

SEHENSWERTE GEBÄUDE AUF DEM BÖDELI
REMARKABLE BUILDINGS OF THE BÖDELI
Martin Mostosi

WEISSENAU WEISSENAU RUINS
RUINE
Martin Mostosi
SEHENSWERTE GEBÄUDE
AUF DEM BÖDELI
REMARKABLE BUILDINGS OF THE BÖDELI









1 Seestrasse 121, Unterseen 8 Untere Gasse 2, Unterseen 2 Seestrasse 37, Unterseen 9 Bahnhofstrasse 43, Unterseen 3 Seestrasse 16, Unterseen 10 General-Guisan-Str. 43, Interlaken 4 Seestrasse 2, Unterseen 11 Rosenstrasse 2, Interlaken


























15 Höheweg 74, Interlaken 22 Dorfstrasse 2, Matten
16 Schlossstrasse 4, Interlaken 23 Aegertenstrasse 5, Matten
17 Schloss 17, Interlaken 24 Hauptstrasse 44, Matten
18 Klostergässli 15, Matten
25 Hauptstrasse 32, Matten
19 Klostergässli 2, Matten
Hauptstrasse 13, Matten
20 Rütigässli 1, Matten 27 Hauptstrasse 11, Matten 21 Metzgergasse 12, Matten 28 Kleiner Rugen, Matten
VORWORT
Nach den sehr gelungenen Werken «Entlang der Aare» und «Berghörner in den Berner Alpen» hat Martin Mostosi für seine neueste Ausgabe «Sehenswerte Gebäude auf dem Bödeli» zum Thema gemacht.
Das «Bödeli» – also diese markante Ebene zwischen dem Brienzer- und Thunersee – umfasst mehrere Ortschaften. Unter diesen bilden die Gemeinden Matten, Interlaken und Unterseen, welche Gegenstand dieses Werkes sind, die eigentliche Agglomeration vom «Bödeli» mit etwa 16 000 Einwohnern.
Führt man sich vor Augen, wie die drei Gemeinden heute praktisch zusammengebaut sind, scheint es schwer vorstellbar, dass alle drei eine unterschiedliche Entwicklung aufweisen, was nicht zuletzt auf die individuellen politischen Konstellationen zurückzuführen ist.
Bis 1837 bildeten die Ortschaften Matten und Interlaken eine einzige Gemeinde mit Dorfcharakter. Ausgangspunkt war das Augustinerkloster, in dessen Umfeld sukzessive Wohn-, Bauern- und Geschäftshäuser entstanden, sowie Gaststätten und Pensionen für die immer zahlreicher anreisenden Gäste aus aller Herren Länder.
Nach der Trennung von Matten nannte sich der verselbstständigte Ortsteil zunächst Aarmühle. Im Jahre 1891 erfolgte der Wechsel zur amtlichen Bezeichnung Interlaken. Ein Name, welcher inoffiziell sowie im Tourismus bereits seit Längerem gebräuchlich war.
Nordseitig der Aare bestand schon eine befestigte Siedlung an strategisch wichtiger Lage mit dem Namen Unterseen. Unterseen nahm das ihm gewährte Stadtrecht 1402 an. Daher spricht man bei uns gemeinhin vom «Stedtli», obwohl die heutzutage gebräuchliche Grenze von 10 000 Einwohnern mit 6 000 Einwohnern nicht erreicht wird.
Im lokalen Volksmund weiterhin gebräuchlich sind die Übernamen für die drei Gemeinden: «Kuhplatten» für Matten, «Rameli» für Interlaken und «Troja» für Unterseen.
Die unterschiedliche Entwicklung hat massgeblich die Architektur in den drei Gemeinden beeinflusst.
Matten hat seinen ländlichen Charakter bewahrt und glänzt mit sehr vielen, sehr gut erhaltenen Holzhäusern, welche eine gewisse Beschaulichkeit
und viel Charme ausstrahlen. Ein beliebtes Fotosujet mit seinem exzellenten Erhaltungszustand ist der Gasthof Hirschen (im Volksmund «Mattenwirtshaus»). Mit seiner ersten Erwähnung im Jahr 1666 als Gasthaus ist es eines der ältesten im Berner Oberland. Imposante Hotels wie der Mattenhof und das Regina lieferten ihren Beitrag zur touristischen Entwicklung im Dorf.
Interlaken, bzw. zunächst Aarmühle, entschied sich ziemlich rasch für eine touristische Entwicklung, nicht zuletzt auch mangels Alternativen. Beginnend beim Westbahnhof säumten sehr bald Hotels und Pensionen die Bahnhofstrasse und den Höheweg bis hin zum Ostbahnhof. Die imposantesten Bauten standen vorzugsweise an prominenter Lage mit direkter Sicht auf das berühmte Jungfraumassiv. Nur wenige davon sind noch in ihrer originalen Erscheinung erhalten. Die Korrektur des Aarebetts ca. 1848 ermöglichte die Entwicklung eines Zentrums mit Läden, Handwerksbetrieben, Dienstleistern und Restaurants.
Unterseen hat seinen historisch begründeten städtischen Charakter über die Jahrhunderte sorgfältig gepflegt und bis heute bewahrt. Der Bereich intra
muros beflügelt die Fantasie, wie es früher zu und her gegangen sein muss, mit dem emsigen Markttreiben, den vielen Handwerksbetrieben und dem Stadthaus in der Mitte, welches den Platz noch heute visuell dominiert.
So finden wir heute auf knapp 25 km² drei verschiedene Siedlungstypologien, was meines Wissens schweizweit einmalig ist. Unterseen mit der Altstadt, Interlaken mit seinem durch die touristischen Angebote geprägten Dorfbild und Matten mit seiner ruralen Ausstrahlung. Sofern Besucher aus nah und fern dafür Interesse haben, bietet unsere Agglomeration damit viel Abwechslung auf kleinstem Raum.
Bemerkenswert ist, dass trotz der starken Ausrichtung auf den Tourismus und der damit verbundenen Bau- und Renovationstätigkeit sehr viel von der historischen Bausubstanz bis heute erhalten geblieben ist. Auch ausserhalb des Zentrumsbereiches lassen sich anlässlich eines ausgedehnten Rundgangs solitäre, gut erhaltene architektonische Schmuckstücke entdecken.
Viele Gebäude und Bereiche in unseren drei Gemeinden sind im ISOS-Verzeichnis (Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz) erfasst. Mitunter ein Grund für die zahlreich verbliebenen historischen Gebäude und deren Erhaltungszustand. Dem geforderten sorgfältigen Umgang mit ortsbildrelevanten Bau- und Renovationsvorhaben wird mit qualitätssichernden Verfahren Rechnung getragen. Dies ist auch im touristischen Umfeld ein nicht zu unterschätzender Vorteil in einer Zeit, in der Unterkünfte mit historischem Cachet wieder voll im Trend sind.
Dieses Vorwort wäre nicht vollständig ohne Erwähnung unserer ortsprägenden Höhematte. Unsere weit sichtigen Vorfahren haben 1864 mit dem genossenschaftlichen Ankauf der Staatsdomäne Höhematte (früherer Gerichts- und Landsgemeindeplatz) vom Staat Bern und mit der Errichtung eines Servituts dafür gesorgt, dass seither keine Gebäude darauf errichtet werden dürfen und damit die einmalige Sicht auf die weltberühmte Jungfrau erhalten bleibt. Die grosszügigen Wege, welche die Matte umschliessen, mit Bänken und schattenspendenden Bäumen, laden zum Schlendern und Verweilen ein.

