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ANDREA FISCHBACHER: LIEBLINGSORTE – DÖLF OGI IM WILDROMANTISCHEN GASTERETAL (Kurzvorschau)

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ANDREA FISCHBACHER Bergführersohn und Magistrat Adolf Ogi zeigt in diesem Buch seinen Lieblingsort, sein Krafttal, seine ganz persönli­ chen Rückzugsplätze. Begleitet und interviewt von der Kraftorteforscherin Dr. Andrea Fischbacher, lässt er Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, teilhaben an der Wild­ heit eines schützenswerten Naturjuwels. Hier liegt auch die Kristallhöhle, in der noch heute von der Familie Ogi ge­s trahlt wird. Natürlich bleibt der Standort der verborgenen Kristallklüfte geheim. Nicht geheim, vielmehr üppig und schützenswert sind die Naturschätze des Tals. Lernen Sie die romantischen Orte kennen und helfen Sie aktiv mit, diese zu schützen.

LIEBLINGSORTE DÖLF OGI

EIN ZAUBER LIEGT ÜBER DEM GASTERETAL

ANDREA FISCHBACHER

LIEBLINGSORTE

DÖLF

OGI IM WILDROMANTISCHEN GASTERETAL

neutral Drucksache No. 01-12-409142 – www.myclimate.org © myclimate – The Climate Protection Partnership

ISBN 978-3-03818-262-7 Werd & Weber Verlag AG CH-3645 Thun/Gwatt www.werdverlag.ch

RZ_Fischbacher_Ogi_Lieblingsorte_Umschlag_RZ.indd Alle Seiten

CHF 3.– PRO VERKAUFTES BUCH GEHEN AN DIE STIFTUNG «FREUDE HERRSCHT!».

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ANDREA FISCHBACHER

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OGI IM WILDROMANTISCHEN GASTERETAL

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« MEINE LIEBLINGSPLÄTZE SIND INSELN IM ALLTAG; SIE ERMÖGLICHEN MIR, DINGE ANDERS ZU SEHEN.

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Adolf Ogi, alt Bundesrat

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6 GRUSSBOTSCHAFT von Barbara Jost, Gemeindepräsidentin von Kandersteg

8 VORWORT von Adolf Ogi, alt Bundesrat

10 EIN ZAUBER LIEGT ÜBER DEM GASTERETAL Einleitung

12 WANDERN UND ENTSPANNEN mit Adolf Ogi

16 ADOLF OGI – Bergführersohn oder Magistrat?

20 LIEBLINGSPLÄTZE und deren Schutz

26 BESUCHE DER MÄCHTIGEN im Gasteretal

31 SPAZIERGÄNGE UND WANDERUNGEN zu den Lieblingsplätzen in und um Gastere

193 GESPRÄCHE ÜBER ADOLF OGI UND SEIN GASTERETAL Im Gespräch mit Steinexperte und Cousin Hermann Ogi 194 Im Gespräch mit Christian Künzi, dem dorfältesten Seldener 200 Im Gespräch mit Hansueli Rauber, dem Präsidenten der Bäuert Gasteretal 206 Geniessen und Übernachten im Gasteretal 210 Im Gespräch mit Passant*innen 214 Dank der Autorin 217

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GRUSSBOTSCHAFT VON BARBARA JOST, GEMEINDEPRÄSIDENTIN VON KANDERSTEG Mark Twain schrieb 1878 über Kandersteg: «Der Geist des Ortes verbreitete das Gefühl tiefen, erfüllenden Friedens …» Es ist dieser erfüllende Frieden, der manchmal schwer zu beschreiben ist, den wir bereichernd an unseren Kraftorten spüren. Das Gasteretal strahlt als Kraftort genau diesen Frieden aus. Dieses eindrucksvolle Tal gehört zur Gemeinde Kandersteg. Während der Wintermonate ist das Tal nicht zugänglich und von der Aussenwelt abgeschnitten; die Natur hat ihre Ruhe. Sobald der Schnee im Frühling geschmolzen ist, erreicht man das Gasteretal entweder zu Fuss oder über das einspurige Strässchen. Auf dem flachen Talboden sucht sich die Kander ihren Weg. Auf dieser Weite findet man Alpenblumen in endloser Zahl. Aus den schroffen Felswänden entspringen unzählige Wasserfälle. Der Blick schweift über all diese Geschenke der Natur und findet Ruhe. Kraftorte wahrzunehmen bedingt die Bereitschaft, sich auf ein Gegenüber, auf die Natur, einzulassen. Wer das kann, kann auch die Kraft in sich aufnehmen. Unser Ehrenbürger Adolf Ogi hat es immer verstanden, die Kraft, die ihm die Umgebung hier in Kandersteg schenkt, in sich aufzunehmen. Was «Dölf» aber bestens kann, ist diese Kraft weiterzugeben und die Menschen, die ihm begegnen, daran teilhaben zu lassen. Das macht ihn ganz besonders. Ich lade Sie ein und wünsche Ihnen, dass auch Sie die Kraft im Gasteretal spüren und erleben dürfen, dass Sie die Lieblingsplätze von Dölf Ogi erkunden und viele unvergessliche Stunden in unserer einzigartigen und kraftvollen Umgebung geniessen können. Barbara Jost, Gemeindepräsidentin von Kandersteg

