Thomas Bornhauser
AUF DEM WEG ZUM KRIMINALROMAN Ein Krimiautor gibt Tipps
Thomas Bornhauser
AUF DEM WEG ZUM KRIMINALROMAN Ein Krimiautor gibt Tipps
Thomas Bornhauser
AUF DEM WEG ZUM KRIMINALROMAN Ein Krimiautor gibt Tipps
ERKLÄRUNG Die in diesem Buch beschriebenen Schauplätze sind originalgetreu wiedergegeben. Die Handlungen der Geschichten hingegen sind Fiktionen. Dies gilt insbesondere für die Namensnennung der Akteure, Unternehmungen und Organisationen. Um die Verbindung zwischen Fiktion und Handlungsschauplatz sicherzustellen, sind juristische Personen zum Teil namentlich erwähnt. Die auf diese Weise beschriebenen Personen und Unternehmen haben real mit den fiktiven Geschichten nichts zu tun. Ihre in diesem Ratgeber beschriebenen Tätigkeiten sind frei erfunden, ein Zusammenhang mit der realen Welt ist nicht gegeben. Wenn sich aus dem Zusammenhang Parallelen zu real existierenden Personen oder Unternehmen ergeben, so ist dies rein zufällig, weder beabsichtigt noch gewollt.
IMPRESSUM Alle Angaben in diesem Buch wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und von ihm und vom Verlag mit Sorgfalt geprüft. Inhaltliche Fehler sind dennoch nicht auszuschliessen. Daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Weder Autor noch Verlag übernehmen Verantwortung für etwaige Unstimmigkeiten. Alle Rechte vorbehalten, einschliesslich diejenigen des auszugsweisen Abdrucks und der elektronischen Wiedergabe. © 2026 Weber Verlag AG, 3645 Thun/Gwatt Weber Verlag AG Texte: Thomas Bornhauser Verlagsleitung: Annette Weber-Hadorn Projektleitung: Madeleine Hadorn Gestaltung Cover: Sonja Berger Satz: Ian von Känel Lektorat: Sebastian Kilchmann Korrektorat: Julia Zimmermann Der Weber Verlag wird vom Bundesamt für Kultur mit e inem Strukturbeitrag für die Jahre 2026–2028 unterstützt. ISBN 978-3-03818-920-6 www.weberverlag.ch mail@weberverlag.ch Auslieferung EU Brockhaus Commission GmbH Postfach 1220 D-70803 Kornwestheim info@brocom.de
Inhalt Vorwort 6 Ein paar Gedanken vor dem Startschuss
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In der Kürze liegt die Würze
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Wie es bei mir überhaupt dazu kam
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Altes Testament, Neues Testament
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Die Protagonisten
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Je lokaler, desto genauer
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Die Handlung als Spannungsfeld
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With a little help from my friends
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Einige Worte zur lieben KI (1)
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Nochmals KI (2)
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The Making Of
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Das Lektorat und das Korrektorat
64
Der Vertrieb
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Und nun, liebe Lesende
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Vom perfekten Mord
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Das Debriefing
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Und nun also zu Ihnen
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Wenn wir zum Schluss kommen
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Von Goodies
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Literaturverzeichnis 92 Special thanks to
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Zum Autor
96
Vorwort
