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Kurzvorschau - Naturerlebnisse in der Zentralschweiz

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in der Zentralschweiz ERLEBNISSE NATUR-

Impressum

Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und vom Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten.

Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich derjenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe.

© 2026 Weber Verlag AG, 3645 Thun/Gwatt

Weber Verlag AG

Idee und Texte: Dominik Taisch

Verlagsleitung: Annette Weber-Hadorn

Projektleitung: Madeleine Hadorn

Fotos: Dominik Taisch

Tierillustrationen: Nadja Stadelmann

Foto Umschlag: Peter Grütter

Illustration Cover: iStock

Gestaltung Cover: Sonja Berger und Cornelia Wyssen

Gestaltung und Satz: Erina Zbinden

Bildbearbeitung: Adrian Aellig, Erina Zbinden

Lektorat: Corinne Kneubühler

Korrektorat: Julia Zimmermann

Der Weber Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2026–2028 unterstützt.

ISBN 978-3-03818-832-2

www.weberverlag.ch mail@weberverlag.ch

Auslieferung EU

Brockhaus Commission GmbH

Postfach 1220

D-70803 Kornwestheim info@brocom.de

DOMINIK TAISCH

NATUR-

in der Zentralschweiz ERLEBNISSE

Sihlsprung –Vogelgesang statt Geschützdonner 98

Usser Allmend & Steinibach –Immer in Bewegung ............................................... 102

4. Seen & Teiche.............................................................. 108

Baldeggersee – Wo die Luft wegbleibt ................ 112

Choller – Vielfalt auf kleiner Fläche ....................... 116

Lauerzersee – Sägel und Schutt ............................ 120

Mauensee – Libellenvielfalt und Krebspest ......... 124

Naturlehrgebiet Buchwald –Kies, Kehricht, Kammmolch 128

Seedamm Rapperswil –Brachvögel und Meerenten ................................... 132

Städerried – Baggern für die Natur ...................... 136 Der Wichelsee – Kraft des Wassers ....................... 140

5. Moore ........................................................................... 146

Glaubenberg – Vom Militär geschützt .................. 150

Ibergeregg – Königreich für das Auerhuhn ......... 154

Ein Stück Naturschutz-Geschichte: Hochmoor Rothenthurm 158

6. Laubwald ..................................................................... 164

Chüserainwald –Das sagenumwobene Drachenwurz .................... 168

Kernwald – Wo die Räuber hausen ....................... 172 Sihlwald – Zurück zur Wildnis ................................ 176

7. Nadelwald ...................................................................

Niederbauen Kulm – Wild mit Seeblick 186

Salwideli & Schrattenfluh –Luzerns wilder Westen ........................................... 190

Urwaldreservat Bödmeren –Fichten, Flechten, finstere Höhlen ........................ 194

8. Im Gebirge ..................................................................

Hengliboden – Wer ist der König?

Zwüschetmythen –Gelassene

Pilatus – Gespaltener Berg mitsamt Drachen ...... 212

Schlangen am Lopper –Gekommen um zu bleiben 216

– Brunft der Hirsche ............................

Under Äbrüti bei Ebikon.

Vorwort

Du hältst dieses Buch in den Händen, weil du genau wie ich von der Natur, den Tieren und den Pflanzen in unserer Umgebung fasziniert bist. Als ich in deinem Alter war, verbrachte ich oft Zeit im nahegelegenen Wald, baute dort mit Freunden Hütten und beobachtete Rehe auf der Wiese. Wir massen ihre Spuren aus und fertigten Gipsabdrücke davon an. Wir retteten Insekten von der Strasse und versuchten, sie in unserer «Forschungsstation», einem Zelt im Garten meiner Eltern, zu bestimmen. Mein Lieblingsplatz war das kleine Naturschutzgebiet Under Äbrüti, oberhalb des Wydenwaldes, in meinem damaligen Wohnort Ebikon. Hier setzte ich mich manchmal auf ein Bänkli, hörte dem Quaken der Frösche zu, beobachtete Weinbergschnecken und freundete mich langsam mit einem Eichhörnchen an. Ehrlich gesagt hatte ich eine grossartige Kindheit, und ich hoffe natürlich, dass deine mindestens genauso spannend ist.

Einen Dachsbau erkennt man oft an der typischen Rinne davor.

