Noch rennt die Party: Veranlagungsprofis empfehlen diese Assets für 2026
// Besser und schneller
Wie Reinhard Schwendtbauer sein
Raiffeisen-Reich umbauen will
MAGAZIN
„ In der Flugsicherung kommt Innovation aus Europa“
Der Frequentis-CEO verkauft erfolgreich Sicherheit, und behauptet sich in einem dynamischen Wachstumsmarkt.
Norbert Haslacher
Eine Welt, neuer Mut
Investieren mit Geist und Haltung bedeutet: Ich will, dass mein Geld nachhaltig Gutes für die Umwelt tut.
Mutig voran!
Liebe Börsianerinnen und Börsianer!
Ingrid Krawarik Chefredaktion
„Börsianer“
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ANGST HABEN WIR NOCH NICHT, hat Generali-CIO Axel Sima kürzlich zu mir gesagt. Wenn internationale Investoren den 25-Milliarden-Bond von Oracle mit 127 Milliarden Euro USDollar überzeichnen, sagt das schon etwas über die Stimmung aus. Ein bisschen Kamikaze. So wie die Drohnen, über die mein Kollege Robert Winter und ich mit Frequentis-CEO Norbert Haslacher, unserem Börsianer des ersten Quartals 2026, im Cover-Interview gesprochen haben. Das Wiener Small Cap ist weltweit wahnsinnig gut im Geschäft, auch weil das Thema „Defense“ bei Investoren salonfähig geworden ist. Norbert Haslacher wittert aber auch im anstehenden Technologiewechsel, Stichwort 5G MCX, die Chance auf Aufträge in Milliardenhöhe, ist stolz, dass Frequentis-Systeme in Satellitenlaunches im Einsatz sind, und erzählt begeistert vom hauseigenen Venture-Capital-Geschäft. So viel Innovation und Freude an der Arbeit stecken an. Einen Berg an Ideen für mehr Wettbewerbsfähigkeit hat auch Reinhard Schwendtbauer. Im Interview skizziert der Generaldirektor der RLB OÖ AG, welche Antworten er auf Revolut und Co hat, was er sich von der RBI nach dem CEO-Wechsel erwartet und wie er sich die zukünftige – dringend notwendige – Zusammenarbeit mit den anderen Landesbanken vorstellt.
Bemerkenswert finde ich, dass gerade die strenge Regulierung zahlreiche Krypto-Broker nach Wien lockt. Sonst wird darüber eher gejammert. Der beinharte Wettbewerb unter den Brokern, die sich laufend gegenseitig Profis abwerben, resultiert in Schwierigkeiten für die Lizenz, wenn plötzlich der Geldwäschebeauftragte zur Konkurrenz wechselt. Meine Kollegen Daniel Nutz und Thomas Müller bringen Sie in Sachen Krypto-Hub (Seite 18) auf den neuesten Stand und erklären, wieso Wien als wachsendes Krypto-Ökosystem plötzlich so hochattraktiv ist. Apropos Geldwäsche: „Die Stärkung der Geldwäsche-Aufsicht in Österreich sowie auf europäischer Ebene ist ein überfälliger Meilenstein“, schreibt Erste-GroupCEO Peter Bosek in seinem Kommentar auf Seite 14. Er zählt zu
jenen Bankern, die eine strenge Regulierung cool finden. Weniger erfreut sind die Banken über den Digitalen Euro (Seite 22), dessen Vor- und Nachteile Daniel Nutz analysiert.
Kritik für die kürzlich vorgestellte Industriestrategie (Seite 80) kommt von einigen Industriekapitänen, mit denen meine Kollegin Hedi Schneid telefonierte. Ich sage: Immerhin gibt es die Strategie jetzt auf dem Papier, mit Leben füllen muss man sie im zweiten Schritt. Also gemma! Das meint auch Infineon-Chefin Sabine Herlitschka in ihrem Kommentar: „Die Ansätze sind richtig. Entscheidend ist, dass sie rasch in einer kohärenten, einfachen und investitionsfreundlichen Regulatorik zusammengeführt werden.“ (Seite 83) Ins Schatzkästchen hat einmal mehr Deutschland-Korrespondent Oliver Stock gegriffen, er beschreibt die Rückkehr der wettbewerbsfähigen Solarindustrie (Seite 84) nach Europa und warum China dafür so wichtig ist.
Der große Schwerpunkt des Magazins liegt diesmal auf dem Investment-Outlook für 2026 (ab Seite 28), dem wir 23 Seiten widmen. Denn noch läuft die Party an den Börsen – kleine Aussetzer wie der geschichtsträchtige Absturz der IBM-Aktie wegen KI-Konkurrenz inklusive. Meine Kollegin Raja Korinek analysiert die wichtigsten Assetklassen und widmet sich neben Quantencomputern und Rechenzentren auch dem Thema Rüstung. Korrespondent Peter Köhler steuert ein Gold-Interview mit dem Philoro-Boss aus Deutschland bei. Außerdem freue ich mich sehr, dass Andreas Posavac und Michael Oplustil von Embera Partners künftig exklusiv für den Börsianer Investorendaten analysieren. Beide sind Profis und haben diesmal den Siegeszug des Passivkapitals unter die Lupe genommen. Ich heiße auch Friedrich Jergitsch als neuen Kolumnisten auf der Rechtsseite herzlich willkommen! Starke Meinungen äußern diesmal wieder versiert Börsianer-Chefökonom Peter Brezinschek zur Inflation (Seite 16) und Chefkommentator Martin Kwauka (Seite 96) zur Budgetsituation in Österreich.
Bleibt mir noch, den siegreichen Journalistinnen – erstmals sind drei Frauen auf dem Podium – des goldenen Rankings der besten Finanz- und Wirtschaftsjournalisten (Seite 72) zu gratulieren. In dieser Branche geht es ziemlich rund!
Lassen Sie sich nicht unterkriegen!
i.krawarik@boersianer.at
Linkedin: Ingrid Krawarik
Eingerahmt
SELFIE. Daniel Nutz und Ingrid Krawarik statteten Reinhard Schwendtbauer einen Besuch in Oberösterreich ab und bewunderten die zahlreichen künstlerischen Exponate der RLB OÖ AG. Die Bank besitzt eine riesige Kunstsammlung. Übers harte Geschäftsleben haben wir natürlich auch mit ihm gesprochen.
COVER-INTERVIEW. Frequentis-CEO Norbert Haslacher freut sich über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025.
Marketingdokument
Dieses Marketingdokument wird von Pictet Asset Management herausgegeben. Jede Anlage birgt Risiken, einschließlich des Risikos, die ursprünglich investierten Beträge nicht zurückzuerhalten.
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MAGAZIN
Finanzmarkt
08 Norbert Haslacher
Der Vorstandsvorsitzende der Frequentis AG verkauft weltweit Sicherheit und profitiert davon, dass die Ressentiments gegen das Defense-Geschäft bei Investoren verschwunden sind. Große Wachstumschancen erwartet er in der Flugsicherung, durch den Technologiewechsel und wegen der steigenden Mobilität.
18 Europas neuer Krypto-Hub Wien als europäischer Magnet für Krypto-Broker
22 Digitaler Euro
Der Kampf ums digitale Geld
76 Interview
Wie RLB-OÖ-Generaldirektor
Reinhard Schwendtbauer die Bank schneller und besser macht
80 Industriestrategie
Was die Industriekapitäne zu den geplanten Maßnahmen sagen
84 Europas Solar-Comeback
Gebaut in Hambach, gedacht in China
88 Porträt
Das Imperium des Brillenerben Leonardo Maria Del Vecchio mit Ecken und Kanten
Rendite
26 Neu! Aktionärsanalyse
Embera Partners analysieren Investorenströme
28 Investment-Outlook 2026
Diese Assetklassen sorgen für Partystimmung
34 Aktienmärkte
Die Wiener Börse im Chart-Vergleich
35 Portfolio
Die Asset-Allocation der Schelhammer Capital Bank AG
36 Rüstung
Wettlauf um die Vormacht
38 1. Teil: Marktumfeld
40 2. Teil: Veranlagung
42 3. Teil: Interview
44 Technologie Ein Quantum Hoffnung
46 Wasser Wettlauf ums Nass
48 Börsenwetter
Entwicklung der Weltbörsen und Analystenstimmen
50 Fieberthermometer Gold
Interview mit PhiloroDeutschland-Chef Tobias Kascha
Darüber spricht man in den Branchen: Köpfe, Deals, News, Trends und Events
56 Banken
58 Versicherungen
60 Fonds
62 Aktien
64 Immobilien
66 Berater
68 Recht
70 Private Markets
Seitenblicke
72 Ranking
Die 50 besten Finanz- und Wirtschaftsjournalisten Österreichs
91 So denkt die Politik Was kann der Digitale Euro?
94 Börsentalk
Wo sich die Finanzbranche triff
97 Firmenindex/Impressum Auszüge von Unternehmen in dieser Ausgabe
98 Weltblick
Die Sicht der Korrespondenten
Meinungen
14 Peter Bosek Meilenstein im Kampf gegen Geldwäsche
15 Jochen Dickinger Bitcoin: Innovation verläuft nicht linear
15 Micaela Taroni Meloni: Stabilitätsanker in Europa
16 Peter Brezinschek Inflation – Das unbekannte Wesen?
58 Kurt Weinberger Bodenschutz ist eine Sicherheitsfrage
62 Karin Kunrath Stockpicking in Indien
62 Bettina Schragl Algo in der HV – der neue Mitstimmer
66 Peter Bartos Zurück in alte Zeiten? Bitte nicht!
Neue Rubrik
Andreas Posavac und Michael Oplustil von Embera Partners analysieren exklusiv für den „Börsianer“ Investorendaten. Diesmal geht es um den Siegeszug des Passivkapitals - global sind inzwischen rund 43,5 Prozent der langfristigen Fondsvermögen passiv gemanagt.
Neuer Kolumnist
Wir freuen uns, dass Friedrich Jergitsch von der Kanzlei Schatzmann Reidlinger Jergitsch uns künftig auf der Rechtsseite frische Einblicke geben wird, und bedanken uns bei Albert Birkner von Cerha Hempel für seine langjährigen Analysen! Ad-hoc
68 Friedrich Jergitsch Entwarnung bei Immobilienfinanzierungen?
70 Jan Daniel Neumann Digitalisierung als Betriebssystem des Unternehmens
81 Daniel Nutz Gemeinsam!
83 Sabine Herlitschka Nachhaltigkeit als Wettbewerbsstrategie
96 Martin Kwauka Tickende Zeitbomben
Wir sind die Profis
Interview:
Ingrid Krawarik
Robert Winter
Fotos:
Stefan Burghart
Frequentis-CEO Norbert Haslacher verkauft Sicherheit und ist damit in der zunehmend digitalen Welt in einer lukrativen Nische unterwegs. Welche Megatrends er verfolgt, was mit feindlichen Drohnen passiert und wieso er im autonomen Fahren im Schwerlastverkehr das nächste große Geschäft wittert.
Norbert Haslacher
MASTERMIND Im Aviation-Studio der Frequentis AG empfängt CEO Norbert Haslacher wichtige Kunden und zeigt ihnen, wie die Frequentis-Produkte funktionieren.
Vita
NORBERT HASLACHER CEO
Frequentis AG
Der 55-jährige gebürtige Wiener ist seit 2015 im Vorstand von Frequentis und seit 2018 deren CEO. Im Mai 2019 erfolgte das Listing an der Frankfurter und der Wiener Börse. Sein Ziel ist es, die starke globale Position des Technologieunternehmens vom Wienerberg nachhaltig auszubauen.
NNorbert Haslacher ist mit Begeisterung weltweit bei seinen Kunden unterwegs. Sein Arbeitspensum sieht man dem CEO der Frequentis AG nicht an. Er lebt sein Geschäft. Der Börsianer trifft den gebürtigen Wiener nach genauen Sicherheitschecks in der Frequentis-Zentrale im Aviation Studio, in dem normalerweise hochrangigen Kunden die Produkte im Bereich Drohnen, die Software zur Sprachkommunikation und der Remote Digital Tower gezeigt werden. Was kann die Frequentis, was sonst niemand kann, haben wir Norbert Haslacher gefragt und mit ihm über Kamikazedrohnen, ein salonfähiges Defense-Geschäft, den hauseigenen Venture-Capital-Investor und den anstehenden Technologiewechsel diskutiert, der Milliarden in die Kassen spülen soll.
Herr Haslacher, die Konzernzentrale der Frequentis AG befindet sich im zehnten Wiener Bezirk in der Innovationsstraße 1. Ist das Programm, oder heißt das so, weil Sie hier Ihren Sitz haben? – Norbert Haslacher (lacht): Beides. Die Straße hat es vorher nicht gegeben. Ein interner Wettbewerb hat dann Innovationsstraße daraus gemacht.
Die Aktie der Frequentis AG hat im Vorjahr an der Börse einen sehr guten Lauf gehabt. Obwohl Sie kein Rüstungsunternehmen sind, haben Sie sichtlich vom Rüstungsboom profitiert. Warum schwimmen Sie da so mit? – Seit dem Börsengang erzählen wir sehr konsistent eine Geschichte, die besagt, dass Frequentis von Beginn an eine Nische besetzt, die sich auf sicherheitskritische Kontrollzentralen fokussiert. Wir liefern Infrastruktur für Polizeieinsatzleitsysteme, die militärische und zivile Flugsicherung, maritime Rettungszentralen und auch für Bahneinsatzleitzentralen. Und wir haben deshalb sicher von der Bedrohungslage in Europa und dem ganzen Defense-Thema profitiert, weil wir 20 Prozent des Umsatzes mit militärischen Organisationen machen.
KAMIKAZE. Norbert Haslacher fliegt zwar selbst keine Drohne, kennt sich aber mit den sicherheitskritischen Anforderungen bei Drohnenflügen aus. Die Frequentis AG wurde von der deutschen Bundeswehr mit der Erporbung der Freund-FeindErkennung beauftragt.
„Wir haben in diesem Markt eine sehr gute Reputation“
Defense ist salonfähig? – Am Kapitalmarkt ja. Die Schwellen, wie viel ein Fonds in Unternehmen investieren darf, die Defense-Business machen, haben sich verändert. Die Ressentiments sind weg. Zumindest spüren wir das nicht mehr in den Investorengesprächen. Ganz im Gegenteil. Es gibt sehr viel Zuspruch, noch mehr Defense-Geschäft zu machen.
Und weil das Thema Sicherheit ein Megatrend ist. – Ja, das Sicherheitsbedürfnis ist neben der steigenden Mobilität und dem großen Technologiewechsel einer
der drei wesentlichen Megatrends, die Investitionen in diese Infrastruktur begünstigen. Ein Treiber war sicher das Bestreben der Nato-Länder, fünf Prozent der Wirtschaftsleistung in Rüstung plus der dazugehörigen Infrastruktur zu investieren. Es gibt viel Fantasie, dass dafür bei Behörden viel Geld vorhanden ist. Wir sind seit vielen Jahren im Forschungsbereich bei der Integration des Drohnenverkehrs in einem geregelten Luftraum aktiv. Es gab Vorfälle mit Drohnen bei Flughäfen in Polen, in Dänemark und in Norwegen. In Polen ist
eine russische Drohne 500 Kilometer in den polnischen Luftraum geflogen, ohne erkannt zu werden. Das sind Verletzungen von nationalen, souveränen Lufträumen, die man in der Form nicht zulassen darf.
Ein europäischer Drohnenwall ist doch kaum finanzierbar. – Aus meiner Sicht nicht. Aber kritische Infrastrukturelemente sind schützenswert. In Deutschland sind das fast 1.800 einzelne Elemente und Infrastrukturteile. Wenn man die Zahl auf Europa extrapoliert, handelt es sich um zehntausende, die man schützen muss. Die werden durch die Antidrohnenabwehr und Drohnenerkennungssysteme gesichert.
Und Frequentis entwickelt diese Systeme? –Wir aggregieren Daten in einer Software, um festzustellen, welche Art von Drohne im Luftraum unterwegs ist. Und es ist zu ermitteln, ob diese Drohne einen Flugplan abgegeben hat und registriert ist und somit als freundlich einzustufen ist. Man kann ja nicht in Friedenszeiten anfangen herumzuballern. Da muss schon ein Prozess durchlaufen werden, der zum Ergebnis hat, ob eine Drohne freundlich oder feindlich ist. Diese Freund-Feind-Erkennung machen wir.
Wie funktioniert das? – Eine Drohne muss Transponderdaten aussenden, und in der Regel kann ich aufgrund dieser Transponderdaten feststellen, wer der Eigentümer oder Operator dieser Drohne ist und ob bei der Flugsicherung ein Flugplan abgegeben wurde, der freigegeben ist. Zusätzlich gibt es Drohnenradare sowie optische und akustische Sensoren am Boden. Nach der Freund-Feind-Erkennung wird freundlichen Drohnen der Weiterflug gestattet.
Was passiert bei einer feindlichen Drohne?
– Bei einem Feind können Funkfrequenzen gestört werden. Es kann sich aber auch um eine Kamikazedrohne handeln, die in die andere hineinfliegt und
diese zum Absturz bringt, oder sie wird mit Laser heruntergeholt. In der Ukraine hat man gelernt, dass sehr viel mit ganz dünnen Glasfaserkabeln geflogen wird. Über Kilometer hinweg liegen hunderttausende Glasfaserkabel herum. Da ist Jamming nicht effektiv. Dafür gibt es Drohnen, die ein Netz ausschießen, damit die feindliche Drohne einfangen und zum Standort bringen. Es gibt mittlerweile Drohnen, die ein großes Maximalgewicht transportieren. Da können biologische Substanzen enthalten sein, es kann sich um Kampfstoffe handeln. Deswegen ist es besser, Drohnen zu fangen und nicht zum Absturz zu bringen.
Welche Ihrer Kunden setzen die DrohnenSoftware ein? – Im zivilen Bereich gibt es mehrere europäische Flugsicherungen, unter anderem die Austro Control, die bulgarische Flugsicherung und eine Flugsicherung im Baltikum. Es gibt dazu auch ein großes Projekt in Australien. Und jetzt transportieren wir das in den militärischen Bereich. Dort ist der erste Auftraggeber in Form eines Forschungsprojekts und eines Proof-of-Concept die deutsche Bundeswehr. Diese hat uns kürzlich am Fliegerhorst Ingolstadt/ Manching in Bayern mit der Erprobung der Fähigkeit für Freund-Feind-Erkennung beauftragt.
Wie hoch ist das Marktpotenzial, und wie steht es um den Mitbewerb? – Momen-
tan gibt es relativ wenige Mitbewerber, es gibt sehr viele Start-ups, die sich mit Drohnenabwehr, und andere, die sich mit Drohnenerkennung beschäftigen. Die Sensoriken und vor allem auch die Software wird sehr europalastig sein. Das europäische Vergabegesetz hat sich auch dahingehend geändert, dass europäische Firmen im sicherheitskritischen Bereich mehr Punkte bekommen können als ausländische Firmen. Es handelt sich durchwegs um öffentliche Vergabeverfahren. Das ist für Frequentis sehr unterstützend. Wenn man das auf Europa hochrechnet, handelt es sich um einen sehr, sehr großen Markt. Momentan sind die Staaten gerade dabei, ihre Drohnenstrategie und Drohnenabwehrstrategien zu entwerfen.
Haben Sie persönlich eine Drohne, und können Sie diese fliegen? – Meine Kinder haben Drohnen, und ich schaue zu, wie sie geflogen werden.
Was ist das Alleinstellungsmerkmal der Frequentis? – Im sicherheitskritischen Bereich muss man Software nach ganz anderen Methoden entwickeln, damit sie von Regulierungsbehörden freigegeben werden können, als im kommerziellen Bereich. Da sind wir Profis. Viele der Start-ups kommen aus dem Commercial-Bereich und sehen, dass es spezielle Vorschriften und Standards gibt, die relativ hoher Investitionsvolumina bedürfen. Wir beobachten, dass viele Startups mit guten Ideen kommen, aber relativ schnell wieder weg sind, wenn die Finanzierungen nicht mehr passen. Und die wenigsten haben das Know-how, die Prozesskette in einer Flugsicherung zu verbinden und die Daten zu verifizieren.
Bringt es Vorteile, wenn Sie in einem Land bereits registriert sind? – Absolut. Wir sind weltweit einer der Top-Provider von Flugsicherungssystemen. Wir haben in diesem Markt eine sehr gute Reputation. Jeder kennt uns und traut uns natürlich auch zu, die ganzen Standards und Re-
gularien gut zu kennen und Software so zu entwickeln, dass sie die entsprechenden Zulassungen bekommt. Wenn man die Sicherheitsfreigabe nicht hat, kommt man gar nicht auf die Luftwaffenstützpunkte. Wir haben diese Freigabe nahezu überall in den Nato-Staaten.
Ist die Software immer speziell auf einzelne Kunden zugeschnitten? – Der Kern der Software ist der gleiche, aber jedes Land und sogar jeder Standort hat unterschiedliche Voraussetzungen, was die Sensorik betrifft. Gerade in Europa werden die Staaten versuchen, ihre lokale Industrie zu unterstützen und damit die Produktion lokaler Sensoriken einzusetzen. Das bedeutet für uns, dass wir agnostisch mit all diesen Sensorherstellern aufgrund von Standardschnittstellen zusammenarbeiten können und müssen.
Die Frequentis AG ist seit fast sieben Jahre an der Börse. Seitdem gab es zehn Akquisitionen. Geht das so weiter? – M&A ist Teil unserer DNA. Das war davor in der Form nicht so. Als ich bei Frequentis begonnen habe, war das Unternehmen ein sehr stark wie ein Ingenieursbüro getriebenes Institut. „Nicht hier erfunden“ war der Klassiker in dieser Firma. Aber die Time to Market ist natürlich ganz anders, wenn ich alles selber bauen muss. Vor allem, wenn wir Technologien jetzt brauchen und nicht erst in fünf Jahren. So sind wir auf diese zehn Akquisitionen gekommen. Wir haben den Markt sehr gut analysiert und ein eigenes Marktmodell gebaut, um die Größe des Markts der sicherheitskritischen Kontrollzentralen zu eruieren. Unseren Schätzungen nach beträgt das Ausschreibungsvolumen 14 Milliarden Euro pro Jahr. Und der Markt wächst etwa vier bis fünf Prozent pro Jahr.
Wie viel von diesem Markt können Sie abdecken? – Wir waren beim IPO bei etwa zweieinhalb Milliarden Euro. Mittlerweile sind es vier Milliarden. Das haben wir auch deshalb erreicht, weil wir
BOOST „Seitdem Trump da ist, machen wir mehr Geschäft als je zuvor“, sagt Norbert Haslacher im Gespräch mit Robert Winter und Ingrid Krawarik vom „Börsianer“.
»Die Ressentiments sind weg. Es gibt sehr viel Zuspruch, noch mehr Defense-Geschäft zu machen.«
Norbert Haslacher
unsere Produktpalette durch Akquisitionen erweitert haben. Es ist viel leichter, bereits bestehenden Kunden neue Produkte zu verkaufen als in neuen Märkten neue Produkte zu positionieren, wo sie niemand kennt. Wir liefern in 150 der 193 Länder. In fast jedem Land ist bei der Flugsicherung ein Frequentis-System im Einsatz.
In welchen Bereichen gibt es kundenseitig die größte Nachfrage? – Wir sind in den letzten Jahren in allen Segmenten und Regionen gewachsen. Wir erwarten in den nächsten Jahren eine verstärkte Nachfrage in der Flugsicherung.
Auch wegen der stärkeren Verbreitung von Drohnen? – Das ist nur ein Teil. Wenn man sich die Prognosen von Boeing, Airbus, Embraer oder mittlerweile auch des chinesischen Herstellers Comac anschaut, kommen jährlich 1.500 neue Flugzeuge in den Luftraum. Jedes neue Flugzeug muss natürlich eine entsprechende Äquivalenz auf der Bodeninfra-
FREQUENTIS AG
Börsengang: 14. Mai 2019 in Wien und Frankfurt
Streubesitz: 22 Prozent
Aktie 2025: +160 Prozent
Akquisitionen: 10 seit Börsengang
Umsatz 2025: 580 Millionen Euro (2024: 480,3)
Ebit 2025: 47 Millionen Euro (2024: 32,1)
Kunden:
Deutsche Bahn, Canadian Coast Guard, Royal Saudi Air Force, FAA, London Metropolitan Police Service, Abu Dhabi Airports, Eurocontrol, Nasa, Telenor
struktur haben. In Asien außerhalb Chinas werden in den nächsten zehn Jahren um die 200 neue Flughäfen entstehen. Das begünstigt unser Geschäft, weil wir aufseiten der Bodeninfrastruktur unterwegs sind. Der Technologiewechsel wird uns auch sehr beschäftigen.
Was hat es damit auf sich? – Durch das Forschungsprojekt Single European Sky ATM Research Programme wird die europäische Flugindustrie von mikroelektronischen Systemen in Richtung ITSysteme wechseln. Auch bei der Bahn hat die GSM-Technologie ihr Ende erreicht. Jetzt denken Sie mal zurück, wann Sie zuletzt GSM auf Ihrem Handy gesehen haben. Wir bieten dafür mit MCX eine Software an, die auf 5G aufsetzt, um Mission-Critical-Sprachkommunikation, Datenkommunikation und Massenvideos übertragen zu können. Das Gleiche gibt es in Ländern, die den Digitalfunk gemeinsam haben. Die Polizei, die Rettung oder die Feuerwehr läuft mit Funkgeräten herum auf Basis von Tetra. Dieses System kann nur Sprache übertragen. Aber in der heutigen Zeit werden massenhaft Videos gefilmt. Deshalb braucht eine Einsatzleitzentrale der Polizei viel mehr Informationen. Dafür wird es in Europa in den nächsten zehn bis 15 Jahren signifikante Investi-
tionen geben, um GSM und Tetra loszuwerden und mit 5G MCX zu ersetzen.
Wie groß ist das Geschäftspotenzial in diesem Bereich? – Das ist ein Milliardenmarkt.
Sie machen mehr als 23 Prozent des Umsatzes in ganz Amerika. Sehen Sie angesichts der politischen Spannungen die Gefahr, dass Ihnen Geschäft wegbricht? – Ich muss sagen, seitdem Trump da ist, machen wir mehr Geschäft als je zuvor. In der Flugsicherung kommt Innovation nicht aus Amerika. Die kommt aus Europa. Die Amerikaner haben in der zivilen Flugsicherung viele Vorfälle gehabt. Trump und seine Regierung haben aus meiner Sicht zu Recht gesagt, dass in die Flugsicherung investiert werden muss. Es wurde ein Budget von zwölf oder 13 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt, um die Flugsicherung zu reformieren.
Da wollen Sie auch dabei sein? – Da sind wir schon dabei. Unsere Lösungen kommen außerdem seit vielen Jahren auf allen 14 US-Flugzeugträgern zum Einsatz.
Gibt es neue Geschäftsfelder, in die Sie vordringen wollen? – Natürlich. Wir haben dazu eine Corporate-Start-up-Mentalität in unserem Geschäftsmodell etabliert und unser New-Business-Development vom klassischen Geschäft getrennt. Die Mentalität des Scheiterns können wir uns im herkömmlichen Geschäft nicht erlauben. Aber im NewBusiness-Development können Dinge ausprobiert und wieder beendet werden.
Wie funktioniert das? – Wir agieren anfangs wie ein Venture-Capital-Investor, und falls es gut läuft, wie ein PrivateEquity-Investor. So haben wir begonnen, neue Themen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Eines ist davon das MCX. Auch Drohnen waren früher im New-Business-Development. Wir arbeiten in Österreich, Europa und Amerika auch viel mit Universitäten zusam-
men. Das läuft dann so: Zuerst bauen wir einen Prototyp, dann wird ein erster Kunde gefunden, der Interesse zeigt. Wenn ein zweiter und dritter Kunde das Produkt im Einsatz hat, wird es auf den Weltmarkt gebracht. Wir haben immer die Philosophie, mit jedem Produkt Weltmarktführer zu werden.
Welches Thema verfolgen Sie aktuell? – Der Schwerpunkt liegt auf der Forschung und Entwicklung für autonomes Fahren. Wir arbeiten mit Lkw-Herstellern und Lkw-Betreibern zusammen. Dabei geht es darum, Kontrollzentralen so auszustatten, dass man einen sicheren Fernverkehr für autonom fahrende Lkws etablieren kann. Auch mit dem Thema Space beschäftigen wir uns aktuell.
Welches Marktpotenzial sehen Sie darin? –Raumfahrt in Europa wird viel Geld bekommen, weil die ESA eigenständiger agieren will, was die eigene europäische Satelliteninfrastruktur betrifft. Satellitenlaunches werden zunehmen, Und da wird es auch am Boden Infrastruktur und Kontrollzentralen brauchen, um Daten richtig verarbeiten zu können. Ich war unlängst in Norwegen, wo die SpaceLaunches stattfinden. Ich bin stolz darauf, dass unsere Systeme dort im Einsatz sind, um eine Rakete nach oben zu bringen. Die Nasa setzt unsere Systeme bereits am Boden ein.
Wie stark zieht Aufsichtsratschef Hannes Bardach noch die Fäden bei der Frequentis? – Wir beide haben alle zwei Wochen ein Abendessen bei ihm zu Hause. Da tauschen wir uns darüber aus, was er in der Firma und was er am Markt beobachtet. Ich genieße den Austausch sehr. Ich glaube auch, dass das ein Teil des Erfolges ist, wenn Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender sehr gut zusammenarbeiten. Und das ist gar nicht so einfach, weil wir beide Alphatiere sind. Aber wenn man den Unternehmenserfolg über das eigene Ego stellt, dann funktioniert das.
MEILENSTEIN IM KAMPF GEGEN GELDWÄSCHE
Für Banken, die langfristig denken, ist Compliance keine lästige Pflichtübung, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil.
2026 IST EIN SCHLÜSSELJAHR für den wirkungsvollen Kampf gegen Finanzkriminalität in Österreich. Die Reform der heimischen Finanzmarktaufsicht FMA macht sie zur zentralen Drehscheibe der Prävention von Geldwäsche und Finanzsanktionsverletzungen im Finanzmarkt. Gleichzeitig stärkt der voranschreitende Aufbau der europäischen Antigeldwäschebehörde AMLA die Aufsicht in Österreich und der EU deutlich.
Geldwäsche ist längst kein Randphänomen in der Wirtschaft. Wo illegale Milliardensummen unentdeckt in den Wirtschaftskreislauf gelangen, werden Preise verzerrt, Wettbewerber verdrängt und Risiken externalisiert. Waschsalons taugen kaum noch als Mittel zur Geldwäsche. Große Geldströme verlaufen inzwischen über internationale Betrugsnetzwerke, Immobilien, komplexe Firmengeflechte, fingierte Dienstleistungen oder KryptoTransaktionen – stets mit dem Ziel, die wahren Eigentümer unsichtbar zu halten.
Die FMA-Reform sowie die Schaffung der AMLA ermöglichen es, mit starker behördlicher Hand die bestehenden Schwachstellen in Europa effektiv anzugehen. Der Kreis der beaufsichtigten Finanzakteure wurde erweitert, Zuständigkeiten gebündelt und die Durchsetzung internationaler Finanzsanktionen von der Oesterreichischen Nationalbank übernommen.
»Die Stärkung der Geldwäschaufsicht in Österreich sowie auf europäischer Ebene ist ein überfälliger Meilenstein.«
Vita
Peter Bosek
Vorstandsvorsitzender
Erste Group Bank AG
Der studierte
Rechtswissenschaftler (57) ist seit Juli 2024
Vorstandsvorsitzender der Erste Group Bank AG und hat kürzlich mit dem Teilerwerb der Santander Polska den größten Deal der Bankgeschichte durchgezogen. Erfahrung als CEO sammelte
Bosek bei der estnischen Luminor-Bankengrupppe, die er von Ende 2020 bis Frühjahr 2024 leitete.
Für den Markt bedeutet das: weniger regulatorische Grauzonen und höhere Verlässlichkeit der Spielregeln sowie klare Durchsetzung. Und das ist gut so. Denn die Einhaltung der Regelungen zur Aufdeckung von Geldwäsche und Verstößen gegen die Finanzsanktionen sind für einen funktionierenden Finanzmarkt unerlässlich: Nur so haben Menschen Vertrauen in Banken – die so wiederum Menschen und Unternehmen in der jeweiligen Region unterstützen können. Darum ist für Banken, die langfristig denken, Compliance keine lästige Pflichtübung, sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Österreich ist auf einem guten Weg. Das zeigt der Blick auf nationale wie internationale Indikatoren wie den Corruption Perception Index von Transparency International, bei dem Österreich den Platz 21 von 182 Staaten belegt. Trotzdem muss die Arbeit weitergehen. Denn eine schlechte Compliance-Kultur schlägt sich irgendwann auch in Aktienkursen, Risikoprämien für Unternehmen sowie in der Standortattraktivität insgesamt nieder.
Von daher ist die Stärkung der Geldwäscheaufsicht in der FMA in Österreich sowie der AMLA auf europäischer Ebene ein überfälliger Meilenstein. Mehr als eine Verwaltungsreform ist sie ein Signal an den Markt. Ein funktionierender Kapitalmarkt braucht eine starke Aufsicht.
Kommentar
STABILITÄTSANKER IN EUROPA INNOVATION VERLÄUFT NICHT LINEAR
WÄHREND ANDERE europäische Regierungen unter internen Konflikten leiden oder frühzeitig scheitern, hat sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni überraschend als Stabilitätsanker in Europa erwiesen. Inzwischen hält sie den dritten Platz im Ranking der langlebigsten Regierungen der italienischen Nachkriegsgeschichte. Länger im Amt waren bisher nur zwei Kabinette des 2023 verstorbenen Medienunternehmers Silvio Berlusconi. Melonis erklärtes Ziel ist es, die Legislaturperiode bis zur nächsten Parlamentswahl im Jahr 2027 vollständig auszuschöpfen und erneut zu kandidieren. Italien galt jahrzehntelang als Inbegriff politischer Instabilität. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs regierten in Rom 69 Kabinette, deren durchschnittliche Amtszeit kaum mehr als ein Jahr betrug. Diese Phase scheint vorerst überwunden. Von außen betrachtet präsentiert sich Italien heute als stabile Größe in einem von Krisen geprägten Europa.