Öfter mal was Neues. Gilt auch für mich. Nun ja, mehr oder weniger. Nach insgesamt zehn Krimis habe ich 2024 die Serie mit Tod eines Krimiautors abgeschlossen. Ein Rücktritt vom Rücktritt? Nein, passt nicht zu mir. Nähern Sie Ihr rechtes Ohr hier zum geschriebenen Text, dann flüstere ich Ihnen was. Ja, so ist gut. Also, ohne das jahrelange Schreiben in der Vergangenheit habe ich mich in den letzten zwölf Monaten füüüürchterlich zu langweilen begonnen. Kein Zustand, wirklich nicht. In einer Vollmondnacht, als ich nicht schlafen konnte, ist mir eine Idee eingefallen. Diese hier, die Sie gerade lesen. Nach zwölf Krimis und als Fan von TV-Krimis traue ich mir zu, Ihnen Tipps zu geben, falls auch Sie mit dem Gedanken spielen, einen Kriminalroman zu schreiben. Einiges in den 45-MinutenTV-Serien stimmt ja nicht mit der realen Polizeiarbeit überein, 8
zum Beispiel, wenn die Ermittler (aus fernsehtechnischen Zeitgründen) noch vor den Kriminaltechnikern an einem Tat- oder Fundort rumtrampeln und so alle noch möglicherweise vorhandenen Spuren zerstören. Ehrlich gesagt: Meinen ersten Krimi (Fehlschuss, 2015) würde ich heute von der Thematik her nochmals schreiben, aber mit einem ziemlich anderen Drehbuch. So lernt man(n) immer dazu. Davon sollen Sie profitieren. Das wäre es bereits. Alles andere – die Fotos nicht immer chronologisch einwandfrei aufgeführt – lesen Sie auf den nächsten Seiten. Apropos Fotos: Diese sollen die Handlungsorte dokumentieren. Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: Die KI schreibt Ihnen Krimis fix und fertig, und das gar nicht mal so schlecht. Wenn Sie damit liebäugeln, verschenken Sie doch dieses Buch jemandem, der seine eigene Fantasie beanspruchen möchte. Viel Spass beim Blick backstage – und vor allem viel Erfolg! Herzlichst,
Wohlen, Vercorin, September 2026 9
Ein paar Gedanken vor dem Startschuss Jede Handlung in unserem Alltag hat insgeheim etwas Kriminelles an sich, vom toten Rammler im Stall nach einem Treffen der Kleintierfreunde der Stadt Bern, bis hin zu jenem Zeitgenossen, der ein bestimmtes Etablissement Füsse voran verlässt. Was genau ist mit dem Chüngel passiert, was mit dem Freier? Zwei natürliche Ableben, weil sie ihre Pumpen überbeansprucht haben? Also heisst das für uns Krimiautoren: Augen und Ohren auf! Apropos. Was sind wir eigentlich? Buchautoren, Schriftsteller, Journalisten? Verhinderte Kriminalisten? Ich bevorzuge den Ausdruck Buchautor, denn das Aktionsumfeld der Ermittler ist derart gross, dass sie gar nicht dazu kommen, alles selber abzugrasen. Sie sind auf Zeugen angewiesen. Diese Brosamen überlassen sie uns. Ihnen, mir. Wir müssen einfach aufpassen, dass wir uns daran nicht verschlucken. Mehr dazu später. Wir machen ja oftmals den Fehler, von uns auf andere zu schliessen. Das möchte ich bereits an dieser Stelle ausdrücklich vermeiden. Was Sie hier in diesem Ratgeber lesen, das ist meine Art des Vorgehens, meine Art des Recherchierens, meine Art des Schreibens. In diesem Ratgeber lesen Sie nicht bloss Schreibtechnisches, sondern auch Beispiele aus der Praxis, aus früheren Krimis. Diese Passagen sind mit einem feinen Raster optisch unterlegt.
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«Mia san mia», sagen die Bayern. Für mich gilt: «Ig bi ig». Zum Glück sind Sie anders, mit mir unverwechselbar. Das ist auch gut so. Bleiben wir dabei. Kopieren gilt nicht. Geht auch nicht. Regelmässig werde/wurde ich gefragt, wie lange ich für einen Krimi benötigte. Antwort: 240 Stunden. Ergibt sich aus 120 A4Seiten Manus zu jeweils zwei Stunden Schreiben und Recherchieren. Und, glauben Sie mir, diese 240 Stunden haben sich zum Teil bis auf zehn Monate verteilt. Denn: Bei Schreibstau macht es keinen Sinn, auch nur eine halbe Seite einzutippen. Laptop zu, nächste Woche geht es wieder. Vielleicht. Und sonst übernächste. Von Krimischreiber Edgar Wallace hiess es, er habe sich zwei Tage und Nächte in seine Wohnung einschliessen lassen und sei erst wieder herausgekommen, wenn ein neuer Krimi fertig war. Da kann ich nicht mithalten. Wenn ich aber am Schreiben bin – die besagten zwölf Krimis habe ich alle in unserer Ferienwohnung in Vercorin (VS) realisiert, diesen Leitfaden auch –, könnte man, wenn man wollte, die Wohnung ausräumen. Ich würde es nicht bemerken, weil ich in meiner eigenen Welt bin. Beim