Professor Dr. Martin Meuli, Direktor der Chirurgie am Kinderspital Zürich, ist ein neugieriger, ehrgeiziger und origineller Kopf: Eigentlich wollte er Sänger oder Tennislehrer werden, hat dann aber Medizin studiert, weil er die Herausforderung suchte und wurde schliesslich Oberarzt statt Tenor. Am Züricher Kinderspital hat er als Spezialist für Verbrennungs behandlung die revolutionäre Entwicklung einer im Labor gezüchteten Haut vorangetrieben. Bei einem längeren Amerika-Aufenthalt entdeckte er die Möglichkeit, ungeborene Föten mit Spina bifida (offener Rücken) im Mutterleib zu operieren und hat als Pionier dieser Operationstechnik schon vielen Kindern ein Leben im Rollstuhl erspart und ein Stück Schweizer Medizingeschichte geschrieben.
ISBN 978-3-85932-837-2 Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun / Gwatt www.werdverlag.ch www.weberverlag.ch
S ON JA L . BAU ER & M AGDA L ENA CE A K
PE T ER RO T EN BÜ H L ER
Operation am Ungeborenen
Martin Meuli – Operation am Ungeborenen
neutral Drucksache No. 01-12-409142 – www.myclimate.org © myclimate – The Climate Protection Partnership
PETER ROTHENBÜHLER MAGDALENA CEAK SONJA L. BAUER
Martin Meuli
Operation am Ungeborenen Der Pionier. Die Fötalchirurgie. Die Patienten.
VORWORT Von Fredi M. Murer
Wenn in der Oper vor Vorstellungsbeginn jemand mit einem Blatt in der Hand vor dem roten Vorhang erscheint, bedeutet dies meistens nichts Gutes. Im besten Fall erfährt man, dass der Hauptdarsteller den Anschlussflug verpasst habe und «La Bohème» eine Stunde später beginnt. Trotz Gratis-Cüpli ist man dennoch leicht verstimmt oder zumindest «not amused». So ähnlich ergeht es mir, wenn ich ein Buch aufschlage und von einem «Vorwort» in Empfang genommen werde. Als Maulwurf, der sich lieber blindlings und auf eigene Faust durch den literarischen Humus einer Neuerscheinung wühlt, ziehe ich es vor, ohne Routenplaner und GPS-Stimme im Ohr ans Werk zu gehen. Aber was tun, wenn der Protagonist der vorliegenden Biographie mir persönlich die Ehre erweist, ein Vorwort zu schreiben? Mich als Fehlbesetzung in Szene zu setzen blieb schon deshalb chancenlos, weil gegen seine Beharrlichkeit, Überzeugungskunst und sein Charisma kein Kraut gewachsen ist. Die Rede ist vom Jahrhundertmedizinmann der etwas anderen Art, Professor Dr. med. Martin Meuli, der in jungen Jahren aus den Bündner Bergen herunter ins Zürcher Tiefland kam, um hier das geologisch hohe Niveau seiner Herkunft mit dem weiten Horizont seiner vielfältigen Geistesgaben und Interessen zielsicher und experimentierfreudig zu fusionieren. Der Opern- und Menschenfreund Martin Meuli avancierte nach längerem Amerika-Aufenthalt zum Ordinarius für Kinderchirurgie an der Universität Zürich, zum Direktor der Chirurgischen Klinik des Universitätskinderspitals und später auch zum Co-Direktor des Zentrums für Fötale Diagnostik und Therapie. Als innovativer Kinderchirurg und Pionier für Fötalchirurgie machte er sich nicht nur mit seinen legendären Operationen an Föten im Mutterleib einen Namen, sondern auch mit der ersten erfolgreichen Trennung von siamesischen Zwillingen in der Schweiz seit 24 Jahren und nicht zuletzt auch als Dozent und vielsprachiger «Flying Teacher» rund um den Erdball sowie als pragmatischer Macher von Nägeln mit Köpfen in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten, unter anderem als feuriger Promoter des Neubaus des Zürcher Kinderspitals. Fredi M. Murer: einer der ganz Grossen des Schweizer Films. Vorwort – Fredi M. Murer
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VORWORT Von Fredi M. Murer