Dieser dritte Bildband «Sehenswerte Gebäude auf dem Bödeli» liefert sorgsam ausgewählte Beispiele unserer architektonischen Preziosen und vermittelt gleichzeitig einen positiven Blick auf unsere Gemeinden, welcher in der Hektik des Alltags etwas verloren geht.
Mit seinen feinen und präzisen Zeichnungen hat Martin Mostosi den Gebäuden Leben eingehaucht und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, dass jedes einzelne seine Geschichte zu erzählen wüsste, könnte es nur sprechen.
Herzliche Gratulation und vielen Dank für diese neue Ausgabe.
Philippe Ritschard, Gemeindepräsident Interlaken
PREFACE
Following his highly successful works “Entlang der Aare” (Along the Aare) and “Berghörner in den Berner Alpen” (Mountain Peaks in the Bernese Alps), Martin Mostosi has chosen “Sehenswerte Gebäude auf dem Bödeli” (Remarkable Buildings of the Bödeli) as the theme for his latest publication.
The “Bödeli” – the striking plain between Lake Brienz and Lake Thun – encompasses several towns. Among these, the municipalities of Matten, Interlaken, and Unterseen, which are the subject of this work, form the actual agglomeration of the “Bödeli” with around 16,000 inhabitants.
Considering how the three municipalities are practically joined together today, it seems difficult to imagine that all three have developed differently, which is not least due to their individual political constellations.
Until 1837, the villages of Matten and Interlaken formed a single municipality with a village character. The starting point was the Augustinian monastery, around which residential, farm, and commercial
buildings gradually sprang up, as well as restaurants and guesthouses for the ever-increasing number of visitors from all over the world.
After separating from Matten, the independent district was initially called Aarmühle. In 1891, the official name was changed to Interlaken, a name that had already been in unofficial and touristic use for some time.
On the north side of the Aare, there was already a fortified settlement in a strategically important location called Unterseen. Unterseen accepted the town charter granted to it in 1402. That is why we commonly refer to it as the “Stedtli” (little town), even though it does not meet the current threshold of 10,000 inhabitants, having only 6,000.
The nicknames for the three municipalities are still commonly used in local vernacular: “Kuhplatten” for Matten, “Rameli” for Interlaken, and “Troja” for Unterseen.
The different developments have had a significant influence on the architecture in the three municipalities.
Matten has retained its rural character and boasts a large number of very well-preserved wooden houses, which exude a certain tranquility and charm. The Gasthof Hirschen (popularly known as the “Mattenwirtshaus”) is a popular photo subject due to its excellent state of preservation. First mentioned in 1666 as an inn, it is one of the oldest in the Bernese Oberland. Impressive hotels such as the Mattenhof and the Regina contributed to the development of tourism in the village.
Interlaken, or rather Aarmühle, as it was initially known, decided fairly quickly to develop tourism, not least because of a lack of alternatives. Starting at the western train station, hotels and guest houses soon lined Bahnhofstrasse and Höheweg all the way to the eastern train station. The most impressive buildings were preferably located in prominent positions with a direct view of the famous Jungfrau massif. Only a few of them have retained their original appearance. The correction of the Aare riverbed around 1848 enabled the development of a center with shops, craft businesses, service providers, and restaurants.
Unterseen has carefully cultivated its historically rooted urban character over the centuries and preserved it to this day. The town area proper fires the imagination about what life must have been like in the past, with its bustling market, numerous craft workshops, and town hall in the center, which still dominates the square visually today.
Today, we find three different types of settlements within an area of just under 25 km², which, to my knowledge, is unique in Switzerland. Unterseen with its old town, Interlaken with its village atmosphere characterized by tourist attractions, and Matten with its rural charm. For visitors from near and far, our agglomeration offers a lot of variety in a small area. It is remarkable that, despite the strong focus on tourism and the associated construction and renovation activity, much of the historic building fabric has been preserved to this day. Even outside the center, a long walk will reveal solitary, well-preserved architectural gems.
Many buildings and areas in our three municipalities are listed in the ISOS register (Inventory of
Swiss Heritage Sites). This is one reason why so many historic buildings remain and are well preserved. The required careful handling of construction and renovation projects relevant to the townscape is taken into account with quality assurance procedures. This is also an advantage that should not be underestimated in the tourism sector, at a time when accommodation with historical cachet is back in vogue.
This foreword would not be complete without mentioning our town‘s landmark, Höhematte. In 1864, our far-sighted ancestors ensured that no buildings could be erected on the site by purchasing the Höhematte state domain (formerly the court and Landsgemeinde square) from the canton of Bern on a cooperative basis and establishing a servitude, thus preserving the unique view of the worldfamous Jungfrau. The spacious paths surrounding the meadow, with benches and shady trees, invite you to stroll and linger. This third illustrated book, “Sehenswerte Gebäude auf dem Bödeli” (Remarkable Buildings of the Bödeli), provides carefully selected examples of our architectural treasures