Dieses Buch soll dir dabei helfen, die Natur auf eine neue Weise kennenzulernen. Ursprünglich wollte ich es «Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind» nennen, da das perfekt gepasst hätte. Doch die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling war schneller und hat bereits ein eigenes Buch so benannt. Ich stelle dir Orte vor, die einen Besuch wert sind, wenn du Tiere in ihrer freien Wildbahn beobachten möchtest. Naturerlebnisse direkt vor deiner Haustür! Mit diesem Buch bist du bestens gerüstet für spannende Entdeckungstouren in den Städten, Wäldern, Wiesen und Bergen der Zentralschweiz. Mit deinem Wissen kannst du bestimmt auch viele Erwachsene begeistern.

Hast du Lust, zusammen mit anderen Kindern unterwegs zu sein, die sich in der Natur zu Hause fühlen? Naturschutzorganisationen und Vereine bieten grossartige Angebote für Kinder und Jugendliche an. Viele Orte, die ich in diesem Buch beschreibe, habe ich selbst auf solchen Ausflügen kennengelernt. Schau dich dafür mal auf den Webseiten von Pro Natura, dem WWF oder Birdlife um.

Gehe mit offenen Augen durch die Welt und hab viel Spass beim Lesen!

Schwalbenschwanz.

In der Natur zu Gast

Viele Menschen betrachten die Natur als eine Art Spielplatz. Wir sollten jedoch niemals vergessen, dass wir nur Gäste sind. Damit wir die Tiere und Pflanzen, die hier leben, nicht stören, müssen wir uns an einige Regeln halten.

– Bleibe in Naturschutzgebieten auf den Wegen.

– Pflücke keine Pflanzen und verletze keine Tiere.

– Wenn Tiere in der Nähe sind, solltest du leise sein und still beobachten. Wenn du eine App verwendest, um Vogelstimmen zu erkennen: Spiele Tonaufnahmen nie laut ab, das stresst die Vögel sehr.

– Respektiere Lebensräume: Gehe nicht in Höhlen oder andere Verstecke von Tieren.

– Wenn du in einem Beobachtungsturm bist, verhalte dich besonders ruhig. Halte keine Gegenstände (z. B. den Feldstecher) aus den Öffnungen.

– Nimm deinen Hund in Naturschutzgebieten oder während der Setzzeit, also zwischen Mai und Juli, wenn Rehe ihre Jungen zur Welt bringen, an die Leine.

– Niemand sollte allein unterwegs sein. Bleibe immer in Hörweite von Erwachsenen. Wenn dir etwas passiert, kannst du um Hilfe rufen. Achte auch auf deine Freunde und warte auf langsamere Kinder.

– Vorsicht: Bei Beeren und Pilzen gibt es solche, die sehr giftig sind. Probiere nichts, bevor du nicht eine erwachsene Person gefragt hast. Tote Tiere solltest du nicht berühren.

– Mach nur dort Feuer, wo es erlaubt ist oder wo bereits eine Feuerstelle existiert.

– Nimm deinen Abfall wieder mit. Er kann Tiere krank machen, wenn sie ihn fressen.

Häufiger Brutvogel: der Buchfink. © Sandra & Oliver Blättler Wasserfrosch. © Peter Grütter

Tiere entdecken leicht gemacht

Egal, wohin du gehst: Tiere zu entdecken, bevor sie dich entdecken, ist nicht einfach. Mit diesen Tipps gelingt es dir hoffentlich etwas einfacher:

Form

Tiere erkennen Menschen an ihrem Umriss. Sie wissen: ein Mensch geht auf zwei Beinen, hat zwei Arme und einen Kopf, der oben auf dem Körper sitzt. Verändere deine Silhouette, indem du eine Kapuze oder ein Tuch über den Kopf ziehst, so dass dieser für das Tier nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Gehe gebückt – so wie Menschen normalerweise nicht gehen, denn so erkennen dich Tiere vielleicht später.

Geruch

Der Wind sollte nie von dir in Richtung des Tieres wehen. Viele Tiere haben einen hoch entwickelten Geruchssinn und wittern dich, bevor sie dich sehen. Versuche also, dich so zu bewegen, dass der Wind dir entgegenweht.

Bewegung

Bewege dich langsam und möglichst wenig. Bleibe immer wieder stehen und achte auf die Reaktion des Tiers. Für ein Tier wirkt etwas, das sich langsam bewegt, weniger bedrohlich, da es weiss, dass es jederzeit problemlos davonrennen kann. Achte auf die Körpersprache des Tieres und brich die Beobachtung ab, wenn es gestresst wirkt. Halte Abstand und verfolge es nicht.