Hinaustragen der Möbel einfach nicht mit meiner Hilfe rechnen. Und bevor ich es noch vergesse, ein Zwischenabschnitt: Nach Tod eines Krimiautors habe ich, wie bereits erwähnt, meine Serie abgeschlossen. Nun eben, mir wurde langweilig … Da kam mir die Idee, bekannte Schweizer Hotels anzufragen, ob sie nicht Inte resse an einem eigenen Krimi hätten, an einer Geschichte, die bei ihnen im Hotel und der Region spielt. Der zu langen Vorrede kurzer Sinn: Dieses Jahr erscheinen Vitznauerhof und Riffelalp Resort Zermatt, weitere könnten folgen. Alle Hotels haben eine eigene Geschichte, entsprechend auch die Handlungen für die
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Romane. Nicht miteinander vergleichbar. Dieser Einschub, weil wir auf die Hotelkrimis an der einen oder anderen Stelle dieses Buches zurückkommen werden. Zurück in die Spur: Nicht ganz unwichtig ist der spätere Vertrieb Ihres Buches, idealerweise durch einen Verlag. Ich gebe es unumwunden zu: Durch meine frühere berufliche Tätigkeit als Verantwortlicher Kommunikation+Kulturelles bei der Migros Aare während fast 30 Jahren kannte man mich im Kanton Bern. Das heisst, weniger mich als Person, als vielmehr den Stuhl, auf dem ich die ganze Zeit sass. Mit anderen Worten: Ich konnte zwischen vier Verlagen für meinen Erstling wählen – ein ganz seltenes Privileg für ein SzenenGreenhorn. Pssssssst, wenn Sie versprechen, es nicht weiterzuerzählen, verrate ich Ihnen öppis: Mit dem Weber Verlag habe ich das grosse Los gezogen, ist das hier doch bereits das 18. Buch zu verschiedenen Themen in elf Jahren. Grossartig, die Unterstützung, die ich erhalte. Im Eigenverlag sei Ihnen «Books on Demand» empfohlen (www.bod.ch), was ich so höre. Oder eben der Kontakt zu einer Druckerei, die Kleinaufträge noch ausführt. Die Hürden dabei: Lektorat, Korrektorat, Marketing und Vertrieb muss man selber organisieren oder dafür bezahlen. Und bevor ich es noch vergesse: Die Beschreibung meiner Bücher (und darüber hinaus) finden Sie auf www.bosaugenblicke.ch
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Recherchen sind das A und O bei meinen Krimis. Ich kann auch immer auf die Unterstützung der Behörden zählen, selbst im Ausland wie hier auf Mauritius für den Roman Tod auf der Trauminsel.
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In der Kürze liegt die Würze Was ich Ihnen empfehlen kann: Bevor Sie sich an ein Monumentalwerk der Weltliteratur heranwagen, scheint es mir sinnvoll, zuerst kleinere Brötchen zu backen. Mühsam ernährt sich bekanntlich das Eichhörnchen. Wegen der Kürze – beispielsweise eine Tabloidseite, erst noch mit einem Foto des Tatorts – wird man gezwungen, die Handlung zu konzentrieren, die Protagonisten in ihrer Anzahl einzuschränken. Für die BümplizWochen, die monatlich in Bern-West erscheint, schreibe ich regelmässig solche Kurzkrimis, meistens plus/minus 4000 Anschläge mit Leerzeichen. Und Foto des Tatorts. Eine ziemlich anspruchsvolle Sache, aus den soeben erwähnten Gründen. Auch für mich. Ich gebe Ihnen nachfolgend ein wortgetreues Beispiel aus der BümplizWochen. Verstörender Anblick: Der Kunstraum Bern-Bümpliz in der Fussgängerzone hatte sich für Passanten offenbar Provokatives ausgedacht, nämlich einen männlichen Körper aus Kunststoff nachts vor der Schaufensterfront so kunstvoll und lebensecht zu drapieren, dass man meinen musste, es handle sich um eine Leiche. Entsprechend deshalb auch die Kommentare von Spätheimkehrern nach Mitternacht. Erst am frühen Morgen bemerkte ein Zeitungsverträger den feinen Unterschied. Eine halbe Stunde später war die Umgebung des Kunstraums abgesperrt, um Gaffer auf Distanz zu halten. Ebenfalls vor Ort: Viktor «Fige» Kneubühl, Leiter des Dezernats Leib und Leben der Kantons14
Je lokaler ein Krimi, desto besser. Hier ein Blick ins Café des Pyrénées in Bern, das «Pyri», Treffpunkt (auch) der 68er-Oldies zu Bern. Es spielt in zwei meiner Krimis eine Rolle.