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VORWORT VON ADOLF OGI, ALT BUNDESRAT Das Gasteretal als Naturlandschaft von grosser Ursprünglichkeit und sein Schutz liegen mir ganz besonders am Herzen, denn das Bergtal ist nicht nur einmalig schön, es ist auch die Heimat meiner Familie. Die Vorfahren meiner Grossmutter (*1877) bewohnten bis 1820 das Gasteretal ganzjährig, bevor ein Bäuert-Beschluss die Wohnungsnahme im Winter untersagte. Einfach war dieses Leben bestimmt nicht, trotzdem wird es ein gutes gewesen sein, die tiefe Ruhe und Schönheit der unberührten Natur haben die Menschen für gar manches entschädigt. Für mich sind es diese Ruhe und die grandiose Naturschönheit und das Wissen, von hier zu stammen, hierher zu gehören, die mich immer wieder ins Tal ziehen. Durch mein Begleiten der spannenden Arbeiten am vorliegenden Buch ist mir zudem klar geworden, dass die vermeintlich reine Naturlandschaft des Gasteretals durch das Leben und Wirken der Ahnen bereits sehr früh ebenfalls Kulturlandschaft geworden ist. Und dies, auch wenn ich die Kulturspuren nicht mehr überall sehen kann. Ich denke dabei etwa an den speziellen Steinblock auf der Alp Schönbühl (siehe Bild) oder an den schnurgeraden Weg über die Weiden der Spittelmatte bei Sunnbüel. Weder dem Erratiker mit seiner Vertiefung noch dem schnurgeraden Wiesenweg sieht man es an, dass sie vor langer Zeit die Schnittstelle Natur-Kultur überschritten haben und durch den Gebrauch der damaligen Menschen zu Kulturgut geworden sind. Die alten Kulturgüter werden mehr und mehr von der Natur wieder zurückerobert. Faszinierend ist, dass sie dabei ihre kulturelle Ausstrahlung beibehalten und die Umgebung damit auch weiterhin prägen, auch wenn ihre einstmaligen Verwendungszwecke in Vergessenheit geraten sind.

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Damit sagen sie aus, dass wir Menschen uns auf dem Berg der Geschichte bewegen, den wir antreffen, und das, ob wir ihn kennen oder nicht. Was vor uns war, wirkt weiter, nicht nur in unserem Denken, in unserer Werthaltung, sondern auch auf der Natur-Kultur-Ebene, die unseren Alltag prägt und der wir genau so wenig ausweichen können wie den Gesinnungen einer Gesellschaft. Diese Erkenntnis stärkt mich in der Wahrnehmung meiner Identität. Im Bundesrat wurde mir vorgeworfen, ich sei Skilehrer. Klar war ich Skilehrer und dazu ein rechter! Ich war aber ebenso und vor allem Bundesrat und Bergführersohn, und heute weiss ich, dass sich diese drei Pole nicht ausschliessen, vielmehr beweisen sie eine Stärke, auf die ich stolz sein darf.

Adolf Ogi, alt Bundesrat

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EIN ZAUBER LIEGT ÜBER DEM GASTERETAL Gehören auch Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, zur überwältigenden Mehrheit unter den Schweizer Bürgerinnen und Bürgern, die ihren langjährigen Bundesrat und zweimaligen Bundespräsidenten Adolf Ogi schätzen und für sein weitsichtiges Denken und couragiertes Handeln auch Jahre nach seinem Rücktritt nach wie vor bewundern? Viele Magistraten verschwinden nach Amtsende im diffusen Raum des kollektiven Erinnerns oder Beinah-Erinnerns. Nicht so Dölf Ogi, dessen Beliebtheitskurve immer wieder von Neuem ihren Höhepunkt umschmeichelt. Als Bürgerin interessierte mich der Magistrat Adolf Ogi, seine langjährige Rolle des Landesvorstandes. Als Kraft- und Kulturort-Forscherin wollte ich Adolf Ogi als den kraftvollen Menschen, der er ist, kennen lernen. Liegt seine Kraft einfach in seinen Genen oder ist da noch mehr? In Interviews bezeichnet er das Gasteretal ob Kandersteg gerne als sein ganz persönliches Lieblings- und Krafttal und die Lieblingsplätze, die er dort aufsucht, als seine Kraft- und Entspannungsorte. Diese wollte, ja musste ich kennen lernen.

