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Beat Hugi– Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzerörgeli. (Kurzvorschau)

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ISBN 978-3-03818-296-2 Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun / Gwatt www.weberverlag.ch

Beat Hugi lässt zusammen mit dem Örgelimusiker Thomas Aeschbacher (und
 seinem Vater Werner Aesch­ bacher) eine einzigartige Schweizer Kulturgeschichte wieder aufleben: vom «Haus-und-Knechte-Instrument» Langnauerli im Emmental über das Stöpselbass-Örgeli in der Innerschweiz zum prägenden ­Volksmusikinstrument Schwyzer­ örgeli und den raren Halbwiener- und Wiener-Orgeln. Sie besuchen dazu die Werkstätten der wichtigsten Schweizer Örgelibauer, Restauratorinnen und Restauratoren. Sie ­erinnern an die legendären Virtuosen von früher und befragen virtuose Musikerinnen und Musiker von heute. Zwei exklusive CDs bringen das Buch mit einschlägigen Aufnahmen zeitgenössischer und historischer Örgelimusik zum Klingen. Örgelifans wie Pedro Lenz, Franz Hohler, Corin Curschellas, Daniel Küffer, Madlaina Janett, Andi Gabriel oder Dani ­Häusler schrieben Texte zum Thema.

LANGNAUERLI, STÖPSELBASS. SCHWYZERÖRGELI.    BEAT HUGI   THOMAS AESCHBACHER

Das grosse Schwyzerörgeli Buch

Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzerörgeli. Das Spiel. Das Handwerk. Die Virtuosen. Mit zwei Musik-CDs.

Beat Hugi Thomas Aeschbacher


Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzerörgeli. Das Spiel. Das Handwerk. Die Virtuosen.

Beat Hugi   Thomas Aeschbacher


Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzerörgeli. Das Spiel. Das Handwerk. Die Virtuosen.

Beat Hugi   Thomas Aeschbacher


Das grosse Schwyzerörgeli Buch

Das Spiel. Das Handwerk. Die Virtuosen. Dieses Buch, das so freundlich und fest in Ihrer Hand liegt, ist ein Mosaik. Ein Puzzle. Oder vielleicht noch besser und präziser gesagt: Erinnern Sie sich an dieses Rohr, dem Fernrohr nicht unähnlich, das wir, einmal ans Auge gelegt, drehen konnten, und sich dann bunte Einzelteile wie von Zauberhand zu immer neuen Figuren formten? Genau! Dieses Buch soll ein Kaleidoskop aus Geschichte, Geschichten, Biografien, Momentaufnahmen, Befindlichkeiten, Gesprächen und Besuchen sein. Feldforschung zum Spiel, zum Handwerk und zu den Virtuo­­sinnen und Virtuosen, zu all dem also, was unsere gelebte Vorstellung der Welt von Langnauerli, Stöpselbass und Schwyzerörgeli ausmacht. Als prägender Teil des Lebens der Porträtierten wie der Schweizer Volksmusik ganz allgemein. Die ersten Ideen keimten am Küchentisch. Die Lust, Örgelerinnen und Örgeler unterschiedlichster Generationen und verschiedenster Couleur ebenso wie die Örgelibauer für ein Buch zu besuchen, zu porträtieren und das Buch mit Hörbeispielen zum Klingen zu bringen. Dazu baten wir 9


