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ViaRhenana Wasserweg zum Salzgeschmack (Kurzvorschau)

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ISBN 978-3-03818-373-0 Weber Verlag AG CH-3645 Thun / Gwatt www.weberverlag.ch

neutral Drucksache No. 01-12-409142 – www.myclimate.org © myclimate – The Climate Protection Partnership

ViaRhenana Kul t ur l ands ch af t s f üh r er

Kulturlandschaftsführer ViaRhenana

Der Rhein zwischen Bodensee und Basel ist nicht nur ein h ­ istorischer Verkehrsweg, sondern er bildet auch eine ­Kulturlandschaft, geprägt von einem Geflecht aus Natur und ­Zivilisation. Der Kulturland­ schaftsführer nimmt uns mit auf eine gemächliche Fuss-, Boots- oder ­Rad­reise dem Hochrhein entlang und erinnert uns an die wichtige Rolle, die der grosse europäische Fluss in der Verkehrsgeschichte der Deutschschweiz spielte. Von besonderer Würze ist dabei der Weg des Salzes: es wurde bis in die 1830er-Jahre auf dem Wasserweg ­importiert. 17 Geschichten zur «Historischen Salzstrasse» ­können mittels QR-Codes abgehört werden.

Wasserweg mit ­S alzgeschmack

Von Kreuzlingen nach Basel entlang dem Weitwanderweg ViaRhenana 60 und der Nationalen Veloroute 2 Daniel Stotz


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Einführung

Schaffhausen Basel

Konstanz Kreuzlingen

Augst

Rorschach St. Gallen Zürich Solothurn Biel/Bienne

Schruns

Arc-et-Senans Pontarlier

Luzern

Neuchâtel

Salins-les-Bains

Bern Murten

Yverdon-les-Bains

Estavayerle-Lac

Chur

Avenches Thusis

Interlaken

Nyon Leuk

Brig

Chiavenna

Genève

Tirano Martigny

Domodossola

Lugano

Chamonix

Como

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D ie zwölf Hauptrouten von Kulturwege Schweiz / ViaStoria (www.viastoria.ch/kulturwege-schweiz) sind gleichzeitig Teil von SchweizMobil (www.schweizmobil.ch), dem Netz für den Langsamverkehr.


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Einführung Die historischen Verkehrswege der Schweiz

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ie Wiederbelebung geschichtsträchtiger Wege und Strassen in der Schweiz ist eine tolle Errungenschaft, die allen Menschen zugutekommt, ob Touristen, Erholungssuchende, Wanderinnen oder Geschichtsinteressierte. In den letzten Jahrzehnten ist eine flächendeckende Struktur von Kulturwegen entstanden, die auf zwölf Hauptrouten und potenziell 300 regionalen Routen beruht. Was bestimmt nicht alle Nutzerinnen und Nutzer dieses Netzwerks wissen: es geht zurück auf zwanzigjährige Forschungs- und Dokumentationsarbeiten im Rahmen des IVS, des Inventars historischer Verkehrswege der Schweiz. 2010 setzte der Bundesrat das IVS als offizielles Bundesinventar nach Art. 5 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz NHG in Kraft (www.ivs.admin.ch). Es ist bis heute eine weltweit einzigartige Bestandesaufnahme von sichtbaren Zeugen der Verkehrsgeschichte und ergänzt die beiden anderen Bundesinventare, dasjenige der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) und jenes der schützenswerten Ortsbilder (ISOS). Im Bundesinventar IVS sind Wege und Strassen erfasst, die von nationaler Bedeutung sind und noch sichtbare historische Wegsubstanz aufweisen; diese Wege stehen unter besonderem Schutz. Alle 3750 Wege und Strassenstücke lassen sich mittels des Geoinformationssystems (GIS) auf der einschlägigen Website https://map.geo.admin.ch (suchen nach IVS) entdecken. Noch attraktiver sind aber die zwölf Hauptrouten von Kulturwege Schweiz, die auf diesen Daten aufbauen und den Reichtum der Mobilitätsund Kulturgeschichte erst richtig erfahr- und begehbar machen. Sie sind gleichzeitig Teil von SchweizMobil, dem nationalen Netzwerk für den Langsamverkehr. Jede der Hauptrouten repräsentiert einen zentralen Aspekt der Schweizer Kultur- und Verkehrsgeschichte. Als Beispiele seien die besonders bedeutenden Routen ViaFrancigena, ViaSbrinz und ViaSpluga genannt, welche allein schon alle Landesgegenden und Sprachregionen berühren.