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Und so liess ich mir von Adolf Ogi sein Krafttal und eine Fülle seiner Lieblingsplätze zeigen. Ich wollte ihn und die Orte gemeinsam mit ihm sehen, spüren, erleben. Und ich kam auf meine Rechnung. Was gibt es Besseres, als in guter Gesellschaft an den wunderbarsten Orten mitten in der eigenen Heimat unterwegs zu sein? Denn warum in die Ferne schweifen, fragte schon Goethe, der es dann doch nicht lassen konnte, von Weimar über die Schweizer Pässe und 1779 ins für ihn so ferne Lauterbrunnental zu reisen. Was er dort gefunden hat, hat ihn genauso begeistert, wie Dölf Ogi und mich die Naturphänomene im Gasteretal begeisterten, und ich versichere Ihnen, es wird Ihnen ebenso ergehen. Machen Sie sich auf den Weg. Wandern Sie an Adolf Ogis Lieblingsplätze und entspannen Sie dort. Und kommen Sie seinem Wunsch nach: helfen Sie mit, die kostbaren Naturjuwele zu schützen. Dr. A. Fischbacher, Forschungsstelle Kraft- & Kulturorte Schweiz

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WANDERN UND ENTSPANNEN MIT ADOLF OGI, ALT BUNDESRAT

Klassifizierung der Wanderungen Spaziergang, kinderfreundlich: T1 Seite 36: Kandersteg – Öschiwald, ideale Regenvariante Seite 50: Zum Kandersteger Muggenseeli, ideale Regenvariante Seite 114: Vom Sunnbüel um die Arvenseeli mit Brätel-Spass; Option: Gemmipass (T2) Seite 156: Streifzüge durchs Gastereholz Seite 180: Spaziergang im Naturpark Blausee Wanderung: T1 und T2 Seite 64: Durchs wildromantische Gasteretal von Kandersteg nach Selden Seite 84: Von Selden via Gfelalp auf das Schönbüel, Option: Lötschenpass, Lauchernalp Seite 100: Ins Quellgebiet der Kander – Selden-Rundweg, Option: Kanderfirn Seite 168: Kander-Wanderung Wanderung: T2 und T3 Seite 132: Schönwettertour vom Waldhaus zur Balmhornhütte für Schwindelfreie Seite 146: Schönwettertour vom Waldhaus über den Gornigel nach Sunnbüel

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Das Buch stellt Wanderungen zu einigen persönlichen Lieblingsplätzen von alt Bundesrat Adolf Ogi in seinem geliebten Gasteretal vor. Alle Plätze liegen im und ums wildromantische Tal, das aus einer solchen Fülle von herrlichen Natur- und Kulturlandschaften besteht, dass es für Dölf Ogi eher der Qual der Wahl glich, sich für einige der besonderen Plätze zu entscheiden. Es gäbe noch so viele, die er gerne vorstellen möchte. Um das Buch als Wander- und nicht als Bergsteigerbuch zu gestalten, legten wir den Fokus bewusst auf gut zugängliche Orte mit der innigen Bitte an Sie, diese mit dem nötigen Respekt zu besuchen und sich für den Schutz sensibler Landschaften einzusetzen. Eine Bedingung stellte Dölf Ogi vor Projektbeginn: Nur einige ausgewählte Bilder mit ihm sollen Inhalt sein, das Buch soll die Natur feiern, nicht seine Person. Erreichbar sind Adolf Ogis liebste Plätze auf einem gemütlichen Spaziergang oder auf einer Wanderung von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, Längen und Anforderungen an Ihre Fitness. Von der Begehung des Talwegs bis zum Höhenweg, vom idealen Regenwettermarsch bis zur Trockenwettertour mit ausgesetzten T3-Passagen finden Sie einen spannenden Anforderungsmix. Einige Wanderungen lassen sich verlängern oder abkürzen, ganz nach Ihrem persönlichen Bedarf. Kartenausschnitt und Wanderinformation lassen Sie jeden der beschriebenen Lieblingsplätze finden und mit Ihren eigenen Lieblingsorten vergleichen. Vielleicht erklären Sie gar die neu entdeckten Orte ebenfalls zu Ihren persönlichen Lieblingsplätzen? Und Sie wissen – einen Lieblingsort besucht man immer wieder.