Wenn in der Oper vor Vorstellungsbeginn jemand mit einem Blatt in der Hand vor dem roten Vorhang erscheint, bedeutet dies meistens nichts Gutes. Im besten Fall erfährt man, dass der Hauptdarsteller den Anschlussflug verpasst habe und «La Bohème» eine Stunde später beginnt. Trotz Gratis-Cüpli ist man dennoch leicht verstimmt oder zumindest «not amused». So ähnlich ergeht es mir, wenn ich ein Buch aufschlage und von einem «Vorwort» in Empfang genommen werde. Als Maulwurf, der sich lieber blindlings und auf eigene Faust durch den literarischen Humus einer Neuerscheinung wühlt, ziehe ich es vor, ohne Routenplaner und GPS-Stimme im Ohr ans Werk zu gehen. Aber was tun, wenn der Protagonist der vorliegenden Biographie mir persönlich die Ehre erweist, ein Vorwort zu schreiben? Mich als Fehlbesetzung in Szene zu setzen blieb schon deshalb chancenlos, weil gegen seine Beharrlichkeit, Überzeugungskunst und sein Charisma kein Kraut gewachsen ist. Die Rede ist vom Jahrhundertmedizinmann der etwas anderen Art, Professor Dr. med. Martin Meuli, der in jungen Jahren aus den Bündner Bergen herunter ins Zürcher Tiefland kam, um hier das geologisch hohe Niveau seiner Herkunft mit dem weiten Horizont seiner vielfältigen Geistesgaben und Interessen zielsicher und experimentierfreudig zu fusionieren. Der Opern- und Menschenfreund Martin Meuli avancierte nach längerem Amerika-Aufenthalt zum Ordinarius für Kinderchirurgie an der Universität Zürich, zum Direktor der Chirurgischen Klinik des Universitätskinderspitals und später auch zum Co-Direktor des Zentrums für Fötale Diagnostik und Therapie. Als innovativer Kinderchirurg und Pionier für Fötalchirurgie machte er sich nicht nur mit seinen legendären Operationen an Föten im Mutterleib einen Namen, sondern auch mit der ersten erfolgreichen Trennung von siamesischen Zwillingen in der Schweiz seit 24 Jahren und nicht zuletzt auch als Dozent und vielsprachiger «Flying Teacher» rund um den Erdball sowie als pragmatischer Macher von Nägeln mit Köpfen in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten, unter anderem als feuriger Promoter des Neubaus des Zürcher Kinderspitals. Fredi M. Murer: einer der ganz Grossen des Schweizer Films. Vorwort – Fredi M. Murer
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Kurz: Martin Meuli ist eine landesweit hochgeschätzte und weltweit gefragte Autorität seines Fachs, der während seiner manchmal sehr langen OPs mit seiner vielköpfigen, hellgrün vermummten Crew klassisch-romantisches Liedgut zu singen pflegt, wie zum Beispiel: «Throw out the lifeline», «Wenn ich ein Vöglein wär», «Der Mond ist aufgegangen» oder «Über allen Gipfeln ist Ruh». Wen wunderts da, dass der damalige Medizinstudent ernsthaft damit liebäugelte, sein Studium mit dem eines Opernsängers zu vertauschen. Und diese Absicht setzte er, parallel zum Sezieren, sogar in die Praxis um und studierte 4 Jahre lang Gesang bei Else Seyfert in Konstanz. Seine liebsten Rollen waren übrigens die des Rodolfo in Puccinis «La Bohème» sowie des Tamino in Mozarts «Zauberflöte». Weshalb der angehende Tenor sich letzten Endes dennoch fürs Skalpell entschieden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber seine damaligen Lieblingsrollen singt er auch heute noch mit beachtlichem Tonumfang und gravitätischem Bauchgefühl. So sind es denn auch eher die schönen Künste, die uns freundschaftlich verbinden, sowie unser unübersehbares Faible, lukullisch-bacchantischen Verführungen nicht widerstehen zu können. Als «amuse bouche» unseres letzten gemeinsamen Mahls ist mir das Spiegelei mit schwarzen Trüffeln noch in bester Erinnerung. Was wir noch zusätzlich teilen, ist eine gewisse Neigung und Leidenschaft, selber Regie zu führen. Jahr für Jahr, wenns rundum zu weihnachten beginnt, vertauscht Martin Meuli seine grüne Berufsbekleidung mit einem blauen Overall. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Chirurgie-Guru ins Fach des Regie-Guru gewechselt hat, dank dem sein eingeschworenes Ensemble während einiger Wochen in den Genuss kommen wird, nach seiner Pfeife tanzen zu dürfen.