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Der Schweizer Abschnitt der ViaFrancigena folgt einer der wichtigen europäischen Pilgerstrassen, die aus dem mittelalterlichen Frankenreich nach Rom zu den Grabstätten der Apostel Petrus und Paulus führt. Auf der Via­ Sbrinz begleiten wir, zumindest im Geiste, die Säumer, die den beschwerlichen Weg über die Pässe Brünig, Grimsel und Gries unter die Füsse (und Hufe) nahmen, um den be­­liebten Hartkäse Sbrinz auf die norditalienischen Märkte zu bringen. Und auch die ViaSpluga diente dem Warentransport über die Alpen, sie zeichnet sich durch besonders tiefe Schluchten und historische Brücken aus und verfügt gar über eine 1843 erbaute alte Lawinengalerie. Ein geschichtsträchtiger Wasserweg Die nördlichste der Hauptrouten, die ViaRhenana, hat eine spezielle Bedeutung, erinnert sie doch an einen wichtigen Wasserweg, der über Jahrhunderte das Wirtschaftsleben der Einwohnerinnen und Einwohner der Region entlang des Hochrheins prägte und auch eine bedeutsame Rolle im Fernhandel spielte. Die Topographie und die Kulturlandschaft unterscheiden sich hier ebenso von den alpinen Übergängen wie die Transportarten. Das Flusstal mit den sanften Hügeln und den vereinzelten Einschnitten beeinflusste die Besiedlung und die Lebensweise der Menschen; so spielten die Fischerei und der Weinbau eine grössere Rolle als anderswo, während Überschwemmungen immer wieder für Verheerungen und Leid sorgten. Auch das Machtgefüge und die Grenzziehungen wurden und werden durch den grossen Fluss geprägt. Aus der Römerzeit sind noch Ruinen von Wachttürmen sichtbar, die den andrängenden Germanenstämmen die Stirn bieten sollten. Im Spätmittelalter besetzten Adelsburgen die Anhöhen über dem Fluss, und eine ganze Reihe von Städten entstand an den wichtigsten Flussübergängen. In den beiden Bistümern Konstanz und Basel wurden Klöster und Stifte mit weitreichender spiritueller und kultureller Ausstrahlung gegründet. Brücken und Fähren verbinden seither die beiden Ufer, und an den Stromschnellen wurden Transportdienste eingerichtet, die eine durchgehende Be-

Einführung


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förderung auch von Massengütern wie Salz, Wein und Getreide ermöglichten. Über Jahrhunderte war der Transport zu Wasser demjenigen mit Fuhrwerken überlegen, sowohl was Kosten als auch was die Geschwindigkeit ­betrifft – jedenfalls von Ost nach West, in Fliessrichtung. Der Fernhandel machte einige Städte zu glänzenden Zentren mit reich ausgestatteten Bürgerhäusern, allen voran Schaffhausen, der Salzhafen der Schweiz. Obwohl der Rhein seit 1803 über längere Strecken die ­L andesgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland ­bildet, ist er kein trennender Graben. Der Austausch von Gütern und Dienstleistungen hat über die Jahrhunderte funktioniert, und auch der Sprachraum ist mit den alemannischen Dialekten eher ein Kontinuum als eine Folge klar unterscheidbarer Kammern. Am besten zeigen Grenzschliessungen wie diejenigen während der Kriege des 20. Jahrhunderts und als Folge der Corona-Pandemie in der jüngsten Vergangenheit, wie durchlässig normalerweise Landesgrenzen sein können und sollten.

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er Radwegweiser verrät: wir sind auch auf dem Eurovelo 6, D der vom Atlantik zum Schwarzen Meer führt.


