrik schafft Einkom-

teile sind inzwischen schlicht widerlegt.

scheidung – das sogenannte Carbon Cap-

men für verwitwete Ranger-Fa-

Denken Sie an historische Bauten wie ja-

milien. Durch den Zugang zu

panische Tempel oder Alpenhäuser – die

ein lebendiges Material.

ture. Könnte das auch eine Lösung sein? Diese Technologien können ein Baustein sein – aber sie sind kein Freifahrtschein, um weiterzumachen wie bisher. Carbon Capture ist energieintensiv, teuer und technisch herausfordernd. Die Idee, CO2 in der Erde zu verpressen, kann bei Industrien wie Zement oder Stahl helfen, wo Prozessemissionen schwer vermeidbar sind. Aber wenn man sie großflächig einsetzt, nur um den fossilen Status quo

fertigen – das ist alles da. Firmen in Ös-

stehen seit Ewigkeiten.

Energie boomt die Landwirtschaft, 30.000 Bauern profitieren davon. Jetzt will die

dere Baumethoden. – Der Holzbau ist heu-

Regierung das Modell mit dem „Green Corridor“ auf 540.000 km

2

ausweiten – mit 500.000 neuen Jobs und einer Million Tonnen Lebensmitteln jährlich für die Hauptstadt Kinshasa.

Holzbau ist derzeit allerdings teurer als ante schon fast kostenparitätisch mit konventionellen Methoden. In zehn Jahren wird er sogar günstiger sein. Denken Sie an Photovoltaik – die war anfangs auch viel teurer als Kohlestrom, heute ist sie unschlagbar billig. Zudem ermöglicht

zu erhalten, dann ist das Augenauswi-

Holz serielles Bauen – schnelle, saube-

scherei. Außerdem stellt sich die Frage:

re Baustellen mit digitaler Vorfertigung.


INTERVIEW / KLIMAWANDEL

höhten CO2-Gehalt der Atmosphäre. Und es gibt weltweit eine Milliarde Hektar degradierter Flächen – etwa im Sahel –, die wir wiederaufforsten könnten. Holz ist die Ressource des 21. Jahrhunderts – wenn wir sie intelligent nutzen. Gibt es globale Vorbilder für diese Transformation? – Ja, etwa ein Projekt im Kongo (siehe Kasten), wo ein grüner Korridor entstehen soll: nachhaltige Waldwirtschaft, erneuerbare Energie, regionale Wertschöpfung. Der Kongo ist ein Rohstoffparadies. Richtig genutzt, wäre er reicher als Saudi-Arabien – nicht durch Öl, sondern durch Bioökonomie. Sie beraten Staatschefs und hochrangige Politiker. Was wird umgesetzt? – Es FOTO: BÖRSIANER

gibt Bewegung. In Deutschland ist die Förderung biobasierter Baustoffe bereits im neuen Koalitionsvertrag verankert. Und Österreich hat als HolzbauIMPERIALER RAHMEN. Börsianer Grün traf Professor Schellnhuber in den Räumlichkeiten des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) ­ nahe Wien, das er seit Dezember 2023 leitet.

nation eine globale Führungsrolle inne. Jetzt gilt es, diese Chance zu nutzen – auch im Zusammenspiel mit der Eutopäischen Union.

Das senkt langfristig nicht nur Kosten,

Sanierung, Aufstockung, Umnutzung –

Wie kann man diese Transformation be-

sondern auch Risiken.

alles Chancen, um CO2-Emissionen zu

schleunigen? – Die Bauwirtschaft muss

vermeiden und gleichzeitig hochwerti-

umdenken: von Beton zu Holz, von line-

gen Wohnraum zu schaffen.

ar zu zirkulär. Investoren müssen nach-

Wie sieht es mit der Akzeptanz bei Bauherren und in der Bevölkerung aus? – Sie

haltige Projekte priorisieren. Die Poli-

steigt steil an – gerade weil viele Men-

Und dennoch fließt das Kapital weiterhin

tik muss faire Wettbewerbsbedingun-

schen die Verbindung zur Natur suchen.

in Beton und Stahl. Betongold scheint im-

gen schaffen – und vor allem den Mut

Holz wird als gesundes, nachhaltiges

mer noch zu strahlen. – Weil mächtige

haben, bestehende Wirtschaftsmacht-

Material wahrgenommen. Wichtig ist,

Akteure ihre Geschäftsmodelle schüt-

strukturen nicht zu schützen, sondern

dass wir verlässliche Standards schaf-

zen wollen. Dabei könnten wir durch

Transformation zu ermöglichen. Dafür

fen, die Vertrauen geben – etwa beim

nachhaltige Forstwirtschaft und smarte

braucht es eine Allianz von Politik, Fi-

Brandschutz oder bei Zertifizierungen

Industrien massive Wertschöpfung er-

nanz- und Bauwirtschaft – und ein Be-

aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

zielen – mit positiven Effekten fürs Kli-

wusstsein, dass Nachhaltigkeit kein Lu-

ma. Regenerativer Städtebau ist nicht

xus, sondern Lebensgrundlage ist.

Inwieweit beeinflusst die urbane Struk-

nur ein Umweltprojekt, sondern auch

tur diese Bauwende? – Wir müssen nicht

ein industriepolitisches.

Was treibt Sie persönlich an, diese Wende voranzubringen? – Ich bin Physiker. Ich

nur neu bauen, sondern auch die bestehenden Städte umbauen. Urban Mining

Wie weit kann Europa mit Holz überhaupt

kenne die Naturgesetze – und was ich

heißt: Wir nutzen das, was schon da ist

bauen? – In Europa könnten wir alle

sehe ist, dass wir sie zu unserem großen

– Stahlträger, Ziegel, Beton –, und kom-

Neubauten mit regionalem Holz umset-

Schaden ignorieren. Ich will, dass mei-

binieren das mit neuen, klimafreund-

zen. Der Klimawandel sorgt ironischer-

ne Kinder und Enkel eine lebenswerte

lichen Baustoffen wie Holz oder Hanf-

weise sogar für bessere Wachstumsbe-

Welt vorfinden. Dafür lohnt es sich, zu

ziegeln. Auch das ist Teil der Bauwende.

dingungen, insbesondere durch den er-

kämpfen. —

38


Holz. Der Baustoff des 21. Jahrhunderts. LeopoldQuartier Wien

Europas erstes Stadtquartier in Holzbauweise

UBM Development UBM Development ist einer der führenden Entwickler von Holzbau-Projekten in Europa. Der strategische Fokus liegt auf Green und Smart Building in Metropolregionen wie Wien, München, Frankfurt oder Prag. Das Platin-Rating von EcoVadis sowie der Prime-Status von ISS ESG bestätigen die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Mit über 150 Jahren Erfahrung bietet UBM von der Planung bis zur Vermarktung alle Development-Leistungen aus einer Hand an. Die Aktien sind im Prime Market der Wiener Börse gelistet, dem Segment mit den höchsten Transparenzanforderungen.

green. smart. and more.

www.ubm-development.com


#BAUWIRTSCHAFT

Abfälliges als Goldgrube

ZWEITES LEBEN. Bauschutt wird beim Straßenbau wiederverwendet.

Text: Ingrid Krawarik

FOTO: PEROUTKA GUENTHER / WIRTSCHAFTSBLATT / PICTUREDESK.COM

Text und Interview: Ingrid Krawarik


NACHHALTIGKEIT / KREISLAUFWIRTSCHAFT

» Baunormen erschweren das Recycling von Bauabfällen. » Die Trennung der Materialien ist kostenintensiv.

L

» Beton dient als Speicher von CO2.

Laut den Vereinten Nationen produziert

denn rechtlich ist es Abfall, und den darf

die Bau- und Gebäudewirtschaft 40 Pro-

man nicht einfach weiterverwerten.

zent des weltweiten CO2-Ausstoßes. Sie

Also landet er auf der Deponie. Ab 2026

gehört gleichzeitig zu den ressourcen-

soll das anders werden, die Baubranche

intensivsten Wirtschaftszweigen. Bau-

wittert schon ein gutes Geschäft. Aktu-

schutt, Beton, Bodenaushub, Ziegel-

ell testet die Wienerberger AG etwa das

bruch, Gipskartonplatten oder auch Sty-

Aushubmaterial vom Bau der neuen U-

ropor: Auf einer Baustelle fällt unglaub-

Bahn-Linien U2/U5 in Wien und will

lich viel Abfall an. Wobei die Bezeich-

noch vor dem Sommer den ersten Ton-

nung Abfall fast abfällig ist, denn was

ziegel aus dem Aushub präsentieren.

wie ein Haufen Müll aussieht, ist in viel-

Die Strabag SE hat mit ihrer deutschen

facher Hinsicht wertvolles Gut und wird im Kreislauf zu einer weiteren Lebenszeit aufbereitet. Sofern es überhaupt erlaubt ist bei all den verschiedenen Normen und Vorschriften, denn das technisch Mögliche wird oft von rechtlichen Fragen, Ausschreibungsbedingungen sowie Kosten-, Zeit- und Effizienzthemen gebremst. „Die Bauwirtschaft hat generell einen sehr großen Hebel, weil sie mit riesigen Materialströmen operiert. Aber wir müs-

Tochter Züblin beim sechsspurigen Aus-

»Es gibt neue ­Möglichkeiten, den Recyclinganteil in ­unseren ­Produkten zu erhöhen.«

bau der Autobahn zwischen Karlsruhe

Katharina Beumelburg

Ziegelbruch wird in den Produktionspro-

und München 1,1 Millionen Kubikmeter an Boden bewegt, die nahezu vollständig wiederverwertet werden.

Vieles ist recycelbar Bauschutt landet indes im Straßenbau, zess rückgeführt oder wie bei der Porr AG auch zu Dachsubstrat für die Begrünung

sen auch das Normenwesen neu denken.

von Dächern verarbeitet. Dämmstoffe

Alle Rohstoffe, die wir verwenden, müs-

bereiten bei Abbrucharbeiten Probleme,

sen definierten Normen genügen - das

allerdings sind künstliche Mineralfasern

gilt auch für Sekundärrohstoffe. Dabei

ab 2027 in Österreich mit einem Depo-

wird allerdings nicht ausreichend in Be-

nieverbot belegt, die Branche muss sich

tracht gezogen, welches Produkt wir mit

noch eine Verwertungslösung überlegen.

dem Rohstoff erzeugen wollen, und so

Die Firma Epsolutely hat in einem aktuell

werden oft Ansprüche an recycelte Bau-

laufenden Projekt ein Rücknahmesystem

stoffe gesetzt, die einen Einsatz erschwe-

für EPS-Dämmmaterial entwickelt, das

ren. Wir müssen uns also mehr nach der geforderten Qualität des Produkts orientieren“, sagt Heinrich Riegler, KreislaufExperte bei der börsennotierten Strabag SE zum Börsianer Grün. Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich nicht nur

teilweise recycelt werden kann. Auch für

»Wir müssen das Normenwesen neu denken.« Heinrich Riegler

Gipskartonplatten gilt ab 2026 ein Deponieverbot, Porr AG, Saubermacher und Saint Gobain haben deshalb gemeinsam ein Gips-zu-Gips-Recyclingwerk in Österreich errichtet, das ab Mitte 2025 jähr-

von den Ländern zum Staat, sondern auch

lich 60.000 Tonnen Gipsabfall verarbei-

von Bundesland zu Bundesland.

tet. Bis zu 40 Prozent Recyclinggips kön-

Für die 40 Millionen Tonnen Aushub-

nen in einer neuen Gipskartonplatte ver-

material, die jährlich in Österreich an-

arbeitet werden. Sehr gut recycelbar ist

fallen, gibt es etwa kaum Verwendung,

Asphalt, der zu 90 Prozent stofflich wie-

41


INTERVIEW / KREISLAUFWIRTSCHAFT

Interview

INTERVIEW. Hier geht’s zur Langversion.

„CO2 emittieren ist billiger als speichern“ Ein Gespräch mit Haimo Primas, CEO von Holcim Österreich, über die Herausforderungen der Zementindustrie, CO2-freien Zement herzustellen, und Carbon Capture als eine Antwort.

FÜHRUNG. Haimo Primas ist seit Oktober 2024 neuer CEO von Holcim Österreich.

Pipelines, mit Lkws oder Waggons als

die österreichischen Werke im Konzern

Flüssiggas zu einer Lagerstätte trans-

führend. Wir haben stark in die Mitver-

portiert werden. Skandinavien und Ka-

brennung von Abfall investiert und sind

nada haben offshore große Speicher-

jetzt einer der größten Abfallverwer-

volumen unter dem Meeresboden. In

ter Österreichs. Österreichs Zementin-

Österreich ist das Speichern im Boden,

dustrie ist mit 80 Prozent Ersatzbrenn-

also die Carbon-Capture-Storage (CCS,

stoffrate weltweit führend.

Anm.), derzeit nicht erlaubt. Wir rechnen aber damit, dass in Österreich bald

Wieso holen wir das CO2 nicht gleich aus

Herr Primas, die Zementindustrie zählt

eine entsprechende Regelung erlassen

der Atmosphäre heraus. Dann hätten wir

weltweit zu den größten CO2-Emittenten.

wird. Damit ist es aber nicht getan.

viele Probleme gelöst. – Diese Air-Cap-

Holcim Österreich hat vor ein paar Wochen

ture-Anlagen gibt es technisch auch, die

eine Anlage der Firma Neustark in Betrieb

Inwiefern? – Österreich muss sich zu ei-

kosten um ein Vielfaches mehr, weil aus

genommen, die CO2 aus dem Betonwasch-

ner

Carbon-Management-

einer Million Luftteilchen 400 Teilchen

wasser bindet und wieder in Gestein ver-

Strategie verpflichten. Das kann nur das

CO2 rausgefiltert werden müssen. Das

wandelt. Wird damit das CO2-Problem ge-

Parlament. Es braucht Leitungen und

ist so etwas wie ein Spritzer Apfelsaft

löst? – Haimo Primas: Grundsätzlich hat

gesetzliche Rahmenbedingungen und

im Mineralwasser, den man da rausho-

Beton die Eigenschaft, dass er über die

einen Vorteil für nachhaltige Produk-

len muss. Diese Filtertechnologie kos-

Zeit CO2 wirklich aufnimmt und wieder

te am Markt. Die wahrscheinlich größte

tet nach den neuesten Berechnungen

in Gestein verwandelt. Die Mengenwir-

Herausforderung ist es, der Bevölkerung

600 Euro pro Tonne CO2. Wenn man das

kung ist aber erst über einen sehr lan-

die Angst zu nehmen, dass man unter

auf die gesamten Energiekosten umlegt,

gen Zeitraum nach Jahrzehnten spürbar.

­einem Feld, aus dem man jahrzehnte-

dann steigen die Energiekosten für je-

Durch Techniken wie jene von Neustark

lang Gas und Öl gepumpt hat, jetzt wie-

den um 25 Prozent. Sind wir als Welt be-

kann CO2 innerhalb von Sekunden in

der Gas reinpumpt. Dänemark arbeitet

reit, 25 Prozent mehr für unsere Energie

Beton eingebunden werden. Die Anlage

seit Jahren an dieser Kommunikation,

und den Treibstoff zu zahlen? Wir wis-

am Alberner Hafen hat nur beschränkte

damit die Bevölkerung versteht, was da

sen, dass grüner Stahl in einem Neuwa-

Möglichkeiten, CO2 zu binden, da reden

passiert.

gen zu Mehrkosten von 500 bis 600 Euro

richtigen

wir von 100 bis 150 Tonnen pro Jahr. In

führt. Mit CO2-freiem Zement steigen

unserem größten Zementwerk in Man-

Holcim ist ein Schweizer Konzern, der welt-

die Kosten für ein Einfamilienhaus um

nersdorf stoßen wir pro Tag etwa 2.000

weit tätig ist. Konzern-CEO Miljan Gutovic

1.500 bis 2.000 Euro. Diese Mehrkosten

Tonnen CO2 aus. Das heißt, die Anlage

hat vor ein paar Monaten gesagt, dass das

kann man als Gesellschaft tragen, aber

ist keine Lösung für die Industrie, sie

CO2-Thema die größte Chance für Holcim

man muss irgendwann anfangen.

zeigt aber, dass die Technik funktioniert.

sei. Was meint er damit? – Wir sind als Konzern davon überzeugt, dass Wachs-

Wird sich Zement in den nächsten Jahren

Könnte man das skalieren und gleich grö-

tum durch Nachhaltigkeit möglich ist.

CO2-frei herstellen lassen? – Aus heutiger

ßer bauen? – So große Carbon-Capture-

Wir haben in Deutschland, Belgien, Spa-

Sicht ist es chemisch nicht möglich, Ze-

Anlagen gibt es weltweit schon, etwa in

nien, Frankreich, Kroa­ tien, Griechen-

ment so zu produzieren, dass kein CO2

Kanada, Schweden und Dänemark. Für

land und Polen Förderzusagen für CCS-

anfällt. Wir können aber durch die Ab-

den größten Standort Österreichs, das

Anlagen und weitere acht bis zehn in ei-

scheideanlagen verhindern, dass CO2

ist das Holcim-Zementwerk in Man-

nem Projektstatus, da gehört Manners-

in die Atmosphäre gelangt. Wir werden

nersdorf, kostet so eine Anlage 400 bis

dorf in Österreich dazu. Wir möchten

Zement noch lange brauchen, das wird

500 Millionen Euro. Damit könnte man

2030 als Konzern CO2-freien Zement

durch den Megatrend der Verstädterung

95 Prozent der CO2-Emissionen einfan-

anbieten und damit ein Early Mover

und die daraus resultierende Bauakti-

gen. Das CO2 muss dann verdichtet, ge-

sein. Wenn wir von CO2 pro Tonne Klin-

vitäten vorangetrieben. Dieser Verant-

kühlt und verflüssigt werden und über

ker oder Zement sprechen, dann sind

wortung sind wir uns bewusst. —

42


NACHHALTIGKEIT / KREISLAUFWIRTSCHAFT

SPANNENDE LINKS:

derverwertbar ist. Technisch normative

dann als CO2-negativ, wenn Sie garan-

Vorschriften, Probleme im Vergaberecht

tieren können, dass CO2 für 1.000 Jahre

und Auftraggeber, die neuen und nicht-

aus dem Kreislauf draußen ist. Mit Holz-

recycelten Asphalt vorziehen, verhin-

bau kommen Sie auf richtig netto null,

dern hier breitere Einsatzmöglichkeiten. Die großen Bauunternehmen haben hehre Ziele: Die börsennotierte Hochtief

das ist ein absolut wichtiger Baustoff, in CO2 in Recyclingbeton einlagern.

Österreich wird der schon sehr gut eingesetzt. Aber irgendwann müssen Sie

AG will heuer noch eine Abfall-Recyc-

das Holz verbrennen, oder es vermo-

ling-Quote von mindestens 80 Prozent

dert, und dann ist das CO2 wieder drau-

erreichen, die Porr AG hat im Vorjahr

ßen“, sagt Richner. In der Schweiz wird

etwa 1,3 Millionen Tonnen Recycling-

derzeit eine Pilotanlage für die Pyrolyse

material hergestellt. Herausfordernd ist die zeit- und kostenintensive Trennung

CO2 aus der Luft holen.

gebaut, die Wasserstoff und Kohlenstoff aus synthetischem Methan gewinnt, das

von verwertbarem und nichtverwertba-

irgendwann einmal CO2 in der Atmo-

rem Material und dadurch auch die wirt-

sphäre war. Letzten Endes entwickelt

schaftliche Darstellung. Nach dem Mot-

die Empa unter dem Motto „Mining the

to: Wer soll das alles bezahlen?

Atmosphere“ einen CO2-Staubsauger.

Doch Kreislaufwirtschaft ist nicht nur eine Materialfrage, sondern vor al-

Synthetische Treibstoffe.

lem auch eine Energiefrage. Das zumeist

Anders geht es die Wienerberger AG an: Sie produziert in ihrem Werk in Oberösterreich Wandziegel mit bis zu

eingesetzte Material im Bau ist Beton,

90 Prozent weniger CO2-Emissionen als

dessen Herstellung wegen des verwen-

Beton als CO2-Speicher

bisher. Am MIT in Boston forscht Kait-

deten Zements CO2-intensiv ist. An ei-

Wenn es um CO2 geht, ist der Bau die ein-

lyn Becker derweil an Ziegeln aus Alt-

nem CO2-freien Zement wird deshalb

zige Branche, die Materialien in einem

glas, die in einem 3D-Drucker produziert

an vielen Orten gearbeitet. „Aus heu-

Umfang absorbieren kann, der relevant

werden und laut Becker so widerstands-

tiger Sicht, ist es chemisch nicht mög-

ist. CO2-ärmerer Beton wird durch ver-

fähig wie Beton sein sollen.

lich, Zement so zu produzieren, dass

schiedene Zusammensetzungen schon

„Technisch ist mittlerweile sehr,

kein CO2 anfällt“, sagt Holcim-Öster-

von vielen Bauunternehmen eingesetzt.

sehr viel möglich. In der Anwendung

reich-Chef Haimo Primas (siehe Inter-

„Der weltweite Betonbedarf beläuft sich

haben wir aber gerade erst den Zug aus

view Seite 42).

auf rund 35 Milliarden Tonnen pro Jahr.

dem Bahnhof geschoben. Diese Trans-

Heidelberg Materials AG und Lin-

Wenn wir da zehn Prozent Kohlenstoff,

formation und die Breite der verfüg-

de AG verwerten in ihrem Joint Venture

den wir aus der Pyrolyse gewonnen ha-

baren Materialien in einem Business-

Capture-to-Use (Cap2U) das angefalle-

ben, dazumischen, können wir 13 Milli-

Plan zu formulieren ist eine Heraus-

ne CO2 aus der Zementproduktion, das

arden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre

forderung, weil wir jetzt für 2030, 2035,

als Kohlensäure im Mineralwasser oder

holen. In einem Zeitraum von 150 Jah-

2040 planen müssen und die Perspekti-

auch in der Chemieindustrie eingesetzt

ren kann man so viel Kohle in den Be-

ve alles andere als klar ist“, sagt Rieg-

werden kann. In Polen hat Heidelberg

ton einlagern, dass die Temperatur um

ler. Wermutstropfen: Solange es keine

Materials eine Anlage zur Rekarbonati-

ein Grad zurückgeht“, sagt Peter Rich-

gesetzliche Verpflichtung für nachhal-

sierung von Recyclingbeton in Betrieb.

ner vom Schweizer Materialforschungs-

tiges Bauen gibt, bleibt das Thema für

Im Oktober 2024 stieg das Unterneh-

institut Empa, das an der Transition ei-

viele Bauherren, Investoren und Archi-

men beim Cleantech-Start-up Envi-

ner CO2-emittierenden zu einer CO2-

tekten nachrangig.

core ein, das Bau- und Abbruchabfälle

bindenden Gesellschaft forscht.

zu sekundären zementartigen Materia-

Das Ziel: das CO2, das wir als Gesell-

lien verarbeitet. Das Ziel ist, bis 2050 für

schaft in den vergangenen 200 Jahren in

% Meine grüne Rendite

50 Prozent der Betonprodukte zirkuläre

die Atmosphäre gepumpt haben, wie-

Viele Baumaterialien lassen sich bereits

Alternativen anzubieten. „Der neuarti-

der zurückzuholen und einzusperren –

wiederverwerten. Die Zukunft liegt in

ge Ansatz von Envicore hat das Potenzi-

ob im Untergrund oder etwa in Beton.

einem Materialmix und in der Hoffnung,

al, neue Möglichkeiten zur Erhöhung des

„Wir brauchen Negativemissionstech-

dass etwa Beton als meistverwendeter

Recyclinganteils in unseren Produkten

niken und müssen ab 2050 pro Jahr acht

Baustoff CO2-ärmer hergestellt werden

zu erschließen“, sagt Nachhaltigkeits-

bis zehn Milliarden Tonnen CO2 aus der

kann und zugleich als Speicher für CO2

Vorständin Katharina Beumelburg.

Atmosphäre holen. Eine Technologie gilt

genutzt wird. —

43


#E-KRAFTSTOFFE

Solarbenzin aus dem Auge von Mordor Reportage: Oliver Stock Fotos: Judith Wagner

MYSTISCH. Die Spiegel des Heliostatenfelds der Anlage DAWN folgen dem Lauf der Sonne im Zehn-Sekunden-Takt und fangen deren Licht ein.


NACHHALTIGKEIT / REPORTAGE

» Synhelion macht aus Biogas, Sonne und Luft flüssigen Treibstoff. » Reicht das Tempo von Wissenschaft, Politik und Industrie für den klimaneutralen Flugverkehr?

P

» Wie bringt man eine Zukunftstechnologie vom Labor in die Fläche?

Patrick Hilger reicht die Glasflasche über den Tisch, auf dem das Konferenzgedeck steht: Kaffee, Fruchtsäfte, Kekse. Wasser? Hilger entkorkt das Gefäß mit der durchsichtigen Flüssigkeit und lässt schnuppern. Es riecht scharf. Es ist synthetisches Öl, aus dem sich Kerosin für Flugzeuge, Benzin und Diesel raffinieren lässt. Wir sitzen in einer Baracke im tiefen Westen Deutschlands. In Jülich. Die Gegend hier ist platt, nicht mal Bäume wachsen in einer Menge, die den Begriff Wald erlauben würde. Die Erdoberfläche ringsherum ist aufgerissen, Löcher von der Größe einer mittleren Stadt sind ins Erdreich gefräst. Hier ist Braunkohleland. Riesige Bagger fördern den letzten fossilen Brennstoff im Tagebau, Kraftwerke mit ihren rauchenden Schloten

CO2-neutraler Kraftstoff

sind auf zig Kilometer Entfernung zu se-

25 Mann stark ist sein Team, und die

hen. Dazwischen drehen sich Hunderte

Mannschaft setzt hier beim Schweizer

von Windrädern. Nirgends in Deutsch-

Unternehmen Synhelion im Industrie-

land wurde die Energiewende symbol-

maßstab das um, was im Jahr 2019 auf

trächtiger in die Landschaft gepflanzt

dem Dach der ETH in Zürich begann. Es

als hier. Und über alles blickt das Auge

geht darum, aus Luft und Licht und mit

des Mordor.

Liebe zum Detail Kraftstoff zu erzeugen.

So nennt Hilger die schwarze Öffnung

E-Fuels nennt die Industrie den Treib-

in dem 20 Meter hohen Turm, der über

stoff, der ohne Erdöl auskommt. Das

die Baracke, über ein Feld aus 218 waa-

Gebräu ist die Hoffnung für alle Mobili-

gerechten Spiegeln und über diese gan-

tätsbranchen: Flugzeuge werden auf un-

ze von Menschenhand zerschundene

absehbare Zeit weite Strecken nur mit

Gegend ragt. Im Roman „Herr der Rin-

flüssigem Treibstoff überwinden kön-

ge“ erscheint dem Heerführer im Traum

nen. In Schiffen ist der Elektroantrieb

ein flammendes Auge an der Spitze des

dem Verbrennungsmotor noch hoff-

dunklen Turms in Mordor. Der Roman

nungslos unterlegen. Die Autoindustrie

steht im Buchhändlersortiment in jeder

würde aufatmen, wenn sie ihre Flotten

Phantasyabteilung. Doch was Ingenieur

einfach auf CO2-neutralen Kraftstoff

Hilger und sein Team hier aufgebaut ha-

umstellen könnte, anstatt jedes Mo-

ben, ist Wirklichkeit gewordene Fanta-

dell durch einen E-Antrieb zu ersetzen.

sie. Es ist ein zentrales Stück im Puzzle

Synthetisches Rohöl, genannt Syncrude,

der Energiewende.

eignet sich besonders gut für den Trans-

GROSSE NACHFRAGE. Die Swiss Air will die erste Fluglinie sein, die Solarkerosin aus Jülich verwendet. 2050 soll der Anteil an nachhaltigen Flugkraftstoffen in der EU auf 70 Prozent steigen. Aktuell sind zwei Prozent Beimischung Plicht.

45


NACHHALTIGKEIT / REPORTAGE

port, es sind keine Tiefsttemperaturen oder Drucktanks notwendig. Die Energiewende bekäme einen Schub, wenn es bezahlbare E-Fuels in rauen Mengen gäbe. Bislang ist das eine Wenn-Diskussion, die im Konjunktiv geführt wird. Hilger und sein Team holen sie aus den

»Es ist keine Vision mehr – es funktioniert. Und das macht mich stolz.« Patrick Hilger

Köpfen auf die Straße.

te durchschaubares System aus in Alufolie gehüllten Leitungen und Kabeln, Receiver, Energiespeicher und Reaktor verbinden. Und siehe: Was mit einer verrückten Züricher Erfindung seinen Anfang nahm, was in die Pläne der Ingenieure floss und was Bauarbeiter schließlich zusammensetzten: Es funk-

DAWN heißt die Anlage, was der eng-

tioniert. Worauf er besonders stolz ist?

lische Ausdruck ist für Morgenröte. In Betrieb genommen haben sie DAWN exakt in der Nacht der Sommersonnenwende. Sie haben es hier ein bisschen mit Mythen und Legenden, aber DAWN hat wirklich das Zeug zur Legende. Heliostatenfeld heißt die Ansammlung von beweglichen Spiegeln, die dem Lauf der Sonne folgen und sich im Zehn-Sekunden-Takt um Bruchteile von Millimetern verstellen. Sie fangen das Sonnenlicht auf und schicken es gebündelt ins Auge des Mordor.

E-Fuel aus Sonnenkraft Der Augapfel besteht aus einem Solarstrahlungsempfänger, den Hilger „Re­ ceiver“ nennt. Er wandelt die Sonnenenergie in Hochtemperatur-Prozesswärme von mehr als 1.200 Grad Celsius um. Diese Wärme wird zusammen mit Me-

ENERGIE. Ein augapfelähnlicher Solarstrahlungsempfänger wandelt Sonnenenergie in HochtemperaturProzesswärme um.

Hilger, der nach dem Studium nebenan in Aachen bei Synhelion angeheuert hat, denkt kurz nach, so wie jeder Ingenieur, der von der technischen Beschreibung abweichen und plötzlich einen emotionalen Augenblick schildern soll. Dann

than und Kohlendioxid aus Bioabfällen

schwärmt er: Es gehe ums Ineinander-

sowie Wasser in einen Reaktor geleitet.

greifen aller Rädchen: Planung, Bau,

Es entsteht ein Synthesegas, das mithil-

Betreuung, Inbetriebnahme – alles habe

fe eines Standardverfahrens in flüssige

geklappt wie ein Uhrwerk. „Das macht

Treibstoffe umgewandelt werden kann.

mich stolz.“ Auch die Finanzierung ha-

Ein riesiger thermische Energiespeicher,

ben sie hinbekommen.

der an sich wie ein Kachelofen gebaut ist, kann die Hitze aus der Sonnenenergie für

Solarkerosin für die Luftfahrt

Tage speichern und ermöglicht es, dass

Hinter dem Projekt stehen private und

auch bei Nacht und Nebel produziert wer-

öffentliche Investoren. Das deutsche

den kann. Synthetisches Öl kommt hin-

Bundesministerium für Wirtschaft und

ten heraus bei DAWN, gestapelt in Vitri-

Klimaschutz hat knapp vier Millionen

nen, die so groß sind wie ein Supermarkt

Euro der bisher investierten 70 Millio-

und bereit zum Einsatz. Die Schweizer

nen beigesteuert. Ein Zementhersteller

Synhelion hat hier weltweit die erste An-

ist dabei und ein Stahlproduzent, beides

lage errichtet, in der es gelingt, mit Son-

Branchen, die nicht genau wissen, wo

nenenergie E-Fuels tonnenweise zu er-

sie künftig den CO2-neutralen Brenn-

zeugen. Die Legende also lebt.

stoff für ihre Öfen herbekommen sollen.

Hilger ist die 86 Stufen zur Turmspit-

Die Lufthansa Group und ihre Tochter-

ze hochgesprintet und im Inneren ver-

gesellschaft Swiss unterstützen Synhe­

schwunden, wo ein nur für Eingeweih-

lion bei der Markteinführung der Solar­

46


NACHHALTIGKEIT / REPORTAGE

treibstoffe. Die Swiss will die erste Airline sein, die das Solarkerosin aus Jülich nutzt. Rund 70 Prozent von dem, was sie in Jülich produzieren, ist Flugbenzin. Das hat seinen Grund: Die EU hat festgelegt, dass Kerosinlieferanten von diesem Jahr an dafür sorgen müssen, dass der Anteil nachhaltiger Flugkraftstof-

„Wir holen die Energiewende vom Konjunktiv in die Realität“

fen bei zwei Prozent liegt. Bis zum Jahr 2050 soll der Anteil auf 70 Prozent steigen. Angesichts von 60 Millionen Tonnen Flugbenzin, das jährlich in der EU verbrannt wird, sind schon zwei Prozent eine gigantische Menge. Und jene paar gelben Fässer, die Synhelion in Jülich

STOLZER CHEF. Patrick Hilger produziert mit seinem Team im deutschen Jülich synthetischen Flugkraftstoff.

produziert, sind allenfalls eine Pfütze.

Tonnen statt Pfützen in Spanien Aber die Pfütze genügt, um Investoren neugierig zu machen: Der Markt ist gigantisch, und ausgerechnet hier in Jülich, wo die Sonne nicht übermäßig oft im Jahr scheint, geht die Tür auf zum großen Geschäft. „Die Qualität des Sonnenlichts ist die gleiche wie in der Wüste“, sagt Hilger. Die Quantität natürlich nicht, aber das Problem löst der Wärmespeicher – und das nächste Vorhaben, das Hilger gerade angeht: In Spanien, dort, wo Schweizer, Österreicher und Deutsche gern hinfahren, um in der Sonne zu baden, errichtet Synhelion bald die nächste Anlage. Auf Grundlage des Know-hows vom Auge des Mordor in Jülich wollen sie dort bis zum Jahr 2027 eine kommerzielle Fabrik entstehen lassen, bei der 1.000 Tonnen an E ­ -Fuels hinten rauskommen. RISE heißt sie, Sonnenaufgang. Mit Legenden hat man es eben bei Synhelion.

% Meine grüne Rendite Synhelion betreibt die erste Anlage in Europa, in der im Industriemaßstab EFuels aus Gas, Sauerstoff und Sonnenlicht gewonnen werden. In Spanien entsteht auf dieser Basis ein noch größeres Werk. In der EU ist eine Beimischung dieser Treibstoffe für Flugzeuge seit diesem Jahr Pflicht. —

47


#KUNSTSTOFF

Essen wir täglich eine Kreditkarte? Nein! Im Börsianer Grün-Interview erklärt Alpla-Group-CEO Philipp Lehner, welche Probleme Verpackungen lösen können, warum für ihn PET-Flaschen verantwortungsvoll sind und wo Kreislaufwirtschaft in seiner Branche funktioniert.

H

Interview: Ingrid Krawarik

Herr Lehner, der weltweite Plastikmüll hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten auf 360 Millionen Tonnen pro Jahr versiebenfacht. Haben wir ein Verpackungsproblem? – Philipp Lehner: Vielleicht sollten wir uns zuerst fragen, welche Probleme Verpackungen lösen können. Denn Verpackung ermöglicht sicheren, leistbaren und nachhaltigen Konsum. Speziell die Kunststoffverpackung. Das gehört zum Lebensstandard dazu. Inwiefern? – Wenn man will, dass etwa

ckungsmüll. Aber manchmal ist die Ver-

»Es gibt Regionen in China und Indien, da haben die Leute noch andere Probleme als: Wie viel PCR packe ich in mein Produkt?« Philipp Lehner

packung eben notwendig. Ich kann mich an eine Diskussion vor sechs, sieben Jahren in Wien erinnern, da wurde ich gefragt, wie ich es verantworten kann, Kunststoffflaschen in Mexiko herzustellen, wo die doch nicht sammeln? Und da meinte ich: Ganz gut, weil dadurch sind die Leute hydriert. Es lebt ja nicht jeder in der schönen Welt Österreichs, wo man den Wasserhahn aufdreht, und dann fließt irgendwie mineralhaltiges, gesundes und sauberes Wasser raus. Allerdings

die Gurken im Supermarkt länger halten

gibt es Verpackungen, die sind leichter zu

und man verschiedene Produkte für Kon-

recyceln, weil sie Mehrwert haben.

sumenten zielgerichtet hinstellen kann, damit die Verbraucher auch mehr Flexi-

Haben Sie ein Beispiel? – Wasserflaschen

bilität im Zeitpunkt des Konsums haben,

aus PET sind die am meisten gesammel-

dann ergibt es Sinn, die Gurke zu verpa-

ten Wertstoffe auch in Ländern ohne In-

cken. Verpackung erweitert den Lebenszyklus von drei Tagen auf zwei Wochen, das ist immens. 40 Prozent der Lebensmittel, die produziert werden, verderben. Da hilft Verpackung, das zu vermeiden. Deshalb gibt es unser Unternehmen. Das löst aber nicht das Problem der Millionen Tonnen an Verpackungsmüll. – Natürlich gibt es Probleme zu lösen. Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung und dem steigenden Weltwohlstand konsumieren wir mehr, und das führt zu mehr Verpa-

frastruktur, weil dieser Kunststoff leicht

»Wenn die Baumwoll­ernte schlecht war, macht ein H&M vielleicht auch gern mehr T-Shirts aus Kunststoff­ flaschen.« Philipp Lehner

und werthaltig weiterverarbeitet werden kann. Eines der Ziele wird sein, Produkte zu designen, die Verpackungen haben, die leistbar und kosteneffizient sind und recycelt werden können. Weil dann kümmert sich jemand in der Supply-Chain darum, diese Produkte einzusammeln, damit er sie verkaufen kann und damit Lebenseinkünfte generiert. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist Südafrika. Dort bauen wir gerade ein Recyclingwerk auf. Da sammeln wir 60.000 Tonnen PET-


„Technisch sind 100 Prozent Recycling möglich“

Vita PHILIPP LEHNER CEO Alpla Group

FOTO: ALPLA

Bevor der Enkel des Firmengründers 2015 ins Familienunternehmen eingestiegen und im Jänner 2021 schließlich zum CEO aufgestiegen war, wollte der gebürtige Vorarlberger etwas Eigenes machen, studierte in China, London und Boston und arbeite bei McKinsey in Hamburg. In weniger als zehn Jahren will der leidenschaftliche Motorradfahrer die weltbeste Papierflasche am Markt haben.


INTERVIEW / KREISLAUFWIRTSCHAFT

Müll von Getränkeverpackungen, und dafür werden 10.000 Leute ein Lebenseinkommen generieren, das dreimal so hoch ist wie der Mindestlohn. Das sind die coolen Sekundäreffekte, die meine Arbeit so

„Wasserflaschen aus PET sind die am meisten gesammelten Wertstoffe“

spannend machen und einen Impact erzeugen. Ist es verantwortungsvoll, PET-Flaschen in Ländern zu verkaufen, wo es kein Recycling gibt? – Ich sehe es als unseren Auftrag, sichere, leistbare und nachhaltige Verpackungen zur Versorgung der Weltbevölkerung zur Verfügung zu stellen. Dabei sind alle Aspekte wichtig, sie werden aber von Region zu Region unterschiedlich gewichtet. In Ländern mit Unterversorgung oder ohne Wasserinfrastruktur sind sichere und leistbare PET-Flaschen FOTO: ALPLA

zur Versorgung lebensnotwendig. Dazu gibt es keine Alternative. Wenn es dort ein funktionierendes Sammel- oder Verwertungssystem gibt, umso besser. Jedoch erfolgt der Zugang nicht über dieses System, sondern in erster Linie über den

PLASTIKFLASCHE. Die PET-Preforms werden in einem zweistufigen Verfahren zu einer PET-Flasche aufgeblasen.

Bedarf und die Nachfrage. Das ist wichtig zu verstehen, wenn von Nachhaltig-

Was ist eine gute Verpackung? – Die Kunst-

teil, und in 95 Prozent der Märkte kommt

keit und Verantwortung gesprochen wird.

stoffverpackung ist in 95 Prozent der Fäl-

es mit einem Premiumpreis. Da ist die

le, in denen wir aktiv sind, immer die

Frage, will ich das meinen Konsumen-

Stichwort Mikroplastik – was macht es, und

beste, weil sie die sicherste, die leistbars-

ten antun. In Europa enthalten die meis-

was ist die Konsequenz daraus? – Das wis-

te und die nachhaltigste Lösung ist. Und

ten Produkte PCR. Es sind auf jeden Fall

sen wir noch nicht. Wir leben in einer

beim Kunststoff muss man drei Dinge in

mehr Kosten, die ins System reingetra-

sehr schnelllebigen Zeit. Wer am lau-

Einklang bringen: Die Verpackung muss

gen werden. Technisch sind 100 Prozent

testen brüllt, wird gehört, und das The-

dem Konsumenten gefallen, also ästhe-

Recyclingmaterial möglich. Die Frage ist,

ma Mikroplastik erlebt eine Renaissance.

tisch ansprechend sein, beim Verwenden

wie viel wollen Sie für ihr Shampoo zah-

NGOs preschen vor und sagen, wir essen

muss Freude aufkommen, sie muss leist-

len und wie viel Preiselastizität hat unser

täglich eine Kreditkarte. Das ist erwiese-

bar sein und nachhaltig, also CO2-opti-

Kunde mit seinen Konsumenten. Jedes

nermaßen falsch. Man müsste mehrere

miert, produziert in der Supply-Chain.