Anzufügen wäre hier noch, dass in Meulis grandios-opulenten Gesamtkunstwerken nebst musischen Talenten der Kispi-Familie auch zahlreiche externe, teils prominente Figuren auftreten, angefangen bei Flugpionier Bertrand Piccard und Teo Gheorghiu, dem Pianowunderkind aus dem Film «Vitus», über das «Blaue Wunder» Ernst Bromeis, den Kultur- und Literatur experten Iso Camartin und den 100-köpfigen Zürcher Bach Chor bis zu Bruno Ganz, der unter dem Titel «GANZPERSÖNLICH» ganz allein mit vier Hornisten in Meulis aus Kerzenhäusern aufgebauten Stadt sitzt und Liebesgeschichten von Robert Walser vorliest. Zuletzt gab sich sogar der berühmte Philosoph Peter Sloterdijk die Ehre und interpretierte – weissgeschminkt, von einem imposanten Hochsitz aus – zusammen mit dem goldenen kleinen Prinzen Quirin Agrippi (dem Geissenpeter im jüngsten Heidi-Film) Kernaussagen aus Saint-Exupérys «Le Petit Prince», Fuchsauftritt, Cembaloklänge aus der Wüste und Vulkanausbrüche inklusive. Ebenso vielschichtig durchmischt ist auch sein Publikum, bestehend aus Mitarbeitenden des Kispi, Mitgliedern des Stiftungsrates, Exponenten der Medizinischen Fakultät, der Universität und der Zürcher Gesundheitsdirektion, sowie zugewandten Orten und seinem immensen Freundeskreis, ein Publikum, das gespannt darauf wartet, dass endlich die Vorstellung beginnt. Womit ich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende meines Blattes angelangt wäre und Ihnen die erfreuliche Nachricht überbringen kann, dass der Hauptdarsteller des hochaktuellen Non-Fiction-Stücks «Operation am Ungeborenen» inzwischen angekommen ist und hinter dem roten Vorhang im blauen Overall auf Sie wartet. Als Maulwurf bleibt mir Ihnen nur noch zu sagen: Das Beste kommt noch!
Ort der Handlung ist jeweils der Hörsaal des Kinderspitals, einmal war es ausnahmsweise das nahe Hallenbad Bungertwies. Was ursprünglich unter dem Begriff «Weihnachtsvorlesung» als besinnliche Feier z. B. mit einem Referat und Cellosuiten im Kerzenlicht über die Bühne ging, gehört seit Meulis Übernahme der Intendanz dieses traditionellen Anlasses definitiv der Vergangenheit an. In seinen eigenen Worten klingt dies so: «Und jetzt, unter meiner ‹Regie›, wurde diese oft sehr tiefgehende Schlichtheit auf dem Altar barocker Üppigkeit geopfert, und das Ganze ist nun mehr ein collageartiges Gesamtkunstwerk mit Wort, Musik, Bühnenbildern, Lichteffekten, Installationen, Feuerwerken und Schrägismen aller Art. Sogar lebenden Viechern: Esel, Rind, Schaf, Kamel, Fuchs und Pythonschlange haben schon hier gastiert. Und dann und wann auch eine Prise Dada, Blabla und Gaga.» 10
Operation am Ungeborenen
Fredi M. Murer
Vorwort – Fredi M. Murer