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Von Bergen hoch, da komm ich her

Von Bergen hoch, da komm ich her

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n seinem Ende ist der grosse Fluss nicht besonders fotogen. An drei Stellen mündet der Rhein in die Nordsee. Nach einem Lauf von 1232,7 Kilometern geht er fast unmerklich in den Salzfluten auf. Traditionell wird der Bade- und Fährhafenort Hoek van Holland als Mündungsort bezeichnet. Dort endet jedenfalls der europäische Rheinradweg (Eurovelo 15), doch alles andere ist fast ebenso umstritten wie die Antworten auf die Frage, wo genau denn der Rhein entspringe. Das komme ganz drauf an, würde die Hydrologin sagen. Wenn wir den Flusslauf von der Mündung her zurückverfolgen und bei jedem Zusammenströmen zweier Fliessgewässer das grössere, wasserreichere wählen würden, nun gut, dann würden wir im Grimselgebiet enden, denn die Aare trägt dem Rhein bei Koblenz mehr Wasser zu, als jener mit sich führt. Darauf wird noch zurückzukommen sein, wenn wir der ViaRhenana folgen. Doch wo ist denn die hydrologische Quelle des Rheins? In Reichenau gilt es, dem Hinterrhein zu folgen und dann der Albula, dem Landwasser und schliesslich dem Dischmabach in den ­A lbula-Alpen. Wissenschaftlich gesehen ist damit der 

enige Kilometer vor dem W Ziel: Rheinradweg bei Hoek van Holland


 eno di Medel: R die von der ­Mündung am weitesten ­entfernte Quelle des Rheins

­ ydrologische Hauptstrang des Rheins bestimmt. So oder h so, an diesem Ursprung trägt das Gewässer nicht den ­a ngestammten Namen, Rhein, der übrigens auf eine indoeuropäische Ursilbe mit der Bedeutung «fliessen» zurückgehen könnte. Es bleibt einzuwenden, dass auf dem Schweizer Atlas des Bundesamtes für Landestopografie schon immer der Rein da Tuma und der Lai da Tuma als wahre Quelle geführt werden. An einem Felsblock beim Tomasee prangt ein Schild aus Bronze, das behauptet, dass sich hier die RHEINQUELLE befände und dass bis zur Mündung 1320 km zurückzulegen seien. Letzteres ist jedoch garantiert falsch, es sind rund 90 km weniger. Was sogleich die Frage nach dem längsten Wasserfaden im Flusssystem hervorruft. Hier schlägt der Rein da Medel alle anderen Zuflüsse bis zur Vereinigung von Hinter- und Vorderrhein. Eigentlich muss man ihn Reno di Medel nennen, denn die ersten Rinnsale treten im tessinischen Val Cadlimo ans Tageslicht. Und noch ein kleines Schnippchen schlägt uns der Rhein: Einer seiner zahlreichen Nebenbäche entspringt im Ausland. Der Reno di Lei im gleichnamigen Tal ergiesst sich in einen Stausee, dessen Mauer und Kraftwerk zwar in der Schweiz liegen, doch das Wasser mit seiner Energiepotenz sammelt sich auf 1931 m ü. M. auf italienischem Staatsgebiet. Der RHENUS FLUVIUS ist also schon ein transnationaler Fluss, bevor er bei Balzers zum ersten Mal liechtensteinisches Land berührt. Sein Einzugsgebiet umfasst (mit der Maas zusammen) 218 300 km2; damit steht er der Wolga, der Donau, dem Dnepr und dem Don zwar nach. Keiner dieser grössten europäischen Ströme kann sich jedoch einer Herkunft aus dem Hochgebirge rühmen.