Auch wirtschaftlich hat sich das Bild gewandelt. Das Haushaltsdefizit ging von 8,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts im Jahr 2022 auf 3,0 Prozent zurück. Die EU will das Defizitverfahren gegen Italien einstellen. Ratingagenturen honorierten zuletzt die Haushaltsdisziplin mit einer Anhebung der Kreditwürdigkeit Italiens. Die Stabilität der Regierung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, unter anderem auf das Fehlen ernsthafter Rivalen innerhalb der Koalition. Befürchtungen, Meloni würde einen radikalen rechtspopulistischen Kurs einschlagen, haben sich nicht bestätigt. Stattdessen folgt sie weitgehend einem proeuropäischen Mainstream, der an die Linie ihres Vorgängers Mario Draghi erinnert. In gesellschaftspolitischen Fragen bleibt sie konservativ – ein Kurs, der bei vielen Wählern Zustimmung findet. Sie hat sich auch als Brückenbauerin zwischen Brüssel und Washington profiliert.
»Meloni folgt weitgehend einem proeuropäischen Mainstream.«
Vita
Micaela Taroni Italien-Korrespondentin Börsianer“
Seit 2025 liefert die Italienerin exklusive Interviews mit Wirtschaftsgrößen für den „Börsianer . Sie ist zudem auch Korrespondentin für die Austria Presse Agentur.
TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER – das gilt kaum für ein Asset so sehr wie Bitcoin. Kaum korrigiert der Kurs zweistellig, überschlagen sich die Schlagzeilen vom „endgültigen Aus“. Doch wer die Historie nüchtern betrachtet, erkennt ein wiederkehrendes Muster: Auf jede Euphoriephase folgt eine scharfe Bereinigung – und auf jede Bereinigung eine neue, strukturell stärkere Aufwärtsbewegung. Bitcoin wurde seit 2009 dutzende Male für tot erklärt. Nach großen Börsenpleiten, regulatorischen Vorstößen oder makroökonomischen Schocks schien das Narrativ vom Scheitern stets plausibel. Und dennoch notiert Bitcoin langfristig um ein Vielfaches höher. Wer Volatilität automatisch mit Scheitern verwechselt, verkennt die Dynamik disruptiver Technologien. Ein Blick auf Amazon zeigt, wie kurzsichtig solche Abgesänge sein können: Die Aktie hat sich in ihrer Börsengeschichte nahezu zehnmal halbiert – und anschließend immer wieder neue Allzeithochs erreicht. Innovation verläuft nicht linear. Sie korrigiert, konsolidiert – und skaliert dann auf ein neues Niveau. Langfristig übertrifft Bitcoin selbst Gold deutlich in der Performance. Doch auch jenseits der Rendite lohnt der Blick auf die Angebotsseite: Bei Gold und Silber weiß niemand exakt, wie viel tatsächlich existiert. Das Angebot reagiert also auf den Preis. Bitcoin ist anders konstruiert. Seine maximale Geldmenge ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Für die nächsten 100 Jahre ist mathematisch exakt definiert, wie viele neue Bitcoin entstehen – unabhängig von Preis, politischem Willen oder technologischer Entwicklung. Dieses starre, transparente Emissionsmodell ist einzigartig. Wettbewerb der Währungen, Eigentumssouveränität und die Trennung von Geld und Staat – das sind keine Utopien, sondern Realität im Netzwerk. Knappheit, Dezentralität und Berechenbarkeit sind starke Fundamentaldaten – weit über den nächsten Zyklus hinaus.
»Kursrückgänge sind kein Beweis für das Ende, sondern Ausdruck eines jungen, globalen Marktes.«
Vita
Jochen Dickinger Aufsichtsrat Athos Immobilien AG
Ist bodenständiger Gründer eines börsennotierten Wettanbieters. Er nennt die Teilnahme am New York Marathon seinen größten Karriereerfolg. Seine Leidenschaft gehört der Börse, Twitter und Griechenland.
INFLATION –DAS UNBEKANNTE WESEN?
Anfang Februar brach in Österreich Jubel aus, als hätte es schon vor dem Start der Olympischen Winterspiele eine Goldmedaille gegeben. Regierungsmitglieder haben sie sich mit „Wir haben die Teuerungskrise gebrochen“ gleich selbst umgehängt.
DASS DER ANSTIEG der Verbraucherpreise zu Jahresbeginn klar unter die Drei-Prozent-Marke fallen dürfte, war den sogenannten Basiseffekten zuzuschreiben. Besonders deutlich erkennbar war dies bei Haushaltsenergie. Diese stieg im Dezember 2025 noch um beachtliche +9,0 Prozent p. a. Im Jänner 2026 waren Wegfall von Strompreisbremse bzw. Netzgebührenanhebung und Verbilligungen bei Energie allgemein dafür verantwortlich, dass der Kostentreiber Energie mit -4,9 Prozent p. a. zum wesentlichen Inflationssenker wurde. Damit wurde auch die hohe Inflationsdifferenz zur Eurozone (+1,7 % p. a.) fast nivelliert, denn dort war schon im Gesamtjahr 2025 Energie ein Preisindexdämpfer. Dazu beigetragen haben auch Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak, deren Preisanstieg von 4,1 % im Dezember auf 2,7 % zurückgegangen ist. Die vielgescholtenen Nahrungsmittelpreise weisen damit die gleiche Teuerung aus wie der Durchschnitt der Eurozone. Die von der Regierung ab Juli geltende UStSenkung von zehn auf 4,9 Prozent kann daher in die Kategorie Aktionismus eingestuft werden. Die Kosten von jährlich 400 Millionen Euro Steuerausfall rechtfertigen keinesfalls eine maximal 0,1 Prozentpunkte tiefere Inflationsrate. Da machen die Schwankungen der Weltmarktpreise oder die 25-Prozent-Aktionen der Einzelhändler ein Vielfaches dieser GießkannenSteuerverschwendung in der Preisgestaltung aus. Klammert man Energie und Nahrungsmittel aus, fällt der Inflationsrückgang bei der sogenannten Kerninflation mit 2,8 % ggü. 3,2 % (Dez.) schon weniger spektakulär aus. Aufholbedarf hat Österreich noch bei den Dienstleistungspreisen. Diese sind mit +3,8 % noch über den +3,2 % in der Eurozone. Auch wenn die Lohnerhöhungen ab 2026 nur noch einen halben Prozentpunkt über dem Euro-
»Eine Goldmedaille für Inflationserfolge erhält die Regierung erst, wenn sie den teuren Staatsapparat mittels KI, Digitalisierung und Föderalismusreform substanziell effizienter macht.«
Peter Brezinschek Chefökonom „Börsianer“
Der renommierte Kapitalmarktexperte (67), der eigentlich Meteorologe werden wollte, zählt seit vier Jahrzehnten zu den gefragtesten Börsen- und Finanzexperten des Landes. Seine Schwerpunktinteressen sind die Ordnungs- und Wirtschaftspolitik im Zusammenhang mit Klimaschutz, Konjunktur sowie Geld- und Fiskalpolitik. Bis Jahresende 2022 war er Chefanalyst von Raiffeisen Research.
zonenschnitt liegen, die Lohnschere seit 2022 geht auch heuer weiter auf. So sind auch die Mindestlöhne in den letzten vier Jahren mit +25 % klar über der Inflationsrate angestiegen, allein 2025 um gut einen Prozentpunkt mehr. Den Vogel bei den Dienstleistungspreisen schießen aber die öffentlichen Haushalte selbst ab. Die massiven Gebühren- und Abgabenerhöhungen auf Bundes- sowie Landesebene von fast 47 % (!) sollten die Jubelgesänge der Regierungsmitglieder rasch wieder verstummen lassen. Die stärker als in der Privatwirtschaft steigenden Personalkosten im öffentlichen Dienst und der immer größer werdende Staatsanteil am Bruttoinlandsprodukt bei anhaltend hohen Budgetdefiziten sind die größte Gefahr, dass die jetzt erreichte Talfahrt bei der heimischen Preisentwicklung nur von vorübergehender Natur sein dürfte. Schon 2025 war der Rückgang der Haushaltslücke im Bund überwiegend der Einnahmenseite geschuldet. Für einen nachhaltigen Erfolg in der Inflationsbekämpfung wären neben der Förderung des Wettbewerbs vor allem eine Rücknahme des seit 2019 stark angewachsenen öffentlichen Sektors notwendig. Statt auf kosmetische Preiseingriffe, die negative Angebotseffekte auslösen, ist angesichts des demografischen Wandels staatliche Aktivität auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren. Denn wie schon in den letzten zwei Jahrzehnten sind die administrierten Preise um 15 bis 20 Prozent mehr gestiegen als jene des Privatsektors. Eine Goldmedaille erhält die Regierung erst, wenn sie den teuren Staatsapparat mittels KI, Digitalisierung und Föderalismusreform substanziell effizienter macht. Mietpreisbremse, Energiepreisdeckel oder sonstige Preiseingriffe zeigen nur, dass Politiker Preissignale in einer Marktwirtschaft nicht verstanden haben.
WARUM CYBERSECURITY ÜBER WETTBEWERBSFÄHIGKEIT ENTSCHEIDET
Cyberangriffe zählen heute zu den größten Risiken für Wirtschaft und Finanzmärkte. Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigen Effizienz und Reichweite von Geschäftsmodellen – gleichzeitig nehmen jedoch auch die Angriffsflächen zu. Besonders kleine und mittlere Unternehmen stehen unter Druck, da ihnen oft die Ressourcen fehlen, um komplexe Bedrohungen wirksam abzuwehren.
Cybersecurity als strategisches Fundament Als einer der zentralen Akteure im digitalen Zahlungsverkehr steht Mastercard kontinuierlich im Fokus von Cyberkriminellen – eine Erfahrung, die zunehmend auch kleine und mittlere Unternehmen in Europa teilen. Interne Analysen zeigen, dass Betrugsversuche längst kein Randphänomen mehr sind.
Michael Brönner, Country Manager von Mastercard Österreich meint dazu: „Cybersecurity entscheidet längst nicht mehr nur über den Schutz von Systemen, sondern über Vertrauen, Stabilität und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.“
Für Brönner ist das ein klarer Auftrag: Sicherheitsanforderungen müssen fortlaufend weiterentwickelt und für Unternehmen praxisnah nutzbar gemacht werden. Investitionen in moderne Sicherheitstechnologien, datenbasierte Betrugserkennung und internationale Kooperationsformate unterstreichen diesen Ansatz. Cybersicherheit ist damit nicht Beiwerk, sondern ein integraler Bestandteil der unternehmerischen Wertschöpfung.
Von der Analyse zur Praxis: Zusammenarbeit in der Cyberabwehr Vor diesem Hintergrund setzt Mastercard auf Zusammenarbeit und praxisnahe Vorbereitung. Im Oktober 2025 fand die erste europäische Ausgabe der branchenübergreifenden Cyber Defense Exercise (CDX) im European Cyber Resilience Centre (ECRC) am europäischen Hauptsitz des Unternehmens im belgischen Waterloo statt. Dort simulierten technische Teams und Führungskräfte einen komplexen Cyberangriff in Echtzeit, um Reaktionsfähigkeit, Entscheidungsprozesse und Koordination unter realistischen Bedingungen zu testen.
Das Cyber Resilience Centre in Waterloo positioniert Cybersecurity als strategische Grundvoraussetzung für stabile digitale Wertschöpfung. Durch Trainings, Simulationen und koordinierte Zusammenarbeit von
internationalen Sicherheitsbehörden, Zentralbanken und über 30 Industriepartnern wird Cyberabwehr institutionalisiert. Wer in diese Kompetenzen und praxisnahe Vorbereitung investiert, stärkt nicht nur Vertrauen, sondern auch nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Markt.
„Cyberbedrohungen zählen aktuell zu den größten Herausforderungen für Unternehmen. Umso wichtiger ist es, gezielt aufzuklären und konkrete Lösungen anzubieten“, so Michael Brönner.
Michael Brönner, Country Manager von Mastercard Österreich
BYBIT-CEO. Ben Zhou eröffnete im Sommer 2025 feierlich die Europazentrale in Wien und brachte gleich die Botschaft mit auf die Bühne: „Wien ist der Krypto-Hub Europas!“
#BLOCKCHAIN
WWährend auf dem Rasen der Münchner Allianz-Arena Konrad Laimer oder Jamal Musiala für den FC Bayern auflaufen und in TV Spots den „FC Bayern unter den Kryptobrokern“ preisen, setzt Bitpanda längst zu seinem eigenen Sprint an. Mit einem ganzen Arsenal an Sporttestimonials – wie Tennisstar Stan Wawrinka oder eben den Fußballern von Bayern, AC Milan oder Paris Saint-Germain – hat das Wiener Unternehmen die Logik verstanden, nach der moderne Marken Geschwindigkeit aufnehmen: Sichtbarkeit.
Man kennt die Geschichte des einst hoch aufgestiegenen Asset-Managers Superfund – doch der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit steht bei Bitpanda zumindest derzeit nicht am Horizont. Demnächst ist ein IPO geplant, natürlich in Frankfurt, weil der Finanzplatz Wien zu klein scheint. Doch die Bundeshauptstadt kann trotzdem von ihrem Krypto Unicorn profitieren – zumindest wenn man die Ansiedelung internationaler KryptoBroker als Erfolg für den Finanzstandort verbucht.
Wiener Kettenreaktion
Wien entwickelt sich rasant zum europäischen Magneten für Krypto-Broker. Strenge, aber schnelle Regulierung und ein wachsendes Ökosystem machen den Standort plötzlich hochattraktiv. Das rasante Wachstum an Blockchain-Währungen schafft auch neue Herausforderungen.
Text: Daniel Nutz und Thomas Müller
Plötzlich „Krypto-Hub“
Mehrere internationale Krypto-Plattformen wie die aus Hongkong stammende Krypto-Börse KuCoin, die in Singapur gegründete Bybit oder andere große Anbieter kürten zuletzt Wien zu ihrem Europasitz. In diversen Medienberichten –von „Der Standard“ bis zum ORF – wird Wien bereits als europäischer KryptoHub gepriesen. Zu Recht? Fakt ist: Wien hat nicht nur das Potenzial, sondern ist bereits heute ein bedeutender Knotenpunkt für die europäische Krypto- und Fintech-Industrie. Um den Platzhirschen Bitpanda hat sich ein vitales Ökosystem aus Start-ups und Fachexperten gebildet. Für deren Know-how sorgen nicht nur
PLATZHIRSCH. Seit der Unternehmensgründung 2014 entwickelt sich Bitpanda zu einem internationalen Player der Szene. Heuer oder im kommenden Jahr soll der Börsengang folgen.
paweit gültige Lizenz ansucht, muss sich zunächst einem Vorverfahren stellen, das je nach Sachlage bis zu einem halben Jahr dauern kann. Dabei wird die ComplianceHistorie geprüft, etwa Strafen in anderen Ländern weltweit. Nicht wenige Bewerber scheiden bereits hier aus, erklärt Ralph Rirsch, stellvertretender Teamleiter der Aufsicht über Finanzinnovationen. Erst dann startet der formale Antrag, der mehr als 400 Seiten umfasst. Anders als in manchen anderen EU-Staaten fordert die heimische Aufsicht vom Management-Board auch Fit-&-Proper-Tests, mit denen die fachliche Eignung auf Herz und Nieren geprüft wird. Für manche eine Hürde, die den Abschluss des Verfahrens verzögert oder bei verfehlten Tests zu einem Wechsel im Management führt.
Lobbying für Wien
Zudem profitiert der Standort Österreich von der europaweiten Lizenzierung. Seit Ende 2024 ist die EU-Verordnung namens Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) in Kraft. Krypto-Dienstleister können eine Lizenz bei den nationalen Aufsichtsbehörden beantragen. Wer von diesen eine MiCAR-Lizenz erhält, darf auch in den anderen EU-Ländern seine Dienste anbieten, das heißt dann Passporting.
Streng, aber fair
ren. Doch wieso wollen sich Krypto-Unternehmen freiwillig streng regulieren lassen?
„Wien hat nicht nur die Kombination aus der zentralen Lage und hohen Lebensqualität, die internationale Talente anzieht, sowie dem stabilen rechtlichen und politischen Umfeld, sondern auch eine strenge, aber faire Aufsicht. Das ist kein Hindernis, sondern der größte Wettbewerbsvorteil, da sie als Qualitätsfilter für seriöse Unternehmen agiert“, sagt Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer auf Börsianer-Anfrage.
Die Expertise der FMA, die sich nun als Standortvorteil erweist, habe nicht zuletzt mit der Vorreiterrolle von Bitpanda zu tun, sagt Walter Mösenbacher, Geschäftsführer der Digital Asset Association Austria (DAAA): „Die Krypto-Branche in Österreich war von Anfang an von Kooperation geprägt, auch was die Zusammenarbeit mit der FMA betrifft. Sowohl Bitpanda als auch der Regulator haben über die Jahre voneinander gelernt.“ Dass Österreich die Chance der neuen europäischen Krypto-Regulierung so gut nutzen konnte, sei auch ein Verdienst von Martin Hanzl, Head of Tech bei EY Law in Wien: „Entscheidend war, dass Martin Hanzl den CEO von Bybit, Ben Zhou, nach Wien eingeladen hat. Hanzl hat auch einen Termin mit der FMA vereinbart, und Zhou hat sich von den Experten dort gleich verstanden gefühlt.“ Punkten konnte die FMA außerdem mit der Verfahrensdauer von weniger als einem Jahr. Andere Regulatoren in Europa hatten einen Rückstau an Anträgen und Wartezeiten von bis zu zwei Jahren. „Unser Glück war auch, dass Großbritannien und die Schweiz nicht in der EU sind. Damit sind diese Standorte als Europa-Headquarter weggefallen“, erklärt Mösenbacher. Indie Universitäten und Fachhochschulen, sondern der weltweit anerkannte Software-Park in Hagenberg.
Obwohl MiCAR-Lizenzen europaweit nach dem gleichen Standard erteilt werden, schaut die Realität anders aus. In einer gemeinsamen Stellungnahme mit der französischen und der italienischen Aufsicht kritisiert die FMA andere EU-Behörden, MiCAR zu lax und uneinheitlich auszulegen, was zu Wettbewerbsverzerrungen führe. Eine zu schwache Aufsicht in einzelnen Ländern würde zu Risiken für Anleger und die Marktstabilität füh-
Am Sitz der FMA auf dem Wiener OttoWagner-Platz vis-à-vis der altehrwürdigen Oesterreichischen Nationalbank kümmert sich derzeit ein achtköpfiges Team speziell um die MiCAR-Lizenzen. Manche von ihnen tragen Jeans und Flanellhemden anstatt Anzug und Krawatte. Ihr Leiter, Stefan Tomanek, war davor für das US-amerikanische Unternehmen Kraken in Irland tätig. Der Vorteil: Man kennt die Szene, kennt deren Wünsche und Probleme und spricht eine gemeinsame Sprache. Wer in Wien für eine euro-
zwischen ist er so etwas wie eine Anlaufstelle für ausländische Krypto-Unternehmen, die in Wien Fuß fassen wollen und eine MiCAR-Lizenz anstreben. Vor allem aus Ostasien sei das Interesse am Standort Österreich groß, so der Branchenvertreter. Nach Bybit und KuCoin könnte Bitget aus Hongkong oder BingX der nächste globale Krypto-Anbieter sein, der sich hierzulande die Eintrittskarte für den EU-Markt holt. Zu den derzeit acht Kryptofirmen – vier in Wien und vier in anderen Bundesländern –, die derzeit in Österreich lizenziert sind, werden sich also in absehbarer Zeit einige dazugesellen. Wie man aus der Branche hört, dürften etwa zehn Anträge auf eine Lizenz in der Pipeline der FMA sein – darum wird das Team der Aufsicht derzeit aufgestockt. Von Bitget weiß man jedenfalls, dass der Wiener Anwalt und frühere Bitpanda-Berater Oliver Stauber als EuropaCEO angeworben wurde. Zuvor hat er noch in der gleichen Position bei KuCoin die MiCAR-Lizenzierung auf Schiene gebracht.
Sein dortiger Vorstandskollege Christian Niedermüller erklärt im Gespräch mit dem Börsianer, dass Headhunter derzeit sehr aggressiv anwerben, nicht nur auf Managementebene: „Bei unseren Mitarbeitern, jenen von Bitpanda und den anderen, klingeln die Telefone!“ Diese Fluktuation führt zu Turbulenzen. So musste KuCoin sein Neugeschäft einstellen, weil die Position des Geldwäschebeauftragten vakant wurde. Eine Lösung soll zeitnah gefunden werden. Wenig spricht dafür, dass sich die Personalsituation entspannt. Bybit wie auch KuCoin kündigten an, in Wien bis zu 100 Mitarbeiter anzustellen – und neue Player drängen nach Wien. Man kann sich also in etwa ausrechnen, wie gefragt einschlägige Fachleute derzeit sind. Insider wissen zudem, dass so gut wie alle Krypto-Player derzeit Bedarf an Gesprächen mit der Aufsicht haben –das schnelle Kundenwachstum überfordert oft die Unternehmensstrukturen.
Bezahl-Revolution als Chance
Während die neue Assetklasse der KryptoWährungen derzeit noch ein Nischenthe-
BLOCKCHAIN
Eine Blockchain ist ein Datenbanksystem für die sichere Übertragung digitaler Werte, das ohne einen zentralen Server arbeitet. Die Datensatzblöcke sind (kryptografisch) verschlüsselt miteinander als Kette verbunden und bestätigen sich gegenseitig. Eine nachträgliche Manipulation wird dadurch unmöglich.
»Eine strenge Aufsicht ist ein Wettbewerbsvorteil.«
Lukas Enzersdorfer
ma ist, hat sich selbst im bargeldfreundlichen Österreich eine Mehrheit mit dem digitalen Zahlungsverkehr angefreundet. Doch auch hier sorgt die Blockchain für den größten technologischen Umbruch, den es seit der Digitalisierung gegeben hat. Einerseits durch sogenannte Stablecoins, die Kryptowährungen sind, deren Wert aber an eine Zentralbankwährung wie etwa Euro oder US-Dollar gekoppelt sind. Sie eigenen sich damit besser als Zahlungsmittel als der volatile Bitcoin. Andererseits durch digitales Geld, das die Zentralbanken selbst herausgeben, wie den digitalen Yuan oder den im Aufbau befindlichen digitalen Euro der EZB (siehe Seite 22). Das europäische Banken-Konsortium Qivalis, dem auch die RBI und die
Unicredit Bank Austria angehören, will bald einen Euro-Stablecoin auf den Markt bringen. Die European Payments Initiative macht mit dem Bezahlsystem Wero dagegen dem US-Anbieter Paypal Konkurrenz. Neben den geringeren Transaktionskosten steht bei diesen Projekten die Unabhängigkeit von US-Dienstleistern mehr denn je im Fokus – vor allem seit mit Donald Trump das Imperium der Unsicherheit in die US-Politik zurückgekehrt ist. In Österreich geht es dabei um ein digitales Transaktionsvolumen von 450 Milliarden Euro pro Jahr.
Von dieser Revolution können in Zukunft viele heimische Start-ups und etablierte Dienstleister profitieren, sind sich Brancheninsider sicher. Einer von ihnen ist Martin Sprengseis-Kogler, dessen Hightech-Firma Bluesource Banking-Lösungen und Kundenbindungsprogramme für den Handel baut und betreibt. „Der nächste Schritt wäre, die gesamten Kundenbindungssysteme im Hintergrund auf der Blockchain abzubilden und damit aber auch Transaktionen aus dem klassischen Finanzsektor herauszunehmen“, erklärt Sprengseis-Kogler. „Damit gewinnt der Händler die Möglichkeit, enorm an Wertschöpfung im Payment-Sektor zu partizipieren.“ Als Mitgründer des Branchenverbands P19 kann Sprengseis-Kogler auch viele andere Sparten nennen, die von der Blockchain profitieren: „Die Wertschöpfung entsteht dabei vor allem bei Fintechs, die Stablecoins in bestehende Payment-Prozesse integrieren. Zudem profitieren in Österreich stark etablierte Branchen, die sich früh spezialisiert haben, wie Anwaltskanzleien, Regulatory-Compliance-Anbieter und Unternehmensberater.“ Damit es auch bei der Zahlungsinfrastruktur gelingt, den Standort Österreich zu einem europäischen Hub zu machen, seien jetzt Politik, FMA, Finanzwirtschaft und Forschung gefragt, sagt der Branchenkenner und warnt zugleich: „Wenn wir diese Phase verschlafen, wird sich das Gewicht sehr schnell wieder in Richtung Schweiz oder andere Standorte verschieben.“
#DIGITALER EURO
Der Kampf ums digitale Geld
Als Ergänzung zum Bargeld plant die Europäische Zentralbank die Einführung eines digitalen Zahlungsmittels. Der Digitale Euro soll für die Bürger sowie
Unternehmen die Transaktionskosten senken und die Abhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern verringern. Banken hingegen fürchten den Verlust von Ertragsquellen – und versuchen ein eigenes Projekt zu forcieren.
SSpätestens seit dem Ausschluss Russlands und des Iran aus dem Swift-System weiß Europa: Zahlungsverkehr kann heute schnell zur geopolitischen Waffe werden. Während die USA ihre Macht über die globale Finanzinfrastruktur ausspielen und US-Stablecoins das Dollar-Imperium digital verlängern, stellt sich eine unbequeme Frage: Wie verlässlich ist der „Partner“ USA noch?
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), sieht die Antwort im Digitalen Euro, der allen EU-Bürgern bargeldloses Zahlen ganz ohne US-Zahlungsdienstleister aus einer digitalen Wallet ermöglichen soll. 2027 soll die Pilotphase starten, 2029 könnte der Digitale Euro Realität werden. Für EZB sowie EU-Kommission ist er eine Art monetäre Selbstverteidigung gegen Visa, Mastercard und Co, die zusammen rund 64 Prozent der europäischen Kartenzahlungen abwickeln. Doch während die EZB von Unabhängigkeit spricht, warnen Datenschützer vor Überwachung, Politiker vor Bevormundung (siehe Umfrage Seite 91) und Banken vor Einlagenabflüssen und hohen Kosten.
»Die Kosten eines digitalen Euro werden geringer sein.«
Martin Kocher
»Den Digitalen Euro gemeinsam mit Banken gestalten.«
Eva Landrichtinger
Privatinitiative gegen EZB-Projekt
„Der Bankensektor ist zweifellos in der Lage, selbst grenzüberschreitende Zahlungssysteme einzurichten“, sagt der scheidende RBI-Chef Johann Strobl zum Börsianer. Die Pläne für den Digitalen Euro hätten die Branche wachgerüttelt, schließlich würden die Banken ihr Kreditkartengeschäft dadurch schwinden sehen, bestätigt ein Insider. Die Banken wie auch die Zahlungsdienstleister haben daher die European Payments Initiative (EPI) gegründet und setzen auf den 2024 gestarteten Dienst Wero, der Echtzeitzahlungen ohne USPartner ermöglicht – einfach per Handynummer oder E-Mail. Mehr als 7,5 Milliarden Euro wurden im ersten Jahr über Wero abgewickelt. Auch österreichische Banken werden sich demnächst anschließen, wie der Börsianer erfuhr. Ob EPI und Wero die Dominanz der USKonzerne tatsächlich brechen können, bleibt jedoch fraglich – und dass der Digitale Euro noch gestoppt wird, glaubt man selbst bei den Branchenvertretern nicht. „Der Digitale Euro kann nur dann ein Erfolg werden, wenn er gemeinsam
Text: Daniel Nutz
ÜBERZEUGEUNGSARBEIT. EZB-Präsidentin
Christine Lagarde – um die sich zuletzt Rücktrittsgerüchte häuften – kann sich noch nicht sicher sein, ob der Digitale Euro die Unterstützung des EU-Parlaments bekommt.
mit der Bankenbranche gestaltet wird“, sagt Eva Landrichtinger, Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung in der WKÖ. Dabei stehe die Interoperabilität im Fokus. Das System müsse nahtlos in bestehende Bankensysteme integriert werden können. Klar, die europäische Bankenbranche will bei der derzeit noch laufenden konkreten Ausgestaltung des Digitalen Euro in ihrem Sinne mitreden. In diesem Kontext ist auch die Warnung vor hohen Integrationskosten zu verstehen, die letztlich Kunden und Händler zu tragen hätten.
Martin Kocher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), sieht das im Gespräch mit dem Börsianer anders: „Die Kosten eines digitalen Euro werden geringer sein als die hunderten Millionen Euro, die Banken derzeit jährlich an private Anbieter zahlen.“ Petia Niederländer, OeNB-Direktorin für Zahlungsverkehr und Innovation, betont, dass der Digitale Euro als Nonprofitprojekt konzipiert ist. Er solle Kosten senken, den Wettbewerb fördern und Fintechs eine einheitliche technische Basis bieten. Dienste wie Wero sollen nicht verdrängt, sondern ergänzt werden.
Skepsis und Falschinformationen
Banken fürchten, dass Bürger massenhaft Geld zur EZB verschieben könnten – mit Folgen für die Kreditvergabe. Die EZB verspricht: Ergänzung statt Bargeldersatz und Halteobergrenzen – diskutiert werden 3.000 Euro – sollen Massenabflüsse verhindern.
OeNB-Expertin Niederländer argumentiert, dass 2019 noch rund 80 Prozent aller Zahlungen im Euroraum in bar erfolgten, 2025 seien es nur noch rund 50 Prozent gewesen. Die Notenbanken müssten auf diese gesellschaftlichen Entwicklungen reagieren. Ob China, wo der digitale Yuan seit 2019 getestet wird, oder das digitale Pfund in Großbritannien – weltweit arbeiten nahezu alle großen Zentralbanken an digitalen Währungen. Trotzdem hat der Digitale
ONLINE UND OFFLINE VERFÜGBAR
Online läuft der Digitale Euro wie eine normale elektronische Zahlung über die Bank, ohne dass Daten an die EZB gehen. Offline wird Geld direkt von Gerät zu Gerät übertragen – anonym wie bei Bargeld.
»Demokratisierung des Online-Zahlungsverkehrs.«
Petia Niederländer
Euro einen schweren Stand – oft wegen Falschinformationen und geringer Bekanntheit. Laut einer Befragung in zehn europäischen Ländern haben zwar 58 Prozent schon davon gehört, aber nur elf Prozent fühlen sich gut informiert. Im Netz kursieren teilweise krude Behauptungen, der Digitale Euro würde Bargeld abschaffen, ein Ablaufdatum haben oder Bürger gläsern machen. Die EZB weist das zurück: Der Digitale Euro solle die Privatsphäre besser schützen als viele US-Bezahldienstleister. Weder sollen personenbezogene Zahlungsdaten an die Zentralbank fließen, noch würden bei der geplanten Offline-Funktion Informationen über Zahler oder Empfänger gespeichert.
Der politische Härtetest
Die öffentliche Konsultation zum ersten Entwurf brachte 1.400 Stellungnahmen, vor allem zu Überwachung, Bargeldverdrängung, staatlicher Kontrolle und
Bankliquidität. Nun starten die TrilogVerhandlungen zwischen EU-Kommission, Parlament und Rat. Eine Zustimmung im Parlament ist derzeit keineswegs sicher: Während Liberale und Sozialdemokraten relativ geschlossen dafür sind, kommt fundamentale Ablehnung von Rechts-außen-Fraktionen. Durch Zugeständnisse in Richtung eines minimalistischeren, datenschutzfreundlicheren sowie bankenfreundlicheren digitalen Euro an gespaltene Konservative und datenschutzkritische Grüne könnte die nötige Mehrheit erzielt werden.
Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil sprach erst kürzlich den Parlamentariern ins Gewissen: „Ich kann nur sagen: Wer in dieser Situation nicht verstanden hat, dass es jetzt auch darum geht, den Digitalen Euro so schnell wie möglich voranzubringen, der leistet keinen Dienst für Europa, sondern schadet Europa.“
Wenn alles nach Plan läuft, beginnt 2027 ein Pilotprojekt. Bereits diesen Herbst sollen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Die OeNB ist eine von sechs nationalen Notenbanken, die diese Vorarbeiten gemeinsam mit der EZB umsetzen. Mitte des Jahres soll ein „Call of Interest“ stehen, auf dessen Basis sich Banken, Zahlungsdienstleister und Händler für die Testphase bewerben können. „Wir wollen möglichst viele, auch kleinere Partner mitnehmen“, sagt Niederländer. Es gehe um eine Demokratisierung des Online-Zahlungsverkehrs. Gerade Fintechs könnten auf diesem Nährboden die Innovationen vorantreiben.
Ich mache mir schon länger
Gedanken über eine Vermögensnachfolge. Meine Tochter sagt, es gäbe dafür ein GenerationenCoaching, die sind darauf spezialisiert.
Managen Sie Ihr Leben. Wir managen Ihr Vermögen, als wär’s unser eigenes.
#AKTIONÄRSANALYSE
Siegeszug der Passiven
Text:
VVor 30 Jahren war Indexing noch ein Nerd-Thema, heute ist es Standardausrüstung im Depot. Niedrige Gebühren, Transparenz und die ETF-Revolution haben passives Investieren massentauglich gemacht – und die Asset-Industrie umgekrempelt. Global sind inzwischen rund 43,5 Prozent der langfristigen Fondsvermögen passiv gemanagt (Stand von Ende 2024). In den USA hat passives aktives Volumen bereits überholt, mehr als 50 Prozent werden über dem großen Teich bereits passiv verwaltet. Die Bottomup-Analyse von Embera Partners zu den investierten Fonds in Österreich zeigt ebenso einen klaren Anstieg in den letzten Jahren, allerdings werden hierzulande immer noch gut zwei Drittel des investierten Fondsvermögen aktiv verwaltet, Tendenz allerdings stark sinkend.
Was heißt das für Anleger?
Mehr Passivkapital heißt: Benchmarknahe Ströme werden immer bedeutender – Stock-Picking muss seine Edge noch eindeutiger zeigen. Das gelingt am ehesten mit Timing oder bei Small sowie Mid Caps und Sondersituationen. Zugleich gewinnt die Hauptversammlung, vor allem für stärker gewichtete Emittenten, vermehrt an Gewicht: Die Big Three, Vanguard, Blackrock, State Street, und andere Indexer bündeln enorme Stimmrechte – mit wachsendem Einfluss auf Wahlen, Vergütung und andere
HV-Themen und die Komplexität, denn genau diese Big Three erlauben ihren Endinvestoren in Zukunft „Individualabstimmung“, das heißt, es wird schwieriger einzuschätzen, wer bei den Hauptversammlungen vorstellig wird.