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Kurz: Martin Meuli ist eine landesweit hochgeschätzte und weltweit gefragte Autorität seines Fachs, der während seiner manchmal sehr langen OPs mit seiner vielköpfigen, hellgrün vermummten Crew klassisch-romantisches Liedgut zu singen pflegt, wie zum Beispiel: «Throw out the lifeline», «Wenn ich ein Vöglein wär», «Der Mond ist aufgegangen» oder «Über allen Gipfeln ist Ruh». Wen wunderts da, dass der damalige Medizinstudent ernsthaft damit liebäugelte, sein Studium mit dem eines Opernsängers zu vertauschen. Und diese Absicht setzte er, parallel zum Sezieren, sogar in die Praxis um und studierte 4 Jahre lang Gesang bei Else Seyfert in Konstanz. Seine liebsten Rollen waren übrigens die des Rodolfo in Puccinis «La Bohème» sowie des Tamino in Mozarts «Zauberflöte». Weshalb der angehende Tenor sich letzten Endes dennoch fürs Skalpell entschieden hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber seine damaligen Lieblingsrollen singt er auch heute noch mit beachtlichem Tonumfang und gravitätischem Bauchgefühl. So sind es denn auch eher die schönen Künste, die uns freundschaftlich verbinden, sowie unser unübersehbares Faible, lukullisch-bacchantischen Verführungen nicht widerstehen zu können. Als «amuse bouche» unseres letzten gemeinsamen Mahls ist mir das Spiegelei mit schwarzen Trüffeln noch in bester Erinnerung. Was wir noch zusätzlich teilen, ist eine gewisse Neigung und Leidenschaft, selber Regie zu führen. Jahr für Jahr, wenns rundum zu weihnachten beginnt, vertauscht Martin Meuli seine grüne Berufsbekleidung mit einem blauen Overall. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Chirurgie-Guru ins Fach des Regie-Guru gewechselt hat, dank dem sein eingeschworenes Ensemble während einiger Wochen in den Genuss kommen wird, nach seiner Pfeife tanzen zu dürfen.
Anzufügen wäre hier noch, dass in Meulis grandios-opulenten Gesamtkunstwerken nebst musischen Talenten der Kispi-Familie auch zahlreiche externe, teils prominente Figuren auftreten, angefangen bei Flugpionier Bertrand Piccard und Teo Gheorghiu, dem Pianowunderkind aus dem Film «Vitus», über das «Blaue Wunder» Ernst Bromeis, den Kultur- und Literatur experten Iso Camartin und den 100-köpfigen Zürcher Bach Chor bis zu Bruno Ganz, der unter dem Titel «GANZPERSÖNLICH» ganz allein mit vier Hornisten in Meulis aus Kerzenhäusern aufgebauten Stadt sitzt und Liebesgeschichten von Robert Walser vorliest. Zuletzt gab sich sogar der berühmte Philosoph Peter Sloterdijk die Ehre und interpretierte – weissgeschminkt, von einem imposanten Hochsitz aus – zusammen mit dem goldenen kleinen Prinzen Quirin Agrippi (dem Geissenpeter im jüngsten Heidi-Film) Kernaussagen aus Saint-Exupérys «Le Petit Prince», Fuchsauftritt, Cembaloklänge aus der Wüste und Vulkanausbrüche inklusive. Ebenso vielschichtig durchmischt ist auch sein Publikum, bestehend aus Mitarbeitenden des Kispi, Mitgliedern des Stiftungsrates, Exponenten der Medizinischen Fakultät, der Universität und der Zürcher Gesundheitsdirektion, sowie zugewandten Orten und seinem immensen Freundeskreis, ein Publikum, das gespannt darauf wartet, dass endlich die Vorstellung beginnt. Womit ich, liebe Leserinnen und Leser, am Ende meines Blattes angelangt wäre und Ihnen die erfreuliche Nachricht überbringen kann, dass der Hauptdarsteller des hochaktuellen Non-Fiction-Stücks «Operation am Ungeborenen» inzwischen angekommen ist und hinter dem roten Vorhang im blauen Overall auf Sie wartet. Als Maulwurf bleibt mir Ihnen nur noch zu sagen: Das Beste kommt noch!