Das grosse Schwyzerörgeli Buch

Das Spiel. Das Handwerk. Die Virtuosen. Dieses Buch, das so freundlich und fest in Ihrer Hand liegt, ist ein Mosaik. Ein Puzzle. Oder vielleicht noch besser und präziser gesagt: Erinnern Sie sich an dieses Rohr, dem Fernrohr nicht unähnlich, das wir, einmal ans Auge gelegt, drehen konnten, und sich dann bunte Einzelteile wie von Zauberhand zu immer neuen Figuren formten? Genau! Dieses Buch soll ein Kaleidoskop aus Geschichte, Geschichten, Biografien, Momentaufnahmen, Befindlichkeiten, Gesprächen und Besuchen sein. Feldforschung zum Spiel, zum Handwerk und zu den Virtuo­­sinnen und Virtuosen, zu all dem also, was unsere gelebte Vorstellung der Welt von Langnauerli, Stöpselbass und Schwyzerörgeli ausmacht. Als prägender Teil des Lebens der Porträtierten wie der Schweizer Volksmusik ganz allgemein. Die ersten Ideen keimten am Küchentisch. Die Lust, Örgelerinnen und Örgeler unterschiedlichster Generationen und verschiedenster Couleur ebenso wie die Örgelibauer für ein Buch zu besuchen, zu porträtieren und das Buch mit Hörbeispielen zum Klingen zu bringen. Dazu baten wir 9


Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzer­örgeli. Halbwiener. Erste Schweizer Örgeli wurden in Langnau gebaut und in der Innerschweiz zu Stöpselbass und Schwyzerörgeli erweitert. Langnau im Emmental. Vor bald 150 Jahren. In der Werkstatt der weitverzweigten Harfenmacher-Familien Herrmann arbeiteten zu dieser Zeit ein Johann Samuel, ein Friedrich und ein Gottlieb. Wer von den dreien nun das erste Schweizer Handörgeli gebaut hat, wusste auch der Forscher und Fachautor Ernst Roth nicht zu sagen. Damit aber nicht genug der offenen Fragen, schreibt Roth doch in seiner 2006 in erweiterter Neuauflage erschienen Örgeli-Bibel «Schwyzerörgeli – Geschichte, Instrumentenbau, Spiel­ praxis»: «Noch ungeklärt ist, welches ­ Modell als Vorlage diente, jenes von Demian oder ein möglicherweise ausserhalb von ­Österreich weiterentwickelter Typ.» Cyrill Demian (1772 – 1847) und dessen Söhne Carl und Guido liessen ihre BlasbalgHarmonika um 1829 in Wien als «Accordion» ein erstes Mal patentieren. Das Prinzip zum Erzeugen von Tönen hatten Jahrhunderte zuvor schon die alten Chinesen erkannt, in dem sie beim Traditionsinstrument Sheng zweieinhalb Jahrtausende vor Christi Geburt durch eigenes Blasen oder Saugen jenen Luftzug erzeugten, der im Instrument feine Holzzungen zum Schwingen und so zum Tönen brachte.

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Genau: Statt zu blasen oder zu saugen, sorgen frühere wie heutige Örgelispieler mit dem Bewegen eines Faltenbalgs für die Luft zum Klang. Diese wiederum lässt die Vibration der sogenannten «durchschlagenden Stimmzungen» vibrieren, sodass sie die Töne erzeugen. So auch die Feinmetallzungen in den Langnauer-Örgeli, die von zehn Harfen­machern der Familie Herrmann aus drei ­Generationen, von 1836 bis ins Jahr 1930, mehrheitlich in Langnau gebaut und weiterentwickelt wurden. Roths Kollege Rico Peter postulierte 1978 zur Inspiration der Herrmanns, dass damals ein gewisser Johannes Drollinger, Drechsler und Volksmusikant aus Vorarlberg, samt Familie bei Johann Samuel Herrmann anheuerte. Rico Peter im Wortlaut: «So kam es, dass bald sein Wienerörgeli den Ansprüchen des Musikanten nicht mehr genügte. (…) Mit Herrmann zusammen versuchte Drollinger ein neues Instrument zu bauen. So entstand am Ende des Jahres 1836 in Langnau in solider Handarbeit das erste Instrument, welches wir heute als ‹Lang­ nauerli› kennen.» Laut Ernst Roth teilten sich bis zur Jahrhundertwende Friedrich, sein Neffe Johann Ulrich und Gottfried Herrmann das Prädikat