Und für Unternehmen?
Indexfonds kaufen den Markt, nicht die Vision. Doch an einer überzeugenden Equity-Story führt kein Weg vorbei. Für österreichische Emittenten im Wettbewerb mit globalen Peers entscheidet die Positionierung vor den richtigen Investoren über Nachfrage, Liquidität, Bewertung – und am Ende auch über Indexaufnahme. Mit der Verdatung des Kapitalmarkts – Stichwort KI und Big Data – gewinnt die Sichtbarkeit im gesamten Ökosystem an Gewicht: bei Datenprovidern und Aggregatoren, im Research, bei Rating und Risk-Dienstleistern. Wer hier sauber erscheint, punktet bei aktiven wie passiven Investoren gleichermaßen. Damit untrennbar verbunden ist Stewardship. Wer die Proxy Voting Policies und Offenlegungsstandards großer Häuser von Blackrock und Vanguard ignoriert, riskiert Gegenwind auf der HV – von Say on Pay über Kapitalmaßnahmen bis hin zu Aufsichtsratssitzen und Board-Zuschnitt. Die Messlatte für Transparenz, Governance und Risikomanagement steigt. Für börsennotierte Unternehmen heißt das: Policy-Fitness
rechtzeitig herstellen, damit es auf der HV keine Überraschungen gibt, und die Equity-Story dort ankommt, wo sie Wirkung entfaltet: bei den Kapitalströmen.
Hier spielt die Musik Wer Kapitalflüsse verstehen will, muss auf die Fonds bzw. Portfolios zoomen –nicht auf den Logo-Absender. Genau das zeigt unsere Tabelle mit den größten institutionellen, aktiv gemanagten Käufern und Verkäufern 2025. Ein Beispiel: American Funds EuroPacific Growth (AEPGX) und American Funds Small Cap World (SMCWX) laufen beide unter dem Dach der Capital Group. Trotzdem zogen sie in den letzten drei Monaten 2025 in Österreich in völlig unterschiedliche Richtungen: Während AEPGX seine Position in der Bawag kräftig ausgebaut hat – und zu einem der größten Käufer österreichischer Aktien avancierte –, hat SMCWX Bestände reduziert. Selber Konzern, andere Entscheidungen. Und noch ein gern übersehener Punkt: Vanguard wird zwar mit passiven Strategien verbunden. Beim Vanguard International Growth Fund sitzen die Zügel aber bei externen Managern wie Baillie Gifford und Schroder Investment Management. Die beiden Sub-Advisors haben 2025 bei der damals größten Österreich Position –Erste Group – Gewinne mitgenommen. Auch hier zeigt sich: Relevanz entsteht auf Portfolio-, nicht auf Markenebene.
Michael Oplustil und Andreas Posavac, Embera Partners
AKTIV VERSUS PASSIV IN ÖSTERREICH
Das Volumen passiver Investments hat in den vergangenen vier Jahren klar zugelegt und beträgt 12,17 Milliarden Euro.
TOP 5 ACTIVE HOLDERS
Fidelity Management & Research Co.
Capital International T. Rowe Price International
Schroder Investment Management
Die Norges Bank hat am meisten in Österreich investiert.
Der American Funds Euro Pacific Growth Fund der Capital Group war mit 356,18 Millionen Euro der Top-Buyer in Österreich.
KAPITALFLÜSSE
FUND-FLOWS –
DATEN- UND METHODIKHINWEIS
Dieser Bericht wurde auf Basis öffentlich zugänglicher Meldungen auf Ebene von Investmentfonds und ETFs erstellt. Die Bestände auf Einzelfondsebene wurden auf den jeweils zugehörigen Investment-Advisor aggregiert, um eine konsolidierte Sicht auf die institutionellen Aktivitäten zu ermöglichen. Die Analyse schließt Privatanleger, strategische Investoren oder Insider, Ankeraktionäre, eigene Aktien (Treasury Shares), reine Broker-/Nominee-Positionen sowie weitere nichtfinanzielle Halterkategorien wie Stiftungen, private Foundations und vergleichbare Einrichtungen aus. Sämtliche Marktwerte werden in Euro ausgewiesen. Die Daten beziehen sich auf die Bestände zum Ende des zuletzt abgeschlossenen Kalenderquartals; Veränderungen werden im Vergleich zum vorangegangenen abgeschlossenen Kalenderquartal gemessen.
DIE NETTOVERÄNDERUNG
BERECHNET SICH WIE FOLGT: (Bestand an Aktien zum Ende des letzten Quartals − Bestand an Aktien zum Ende des vorangegangenen Quartals) × Aktienkurs zum Ende des letzten Quartals. Obwohl die Informationen aus als verlässlich eingestuften Quellen stammen, kann keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit übernommen werden. Die ausgewiesenen Werte können aufgrund von Meldeverzögerungen, periodischen Berichtsterminen sowie weiteren systemimmanenten Einschränkungen öffentlicher Datenquellen Abweichungen unterliegen.
#INVESTMENTAUSBLICK 2026
Plan für einen ParadigmenWechsel
Die Zeit der Zinssenkungen ist vorerst vorbei, und die hohen KI-Investitionen vieler US-Technologiekonzerne verunsichern die Anleger. Das Börsenjahr 2026 dürfte eine Menge Veränderungen bringen.
Text: Raja Korinek
»Hoffentlich fährt Trump seine außenpolitischen Kapriolen etwas zurück.«
Felix Schmidt
DDie geldpolitischen Aktivitäten der Notenbanken standen lange nicht mehr derart im Fokus wie derzeit. Dabei blieben die Leitzinsen zuletzt auf beiden Seiten des Atlantiks unverändert, der Lockerungszyklus dürfte vorerst vorbei sein. In der Eurozone liegt der Einlagensatz bei zwei Prozent. So betonte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bei der Februar-Sitzung, man fühle sich mit der aktuellen Wirtschaftsentwicklung wohl. Das Wachstum sei weder stark beschleunigend noch stagnierend.
Roelof Salomons vom Blackrock Investment Institute meint, die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden solch eine Entscheidung stützen. Tatsächlich lag das Wachstum in der Eurozone im vierten Quartal 2025 bei 0,3 Prozent. Die Schätzungen wurden damit bestätigt, das Tempo der vor-
herigen drei Monate wurde eingehalten. Im Gesamtjahr 2025 wuchs das BIP um 1,5 Prozent, ein Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnet die EZB mit einem Wachstum von 1,2 Prozent.
Bei der Berenberg Bank zeigt man sich zuversichtlicher, die BIP-Schätzung liegt bei 1,3 Prozent. Ökonom Felix Schmidt begründet seine Zuversicht mit der lockeren Geldpolitik, dem nachlassenden Energiepreisschock sowie einem robusten Arbeitsmarkt. Doch auch die etwas stabilere Lage in Frankreich sowie der deutsche Fiskalimpuls sollten Schmidt zufolge dazu beitragen. „Obendrein ist zu hoffen, dass US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November 2026 seine außenpolitischen Kapriolen etwas zurückfahren wird.“
EZB in Warteposition
Doch das allmählich anziehende Wachstum wie auch die Fiskalpakete in Europa könnten Spuren in der Teuerung hinterlassen. Sie dürfte Schmidt zufolge im kommenden Jahr auf 2,2 Prozent anziehen. Und so werde die EZB den Leitzins zunächst unverändert belassen. „Ab Mitte 2027 könnte sich dieser aber in Richtung drei Prozent bewegen.“
NEUER BOSS. Bei der US-Notenbank kommt es im Mai 2026 zu einem Chefwechsel: Jerome Powell geht, sein möglicher Nachfolger ist Kevin Warsh.
Wie aber sieht es in den USA aus? Donald Trump hat bereits im vergangenen Jahr kräftig Druck auf den Fed-Chef Jerome Powell ausgeübt, die Zinsen zu senken. Trump erhofft sich von solch einer Geldpolitik eine Stütze für das Wachstum sowie die Aktienmärkte. Das käme ihm vor den Midterm Elections im November gelegen. Bislang zeigte sich Powell unbeeindruckt, die Leitsätze wurden vorerst bei einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Dabei behält die US-Notenbank stets ihr duales Mandat im Auge – sowohl auf die Ent-
wicklung der Inflation als auch auf den Arbeitsmarkt zu achten. Die Signale waren zuletzt gemischt. Während die Inflation im Jänner etwas stärker als erwartet auf 2,4 Prozent sank, legte die Zahl der neu geschaffenen Stellen mit einem Plus von 130.000 überraschend stark zu. Die Arbeitslosenquote sank zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 4,3 Prozent. Experten wollen die Entwicklungen derzeit nicht überbewerten. „Aus unserer Sicht wäre es verfrüht, aus dem starken Beschäftigungsaufbau auf eine grundsätzlich höhere Arbeitsmarktdynamik zu schließen“, konstatiert Rudolf Besch, Volkswirt bei der Deka Bank. Er spannt den Bogen zu Kevin Warsh, Powells designiertem Nachfolger, wobei der Kongress dessen Nominierung noch durchwinken muss. Besch wirft in diesem Zusammenhang einen Blick auf den Mai, dann soll Warsh den Fed-Vorsitz übernehmen.
Inflationsziel der Fed
Dabei hat der erfahrene Banker bereits klare Ziele formuliert. Unter anderem möchte Warsh die Anleihekäufe drosseln. Dies hätte zur Folge, dass die Renditen bei länger laufenden Anleihen steigen würden – und die Nachfrage nach fixverzinsten Hypothekardarlehen gedämpft werden dürfte wie auch die Inflation. Die US-Notenbank hätte dann umso mehr Spielraum, wiederum die Leitzinsen weiter zu senken, so die Überlegung. Überhaupt dürfte Warsh sich verstärkt auf das Inflationsziel und weniger auf den Arbeitsmarkt fokussieren, zeigt Besch auf. Bei der Deka Bank schätzt man die Jahresinflation 2026 auf 2,5 Prozent, im kommenden Jahr auf 1,9 Prozent. „In Summe könnte die Fed einen niedrigeren Gleichgewichtszins ansteuern, der begleitet wird von einer steileren Zinskurve.“
Es bleibt somit die Frage, wie kräftig die Senkungen ausfallen. Franz Zobl, Ökonom bei Raiffeisen Research, rechnet bis Jahresende mit vier Senkungen –bei wahrscheinlich fünf Sitzungen unter Warshs Vorsitz. Den ersten Lockerungsschritt dürfte es im Juni geben.
Allerdings sollten auch die weiteren handelspolitischen Entwicklungen
Angst und Gier
Was bedeuten diese Entwicklungen für die Börsen? Bislang zeigen sich Marktteilnehmer von den Turbulenzen sowohl bei der Handels- als auch bei der Geopolitik wenig beeindruckt. „Übergeordnet hat sich das Stimmungsbild bereits seit November 2025 aufgehellt“, erklärt Marcio Costa, Senior Portfoliomanager bei Bantleon. Er meint, wichtige Sentimentindikatoren wie der CNN Fear & Greed Index, die AAII-Umfrage sowie niedrige Volatilitäts- und Absi-
nicht unterschätzt werden. Noch hält sich Trump mit der Umsetzung zahlreicher Ankündigungen zurück. „Von den im Sommer 2025 ausverhandelten Zölle sind nur rund die Hälfte wirksam, sodass der effektive durchschnittliche Außenzoll der USA derzeit bei knapp zehn Prozent liegen dürfte“, betont Ulrich Kater – er ist Chefökonom der Deka Bank. Die vergleichsweise moderaten US-Zölle sowie das Ausbleiben von Gegenzöllen – außer in China – seien auch der Grund dafür, dass große Teile der arbeitsteiligen Weltwirtschaft sowie der Welthandel weiterhin intakt seien. Die vollen Auswirkungen blieben dennoch abzuwarten.
Kater verweist auf einen zusätzlichen Aspekt. „Wesentlich für die weitere Entwicklung des Welthandels werden die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China sein. Während Chinas Exporte in die USA um 20,6 Prozent zurückgingen, stiegen die Ausfuhren in die EU um 7,6 Prozent im vergangenen Jahr. „Handelsbeschränkungen durch die EU aufgrund unfairer Wettbewerbspraktiken seitens Chinas könnten diesen Teil des Welthandels ebenfalls eindämmen.“
»Von den im Sommer 2025 ausverhandelten Zölle sind nur rund die Hälfte wirksam.«
Ulrich Kater
cherungsniveaus signalisierten zumindest Anfang Februar einen vorsichtigen Optimismus ohne Anzeichen von Panik.
Der Fear and Greed Index misst die Anlegerstimmung am US-Aktienmarkt und wurde von der US-Nachrichtenagentur CNN entwickelt. Dazu werden sieben Indikatoren gemessen, um einschätzen zu können, ob Angst oder Gier das Verhalten dominiert. Zu den Indikatoren zählen unter anderem Markt-
WELTHANDEL. Wie geht es zwischen den USA und China weiter?
»Vor allem Value-Segmente am US-Aktienmarkt bieten attraktive Chancen.«
Lukas Brandl-Cheng
AUSWIRKUNGEN. Chips und Rechenzentren werden zukünftige Geschäfte prägen.
momentum, Volatilität und der Abstand zwischen den Renditen für Unternehmens- und Staatsanleihen. Zum Vergleich: Ende November lag der Wert bei 19 Punkten und erreichte Mitte Februar rund 38 Punkte. Alles in allem sprächen saisonale Muster grundsätzlich für ein positives Börsenjahr 2026, zieht Costa sein Fazit und verweist auf jüngste Entwicklungen: „Die laufende Berichtssaison liefert bislang überwiegend positive Überraschungen, während die globale Marktbreite robust bleibt.“
Dennoch rücken Entwicklungen in einzelnen Sektoren vermehrt in den Fokus. So waren in den vergangenen Jahren vor allem eine Handvoll großer USTechnologiekonzerne wichtige Zug-
pferde etwa am S&P 500. Entsprechend haben sich deren Börsenbewertungen stark verteuert. Dabei dominiert vor allem das Thema Künstliche Intelligenz (KI) das Geschehen. Deka-Chefökonom Kater meint, „in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres sorgten in den USA KI-Investitionen für einen durchschnittlichen Wachstumsschub von 0,4 Prozentpunkten. Für die Jahre 2026 und 2027 unterstellen wir in der Prognose ähnlich hohe Wachstumsimpulse.“ Doch um solche Entwicklungen weiter zu forcieren, hegen vor allem zahlreiche große US-Technologiekonzerne hohe Investitionspläne, die mittlerweile manch Anleger an der Rentabilität zweifeln lassen.
Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon planen heuer entsprechende Ausgaben in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollar. Das Geld soll unter anderem für leistungsfähige Chips, weitere KIRechenzentren sowie den Ausbau der Netzwerktechnologie investiert werden. Lukas Brandl-Cheng, Investment Strategist bei Vanguard Europe, wiegelt die Entwicklungen ab und sagt, „auch wenn ein weiterer Anstieg bei Wachstumsaktien möglich ist, bieten vor allem die Value-Segmente am US-Aktienmarkt und in anderen Industrieländern attraktive Chancen“.
Europas „Old Economy“
Wichtige Treiber sind in Europa etwa große staatliche Infrastruktur- und Rüstungspakete (Seite 38). Davon könnten beispielsweise Stahlaktien profitieren, eine Einschätzung, die offensichtlich auch in den USA geteilt wird. So möchte der US-Stahlkonzern Worthington Steel den deutschen Stahlhändler Klöckner für rund 2,1 Milliarden Euro kaufen. Die Transaktion wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen
sein. Der deutsche Stahlkonzern Salzgitter diversifiziert wiederum in die Rüstungsbranche und gab vor Wochen den Kauf von Thyrolf & Uhle bekannt. Letzteres Unternehmen produziert unter anderem Sicherheitsstahl, der zur Herstellung militärischer Fahrzeuge verwendet wird.
Auch Versorger zählen in der Regel zum „Value-Segment“. Große Wachstumssprünge werden solchen Bran-
chenfirmen meist nicht zugetraut, dafür stetige Einnahmen. Ausgerechnet solche Unternehmen profitieren derzeit vom KI-Boom. Denn sie liefern die Energie für die rasant steigende Zahl an Rechenzentren. In den USA zählt etwa Nextera Energy zu den Profiteuren, der Konzern ist zugleich großer Produzent erneuerbarer Energien. Auch in Europa werden Rechenzentren benötigt. Dafür liefern nicht nur Versorger die Energie. Schneider Electric aus Frankreich stattet solche Gebäude etwa mit den Kühlsystemen aus.
Doch auch Japans Aktienmarkt kann trotz jüngster Rekordhochs bei den Indizes einen Blick wert sein. Gerade die Dynamik des Aufschwungs stimmt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privatund Firmenkunden bei der Deutschen Bank, zuversichtlich wie auch die Anhebung der Gewinnschätzungen für die Unternehmen sowie die angekündig-
te Fiskalexpansion, wie Stephan sagt. Denn Japans Wirtschaftswachstum fiel zuletzt deutlich schwächer als erwartet aus. Vor allem der Exportsektor schwächelt – da half selbst ein rekordschwacher Yen nichts. Premierministerin Sanae Takaichi könnte deshalb die Wirtschaft mit größeren Fiskalpaketen unterstützen.
»Die Dynamik des Aufschwungs in Japan stimmt mich zuversichtlich.«
Ulrich Stephan
Quelle: baha
Indiens Abkommen schaffen Rückenwind
Auf eine Beimischung in den Schwellenländern sollte obendrein nicht verzichtet werden. Insbesondere Indien sorgte zuletzt für Schlagzeilen. Mit der EU wurde vor wenigen Monaten das Freihandelsabkommen geschlossen, mit den USA wurde Anfang Februar ein Deal erreicht, wonach man sich auf Zollsenkungen geeinigt hat. Damit wurden nunmehr zwei länger andauernde Unsicherheitsfaktoren ausgeräumt. Das sollte dem indischen Aktienmarkt frischen Rückenwind verleihen, betont Praveen Jagwani, CEO des indischen Vermögensverwalters UTI International. Jagwani verweist auch auf die starken Gewinnerwartungen der Unternehmen sowie die stetigen Zuflüsse inländischer Investoren. Besonders gute Chancen räumt der UTI-Experte dem Bankensektor aufgrund des robus-
ten Kreditwachstums ein, sowie Industrietiteln. So werde weiterhin in die Infrastruktur investiert. Der Automobilsektor profitiere wiederum vom steigenden Wohlstand wie auch die Konsumbranche. Alles in allem zeigen sich Experten zuversichtlich. Die möglichen Risiken, etwa eine Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten oder in Fernost, sollten jedoch ebenso gut im Auge behalten werden.
% Meine Rendite
Die Zeit der geldpolitischen Lockerung dürfte vorerst vorbei sein. Den Börsen räumen Marktexperten zusätzliches Potenzial ein, wenngleich US-Technologieaktien ihre starke Zugkraft allmählich zugunsten anderer Bereiche verlieren dürften.
Praveen Jagwani SCHNEIDER
»Starke Gewinnerwartungen der Unternehmen sowie stetige Zuflüsse inländischer Investoren in Indien.«
Marktentwicklung
ENTWICKLUNG (YTD) DER INTERNATIONALEN AKTIENMÄRKTE IM VERGLEICH ZUR WIENER BÖRSE
ATX (ÖSTERREICH)
STOXX EASTERN EUROPE TM (EUR)
STOXX EUROPE TM (EUR)
STOXX US TM (EUR)
STOXX EM TM (EUR)
Schwellenländer-Aktien legen seit Jahresbeginn die stärkste Performance hin, stark präsentiert sich auch Osteuropa und der finanzlastige ATX. US-Aktien hinken weiterhin dem Rest der Welt deutlich hinterher.
PERFORMANCE DER INDIZES IM VERGLEICH
ATX-GEWICHTUNG ALS SWEET SPOT
Wolfgang Matejka Geschäftsführer Matejka & Partner Asset Management
ISIN Kurs
DIE DYNAMIK der Aktienbörsen hat auch im neuen Jahr nicht nachgelassen. Es beginnt aber langsam ein Prozess des Hinterfragens von Bewertungen und Geschäftsmodellen in die Märkte zu wirken. Der Künstlichen Intelligenz (KI) wird nicht mehr ein pauschal positives Momentum zugeordnet. Disruptionen durch die Anwendung von KI beginnen Raum zu greifen. Soziale Komponenten wie die Verdrängung von Arbeitsplätzen oder Schwächung ganzer Geschäftsbereiche sind die Folge. Die Märkte verloren dadurch ihre bis dahin gezeigte lineare Einigkeit. Sektor-Allokation war zum Muss geworden. In diesem Umfeld war der ATX in seiner hohen Gewichtung von Finanzwerten und Energie wieder im Sweet Spot angekommen. Genau diese beiden Sektoren blieben im kritischen Umfeld geschützt; Finanzwerte, weil sich die EZB an weiterhin tiefen Zinsen orientierte. Die Energiewerte lagen in der Gunst durch ihren Lösungscharakter in Bezug auf Energiehunger der Datenfarmen und einer wirtschaftlichen Erholung. Naturgemäß sind die Aktienmärkte hier relativ rasch, ihre Bewertungsoptionen zu sehen, die Performance der Märkte war daher zeitweise sprunghaft. Im weiteren Jahresverlauf kann man sich erwarten, dass die Titel- und Sektor-Allokation volatil bleibt. Man wird sich enger als zuletzt an den Unternehmensergebnissen samt deren begleitenden Perspektiven ausrichten. Pauschale Wachstumsannahmen tragen die Investments nicht mehr allein. Defensive Sektoren und Value-Aktien bekommen dadurch wieder jene Aufmerksamkeit, die sie die letzten Jahre durch überlagernde Themen wie KI verloren hatten. Indexgewichtungen treten hinter Fundamentaldaten zurück. Aktives Investment bekommt wieder eine Chance.
„Uns gefallen derzeit defensivere Branchen“
Weshalb die Inflationsrisiken in der Eurozone längst nicht gebannt sind, ausgewählte Unternehmensanleihen trotz gestiegener Kurse Chancen bieten und wie eine Streuung in schwankungsärmere Aktien aussehen kann.
Interview: RAJA KORINEK
Herr Ules, die EZB beließ auf ihrer jüngsten Sitzung die Zinsen unverändert, der Einlagensatz verharrt auf zwei Prozent. Dabei ist doch die Inflation im Jänner auf 1,7 Prozent gesunken? – Wolfgang Ules: Sie liegt damit sogar unter dem Zielwert von zwei Prozent. Die EZB orientiert sich jedoch nicht an einzelne Monatsdaten, sondern an der mittelfristigen Entwicklung der Kerninflation – somit ohne Berücksichtigung der Preisveränderungen bei Tabak, Nahrung und Energie – sowie der Lohndynamik.
Das heißt, die Inflationsrisiken sind nicht gebannt? – Letztendlich könnten strukturelle Faktoren, geopolitische Spannungen sowie die Deglobalisierung wieder zu einem höheren Preisdruck führen. Denken Sie dabei an den Zollkrieg. Somit ist die Zurückhaltung der Notenbank ein Signal, dass sie zunächst mehr Sicherheit über einen dauerhaft rückläufigen Inflationsdruck gewinnen will. Aktuell befinden sich die Währungshüter in der Position, nach oben wie auch nach unten hin schnell reagieren zu können.
Wie könnte der nächste Schritt ausfallen? –Mit einer Senkung rechne ich erst, wenn sich der Inflationsrückgang als nachhaltig bestätigt und die Kerninflation sowie die Lohnzuwächse weiter nachlassen. Eine Zinserhöhung halte ich derzeit ebenso für unwahrscheinlich, da die
% Unternehmensanleihen
% Inflationsgeschützte Staatsanleihen
Pfandbriefe 4,00% Schwellenländeranleihen
Quelle: Schelhammer Capital Bank AG
Konjunktur weiterhin fragil ist. Unter dem Strich spricht mehr für eine graduelle Lockerung.
Wie sieht es folglich mit der Positionierung von Staatsanleihen im ausgewogenen Musterportfolio aus? – Aktuell nehmen darin Anleihen von Staaten und staatsnahen Institutionen rund 30 Prozent –inklusive inflationsgeschützter Papiere – ein. All solche Bonds verleihen dem Portfolio Stabilität und verfügen nach
WOLFGANG ULES Chief Investment Officer Schelhammer Capital Bank AG
2006 wechselte der studierte Betriebswirt in die Schelhammer Capital Bank als Leiter des Asset-Managements. Seit 2014 ist Ules zudem auch Chief Investment Officer. Im Mai 2023 wurde der Marktexperte zum Vorstandsvorsitzenden der Security KAG ernannt.
wie vor über eine gewisse Schutzfunktion in volatilen Phasen. Zudem bieten sie im aktuellen Zinsumfeld ansprechende laufende Erträge.
Knapp mehr als 20 Prozent entfallen auf Unternehmensanleihen. Wo finden Sie da noch Chancen angesichts des mittlerweile geringen Zinsabstands zu Staatsanleihen? – In einem Umfeld enger Zinsabstände leistet insbesondere die Qualität der Emittenten einen entscheidenden Beitrag zur stabilen Portfolioentwicklung. Dies sehen wir etwa bei Titeln wie dem schwedischen Industriekonzern Atlas Copco, dem USMedizintechnikunternehmen Medtronic sowie dem Schweizer Mobilfunkanbieter Swisscom.
Auf der Aktienseite investieren Sie einen guten Teil in Global Brands. Was steckt hinter der Strategie? – Es handelt sich um Unternehmen, die das Fundament der Weltwirtschaft darstellen, globale Entwicklungen mitbestimmen und davon profitieren. Sie sollen folglich den soliden und schwankungsärmeren Baustein der Aktienquote darstellen, wobei sämtliche Titel gleich gewichtet werden. Aktuell gefallen uns der Finanz und Rohstoffsektor sowie defensive Bereiche, etwa der Basiskonsum. Dazu zählen der norwegische Aluminiumhersteller Norsk Hydro sowie der USEinzelhändler Walmart und der USGetränkehersteller Pepsi.
Wettlauf um die Vormacht
Text: Raja Korinek
1. Hintergrund
US-Präsident Donald Trump möchte die Rüstungsausgaben bis 2027 auf 1,5 Billionen US-Dollar erhöhen. Zum Vergleich: Das Budget liegt heuer bei 901 Milliarden US-Dollar. Die EU-Verteidigungsausgaben beliefen sich 2025 auf mehr als 380 Milliarden Euro.
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2. Veranlagung
Die Bewertungen der Defense-Aktien sind insgesamt nicht mehr günstig. Jedoch ist die steigende Nachfrage nach entsprechenden Produkten nicht nur von der Konjunktur getrieben, sondern insbesondere von der sicherheitspolitischen Lage abhängig.
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3. Interview
„Früher wurden Konflikte möglichst in multilateralen Gesprächen gelöst. Solch eine Beschwichtigungspolitik funktioniert nicht mehr“, sagt Tom Bailey von HANetf. Auch deshalb wachsen Verteidigungsbudgets stark an.
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Kaum eine Region rund um den Globus bleibt von Konflikten und Krisen verschont. Im Nahen Osten spitzt sich der Konflikt zwischen dem Iran und den USA zu. In der Ukraine tobt der Krieg mit Russland. Auch in Asien-Pazifik droht eine neue Eskalation mit China. Dementsprechend stocken immer mehr Staaten ihre Verteidigungsbudgets auf. Davon profitieren auch zahlreiche einschlägige Branchenaktien. Für Anleger gibt es mehrere Möglichkeiten, in den Sektor breitgestreut zu investieren.
Im Bann der Krisen
Die Krisenherde nehmen rund um den Globus zu – damit steigt das Sicherheitsbedürfnis dementsprechend an. Die Prognosen für die weiteren Verteidigungsbudgets verdeutlichen die Dimensionen.
AAuf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz stellte US-Außenminister Marco Rubio Europa erneut die Rute ins Fenster – und forderte mehr Ausgaben für die Verteidigung ein. Bereits im vergangenen Sommer einigten sich Mitglieder des nordatlantischen Bündnisses Nato auf Druck des US-Präsidenten Donald Trump darauf, die Verteidigungsausgaben bis 2035 auf fünf Prozent des BIPs zu erhöhen. Die darauffolgende Zerreißprobe bestand die Nato jedenfalls. US-Präsident Donald Trump hat-
te vor Monaten Grönland beansprucht und betont, der Besitz des Gebietes liege im strategischen Interesse der USA. Weil Grönland autonomer Bestandteil des Nato-Mitglieds Dänemark ist, wäre eine solche Übernahme ein Übergriff auf einen Bündnispartner. Nun wird die Nato ihre Präsenz in der Region mit der „Arctic Sentry“-Mission erhöhen.
Deutschland prescht vor Zahlreiche europäische Länder hegen große Aufrüstungspläne. Die deutsche Regierung beschloss im Frühjahr 2025, jenen Anteil an Verteidigungsausgaben, der ein Prozent des BIPs übersteigt, von der Schuldenbremse auszunehmen. Für 2026 sieht das Bundesministerium der Verteidigung Investitionen von mehr als 108 Milliarden Euro vor.
Auch anderswo prescht man vor. Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU aktivierten für Österreich die nationale Ausweichklausel für Verteidigungsausgaben. Die Klausel ermöglicht es den Mitgliedsländern, mehr Schulden für Aufrüstung aufzunehmen, ohne EU-Sanktionen zu riskieren. Sie gilt für bis zu vier Jahre ab 2025 und bietet einen Spielraum von höchstens 1,5 Prozent des BIPs. Laut Angaben des EURates wurde die Ausweichklausel für 16 EU-Mitglieder aktiviert. Für Österreich ist eine solche Klausel wesentlich, da das Land über der Maastricht-Grenze von drei Prozent Budgetdefizit der Wirtschaftsleistung liegt.
Die EU-Verteidigungsausgaben beliefen sich laut den EU-ConsiliumZahlen 2025 auf mehr als 380 Milliarden Euro – ein Plus von 63 Prozent seit 2020. Die Ausgaben erreichten damit im Schnitt 2,1 Prozent des BIPs der EUMitgliedstaaten. Christoph Ohme, Aktienexperte bei ODDO BHF Asset Management, meint: „Die politischen Entscheidungen der letzten zwei Jahre –insbesondere in Deutschland – schaffen ein Umfeld, in dem die Verteidigungsindustrie über Jahre hinweg deutlich wachsen kann.“
USA bleiben Nummer eins
Auch die USA hegen große Pläne. Trump möchte die Ausgaben 2027 auf 1,5 Billionen US-Dollar erhöhen. Zum Vergleich: Das Budget liegt heuer bei 901 Milliarden
US-Dollar. Damit geben die USA weltweit am meisten für Verteidigung aus. Die globalen Entwicklungen werden vom Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) beobachtet. Laut dem SIPRI-Jahrbuch 2025 beliefen sich die Militärausgaben 2024 auf 2,72 Billionen US-Dollar – ein Zuwachs von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und zugleich das höchste jährliche Plus seit 1988, dem Ende des Kalten Krieges. Auf die USA folgen China, Russland, Deutschland sowie Indien. Deren Militärausgaben machen zusammengerechnet 60 Prozent der weltweiten Investitionen aus.
Der Anteil der Militärausgaben am globalen BIP stieg damit auf 2,5 Prozent. Das Potenzial dürfte jedoch längst nicht ausgeschöpft sein – zumindest im historischen Vergleich. Bei SIPRI verweist man auf eine Auswertung der Weltbank unter Verwendung der SIPRI-Daten: 1964 lag der Anteil bei 5,4 Prozent, 1984 bei 4,2 Prozent – ein Jahr, nachdem der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan den Start des Raketenabwehrsystems „Star Wars“ lancierte. An Kriegsherden mangelt es heute – neben der Ukraine –nicht. Der Konflikt rund um Grönland ist nicht gelöst. Im Nahen Osten spitzt sich die Lage zwischen dem Iran und den USA zu. Auch die Auseinandersetzungen im Asien-Pazifik-Raum sollten nicht unterschätzt werden.
% Meine Rendite
Die Krisenherde nehmen weltweit zu, dementsprechend wächst das globale Sicherheitsbedürfnis. Vor allem Europa hat Aufholbedarf, der in den kommenden Jahren mit steigenden Budgets abgedeckt werden soll. Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft, wie historische Vergleiche etwa zum Kalten Krieg zeigen.
Renditechancen mit Rüstung
Die Sektoraktien rücken zunehmend in den Fokus vieler Anleger, wie die Wertentwicklung im vergangenen Jahr gezeigt hat. Marktexperten erklären, weshalb die Hausse noch Luft nach oben hat.
DDie wachsende Zahl an Krisenherden steigert die Ausgaben für Aufrüstung. Davon profitiert der Verteidigungssektor, der zu teilweise starken Kursgewinnen einschlägiger Aktien an der Börse geführt hat. Ob sich der Einstieg noch lohnt? Christoph Ohme, Aktienexperte bei ODDO BHF Asset Management, meint: „Die Bewertungen der Aktien sind insgesamt nicht mehr günstig.“ Jedoch sei die steigende Nachfrage nach entsprechenden Produkten nicht nur von der Konjunktur getrieben, sondern insbesondere von der sicherheitspolitischen Lage abhängig. „In diesem Umfeld sind höhere Bewertungen nachvollziehbar. Sie sind Ausdruck hoher Visibi-
lität von Umsätzen und Gewinnen in der Branche“, erklärt Ohme.
Ähnlich zuversichtlich gibt sich Aneeka Gupta, Verteidigungsspezialistin bei Wisdom Tree. Sie meint, das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen der Neubewertung von Verteidigungsaktien als strukturelles Thema. „Seit Anfang 2026 zeigt sich, wie schnell die Kapitalmärkte die Entwicklung bekräftigen.“
USA als Zugpferd Für Anleger gibt es diverse Möglichkeiten, in den Sektor gestreut zu investieren, wobei die Produktstrategien unterschiedlich ausgerichtet sind. Im VanEck Defense UCITS ETF (ISIN IE000YYE6WK5)
entfallen knapp mehr als 50 Prozent auf die USA, weitere rund elf Prozent auf Südkorea, knapp sechs Prozent auf Israel und der Rest auf Europa. Größte Position nimmt der Luftfahrt- und Verteidigungskonzern RTX aus den USA ein. Unter anderem stellt die Tochterfirma Raytheon Luft- und Raketenabwehrsysteme her. Weitere Produkte sind Munition, Geschoße und Radarsysteme.