Land ist unterschiedlich. In Indien ist die

Tausend Jahre leben, dann kommt man

Derzeit kostet die Verpackung fünf bis

Kaufkraft einfach nicht da. Dort nimmt

auf eine Kreditkarte. Und es gibt bisher

sieben Cent, da ist in der Standardkatego-

man Verpackungsmittel, die am güns-

keine seriöse, aussagekräftige Studie zu

rie mit Verschluss und Label alles dabei.

tigsten sind, aber auch nicht den größten

den Auswirkungen. Das ist ein bisschen

Nachhaltigkeit ging in den letzten Jahren

Mehrwert bringen. Da sind wir dran, Lö-

wie bei Spinat. Da wurde vor vielen Jah-

mit Kosteneffizienz einher.

sungen zu entwickeln, dass man die For-

ren gesagt, Spinat hat Eisen, und darum

mate umdesignt in Verpackungen, die

ist er gesund. Später kam heraus, dass

Gibt es neue Produkte, die Sie herstellen

Mehrwert haben, aber gleichzeitig sicher

es in den Berechnungen Fehler gab, und

ohne Recyclinganteil? – Die gibt es sicher.

und leistbar sind. Eine weitere Lösung ist,

deshalb war Spinat nicht mehr relevant.

Es gibt Regionen in China oder Indien,

dass wir Kunden nur eine Rezyklatoption

da haben die Leute noch andere Proble-

geben. Wir wählen Märkte aus, in denen

Schmeckt aber trotzdem gut. – Das stimmt.

me als: Wie viel PCR packe ich in mein

wir selbst Recycling und Sammlung be-

Es hat aber nie jemand gesagt, esst Spi-

Produkt? Da ist das nicht relevant. PCR

treiben, immer in Abhängigkeit von dem,

nat, weil er so gut schmeckt.

steht für Post-Consumer-Recyclingan-

was besteht und unsere Kunden wollen.

50


INTERVIEW / KREISLAUFWIRTSCHAFT

Wer sind Ihre Kunden? – Alle großen Play-

terial ist besseres Reporting für die gan-

der Markt auch relativ volatil. Kunststoff

er des Konsumgeschäfts. Wir arbeiten

zen Brüsseler Showcases, die sie haben

ist grundsätzlich sehr versatil einsatzfä-

mit den Procter & Gambles, mit den Uni-

wollen, Stichwort CSRD und so weiter.

hig, da matchen sich Automotive, Textil-

levers, den L’Oreals dieser Welt zusam-

Und da leisten wir einen großen Beitrag,

wirtschaft und Verpacker.

men. Das Thema Nachhaltigkeit wird

weil wir prozesstechnisch, technolo-

hauptsächlich von den Brands getrie-

gietechnisch in unserem Segment ganz

Alpla betreibt 200 Produktionswerke in

ben. Wir beraten und servicieren auch

weit vorn spielen. Unser Markt ist 50

46 Ländern. Wie bauen Sie eine Präsenz

sehr in die Richtung, welche Materialen

Milliarden Euro groß, wir machen jetzt

in einem neuen Land auf? – Wir beglei-

und Verpackungen im Kreislauf geführt

fünf Milliarden Euro Umsatz. Also reden

ten einen Ankerkunden. Früher hat das

werden können. Die großen Konsumgü-

wir da von zehn Prozent Marktanteil.

80 Prozent ausgemacht, da waren die

terfirmen suchen auch aktiv Ideen und

Volumina noch einheitlicher, und die

Input von uns. Da geht es um Materialen

Gehen Sie nur in Länder, in denen Kreis-

großen Volumina waren verfügbarer. In

und Farbpigmente, wie man Sammlung

laufwirtschaft funktioniert? – Wir gehen

den meisten großen Märkten sind wir

organisieren und danach verarbeiten

dorthin, wo der Kunde ist und wir auf der

mit diesem Großvolumen jetzt schon in-

kann. Ein großes Nachhaltigkeitsthema

Verpackungsseite servicieren können.

volviert. Bei neuen Märkten macht das

ist die Gewichtsreduktion.

Beim Recyclinggeschäft gehen wir dort-

Ankergeschäft 30 bis 40 Prozent aus. Es

hin, wo wir Mehrwert erzielen können,

gibt die Perspektive, die nächsten 30 bis

Zum Beispiel? – Die Coca-Cola-Flasche

und wir müssen natürlich schauen, was

40 Prozent da draufzupappen. Dafür las-

hat vor 20 Jahren 40 Gramm gewo-

lokal möglich ist. Es kann sein, dass ge-

sen wir uns drei bis vier Jahre Zeit, um in

gen, jetzt wiegt sie in manchen Fällen

wisse Materialtypen noch nicht bedient

der Produktionsstätte auf 80 bis 100 Pro-

in der gleichen Einheitsgröße nur noch

werden. Aber die Nachfrage muss da

zent Auslastung zu kommen. Da macht

18 Gramm. Und das sind nur Zyklen der

sein. Recyceln kann man viel, aber ohne

das Geschäft dann Spaß.

Verbesserung, die stattfinden, wenn

Absatzmarkt tue ich mir schwer, als Fir-

man Wettbewerb hat. Jetzt macht man

ma zu überleben. In Brasilien haben wir

Wo liegen für Sie als Unternehmenschef die

es halt aus Kostengründen und aus Sus-

2024 eine Firma übernommen, bei der

größten Herausforderungen in den nächsten

tainability-Gründen, weil weniger Ma-

wir unsere Technologie draufstülpen.

Jahren? – Wir sind einer der größten Play-

Damit bieten wir jetzt ein größeres Pro-

er in einem fragmentierten Markt, und

duktspektrum an recyceltem Material

da vom Standort Österreich aus kosten-

an, weil unsere Kunden, die wir mit Ver-

effizient zu arbeiten ist ein Riesenthema.

packungen schon bedienen, nach mehr

Wir hatten in den letzten vier Jahren über

recycelten Optionen gefragt haben.

30 Prozent Inflationsanpassungen bei

Alpla Group In den Werken der Alpla Group

den Personalkosten. Das ist massiv, das

werden pro Jahr etwa 1,8 Millio-

Das klingt stark nach einem Local-for-lo-

ist mehr als zweimal so hoch als das, was

nen Tonnen Material verarbeitet,

cal-Ansatz. – Ja, das geht in die Rich-

die Welt gesehen hat. Die Suche nach den

23 Prozent davon sind Recyc-

tung. Material reist ein bisschen besser

nächsten Wachstumsmärkten beschäf-

lingmaterial. Der größte Markt

als hergestellte Kunststoffverpackung,

tigt uns natürlich, es ist immer wieder

ist Westeuropa mit mehr als

das kann man schon 1.000 Kilome-

eine spannende Aufgabe, sich als Tech-

einem Drittel Umsatzanteil, auf

ter verschicken. Bei der Kunststoffver-

nologieführer und erste Adresse zu eta-

Länderebene sind die USA der

packung sind es 150 Kilometer. Es gibt

blieren. Wir wollen in den Pharma- und

größte Einzelmarkt. 2024 wurde

Märkte, da funktioniert das rudimen-

Fasermarkt einsteigen. Wir haben viel

tärer, da wird nicht Flasche zu Flasche

vor. Von der Marktseite müssen wir uns

verarbeitet, sondern vielleicht Flasche

vor allem das Brot im Fasermarkt noch

zu Teppich oder Flasche zu Vorhang.

hart verdienen. Und die Anforderun-

Und wenn die Baumwollernte in Ban-

gen für Recycler werden beim Ressour-

gladesch schlecht war, dann macht ein

cenmanagement höher, das hat mit dem

H&M vielleicht auch gern mehr T-Shirts

Regulierungswahn in Brüssel zu tun. Das

aus Kunststoffflaschen, weil es billig ist.

untergräbt natürlich die Wettbewerbs­

ein Umsatz von 4,9 Milliarden Euro erzielt. Pro Jahr werden über 389.000 Tonnen installierte und projektierte Output-Kapazitäten an recyceltem Material aus eigenen Werken hergestellt. Bis 2030 soll das auf 700.000 Tonnen erhöht werden. 50 Millionen Euro werden dafür jährlich investiert.

fähigkeit, weil die Kosten steigen. Da Das ist dann große Konkurrenz für Sie? –

müssen wir Prozesse neu denken in Rich-

Das ist eine Riesenherausforderung, weil

tung Strom- und Wasserverbrauch. Das

es die Preise nach oben treibt. Deshalb ist

ist ein Teil vom Wettbewerb. —

51


#UMFRAGE 2025

Sauber? Eh sicher bald! Die EU baut Bürokratie ab, die USA-Führung sträubt sich gegen ESG, bringt Greenhushing in Mode und setzt Europas Investoren unter Druck. Und die Rüstungsindustrie steht in Konkurrenz zur Nachhaltigkeit. Das ergab eine exklusive Umfrage des Börsianer Grün bei 500 Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

D

Text: Ingrid Krawarik

Der Investmentchef der Schweizer ESG Asset Management AG, Robert C. Koch, kommentiert die Umfrage „Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft“, die seit 2015 vom Börsianer bei 500 Investoren aus dem DACH-Raum durchgeführt wird, folgendermaßen: „Wir befinden uns in einem längst überfälligen Bereinigungsprozess – weg von Etiketten, hin zu mehr Substanz.“ Wobei heuer vor allem die zwei Fragen zum EU-Bürokratieabbau in Sachen Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Anti-ESGStimmung in den USA und deren Auswirkungen sehr eindeutige Ergebnisse lieferten. „Es ist erschreckend, in welsich gegenseitig übertreffen, sich vom Thema Nachhaltigkeit zu distanzieren, und ihre Ansätze relativieren oder aufweichen. Es wird immer wieder Phasen geben, in denen ein uneingeschränkter Ansatz besser „funktioniert“ als ein nachhaltiger. Hier jedes Mal die ESGPolicy anzupassen, schadet am Ende des Tages nur der Glaubwürdigkeit, weil langfristig nachhaltige Fonds keinen Performancenachteil aufweisen“, meint ein Umfrageteilnehmer treffend.

FOTOS: STEFAN BONESS / SZ-PHOTO / PICTUREDESK.COM

chem Tempo vor allem Finanzinstitute


RENDITE / UMFRAGE

Befürchten Sie bei nachhaltigen ­Veranlagungen (ESG) Renditeeinbußen ­gegenüber klassischen Investments? Fundamentaler Zielkonflikt Obwohl natürlich keine Branche permanent positi-

a J 42,90 %

ve Renditen oder Outperformances erzielt, wird das von nachhaltigen Investments fast erwartet, schließlich wird dafür auch mehr investiert, und man muss sich durch strenge Regelwerke kämpfen. Der Aufwand muss sich lohnen! Da hilft es nicht, dass Rüstungsak-

57,10 %

tien ein Comeback erlebten und deutlich bessere Ren-

Nein

diten abwarfen. Die Aktie der Rheinmetall AG verdrei­ fachte sich in kürzester Zeit. Deshalb fanden sich auch rasch Stimmen, die argumentierten, dass Waffen ohne­dies nachhaltig seien. Rüstung und günstigere, zuverlässige Energieversorgung werden wichtiger, meint eine Teilnehmerin. „Es besteht ein fundamen-

TREND 2019–2024

taler Zielkonflikt zwischen der aktuellen ESG-Re-

JA

NEIN

2024

35,48%

64,52%

2023

21,84%

78,16%

2022

22,09%

77,91%

2021

13,10%

85,71%

für die Rendite entscheidender als ESG-Kriterien“, ar-

2020

15,48%

84,52%

gumentiert ein anderer. 42,90 Prozent der befragten

2019

20,29%

79,71%

Teilnehmer befürchten Renditeeinbußen bei nachhal-

gulierung der Europäischen Union und der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Europas. Diesen gilt es schnellstmöglich aufzulösen“, sagt Nils Kottke, Vorstand der Spängler Bank AG. „Die Risikotoleranz ist

tigen Veranlagungen, 2019 waren es nur 20,29 Prozent!

Zwischen Gut und Böse Als Teilnehmer am Finanzmarktgeschehen kommt man um nachhaltige Veranlagung kaum noch herum. Hier hat sich auch in der Umfrage kaum etwas verändert. Immerhin 83,30 Prozent investierten bereits zumindest einmal in einen nachhaltigen Fonds, ETF oder in eine Anleihe. Wobei im Jahr 2021 noch 93,98 Prozent mit Ja geantwortet hatten. Erstaunlich ist eher, dass es mehr als 15 Prozent gibt, die noch nie ein nachhaltiges Finanzprodukt gekauft haben. „Ich lege Wert auf einen ‚gesunden‘ Nachhaltigkeitsansatz“, sagt ein Umfrageteilnehmer. Von „Performance sehr schlecht im Vergleich zu anderen Produkten“ über „Weltaktien mit deutlich schlechterer Performance über fünf Jah-

Haben Sie persönlich schon einmal in ein nachhaltiges Finanzprodukt (Fonds, Anleihen, ETFs etc.) investiert?

a J 83,30 % 16,17 %

Nein

re“ bis hin zu „empirisch beobachtetem Performance-

TREND 2019–2024

nachteil“ scheiden sich hier die Geister der Investoren.

JA

NEIN

2024

88,71%

11,29%

zung bestätigt, dass sich Nachhaltigkeit negativ auf die

2023

85,06%

14,94%

Performance auswirkt“, sagt ein Teilnehmer. Von Fi-

2022

88,37%

11,63%

nanzberatern kommt aber immer öfter das Argument,

2021

93,98%

6,02%

dass sie zwingende Nachhaltigkeit in der Kundenbera-

2020

89,16%

10,84%

2019

82,35%

17,65%

„Obwohl nachhaltige Fonds über viele Jahre outperformt haben, finden sich jetzt viele in ihrer Einschät-

tung zu sehr einschränkt.


Sind nachhaltige Unternehmen langfristig wirtschaftlich erfolgreicher als andere? Nicht per se, aber zukunftsorientierter

a J 77,90 %

Nachhaltige Unternehmen sind strategisch langfristiger ausgerichtet und berücksichtigen mehrere Dimensionen. Sie sind somit auch besser auf zukünftige wirtschaftliche, demografische/soziale sowie governancebezogene Herausforderungen vorbereitet und

22,10 %

unterliegen weniger Risiken. Es sind Denkprozesse er-

Nein

forderlich, die über übliche Planungshorizonte hinausgehen, begründen Teilnehmer ihr Ja auf die Frage. Immerhin 77,99 Prozent halten nachhaltige Unternehmen langfristig für wirtschaftlich erfolgreicher, 2015 waren es 68,70 Prozent. Wobei beim Begriff „nachhal-

TREND 2019–2024

tig“ immer noch die fehlende eindeutige Definition ins

JA

NEIN

2024

79,03%

20,97%

2023

82,40%

17,58%

2022

89,41%

10,59%

ein. „Erfolgreiche Unternehmen können einfacher in

2021

89,16%

12,05%

Nachhaltigkeit investieren, aber Nachhaltigkeit führt

2020

86,75%

13,25%

per se nicht zum Erfolg“, fasst ein Teilnehmer seine

2019

74,63%

25,37%

Einschätzung zusammen. Nachhaltigkeit sei ein kom-

Spiel gebracht wird. Aufgrund der aktuellen enormen Dokumentationserfordernisse hätten nachhaltige Unternehmen Kostennachteile, wendet ein Teilnehmer

plexer Themenbereich, in dem Pauschalierungen nicht mehr möglich sind. Wie wäre es mit Nachhaltigkeit in Bezug auf Kreislaufwirtschaft als hehres Ziel?

Sind für Sie nachhaltige Investmentfonds ausreichend miteinander vergleichbar?

Lieber Labels als hauseigene Nachhaltigkeit Für 59 Prozent der an der Umfrage Teilnehmenden sind nachhaltige Investmentfonds weiterhin nicht ausreichend miteinander vergleichbar. Der Wert hat sich zwar verringert, 2020 verneinten noch 80,72 Prozent die Frage. Kritisiert wird aber die unterschiedliche Auslegung der Fondsgesellschaften beim Thema Nachhaltigkeit sowie die weiterhin fehlenden Klassifizierungen und einheitlichen KPIs, die auch inhaltlich konsistent ermittelt werden, wie ein Teilnehmer anmerkt. Deshalb seien Labels so wichtig. „Nachhaltigkeit ist generell schwer vergleichbar, da es starke kulturelle Unterschiede gibt. Außerdem liegt die Herausforderung eher in der Komplexität der Kennzahlen

a J 41,00 % 59,00 %

Nein

und nicht im Zugang zur Information“, sagen Befrag-

TREND 2019–2024

te. Grundsätzlich sei ein Vergleich nur bei sehr hohem

JA

NEIN

2024

37,10%

62,90%

derum die Regulatorik aufbaut. Überbordende Regu-

2023

26,74%

73,26%

lierung bei gleichzeitigem Fehlen klarer Mindeststan-

2022

23,53%

76,47%

dards überfordert dann viele Investoren. Deshalb auch

2021

34,94%

63,86%

der Wunsch: Für eine Vergleichbarkeit braucht es klar

2020

19,28%

80,72%

2019

29,8%

70,15%

Aufwand möglich. Es gebe keinen einheitlichen Standard zur Ermittlung der SFDR-Quoten, auf denen wie-

definierte und transparente Kriterien.

54


RENDITE / UMFRAGE

Hat Greenwashing bei börsennotierten Unternehmen zugenommen? Mehr Klarheit und Greenhushing Eine klare Richtung gibt es beim Thema Greenwa-

a J 32,40 %

shing, hier sind nur noch 32,40 Prozent der befragten Investoren überzeugt, dass mehr Unternehmen ihr Geschäft nachhaltiger darstellen, als es tatsächlich ist. Das ist ein enormer Sprung im Vergleich mit dem Vorjahr, wo noch 50,85 Prozent der Befragten mit Ja ge-

67,60 %

antwortet hatten. Spannend, dass beim Thema Gree-

Nein

washing klarere Richtlinien auch zu einer besseren Einordnung der eigenen Nachhaltigkeitsversprechen geführt hat. „Die Unternehmen sind sensibler geworden, und neue EU-Regelungen wie die Green-ClaimsRichtlinie sorgen für mehr Awareness und Klarheit sowie einheitliche Standards“, argumentiert ein Teil-

TREND 2023–2024 JA

NEIN

2024

50,85%

49,15%

2023

50,59%

49,41%

nehmer. Ein anderer beobachtet indes genau das Gegenteil: „Greenhushing ist nun zu beobachten, vor allem bei US-Unternehmen. In Europa, denke ich, hat der Regulator sehr klare Anforderungen an Nachhaltigkeit definiert – in den anderen Regionen der Welt könnte zukünftig insbesondere auf Druck der USA ein weniger strikter Umgang mit Nachhaltigkeit gepflegt werden.“

Nachhaltiges Handeln steht bei uns schon immer hoch im Kurs. post.at/investor

Die Österreichische Post ist im ständigen Auf und Ab des Kapitalmarktes ein zuverlässiger, attraktiver Dividendentitel. Darüber hinaus ist Nachhaltigkeit für die Post von großer Bedeutung: Die Österreichische Post betreibt heute mit über 5.000 E-Fahrzeugen die größte E-Flotte des Landes. Das Ziel ist es, bis 2030 alle Sendungen im Inland fossilfrei zuzustellen. Nähere Informationen auf post.at/investor


Stärkt der EU-Bürokratieabbau (Stichwort Omnibus) die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen?

Sinnvolle Korrektur der EU, da geht noch mehr! „Jeder Abbau willkürlicher Hürden ist zu begrüßen, die Wettbewerbsfähigkeit wird damit aber nur bedingt gestärkt, da viele Regeln zu überbordend oder zu schwammig definiert waren“, sagt ein Umfrageteil-

a J 77,90 % 22,10 %

Nein

nehmer zusammenfassend. 77,90 Prozent der Befragten sind jedoch überzeugt, dass Europas Unternehmen vom Bürokratieabbau profitieren: „Die Maßnahmen tragen hoffentlich dazu bei, dass europäische Unternehmen flexibler und wettbewerbsfähiger werden, indem sie weniger Ressourcen für bürokratische Aufgaben aufwenden müssen und sich stärker auf Innovation und Wachstum konzentrieren können.“ Manchen Investoren geht Omnibus nicht weit genug. „Die EU muss ihre Strategien fortlaufend überprüfen und anpassen, um auf die dynamischen globalen Herausforderungen zu reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen langfristig zu gewährleisten“, merkt ein Investor an. Außerdem sei im Finanzbereich noch keine Abkehr der Regulierungsflut in Sicht. Die Regulatorik bleibe ein Hemmschuh, der weitgehend nur angekündigte Bürokratieabbau stärke die europäischen Unternehmen bei weitem noch nicht.

Druck auf Europas Investoren Einige Umfrageteilnehmer betrachten die Anti-ESGPolitik der USA als historischen Ausreißer auf kurzfristige Sicht, hoffen aber, dass sie zum Bürokratieabbau in Europa führt. Die Anti-ESG-Politik sei eine Bestätigung für jene, die der Nachhaltigkeit überdrüssig geworden sind. 73,10 Prozent der Befragten rechnen mit

Wird die Anti-ESG-Politik (Anti-Sustainable-Politik) der USA auf Europa und das Assetmanagement abfärben?

einem Abfärben auf Europa. „Falls US-Unternehmen aufgrund von Anti-ESG-Gesetzen ihre Berichterstattung oder ESG-bezogenen Maßnahmen reduzieren, könnte das europäische Investoren vor regulatorische Herausforderungen stellen. Zudem könnten euro­ päische Assetmanager, die ESG-Strategien verfolgen, gezwungen sein, ihre Anlagestrategien oder Kriterien anzupassen, um weiterhin Zugang zum US-Markt zu behalten“, erklärt ein Umfrageteilnehmer. Und das, obwohl die allgemeine Akzeptanz von ESG-Praktiken in Europa weniger anfällig für kurzfristige politische Veränderungen ist. „Die Versicherungsbranche hat die Verpflichtung, das Thema Nachhaltigkeit gesellschaftlich zu adressieren, auch im Sinne unseres eigenen Geschäftsmodells“, meint Thomas Neusiedler, Vorstandschef der Helvetia Versicherung in Österreich.

56

a J 73,10 % 26,90 %

Nein


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raiffeisen-fonds.at


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

Mehr Mut zur Wende

FOTO: ANDREW J. MARTINEZ / PHOTORESEARCHERS / PICTUREDESK.COM; GRAFIKEN: INGRID KRAWARIK

Text: Raja Korinek

58

Die Wende zu einer sauberen und fairen Welt lässt sich trotz des Gegenwindes aus den USA nicht aufhalten. Unternehmen, die entsprechende Lösungen anbieten, sind gefragt. Dazu werden auch Rohstoffe benötigt, wenngleich der Sektor die Schwachstellen im Umweltschutz und in der Kinderarbeit offenbart. Risiken und Chancen an der Börse gehen für Investoren bei dem Thema Hand in Hand.


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

1. Kritische Mineralien In jedem E-Auto stecken gut elf Kilo Kobalt. Rund 60 Prozent der nachgewiesenen Vorkommen liegen im Kongo. Die Unicef schätzt, dass im Kongo etwa 40.000 Kinder in Minen nach Kobalt graben.

| Seite 60

2. Kreislaufwirtschaft Europa hat im Rahmen des europäischen Green Deals

4. Wasser

eine führende Rolle bei der

Die Erde ist zu rund zwei

Förderung der Kreislauf-

Dritteln mit Wasser bedeckt,

wirtschaft übernommen. Bis

davon sind nur 0,5 Prozent

2025 müssen mindestens 55

als Trinkwasser verwend-

Prozent der Siedlungsabfälle

bar. Mit dem Gut sollte man

recycelt werden, bis 2035

schonend umgehen. Derzeit

sind es dann 65 Prozent.

ist das Gegenteil der Fall.

| Seite 62

3. Diversität Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen haben laut dem Berater McKinsey weltweit eine um 39 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein, als Unternehmen mit der geringsten Diversität.

| Seite 64

| Seite 66

5. Interview Europa hat derzeit bei der Windkraft die interessantere Perspektive, vor allem im Onshore-Bereich. Überhaupt spielt Deutschland eine wichtige Vorreiterrolle, sagt Nedim Kaplan, Chief Investment Officer ­der Ökoworld­ AG.

| Seite 68

59


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

1. Mineralien für die ­Energiewende

D

Der Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt hat neue Eskalationsund Kalmierungsstufen erreicht. Anfang April 2025 stoppte Peking die Ausfuhr zahlreicher seltener Erden und Magnete. Die Materialien werden in der E-Mobilität, in der Energiewende, aber auch zum Bau von Raketen und Drohnen benötigt. Auch für Smartphones und Halbleiter werden sie gebraucht. In China werden rund 70 Prozent aller schweren seltenen Erden gefördert. Sie machen zudem 90 Prozent der globalen Exporte aus. Im Hintergrund sucht der Rest der Welt Alternativen, so streben etwa die USA einen Vertrag mit der Ukraine an. Das Problem: Die Förderung ist teuer.

60


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

EXPORTSTREIT. Seltene Erden sind essenziell für die E-Mobilität, Energiewende und Hightech-Produkte. China sitzt auf großen Vorkommen.

RARE EARTH ELEMENTS FUND CHF 300

24.4.22

für elektronische Geräte sowie für Elek-

ner Erden und fördert auch in Malay-

troautos benötigt wird. In jedem E-Auto

sia. Dazu zählen Neodymium für Ma-

stecken gut elf Kilo davon. Rund 60 Pro-

gnete und Lanthanum. Dies wird etwa

zent der nachgewiesenen Vorkommen

in Nickel-Metallhydrid-Batterien für

liegen im Kongo. Lithium wird wieder-

mit Brennstoffzellen betriebene Hyb-

um für Lithium-Ionen-Batterien stark

rid- und Elektrofahrzeuge benötigt, da

nachgefragt. Ein großer Teil wird im

es große Mengen Wasserstoff speichern

„Lithium-Dreieck“ produziert, zu dem

kann. Die kanadische Almonty Indus­

Chile, Bolivien und Argentinien zählen.

tries konzentriert sich auf den Abbau

Weil dafür Salzseen ausgetrocknet wer-

und die Exploration von Wolfram. Die

den, sorgt die Förderung für Konflik-

Wertentwicklung des Fonds auf fünf

te. In Australien wird das „weiße Gold“

Jahre lag per Ende März 2025 bei rund

ebenso gefördert.

23 Prozent per anno auf Eurobasis. Der WisdomTree Strategic Metals and

gungen angeprangert. Allein im Kon-

Rare Earths Miners UCITS ETF (IE000K-

go schätzt die Unicef die Zahl der Kin-

HX9DX6) setzt auf Unternehmen, die

der, die in Minen nach Kobalt graben,

vor allem entlang der Wertschöpfungs-

auf rund 40.000. Solche Entwicklungen

kette der Metalle für die Energiewen-

stellen auch die Finanzwelt vor Heraus-

de tätig sind. In diesem ETF hat China

24.4.25

forderungen. Laut dem US-Investment-

regional die höchste Gewichtung, etwa

Quelle: baha

manager VanEck fehle ein allgemeiner

mit Guangdong Dowstone Technology.

Konsens darüber, wann Minenunter-

Der Konzern produziert Komponenten

nehmen als nachhaltig bezeichnet wer-

für Lithium-Batterien. Die größte Ge-

den könnten. Greenwashing könne man

wichtung entfällt auf MP Materials. Der

deshalb nur schwer klar identifizieren.

US-Minenkonzern fördert seltene Er-

WISDOM TREE STRAT. METALS ETF 30 28

den in den USA. Arcadium Lithium aus

Eigenrecherche ist gefordert

dem United Kingdom fördert weltweit.

Umso mehr ist etwa Urs Gmür, Fonds-

Die ETF-Performance per 17. April auf

manager des Rare Earth Elements Fund

ein Jahr liegt bei minus 9,6 Prozent.

(ISIN CH0111943673) von Active ­ Niche Funds,

26

bemüht,

„schwarze

Schafe“

selbst herauszufiltern, etwa mit Telefonkonferenzen,

24 22

Die australische Lynas Rare Earth ist weltweit zweitgrößter Produzent selte-

Immer wieder werden Arbeitsbedin200

100

Ebenso wichtig sind kritische Rohstoffe. Dazu zählt Kobalt, das ebenfalls

29.4.24

Geschäftsberichten

% Meine grüne Rendite

Ohne seltene Erden und weiteren kri-

und Präsentationen. Gmür investiert in

tischen Mineralien ist die Energiewen-

Unternehmen entlang der Wertschöp-

de nicht möglich. Deren Förderung ist

29.4.25

fungskette, von der Förderung bis hin

teilweise umstritten, da der Umwelt-

Quelle: baha

zur Verarbeitung sowie zum Handel mit

schutz und die Vermeidung von Kinder-

kritischen Mineralien. Die größte Posi­

arbeit nicht immer gewährleistet sind.

tion ist Sylvania Platinum, ein südafri-

Anleger müssen zudem beachten, dass

kanischer Produzent von Platingrup-

ein Investment sehr schwankungsfreu-

penmetallen.

dig ist. —

61


3

RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

KREISLAUF­ WIRTSCHAFT. Wer knappe Ressourcen effizient einsetzt, dem gehört auch die Zukunft.

2. Kreislaufwirtschaft Rendite mit Recyling

D

Der Ressourcenverbrauch schreitet voran und damit auch die Notwendigkeit, auf Kreislaufwirtschaft umzustellen. Potenzial gibt es reichlich, wie der jüngste Circularity-Gap-Report von der Circle-Economy-Foundation

aufzeigt.

Demnach war 2023 die globale Wirtschaft nur zu 7,2 Prozent zirkulär. Rückenwind gibt es von Europas Politik. Bereits 2018 wurde die EU-Abfallricht­ linie geändert: Bis 2025 müssen mindestens 55 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt werden, bis 2035 sind es dann 65 Prozent. Für brauchbare Textilien müssen seit Jahresbeginn 2025 etwa Container in allen Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen. „Europa hat im Rahmen

62


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

VANECK CIRCULAR ECON. UCITS ETF 25

20

15

24.4.23

nada. Konkurrenz liefert die kanadische

rende Rolle bei der Förderung der Kreis-

GFL Environmental, die 2020 an die Bör-

laufwirtschaft übernommen“, sagt Fre-

se ging. Die irische Smurfit WestRock

derike Bauer, Produktspezialistin bei

setzt auf Papierverpackungen, die aus

­Xtrackers von der DWS.

eigenen Wäldern hergestellt werden,

Letzter Punkt trifft vor allem auf Roh-

und mischt im Altpapierrecycling mit.

stoffe zu. Kritische Mineralien werden

Beliefert wird die Lebensmittelindustrie

für erneuerbare Energietechniken bis

genauso wie die Gastronomie.

hin zur E-Mobilität benötigt. 2024 wur-

Dem Xtrackers MSCI Global Circu-

de daher der Critical Raw Materials Act

lar Economy UCITS ETF (IE000Y6ZXZ48)

(CRMA) ins Leben gerufen. Der CRMA

liegt der MSCI ACWI IMI SDG 12 Res-

24.4.25

soll sicherstellen, dass die Recycling-

ponsible Consumption and Production

Quelle: baha

kapazität in der EU bis 2030 zumindest

Select Index zugrunde. Es geht um Un-

25 Prozent des jährlichen Verbrauchs an

ternehmen aus den Bereichen nach-

strategischen Rohstoffen decken kann,

haltiger Konsum und nachhaltige Pro-

erklärt Edda Wolf, Bereichsleiterin Roh-

duktion. Zudem werden Unternehmen

stoffe bei der Wirtschaftsförderungsge-

ausgewählt, die sich stark für die Kreis-

sellschaft Deutschland.

laufwirtschaft einsetzen. Zu den größ-

XTRACKERS MSCI GL. CIRC. EC. ETF

34 32 30 28 26 29.4.23

des europäischen Green Deals eine füh-

29.4.25 Quelle: baha

ten Positionen zählt der Handyprodu-

Kreislaufwirtschaft an der Börse

zent Samsung Electronics. Der Konzern

Genauso jung wie die Kreislaufwirt-

verwendet recyceltes Material. Equinix

schaft sind zahlreiche Finanzprodukte.

Reit aus den USA betreibt Datenzentren.

Der Circular Economy ETF VanEck Circu-

Mit der Hitze, die solche Rechenzentren

lar Economy UCITS ETF (IE0001J5A2T9)

etwa in Irland abgeben, wird ein Spital

bildet den MVIS Global Circular Econo-

sowie eine Universität in einem Vorort

my ESG Index ab. In dessen Fokus ste-

Dublins beheizt. Der Schweizer Indus­

hen Unternehmen, die mit Produkten

triekonzern ABB entwickelt unter ande-

und Dienstleistungen einen Beitrag zur

rem Energiesparlösungen. Die Wertent-

Kreislaufwirtschaft leisten. Dazu gehö-

wicklung liegt hier bei minus 2,9 Prozent

ren die Wasserreinigung und -aufberei-

per 23. April.

tung, Energiegewinnung aus Abfällen und Biokraftstoffe, Abfallwirtschaftsdienste sowie Metallrecycling. Die Wert­ entwicklung per 17. April auf ein Jahr

% Meine grüne Rendite

Ressourcen werden weltweit knapper,

liegt auf Eurobasis bei minus 2,28 Pro-

der Handelskrieg könnte die globale

zent.

Versorgungslage verschärfen. Die Kreis-

Die größte Position ist Waste Connections.

Der

US-Konzern

betreibt

Müllabfuhren in den USA sowie in Ka-

laufwirtschaft liefert Lösungsansätze, auf die inzwischen immer mehr Unternehmen setzen. —

63


1

RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

ERFOLGSGARANT? Wenn diversifi­ zierte Teams besser performen, lohnt sich ein Investment.

3. Diversität – Mit Vielfalt zum Erfolg

I

Inklusion und Diversität machen Teams

noch zu einer differenzierten Betrach-

und Unternehmen stärker und tragen

tung. „Es existieren auch Studien mit ge-

auch zu einer positiven gesellschaftli-

mischten Resultaten, die darauf schlie-

chen Entwicklung bei, so die Argumen-

ßen lassen, dass auch andere Faktoren

te, die für „Diversity, Equality und Inte-

eine Rolle spielen.“ Ebenfalls schwierig

gration“ (kurz DEI) sprechen. Empirisch

zu belegen sei der Unterschied zwischen

belegt das beispielsweise McKinsey Ende

Korrelation und Kausalität: „Hat Diver-

2023 in der „Diversity Matters Even

sität zu einem besseren Unternehmens-

More“-Studie. Demnach haben Unter-

erfolg geführt, oder investieren erfolg-

nehmen mit mehr Frauen in Führungs-

reichere Unternehmen mehr in Diver-

positionen weltweit eine um 39 Prozent

sität?“ Dennoch zahle sich Wild zufolge

höhere Wahrscheinlichkeit, überdurch-

DEI aus. Diverse Teams könnten kom-

schnittlich profitabel zu sein, als Unter-

plexe Herausforderungen besser bewäl-

nehmen mit der geringsten Diversität.

tigen und Innovationen besser voran-

Bei der ethnischen Diversität (Interna-

treiben.

tionalität der Führungsteams) liegt der

Bei der nachhaltigen Titelselek­ tion

Wert ebenfalls bei 39 Prozent. Dazu wur-

im Nordea 1 - Global Diversity Engage-

den Daten von mehr als 1.200 Unterneh-

ment Fund (LU1939214695 für Privat-

men in 23 Ländern analysiert.

anleger; LU1939215312 für Großanleger) sind die Regeln klar: Unter ande-

64

Effekt nicht ganz klar

rem müssen zumindest 30 Prozent des

Daniel Wild, Chief Sustainabilty Officer

oberen Managements divers aufgestellt

bei Bank J. Safra Sarasin, mahnt den-

sein. Fundamentale Kennzahlen müs-


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

NORDEA GL. DIVERSITY ENGAGEMENT 180

160

sen ebenfalls überzeugen. Dabei wird

Standard Chartered, der Online-Essens-

auch in Unternehmen investiert, denen

lieferant Doordash aus den USA sowie

man Verbesserung bei Diversität und In-

die US-Bank Wells Fargo. Auf fünf Jahre

klusion einräumt, hält Fondsmanagerin

liegt die jährliche Wertentwicklung bei

Julie Bech fest. Dass zu den größten Ein-

11,64 Prozent per anno.

zeltiteln vor allem US-Aktien zählen,

140

120 29.4.22

29.4.25 Quelle: baha

liegt auch daran, dass der Fonds nicht

Gegenwind aus den USA

allzu weit vom MSCI All Countries World

Doch Vorsicht. Durch die reaktionäre

Index abweicht. IT, Finanzen und Ge-

Politik der US-Regierung weht dem The-

sundheit aus den USA dominieren. Dazu

ma ein scharfer Wind entgegen. US-Prä-

zählen Nvidia, Eli Lilly und Citigroup.

sident Donald Trump möchte bekannt-

Auf fünf Jahre liegt die jährliche Wert-

lich DEI-Initiativen abschaffen. Wells

entwicklung auf Eurobasis bei 11,47 Pro-

Fargo hat deshalb bereits eine Richtlinie

zent (per 17. April).

verfasst, die für die erste Interviewrunde für Führungspositionen eine viel-

UBS ETF GLOBAL GENDER USD

1.700

1.600

Politischer Rückenwind

fältige Kandidatenliste vorgeschrieben

Bech verweist zudem auf politischen

hat. Druck wird auch auf europäische

Rückenwind aus manch einer Region:

Unternehmen aufgebaut, die staatliche

So trat Ende 2024 etwa die Richtlinie zur

US-Aufträge erhalten. Nordea-Expertin

ausgewogeneren Vertretung von Frauen

Bech lässt sich von dem kurzfristigen

und Männern in Leitungsorganen von

politischen Wirbel nicht beirren, wie sie

börsennotierten Unternehmen in der

sagt: Die Argumente in Richtung Diver-

EU in Kraft.

sität bleiben stark.

Im UBS ETF (IE) Global Gender Equality UCITS ETF (IE00BDR5GV14) wird der Solactive Equileap Global Gender Equa-

1.500

lity 100 Leaders Net Total Return Index 29.4.24

29.4.25 Quelle: baha

% Meine grüne Rendite

Diversität in Führungspositionen kann

abgebildet. Die niederländische Equi­

sich für Unternehmen lohnen, wie etwa

leap hat sich auf Daten rund um Diver-

eine McKinsey-Studie zeigt. Die Pro-

sität und Inklusion sowie Genderge-

fitabilität steigt ebenso wie die Inno­

rechtigkeit spezialisiert. Regional neh-

vationskraft. Auch manch ein Fonds-

men die USA rund 50 Prozent ein, gefolgt

manager achtet dementsprechend auf

von Frankreich sowie Australien. Zu den

Vielfalt, wobei insbesondere US-Titel

Einzelwerten zählen die britische Bank

dominieren.

65


2

RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

WERTVOLLES NASS. Der Klimawandel gefährdet natürliche Wasserressourcen. Lösungen sowie ein sparsamer Umgang damit sind gefragt.

D

4. H20 – Quell des Lebens

Der Bau neuer Datenzentren schreitet

so Winter. Dabei sollte mit dem „blau-

ter Fund (IE00B2Q0L939 für Privatanle-

weltweit voran. Laut der Heinrich-Böll-

en Gut“ schonend umgegangen werden.

ger, IE00B5630V84 für Großanleger) auf

Stiftung benötigt ein durchschnittliches

So ist die Erde zu rund zwei Dritteln mit

lokalen Märkten tätig. Sheldon verweist

Zentrum in den USA täglich teilweise

Wasser bedeckt. Doch nur 0,5 Prozent

auf einen weiteren Aspekt: „Aufgrund der

mehr als eine Million Liter Wasser. Doch

sind als Trinkwasser verwendbar.

relativ unelastischen Nachfrage können

Wasser ist ein zunehmend knappes Gut.