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polizei Bern, seine Mitarbeiterin Regula Bürki, Esther Hasler vom Institut für Rechtsmedizin IRM sowie Urs Rütimann vom Kriminaltechnischen Dienst KTD. «Wer macht so etwas?», fragte Regula Bürki ihren Chef. Jener zeigte sich aber ebenso ratlos, erzählte nur davon, dass kunstvoll drapierte Leichen verschiedene Gründe haben konnten. Kontrolle und Allmacht, Trophäe, Ablenkung, Kunstästhetik. Mit «Ich vermute, dass es sich hier aber um eine Abrechnung handelt, wobei das alles andere als sicher ist», schloss er seine Überlegungen. Fakten liefern konnte hingegen Esther Hasler. Angesichts der Aussentemperatur sei der Tod gestern gegen 20 Uhr eingetreten. «Abgelegt wurde die offenbar bereits fixfertig drapierte Leiche aber erst nach Mitternacht. Fundort also nicht Tatort» – «Urs, Reifen- oder Schleifspuren?» – «Leider nicht, nein, Fige.» Die Leiche, in einer Art Drag Queen kunstvoll inszeniert, wurde von Anbeginn an hinter einer Schutzwand verborgen. Identität vorerst unbekannt, das Opfer ungefähr 40 Jahre alt. Der Mann wurde wenig später in einen Sarg aus Edelstahl gelegt und ins IRM in die Berner Länggasse gefahren, noch bevor jemand vom Kunstraum erreicht werden konnte. Im Laufe der folgenden Stunden konnte das eine oder andere geklärt werden: Der Fundort wurde wohl einzig gewählt, um der Kunst des Drapierens vor einer Kulturinstitution die zweifelhafte Ehre zu erweisen. Zum Verstorbenen gab es keinerlei Verbindungen zum Kunstraum. Beim 44-jährigen Opfer handelte es sich um Edouardo Da Santo, im Holenacker wohnhaft, ledig, Bauarbeiter bei einem grossen Berner Unternehmen. Befragungen in der Nachbarschaft hatten ergeben, dass der Brasilianer regelmässig Billard und Darts im Benteli’s spielte, ganz in der Nähe des Fundorts. 16
Erstaunlich bei der Durchsuchung seiner einfach eingerichteten 2½-Zimmer-Wohnung hingegen der Umstand, dass Bargeld in verschiedenen Währungen – Euro, US-Dollars, Schweizer Franken – im Wert von ungefähr 50 000 Franken gefunden wurde, nicht einmal besonders gut versteckt. Die befragten Nachbarn beschrieben Da Santo als «zurückhaltend, ruhig und liebenswürdig». Und so jemand sollte Feinde haben, die ihm sogar nach dem Leben trachteten? Schwer vorstellbar. «Fige, und wenn wir einzig davon ausgehen, dass er Brasilianer war und als Drag Queen zur Schau gestellt wurde?» – «Regula, du meinst, dass …» – «Ich meine gar nichts, aber das Geld passt doch nicht zu einem Bauarbeiter.» Ohne dass die beiden mehr sagen mussten, wussten sie, was zu tun war. Kneubühl rief umgehend eine Vertrauensperson an, einen Insider im Berner Milieu. Bürki ihrerseits peilte eine Freundin an, Journalistin der Berner Zeitung, die schon über Drag-Queen-Veranstaltungen geschrieben hatte. Am frühen Abend war das Puzzle fast vollständig, mit Ausnahme des wichtigsten Teils. Da Santo hatte Beziehungen nicht nur in die Berner Brasil-Szene. Sein Job als Bauarbeiter und die einfache Wohnung eine perfekte Tarnung, er selber erst seit einigen Monaten in Bern gemeldet. Spezialfahnder der Kapo Bern hatten Da Santo jedoch bereits auf dem Radar, nach Informationen ihrer Kollegen aus Zürich. Der Tote war kein Unbekannter. Ins Gesamtbild passten zwei wichtige Puzzleteile. Da Santo, der regelmässig nach Brasilien flog, mit vermuteter «Rekrutierung» neuer Tänzerinnen für Schweizer Clubs, wurde für diese Dienstleistung fürstlich honoriert, was das Geld erklärte. Und: Am nächsten Tag wurde Kneubühl gemeldet, dass Unbekannte die mit zwei Klebern versiegelte
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Wohnung Da Santos geöffnet und im Innern ein Chaos hinterlassen hatten, vermutlich auf der Suche nach dem Bargeld. Diese Vermutungen bestätigten sich zwei Wochen später. Da Santo hatte Vorauszahlungen für noch nicht erbrachte Leistungen bezogen, im Gegenzug dafür einen Konkurrenten bei der Staatsanwaltschaft Zürich verpfiffen, mit erdrückender Beweislast. Der Mörder Da Santos wiederum befand sich noch auf freiem Fuss, sich vermutlich in Südamerika aufhaltend.
