Skip to main content

Kurzvorschau - Solarpionier

Page 1


Josef Jenni

Solarpionier

Josef Jenni Ein Leben für die Sonne

50 JAHRE FIRMA JENNI

EINLEITUNG

Ein Leben, eine Firma besteht aus ganz vielen Geschichten. Aus Begebenheiten, scheinbaren Zufälligkeiten, welche Weichenstellungen sein können für den weiteren Verlauf der Dinge. Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt. Dies kann uns Angst, aber auch Hoffnung machen. Unsere Firma und mein Leben bestehen aus ganz vielen solchen Geschichten. Diese haben unseren Weg geprägt oder waren gar bestimmend dafür, dass es unsere Firma überhaupt gibt, oder noch gibt, und wie unsere Firma heute aufgestellt ist. Ich bin mir bewusst, dass auch wir auf den Lebensweg vieler Leute einen Einfluss haben. Für mich sind diese Geschichten über das Ganze gesehen auch ein Anlass zu grosser Dankbarkeit. In einer 50-jährigen Geschichte mit durchschnittlich etwa 50 Mitarbeitenden hat viel Platz: vor allem positive Ereignisse, aber auch negative Erfahrungen, Herausforderungen und Rückschläge. Unser Sohn Josef Timoteo Jenni, welcher nun eine leitende Funktion in unserer Firma innehat, hat mich schon mehrfach und inständig gebeten, alle diese Geschichten einmal aufzuschreiben. Ein 50-Jahr-Jubiläum ist eine gute Gelegenheit dazu. Es sind viele Einzelgeschichten, welche nicht unbedingt immer der historischen Reihenfolge entsprechen und auch sicher keinen vollständigen Bericht darstellen. Namentlich in diesem Bericht erwähnte Personen wurden, so weit möglich, vorgängig orientiert und konnten sich zu diesem äussern. Wünsche und Anregungen sind mehrheitlich eingeflossen. Der erste Teil ist vor allem historisch gegliedert, im zweiten Teil gehe ich auf Einzelaspekte ein. Nach 50 Jahren ist es an der Zeit, auch offiziell die Leitung der Firma Jenni Energietechnik AG in jüngere Hände zu übergeben. Es ist sehr schön, dass dies innerhalb der Familie und den Mitarbeitenden möglich ist. Für mich als Gründer der Firma ist dies ein Traum und Grund zur Dankbarkeit. Ich werde sicher, solange es die Gesundheit erlaubt, der Firma dienend zur Verfügung stehen. Für mich war und ist unsere Arbeit, neben den üblichen wirtschaftlichen Gründen, immer auch ein ideelles Anliegen, weshalb ein Aufhören für mich zurzeit nicht gegeben ist. Der Bericht ist unseren Junioren Josef Timoteo Jenni, Tabea Bossard-Jenni und Esther Jenni sowie der ganzen neuen Geschäftsleitung von Jenni Energietechnik AG und Jenni Liegenschaften AG sowie allen Mitarbeitenden gewidmet. Er will die Leser allgemein zum Denken und Handeln anregen: «Lebe und arbeite ich vor allem für mich selbst oder will ich etwas tun, was dem anderen nützt. Etwas, das dazu beiträgt, dass wir Menschen auf unserer eigentlich sehr schönen Erde eine Zukunft haben.»

BEGLEITWORT

Josef Jenni kenne ich seit Jahrzehnten. Was mich von Anfang an beeindruckt hat, ist nicht nur sein technisches Wissen, sondern vor allem seine Haltung: ruhig, beharrlich, konsequent – und immer der Sache verpflichtet. Josef ist und war nie ein Lautsprecher. Er hat überzeugt, indem er umgesetzt und realisiert hat. Und indem das, was er gedacht und gebaut hat, in der Praxis funktioniert. Oft über Jahrzehnte hinweg. Josef Jenni gehört zu den echten Pionieren der Solarenergie in der Schweiz. Zu einer Generation von Tüftlern und Unternehmern, die nicht auf Förderprogramme gewartet haben, sondern auf Physik, Qualität und gesunden Menschenverstand vertrauen. Das solare Heizen, die konsequente Nutzung von Wärme, die Bedeutung von Speichern – all das hat er früh verstanden und mit grosser Ausdauer vorangetrieben. Vieles, was heute als selbstverständlich gilt, war damals Neuland. Was mich besonders beeindruckt: Josef ist seiner Linie immer treu geblieben. Er hat Trends hinterfragt, Übertreibungen kritisiert und sich nie dem Zeitgeist angebiedert. Nicht aus Sturheit, sondern aus Verantwortung. Für funktionierende Lösungen, für Kundinnen und Kunden – und für eine glaubwürdige Energiewende. 50 Jahre Jenni Energietechnik sind mehr als eine unternehmerische, bewundernswerte Erfolgsgeschichte. Sie stehen für Verlässlichkeit, für Qualität, für langfristiges Denken. Und sie zeigen, was möglich ist, wenn Überzeugung, Fachwissen und unternehmerischer Mut zusammenkommen. Ich gratuliere Josef Jenni herzlich zu seinem vorbildlich gelebten Pioniergeist und der ganzen Firma Jenni Energietechnik AG zu diesem Jubiläum. Und ich wünsche von Herzen, dass noch viele weitere Jahre und Jahrzehnte folgen – mit guten Ideen, erfolgreichen Geschäften und dem gleichen ruhigen, konsequenten Beitrag zu einer nachhaltigen Energiezukunft.