Wasserversorger Kosten an die Gebüh-

Ein Grund ist der Klimawandel, der für

Handelsstreit mit wenig Folgen

renzahler weiterreichen. Außerdem sind

immer mehr Trockenphasen sorgt. Jus-

Lösungen sind damit zunehmend gefragt.

sie in einem regulierten Sektor tätig.“

tin Winter, Co-Fondsmanager BNP Pa-

Doch müssen Branchenfirmen angesichts

In den Segmenten Wasserinfrastruk-

ribas Aqua Fund, nennt weitere Verur-

des Zollstreits mit Gegenwind rechnen?

tur – hier geht es zum Beispiel um Rohre

sacher, so etwa die steigende Umwelt-

Matt Sheldon, Senior Portfolio Manager

und Pumpen – sowie Wassertechnolo-

verschmutzung und den zunehmenden

der Water Strategy von KBI Global Inves-

gie, etwa Filter und Messgeräte, kämp-

Verbrauch aufgrund eines immer höhe-

tors, ist zuversichtlich. „Der Wassersek-

fen Sheldon zufolge einige Unterneh-

ren Lebensstandards in vielen Regionen.

tor sollte besser positioniert sein als die

men zwar mit leichtem Gegenwind bei

Auch die wachsende Weltbevölkerung

meisten anderen Branchen, da Wasser

den Lieferkettenkosten. Viele hätten

trägt dazu bei. In vielen Industrienatio-

ein lebenswichtiges Gut ist.“ Zudem sei-

jedoch seit 2018 Importe aus China re-

nen sei zudem die Infrastruktur veraltet,

en die meisten Unternehmen im KBI Wa-

duziert und könnten höhere Inputkos-

66


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

BNP PARIBAS AQUA CLASS. CAPIT. 250

200

150

ten über die Preisgestaltung ausglei-

Schweiz – im KBI ist es Japan. Die größte

chen. Der Fonds deckt alle drei Bereiche

Gewichtung entfällt ebenfalls auf Veolia

ab. Die größte Gewichtung entfällt auf

Environnement, gefolgt von Linde. Das

die französische Veolia Environnement.

Unternehmen erzeugt Industriegase, die

Die Palette reicht von der Wasserversor-

unter anderem für die Wasseraufberei-

gung und der -entsorgung bis hin zum

tung eingesetzt werden. American Wa-

Abfallmanagement. Xylem aus den USA

terworks aus den USA bietet Dienstleis-

stellt etwa Anlagen zur Wasseraufberei-

tungen in der Wasserversorgung an. Die

tung, Pumpen sowie Tests zur Überwa-

jährliche Zehn-Jahres-Performance lag

chung der Wasserqualität her. Essential

zuletzt bei knapp sieben Prozent.

Utilities aus den USA stellt Infrastruktur 24.4.22

24.4.25 Quelle: baha

für die Trinkwasser- und Abwasseraufbereitung bereit. Auf zehn Jahre liegt die jährliche Wertentwicklung per 17. April auf Eurobasis bei 7,72 Prozent.

DIE L

Privatanleger,

schmutzung sowie die wachsende Weltbevölkerung. Umso mehr sind Lösungen

die USA ebenfalls rund 50 Prozent des

gefragt, wobei sich entsprechende Un-

Vermögens aus, gefolgt von Großbri-

ternehmen auch im aktuellen Umfeld

tannien. Doch an dritter Stelle liegt die

gut durchsetzen können. —

ESBANK ND

H.

für

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Großanleger)

ter der Klimawandel, die Umweltver-

machen

R GANZ FÜ

A

LU1165135879

Wasser ist ein kostbares Gut, das zunehmend knapp wird. Gründe sind mitun-

Im BNP Paribas Funds Aqua Fund (LU1165135440

% Meine grüne Rendite


Noch mehr Nachhaltigkeit

Vita

Nedim Kaplan ist seit Jahresbeginn 2025 Chief Investment Officer (CIO) bei Ökoworld, einem Nachhaltigkeitspionier im deutschsprachigen Raum mit Sitz in Luxemburg und Deutschland, der sich seit den 1990er-Jahren auf ethisch-­ ökologische Investmentfonds spezialisiert hat. Zuvor leitete er das Portfolio­ management des nachhaltigen Assetmanagers.

FOTO: ÖKOWORLD AG

NEDIM KAPLAN Chief Investment Officer und Leiter Portfoliomanagement Ökoworld AG


RENDITE / GRÜNE INVESTMENTS

Die Ökoworld AG war ein Pionier in der nachhaltigen Geldanlage. CIO Nedim Kaplan über ­politischen Gegenwind und darüber, warum es inzwischen trotzdem weltweit Chancen gibt.

U

Interview: Raja Korinek

US-Präsident Donald Trump hat einen

Elon Musk, CEO des Elektroautobauers

lagen deutlich kommunizieren. Unsere

globalen Handelskonflikt losgetreten

Tesla, hatte als Berater Trumps Teile der

Fonds erfüllen alle die Artikel-9-Vorga-

– und möchte im Inland Maßnahmen

Bevölkerung auch in anderen Ländern ge-

ben und somit die strengen Regeln der

zum Klimaschutz reversieren, etwa bei

gen Tesla aufgebracht. Obendrein werden

EU zu Nachhaltigkeit.

Zahlungen aus dem Inflation Reduction

Elektroflotten im öffentlichen Dienst in den

Act (IRA). Für Nedim Kaplan, Chief In-

USA abgebaut. Hat die Elektromobilität

Manch ein Anleger befürchtet Performan-

vestment Officer und Leiter Portfolio-

eine Zukunft? - Es ist nicht das Ende der

cenachteile mit grünen Investments. Ein

management der Ökoworld LUX S.A.,

Elektromobilität, sie steht in den USA

Klischee? - Tatsächlich investieren etwa

kommt die Entwicklung jedoch wenig

jedoch vor neuen Herausforderungen.

unsere Fonds kaum in die Magnificent 7,

überraschend, wie er sagt. Im Interview

Der globale Trend ist nicht aufzuhalten.

die sieben großen US-Technologiekon-

mit dem Börsianer Grün liefert Kaplan

Insbesondere China entwickelt die ent-

zerne, da sie die meisten unserer Krite-

eine handfeste Einschätzung und er-

sprechende Technologie stark weiter,

rien nicht erfüllen. Weil die Kurse dieser

läutert Perspektiven für Anleger.

die Reichweite nimmt zu. Deren günsti-

Firmen im vergangenen Jahr stark ge-

ge Autos erobern den Weltmarkt.

stiegen waren, hinkte die Wertentwick-

Herr Kaplan, Aktien zahlreicher europäi­

lung unserer Fonds nach. Unsere Aus-

scher Unternehmen, die im US-Windge-

Wie sieht das Umfeld in anderen Schwellen-

schlussgründe sind vielfältig. Bei Tes-

schäft tätig sind, wurden kurz nach Trumps

ländern aus? - In Indien sollen die Kapa-

la gibt es neben dem Thema Corporate

Wahlsieg abverkauft. Können Sie dies

zitäten aus erneuerbaren Energien von

Governance auch Umweltaspekte etwa

nachvollziehen? - Nedim Kaplan: Gera-

derzeit gut 165 Gigawatt auf 500 Gigawatt

zum Trinkwasser beim Werk in Berlin-

de im Offshore-Geschäft braucht man

im Jahr 2030 erhöht werden. Dafür müs-

Brandenburg. Bei Amazon sind es die

eine gute Visibilität. Dahinter steckt

sen Netze und Speicherkapazitäten aus-

Arbeitsbedingung. Fahrer stehen oft un-

eine weitaus größere Wertschöpfungs-

gebaut werden. Die Entwicklungen bie-

ter Druck. Zudem führt der Onlinehan-

kette als bei Windparks, die an Land er-

ten Anlegern ebenfalls Chancen, die wir

del zu einem Geschäftssterben in Innen-

richtet werden. Ørsted ist besonders

im Ökoworld-Klima- und im Growing-

städten.

betroffen, da das Unternehmen stark

Markets-Fonds nutzen, so zum Beispiel

im Offshore-Bereich in den USA mit-

mit Suzlon Energy oder Power Grid of In-

Auffällig gering sind im „Ökovision Clas-

mischt.

dia. KPI Green Energy, ebenfalls Teil des

sic“ Aktien aus der Erneuerbaren-Ener-

Fonds, setzt umfangreiche erneuerbare

gie-Branche gewichtet. Eine größere Rolle

Energieprojekte um.

spielen Gesundheit, IT und Finanzen. Wes-

Welche Folgen befürchten Sie aufgrund der US-Zölle für die Erneuerbare-Ener-

halb? - Die Erneuerbare-Energie-Bran-

gie-Branche? - Die Windbranche be-

Einige institutionelle Anleger, so etwa

che kämpft mit einer Menge Gegenwind,

nötigt Stahl, Kupfer und Beton für die

Blackrock, sind aus dem Klimabündnis Net

so etwa dem Preisverfall aufgrund von

Windtürme und die darauf installierten

Zero Asset Managers Initiative ausgetreten.

Überkapazitäten aus China. Das The-

Turbinen. Die steigenden Rohstoffprei-

Der Finanzkonzern hatte zuvor Nachhal-

ma gehen wir vorsichtig und selektiv

se aufgrund der US-Zölle auf solche Im-

tigkeit in der Vermögensverwaltung stark

an. Mastercard, das Kreditkarten anbie-

porte erhöhen die Kosten für Herstel-

forciert. Verliert die Branche an Glaub-

tet und ein Onlinebezahlsystem betreibt,

ler in den USA. Überhaupt liefert Europa

würdigkeit? - Damit entsteht der Ein-

hat seine Umweltbilanz stetig verbessert

derzeit die interessantere Perspektive,

druck, dass einige Vermögensverwalter

und bezieht fast ausschließlich Strom

vor allem im Onshore-Bereich. In Bay-

in Nachhaltigkeit lediglich einen Trend

aus erneuerbaren Energien. Zudem geht

ern wurde 2024 eine Rekordmenge neu-

sahen, der nun nicht mehr opportun er-

das Unternehmen vorbildlich beim Da-

er Leistungen an Windkraft genehmigt.

scheint. Dies ist auch auf den wachsen-

tenschutz vor. Die London Stock Ex-

Überhaupt

eine

den Druck von manch einem institutio-

change, ebenfalls Teil des Fonds, bietet

wichtige Vorreiterrolle. Das 500 Milli-

nellen Anleger, so etwa Pensionskassen,

ESG-Ratings zur Bewertung nachhalti-

arden Euro schwere Infrastrukturpa-

aus den USA zurückzuführen, die Rendi-

ger Geldanlagen an. Immerhin gewinnt

ket, das im März 2025 genehmigt wur-

techancen breiter gestreut nutzen wol-

das Thema „Sustainable Finance“ zu-

de, dürfte sogar über Deutschland hin-

len. Umso mehr müssen Häuser wie wir

nehmend an Bedeutung. Die LSE trägt zu

aus für Rückenwind sorgen.

die Chancen mit nachhaltigen Geldan-

mehr Transparenz bei. —

spielt

Deutschland

69


RENDITE / AWARD

Die Stunde der grünen Sieger Der ESG Fund Award des Börsianer Grün suchte zum dritten Mal die nachhaltigsten Fonds in der DACH-Region. Unter 2.108 analysierten Produkten zeichnen wir jene Fonds aus, die in puncto ­Performance und ESG-Score top sind. Zudem blickten wir in diesem Jahr ein zweites Mal hin – in der Sonderkategorie Nachhaltigkeit. Text: Daniel Nutz

70


RENDITE / AWARD

Die besten aus 2.108 Investmentfonds die zehn Haupt- und 93 Unterkategorien des Cleanvest-Scorings der Ratingagentur ESG Plus heran. Einige der früheren Gewinner fielen aus den vorderen Rängen. „Wenig überraschend, schneiden Fonds mit breiterem Anlagehorizont und weniger Ausschlüssen auf Drei-Jah-

B

res-Sicht besser ab als solche mit strengen Ausschlusskriterien“, sagt Armand Colard, Geschäftsführer von ESG Plus,

Beim nachhaltigen Investieren sind eu-

zusammenfassend. Performancebringer zielte über japanische Tech-Invest-

ropäische Anleger mit einem Anteil von

waren High Yield, Tech und geografische

ments eine Performance von 16 Prozent

84 Prozent des weltweiten Volumens

Schwerpunkte wie Japan oder Indien.

per anno und punktet im ESG-Score mit

führend. In der DACH-Region zeigt sich

So zeichnete sich der internationa- starken Werten bei Bildung und Gesund-

folgendes Bild: In Deutschland sind ge-

le Gesamtsieger bei den Aktienfonds, heit. Bei den Anleihenfonds erreicht der

mäß dem Bundesverband Investment

Goldman Sachs Japan Equity Partners Wellington Euro High Yield Bond Fund

und Asset Management (BVI) 23,4 Pro-

(98 Punkte, LU1217870911), aus – er er- (98 Punkte, IE00BJRHVH04) die beste

zent oder rund eine Billion Euro gemäß

Bewertung. Bei den Mischfonds erzie-

der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR)

len der österreichische Spaengler Privat

nachhaltig veranlagt. Laut der Finanz-

Flexibel (AT0000A18WC7) und der deut-

marktaufsicht (FMA) liegt der entspre-

sche BRW Balanced Return Plus Direct

chende Wert in Österreich bei 49,7 Pro-

(DE000A2H7PA8) mit jeweils 93 Punk-

zent des Gesamtvolumens, neueste Zah-

ten die beste Gesamtwertung.

len der österreichischen Ratingagentur RFU wiesen sogar mit 51,7 Prozent den Durchbruch der 50er-Schallmauer aus. Ähnliche Werte gibt es in der Schweiz, Swiss Sustainable Finance weist 51 Prozent aller Fonds der SFDR-Kategorisierung gemäß als nachhaltig aus.

Bewährte Methode Beim ESG Fund Award des Börsianer Grün 2025 untersuchten wir 2.107 als „grün“ deklarierte Fonds mit einem Volumen

»Fonds mit breiterem Anlagehorizont und weniger Ausschlüssen schneiden auf Drei-JahresSicht besser ab.« Armand Colard

Gesamtwertung und Sonderwertung Doch welche Fonds sind eigentlich die nachhaltigsten? Um diese Frage zu klären, holten wir die 2.108 Produkte nochmals auf den Prüfstand. Dabei ließen wir die Drei-Jahres-Performance außer Acht und analysierten ausschließlich nach den Nachhaltigkeitskriterien. Auf den folgenden Seiten finden Sie die Sieger im ESG-Fund-Award-Ge­ samt­ranking des Börsianer Grün sowie die

von rund 1,8 Billionen Euro. Dabei zo-

Sondersieger in der Kategorie Nachhal-

gen wir in bewährter Manier die aktu-

tigkeit, die Methodik und einzelne Sie-

elle

ger-Interviews.

Drei-Jahres-Performance

sowie

71


RENDITE / AWARD

Gesamtpunkte

Performancepunkte

Nachhaltigkeitspunkte

Fondsname

ISIN

SFDR

Assetklasse*

Assetmanager

INTERNATIONAL 98

100

96

Wellington Euro High Yield Bond Fund

IE00BJRHVH04

8

B

Wellington Management ­Company

97,5

99

96

Goldman Sachs Japan Equity Partners Portfolio

LU1217870911

8

A

Goldman Sachs

81

97

65

DNCA Invest – Evolutif

LU0284394821

8

M

DNCA Finance

ESG FUND AWARD – SIEGER GESAMTWERTUNG

ÖSTERREICH 94,5

98

91

Amundi Öko Sozial Euro Corporate Bond

AT0000A2QMK6

8

B

Amundi Austria

93

99

87

SpaenglerPrivat: Flexibel

AT0000A18WC7

8

M

Bankhaus Carl Spaengler

89

91

87

Erste Stock Quality

AT0000A2HV66

8

A

Erste Asset Management

DEUTSCHLAND 93

96

90

BRW Balanced Return Plus Direct

DE000A2H7PA8

8

M

BRW Finanz

90

85

95

Aramea Rendite Plus ­Nachhaltig

DE000A2DTL78

8

B

Aramea Asset Management

82,5

94

71

Aktien Südeuropa

DE000A1J9A74

8

A

Habbel Pohlig & Partner Institut

LU0114167991

8

B

Lemanik Invest

LU0644935313

8

A

Swisscanto / SPARX Asset Management

SCHWEIZ 89,5

88

91

Lemanik Sicav – Spring Capitalisation

83,5

77

90

Swisscanto Equity Fund Small & Mid Caps Japan

CV-ESG Score

Fondsname

ISIN

SFDR

Assetklasse*

Assetmanager

ESG FUND AWARD – SIEGER SONDERKATEGORIE NACHHALTIGKEIT

INTERNATIONAL 98

JPMorgan Funds – Global Healthcare Fund

LU0842954777

8

A

JP Morgan Investment Management

98

BlackRock Global Funds Next Generation Health

LU2310090944

8

A

BlackRock Investment Management Goldman Sachs Asset Management

98

Goldman Sachs Global Future Health Care Equity

LU2220395680

8

A

88

Nordea 1 – Norwegian Bond Fund

LU0841569220

8

B

Nordea Investment Management

78

IFP Luxembourg Global Environment Fund

LU0426578240

9

M

IFP Investment Management

Raiffeisen Capital Management

ÖSTERREICH 100

Raiffeisen-Österreich-Rent

AT0000805163

8

B

100

Erste Responsible Bond Mündel

AT0000812995

8

B

Erste Asset Management

100

Gutmann Mündelsicherer Anleihefonds

AT0000A0CG05

8

B

Gutmann KAG

94

Erste WWF Stock Environment

AT0000A03N37

9

A

Erste Asset Management

85

Advisory Flexibel

AT0000A2KQV7

8

M

Advisory Invest

DEUTSCHLAND 100

FutureVest Equity Sustainable Development Goals

DE000A2P37T6

9

A

DWPT Deutsche Wertpapiertreuhand

100

Murphy&Spitz – Umweltfonds Deutschland

LU0360172109

9

A

Murphy&Spitz

100

WIWIN just green impact!

DE000A2QRSY6

9

A

WIWIN Green Impact Fund

100

nova Steady HealthCare

DE000A1145J0

8

A

nova funds

92

ÖKOBASIS SDG – Investments for Future

DE000A2QAYD4

8

M

Grohmann & Weinrauter

86

CSR Bond Focus SDG Fonds

DE000A2PT145

9

B

CSR Beratungsgesellschaft

100

Bellevue Funds – Bellevue Digital Health Share

LU1811048138

8

A

Bellevue Asset Management

100

UBS (Lux) Digital Health Equity Fund

LU2228203910

8

A

UBS Asset Management

100

Luxembourg Selection Fund – Active Solar

LU1308789038

9

A

Active Niche Funds

80

Focused SICAV-World Bank Bond USD EUR Hedged

LU1739534706

9

B

UBS Asset Management

SCHWEIZ

*A= Aktienfonds, B= Anleihenfonds, M= Mischfonds

72


RENDITE / AWARD

Unsere Methodik

Nach folgenden Kriterien wurden beim ESG Fund Award des Börsianer Grün die besten nachhaltigen Fonds bewertet.

den. Aus diesem Grund wurden kei-

 U m einen fairen Vergleich sicher-

ne Fonds analysiert, die zu mehr als

zustellen, wurden Fonds getrennt

gemanagten Fonds, die in der

5,0 Prozent in andere Fonds inves-

nach ihrer Kategorie bewertet (Ak-

Cleanvest-Datenbank von ESG Plus

tieren, somit generell keine Dach-

tien-, Anleihen- und Mischfonds).

erfasst sind und eine Vertriebs­

fonds.

Es ­wurden etwa Aktienfonds nur im

Auswahl der untersuchten Fonds

Ausgangsbasis sind alle 3.889 ­aktiv 

zulassung in Österreich, Deutsch-

Vergleich mit allen anderen Aktien-

Zur Analyse wurden Retailbranchen 

land oder der Schweiz haben.

herangezogen und Eurotranchen

Es wurden gemäß der 

sowie Thesaurierer bevorzugt.

­EU-Offenlegungsverordnung

fonds bewertet.

 U m die Punktezahl zu ermitteln, wurden aus allen Fonds Perzenti-

Es wurden nur Fonds analysiert, für 

jene aktiv gemanagten

le gebildet. So kommt es zu einer

Fonds ­ausgewählt, die einen

die eine Kennzahl zur Drei-Jahres-

Punktezahl von 1–100 – jeweils in

Nachhaltigkeits­ansatz ­verfolgen

Performance per 31. 3. 2025 bei Re-

der Kategorie Nachhaltigkeit und

(Artikel 8 oder 9). Womit 2.108

finitiv verfügbar war.

Performance –, daraus ergibt sich

Fonds in die Wertung kamen.

die Gesamtpunktezahl.

Die Fonds wurden in die ­ 

Um die Performance entspre

Kategorien Aktienfonds, Anleihen-

 F ür das Länderranking Österreich,

chend bewerten zu können, wur-

fonds und Mischfonds unterteilt

Deutschland und Schweiz z ­ ogen

den nur Fonds untersucht, die be-

und analysiert. Andere Kategorien,

wir den Sitz der Assetmanager

reits ­länger als drei Jahre existieren

wie Geldmarktfonds, wurden nicht

­heran. Alle Fondsmanager außer-

­(Datenquelle: Refinitiv).

einbezogen.

halb des DACH-Raums fallen in die internationale Wertung.

Es wurden nur Fonds untersucht, 

Bewertung der Fonds

deren Positionen zu mindestens 95

Alle Fonds wurden gleich­

 F ür die Wertung der besten nach-

Prozent analysierbar sind. Investi-

­wertig auf Basis ihrer

haltigen Fonds wurde allein der

tionen von Fonds in andere Fonds

Nachhaltigkeit und ­Performance

Cleanvest-Score (siehe Erklärung

können nicht berücksichtigt wer-

bewertet.

unten) herangezogen. MindestScore für eine Auszeichnung: 70.

Gesamtpunkte

Performancepunkte

Nachhaltigkeitspunkte

Fondsname

ISIN

SFDR

Assetklasse*

Assetmanager

ARTIKEL

FONDSKATEGORIE

Gibt an, ob es sich nach

A= Aktienfonds,

SFDR um Artikel 8 oder

B= Anleihenfonds,

Artikel 9 handelt.

M= Mischfonds

GESAMTPUNKTE

PERFORMANCEPUNKTE

NACHHALTIGKEITSPUNKTE

Die finale Fonds-Ge-

Die Performance von Fonds wird auf Basis der drei-

Die Nachhaltigkeit wurde durch den Cleanvest-Score von ESG Plus

samtbewertung ist der

jährigen annualisierten Rendite bewertet. Je Fonds-

evaluiert. Der Score besteht aus zehn Basiskriterien, die sowohl für

gleich gewichtete Mittel-

kategorie wurden Quantile über alle Werte aller

Staaten als auch Unternehmen angewendet werden. Diese Kriterien be-

wert aus dem Nachhal-

Fonds dieser Kategorie mit Ein-Prozent-Schritten

stehen insgesamt aus 93 thematischen Unterkriterien. Die zehn Basis-

tigkeits-Score und dem

erstellt. Es wurden Ein-Prozent-Schritte gewählt,

kriterien umfassen unter anderem Umweltthemen wie grüne Technolo-

Performance-Score.

um ausreichend zwischen einzelnen Fonds unter-

gien, Artenschutz, frei von Kohle, von Öl und Gas und von Atomstrom,

scheiden zu können. Das performancestärkste Pro-

aber auch soziale Themen wie Bildung und Gesundheit, frei von Waffen,

zent fließt in das erste Quantil und bekommt ein

frei von Kinderarbeit, indigene Rechte und Gleichstellung von Frauen.

Scoring von 100 Punkten, das zweitstärkste Pro-

Es wurden Quantile in Ein-Prozent-Schritten gebildet, wonach auch

zent kommt in das zweite Quantil und bekommt ein

hier ein Score von 0 bis 100 Punkten entsteht. Nähere Informationen zur

Scoring von 99 Punkten und so weiter.

Methodik des Cleanvest-Scores: www.Cleanvest.org/methodik.

73


RENDITE / AWARD

AMUNDI ÖKO SOZIAL € CORP. BOND

BRW BALANCED RETURN PLUS DIRECT

120

160

110

140

Mario Kogler Sieger Anleihen Österreich, Amundi Öko Sozial Euro Corporate Bond AT0000A2QMK6

100

24.4.23

24.4.25 Quelle: baha

Bastian Bosse Sieger Mischfonds Deutschland, BRW Balanced Return Plus Direct DE000A2H7PA8

120

24.4.23

24.4.25 Quelle: baha

Was sind derzeit die größten Positionen und Schwerpunkte in Ih-

Welche Anlagestrategie verfolgen Sie, und welches Renditeziel

rem Fonds? - Diese liegen derzeit bei Banken sowie bei Im-

streben Sie dabei an? - Der BRW Balanced Return Plus verfolgt

mobilienanleihen innerhalb der Non-Financials. Dabei wer-

eine Benchmark-unabhängige, flexible Multi-Asset-Strategie

den auch Chancen im Bereich der Nachranganleihen genutzt.

mit aktivem Zyklusmanagement, der Fokussierung auf Quali-

In den Branchen Chemie und Konsum sowie aufgrund der

tätstitel sowie der Berücksichtigung von Derivaten zur preis-

nachhal­tigen Ausrichtung bei Versorgern ist der Fonds etwas

lichen Risikosteuerung. Das langfristige Ziel ist, eine Rendite

vorsichtiger aufgestellt.

von fünf bis acht Prozent per anno zu erwirtschaften.

Wie kontrollieren Sie die ESG-Strategie Ihres Fonds? - Die Einhal-

Wie sieht Ihre ESG-Strategie im Fonds aus? Wie messen Sie diese?

tung unserer nachhaltigen Ausrichtung wird durch ein mehr-

- Neben klaren Ausschlüssen und ESG-KPIs nutzen wir quali-

stufiges Kontrollsystem sichergestellt. Externe Prüfungen im

tative Bewertungen, CO2-Preise und Szenarioanalysen – voll-

Rahmen des Österreichischen Umweltzeichens sind ebenso

ständig intern durch unsere ESG-Analysten umgesetzt.

Teil des Prozesses wie die tägliche Überwachung durch unser Frontoffice und das Risikomanagement. Alle ESG-relevanten

Und wie kontrollieren Sie die nachhaltige Ausrichtung? - Die

Ausschlusskriterien - etwa im Bereich der fossilen Energi-

nachhaltige Ausrichtung des BRW Balanced Return Plus wird

en oder kontroverser Geschäftsfelder - werden laufend über-

durch eine Kombination aus internen und externen Kontrol-

wacht. Der ESG-Score des Portfolios wird täglich berechnet

len sichergestellt. Diese umfassen die regelmäßige Überprü-

und im monatlichen Factsheet transparent veröffentlicht.

fung durch unsere ESG-Analysten, externe Ratinganbieter wie MSCI und ISS sowie die Kapitalverwaltungsgesellschaft. Letzt-

Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl der Titel für das Port­

genannter kommt die Aufgabe zu, den rechtlichen Rahmen,

folio? - Der Investmentprozess folgt einerseits einer Top-

die Einhaltung der Ausschlusskriterien und die Mindestra-

down-Strategieanalyse – Konjunkturzyklus, systematische

tings zu überwachen.

Risikoexposition und Sektorallokation – und andererseits einer Bottom-up-Analyse mit dem Ziel, Emittenten und Anlei-

Was sind derzeit die größten Positionen und Schwerpunkte in Ih-

hen mit den besten ESG- und Bonitätsprofilen auszuwählen.

rem Fonds? - Die größten Positionen und Schwerpunkte liegen

Dabei können wir auf die globalen Research-Kapazitäten von

in Unternehmen mit starken Fundamentaldaten, hohen Kapi-

Amundi zurückgreifen.

talrenditen und nachhaltigem Wachstumspotenzial. Mehr als die Hälfte der gehaltenen Unternehmen sind seit mehr als fünf

Wo lohnt es sich derzeit einzusteigen? - Insgesamt ist der Ban-

Jahren Teil des Fonds. Dabei setzen wir auf eine hinreichend

kensektor robust, profitiert von positiven Zinsen beziehungs-

breite Diversifikation und fokussieren uns auf innovative Ge-

weise einer steileren Zinskurve. Financials und Versorger -

schäftsmodelle mit langfristigem Ertragspotenzial.

soweit investierbar - sind zudem nicht direkt von Handelskonflikten betroffen. Immobilienanleihen könnten von er-

Wo sehen Sie derzeit günstige Einstiege? - Europa scheint gegen-

warteten Zinssenkungen der Notenbank weiter profitieren.

über den Vereinigten Staaten derzeit noch immer eher unter-

Bei Nachranganleihen sehen wir selektiv Chancen. Euro Cor-

bewertet zu sein. Allerdings gilt das bereits seit vielen Jahren,

porate Bonds erscheinen uns hinsichtlich der Bewertung und

und es ist aufgrund der Unternehmensqualität fraglich, ob sich

des Ausblicks attraktiver als USD Corporate Bonds.

diese Bewertungslücke alsbald schließen wird.

74


RENDITE / AWARD

CSR BOND FOCUS SDG

SWISSCANTO SMALL&MID CAPS JAPAN

87,50

375

75,00

300

Borislav Ivanov Sieger Nachhaltigkeit Deutschland, CSR Bond Focus SDG 62,50 Fonds, DE000A2PT145 24.4.22

24.4.25 Quelle: baha

Takenari Okumura Sieger Aktien Schweiz, Swisscanto Equity Fund Small & Mid Caps Japan LU0644935313

225

24.4.22

24.4.25 Quelle: baha

Welche Anlagestrategie verfolgen Sie, und welches Renditeziel

Welche Anlagestrategie verfolgen Sie, und welches Renditeziel stre-

streben Sie dabei an? - Der Fonds investiert vorrangig in teils

ben Sie an? - Wir investieren in unterbewertete Unternehmen

hochverzinsliche Anleihen mittlerer Laufzeit von Unterneh-

mit einem Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent auf Sicht

men, die einen möglichst großen Beitrag zum Erreichen der

von drei bis fünf Jahren. Die Benchmark ist eine Mischung aus

UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG) leisten. Auch Anleihen von

Topix Mid 400 und Topix Small.

supranationalen oder anderen öffentlichen Emittenten können erworben werden. Das Fondsmanagement kauft eben-

Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl der Titel für das Port-

falls, aber nicht zwangsläufig bevorzugt Green Bonds, mit de-

folio? - Ich suche nach Unternehmen mit einer deutlichen

nen konkrete Nachhaltigkeitsprojekte finanziert werden. An-

Wertlücke zwischen innerem Wert und Marktpreis. Unse-

lageschwerpunkt sind dabei kleine bis mittelgroße Unterneh-

re Kriterien konzentrieren sich auf die Qualität des Manage-

men, vornehmlich aus dem deutschsprachigen Raum und aus

ments, belastbare Geschäftsmodelle und langfristige Wachs-

Kerneuropa. Dabei wird aktuell eine laufende Rendite von 5,5

tumsaussichten. Wir investieren oft dort, wo die Marktstim-

bis 6,5 Prozent per anno vor Kosten angestrebt. Eine Bench-

mung zu negativ ist, und zielen auf bis dato verkannte Namen

markvorgabe existiert nicht.

mit begrenztem Abwärtspotenzial.

Wie messen Sie die ESG-Strategie? - Im Fonds werden die Gelder

Wie sieht Ihre ESG-Strategie für den Fonds aus? Wie messen Sie

wirkungsorientiert angelegt, indem in Anleihen beziehungs-

diese? - Ich integriere ESG in unseren Anlageprozess sowohl

weise Emittenten investiert wird, die sich mindestens einem

durch Ausschlusskriterien als auch durch ein proprietäres

oder mehreren der 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

ESG-Bewertungsmodell. Unser Research kombiniert finan-

verschrieben haben; darunter können auch Green Bonds oder

zielle und nichtfinanzielle Faktoren und identifiziert Unter-

Sustainability-linked Bonds sein, die sich an einem etablier-

nehmen, die einen langfristigen Stakeholder-Wert schaffen.

ten Nachhaltigkeits-Framework orientieren müssen. Neben einem normbasierten Screening-Ansatz, wie UN Global Com-

Was sind derzeit die größten Positionen und Schwerpunkte in Ih-

pact, werden in dem nach Artikel 9 SFDR klassifizierten Fonds

rem Fonds? - Zu meinen wichtigsten Positionen gehören In-

zudem strikte und über den Standard der Paris Aligned Bench-

dustriewerte und Werkstoffe. Eine Schlüsselposition ist in den

mark hinausgehende Ausschlusskriterien angewendet.

Bereichen Tiefbaumaterialien und geschmiedete Autoräder tätig - zwei strukturell wachsende Märkte.

Wie wird die nachhaltige Ausrichtung des Fonds kontrolliert? – Wir lassen die Emittenten regelmäßig extern von der unabhängi-

In welchen Sektoren sehen Sie derzeit günstige Einstiegsmöglich-

gen Research-Agentur „Ethi Finance“ überprüfen.

keiten? - Ich sehe attraktive Möglichkeiten im Halbleitersektor, insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Unterneh-

Wo sehen Sie derzeit günstige Einstiege? - Interessant erscheint

men, die Anlagen und Materialien herstellen. Trotz kurzfris-

nachhaltiges Bauen, etwa die UBM Development AG, sowie

tiger Volatilität wird die langfristige Nachfrage durch Innova-

vereinzelt auch nachhaltiger Konsum und Klassiker wie Maß-

tion und wachsende Anwendungen gestützt. Wir bevorzugen

nahmen zum Klimaschutz und zur Ressourceneffizienz. In

Nischenanbieter mit einem starken globalen Marktanteil und

diesen Bereichen kamen manche aufgrund des seit 2022 zu be-

eigenen Technologien, die das Ertragswachstum weiter vor-

obachtenden ESG-Backlashs zu Unrecht unter die Räder.

antreiben.

75


MEINUNGEN / MARKTGEFLÜSTER

NEUE REGELN FÜR GRÜNE MÄNTELCHEN Die neuen ESMA-Regeln für Fonds mit Bezeichnungen wie ESG oder nachhaltig müssen bis zum 21. Mai umgesetzt werden. Das hehre Ziel ist es, ­ künftig durch genauere Vorgaben stärker gegen Greenwashing vorzu­ gehen. Doch kann die Fondsbranche die neuen Regeln den Kunden erklären?

DERZEIT bekommen viele Fondskunden von

der Praxis nicht immer zu erfüllen. So werden

ihrer­Depotbank Post mit „wichtigen“ Mittei-

Dachfonds mit ESG-Kürzel dieses in aller Re-

lungen. In den Schreiben steht, dass ihr Fonds

gel verlieren, auch wenn die Strategie durch-

jetzt anders heißt und Wörter wie ESG oder

aus nachhaltig ist und bleibt. Schließlich ist es

Ähnliches fehlen. Die Berater haben dement-

schwierig, alle Subfonds ständig zu kontrollie-

sprechend Bedarf, der verunsicherten Kund-

ren. Auch die ESG-Varianten vieler MSCI-In-

schaft zu erklären, was passiert ist. Nicht im-

dizes wurden umbenannt, zum Beispiel bleibt

mer wird wohl eingestanden, dass das Pro-

von ESG Screened nur das Wort Screened üb-

dukt den strengen Regeln für Nachhaltigkeit nicht mehr entspricht und so seinen hellgrünen Schimmer verloren hat. Hintergrund: Bis

rig. Auch bei einzelnen Fonds tauchen überra-

»Der Teufel steckt im Detail.«

schende Probleme auf. Der Amundi Ethik Evolution musste auf Ge-

21. Mai 2025 müssen EU-weit alle Fonds mit

heiß der FMA in Amundi Ethik Flexibel umge-

Namen, die auf Nachhaltigkeit hinweisen, den

tauft werden. Bei der Allianz Österreich verlor

neuen und deutlich verschärften Regeln gegen Greenwashing entsprechen. Grundlage ist eine Richtlinie der Europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. Details legen nationale Behörden wie die österreichische FMA fest. Dort herrscht Hochbetrieb, um die Änderungen abzusegnen. Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder wird in der Alternative A der bisherige Name beibehalten und die Fondsbestimmungen werden gegebenenfalls verschärft. Oder es werden in Alternative B Namenskürzel wie ESG ganz gestrichen, und das grüne Mäntelchen wird entfernt. Bis Ende Februar hatten bereits 49 heimische Fonds die Variante A gewählt, immerhin 29 weitere Fonds laufen nun in Variante B ohne Öko-Plakette weiter oder

Vita

Martin Kwauka Finanzjournalist Der leidenschaftliche Weinbauer (66) ist seit 23 Jahren Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Zu den wichtigsten Stationen­des gebürtigen Deutschen zählen die lang­ jährige Chefredaktion des Magazins „Format“ und das seit 2015 von ihm organisierte Finanzjournalistenforum. Sein Steckenpferd ist die Altersvorsorge. Sich selbst beschreibt der studierte Agrarökonom als chronisch neugierig.

ein Fonds das Nachhaltigkeitsprädikat, weil er von der Münchner Schwester extern gemanagt wird und dort abweichende ESG-Daten verwendet werden. Generell bleibt die Verfügbarkeit verlässlicher Daten zur Nachhaltigkeit die größte Herausforderung im Fondsmanagement. Oft ist es einfacher, reine Klimakriterien wie etwa die Pariser PAB-Regeln im Fondsmanagement zu belegen. Der breitere ESGAnsatz mit sozialen und Governance-Regeln ist komplizierter zu erfüllen und könnte in vielen Fällen auf der Strecke zu bleiben. Während schon die Profis mit der Umsetzung der ESMA-Regeln kämpfen, ist die Information der privaten Anleger bisher äußerst dürftig. Es gibt eine Übersicht über die Summe der Maßnahmen auf der Onlineseite der Kon-

wurden einfach geschlossen. Die FMA rechnet

trollbank. Aber wer schaut da schon hin. Wie

bis zum Stichtag 21. Mai mit Regelbedarf bei

sollen Laien mehr Vertrauen in nachhaltige

146 weiteren Fonds mit immerhin 37 Milliar-

Veranlagungen bekommen, wenn die Branche

den Euro Fondsvolumen.

ihnen nicht das neue Regime erklärt? Es bleibt

Der Grundgedanke der EU, dass künftig

zu hoffen, dass wenigstens ab dem 21. Mai

pseudogrüne Fonds nicht mehr als nachhal-

breitflächig informiert wird. Schließlich neh-

tig tituliert werden dürfen, ist eindeutig po-

men heimische Fondsgesellschaften das The-

sitiv. Der Teufel steckt im Detail. Die generel-

ma Nachhaltigkeit schon bisher viel genauer

le Mindestanforderung von 80 Prozent Invest-

als die internationale Konkurrenz und müssen

ments, die der Fondsname suggeriert, ist in

entsprechend weniger Fonds umbenennen. —

76


fredmansky.at

Einfach mal die Seele baumeln lassen. Mit gutem Gewissen. Mit KEPLER Fonds wird vieles einfacher. Klimaschutz zum Beispiel. Weil wir seit über 20 Jahren Anlagestrategien umsetzen, die ökologische und soziale Standards erfüllen. Diese Marketingmitteilung stellt kein Angebot, keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung, Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf von Fonds oder unabhängige Finanzanalyse dar. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Finanzinstrumente und Veranlagungen mitunter erhebliche Risiken bergen können. Aktuelle Prospekte (für OGAW) sowie die Basisinformationsblätter (BIB) sind in deutscher Sprache bei der KEPLER-FONDS KAG, Europaplatz 1a, 4020 Linz, den Vertriebsstellen sowie unter www.kepler.at erhältlich.

kepler.at


RENDITE / LABELS

Gütesiegel ECOreporter-Siegel Vom gleichnamigen Magazin wird das Siegel für Produkte aus der nachhaltigen Geldanlage in den drei Kategorien Banken, Institutionelle und Finanzprodukte aus Deutschland vergeben.

Der Börsianer Grün bietet einen Überblick über die wichtigsten ­Gütesiegel, Ratings und ­Mitgliedschaften am deutschsprachigen Finanzmarkt. AUSWAHL: „BÖRSIANER GRÜN“-REDAKTION

FNG-Siegel Das FNG-Siegel gilt als Qualitätsstandard für die Zertifizierung nachhaltiger Fonds im deutschsprachigen Raum. Führt 2026 als erster Anbieter ein eigenes Siegel für Transition ein.

78

Ratings

ISR-Label

ISS ESG

Das französische Prüfsiegel klassifiziert Aktien-, Renten- und Immobilienfonds nach den Kriterien Umwelt, Soziales, Governance und Menschenrechte.

Die Agentur von Institutional Shareholder Services Inc. bietet Services wie Analyse, Research, Beratung, Screening und Rating im Bereich von A+ bis D– an.

Luxflag ESG

ESG Plus

Als Non-Profit-Organisation wurde die Agentur von sieben privaten und öffentlichen Unternehmen aus Luxemburg gegründet. Insgesamt vergibt sie sechs verschiedene Labels für Finanzprodukte.

ESG Plus ist ein österreichischer Rating-Anbieter, der sich mit Cleanvest.org und Cleanvest Pro auf die ESG-Bewertung von Finanzprodukten und Portfolios spezialisiert hat.

Nordic Swan Ecolabel

MSCI ESG

Gegründet vom nordischen Ministerrat, zertifiziert das Umweltzeichen insgesamt etwa 60 Produktgruppen. Investmentprodukte müssen die Vorgaben aus vier ESG-Kriterien einhalten.

Der in den MSCI-Konzern eingegliederte größte Anbieter von Bewertungen bietet Nachhaltigkeitsanalysen sowie Nachhaltigkeitsratings auf globaler Ebene anhand einer Skala von AAA bis CCC.