Zu den weiteren Top-Holdings zählen die französische Thales, Palantir aus den USA sowie Hanwha Aerospace aus Südkorea, das in der Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie mitmischt. Der Konzern ist nicht nur in Asien-Pazifik tätig. Ende Jänner 2026 gewann Hanwha Aero-
ILLUSTRATION: ADOBE
space einen Großauftrag zur Lieferung des Mehrfachraketenwerfers Chunmoo nach Norwegen. Palantir bietet wiederum über die Tochterfirma Gotham Software an, die unstrukturierte Daten verknüpft und Muster daraus erkennt, etwa zur Terrorismusbekämpfung. Palantir Artificial Intelligence Platform (AIP) bietet eine Plattform an, mit der große Sprachmodelle und Künstliche Intelligenz in private Netzwerke möglichst sicher integriert werden. Der ETF selbst hat auf ein Jahr ein Plus von mehr als 50 Prozent auf Euro-Basis zugelegt.
USA und Europa
Der HANetf Future of Defence UCITS ETF (IE000OJ5TQP4) investiert in Unternehmen, die von steigenden Verteidigungsund Cyberausgaben der Nato sowie deren Verbündeten profitieren. Auch hier
nehmen die USA mit rund 60 Prozent die größte Gewichtung ein, so etwa mit Palantir, gefolgt von mehreren europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Zu den größten Gewichtungen zählt die französische Safran. Das Unternehmen produziert unter anderem Triebwerke, Navigationssysteme sowie Radarsysteme für die Streitkräfte. Obendrein ist Safran an der Herstellung französischer Atomraketen beteiligt.
Crowdstrike Holdings aus den USA bietet wiederum cloudbasierten Cyberschutz an. BAE Systems aus Großbritannien produziert und wartet Systeme für Streitkräfte sowie den Cyberschutz. Zu den Kernprodukten zählen Kampfflugzeuge wie der Eurofighter Typhoon und U-Boote. Beim HANetf-Produkt liegt das Plus auf ein Jahr bei rund 32 Prozent.
Einen rein europäischen Fokus hat das Stoxx Europe Total Market Defense Capped Indexzertifikat der Societe Generale (DE000FD6M1T5). Umfasst sind derzeit 22 Titel, wobei zuletzt genannte Aktie die größte Einzelgewichtung ausmacht. Auch Rolls-Royce sowie Rheinmetall sind dabei. Letzterer Konzern produziert Waffen, Munition sowie Flugabwehrsysteme und Panzer wie den Leopard 2.
% Meine Rendite
Der Verteidigungssektor rückt zunehmend in den Fokus zahlreicher Staaten und damit auch in jenen der Anleger. Von den teilweise kräftigen Kurszuwächsen bei entsprechenden Aktien lassen sich Marktbeobachter dabei nicht abschrecken, zumal Branchenkonzerne eine breite Palette anbieten.
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ZIVIL UND MILITÄR. Viele der Rüstungskonzerne liefern auch Produkte für zivile Bereiche, sagt Tom Bailey.
Europas Branchenaktien holen auf
Dass es sich beim Thema Rüstung um einen kurzfristigen Hype handelt, glaubt Tom Bailey, Head of Research bei HANetf, nicht. Bailey verweist auf die weltweit steigenden Ausgaben, sie seien eine wesentliche Stütze.
HHerr Bailey, Europa wird oftmals vorgeworfen, für die eigene Verteidigung nicht genug getan zu haben. Ändert sich das derzeit? Tom Bailey: – Der Krieg in der Ukraine sowie der jüngste GrönlandKonflikt mit den USA waren tatsächlich ein Weckruf, in die eigene Verteidigung verstärkt zu investieren. Und selbst USPräsident Donald Trump stellte jüngst neue Forderungen zu den Verteidigungsausgaben in seinem Land. Während heuer Ausgaben von rund 900 Milliarden US-Dollar vorgesehen sind, fordert Trump für 2027 eine Budgeterhöhung auf 1,5 Billionen US-Dollar.
Allerdings haben die Kurse einiger Branchenaktien, wie Rheinmetall aus Deutschland oder Northrop Gruman aus den USA, zuletzt Rekordhochs erreicht. Wo steht die Branche heute? – Die Bewertungen sind ein gutes Stück gestiegen, in unserem Future of European Defence UCITS ETF liegt das erwartete durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, Anm. d. Red.) auf die kommenden zwölf Monate bei rund 29. Setzt man allerdings das KGV in Relation zum erwarteten Gewinnwachstum, die sogenannte PEGRatio, um besser einschätzen zu können, ob eine Aktie trotz hohen KGVs vergleichsweise günstig ist, zeigt sich ein anderes Bild. Die Kennzahl liegt für unseren ETF im Schnitt bei 1,2, für den MSCI Europe bei 1,7. Dies spiegelt das höher prognostizierte Gewinnwachstum von Verteidigungsaktien diesseits
des Atlantiks im Vergleich zum Markt wider.
Und wie sieht es im Vergleich zu den USPendants aus, die historisch eine bessere Wertentwicklung hatten? – Tatsächlich waren europäische Rüstungsaktien in der Vergangenheit günstiger bewertet. In den USA waren die Verteidigungsausgaben stets höher, ein wesentlicher Treiber der Aktienkurse. Allerdings wurden auch Anlegerinteressen stärker berücksichtigt. Das hat sich geändert. Aufgrund der jüngsten, teils kräftigen Kurszuwächse haben die Bewertungen europäischer Branchenaktien aufgeholt.
Als vor wenigen Monaten die Friedensgespräche zwischen den USA und Russland zum Ukraine-Krieg eingeleitet wurden, verloren zahlreiche Branchenaktien an Wert. Ist ein entsprechendes Investment schlicht eine Wette auf einen Krieg? – Wir leben in einer neuen Weltordnung, und darauf müssen sich Länder einstellen. Früher wurden Konflikte möglichst in multilateralen Gesprächen gelöst. Solch eine Beschwichtigungspolitik funktioniert nicht mehr. Die eigene Verteidigung rückt in den Fokus, das trifft vor allem auf Europa zu.
Allerdings stammt ein Großteil der Aufträge vom öffentlichen Sektor. – Tatsächlich zählen in dieser Branche Regierungen zu den größten Kunden. Jedoch gibt es Ausschreibungen, es herrscht ein
Wettbewerb um die Auftragsvergabe. Zudem liefern viele der Rüstungskonzerne Produkte an Zivilbereiche. Denken Sie etwa an Airbus, das nicht nur an die zivile Luftfahrt liefert, sondern auch Kampf- und Tankflugzeuge baut. Obendrein steigen die Verteidigungsbudgets. Davon dürften die Sektoraktien profitieren.
Insgesamt verändert sich die Welt der Verteidigung. Es geht längst nicht nur um Panzer. Auch die Hochelektronik, etwa für Drohnen, spielt eine Rolle. Welche Chancen bietet die Entwicklung? – Inzwischen entwickeln sowohl Nischenplayer als auch etablierte Konzerne hochtechnologische Produkte. In Australien bietet etwa Drone Shield ein Abwehrsystem an. Der US-Technologiekonzern Cisco wie auch der Softwarehersteller Crowdstrike bieten Schutz gegen Cyberangriffe. Alles in allem ist die Welt der Verteidigung vielfältig aufgestellt.
% Meine Rendite
Die hohe Abhängigkeit vom öffentlichen Sektor für Rüstungsunternehmen sieht Tom Bailey von HANetf nicht problematisch. Schließlich müssten die Konzerne um Aufträge buhlen. Bailey verweist zudem auf die höheren Wachstumserwartungen im Sektor im Vergleich zum breiten Markt und erklärt, weshalb er Europa die Aufholjagd durchaus zutraut.
#TECHNOLOGIE
Ein Quantum Hoffnung
Die Fortschritte in der Technologiebranche werden von Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz (KI) beschleunigt. Solch ein Einsatz ermöglicht es Rechnern, größere Mengen an Daten auszuwerten und Quervernetzungen durchzuführen. Inzwischen wird mit Quantencomputing die nächste Generation an Rechnern entwickelt.
EEin klassischer Computer speichert Informationen in einer Reihe Bits. Dies ist die kleinstmögliche Informationseinheit, deren Wert entweder 0 oder 1 ist. Es handelt sich ein binäres System, bei dem aktuell Computern klare Entweder-oderAnweisungen gegeben werden. Ein Quantencomputer speichert Informationen in Qubits. Diese können einen Mischzustand – mathematisch eine Wahrscheinlichkeitsüberlagerung – aus beiden Zuständen annehmen. So kann eine große Menge Daten weitaus rascher verarbeitet werden. Dennoch gibt es bislang nur wenige Quantencomputer. Sie sind instabil und müssen in einem stark gekühlten Umfeld betrieben werden, wobei der phy-
Text: Raja Korinek
Die Umsätze mit Quantencomputing könnten von 3,25 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 ansteigen.
sikalische absolute Nullpunkt von -273,15 Grad Celsius der Richtwert ist.
Das globale Potenzial hat Marketsandmarkets Research, ein Marktforschungsunternehmen aus den USA, ausgelotet. So könnten die Umsätze mit Quantencomputing von 3,52 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 ansteigen. Die Wachstumsbereiche sind vielfältig, vom Hardwaresektor bis hin zum Ausbau von Cloud-Computing.
Auch für Anleger gibt es Chancen. So setzt der VanEck Quantum Computing UCITS ETF (IE0007Y8Y157) auf 30 Titel, allen voran aus der IT-Branche, gefolgt von Industrie- und Kommunikationstiteln.
Die USA sind zu knapp mehr als 60 Prozent gewichtet. Danach folgen Deutschland und Japan. Größte Position ist IonQ. Das USUnternehmen entwickelt Hard- und Software für Quantencomputer. Nun wurde der Wiedereinstieg von Amazon in Höhe von 300 Millionen US-Dollar bekannt. D-Wave Quantum, ebenfalls aus den USA, bietet Quantencomputer zur Lösung komplexer Optimierungsprobleme, wie sie in der Logistik oder dem Finanzwesen gebraucht werden, an. Tatsächlich sind auch die Banken Wells Fargo sowie Bank of America Teil des ETFs. Beide US-Finanzhäuser testen den Einsatz von Quantencomputing.
Anders ist die Aufstellung im Solactive Quantum Computing Indexzertifikat der Bank Vontobel (DE000VP4XD45). Investiert wird in 20 Titel, zu mehr als 50 Prozent in den USA, gefolgt von Südkorea, China und Deutschland. Größte Branchengewichtung entfällt auf den Technologiesektor, gefolgt vom Gesundheitswesen und der Industrie. Die südkoreanische Samsung Electronics entwickelt Post-Quanten-Kryptografie, um Daten vor künftigen Hacks oder Angriffen durch Quantencomputer zu schützen. Der Schweizer Pharmakonzern Roche verwendet Quantencomputer, um die Arzneimittelentwicklung zu beschleunigen. Der britische Ölkonzern Shell nutzt die Technologie, um komplexe Simulationen in der Materialforschung zu beschleunigen.
% Meine Rendite
Das globale Datenvolumen wächst, auch da der Einsatz Künstlicher Intelligenz jede Menge davon benötigt. Mit Quantencomputing sollen künftig Rechenprozesse noch weitaus schneller erfolgen. Immerhin setzen bereits einige Konzerne dementsprechend auf deren Einsatz. Jedoch steht die Technologie erst noch am Beginn.
KOSMISCHER BÖRSEN-KUSS
Volker Meinel, Zertifikate-Experte von BNP Paribas.
Noch sind es einige Wochen hin, doch schon seit geraumer Zeit gibt es unter Börsianern ein großes
Thema: Der Börsengang von Space X. Elon Musk plant mit seiner Raumfahrt- und Telekommunikationsfirma im Juni an die Börse zu gehen. Kolportierter Marktwert: 50 Milliarden Dollar. Keine Frage: der Börsengang zieht nicht nur Börsianer, sondern auch Raumfahrtphantasten in den Bann. Schließlich geht es grob gesagt um die Kolonisierung von Mars & Co.
Aber das nicht nur bei Musks Space X. Längst tummeln sich einige Firmen im Geschäft rund um Trägerraketen, Bauteile, Breitbandtechnologie, Satellitensysteme. Rund 15.000 aktive Satelliten sind just im Orbit, davon über 9.000 von Musk. Das zeigt die besondere Stellung von Space X.
Nun ist es bei Börsengängen immer so eine Sache. Kann man, will man von Beginn an dabei sein? Nicht immer ist das sinnig. Gewiss ist: Zertifikate Anbieter wie BNP Paribas werden gleich zum Start mit den ersten Derivaten auf Space X für Anleger da sein. Wer schon heute am „All-Boom“ teilhaben möchte, findet mit Basiswerten wie Rocket Lap (Trägerraketen), AST Spacemobile (Breitbandtechnologie) oder die deutsche OHB (Entwicklung und Betrieb von Satellitensystemen) spannende Aktien. Der Space X Börsengang könnte diese Werte neu beflügeln.
Den Turbo zünden, können Anleger auf oben genannte Firmen mit Hebelprodukten. Steigt die Aktie, so steigt auch das Hebelprodukt, jedoch überproportional. Risiko: Wird eine vorab definierte Kursgrenze berührt oder unterschritten, so verfällt das Investment, ein Totalverlust droht.
Damit dies mit Space X nicht passiert, soll sich Musk Übrigens bei der Terminfindung für den Start eine besondere Planetenkonstellation auserkoren haben, nämlich wenn sich Venus und Jupiter sehr nahe kommen. Astrologen sprechen dann vom „Kosmischen Kuss“. Steht für Wohlstand und Harmonie. In den Zeitraum fällt Übrigens auch der 28. Juni –Musks Geburtstag. Na dann: Happy IPO…
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#RECHENZENTREN
Wettlauf ums Wasser
Wasser wird weltweit zur kostbaren Ressource. Nachfrage und Verschmutzung wachsen schneller, als sich die natürlichen Süßwasserreserven erneuern können. Laut Umweltministerium sind von den gut 1,4 Trilliarden Liter Wasser auf der Erde nur rund 2,5 Prozent Süßwasser – davon ist nur ein sehr kleiner Anteil leicht zugänglich.
DDie Wasserreserven schwinden. Die Weltbevölkerung wächst und benötigt immer mehr Trinkwasser. Laut UN-Prognosen könnte die Weltbevölkerung bis 2050 auf rund 9,7 Milliarden ansteigen. Die zunehmende Umweltverschmutzung sowie die voranschreitende Urbanisierung hinterlassen ebenso Spuren in der Trinkwasserversorgung. Für den städtischen Ausbau werden immer mehr Flächen versiegelt. Damit wird die Grundwasserneubildung beeinträchtigt. Denn Regenwasser kann nicht mehr in den Boden eindringen. In Österreich werden täglich gut elf bis 20 Hektar Boden verbraucht, wovon rund sechs Hektar – oder acht Fußballfelder – versiegelt werden, so die Österreichische Hagelversicherung.
Text: Raja Korinek
Durchschnittlich verbraucht ein Rechenzentrum zwischen elf Millionen und 19 Millionen Liter Wasser pro Tag. Der Rechenzentrum-Sektor soll zwischen 2025 und 2030 um 97 Gigawatt auf 200 Gigawatt zulegen.
Wasserschlucker Rechenzentren Hinzu kommt ein weiteres Phänomen. Für die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) werden immer mehr Rechenzentren gebaut. Laut dem Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle soll der Rechenzentrumssektor zwischen 2025 und 2030 um 97 Gigawatt auf 200 GW zulegen. Dies hat gravierende Folgen für den Süßwasserverbrauch. Rechenzentren haben einen massiven Wasserbedarf, der primär zur Kühlung der Server dient, erklärt Miguel Yañez-Barnuevo vom Environmental and Energy Study Institute. So verbrauchen durchschnittliche Rechenzentren meist zwischen elf Millionen und 19 Millionen Liter Wasser pro Tag, je nach Kühlmethode. Umso mehr sind Lösungen ge-
baha
fragt, die einen effizienten Zugang und Umgang mit Wasser liefern. So investiert etwa der L&G Clean Water UCITS ETF (IE00BK5BC891) in 61 Titel, wovon mehr als 50 Prozent auf die USA entfallen, gefolgt von Japan und Großbritannien. Die größte Position entfällt auf Metso. Der finnische Konzern ist in der Wasserrückgewinnung und im -management im Bergbau tätig. Flowserve aus den USA ist ein Anbieter von Durchflussregelsystemen und produziert etwa Pumpen, Armaturen und Dichtungen für den Wassertransport sowie der -behandlung. Auch der britische Versorger Severn Trent ist Teil des ETFs ebenso wie der US-Wasserfilterhersteller Idex.
Im Amundi MSCI Water UCITS ETF Dist (FR0010527275) sind die USA mit gut 65 Prozent höher gewichtet, gefolgt von
NICHT NUR ZUM TRINKEN.
Wasserrückgewinnung, Pumpen, Wassertransport und -behandlung stehen in Zukunft vermehrt auf der Tagesordnung.
Großbritannien und Japan. Besonders im Fokus steht die Industrie, gefolgt von öffentlichen Dienstleistungen. Investiert wird etwa in die Versorger Veolia aus Frankreich und Waste Mangement aus den USA. Der US-Konzern Veralto bietet etwa Lösungen für die Analyse- und Aufbereitungstechnik von Wasser.
% Meine Rendite
Der Wert des kostbaren Nass sollte nicht unterschätzt werden: So schrumpfen die weltweit vorhandenen Süßwasserreserven aufgrund des steigenden Bedarfs, der starken Umweltverschmutzung wie aber auch wegen der wachsenden Zahl an Rechenzentren. Umso mehr könnten Unternehmen mit innovativen Lösungen in den Fokus rücken.
Year-To-Date-Trends
DER WELTBÖRSEN
(TSX) 33.817,51 | 6,64 %
YORK (DJIA)
| 3,25 %
YORK (NASDAQ)
| -1,53 %
Kommentar
Stefan Bruckbauer
Chefvolkswirt Unicredit
Bank Austria AG
TROTZ ALLEM: WACHSTUM 2026
Jeden Tag neue Herausforderungen für die Weltwirtschaft, trotzdem wird sie auch heuer knapp über drei Prozent wachsen. Die USA wird rund 2,5 Prozent, der Euroraum und Österreich immerhin ein Prozent real zulegen. In den USA überdeckt der KI-Boom mit Investitionen und steigenden Vermögenseinkommen, aber auch das enorme Budgetdefizit die negativen Effekte der Politik. China „exportiert“ sich aus seiner Konsumschwäche. In Europa macht sich die Erholung nach dem Energiepreisschock mit sinkenden Sparquoten und etwas dynamischeren Investitionen positiv bemerkbar. In Österreich kommt noch die Stabilisierung der Bauwirtschaft und die langsame Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dazu. Dies alles könnte politisch unterstützt werden, in den USA durch eine „konventionellere“ Politik und in Europa durch stärkere Integration und weniger Bürokratie. Vor allem in den USA hängt vieles an den enormen Hoffnungen auf KI, hier könnte es ein wenig auf und ab gehen, wir sind aber optimistisch, zumindest für 2026.
Fritz Mostböck Head of Group Research, Erste Group Bank AG
HONGKONG (HANG SENG)
26.413,35 | 3,05 %
»Ich glaube, die Märkte werden mit etwas Volatilität in den nächsten Monaten seitwärts tendieren, Stock-Picking ist gefragt. Ich würde RBI, OMV, SBO, CA IMMO und die deutsche Vonovia kaufen, bei den toll gelaufenen Banken wie Erste Bank, Bawag würde ich laufend Gewinne mitnehmen.«
Eduard Berger Vorstand, Wiener Privatbank SE
SYDNEY (ALL ORDINARIES)
9.303,20 | 3,15 %
# INTERVIEW
Goldpreis ist das Fieberthermometer der Welt
Die Achterbahnfahrt beim Goldpreis hält die Anleger in Atem.
Börsianer-Deutschland-Korrespondent Peter Köhler sprach mit Tobias Kascha, dem Geschäftsführer für Deutschland beim Unternehmen Philoro Edelmetalle, über Finfluencer als Goldpreistreiber, den Ankauf von Altgold und die Produktionsstätte in Österreich.
Interview: Peter Köhler
HHerr Kascha, der Feinunzenpreis für Gold war schon über der Marke von 5.000 USDollar, dann kam eine Korrektur um gut zehn Prozent. Warum steht der Markt derzeit so im Fokus der Investoren? Woher kommen die starken Preisschwankungen?
– Tobias Kascha: Der Goldmarkt bewegt sich in Zyklen, und insbesondere seit dem Jahr 2022 gibt es eine starke Aufwärtsdynamik. Die Treiber sind Zinssenkungen der Notenbanken, zunehmende Staatsverschuldung, aber auch die geopolitischen Unsicherheiten. Außerdem gibt es – auch durch das wachsende mediale Interesse – viel mehr spekulative Kräfte im Markt.
Welche spekulativen Kräfte meinen Sie? – Heute kommen viele Anleger über gehebelte Produkte in den Markt, auch über ETFs. Die Neobroker ermöglichen den kostengünstigen Einstieg, das erhöht die Volatilität, auch beim Goldund Silberpreis. Früher waren die Orders teuer, heute geht alles mit einem Klick bei geringen Gebühren. Und Social Media sowie Finfluencer sorgen dafür, dass es höhere Preisschwankungen gibt.
Es gibt aber auch Ängste wegen der steigenden Verschuldung der Staaten. Spielt
das beim Goldpreis auch eine Rolle? –Ja, auf jeden Fall. Anleger fragen sich schon, kriege ich mein Geld zurück, wenn ich es dem Staat leihe. Und es gibt auch das Schlagwort vom „Debasement Trade“, also der Gefahr der systematischen Entwertung von Währungen durch eine uferlose Steuerpolitik. Früher waren US-Staatsanleihen der sichere Hafen, heute ist es beim Thema Absicherung vermehrt Gold.
Was sind die fundamentalen Treiber für Angebot und Nachfrage? – Das weltweite Goldangebot beträgt jährlich rund 3.500 bis 4.000 Tonnen, daran ändert sich auch nichts, weil keine größeren neuen Vorkommen entdeckt worden sind. Ein Drittel dieses Angebots kaufen die Notenbanken, der Rest verteilt sich auf die industrielle Nachfrage für elektrische Geräte, und dann ist da noch die Schmucknachfrage, bei der Indien eine große Rolle spielt. Und die Nachfrage nach Gold als Investment ist vor allem in den vergangenen Jahren ganz stark gestiegen.
Bei einem liquiden Vermögen von einer Million Euro – wie hoch sollte der Anteil von Gold sein? – Klassischerweise sagt
man fünf bis zehn Prozent, ich persönlich würde heute eher auf 20 Prozent gehen. Lange galt die 60/40- Formel für die Portfolios, also 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. Aber weil der Sicherheitsaspekt bei Anleihen nicht mehr so greift wie früher, sollte aus meiner Sicht der Goldanteil erhöht werden.
Was spricht für eine Anlage in physischem Gold? – Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Hier wollen die Anleger den direkten Zugriff auf ihr Vermögen. Wer physisches Gold kauft, denkt eher mittelbis langfristig. Also, es gibt schon viele Kunden und Kundinnen, die nehmen das Gold mit nach Hause, gemäß dem Motto: Wer Gold hat, hat immer Geld. Und wenn ich Euwax- oder Xetra-Gold kaufe, habe ich immer ein Emittentenrisiko, denn das sind Inhaberschuldverschreibungen.
Was sind die beliebtesten Stückelungen bei Barrengold und Münzen? – Bei den Münzen ist der Krügerrand an erster Stelle, dann folgen Maple Leaf und die Wiener Philharmoniker-Münze. Letztere ist etabliert und hat ehrlicherweise mit den Musikinstrumenten auch ein sehr schönes Motiv. Früher war eine Unze üblich,
wegen des Preisanstiegs kaufen heute viele Anleger aber auch eine halbe Unze. Im Barrenbereich ist ebenfalls die Unze beliebt und auch der 100-GrammBarren.
Sie bieten auch Schließfächer zur Verwahrung an. Was kostet das, und wie hoch ist die Versicherung für die Wertgegenstände?
– Die Schließfächer kosten je nach Größe zwischen 120 und 460 Euro im Jahr. Sehr große Schließfächer kommen auf 470 bis 500 Euro, da kann man dann aber auch einen Koffer einstellen. Die Grundversicherungssumme beträgt 30.000 Euro. Die Investitionen in die Sicherheit sind bei Philoro sehr hoch, es gibt zum Beispiel Schall-, Bewegungs- und Erschütterungsmelder. Wir haben eine VdSSchadenverhütung-Zertifizierung, das heißt, unser Sicherheitsstandard ist sehr hoch.
Was müssen Kunden beim Verkauf von Altgold beachten? – Man sollte wissen, wo der Feinunzenpreis gerade steht. In der Filiale wird das Gold dann nach Reinheit sortiert und bewertet. Man muss einen Preisabschlag von fünf bis sieben Prozent – je nach Marktlage – für die Verarbeitung einkalkulieren.
Vita
TOBIAS KASCHA
Geschäftsführer
Philoro Edelmetalle Deutschland
Tobias Kascha wurde 1984 in Schwedt geboren und blickt auf mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung in der Edelmetallbranche zurück. Seine Hobbys sind Golf, Radfahren und Reisen.
Wie wichtig ist der Onlinevertrieb? – Der Web-Shop entspricht bei Philoro dem Umsatz von zwei Filialen. Er spricht vor allem jüngere Zielgruppen an. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch unser Sparplanangebot mit physisch hinterlegtem Gold.
Wie hoch waren die Investitionen in das Goldwerk in Österreich? Welche Bedeutung hat es? – Mit dem Goldwerk wollen wir die gesamte Wertschöpfung abdecken. Wir wollen nicht nur Händler sein, sondern eigene Barren produzieren. Das Altgold, das in den Filialen eingeliefert wird, soll dort geschmolzen werden, unser Ziel ist eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Wir haben 60 Millionen Euro investiert, und der Produktionsprozess ist angelaufen. Unser Ziel ist eine Zertifizierung durch die London Bullion Market Association LBMA. Die Anlage kann theoretisch 120 Tonnen Gold verarbeiten, aber da sind wir noch nicht. Dagegen sind die Samoa-Münzbarren in Silber schon erhältlich, die sind made in Austria.
Wer beaufsichtigt die unzähligen An- und Verkäufer im Markt? Was unterscheidet Philoro vom Wettbewerb? – Wir achten auf die gute Innenstadtlage unserer
mittlerweile 15 Filialen, unsere Mitarbeiter sind gut ausgebildet, und wir sind technisch auf dem neuesten Stand, haben also nicht nur eine Goldwaage oder einen Abstrich zur Wertermittlung. Es gibt keine Aufsicht wie etwa bei den Banken, aber auch wir unterliegen beispielsweise dem Gesetz gegen Geldwäsche und achten bei größeren Beträgen darauf, wo die Mittel herkommen.
Was sind die nächsten Meilensteine für Ihr Unternehmen? – Sicherlich die LBMAZertifizierung für das Goldwerk in Korneuburg. Und wir müssen noch an unserem Bekanntheitsgrad arbeiten, speziell in Deutschland und der Schweiz.
Wo sehen Sie und die Analysten den Goldpreis in 18 Monaten? – Die meisten Analysten – etwa in den Banken – sind optimistisch, weil sich das grundlegende makroökonomische Bild nicht ändert und die geopolitischen Unsicherheiten bleiben. Es heißt ja, der Goldpreis ist das Fieberthermometer der Welt. Zwar kann es kurzfristig immer mal wieder Rücksetzer geben, aber einige Experten in den Großbanken sehen für das Jahr 2026 einen Preisanstieg auf über 6.000 Dollar die Unze.
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MIT RUSSLAND, OHNE RUSSLAND UND EIN ABSCHIED
Ungelöst. Die Raiffeisen Bank International AG hadert weiter mit Russland und Polen.
Bei seiner letzten Jahresergebnispräsentation Ende Jänner 2026 erfreute Johann Strobl, CEO der Raiffeisen Bank International AG (RBI), die Aktionäre: 1,60 Euro Dividende pro Aktie sollen ausgeschüttet werden – ein Anstieg um 50 Cent im Vergleich zum Vorjahr. Wobei die Bewertung des Ergebnisses der RBI mittlerweile ein hochkomplexes Unterfangen ist: Es gibt das Ergebnis mit Russland, ohne Russland, und teilweise wird auch Polen aufgrund von Fremdwährungseffekten herausgerechnet. Dass die Russland-Tochter mittlerweile Verluste macht, liegt an den Zahlungen, die nach einem russischen Gerichtsurteil an Rasperia – dahinter stand oder steht der ehemalige Strabag-Aktionär Oleg Deripaska – zu leisten sind. Johann Strobl hofft weiterhin auf eine Kompensation. Das derzeit in Ausarbeitung befindliche 20. Sanktionspaket gegen Russland könnte dabei helfen. „Wir sind nicht die einzigen Europäer, die Schaden erlitten haben. Es geht nur um die Kompensation des Schadens“, sagt der RBI-CEO. Dass er seinem Nachfolger Michael Höllerer, der im Juli mit einem neuen Team die RBI übernimmt, eine gut geführte Bank überlassen wird, davon ist Johann Strobl überzeugt. Wo mehr gegangen wäre? Bei der Datenverfügbarkeit, meint er. „Da müssen wir aufholen, um die Künstliche Intelligenz gut nutzen zu können.“
BAWAG-CEO STREIFT MEHR ALS ACHT MILLIONEN EURO ÜBER DIVIDENDEN EIN
Bawag-CEO Anas Abuzaakouk hat die Bawag Group AG bei der Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2025 heuer erstmals als paneuropäische und US-Bank bezeichnet. Die zwei Zukäufe im Vorjahr – die niederländische Knab Bank und das Privatkundengeschäft von Barclays – erhöhten nicht nur den Nettogewinn um 13 Prozent auf 859,9 Millionen Euro, sondern auch die operativen Aufwendungen um 47 Prozent auf 798,9 Millionen Euro sowie die Risikokosten von 82 auf 228 Millionen Euro. „Mit der weitgehend abgeschlossenen Integration unserer beiden jüngsten Akquisitionen positionieren wir uns für zukünftiges organisches und anorganisches Wachstum“, sagte Abuzaakouk. Die Bank hat 2025 mit einem Kapitalüberschuss von 468 Millionen Euro sowie Barmitteln in Höhe von 14 Milliarden Euro beendet, das sind rund 20 Prozent der Bilanzsumme. Bis 2028 will die Bawag Group AG ein zusätzliches Überschusskapital von 1,1 Milliarden Euro aufbauen. Als Dividende sollen 6,25 Euro je Aktie an die Aktionäre fließen. Mit 1,8 Prozent, das sind 1,38 Millionen Aktien, hält Abuzaakouk ein großes Polster an Bawag-Aktien, zuletzt wurden ihm aus dem Aktienprogramm der Bank weitere 108.268 Aktien zugeteilt. Die Dividenden bringen dem Bawag-CEO mehr als acht Millionen Euro fürs eigene Depot.
SO ZAHLT ÖSTERREICH
Fast jeder Dritte hat in Österreich schon einmal mit dem Smartphone oder einem Wearable im Geschäft bezahlt. Das ist laut dem Visa Payment Monitor, für den 1.000 Leute befragt wurden, ein neuer Höchststand. Bei den 18- bis 35-Jährigen sind es sogar schon 52 Prozent. 32 Prozent der Menschen wurden online bereits Opfer von Betrug. Ein Viertel (24 %) hat schon bei Fakeshops bestellt, 21 Prozent haben auf Phishing-E-Mails reagiert, während 17 Prozent vom Diebstahl ihrer Zahlungsdaten und 15 Prozent von Identitätsdiebstahl betroffen waren. Jeder Fünfte findet es schwer, betrügerische Webseiten oder E-Mails zuverlässig zu erkennen. Visa hat in den letzten fünf Jahren mehr als zwölf Milliarden US-Dollar in Cybersicherheit und damit verbundene Technologien investiert. Die Betrugsrate bei Visa-Zahlungen liegt aktuell bei unter 0,1 Prozent.
Was nagt am Ertrag?
Karriere
Martin Hauer
übernimmt ab 1. Juli 2026 die Generaldirektion der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG und wird auch Chef der Holding. Er folgt auf Michael Höllerer, der seinen Posten als CEO der börsennotierten Raiffeisen Bank International AG offiziell antritt.
Franz Gasselsberger wird sein Amt als Generaldirektor der Oberbank AG mit Ende des Jahres nach 45 Jahren im Unternehmen vorzeitig zurücklegen. Sein Nachfolger, vermutlich Vorstand Martin Seiter, wird im März vom Aufsichtsrat gewählt.
Daniel Mayr ist neuer Unternehmenssprecher der Santander Österreich. Er ist in dieser Rolle für die interne und externe Kommunikation, die Medienarbeit sowie das Sponsoring der Bank zuständig.
SPALT WILL NACH WIEN
Der persönliche LinkedIn-Post von Commerzbank-Risikovorstand Bernd Spalt lässt sich fast wie ein Job-Inserat lesen: Er will zurück nach Wien. Seinen Vertrag in Frankfurt werde er über 2026 hinaus nicht verlängern, schreibt der ehemalige Erste-Group-Chef – und nährt damit Spekulationen, dass er in Österreich wieder eine Spitzenfunktion, vielleicht sogar CEO-Posten anstrebt. Dabei hätte das Kontrollgremium den Vertrag gern verlängert, wie Aufsichtsratschef Jens Weidmann betonte. Erst im Februar präsentierte die Bank starke Jahreszahlen: Bereinigt um Restrukturierungskosten erreichte das Institut 2025 mit rund drei Milliarden Euro ein Rekordergebnis. Der gesamte Gewinn soll an die Aktionäre fließen – in eine auf 1,10 Euro erhöhte Dividende und ein neues Aktienrückkaufprogramm. Die italienische Unicredit hält übrigens weiter an einer möglichen feindlichen Übernahme der Commerzbank fest. Seit Februar 2026 hat sie nun erstmals rechtlich die Option, diese komplett mit eigenen Aktien zu bezahlen, was einen Deal für die Italiener einfacher macht.