Jürg Grossen

Nationalrat, Präsident Swissolar

Nach der obligatorischen Schulzeit begann ich 1969 eine Berufslehre als Fernmelde- und Elektronikapparatemonteur (FEAM) bei der damaligen Hasler AG. Dieser seinerzeitige Modeberuf war eine Mischung aus Industrieelektroniker und Feinmechaniker. Ich hatte das Glück, im zweiten Studiengang in der neu gegründeten Berufsmittelschule einen Platz zu erhalten. Gegen Ende meiner Berufslehre begann ich, angeregt durch einen Lehrlingskollegen, welcher WWF-Mitglied war, mich für Umweltthemen zu interessieren.

Unmittelbar nach dem Lehrabschluss begann ich im Frühling 1973 das Studium als Elektroingenieur HTL, Fachrichtung Nachrichtentechnik, an der Ingenieurschule Burgdorf. In diese Zeit fiel die erste Energiekrise mit ihren drei autofreien Sonntagen. Der Bericht des Club of Rome wurde publiziert, der erstmalig sehr deutlich aufzeigte, dass wir auf einer begrenzten Erde leben und dass wir mit unserem Handeln unsere Lebensgrundlage zerstören. Dieser Bericht hat mich, genauso wie viele andere, nachhaltig beeinflusst. Wenn man das Buch heute liest, merkt man, dass es immer aktueller wird. Wer heute sagt, der Bericht habe sich geirrt, hat ihn meist gar nicht selbst gelesen oder seine sehr relativen Aussagen über den Zeitraum von 1900 bis 2100 nicht verstanden. Während meiner Studienzeit habe ich mich immer intensiver mit Umweltfragen und speziell mit der Frage «Kernkraft – ja oder nein» befasst. Dass ein zukünftiger Elektroingenieur Kernkraftwerke nicht vorbehaltlos als gut betrachtete, wurde an unserer Schule kaum verstanden. Gegen Ende der obligatorischen Schulzeit war ich aufgrund des SJWHeftes «Der mächtige Zwerg» von Kernenergie völlig überzeugt und dachte, dass ich wüsste, wie so ein Kraftwerk funktioniere. Mit meinem Bruder und meinem Vater gingen wir, kurz bevor der Kernbrennstoff eingebracht wurde, an einen Tag der offenen Tür ins Kernkraftwerk Mühleberg. Ich war beeindruckt von den Dimensionen. Um meine Begeisterung zu relativieren, sagte mein Vater zu mir, er sei sich nicht sicher, ob dies wirklich eine gute Technik sei.

Im ersten Studienjahr lernte ich meine erste richtige Freundin kennen. Ich war im siebten Himmel und dachte, das sei meine Frau fürs Leben. Doch ihr waren meine Weltanschauung und mein Umweltengagement nicht so wichtig. Eines Tages erklärte sie mir, für mich überraschend, am Telefon das Aus. Für mich war das ein Schock. Der sonst sehr fleissige Schüler Josef Jenni ging einige Tage nicht mehr zur Schule. Dafür unternahm ich ausgedehnte Wanderungen über die Emmen -

Buch Club of Rome:

Quelle: sozialarchiv.ch/

SozArch 48456

taler Hügel mit dem sehr aggressiven ungarischen Hirtenhund eines Nachbarn. Ich dachte viel nach und stellte mir auch die Frage: «Was will ich mit meinem Leben und wozu bin ich auf der Welt?» Mir wurde klar, dass ich nur eine Arbeit machen möchte, die den Menschen wirklich dient. Eine Idee war ein Fortsetzungsstudium als Medizinalingenieur. Daran hätten auch meine zukünftigen Schwiegereltern Freude gehabt.

Karin Huber lernte ich im darauffolgenden Sommer kennen. Wir waren beide Teil eines gemeinnützigen Jugendeinsatzes für die Waldenserkirche in Florenz. Wir halfen bei der Renovation einer Villa aus dem 19. Jahrhundert mit, damit diese als Studentenheim umgenutzt werden konnte. Karin wohnte zu diesem Zeitpunkt in Zollikon bei Zürich und war mitten in der kaufmännischen Ausbildung. Trotz Fernbeziehung und Belastung durch die Ausbildung half sie an den Wochenenden mit, Unterschriften für die Initiative der zwölf autofreien Sonntage zu sammeln und uns gegen Kernkraftwerke zu engagieren.

An der Ingenieurschule (damals Höhere Technische Lehranstalt, HTL) hatten wir in vielen Fächern einen sehr praxisbezogenen Unterricht. Wir diskutierten zum Beispiel, wie man eine nationale Volksinitiative lancieren könnte. «Es sei sehr schade, dass sich gerade Ingenieure so wenig am politischen Prozess beteiligen.» Da kamen Ende 1973 die drei autofreien Sonntage, welche viele Leute als Volksfest erlebten, gerade richtig. Rein hypothetisch hatten wir im Unterricht und in den Pausen die Idee einer nationalen Volksinitiative für zwölf autofreie Sonntage diskutiert. Zur Überraschung vieler wurde das Ganze plötzlich konkrete Realität.