Licht

Reflektierendes Sonnenlicht lässt Brillengläser, das Glas deiner Armbanduhr oder deine Kameralinse aufblitzen. Tiere entdecken dich dann sofort. Auch dein Schatten kann dich verraten. Achte dich darauf, wo die Sonne steht und wie sie auf dich scheint.

Tiere entdecken leicht gemacht

Farbe

In farbigen, leuchtenden Kleidern sehen dich Tiere sofort. Wähle deshalb Kleidung mit Fleckenmuster oder in Naturfarben.

Geräusche

Achte dich darauf, möglichst leise zu sein. Trage weiche Kleidung, die nicht raschelt, und Schuhe, die nicht knirschen oder knarzen. Gehe vorsichtig und langsam, um knisterndes Laub oder knackende Äste zu vermeiden.

Ort und Zeit

Informiere dich über die Gewohnheiten und Lebensräume der Wildtiere, welche du beobachten möchtest. Viele Tiere sind in den frühen Morgenstunden oder in der Dämmerung aktiv. Plane, wo du zu welcher Zeit sein musst, um die besten Chancen zu haben.

Die Dohle hat ein blaues Auge.

Tiere entdecken leicht gemacht

Naturerlebnisse im Jahresverlauf

Um dir einen besseren Überblick zu geben, habe ich die Naturerlebnisse in diesem Buch im Jahresverlauf aufgelistet. Hier kannst du sehen, wann sich ein Besuch in einem Gebiet am meisten lohnt. Es sind jedoch nur Vorschläge, denn die Natur hält sich nicht immer an den Zeitplan.