STUDIE. Die neueste Regionalbankenstudie „Was folgt auf die Rekordjahre“ des Beraters ZEB Austria rechnet erst ab 2028 mit einer starken Erholung beim Zinsüberschuss. Derzeit nagen vor allem höhere Risikokosten am Ertrag. Druck gibt es deshalb auf die Margen der Regionalbanken, die mehr als 90 Prozent der Bankinstitute Österreichs umfassen.
BTV Vier Länder Bank hat als Kopfsponsor der Goldmedaillengewinnerin Janine Flock das richtige Händchen — Oberbank will Dividende von 1,35 Euro je Aktie zahlen — Wiener Privatbank SE: Günter Kerbler verkauft 5,6 Prozent Europäische Investitionsbank (EIB) gibt Amag Austria Metall AG einen Kredit in Höhe von 75 Millionen Euro Unicredit Bank Austria emittierte Anleihen in Höhe von 750 Millionen Euro Erste Group integriert mit A1 und Zerothird kommerzielle Quanten-Sicherheitslösung
Kolumne
Kurt Weinberger
Vorstandsvorsitzender
Österr. Hagelversicherung
BODENSCHUTZ IST EINE SICHERHEITSFRAGE
Wir spüren die Klimakrise längst: Unwetter werden häufiger und heftiger und verursachen massive Schäden – ganze Ernten fallen aus. Umso wichtiger ist es, unsere noch vorhandenen Agrarflächen konsequent vor Verbauung zu schützen. Sie sind nicht nur Kohlenstoff- und Wasserspeicher, sondern auch die Grundlage dafür, dass die Lebensmittelversorgung im eigenen Land sichergestellt ist. Wenn fruchtbarer Boden weiter durch Beton und Asphalt zerstört wird, verlieren wir unwiederbringlich Produktionsflächen – und erhöhen unsere Abhängigkeit von Importen. Das ist nicht nur eine Umwelt- oder Wirtschaftsfrage, sondern eine Frage der nationalen Sicherheit. Warum? Versorgungssicherheit ist Sicherheitsvorsorge, wie uns die aktuelle geopolitische Lage lehrt. Gerade deshalb müssen wir die Ressourcen im eigenen Land sichern und die heimische Produktion stärken. Wir können nicht steuern, wie sich internationale Märkte entwickeln oder wie andere Staaten handeln – aber wir können dafür sorgen, dass wir im eigenen Land unser eigener bester Kunde sind und so die regionale Wertschöpfung gezielt absichern. Stichwort: Konsumpatriotismus! Was will ich damit sagen? Wer die lokale Produktion durch Verbauung unserer Agrarflächen schwächt, riskiert langfristig die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln. Daher sind Agrarflächen vor weiterer Verbauung zu schützen – für die Aufrechterhaltung der Ernährungssicherheit und damit für die Sicherheit Österreichs. Ein Land ohne Äcker ist jedenfalls zukunftslos!
KRISE TREIBT NACHFRAGE NACH RECHTSSCHUTZ AN
Der weltweit größte Rechtschutzversicherer Arag SE feiert heuer in Österreich sein 50-Jahr-Jubiläum. Die größte Veränderung der vergangenen 15 Jahre ist die Anzahl der hauseigenen Juristen, die von eins auf 52 gestiegen ist. Welche Konflikte wie gelöst werden müssen, haben wir Arag-Chefin Birgit Eder gefragt.
Die Arag hat im Vorjahr ein kräftiges Prämienwachstum erreicht. Warum ist Rechtsschutz zunehmend gefragt? – Birgit Eder: Die Zeiten sind unsicher und geopolitisch herausfordernd, weshalb das Bedürfnis nach Sicherheit steigt. Es hat sich schon in der Vergangenheit gezeigt, dass die Nachfrage nach Rechtsschutz in Krisenzeiten besonders hoch ist. Dies zeigt sich nicht nur in Österreich, sondern auch in den anderen 18 Ländern, in denen Arag präsent ist. Wir bieten als Arag eine Schadenregulierung mit 52 hauseigenen Juristen an. Wir sehen aber auch einen enormen Anstieg der Streitfrequenz und zugleich der durchschnittlichen Kosten für einen Rechtsstreit. Wir legen daher viel Wert auf Prävention, Deeskalation und außergerichtlichen Konfliktlösung.
Was ist derzeit Ihr größter Fall? - Wir haben im Jahr etwa 60.000 Rechtsschutzfälle zu bearbeiten. Die teuersten Fälle sind sehr oft Erbrechtsfälle, da es hier um sehr hohe Streitwerte geht und die Verfahrensdauer sehr lange sein kann. Wir versuchen daher gerade in diesem sensiblen familiären Bereich Rechtsstreitigkeiten möglichst im Vorfeld zu verhindern, indem wir etwa unsere Kunden bei Testamentserstellungen rechtlich unterstützen. Darüber hinaus bieten wir eine „Mediation zu Lebzeiten an“.
Wohin geht die Tendenz bei den Verfahren? - Wir sehen verstärkt Streitigkeiten im Arbeitsrecht. Hier versuchen wir frühzeitig zu unterstützen und entgegenzuwirken, etwa mit Konfliktberatungen. Einen hohen Anstieg sehen wir auch bei Cybercrime – im Privatbereich, aber auch bei Unternehmen. Hier geht es meistens um Hass im Netz – Mobbingfälle über Social Media, aber auch rechtswidrige, geschäftsschädigende Onlinebewertungen über bei uns versicherte Firmen.
GRAWE ERWEITERT PRÄSENZ IM KAUKASUS
Die Grawe-Group hat gemeinsam mit der IQ-Investment die Liga Insurance Company in Armenien übernommen. Für die Grawe, die nun 75 Prozent an der Liga Insurance hält (25 Prozent entfällt auf die CQ Investment), ist die armenische Tochtergesellschaft die Zwanzigste in Zentral-, Ost- und Südosteuropa. Mit der Liga Insurance erweitern beide Unternehmensgruppen ihre Präsenz im Kaukasus.
Schäden aus Naturkatastrophen kosten 108 Milliarden
Im Jahr 2025 haben die versicherten Schäden aus Überschwemmungen, Waldbränden, schweren Gewittern, Hurrikanen und Erdbeben weltweit einen Rekordstand von 108 Milliarden US-Dollar erreicht, wie aus einer Studie der Munich Re hervorgeht. Die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe des Vorjahres waren Waldbrände im Raum von Los Angeles in den USA. Enorme Versicherungsschäden richteten in südlichen US-Bundesstaaten auch schwere Gewitter an, in Spanien waren Waldbrände dafür verantwortlich. 2025 war für Österreich ein positives Ausnahmejahr. Es liegen zwar noch keine Zahlen über Schäden aus Naturkatastrophen vor. Diese dürften aber deutlich unter jenen der Vorjahre, als noch Rekordwerte von mehr als 200 Millionen Euro erreicht wurden, liegen.
Karriere
Annemarie Ulbinger hat mit Jahresbeginn die Geschäftsführung des Wiener Vereins Bestattungs- und Versicherungsserviceges.m.b.H, einer Tochter der Wiener Städtischen, übernommen. Sie folgt Gerhard Leitner, der in den Ruhestand gegangen ist.
Klaus Riener Übernahm mit Jahreswechsel die Landesdirektion Oberösterreich der Wiener Städtischen. Er folgt auf Günther Erhartmaier, der die Pension antrat.
REFORM DER ABFERTIGUNG NEU TRIFFT AUF KRITIK
Ab 2027 sollen Arbeitnehmer Geld aus der Vorsorgekasse regelmäßig in eine Pensionskasse übertragen und dort für die Altersvorsorge veranlagen. Bisher konnten diese Mittel bei Jobwechseln nur entnommen werden. Die Reform erfüllt eine langjährige Forderung der Pensions- und Vorsorgekassen, die die Abfertigungsgelder stärker für die Altersvorsorge nutzen wollen. Doch die geplante Ausgestaltung sorgt für Konflikte: Eine laufende Übertragung würde die Veranlagungsmöglichkeiten der Vorsorgekassen begrenzen. Zwar dürfen sie bis zu 40 Prozent in Aktien investieren, doch die verpflichtende Kapitalgarantie drückt den tatsächlichen Aktienanteil auf rund zehn bis 20 Prozent. Wenn künftig regelmäßige Entnahmen möglich werden, müssten renditestärkere Risikopositionen weiter reduziert werden – mit negativen Folgen für die Performance. Der Entwurf für die „Abfertigung neu“ ist noch nicht final ausgestaltet. Das Sozialministerium arbeitet an der gesetzlichen Umsetzung. Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbands Pensions- und Vorsorgekassen der WKO, bekräftigt gegenüber dem Börsianer, dass er davon ausgehe, dass aus den laufenden Gesprächen eine gute Lösung für alle herauskommen werde.
Interesse an privater Vorsorge auf All-Time-High STUDIE. Die Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und Wiener Städtischer zeigt einen Rekord beim Interesse an privater Altersvorsorge. 90 Prozent der Befragten stufen die Bedeutung der privaten Vorsorge als hoch ein. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen in die staatliche Pension ab. Dazu dürfte auch die sinkende Erwartung auf eine bessere Zukunft beitragen. 61 Prozent rechnen der Studie zufolge in den nächsten Monaten mit einer Verschlechterung der Wirtschaft und Lebensqualität.
UNIQA hat das ESG-Performance-Ranking 2025 von PwC gewonnen Cyberattacken bleiben laut dem Allianz-Risk-Barometer 2026 das größte Unternehmensrisiko Helvetia Baloise heißt künftig nur noch Helvetia Munich Re-Tochter Ergo will bis 2030 jährlich 200 Stellen abbauen
Kommentar
Karin Kunrath CIO bei Raiffeisen Capital Management
STOCK-PICKING IN INDIEN
Indien ist heute der bevölkerungsreichste Staat der Welt – und einer der dynamischsten Aktienmärkte: Das BIP wächst mit sieben Prozent und damit deutlich schneller als andere große Volkswirtschaften. Getrieben wird dieses Wachstum von Infrastrukturinvestitionen, Digitalisierung und einer jungen, konsumfreudigen Mittelschicht. Besonders interessant erscheinen Qualitätsunternehmen im Konsumsektor, die von steigender Kaufkraft profitieren. Banken wiederum profitieren von der steigenden Kreditnachfrage, während Infrastruktur- und Industriewerte am massiven Ausbau von Straßen, Häfen und der Urbanisierung teilhaben. Chancen bieten zudem Pharmakonzerne, die sowohl vom wachsenden Inlandsmarkt als auch von Exporten bei Generika profitieren. Die Kehrseite: Indien ist kein Schnäppchen, und die Bewertungen sind teilweise sehr ambitioniert. Umso wichtiger ist hier selektives, aktives Stock-Picking. Hinzu kommen politische Risiken – etwa die Abhängigkeit vom beliebten Premierminister Narendra Modi –, geopolitische Spannungen und die Notwendigkeit, genügend Arbeitsplätze für eine junge Bevölkerung zu schaffen. Mittel- bis langfristig sehen wir Indien als einen der aussichtsreichsten Aktienmärkte innerhalb der Emerging Markets.
ESG IST EIN VERBRANNTER BEGRIFF
Nachhaltige Geldanlage erfährt politischen Gegenwind und Performance-Druck. Walter Hatak, Leiter des Bereichs Responsible Investments bei Erste Asset Management, über Zuversicht in undurchsichtigen Zeiten.
ESG ist zum Kampfbegriff geworden. Speziell in den Trump-USA. Spüren Sie einen Stimmungswechsel bei Ihren Kunden? – Walter Hatak: In Europa ist der Kapitalmarkt weniger politisiert als in den USA, daher spüren wir den Druck hier deutlich geringer. ESG ist zwar verbrannt als Begriff – ich vergleiche das gern mit Lord Voldemort aus „Harry Potter“ –, aber in der breiten Bevölkerung ist das Thema Nachhaltigkeit weiterhin präsent. Konsumentinnen fragen nach wie vor nachhaltige Produkte nach – vom Supermarkt bis zur günstigen Energieversorgung.
Ohne Rendite wird kein Produkt gekauft. – Absolut! Themenfonds auf erneuerbare Energie haben drei Jahre lang underperformt. Seit April vergangenen Jahres haben GreenTech-Aktien ein Kursplus von 50 Prozent. Das hebt die Stimmung.
Obwohl die Regierung Trump alles tut, dass Kapital in Fossile und nicht in Erneuerbare fließt? – Die Unsicherheit war das größte Problem – steigende Zinsen und die Angst vor Trump und den regulatorischen Änderungen haben den Markt belastet. Jetzt zeigt sich: Die Befürchtungen waren übertrieben, Trumps Allmacht bröckelt seit Sommer letzten Jahres und erlitt durch das jüngste Urteil des Supreme Courts zusätzlichen Schaden. Wir sehen Smart Money, das über Private Equity bereits in den Markt geht.
Bewusst grüne Investoren sprechen nicht von ESG, sondern von Impact. Was verstehen Sie darunter konkret? – Die größten Hebel sind Kapitalflüsse und ein aktiver Unternehmensdialog. Wir verlagern Kapital, um Druck zu erzeugen, und führen Gespräche, verlangen Transitionspläne und nutzen unsere Stimmrechte. Bei der OMV sind wir seit 2016 im Austausch und haben gemeinsam mit anderen Investoren erreicht, dass das Unternehmen an seinen Net-Zero-Zielen festhält. Durch Engagement und Voting-Berichte schaffen wir Transparenz – und bleiben dran, anders als manche US-Häuser, die ihr nachhaltiges Engagement zurückfahren.
Anleger schichten um
Die Jänner-Analyse des Neobrokers Flatex zeigt deutliche Bewegungen in heimischen Anlegerdepots: Getrieben von der starken Rally bei Gold und Silber stieg das in Rohstoff- und Minenaktien investierte Kapital um elf Prozent gegenüber Dezember und liegt im Jahresvergleich sogar 118 Prozent höher. Der Anteil von Basic-Resources-Titeln kletterte damit von 2,9 auf 4,9 Prozent. Vor allem große Edelmetallproduzenten sowie Uranium Energy gehörten zu den Gewinnern. Parallel reduzierten Anleger Tech-Positionen – besonders bei einzelnen KI-Favoriten – und schichteten Gewinne in Rohstoffe sowie in europäische Schwergewichte wie ASML, Siemens Energy oder Novo Nordisk um. Auslöser der Gegenbewegung im Rohstoffsektor war die Neubewertung der US-Zinspolitik nach der Nominierung von Kevin Warsh. Flatex sieht darin ein Zeichen, dass Privatanleger Unsicherheit nutzen, um taktisch breiter zu streuen.
NEUER 2,5-BILLIONENGIGANT ENTSTEHT
Der US-Vermögensverwalter Nuveen übernimmt den britischen Asset-Manager Schroders vollständig. Durch die Fusion entsteht ein globaler Active-Management-Riese mit rund 2,5 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Der Deal wird von Vorstand und Großaktionär Familie Schroder unterstützt und steht unter Vorbehalt der Behördenfreigaben. Der Zusammenschluss soll 2026 abgeschlossen werden und Nuveens internationale Expansion sowie ein erweitertes Produktangebot vorantreiben.
Entgeltliche Einschaltung
DEM KAPITALMARKT
EINE STIMME GEBEN
Karl Fuchs
Geschäftsführer Aktienforum
Für eine breite Unternehmensfinanzierungspalette sorgen
Das Finanzierungsangebot für österreichische Unternehmen muss weiter verbessert werden. Österreichische Unternehmen sollen verstärkt den heimischen Kapitalmarkt als Finanzierungsmöglichkeit wahrnehmen.
• Eigenkapital stärken
• Vorbörsliche Finanzierungen verbessern
• Börsengänge forcieren
Altersarmut durch Vermögensaufbau verhindern
Durch eine Kombination von umlagefinanzierten und kapitalgedeckten Pensionen wird die finanzielle Versorgung im Alter unter risikodiversifizierten Gesichtspunkten gegenüber monistisch finanzierten Systemen verbessert. Im Bereich der privaten Pensionsvorsorge müssen maßgebliche Verbesserungen vorgenommen werden, da Österreich hier im internationalen Vergleich eine unterentwickelte Rolle einnimmt.
• Behaltefrist für Wertpapierverkäufe einführen
• Stärkung der Pensionskassen und der überbetrieblichen Altersvorsorge
• Wirtschafts- und Finanzbildung in Schullehrplänen etablieren
Kapitalmarktregulierung entstauben
Durch zahlreiche Novellen im Bereich des Kapitalmarktrechts ist der Rechtsrahmen in Österreich unübersichtlich geworden, europäische Vorgaben wurden teilweise überschießend umgesetzt und haben große Interpretationslücken hinterlassen.
• Praxisnahe Gestaltung des Kapitalmarktrechts
• Treffsicher machen der Aufsicht
• Gold-Plating zurückdrehen
www.aktienforum.org
Kolumne
Bettina Schragl
Kommunikationsleiterin
Semperit AG Holding
KI IN DER HV
Der Jahreszeit entsprechend ein kurzer Outlook auf die Hauptversammlungssaison. Der alte Klassiker „Präsenzevent oder virtuell“ muss hierzulande nicht mehr bemüht werden – siehe Widerstand von Anlegervertretern gegen „die Virtuelle“. Anders die Lage in Deutschland: Zwar kehren Unternehmen wieder zur Präsenz-HV zurück, 2025 hielten aber rund 67 % der DAXund 57 % der MDAX-Unternehmen ihre HV virtuell ab. Der Formatmix bleibt dort also Realität – und Teil einer breiteren Debatte über Effizienz, Reichweite und Aktionärsbeteiligung. Eine Entwicklung jedoch wird sich nicht aufhalten lassen: der Einzug von KI ins HV-Geschehen. JP Morgan, in der Finanzbranche führend bei KI-Investitionen, setzt jetzt auf eine eigene KI-Abstimmungsplattform für US-Hauptversammlungen. Die KI analysiert Daten aus über 3.000 HVs und soll konsistentes Voting entlang der eigenen Richtlinien sichern. Ob man das positiv lesen will, sei dahingestellt. Der Gegenwind für ISS, Glass Lewis und Co ist in den USA jedenfalls spürbarer geworden. Der Schritt hat jedenfalls Trendcharakter. Parallel dazu hält KI auch bei der Organisation der HV Einzug, etwa im Backoffice, bei der Recherche und Fragenerfassung von Aktionären – vielerorts wird schon experimentiert, wenn auch noch vorsichtig. Wobei auch hier gilt: Die Bühne bleibt menschlich – der Maschinenraum wird effizienter.
ASTA ENERGY HEBT AB
Asta Energy Solutions ließ den Börsenplatz Wien links liegen und sorgt nicht nur wegen des sehr gelungenen Börsenstarts in Frankfurt für Gesprächsstoff – sondern auch wegen des Mehrheitseigentümers Michael Tojner (im Bild zweiter von links). Viele Kleinanleger blicken nach den Entwicklungen rund um den Energiespeicherspezialisten Varta, wo Aktionäre quasi enteignet wurden, mit verständlicher Skepsis auf neue Tojner-Projekte. Dennoch startete der Kupferspezialist fulminant: Der erste Kurs lag bei 43 Euro, inzwischen notiert die Aktie bereits bei rund 49 Euro – deutlich über dem Ausgabepreis von 29,50 Euro.
Mit den 125 Millionen Euro aus der Kapitalerhöhung will CEO Karl Schäcke das Wachstum beschleunigen, Kapazitäten ausbauen und stärker ins Recycling investieren. Asta, ein österreichischer Hidden Champion mit rund 1.400 Mitarbeitenden, produziert weltweit Kupferkomponenten für die Energiewende – von Hochspannungstransformatoren bis hin zu Rechenzentren. Mit rund 54,7 Prozent behält Tojner die Kontrolle über Asta Energy Solutions.
PORR AG TESTET KI
Die Porr AG setzt im Forschungsprojekt „Smart Street“ gemeinsam mit der Uni Innsbruck auf Künstliche Intelligenz, um den Einsatz von Recyclingmaterialien in Asphalt und Beton effizienter zu steuern. Ein neuronales Netz soll vorhersagen, wie unterschiedliche Recyclinganteile die Materialeigenschaften beeinflussen – und so teure Testreihen ersetzen. Das Ziel: Emissionen senken, Ressourcen schonen und Kosten reduzieren. Das Projekt ist Teil der Innovations- und Nachhaltigkeitsstrategie der Porr AG.
RAIFFEISEN VERKAUFT STRABAG-TEILE
Die Raiffeisen Holding NÖ-Wien hat Strabag-Aktien im Wert von rund 180 Millionen Euro am Markt platziert und den Streubesitz von 16,2 auf 18 Prozent erhöht. Angeboten wurden 2,08 Millionen Aktien zu 86,5 Euro – mit deutlichem Abschlag auf den Kurs. Die Aktie steckte den Kurs-Dip schnell wieder weg. Am Syndikat mit Uniqa und der Haselsteiner-Stiftung ändert sich nichts, da nur nicht syndizierte Aktien verkauft wurden.
CFOs steigen 2026 auf die Sparbremse
Die aktuelle Horváth-CFO-Studie zeigt: Finanzchefs weltweit gehen in den Defensivmodus. 60 Prozent setzen 2026 vorrangig auf Kostenreduktion, mehr als die Hälfte stärkt die Liquidität und intensiviert Szenarioanalysen – ein typisches KrisenSetup. Befragt wurden über 240 CFOs, darunter rund 40 aus Österreich und viele Großunternehmen. Dominierend sind Wettbewerbsdruck, Bürokratie und die volatile US-Wirtschaftspolitik, die fast die Hälfte als Risiko einstuft. In Österreich zeigt sich die Nervosität besonders deutlich: 86 Prozent priorisieren Prozessharmonisierung und Effizienz, Digitalisierung rückt oft hinter Kostenzielen zurück. Zwar wollen 20 Prozent Investitionen beschleunigen, doch zwei Drittel agieren vorsichtiger oder kürzen Programme. Resilienz ist wichtig – doch Sparen als Kernstrategie verheißt wenig Gutes.
Karriere
Rohit Aggarwal legte mit Ende Jänner sein Vorstandsmandat bei der Lenzing AG zurück. Seine Aufgaben übernehmen bis auf weiteres seine bisherigen Vorstandskollegen.
Dominic Köfler
Ist neuer Head of International Media Relations bei der OMV AG. Er ersetzt dort Peter Gräve.
Andreas Steinbüchler erweitert die Direktorenebene bei der Reploid AG. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Düngemittelindustrie.
FINDET DEN STEUERDIEB
Markus Marterbauer (Foto) hat sich die Steuerbetrugsbekämpfung als Schwerpunkt für seinen Job als Finanzminister auserkoren. Und bereits nach einem Jahr kann er einen statistisch gesehen signifikanten Erfolg verbuchen. So stiegen die Einnahmen des Amts für Betrugsbekämpfung (ABB) im abgelaufenen Jahr um 47 Millionen auf 154 Millionen Euro. Mehr als 7.000 Verfahren wurden abgeschlossen und 93 Terabytes an Daten sichergestellt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf Scheinfirmen, 411 solcher Unternehmen wurde das Handwerk gelegt.
Familien gehen nicht ins Ausland STUDIE. Eine neue Metaanalyse der WU Wien zeigt: Familienunternehmen unterscheiden sich stark in ihrer Internationalisierung – geprägt von Führung und Kultur. Firmen mit familieninternem Management expandieren deutlich seltener ins Ausland, während Nachfolgegenerationen internationaler agieren. Auch der kulturelle Kontext des Herkunftslands beeinflusst die Internationalisierung maßgeblich.
Steigende Bedeutung bekommt das Thema Krypto-Betrug, wie ABB-Vorstand Christian Ackerler auf Anfrage des Börsianer bestätigt. Seit heuer fließen die Daten von europaweiten KyptoKäufen und -Verkäufen ins Finanzministerium. Ob Verkäufe auf ausländischen Plattformen tatsächlich mit den 27,5 Prozent KESt versteuert wurden, ließ sich bislang nur schwer ermitteln. Die neue Datenlage werde heuer fünf Millionen Euro mehr ins Finanzministerium spülen, erwartet Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl in einer durchaus konservativen Schätzung. In den Folgejahren rechne man allerdings mit stetig steigenden Einnahmen.
Agrana schreibt in Zuckersparte etwa 50 Millionen Euro ab Pierer Mobility AG wird zu Bajaj Mobility AG Lenzing kauft schwedischen Faserhersteller Tree-To-
Textile — EY Mixed Leadership Barometer: Frauenanteil in Vorständen stagniert
BUWOG FORDERT RÜCKBAU
ÜBERBORDENDER BAUVORSCHRIFTEN
Die kürzlich vorgestellten Ergebnisse des ersten Wiener Wohnungsmarktberichts 2026 sind ernüchternd: Die nachhaltige Schwäche am Wiener Wohnungsmarkt ist neben der strauchelnden Konjunktur auch eine Folge staatlicher Markteingriffe, der schlechten wirtschaftlichen Lage vieler Immobilienentwickler, der zurückhaltenden Kredit- und Finanzierungsvergabe der Banken sowie der anhaltend hohen Baupreise. „An einer funktionierenden Wohnungswirtschaft hängen zehntausende Arbeitsplätze in der Baubranche sowie der Zulieferindustrie. Es müssen dringend mehr Wohnungen gebaut werden. Schon jetzt ist die Lage problematisch, doch mit mutigen und innovativen Reformen könnten die Rahmenbedingungen für den Wohnbau so verbessert werden, dass in absehbarer Zeit wieder ausreichend viele Wohnungen zu leistbaren Konditionen zur Verfügung stehen“, sagt Michael Ehlmaier, geschäftsführender Gesellschafter der EHL-ImmobilienGruppe. 40.000 neue Wohnungen sind in Wien in den kommenden drei Jahren er-
forderlich, um den Nachfrageüberhang zu stabilisieren. „Es gibt genügend praxisnahe und teilweise international bewährte Maßnahmen. Es ist ausschließlich eine Frage der politischen Prioritäten, das auch in Angriff zu nehmen“, sagt Buwog-Geschäftsführer Andreas Holler und fordert in erster Linie effizientere Widmungs- und Bauverfahren und den Rückbau überbordender Bauvorschriften. „Eine Verschlankung der Bürokratie macht nicht nur Wohnen billiger, sondern ermöglicht auch Bund und Ländern große Einsparungen“, sagt Holler.
Auch helfen schon recht bescheidene Steueranreize, Investitionen in Höhe von hunderten Millionen auslösen, höhere inländische Wertschöpfung und zusätzliche Steuerleistung bringen sowie tausende Arbeitsplätze sichern. „Das Gesamtpaket würde den Staat also nicht belasten, sondern Einsparungen und Mehreinnahmen bringen.“ Die Buwog beginnt heuer mit sieben neuen Bauprojekten in Österreich, derzeit sind 2.000 Wohnungen der Buwog in Bau und Entwicklung.
ÖSTERREICHS IMMO-AKTIEN IN DER VERSENKUNG
Um die an der Börse Wien notierten Immobilienaktien ist es ruhig geworden. Fast könnte man meinen, sie sind von der Bildfläche verschwunden – aus dem inländischen Besitz raus und somit aus dem Sinn. Auf längere Sicht sind Werte wie CA Immo AG sowie UBM Development AG (UBM) mit minus 28 Prozent und minus 50 Prozent auf Fünfjahressicht wenig profitabel, wobei die UBM im Vorjahr zumindest mit zwei erfolgreich platzierten grünen Anleihen für positiven medialen Widerhall gesorgt hatte. Bei der CPI Europe AG leiten Pavel Mechura, Vit Urbanek und Zdenek Havelka die Vorstandsgeschäfte, konkrete Zuständigkeiten gibt es laut Webseite keine. Wobei Havelka und Mechura bei der Muttergesellschaft CPI Property Group, die inklusive Finanzinstrumente wie etwa Swaps 83,13 Prozent an der CPI Europe AG hält, ebenfalls im Vorstand sind, dort als Chief Operation Officer sowie Finanzvorstand. Die CA Immo AG startete zuletzt erneut ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 2,77 Millionen Aktien. Im Vorjahr wurden 5,32 Millionen Aktien eingezogen, das Grundkapital wurde herabgesetzt.
Andreas Holler fordert politische Maßnahmen zur Schaffung von Wohnraum ein.
Wohnen bleibt attraktiv
STUDIE. Laut der CBRE European Investor Intentions Survey 2026 ist Wohnen die attraktivste Assetklasse in Europa. Die Befragung von 698 Investoren zeigt starke Nachfrage, knappes Angebot und stabile Fundamentaldaten. Neun von zehn Investoren erwarten 2026 steigende oder konstante Ankäufe, während 83 Prozent auch bei Verkäufen mit stabiler oder höherer Aktivität rechnen. Spanien bietet laut der Studie die höchsten erwarteten Renditen, gefolgt von Großbritannien und Polen. London bleibt die attraktivste Stadt. In Österreich planen 55 Prozent der Befragten mehr Ankäufe, 35 Prozent gleich viel. 2025 erreichte das Investmentvolumen 4,1 Milliarden Euro. Insgesamt zeigt die Studie robuste Trends.
EINE ZUKUNFT FÜR
SIGNA-IMMOBILIE
Über zwei Jahre ist die Milliardenpleite des Immobilien-Imperiums von Rene Benko und seiner Signa-Gruppe nun her. Die Neuordnung seiner wichtigsten Immobilienprojekte wie etwa dem Elbtower in Hamburg zogen sich hin. In ganz Deutschland standen rund 20 Immobilienprojekte von Signa nach der Pleite still. Allerdings gibt es auch positive Beispiele für einen Neuanfang, etwa in Frankfurt. Hier errichtet die Frankfurter Sparkasse ihre neue Zentrale gemeinsam
IN FRANKFURT
mit der OFB Projektentwicklung auf dem Grundstück An der Hauptwache 1 im Herzen der Mainmetropole. Das Objekt war im Juni 2024 aus der Insolvenzmasse des Signa-Konzerns erworben worden, die Fertigstellung ist laut einem Sprecher der Sparkasse für Anfang 2028 vorgesehen. Es entsteht ein modernes Büround Geschäftshaus mit rund 10.000 Quadratmeter Nutzfläche. Zum Kaufpreis und Umfang der Investitionen wurden keine Angaben gemacht.
Bank Austria bietet Fixzinskredite fürs Eigenheim mit 2,8 Prozent per annum fix auf fünf Jahre Wohnen wird teurer: EHL rechnet 2026 mit Mietsteigerungen in Wien von sieben bis acht Prozent
Bei der HYPO NOE beraten wir Sie auch bei BusinessLösungen von Mensch zu Mensch. Denn nur ein persönlicher Zugang auf Augenhöhe macht maßgeschneiderte Lösungen möglich. Mehr dazu auf hyponoe.at
Kolumne
Peter Bartos Partner BDO Austria
ZURÜCK IN ALTE ZEITEN?
BITTE NICHT!
Als 2023 die kalte Progression abgeschafft wurde, feierten das alle Parteien – durchaus zu Recht! Endlich war zumindest teilweise Schluss mit der versteckten Steuererhöhung, die im Windschatten der Inflation zuverlässig Mehreinnahmen in die Staatskasse spülte. Umso bedauerlicher ist es, wie rasch nun wieder Stimmen laut werden, die diese Errungenschaft komplett infrage stellen. Unter dem Deckmantel budgetärer Verantwortung wird plötzlich darüber diskutiert, ob man nicht doch wieder „flexibler“ werden müsse. Flexibler heißt: zurück zu alten Gewohnheiten. Dabei war die Abschaffung der kalten Progression mehr als ein steuertechnischer Schritt. Sie war ein Vertrauenssignal. Ein Versprechen, dass sich Leistung lohnen und der Staat nicht automatisch profitieren sollte, wenn die Preise steigen und die Menschen real weniger im Börserl haben. Wer dieses Signal jetzt noch weiter relativiert, riskiert mehr als ein paar Prozentpunkte im Budgetvollzug. Er riskiert Glaubwürdigkeit. Und genau dieses Vertrauen wird 2026 erneut auf die Probe gestellt: Für dieses Jahr wird das letzte Drittel der Inflationsabgeltung nicht weitergegeben, was – besonders für höhere Einkommen – zu geringeren Nettozuwächsen führt. Ein Schritt, der den Geist der Reform unterläuft und den Eindruck verstärkt, dass der Staat doch wieder versucht, im Schatten der Inflation mitzunaschen. Ein Rückfall wäre nicht nur unklug, sondern ein fatales Zeichen an jene, die das System finanzieren!
BLICK IN DEN PAY-GAP
Die EU-Lohntransparenzrichtlinie verpflichtet Unternehmen zu detaillierten Berichten über geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede. Wie genau? - Mara Papic: Österreich muss bis spätestens 7. Juni die Richtlinie national umsetzen. Unternehmen müssen offenlegen, wie groß der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied insgesamt ist, wie er sich bei variablen oder ergänzenden Vergütungsbestandteilen darstellt, wie der Median-Gap aussieht, wie Frauen und Männer über Vergütungsarten und -quartile verteilt sind und wie groß der GenderPay-Gap innerhalb vergleichbarer Beschäftigtengruppen ausfällt. Es geht also um ein sehr differenziertes Bild der Vergütungsrealität.
Was fällt konkret in den Bericht? – Die Basis ist eine saubere Stellen- und Vergütungsstruktur. Unternehmen müssen ihre Vergütungsstrukturen klar definieren, Kategorien festlegen, alle Vergütungsbestandteile vollständig erfassen und bewerten und anschließend die relevanten Kennzahlen analysieren. Ohne diese strukturelle Grundlage ist eine korrekte und belastbare Berichterstattung kaum möglich.
Das Ziel der Richtlinie ist „gleiches Entgelt für gleiche oder gleichwertige Arbeit“. Wie
Mara Papic ist bei Mercer Austria auf Vergütung spezialisiert.
definiert man gleichwertige Arbeit? – Die EU nennt vier objektive Kriterien: Fähigkeiten, Belastungen, Verantwortung und Arbeitsbedingungen. Um diese Kriterien konsistent und nachvollziehbar anzuwenden, empfiehlt sich eine transparente Stellenarchitektur und eine standardisierte JobEvaluierungsmethode. Diese Methoden übersetzen die EU-Kriterien in klar definierte Bewertungsfaktoren und vergeben systematisch Punkte oder Gewichtungen. So lassen sich Stellen objektiv vergleichen und in Gruppen gleicher oder gleichwertiger Arbeit einordnen – eine zentrale Voraussetzung für faire Vergütung.