Als einer der etwa vier wichtigsten Initianten der nationalen Volksinitiative für zwölf autofreie Sonntage (Burgdorfer Initiative) lernte ich das beharrliche Arbeiten und verlor die Angst vor «grossen» Leuten. Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Telefonat mit dem Direktor des Kernkraftwerks Mühleberg. Er war auch Präsident des Vereins «Aktion 100». Dieser Verein setzte sich für tiefere Geschwindigkeiten im Strassenverkehr ein, denn damals durfte man ausserorts noch so schnell fahren, wie man konnte. Von ihm erhielten wir alle Adressen seiner Vereinsmitglieder. So konnten wir ihnen unsere Initiative vorstellen und vor allem einen Einzahlungsschein zusenden. Die eingehenden Spenden waren ein schönes Startkapital zur Deckung von Druck-, Porto- und Inseratkosten. Als aktiver Kassier war ich praktisch überall einbezogen und machte viel mehr, als nur die Kasse zu verwalten. Auf Basis von ausschliesslich Freiwilligenarbeit konnten wir am 30.05.1975 mit einer Pferdekutsche gut 127 000 beglaubigte Unterschriften im Bundeshaus einreichen.

Die Initiative für zwölf autofreie Sonntage hatte unsere Tech-Klasse geprägt und ein wenig gespalten in Befürworter und solche, die weniger dafür waren, aber sich wegen der Bekanntheit der Initiative eher ruhig verhalten mussten.

In unserer Tech-Klasse mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik war das Fach Energietechnik/Kraftwerkstechnik nicht besonders beliebt. Mehrfach hatten mich meine Klassenkollegen aufgefordert: «Josef, geh mit dem Marti (unserem Fachlehrer für Kraftwerkstechnik) über AKWs diskutieren, dann können wir zuschauen, sind gut unterhalten und haben eine ruhige Stunde.» Im Rahmen des Unterrichts überlegten wir auch an der Wandtafel, ob und wie Kernkraftwerke durch Sonnenenergienutzung ersetzt werden könnten. Aufgrund dieser Diskussionen und einer Zeichnung im WWF-Magazin baute ich für mein Elternhaus einen Sonnenkollektor für warmes Wasser. Dieser Kollektor bestand aus einem alten Fensterflügel, einem verzinkten Blech mit aufgelöteten, aus Kostengründen ganz dünnen Kupferrohren. Diese Fensterflügel kamen vom Radiostudio Bern, wo mein Vater Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung als Techniker arbeitete. Dort wurden Fenster ersetzt, sodass mein Vater sechs grosse Fenster mit nach Hause nehmen konnte. Aus den alten Fenstern wollte meine Mutter in unserem Garten ein Gewächshaus für Tomaten realisieren. Zum Glück setzte ich mich durch und das Tomatenhaus wurde etwas kleiner.

Weil ich der Meinung war, dass man nicht nur politische Forderungen stellen darf, sondern eigentlich nur konkrete Taten etwas bringen,

Oben: Elternhaus in BE-Bremgarten.

Unten: Montage des ersten Kollektors.

entschloss ich mich, auf dem Gebiet der solaren Wärmenutzung zu arbeiten. Daran hatte jedoch beinahe mein ganzes Umfeld keine Freude. Einer unserer Fachlehrer bestellte mich in sein Büro und erklärte mir: «Ein Elektroingenieur befasst sich nicht mit Warmwasser, was glauben Sie, was Ihre Ausbildung den Kanton Bern gekostet hat!» Er rechnete mir vor, dass der Kanton Bern für mich etwa 300 000 Franken bezahle. Auch mein Vater hatte anfänglich Mühe mit meinem Plan. Als ich dann noch die Idee hatte, eine Firma zu gründen, um als Selbstständigerwerbender zu arbeiten, war das auch für meine zukünftige Schwiegermutter sehr schwierig zu akzeptieren. Meine zukünftigen Schwiegereltern schickten mich daraufhin zu einem ihrer Bekannten, Herrn Steinemann, dem Direktor eines Elektrokonzerns. «Ihm sei die Umwelt auch ein Anliegen, aber er stehe mit beiden Füssen auf dem Boden», meinte sie. Für mich war das ein äusserst interessanter Nachmittag. Sehr zum Entsetzen meiner Schwiegermutter ermutigte er mich, meinen Weg zu gehen.

Herr Steinemann liess sich sogar etwas früher pensionieren und übernahm zusammen mit seiner Frau für einige Zeit das Sekretariat der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie. Später beteiligte er sich mit weiteren Freunden an unserer Firma.

Nach meinem Abschluss als Elektroingenieur wollte ich Steuerungen für Solaranlagen bauen. Um mich darauf vorzubereiten, war für mich klar, dass dies auch ein ideales Diplomthema für mich wäre. Leider wollte keiner unserer Fachlehrer dieses betreuen. Allerdings hatten die Lehrer nicht mit meiner Beharrlichkeit gerechnet. Dank meines Kontakts zu Dr. Max Beck, Fachlehrer der Maschinenbauabteilung, konnte dieses Problem gelöst werden. Er erteilte einen Auftrag zur Entwicklung einer Solarsteuerung an die Elektroabteilung. Damit erhielten Hanspeter Zumsteg und ich in einer gemeinsamen Diplomarbeit die Möglichkeit, die Grundlage für die Steuerung zu erarbeiten, welche die Firma Jenni in der Folge als Typ II während Jahrzehnten herstellte. Die meisten davon sind noch heute in Betrieb.

Seite 24 Diplomarbeit Josef Jenni.

Seite 57 Diplomarbeit Hanspeter Zumsteg.