Österreichisches Umweltzeichen

RFU

Als staatlich vergebenes Gütesiegel zertifiziert es inzwischen mehr als 200 Finanzprodukte aus Österreich anhand von Ausschlusskriterien und zusätzlichen Transparenzpflichten.

Als österreichische Agentur hat sich die RFU neben einer breitgefächerten Bond-Coverage auf die Assetklassen Rohstoffe sowie Sub-Sovereigns spezialisiert.

Towards Sustainability

S&P Global Sustainable 1

Die Non-Profit-Organisation prüft mit Unterstützung dreier belgischer Universitäten seit dem Jahr 2021 die bewerbenden Finanzprodukte bezüglich der Einhaltung von Mindeststandards.

Relativ neu am Ratingmarkt ist S&P. Die ESG-Scores entstehen aus einer Kombination aus verifizierten Angaben, Medien- und Stakeholderanalysen sowie einer eingehenden Befragung von Unternehmen.

Stiftung Warentest

Sustainalytics

Die deutschen Verbraucherschützer testen und ranken regelmäßig Fonds und ETFs. Die Stiftung ist vor allem für Retailkunden ein vertrauenswürdiger Partner.

Die Agentur gehört zu Morningstar und fokussiert sich auf die Abwägung von Risiken. Je niedriger das ESG-Risk-Rating, desto weniger mögliche Schäden durch ESG-Faktoren.


RENDITE / LABELS

Gütesiegel, Ratings und Mitgliedschaften Mitgliedschaften Carbon Disclosure Project (CDP)

The Green Bond Principles (GBP)

Die Non-Profit-Organisation möchte Unternehmen und Kommunen dazu bringen, ihre Treibhausgas­ emis­sionen und ihren Wasserverbrauch zu veröffentlichen.

Die GBP stellen einen freiwilligen Standard für grüne Anleihen zur Verfügung. Sie geben Empfehlungen für die Verwendung von Erlösen vor und fordern dabei Transparenz.

Climate Action 100+

UNEPFI Principles for Sustainable Insurance (PSI)

Über 300 Vermögensverwalter schlossen sich zusammen, um die 100 größten Emittenten von Treibhausgasen zur Veränderung ihrer Geschäfts­ modelle zu veranlassen.

Die Finanzinitiative des Umweltprogramms der Uno bietet Versicherern einen Leitfaden für ­Nachhaltigkeit in deren Kerngeschäft.

Eurosif

United Nations Global Compact

Das nach französischem Recht organisierte European Sustainable Investment Forum klassifizierte sieben ethische Investmentansätze und umfasst Vermögensverwalter, Finanzdienstleister und Indexprovider.

Hierbei handelt es sich um eine Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung auf Basis von zehn universellen Prinzipien.

Global Real Estate Sustainability Benchmark (GRESB)

Net Zero Banking Alliance

Der GRESB-Score misst anhand von sieben Aspekten die Nachhaltigkeitsperformance von Immobilien­ unternehmen und Immobilienfonds.

Das von den Vereinten Nationen initiierte Programm verpflichtet Banken dazu, bis 2050 ihr Kredit- und Anlageportfolio auf Netto-Null-Emissionen ­auszurichten.

Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC)

Principles for Responsible Investment (PRI)

Der Fokus liegt auf den Investoren, die mit ihren Investmententscheidungen Auswirkungen auf den Klimawandel haben. IIGCC möchte hier unterstützen.

Die Finanzinitiative der Uno hat sechs Prinzipien für verantwortungsbewusstes Wertpapiermanagement entwickelt. 4.000 institutionelle Investoren sind dabei.

Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDG)

Swiss Sustainable Finance (SSF)

Mit den SDGs will die Uno bis Ende 2030 Armut beseitigen, die Gleichstellung von Frauen voran­ treiben und die Gesundheitsversorgung verbessern.

SSF möchte die Position der Schweiz auf dem globalen Markt für nachhaltige Finanzen durch Information, Aufklärung und Wachstum fördern.

79


ZERSTÖRTE LANDSTRICHE. Im Jahr 2018 wütete Hurrikan Michael am Golf von Mexiko.


XXX / XXX

#NATURKATASTROPHEN

Keine Flucht vor der Schadeninflation » Naturkatastrophen nehmen zu – aber freiwillige ­Versicherungsmodelle greifen zu kurz. » Prävention allein reicht nicht: Nur Solidarität kann Elementarrisiken bezahlbar machen. » Der Flickenteppich bei Flutversicherungen gefährdet langfristig die Resilienz Europas. Text: Daniel Zulauf

E

Es gibt keine Zweifel, die Schäden aus Na-

reichsten Industriestaaten in der Swiss-

turereignissen werden weiter steigen“,

Re-Liste der Länder mit dem größten

sagt Lucia Bevere, eine erfahrene Daten-

wirtschaftlichen Schadenpotenzial aus

analystin, die für den Swiss-Re-Konzern

Naturkatastrophen prominent auf den

die globale Naturkatastrophenstatistik

vordersten Plätzen anzutreffen. Die USA

führt. 2024 beliefen sich die ökonomi-

stehen an zweiter, Österreich an vierter,

schen Verluste solcher Katastrophen auf

die Schweiz an neunter und Deutschland

320 Milliarden US-Dollar. Der Wert der

an 14. Stelle. Fluten und Gewitterstür-

versicherten Schäden erreichte im fünf-

me sind die größten Naturgefahren im

ten Jahr in Folge mehr als 100 Milliarden

DACH-Raum, und „sie werden sich wei-

US-Dollar. Boris, der Gewittersturm, der

ter intensivieren“, prophezeit Bevere.

320 MILLIARDEN US-DOLLAR

reichs und Zentraleuropas unter Wasser

Wachsende Risiken im DACH-Raum

setzte, bescherte auf dem Kontinent das

Trotzdem stellen Länder wie die Schweiz

nach Geldwerten zweitschlimmste Kata-

und Frankreich mit ihrer fast vollstän-

strophenjahr in der Geschichte.

digen Versicherungsdeckung gegen die

Für die spektakuläre Schadeninfla­

wichtigsten mit dem Klimawandel zu-

tion ist nicht allein die Klimaveränderung

nehmenden Elementarrisiken in Euro-

verantwortlich. Doch dort, wo der Besitz-

pa eher die Ausnahme als die Regel dar.

stand von Menschen und Unternehmen

Erstaunlich ist dies zunächst vor dem

am größten ist, fordert die menschen-

Hintergrund, dass Elementarrisiken wie

gemachte Erderwärmung ihren höchs-

Überschwemmungen und Gewitterstür-

ten monetären Tribut. Deshalb sind die

me die Kriterien der Versicherbarkeit

FOTO: BRENDAN SMIALOWSKI / AFP / PICTUREDESK.COM

im September 2024 große Teile Öster-

beträgt 2024 laut Swiss Re der Schaden durch Natur­ katastrophen weltweit.

81


NACHHALTIGKEIT / VERSICHERUNGEN

WAS IST EIN ELEMENTARSCHADENPOOL?

»Ein paar Euro mehr Kosten pro Monat.« Andreas Brandstetter

eigentlich perfekt erfüllen. Trotz ihrer Häufung treten die Katastrophen zufällig und in lokal begrenzten Räumen auf. Die Datenlage über die Verteilung der Risiken ist so gut, dass sich risikogerechte Prämien einigermaßen zuverlässig berechnen lassen. Doch die Versicherung von Elementarrisiken kann schnell sehr teuer werden, etwa in exponierten Regi-

Seit 1936 gibt es in der Schweiz den Elementarschadenpool. Darin sind aktuell zwölf private Versicherungsgesellschaften zusammengeschlossen, die versicherte Risiken gegen die wichtigsten Naturgefahren mit Ausnahme von Erdbeben über den Pool ausgleichen. Die Pool-Versicherungen teilen die Elementarschadenlast nach Maßgabe ihres gesamtschweizerischen Marktanteils auf, die Versicherten bezahlen die Deckung ihres Elementarschadenrisikos mit einem einheitlichen Prämiensatz. Diese gesetzlich verankerte Solidarität stellt sicher, dass Elementarrisiken in allen Landesteilen unabhängig von deren Exposition zu tragbaren Preisen privatwirtschaftlich versichert werden können. Bei beweglichen Gütern sorgt der Pool in 22 von 24 Kantonen für den Ausgleich, bei Gebäuden in sieben Kantonen. In den übrigen Kantonen bestehen staatliche Gebäudeversicherungen. Die Versicherung von Gebäuden und gegen Elementargefahren ist in drei Kantonen nicht obligatorisch, aber überall üblich.

onen – aber auch darüber hinaus.

»Naturgefahren ­werden sich weiter ­intensivieren.« Lucia Bevere

Prozent die Rede. In Deutschland warten vier Jahre nach der großen Ahrflut, die in Rheinland-Pfalz 135 Menschenleben gekostet hatte, viele Betroffene immer noch auf die versprochene Hilfe, konstatierte die Verbraucherzentrale des Bundeslandes vor einigen Monaten. Von der von Bund und Ländern versprochenen Fluthilfe von 30 Milliarden Euro seien Ende 2023 erst 3,3 Milliarden Euro ausbezahlt

Ein Länderbericht der Pariser Or-

worden. „Die Häufung von Hochwasser­

ganisation für wirtschaftliche Zusam-

dämmen. Aber die Erfahrung zeigt: Prä-

ereignissen ist kein Zufall, sondern Re-

menarbeit und Entwicklung (OECD) für

vention allein reicht bei weitem nicht.

sultat des Klimawandels – und wir sind

Österreich stellte im letzten Jahr fest,

als Gesellschaft unzureichend vorberei-

was man in allen Alpenländern eigent-

Lückenhafte Abdeckung

tet“, sagt Jörg Asmussen, Geschäftsfüh-

lich schon lange weiß: Große Teile der

Ein umfassender Versicherungsschutz

rer des Gesamtverbands der Deutschen

Bevölkerung leben in Gebieten, die in

sei unabdingbar, schreibt die OECD.

Versicherungswirtschaft (GDV).

einigermaßen

Zeitab-

Doch die Marktdurchdringung umfas­

ständen von vielleicht zehn Jahren von

sender Hochwasserversicherungen be­­

sicherungsquote

Überschwemmungen

sind.

läuft sich in Österreich gemäß der OECD-

Rheinland-Pfalz immer noch nur bei

In Österreich und in der Schweiz sind

Schätzung auf nur rund fünf Prozent,

etwa 50 Prozent. „Auf freiwilliger Basis

es gemäß der OECD rund 20 Prozent, in

verglichen mit 40 Prozent in Deutsch-

ist eine signifikante Erhöhung der Ver-

Deutschland knapp 20 Prozent – und die

land und den erwähnten 100 Prozent in

sicherungsdichte offensichtlich nicht zu

Risikogebiete werden größer. Präven-

der Schweiz und Frankreich. Staatliche

erreichen“, stellen die deutschen Ver-

tion ist zwar wirkungsvoll, um die gro-

Katastrophenhilfen decken nur einen

braucherschützer fest. Immerhin ist

ßen volkswirtschaftlichen Schäden nach

vergleichsweise geringen Teil der Schä-

ihre Forderung nach einer Abkehr von

Überschwemmungskatastrophen einzu­

den. In Österreich ist von maximal 50

der „Gummistiefelpolitik“ inzwischen

82

regelmäßigen

betroffen

Trotz der Katastrophe liegt die Verfür

Flutschäden

in


NACHHALTIGKEIT / VERSICHERUNGEN

in den Koalitionsvertrag der neuen deut-

gentümer auf Kosten der Allgemeinheit des Schweizer Versicherers Baloise, ei-

schen Regierung eingeflossen. Von ei-

Prämien sparen, wird mit dem Opting- nes Mitglieds des Schweizer Elementar-

ner Pflichtversicherung steht dort aller-

out nicht gelöst“, glaubt Kullrich.

schadenpools, beschreibt die Krux so:

dings nichts. Stattdessen solle geprüft

Dass die Lösung der Versicherungs- „Es braucht ein Verständnis, dass Soli-

werden, ob Versicherungen darauf ver-

frage auch in Österreich nicht voran- darität allen nützt. Solange eine Gruppe

pflichtet werden können, Gebäudeversi-

kommt, dürfte ähnliche Gründe haben. der Überzeugung ist, dass ihre Risikoex-

cherungen nur noch mit Flutdeckungen

„Nur eine gemeinschaftliche, solidari- position geringer ist als jene einer ande-

anzubieten – allerdings mit der Möglich-

sche Lösung kann die Versicherung von ren Gruppe, ist ein Ausgleich schwierig.

keit für den Versicherungsnehmer, auf

Elementarrisiken ermöglichen“, heißt Die Schaffung von Solidargemeinschaf-

die Flutdeckung zu verzichten. Vorder-

es zwar beim österreichischen Versiche- ten ist schwieriger geworden.“

gründig werde das Opting-out-Modell

rungsverband. Das würde „jeden Versi-

unter anderem mit verfassungsrechtli-

cherten nur ein paar Euro mehr pro Mo-

chen Bedenken gegen eine Pflichtversi-

nat kosten“, wie Andreas Brandstetter,

cherung begründet, sagt die langjährige

der Vorstandsvorsitzende der Uniqa In- Die Häufung extremer Wetterereignis-

deutsche Fachjournalistin und Kommu-

surance Group AG, erklärt. Ralph Müller, se ist unbestreitbar – und die Versiche-

nikationsberaterin Antje Kullrich. Tat-

CEO der Wiener Städtischen Versiche- rungsfrage bleibt ungelöst. Wenn die

sächlich habe die Versicherungswirt-

rung AG, plädiert gegenüber dem Börsi- Politik keine verbindlichen Strukturen

schaft Angst vor einer Pflichtversiche-

aner Grün für ein „gemeinsames Modell schafft, wird die nächste Katastrophe

rung mit staatlichen Auflagen, die sie zur

mit der öffentlichen Hand“. Doch so wieder eine sein, bei der viele auf Hil-

Zeichnung unrentabler Geschäfte zwin-

einfach, wie die Lösung klingt, ist sie of- fe hoffen – und zu wenige abgesichert

gen könnte. „Das Problem, dass Hausei-

fensichtlich nicht. Michael Müller, Chef sind. —

I

% Meine grüne Rendite

STMENT

Der Umbau des Energiesystems bietet zahlreiche Chancen. Wie Sie mit uns davon profitieren können, erfahren Sie hier:


INTERVIEW / INVESTMENTS

#GRÜNE VERANLAGUNG

Der Druck bleibt, auch wenn der Wind sich dreht

Interview: Daniel Nutz

Vita

GÜNTHER THALLINGER Vorstand Allianz SE

FOTO: ALLIANZ SE

Der gebürtige Grazer (52) ist als Vorstand der Allianz SE für Investments und Nachhaltigkeit verantwortlich. Als studierter Mathematiker jongliert er von jeher mit Zahlen, Der leidenschaftliche Tourenskigeher engagiert sich beim Thema Klimawandel.


INTERVIEW / INVESTMENTS

B

Beim traditionellen Nachhaltigkeitsfrühstück der Österreichischen Hagelversicherung hielt Allianz-SE-Vorstand Günther Thallinger eine Brandrede an die anwesenden Vertreter aus Finanz, Wirtschaft und Politik – keine Abkehr vom Klimaschutz. Im Nachgang hat der

Ist Klimaschutz nur noch

Börsianer Grün noch tiefer nachgefragt. der Wirtschaft haben Experten in allen Herr Thallinger, die USA werden jetzt von

Details dargestellt. Die klimafreundli-

Klimawandelleugnern regiert. Wieso lohnt

che Transformation der Wirtschaft ist

es sich weiterzukämpfen? – Günther Thal-

ein langfristiger Prozess. Beides wis-

linger: Auch in den USA gibt es weiter-

sen wir. Auch wenn bestimmte politi-

der Allianz SE Assets im

hin vielfältige Stimmen in Politik und

sche Programme aktuell andere Priori-

Wert von mehr als 750

Gesellschaft. Klimawandel und Zerstö-

täten setzen, müssen wir unserem Wis-

rung der Natur sind weit fortgeschritten.

sen entsprechend kommunizieren und

Maßnahmen für eine Transforma­ tion

handeln.

ein europäischer Wunschtraum? Nein, sagt Günther Thallinger, der als Vorstand

Milliarden Euro einsetzt. Im Interview spricht er über den wirtschaftlichen Wert

Die US-Finanzwirtschaft, aber auch eini-

nachhaltiger Investments,

ge andere Investoren hängen doch die Segel in die politische Windrichtung. Nach-

konkrete Fortschritte im

haltige Investments gingen zuletzt zurück.

Portfolio – und warum Klimaschutz nicht der Feind der Wettbewerbsfähigkeit ist, sondern deren Zukunft.

– Die Akzeptanz von Finanzprodukten am Markt hängt von vielen Faktoren ab.

»Die Transformation ist billiger als die Anpassung – und viel ­billiger als die Schäden.«

Es ist wichtig, dass die Attraktivität be-

Günther Thallinger

den Unternehmen mit überhöhten Ener-

stimmter Produkte gut kommuniziert wird. Es geht darum, ob Nachhaltigkeit am Ende des Tages auch mehr Rendite bringt. – Ohne eine Sicht auf Nachhaltigkeit wergiekosten arbeiten müssen und womöglich Stranded Assets zu verarbeiten haben. Es heißt, die langfristige Performance wird schwach sein im Vergleich zu den Unternehmen, die Nachhaltigkeit verfolgen.

85


INTERVIEW / INVESTMENTS

Die Allianz SE ist selbst auf Druck einiger

ger ist die Zusammenarbeit mit Unter-

US-Bundesstaaten aus der Net-Zero Insu-

nehmen, in die wir Gelder unserer Versi-

rance Alliance (NZIA) ausgestiegen. Ist das

cherten investieren. Wir ermutigen und

nicht als Zeichen des Nachgebens zu werten? – Generell gilt: Die Zusammenarbeit

unterstützen sie dabei, die Risiken und

ALLIANZ SE

Chancen für ihre Geschäftstätigkeit an-

von Politik, Unternehmen und Finanzwirtschaft ist notwendig, damit Unter-

zugehen. Wir haben viele konkrete Bei375

spiele, in denen Unternehmen entspre-

nehmen das Wissen und die Technik zur

chende Maßnahmen ergriffen haben,

Integration von Nachhaltigkeit in ihrer

etwa interne CO2-Bepreisung, quanti-

Entscheidungsfindung nutzen können. Ziele sowie Maßnahmen muss jedes Un-

fizierte Transformationspläne sowie Arbeitssicherheit als Teil der Vorstands-

250

ternehmen unabhängig für sich selbst

vergütung, um nur drei zu nennen.

setzen, definieren und implementieren. Und wie messen Sie den Impact? – Unser

Insbesondere Versicherer wie die Allianz haben weiterhin sehr anspruchsvolle Net-Zero-Programme definiert.

125

24.4.20

24.4.25 Quelle: baha

Ansatz bewertet Investitionen anhand von drei Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit eine Investition als nachhal-

Also keine Abkehr vom bisherigen Kurs

tig gilt: positive ökologische und soziale

beim Klimaschutz? – Ja, absolut!

Ziele, die Einhaltung des Prinzips „keinen signifikanten Schaden anrichten“

Mit mehr als 750 Milliarden Euro Veranlagungsvermögen sitzt die Allianz SE als einer der größten institutionellen Investoren der Welt an großen Schalthebeln. Wie setzen Sie die ein? – Ende 2024 hielten wir 172 Milliarden Euro in nachhaltigen Anlagen.

43,5 MILLIARDEN EURO

Wir haben uns das quantitative Ziel gesetzt, die Investitionen in emissionsarme Lösungen bis 2030 im Vergleich zum Jahresende 2023 auf 57 Milliarden Euro zu erhöhen, was einer Steigerung von 20 Milliarden Euro entspricht. Hier sind

und gute Unternehmensführung. Klingt gut, können Sie das bitte konkretisieren? – Die spezifischen Anforderungen zur Erfüllung der einzelnen Kriterien variieren je nach Anlageklasse. Zur Berechnung der finanzierten Emissionen

wurden zuletzt in emissionsarme Lösungen investiert.

betrachten wir derzeit Unternehmen, Staatsschulden und Immobilien. Wir verwenden den Ansatz der Net-Zero Asset Owner Alliance, der in deren viertem Targeting Setting Protokoll beschrieben

wir gut unterwegs. Zum Jahresende 2024

ist und auf vier wichtige Hebel fokussiert:

stehen wir bei 43,5 Milliarden Euro In-

Dekarbonisierung des Portfolios, Dekar-

vestitionen in emissionsarme Lösungen,

bonisierung von Sektoren, Investitionen

was einem Anstieg von 6,5 Milliarden

in Klimalösungen und Engagement. Ein

Euro zum Vorjahr entspricht.

konkretes Beispiel: Die von uns finanzierten Emissionen börsennotierter Un-

Und wie steuern Sie, dass das klimafreund­

ternehmen belaufen sich Ende 2024 auf

licher wird? – Für unsere Portfolioziele

12,3 Millionen Tonnen CO2-Equivalent –

gibt es im Allgemeinen zwei Hebel zur Re-

im Vergleich zu 24,9 Millionen Tonnen

duzierung der Treibhausgasemissionen:

CO2-Equivalent im Jahr 2019.

Entweder verringern unsere Portfoliounternehmen ihre Treibhausgasemissio-

Es gibt einige Technologien im Versuchs-

nen, oder wir ändern im Laufe der Zeit die

stadium wie Carbon Capture oder Fusions-

Zusammensetzung unseres Portfolios.

energie. Welche neuen Technologien finden Sie spannend? - Wir sehen uns viele neue

Das heißt, Sie üben als Investor auch Druck

Entwicklungen an. Teilweise investie-

auf die Transformation der Unternehmen

ren wir in einem frühen Stadium. Vor-

aus, bei denen Sie investiert sind. Können

aussetzung ist immer ein passendes Ri-

Sie da ein Beispiel nennen? – Viel wichti-

siko-Rendite-Profil.

86


INTERVIEW / INVESTMENTS

In Deutschland und Österreich hört man dass

mühungen

unsere

die

Klimaschutzbe-

FOTO: ALLIANZ SE

zunehmend,

Wettbewerbsfähig-

keit bremsen. Schafft weniger Klimaschutz mehr Wettbewerbsfähigkeit? – Nein, eine Transformation der Wirtschaft hin zu erneuerbarer und daher billigerer Ener-

GRÜNES IMAGE. Ganz auf Öko gebürstet: Allianz-Unternehmenssitz in München.

gie, zu zyklischem Wirtschaften und daher zu weniger Wegwerfen ist gerade für Österreich und Deutschland eine sehr

stattung über die EU-Richtlinie CSRD ist

willkommene Möglichkeit, die Wettbe-

ein guter Schritt. Jetzt kann eine Verbes-

werbsfähigkeit deutlich zu steigern. Die

serung durch Reduktion und Harmoni-

gegenwärtige Wirtschaft ist zu teuer und

sierung der geforderten Kennzahlen dis-

belastet den Planeten weit über ökologi-

kutiert und umgesetzt werden. Wichtig

sche Grenzen hinaus. Öl und Gas impor-

ist: Wir brauchen eine Integration von

tiert man einmal und verbrennt es. Mi-

Finanz- und Nachhaltigkeitskennzah-

neralien und Metalle, wie sie für saube-

len. Ein Gesamtpaket an Steuerungs-

re Technologien verwendet werden, sind

informationen muss bereitgestellt wer-

unendlich oft wieder nutzbar und recy-

den. CSRD geht klar in diese Richtung.

celbar. Ein Weiter-wie-bisher funktioniert auch deshalb nicht, weil die Kos-

Was gibt Ihnen Hoffnung, dass wir die Erd­

ten für klimaverursachte Schäden und

erwärmung noch in erträglichem Maß ein-

die Anpassung an immer extremere Kli-

dämmen? – Zukünftige Generationen

maphänomene viel zu teuer wird. Die

werden den Auswirkungen der Erder-

Transformation ist billiger als die Ad-

wärmung am stärksten ausgesetzt sein.

aption und die Zahlung der Schäden für

Die heutige Generation von Entschei-

die unvermeidbare Zerstörung. Nach der

dungsträgern kann jetzt versuchen, ein

Transformation ist die Wirtschaft güns-

Leben ohne Veränderungen zu führen,

tiger und sauberer zu betreiben.

jedoch mit sehr harten Rückschlägen in naher Zukunft, oder sie kann den künf-

Der EU-Omnibus weicht jetzt die Bericht­

tigen Generationen viel Arbeit erspa-

erstattung auf, die Investoren wie Sie ei-

ren. Ich zähle auf rapid fallende Kosten

gentlich für das Transformationsgeschäft

für Photovoltaik, Windenergie und Bat-

brauchen. Geht das in die richtige Rich-

teriespeicher – und auf die Vernunft der

tung? – Die Nachhaltigkeitsberichter-

heutigen Entscheidungsträger. —

87


#BANKEN

Die ESG-Power der Geldhäuser » Banken spielen eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Klimawende. » Die Institute arbeiten hart an der ­Erreichung ihrer Net-Zero-Ziele.

Text: Daniel Nutz

» Es gibt genug Kapital, um die ­Dekarbonisierung zu finanzieren. Text: Robert Winter HEADQUARTER DER UNICREDIT IN MAILAND. Laut der Agentur Sustainalytics ist das Nachhaltigkeitsrisiko der italienischen Großbank ­„gering“.


NACHHALTIGKEIT / GRÜNE FINANZIERUNG

WIE NACHHALTIG SIND DIE BANKEN? Sustainalytics

MSCI

ESG-Score

Klimarisiko

Rang in der Peer-Group

Intesa Sanpaolo

9,1

vernachlässigbar

27

AA

Unicredit

11,0

gering

45

AA

Nordea Bank

12,3

gering

69

AA

ING Group

14,5

gering

112

AA

Raiffeisen Bank International

14,9

gering

117

A

Bawag

15,3

gering

125

AAA

BBVA

15,3

gering

126

AA

Erste Group Bank

16,0

gering

151

AA

Banco Santander

17,1

gering

183

AA

Societe Generale

17,8

gering

209

AA

Credit Agricole

19,7

gering

270

AA

BNP Paribas

21,0

mittel

310

AA

Deutsche Bank

23,6

mittel

394

AA

Commerzbank

24,4

mittel

426

AA

UBS

25,3

mittel

351*

AA

Bank

Rating

ANGABEN SUSTAINALYTICS: REIHUNG NACH ESG-SCORE; PEER-GROUP "BANKS" UMFASST 1.039 BANKEN; *RANG IN DER PEER-GROUP "DIVERSIFIED FINANCIALS", DIE 882 INSITUTE UMFASST. ANGABEN MSCI: BESTNOTE AAA, SCHWÄCHSTE WERTUNG CCC. QUELLEN: SUSTAINALYTICS UND MSCI.

I

Im November des Vorjahres wurden die

als wichtige Player ihre Nachhaltigkeits-

Ergebnisse zum „Fit für 55“-Klima­

bemühungen laufend vorantreiben. Und

stresstest der europäischen Aufsichts-

das ist, wie auch eine unter Banken aus

behörden EBA, EIOPA, ESMA gemein-

dem DACH-Raum durchgeführte Um-

sam mit der EZB publiziert. Die Ergeb-

frage des Börsianer Grün zeigt, tatsäch-

nisse in Kurzform: Laut der Analyse

lich der Fall. Die Finanzhäuser dreh-

dürften die Risiken, die durch den Über-

ten und drehen nach wie vor an vielen

gang der Wirtschaft zur Klimaneutrali-

Schrauben, um die Umwelt vor weiteren

tät entstehen, für sich genommen noch

Schäden zu bewahren. Wie gut dabei die

keine Gefahr für die Finanzstabilität

In­ stitute bereits jetzt aufgestellt sind,

darstellen. Kombiniert mit ungünsti-

lässt sich exemplarisch an den Einstu-

gen makroökonomischen Entwicklun-

fungen der Ratingagenturen Sustaina­

gen können sich aber erhebliche Ver-

lytics und MSCI ablesen.

FOTO: UNICREDIT

luste für Finanzinstitute einstellen und den grünen Wandel gefährden.

Viva Italia

Fakt ist, dass sich die wirtschaftliche

Bezüglich Nachhaltigkeit haben derzeit

Großwetterlage eingetrübt hat. Umso

zwei Banken aus Italien und ein Insti-

wichtiger ist es, dass die Finanzhäuser

tut aus Österreich die Nase vorn. So ist

89


NACHHALTIGKEIT / GRÜNE FINANZIERUNG

FOTO: MARIO ANDREYA

laut Sustainalytics nur beim größten italienischen Kreditinstitut Intesa Sanpaolo das Nachhaltigkeitsrisiko „vernachlässigbar“. Auf Rang zwei folgt die Unicredit, Banken aus Österreich wird „geringes Risiko“ eingeräumt. Im ESG-Rating von MSCI kommt wiederum die Bawag aus Österreich mit einem AAARating am besten weg (Tabelle Seite 89). Wie wichtig die Rolle der Finanzhäuser beim Bestreben, die Klimawende einzulei-

»Über 373 ­Milliarden Euro in nachhaltigen Finanzierungen und Anlagen.«

ten, ist, bringt Robert Zadrazil, scheidender Coun­try-Manager Österreich der Unicredit Bank Austria AG, auf den Punkt: „Die

Jörg Eigendorf

JÖRG EIGENDORF, Deutsche Bank

AG, Chief Sustainability Officer

Banken werden weiter eine wesentliche Rolle spielen. Es sind genug Gelder da – etwa bei Pensionskassen und anderen großen Kapitalsammelstellen. Und diese Gelder müssen in nachhaltige, klimaschonende Investitionen fließen.“

Wie sieht Ihr Fahrplan in Richtung Net-Zero-Ziel aus? – Die Deutsche Bank strebt an, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu errei-

Banken sind bestens aufgestellt

chen. Der Fahrplan umfasst die Reduzierung von Emissionen in

Ins gleiche Horn stößt Lukas Haider, Managing Director und

drei Hauptbereichen: eigene Betriebsabläufe, Lieferkette und

Partner der Boston Consulting Group Wien: „Die Finanzie-

finanzierte Emissionen für Kunden. Wir haben zudem Netto-

rungserfordernisse an die Dekarbonisierung sind gewaltig.

Null-Ziele für 2050 und ein Zwischenziel für 2030 in mehreren

Aber es ist genug Kapital da. Die Banken sind bestens aufge-

CO2-intensiven Sektoren festgelegt: Öl und Gas im Upstream-

stellt, um bei etablierten Technologien oder auch bei entschei-

Bereich, Energieversorger, Automobilbranche, Stahl, Kohle-

denden Sektoren, bei denen große Volumina notwendig sind,

bergbau, Zement, Schifffahrt, und 2025 ist der Luftfahrtsektor

aktiv zu werden. Zu diesen Sektoren zählen etwa der Wohn-

als insgesamt achter Sektor hinzugekommen.

bau und die Sanierung bestehender Gebäude. Darüber hinaus braucht es staatliche Unterstützung bei nichtetablierten

Lassen sich Ihre nachhaltigen Engagements beziffern? – Von Jän-

Technologien.“

ner 2020 bis Ende 2024 haben wir mehr als 373 Milliarden Euro

Bei den Banken wird hart daran gearbeitet, bis 2050 Net-

in nachhaltige Finanzierungen und Anlagen ermöglicht. Davon

to-Null-Emissionen zu erreichen. Und auf dem Weg dorthin

entfielen auf das Vorjahr 93 Milliarden Euro, ein Plus von 46 Pro-

werden konkrete Zwischenziele formuliert. Valerie Brunner,

zent im Vergleich zu 2023 sowie das zweitbeste Jahresergebnis

Kommerzkunden-Vorständin der Raiffeisen Bank Internatio-

seit 2020 im Bereich nachhaltiger Finanzierungen und Anlagen.

nal AG, sagt: „Bis 2030 wollen wir die Treibhausgas-Emissi-

2023 haben wir unseren ersten Transitionsplan veröffentlicht.

onen in Verbindung mit unserem Unternehmenskredit-Portfolio um 27 Prozent senken. Die CO2-Emissionen aus eigenem

Welche Nachhaltigkeitsstandards sind für Sie wichtig? – Mehrere,

Geschäftsbetrieb sollen bis 2030 um 42 Prozent reduziert wer-

darunter etwa die Principles for Responsible Banking, PRB. Wir

den.“ Und die Maßnahmen zielen auf eine ganze Reihe wirt-

entwickeln unsere Standards im Nachhaltigkeitsbereich konti-

schaftlich relevanter Bereiche ab. Jörg Eigendorf, Chief Sus-

nuierlich weiter und unterstützen relevante globale Vereinba-

tainability Officer der Deutsche Bank AG, erklärt: „Wir haben

rungen wie die UN-Nachhaltigkeitsziele SDGs.

Netto-Null-Ziele für 2050 und ein Zwischenziel für 2030 in mehreren CO2-intensiven Sektoren festgelegt. Dabei handelt

Wie schlagen sich Ihre Maßnahmen im Kreditportfolio nieder? –

es sich um Upstream in der Öl- und Gasindustrie, um Ener-

Die Deutsche Bank hat seit 2016 ihr Engagement in CO2-inten-

gieversorger, die Automobilbranche, um Stahl, Kohlebergbau,

siven Sektoren reduziert und beteiligt sich seitdem nicht mehr

Zement oder auch Schifffahrt. 2025 ist der Luftfahrtsektor als

an der direkten Kreditfinanzierung neuer Kohlekraftwerke oder

insgesamt achter Sektor hinzugekommen.“

deren Ausbau. Auch 2024 haben wir Fortschritte bei der Dekar-

Übrigens: An der Umfrage des Börsianer Grün konnte die

bonisierung des Kreditportfolios erzielt. Die kundenfinanzier-

Commerzbank AG, bei der mit Sabine Mlnarsky, Thomas

ten Scope-1- und Scope-2-Emissionen in sieben kohlenstoff­

Schaufler und Bernhard Spalt immerhin drei Österreicher im

intensiven Sektoren in dem von Netto-Null-Zielpfaden erfass-

Vorstand sitzen, „aus Zeitgründen“ nicht teilnehmen. Die

ten Firmenkreditportfolio unserer Bank sanken im Vergleich zu

Schweizer Großbank UBS AG hat auf mehrere Presseanfragen

Ende 2023 um fünf Prozentpunkte und die Scope-3-Emissionen

des Börsianer Grün nicht reagiert. —

um vier Prozentpunkte.

90


DAVID O’LEARY,

Bawag Group, CRO

»Engagement in Öl und Gas liegt ­unter ­einem Prozent der ­Bilanzsumme.« David O’Leary

»Minus 29 Prozent der finanzierten Emissionen im Öl- und Gassektor gegenüber 2021.« Fiona Melrose

FOTO: UNICREDIT

FOTO: BAWAG

NACHHALTIGKEIT / GRÜNE FINANZIERUNG

FIONA MELROSEY, Unicredit,

Head of Group Strategy & ESG

Wie sieht Ihr Fahrplan zur Erreichung des Net-Zero-Ziels aus? –

Wie kommen Sie auf dem Weg zum Net-Zero-Ziel voran? – Wir

Für den eigenen Betrieb streben wir bis 2050 Netto-Null-Emis-

haben uns verpflichtet, bis 2050 Net Zero zu sein, und für 2030

sionen an. Erste Meilensteine wie die Umstellung auf Elektro-

Zwischenziele für die finanzierten Emissionen unserer CO2-in-

fahrzeuge und die Bürostandortoptimierung wurden erreicht.

tensivsten Sektoren festgelegt, nämlich Öl und Gas, Automobil,

Künftig wird der Umstieg auf alternative Energien und verbes-

Stromerzeugung, Stahl, Schifffahrt und Gewerbeimmobilien.

serte Energienutzung forciert. Für das Kreditportfolio wurden

Außerdem haben wir Emissionsgrundlagen für den Wohnim-

für 2030 und 2050 Ziele für Energiekunden und das Wohnbau-

mobiliensektor publiziert. In unserer Nachhaltigkeitsberichter-

kreditportfolio im Einklang mit dem 1,5 Grad Szenario gesetzt.

stattung veröffentlichen wir jährlich aktualisierte Fortschritte bei der Entwicklung der Emissionsbasis für jeden Sektor.

An welchen Nachhaltigkeitsstandards orientieren Sie sich? – Das finanzierte Portfolio ist für uns der größte Dekarbonisierungs-

Welche Nachhaltigkeitsstandards sind für Sie wichtig? – Unsere

hebel. Für die Zielsetzung für unsere zwei größten Portfolios

Net-Zero-Ziele wurden im Einklang mit den Richtlinien der Net

aus Perspektive der Treibhausgasemissionen orientierten wir

Zero Banking Alliance und den wichtigsten auf dem Markt ver-

uns am Rahmenwerk der jeweiligen 1,5-Grad-SBTi-Szenarien.

fügbaren Methoden wie PCAF oder Sustainable Steel Principles

Bei Emissionen unterscheiden wir zwischen jenen für den eige-

definiert. Für die Zwischenziele 2030 beziehen wir uns auf Net-

nen Betrieb und jenen für unser Portfolio. 2021 wurden erstmals

Zero-1,5-Grad-Szenarien. Dabei handelt es sich um IEA NZ 2050

Nachhaltigkeitsziele festgelegt, etwa für die Reduk­tion der ei-

für Öl und Gas, Stromerzeugung, Automobil, Stahl, Schifffahrt

genen Scope-1- und Scope-2-Emissionen um mehr als 50 Pro-

und CRREM v.2.01 für Gewerbeimmobilien.

zent 2025 im Vergleich zu 2020. Unser Fokus lag auf leicht nachvollziehbarer Berechnung. Daher haben wir diese ohne Standard

Wie entwickelt sich Ihr Engagement mit Kunden aus dem Öl- und

festgelegt. Dies gilt auch für neue Ziele für 2030 und 2050.

Gassektor? – Bei der Festlegung unseres 2030-Net-Zero-Ziels für den Öl- und Gassektor in Höhe von minus 29 Prozent der fi-

Wie hoch ist der Anteil fossiler Investments in Ihrem Anlage- und

nanzierten Emissionen gegenüber dem Basisjahr 2021 haben wir

Kreditportfolio? – Das Engagement in Öl und Gas liegt unter ei-

Kunden identifiziert, die durch ihre Öl- und Gasaktivitäten zu

nem Prozent der Bilanzsumme, wir haben kein Engagement in

den Emissionen des Sektors beitragen. Mit unserem Net-Zero-

Kohle.

Ziel und unserer Transformationsstrategie für den Sektor sowie unseren Konzernrichtlinien für Kohle sowie Öl und Gas unter-

Wie gehen Sie mit Unternehmen mit schlechter Nachhaltigkeits-

stützen wir die Energiewende bei fossilen Brennstoffen.

bewertung um? – Die größte Herausforderung besteht in der Zuverlässigkeit der Daten. Im ersten Schritt wurde eine Liste von

Wie sieht Ihre Nachhaltigkeitsstrategie für unterschiedliche Länder

Industrien festgelegt, die wir nicht finanzieren wollen, und sol-

aus? – Unsere Vorgaben und Richtlinien werden auf Gruppen­

che, die nur nach einer erweiterten Prüfung finanziert werden.

ebene festgelegt, damit wir nicht unterschiedliche Strategien in

Da nur eine begrenzte Anzahl unserer Kunden berichtspflichtig

verschiedenen Ländern verfolgen. Die Unterschiede zwischen

ist, greifen wir auf Näherungswerte basierend auf Industrie und

den Rechtssystemen stellen uns vor Herausforderungen; wir

Land zurück. Die Nachhaltigkeitsbewertung kann erst mit einer

arbeiten eng mit unseren Kunden und Regierungen zusammen,

umfassenderen Datenlandschaft strenger beurteilt werden.

um Fortschritt und Standardisierung weiter voranzubringen.