des besten einheimischen Handharfenfabrikanten. Um alle Ungereimtheiten zu klären: Da die ersten Langnauerli in Langnau von Harfenmachern gebaut wurden, nannte man die Langnauerli in seinen Anfängen nicht Langnauerli, sondern «Harfe», «Harpfe», «Handharpfe» oder wegen seiner Handlichkeit schlicht «Härpfli». Später wurden und werden diese Ur-Örgeli in kleinen Werkstätten von Affoltern über Kröschenbrunnen, Riggisberg, Aetingen und Grosshöchstetten bis Schüpbach gebaut. Die Beschreibung der einfachen Instrumente mag mitunter kompliziert anmuten. Wir wagen es trotzdem: Die handlich-kleinen Instrumente haben neun oder zehn wechseltönige Melodietasten, das heisst: Eine diatonische Dur-Tonleiter ist so auf Zug und Druck des Balgs verteilt. Mit dem wechseltönigen Bass-/Akkordtastenpaar auf der linken Seite werden Tonika und Dominante begleitet. Die Stimmplatten mit den Stimmzungen sind auf dem Kastenboden flach nebeneinander montiert. Ähnliche Bauarten lassen sich zwar in halb Europa finden, nicht aber ein Instrument mit einem urchig tönenden dritten Bass auf der Hinterseite des Bassteils. Dieser «Schnarchlibass», wie er von den Musikantinnen und Musikanten liebevoll genannt wird, klingt eine Oktave tiefer als der Tenorbass auf der Vorderseite. Er wird für spezielle Betonungen verwendet. Nach 1900 wurden im Bernbiet auch zwei- bis vierreihige Instrumente mit einem stufenförmigen Griffbrett mit vier bis acht Basstasten gebaut. Die Instrumente ver­ fügen zwar noch nicht über mehr Töne, aber pro Reihe über eine zusätzliche Tonart. Das ergibt mehrere Langnauer-Örgeli in einem Instrument. Diese hiessen dann «Doppelharfe» oder «Dreitonartige».

Chronist Rico Peter: «In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Langnauer-‹Härpfli› im Bernbiet so stark, dass es bald in jedem Bauernhaus zu finden war. An vielen Orten nannte man sie auch Rupfgygli.» Das Stöpselbass-Örgeli als fulminante Weiterentwicklung der Langnauer-Örgeli wurde in den 1890er- bis 1930er-Jahren vor allem in der Innerschweiz gespielt. Es gilt als wichtiges Zwischenmodell der Entwicklung zum Schwyzerörgeli, wie es heute in der Schweizer Ländler- und Volksmusik zu hören ist. Die Stöpselbass-Örgeli wurden, wie später die Schwyzerörgeli auch, vorwiegend im Kanton Schwyz – in der Werkstätte von Robert Iten und in der Handorgelfabrik von Alois Eichhorn – sowie im zürcherischen ­Bachenbülach von Josef Nussbaumer hergestellt. Mehr feine Melodiestimmen und entsprechend mehr knurrige Bässe prägen den charmant-urchigen Klang der StöpselbassÖrgeli. Den Namen bekam es wegen seiner stöpselförmigen Bassknöpfe aus Messing oder Beinknochen verpasst. Die Hälfte der Bässe ist wechseltönig. Beim Ziehen und Stossen des Balges erklingen auf Druck desselben Bassknopfs verschiedene Töne. Die übrigen Bässe sind gleichtönig. Auf Zug und Druck des Balges und Drücken des Knopfes erklingt derselbe Ton. Vom Emmentaler Langnauerli haben die Erbauer, allen voran wohl Robert Iten, die Anordnung der in einer Reihe senkrecht platzierten Bässe übernommen und mit zwei wechseltönigen Bass-/Akkordpaaren plus einem bis drei zusätzlichen gleichtönigen Paaren (insgesamt also sechs bis zehn ­Tasten in Stöpselform) modifiziert. Die Melodieseite wurde zudem neu mit zwei diatonischen Reihen im Quintabstand und einer