Stellungnahme Hanspeter Zumsteg:

Lieber Josef

Es ist schon wunderbar, wie du mit deinem unglaublichen «Dranbleiben» so weit gekommen bist mit deiner damaligen Vision! Ich war mir nicht (mehr) so genau bewusst über die damaligen Hintergründe und dein Engagement, die unser gemeinsames Doppeldiplom erst ermöglicht haben – ich bin dir immer noch sehr dankbar für den Startschuss zu unseren irgendwie ähnlichen Lebenswegen: Du mit deiner eigenen, heute schweizweit bekannten Solarfirma und ich via kurze Umwege zum über 40-jährigen Engagement als «Energie»-Ingenieur im Ökozentrum Langenbruck. Ich freue mich schon jetzt auf dein sehr spannend geschriebenes Buch!

Liebe Grüsse Hanspeter

Wie jedes Jahr wurden am Ende des Studiums die Diplomarbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir präsentierten unsere Steuerung mit einer temporären, kleinen Sonnenenergieanlage mit zwei verschiedenen Sonnenkollektoren auf dem Parkplatz der Ingenieurschule. Die Besucher konnten die Anlage anfassen und teils staunend sehen, dass sie wirklich warmes Wasser produzierte. Ein Besucher war Christian Hässig von der Firma Hässig Werkzeuge und Maschinen. Er bestellte an der Ausstellung eine Steuerung bei mir.

An der Klassenfeier zum Diplomabschluss wurde für jeden Diplomanden ein kurzes Lied als Versreim vorgetragen. Mein Text war:

«Auf jedes Hus es Kollektordach das meint der Josef, er isch vom Fach susch bruche mir Atomchraftwärk und die si vom Tüfel här.»

Bei dieser Feier gab es auch einen Wettbewerb, wer das schönste Säuglingsfoto bringen konnte. Diesen Wettbewerb gewann meine zukünftige Frau, Karin Huber.

GRÜNDUNG DER EIGENEN FIRMA

(FRÜHLING 1976)

Weil mich keine Firma anstellen wollte, welche mir auch gefallen hätte, entschied ich mich schon einige Zeit vor dem Abschluss, zumindest vorübergehend selbstständig auf eigene Rechnung zu arbeiten. Dies hatte nebenbei den Vorteil, dass ich keinen Stress bei der Stellensuche hatte. Im Zusammenhang mit der ersten Ölkrise erlebte die Schweiz 1975/76 eine Rezession. Für unsere Schule und die frisch diplomierten Ingenieure war es ein Schock, dass nicht alle Tech-Absolventen, wie bis anhin üblich, sofort eine Stelle fanden.

Somit startete ich in die selbständige Erwerbstätigkeit. Die Firma Jenni Sonnenenergiesteuerungen gründete ich völlig allein, ohne Geld und unmittelbar nach meiner Ausbildung zum Elektroingenieur HTL. Am Anfang wollte ich nur Steuerungen für andere Firmen bauen.

Mein Startkapital war, dass meine Mutter immer zu mir sagte: «Josef, du kannst machen, was du willst, Essen geben wir dir immer.» Dank der Diplomarbeit und verschiedenen Abklärungen hatte ich erste nützliche Kontakte und konnte bereits am ersten Tag eine Steuerung für 250 Franken an die Fensterfirma Hofer + Co nach Langnau im Emmental liefern.

DIE ANFÄNGE

Als ich noch allein war, lötete ich zuerst bei meinen Eltern im Keller Steuerungen zusammen, stellte Fühler her und bereitete sonstige Arbeiten vor. Die meisten Arbeiten erfolgten dann auswärts. Weil ich sehr jugendlich aussah, glaubten viele Leute nicht, dass ich mein eigener Chef und Elektroingenieur sei. Dies führte zu Aussagen wie: «Dein Lehrmeister ist sicher sehr zufrieden mit dir. In welchem Lehrjahr bist du?» Zuerst verlangte ich für meine Arbeit fünf Franken pro Stunde und musste dann natürlich bald merken, dass dies nicht reicht. Ich rang mich zu einer Erhöhung von 20 Franken durch. Obschon damals für einen Handwerker ein Stundensatz von circa 40 Franken üblich war, führte diese Erhöhung bereits zu Reaktionen, dass dies jetzt schon recht viel sei und ich dann meine Leistung steigern müsse.

Als Folge der ersten Ölkrise und Rezession wurde das stetige Wachstum seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges unterbrochen. Viele Firmen hatten zu wenig Arbeit und sahen im Bau und in der Installation von

Sonnenenergieanlagen eine neue Geschäftstätigkeit. Eine typische Aussage war: «Wenn wir Fenster herstellen können, können wir auch Sonnenkollektoren bauen.» Meine Idee war nun, Steuerungen für Sonnenenergieanlagen für andere Firmen zu bauen. Dies stellte sich jedoch als relativ schwierig heraus, weil mir die meisten möglichen Kunden zu wenig vertrauten. Sie hatten Bedenken, dass es die Firma Jenni Sonnenenergiesteuerungen in kürzester Zeit nicht mehr geben würde, und kauften lieber eine viel teurere Steuerung bei einer «vertrauenswürdigeren» Firma. Oft hatten diese Firmen das Wesen eines Sonnenkollektors zu wenig verstanden, was dann zu entsprechenden mangelhaften Steuerungen und Enttäuschungen führte.

Sehr bald musste ich feststellen, dass man von Steuerungen allein nicht leben kann, und wir auch andere Arbeiten (Installationen) ausführen mussten. Für Steuerungen allein erhält man wenig Geld, hat aber sehr viele Umtriebe, wenn die Anlage, meistens aus hydraulischen Gründen, nicht gut läuft. Die Kunden merkten sofort, dass ich derjenige war, der von der Anlage als Ganzem am meisten verstand und mich um die Probleme kümmerte. Die anderen Beteiligten standen beiseite und stellten sich dumm, und gegen Dummheit kann man bekanntlich nichts machen.