and at the same time conveys a positive view of our communities, which is somewhat lost in the hustle and bustle of everyday life.
With his delicate and precise drawings, Martin Mostosi has breathed life into the buildings, and it is not difficult to imagine that each one could tell its own story if only it could speak.
Congratulations, and thank you very much for this new edition.
Philippe Ritschard, Mayor of Interlaken
HOTEL RESTAURANT NEUHAUS
Seestrasse 121, Unterseen
Erbaut 1747–1749.
Das Gebäude wurde damals als Lagerhaus gebraucht. In den Jahren 1936–1937 entstand ein Restaurant. Es liegt in schönster Lage am nordöstlichen Ufer des Thunersees.
Seit einigen Generationen ist das Neuhaus im Besitz der Familie Ritschard.
Besitzer: Ritschard und Zenger.
HOTEL RESTAURANT NEUHAUS
Seestrasse 121, Unterseen
Built between 1747 and 1749.
The building was originally used as a warehouse. A restaurant was added in 1936–1937.
It is situated in a beautiful location on the northeastern shore of Lake Thun. The Neuhaus has been owned by the Ritschard family for several generations.
Owners: Ritschard and Zenger.

VILLA LYDIA
Seestrasse 37, Unterseen
Erbaut 1902.
Die Dachterrasse der Jugendstilvilla bildet mit einem schmiedeeisernen Geländer den Abschluss. Die Strassenfassade charakterisiert sich durch einen Treppenturm mit Jugendstilfenstern. Die Villa Lydia gehörte über all die Jahre verschiedenen Institutionen.
Besitzer: Michel Gruppe AG.
VILLA LYDIA
Seestrasse 37, Unterseen
Built in 1902.
The roof terrace of this Art Nouveau villa is enclosed by a wrought-iron railing.
The street facade is characterized by a stair tower with Art Nouveau windows. Villa Lydia has belonged to various institutions over the years.
Owner: Michel Gruppe AG.