91


VALERIE BRUNNER, Raiffeisen

Bank International AG, ­Kommerzkunden-Vorständin

»42 Prozent weniger CO2Emissionen aus eigenem ­Geschäftsbetrieb bis 2030.«

»5,3 ­Mil­li­ar­­den Euro ­nachhaltige Unter­neh­mens­ finanzie­rungen im Jahr 2024.«

Valerie Brunner

Ingo Bleier

FOTO: DANIEL HINTERRAMSKOGLER

FOTO: GERRY MAYER-ROHRMOSER

NACHHALTIGKEIT / GRÜNE FINANZIERUNG

INGO BLEIER, Erste Group

Bank AG, Vorstand für Corporate Banking & Markets

Wann wollen Sie das Net-Zero-Ziel erreichen, und an welchen

Wann wollen Sie das Net-Zero-Ziel erreichen? – Wir streben bis

Nachhaltigkeitsstandards orientieren Sie sich? – Die Klimawen-

2050 den Netto-Null-Status an. Die Kreditvergabe und daraus

de ist zentraler Bestandteil unserer Strategie, um bis 2050 kli-

resultierende Emissionen haben die stärksten Auswirkungen.

maneutral zu werden. Bis 2030 wollen wir die Treibhausgas-

Deshalb unterstützen wir Kundinnen und Kunden beim Über-

emissionen in Verbindung mit unserem Unternehmenskredit-

gang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Für Privatkunden

portfolio um 27 Prozent senken. Die CO2-Emissionen aus eige-

bieten wir nachhaltige Hypothekarkredite zur energetischen

nem Geschäftsbetrieb sollen bis 2030 um 42 Prozent reduziert

Verbesserung von Gebäuden sowie Expertenteams und digita-

werden. Unsere Ziele basieren auf dem 1,5-Grad-Pfad, der von

le Sanierungs- und Energierechner an. Im Firmenkundenseg-

EU-Gesetzgebung und Aufsichtsbehörden vorgegeben wird. Sie

ment sind Beratungsleistungen und Finanzierungen wie etwa

folgen den Offenlegungsanforderungen der CSRD und des EBA

für erneuerbare Energien, hocheffiziente Gebäude und nachhal-

ITS. Zusätzlich nutzen wir Standards wie PCAF, die Partnership

tige Verkehrslösungen wichtig. 2024 vergaben wir 5,3 Milliarden

for Carbon Accounting Financials, zur Berechnung und Offenle-

Euro nachhaltige Unternehmensfinanzierungen.

gung. Für eigene Geschäftsziele verwenden wir die Methodik der ­Science Based Targets Initiative SBTi.

An welchen Nachhaltigkeitsstandards orientieren Sie sich? – Die Berechnung aller sektoralen Dekarbonisierungsziele basiert auf

Wie hoch ist der Anteil fossiler Investments in Ihrem Kreditport­

den Methoden der Science Based Target Initiative SBTi und dem

folio, wie erfolgt dessen Reduktion? – Das Volumen von Finan-

Paris Agreement Capital Transition Assessment Pacta.

zierungen an Kunden bezüglich fossiler Brennstoffe hauptsächlich aus dem Öl- und Gasgeschäft liegt aktuell bei rund 1,1 Milli-

Wie gehen Sie mit Finanzierungen im Energiebereich um? – Wir

arden Euro, was 1,1 Prozent der Gesamtforderungen an Kunden

wollen unsere finanzierten Emissionen im Energiesektor durch

entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich das Obligo

die Ausweitung nachhaltiger Finanzierungen für erneuerbare

um etwa 100 Millionen Euro. Wir haben uns zu Net Zero und ei-

Energiequellen und die Umstellung bestehender Fernwärme-

nem finanzierten Emissionsziel für 2030 verpflichtet. Das erfor-

anlagen von Kohle auf Müllverbrennung, Biogas oder Wärme-

dert Nachhaltigkeitsstrategien unserer Firmenkunden. Wir un-

pumpen ausweiten. Ein kohleabhängiges Unternehmen, das

terstützen Kunden mit niedriger Nachhaltigkeitsbewertung ak-

die Finanzierung zur Umsetzung von Anpassungslösungen

tiv, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, indem wir Beratung

etwa über Windparks nutzt, kann seine Abhängigkeit von fos-

und Programme zur Verbesserung ihrer ESG-Leistung anbieten.

siler Technologie verringern. Wir verfolgen diese Aktivitäten in kohlenstoffintensiven Sektoren durch externe Nachhaltig-

Folgen Sie in den Märkten, in denen Sie aktiv sind, einer eigenen

keitsratings sowie eine interne ESG-Bewertung genau.

Nachhaltigkeitsstrategie? – Unsere Climate and Environmental Business Strategy gilt für die gesamte RBI-Gruppe. In den CEE-

Folgen Sie in den Märkten, in denen Sie aktiv sind, jeweils einer

Märkten passen wir unsere Strategien an, um besser auf loka-

eigenen Nachhaltigkeitsstrategie? – Zentral- und Osteuropa ist

le Bedingungen und Bedürfnisse eingehen zu können, da einige

unser Kernmarkt. Die Nachhaltigkeitsstrategie und -ziele gelten

der Länder außerhalb der EU stärker von fossilen Brennstoffen

gruppenweit. Aber die Ausgangssituationen der Länder auf dem

abhängig sind. Wir haben einen Plan für die gesamte Gruppe,

Weg zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft unterscheiden sich.

um die Betriebsökologie bis 2030 zu verbessern.

Daher sind Maßnahmen immer an den Zielmarkt angepasst.

92


Entgeltliche Einschaltung

Die Bedeutung von Wertschöpfungsketten für grüne Anlagen Die grüne Transformation ist nicht nur ein Trend - sie ist ein struktureller Wandel, der eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten schafft.

W

ir sind Zeugen eines grundlegenden Wandels in der Art und Weise, wie Kapital eingesetzt wird: Die grüne Transformation bedeutet weit mehr als unsere finanzielle Ausrichtung in Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen zu bringen oder dem neuesten ESG Trend zu folgen - es handelt sich um eine Revolution im Bereich umweltbezogener Investitionen. Im Kern dieses Wandels steht ein strategisches Umdenken darüber, wo und wie wir investieren. Auch wenn kurzfristige Gegenwinde – etwa die Rückkehr einer Trump-Regierung, die nachhaltigen Initiativen skeptisch gegenübersteht - die Stimmung trüben könnten, bleibt die langfristige Perspektive für grüne Investitionen aufrecht. Viele saubere Technologien haben bereits Kostenwettbewerbsfähigkeit erreicht, und unsere Anlagestrategie ist entsprechend positioniert. Der JSS Sustainable Equity Green Planet Fonds ist unser Kernprodukt im Umweltbereich und investiert in Unternehmen, die durch vier Megathemen – Schutz der Ökosysteme, Ressourceneffizienz, Intelligente Mobilität und Zukunftsenergien den Weg für eine grünere Zukunft ebnen. Unser einzigartiger Investmentansatz, der sich auf “grüne Wertschöpfungsketten” konzentriert, bietet die Instrumente,

Wasser-Wertschöpfungskette

um tiefer in das komplexe Netzwerk von Technologien und Lösungen einzutauchen, die die grüne Transformation antreiben. Dabei geht es um mehr als nur die großen Trends zu identifizieren, sondern darum die unzähligen Technologien zu erkennen und übersehene Anbieter grüner Lösungen mit signifikantem Wachstumspotenzial aufzudecken. Diese detaillierte Analyse ermöglicht es uns, tief in Subindustrien und Unternehmen einzutauchen, um aussagekräftige Erkenntnisse und Wettbewerbsdynamiken zu ermitteln. Das Ergebnis ist ein diversifiziertes thematisches Portfolio. Unser Ansatz ermöglicht es uns, flexibel zu sein und aufregende Chancen im SMC Bereich zu finden, der jetzt etwa

die Hälfte unserer Gesamtstrategie ausmacht. Wir sind davon überzeugt, dass sich attraktive Renditen und Nachhaltigkeit nicht ausschließen – sie sind beide Katalysatoren für unseren gemeinsamen Fortschritt. Vergessen Sie nicht, dass es bei der grünen Transformation nicht nur darum geht, Gutes zu tun: Sie ist Ausdruck einer soliden ökonomischen Logik. Daniel Lurch, Leitender Portfoliomanager – JSS Sustainable Equity – Green Planet


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

#CSR

Durch Erfahrung geläutert

Text: Daniel Zulauf

FOTO: FLORE PRATOLINI

GRÜNDER-URENKEL. Andre Hoffmann bezeichnet sich selbst als wohlbehüteter Spross einer Familie von Glückspilzen, der kaum eine Beziehung zum Unternehmen Roche hatte, außer einmal im Jahr den Scheck mit der Gewinn­ beteiligung abzuholen.

94


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

» Was Roche-Erbe Andre Hoffmann unter einer nachhaltigen Wirtschaft versteht. » Weshalb das Modell der Gewinnmaximierung nach Milton Friedman ausgedient hat.

D

Die alte Fossilwirtschaft boomt, als hät-

ner schimpft unverblümt und öffentlich

te es nie eine Klimakonferenz gegeben.

„über die grenzenlose Arroganz dieser

Aktien von Rüstungsfirmen sind gefragt

Typen“. Der Mann heißt Andre Hoff-

wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wo

mann. Er gehört seit Jahrzehnten zu den

sind die hehren Vorsätze der Wirtschaft

reichsten Schweizern, ist der Urenkel

geblieben? Ist Nachhaltigkeit im Busi-

von Fritz Hoffmann, dem Gründer des

ness am Ende?

Basler Pharmamultis Roche, und kon­

Eigentlich müsste man die Frage beja-

trollierender Aktionär des Konzerns.

hen, jedenfalls dann, wenn man sich das

Der 66-Jährige sitzt seit 1996 im Ver-

aktuelle Verhalten der Elite des amerika-

waltungsrat von Roche, und seit 2006

nischen Kapitalismus vor Augen führt.

ist er dessen Vizepräsident. Kurz vor

Tesla-Erfinder Elon Musk war einer der

Trumps Amtseinsetzung hat er zusam-

eindringlichsten Klimawarner. Nun sagt

men mit dem belgischen Autor und

der „First Buddy“ und Berater des US-

Fachjournalisten Peter Vanham „The

Präsidenten Donald Trump, die Klima­

New Nature of Business“ (Wiley, 2024)

risiken würden überzeichnet. Es ist noch

veröffentlicht.

nicht lange her, als Amazon-Chef Jeff

In dem Buch, das demnächst auch

Bezos und OpenAI-Gründer Sam Altman

in deutscher Sprache erscheint, erzählt

in der Person Trump eine Gefahr für die

Andre Hoffmann seine persönliche Ge-

Demokratie gesehen hatten. Inzwischen

schichte vom wohlbehüteten Spross ei-

hofieren auch sie den US-Präsidenten

ner Familie von „Glückspilzen“, in der

bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

sich im Lauf von Jahrzehnten und Generationen eine Art Konsens heraus­

Arroganz von Bezos und Co

gebildet hatte, dass die für Kontrolle

Trump und die ihn umschwirrenden

maßgeblichen Eigentümerfamilien die

Milliardäre werden in Geschäfts­kreisen

Entscheidungen im Unternehmen gänz-

meistens

lich einem professionellen Management

nur

hinter

vorgehaltener

Hand kritisch bewertet. Immerhin ei-

überlassen sollten.

s l a g n u r ie im x a m „Gewinn ­ s e g ti l a h h c a n in e k t is k c e w tz s b l e S ­Geschäftsmodell“ 95


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

Scheck von Roche

haltiges Geschäftsmodell, ist Hoffmann

Hoffmann beschreibt seine Kindheit

überzeugt und spricht das von Roche or-

und frühen Jugendjahre in der franzö-

ganisierte internationale Vitaminkartell

sischen Camargue als ein „fast mär-

an, das in den 1990er-Jahren aufgeflo-

chenhaftes Leben“, umgeben von ei-

gen ist. Nicht nur musste der Konzern

ner prächtigen Natur, deren Schutz vor

Strafzahlungen in Höhe von fast einer

der zivilisatorischen Zerstörung sich

Milliarde Franken leisten. Der Vorfall

sein Vater mit viel persönlichem En-

war auch in hohem Maß schädlich für

gagement und unter Einsatz eines be-

den Ruf des Unternehmens und eine

trächtlichen Teils des Privatvermögens

Schande für die Eigentümerfamilien.

zum Lebensinhalt gemacht hatte. „Die

Schlimmer noch: Es gab gar keinen

Bande zu dem Unternehmen, das mei-

Sinn, das Risiko einer solchen Schmach

ne Familie gegründet hatte, reduzier-

in Kauf zu nehmen. Roche war in den

te sich im Großen und Ganzen darauf,

1990er-Jahren längst ein Pharmaunter-

einmal im Jahr in Basel den Scheck mit

nehmen, in dem es für die massenhafte

dem Gewinnanteil abzuholen“, schreibt

Herstellung von billigen Vitaminpräpa-

Hoffmann. „Ich kannte weder den Un-

raten eigentlich gar keinen Platz mehr

ROCHE

terschied zwischen einer Aktie und einer Anleihe, noch hatte ich eine Ahnung von den wichtigsten Forschungsgebie-

gab. Aber die Mentalität, dass das Business vom Business eben das Business

400

ist, hatte im Unternehmen offensicht-

ten von Roche.“

lich überlebt.

Dabei gab es in der Geschichte von

Es folgten weitere Rückschläge, bis

Roche mehrere gravierende Vorfälle, die

Roche ins Visier des Schweizer Finan-

den Eigentümern früh hätten aufzeigen

300

ciers Martin Ebner geriet. Der Raider

müssen, dass sich Besitz und unterneh-

hatte einen großen Teil der stimmbe-

merische Verantwortung nicht so ele-

rechtigten Inhaberaktien, die nicht von

gant trennen lassen, wie es sich die Familie ab den 1930er-Jahren nach einem tödlichen Autounfall von Andre Hoff-

200

den Erbenfamilien gehalten wurden, 24.4.20

24.4.25

aufgekauft. Dann reichte er das Akti-

Quelle: baha

enpaket an die Novartis AG weiter, die

manns Großvater eingerichtet hatte.

Nachhaltige Gewinnmaximierung? Ein Produktionsfehler in einer zum Roche-Konzern gehörenden Chemiefabrik in Seveso in der Nähe von Mailand führte 1976 zu einem katastrophalen Unfall, der zum Austritt einer größeren Men-

2003 diskret mit einem ÜbernahmeanKORRIGIERT. Die Roche-Aktie ist in vielen Indizes und ETFs vertreten und gehört zu den Leidtragenden der erratischen US-Zoll­ politik.

gebot an Roche herantrat.

Was ist der Zweck? Die Familien der Erben trafen sich zur Krisensitzung, um schnell festzustellen, dass man die Kontrolle über das Unternehmen nicht aus den Händen geben

ge von hochgiftigem Dioxin führte. Die

wollte. „Aber wir mussten uns selbst,

Folgen für Menschen, Tiere und die Um-

dem Management, den Angestellten

welt waren gravierend, der Schaden war

und den Aktionären erklären, weshalb

immens. Roche versuchte die Katastro-

es für Roche besser war, unabhängig zu

phe zuerst zu vertuschen. Danach folg-

bleiben“, erinnert sich Hoffmann. „Im

te ein jahrelanges gerichtliches Ringen

Wesentlichen lief alles auf ein und die-

um Schadenersatzleistungen, die auf-

selbe Frage hinaus: Was ist der Zweck

grund des schlechten Zustands der Fa-

unseres Unternehmens?“

brik eigentlich eine Selbstverständlichkeit hätten sein müssen.

Die Zeit der strikten Teilung von Arbeit und Verantwortung zwischen Ma-

Hoffmann schreibt von einem Sys-

nagement und Eigentümerschaft ging

tem, in dem „das Business vom Busi-

mit dem Übernahmeversuch von No-

ness das Business ist“. Gewinnmaxi-

vartis zu Ende. Die Familien markierten

mierung als Selbstzweck sei kein nach-

ihr verstärktes Engagement nach außen

96


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

Buchtipp!

FOTO: MARK HENLEY / PANOS PICTURES

In „Die neue Natur des Wirtschaftens“ wollen die Autoren Andre Hoffmann und Peter Vanham aufzeigen, wie Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem und ökologischem Mehrwert verbinden können, um einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Kapitalismus zu fördern.

mit der Erneuerung ihre Aktien-Pool-

ihrer Eigentümer ist: „Die Schaffung von

Die nächste Generation werde das Ge-

Vertrags. Ein Signal nach innen war die

nachhaltigem und inklusivem Wohl-

schäftsmodell in einem Kontext neu er-

Professionalisierung des Aufsichtsrats

stand.“ Business müsse eine regenera-

finden müssen, in dem nichtnachhalti-

mit der Schaffung verschiedener Gre-

tive Wirkung erzielen, die Gesellschaft

ges Geschäftsgebaren im ökologischen

mien, über die die Vertreter der Fami­

und der ganze Planet müssten aus der

wie auch im sozialen Sinn nicht mehr

lien­ ei­ gen­ tümer ihren Einfluss auf die

wirtschaftlichen Aktivität der Menschen

möglich ist. „Ich sage oft: Wirkung er-

Führung

konnten.

mehr zurückerhalten, als sie diesem in

zielt man nicht mit der Art, wie man das

„Jetzt tun, was die Patienten als Nächs-

Form von natürlichen, sozialen und fi-

Geld ausgibt, sondern wie man es ver-

tes benötigen“ – der Geschäftszweck

nanziellen Ressourcen geliehen habe.

dient“, schreibt Hoffmann.

geltend

machen

wurde zur generellen Handlungsanlei-

Es sind die Ansichten eines selbst-

tung erhoben, damit sich die Firma auf

ernannten „Idealisten“, nach dessen

das Wesentliche konzentriert.

Überzeugung der strikt gewinnmaximierende Kapitalismus nach dem Mo-

% Meine grüne Rendite

Andre Hoffmanns Geschichte zeigt:

Verantwortung der Eigentümer

dell des berühmten Ökonomen Milton

Verantwortung beginnt nicht erst beim

Hoffmann glaubt, dass er und seine Fa-

Friedman und seiner Chicago School an

Spenden, sondern beim wirtschaftli-

milie sich durch den Verzicht auf den

einem Scheideweg angelangt ist. Mit

chen Handeln selbst. Wer den Kapita-

Unternehmensverkauf die Chance ge-

immer neuen und innovativeren Block-

lismus in die Zukunft führen will, muss

geben haben, das zu tun, was die „zen-

buster-Medikamenten sei es auch beim

nicht nur fragen, wie man verdient –

trale Verantwortung“ einer Firma und

Pharmariesen Roche nicht mehr getan.

sondern wofür. —

97


GRÜN GEBLIEBEN. Den Anti-ESG-Aktionismus vieler US-Investoren teilen die Europäer zumindest derzeit nicht.

FOTO: YUI MOK / PA / PICTUREDESK.COM

#XXX


RENDITE / PRIVATE EQUITY

U

Grün bleiben, trotz Trump!

Unter der neuen US-Regierung ist die Marschrichtung eindeutig: Themen wie Vielfalt, Gleichheit oder Inklusion sollen bei Investments keine Rolle mehr spielen. Die europäischen Beteiligungsmanager sehen sich deshalb mit neuen Her­ ausforderungen konfrontiert. Der

Text: Peter Köhler

» Bringt der ESG-Backlash aus den USA Europas PrivateEquity-Strategie ins Wanken? » Wie Nachhaltigkeit und gute Governance Werte schaffen.

im ersten Quartal haben wir von institutionellen Investoren rund 20 Fragebögen zu dem Themenkomplex bekommen“, erklärt Mürer, wie die Arbeit im Münchener Büro so abläuft. Brancheninsider sehen den entscheidenden Knackpunkt in den kommen-

grüne Backlash bedeutet für Profis im

»W arum Beteiligungsmanager

Private-Equity-Geschäft aber auch, dass

in überregulierten ESG-Vor­

lich sind Beteiligungsfonds davon ab-

sich ungeahnte Chancen eröffnen.

gaben auch eine willkommene

hängig, dass ihnen Pensionskassen und

Viele ESG-Anfragen In Europas Private-Equity-Szene wer-

Gelegenheit zur Korrektur sehen.

den Monaten und Jahren. Denn letzt-

Versorgungswerke aus den USA weiterhin Milliarden für Investments zur Verfügung stellen. Damit erwerben sie Mit-

den ESG-Kriterien – die für ökologische

telständler oder Konzernteile, optimie-

und soziale Kriterien sowie eine gute

ren sie mehrere Jahre lang, um sie später

Governance stehen – bei Investments

zu einem höheren Preis weiterzureichen

schon seit vielen Jahren beachtet. „Für

oder an die Börse zu bringen. „Der Ein-

uns besteht der Kern von ESG darin, dass

fluss der nordamerikanischen Pensions-

die Anwendung der Kriterien die Unter-

kassen auf das Fundraising ist sehr groß.

nehmensqualität steigert, Wert schafft

Bei FSN Capital kommen rund 60 Prozent

und Risiken reduziert“, sagt Robin Mü-

des Kapitals aus Europa und 30 Prozent

rer, Co-Managing-Partner und Chef für

von institutionellen Investoren in Nord-

den deutschen, schweizerischen und ös-

amerika“, so Mürer.

terreichischen Markt beim Finanzinves-

„Die meisten Unternehmen in un-

tor FSN Capital. Das Interesse der Geld-

serem Portfolio sind von der Backlash-

geber an ESG sei ungebrochen. „Alleine

Diskussion nicht betroffen, da wir vor-

99


INTERVIEW / PRIVATE EQUITY

Interview

ESG bleibt ein Gewinn Während in den USA der ESG-Backlash tobt, setzt KfW Capital auf Nachhaltigkeit und Zukunftstechnologien. CEO Jörg Goschin über die Lage am VC-Markt, smarte staatlich-­ private Fondsmodelle – und die europäische Antwort auf den Kapitaldruck.

JÖRG GOSCHIN, CEO KFW KAPITAL Der Gründer, Investor und Manager (60) leitet seit 2018 KfW Capital, einen der größten Investoren in European Venture, als Vorsitzender der Geschäftsführung. In früheren Jahren war Goschin für Metzler, Boston Consulting Group, BNP Paribas, Cerberus und Blackstone tätig. Der Manager promovierte in Finanzwesen an der Technischen Universität in Darmstadt und hält auch ein Diplom in Elektrotechnik und Wirtschaft.

Herr Goschin, in den USA gibt es einen po-

Welche Chancen sehen Sie durch Künstli-

ist über alle Regierungen hinweg gleich

litischen Backlash bei nachhaltigen Ge-

che Intelligenz (KI) für Europa? – Die ra-

stark geblieben, und auch aus den bis-

schäftsmodellen und ESG-Kriterien. Könn-

sante Entwicklung von KI-Technologi-

herigen Koalitionsplänen erkennen wir,

te das Auswirkungen auf den Venture-Ca-

en eröffnet völlig neue Geschäftsfelder.

dass dem so bleiben wird. Für die erfolg-

pital-(VC-)Markt in Europa haben? – Jörg

Bereits im letzten Jahr sammelten KI-

reiche Mobilisierung von weiterem pri-

Goschin: KfW Capital misst dem Thema

Start-ups rund 1,8 Milliarden Euro auf

vatem Kapital für den VC-Markt gilt es,

ESG nach wie vor einen hohen Stellen-

dem deutschen VC-Markt ein. In unse-

intelligente Produkte zu kreieren, die

wert bei. ESG sehen wir vor allem auch

rem Portfolio sehen wir das auch: Rund

staatliches mit privatem Kapital zusam-

als starkes Instrument zur Risikovorsor-

die Hälfte aller unserer 130 VC-Fonds hat

menbringen.

ge. Ein Thema, das für alle Investoren

heute bereits einen Investmentfokus auf

überaus wichtig ist. Das Management

KI, viele weitere investieren mindestens

Zum Beispiel? – Etwa der Wachstums-

von ESG-Risikofaktoren ist heutzutage

gelegentlich in KI. Auch Green Tech und

fonds Deutschland, den die KfW Capi-

damit längst nicht nur aus regulatori-

Climate-Tech bieten weiterhin großes

tal strukturiert hat und für den wir nun

scher Sicht geboten: Vielmehr eröffnen

Potenzial für VC-Investitionen. Der glo-

als Anlageberater tätig sind. Der Fonds

sich durch die gezielte Nutzung der da-

bale Klimawandel und andere Umwelt-

speist sich neben Mitteln aus dem Bund

mit verbundenen Chancen Möglichkei-

krisen – etwa der Verlust von Biodiversi-

und der KfW Capital zu rund 70 Prozent

ten, nachhaltige Werte zu schaffen. Wir

tät und die Meeresverschmutzung – sind

aus privatem Kapital von Versicherern,

sehen für Europa die Chance, im Bereich

drängende Herausforderungen unserer

Family-Offices, Stiftungen und Pensi-

Nachhaltigkeit die Rolle als Vorreiter

Zeit. Rund ein Fünftel aller KfW-Capi-

onsfonds. Viele von ihnen haben zuvor

weiter auszubauen.

tal-Portfoliofonds investieren in Green

noch nie in die Assetklasse Venture Ca-

Tech. Weitere hochrelevante Bereiche

pital investiert. Der Fonds hat ein Volu-

Wie ist derzeit die Stimmung unter den VC-

sind Healthcare, Biotech und Life-Sci-

men von einer Milliarde Euro und gehört

Fonds und Start-ups? – Der deutsche VC-

ences sowie Cybersecurity.

damit zu den größten VC-Dachfonds, die

Markt entwickelt sich langfristig posi-

jemals in Europa aufgelegt wurden. Nach

tiv, unterliegt aber Zyklen. Bereits Ende

Wie könnte die neue deutsche Bundesregie-

etwas mehr als einem Jahr nach seinem

2024 sahen wir einen starken Aufwärts-

rung die Rahmenbedingungen für Finan-

Final Closing hat er bereits mehr als 60

trend. Heute sehen wir weitere positi-

zierungen und Gründer verbessern? – 2018

Prozent seines Volumens investiert – in

ve Signale für den Markt: eine steigende

ist KfW Capital auf Beschluss der dama-

VC-Fonds, die ihrerseits Wachstums-

Investitionsbereitschaft der VC-Fonds

ligen Bundesregierung und der KfW ge-

unternehmen finanzieren. Übrigens er-

und verkürzte Fundraising-Zyklen. Ent-

gründet worden. Seither erleben wir in

halten wir viele Anfragen aus dem In-

scheidend wird sein, wie sich das Kapi-

Deutschland einen starken Rückenwind

und Ausland zur Idee und Struktur des

talmarktumfeld entwickelt.

für den gesamten VC-Bereich. Dieser

Wachstumsfonds. —

100


RENDITE / PRIVATE EQUITY

wiegend in kleine und mittelständische

Nachhaltigkeit und die Anwendung von

Unternehmen aus Europa investieren.

ESG-Kriterien zu einer höheren Wert-

Bei einigen könnte es aber indirekte

schöpfung führen. Das gelte zum Bei-

Effekte geben. Zum Beispiel, wenn sie

spiel für Softwarefirmen, die digitale In-

Teil der Lieferketten von US-Konzernen

frastruktur wie etwa Datenzentren nut-

sind, die ihre DEI-Programme für Viel-

zen, sagt Montagu-Managerin Woehl.

falt, Gleichberechtigung und Inklusion

Hier könnten Strategien zur Dekarboni-

streichen“, erläutert Kim Woehl, Head of Sustainability beim Private-EquityHaus Montagu, das 14 Milliarden Euro verwaltet und in seinen Beteiligungen rund 31.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Rad lässt sich nicht zurückdrehen

sierung die Effizienz erhöhen, den Res-

»Strategien zur Dekarbonisierung erhöhen Effizienz.« Kim Woehl

sourceneinsatz optimieren und zu Produktinnovationen beitragen. Eine Maßnahme kann zum Beispiel sein, die Menge der gespeicherten Daten zu reduzieren.

Hoffnung auf Erleichterung

„Auch wenn das ESG-Konzept Kritik

Allerdings sehen Beteiligungsmanager

ausgesetzt ist, bleibt ökologische Nach-

wegen der Kritik aus den USA jetzt auch

haltigkeit eine unaufhaltsame Kraft, die

eine Chance, so manch überzogene Re-

sämtliche Branchen und Wertschöp-

gelungen in Europa auf den Prüfstand zu

fungsketten transformiert und weiter-

stellen. „Sicherlich ist es gut, dass bü-

hin langfristigen Wert schafft“, sagt

rokratische Übertreibungen korrigiert

Fabio Ranghino, Partner und Head of

werden“, sagt Mürer. Das gelte etwa für

Sustainability & Strategy beim Finan-

die EU-Richtlinie CSRD, die Unterneh-

zinvestor Ambienta. Es sei sehr wich-

men zur detaillierten Berichterstattung

tig, zwischen diesen beiden Konzepten

über ihre Nachhaltigkeit verpflichtet

zu unterscheiden. Der Druck, den unser

und die jetzt überarbeitet wird (mehr

wirtschaftliches

auf Seite 132).

und

demografisches

Wachstum auf den Planeten ausübe, sei unbestreitbar. Daher kann Nachhaltigkeit – trotz politischer Gegenwinde wie derzeit aus den USA – als industrielle Revolution nicht zurückgedreht werden. Ambienta versteht unter einem nach-

»Ökologische Nachhaltigkeit als unaufhaltsame Kraft.« Fabio Ranghino

Insgesamt kommt die Verunsicherung aus den USA zu einem ungünstigen Zeitpunkt für den Private-EquityMarkt, denn die Stimmung in Europa ist derzeit von Zurückhaltung geprägt. Die Diskussion um Zölle hat negative Aus-

haltigen Geschäftsmodell eines, bei dem

wirkungen, ebenso das schwache Wirt-

Dienstleistungen oder Produkte auf eine

schaftswachstum. „Das Dealvolumen

messbare und langfristige Weise Res-

stagniert auf niedrigerem Niveau, aber

sourcen effizienter nutzen oder Umwelt-

man kann keinesfalls von einer Krise im

verschmutzung reduzieren. Ein Beispiel

Beteiligungsmarkt sprechen“, so Mü-

dafür ist laut Ranghino die Portfoliofir-

rer. Von den vier Deals in der Pipeline

ma Previero. Die weltweite Kunststoff-

von FSN Capital, die intensiver geprüft

produktion verursache jährlich über 180

würden, sei auch einer aus Österreich.

Millionen Tonnen Abfall, von denen nur

% Meine grüne Rendite

etwa 15 Prozent recycelt werden. Previero sei ein Pionier im Bereich des mechanischen Kunststoffrecyclings. Die Lösungen des Unternehmens ermöglichten den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich, indem sie Kunststoffabfälle in hochwertige Recyclingflakes verwandeln. Bei manchen Geschäftsmodellen vermutet man zunächst gar nicht, dass

»­Überzogene ­Regelungen in Europa stehen auf dem ­ ­Prüfstand.« Robin Mürer

Trotz der ESG-Skepsis aus den USA bleibt Nachhaltigkeit für die meisten europäischen

Private-Equity-Investoren

ein

zentraler Erfolgsfaktor – der politische Gegenwind bietet dabei nicht nur Anlass zur Sorge, sondern auch die Chance, Standards zu überdenken und nachzuschärfen. —

101


#FÖRDERUNGEN

Grün gedacht, schlecht gemacht Text: Oliver Stock

ABGESTÜRZT. Den Traum vom elektrischen Fliegen wollte Lilium der Menschheit erfüllen. Den Glauben daran hat Deutschland verloren, China aber nicht.

„Zieht dorthin, ter wo der Staat t“hin euch steh N DANIEL WIEGA

D


NACHHALTIGKEIT / PLEITEN

E

» Wieso drei verheißungsvolle Projekte der nachhaltigen Entwicklung scheiterten. » Was läuft schief bei der staatlichen Start-upFörderung in Deutschland? » Braucht es eine neue, technologieoffene Förderlogik jenseits parteipolitischer Interessen? Ehrgeizige Jungunternehmen in beson-

trägt 175 Kilometer. Dann jedoch kam

ders nachhaltigen Branchen können sich

eine in Aussicht gestellte Bürgschaft des

zu Recht Hoffnung machen auf staatli-

Staates für einen Kredit doch nicht. Die

che Unterstützung – oder? Schließlich

Grünen, deren Anhänger laut Umfra-

gibt es in Deutschland den milliarden-

gen zu 58 Prozent unter Flugscham lei-

schweren Klima- und Transformations-

den, verhinderten die Zusage, und das

fonds, der genau dafür da ist. Wie schwer

1.000 Mann starke Start-up stürzte ab

es allerdings für die politischen Verwal-

wie Ikarus, der der Sonne zu nah gekom-

ter dieses Fonds ist, das Richtige zu tun

men war.

und das Falsche zu lassen, wird an den

Gründer Daniel Wiegand kann das bis

Entscheidungen deutlich, die in den ver-

heute nicht nachvollziehen: „Wir wol-

gangenen Monaten vor allem im Haus

len das Fliegen demokratisieren – also

des ehemaligen grünen Wirtschaftsmi-

mehr Menschen Zugang dazu verschaf-

nisters Robert Habeck getroffen worden

fen. Und wir wollen dekarbonisieren,

sind. Es ist eine Serie von Missgriffen.

also CO2-frei fliegen. Das geht am besten elektrisch“, lautete seine Vision.

FOTO: LILIUM

Keine Flügel für Lilium

„Kern des Problems ist, dass unse-

Da ist zum Beispiel Lilium – eines der

re Investoren die Lage sehr genau be-

ehrgeizigsten deutschen Start-ups aus

obachten“, sagte Wiegand, als die Bürg-

dem Münchner Umland. Investoren wa-

schaft im vergangenen Jahr platzte. Und

ren so beeindruckt von dem Luftfahrt-

was sie sähen, sei: „Die Amerikaner ha-

Pionier, der ein elektrisches senkrecht

ben das Potenzial des elektrischen Flie-

startendes und landendes Flugzeug ent-

gens erkannt. Sie fördern diese Branche

wickelt hat, dass sie 1,5 Milliarden Euro

massiv. Die Chinesen stecken noch viel

in Lilium pumpten, und der Aktienkurs

mehr öffentliches Geld in die Branche.

des in New York gelisteten Start-ups

Sie haben elektrisches Fliegen in ihren

kurz in lichte Höhen schoss. Das Geld

Fünf-Jahres-Plan

reichte, um ein sechssitziges Flugzeug

wollen die Luftfahrt mit E-Flugzeugen

zu bauen, das ab 2026 hätte ausgelie-

genauso disrupten, wie sie es am Boden

fert werden sollen. Seine Reichweite be-

mit der Autoindustrie gemacht haben.“

aufgenommen.

Sie

103


NACHHALTIGKEIT / PLEITEN

rungsrunde schossen die Wolfsburger im Jahr 2021 weitere 620 Millionen USFOTO: NORTHVOLT

Dollar dazu. Mit den so bezahlten knapp 1,5 Milliarden US-Dollar hielt VW seinen Anteil von rund 20 Prozent konstant und besaß einen Sitz im Aufsichtsrat. Der Autohersteller, an dem das Land Niedersachsen beteiligt ist, war also bestens über die wahre Situation bei Northvolt im Bilde. Die war offenbar schon wenige Monate nach der neuen Finanzierungsrunde alles andere als rosig. Im Geschäftsbericht von VW jedenfalls wird die Beteiligung an Northvolt 2022 nur noch mit 900 Millionen Euro beziffert, im darauffolgenden Jahr – dann also, als der AKKU LEER. Northvolt galt als vielleicht hoffnungsvollster Player Europas in der Batterietechnologie. Nun wird das insolvente Unternehmen filetiert.

Bund die Haftung für das KfW-Engagement übernahm – hatte VW seine Beteiligung bereits auf 693 Millionen Euro abgeschrieben, was etwa der Hälfte des ursprünglichen Wertes entspricht.

Und wenn die Investoren nun sähen,

Oktober 2023 die Haftung für eine 600

Hier haben sich offenbar früh Hoff-

dass ausgerechnet Deutschland nicht

Millionen Euro schwere Wandelanlei-

nungen nicht erfüllt. Spätestens im

hinter so einem Unternehmen stehe,

he, die das schwedische Unternehmen

Sommer 2024 wurde die heikle Lage

wendeten sie sich ab. Oder sie verlang-

North­ volt von der staatlichen KfW-

der Schweden weltweit sichtbar, als der

ten: „Zieht dorthin, wo der Staat hinter

Bank bekommen sollte. Northvolt baute

deutsche Autohersteller BMW einen

euch steht.“

im schleswig-holsteinischen Heide eine

Zwei-Milliarden-US-Dollar-Auftrag bei

Batteriefabrik, das Geld sollte die Inves-

Northvolt überraschend kündigte – an-

Auch Volocopter stürzte ab

tition absichern. Seit die Schweden aber

geblich, weil es immer wieder zu Liefer-

Diese Vermutung unterstreicht auch

zunächst im Dezember 2024 in Texas ei-

und

der Fall des Konkurrenten Volocopter.

nen Antrag auf ein Sanierungsverfah-

war. In der deutschen Politik allerdings

Auch diesem Flugtaxipionier aus Ba-

ren nach US-Insolvenzrecht gestellt ha-

reagierte niemand: Batteriestrom stand

den-Württemberg blieb Staatshilfe ver-

ben und im März auch in Schweden ihre

auf der politischen Agenda ganz oben –

sagt. Am zweiten Weihnachtstag war

Pleite einräumten, hat die KfW ihre 600

oder zumindest deutlich höher als jede

Schluss, Volocopter reichte Insolvenz

Millionen Euro vom Bund und vom Land

Flugzeugkonstruktion. Ideologie verne-

ein. Im März 2025 kaufte dann der ös-

Schleswig-Holstein

zurückgefordert.

belte eine rationale Entscheidung oder,

terreichische Flugzeughersteller Dia-

Hatte das Wirtschaftsministerium nicht

wie es der prominente und wortgewal-

mond Aircraft die Reste des deutschen

geprüft, was da gefördert werden sollte?

tige Lilium-Investor Frank Thelen nach

Start-ups. Diamond-Eigner ist der chi-

Qualitätsproblemen

gekommen

der Absage der Bürgschaft und Liliums

Akku leer

Absturz ausdrückte: „Was in Deutsch-

Während in beiden Fällen ausblei-

Wer sich auf Spurensuche begibt, stol-

land passiert, ist geisteskrank.“

bende Staatshilfe das Ende besiegelt hat,

pert über einige Ungereimtheiten, die

macht ein drittes spektakuläres Beispiel

Northvolt schon früh in ein schlech-

deutlich, dass auch sprudelnde Unter-

tes Licht stellen: Größter Anteilseig-

% Meine grüne Rendite

stützung keine Garantie für den Erfolg

ner an Northvolt ist seit dem Jahr 2019

In Deutschland stehen Milliarden für

darstellt, wenn sie mit der Gießkanne

der halbstaatliche VW-Konzern. Volks-

die Förderung nachhaltiger Technologie

verteilt wird.

wagen beteiligte sich zunächst mit 900

zur Verfügung. Politisch motivierte Ent-

nesische Wanfeng-Konzern.

Der Fall geht so: Der Haushaltsaus-

Millionen US-Dollar an dem Batterie-

scheidungen bewirken jedoch, dass das

schuss des Bundes übernahm auf Emp-

hersteller, der damals noch ein besseres

Geld nicht dort landet, wo es gut inves-

fehlung des Wirtschaftsministers im

Start-up war. In einer zweiten Finanzie-

tiert wäre. —

104


Entgeltliche Einschaltung

ALTERNATIVE FINANZIERUNGSMETHODEN FÜR UNTERNEHMEN

OUT-OF-THE-BOXKAPITALBESCHAFFUNG

bdo.at

In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten

optionen bieten, die oft weniger bürokratisch

Wichtig ist, dass die Finanzierungsmöglichkei-

suchen viele Unternehmen nach alternativen

sind als traditionelle Bankkredite. Diese Art

ten anhand der aktuellen Situation im Unter-

Finanzierungsmethoden, um ihre Liquidität zu

der Finanzierung kann besonders nützlich

nehmen reflektiert und bewertet werden.

sichern und ihre Geschäftstätigkeit aufrecht-

sein, wenn schnelle Entscheidungen und un-

Entscheidende Kriterien für die Beurteilung,

zuerhalten. Traditionelle Bankkredite sind oft

bürokratische Lösungen gefragt sind.

welches Instrument zu welchem Unternehmen passt, sind unter anderem:

schwer zugänglich, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

4. UMSATZBASIERTE FINANZIERUNG:

BDO Finanzexperte Michael Grahammer

Diese Methode ermöglicht es Unterneh-

erklärt einige der wichtigsten alternativen Fi-

men, Kapital zu erhalten, indem sie einen

nanzierungsmöglichkeiten, die österreichische

Prozentsatz ihres zukünftigen Umsatzes als

Unternehmen in Betracht ziehen können:

Rückzahlung anbieten. Diese flexible Rück-

im Unternehmen bis zur Rückzahlung

zahlungsstruktur passt sich den Einnahmen

verbleiben?

X

Das notwendige bzw. angedachte Volumen der Neufinanzierung

X

Die Fristigkeit: Wie lange soll das Kapital

1. CROWDFUNDING:

des Unternehmens an und kann in Zeiten

Diese Methode ermöglicht es Unternehmen,

schwankender Umsätze besonders vorteilhaft

Kapital von einer großen Anzahl von Einzel-

sein.

X

investieren. Plattformen wie Kickstarter und

5. FACTORING:

X

Indiegogo haben sich als beliebte Optionen

Beim Factoring verkaufen Unternehmen ihre

etabliert. Crowdfunding bietet nicht nur

Forderungen an ein Factoring-Unternehmen,

Im Lebenszyklus eines Unternehmens gibt

finanzielle Unterstützung, sondern auch eine

um sofortige Liquidität zu erhalten. Dies ist

es immer wieder Anlässe, die für höheren

Möglichkeit, Produkte oder Dienstleistungen

besonders empfehlenswert, um kurzfristige

Kapitalbedarf sorgen, z.B.:

einem breiten Publikum vorzustellen.