Mit der Anstellung des ersten Mitarbeiters konnte ich eine kleine Werkstatt in einer ehemaligen Wäscherei in Bremgarten bei Bern mieten. Neben der Herstellung von Steuerungen waren jetzt auch Installationsarbeiten möglich. Die Werkstatt hatte zwei ebenerdige Räume mit insgesamt 75 m² Fläche. Die Werkstatt war so klein, dass ich Heizungsrohre (normalerweise sechs Meter lang) auf eine Maximallänge von dreieinhalb Metern kürzen lassen musste, um sie auf einem Röhrengestell einlagern zu können.

Damit wurde aus der Elektronikfirma Schritt für Schritt eine Montagefirma für Sonnenheizungen und Heizungen im Allgemeinen. So konnten wir unsere Steuerungen für uns selbst einsetzen.

Die erste Werkstatt wurde bald zu klein und wir konnten als nächste Station eine Werkstatt mit 300 m² in der ehemaligen Flaschenwäscherei der Bierbrauerei Schloss Reichenbach in Zollikofen mieten.

In Zollikofen wuchs die Zahl der Mitarbeiter und auch mein Bruder Erwin Jenni wurde ein Teil der Firma. Nachdem er ungefähr ein Jahr in seinem Beruf als Automechaniker gearbeitet hatte, war es für ihn sehr wichtig, im Umweltbereich zu arbeiten. Mit Erwin wurden, dank seiner effizienten Arbeitsweise, unsere Möglichkeiten, ganze Sonnenenergieanlagen zu bauen, stark erweitert.

Oben: Erster Lieferwagen vor dem Elternhaus.
Unten: Zweite Werkstatt in Zollikofen, Schloss Reichenbach.

Meine Eltern vor der Demonstrations-Solaranlage am BEA-Stand.

Ganzjährig genügend Arbeit für die Mitarbeitenden und vor allem auch genügend Geld zu haben war ein Dauerproblem. Wir konnten zwar immer alle Rechnungen bezahlen und erhielten bis heute noch nie eine Betreibung; die sehr bescheidenen Löhne, vor allem für mich selbst, waren jedoch eine andere Angelegenheit. Einmal schrieben wir während drei Monaten auf die AHV-Abrechnung: «Wegen Geldmangel wurden keine Löhne ausbezahlt.» Für mich war ein grosser Vorteil, dass unsere Eltern uns bewusst Bescheidenheit vorlebten und uns so lehrten, dass, wenn man Mittel für Schwächere zur Verfügung stellt, man selbst immer genug hat und damit zufrieden ist.

Zu Beginn waren die meisten eigenen Kunden aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis. Als wir diesen Kreis erschlossen hatten, wurde die Arbeit knapper. Jahr für Jahr erwirkte meine Mutter als «Ausstellungsbereicherung» an der BEA (grösste Publikumsmesse in Bern) einen Gratisstand im Freigelände. Ursprünglich erwartete meine Mutter, dass ich diesen Stand «organisieren» sollte. Als ich ihr sagte, für mich sei dies nicht möglich, ging sie persönlich ins Büro, verlangte den Chef und verhandelte, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Während der Ausstellung stand sie fast ohne Unterbruch am Stand und machte Werbung für Sonnenenergienutzung. Ihr Hauptargument war: «Im Januar kam 70 °C warmes Wasser von den Sonnenkollektoren.» Oft war auch mein Vater dabei und sorgte dafür, dass meine Mutter Essen und Trinken erhielt.

In der Anfangszeit sagten mir des Öfteren Kunden: «Diese Anlage kaufe ich Ihrer Mutter ab. Sorgen Sie dafür, dass Sie sie nicht blossstellen.»

EIGENE KOLLEKTORHERSTELLUNG

Am Anfang stellten wir die Kollektoren selbst her. Sie bestanden aus Kupferrohren, die wir mit einer Flamme oder sehr grossen elektrischen Lötkolben auf ein gerilltes Kupferblech löteten. Nachdem ich einmal den ganzen Tag Kollektoren gelötet hatte, fiel mir am Abend beim Essen das Besteck aus der Hand. Ich bemerkte, dass ich in der ganzen Hand kein Gefühl mehr hatte und die Nerven als Folge des heissen Lötkolbens abgestorben waren. Zum Glück wuchsen diese dann während einiger Monate wieder nach.

SEHR VIELE LEUTE HALFEN UND ICH

KONNTE VIEL VON IHNEN LERNEN

Heiner Hofer von der Fensterfabrik Hofer + Co in Langnau im Emmental und Jürg Meier* von der Möbelfirma Meier AG* in Spiez* waren Lizenznehmer einer Solarfirma in Biel für die Herstellung eines Sonnenkollektors. In diesen Kollektoren wurden schwarze Schläuche spiralförmig aufgewickelt. Ursprünglich bestanden diese Rohre aus normalem Polyethylen. Wenn der Kollektor ungekühlt der Sonne ausgesetzt wurde, schmolzen diese Rohre, was ein sehr trauriges Bild ergab. Später wurden teurere, vernetzte Polyethylenrohre eingesetzt. Diese waren nun genügend temperaturbeständig.