Welche Risiken und Chancen bringt die Richtlinie für Unternehmen? – Die größten Risiken liegen im höheren Umsetzungsaufwand, in direkten Kosten und in möglichen Haftungsfolgen bei Nicht-Compliance. Indirekt kann ein deutlicher GenderPay-Gap zudem Vertrauen, Zufriedenheit und die Arbeitgeberreputation beeinträchtigen. Gleichzeitig bietet die Richtlinie klare Chancen: Mit transparenten Gehaltsbändern, einer nachvollziehbaren Job-Architektur und datenbasierten Vergütungsprozessen lassen sich Fairness, Effizienz und Arbeitgeberattraktivität nachhaltig stärken.
Kosten des Klimawandels
EY Four Futures zeigt auf, wo der Klimawandel bereits jetzt die Wirtschaft trifft: Der Wintertourismus leidet unter kürzeren Schneesaisonen und steigenden Kosten, im Sommer belasten
Hitzeperioden Gäste, Mitarbeitende und Energiebedarf. Industrie und Logistik kämpfen mit Niedrigwasser, gestörten Lieferketten und wetterbedingten Schäden wie Hochwasser. Österreich drohen durch das Verfehlen der Klimaziele bis zu 2,9 Milliarden Euro an Kosten bis 2030, vor allem durch den Zukauf von Emissionszertifikaten.
5G-NETZWERK STARTET
Der Flughafen Wien treibt mit A1 Telekom Austria und Arthur D. Little ein EU-gefördertes 5G-Campusnetzwerk voran. Das eigenständige Industrienetz soll die Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit steigern und den Weg für autonome Robotik, automatisierte Abläufe und moderne digitale Anwendungen ebnen. Damit setzt der Airport einen wichtigen Schritt in Richtung volldigitalisierter Infrastruktur.
Kryptos
Karriere
Nikolaus Rieder übernimmt bei Compass-IT die Leitung der Qualitätssicherung, Max Griesmayer (r.) verantwortet den Bereich AI Engineering.
und ehemaliger CEO des österreichischen KI-Start-ups Leftshift One.
weltweit: Österreich auf Rang 15
M&A-MARKT IM STRUKTURELLEN WANDEL
Der globale M&A-Markt 2026 befindet sich weiterhin im strukturellen Wandel, wie der PWC Report zeigt. Während weltweit die Dealanzahl niedrig bleibt, steigt der Gesamtwert durch mehr Megadeals über fünf Milliarden US-Dollar deutlich. Auch eine aktuelle Studie des Beraters Bain bestätigt diesen Trend: Das globale M&A-Volumen erreichte 2025 mit 4,9 Billionen Dollar den zweithöchsten Wert, und eine Mehrheit der Verantwortlichen erwartet 2026 stabile oder steigende Aktivität – getrieben von technologischer Disruption und neuen Portfoliostrategien. KI wird zum strategischen und operativen Treiber, ihr Einsatz hat sich 2025 mehr als verdoppelt.
Es entsteht ein k-förmiger Markt, in dem große, gut kapitalisierte Käufer profitieren, während kleinere Akteure wegen Bewertungsunsicherheit und schwieriger Finanzierung zurückfallen. In Österreich sank die Zahl der Deals 2025 um rund neun Prozent, doch große Auslandsakquisitionen stabilisierten das Volumen. Konsolidierungsdruck und Restrukturierungen dominieren stärker als KI. Fazit: 2026 bleibt M&A selektiv – gefragt sind klare Strategien, Kapitalzugang und technologisch integrierte Prozesse.
STUDIE. Österreich punktet laut den World Crypto Rankings 2025, das Bybit und DL Research gemeinsam erstellten, durch kulturelle Verankerung, wissenschaftlichen Diskurs und eine enge regulatorische Anbindung an MiCAR. Die World Crypto Rankings 2025 bewerten vier Dimensionen: Nutzerverbreitung, transaktionale Nutzung, institutionelle Voraussetzungen und kulturelle Einbettung. Mit einem Wert von 0,69 liegt Österreich bei der kulturellen Verankerung über dem globalen Schnitt, getragen von Universitäten, Thinktanks und einer gutinformierten Öffentlichkeit. Positiv wirkt zudem der regulatorische Fortschritt durch die 2026 vollständig wirksam werdende MiCAR-Verordnung. Wien gilt demnach dank historischer Finanzmarktrolle und einer aktiven Krypto-Community als attraktiver Standort für regulierte digitale Assets.
PWC: Zuversicht der österreichischen CEOs auf neuem Rekordtief McKinsey: Europäische Nato-Staaten geben 800 Mrd. Euro jährlich für Verteidigung aus Roland-Berger: Europas Wettbewerbsfähigkeit zeigt erste Anzeichen einer Trendwende BDO nun österreichweit mit 14 Niederlassungen EY: Fachkräftemangel größtes Risiko
Patrick Ratheiser wird Head of AI bei EY Österreich. Er ist Co-Founder
Kolumne
Friedrich Jergitsch Partner
Reidlinger Schatzmann Jergitsch Rechtsanwälte
KREDITVERKAUF: ENTWARNUNG BEI IMMOBILIENFINANZIERUNGEN?
Die Krise des gewerblichen Immobilienmarkts in Österreich ist noch nicht ausgestanden. Noch stockt die Fertigstellung und Vermarktung vieler Objekte, dafür gewährte Kredite sind non-performing, was bei den Banken zu einem schmerzhaften Eigenmittelabzug führt. Anstelle einer langwierigen gerichtlichen Betreibung bietet sich der Verkauf solcher Engagements an. Die EU hat dafür eine Richtlinie erlassen, die Österreich 2025 mit dem „Kreditdienstleister- und Kreditkäufergesetz“ (KKG) umgesetzt hat. Vor kurzem haben erste Kreditdienstleister die vorgeschriebene Konzession erhalten. Ein wunder Punkt bei einem Kreditverkauf ist das Bankgeheimnis, müssen bei einem Verkauf doch Daten des Kreditnehmers weitergegeben werden. Bei einem Verstoß kann die Nichtigkeit des Verkaufs drohen. Der Gesetzgeber hat deshalb im KKG vorgesehen, dass der Kreditkäufer an das Bankgeheimnis gebunden ist. Er hat damit die bestehende Regelung für Verbriefungsspezialgesellschaften übernommen. Oft ist die Durchbrechung des Bankgeheimnisses auch durch Vertragsklauseln gedeckt. Es ist zu hoffen, dass nun ein Kredithandel in Gang kommt, der die Bankbilanzen entlastet und die Verwertung der Objekte optimiert.
GELDWÄSCHE: EUGH MACHT
WEG FÜR MEHR STRAFEN FREI
Freshfields-Rechtsanwältin Eva Schneider über ein kürzlich ergangenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zu Geldwäscheverpflichtungen von Finanzinstituten.
Frau Schneider, was bedeutet das Urteil des EuGH – C-291/24 – für Unternehmen, die der Geldwäsche-Richtlinie unterliegen? – Eva Schneider: Das Urteil des EuGH erleichtert die Bestrafung von Banken, Finanzinstituten und Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen bei Verstößen gegen das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz, das die GeldwäscheRichtlinie in Österreich umsetzt. Bisher war nach der Rechtsprechung des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs die Benennung einer konkreten natürlichen Person, die rechtswidrig und schuldhaft gehandelt hat, in der Entscheidung zwingend, um eine juristische Person zu bestrafen. Der EuGH hat diese Anforderung nun gekippt. Künftig genügt es, wenn mangelnde Überwachung oder Kontrolle durch Führungskräfte einen Verstoß ermöglicht hat, auch wenn kein spezifischer „Täter“ benannt werden kann. „Organisationsversagen“ reicht also.
Erleichtert der EuGH damit der Finanzmarktaufsicht FMA das Leben? – Das Urteil beseitigt eine Hürde für die verwaltungsstrafrechtliche Verfolgung von Banken, Finanzinstituten und Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen wegen Geldwäsche-Complianceverstößen durch die FMA. Diese Unternehmen können sich nicht mehr darauf berufen, dass kein Schuldiger ausgeforscht werden konnte. Das vereinfacht die Durchsetzung von Unternehmensstrafen.
Glauben Sie, dass wir jetzt mehr Geldbußen sehen werden? – Für Unternehmen fällt eine formelle Angriffsmöglichkeit weg, um sich gegen Sanktionen zur Wehr zu setzen. Daher ist nicht auszuschließen, dass die Zahl der gegen Unternehmen verhängten Geldbußen, die letztlich auch durchsetzbar sind, steigen könnte.
ZAHL
DER EU-RECHTSAKTE SO HOCH WIE LANGE NICHT
So viel zum Bürokratieabbau. Statt wie angekündigt, Rechtsakte abzubauen, hat die EU-Kommission letztes Jahr 1.456 Rechtsakte auf den Weg gebracht. Dies hat der deutsche Wirtschaftsverband Gesamtmetall ausgewertet. Damit ist die Zahl der Richtlinien oder Verordnungen so hoch wie seit 2010 nicht mehr. Vor allem sogenannte Delegierte Rechtsakte würden zahlenmäßig explodieren. EU-Kommissions-Chefin Ursula von der Leyen weist Kritik naturgemäß von sich: „Wir sind auf einem guten Weg“, meint ein Sprecher der Präsidentin.
ERFOLGREICHE
IPO-HELFER
Endlich wieder ein Börsengang, wird sich wohl manch M&A-Anwalt gedacht haben. Und obwohl Asta Energy in Frankfurt an die Börse ging, waren bei der IPO-Vorbereitung auch zahlreiche österreichische Rechtsanwälte involviert. Für Asta Energy war die Kanzlei DLA Piper beratend tätig, wobei die Frankfurter und die Wiener Niederlassung eng zusammenarbeiteten. Von heimischer Seite hatte Partner Christian Temmel die Federführung, der von Counsel Christian Knauder-Sima unterstützt wurde. Die Kanzlei Schönherr wiederum hat das Bankensyndikat, bestehend aus Commerzbank, RBI und Baader Bank, beraten. Verantwortlich zeichnete Schönherr-Partner Christoph Moser (Foto) als Kopf einer fünfköpfigen Anwaltsgruppe. Sie arbeitete mit Linklaters in Deutschland eng zusammen. Insgesamt weist der Prospekt neun Millionen Euro Kosten für den Börsengang aus, an dem auch die Anwälte kräftig mitnaschten.
Karriere
Bernd Taucher (56) sagt sich von seiner bisherigen Kanzlei Graf Patsch Taucher los und macht sich mit Bernd Taucher Corporate Advisory selbstständig. Der Experte für Corporate- und M&A-Beratung verspricht in der neuen Einheit „kurze Wege, eine klare Sprache und eine maßgeschneiderte strategische Beratung“.
Julia Kandler ist seit Jahresbeginn bei KWR als Rechtsanwältin tätig. Mit Kandler, die zuvor unter anderem bei Schönherr tätig war, verstärkt die Kanzlei ihre Expertise im öffentlichen Wirtschaftsrecht und Energierecht weiter.
Marc Julian Mayerhöfer steigt bei der Kanzlei Kindl als Partner ein. Der 48-Jährige ist für den Bereich Legal Defense zuständig.
Mehr als ein Datenschutzrechtsverstoß pro Tag
SCHIEDSGERICHT SPRICHT MUBADALA STAATSFONDS
700 MILLIONEN EURO ZU
Das internationale Schiedsgericht in Genf hat dem Signa-Großgläubiger, dem Mubadala Staatsfonds aus Abu Dhabi, 700 Millionen Euro zugesprochen. So weit, so gut, aber ob der Fonds dieses Geld tatsächlich irgendwann bekommt, steht auf einem anderen Blatt. Denn die größten Signa-Gesellschaften Signa Prime und Signa Development dürfen dafür nicht herangezogen werden, hat das Gericht klargestellt. Bleibt als Anspruchsgegner z. B. noch die Signa Holding oder Benkos Laura Privatstiftung. Ob das Geld dort vorhanden ist, ist allerdings nicht bekannt.
STUDIE: Wie eine Auswertung der Kanzlei DLA zeigt, ist die durchschnittliche Zahl der in Europa gemeldeten Datenschutzverletzungen im letzten Jahr um 22 Prozent auf 443 angestiegen. Insgesamt verhängten die europäischen Datenschutzbehörden im Jahr 2025 1,2 Milliarden Euro an Geldbußen. Irland führt die Statistik an und hat 2025 auch die höchste Strafe mit 530 Millionen Euro gegen ein Social-Media-Unternehmen verhängt. Österreich belegt im europäischen Vergleich Platz neun.
Freshfields berät RBI bei der Begebung einer 650-Mio.-Euro-Anleihe. Die Austrian Anadi Bank wurde von Wolf Theiss beim Kauf durch die Hypo-Bank Burgenland beraten BPV Hügel hat AMS Osram beim Verkauf eines Teilbereichs des Sensorgeschäfts an Infineon begleitet E+H bei der Gründung der Medienplattform CNBC DACH dabei.
Kolumne
Jan Daniel Neumann
Gründer und Partner
BU Bregal Unternehmerkapital
DIGITALISIERUNG IST DAS BETRIEBSSYSTEM
Digitalisierung wird oft wie ein Zusatzmodul behandelt. Ein neues Tool hier, ein Dashboard dort. Doch echte digitale Transformation ist kein Update – sie ist ein neues Betriebssystem für das Unternehmen. Wer diesen Wandel konsequent gestalten will, braucht mehr als Technologie –er braucht strukturelle Umsetzungskraft. Private Equity kann dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Ein Beispiel aus unserem Portfolio ist Safety21, ein Anbieter von Softwarelösungen zur Verkehrsüberwachung und digitalen Verwaltung kommunaler Prozesse. Das Unternehmen überwacht über 200 Millionen Fahrzeuge und betreut rund 400 Gemeinden. Die Herausforderung war nicht die Entwicklung einzelner Produkte, sondern deren Integration und Skalierung. Dabei wurden zuvor akquirierte Softwarelösungen unter einer integrierten Systemarchitektur zusammengeführt. Das schafft Effizienz, Transparenz und vor allem Skalierbarkeit. Digitalisierung wurde damit vom Produktmerkmal zur strukturellen Grundlage des Geschäftsmodells.
Parallel dazu wurde der Vertrieb datenbasiert neu aufgestellt. Ein modernes CRM-System und ein Datahub, der CRM-, ERP- und Marktdaten verbindet, ermöglichen eine systematische Steuerung von Ausschreibungen, eine höhere Erfolgsquote und gezieltes Cross-Selling. Entscheidungen werden nicht mehr nur aus Erfahrung getroffen, sondern auf Basis konsolidierter Daten. Private Equity bringt hier mehr als Kapital ein: Investitionskraft für technologische Modernisierung.
IPO-CHANCEN STEIGEN
Europas IPO-Fenster öffnet sich wieder: Europäische Qualitätsstorys werden vermehrt nachgefragt. Nach mehreren ruhigen Jahren kehrt Bewegung in den europäischen IPOMarkt zurück. Investmentbanken verzeichnen eine klare Belebung der Emissionstätigkeit, besonders bei hochwertigen Equity-Storys aus Europa. „Die Nachfrage nach europäischen Qualitätsstorys ist wieder da“, sagt Thomas Thurner, Co Head Equity Capital Markets Europa bei Morgan Stanley. Für die DACH-Region erwartet er „fünf bis zehn größere Neuemissionen“ – und Wien könnte dabei eine zentrale Rolle spielen.
Gerade der Wiener Kapitalmarkt wird aktuell zunehmend als attraktives Listingumfeld wahrgenommen. Er biete Zugang zu einer stabilen, gut informierten Investorenbasis mit starker regionaler Verankerung und zugleich internationaler Sichtbarkeit, betont Thurner. Für mittelgroße Wachstumsunternehmen könne Wien damit auch für ausländische Emittenten zur echten Alternative werden.
Gefragte Branchen
Branchen, die 2026 besonders IPO-relevant sind, reichen von Rüstungstechnologie, Künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur über Energie und Industrieunternehmen bis hin zu Fintech, Healthcare und Medizintechnik. Viele dieser Segmente passen traditionellerweise gut zur Profilierung der Wiener Börse, die seit Jahren eine starke Nachfrage institutioneller Anleger nach industriellem und technologiegetriebenem Wachstum verzeichnet.
Entscheidend bleibt aber die Vorbereitung der Unternehmen. „Der Faktor IPO-Readiness ist noch einmal wichtiger geworden“, betont Philipp Süß, Head of ECM Deutschland und Österreich bei Goldman Sachs. IFRS-Umstieg, Governance-Strukturen und eine präzise Equity-Story seien unerlässlich. Zudem beobachtet er einen klaren Markttrend: „Die Preisspannen werden enger, und es gibt wieder eine Tendenz zu fest fixierten Ausgabepreisen.“
Ein gewichtiger Treiber der kommenden IPO-Welle ist der seit Jahren angewachsene Exit-Stau im Private-Equity-Sektor. Viele Beteiligungen sind reif für den Kapitalmarkt. „Private-Equity-Gesellschaften haben einen erheblichen Exit-Stau, der sich seit 2022 aufgebaut hat. 2026 wird ein entscheidendes Jahr für Sponsor-Exits“, sagt Thurner. Die Pipeline besteht dabei aus zahlreichen Middle-Market-Champions, die stark gewachsen sind und nun von stabileren Bewertungsmultiples profitieren.
Zu möglichen Kandidaten der kommenden zwölf bis 18 Monate zählen Bitpanda, Autodoc, Mobile.de sowie TK Elevators. In der Start-up-Szene gelten zudem Celonis und GetYourGuide als potenzielle Börsenaspiranten. Ein erstes Ausrufezeichen setzte bereits der erfolgreiche Börsengang des österreichischen Kupferspezialisten Asta Energy – ein Signal, dass der Finanzplatz Wien bereit ist für die nächste IPO-Generation.
Laut Sebastian Schu von Hamilton Lane profitieren europäische Private-MarketStrategien auch von einem lebhaften Sekundärmarkt.
ZEICHEN AUF WACHSTUM
Private Markets bleiben 2026 ein Wachstumsmotor – angetrieben von stabilen Erträgen, hoher Nachfrage und neuen Chancen in Infrastruktur, Energie und Private Credit. Die Private Markets werden auch 2026 weiterwachsen, weil institutionelle Investoren und Vermögensverwalter zunehmend Kapital in diese Anlageklasse umschichten – das meint zumindest Sebastian Schu, Managing Director und Head of Germany & Austria für Client Solutions bei Hamilton Lane: „97 Prozent der weltweit befragten Private-Wealth-Professionals allokieren bereits zwischen einem und 20 Prozent der Kundengelder in Private Markets – und die Mehrheit erwartet für 2026 weiter steigende Quoten.“ Besonders stark ist das Interesse an Infrastrukturinvestitionen, getragen von stabilen Erträgen und der wachsenden Nachfrage durch Energie, Digital und Sicherheitsprojekte. Laut Schu profitieren europäische Private-MarketStrategien zudem vom Rückenwind rund um Energiesicherheit, den Ausbau KI-getriebener digitaler Netze sowie einem lebhaften Sekundärmarkt, der Anlegern Orientierung in einem sich wandelnden makroökonomischen Umfeld gibt.
88 Prozent wollen zulegen
Auch die diesjährige Studie von Aviva Investors zeigt einen Trend: 88 Prozent der institutionellen Anleger wollen ihre Allokationen in Private Markets in den kommenden zwei Jahren erhöhen oder stabil halten, 76 Prozent rechnen damit, dass die
Renditen privater Anlagen jene der öffentlichen Märkte übertreffen werden.
Für Emmanuel Deblanc, CIO Private Markets bei M&G Investments, bleiben die fundamentalen Treiber „intakt und sprechen weiter für die langfristige Attraktivität“ der Anlageklasse. Zwar seien Fundraising und Liquidität teilweise herausfordernd, doch stabilere Zinsen, die allmähliche Wiederöffnung des IPO-Marktes und ein stärkerer Fokus auf operative Wertschöpfung unterstützten den Ausblick für 2026.
Besonders dynamisch zeigt sich weiterhin Private Credit. Getrieben wird der Markt von dem Wunsch nach Diversifikation, laufenden Cashflows und dem Vorteil variabler Verzinsung. Trotz Debatten über mögliche systemische Risiken sieht Deblanc keinen kurzfristigen Wendepunkt – der Rückzug der Banken aus bestimmten Kreditsegmenten habe „nachhaltige Finanzierungslücken geschaffen“, die Private-Credit-Anbieter zunehmend schließen. Das Wachstumspotenzial – vor allem in Europa – bleibt dementsprechend hoch.
Fortino Capital hat Philipp Remy zum Managing Partner ernannt Infrastructure Opportunities Fund II von Hamilton Lane schließt mit fast zwei Milliarden US-Dollar Executive Equity Partners übernimmt britischen Online-Marktplatz NOTHS L&G ernennt Tim Morris und Philipp Westermann zu Global Co-Heads des Bereichs
Real Assets Blackrock: Infrastruktur wird derzeit mit Abschlag gehandelt Ambienta Sustainable Credit Opportunities erfolgreich geschlossen
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besten Finanz- und Wirtschaftsjournalisten Österreichs
DIE MEDIENBRANCHE ist unter Druck, der rote Sparstift macht nahezu überall die Runde. Gut erkennbar ist die Misere an den ausgedünnten Redaktionen. Denn Texte mithilfe Künstlicher Intelligenz sind vielleicht schneller geschrieben, wertvoller sind sie aber nicht. Hans Weitmayr (Platz 17 / 44,71 Punkte), Redakteur bei Instiutional Money, meint dazu: „Die Anwendung von KI ist sicherlich die wichtigste Veränderung. Recherche und Textanalysen sind gerade in thematisch schwierigen Bereichen deutlich schneller und präziser. KI lässt sich aber nur dann effizient einsetzen, wenn man mit der Materie, über die man
berichtet, vertraut ist, da die KI-Fehlerquote nach wie vor extrem hoch ist. Wer KI erfolgreich einsetzt, beweist aus meiner Sicht doppelt Skills: KI-Alphabetismus und ein starkes Beherrschen der eigenen Materie.“ Die Antwort auf KI: Neue Formate müssen her. Hier hat sich vor allem der Newsletter als zusätzliches oder auch einziges Angebot – wie etwa bei Selektiv – als gewinnbringend erwiesen. Wenn gut gemacht, wird er von den Akteuren in der Finanzbranche auch wohlwollend diskutiert und weiterempfohlen. Die Nachfrage nach gut recherchierten Analysen ist zweifellos da, für die schreibende Zunft bergen solche
EMarina Delcheva Profil
Platz
Renate Graber Der Standard
Madlen Stottmeyer Die Presse
2 3 1 Platz
Platz
DIE AUFSTEIGER
Platz Zuletzt Name Unternehmen
17. (38.) Weitmayr Hans Institutional Money
15. (29.) Kischko Irmgard Freie Journalistin
26. (39.) Kistner Julia Freie Journalistin
27. (40.) Korinek Raja Freie Journalistin
8. (20.) Schneid Hedi Freie Journalistin
Wünsche aber teils große Hürden. „Die Presseabteilungen der Unternehmen werden immer größer, dürfen oder können aber immer weniger sagen. Meistens zahlen sich Anrufe gar nicht aus. Auch die Ansätze, Medien einzubinden, werden immer weniger originell. Pressegespräch, Aussendung, gelegentlich ein Interview – that’s it. Reportagen sind kaum möglich, und es gibt sehr wenige Pressereisen“, sagt „Trend“-Redakteurin Angelika Kramer (Platz 5 / 57,06 Punkte) zum Börsianer. Und Martin Mayer (Platz 33 / 37,78 Punkte) vom Magazin „Gewinn“ bringt es noch deutlicher auf den Punkt: „Was mich zusehends nervt,
ist, dass Unternehmen unser Medium und auch andere heimische Medien weiterhin als relevantes Sprachrohr nutzen möchten, aber gleichzeitig keinerlei Bereitschaft mehr zeigen, zum finanziellen Überleben dieser Medien beizutragen, und stattdessen ausschließlich in ihre Präsenz auf großen internationalen Plattformen investieren.“
Wer es diesmal trotz aller Hürden erneut in den Schreibolymp der „50 besten Finanz- und Wirtschaftsjournalisten Österreichs“ schafft, hat der Börsianer zum mittlerweile siebenten Mal in einem einstufigen Peergroup-Scoring ermittelt. Die 53 Nominierten bewer-
Platz Zuletzt Punkte Trend Name
1. (1.) 78,95 Graber Renate
2. (5.) 78,13 Stottmeyer Madlen
3. (7.) 60,59 Delcheva Marina
4. (2.) 59,38 Kordik Hanna
5. (14.) 57,06 Kramer Angelika
6. (3.) 56,25 Zirm Jakob
7. (11.) 55,26 Gepp Joseph
8. (20.) 53,89 Schneid Hedi
9. (17.) 51,67 Hodoschek Andrea
10. (8.) 51,58 Strobl Günther
11. (13.) 50,00 Pfluger Bettina
12. (–) 49,41 Melichar Stefan
13. (16.) 48,95 Graf Monika
14. (4.) 48,13 Bornemann Dieter
15. (29.) 45,79 Kischko Irmgard
16. (12.) 45,00 Kleedorfer Robert
17. (38.) 44,71 Weitmayr Hans
RANKING
Unternehmen
Der Standard
Die Presse
Profil
Die Presse
Trend
Die Presse
Der Standard
Freie Journalistin
Kurier
Der Standard
Der Standard
Profil
Salzburger Nachrichten
ORF (Eco)
Freie Journalistin
Kurier
Institutional Money
18. (25.) 44,44 Bruckberger Hans-Jörg Gewinn
19. (22.) 44,38 Lammer Beate
20. (21.) 44,21 Wiens Richard
Die Presse
Salzburger Nachrichten
21. (23.) 43,68 Wailand Georg Gewinn
22. (10.) 43,13 Fröschl Michael ORF Radios
23. (26.) 42,94 Sommersacher Hanna ORF Radios
24. (35.) 42,22 Schwarz-Görlich Alexandra Thomson Reuters
25. (31.) 41,58 Drastil Christian Börse Social Media
26. (39.) 41,05 Kistner Julia Freie Journalistin
teten sich gegenseitig mit Punkten von eins bis zehn, der Börsianer hatte auf das Ergebnis keinen Einfluss.
Die Topplatzierten
Knapp war es diesmal, aber Renate Graber (78,95 Punkte) von der Tageszeitung „Der Standard“ holt sich erneut den Sieg. In der Branche hat sie sich mit ungewöhnlichen Interviews – zuletzt brachte sie Finanzminister und Uhu-Liebhaber Markus Marterbauer ein Eulen-Buch mit – und Live-Berichterstattungen aus diversen Gerichtssälen, wie zuletzt beim Signa-Prozess, einen Namen gemacht. Vor zwei Jahren noch mit rund 14 Punkten Abstand zur damals zweitplatzierten Hanna Kordik (jetzt Platz 4 / 59,38 Punkte), sind es diesmal nur 0,82 Punkte auf „Presse“-Redakteurin Madlen Stottmeyer (78,13 Punkte), die den Sprung aufs Stockerl schafft. Als Kennerin der heimischen Bankenszene und des Signa-Prozesses sind ihre Analysen immer am Puls der Zeit. Mit sechs Mal der Höchstnote staubt Madlen Stottmeyer auch die meisten Zehner des goldenen Rankings ab. Eine versierte Beobachterin der Finanz- und Wirtschaftsszene ist auch Marina Delcheva (Platz 3 / 60,59 Punkte), die das Wirtschaftsressort beim Magazin „Profil“ leitet und ihr Augenmerk zuletzt auf Vorgänge in der Wirtschaftskammer legte. Sie komplettiert das Stockerl im goldenen Ranking auf Platz drei und bekommt von ihren Peers auch drei Mal die Höchstnote, Renate Graber heimst fünf Zehner ein.
Gleich sieben Frauen platzieren sich unter den besten zehn.
Zwei Mal die Höchstnote sichern sich neben Angelika Kramer auch „Presse“Wirtschaftsressortleiter Jakob Zirm (Platz 6 / 56,25 Punkte), der im November 2025 mit dem Horst-Knapp-Preis der Bank Austria ausgezeichnet wurde, Aufsteigerin Hedi Schneid (Platz 8 / 53,89 Punkte), Bettina Pfluger (Platz 11 / 50,00 Punkte) vom „Standard“, Alexandra Schwarz-Görlich (Platz 24 / 42,22 Punkte) von Reuters sowie Martin Mayer und Hans Weitmayr, der sich um 21 Plätze verbessert. Bester Neueinsteiger ist „Profil“-Chefreporter Stefan Melichar (49,41 Punkte) auf Platz zwölf, der derzeit den Prozess um Egisto Ott begleitet und auch regelmäßig über Rene Benko berichtet.
Persönlich und exklusiv
Wie schlägt man als Journalist die KI? Wie gelingt es in der schnelllebigen Zeit, die Fülle an Informationen, die theoretisch redaktionell wertvoll sein könnten, in relevante oder oberflächlich Inhalte zu sortieren? „Ich habe die Recherche intensiviert, Fachinhalte, die ChatGPT so nicht verfassen kann, noch stärker betont, mehr Termine vor Ort gemacht. Mein Motto im Kopf – auch wenn es sich bei den schnelllebigen Onlinemeldungen, für die man oft nur 30 Minuten hat – nicht immer umsetzen lässt: kein Artikel, ohne im Firmenbuch nachgesehen zu haben“, sagt Edith Lackner (Platz 35 / 35,88 Punkte) zum Börsianer. Bea-
DIE BEWERTUNGSKRITERIEN
Das Ranking wird nach qualitativen Methoden in einem einstufigen Scoringmodell (PeergroupBewertung) ermittelt. Die nominierten Kandidaten konnten einander gegenseitig bewerten. Das Ergebnis des Rankings wurde mit dem Mittelwert aller Bewertungen berechnet und in Prozent umgewandelt. Eine Person kann maximal eine Bewertung von 100 Prozent erreichen. Bei Punktegleichheit zweier oder mehrerer Personen entscheidet die höchste Einzelbewertung. Die Kandidaten konnten keine Bewertung für sich selbst oder Redaktionskollegen abgeben.
te Lammer, langjährige Finanzredakteurin bei Die Presse meint: „KI ist eine Hilfe bei Hintergrundinformationen, etwa zur Vorgeschichte, doch Recherche und Bewertung ersetzt sie aber noch lang nicht.“ Auch Markus Zottler (Platz 49 / 26,11 Punkte) von der „Kleinen Zeitung“, der es bei seiner Ranking-Premiere gleich unter die 50 besten Finanzund Wirtschaftsjournalisten schafft, recherchiert mehr in die Tiefe: „Der Versuch ist, bei jeder Story – egal ob digital oder Print – eine gewisse Exklusivität zu bieten. Der volle Fokus ist auf technologische Entwicklungen und regionale Wirtschaftsgeschichten.“
#REINHARD SCHWENDTBAUER
Wir müssen schneller und besser werden
Interview: Ingrid
Krawarik, Daniel Nutz
KUNSTAFFIN Reinhard
Schwendtbauer vor einem Bild der Künstlerin Franziska Maderthaner in seinem Büro. Es heißt „Capri“ und stammt aus ihrer Serie „Bon Voyage“.
REINHARD SCHWENDTBAUER Generaldirektor
Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ)
Der leidenschaftliche Jäger begann seine Karriere bei der RLB OÖ, arbeitete im Landwirtschaftsministerium, bei Capgemini und als geschäftsführender Partner bei Finadvice. 2012 kehrte er in den Vorstand der RLB OÖ zurück, den er seit 1. Mai 2025 anführt.
„Michael
Höllerer ist definitiv zur richtigen Zeit am richtigen Platz“
2026 werde ein Jahr für Mutige, meint RLB-OÖ-Chef Reinhard Schwendtbauer. Der Börsianer fragte, wie Raiffeisen durch mehr Zusammenarbeit, klarere Strukturen und digitale Schlagkraft wettbewerbsfähiger werden soll.
DDas Jahr 2026 wird „sehr herausfordernd und für Mutige besonders gut“, sagt Reinhard Schwendtbauer im Gespräch mit der Börsianer-Chefredaktion, die dem Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG in seinem Büro in Linz einen Besuch abstattete. Der 53-Jährige kommt gern schnell auf den Punkt und fordert ein stärkeres Zusammenarbeiten der Raiffeisen-Landesbanken für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Die Themen: wie er sich gegen Konkurrenten wie Revolut wehrt, warum er sich so massiv für Standortsicherung einsetzt und was die RBI jetzt braucht.
Manche Medien bezeichnen Sie bereits als Scharinger 2.0. Stört Sie das? – Reinhard Schwendtbauer: Das stört mich nicht, ist aber auch nicht relevant. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hat in den letzten Jahrzehnten immer die richtigen Führungskräfte zur richtigen Zeit gehabt. Ludwig Scharinger war so einer, genauso wie Heinz Schaller. Und jetzt gehen mein Team und ich unseren eigenen Weg.
Der scheidende RBI-CEO Johann Strobl meinte kürzlich, das Einzige, das er ver-
nachlässigt habe, seien die Themen Daten und Digitalisierung. Gibt es bei Ihnen als noch relativ neuer CEO ein Thema, wo Sie einen besonderen Schwerpunkt setzen müssen, weil es da Veränderung braucht? – Johann Strobl ist da sehr selbstkritisch, das muss er aber nicht sein, weil er die letzten Jahre und Jahrzehnte einen sensationellen Job gemacht hat. Der Schwerpunkt liegt bei uns in der gemeinsamen Weiterentwicklung unserer Raiffeisenlandesbank OÖ, aber auch der Raiffeisenbanken-Gruppe, sowohl in Oberösterreich als auch Österreich. Ich möchte die weitere engere Zusammenarbeit auf all diesen Ebenen massiv forcieren.
Können Sie das konkretisieren? Sie haben in der Raiffeisen-Gruppe immer noch zwei unterschiedliche IT-Dienstleister. –
Das ist einer von vielen Punkten, den wir massiv angehen müssen. Raiffeisen kommt aus einer sehr föderalen Struktur, die wir nur dann aufrechterhalten können, wenn wir auf verschiedensten Ebenen kooperieren. Einerseits in den Bundesländern selbst, dann mit den anderen Landesbanken und natürlich mit der RBI.