Liquiditätsengpässe zu überbrücken und das

X

Die Gestaltungsmöglichkeiten anhand der Bilanzstruktur

personen zu sammeln, die kleine Beträge

Die Darstellung der Rückführbarkeit und Deckung der Kapitalkosten (Verzinsung) Steuerliche Konsequenzen

Risiko von Zahlungsausfällen zu minimieren.

X

In Österreich gibt es zahlreiche Förderpro-

6. SALE-AND-LEASE-BACK:

X

gramme auf lokaler, regionaler und nationaler

Hierbei verkauft ein Unternehmen ein eigenes

Ebene. Diese Programme bieten Zuschüsse,

Objekt aus dem Anlagevermögen, wie z.B.

zinsgünstige Darlehen oder Steueranreize, um

Maschinen, Fahrzeuge oder Immobilien, an

Unternehmen in Krisenzeiten zu unterstützen.

eine Leasinggesellschaft und least es an-

X

Ablöse von anderen Finanzierungen

Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws)

schließend zurück. Dadurch bleibt das Unter-

X

Finanzierung von Wachstum und

und die Österreichische Forschungsförde-

nehmen weiterhin in der Lage, das Objekt

rungsgesellschaft (FFG) sind zwei wichtige

zu nutzen, während es gleichzeitig Kapital

Institutionen, die solche Fördermittel bereit-

freisetzt.

„Es ist essenziell, die verschiedenen Optionen

stellen.

Diese alternativen Finanzierungsmethoden

sorgfältig zu prüfen und diejenige auszu-

2. ÖFFENTLICHE FÖRDERMITTEL:

Im Rahmen der Firmenübergabe oder Gesellschafter:innenwechsels Bei Zukäufen von anderen Unternehmen oder Beteiligungen

X

Bei Investitionen in strategische Vorhaben oder dem Aufbau neuer Märkte

Expansion

bieten österreichischen Unternehmer:innen

wählen, die am besten zu den individuellen

3. PRIVATE KREDITGEBER:INNEN:

vielfältige Möglichkeiten, ihre finanzielle Sta-

Bedürfnissen und Zielen des Unternehmens

Private Investor:innen oder Kreditgeber:innen

bilität zu sichern und ihre Geschäftstätigkeit

passt“, gibt der Finanzexperte zu bedenken.

können flexible und schnelle Finanzierungs-

auch in Krisenzeiten fortzusetzen.

#MehrWert

KONTAKT MICHAEL GRAHAMMER Partner +43 5 70 375 - 6012 michael.grahammer@bdo.at

BDO Austria GmbH QBC 4 – Am Belvedere 4 1100 Wien


INNOVATION/ ENERGIE

FOTO: MARVEL FUSION

HEISSE KERNE. 45 privat finanzierte Projekte versuchen derzeit die Kernfusion in Gang zu bringen. Das Münchener Start-up Marvel Fusion versucht mittels eines Lasers ans Ziel zu kommen.

Die Fusionistas kommen! » Sie versprechen eine saubere, stabile und kostengünstige Energiequelle. » Private Projekte wollen den Durchbruch bei der Kernfusion schaffen. » Ein Münchener Start-up ist mit dabei.

Text: Daniel Nutz

106


INNOVATION / ENERGIE

Info ZWEI WEGE ZUR KERNFUSION

gibt es die Gefahr einer Kernschmelze. Klingt gut, rein theoretisch! Praktisch gesehen ist die Geschichte der Kernfusion eine der großen Ankündigungen, Probleme und Verzögerungen. Das zeigt der Blick nach Südfrankreich, zum größten Kernfusion-

Magnetfusion: Heiße Plasma­ wolke wird mit starken Magnetfeldern in einem Reaktor, zum Beispiel Tokamak, eingeschlossen und kontrolliert.

Forschungsprojekt unserer Zeit. In dem

Laserfusion: Hochenergetische Laser treffen winzige Brennstoffkügelchen, erzeugen Druck und Hitze – die Kerne verschmelzen explosionsartig.

EU, den USA, China und Indien immer

rein staatlich finanzierten Projekt arbeiten 35 Staaten zusammen. Man könnte es als gemeinsames Friedensprojekt bezeichnen – selbst Russland ist neben der noch mit an Bord. Jedes Land liefert dabei ein Stück zum Reaktor – aus Österreichs Forschung kommen etwa Materialien für Fusionsmagnete und Messin­ strumente. In Deutschland ist beispielsweise das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) beteiligt. Dort werden Experimente mit dem Wendelstein 7-X Stellarator und der ASDEX Upgrade Tokamak durchgeführt, die wichtige Erkenntnisse für den Betrieb von ITER liefern sollen. Eigentlich sollte ITER bereits Ende 2025 starten. Nach Veröffentlichung von Dokumenten zum Baufortschritt ist mit einer Verzögerung bis zumindest 2028 zu rechnen. Der Börsianer Grün erfährt vom Münchner Max-

I

Planck-Institut für Plasmaphysik, dass der Reaktor erst 2034 erste Erkenntnisse liefern wird.

In bester Münchner Tradition wurde zum

men, als für die Fusion der Atomkerne

Funktioniert erst einmal der Ver-

Feiern der Finanzierungsrunde ein Fass

hineingesteckt wird. Gelingt dies, wäre

suchsreaktor ITER, dauert es noch ge-

angestochen – Grund dafür gab es ge-

dies ein energiepolitischer Meilenstein,

schätzt ein Jahrzehnt, bis man ein

nug. Letztlich sammelte das Münche-

ein revolutionärer Durchbruch auf der

Kraftwerk auf die grüne Wiese stellen

ner Kernfusion-Start-up Marvel Fusion

nun fast 100-jährigen Suche nach dieser

kann. Mit DEMO hat das Projekt im-

113 Millionen Euro ein. Mit dem Rekord­

schier unerschöpflichen Energiequelle.

merhin schon einen Namen. „An der

investment für ein privates europäi-

DEMO-Planung wird gerade gearbeitet.

sches Projekt dieser Art werden nun die

So funktioniert Kernfusion

Wir rechnen damit, dass dieses Demon­

nächsten Schritte in Richtung CO2-frei-

Vereinfacht ausgedrückt, funktioniert

strationskraftwerk um die Jahrhundert-

er Energieerzeugung gesetzt. Mit auf den

die Kernfusion über die Verschmelzung

mitte Strom ins Netz einspeisen kann“,

Weg machen sich prominente Investo-

leichter Wasserstoffatomkerne unter

sagt IPP-Sprecher Frank Fleschner ge-

ren wie EQT Ventures, der European In-

extrem hohen Temperaturen und Drü-

genüber dem Börsianer Grün. Das Pro­

novation Council Fund und die Siemens

cken zu einem schwereren Kern, wobei

blem: Die Zeit drängt angesichts des

Energy AG. „Bis Anfang der 2030er-Jah-

enorme Mengen an Energie freigesetzt

Klimawandels. Und so kamen priva-

re wollen wir einen Prototyp in Betrieb

werden. Dieses Prinzip ahmt die Ener-

te Projekte wie das eingangs erwähnte

nehmen“, sagt CEO Moritz von der Lin-

gieerzeugung der Sonne nach. Im Ge-

Münchener Start-up Marvel Fusion ins

den gegenüber dem Börsianer Grün. Dann

gensatz zur Kernspaltung fallen weder

Spiel. Derzeit gibt es weltweit 45 privat

soll aus der Anlage mehr Energie kom-

langlebige radioaktive Abfälle an, noch

finanzierte

Kernfusionsunternehmen,

107


INNOVATION/ ENERGIE

etwa die Hälfte in den USA, der Rest ver-

bar sein. Die Kompetenz und Erfahrung

teilt sich auf Europa und Asien.

seiner Investoren wie Siemens Energy AG sollen den Bau dann beträchtlich er-

Private auf der Überholspur?

leichtern.

Diese könnten mit einem Lucky Punch ITER und DEMO überholen. Der Vorteil

Wie hoch sind die Kosten?

dieses Wettstreits: Ähnlich wie beim

Wird dieses Versprechen eingelöst, wä-

Wettrennen um das erste Vakzin gegen

ren das freilich sonnige Aussichten. Be-

das Coronavirus arbeiten die 45 Initiativen an sehr unterschiedlichen Ideen und Wegen der Kernfusion. „Dieser parallele Erkenntnisgewinn ist prinzipiell gut für die Industrie. Irgendwann wird sich das konsolidieren, und es werden sich einige wenige Designs durchsetzen. Aber im Moment ergibt das Ausprobieren Sinn“, sagt Sophia Spitzer, Chief of Staff bei Marvel Fusion, im Gespräch mit dem

kanntlich ist die größte Herausforderung

»Schon bei unter 70 Euro per ­Megawattstunde wäre die Fusion in der Zukunft kompetitiv.« Sophia Spitzer

Börsianer Grün.

bei der Energiewende die Grundstabilität der Netze. Vereinfacht ausgedrückt, braucht es entsprechende Grundversorgung oder Speicher, um die Versorgung sicherzustellen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Rechnet man den günstigen Erzeugerpreis der Erneuerbaren plus die Speicher, komme man in etwa auf 70 Euro pro Megawattstunde, rechnet Spitzer vor. Die-

Während das ebenso in München an-

ser Preis ist für Projekte wie Marvel Fu-

sässige IPP selbst mit den privaten Fu-

sion die Vorgabe. Der ist erreichbar, gibt

sionsprojekten Commonwealth Fusion

sich Spitzer überzeugt. Ist ihr Kraftwerk

Systems, Proxima Fusion und Gauss Fu-

erst einmal in Betrieb, soll es zwischen

sion kooperiert, hat Marvel Fusion sei-

300 und 800 Megawatt Leistung bringen,

nen Partner in den USA gefunden. Denn

was etwa der Leistungsspanne zwischen

anders als bei ITER und der Mehrheit der

einem Gas- und einem Kohlekraftwerk

anderen Fusionsprojekte setzt Marvel

entsprechen würde. Insgesamt könn-

Fusion nicht auf riesige Magnete, um die

te die Kernfusion, so die Schätzungen,

Heliumkerne zu verschmelzen, sondern

nicht nur die Grundlast der Netze si-

auf Lasertechnologie. Diese Fusion mit Lasern stammt ursprünglich aus militärischer Nutzung und wurde an der USamerikanischen National Igni­ tion Facility (NIF) erfolgreich angewandt. Eine Partnerschaft mit der Colorado State

»DEMO könnte zur Jahrhundert­ mitte Strom einspeisen.« Frank Fleschner

cherstellen, sondern auch bis zu 40 Prozent der im Netz benötigten Energie liefern. Das Potenzial wäre also groß. Es bleibt zu hoffen, dass es auch zur Umsetzung kommt. Dabei erscheint eine zwar nicht ganz ­objek­tive Umfra-

University ergab sich aus einer frühe-

ge unter den internationalen Kern­ fu­­

ren Zusammenarbeit, weil dort bereits

sionsprojekten doch optimistisch: Von

für Experimentierzwecke geeignete La-

37 Befragten glauben 26, dass bereits

ser vorhanden sind. Darauf aufbauend,

bis 2035 Energie aus der Kernfusion ge-

errichten die Universität und das Start-

wonnen wird. Nur einer glaubt, dass dies

up eine neue hochmoderne Laseranlage, die von beiden genutzt wird.

erst nach 2050 geschehen wird. ben Milliarde US-Dollar Budget haben

Insofern sind die derzeit in Umlauf

früher höhere Kosten verursacht, weil

befindlichen Zahlen zum Fundraising

sie für jede Experimentphase einen ei-

% Meine grüne Rendite

der unterschiedlichen Projekte auch

genen Versuchsreaktor bauen muss-

Die Kernfusion steht an der Schwelle

mit Vorsicht zu genießen. Magnetfu­

ten. Marvel Fusion kann hingegen be-

vom jahrzehntelangen Forschungsziel

sionsprojekte wie etwa Commonwealth

stehende Forschungslaser für die ersten

zur realen Energiequelle – doch der Weg

Fusion Systems aus Massachusetts, das

Experimente nutzen, erklärt Spitzer.

bleibt herausfordernd. Staatliche Groß-

mit mehr als zwei Milliarden US-Dollar

Darum gibt man sich in München auch

projekte und private Initiativen treiben

ausgestattet ist, oder auch das chinesi-

zuversichtlich: Bereits 2035 soll ein

die Entwicklung nun parallel mit neuer

sche Projekt ENN mit etwa einer hal-

Marvel-Kraftwerk konventionell nutz-

Dynamik voran. —

108


GRÜNANLAGE Schützen, was zählt. Wir investieren nachhaltig in eine lebenswerte Zukunft. Bei der Veranlagung berücksichtigen wir verstärkt grüne und soziale ESG-Kriterien. Unser Fokus liegt u. a. auf erneuerbarer Energie, grünen Gebäuden, umweltorientierten Branchen und Green Bonds. Eine klimafreundliche Strategie, die sich für die VIG-Gruppe bezahlt macht. Denn uns ist bewusst, dass wir nur in einer sozial und ökologisch intakten Umwelt erfolgreich sein können. Was noch für uns zählt, erfahren Sie unter group.vig


INNOVATION / WASSERSTOFF

#DIE BRÜCKE NACH AFRIKA

Grüner Wasserstoff für Europa Text: Julia Kistner

» Wasserstoff gilt als Schlüssel zur Energiewende – doch der Ausbau stockt. » Deutschlands Strategie setzt auf Gasimporte und Pipelines aus Nordafrika. » Ohne Infrastruktur droht

D

Die EU will mit dem Green Deal eine

bringen. Von dort geht es weiter Rich-

CO2-neutrale Zukunft schaffen – doch

tung Linz und Bayern. Bestehende Gas-

Teile des Plans wackeln. Verteidigungs-

Pipelinesysteme der Betreiber Snam

ausgaben drängen Nachhaltigkeit an

(Italien), TAG und Gas Connect Austria

den Rand. Und selbst das Milliarden-

(Österreich) sowie Bayernets (Deutsch-

projekt

land) werden genutzt.

„European

Hydrogen

Back-

bone“, das Europas Industrie mit sauberem Wasserstoff versorgen soll, steht

Unschlagbar günstig

auf der Kippe. Dabei wäre der SoutH2-

„Wir betreiben über 380 Kilometer drei

Europas Wasserstoffwende

Korridor – eine Pipeline von Nordafrika

parallel laufende Pipelinestränge. Der

zu scheitern.

nach Bayern – ein zentraler Baustein der

Umbau ist 20 bis 40 Prozent günstiger

Wende. Börsianer Grün hat recherchiert,

als ein Neubau. Das macht den Korridor

wie weit Europas Wasserstoff-Super-

so wettbewerbsfähig“, erklärt TAG-Ge-

highway wirklich ist.

schäftsführerin Brigitte Straka-Lang. Die

110

Die 3.300 Kilometer lange Route soll

Importkapazität der TAG beträgt 168 Gi-

Wasserstoff von Algerien und Tunesien

gawattstunden pro Tag – genug für 1,5

über Unterseepipelines nach Italien und

Millionen Tonnen Wasserstoff jährlich.

dann über Kärnten und die Steiermark

Valerie Hackl, Geschäftsführerin von

nach Baumgarten in Niederösterreich

Gas Connect Austria, betont die Vorteile


FOTO: PATRICK PLEUL / EPA / PICTUREDESK.COM

INNOVATION / WASSERSTOFF

LEITUNG. Bis 2030 sollen 20 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff genutzt werden, 40 Prozent davon über den SoutH2-Korridor.

gegenüber dem Schiffstransport: „Eine

Tonnen geschätzt. Italiens und Bayerns

Leitungen bauen und 140 Kilometer um-

energieintensive

oder

Bedarf liegt noch höher. Für Großver-

rüsten. Auch in Bayern wird gearbeitet:

Rück­umwandlung ist nicht erforderlich.“

braucher wie die Amag Austria Metall

„Unser Projekt HyPipe One ist Teil des

Österreich fehlt ein Hafenanschluss.

AG wäre eine Belieferung per Lkw nicht

deutschen Wasserstoffkernnetzes. Wir

Ohne den SoutH2-Korridor seien die Re­

wirtschaftlich. CEO Helmut Kaufmann

schaffen in der Grenzregion Burghausen

PowerEU-Ziele nicht erreichbar: „Bis

erklärt: „Der Wasserstoffbedarf für eine

bis 2026 Fakten“, sagt Matthias Jenn,

2030 sollen 20 Millionen Tonnen grüner

Metallcharge innerhalb von sechs Stun-

Geschäftsführer von Bayernets. Es fehlt

Wasserstoff genutzt werden, davon 40

den liegt je nach Heizleistung bei sechs

bislang allerdings an Solar- und Wind-

Prozent über den SoutH2-Korridor.“

Lkw-Trailern.“ Amag deckt zwei Drittel

energieanlagen in Nordafrika, die den

seines 670 GWh-Verbrauchs mit Erdgas,

grünen Wasserstoff herstellen könnten.

Verflüssigung

Zielgruppe Industrie

ein Drittel mit grünem Strom.

Fehlendes Recht

Wasserstoff sei für Haushalte zu teuer, meint Straka-Lang. Er werde vor allem

Warten auf Wasserstoff

Straka-Lang kritisiert gesetzliche Lü-

für Industrieprozesse mit hohen Tempe-

Noch muss sich die Industrie also ge-

cken: „Wir brauchen die nationale Um-

raturen gebraucht – etwa in der Stahl-,

dulden. Die Fertigstellung des SoutH2-

setzung der EU-Richtlinien, eine Was-

Chemie-, Glas- und Raffineriebranche.

Korridors bis 2030 erscheint ambitio-

serstoff-Regulierungsbehörde und kla-

Auch Kraftwerke könnten Wasserstoff

niert. Hackl nennt technische, rechtli-

re Zuständigkeiten.“ Das neue Gaswirt-

einsetzen. 2022 wurde Österreichs Was-

che und finanzielle Hürden. Gas Con-

schaftsgesetz soll laut dem Ministerium

serstoffbedarf für 2040 auf 1,4 Millionen

nect Austria muss 200 Kilometer neue

2025 in Kraft treten. Erst dann kann die

111


FOTO: GAS CONNECT AUSTRIA

DAS WIE. Die Wasserstoffimporte – auch aus Nordafrika – sollen 70 Prozent des EU-Bedarfs decken. Ein Korridor soll durch Italien und Österreich nach Bayern verlaufen.

E-Control die Planung und die Kosten

Wirtschaftsmotor Nordafrika?

des SoutH2-Korridors beaufsichtigen.

Nordafrika soll von der Pipeline wirt-

Für Sicherheitsthemen wird die Öster-

schaftlich profitieren: durch Wachs-

reichische Vereinigung für das Gas- und

tum und Jobs. Ohne Wasserstoffimpor-

Wasserfach (ÖVGW) zuständig sein. Ers-

te – die etwa 70 Prozent des EU-Bedarfs

te Pilotprojekte zur Wasserstoffproduk-

decken sollen – kann die EU ihre Kli-

tion gibt es bereits, etwa vom Verbund.

maziele nicht erreichen. Fünf Wasser-

„In Österreich wird zunächst viel

stoffkorridore sind geplant, darunter

grauer Wasserstoff produziert“, so Ca-

der Ostkorridor durch die Ukraine – der

rola Millgramm von der E-Control. Algerien könnte auch an blauem Wasserstoff interessiert sein, bei dem CO2 abgeschieden wird. Der SoutH2-Korridor ist für alle Wasserstoffvarianten technisch vorbereitet. Eine Herkunftsdatenbank der E-Control soll die Herkunft nachvollziehbar machen – Tunesien und

»Wasserstoff per Schiff und Lkw ist für uns nicht wirtschaftlich.« Helmut Kaufmann

Algerien sind derzeit noch nicht gelistet.

aber erst langfristig realistisch ist. Auch die Schweiz plant eine Transitroute nach Süddeutschland. Stefan Wagenhofer von Gas Connect Austria warnt: „Routen könnten an Österreich vorbeiführen.“ Deshalb müsse rasch gehandelt werden. Das Ministerium sieht jedoch keine Gefahr: Die Schweiz plane später, und der Wasserstoffbedarf der Bayern sei riesig. Zudem verfüge Österreich über große

Wer soll das bezahlen?

Gasspeicher, die auf Wasserstoff umge-

Die österreichischen Abschnitte des

rüstet werden könnten.

Korridors wurden als EU-Projekt von ge-

Bleibt zu hoffen, dass der SoutH2-

meinsamem Interesse eingereicht. Da-

Korridor nicht dasselbe Schicksal ereilt

mit winken Förderungen, etwa aus der

wie den Transrapid: Die Magnetschwe-

300-Milliarden-Euro schweren Global-

bebahn scheiterte nach Jahrzehnten

Gateway-Initiative. Ergebnisse werden

ambitionierter Planung letztlich an ho-

für Ende 2025 erwartet. Zusätzliche Mit-

hen Kosten, Widerstand und fehlender

tel könnten aus der H2-Weltbankini­

Wirtschaftlichkeit. Heute fährt nur ein

tiative kommen. Sie stellt 1,65 Milli-

einziger Transrapid – in Schanghai.

arden US-Dollar bereit. Auch nationale Förderungen sind nötig: Österreich plant bis 2026 mit rund 820 Millionen Euro, darunter rückzahlbare Zuschüsse und strategische Buchungen. Die Kosten für den Abschnitt belaufen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Private Banken, die EBRD und Partner in Nordafrika sollen ebenfalls etwas beitragen.

112

»Algerien ­ könnte ­Interesse haben, blauen Wasserstoff zu ­liefern.« Carola Millgramm

% Meine grüne Rendite

Der SoutH2-Korridor könnte Europas Wasserstoffversorgung sichern – wenn Politik, Wirtschaft und Finanzbranche endlich an einem Strang ziehen würden. Sonst bleibt die grüne Pipeline eine schöne Idee auf dem Reißbrett. —


Entgeltliche Einschaltung

19 Nachhaltigkeitsziele und 55 Maßnahmen

PORR rollt umfangreiche ESG-Strategie aus © Oberbramberger

Die neue ESG-Strategie der PORR wurde auf Basis der regulatorischen Anforderungen der CSRD-Richtlinie entwickelt und stellt nachvollziehbar dar, mit welchen konkreten Maßnahmen die PORR bis 2030 ihre strategischen Nachhaltigkeitsziele erreichen will. größten Hebel liegen. So stammt der Großteil der Scope-1-Emissionen aus dem Geräte- und Fuhrpark. Das Thema alternative Treibstoffe und Elektrifizierung ist daher einer von sieben Hebeln im Dienste der Emissionsreduktion. Zu den weiteren Maßnahmen gehören der Ersatz von nicht erneuerbarem Strom mit Grünstrom und der Product Carbon Footprint als neues Vergabekriterium im Einkauf.“

Ausbau bei Social und Governance

Die PORR setzt u.a. auf den Ersatz von nicht erneuerbarem Strom durch Grünstrom.

PORR CEO Karl-Heinz Strauss sagt: „Unsere bisherige Nachhaltigkeitsstrategie wurde im Jahr 2022 eingeführt. Seitdem hat sich in den Standards und auch in den praktischen Handlungsmöglichkeiten rund um die Nachhaltigkeit vieles zum Positiven verändert. Unsere neue ESG-Strategie bildet den neuesten Stand ab. Wir schaffen mit ihr einen verbindlichen Handlungsrahmen, basierend auf belastbaren Daten, zur Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsziele.“ Die ESG-Strategie ist entlang der Nachhaltigkeitssäulen Environmental, Social und Governance strukturiert und in acht zentrale Handlungsfelder gegliedert: Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität, nachhaltige Lieferkette, Gesundheit & Sicherheit sowie Chancengleichheit, Anti-Korruption und Compliance. Grundlage bildet die umfassende doppelte Wesentlichkeitsanalyse,

einschließlich Risiko-, Impact- und Chancenbewertung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Daraus leiten sich 19 messbare Ziele und 55 konkrete Maßnahmen ab, die bis 2030 durchgeführt werden.

Dekarbonisierung und Ressourcenschonung Im Bereich „Environmental“ bildet die Dekarbonisierung das zentrale Handlungsfeld: Die PORR setzt sich das Ziel, bis 2030 die Scope-1- und Scope-2-Emissionen um 43 % und die Scope-3-Emissionen um 25 % zu reduzieren. Diese Ziele stehen auch in Zusammenhang mit dem Commitment der PORR zu den wissenschaftsbasierten Klimazielen im Rahmen der internationalen Science Based Targets initiative (SBTi). Strauss erklärt: „Wir haben uns bei den Maßnahmen genau angesehen, wo die

Im Bereich „Social“ stehen Arbeitssicherheit und Gesundheit ebenso im Vordergrund wie Diversität und Gleichstellung. So strebt die PORR an, den Frauenanteil konzernweit sowie im Management auf 18 % zu erhöhen. Unterstützt wird dies durch gezielte Recruiting-Maßnahmen, interne Förderprogramme und ein strukturiertes Diversity Management. Im Bereich „Governance“ fokussiert die PORR auf Menschenrechte, ethisches Handeln und transparente Unternehmensführung. Der Anteil der Mitarbeitenden mit absolvierten Anti-Korruptionsschulungen soll von 88,7 % auf 95 % steigen, Lehrlinge und gewerbliches Personal erhalten spezifische Schulungsformate, während das Programm der „Bau-Compliance-Botschafter“ konzernweit weiter ausgerollt wird.

porr-group.com


»D ie Energiewende steht auf wackligen Beinen, wenn der Strom nicht dort ­ankommt, wo er gebraucht wird. »M illiarden sollen in Stromnetze, Umspannwerke und Trafos fließen.

E

Energiewende – das bedeutet für die

Jahren in den Netzausbau fließen. In Ös-

halte und Industrie, sind es jetzt un-

meisten Menschen: Photovoltaikanla-

terreich ist von gut 40 Milliarden Euro bis

zählige kleine Solaranlagen, die elek­

gen auf den Dächern, Windparks und

2034 die Rede, in Deutschland sogar von

trische Energie mit großen Schwankun-

Biomassekraftwerke. Dies alles soll ei-

34 Milliarden Euro pro Jahr – mehr als

gen ins Netz einspeisen. Zudem stehen

nen Beitrag dazu leisten, die Nutzung

doppelt so viel, wie derzeit ins deutsche

die Windparks an Standorten, an denen

der klimaschädlichen fossilen Brenn-

Netz investiert wird.

früher keine Kraftwerke standen. In Ös-

stoffe zurückzudrängen und mittelfristig

terreich ist das der Osten des Landes, in

die Erderwärmung auf das Pariser Klima-

Wozu ist das alles nötig?

Deutschland die Gebiete an der Nord-

ziel von plus 1,5 Grad zu begrenzen. Wo-

„Die Transformation kann nur erfolg-

und Ostsee respektive direkt im Meer.

ran die meisten aber nicht denken: Diese

reich sein, wenn sie gesamtsystemisch

Um die elektrische Energie aus die-

Energiewende erfordert auch einen mas-

umgesetzt wird“, sagt Gerhard Christi-

sen Windparks zu den Verbrauchern zu

siven Ausbau beziehungsweise eine Ver-

ner, Chef der Austrian Power Grid (APG),

bringen, sind neue Leitungen notwen-

stärkung von Stromnetzen, Umspann-

die für das Übertragungsnetz in Ös-

dig. Diese sind Hochspannungsleitun-

werken und Trafostationen. Milliarden

terreich zuständig ist. Lieferten früher

gen. Und um den Strom aus den vielen

an Investitionen sollen in den nächsten

Großkraftwerke stetig Strom an Haus-

Kleinanlagen ins Netz zu integrieren, ist

114


NACHHALTIGKEIT / ENERGIE

#INFRASTRUKTUR

Das prioritäre Vorhaben ist dort das „A Nord“,

Ohne Leitung läuft nichts

eine

Hochspannungs-Gleich-

strom-Übertragung, die den nördlichen Teil der Nord-Süd-Verbindung darstellt, die Windenergie aus der Nordsee in den Westen Deutschlands bringen soll. Auch das deutsche Projekt Nummer zwei, das Ultranet, dient diesem Zweck. Als Hochspannungs-Gleichstromleitungen sind diese beiden Netzverbindungen in der Lage, den Windstrom mit wenig Verlusten über lange Strecken zu transportieren. Mit den Projekten Südlink und Süd-

Text Irmgard Kischko

ostlink soll erneuerbare Energie aus den östlichen Bundesländern Deutschlands nach Bayern und Baden-Württemberg transportiert werden – und das sind nur die Hauptprojekte im Übertragungsnetz in Deutschland.

Anbindung der Voestalpine AG. Die gevom Hochofen auf Elektrostahl benötigt

Was passiert, wenn das Netz nicht ausgebaut wird?

enorme Mengen an elektrischer Energie.

Die Probleme zu schwacher oder fehlen-

»Transformation muss gesamt­ systemisch ­umgesetzt ­werden.«

Schwerpunktprojekt Nummer drei ist die

der Netzverbindungen sind jetzt schon

bessere Integration der Windenergie aus

zu spüren. Photovoltaikbesitzer müssen

dem Burgenland und Niederösterreich

in manchen Bundesländern ihre Erzeu-

durch Netzverstärkungen und neue Lei-

gung beschränken, um das Netz nicht

tungen. Damit kann mehr Windstrom

zu überlasten. Die großen Netzbetreiber

Gerhard Christiner

aus Ostösterreich in den Westen des Lan-

wiederum müssen immer wieder Kraft-

des transportiert werden. Nummer vier

werke kurzfristig vom Netz nehmen oder

ist die Verstärkung der Kärnten-Leitung

dazuschalten, um das Netz zu stabilisie-

von Lienz nach Obersielach. Die beste-

ren – sprich einen Zusammenbruch zu

hende 220-kV-Leitung soll durch eine

verhindern. Das aber kostet: Dieses so-

380-kV-Leitung ersetzt werden. Neun

genannte Engpassmanagement koste-

Milliarden Euro will die APG bis 2034 in-

te in Österreich im Vorjahr 140 Millio-

vestieren. Der große Brocken an Inves-

nen Euro, in Deutschland 1,5 Milliarden

ein Ausbau des Niederspannungsnetzes,

titionskosten aber kommt auf die regi-

Euro. Diese Kosten tragen die Verbrau-

der Trafos und Umspannwerke nötig.

onalen Netzbetreiber zu. „Dort liegt der

cher über die Netzgebühren.

FOTO: APG

plante Umstellung der Stahlproduktion

Schwerpunkt des Ausbauprogramms“,

Der geplante Netzausbau muss aber

Was sind die wichtigsten Projekte?

erklärt Franz Strempfl, Spartensprecher

auch eine andere Hürde überwinden: die

In Österreich baut die APG derzeit an

Netze bei Österreichs Energie und Vor-

Genehmigungen. Bürger- und Umwelt-

einer

sogenannten

stand der Energie Steiermark. Allein in

gruppen stellen sich meist gegen neue

Deutschlandleitung, die von St. Peter bei

der Steiermark müssten 20 Umspann-

Leitungen. Verzögerungen sind also zu

Braunau in Oberösterreich ins deutsche

werke pro Jahr revitalisiert oder gebaut

erwarten.

Netz geht. Sie soll unter anderem deut-

werden. „Früher war das eines pro Jahr“,

schen Windstrom nach Oberösterreich

verdeutlicht er den Investitionsbedarf.

Verstärkung

der

% Meine grüne Rendite

leiten und die Versorgungssicherheit

In Deutschland müssen in den nächs-

verbessern. Auch das Schwerpunktpro-

ten Jahren laut der Bundesnetzagentur

Ohne funktionierende Stromnetze bleibt

jekt Nummer zwei, der Leitungsausbau

13.000 Kilometer Stromleitungen ver-

die Energiewende stecken – wer die

im Zentralraum Oberösterreichs, dient

stärkt oder neu gebaut werden – und

Transformation ernst meint, muss sie

der Versorgungssicherheit sowie der

dies nur im Übertragungsnetzbereich.

vom Dach bis zur Trasse denken. —

115


MEINUNGEN / KOMMENTARE

WETTBEWERBSFÄHIGKEIT BRAUCHT INFRASTRUKTUR Wer im Winter die Heizung drosselt und immer das Licht ­ abdreht, meint es gut – aber das wird den Klimawandel nicht aufhalten. Die Hebel für eine nachhaltige Transformation müssen bei der Infrastruktur ansetzen. Hier entscheidet sich, ob Europa den Wohlstand sichern kann. ­

INTERNATIONAL gibt es Widerstand zur grünen Wende. Das bringt auch Europa unter Druck. Zwischen den USA und China müssen wir zu

»EU-Kapitalmarkt statt Fleckerl­ teppich.«

ge Speicherinfrastruktur aufgebaut: Mit einer Kapazität von 100 GWh können die ersten Giga-Parks von Nat Power UK rund 37.000 Haus-

einer eigenständigen Rolle zurückfinden. Die

halte ein ganzes Jahr lang mit Strom versor-

Erneuerung unserer Energie-, Verkehrs- und

gen. Ein drittes Beispiel ist die Förderung er-

digitalen Infrastruktur ist unsere Chance, wettbewerbsfähig zu bleiben. Europas Zukunft wird von vier zentralen Entwicklungen geprägt: die Dekarbonisierung, Di­gi­talisierung, Dezentralisierung und demografische Veränderungen, die den In­ frastrukturbedarf

grundlegend

verändern.

Wir brauchen Milliardeninvestitionen in diese Wachstumsfelder. Der Investitionsbedarf für die grüne Transformation bis 2031 wird auf mehr als vier Billionen Euro geschätzt, wovon drei Billionen Euro aus dem Privatsektor kommen müssen. Die gute Nachricht: Die großindustrielle Dekarbonisierung können wir schaffen, wenn wir sie ganzheitlich angehen. Überall in Europa entstehen derzeit zentrale Transforma-

Vita

neuerbarer Energien in Mittel- und Osteuropa: Gemeinsam mit der International Finance

Sebastian Firlinger CEO Kommunalkredit Austria AG

Corporation (IFC) und der Asian Infrastructure

Sebastian Firlinger ist seit August 2024 interimistischer CEO der Kommunalkredit Austria AG und verantwortet zusätzlich die Bereiche Finanzen und Risikomanagement. Zuvor war er als CFO und CRO tätig und verfügt über umfassende Erfahrung in der Steuerung von Banken sowie im Infrastruktur- und Energiegeschäft.

siert. Je nach Erzeugungsmix können sie jähr-

Investment Bank (AIIB) wirkt die Kommunalkredit an einer Allianz mit, die Projekte mit einer Kapazität von bis zu 250 Megawatt realilich bis zu 150.000 Tonnen CO2 einsparen. Lohnt sich das finanziell? Klare Antwort: Ja. Wer in Infrastruktur investiert, hat gute Chancen auf attraktive Renditen – vorausgesetzt man versteht die Assets. Nur mit fundierter Expertise lassen sich die richtigen Projekte erkennen und bewerten. Zwar sind die aktuellen Bewertungen von Infrastrukturprojekten moderat, doch das Makroumfeld stabilisiert sich, und das Interesse steigt deutlich.

tionsprojekte – mit langfristig gesicherter

Weltweit wurden in den ersten drei Quartalen

Nachfrage, stabilen Cashflows und strategi-

des Jahres 2024 mehr als 70 Milliarden US-

scher Bedeutung für die Energiewende.

Dollar für Infrastrukturfonds eingesammelt –

Dies zeigt sich auch in den europaweit un-

das sind 150 Prozent mehr als im Vorjahr! Das

terstützten Projekten der Kommunalkredit. In

Transaktionsvolumen im europäischen In­

Schweden etwa entsteht mit Stegra eine Stahl-

frastrukturmarkt lag 2024 bei 347 Milliarden

produktion, basierend auf grünem Wasser-

Euro. Der Wettbewerb um gute Assets kehrt

stoff, gespeist durch Wind- und Wasserkraft.

zurück, und wer jetzt nicht handelt, wird spä-

In Großbritannien wird derzeit großvolumi-

ter höhere Einstiegspreise zahlen müssen. —

116


MEINUNGEN / KOMMENTARE

EUROPA MUSS SEINE PRIORITÄTEN ANDERS SETZEN Die Erde heizt sich schneller auf als jemals zuvor – und schneller, als es Klimamodelle vorhergesagt haben. Während Extremwetterlagen neue Ausmaße ­ erreichen, geraten nicht nur Ökosysteme, sondern auch wirtschaftliche und ­ politische Strukturen ins Wanken. Europa steht vor einer Richtungsentscheidung. ­

ES WIRD ein fast sprunghafter Anstieg der glo-

gen werden sich viele Betriebe mit den Vorbe-

balen Mitteltemperatur in den letzten zwei

reitungen für die Umsetzung mehr Zeit lassen.

Jahren registriert; der Klimawandel schreitet

Mag sein, dass manche Datenerhebungs- und

schneller voran, als von den Wissenschaftlern

Berichtspflichten nicht praktikabel waren,

erwartet. Die Ursachen sind noch in Diskussion – es gibt mehrere mögliche Erklärungen. Die Temperaturen, die derzeit in Österreich, Deutschland und der Schweiz auftreten, wären nach den regionalen Klimamodellen erst in etwa zehn Jahren zu erwarten gewesen. Zugleich treten Extremwetter auf, deren Ausmaß ebenso unerwartet ist wie die Zeit und die Orte, an denen sie auftreten. Man denke nur an die sintflutartigen Niederschläge in Niederösterreich im September 2024, die Hitze im April in Portugal oder die durch den Hurrikan Helene in North Carolina, einem USBinnenstaat, verursachten Überschwemmungen. Das Unerwartete wird wesentlich wahrscheinlicher. Wenn Eintrittswahrscheinlichkeiten für Extremereignisse nicht mehr berechenbar sind, wird das Geschäftsmodell der Versicherungen infrage gestellt. Erste Folgen zeigen sich bereits in den USA, wo in manchen Regionen Häuser nicht mehr verkäuflich sind, weil sie niemand mehr versichern will. Zugleich wird das EU-Regelwerk der letzten Legislaturperiode, welches das Potenzial hat, die Wirtschaft in Richtung Klimaschutz

aber die Ziele der Regelungen dürften nicht

»Netto-Null-Emissionen können mit dem derzeitigen auf Obsoleszenz und Wachstum ausgerichteten Produktionsund Wirtschaftssystem keinesfalls erreicht werden.«

Vita

Helga Kromp-Kolb Klimaforscherin

Die langjährige Leiterin des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Boku Wien engagiert sich seit Jahrzehnten für eine evidenzbasierte Umweltpolitik und zählt zu den wichtigsten Stimmen im deutschsprachigen Raum in Sachen Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung.

infrage gestellt werden. Auf nationaler Ebene müssten Mittel bereitgestellt werden für Vorarbeiten, etwa zur Umsetzung der TaxonomieVerordnung oder dem Lieferkettengesetz, die eine Realisierung erleichtern würden. Die politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen, die derzeit von den USA ausgehen, sollten genutzt werden, das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem zu überdenken. Auch ohne diesen Anstoß würde das in den nächsten Jahren notwendig werden, das spüren alle. Netto-Null-Emissionen können mit dem derzeitigen auf Obsoleszenz und Wachstum ausgerichteten Produktions- und Wirtschaftssystem keinesfalls erreicht werden. Es liegen zahlreiche Konzepte für bes­ seres Wirtschaften vor – es wäre an der Zeit, diese ernsthaft zu diskutieren und neue Wege zu gehen. Kreislaufwirtschaft, Vollgeld, irgend­ eine Form von Gemeinwohlökonomie – das ­alles sind Ansatzpunkte, die zu verfolgen sich lohnt. Vordringlich wäre es allerdings, dass sich Europa für Frieden einsetzt, denn ohne Frieden gibt es keine nachhaltige Entwicklung,

und nachhaltiger Entwicklung voranzubrin-

und ohne eine solche keinen Frieden. Zum

gen, derzeit zurückgenommen oder verwäs-

Schutz vor einer unterstellten Bedrohung ganz

sert. Das schadet nicht nur der mittel- und

Europas durch Russland werden enorme Mittel

langfristigen Wirtschaftsentwicklung, son-

freigemacht, zum Schutz vor der sicheren Kli-

dern untergräbt auch das Vertrauen in politi-

makatastrophe und Anpassung an den schon

sche Entscheidungen. Bei künftigen Regelun-

vorhandenen Klimawandel fehlt das Geld. —

117


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

#TEXTILWIRTSCHAFT

Kaschmirkönig und Mäzen

Vita

BRUNELLO CUCINELLI Verwaltungsratspräsident Brunello Cucinelli

„Ich habe immer noch den Duft und die Geräusche des Bauernlebens in meinen Sinnen. Wir waren eine dreizehnköpfige Familie und lebten in einem rustikalen Bauernhaus, umgeben von Feldern, Obstgärten und Wäldern“, beschreibt der 71-Jährige seine Wurzeln.

118

Text: Micaela Taroni


PORTRÄT / UNTERNEHMENSKULTUR

„Überstunden sind nicht erlaubt. Ich will meinen Mitarbeitern nicht die Seele rauben“ Vom Bauernsohn zum philanthropischen Magnaten: Italiens „Kaschmirkönig“ Brunello Cucinelli schaut mit 71 Jahren auf eine einmalige Karriere zurück.