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Langnauerli. Stöpselbass. Schwyzer­örgeli. Halbwiener. Erste Schweizer Örgeli wurden in Langnau gebaut und in der Innerschweiz zu Stöpselbass und Schwyzerörgeli erweitert. Langnau im Emmental. Vor bald 150 Jahren. In der Werkstatt der weitverzweigten Harfenmacher-Familien Herrmann arbeiteten zu dieser Zeit ein Johann Samuel, ein Friedrich und ein Gottlieb. Wer von den dreien nun das erste Schweizer Handörgeli gebaut hat, wusste auch der Forscher und Fachautor Ernst Roth nicht zu sagen. Damit aber nicht genug der offenen Fragen, schreibt Roth doch in seiner 2006 in erweiterter Neuauflage erschienen Örgeli-Bibel «Schwyzerörgeli – Geschichte, Instrumentenbau, Spiel­ praxis»: «Noch ungeklärt ist, welches ­ Modell als Vorlage diente, jenes von Demian oder ein möglicherweise ausserhalb von ­Österreich weiterentwickelter Typ.» Cyrill Demian (1772 – 1847) und dessen Söhne Carl und Guido liessen ihre BlasbalgHarmonika um 1829 in Wien als «Accordion» ein erstes Mal patentieren. Das Prinzip zum Erzeugen von Tönen hatten Jahrhunderte zuvor schon die alten Chinesen erkannt, in dem sie beim Traditionsinstrument Sheng zweieinhalb Jahrtausende vor Christi Geburt durch eigenes Blasen oder Saugen jenen Luftzug erzeugten, der im Instrument feine Holzzungen zum Schwingen und so zum Tönen brachte.

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Genau: Statt zu blasen oder zu saugen, sorgen frühere wie heutige Örgelispieler mit dem Bewegen eines Faltenbalgs für die Luft zum Klang. Diese wiederum lässt die Vibration der sogenannten «durchschlagenden Stimmzungen» vibrieren, sodass sie die Töne erzeugen. So auch die Feinmetallzungen in den Langnauer-Örgeli, die von zehn Harfen­machern der Familie Herrmann aus drei ­Generationen, von 1836 bis ins Jahr 1930, mehrheitlich in Langnau gebaut und weiterentwickelt wurden. Roths Kollege Rico Peter postulierte 1978 zur Inspiration der Herrmanns, dass damals ein gewisser Johannes Drollinger, Drechsler und Volksmusikant aus Vorarlberg, samt Familie bei Johann Samuel Herrmann anheuerte. Rico Peter im Wortlaut: «So kam es, dass bald sein Wienerörgeli den Ansprüchen des Musikanten nicht mehr genügte. (…) Mit Herrmann zusammen versuchte Drollinger ein neues Instrument zu bauen. So entstand am Ende des Jahres 1836 in Langnau in solider Handarbeit das erste Instrument, welches wir heute als ‹Lang­ nauerli› kennen.» Laut Ernst Roth teilten sich bis zur Jahrhundertwende Friedrich, sein Neffe Johann Ulrich und Gottfried Herrmann das Prädikat