Ort der Handlung ist jeweils der Hörsaal des Kinderspitals, einmal war es ausnahmsweise das nahe Hallenbad Bungertwies. Was ursprünglich unter dem Begriff «Weihnachtsvorlesung» als besinnliche Feier z. B. mit einem Referat und Cellosuiten im Kerzenlicht über die Bühne ging, gehört seit Meulis Übernahme der Intendanz dieses traditionellen Anlasses definitiv der Vergangenheit an. In seinen eigenen Worten klingt dies so: «Und jetzt, unter meiner ‹Regie›, wurde diese oft sehr tiefgehende Schlichtheit auf dem Altar barocker Üppigkeit geopfert, und das Ganze ist nun mehr ein collageartiges Gesamtkunstwerk mit Wort, Musik, Bühnenbildern, Lichteffekten, Installationen, Feuerwerken und Schrägismen aller Art. Sogar lebenden Viechern: Esel, Rind, Schaf, Kamel, Fuchs und Pythonschlange haben schon hier gastiert. Und dann und wann auch eine Prise Dada, Blabla und Gaga.» 10
Operation am Ungeborenen
Fredi M. Murer
Vorwort – Fredi M. Murer
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PROFESSOR DR. MED. MARTIN MEULI – ARZT, SÄNGER UND GESAMTKUNSTWERK
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PROFESSOR DR. MED. MARTIN MEULI – ARZT, SÄNGER UND GESAMTKUNSTWERK
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ERSTE BEGEGNUNG Von Peter Rothenbühler
Der erste Eindruck: Der Mann ist herzlich, neugierig und stets den anderen Menschen zugewandt. Typ charismatischer Südländer, rundlich, aber nicht klein, grosser Kopf, Augen wie Scheinwerfer, stets gut gelaunt, ein Energiebündel. Kinder dürften vor diesem Kinderarzt keine Angst haben, zu sehr gleicht er einem knuffigen Teddybär. Wir treffen uns zum ersten Mal im Restaurant Du Théâtre in Zürich, bei einem Apéro, kurz vor der Circus-Knie-Gala zugunsten des Kinderarztes Dr. Beat Richner und seiner Kinderspitäler in Kambodscha, und kommen, das Glas in der Hand, sofort ins Gespräch, sprechen spontan über vieles, auch über Pädiatrie und Kinderchirurgie. Ich stelle eine Frage: «Ich habe eine Bekannte, die Medizin studiert, gerne in die Pädiatrie ginge, aber auch von Chirurgie angezogen ist. Was würden Sie ihr empfehlen?» «Also, wenn sie die Wahl hat, dann die Kombination von beidem. Kinderchirurgie, das ist am spannendsten», sagt er. «Aber», ergänzt spontan seine Frau Claudia, die neben ihm steht, ebenfalls Professorin, Spezialistin für Plastische und Handchirurgie, «das ist nicht einfach zu vereinbaren mit einer Familie, mit Kindern. Chirurgen sind Handwerker, die dauernd operieren müssen, weil sie ihr Handwerk perfektionieren müssen.» Die beiden sind vielbeschäftigte Ärzte ohne eigene Kinder, seit 1984 verheiratet. Das zweite Mal sehen wir uns im Büro von Professor Meuli, im dritten Stock einer älteren Villa, Dependance des Kinderspitals Zürich. Ich schaue mich um und denke: Kinderspitäler sind auf der ganzen Welt weniger luxuriös ausgestattet als Spitäler für Erwachsene. Grund unseres Gesprächs: Meuli hat eine Anfrage des Buchverlags Werd & Weber zu einer Biographie positiv beantwortet. Einverstanden, berichtete er nach einiger Überlegung, er mache gerne ein Buch über seine Tätigkeit, aber er wolle alle Aspekte berücksichtigt haben, nicht nur technische – auch die Nachwuchsförderung, die Rolle der Frauen in der Kinderchirurgie, ethische Fragen, Forschung und Martin Meuli mit einem gerade eben geborenen Kind, das eine vorgeburtliche Spina-bifida-Operation hatte.