D

Der Modedesigner Brunello Cucinelli ist

Schule, aber mit 15 lernte er im Dorf zwei

einer der ungewöhnlichsten und erfolg-

Studenten kennen, die nächtelang über

reichsten Unternehmer Italiens. Sein an

Philosophie diskutierten, und entdeckte

der Mailänder Börse notierter Konzern

so seine Liebe für dieses Fach. Er mach-

hat in den letzten Jahren seinen Umsatz

te eine Ausbildung im Vermessungswe-

verdreifacht und ist zum Emblem für

sen, studierte anschließend Ingenieur-

nachhaltige Mode geworden. Cucinelli

bau, schaffte aber nur eine einzige Prü-

zitiert gern Epikur, Marc Aurel, Kant und

fung und warf dann das Studium hin.

FOTO: CUCINELLI

Voltaire und bewegt sich im Jetset: Dabei ist er als Bauernsohn in Castel Rigone, ei-

Schönheit macht schöpferisch

nem kleinen Dorf im mittelitalienischen

In diesen Jahren lernte er seine Frau Fede-

Umbrien, aufgewachsen.

rica Benda kennen, die mit ihrer Schwes-

Cucinelli ist ein Kind vom Land. Sein

ter ein Kleidergeschäft führte. Mit 23 Jah-

Vater beackerte Felder und züchtete Tie-

ren begann Cucinelli zusammen mit sei-

re. Der Sohn besaß je eine Hose für den

ner Frau eine kleine Pulloverproduktion.

Sommer und den Winter und musste da-

Sein Grundkonzept war so einfach wie

mit auskommen. „Wir hatten wirklich

wirkungsvoll: Er gab feiner Kaschmir-

wenig, aber wir waren glücklich. Vor al-

wolle, die bis zu diesem Zeitpunkt nur

lem die Verbundenheit mit der Natur und

in Naturfarben zu erhalten war, knallige

ihren Rhythmen hat mich sehr geprägt“,

Farben. Das Interesse war sofort groß, vor

erzählt der Industriekapitän im Gespräch

allem im Ausland. „Österreicher zählten

mit dem Börsianer Grün.

zu meinen ersten Kunden. Sie haben im-

Als die Erträge weniger wurden, nahm

mer pünktlich bezahlt“, schwärmt Cuci-

der Vater einen Fabrikjob an. „Er wurde

nelli. Das war damals wichtig, brauchte er

nicht gut behandelt, wurde erniedrigt.

doch dringend liquide Mittel zum Ausbau

Wenn er abends nach Hause kam, hatte

seines Betriebs. „Seit damals sind mir

er manchmal Tränen in den Augen“, be-

viele österreichische Kunden treu geblie-

richtet Cucinelli. Das prägte ihn so stark,

ben“, erzählt der Unternehmer.

dass er sich vornahm, später ein Unter-

Cucinelli, stets smart und casual ge-

nehmen zu gründen, in dem seine Mit-

kleidet mit Jeans und Jackett, hat sich

arbeiter fair behandelt würden. Als Bau-

im mittelalterlich anmutenden Solomeo

ernsohn besuchte Cucinelli keine höhere

sein Reich aufgebaut. Hier befinden sich

119


INTERVIEW / UNTERNEHMENSKULTUR

Interview

„Nehmen Sie sich Zeit fürs Leben“ Warum gerade Luxus nachhaltig und sozial verträglich sein muss. Brunello Cucinelli hat aus Kultur und

Mode steht oft für Verschwendung. Ist es

Wie gehen Luxusmode und Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit die Eckpfeiler seiner Pro-

nicht ein Widerspruch, in dieser Branche von

zusammen? – Wir erleben derzeit eine Zeit

duktion gemacht. Für seinen „humanen

Nachhaltigkeit zu sprechen? – Jeder Unter-

der Neuorientierung. Von 2019 bis 2024

Kapitalismus“ hat der Unternehmer zu-

nehmer schaut auf das Erbe, das er sei-

haben wir Modekonzerne unseren Um-

letzt den Ehrendoktortitel in „Design für

nen Kindern hinterlässt. Ich komme aus

satz verdoppelt. Aber wie viel können wir

das Made in Italy: Identität, Innovation

der Bauernkultur, in der man nichts weg-

letztendlich verkaufen? Lassen Sie uns zu

und Nachhaltigkeit“ erhalten, der ihm

wirft. Daher habe ich mich für das Hand-

einem gesunden Gewinn zurückkehren,

von der Universität der Stadt Caserta ver-

werk höchster Qualität entschieden, das

den ich immer angestrebt habe, und zwar

liehen wurde. Vor den Universitätsstu-

zeitlos ist.

zu einem jährlichen Nettogewinn von

denten und Akademikern hat Cucinelli

etwa zehn Prozent. So kann man kon­

eine „Lectio“ gehalten: „Lernen Sie, aber

Sie treten für einen humanistischen Kapita-

stant und nachhaltig wachsen. Wir sind

nehmen Sie sich auch Zeit fürs Leben“,

lismus ein. Was bedeutet das? – In den letz-

an der Mailänder Börse notiert. Man kann

lautet sein Credo. Cucinelli ist redege-

ten 30 Jahren dachten wir, wir könnten

erfolgreich sein, indem man einen fairen

wandt und offen. Er gestikuliert gern und

die Menschheit mit der Wissenschaft re-

Profit anstrebt. 2024 haben wir zwölf Pro-

schaut beim Reden seine Ansprechpart-

gieren. Jetzt haben wir erkannt, dass wir

zent erreicht.

ner mit Interesse an. An Humor fehlt es

Wissenschaft und Seele brauchen. Ich

ihm nicht, vor allem wenn er von Philo-

sehe Menschen, ohne Respekt vor der

Sie haben ein Zehnjahresprojekt zur Verdop-

sophen spricht, die seine ganz große Lei-

Kultur, der Würde, der Armut der Men-

pelung der Produktion gestartet. Was ver-

denschaft sind. Als kreativer Designer hat

schen. Ich sehe in der Welt so viel Ein-

sprechen Sie sich davon? – Wir haben vier

er Freude am Austausch. Er nimmt sich

samkeit, so viel Härte. Die Sprache der

Fabriken gebaut, in denen wir bis 2033

Zeit, um die Person, mit der er sich un-

sozialen Medien, die wie eine Art Babel

wachsen und unsere Schneider ausbilden

terhält, kennenzulernen. Wir haben Bru-

ohne Höflichkeit, ohne Freundlichkeit

können. Das bedeutet Nachhaltigkeit.

nello Cucinelli in Caserta bei der Verlei-

geworden ist, hat dies noch verschlech-

Nur wer gut lebt, arbeitet gut. Das Ge-

hung getroffen und uns mit ihm über die

tert. All dies muss sich ändern, all dies

heimnis des Erfolgs liegt hier: an schö-

Diskrepanz zwischen Nachhaltigkeit und

wird notwendigerweise einen revolutio-

nen Orten zu arbeiten, ein gutes Gehalt,

Luxusmode unterhalten.

nären, spirituellen Neubeginn auslösen,

Zeit für sich und seine Familie zu haben.

ein Erwachen, das wir konkretisieren

Andernfalls wird niemand mehr ein Ar-

Sie haben Nachhaltigkeit zu Ihrem höchs-

müssen, indem wir wieder bei den großen

beiter sein wollen.

ten Gebot gemacht, das ist in der konsum­

Werten beginnen.

orientierten Modeindustrie nicht so üblich. –

Fürchten Sie die Auswirkungen der Künst-

Brunello Cucinelli: Ich bin als Bauernsohn

Sie exportieren stark in die USA. Rechnen

lichen Intelligenz? – KI ist ein neuer Weg,

aufgewachsen. Unser Leben war zutiefst

Sie mit Einschränkungen durch die Zoll-

den wir beschreiten müssen. Wir gehen in

mit der Natur verbunden. In dem Bauern-

politik von US-Präsident Donald Trump? –

Richtung einer besseren Welt. Es werden

haus auf dem Lande in meinem Dorf Cas-

Die Volkswirtschaften sind heute so stark

neue Berufe entstehen, wir werden von

tel Rigone in Umbrien, wo ich eine schö-

miteinander verflochten, dass es zwar

härteren Arbeiten entlastet werden.

ne Kindheit verbracht habe, habe ich das

Scharmützel geben kann, diese dürfen

Leben im Einklang mit der Natur gelernt.

uns aber keine Angst machen. Das, was

Sie beschäftigen sich viel mit Philosophie

Wir bearbeiteten das Land mit Tieren, wir

wir produzieren, ist für Menschen, denen

und Geschichte, sind auch ständig unter-

hatten keinen Strom, aber der Himmel

es so gut geht, dass sich für sie auch in

wegs. Woher nehmen Sie die Zeit, um Ihre

und die Sterne waren meine erste Inspi-

dieser Situation fast nichts ändert, Men-

Interessen zu vertiefen? – Ich sehe nicht

rationsquelle. Ich wuchs auf, indem ich

schen, die überall auf der Welt zu Hause

fern, also habe ich ein bisschen mehr Zeit

mit meinen Füßen auf der Erde lief, aber

sind, die ständig unterwegs sind. Natür-

als andere. Außerdem habe ich den Vor-

ständig zum Himmel schaute. Das hat

lich tun mir die harten Methoden leid, auf

teil, in einem kleinen Dorf zu leben: Wenn

mich geprägt. Das Konzept Nachhaltig-

die die USA jetzt setzen, aber für unsere

ich bei einem Freund zu Abend esse,

keit habe ich in mein Unternehmen ein-

Branche, den echten Luxus, mache ich

brauche ich nicht 40 Minuten Autofahrt

fließen lassen.

mir keine Sorgen.

bis dorthin. —

120


FOTO: CUCINELLI

TRAUMHAFT. In der von Cucinelli gegründeten Meisterschule des Kunsthandwerks in Solomeo wird das Schneiderhandwerk erlernt.

»Mit einem jährlichen ­Nettogewinn von zehn Prozent kann man kon­ stant und nachhaltig wachsen.«

die Produktionsanlagen seines gleichnamigen Unternehmens. Das Dorf auf einem Hügel nahe Perugia, aus dem seine Frau Federica stammt, hat er restauriert. Ganz oben im historischen Zen­ trum wohnt er samt seiner Familie. Unterhalb, wo auch der Großteil der 500 Einwohner

tegriert, die Löhne liegen über dem italienischen Durchschnitt. 2023 erhöhte Cucinelli die Löhne um 20 Prozent. Einige Arbeiter und Schneider verdienen mehr als die Angestellten. In Solomeo

Brunello Cucinelli

lebt, befindet sich sein Firmensitz. In-

Die neuen Mitarbeiter werden vor Ort ausgebildet und in das Unternehmen in-

hat Cucinelli eine europaweit anerkannte

zwischen ist alles bis ins kleinste Detail

Meisterschule des Kunsthandwerks ge-

zu einer Art Freilichtmuseum umgestal-

gründet, bei dem Jugendliche Stich um

tet worden – auch ein Theater und eine

Stich das Schneiderhandwerk erlernen. ZUM UNTERNEHMEN

Bibliothek wurden eingerichtet. Cucinellis Unternehmen ist mit 2.250 Mitarbeitern ein Vorbild für humane Arbeitsbedingungen.

Keine Überstunden erlaubt Das Wohlbefinden des Personals ist höchstes Gebot. Die Arbeitsräume sind hell, große Fenster blicken auf die Zypressen und den Springbrunnen in der Mitte der U-förmigen Fabrik. Ganz nach dem Motto: Schönheit macht schöpferisch. Um 17.30 Uhr beginnt für alle der Feierabend. Vom Manager über den Designer bis zur jüngsten Schneiderin: Jeder verlässt den Betrieb. Überstunden sind nicht erlaubt, auch wenn es noch Arbeit zu erledigen gäbe. Selbst das Senden einer E-Mail nach Arbeitsschluss

„Wir müssen die Berufsschulen stärken

Das an der Mailänder Börse notierte Modehaus Brunello Cucinelli hat im Jahr 2024 einen Nettoumsatz von 1,28 Milliarden Euro erzielt, ein Plus von 12,2 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr. 89 Prozent des Umsatzes wurden außerhalb Italiens erwirtschaftet. Der verarbeitete Kaschmir kommt hauptsächlich aus der Mongolei. Der Nettogewinn kletterte auf 119,48 Millionen Euro. Der Gewinn pro Aktie betrug 1,76 Euro. Cucinelli rechnet 2025 mit einem Umsatzwachstum von zehn Prozent. Das Unternehmen will eine Dividende von 0,94 Euro pro Aktie ausschütten.

ihre persönliche Weiterentwicklung haben: Ausgelaugte Mitarbeiter sind nicht kreativ“, lautet das Credo Cucinellis.

Stricker ebenso wertschätzen wie die der Designer“, sagt der Unternehmer. Den Generationswechsel hat Cucinelli längst vollzogen. Seine Töchter Camilla und Caroline sind beide schon seit Jahren im Vorstand. Carolina ist zudem Co-Kreativdirektorin. Ihr Vater hat das operative Geschäft schon länger an zwei familienfremde CEOs abgegeben, ist selbst aber Verwaltungsratspräsident und Kreativchef geblieben. Das will er auch noch längere Zeit tun, sieht er sich doch selbst als Garant für die Markenidentität.

schweren Erdbeben erschütterten Region Umbrien zu einem Neustart verhol-

150

fen. Konkret hat er den Wiederaufbau des Klosters in der umbrischen Klein-

100

tern nicht die Seele rauben. Sie sollen Zeit für ihre Familie, ihre Interessen und

Man sollte die Arbeit der Schneider und

len Projekten. So hat er seiner von einem

gen, wenn man konzentriert und effizient arbeitet. Ich will meinen Mitarbei-

Ansehen und soziales Gewicht verleihen.

Inzwischen widmet sich Cucinelli vie-

BRUNELLO CUCINELLI

wird im Unternehmen nicht gern gesehen. „Acht Stunden am Tag genü-

und der Arbeit in der Fabrik Würde, Wert,

stadt Norcia mitfinanziert - die Heimat des Heiligen Benedikts, Schutzpatron

50 29.4.20

29.4.25 Quelle: baha

Europas. Auch aus persönlicher Verbundenheit: Cucinelli ist eng mit dem Prior des Klosters befreundet. —

121


FOTO: JAN-PHILIPP WELCHERING

REICHTUMSKRITIKER. Sebastian Klein war unter dem reichsten Prozent der Deutschen. Die ungleiche Verteilung des Kapitals sieht er als grundsätz­ liches Problem.


PORTRÄT / GEMEINWOHL

#KAPITALISMUSKRITIK

„Ich war Teil des Problems“ Text: Alexandra Rotter

» Warum Millionär Sebastian Klein Reichtum problematisch findet. » Der Blinkist-Gründer fordert: Kapital muss dem Gemeinwohl dienen, nicht der Gier. » Wie er sein Kapital investiert.

Info KAMPAGNEN FÜR STEUERGERECHTIGKEIT – 2011 forderte der Multimilliardär Warren Buffett eine höhere Besteuerung der Superreichen. Barack Obamas Vorschlag, Menschen, die mehr als eine Million US-Dollar pro Jahr verdienen, mit mindestens 30 Prozent zu besteuern, ist als „Buffett Rule“ bekannt. – 2025 forderten 370 Millionäre und Milliardäre höhere Steuerabgaben für Superreiche. Extremer Reichtum könne politischen Einfluss kaufen und sei daher eine „Bedrohung der Demokratie“, hieß es in einem offenen Brief an die am Weltwirtschaftsforum versammelten Staats- und Regierungschefs. Die bisherige Politik habe zu der „schlimmsten Ungleichheit seit hundert Jahren“ geführt.

R

Reichtum ist toxisch? So hat Sebastian

Geld, Macht, Einfluss

Klein, dessen Buch „Toxisch reich“ im

Stattdessen beschäftigte sich Klein mit

Februar erschienen ist, nicht immer ge-

der ungleichen Einkommens- und Ver-

dacht. Sein einstiges Ziel: so schnell wie

mögensverteilung und deren Folgen auf

möglich reich werden, um nie wieder ar-

Wirtschaft, Klima und Demokratie. In

beiten zu müssen. Nach dem Psycholo-

seinem Buch kritisiert er, wie sich Geld

giestudium verdiente er bei der Boston

vor allem bei sehr reichen Menschen

Consulting Group zum Einstieg 70.000

vermehrt, während etwa in seiner Hei-

Euro jährlich – Bonus, private Altersvor-

mat Deutschland ein Sechstel der Be-

sorge und weitere finanzielle Annehm-

völkerung von Armut bedroht ist. Nicht

lichkeiten obendrauf. Doch die Arbeit

nur Geld sammle sich bei den Reichsten,

erzeugte eine innere Leere, die Klein mit

sondern auch Macht – so könnten sie

Konsum zu füllen versuchte, wie er im

etwa durch Lobbyismus die Politik be-

Gespräch mit dem Börsianer Grün erklärt.

einflussen. Auch am Klimawandel wür-

Nach 15 Monaten kündigte er und begann

den Reiche durch ihre Lebensweise viel

mit Ende 20, Start-ups zu gründen.

stärker beitragen als Arme. Ein großer

Das mit dem Reichwerden hat dann

Kritikpunkt ist zudem, dass Reiche zu

relativ bald geklappt. 2011 tat sich Klein

wenig Steuern zahlen – Klein ist Teil der

mit Partnern zusammen, um die Buch-

„Taxmenow“-Bewegung.

zusammenfassungs-App

Blinkist

zu

Aber zurück zum Wendepunkt vom

gründen, die ein Erfolg wurde. Nach dem

Möchtegernreichen und tatsächlich Rei-

Verkauf seiner Anteile hatte er fünf Mil-

chen zum Reichtumskritiker. Nachdem

lionen Euro und gehörte zum reichs-

Klein Thomas Pikettys „Das Kapital im

ten ein Prozent der Deutschen. Er hätte

21. Jahrhundert“, eine Art Bibel der Un-

„sein Geld für sich arbeiten lassen“ kön-

gleichheitskritiker, gelesen hatte, stell-

nen – eine Aussage, die ihn heute wütend

te er fest: „Ich war selbst Teil des Pro­

macht. Sie sei ein Mythos, wie er in sei-

blems. Ich gehörte zum reichsten Pro-

ner Kolumne „Milliarden vs. Milliardä-

zent der Deutschen.“ Er sprach immer

re“ ausführt, weil Geld nicht selbst ar-

öfter vom Problem extremen Reich-

beiten könne und Renditen entstünden,

tums, wurde aber selbst immer reicher.

wenn andere Menschen dafür arbeiten

Das Geld wirkte wie eine Sucht: „Ich

und Ressourcen ausgebeutet werden.

habe an mir selber bemerkt, dass das

123


PORTRÄT/ GEMEINWOHL

s a tw e t a h n e d r e „Reicherw rsönlichkeit mit meiner Pecht“ gema FOTO: ANETTE RIEDL

FÖRDERER. Wohin mit dem ganzen Geld? Sebastian Klein will Kapital für das Gemeinwohl einsetzen.

Reicherwerden etwas mit meiner Per-

eine Firma, die Tampons aus Algen her-

zudem den Verlag „Neue Narrative“, der

sönlichkeit gemacht hat, dass es mir auf

stellt, und ein Medienunternehmen, das

sich mit der Zukunft der Wirtschafts- und

einmal wichtig wurde, viel Geld zu ha-

Greenwashing aufdeckt. Natürlich müs-

Arbeitswelt befasst. Neue Narrative will

ben, mehr Geld zu haben.“

sen sich diese Unternehmen am Markt

er generell fördern – zum Beispiel solle

durchsetzen – Klein glaubt an Wettbe-

das Narrativ des oft unterstellten Neids

Mit Kapital zur Lösung beitragen

werb: „Ich liebe Wettbewerb, aber nicht,

auf die Reichen durch eine Diskussion

Schließlich wollte der Unternehmer Teil

wenn die Gewinner schon am Anfang

über Geiz und Gier abgelöst werden: „Rei-

der Lösung werden. Wie die österreichi-

feststehen.“ Die meisten Unternehmen,

che, die oft durch Erbschaft und ohne jede

sche Millionenerbin Marlene Engelhorn

denen Kapital zur Verfügung gestellt

Leistung zu riesigen Vermögen gekom-

trennte er sich vom Großteil seines Ver-

wird, befinden sich in Verantwortungs-

men sind, sollen sich natürlich in Form

mögens, wenn auch anders und weni-

eigentum. Klein erklärt diese Form an-

fairer Steuern am Gemeinwesen beteili-

ger radikal. Die Erbin aus dem BASF- und

hand von Karma Capital, das ebenfalls in

gen. Wer sich mit allen Mitteln dagegen

Böhringer-Mannheim-Imperium spen-

Verantwortungseigentum geführt wird:

wehrt, ist geizig und gierig.“

dete 2024 fast 25 Millionen Euro ihres

„Karma Capital ist nicht meine Firma.

Er selbst könne nicht genießen, reich

Erbes über einen Bürgerrat an gemein-

Das Unternehmen gehört sich selbst und

zu sein, während so viele Menschen arm

nützige Organisationen. Klein steckte 90

wird treuhänderisch von den Menschen

seien. Dabei hält sich Klein sogar für ego-

Prozent seines Vermögens in eigene Un-

geführt, die dort arbeiten. So kann si-

istisch: „Ich glaube, dass ich in zwanzig

ternehmen, die das aktuelle Wirtschafts-

chergestellt werden, dass das Unterneh-

Jahren ein besseres Leben haben werde,

und Finanzsystem fairer machen sollen,

men dauerhaft dem Gemeinwohl ver-

wenn ich jetzt auf Geld verzichte und es

vor allem in die gemeinnützige Invest-

pflichtet bleibt.“

dafür einsetze, dass die Gesellschaft eine

ment-Holding Karma Capital, die mit

bessere wird.“

philanthropischem und Impact-Kapital

Von Neid zu Gier und Geiz

regenerativ wirtschaftende Unterneh-

Zweites Tätigkeitsfeld ist die Unterstüt-

men fördert, die laut eigener Aussage zur

zung gemeinwohlorientierter Medien-

Lösung gesellschaftlicher Probleme bei-

unternehmen. Karma Capital gründete

tragen.

% Meine grüne Rendite

Sebastian Klein hat für sich erkannt:

etwa den Media Forward Fund mit, der

Echte Rendite entsteht nicht durch An-

Karma Capital finanziert etwa ei-

seit 2024 gemeinwohlorientierte Medien

häufen, sondern durch Teilen und Ge-

nen nachhaltigen Mobilfunkanbieter,

im DACH-Raum fördert. Klein betreibt

stalten. —

124


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RECYCLING. Batterien enthalten Rohstoffe, die wiederverwertet werden können.


INNOVATION / KREISLAUFWIRTSCHAFT

#START-UPS

Ideen gegen die Verschwendung Börsianer Grün hat sechs Unternehmen ­ausgewählt, die im Kleinen vorzeigen, wie die Kreislaufwirtschaft in Zukunft funktionieren kann.

Text: Thomas Müller

E

Erzeugen, importieren, verkaufen und

davon kommt via Recycling wieder in die

nach Gebrauch wieder entsorgen. Am

Produktion zurück. Solchen verschwen-

besten möglichst weit weg in Rich-

derischen Systemen setzen viele kleine

tung Süden. So hat sich das globalisier-

und innovative Unternehmen die Kreis-

te Wirtschaftssystem nach dem Zweiten

laufwirtschaft entgegen, die sich an der

Weltkrieg allmählich eingespielt und

Natur ein Beispiel nimmt.

wurde immer weiter hochskaliert. Das Ergebnis waren mehr Wohlstand, aber

Natur stabiler als Lieferkette

auch Abhängigkeit von Diktaturen aller

Denn dort gibt es so etwas wie Abfall

Art, fragile Lieferketten zwischen den

nicht, alles wird nach dem Ende des Le-

Kontinenten und Umweltschäden durch

benszyklus wieder in den natürlichen

den

Ressourcenverbrauch

Kreislauf zurückgeführt. Auch die Euro-

sowie riesige Abfallberge. Eine beson-

päische Kommission hat das Thema auf-

ders perverse Ausformung hat das etwa

gegriffen und bereits 2020 den Circular

in der Modebranche angenommen, wo

Economy Action Plan (CEAP) beschlos-

die Ultra-Fast-Fashion-Anbieter immer

sen, der Teil des European Green Deal

schneller ihre Modelle auf den Markt

ist. In welchen – teilweise überraschen-

bringen, die aber nach wenigen Mona-

den – Nischen die Zukunft dem Kreislauf

ten von den Kunden nicht mehr getra-

gehören könnte, beschreibt der Börsia-

gen und schließlich entsorgt werden.

ner Grün anhand einer kleinen Auswahl

Für den Secondhandhandel sind die-

an Praxisfällen. Jedes Beispiel zeigt, dass

se Produkte zu minderwertig gefertigt.

unser aktueller Ressourcenverbrauch

Und so fallen laut dem UN-Umweltpro-

kein Naturgesetz ist. Am Ende stellt sich

gramm jedes Jahr 92 Millionen Tonnen

der Kreislauf womöglich auch als stabi-

Textilabfälle an. Weniger als ein Prozent

ler heraus als die globale Lieferkette.

immensen

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MATR

TRACELESS

»Wir legen großen Wert auf faire Arbeits­ bedingungen.«

»Wir wollen mit gesunden und sicheren Industriearbeits­ plätzen vorangehen.«

Michaela Stephen, Gründerin Matr

­Anne Lamp, Gründerin Traceless

Land: Österreich Gründungsjahr: 2022 Mitarbeitende: 4 Ressourcenvorteil: 40 % weniger CO2-Emissionen als bei konventionellen Matratzen

Land: Deutschland Gründungsjahr: 2020 Mitarbeitende: 70 Ressourcenvorteil: 90 % weniger CO2-Emissionen als bei konventionellen Neukunstoffen

Die Matratze, die im Kreis geht

Das Bioplastik, das keine Spuren hinterlässt

Alle zehn Jahre sollten Matratzen erneuert werden. In der Ho-

Die schädlichen Folgen von erdölbasierten Kunststoffen in der

tellerie ist dieser Zyklus noch kürzer, und so werden in der EU

Natur sind bekannt. Mikroplastikpartikel sind praktisch über-

jedes Jahr acht Millionen neue Matratzen von Beherbergungs-

all auf der Welt nachweisbar, auch im menschlichen Körper.

betrieben angeschafft. Michaela Stephen und Verena Judmay-

Die Verfahrensingenieurin Anne Lamp will diese problemati-

er wollten dem großen Wegschmeißen ein Ende machen und

schen Stoffe mit Biokunststoffen ersetzen und hat 2020 ge-

gründeten 2022 das Wiener Start-up Matr. Das Ziel war zu-

meinsam mit der Unternehmensberaterin Johanna Baare das

nächst, eine Matratze zu entwickeln, deren Bestandteile ge-

Start-up Traceless gegründet. Die Grundlage bildet eine von

trennt und recycelt werden können. Hotels bekommen dar­

Lamp entwickelte neuartige Verfahrenstechnik zur Erzeu-

über hinaus eine „Mattress as a service“ angeboten. Dabei

gung von Naturpolymeren aus Pflanzenresten. Aus Getreide-

handelt es sich um ein Servicepaket, das Finanzierung, Zerti-

abfällen wird auf diese Weise ein Biogranulat hergestellt, das

fizierung und Rücknahme alter Matratzen umfasst. „Dank un-

zu verschiedenen Biokunststoffprodukten verarbeitet werden

seres modularen Designs, dem Einsatz von zum Teil bereits re-

kann. Nach einer erfolgreichen Finanzierungsrunde über 36,6

cycelten und durchwegs recycelbaren Materialien ermöglichen

Millionen Euro konnte 2024 mit dem Bau einer großtechni-

wir eine einfache Rückführung der Materialien zur Reparatur,

schen Produktionsanlage in Hamburg begonnen werden, die

Wiederaufbereitung oder zum Recycling“, erklärt Mitgründe-

noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen soll.

rin Michaela Stephen. So werden fossile Rohstoffe ersetzt.

Diversität in der Chemieindustrie Transparenz in der Kette

Das Traceless-Granulat stellt keine Konkurrenz zur Nahrungs-

„Wir legen großen Wert auf faire Arbeitsbedingungen und

mittelproduktion dar wie etwa Folien aus Maisstärke. Den An-

langfristige Beziehungen mit unseren Zulieferern. Wir koope-

spruch, die Welt zu verbessern, verfolgen die beiden Gründe-

rieren unter anderem mit Ecovadis-zertifizierten Partnern.

rinnen auch im eigenen Unternehmen und legen Wert auf Di-

Die Ergebnisse werden permanent evaluiert“, sagt Stephen.

versität. „Wir wollen fördern, die technische Berufe ergreifen

Für Kunden werden spezifische Informationen mittels digi-

wollen“, sagt Lamp. „Außerdem ist es unser Ziel, in der sehr

taler Produktpässe auf jeder Matratze transparent gemacht.

konventionell geprägten Chemieindustrie mit gesunden und

In Entwicklung ist nicht nur der Recyclingprozess, sondern

sicheren Industriearbeitsplätzen voranzugehen.“ Für die Zu-

auch die Geschäftsmodelle, wie etwa ein zirkuläres „Pay-per-

kunft ist der nächste Meilenstein für die Erfinderin schon klar

Use“-Modell, das die Einstiegshürde für künftige Kunden sen-

definiert: „In den kommenden zehn Jahren wollen wir rund

ken soll. Das langfristige Ziel: „Die erste vollständig zirkulä-

eine Million Tonnen Traceless-Material produzieren.“ Dazu

re Matratzenlösung für die Hotelbranche in Europa zu eta­

soll eine weitere, noch viel größere Anlage errichtet werden,

blieren.“

die die volle Industrieskalierung erreicht.

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2ND CYCLE FLEXCO

UPGRAIN

»Durch unseren hohen Automatisierungsgrad entlasten wir die Mitarbeitenden.«

»Wir verwandeln n ­ährstoffreiche Nebenströme in hochwertige Lebensmittelzutaten.«

Simon Prüller, CEO 2nd CycleFlexco

Vincent Vida, Gründer Upgrain

Land: Österreich Gründungsjahr: 2024 Mitarbeitende: 8 Ressourcenvorteil: 80 % weniger CO2-Verbrauch bei Se­ condLife-Modulen als bei Neuproduktion

Land: Schweiz Gründungsjahr: 2021 Mitarbeitende: 12 Ressourcenvorteil: 5.500 Tonnen CO2-Emissionen weniger pro Jahr

Ein zweites Mal der Sonne entgegen

Upcycling von Bierrückständen

Was passiert mit ausgedienten Photovoltaik-Paneelen? Schon

Hopfen, Gerstenmalz und Wasser sind die Grundzutaten beim

heute werden alte Paneele gegen neue, effizientere getauscht,

Bierbrauen. Damit wird aber nicht nur Bier hergestellt. Es blei-

um die Ausbeute zu steigern. Das niederösterreichische Start-

ben auch feste Rückstände, die unter dem Begriff Biertreber

up 2nd Cycle Flexco hat sich dieser Zukunftsfrage gestellt und

bekannt sind. Dieser kann als Tierfutter verwendet werden

einen Prozess entwickelt, der den ausgedienten Solarzellen

oder als Zusatzstoff beim Brotbacken. Aber es sind auch wert-

ein zweites Leben geben soll. Erst 2024 gegründet, arbeitet

vollere Endprodukte möglich. Das Schweizer Start-up Upgrain

das interdisziplinäre Team an einer Pilotanlage in Amstetten,

hat sich der Veredelung der Biertreber verschrieben und dafür

die sich derzeit in der Testphase befindet. Wichtige Vorarbeit

ein neuartiges Verfahren entwickelt. Die dafür gemeinsam mit

wurde von den Gründern Simon Prüller und Gerald Eichler be-

der Appenzeller Brauerei Locher errichtete Aufbereitungsan-

reits seit 2021 mit der Vorgängerfirma Getronix geleistet. Am

lage, die größte Europas, kann jährlich rund 4.000 Tonnen

Ende soll ein vollautomatisierter und skalierbarer Prozess ste-

Treber verarbeiten. Die Endprodukte dienen als Mehl­ersatz,

hen, der die PV-Module wieder zur Nutzung aufbereitet oder

zur Texturverbesserung in Backwaren und für die Erzeugung

zum Recycling der Rohstoffe in seine Einzelteile zerlegt. „Der-

von Fleischersatzprodukten.

zeit arbeiten wir an mehreren Kernkomponenten unserer Anlage, etwa an einer automatisierten Nassreinigungseinheit,

Verschwendung vermeiden

die Vor­aussetzung für präzise Prüfverfahren ist“, sagt CEO

„Bis 2030 wollen wir zehn solcher Anlagen in Betrieb neh-

Prüller über den Status quo. Bei der Gründung der 2nd Cyc-

men“, stellt CEO Vincent Vida in Aussicht. „Wir verwandeln

le Flexco waren bereits die Investoren Müller-Guttenbrunn

nährstoffreiche Nebenströme in hochwertige Lebensmittel-

Group und Michael Altrichter mit an Bord.

zutaten, bevor sie ungenutzt entsorgt werden.“ Ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Ernährungssystem, das allen zugu-

Sichere Technologie-Arbeitsplätze

tekommt, sei auch der soziale Impact des Food-Upcyclings.

„Der soziale Aspekt spielt für uns eine wichtige Rolle“, sagt

Derzeit wird an der Standardisierung der Technologie gearbei-

Prüller zur regionalen Wirkung des Unternehmens. „Durch

tet, um die Anlagen effizient skalieren zu können. „Gleich-

unseren hohen Automatisierungsgrad entlasten wir die Mitar-

zeitig entwickeln wir neue Rezepte und Anwendungsbeispiele,

beitenden physisch und ermöglichen qualifizierte, technolo-

um unseren Kunden individuelle Lösungen anzubieten“, er-

giegestützte Arbeitsplätze, auch für Quereinsteigerinnen und

klärt Vida. Getestet wurden Rezepte für Brote, Brezel, Focac-

Quereinsteiger.“ Die langfristige Perspektive: Mit dem ge-

cia, Brioche, Pasta, Süßbackwaren und Fleischersatz. Mit Ein-

planten Rollout der Technologie in Europa könnten laut dem

zelhändlern wie Coop oder Lebensmittelherstellern unterhält

CEO bis 2030 jährlich PV-Module mit einem Gewicht von über

Upgrain Partnerschaften für die Produktentwicklung. Zuletzt

150.000 Tonnen ein zweites Leben bekommen.

freute man sich über den Swiss Sustainability Impact Award.

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WORN AGAIN TECHNOLOGIES

PROTECTLIB

»Wir wollen den Kreislauf von entsorgten Textilien und der Neuproduktion schließen.«

»Wir planen, in unserer Anlage einige Hundert Tonnen Batterien pro Jahr zu verarbeiten.«

Cyndi Rhoades, Gründerin Worn Again

Tobias Kopp, Mitgründer Protectlib

Land: Großbritannien/Schweiz Gründungsjahr: 2005 Mitarbeitende: 21 Ressourcenvorteil: 75 % weniger Energieverbrauch bei recycelten Textilen

Land: Österreich Gründungsjahr: 2022 Mitarbeitende: 5 Ressourcenvorteil: Bis zu 95 % Rückgewinnung von Rohstoffen möglich

Faser für Faser die Modebranche umkrempeln

Das Batterierecycling von nebenan

Nichts weniger als die Textilbranche revolutionieren, das hat

Was das Speichern von Energie angeht, sind Lithium-Ionen-

sich Cyndi Rhoades, Gründerin des Start-ups Worn Again

Batterien (LIB) das Maß aller Dinge. Ob im Elektroauto, in der

Technologies in Nottingham, vorgenommen. Denn viele Mil-

Solaranlage als Zwischenspeicher oder im Smartphone. Ihre

lionen Tonnen an Altkleidung landen weltweit jedes Jahr in der

Herstellung verursacht allerdings Umweltschäden, und die

Deponie oder in der Müllverbrennung. 2005 wurde das Unter-

ausgedienten Batterien stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Bei

nehmen zunächst als Social Business in der Upcyclingnische

letzterem Problem setzt das Start-up Protectlib an, ein Spin-

gegründet.

off der Universität Graz.

2012 schlug Worn Again dann eine neue, grundlegendere

„Lithium-Ionen-Batterien sind so lange gefährlich, wie

Richtung ein: Das entsorgte Material soll mechanisch und che-

sie sich in ihrem ursprünglichen Zustand befinden oder wenn

misch in seine Bestandteile zerlegt und entfärbt werden, damit

sie schadhaft sind“, erklärt Mitgründer Tobias Kopp. Darum

komplett neue Rohstoffe entstehen. Die Technologie dafür und

hat Protectlib ein Verfahren entwickelt und patentiert, mit

eine Versuchsanlage mussten in jahrelanger Forschungsarbeit

dem die Batterien deaktiviert und damit „entschärft“ werden,

und mithilfe einiger Finanzierungsrunden erst entwickelt wer-

ohne diese zerlegen zu müssen. Danach können aus dem Inne-

den. 2024 meldete das Unternehmen schließlich einen Durch-

ren der Batterie die Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Kupfer

bruch beim sogenannten Faser-zu-Faser-Recycling von Poly-

zurückgewonnen werden.

cotton-Textilien, also einer Mischung aus Baumwolle und Po-

Bisher geschieht das in riesigen Recyclinganlagen, was

lyester. Die so erzeugte Zellulose aus Baumwollfasern und das

auch lange Transportwege bedingt. Protectlib will das in einem

Polyester in Form von Pellets können wieder zu neuen Textilien

kleineren Maßstab und dezentral ermöglichen. Eine Pilotanla-

verarbeitet werden. „Unsere Rolle ist es, den Kreislauf von ent-

ge soll in den nächsten Monaten in Betrieb gehen. „Wir pla-

sorgten Textilien und der Neuproduktion zu schließen“, sagt

nen, in unserer Anlage einige Hundert Tonnen Batterien pro

Cyndi Rhoades.

Jahr zu verarbeiten“, sagt Tobias Kopp.

Lizenzen als langfristiges Ziel

Lizenzen als langfristiges Ziel

Gemeinsam mit den Technologiepartnern Sulzer AG und

Demnächst startet eine Finanzierungsrunde, um dafür die

Oerli­kon wurde in Winterthur in der Schweiz seit 2022 ein

Mittel aufzustellen. Wenn das Vorhaben gelingt, könnten

Industrie-Ökosystem für Textilrecycling aufgebaut. Hier soll

2040 bis zu 4.000 solcher Anlagen in ganz Europa stehen, ist

auch eine Demonstrationsanlage im industriellen Maßstab

Tobias Kopp zuversichtlich. Einen Erfolg konnte das Gründer-

entstehen. Das langfristige Ziel lautet aber nicht, selbst wei-

team bereits verbuchen: Für das Konzept wurde das Unterneh-

tere solcher Anlagen zu errichten, sondern weltweit Lizenzen

men im März mit dem österreichischen Gründungspreis Phö-

dafür an andere Unternehmen zu vergeben.

nix in der Kategorie Spin-off ausgezeichnet.

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Entgeltliche Einschaltung

bdo.at

FINANZIELLE RESILIENZ AUFBAUEN

DIE WICHTIGSTEN HEBEL ZUR LIQUIDITÄTSSICHERUNG IN KMU Verfügbares Geld bzw. Liquidität ist für

jedoch auch kurzfristige Strategien helfen, die

4. Verbesserung des Forderungsmanage-

Unternehmen wie die Luft zum Atmen.

Innenfinanzierungskraft zu steigern.

ments Auch ein effizientes Forderungsmanagement

Daher ist die Sicherstellung der Liquidität eine primäre und fortlaufende Aufgabe für

QUICK FIXES FÜR KMU

hilft, die Liquidität zu sichern. Unterneh-

Unternehmer:innen. Darüber hinaus gibt es

1. Working Capital Management

men sollten sicherstellen, dass Rechnungen

Stellschrauben, an denen kurzfristig gedreht

Ein effizientes Management des Working

zeitnah gestellt und Zahlungseingänge

werden kann, um finanziellen Druck abzu-

Capitals kann die Liquidität eines Unterneh-

überwacht werden. Maßnahmen wie Skonto-

mildern.

mens erheblich verbessern. Dazu gehören die

angebote können Kund:innen dazu motivie-

Optimierung der Zahlungskonditionen, das

ren, schneller zu zahlen, was die Liquidität

LANGFRISTIGE PERSPEKTIVE

Bestandsmanagement sowie das Manage-

verbessert.