des besten einheimischen Handharfenfabrikanten. Um alle Ungereimtheiten zu klären: Da die ersten Langnauerli in Langnau von Harfenmachern gebaut wurden, nannte man die Langnauerli in seinen Anfängen nicht Langnauerli, sondern «Harfe», «Harpfe», «Handharpfe» oder wegen seiner Handlichkeit schlicht «Härpfli». Später wurden und werden diese Ur-Örgeli in kleinen Werkstätten von Affoltern über Kröschenbrunnen, Riggisberg, Aetingen und Grosshöchstetten bis Schüpbach gebaut. Die Beschreibung der einfachen Instrumente mag mitunter kompliziert anmuten. Wir wagen es trotzdem: Die handlich-kleinen Instrumente haben neun oder zehn wechseltönige Melodietasten, das heisst: Eine diatonische Dur-Tonleiter ist so auf Zug und Druck des Balgs verteilt. Mit dem wechseltönigen Bass-/Akkordtastenpaar auf der linken Seite werden Tonika und Dominante begleitet. Die Stimmplatten mit den Stimmzungen sind auf dem Kastenboden flach nebeneinander montiert. Ähnliche Bauarten lassen sich zwar in halb Europa finden, nicht aber ein Instrument mit einem urchig tönenden dritten Bass auf der Hinterseite des Bassteils. Dieser «Schnarchlibass», wie er von den Musikantinnen und Musikanten liebevoll genannt wird, klingt eine Oktave tiefer als der Tenorbass auf der Vorderseite. Er wird für spezielle Betonungen verwendet. Nach 1900 wurden im Bernbiet auch zwei- bis vierreihige Instrumente mit einem stufenförmigen Griffbrett mit vier bis acht Basstasten gebaut. Die Instrumente ver­ fügen zwar noch nicht über mehr Töne, aber pro Reihe über eine zusätzliche Tonart. Das ergibt mehrere Langnauer-Örgeli in einem Instrument. Diese hiessen dann «Doppelharfe» oder «Dreitonartige».

Chronist Rico Peter: «In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Langnauer-‹Härpfli› im Bernbiet so stark, dass es bald in jedem Bauernhaus zu finden war. An vielen Orten nannte man sie auch Rupfgygli.» Das Stöpselbass-Örgeli als fulminante Weiterentwicklung der Langnauer-Örgeli wurde in den 1890er- bis 1930er-Jahren vor allem in der Innerschweiz gespielt. Es gilt als wichtiges Zwischenmodell der Entwicklung zum Schwyzerörgeli, wie es heute in der Schweizer Ländler- und Volksmusik zu hören ist. Die Stöpselbass-Örgeli wurden, wie später die Schwyzerörgeli auch, vorwiegend im Kanton Schwyz – in der Werkstätte von Robert Iten und in der Handorgelfabrik von Alois Eichhorn – sowie im zürcherischen ­Bachenbülach von Josef Nussbaumer hergestellt. Mehr feine Melodiestimmen und entsprechend mehr knurrige Bässe prägen den charmant-urchigen Klang der StöpselbassÖrgeli. Den Namen bekam es wegen seiner stöpselförmigen Bassknöpfe aus Messing oder Beinknochen verpasst. Die Hälfte der Bässe ist wechseltönig. Beim Ziehen und Stossen des Balges erklingen auf Druck desselben Bassknopfs verschiedene Töne. Die übrigen Bässe sind gleichtönig. Auf Zug und Druck des Balges und Drücken des Knopfes erklingt derselbe Ton. Vom Emmentaler Langnauerli haben die Erbauer, allen voran wohl Robert Iten, die Anordnung der in einer Reihe senkrecht platzierten Bässe übernommen und mit zwei wechseltönigen Bass-/Akkordpaaren plus einem bis drei zusätzlichen gleichtönigen Paaren (insgesamt also sechs bis zehn ­Tasten in Stöpselform) modifiziert. Die Melodieseite wurde zudem neu mit zwei diatonischen Reihen im Quintabstand und einer