Einige Wochen nach meinem Studienabschluss hatte die Bieler Solarfirma an der Mustermesse in Basel (MUBA) in der Sonderschau Sonnenenergie einen grossen Stand. Neben einigen Ausstellungsgegenständen war ein grosser abgeschlossener Besprechungsraum mit einem langen Tisch und etwa zehn Stühlen zur Beratung von Interessenten vorhanden. Herr Hofer nahm mich am ersten MUBA-Tag an diesen Stand mit. Sehr bald sass ich für den ganzen Rest der Ausstellung oben an diesem Tisch. Immer der Besucher, der links an meiner Seite sass, wurde von mir beraten. Ich machte Zeichnungen und Notizen für allfällige Besuche oder Offerten. Der lange Tisch war meistens voll und an den Diskussionen beteiligten sich auch die anderen Teilnehmer oder hörten zumindest zu, was ich dem vorherigen Kandidaten erzählte. Öfters hatten zumindest am Anfang einzelne Teilnehmer mehr Ahnung von Sonnenenergienutzung als ich. Ich lernte aber sehr schnell und war am Abend jeweils fix und fertig. Übernachten konnte ich bei Bekannten

* Namen geändert

Kollektor mit Schläuchen ohne Abdeckung.

in Basel. An einem Tag kam ein Herr Eitelbuss, Junior eines Architekturbüros in Rupperswil AG, an den Beratungstisch und wollte eine Solaranlage für das Haus seiner Schwiegereltern. Nach einiger Zeit sagte er zu mir, ich hätte sicher noch nichts gegessen, er nehme mich hier jetzt raus und lade mich zum Mittagessen ein. Ich bestellte Pastetli mit Erbsli. Seine Anlage konnte ich mit der Firma Hofer zusammen realisieren. Später konnten wir weitere Anlagen für ihn bauen. Vor Kurzem erst realisierten wir eine grosse PV-Anlage in einem ehemaligen Gebäude der Bally-Schuhfabrik in Schönenwerd, in welchem Herr Eitelbuss heute wohnt.

Jürg Meier (Meier AG)*, ein junger ETH-Architekt, war eine Schlüsselfigur in der Startzeit. Als Geschäftsführer einer Möbelfabrik stellte er zur besseren Auslastung der Firma Sonnenkollektoren her. Während mehrerer Jahre konnte ich für seine Projekte Steuerungen herstellen und weitere Arbeiten ausführen. Von Anfang an wurde ich auf mein Verlangen hin mit einem Bank- oder Postcheck bezahlt. Zu Beginn lief das recht gut, es wurde aber mit der Zeit, da die Sonnenkollektoren nicht die Rettung der Firma waren, immer schwieriger. Nachdem es in der Möbelfirma gebrannt hatte, erhielt ich für die noch offenen Rechnungen über circa 30 000 Franken einen angesengten und durch die

Feuerwehr wassergeschädigten Postcheck. Meine übliche Poststelle in Zollikofen wollte mir den Check nicht ausbezahlen. Ich müsse ihn an der kontoführenden Hauptstelle in Burgdorf einlösen. Nach längeren Abklärungen wurde mir, oh Wunder, der Betrag doch noch ausbezahlt, da in diesem Moment Geld auf das Konto gekommen sei. Wenige Tage später musste die Firma aufgeben. Der Verlust dieses Betrages wäre für mich sehr schmerzhaft, wenn nicht gar existenzbedrohend, gewesen. Neben vielen Arbeiten vermittelte mir Jürg Meier auch viele Kontakte zu grösseren Aufträgen, welche wir dann selbst abwickeln konnten. Darunter war die Anlage Gerster in Gunten oder unser bedeutendster Privatkunde und Aktionär, Jakob Riediker.

ERSTE KUNDEN

ANLAGE DR. MAX BECK

Die erste grössere Komplettanlage konnte ich für Dr. Max Beck in Lützelflüh installieren. Max Beck war Fachlehrer in der Maschinenbauabteilung der Ingenieurschule Burgdorf. Er ermöglichte uns auch unsere Diplomarbeit zur Steuerung einer Sonnenenergieanlage. Neben Sonnenkollektoren auf drei verschieden orientierten Dachflächen enthielt seine Anlage auch eine Wärmepumpe, deren Stromverbrauch mir als Kernkraftgegner grösste Gewissensbisse verursachte. Die Bewilligung der Sonnenkollektoren war ein Riesenaufwand. Beim ersten persönlichen Kontakt mit dem Bauverwalter sagte dieser mir: «Wissen Sie, Herr Jenni, Lützelflüh ist eine Gemeinde von schweizweiter kultureller Bedeutung. Bei uns gibt es keine Sonnenkollektoren.» Nach Einbezug von anderen Amtsstellen konnten wir die Anlage schlussendlich doch installieren.

Für mich war das die erste vollständige grössere Anlage, die ich zusammen mit dem ersten längerfristig angestellten Mitarbeiter installieren konnte. Alfred Brönimann war ein Sanitärinstallateur alter Schule mit einem sehr breiten handwerklichen Können und grossem Berufsstolz. Von ihm habe ich sehr viel gelernt: wie werden Gewinde geschnitten, Leitungen ausgemessen, mit Hanf verdichtet und vieles Weitere. Alfred Brönimann war sehr stolz darauf, mit einem Ingenieur zusammenzuarbeiten und diesem das Installationshandwerk beizubringen.

Für mich als teilweise ausgebildeten Feinmechaniker war das eine ganz andere Technik. Vor allem die Rohrzange beeindruckte mich stark. Ich glaube, wenn ich in meiner Ausbildung mit so etwas gearbeitet hätte, hätte unser damaliger Lehrmeister Zustände bekommen.