Januar

• Wasservögel aus dem Norden auf Zentralschweizer Seen

• Grosse Brachvögel beim Seedamm in Rapperswil

März

• Spechte sind besonders aktiv und wegen des fehlenden Laubes gut zu beobachten

• Grasfrösche und Erdkröten legen tausende Eier ab

• Erste Balzflüge der Kiebitze im Wauwilermoos

Februar

• Wasseramseln balzen an der Sihl

• Biberspuren sind leicht zu finden

• Balzzeit der Uhus am Wichelsee

• Ende Februar kehren die Stare aus dem Süden zurück

April

• Rauch- und Mehlschwalben kehren aus dem Süden zurück

• Singflüge der Feldlerchen im Wauwilermoos

• Fledermäuse erwachen aus dem Winterschlaf

• Füchse beginnen mit ihrer Jungenaufzucht

• Störche beim Nestbau am Baldeggersee oder auf den Inseln im Mauensee

• Bachneunaugen ziehen beim Reussdelta die Bäche hoch

• Balz der Waldschnepfen im Salwideli

Mai

• Rehe bringen ihre Kitze auf die Welt

• Die Flugzeit der Libellen beginnt

• Im Chüserainwald blüht die Calla

• Schwalbenschwanzraupen sind am Fenchel zu finden

• Flussregenpfeifer brüten im Reussdelta

• Gelbbauchunken beginnen in der Luzerner Allmend zu rufen

• Glögglifrösche rufen am Glögglifroschweg Eich

• Gänsesägerjunge sind bei der Museggmauer und an der Reuss anzutreffen

• Neuntöter kehren aus Afrika zurück in die Usser-Allmend bei Giswil

Juli

• Am Lopper zeigen sich Schlangen

• Ende Juli fliegen die Jungtiere der Grossen Mausohren in Sankt Ottilien aus

• Bartgeier sind in oder um die Auswilderungsnische am Henggiboden aktiv

• Gute Zeit, um Bergvögel zu beobachten

• Steinböcke und Gämsen sind bei der Pilatus-Bergstation zu beobachten

August

Juni

• Kuckucke rufen in Bergtälern und Naturschutzgebieten

• Alpaufzug: Kühe ziehen auf die Weiden in den Alpen

• Glühwürmchenweibchen leuchten Ende Juni und Anfang Juli im Friedental

• Viele Tagfalter sind auf dem Schmetterlingspfad in Lungern anzutreffen

• An regnerischen Abenden sind Feuersalamander im Tobel von Eich unterwegs

• Schneehühner sind auf dem Brienzer Rothorn bei der Bergstation zu beobachten

• Führungen im Pulverturm Zug und Wasserturm Luzern zu Mauer- und Alpenseglern

• Die Karmingimpel singen im Urserental

• Letzte August- oder erste Septemberwoche: Vogelberingung

Rothenthurm

• Nach wie vor gute Zeit, um Bergvögel zu beobachten

• Murmeltiere fressen sich allmählich ein Fettpolster an

September

• Alpabzug: Kühe verlassen die Weiden auf der Alp

• Hirschbrunft beginnt beim Tannhorn

Oktober

• Hirsche röhren beim Tannhorn

• Ende Oktober steigen die Seeforellen die Lorze hinauf

• Schneehühner im Winterkleid bei der Felsengalerie am Pilatus

November

• Es besteht noch immer die Möglichkeit, Schneehühner am Pilatus zu sehen

• Zeit, um Bienenhotels oder Vogelhäuser für den Frühling zu bauen

Dezember

• Besonders viele Krähen sind im Friedental ums Kantonsspital zu sehen

• Gute Zeit, um Vögel zu füttern

Im April brüten die Dohlen.

Im Mai springen die jungen Gänsesäger vom Museggturm.

Die Geografie der Zentralschweiz

Die Region, die als Zentralschweiz bekannt ist, umfasst die Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und Zug. Im Jahr 1291 trafen sich drei Männer aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf dem Rütli über dem Vierwaldstättersee. Sie hoben die Finger zum Schwur und erklärten, dass sie ein «einig Volk von Brüdern» sein wollten. Der Legende nach gründeten sie damit die Eidgenossenschaft, die Vorgängerin der heutigen Schweiz. Aufgrund ihrer geschichtlichen Bedeutung und der Lage in der Mitte unseres Landes wird die Zentralschweiz oft als das Herz der Schweiz bezeichnet. Der tatsächliche geografische Mittelpunkt der Schweiz liegt auf der Älggialp im Kanton Obwalden.

Der nördliche Teil der Zentralschweiz liegt im Mittelland, einem recht flachen Gebiet. Dort befindet sich auch der niedrigste Punkt der Region, nämlich auf 388 Metern über Meer beim Reussspitz im Kanton Zug. Der Napf mit einer Höhe von 1408 Metern gilt als höchste Erhebung des Mittellandes. Flache Gebiete werden in der Schweiz oft landwirtschaftlich genutzt, und auch das Mittelland der Zentralschweiz ist keine Ausnahme: Ein grosser Teil der Fläche dient dem Anbau von Lebensmitteln und Tierfutter. Fast alle grösseren Städte liegen im Flachland. Die grösste unter ihnen ist Luzern mit über 85 000 Einwohnenden (Stand 2023). Entlang der Voralpen gibt es viele Seen. Die beiden grössten sind der Vierwaldstättersee und der Zugersee, es gibt aber auch zahlreiche kleinere Seen und Weiher. Auf einigen dieser Seen hat es sogar Inseln. Die grösste ist Ufenau im Zürichsee. Wo viel Wasser ist, da fliessen auch viele Bäche. Der wichtigste und mächtigste Fluss der Zentralschweiz ist die Reuss, in die fast alle anderen Fliessgewässer münden. Im Durchschnitt fliesst so viel Wasser unter der Geissmattbrücke in Luzern hindurch, wie in 730 Badewannen passen würde – pro Sekunde!

Während der nördliche Teil des Kantons Luzern sowie ein grosser Teil des Kantons Zug flach sind, gibt es im Süden des Kantons Luzern und in den Kantonen Obwalden, Nidwalden, Schwyz und Uri Berge. Bergige Regionen sind dünner besiedelt als das Flachland. In der Gemeinde Realp leben am wenigsten Menschen: Pro Quadratkilometer gibt es dort gerade mal zwei Personen (Stand 2019). Die Bewohnerinnen und Bewohner der Bergregionen leben von der Land- und Forstwirtschaft sowie vom Tourismus. Hier finden sich ausserdem die grössten zusammenhängenden Wälder. Der Kanton Obwalden ist der waldreichste Kanton der Zentralschweiz – die Hälfte seiner Fläche ist bewaldet. Im Kanton Uri gibt es am wenigsten Wald, da grosse Teile des Kantons über der Waldgrenze liegen. Der höchste Punkt der Zentralschweiz ist der Urner Dammastock mit 3630 Metern über Meer. Gletscher, Geröll und Felsen – Land, das von uns Menschen nicht genutzt werden kann – nehmen in den Kantonen Uri und Nidwalden viel Platz ein. Sie können als die letzten Wildnisgebiete der Zentralschweiz betrachtet werden. Hier findest du jedoch keine grosse Artenvielfalt, denn in solchen Stein- und Eiswüsten gibt es nur wenige, spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.