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Mit den Klängen seiner Langnauer- und SchwyzerÖrgeli bringt er sogar sich selbst zum Weinen. Werner Aeschbacher sammelt auergattig Örgeli. Trotzdem will er kein Sammler sein. Er sei ein Klangfreak. Wir stehen im Untergeschoss von Aesch­ bachers Reihenhaus im Berner Mittelland. Rechts der Keller, links Werners Musik­ zimmer, das seine Frau Susi auch zum Bügeln der Wäsche nutzt. Zwei schmale Wandschränke. Wenige Tablare gefüllt mit W ­ äsche und Alltagsutensilien, daneben Örgeliköfferchen und Taschen aus Jute, sofern die kleinen Langnauerli und Stöpselbass-Örgeli darin Platz finden. Neben dem Klavier ruht ein dunkel lackierter Kontrabass majestätisch auf einem kleinen Ständer. Diesen Bass, ein wichtiges Begleitinstrument in traditionellen Schweizer Örgeliformationen, hat Werner bei unserem gemeinsamen Besuch in Arth dem Örgeler Seebi Schmidig abgekauft, dann umgehend nach Rothen­ thurm gefahren, dort von Mark Schuler restaurieren lassen, um kurz darauf einmal im Monat beim befreundeten Kontrabassisten und Musiklehrer Werner Reber in Schlosswil in die Lehrstunden zu gehen. Auf einem kleinen Tischchen stapeln sich die CDs mit den Übungs-Lektionen und Hausaufgaben.

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Im engen Korridor vor dem Musikzimmer hängt an der Wand ein alter Holzring zur traditionellen Produktion von Emmentaler Käse, auf dem wir nach und nach ein paar repräsentative Instrumente aus Werners Bestand zum Fotografieren drapieren. ­Werner Aeschbacher besitzt unzählig viele Langauerli, Stöpselbass-Örgeli, Schwyzerörgeli, Halbwiener- und Wiener-Örgeli. Jedes der meist historisch alten Instrumente ist ein wertvolles Unikat mit einem ureigenen Klang. Auch jene, die aus der gleichen Werk­statt und Produktionseinheit stammen. «Ich bin kein Örgelisammler», sagt Werner Aeschbacher, während er die fotogensten Instrumente zusammensucht. «Ich bin ein Klangfreak. Mich interessieren primär das Spiel und die Spielbarkeit eines Instruments. Welche Klänge ich damit erzeugen kann.» Lasse sich bei alten Instrumenten, die nicht selten an ihn herangetragen werden, der Balg gut bewegen, alle Töne gehen,


Mit den Klängen seiner Langnauer- und SchwyzerÖrgeli bringt er sogar sich selbst zum Weinen. Werner Aeschbacher sammelt auergattig Örgeli. Trotzdem will er kein Sammler sein. Er sei ein Klangfreak. Wir stehen im Untergeschoss von Aesch­ bachers Reihenhaus im Berner Mittelland. Rechts der Keller, links Werners Musik­ zimmer, das seine Frau Susi auch zum Bügeln der Wäsche nutzt. Zwei schmale Wandschränke. Wenige Tablare gefüllt mit W ­ äsche und Alltagsutensilien, daneben Örgeliköfferchen und Taschen aus Jute, sofern die kleinen Langnauerli und Stöpselbass-Örgeli darin Platz finden. Neben dem Klavier ruht ein dunkel lackierter Kontrabass majestätisch auf einem kleinen Ständer. Diesen Bass, ein wichtiges Begleitinstrument in traditionellen Schweizer Örgeliformationen, hat Werner bei unserem gemeinsamen Besuch in Arth dem Örgeler Seebi Schmidig abgekauft, dann umgehend nach Rothen­ thurm gefahren, dort von Mark Schuler restaurieren lassen, um kurz darauf einmal im Monat beim befreundeten Kontrabassisten und Musiklehrer Werner Reber in Schlosswil in die Lehrstunden zu gehen. Auf einem kleinen Tischchen stapeln sich die CDs mit den Übungs-Lektionen und Hausaufgaben.

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Im engen Korridor vor dem Musikzimmer hängt an der Wand ein alter Holzring zur traditionellen Produktion von Emmentaler Käse, auf dem wir nach und nach ein paar repräsentative Instrumente aus Werners Bestand zum Fotografieren drapieren. ­Werner Aeschbacher besitzt unzählig viele Langauerli, Stöpselbass-Örgeli, Schwyzerörgeli, Halbwiener- und Wiener-Örgeli. Jedes der meist historisch alten Instrumente ist ein wertvolles Unikat mit einem ureigenen Klang. Auch jene, die aus der gleichen Werk­statt und Produktionseinheit stammen. «Ich bin kein Örgelisammler», sagt Werner Aeschbacher, während er die fotogensten Instrumente zusammensucht. «Ich bin ein Klangfreak. Mich interessieren primär das Spiel und die Spielbarkeit eines Instruments. Welche Klänge ich damit erzeugen kann.» Lasse sich bei alten Instrumenten, die nicht selten an ihn herangetragen werden, der Balg gut bewegen, alle Töne gehen,