Foto: Adrian Aellig
Erste Begegnung – Peter Rothenbühler
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ERSTE BEGEGNUNG Von Peter Rothenbühler
Der erste Eindruck: Der Mann ist herzlich, neugierig und stets den anderen Menschen zugewandt. Typ charismatischer Südländer, rundlich, aber nicht klein, grosser Kopf, Augen wie Scheinwerfer, stets gut gelaunt, ein Energiebündel. Kinder dürften vor diesem Kinderarzt keine Angst haben, zu sehr gleicht er einem knuffigen Teddybär. Wir treffen uns zum ersten Mal im Restaurant Du Théâtre in Zürich, bei einem Apéro, kurz vor der Circus-Knie-Gala zugunsten des Kinderarztes Dr. Beat Richner und seiner Kinderspitäler in Kambodscha, und kommen, das Glas in der Hand, sofort ins Gespräch, sprechen spontan über vieles, auch über Pädiatrie und Kinderchirurgie. Ich stelle eine Frage: «Ich habe eine Bekannte, die Medizin studiert, gerne in die Pädiatrie ginge, aber auch von Chirurgie angezogen ist. Was würden Sie ihr empfehlen?» «Also, wenn sie die Wahl hat, dann die Kombination von beidem. Kinderchirurgie, das ist am spannendsten», sagt er. «Aber», ergänzt spontan seine Frau Claudia, die neben ihm steht, ebenfalls Professorin, Spezialistin für Plastische und Handchirurgie, «das ist nicht einfach zu vereinbaren mit einer Familie, mit Kindern. Chirurgen sind Handwerker, die dauernd operieren müssen, weil sie ihr Handwerk perfektionieren müssen.» Die beiden sind vielbeschäftigte Ärzte ohne eigene Kinder, seit 1984 verheiratet. Das zweite Mal sehen wir uns im Büro von Professor Meuli, im dritten Stock einer älteren Villa, Dependance des Kinderspitals Zürich. Ich schaue mich um und denke: Kinderspitäler sind auf der ganzen Welt weniger luxuriös ausgestattet als Spitäler für Erwachsene. Grund unseres Gesprächs: Meuli hat eine Anfrage des Buchverlags Werd & Weber zu einer Biographie positiv beantwortet. Einverstanden, berichtete er nach einiger Überlegung, er mache gerne ein Buch über seine Tätigkeit, aber er wolle alle Aspekte berücksichtigt haben, nicht nur technische – auch die Nachwuchsförderung, die Rolle der Frauen in der Kinderchirurgie, ethische Fragen, Forschung und Martin Meuli mit einem gerade eben geborenen Kind, das eine vorgeburtliche Spina-bifida-Operation hatte.
Foto: Adrian Aellig
Erste Begegnung – Peter Rothenbühler
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Innovation, seine Passionen, seine Herkunft und vor allem seine Freunde aus Kultur und Gesellschaft sollten im Buch vorkommen. Und natürlich die Geschichten einzelner Patienten. Wir haben um fünf abgemacht, Meuli kommt um zwanzig nach, ist die Holztreppe über drei Etagen zu Fuss raufgeeilt. Er nehme nur abwärts den Lift, haucht er leicht ausser Atem, und setzt sich zu uns an den Tisch. Ich denke, der kommt direkt von einer Operation. Falsch geraten: Er war an einer Vorbereitungssitzung für die Personalfeier für Kispi-Mitarbeiter mit Partnern, diesmal im Circus Knie. Das Kispi hat die ganze Vorstellung gekauft. Es wird ein reichhaltiges Essen und Getränke geben, Meuli wird einen Requisiteur spielen, in der schwarz-roten Uniform der Knie-Mitarbeiter, «die immer dann in der Manege auftreten, wenn das Licht ausgeht» (wie der Stallmeister zu sagen pflegt). Weil zufällig acht Mitarbeiter Geburtstag haben, wird er mit der ganzen Belegschaft (ca. 2200 Personen inklusive Partner) «Happy Birthday» anstimmen. Dann «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» und diverse andere Songs. «Ich muss Pferdeäpfel zusammenlesen und später das ganze Kinderspital dirigieren, das Happy Birthday singt», lacht er und freut sich wie ein Kind auf den Auftritt. Meuli ist ein verhinderter Theatermann, das merkt man sofort. Zweieinhalb Stunden später sitzen wir immer noch am langen Holztisch seines ebenso modernen wie schlichten Büros mit Balkon, Ausblick auf die Stadt, Gummibaum und zwei Kunstwerken, die dem Raum einen avantgardistischen Touch geben. Eine Skulptur besteht aus zwei Stühlen, von denen bunte Strickware hängt. Das andere Kunstwerk ist eine alte Gabel (forcola) aus dem Heck einer venezianischen Gondel, in die der Gondoliere seinen Riemen (remo) legt, um zu steuern und vorwärts zu kommen. Eigentlich einfach eine schöne Skulptur, die Meuli bei einem der zwei noch existierenden Hersteller in Venedig erstanden und mit zwei Pfauenfedern geschmückt hat.