Zum Beispiel? – Wir werden in Zukunft die Rechtsmaterien, die bundesweit die Raiffeisenbanken und Landesbanken betreffen, gemeinsam in einer Einheit behandeln. Das ist für ein föderalistisches System ein großer Schritt, und auf dem müssen wir aufbauen und ähnliche Beispiele in der Zukunft definieren, sei es im Bereich der Compliance oder Geldwäsche.
Wird dafür eine eigene Stelle geschaffen? – Das wird eine gemeinsame Stelle sein, zu der wir Landesbanken unsere Experten entsenden.
»Kein öffentliches Geld sollte privates verdrängen. Wir haben sehr gute Instrumente für die Standortsicherung.«
Reinhard Schwendtbauer
In der Vergangenheit gab es bei den Raiffeisenlandesbanken stärkere Tendenzen zu „Das ist meins“ anstatt „Das sind wir“. –
Ich glaube, diese Zeit ist überwunden, weil wir ja nicht unsere eigenen Mitbewerber sind. Das sind andere gute Banken, die es bereits gibt, aber vor allen Dingen auch neue Mitbewerber aus dem Fintech-Bereich. Da müssen wir uns einfach besser aufstellen.
Sie haben schon öfter in Interviews gesagt, es brauche Evolutionen in verschiedensten Bereichen. Wie definieren Sie „Regional-
bank“ im Jahr 2026 und in einem Markt, der immer digitaler und globaler wird? –Wer nur digital ist, wird nie unsere Breite zusammenbekommen. Wir haben in Oberösterreich 350 Bankstellen, die sehr geschätzt und natürlich auch beansprucht werden. Allerdings manche mehr, manche weniger. Wir brauchen daher genauso ein professionelles digitales Angebot. Uns zeigen viele Konkurrenten, dass wir hier noch schneller und besser werden müssen. Den Spagat zwischen dem stationären Betrieb und einer sehr guten digitalisierten Bankenwelt müssen wir schaffen.
Geht das? Player wie Revolut, Trade Republic oder Scalable werden immer besser. Die bieten Gratiskontoführung, zwei Prozent Zinsen quasi auf Giro-Einlagen, Gratiskreditkarte, alles gratis. Wie wollen Sie beides konkurrenzfähig anbieten? – Das ist genau die Kunst, die wir schaffen werden.
Ich bin beeindruckt von Ihrer Zuversicht. – Das wird gehen! Der Kunde entscheidet, ob er in eine Bankstelle geht oder
»Kein öffentliches Geld sollte privates verdrängen. Wir haben sehr gute Instrumente für die Standortsicherung.«
Reinhard Schwendtbauer
nicht. Wenn keine Kunden mehr hingehen würden, brauchten wir keine Bankstellen mehr. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben eine breite Resonanz, dass das gerade im beratungsaffinen Geschäft extrem notwendig ist. Die jüngere Generation äußert aber auch klar den Wunsch nach stärkerer Digitalisierung. Und wir bieten jetzt schon beides an, müssen aber im digitalen Bereich noch viel besser werden.
Eine derart substanzielle Investition im digitalen Bereich lässt sich nur schwer allein stemmen. – Um hier eine gute Schlagkraft darzustellen, können wir das als Raiffeisen nur gemeinsam bewältigen.
Gibt es einen Tag X, wo das digitale Angebot stehen muss? Weil sonst haben Sie ein Riesenproblem. – Wir haben aktuell kein Riesenproblem! Es wird natürlich viel von den Neobanken gesprochen. Wenn man sich dann die aktuellen Marktanteile ansieht, dann relativiert sich das allerdings auch wieder. Aber in den nächsten Jahren müssen wir definitiv neue Produkte entwickeln und hier massiv investieren.
Bei der Produktentwicklung können wir sicher schneller werden.
Das Beteiligungsgeschäft der RLB OÖ ist eines jener Vehikel, das die Bank so erfolgreich machen. Jetzt hat die Bundesregierung eine Industriestrategie verabschiedet. Was kann die, und was haben Sie als Bank davon? – Es ist wichtig, dass es jetzt eine Strategie für die österreichische Industrie gibt. Wir brauchen eine Exportoffensive und müssen stärker in Forschung und Entwicklung investieren. Und natürlich werden wir das als fünftgrößte Bank Österreichs auch unterstützen, wir haben ja selbst 350 Unternehmensbeteiligungen. Wichtig ist auch ein Bürokratieabbau im Sachverständigenwesen und in den Bewilligungsverfahren, das ist ein beutender Teil einer Industriestrategie. Allerdings: Man kann das schönste Papier haben, es muss auch umgesetzt werden. Für diese Umsetzung braucht es nicht nur budgetäre Mittel, die auch angekündigt sind, sondern auch das Zusammenhelfen mit privaten Geldern. Grundsätzlich muss gelten: kein öffentliches Geld sollte privates verdrängen, und das wird uns wichtig sein. Wir haben sehr gute Instrumente für die Standortsicherung.
Was bedeuten EU-Handelsabkommen wie das kürzlich mit Indien abgeschlossene für die Stimmung in der Industrie? Gerade für den Maschinenbau, der derzeit unter Druck steht, ist das ein toller Markt. – Wir brauchen solche Leuchttürme für die Wirtschaftsstimmung. Wir sollten noch viel mehr dieser Allianzen auf der Welt schaffen, die von den aktuellen geowirtschaftlichen Hemmnissen sozusagen absehen oder darüber hinausgehen, etwa mit Indien, mit Südamerika, mit dem ganzen australischen Raum oder auch mit Afrika. Es gibt weltweit genug zu tun, wo wir unsere Positionen als Europäische Union verbessern sollten.
Machen Ihnen Ihre Industriebeteiligungen wie Voestalpine, Amag und Salinen der-
zeit Spaß oder eher Sorgen? – Uns haben die Industriebeteiligungen die letzten 50 Jahre immer Spaß gemacht, und wir werden auch weiter in diesen Bereich investieren. Wir haben einen klaren Fokus auf die Sicherung und den Erhalt der Standorte in Oberösterreich und Österreich.
War das bei Rosenbauer der Grund, weshalb Sie eingestiegen sind? – Hundertprozentig. Da war ein ausländischer Investor vor der Tür, wie bei vielen anderen, wie bei der Voestalpine, wie bei den Salinen. Unser rein österreichisches Konsortium hat den Zuschlag bekommen.
Haben Sie Robert Ottel persönlich gefragt, ob er CEO bei Rosenbauer werden will? – Ja, wir hatten Gespräche.
Profit oder Verantwortung, was ist in Bezug auf Ihr Beteiligungsgeschäft wichtiger?
– Das kann man bei uns definitiv nicht trennen. Wir haben einen wirtschaftspolitischen Auftrag, einen regionalpolitischen Auftrag und auch über unsere Grundsätze einen sozialpolitischen Auftrag. Unser Job ist es, in unserer Region gute Geschäfte zu machen und die Wertschöpfung in der Region zu halten.
Wie viel Kapital haben Sie pro Jahr für das Beteiligungsportfolio zur Verfügung? – Für die nächsten Jahren haben wir auf jeden Fall eine Milliarde reserviert. Aber: Wir müssen keine neuen Beteiligungen erwerben. Damit meine ich konkret, dass es keinen Auftrag an uns gibt, unbedingt in den nächsten Jahren die Summe x zu investieren.
Warum macht das dann die Bank? – Weil es der Wertschöpfung in Oberösterreich und Österreich dient und weil wir damit auch seit Jahrzehnten gutes Geschäft machen.
Sie sind mit der Invest AG auch im VentureCapital-Bereich tätig. Welche Bedeutung hat dieses Vehikel? – Eine große. Wir haben in den letzten Jahren 200 Transaktionen durchgeführt und 500 Millionen
Euro investiert. Wir gehen hauptsächlich bei Expansionen, Unternehmensnachfolgen und größeren Investitionen auf Zeit mit und geben nicht nur Fremdkapital, sondern Eigenkapital, und das ist meistens veroptioniert. Das heißt, das Familienunternehmen kann uns auch jederzeit wieder abschichten nach 3, 5 oder sieben Jahren.
Wie oft klingelt Ihr Telefon, und es ist ein Unternehmer dran, der Sie fragt, ob Sie bei ihm einsteigen wollen? – Das passiert immer wieder und auch immer öfter.
Die RLB OÖ ist mit 9,51 Prozent an der Raiffeisen Bank International AG beteiligt. Dort kommt es bald zu einem CEO-Wechsel. Im Markt heißt es, Michael Höllerer war eh der Einzige, der dieses Amt übernehmen konnte. – Das sehe ich nicht so, weil wir bei Raiffeisen ein großes Potenzial an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben, die das machen könnten. Aber ich sehe auch, dass Michael Höllerer definitiv jetzt auch zur richtigen Zeit am richtigen Platz ist.
Haben Sie Ambitionen auf den Aufsichtsratschef der RBI? – Nein, das steht definitiv nicht zur Debatte.
Wie gelingt es, die RBI wieder so hinzukriegen, dass sie auch in der Öffentlichkeit als ambitionierte Bank wahrgenommen wird und nicht nur als eine Bank mit
»Jede Führung muss daran arbeiten, die gesamte EquityStory der RBI besser ins Licht zu rücken.«
Reinhard Schwendtbauer
Russlandproblem? – Die RBI muss noch besser darstellen, wie erfolgreich sie in ihren bisherigen Märkten ist, und vor allen Dingen auch zeigen, in welche Zukunftsmärkte sie expandieren will. Und das ist der Auftrag an das bisherige, aber natürlich auch an das neue Management. Wir haben unglaubliche Erfolgsstorys in Tschechien, in der Slowakei, in Ungarn, in Rumänien, in Serbien. Und jede Führung muss daran arbeiten, hier diese gesamte Equity-Story der RBI besser ins rechte Licht zu rücken. Und es gibt viele Märkte, in denen wir derzeit noch gar nicht aktiv sind, die aber hundertprozentig zur RBI passen.
Zum Beispiel? – Da möchte ich dem neuen Vorstand nicht vorgreifen.
Sie sitzen im Aufsichtsrat, das ist eine Ihrer Beteiligungen.- Es gibt sicher in Osteuropa noch einige weiße Flecken, aber auch darüber hinaus.
Was unterscheidet Sie von Ihren Vorgängern? – Ich will da gar nicht so tief reingehen. Ich bin persönlich sehr entscheidungsorientiert, lösungsorientiert und versuche gemeinsam mit den Führungskräften, mit den Mitarbeitern relativ schnell auf den Punkt zu kommen.
Sind das Voraussetzungen, die eine Führungskraft mitbringen muss? – Auch. Dazu kommt eine Begeisterung für die Sache, die ist sehr wichtig. Und ansonsten muss man das alles vorleben, was man von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangt.
Wie oft darf man bei Ihnen einen Fehler machen, bevor Sie Konsequenzen ziehen?
– So generalistisch kann man das wahrscheinlich nicht sagen, aber im Vergleich zum allgemeinen Führungsverhalten von vor zehn, 20, 30 Jahren ist eine gewisse Fehlerkultur schon eingekehrt. Das ist auch notwendig, besonders weil sich die Dinge viel schneller verändern als früher.
AUF DIE PLÄTZE, FERTIG
... Nach knapp einem Jahr präsentierte die Bundesregierung – hier im Bild Staatssekretär Sepp Schellhorn sowie die Minister Wolfgang Hattmannsdorfer und Peter Hanke – die umfassende Industriestrategie.
#INDUSTRIESTRATEGIE
Später Start, große Erwartungen
Text: Hedi Schneid
Das umfangreiche Papier der Regierung stößt bei Managern und Ökonomen auf scharfe Kritik. Es gibt aber auch Lob.
GGut Ding braucht Weile, heißt es. Und so war die Industriestrategie der Regierung, an der die Politik unter Einbindung von Sozialpartnern und Ökonomen ein Dreivierteljahr gebastelt hatte, erst mit mehreren Monaten Verspätung Mitte Jänner 2026 fertig. Immerhin ist das Konvolut 110 Seiten dick – ein „Riesenpaket, um den Wohlstand in Österreich zu sichern“, wie Außenministerin Beate Meinl-Reisinger meinte. Das ist angesichts zweier Rezessionsjahre und eines extrem mageren Wirtschaftswachstums 2025 auch dringend notwendig.
Wille zum Standort
Die große Frage: Wird der Befreiungsschlag, den die heimischen Unternehmen so dringend brauchen, gelingen? Oder geht die Politik einmal mehr nur Trippelschritte, wie wir es in der Vergangenheit oft gesehen haben? Der Börsianer hat sich bei Ökonomen und Managern umgehört.
Das Positive vorweg: „Es ist ein gutes und überfälliges Signal, dass die Politik die strategische Bedeutung der Industrie wieder klar anerkennt“, schreibt Christoph Kopp, Industrieexperte bei der Managementberatung Horvath, in einem aktuellen Kommentar. Dieser Wille zu einem starken Wirtschaftsstandort sei in den vergangenen Jahren oft nicht erkennbar gewesen. Dem schließt sich AT&S-CEO Michael Mertin an: „Erstmals liegt eine klare, langfristige industriepolitische Ausrichtung bis 2035 vor.“
In der Tat werden darin viele relevante Themen angesprochen und Maßnahmen genannt. „Für viele Ziele gibt es messbare Zielwerte“, so Kopp. Zwei Kernthemen stechen hervor: die hohen Energie- und Arbeitskosten sowie die Bürokratie, die von der Industrie schon seit Jahren gebetsmühlenartig als größte Bremsklötze angeprangert werden. Der subventionierte Industriestrompreis nach deutschem Vorbild soll von 2027 bis 2029 eine wesentliche Entlastung bringen. Darüber hinaus werden neun Schlüsseltechnologien
definiert, für deren Förderung bis 2029 2,6 Milliarden Euro vorgesehen sind.
Es sind dies im Detail: Künstliche Intelligenz mit Halbleitern, Robotik und Quantentechnologie, fortgeschrittene Produktionstechnologien und Advanced Materials (Werkstoffe), Biotechnologie (Life-Sciences), Energie- und Umwelttechnologien, Mobilität sowie Weltraum und Luftfahrt.
Mertins Lob kommt nicht überraschend: „Die neun Bereiche decken zentrale Zukunftsfelder ab und orientieren sich sowohl an globalen Trends als auch an bestehenden österreichischen Stärken – wie es etwa unsere Substrattechnologie ist“, sagt der AT&S-Boss zum Börsianer. Diese Substrate seien essenziell für KI-Chips und Server.
„Diese Ausrichtung ist überfällig, und es ist daher gut, dass auf breite, teure und ineffiziente Subventionen für alle Industriebetriebe nach dem Motto ‚First come, first served‘ verzichtet wird“, findet Oliver Picek, Senior Economist beim ökosozialen Thinktank Momentum Institut, positive Worte.
Frage der Finanzierung
Das große Aber folgt jedoch sogleich: „Die größten Schwächen liegen dort, wo es unbequem wird: Makroökonomische Rahmenbedingungen werden praktisch ausgeblendet“, meint Picek mit Verweis auf den starken Euro, der die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen – und der gesamten europäischen – Industrie schwächt. Auch Monika Köppl-Turyna, Direktorin des Eco-Austria-Instituts, ist skeptisch: Der Staat könne nicht voraussehen, welche Technologie sich am Ende durchsetzt.
Piceks Gretchenfrage lautet: Wer soll das bezahlen? Woher kommt die Gegenfinanzierung? Die Antwort bleibt das Papier ebenso schuldig wie die konkrete Umsetzung, weshalb Picek von einer „Industriepolitik mit angezogener Handbremse“ spricht. Trotz budgetärem Konsoli-
Daniel Nutz Chefredaktion
GEMEINSAM!
Ein Strategiepapier ist ein Strategiepapier ist ein Strategiepapier – das müsste man jenen ins Stammbuch schreiben, die die Industriestrategie 2035 der Bundesregierung bereits bei der Präsentation in der Luft zerrissen haben. Eine Strategie ist ein langfristiger Handlungsrahmen, kein Werkzeug für schnelle Effekte. Die 110 Seiten legen die Richtung fest – jetzt muss die Regierung liefern. Leicht wird das nicht. Regieren ist 2026 eine Aufgabe, um die einen niemand beneidet. Nur 32 Prozent beurteilen die Regierung positiv. Vielleicht verlangt man auch das Unmögliche: in einer Welt zu navigieren, die sich durch Bedrohungsszenarien ständig verändert, und zugleich eine gewaltige wirtschaftliche Transformation zu managen. Da ist Schuldzuweisung oft die billigste Ausflucht. Schuld sind die gierigen Banker, die Ausländer oder die EU! Dabei liegt Europas Antwort auf den globalen Wettbewerb in der Stärkung der Gemeinschaft, der Verfolgung der Transformation und des European Green Deal - nicht in einer Zerschlagung, wie es Orban, Le Pen oder Kickl, aber auch zunehmend andere (ganze im Sinne Trumps) gern sehen würden. Sonst drohen wir in die „Mid-Tech-Falle“ zu tappen: Europas Unternehmen laufen Gefahr, bei Zukunftstechnologien zwischen den USA und China eingeklemmt zu werden. Gezielte Innovationsförderung in strategischen Sektoren und resilientere Wertschöpfungsketten – von Erneuerbaren über Netze und Chips bis zur Pharmaindustrie – können nur gemeinsam erreicht werden. So sollten wir Industriepolitik denken. Und auf Märkten dürfen auch „Buy European“-Anreize geschaffen werden.
dierungsdrucks dürfe aber nicht bei jenen Bereichen gespart werden, die Wachstumspotenzial bergen, betont Mertin. Einig sind sich Manager und Ökonomen darin, dass nicht das Papier entscheidend sein wird – da ja bekanntlich geduldig ist –, sondern „die Umsetzung, die angesichts der Vielzahl von Maßnahmen und der Budgetrestriktionen eine Mammutaufgabe wird“, moniert nicht nur Kopp, sondern auch Mertin und VoestalpineCEO Herbert Eibensteiner. Für ihn ist die „schnelle und pragmatische Umsetzung der Vorschläge wichtig“. Schließlich werde sich die Strategie „nicht an Absichtserklärungen, sondern an realen Erfolgen messen lassen müssen“, so Kopp. „Wenn gefühlt alles Priorität hat, hat nichts mehr Priorität“, warnt in diesem Zusammenhang auch Katharina Rogenhofer, Chefin des Kontext-Instituts für Klimafragen.
Reformen statt Dauersubventionen
Die Vision der Regierung ist mehr als ambitioniert: Österreich soll bis 2035 unter die zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt gebracht werden. Ob das gelingt? Remus-Boss Stephan Zöchling ist skeptisch: „Ich bezweifle, dass man einem Standort eine Industriestrategie verordnen kann. Entscheidend ist, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Österreich für die Industrie wieder attraktiv wird. Aktuell ist der Standort nicht wettbewerbsfähig“, sagt Zöchling zum Börsianer.
Unisono mit Eibensteiner ist er der Meinung, dass es strukturelle Lösungen braucht, um das zu ändern. Dazu gehöre „eine sofortige Senkung der Lohnnebenkosten“. Überstunden sollten zudem steuerfrei sein, „damit jene, die mehr leisten wollen, auch mehr davon haben“, fordert Zöchling. Für Mertin braucht es außerdem eine „deutliche Entbürokratisierung“ und eine „spürbare Senkung der Staatsquote“. Ganz Europa brauche eine „klare Deregulierungsagenda“.
Beim Thema Energie nimmt Zöchling ebenfalls kein Blatt vor den Mund. Er fordert eine echte Privatisierung und
»Erstmals klare, langfristige Ausrichtung.«
Michael Mertin
»Kurzfristige Maßnahmen ersetzen nicht Reformbedarf.«
Herbert Eibensteiner
»Der Staat kann nicht voraussehen, welche Technologie sich am Ende durchsetzt.«
Monika Köppl-Turyna
Entflechtung der Energieversorger, um die Energiekosten nachhaltig zu senken. Köppl-Turyna warnt davor, dass der begünstigte Industriestrompreis, der von Eibensteiner naturgemäß begrüßt wird, zur Dauersubvention werden könnte.
Die Industriestrategie habe wichtige Themen der energieintensiven Industrie
KONKRETE MASSNAHMEN
Erste Maßnahmen, sogenannte Quick Wins, der Industriestrategie sind bereits für die Umsetzung 2026 geplant.
– Novelle UVP, Patentrecht sowie Versorgungssicherungsgesetz
– Beschaffung und Vergabe (made in A bzw. EU)
– Aufhebung des gesetzlichen CO2-Speicher-Verbots (CCS)
– Bürokratieabbaupaket
– Weiterentwicklung Forschungsprämie
adressiert, etwa die Freizuteilung der ETSZertifikate, den CO2-Grenzausgleichsmechanismus sowie die befristete Verlängerung der Strompreiskompensation, findet der Voestalpine-Chef auch lobende Worte. Aber: „Kurzfristige und temporäre Maßnahmen ersetzen nicht den Reformbedarf.“
Dass die Energiewirtschaft, die schon in der Vergangenheit viel Geld zur Budgetsanierung beigetragen hat, über die Vorschläge nicht in Jubel ausbricht, ist verständlich. Denn die Branche soll unter anderem die Senkung des Industriestrompreises finanzieren. „Man sollte die Kuh nicht schlachten, die man melken will“, reagierte die Generalsekretärin des Branchenverbands Österreichs Energie, Barbara Schmidt, scharf auf die Pläne der Regierung.
Die Anstrengungen der Regierung stoßen in der Industrie durchwegs auf Anerkennung. Kritisiert wird jedoch, dass es keine Hinweise auf die notwendige Finanzierung gibt und viele Punkte vage bleiben. Als besonders wichtig erachten viele Manager und Ökonomen die konkrete Umsetzung der Strategie sowie weitere Schritte – etwa die Entbürokratisierung und die Senkung der Lohnnebenkosten.
VOLLER FOKUS AUF SCHLÜSSELTECHNOLOGIEN
Wer Nachhaltigkeit gegen Wettbewerbsfähigkeit ausspielt, hat nicht verstanden, dass genau in deren Verbindung Europas industrielle Chance liegt.
Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit werden noch immer zu oft als Gegensätze wahrgenommen oder ideologisch aufgeladen diskutiert. In Wahrheit sind sie zwei Seiten derselben Medaille. Nachhaltigkeit ist nur dann erfolgreich, wenn sie ökologisch sinnvoll, ökonomisch erfolgreich und gesellschaftlich wirksam ist. Wir leben in einer Zeit, in der Ressourcen kostbarer sind denn je – Energie, Rohstoffe, Fläche, Zeit. Nachhaltigkeit heißt daher nicht Verzicht, sondern klügeres Wirtschaften: mehr aus dem Bestehenden zu machen, effizienter zu sein und damit Wohlstand zu sichern und zu schaffen. Genau darin liegt die industrielle Stärke und zugleich die Chance Europas. Nachhaltigkeit muss also zum Geschäftsmodell werden – sonst bleibt sie gut gemeint, aber wirkungslos.
Grün und wettbewerbsfähig
Der internationale Vergleich zeigt deutlich: Nachhaltigkeit setzt sich dort durch, wo sie wirtschaftlich ist. Eine Studie der Wiener Wirtschaftssoziologin Lia Musitz verdeutlicht dies am Beispiel China: Nachhaltige Technologien werden dort gezielt als industrielle Geschäftsmodelle aufgebaut, staatlich flankiert und konsequent skaliert. Heute ist China in vielen Technologienfeldern, gerade auch in den grünen Technologien, in führender Position. Europa stellt sich ins Schaufenster – mit hohen Zielen und ambitionierten Ansprüchen. Dann muss aber auch gelten: Grüne Transformation und Wettbewerbsfähigkeit müssen Hand in Hand gehen und rentabel sein. Der europäische Green Deal hat sich diese Logik vorgenommen, der Clean Industrial Deal soll zur Zielerreichung beitragen. Damit diese im großen Maß-
»Nicht Verzicht, sondern klügeres Wirtschaften.«
Vita
Sabine
Herlitschka Vorstandsvorsitzende Infineon Austria AG
Die promovierte Biotechnologin mit MBA arbeitete zuvor in der Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, an der Medizinischen Universität Graz sowie als Fulbright Scholar in den USA. Sie zählt heute zu den einflussreichsten TechnologieManagerinnen Europas.
stab wirken kann, braucht es passende politische Rahmenbedingungen. Der Staat hat dabei ein mächtiges Instrument in der Hand: Regulatorik und öffentliche Beschaffung können gezielt neue und grüne Märkte schaffen und Innovationen in die Breite bringen. Entscheidend ist nicht ein Ja oder Nein zu Regeln, sondern die Qualität der Rahmenbedingungen. Regulatorik muss Impulse setzen.
Entbürokratisierung
Wettbewerbsfähigkeit scheitert dabei selten an Zielen, sondern an Strukturen und Prioritäten. Zu komplexe, kleinteilige oder widersprüchliche Regelwerke binden Ressourcen, die Unternehmen dringend für Innovation und Transformation brauchen. Entbürokratisierung – gerade im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit – ist kein Selbstzweck. Sie muss wirksam sein und fördern, statt zu behindern. Weniger, einfacher, transparenter – aber vor allem klüger und evidenzbasiert. Auch die Industriestrategie der österreichischen Bundesregierung setzt hier an: mit dem Fokus auf Schlüsseltechnologien, resiliente Wertschöpfungsketten, Kreislaufwirtschaft und innovationsorientierte öffentliche Beschaffung. Diese Ansätze sind richtig. Entscheidend ist, dass sie rasch in einer kohärenten, einfachen und investitionsfreundlichen Regulatorik zusammengeführt werden.
Für das Geschäftsmodell Nachhaltigkeit heißt das: wirtschaftlich tragfähige Ziele zu definieren, neue, grüne Märkte zu schaffen, Skalierung zu fördern und damit Planungssicherheit zu schaffen. Dann wird Nachhaltigkeit zum echten Wettbewerbsvorteil – für Unternehmen, für den Standort und für Europa insgesamt.
BLICK IN DIE ZUKUNFT. In Nordfrankreich entsteht gerade ein Vorzeigeprojekt der europäischen Energiewende – mit freundlicher Unterstützung chinesischen Know-hows.
Europas Solar-Comeback
Gebaut in Hambach, gedacht in China
Im nordfranzösischen Hambach entsteht die größte Solarfabrik des Kontinents. Sie steht für eine neue Realität: Europas Energiewende funktioniert ohne China nicht. Das gilt auch für Österreich.
Text: Oliver Stock
FOTO: HOLOSOLIS
EEuropa hat die Solarenergie einmal erfunden. Dann aber haben Politik und Verwaltung so lange über ihren wahren Nutzen nachgedacht, bis andere die Fabriken bauten. In Freiberg im Erzgebirge, zwischen Chemnitz und Dresden, einem Ort, der sich selbst „Silberstadt“ nennt, war Photovoltaik einst ein deutsches Versprechen: Ingenieurskunst, saubere Energie, Zukunft. Dann kam die Globalisierung in ihrer robustesten Form. China machte aus der Idee eine Industrie – schneller, größer, billiger. Europa blieb noch zwei Jahrzehnte Entwickler, China wurde Werkbank. Und irgendwann, das ist die bittere Pointe, wanderte nicht nur die Serienproduktion ab, sondern es
verschwanden auch Forschung und Entwicklung. China wechselte auf die Überholspur. Deutschland kroch auf den Pannenstreifen.
Plötzlich geht wieder was Jetzt aber kommt eine überraschende Wendung. Europa baut wieder Solarfabriken. Nicht als Nostalgieprojekt, nicht als „Zurück zu den Wurzeln“-Romantik, sondern als knallharte Reaktion auf eine neue Rechnung mit vielen Variablen: Energiekrise infolge des UkraineKriegs, fragile Lieferketten, neue Industriepolitik, Klimaneutralitätsziele und der schlichte Wunsch, nicht jede Schlüsselkomponente von irgendwoher bestellen zu müssen. Eine Studie von Solar Power Europe, die gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme erstellt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die EU bis 2030 rund 30 Gigawatt jährliche Photovoltaik-Fertigungskapazität erreichen könnte – wenn die Politik die passenden Hebel ansetzt. Theoretisch ließe sich mit dieser Produktionsmenge so viel Solarleistung installieren, dass sie rechnerisch den Strombedarf von so vielen Menschen deckt, wie in der Schweiz leben. Praktisch liefern Solarmodule nur bei Sonnenschein Strom. Aber immerhin: Die Größenordnung ist beeindruckend. Die Studie beziffert auch die wirtschaftliche Hebelwirkung präzis. Pro produziertes Gigawatt Fertigungskapazität werden bis zu 2.700 Arbeitsplätze erwartet, verbunden mit rund 66,4 Millionen Euro jährlich an Steuer- und Sozialabgaben. „Politischer Hebel“ heißt hier Subvention – aber eben eine, die sich rechnet.
»Industrie fühlt sich hier nicht nach Sonntagsrede an, sondern nach Lärm, Staub und Terminplänen.«
Und jetzt kommt Hambach. Vor den Toren von Sarreguemines-Hambach, nahe der deutsch-französischen Grenze, wächst zwischen Kränen, Betonfundamenten und Staubfahnen eine Fa-
brik, die für Europas neue Solarambitionen stehen soll. Auf dem Gelände eines ehemaligen Industrieareals markieren Stahlträger und Linien für die Vermessung die Umrisse einer Anlage, die bald zu den größten Solarmodulwerken des Kontinents zählen soll. Hier will das eigens gegründete französische Unternehmen Holo Solis eine Modulfabrik mit fünf Gigawatt Jahreskapazität errichten – rund zehn Millionen Module pro Jahr, genug für den Jahresbedarf von mehr als einer Million Haushalte. Schweres Gerät fräst sich durch den Boden, Baucontainer reihen sich entlang der Zufahrtsstraße, Ingenieure in Warnwesten diskutieren Pläne gegen den Wind. Industrie fühlt sich hier nicht nach Sonntagsrede an, sondern nach Lärm, Staub und Terminplänen. Für die Regionalpolitik ist Hambach mehr als ein Projekt. Es ist ein Versprechen auf die Rückkehr in den Klub der Industrieregionen. Es geht einerseits um rund 2.000 Arbeitsplätze in der Fabrik. Franck Leroy, Präsident der Region Grand Est, spricht von einem „entscheidenden Schritt“ für das Gigafactory-Projekt und betont, dass die gesicherten Investitionen und Partnerschaften zeigten, dass die operative Phase jetzt im Jahr 2026 beginnen werde. Er sieht darin einen Beitrag zur Energie- und Industriesouveränität der Region und zur „Reindustrialisierung unserer Gebiete“. Und es geht andererseits um Geld. Mehr als 220 Millionen Euro an öffentlicher und privater Finanzierung sind zugesagt. Investoren wie Inno Energy und das deutsche Traditionsunternehmen Heraeus sind an Bord – ein Unternehmen, das seine Wurzeln bis ins Jahr 1660 zurückverfolgen kann.
Freundliche Abhängigkeit
Wer hier voreilig „europäische Renaissance“ ruft, sollte allerdings noch einen Schritt näher an die Maschine treten. Denn die eigentliche Pointe liegt nicht darin, dass Europa wieder baut. Sondern darin, mit wem. Holo Solis setzt auf TOPCon, eine Hochleistungs-Zelltech-
nologie, die sich im globalen Solarmassenmarkt durchgesetzt hat – und arbeitet dafür mit dem chinesischen Anbieter Trina Solar zusammen. Trina beschreibt das Abkommen so: „Diese Vereinbarung ist mehr als eine Lizenz – sie steht sinnbildlich dafür, wie globale Innovation lokale industrielle Stärke befeuern kann.“
Treffender lässt sich die neue europäische Realität kaum beschreiben. Industrielle Souveränität entsteht nicht länger durch Abschottung, sondern durch Produktion dort, wo der Markt ist. Ob Knowhow, Patente oder Anlagen aus China stammen, wird zweitrangig. Europa bekommt Jobs, lokale Wertschöpfung und kürzere Lieferketten. China erhält Absatz, Einfluss und industrielle Verankerung. Man kann das pragmatisch nennen. Man kann es auch Abhängigkeit mit freundlichem Gesicht nennen. Entscheidend ist: Es passiert.
Auch Österreich steht vor genau dieser strategischen Entscheidung. Der Photovoltaik-Boom ist beeindruckend. 2023 wurde mit über 2,6 Gigawatt Zubau ein Rekord erreicht. Gleichzeitig stammen mehr als drei Viertel der Module aus Asien. Die Energiewende wächst schneller als die heimische Industrie. Förderprogramme treiben den Ausbau, doch die industrielle Basis bleibt schmal. Der Branchenverband Photovoltaic Austria formuliert diese Ambivalenz offen. Vorstandschef Herbert Paierl sagt: „PV Austria ist heute das Kompetenzzentrum für Photovoltaik und Stromspeicherung in
HIGHTECH Moderne Fertigungsmethoden steigern die Effektivität.
Österreich. Diese Rolle wollen wir weiter stärken – fachlich fundiert, praxisnah und im engen Austausch mit unseren Mitgliedern.“ Hinter dieser diplomatischen Formulierung steckt eine industriepolitische Frage: Will Österreich ein Installationsland bleiben oder auch wieder Produktionsstandort werden?
»China produziert in Europa, testet in Europa und verzahnt sich tief mit europäischen Strukturen. Die Kooperation ist handfest. Industrielle Nähe ersetzt die diplomatische Distanz.«
Hambach hat das Zeug dazu, kein Einzelfall, sondern das neue Normal zu werden. Im thüringischen Arnstadt produziert der chinesische Hersteller CATL Batteriezellen und erweitert den Standort zu einem der größten Batterietestzentren Europas mit mehr als 300 Teststationen. Das ist nicht „China liefert, Europa kauft“. Das ist China produziert in Europa, testet in Europa und verzahnt sich tief mit europäischen Strukturen. Die Kooperation ist handfest. Industrielle Nähe ersetzt diplomatische Distanz – mit Laboren, Klimakammern und Ladezyklen statt Grußkarten.
Auch Volkswagen hat das Märchen von der vollständig europäisch gefertigten Batterie früh beerdigt. Im Mai 2020 stieg der Konzern mit 1,1 Milliarden Euro beim chinesischen Batteriehersteller Go-
tion High-Tech ein, um die Batteriezellenproduktion zu industrialisieren, verbunden mit umfangreicher Entwicklungsarbeit am Standort Salzgitter. Die Mechanik ist typisch: europäische Nachfrage, europäische Fabriken, europäische Automobilindustrie – aber Technologiepartner dort, wo bereits skaliert und in großen Stückzahlen produziert wurde.