Es habe seine Zeit gedauert, bis er für seine Langnauerli und Schwyzerörgeli neue ­Stücke komponieren konnte, «bei denen ich über das Traditionelle hinausgehe, ohne das Instrument zu verraten. Am besten gelang das für das Langnauerli den alten Lang­ nauerli-Spielern, die gar nie auf einem Schwy­ zerörgeli gespielt haben. Sie waren authentisch. Sie kannten alle Kniffe und schöpften die wenigen Möglichkeiten, welche die In­ strumente bieten, gekonnt aus. Diese stillen Virtuosen kannten ja nichts anderes.» Sein Onkel Hänsu soll im Mittelstübli in Eggiwil jeweils ganz fein und nur für sich gespielt haben, um so, wie viele «einfache Leute» im Emmental auch, seine Musikalität auszuleben. Werner: «Ein Teil meines Stückes ‹Hänsus› stammt noch original von ihm. Daran hatte sich mein Vater erinnert.» Apropos: Seine Langnauerli-Perle «Im Aemmitau» sei wohl etwas vom Besten, «was ich für das Langnauerli komponiert habe und auf dem Langnauerli spiele. Das ist für mich der ‹Sound of Emmental›. Da komme ich her, da komme ich immer wieder an. Es passt einfach.» Diese Wurzeln mögen auch ein guter Grund sein, dass sich Werner Aeschbacher mehr als «Musikant» denn als Musiker versteht. Dass er seit Jahren bei vielen seiner Solokonzerte und -projekte als «Musiker» angekündigt wird, lässt er gerne gelten. Trotzdem: Er habe bis zu seiner Pensionierung 100 Prozent als Experte im Verkehrsprüfzentrum in Bützberg gearbeitet. Die Musik sei sein grosses Hobby. Sein Leben lang. Die Bemerkung, da habe er sich ja auch als Örgeliexperte etabliert, quittiert er mit einem sanften Lächeln. Wie zur Bestätigung erzählt er diese kleine Geschichte, eine von vielen, die sein Leben als Musikant und Musiker schrieb

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Vier «Affolter»-Langnauerli aus der Werkstatt von Jakob Christen (1848 – 1929) in Affoltern, Emmental. Mit einer bis zu vier Melodiereihen, von Reihe zu Reihe abgestuft. Mit zwei bis acht Bässen. Jede Reihe ist eine Tonart. Also bei vier Reihen vier Langnauerli in einem.

und immer noch schreibt: «Der Solothurner Holzschneider und Kunstmaler Urs Flury berichtete mir 1984 am Rande des ersten Langnauerörgeli-Treffens von seinem Plan, zusammen mit seinem Sohn, einem gelernten Schiffsbauer, der ebenfalls Urs heisst, ein neues Langnauer-Örgeli zu bauen. Und ob ich ihm dabei helfen würde.» Ein altes, hundertjähriges Instrument diente als Vorlage für ihr neues Flury-Örgeli. «Sie haben gut verkauft. Insbesondere an Interessierte aus der Umgebung von Aetingen, dem Buechiberg. Aber keiner und keine von Flurys Kundinnen und Kunden wusste, wie man es richtig spielt.» An der Vernissage der ersten Flury-Langnauerli witzelte Radiomann Henrik Rhyn als Moderator entsprechend, auch wenn es nicht spielen würde, sei es ein Kunstwerk. Was Werner gerne bestätigt: Flurys hätten mit Holz eines Geigenbauers gearbeitet, mit Pinci-Stimmen, den besten Stimmen, die man damals aus Italien bekommen konnte: «Flury senior hat mich gefragt, ob ich seiner regionalen Kundschaft in einem Grundkurs nun auch den musikalischen Um­