Erste Rechnung an Dr. Max Beck.

ANLAGE GERSTER

Herr Gerster, Gründer der Härterei Gerster in Egerkingen, liess sich im Pensionsalter (damals circa 75 Jahre alt) in seinem Domizil in Gunten, mit schöner Aussicht auf den Thunersee und die Berner Alpen, eine komplett verrückte Sonnenheizungsanlage bauen. Sie bestand aus vielen Sonnenkollektoren, Wärmepumpe, mehreren Speichern, einem Oelund einem Holzofen und diente zur Beheizung des Hauses, für die Warmwasseraufbereitung und zur Erwärmung des Schwimmbades. Die Anlage funktionierte sehr schlecht und konnte nur aufwändig von Hand betrieben werden. Kurz bevor Herr Meier* mich Herrn Gerster für eine preiswerte Sanierung und den Bau einer neuen Steuerung empfahl und ich ihn besuchte, hatte Herr Gerster allerdings bereits einen Auftrag für circa 30 000 Franken zum Bau einer neuen Steuerung

* Namen geändert

seiner Anlage an die damalige Firma Landis & Gyr (L + G) vergeben. Herr Gerster sagte mir: «Sie können den Auftrag zur Sanierung haben, wenn Sie dafür sorgen, dass ich kostenlos vom Vertrag mit L + G zurücktreten kann.» Unmittelbar rief ich bei Landis & Gyr an. Das sei nicht so einfach und ein Geschäftsleitungsentscheid, war die Antwort von L + G. Also verlangte ich nach der Geschäftsleitung und es war tatsächlich jemand bereit, mich zu empfangen, am Samstag im Ferienhaus auf dem Hasliberg. Der Vorgesetzte gönnte mir den für mich sehr bedeutenden Auftrag, vielleicht auch, weil Herr Gerster ein sehr anspruchsvoller Kunde war. Ich konnte daraufhin eine sehr umfangreiche Steuerung zu einem Bruchteil der Kosten bauen und lernte sehr viel dabei. Beim Montieren der Steuerung und verschiedenen Umbauarbeiten an der Anlage arbeitete Herr Gerster des Öfteren mit. Wir haben zum Beispiel mit einer Handsäge abwechselnd Leitungen aus der Anlage herausgesägt und nachher wieder neu installiert. Herr Gerster gab mir auch sehr viel von seinen Erfahrungen als Unternehmer mit:

Als Unternehmer dürfen Sie nie eingleisig fahren. Sie brauchen immer eine Alternative. Seien Sie vorsichtig beim Einstellen von Leuten, die früher selbstständig gearbeitet haben. Und vieles Weitere.

Von Frau Gerster wurde ich immer sehr gut verpflegt. Später sagte der Junior von Herrn Gerster einmal zu mir: «Wenn jemand meinen Vater zufriedenstellen kann, ist das eine grosse Leistung.»

ANLAGE HASENFRATZ

Mein Götti und meine Gotte machten beim Geschirrabwaschen am Tag meiner Taufe miteinander ab, dass sie jedes Mal 50 Rappen zugunsten meines zukünftigen Sparheftes bezahlen, wenn sie sich mit «Sie» ansprechen. Was dabei zusammen kam, ist mir nicht bekannt. Sie heirateten, führten während Jahrzehnten ein Radio-Fernseh-Geschäft und waren bis ins hohe Alter zusammen unterwegs. Als mein Götti hörte, dass ich auch eine Firma gründete, war für ihn klar, dass er mir eine Solaranlage abkaufte, was er sonst wahrscheinlich kaum getan hätte.

HANNES RÜESCH

Hannes Rüesch, Maschineningenieur ETH, verliess seinen gut bezahlten Job in der Industrie, gründete in Zug die Firma Rüesch Sonnentechnik und stellte vor allem Sonnenkollektoren her. Als bestandener Mann mit ETH-Diplom konnte er Gesamtanlagen deutlich besser verkaufen als ich. Seine Herausforderung war hingegen, einen

Anlage Hasenfratz in Lütisburg SG.

geeigneten Installateur zu finden. An einer Demonstration gegen das Kernkraftwerk Gösgen trafen wir uns wieder einmal und konnten längere Zeit miteinander sprechen. Daraus resultierte seine Anfrage, ob wir nicht für ihn installieren könnten. Dabei konnte er meine Bedenken wegen der Aluminiumabsorber seiner Kollektoren beseitigen. Ich hatte, wie sich im Nachhinein zeigte, völlig unbegründet Angst, Aluminium sei nicht korrosionsbeständig und die Herstellung brauche zu viel Energie. Mit der Firma Rüesch hatten wir über zwanzig Jahre eine sehr schöne Zusammenarbeit. Wir stellten die eigene Kollektorherstellung ein und bezogen die Kollektoren bei der Firma Rüesch. Für Hannes Rüesch führten wir viele Installationen aus und er vermittelte uns Gesamtanlagen, bei denen wir selbstverständlich seine Kollektoren einsetzten. Als unsere Firma mit der Zeit deutlich grösser wurde als die Firma Rüesch, waren wir der grösste Kunde für seine Kollektoren. Die Kollektoren waren genial einfach aufgebaut, kostengünstig und problemlos im Betrieb. Neue Kollektoren sind leistungsfähiger, aber ich habe bis heute eine sehr gute Meinung zum Rüesch-Kollektor und finde es oft schade, wenn dieser ausgewechselt wird. Leider konnte Hannes Rüesch nach seiner Pensionierung keine dauerhafte Nachfolgelösung finden, sodass die Firma erloschen ist. Die meisten Rüesch-Sonnenkollektoren sind noch heute in Betrieb.