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Kreuzlingen – Steckborn

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ller Anfang ist gar nicht so schwer. Wer mit Wanderoder Laufschuhen aus dem SBB-Bahnhof Kreuzlingen tritt, findet sich schon auf der ViaRhenana 60, dem Weitwanderweg entlang des Seerheins, des Untersees und des Hochrheins. Eilige übersehen vielleicht sogar den Hauptwegweiser am Perron, der auch eine diskrete Höhen­ angabe macht: Kreuzlingen 403 Meter. Am Ende der Tour über ca. 190 Kilometer wird man lediglich 150 Meter ­t iefer stehen. Das Niveau der Mittleren Rheinbrücke zu Basel ist mit 253 m über Meereshöhe vermessen; das heisst aber nicht, dass es dazwischen nie bergauf geht. Vor allem die ersten beiden Etappen werden uns auch in die Hügel ­locken, als ob sie uns die Schönheiten der See- und Flusslandschaft mit Weitblick vermitteln wollten. Trotzdem: Die ViaRhenana, ob man sie nun von Westen oder von Osten her anpackt, ist eine sanfte Flusswanderung, die sich besonders für die Übergangsjahreszeiten eignet. Doch auch wenn es im Hochsommer mal heisser werden sollte, ist man nie weit weg von einer erfrischenden Bademöglichkeit. Natürlich, wer sich lieber vom Fahrtwind kühlen lässt, wählt das Fahrrad oder das E-Bike. Der Anschluss an die Nationale Veloroute 2 Andermatt – Basel, auch bekannt als Rheinroute, findet sich wenige hundert Meter nördlich des Bahnhofs. Sie schrammt hier hart an der deutsch-schweizerischen Grenze entlang, und mit einem kleinen Schlenker gelangt man an die alte Zollstelle. Hier geben Infotafeln Auskunft über die Bedeutung des Grenzorts Kreuzlingen. Wie der Name schon nahelegt, bildet ein Kloster aus dem 12. Jahrhundert den Kern der Siedlung südlich der Bischofsstadt Konstanz. Nach seiner Aufhebung 1848 zog ein Lehrerseminar in die übriggebliebenen Gebäude ein, und heute gehören Konvikt und Rektorat zum Campus Bildung Kreuzlingen. Der Thurgau wurde 1460 von den Eidgenossen ­erobert und blieb bis 1798 eine «gemeine Herrschaft» der sieben bzw. acht regierenden Orte. Auch wenn Konstanz Ansprüche erhob und eine Weile die Gerichtsbarkeit inne-


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R heinradroute an der Grenze: Keine Zäune, doch Schranken gegen das Betreten der Geleise

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udern gegen den Strom auf dem Seerhein mit Sicht auf einen R der Konstanzer Wassertürme


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hatte, besteht seit Jahrhunderten eine Grenze im Weichbild der benachbarten Ortschaften. Pikant ist, dass Konstanz 1799 zur Thurgauer Hauptstadt hätte werden können, doch schlug die stolze Bischofsstadt das Angebot aus. Die Landesgrenze verfestigte sich nur allmählich zu einer harten Trennlinie. Während des Ersten Weltkriegs war der Übertritt schwierig, und 1939/40 wurde ein drei Meter hoher Zaun errichtet, der sich bis ins Tägermoos zog. Im Volksmund wurde er auch «Judenzaun» genannt, bezeichnend dafür, dass sich die offizielle Schweiz vehement gegen die Einwanderung von ethnisch-religiösen und politischen Flüchtlingen stellte. Am 8. November 1939 wurde hier der Hitler-Attentäter Georg Elser verhaftet, der von diesem unerwarteten Hindernis überrascht worden war. Erstaunlich ist, dass das Bollwerk erst ab 2000 nach und nach ab­gebaut wurde; und während der Corona-Krise wurden wieder provisorische Zäune errichtet. Die Stadt Kreuzlingen baute gar einen zweiten «Hag», um den Mindestabstand von zwei Metern zu erzwingen und Berührungen zwischen getrennten Paaren zu verhindern. In normalen Zeiten und unter Bedingungen des Schengen-Raums herrscht ein freies und reges Hin-und-Her vor. Bis Gottlieben verlaufen die beiden Wege – ViaRhenana und Nationale Veloroute 2 – parallel und in grosser Nähe, zu­­nächst durch das von Natur und Landwirtschaft geprägte Tägermoos. Der Wanderweg folgt hier dem Seerhein, jenem ganz besonderen, gut vier Kilometer langen Stück des europäischen Stroms, das den Ober- oder Bodensee mit dem Untersee verbindet. Die Landesgrenze verläuft genau in der Mitte, und an der Alten Rheinbrücke zu Konstanz beginnt auch die Zählung der (schiffbaren) Flusskilometer. Kein Wunder, dass sich an der für Überquerungen besonders geeigneten Stelle Spuren von keltischen, römischen und alemannischen Siedlungen fanden. Heutzutage geniesst man hier besonders die Ruhe, das stete Fliessen des klaren Wassers und die Möglichkeiten für Erholung und Sport. Der Wanderweg ist von alten Eichen und Weiden gesäumt. Ein Schilfgürtel schützt die Wasservögel. Von einer Krümmung des Seerheins aus