ER WOLLTE EIGENTLICH SÄNGER WERDEN «Der Ruderer muss die Gondel mit seinem langen Ruder sicher durchs Wasser führen. Ich sehe mich als Chef in der Rolle dieses Ruderers und Steuermanns», sagt der Chefarzt, der ein Team von über 100 Mitarbeitern führen muss. Kathrin Stalder und ihre Basler Strickfrauen haben nach einer Aeschbacher-Sendung, in der sowohl sie als auch Martin Meuli auftraten, beschlossen, jetzt auch einmal einen Chirurgen «einzustricken»: hier das Resultat. Foto: Adrian Aellig
Erste Begegnung – Peter Rothenbühler
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Innovation, seine Passionen, seine Herkunft und vor allem seine Freunde aus Kultur und Gesellschaft sollten im Buch vorkommen. Und natürlich die Geschichten einzelner Patienten. Wir haben um fünf abgemacht, Meuli kommt um zwanzig nach, ist die Holztreppe über drei Etagen zu Fuss raufgeeilt. Er nehme nur abwärts den Lift, haucht er leicht ausser Atem, und setzt sich zu uns an den Tisch. Ich denke, der kommt direkt von einer Operation. Falsch geraten: Er war an einer Vorbereitungssitzung für die Personalfeier für Kispi-Mitarbeiter mit Partnern, diesmal im Circus Knie. Das Kispi hat die ganze Vorstellung gekauft. Es wird ein reichhaltiges Essen und Getränke geben, Meuli wird einen Requisiteur spielen, in der schwarz-roten Uniform der Knie-Mitarbeiter, «die immer dann in der Manege auftreten, wenn das Licht ausgeht» (wie der Stallmeister zu sagen pflegt). Weil zufällig acht Mitarbeiter Geburtstag haben, wird er mit der ganzen Belegschaft (ca. 2200 Personen inklusive Partner) «Happy Birthday» anstimmen. Dann «Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt» und diverse andere Songs. «Ich muss Pferdeäpfel zusammenlesen und später das ganze Kinderspital dirigieren, das Happy Birthday singt», lacht er und freut sich wie ein Kind auf den Auftritt. Meuli ist ein verhinderter Theatermann, das merkt man sofort. Zweieinhalb Stunden später sitzen wir immer noch am langen Holztisch seines ebenso modernen wie schlichten Büros mit Balkon, Ausblick auf die Stadt, Gummibaum und zwei Kunstwerken, die dem Raum einen avantgardistischen Touch geben. Eine Skulptur besteht aus zwei Stühlen, von denen bunte Strickware hängt. Das andere Kunstwerk ist eine alte Gabel (forcola) aus dem Heck einer venezianischen Gondel, in die der Gondoliere seinen Riemen (remo) legt, um zu steuern und vorwärts zu kommen. Eigentlich einfach eine schöne Skulptur, die Meuli bei einem der zwei noch existierenden Hersteller in Venedig erstanden und mit zwei Pfauenfedern geschmückt hat.
ER WOLLTE EIGENTLICH SÄNGER WERDEN «Der Ruderer muss die Gondel mit seinem langen Ruder sicher durchs Wasser führen. Ich sehe mich als Chef in der Rolle dieses Ruderers und Steuermanns», sagt der Chefarzt, der ein Team von über 100 Mitarbeitern führen muss. Kathrin Stalder und ihre Basler Strickfrauen haben nach einer Aeschbacher-Sendung, in der sowohl sie als auch Martin Meuli auftraten, beschlossen, jetzt auch einmal einen Chirurgen «einzustricken»: hier das Resultat. Foto: Adrian Aellig
Erste Begegnung – Peter Rothenbühler
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