Es habe seine Zeit gedauert, bis er für seine Langnauerli und Schwyzerörgeli neue ­Stücke komponieren konnte, «bei denen ich über das Traditionelle hinausgehe, ohne das Instrument zu verraten. Am besten gelang das für das Langnauerli den alten Lang­ nauerli-Spielern, die gar nie auf einem Schwy­ zerörgeli gespielt haben. Sie waren authentisch. Sie kannten alle Kniffe und schöpften die wenigen Möglichkeiten, welche die In­ strumente bieten, gekonnt aus. Diese stillen Virtuosen kannten ja nichts anderes.» Sein Onkel Hänsu soll im Mittelstübli in Eggiwil jeweils ganz fein und nur für sich gespielt haben, um so, wie viele «einfache Leute» im Emmental auch, seine Musikalität auszuleben. Werner: «Ein Teil meines Stückes ‹Hänsus› stammt noch original von ihm. Daran hatte sich mein Vater erinnert.» Apropos: Seine Langnauerli-Perle «Im Aemmitau» sei wohl etwas vom Besten, «was ich für das Langnauerli komponiert habe und auf dem Langnauerli spiele. Das ist für mich der ‹Sound of Emmental›. Da komme ich her, da komme ich immer wieder an. Es passt einfach.» Diese Wurzeln mögen auch ein guter Grund sein, dass sich Werner Aeschbacher mehr als «Musikant» denn als Musiker versteht. Dass er seit Jahren bei vielen seiner Solokonzerte und -projekte als «Musiker» angekündigt wird, lässt er gerne gelten. Trotzdem: Er habe bis zu seiner Pensionierung 100 Prozent als Experte im Verkehrsprüfzentrum in Bützberg gearbeitet. Die Musik sei sein grosses Hobby. Sein Leben lang. Die Bemerkung, da habe er sich ja auch als Örgeliexperte etabliert, quittiert er mit einem sanften Lächeln. Wie zur Bestätigung erzählt er diese kleine Geschichte, eine von vielen, die sein Leben als Musikant und Musiker schrieb

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Vier «Affolter»-Langnauerli aus der Werkstatt von Jakob Christen (1848 – 1929) in Affoltern, Emmental. Mit einer bis zu vier Melodiereihen, von Reihe zu Reihe abgestuft. Mit zwei bis acht Bässen. Jede Reihe ist eine Tonart. Also bei vier Reihen vier Langnauerli in einem.

und immer noch schreibt: «Der Solothurner Holzschneider und Kunstmaler Urs Flury berichtete mir 1984 am Rande des ersten Langnauerörgeli-Treffens von seinem Plan, zusammen mit seinem Sohn, einem gelernten Schiffsbauer, der ebenfalls Urs heisst, ein neues Langnauer-Örgeli zu bauen. Und ob ich ihm dabei helfen würde.» Ein altes, hundertjähriges Instrument diente als Vorlage für ihr neues Flury-Örgeli. «Sie haben gut verkauft. Insbesondere an Interessierte aus der Umgebung von Aetingen, dem Buechiberg. Aber keiner und keine von Flurys Kundinnen und Kunden wusste, wie man es richtig spielt.» An der Vernissage der ersten Flury-Langnauerli witzelte Radiomann Henrik Rhyn als Moderator entsprechend, auch wenn es nicht spielen würde, sei es ein Kunstwerk. Was Werner gerne bestätigt: Flurys hätten mit Holz eines Geigenbauers gearbeitet, mit Pinci-Stimmen, den besten Stimmen, die man damals aus Italien bekommen konnte: «Flury senior hat mich gefragt, ob ich seiner regionalen Kundschaft in einem Grundkurs nun auch den musikalischen Um­


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