Jetzt weisst du bereits einiges über die Landschaften der Zentralschweiz und bist bereit, die Natur etwas genauer zu erkunden. Ich wünsche dir viel Spass dabei, die Natursehenswürdigkeiten dieses abwechslungsreichen Teils der Schweiz auf eigene Faust zu entdecken!

Hochmoor im Entlebuch.

Hochwasser beim Reussspitz.

Stadt Luzern am Vierwaldstättersee.

Blick vom Mittelland in die Voralpen. © Peter Grütter

Städte, Gärten & Parks

Auf den ersten Blick scheint es, als hätten wir die Natur aus unseren Siedlungen in Dörfern und Städten ausgeschlossen: Asphalt und Rasenflächen bieten keine guten Voraussetzungen für Tiere und Pflanzen, weshalb sich nur wenige Arten dort niederlassen. Neue Häuser werden oft so gebaut, dass es kaum noch Nischen gibt, in denen Vögel brüten oder Fledermäuse ihre Jungen aufziehen können. Hinzu kommen unsere Hauskatzen und Hunde, die das Leben der Wildtiere zusätzlich erschweren.

Dennoch gibt es Arten, die sich an ein Zusammenleben mit uns Menschen angepasst haben. Viele Zentralschweizer Städte liegen an Gewässern und sind von grünen

Entwicklung der Wildbiene vom Ei zur Larve, zum Kokon und hin zur frisch geschlüpften Biene.

Gärten & Parks

ländliche Umgebung über, sodass sich Säugetiere problemlos in die Stadt hinein- oder aus ihr herausbewegen können. Neben Wohnund Industriegebieten, Strassen und Parkplätzen gibt es in unseren Quartieren auch Parks, Teiche, Bäche, einzelne Bäume und Hecken. All dies führt dazu, dass auf engem Raum vielfältige Lebensräume für verschiedenste Arten bestehen. Oft ist es in der Stadt wärmer als auf dem Land, was wärmeliebende Tiere besonders anzieht, und Nahrung finden sie offenbar ebenfalls genug. Viele Städte fördern aktiv die einheimische Tier- und Pflanzenwelt, in dem sie zum Beispiel Verkehrsinseln bepflanzen oder Flachdächer von Gebäuden begrünen.

Auch die Einwohnerinnen und Einwohner packen oft tatkräftig mit an: Sie hängen Vogelhäuser auf, pflanzen Wildkräuter auf ihren Balkonen und säen Wildblumenmischungen in ihren Gärten aus. Ungenutzte Grundstücke, sogenannte Brachen, werden schnell von der Natur zurückerobert. Erst wachsen Moose, Mauerpfeffer und Gräser, dann folgen Blütenpflanzen und schliesslich erste kleine Bäume wie Weiden und Birken. So beherbergen Städte oft mehr Arten als ländliche Gebiete. Allein in Luzern gibt es 150 Wildbienenarten, elf Amphibienarten, sechs Reptilienarten, 80 Brutvogelarten und zwölf Fledermausarten. Von den 90 einheimischen Säugetierarten kommen rund 40, also fast die Hälfte, im Stadtgebiet vor! Die Chancen, dass du eines dieser Tiere beobachten kannst, stehen gar nicht so schlecht, denn Wildtiere in Städten haben sich an Begegnungen mit Menschen gewöhnt und zeigen oft weniger Scheu. Mir kam an einem Abend im Gütschwald einmal ein Dachs entgegen. Er blieb erst spät stehen, musterte mich und machte sich dann in die entgegengesetzte Richtung aus dem Staub. Ein anderes Mal, beim Radfahren entlang der Reuss zwischen Emmenbrücke und Luzern, entdeckte ich am helllichten Tag einen seelenruhig schwimmenden Biber im Fluss!

Gärten & Parks

Ein ehemaliges Industriegebiet wird für Urban Gardening genutzt.

Die Blindschleiche.

© Heidi & Urs Jost

Leider gibt es immer weniger Igel in unseren Siedlungen. © Heidi & Urs Jost Wildblumen am Strassenrand.

Strassentauben. © Peter Grütter

Efeu bietet Futter und Nistplätze für Stadtvögel.

Gärten & Parks

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