In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist

ment von Warengruppen und Lieferant:innen.

es für kleine und mittelständische Unterneh-

Durch eine bessere Nutzung des eingesetzten

5. Optimierung der Lagerbestände

men (KMU) besonders wichtig, ihre Innen-

Kapitals können Unternehmen ihre Liquidität

Durch eine gezielte Bestandsoptimierung

finanzierungskraft zu stärken. Angesichts der

erhöhen und die Finanzierung eines anstehen-

können Unternehmen Kapital freisetzen, das

zunehmenden Restriktionen, die Unterneh-

den Wachstums sicherstellen.

in übermäßigen Lagerbeständen gebunden ist. Eine regelmäßige Überprüfung und Anpas-

men bei der Kapitalbeschaffung einschränken, wird der unabhängige Zugang zu Kapital

2. Kostenmanagement und Effizienzstei-

sung der Lagerbestände an die tatsächliche

immer wichtiger. Die unabhängigste Finanzie-

gerung

Nachfrage tragen dazu bei, die Lagerkosten zu

rung des Unternehmens erfolgt naturgemäß

Die Reduzierung von Betriebskosten und die

senken und die Liquidität zu erhöhen.

über die Erzielung von Gewinnen, die in guten

Steigerung der Effizienz sind entscheidende

Zeiten als Reserve angelegt werden können.

Faktoren. Unternehmen sollten regelmäßig

FAZIT

Allerdings muss das System „nachhaltige Ge-

ihre Kostenstrukturen überprüfen und nach

Die Stärkung der Innenfinanzierungskraft

winnerzielung“ kontinuierlich gemanagt und

Möglichkeiten suchen, Einsparungen zu er-

ist für KMU entscheidend, um finanzielle

gegebenenfalls nachjustiert werden. „Gerade

zielen, ohne die Qualität oder Produktivität zu

Stabilität und Wachstum zu gewährleisten.

in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage

beeinträchtigen. Dies kann durch Prozessop-

Eine durchdachte und regelmäßig evaluierte

ist es wichtig, die bisherigen Strategien zu

timierungen, Automatisierung und bessere

strategische Ausrichtung bildet dafür die

hinterfragen: Ist unsere Marktposition noch

Ressourcennutzung erreicht werden.

Basis. Diese kann durch Einzelmaßnahmen

sicher? Wie können wir neue Kund:innen

ergänzt werden, deren Umsetzung auch mit

gewinnen? Sind unsere Preise attraktiv?“,

3. Gewinnthesaurierung

kürzerer Vorlaufzeit möglich ist, und die dazu

erklärt BDO Finanzexperte Christoph Erath.

Die Einbehaltung von Gewinnen ist eine

beitragen, die Liquidität des Unternehmens

„Abwarten bis der Sturm vorüber ist, ist in

direkte Methode zur Stärkung der Innenfi-

zu verbessern. So können nicht nur die ope-

jedem Fall der falsche Weg. Nutzen Sie die

nanzierungskraft. Anstatt Gewinne auszu-

rativen Tätigkeiten aufrechterhalten, sondern

Krise für eine Bewertung und, falls nötig, für

schütten, können Unternehmer:innen diese

auch notwendige Investitionen getätigt wer-

eine Neuausrichtung.“

reinvestieren, um zukünftiges Wachstum zu

den, um den langfristigen Fortbestand und

Neben dieser ureigensten und je nach Bran-

finanzieren. Dies erhöht das Eigenkapital und

die Weiterentwicklung des Unternehmens zu

che und Unternehmensgröße individuellen

verbessert die finanzielle Stabilität.

sichern.

Aufgabe von Unternehmer:innen können

#MehrWert

KONTAKT CHRISTOPH ERATH Senior Manager +43 5 70 375 - 6009 christoph.erath@bdo.at

BDO Austria GmbH QBC 4 – Am Belvedere 4 1100 Wien


OMNIBUS-VERORDNUNG

Kurskorrektur oder Rückschritt? Text: Daniel Nutz

Weniger Pflichten will die EU-Kommission mit der Omnibus-Verordnung zur Reform CSRD, CSDDD und Taxonomie den Unternehmen auferlegen. Im Applaus schwingt die Sorge um die Glaubwürdigkeit des Green Deals mit.

EU-VORSCHLAG. Mit dem Omnibus-Paket soll die Nachhaltigkeitsberichtserstattung erleichtert werden. Das Parlament, die Kommission und Mitgliedsstaaten diskutieren gerade diesen Plan.


XXX / XXX

Z

Zumindest in einem Punkt gaben sich die

der mehrere Nachhaltigkeitsvorgaben

besondere bei der Berichtspflicht, sagt

junge grüne EU-Parlaments-Abgeord-

– wie CSRD, CSDDD und die Taxonomie

auch Sebastian Heinzel, CEO des Pa-

nete und Umweltaktivistin Lena Schil-

– vereinfachen, entschlacken und teil-

pier- und Zellstoffproduzenten Heinzel

ling und die konservative Ex-EU-Finanz-

weise zeitlich verschieben soll, durch die

Group: „Die umfangreichen CSRD-Be-

kommissarin Mairead McGuinness bei ei-

Köpfe der Wirtschaft. Die Maßnahmen –

richtspflichten haben unsere Ressourcen

ner Veranstaltung des Europäischen Fo-

die wichtigsten sind im Kasten zusam-

stark beansprucht und uns von der ei-

rum Alpbach Ende Februar in Wien einig:

mengefasst – sind wohlgemerkt ein Vor-

gentlichen Umsetzung der grünen Trans-

Die grüne Transformation müsse weiter-

schlag der Kommission. In den kommen-

formation abgehalten. Die Heinzel Group

gehen. Sie sei kein Hindernis, sondern

den Monaten wird darüber noch zwischen

begrüßt daher die geplante Fokussierung

fördere Wettbewerbsfähigkeit. Über den

Lobbyisten aus allen Bereichen, dem EU-

auf wesentliche Themen.“

Weg dorthin gibt es allerdings verschie-

Parlament und natürlich den im Rat ver-

Doch es gibt auch Kritik an den geplan-

dene Ansichten. Da zeigt sich McGuin-

tretenen Nationalstaaten diskutiert – und

ten Omnibus-Maßnahmen. Denn gerade

ness durchaus selbstkritisch: „Wir haben

gestritten – werden.

bei KMU-Vorzeigebetrieben, die bereits

den Fehler gemacht, den EU Green Deal

Begrüßt werden die Maßnahmen von

jetzt freiwillig reporten, macht sich Un-

als leichtes Unterfangen zu beschreiben.“

großen Teilen der Industrie und des Han-

mut über die großzügigen Komplettaus-

Diesen Fehler wollen McGuinness’ Nach-

dels. „Eine Vereinfachung, Harmonisie-

nahmen breit. „Wir begrüßen auch die

folger in der EU-Kommission nun ausbü-

rung und Verschlankung der Berichts-

Bemühungen, bürokratische Hürden ab-

geln – durch eine Vereinfachung und teil-

und Sorgfaltspflichten ist dringend nö-

zubauen – dafür gäbe es genügend Poten-

weise Reduzierung der Berichtspflichten.

tig“, erklärt Alexander von Preen, Prä-

zial in Form von Kürzungen bei einzelnen

Seither fährt die Omnibus-Verord-

sident des Handelsverbands Deutsch-

Datenpunkten der ESRS und der Taxono-

nung als Vorschlag der EU-Kommission,

land (HDE). Vereinfachung sei gut – ins-

mie. Mit der vorgeschlagenen Reduktion

Info

BERICHTSPFLICHTEN UND TAXONOMIE – WAS JETZT GELTEN SOLL

FOTO: EUROPEAN UNION 2025

CSRD-Berichtspflicht – Anhebung der Schwellenwerte: Berichtspflicht ab 1.000 Mitarbeitende und >50 Mio. € Umsatz oder >25 Mio. € Bilanzsumme – Verkleinerung des Anwenderkreises: Viele Unternehmen fallen künftig aus der Pflicht – Verschiebung der Fristen: Zweite und dritte Welle auf 2028 verschoben – Betroffene: Große, nichtkapitalmarktorientierte Unternehmen (ursprünglich 2026) und börsennotierte KMUs (ursprünglich 2027) ESRS (European Sustainability Reporting Standards) – Reduktion der Datenpunkte um 25 % – Streichung sektorspezifischer Standards und des Standards zur Prüfsicherheit – Einführung eines freiwilligen Berichtsstandards (VSME) für KMUs – Ziel: Trickle-down-Effekt vermeiden – KMUs sollen nur relevante Daten liefern CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) – Reduktion der Überwachungspflichten: Nur noch alle fünf Jahre statt jährlich – Anlassbezogene Überprüfungen bleiben verpflichtend

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REGULATORIK / PRO & CONTRA

des Anwenderkreises um 80 Prozent wird allerdings ein Großteil der Unternehmen, so auch wir, aus der Berichtspflicht entlassen. Damit wird der ursprüngliche Zweck der CSRD – nämlich Nachhaltigkeit strategisch als festen Bestandteil unternehmerischen Handelns zu etablieren – gänzlich verfehlt“, erklärt Alexander Hochauer, Finanzvorstand von Windkraft Simonsfeld gegenüber Börsianer Grün. Eine Verwässerung der Standards kritisiert auch die grüne EU-Parlamentarie-

»Werden so die Kinderarbeit nicht aus der Welt schaffen.« Lena Schilling

rin Lena Schilling, insbesondere was die Lieferkettenrichtlinie betrifft: „Wir hatten das Ziel, Kinderarbeit in der Welt zu beseitigen. Das wird uns so nicht gelingen.“ Die Ex-Kommissarin McGuinness versucht klarzustellen: „Mit den geplanten Erleichterungen werden wir nicht das

»Der Green Deal ist kein leichtes Unterfangen.« Mairead McGuinness

Kind mit dem Bade ausschütten.“ Was für und was gegen die geplanten OmnibusMaßnahmen spricht, haben wir im folgenden Pro & Contra abgefragt.

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PRO

CONTRA

»Vorschläge sind jedoch nicht ehrgeizig genug.«

»Glaubwürdige Politik muss schnell und konsequent in Klimafragen handeln.«

Uta-Bettina von Altenbockum Deutsches Aktieninstitut

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung

Schritt in richtige Richtung

Nachhaltigkeit im Rückwärtsgang

Angesichts der großen Kritik an den zu komplexen, granula-

Die Europäische Kommission veröffentlichte ihren Vorschlag

ren und bürokratischen Nachhaltigkeitsberichtspflichten für

für das sogenannte Omnibus-Paket zur Änderung der CSRD-

Unternehmen hat die EU-Kommission diese auf den Prüf-

Richtlinie. Damit entfällt die Verpflichtung zur Nachhaltig-

stand gestellt. Der Omnibus-Vorschlag zur Straffung und

keitsberichterstattung für rund 2.000 Unternehmen in Öster-

Vereinfachung der Corporate Sustainability Reporting Direc-

reich, die das Doppelkriterium von mehr als 1.000 Mitarbei-

tive (CSRD), der Corporate Sustainability Due Diligence Direc-

tenden und einem Jahresumsatz über 50 Millionen Euro bzw.

tive und der EU-Taxonomie-Verordnung geht in die richtige

einer Bilanzsumme über 25 Millionen Euro nicht erfüllen.

Richtung.

Der Hauptgrund für diese Änderung liegt in der massiven

Viele kleinere Unternehmen werden von der Berichtspflicht

Kritik seitens der Wirtschaft am bürokratischen Aufwand und

nach CSRD und EU-Taxonomie befreit. Für große börsenno-

an der Komplexität der Berichtspflichten. Auch ich habe den

tierte Unternehmen sind die Vorschläge jedoch nicht ehrgei-

Umfang der Berichtspflicht als überzogen empfunden. Trotz-

zig genug. Die angekündigte Reduzierung der rund 1.100 Da-

dem ist die Entscheidung der EU-Kommission ein zweifelhaf-

tenpunkte der European Sustainability Reporting Standards

tes Signal für die Umwelt. Damit entfernt man sich vom Pa-

(ESRS) um 25 Prozent reicht nicht aus. Sinnvoll wäre es, die

riser Klimavertrag, der die Begrenzung der CO2-Emissionen

ESRS durch den um 500 Datenpunkte schlankeren Standard

zum Ziel hat.

für börsennotierte KMUs (LSME) zu ersetzen.

Dieses Beispiel zeigt, dass übermäßige Bürokratie sinnvolle

Für eine praxisgerechte, effiziente Berichterstattung wären

Zielsetzungen sogar gefährden kann. Ein aktuell diskutierter

weitere Reduktionen notwendig. Um Doppelungen in der Be-

Kompromiss ist der VSME-Standard, ein freiwilliger Berichts-

richterstattung international tätiger Unternehmen zu vermei-

standard für kleine und mittlere Unternehmen.

den, sollte es die EU-Kommission außerdem erlauben, bei der

Eine glaubwürdige Politik muss schnell und konsequent

Klimaberichterstattung den internationalen Standard IFRS S2

in Klimafragen handeln – auch aus Verantwortung gegen-

zu verwenden. Ein weiterer Entlastungsschritt wäre die Ab-

über künftigen Generationen. Nachhaltiges Wirtschaften und

schaffung der elektronischen Kennzeichnungspflicht von Fi-

nichtfinanzielle Berichterstattung stehen keineswegs im Wi-

nanz- und Nachhaltigkeitsinformationen, da sie keinen echten

derspruch zu wirtschaftlichem Erfolg. Auch wenn wir als Ös-

Mehrwert für Investoren bietet, aber mit hohem Aufwand und

terreichische Hagelversicherung künftig nicht mehr zur Be-

Kosten verbunden ist – zumal KI heutzutage viele Informatio-

richterstattung verpflichtet sind, prüfen wir derzeit freiwillige

nen direkt aus PDFs extrahieren kann.

Maßnahmen – auch auf Basis des VSME-Standards.

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COMMUNITY / CHALLENGE

#BÖRSIANER4BIODIVERSITY

Gemeinsam ein Zeichen setzen

B

Bereits mehr als 500 Bäume konnten in den vergangenen Jahren durch das Engagement der Community gepflanzt wer-

Die Initiative #Börsianer4Biodiversity geht 2025 in die nächste Runde – und wieder war die Beteiligung großartig: Zahlreiche

den. Auch heuer setzen wir gemeinsam

Leser haben sich mit eindrucksvollen Tier- und Pflanzenfotos

ein starkes Zeichen für den Erhalt der Ar-

beteiligt, ob via LinkedIn, Twitter oder per Mail. Für jeden

tenvielfalt und den Klimaschutz. Die Ak-

Beitrag mit den Aktions-Hashtags #Börsianer4Biodiversity und

tion wurde wie immer in Kooperation mit Primaklima umgesetzt. Wir bedanken uns herzlich für die zahlreichen Einsendungen – die schönsten Schnappschüsse des Jahres ha-

#Climate­-Action sowie für jede Anzeigenbuchung pflanzen wir einen Baum – und lassen so gemeinsam den Börsianer-Wald weiterwachsen.

ben wir auf den nächsten Seiten für Sie zusammengestellt. Viel Freude beim Durchblättern!

MONIKA MANTLER Bin wieder dabei. #Baumpflanzchallenge. Mein Beitrag zu #Börsianer4Biodiversity befindet sich vor meiner Haustür, und das mitten in Wien. Coole Initiative, schöne Bilder. #ClimateAction

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KARIN SCHMIDT-MITSCHER Kirschblüte aktuell in Japan! #Börsianer4Biodiversity #ClimateAction #börsianer

MICHAELA BUTTAZZONI Gerne mache ich bei #Börsianer4Biodiversity mit und poste eine wunderschöne Blüte. #ClimateAction. Für jeden Beitrag wird ein Baum gepflanzt. Mein Beitrag: die besonders schöne Kirschblüte/Prunus. Macht mit - für einen grünen Zweck!


COMMUNITY / CHALLENGE

NADJA PETZEVA-KROLL Ich freue mich jedes Jahr auf diese tolle Aktion vom #Börsianer Team und poste wieder meinen Lieblingsbaum.

ANDREA PELINKA-KINZ Nicht nur weil wir in der Raiffeisen Bausparkasse Gesellschaft m.b.H. im Rahmen von Corporate Volunteerings auch anderen helfen, Biodiversität zu schützen, finden wir die #Börsianer4Biodiversity-Challenge richtig gut!

TANIA SCHUELLER Wenn die Natur ihren schönsten Farbton erschafft, dann spielt es keine Rolle, wie winzig diese Blume ist. Sie hinterlässt einen Eindruck und heißt nicht ohne Grund Vergissmeinnicht! Eine tolle Initiative #Börsianer4Biodiversity & #Climate­ Action vom „Börsianer“, und ich freue mich über jeden weiteren Baum.

ELISABETH LUCIUS Alle Jahre gerne wieder Teil dieser tollen Aktion von „Börsianer“. Vielen lieben Dank fürs Bäumepflanzen. Unterstütze gerne mit einem Beitrag aus Down Under. Tequila, ein Yellow Lorikeet, befand, dass mein Kopf der ideale Platz zum Nestbau sei ... no comment!

JÖRG MAYR Sehr gerne unterstütze ich die „Börsianer“-Aktion und freue mich, dass ein Baum gepflanzt wird!

MONIKA ROSEN-PHILIPP Auf den letzten Drücker darf ich noch mitmachen bei der Aktion #Börsianer4Biodiversity ... Im Bild die Gärten am Hafen von Palma de Mallorca ... Vielen Dank für diese tolle Aktion.

DANIELA HEILINGER Frühling bedeutet Erneuerung. Lassen wir negative Erfahrungen zurück. #Neustart #Börsianer4Biodiversity #ClimateAction #BDO

KARIN LENHARD #Börsianer4Biodiversity & #ClimateAction Wunderbare Aktion, bei der ich jedes Jahr gerne mitmache – heuer mit einem Ausblick auf den ­ wunderschönen Fjord von Tromsø.

TANJA TRATTNIG #Börsianer4Biodiversity #ClimateAction Gerne trage ich dazu bei den „Börsianer“-Wald weiterwachsen zu lassen. Für jeden Beitrag pflanzt der „Börsianer“ einen Baum. Heute ist der letzte Tag zum Mitmachen.

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COMMUNITY / CHALLENGE

ALEXANDRA FRANIA Same procedure as every year. Die #Börsianer4Biodiversity-Challenge ist jedes Jahr ein Highlight im Frühlings­ kalender. Und heuer darf es wieder meine Coco (mit ihrem Lieblingsspielzeug) im eigenen Garten sein – mitten im blühenden Löwenzahn. Vielen Dank an „Börsianer“ fürs Baumpflanzen und diese tolle Aktion.

MIKE JUDITH Auch aus Luxemburg und Bonn erreichen Euch herzliche, frühlingshafte Grüße, liebe Börsianer. Bis ganz bald! Auf dass die TEQ-Capital-Investoren der Chefredaktion und im Team noch lange doppelt Grund zur Freude haben werden. #Börsianer4Biodiversity #ClimateAction

ERWIN HOF Deal! Ich habe soeben ein langfristiges Investment abgeschlossen. Und zwar wortwörtlich und 100 % nachhaltig. Wie jedes Jahr unterstütze ich auch dieses Jahr die „Börsianer“-Aktion.

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BEATRICE SCHOBESBERGER #Börsianer4Biodiversity My favorite … St. James’s Park London, few days ago. Danke für die Erinnerung, liebe Ingrid Krawarik!

ROLAND MITTERNDORFER Wir sind dabei bei #Börsianer4Biodiversity! Mit der Schwarzen Soldatenfliege als Verbündete bringen wir Nährstoffe aus organischen Reststoffen zurück in den Kreislauf – nachhaltig, effizient und im Einklang mit der Natur. Proteine, Fette, Dünger – 100 % natürlich, 0 % Verschwendung. Biotech trifft Biodiver­ sität – eine perfekte Symbiose! #REPLOID #EmpoweringCircularSolutions #waste2value #waste2grow

INES MATZELLE #börsianer4biodiversity #climateaction

ROBERT KARAS Erwin Hof hat mich dank seines Posts erinnert – letzter Tag der „Börsianer“ Aktion. Mein Foto vom Conero-Golfclub in Sirolo. Aufgenommen gestern. Ach, Frühling.

ANNA-LENA SCHEUTZ #Börsianer4Biodiversity #ClimateAction

KARINA METZDORF Oskar macht mit! Er pflanzt einen Baum. Oskar und ich unterstützen die Aktion des „Börsianer“. Für das Posten dieses Fotos, zusammen mit den Hashtags #Börsianer4Biodiversity und #ClimateAction, pflanzen die Börsianer einen Baum. Was du davon hast? Kurzfristig sendet dir Oskar eine Aufmunterung und langfristig: frische Luft. Danke, Erwin Hof!


© 2020 Renan Martelli da Rosa/Shutterstock

Ihr Partner für nachhaltiges Engagement Gute Gründe für Ihr Engagement: • Sie übernehmen Verantwortung und stärken das positive Image Ihres Unternehmens. • Gemeinsam Gutes tun weckt den Teamgeist und fördert Zufriedenheit und Motivation Ihrer Mitarbeitenden. • Wir unterstützen und beraten Sie individuell bei der Projektauswahl, Kommunikationskonzepten und Spendenaktionen. • Wir stellen Ihnen Bilder und Texte für die Kommunikation auf Ihrer Website, für Social Media sowie für Ihre Printmedien zur Verfügung. • Für den transparenten und seriösen Umgang mit Spendengeldern erhaltenwir seit 2003 jährlich das Österreichische Spendengütesiegel (OSGS 05127). Spenden an die Kindernothilfe Österreich sind seit 2009 steuerlich absetzbar. Wir beraten Sie gerne – persönlich und individuell Karin Piringer-Berl, MA 01/513 93 30-10 karin.piringer-berl@kindernothilfe.at

Kindernothilfe Österreich Dorotheergasse 18 1010 Wien

www.kindernothilfe.at

Corporate Social Responsibility: Ihr Unternehmen übernimmt Verantwortung! Mit der Einbindung von Corporate Social Responsibility (CSR) in Ihre Unternehmensstrategie senden Sie ein klares Signal für Ihr soziales Engagement und Ihre gesellschaftliche Verantwortung. Die Kindernothilfe setzt sich für die Erreichung wesentlicher SDGs ein. Lassen Sie uns gemeinsam aktiv an der Erreichung der Nachhaltigkeitsziele wirken!


COMMUNITY / MARKTGEZWITSCHER

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A1 TELEKOM AUSTRIA AG Beim Tag des Franchisings wurde nicht nur angepackt, sondern auch nachhaltig etwas bewirkt! Gemeinsam mit vielen helfenden Händen aus den A1-Franchise-Shops haben wir den wunderschönen Park der Sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Elfenhain auf Vordermann gebracht – von der Gartenarbeit bis hin zur Restauration der Möbel.

ALLIANZ SE Unser kürzlich veröffentlichter Jahresbericht 2024 fasst nicht nur unsere finanziellen, sondern auch unsere nichtfinanziellen Leistungen zusammen. Zum ersten Mal legen wir eine vollständig CSRD-konforme Nachhaltigkeitserklärung vor, und zwar mit genau der gleichen externen Prüfungssicherheit wie bei unseren Finanzberichten.

GLS BANK Wir lassen Taten sprechen! Christina Opitz, Vorständin der GLS Bank, sieht im Ergebnis der #Bilanzpressekonferenz der GLS Bank eine klare Botschaft: „Die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft hängt untrennbar mit der grünen Transformation zusammen. Mehr als eine Milliarde Euro Neukredite haben wir als älteste und größte nachhaltige Bank 2024 mit Wirkung vor allem in zwei Branchen vergeben: in erneuerbare Energien und Wohnen.“

VIENNA INSURANCE GROUP AG VIG-CEO Hartwig Löger und Personalleiterin Barbara Hohl zeigen sich stolz auf erhaltene Auszeichnungen! Es ist schön zu sehen, dass die harte Arbeit der Abteilung Human Resources sowohl von den Mitarbeitern der VIG Holding als auch durch externe Bewertungen anerkannt wird. Diese Erfolge spiegeln unser Engagement, unsere Motivation und unsere Serviceorientierung wider. Diese Auszeichnungen spornen uns an, unsere Arbeit fortzusetzen!

SIEMENS AG Tradition trifft Innovation: Das Hotel Hochschober hat seine Gebäudetechnik mit Siemens auf den neuesten Stand gebracht – für mehr Nachhaltigkeit und Komfort. Intelligente Heizungs-, Lüftungs- & Klimatechnik senkt den Energieverbrauch. Photovoltaik & Wärmepumpe liefern nachhaltige Energie. Siemens Desigo CC macht Energieflüsse sichtbar & optimierbar. Das Ergebnis: geringere Betriebskosten, weniger CO & zufriedene Gäste.


COMMUNITY / MARKTGEZWITSCHER

AMAG AUSTRIA METALL AG Was macht einen wirklich starken Arbeitgeber aus? Für uns ist das klar: Sicherheit, Entwicklung mit Perspektive, respektvolles Miteinander und ein Team, das zusammenhält. Im Rahmen der #OÖJobWeek haben wir genau das gezeigt - live vor Ort! Drei ausgebuchte Veranstaltungen in Ranshofen und in der HTL Braunau boten zahlreiche Möglichkeiten, die AMAG in Aktion zu erleben.

WIENERBERGER AG Wir haben wieder am #AustrianHealthDay 2025 teilgenommen. Powered by #AUVA bot das OnlineEvent inspirierende Keynotes, spannende Workshops und praktische Einblicke. Unsere MitarbeiterInnen konnten sich je nach Interesse flexibel an einzelnen Sessions beteiligen - und das taten sie auch und genossen gesunde Fruchtriegel.

ZUMTOBEL GROUP AG Unsere Vision in die Welt tragen: So sah das Team von Zumtobel Lighting in den 1950er-Jahren aus – auf dem Weg zur Hannover-Messe in Norddeutschland. Die Ausweitung des Exports ins benachbarte Ausland stand auf der Tagesordnung. Deshalb wurde in Lindau, Deutschland, direkt an der österreichischen Grenze eine Zumtobel-Tochtergesellschaft gegründet. Von hier aus wurde der größte europäische Lichtmarkt erschlossen. Bald folgten Reisen nach Übersee, und ein internationales Vertriebsnetz nahm Gestalt an.

HENKEL AG & CO. KGAA Neugierde, Kreativität und den Funken der Innovation wecken! Auch in diesem Jahr fand der #GirlsDay bei Henkel statt, bei dem rund 50 aufgeweckte junge Menschen die Welt der Technik und Wissenschaft erkunden konnten! Gleichzeitig veranstaltete Henkel dx seinen 2. #TechTeensDay, bei dem sich 80 junge Menschen mit Programmierung, Künstlicher Intelligenz und sozialen Medien beschäftigten.

COMMERZBANK AG Unser Programm „ESG-Zukunftsfinanzierung“ ist gestartet. Damit unterstützen wir insbesondere junge Unternehmen, die an der #Transformation der Realwirtschaft mitwirken. Um sich für das Programm qualifizieren zu können, muss ein Unternehmen einen messbaren Beitrag zur #Nachhaltigkeit leisten – wie auch in unserem ESG-Rahmenwerk bei den Verwendungszwecken beschrieben.

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COMMUNITY / MARKTGEZWITSCHER

AROUNDTOWN SA Die Frühlingssaison hat begonnen: Aroundtown eröffnet Wildbienen­ hotels. Seit mehreren Jahren setzt sich Aroundtown aktiv für den Erhalt der Artenvielfalt im urbanen Raum ein. Kürzlich hat Aroundtown an sieben Standorten in Berlin Wildbienenhotels eröffnet, unter anderem an unserem Firmensitz in Berlin-Tegel.

BASF AG Mit loopamid® bringen wir Textil­ recycling auf die nächste Stufe! Und jetzt bringen wir es auf kommerzielle Ebene mit der Inbetriebnahme der weltweit ersten kommerziellen loopamid®-Anlage am Standort Caojing in Schanghai, China. loopamid® ist recyceltes Polyamid 6, das vollständig auf Textilabfällen basiert. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bereitstellung nachhaltiger Produkte für die Textilindustrie.

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LENZING AG Unsere Kollegen unseres Produktionsstandorts Lenzing Thailand Co. (LTL) feierten „Songkran“ und machten es zu einem fröhlichen Tag für alle! Songkran ist das bekannteste und beliebteste Fest Thailands und markiert den Beginn des traditionellen thailändischen Neujahrs. Es ist mehr als ein lebhaftes Wasserfest, es ist ein sehr bedeutungsvoller Zeitpunkt im buddhistischen Kalender – ein Moment der Besinnung, Erneuerung und Verbindung mit der Familie und der Gemeinschaft.

EVN AG Um den steigenden Bedarf an umweltfreundlicher und regional erzeugter Wärme zu decken, errichten wir in Spillern eine neuen Biomasseanlage. Mit 5 Megawatt Leistung wird die Anlage voraussichtlich zur Heizsaison 2025/26 in Betrieb gehen und die Versorgungskapazität der Region erheblich erweitern. Für den Betrieb kommt ausschließlich Waldhackgut aus der Umgebung zum Einsatz, wodurch nicht nur die Umwelt, sondern auch die regionale Wirtschaft profitiert.

ERSTE GROUP BANK AG Große Lauffreude beim Vienna City Marathon! Mehr als 46.000 begeisterte Läuferinnen und Läufer nahmen am VCM teil und verwandelten die Straßen Wiens in eine Laufarena. Besonders stolz ist die Erste Group Bank AG, dass rund 1.000 Kolleginnen und Kollegen mitgemacht haben und die Vorstände den Staffellauf mit vollem Einsatz absolviert haben.


CORPORATE BANKING

WIR

READY FOR SUSTAINABILITY. Wir macht’s möglich. Wir stehen vor großen Herausforderungen. Und eines ist klar: nur wenn wir alle unseren Beitrag leisten, haben wir nachhaltigen Erfolg.

corporate-banking.business


JUBILÄUM / 10 JAHRE BÖRSIANER GRÜN

Grüne

Lang ist’s her. Vor zehn Jahren, im Mai 2015, erschien der Börsianer Grün zum ersten Mal. Damals fragten wir noch provokant: Was bringt’s? Während andere auf den Trend auf- und abgesprungen sind, bleiben wir als Early Adopters auf Schiene! Hier ein Überblick der Themenschwerpunkte der letzten Dekade.

DerBörsianer „Edition grün“, Ausgabe Nr. 08, Mai 2015

Wolfgang Eder ENERGIE-KLIMA-POLITIK

www.derboersianer.com ∙ Mai 2015 ∙ 12 Euro

Wolfgang Pinner PROBLEM GREEN WASHING

Helga Kromp-Kolb SYSTEMWIDERSTAND

Edition grün

e Umfrag E

ALTIG NACHH HAFT WIRTSC Z N A IN F

2015. „Eine Energie-

politik, die global immer weniger konkurrenzfähige Kosten verursacht, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie“, schrieb der damalige

VOM BIOTOP ZUM WELTOZEAN // 12 · NACHHALTIG? WERTHALTIG! // 22 HÜTER DES DATENSCHATZES // 28 · ZAHLENFRIEDHÖFE BEGRÜNEN // 32 MIT BRIEF UND GÜTESIEGEL // 42 · DIE GRÜNE RENDITE // 64 DIMENSIONEN: MENSCH, UMWELT UND WIRTSCHAFT // 72

Voestalpine-CEO Wolfgang Eder in einem Gastkom-

www.derboersianer.com

mentar für die erste Edition-grün-Ausgabe. Viel hat sich

Freihandelsabkommen TTIP: Fluch oder Segen? 78

nicht verändert.

BB BIOTECH AG 77 · CRIC 42 · DENKSTATT 32, 59 · ERSTE ASSET MANAGEMENT 23, 30, 40, 66 · GLOBAL 2000 73 · LACUNA AG 69, 76 · OEKB 42 · OEKOM RESEARCH 24, 59 · ÖGUT 42, 50 · OIKOCREDIT 48 · ÖKOWORLD AG 41 · PALFINGER AG 32 · PICTET ASSET MANAGEMENT 30, 52, 68 · RAIFFEISEN KAG 12, 53 · RESPACT 32 · RFU 54, 82 · ROBECOSAM AG 40, 51 · SCHELHAMMER & SCHATTERA AG 12, 49 · SCHOELLERBANK AG 68 · SIMACEK GROUP 47 · SONNENTOR 47 · STRABAG SE 54 · TELEKOM AUSTRIA AG 32, 42, 46, 54 · UNION INVESTMENT 41 · VBV VORSORGEKASSE AG 12, 50 · VOESTALPINE AG 17, 55 · WWF ÖSTERREICH 12, 48

144 Cover_DB.indd 1

20.05.15 08:14


JUBILÄUM / 10 JAHRE BÖRSIANER GRÜN

BÖRSIANER "EDITION GRÜN", AUSGABE NR. 26, MAI 18

Evolution NR. 26, MAI 2018 ∙ 12 EURO

EDITION GRÜN

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NACHHALTIGE FINANZWIRTSCHAFT

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KLIMAWANDEL RAUCHENDE KÖPFE RAUCHENDE KÖPFE

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2017. In der dritten Edition grün wurde das Thema Diversität von meh­ reren Seiten beleuchtet und die Vielfalt der börsennotierten Unternehmenskulturen hinterfragt. Das gilt noch immer: Unconscious Bias ist zeitlos.

2018. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen stehen bei Unternehmen plötzlich hoch im Kurs. Mit den 17 Sustainable Development Goals haben Konzerne plötzlich etwas zum Anhalten in Sachen Nachhaltigkeit.

2020. Die Covid-Pandemie stellt die Welt auf den Kopf und die Themen Gesundheit und Soziales ganz oben auf die Agenden. Der Umgang mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden wird eingehend geprüft.

2022. Krieg und Klima wetteifern miteinander. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verpasst dem Streben nach Nachhaltigkeit einen Dämpfer. Die CSRD-Richtlinie steht in den Startlöchern.

2023. Der Wettkampf um die Klimavorherrschaft ist in vollem Gang. Europa und die USA matchen sich, China arbeitet im Windschatten mit Hochdruck. Der Klimarat mahnt ein schnelleres Tempo bei der Transformation ein.

2024. Der Green Deal ist nur auf dem Papier auf Schiene, das Thema Kreislaufwirtschaft bekommt einen stärkeren Fokus. Und die Bürokratie beim Thema Nachhaltigkeit erstickt wichtige Pflänzchen und führt zu Unmut.

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SEITENBLICKE / INDEX

Unternehmen IN DIESER AUSGABE

IMPRESSUM / SERVICE

FIRMENINDEX

Herausgeber: Wayne Financial Media GmbH

2nd Cycle Flexco

129

Marvel Fusion

107

Active Niche Funds, Advisory Invest

72

Matr

128

Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

107

Allianz SE

25, 85

Alpla Group

48

McKinsey

64

Amag Austria Metall AG

111

Montagu

101

Amundi Austria

Morningstar

23

Aramea Asset Management

72

Munich Re

22

Austrian Power Grid

114

Murphy & Spitz

Baloise

83

Nordea

64

Northvolt

Bank J. Safra Sarasin Bawag Group AG

71, 72, 74

72 64, 65 104

89, 91

Nova Funds

72

110

Novartis AG

96

Bellevue AM, Blackrock IM

72

OECD

82

Blinkist

123

Ökoworld AG

69

BNP Paribas

66

Österreichische Hagelversicherung

135

Boston Consulting Group

90

Österreichs Energie

115

118

Porr AG

Bayernets

Brunello Cucinelli BRW Finanz Columbia Business School CSR Beratungsgesellschaft Denkfabrik Ember

72, 74 28 72, 75

41, 43

Potsdam-Institut für Klimaforschung

22

Previero

101

Protectlib

130

22

Raiffeisen Bank International AG

89, 90, 92

Deutsche Bank AG

90

Raiffeisen Capital Management

24, 25, 72

Deutsches Aktieninstitut

135

RFU

71

DNCA Finance

72

Roche

95

DWS

63

Rosa-Luxemburg-Stiftung

23

E-Control

112

Saint Gobain, Saubermacher

41

Empa, Envicore

43

Siemens Energy AG

Epsolutely

41

Solar Power Europe

EQT Ventures

107

Spängler Bank AG

Erste Asset Management Erste Group Bank AG

26, 27, 72

Stegra

25.107 24 53, 71, 72

Strabag SE

ESG Asset Management AG

52

Sustainalytics

25

ESG Plus

71

Swiss Re

81

FSN Capital

16, 133

Swiss Sustainable Finance

71

Swisscanto

Gas Connet Austria

110

Synhelion

45

Goldman Sachs AM

71, 72

TAG

110

72, 75

Grohmann&Weinrauter, Gutmann KAG

72

Traceless

128

Heidelberg Materials AG

43

UBS Asset Management

72

Heinrich-Böll-Stiftung

66

UNEP

Heinzel Group

133

Unicredit

Helvetia Versicherung Österreich

56

Unido

Hochtief AG

43

Uniqa Insurance Group AG

83

26, 42

Upgrain

129

IIASA

34

VanEck

Infineon

25

Voestalpine AG

JP Morgan IM

72

Volocopter

KBI Global Investors

66

Vonovia SE

KfW Capital

100, 104

Wellington Management Company

23 89, 91 18

Anzeigenverkauf: Miriam Haider, m.haider@boersianer.at; Luca Cerulla, j.cerulla@boersianer.at; Jakob Winkelbauer, j.winkelbauer@boersianer.at; Es gilt die Anzeigenpreisliste 2025; Compliance -Hinweis: Advertorials werden als „entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnet Marketing: Aurea Eichinger, Miriam Schwarz Daten- & Vertriebsservice: Änderungen von Kontaktdaten bitte an service@boersianer.at adressieren Verlag / Medieninhaber: Wayne Financial Media GmbH (FN: 399197 f, HG Wien), Bösendorferstraße 4 / 25, A-1010 Wien, Telefon: +43 (0) 1 920 523 4, Fax: +43 (0) 1 954 433 2, E-Mail: office@boersianer.at, Web: boersianer.at

WAYNE

61

Geschäftsführung: Valentina Stark Produktion: Grafik: Martin Jandrisevits, Titanweiß Werbeagentur GmbH; Lektor: Armin Baumgartner; Kursdaten: baha GmbH, keine Gewähr für die Richtigkeit der Daten; Aus Gründen der Textökonomie verzichten wir auf geschlechtsspezifische Formulierungen. Druckerei / Nachhaltigkeit: Das Magazin wurde nach Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens bei der Druckerei Ferdinand Berger und Söhne GmbH auf nachhaltigem Papier (Umschlag: Graukarton 250g, Kern: Furioso 90g) in einer Auflage von 20.000 Exemplaren gedruckt.

24, 25, 115 104 25 71, 72

Kommunalkredit Austria AG

116

Wiener Städtische

Lemanik Invest

72

Wienerberger AG

Lilium

103

Wifo

24

Linde AG

43

Worn Again Technologies 130

130

146

Korrespondenten: Deutschland / Düsseldorf: Oliver Stock Deutschland / Frankfurt: Peter Köhler Italien / Rom: Micaela Taroni Schweiz / Zürich: Daniel Zulauf

41, 43

99

Holcim AG

Redaktion: Irmgard Kischko, Julia Kistner, Raja Korinek, Martin Kwauka (Chefkommentator), Thomas Müller, Alexandra Rotter, Robert Winter

30

92

EU-Kommission

Chefredaktion Ingrid Krawarik, i.krawarik@boersianer.at; Daniel Nutz, d.nutz@boersianer.at

83 41, 43

Unbenannt-1 1

Das Österreichische Umweltzeichen für Druckerzeugnisse, UZ 24, UW 686 Ferdinand Berger & Söhne GmbH.

07.07.2009 13:28:58


Pro

KAPITALMARKT!

Pro Kapitalmarkt. Egal wie die Würfel fallen. Die Wirtschaftswissenschaften belegen, dass ein fitter Finanzplatz ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum einer Volkswirtschaft ist. Ein handlungsfähiger Kapitalmarkt generiert Einkommen, Beschäftigung und Wohlstand. Deshalb setzen wir uns dafür ein, egal wie die Würfel fallen.

360 GRAD. 365 TAGE. Weil‘s um Einkommen, Wohlstand und Beschäftigung geht.


Marketingdokument Pictet-Water ist ein Teilfonds des Luxemburger SICAV Pictet. Jede Anlage birgt Risiken, einschließlich des Risikos eines Kapitalverlusts. Vor Tätigung einer Anlage muss die neuste Version des Fondsprospekts, der Vorvertraglichen Informationen falls vorhanden, des Basisinformationsblatts (BIB) sowie des Jahres- und des Halbjahresberichts gelesen werden. Diese Unterlagen sowie die Zusammenfassung der Anlegerrechte sind kostenlos auf Englisch und in anderen Sprachen unter pictet.com/assetmanagement oder bei Pictet Asset Management (Europe) S.A., 6B, rue du Fort Niedergruenewald, L-2226 Luxemburg, erhältlich.

Unser Wasserfonds. Fünfundzwanzig Jahre alt und schlägt immer noch Wellen. Pictet-Water.

Seit 1995 sind wir Pioniere im Bereich der aktiv gemanagten thematischen globalen Aktienstrategien. Wir sind immer auf dem neuesten Stand und identifizieren die dauerhaftesten globalen Themen, um langfristige Ergebnisse zu erzielen. pictet.com/assetmanagement


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