Neue Rolle Europas
Diese Beispiele machen eines deutlich: Europa tut nicht mehr so, als könne es die Welt wegregulieren und gleichzeitig die Industrie zurücksubventionieren, bis sie von allein wieder läuft. Europa versucht – zögerlich, manchmal widersprüchlich – eine Industrie aufzubauen, die auch ohne Ideologie funktioniert. Genau das ist die Pointe von Hambach: nicht gegen China, sondern mit China. Ob das klug ist? Wahrscheinlich. Ob es bequem ist? Nein. Bequem wäre es, weiter zu importieren und sich dabei für moralisch überlegen zu halten. Aber Bequemlichkeit ist keine Industriepolitik, nur eine andere Form von Kapitulation. Das Fazit: An der deutsch-französischen Grenze wird die größte Solarfabrik Europas gebaut. Mithilfe überschaubarer Subventionen rechnet sie sich, weil die Produkte leistungsfähiger und günstiger geworden sind. Technologietreiber ist jedoch nicht mehr Europa, sondern China. Damit hat sich die Welt verändert: China entwickelt und Europa wird zur Werkbank.
Aus eigener Kraft.
Wir versorgen Österreich. Tag und Nacht. Mit nachhaltiger Energie.
#LEONARDO MARIA DEL VECCHIO
Der Aufstieg des Brillenerben
VitaMARIA DEL VECCHIO
Leonardo Maria Del Vecchio, der gerade 31 Jahre alt geworden ist, ist Chief Strategy Officer von Essilor Luxottica, Präsident von Ray-Ban, CEO der Optikshop-Kette Salmoiraghi & Vigano sowie Inhaber von LMDV Capital, seiner Investmentgesellschaft, die bereits mehrere Hundert Millionen Euro in 40 Unternehmen investiert hat.
Text: Micaela Taroni
LEONARDO
„Ich
bin proeuropäischausgesprochen und für ein geeintes Europa“
Mit einem geschätzten Vermögen von 7,5 Milliarden Euro besetzt Leonardo Maria Del Vecchio laut Forbes Platz acht im Ranking der reichsten Italiener. Mit seiner Investmentgesellschaft LMDV Capital kauft der Präsident der Marke Ray-Ban nicht nur Restaurants und Luxusdiskotheken, auch eine eigene Mediengruppe will er etablieren. Seine Vorliebe für Luxusautos hatte zuletzt Justizermittlungen nach sich gezogen.
EEr ist erst 31 Jahre alt, doch gilt Leonardo Maria Del Vecchio als aufsteigender Stern im Olymp der italienischen Finanzwelt. Das vierte Kind des Industriekapitäns Leonardo Del Vecchio, des 2022 verstorbenen Gründers des weltweit größten Brillenkonzerns Essilor Luxottica, begann im Alter von 21 Jahren in einem Brillengeschäft zu arbeiten und übernahm nach dem Studium an der Mailänder Eliteuniversität Bocconi verschiedene Posten im Großkonzern seines Vaters.
Der junge Unternehmer mit schulterlangem Haar und Vollbart hat sich inzwischen die Geschäftsdiversifizierung auf die Fahnen geschrieben. Während er nach wie vor als Chief Strategy Officer von Essilor Luxottica sowie als Präsident der Marke Ray-Ban fungiert, gründete Leonardo Maria Del Vecchio mit LMDV Capital eine eigene Investmentgesellschaft. Die Investitionsplattform beteiligt sich an Unternehmen, um diese bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Er folgt dabei einer industriellen und nicht einer rein spekulativen Logik.
Die Investitionsstrategie konzentriert sich auf die Bereiche Hospitality
»Ich
investiere, damit meine Tochter eines Tages Informationen von anerkannten Journalisten erhalten kann und nicht von sogenannten Tiktokern.«
Leonardo Maria
Del Vecchio
und Medien. Zum Portfolio zählen Restaurants und Lokale im Mailänder Stadtteil Brera sowie die Luxusdiskothek Billionaire in den exklusiven Urlaubsorten Porto Cervo auf Sardinien, Forte dei Marmi in der Toskana und Monte Carlo. Del Vecchio macht kein Hehl daraus, dass er einen italienischen Champion im Bereich Fine Dining und LuxuryBeach-Clubs mit internationaler Ausrichtung aufbauen will. Im Fokus stehen dabei Traumstandorte in der toskanischen Versilia, in Ligurien, an der Cote d’Azur und der Costa Smeralda. Neben dem Hospitality-Sektor bleibt auch der Immobilienbereich eine tragende Säule. Investiert wird vor allem in Immobilien im Luxussegment.
Ferrari, Justiz und Berlusconi 2.0
Für Schlagzeilen sorgte Del Vecchio junior zuletzt nicht nur wegen seiner Vorliebe für Luxusautos: Gegen ihn wird derzeit wegen mutmaßlicher Fahrerflucht und unterlassener Hilfeleistung im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall mit seinem Ferrari ermittelt, die er bestreitet. Auch sein Plan, eine eigene Mediengruppe mit Fokus auf Printmedien
aufzubauen, erzeugte Aufmerksamkeit. Nachdem er im Dezember 30 Prozent an der Mailänder Tageszeitung „Il Giornale“ erworben hatte, die lange im Besitz der Familie Berlusconi stand, übernahm Del Vecchio die Mehrheit an der Gruppe Editoriale Nazionale. Dabei handelt es sich um einen Verlag, zu dem mehrere namhafte Tageszeitungen gehören, darunter „Il Giorno“, „La Nazione“, „Il Resto del Carlino“ und „QN“. Zuvor hatte Leonardo Maria Del Vecchio ein Angebot für die Mediengruppe Gedi eingereicht, zu der die renommierten Zeitungen „La Repubblica“ und „La Stampa“ zählen. Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns Gedi, John Elkann, Eigentümer des Automobilherstellers Stellantis, lehnte das Angebot im Wert von 140 Millionen Euro jedoch ab.
Obwohl der Zeitungssektor in Italien zurzeit kriselt, sieht Del Vecchio im Printbereich eine Zukunft. „Ich glaube sehr an glaubwürdige Berichterstattung. Junge Menschen beziehen heute ihre Informationen zunehmend aus nicht zuverlässigen Quellen, was ich als Gefahr für die Zukunft betrachte. Ich investiere, damit meine Tochter eines Tages Informationen von anerkannten Journalisten erhalten kann und nicht von sogenannten Tiktokern“, betonte der Unternehmer kürzlich in einem Fernsehinterview.
Politisch zeigt Del Vecchio klare Sympathien für Regierungschefin Giorgia Meloni. „Die aktuelle Stabilität Ita-
liens ist ein Verdienst dieser Rechtsregierung“, erklärt er. Mit Blick auf die internationale Politik äußert sich Del Vecchio junior ausgesprochen proeuropäisch: „US-Präsident Donald Trump hätte nicht so viel Macht, wenn wir ein stärker geeintes Europa hätten. Ich bin ausgesprochen proeuropäisch und für ein geeintes Europa.“
Streit unter den acht Erben Der junge Unternehmer segelt zwar klar auf Expansionskurs, hat jedoch mit familiären Konflikten zu kämpfen. Unter den acht Erben des Imperiums seines Vaters herrscht Streit. Als Firmengrün-
KULTMARKE
Der in den USA gegründete Brillenhersteller Ray-Ban befindet sich seit 1999 im Besitz der italienische Luxottica-Gruppe.
der Leonardo Del Vecchio vor über drei Jahren im Alter von 87 Jahren starb, teilte er sein Vermögen auf seine sechs Kinder aus drei Ehen, seine letzte Ehefrau Nicoletta Zampillo sowie deren ersten Sohn Rocco Basilico auf. Jeder der acht Erben erhielt einen Anteil von 12,5 Prozent an der Holding Delfin. Diese wird operativ von Del Vecchios langjährigem Vertrauten Francesco Milleri, Jahrgang 1959, geführt, der zugleich Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender des Brillenkonzerns Essilor Luxottica ist.
Der Wert der Beteiligungen der Holding ist in den vergangenen drei Jahren stark gestiegen. Allein 31 Milliarden Euro entfallen auf den 32,5-Prozent-Anteil an Essilor Luxottica. Hinzu kommen Beteiligungen an Generali, an der Investmentbank Mediobanca, an der Bank-Austria-Mutter Unicredit sowie an der Immobiliengesellschaft Covivio. Uneinigkeit herrscht unter den Erben im Alter zwischen 20 und 70 Jahren über eine geplante Satzungsänderung, für deren Abnicken Einstimmigkeit erforderlich ist. Bisher haben jedoch nur sechs der acht Erben dem Erbschaftsabkommen zugestimmt.
Leonardo Maria Del Vecchios Aufmerksamkeit gilt vielleicht auch seit vergangenem Jahr was völlig anderem: Mit seiner Lebensgefährtin, der Influencerin Sara Soldati, wurde der Unternehmer im vergangenen Juli Vater einer Tochter.
FOTO: ESSILOR LUXOTTICA
#UMFRAGE
Was kann der Digitale Euro?
Text: Daniel Nutz
Um Unabhängigkeit von US-amerikanischen Zahlungsdienstleistern zu erlangen und die Kosten für Händler sowie Kunden zu senken, will die EZB den Digitalen Euro einführen. Doch wie wird der Datenschutz gewährleistet, und wie verhindert man staatliche Eingriffsmöglichkeiten?
DDer Digitale Euro soll ab 2029 als zusätzliche, sichere und europäische Bezahlform eingeführt werden – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu Bargeld. Er ist die Antwort Europas auf die wachsende Abhängigkeit von US-Zahlungsanbietern wie Visa und Mastercard und auf geopolitische Risiken im globalen Zahlungsverkehr. Die EZB verspricht ein öffentliches, europaweit einheitliches Zahlungsmittel mit hohen Datenschutzstandards, offline nutzbar und ohne Weitergabe personenbezogener Zahlungsdaten. Während Befürworter mehr Wettbewerb, geringere Gebühren und technologische Souveränität erwarten, warnen Kritiker vor Überwachung, Kosten und möglichen Abflüssen von Bankeinlagen. In den kommenden Wochen und Monaten soll im Trilog aus EU-Kommission, EU-Parlament und dem Rat der Mitgliedstaaten am finalen Rahmen für dieses Projekt gearbeitet werden. Der Börsianer hat nachgefragt, wie die österreichischen Parlamentsparteien zu dem Projekt (siehe dazu auch Seite 22) stehen.
ANDREAS OTTENSCHLÄGER Finanzsprecher ÖVP
Österreich zählt mit einem Bargeldanteil von rund 58 Prozent aller Transaktionen zu den bargeldaffinsten Ländern Europas. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, digitale Bezahlsysteme gezielt auszubauen? – Digitale Bezahlsysteme sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir bekennen uns aber auch klar zum Bargeld. Dabei geht es um Wahlfreiheit und darum, auch den weniger technologieaffinen Menschen die Teilhabe am Wirtschafts- und Geschäftsleben zu erhalten. Der Ausbau digitaler Bezahlsysteme ist eine wichtige Ergänzung im Zahlungsverkehr, darf aber nicht die einzige Möglichkeit sein und muss strenge Standards bei IT-, Daten-sowie Zahlungssicherheit erfüllen.
Welche Chancen und Risiken sieht Ihre Partei in der für 2029 geplanten Einführung des Digitalen Euro für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich? – Der Digitale Euro kann einen Beitrag für weniger Abhängigkeit von außereuropäischen Dienstleistern und damit auch für die Sicherheit und die Souveränität der Eurozone leisten. Technologische Eigenständigkeit ist stets eine Chance, Österreich und Europa zu stärken. Kostenseitig soll der Digitale Euro für Privatpersonen kostenlos, für Unternehmen sollen die Gebühren reguliert werden. Eine Konvertibilität im Verhältnis eins zu eins soll die Währungs- und Finanzstabilität erhalten. Obergrenzen für den Digitalen Euro als Wertaufbewahrungsmittel müssen einem starken Einlagenabfluss bei Banken jedenfalls vorbeugen.
Welche Anforderungen stellt Ihre Partei an den Digitalen Euro in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und die Grenze staatlicher Eingriffsmöglichkeiten? – Der Digitale Euro muss ein Maximum an Schutz und Sicherheit für die Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürgerinnen bieten. Dazu gehört, dass Menschen nicht anhand von Zahlungen identifiziert werden können und Offlinezahlungen möglich sind. Die EU-Datenschutzgesetze sind dafür stabiles Fundament. Für uns wäre auch eine privatwirtschaftliche Lösung für den Digitalen Euro grundsätzlich vorstellbar.
KAI JAN KRAINER Finanzsprecher SPÖ
Österreich zählt mit einem Bargeldanteil von rund 58 Prozent aller Transaktionen zu den bargeldaffinsten Ländern Europas. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, digitale Bezahlsysteme gezielt auszubauen? – Ich sehe keinen politischen oder gesamtwirtschaftlichen Grund zu sagen, wir wollen die Bargeldquote senken. Wir sind für die flächendeckende und lückenlose Versorgung mit Bargeld. Aus Sicht der Konsumenten hat Bargeld die geringsten Kosten im Zahlungsverkehr. Digitale Bezahlsysteme gezielt ausbauen steht dem nicht entgegen. Durch die Einführung des Digitalen Euro verringern wir die Abhängigkeit von internationalen Anbietern und können die Kosten im Zahlungsverkehr spürbar reduzieren.
Welche Chancen und Risiken sieht Ihre Partei in der für 2029 geplanten Einführung des Digitalen Euro für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich? – Mir scheint, der Digitale Euro ist eine gute Idee. Erstens, weil er für die Konsumenten eine zusätzliche Option fürs Bezahlen bedeutet, ohne Transaktionskosten. Zweitens, weil er den europäischen Zahlungsverkehr von US-amerikanischen Konzernen unabhängiger macht. Das soll man nicht unterschätzen. Und wenn die Einlagen bei der EZB auch noch zum jeweiligen Einlagenzins verzinst werden, freuen sich die Bürgerinnen und Bürger. Das Bemerkenswerte am Digitalen Euro ist die negative Begleitmusik, die es seit Jahren gibt, etwa von der FPÖ, die jedem US-Zahlungsdiensteanbieter mehr vertraut als der unabhängigen Europäischen Zentralbank.
Welche Anforderungen stellt Ihre Partei an den Digitalen Euro in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und die Grenze staatlicher Eingriffsmöglichkeiten? – Es müssen die gleichen Schutzrechte gelten, wie wenn jemand die Zahlungen über seine Bank abwickelt. Natürlich auch vergleichbare Sorgfaltspflichten. Der Digitale Euro hat das Potenzial, die Transaktionskosten spürbar zu senken und beim Datenschutz bessere Standards zu haben als heute. Die EU-rechtlichen Grundlagen werden auf europäischer Ebene verhandelt.
CHRISTOPH PRAMHOFER
Kapitalmarktsprecher
Neos
Österreich zählt mit einem Bargeldanteil von rund 58 Prozent aller Transaktionen zu den bargeldaffinsten Ländern Europas. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, digitale Bezahlsysteme gezielt auszubauen? – Gerade weil Österreich zu den bargeldaffinsten Ländern Europas zählt, müssen wir als Politik die Bevölkerung abholen und bei der Transition zu digitalen Zahlungen behutsam vorgehen. Digitale Zahlungen können Transaktionskosten senken, insbesondere für KMUs und den Handel. Derzeit sind viele Betriebe jedoch von wenigen internationalen Kartenanbietern abhängig, was die Gebühren und die Marktmacht konzentriert. Auch für die strategische Autonomie Österreichs und Europas ist es sinnvoll, wenn es hier ein besseres, differenzierteres und eben auch europäisches Angebot gibt.
Welche Chancen und Risiken sieht Ihre Partei in der für 2029 geplanten Einführung des Digitalen Euro für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich? – Als staatliches Zahlungsmittel erhöht er in Krisen oder bei Ausfällen privater Anbieter die Stabilität des Zahlungsverkehrs. Voraussetzung für breite Akzeptanz sind jedoch Freiwilligkeit, ein erkennbarer Mehrwert, Wettbewerb mit privaten Diensten und der Erhalt von Bargeld. Gleichzeitig birgt der Digitale Euro Risiken: In Stressphasen könnten Giroeinlagen in digitale Zentralbankguthaben abwandern, was die Liquidität der Banken schwächt und ihre Kreditvergabe beeinträchtigt. Notwendig sind daher klare Haltelimits, eine fehlende Verzinsung sowie eine dezentrale, von Banken vermittelte Architektur.
Welche Anforderungen stellt Ihre Partei an den Digitalen Euro in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und die Grenze staatlicher Eingriffsmöglichkeiten? – Es braucht hier klare technische Voraussetzungen: Der digitale Euro muss mindestens das Datenschutzniveau bestehender digitaler Zahlungen erfüllen und bargeldähnliche Privatsphäre für kleine Beträge ermöglichen, DSGVO-konform und technologisch überprüfbar sein.
HUBERT FUCHS
Finanzsprecher FPÖ
Österreich zählt mit einem Bargeldanteil von rund 58 Prozent aller Transaktionen zu den bargeldaffinsten Ländern Europas. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, digitale Bezahlsysteme gezielt auszubauen? – Das Bargeld hat für die österreichische Bevölkerung eine sehr große Bedeutung. 95 Prozent der Österreicher können sich nicht vorstellen, auf Bargeld völlig zu verzichten. Diesen gerechtfertigten Wunsch der Bevölkerung sieht die FPÖ als konkreten Arbeitsauftrag an das Parlament. Nach der aktuellen Rechtslage besteht keine echte Annahmeverpflichtung von Bargeld. Hier müssen die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen nachgeschärft werden. Die FPÖ ist die einzige Partei im Parlament, die sich seit Jahren für den Erhalt des Bargelds und für die Verankerung des Rechts auf Bargeldzahlung in der Verfassung einsetzt.
Welche Chancen und Risiken sieht Ihre Partei in der für 2029 geplanten Einführung des Digitalen Euro für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich? – Aus Sicht der FPÖ besteht kein Bedarf, Bargeld politisch zurückzudrängen oder digitale Bezahlsysteme der EU oder EZB künstlich zu forcieren. Weltweit gibt es bereits genügend digitale Zahlungsdienstleister, die es besser können als die EU- oder EZB-Bürokraten, die jeder Konsument freiwillig nutzen kann. Da braucht es keine Bevormundung in Form eines Digitalen Euro. Der Digitale Euro ist die Lösung für ein „Problem“, das es in Wirklichkeit nicht gibt. Die Einführung des Digitalen Euro ist ein weiterer Schritt der EU zur Bargeldabschaffung und zur Überwachung der EU-Bürger.
Welche Anforderungen stellt Ihre Partei an den Digitalen Euro in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und die Grenze staatlicher Eingriffsmöglichkeiten? – Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob ein Bürger freiwillig einen digitalen Fingerabdruck hinterlässt oder ob er mangels Bargelds gar keine andere Wahl hat. Diese Wahlfreiheit muss auch in Zukunft gegeben sein. Bargeld ist gelebter Datenschutz, und Bargeld ist gedruckte Freiheit!
NINA TOMASELLI
Finanzsprecherin
Die Grünen
Österreich zählt mit einem Bargeldanteil von rund 58 Prozent aller Transaktionen zu den bargeldaffinsten Ländern Europas. Sehen Sie politischen Handlungsbedarf, digitale Bezahlsysteme gezielt auszubauen? – Österreichs hohe Bargeldaffinität ist Ausdruck von Wahlfreiheit, schließt aber politischen Handlungsbedarf nicht aus. Der gezielte Ausbau digitaler Bezahlsysteme kann Kosten senken und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Steuerehrlichkeit. Insbesondere die Einführung des Digitalen Euro wird für die Konsumentinnen und Konsumenten viele Vorteile bringen.
Welche Chancen und Risiken sieht Ihre Partei in der für 2029 geplanten Einführung des Digitalen Euro für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich? – Der Digitale Euro ist eine notwendige Antwort auf die stark zunehmende Nutzung digitaler Zahlungsmittel. Davon profitieren Bürgerinnen und Bürger durch ein sicheres, öffentliches und europaweit einheitliches Zahlungsmittel. Gleichzeitig liegt die Kontrolle bei der Zentralbank statt bei großen privaten Zahlungskonzernen wie Visa und Mastercard. Das schützt die Daten, und die Zahlungsgebühren gehören der Geschichte an.
Welche Anforderungen stellt Ihre Partei an den Digitalen Euro in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre und die Grenze staatlicher Eingriffsmöglichkeiten? – Für uns ist klar: Der Digitale Euro muss höchsten Datenschutz- und Privatsphärestandards entsprechen, und staatliche Zugriffe dürfen ausschließlich eng begrenzt, richterlich kontrolliert und zweckgebunden erfolgen. Sensible Zahlungsdaten sind bei einer öffentlichen, demokratisch kontrollierten Institution wie der Zentralbank jedenfalls besser aufgehoben und strenger kontrollierbar als bei großen US-Konzernen.
34. BÖRSIANER SALON
02. Dezember 2025 das Mezzanin, Wien
Betriebliche Vorsorge
muss auf Kurs
Christoph Pramhofer (Neos) zeigte sich gut gelaunt und optimistisch.
Beim 34. Börsianer Salon diskutierten die Expertinnen und Experten, wie Beschäftigte stärker eingebunden werden können und welche Modelle notwendig sind, um die betriebliche Vorsorge als kapitalgedeckte zweite Säule zu stärken. Christoph Pramhofer (Neos) zeigte sich trotz zäher Verhandlungen optimistisch und brachte die Zusammenlegung von Vorsorge- und Pensionskassen ins Spiel. Michaela Plank (Mercer Österreich) forderte steuerliche Anreize und mehr Transparenz beim Blick auf das eigene Pensionskonto. Angelika Sommer-Hemetsberger von der OeKB verwies auf bewährte europäische Modelle, während Horst Maier (BKS Bank) die Bedeutung von mehr Financial Education in den Unternehmen betonte. Klar wurde: Die betriebliche Vorsorge braucht ein neues Narrativ.
Treue Besucherinnen des Salons: Karin SchmidtMitscher, Beatrice Schobesberger und Ingeborg Bauer-Kunst.
Ursula Rath (Schönherr) und Henriette Lininger (Wiener Börse AG) sind Stammgäste beim Salon und bringen immer gute Laune mit.
Das Podiumsfoto gehört traditionell dazu – Ingrid Krawarik sorgt dabei für spürbare Dynamik.
Börsianer Roadshow: Rally oder Crash?
Die Experten der Marktdiskussion gaben sich eine teils kontroverse Debatte über den Ausblick auf die Weltbörsen – der Humor kam dabei nicht zu kurz.
Das Mikro war ausgeschaltet – doch die Gespräche gingen intensiv weiter.
Investmentstory aus erster Hand: Norbert Haslacher (Frequentis AG) im Gespräch mit Ingrid Krawarik („Börsianer“).
Vertieft im Austausch: Mira Seyfettinoglu (Goldman Sachs Asset Management) und Martin Kwauka („Börsianer“) .
9. BÖRSIANER ROADSHOW WIEN 11. November 2025
Audi House of Progress, Wien
Wie geht es 2026 an den Märkten weiter? Zwischen vorsichtigem Optimismus, KI-Euphorie und geopolitischer Unsicherheit spannte sich ein breites Meinungsspektrum im Audi House of Progress in Wien bei der Börsianer Roadshow auf. Auch die Nachhaltigkeit blieb präsent. Kontrovers diskutiert wurde zudem das Thema Rüstung, nachdem zahlreiche Rüstungswerte zuletzt stark zulegten. Die Investmentstory präsentierte Norbert Haslacher, CEO der Frequentis AG. Ein zentraler Wachstumstreiber könnten künftig Aufträge zur Sicherung kritischer Infrastruktur sein. In der zivilen und militärischen Flugsicherung zählt Frequentis bereits heute zu den führenden Anbietern. Beim anschließenden Networking ließen die Gäste den Abend bei Speis und Trank mit angeregten Gesprächen ausklingen.
TICKENDE ZEITBOMBEN
Die jüngste langfristige Budgetprognose des Finanzministeriums zeigt ein desaströses Bild. Steigende Staatsschulden und in der Folge immer höhere Zinszahlungen ergeben eine gefährliche Abwärtsspirale. In der politischen Diskussion werden diese existenzgefährdenden Zahlen geflissentlich ignoriert. Das Ruder muss in dieser Wahlperiode durch massive Reformen herumgerissen werden.
DER ÖSTERREICHISCHE SCHULDENBERG wird in den kommenden Jahrzehnten völlig ungeahnte Dimensionen erreichen. Das ist das Ergebnis der vom Finanzministerium kürzlich veröffentlichten „Langfristigen Budgetprognose 2025“. Sie sagt die Staatsschulden auf der Basis von WifoDaten bis zum Jahr 2060 vorher. Da die Zukunft bekanntlich unsicher ist, berechnet diese offizielle Studie Daten für eine ganze Reihe von Szenarien. Doch ganz gleich, ob das Wifo von optimistischeren oder pessimistischeren Annahmen ausgeht: Alle Ergebnisse sind alarmierend. Der Ausgangswert ist eine Staatsverschuldung im Jahr 2025 in Höhe von 81,7 Prozent Bruttoinlandsprodukts (BIP). Schon dieser Wert liegt ja bekanntlich um Häuser über dem MaastrichtZiel von 60 Prozent. Das Jahr 2025 dürfte aber im Rückspiegel als gute alte Zeit gelten. Schon im Basisszenario rechnet das Wifo für das Jahr 2040 mit Maastricht-Schulden von 98,4 Prozent. Bis 2050 geht es rasant weiter bis auf 119,2 Prozent, 2060 werden sogar 148,2 Prozent vorhergesagt. Selbst im optimistischsten Wifo-Szenario mit unerwartet hohem langfristigem Produktivitätswachstum landet Österreich im Jahr 2060 immer noch bei 118,2 Prozent, also dem Doppelten des Erlaubten. Dafür gibt es zwei pessimistische Modellrechnungen, eine mit schwächerer Produktivitätsentwicklung und eine andere mit geringerer Einwanderung, die beide bei knapp 180 Prozent enden. Es geht also laut Wifo nur um die Frage, ob wir gerade noch mit dem Kopf aus dem Schuldensumpf herausragen werden oder nur noch mit der Nasenspitze.
Und die Zeitbombe tickt immer lauter: Die Prognosen haben sich gegenüber der vorherigen Langfristschätzung aus dem Jahr 2022 weiter verschlechtert. Damals wurde für das Jahr 2060 im Hauptszenario ein Schuldenstand von 120,8 Prozent errechnet. Aktuell werden es
»Die demografische Problemzone reicht weit über die Pensionen hinaus, Österreich ist darauf nicht vorbereitet.«
VitaMartin Kwauka Finanzjournalist
Der leidenschaftliche Weinbauer (66) ist seit 23 Jahren Finanz- und Wirtschaftsjournalist. Zu den wichtigsten Stationen des gebürtigen Deutschen zählen die langjährige Chefredaktion des Magazins „Format“ und das seit 2015 von ihm organisierte Finanzjournalistenforum. Sein Steckenpferd ist die Altersvorsorge. Sich selbst beschreibt der studierte Agrarökonom als chronisch neugierig.
wie erwähnt bereits 148,2 Prozent. Der Unterschied ist nicht zuletzt durch die Spätfolgen der Wirtschaftskrisen ab dem Jahr 2020 bedingt, die gleich doppelt wirkten: Die Folgen wurden mit hohen Staatsausgaben bekämpft, was die Schulden erhöhte, gleichzeitig wurde auch das BIP nachhaltig gedämpft.
Was sind die Hauptursachen für die langfristig ausufernden Staatsschulden? In der öffentlichen Diskussion stehen vor allem die steigenden Pensionslasten. Diese sind tatsächlich eine enorme Bürde, allerdings bleiben die Belastungen gemessen am BIP relativ konstant. Statt aktuell 15,2 Prozent wird für das Jahr 2060 ein Wert von 15,8 Prozent erwartet. Gut doppelt so hoch könnte der Anstieg bei den Ausgaben für Gesundheit und Pflege ausfallen. Dazu kommen noch neue Kosten zur Erreichung der Klimaziele wie der teurere Erwerb von CO2-Zertifikaten zur Vermeidung von Strafzahlungen an die EU. Die wirkliche Bombe sind die Zinsausgaben: Aktuell kosten die Staatsschulden 1,7 Prozentpunkte. 2060 droht mit 5,2 Prozent ein Vielfaches. Dementsprechend gerät auch der andere Maastricht-Wert, der von 3,0 Prozent für das laufende Budgetdefizit, völlig aus der Sichtweite. 2060 erwartet das Wifo einen Wert von insgesamt 7,4 Prozent jährliche Neuverschuldung. Das bedeutet: Die demografische Problemzone reicht weit über die Pensionen hinaus, Österreich ist darauf nicht vorbereitet. So wurden zum Beispiel die Zinseinsparungen der vergangenen Nullzinsphase kurzerhand verpulvert. Jetzt müssen bei steigenden Zinsen immer höhere Schulden aufgenommen werden. Diese Spirale, dass zeigt die Budgetprognose eindringlich, muss jetzt gestoppt werden. Wer jetzt noch notwendige Gegenmaßnahmen auf die lange Bank schiebt, gefährdet Österreichs Zukunft.
IMPRESSUM/SERVICE
Herausgeber:
Wayne Financial Media GmbH
Unternehmen
IN DIESER AUSGABE
FIRMENINDEX
Arag SE
Kontext Institut für Klimafragen
Asta Energy Solutions 62 KuCoin
Athos Immobilien AG 15 LMDV Capital
Bantleon 31 M&G Investments
Bawag Group AG 58 Marketsand Research 44
BDO Austria
Berenberg
Matejka & Partner Asset Management
Bitpnda 19 Oberbank AG
Bluescore 21 Oddo BHF Austria 39, 40, 48, BU AG 70 OeNB Nationalbank 24
Bundesministerium f. Finanzen 63 Österreichische Hagelversicherung
Buwog 64 ÖVP
Bybit 19 Philoro Edelmetalle
CBRE 65 Photovoltaik Austria
Deka Bank 30 Profil 74
Der Standard 74 PWC 67
Deutsche
Erste Asset Management (EAM)
Erste Group Bank AG 14, 48, 59 Remus
Essilor Luxottica
EY Four Futures
EY Law
EZB
Fachverband der
Finanzmarktaufsicht FMA
Frequentis
Grüne
HANetf
Horvath
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Korrespondent Deutschland
Weltblick
DIE WIRTSCHAFT IST EIN GLOBALES GESCHÄFT. EIN BLICK DER KORRESPONDENTEN ÜBER DIE GRENZEN.
FAULE DEUTSCHE?
MERZ MISST FALSCH
DIE SPITZEN der Union in Deutschland fordern Mehrarbeit für alle. Wieder einmal wird über den mangelnden Fleiß der Deutschen diskutiert. Zu wenig Arbeit, zu viel Freizeit, zu wenig Leistung. Die Herren irren. Denn die Deutschen arbeiten viel. Nur anders. Wer nur Stunden zählt, übersieht Produktivität, Verantwortung und die Realität der Wissensgesellschaft. Laut OECD lag die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Deutschland 2022 bei rund 1.340 Stunden – weniger als in den USA, Griechenland oder Polen, aber bei gleichzeitig noch immer guter Produktivität pro Stunde. Deutschland gehört zu den TopIndustrienationen weltweit, gemessen an Wertschöpfung und Exportleistung. Das ist das Ergebnis von Arbeit und Gehirnschmalz. Die Lebenswirklichkeit hat sich für viele längst vom Acht-Stunden-Tag verabschiedet. Wissensarbeit endet nicht um 17 Uhr. Mails, Calls, Präsentationen, Deadlines – sie laufen abends, am Wochenende, im Urlaub. Wer heute Verantwortung trägt, arbeitet nicht nach Stechuhr, sondern nach Ergebnis. Das ist nicht Faulheit, sondern Fortschritt. Das gilt in einer Dienstleistungsgesellschaft noch mehr als in einer Industrienation. Und das gilt für Selbstständige, Führungskräfte, Gründer – und Politiker. Deutschland hat kein Fleißproblem. Aber Friedrich Merz und Co haben ein Messproblem. Sie zählen Stunden statt Output. Anwesenheit statt Wirkung. Bürozeit statt Wertschöpfung. Wer so argumentiert, enttäuscht die Leistungsträger.
Korrespondentin Italien
ROM GREIFT IMMER STÄRKER IN DIE WIRTSCHAFT EIN
ZUM JAHRESBEGINN wurde die sogenannte Golden-Power-Regelung in Italien erneut verschärft. Künftig kann Rom zur „Sicherung der ökonomischen und finanziellen nationalen Sicherheit“ auch im Banken- und Versicherungssektor intervenieren. Die Rechtsregierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sichert sich somit Vetorechte bei strategisch wichtigen Unternehmen wie Banken. Meloni hat seit ihrem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren den Einfluss der Politik in der Wirtschaft massiv ausgeweitet. Kritiker werfen ihr Etatismus im Wirtschaftsbereich vor. Die Golden-Power-Regelung sollte ursprünglich zentrale Infrastrukturen oder den Rüstungssektor vor feindlichen Übernahmen schützen. Doch sie wurde inzwischen auf fast alle Sektoren der Wirtschaft ausgedehnt. Die Golden-Power-Regelung ist für die Rechtsregierung die Waffe, die sie in Situationen von erheblichem nationalem Interesse einsetzen kann. So verhinderte Rom unter anderem die Übernahme der Bank Banco BPM durch die Bank-Austria-Mutter Unicredit sowie den Verkauf eines Teils der Digitalsparte des Zahlungsdienstleisters Nexi an den US-Investor TPG. Zudem beschränkte Rom die Stimmrechte des chinesischen Großaktionärs Sinochem beim Reifenhersteller Pirelli erheblich. Die zunehmenden Interventionen stoßen in Brüssel auf Kritik. Dort sieht man die Gefahr, dass wirtschaftlich motivierte Eingriffe den freien Kapitalverkehr beeinträchtigen. Kritiker warnen vor einem wachsenden Staatsinterventionismus in Italien.
OLIVER STOCK
MICAELA TARONI
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