ANLAGE BOSSHARD

Einer unserer früheren Kunden war Dr. Bosshard, der zusammen mit seiner Frau ein Treuhandbüro in Schlieren-Zürich betrieb. Wir offerierten ihm eine Sonnenenergieanlage für Warmwasser und die Beheizung eines Schwimmbades für 6000 Franken. Als wir die Arbeiten ausgeführt hatten, bestellte er mich in sein Büro und fragte mich, ob wir ihm jetzt eine Rechnung von 6000 Franken stellen wollen. Recht angstvoll bejahte ich ihm dies und fügte bei, dass wir noch etwas mehr für in der Offerte nicht enthaltene Zusatzarbeiten verrechnen möchten. Er fragte mich, wie teuer wir unser Material eingekauft hätten, und rechnete mir dann vor, dass für uns ein Preis von etwa 12 000 Franken der richtige wäre. Ich sei dumm, so tiefe Offerten zu machen, aber er sei bereit, mir 9000 Franken zu bezahlen. Für die restlichen 3000 Franken würde er ein Jahr lang gratis die Buchhaltung für mich führen und mich sonst rechtlich beraten und unterstützen. Dies erwies sich für uns als sehr wertvoll. Unsere Buchhaltungsabschlüsse wurden über Jahre von Frau Bosshard erstellt, bis das Treuhandbüro 1993 altershalber eingestellt wurde.

ANLAGE RIEDIKER IN LACHEN WALZENHAUSEN

Eine analoge Situation wie bei der Anlage Gerster bestand bei der Sanierung der Sonnenheizung im Ferienhaus von Dr. Riediker in Lachen bei Walzenhausen AR. Herr Riediker liess sich von einem örtlichen Installateur eine umfangreiche Anlage bauen. Die Anlage bestand aus 60 m2 verglasten Kollektoren, circa 40 m2 unverglasten Kollektoren, zwei Wärmepumpen und zwei gefrierbaren Wassertanks mit total circa 40 m3 Inhalt. Später wurden diese durch einen konventionellen Wärmespeicher und einen weiteren Speicher mit Paraffin als Speichermedium ersetzt. Auch hier verschaffte mir Herr Meier* den Kontakt mit der Empfehlung: «Am preiswertesten bringt Herr Jenni die Anlage zu einem guten Ende.» Ich fuhr dann mit meinem altersschwachen gelben Occasion-Opel-Kadett nach Lachen und traf Herrn Riediker vor dem Haus an. Unmittelbar nach dem Aussteigen und der Begrüssung drückte er mir einen Hausschlüssel in die Hand und sagte, ich solle so bald wie möglich mit der Arbeit beginnen. Als ich ihn dann ungläubig anschaute, man müsse doch zuerst die Anlage besichtigen und einen Kostenvoranschlag erstellen, erhielt ich bereits vor Ort eine recht grosse Anzahlung. Die Anzahlung bestand aus einer Schachtel mit vielen verschiedenen Geldscheinen drin. Ich war derart erstaunt, dass ich nichts anderes wusste als hinzusitzen, das Geld zu zählen und Herrn * Namen geändert

Erster Besuch beim Kunden Riediker mit gelbem Opel.

Riediker den Betrag mitzuteilen. Am Abend zählte ich nochmals nach und stellte fest, dass noch 100 Franken mehr in der Schachtel waren, und teilte dies Herrn Riediker mit. Nach Erhalt der Anzahlung schauten wir zusammen die bestehende Situation an und überlegten, was als Nächstes zu tun sei und wie die Steuerung funktionieren sollte. Zuhause bauten wir dann die Steuerung. Am Ende hatte ich, vor allem mit Alfred Brönnimann zusammen, wochenlang die Anlage gebaut und umgebaut und sie schlussendlich in Betrieb genommen.

Als die Anlage einigermassen lief, war es für Dr. Riediker an der Zeit, die nächste, noch grössere Anlage in Angriff zu nehmen, nämlich das 25-Familien-Haus in Effretikon, wo Herr Riediker wohnt und seine Arztpraxis hat. In seiner völlig überladenen Praxis stellten wir ein Konzept mit verglasten und unverglasten Kollektoren, zwei unterschiedlichen Wärmepumpen, einem Gasmotor als Wärmekraftkopplungsanlage, zwei grossen Wärmespeichern und drei gefrierbaren Wassertanks zusammen. Jakob Riediker war der Meinung, die Anlage sollte etwa 250 000 Franken kosten, ich war eher für 500 000 Franken. Er sagte mir dann, es spiele nicht so eine grosse Rolle. Wir sollen bald anfangen, und dass er nicht möchte, dass Firma Jenni nur einen Franken an ihm verliere. Eine Zusage, an welche sich Dr. Riediker bis heute gehalten hat.

An der Anlage, die beträchtlich mehr kostete, als wir beide hofften, lernten wir so viel wie an keiner anderen Anlage. Die wesentlichste Er -

Oben: MFH Riediker in Effretikon.

Mitte: Kollektormontage.

Unten: Montierte Sonnenkollektoren.

Oben links: Spezialarbeiten im Innern des Speichers.

Rechts: Spezialsteuerung für MFH Effretikon.

Unten: Wärmekraftkopplungsanlage mit Ford Capri Motor und Synchrongenerator.

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Kurzvorschau - Solarpionier by WEBER VERLAG - Issuu