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Kreuzlingen – Steckborn

lässt sich schon bald das idyllisch gelegene Gottlieben sichten. Bevor man ins Städtchen gelangt, passiert man das ehrwürdige Schloss, eine ehemalige Wasserburg. Der gut versteckte Komplex ist seit langem privat, er birgt einige Geheimnisse. Bevor hier für drei Jahrhunderte der bischöfliche Obervogt residierte, waren vor allem die unfreiwilligen Gäste prominent: Während des Konstanzer Konzils wurden im Gefängnis des Westturms der Reformator Johannes Hus und der geflohene und abgesetzte Papst Johannes XXIII. gefangen gehalten. Dieser hatte ursprünglich das Konzil einberufen und Hus eingeladen; während letzterer als «Erzketzer» auf dem Scheiterhaufen verbrannte, wurde Johannes vom neuen Papst Martin V. begnadigt. In seinem Abschiedsbrief an seine Freunde freute sich Hus zumindest darüber, dass seine Peiniger als Zensoren seine Bücher «doch haben lesen müssen, worin ihre Bosheit geoffenbart wird». Über sechzig Jahre lang wohnte die Schweizer Sopranistin Lisa Della Casa mit ihrem zweiten Ehemann Dragan

Salzpunkt Gottlieben Viele Reisende peilen das schmucke Städtchen Gottlieben wegen seiner exquisiten Gaststuben an. Kulinarisch hat es traditionell viel zu bieten, was nicht zuletzt auf den Wohlstand der Kaufleute zurückzuführen ist, die von hier aus ihre Han­delsbeziehungen pflegten. Der treffliche Einsatz von Salz und Gewürzen in der Küche macht oft den Unterschied aus. Im Beitrag zur Geschichte der Salzstrasse wird eine Köchin besonders hervorgehoben; doch das Lob soll allen ehrlich bemühten Chefs über Pfannen und Kellen und den Servierfachkräften gelten.


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in allseits beliebter Haltepunkt am Seerhein E

Debeljevic zurückgezogen im Schloss Gottlieben. Ob sie­ je in Humperdincks Oper «Dornröschen» sang, ist nicht bekannt, doch hat das Anwesen das Flair eines überwachsenen Märchenschlosses. Für manche Gemeinden entlang des Wasserwegs war und ist der Rhein jedoch nicht nur ein nützlicher Wirtschaftsfaktor, sondern er birgt auch Risiken. Alle zehn bis zwanzig Jahre müssen die Leute in Gottlieben mit einem Hochwasser rechnen. Schon die Bischöfe von Konstanz sahen sich vor, als der Flecken zu ihrem Herrschaftsgebiet gehörte. Sie richteten parallel zur Seepromenade einen Hochwasserweg ein, der hinter der ersten Häuserzeile verlief. An Pfingsten 1999 überfluteten die Wasser sämtliche Keller, die Gemeindeverwaltung musste auf den ersten Stock verlegt werden. Man ging knapp an einer vollständigen Evakuation vorbei. Im Zuge der Klimaerwärmung dürfte sich die Lage noch verschärfen. Starkregenfälle im Sommer 2021 liessen das Seeniveau steigen, Sandsäcke und Notstege hatten Konjunktur. Nachdem die ViaRhenana Gottlieben mit seiner Werft und der Hüppenmanufaktur hinter sich gelassen hat, durchquert sie einige Dutzend Meter über dem Seerhein eine


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