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In Vercorin im Val d’Anniviers schreibe ich meine Krimis. Das Dorf kommt dann auch in zwei meiner Bücher vor.
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Wie es bei mir überhaupt dazu kam Nicht erst mit Erscheinen meines letzten Krimis wurde ich gefragt, weshalb mich das Gebiet der Kriminalistik interessiert. Nun, ich war seinerzeit in einen der spektakulären Kriminalfälle der Schweiz involviert, wenn auch nicht im Dunstkreis der Täterschaft. Ich habe in jener Zeit viel gelernt, vor allem, wie man es seitens der Behörden nicht machen sollte. Es würde schlicht zu weit führen, den ganzen Kriminalfall in seinen Einzelheiten hier aufzuführen, deshalb nur in Stichworten. Ende Juli 1985 wird in Kehrsatz (BE) eine junge Frau umgebracht, die Leiche in der Tiefkühltruhe ihres eigenen Hauses vermutlich nur zwischengelagert. Für alle Ermittler ist klar: Täter kann nur ihr Ehemann B. Z. sein. Entsprechend zielführend (für die Anklage) werden die Untersuchungen geführt, der Ehemann entsprechend dem zusammengebastelten Konstrukt der Staatsanwaltschaft im Herbst 1987 vom Geschworenengericht BernMittelland zu einer lebenslangen Zuchthausstrafe verurteilt. Für die Behörden ist die Sache damit erledigt. Nicht so für eine mutige Geschworene. Vreni Sala informiert den bekannten Investigativjournalisten Hanspeter Born. Dieser macht sich mit Akribie an jene Arbeit heran, die den Behörden sehr gut angestanden wäre. Mit seiner 16-teiligen Serie Ein klarer Fall in der Weltwoche rüttelt er sozusagen die Schweiz auf. Was er alles an Oberflächlichkeit, Arglist und reinen Vermutungen herausfindet und veröffentlicht – das
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geht auf keine Kuhhaut mehr. Spätestens mit der Gründung des Vereins Fairness im Fall Z (dem ich mich anschliesse), der sich gegen die Berner Obrigkeit richtet und einen zweiten, dieses Mal fairen Prozess fordert, steigt der Druck. Die Herren Richter & Co., noch immer im Tiefschlaf der Selbstgerechten. Ein Revisionsprozess kommt für sie nicht in Frage. Der Öffentlichkeit beginnt zu dämmern, was da gespielt wurde. Und noch immer wird. Der Verein masst sich nicht an, darüber zu urteilen, ob B. Z. Täter oder Unschuldiger ist – den Leuten geht es einzig darum, dass er einen fairen zweiten Prozess bekommt. Doch dagegen wehrt sich die Obrigkeit mit Händen und Füssen. Erinnert an die drei Affen. Nichts gesehen, nichts gehört und schon gar nichts gesagt. Logisch, diese Aufmüpfigen brauchen jemanden, der für sie die Kommunikation gegen aussen übernimmt. Ich erhalte, als Leiter Kommunikation der damaligen Migros Bern und als Enfant terrible bekannt, die Anfrage, sage sofort zu. Das heisst, nein, sofort ist das nicht, ich muss zuerst meinen Boss fragen, Peter Everts, damals Geschäftsleiter der Migros Bern. Er sieht darin kein Problem. Die Berner Justiz offenbar schon. Was ich nämlich in jener Zeit mit der Berner Justiz erlebe, das spottet jeder Beschreibung. Nochmals: Ich bin in keiner Art und Weise tatverdächtig, habe keine Beziehungen zu den anderen Mitgliedern des Vereins oder den Akteuren im ersten Prozess, bin juristisch ein unbeschriebenes Blatt, ohne Eintrag im Zentralen Strafregister. Aber: Im Laufe der nächsten Wochen powere ich mit Leserbriefen in den Zeitungen in Richtung Justiz drauflos, auch mit direkt und persönlich adressierten Briefen, Social Media damals noch unbekannt.
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