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WANDERN UND ENTSPANNEN MIT ADOLF OGI

Leitidee Haben Sie sich je gefragt, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, weshalb Ihnen gerade dieser oder jener Ort besonders zusagt? Weshalb gerade er Sie stets von Neuem zu begeistern vermag? Es zieht Sie immer wieder hierher. Weshalb kommen Sie? Was genau machen Sie hier? Gehen Sie gleich, wie Sie gekommen sind? Was macht dieser Ort mit Ihnen? Macht jeder Platz dasselbe oder unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung? Ist die Wirkung zeitabhängig oder immer gleich? Fragen über Fragen, die mir Adolf Ogi an seinen liebsten Orten zu beantworten versuchte. Als Kraft-und-Kulturort-Expertin habe ich festgestellt, dass die Lieblingsplätze vieler Menschen Kraft- und möglicherweise sogar ehemals genutzte Kultorte und damit Kulturorte sind. Natürlich ist das nicht zwingend, aber einen Zufall sehe ich in der Häufung nicht. In der Zeit der Individualisierung, des Übergangs aus dem Rollen- ins Individualleben, des möglichen Endes der bürgerlichen Gesellschaft, interessiert es mich, weshalb gerade prominente Menschen wie alt Bundesrat Adolf Ogi, die dank ihrer Rolle in der breiten Öffentlichkeit bekannt und beliebt waren, sind und sein werden, sich zu überlieferten Kulturorten hingezogen fühlen. Wo stehen Menschen wie er in ihrem persönlichen Individualisierungsprozess? Was findet er an Plätzen früher kultureller Normierung? Festigte er hier seine Rolle, die sich, typisch für unsere Zeit, aufzulösen drohte, oder gab ihm der historische Raum im Gegenteil die Möglichkeit, seine Rolle abzustreifen wie einen Kokon und als Individuum weiterzugehen? Um Antworten auf diese hochaktuellen Fragen zu finden, habe ich mich zusammen mit Adolf Ogi auf den Weg gemacht. Für das vorliegende Buch wanderte ich mit dem charismatischen Bergführersohn und alt Bundesrat ins Gasteretal ob Kandersteg. Was wir gemeinsam gefunden und herausgefunden haben, ist erhellend und spannend. Lesen Sie selbst. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und viele Aha-Effekte, was Sie selbst anbelangt. Die zusammengestellten Wanderungen lassen sich gut individuell nachwandern. Tun Sie’s.

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ADOLF OGI, BERGFÜHRERSOHN ODER MAGISTRAT? Der bekannte und bis heute geschätzte alt Bundesrat und ehemalige UNO-Sonderbeauftragte für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden wurde am 18. Juli 1942 als Sohn eines Försters, Bergführers, Skilehrers und Gemeindepräsidenten in Kandersteg geboren. Schon früh half er dem Vater bei gewichtigen Aufgaben wie dem Vermessen der Gletscher oder dem Aussetzen von Steinböcken. Stolz zeigt er heute die vielen Narben an den Händen, die er sich bei alltäglichen Arbeiten, etwa dem Holzhacken, zugezogen hat – ohne eine Miene zu verziehen, wie er rückblickend versichert. Hier in Kandersteg absolvierte er die Grundschule und erwarb, bevor er in London die Swiss Mercantile School besuchte, in La Neuveville das Handelsdiplom der Ecole supérieure de commerce. Daher stammen auch die Französischkenntnisse, die ihm später immer wieder gute Dienste leisteten. Er erzählt, wie er sich zum Lernen motiviert habe, indem er sich vor Augen geführt, wie oft der Vater mit Gästen die Blüemlisalp besteigen musste, um das Schulgeld und die Pension für ihn, den Sohn, bereitzustellen. Adolf Ogi ist offenbar schon als ganz junger Mann verantwortungsbewusst gewesen, ein Charakterzug, den wir Schweizerinnen und Schweizer an unserem Bundesrat viele Jahre lang bewundern konnten.

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Ein Hochschulstudium absolvierte der heutige Dr. h. c. mult. und Prof. h.c. nie, was ihn noch immer beschäftigt, da seine Gegner diesen Umstand zielsicher als seine Achillesferse diagnostizierten und unbeirrt als Versäumnis aufbauschten und gegen ihn zu verwenden suchten. Sie warfen ihm vor, trotz seines guten Primarschulzeugnisses habe es ihm offenbar nicht für die Sekundarschule in Frutigen gereicht, was man wegen der Akkusativfehler in seinen Reden, 2333 waren es als Bundesrat, mehr als gut nachvollziehen könne. Darüber hinaus wurde seine direkte, frische Art belächelt, diese Art, die ihm, im Gegensatz etwa zu seinen Kontrahenten, eine nachhaltige Beliebtheit eingebracht hat. Ogi: «Ich wurde nicht vom Hörsaal in den Ratssaal (National- und Bundesrat) ‹gespült›!» Adolf Ogi ist verheiratet und Vater einer Tochter. Sein Sohn ist 2009 verstorben, was für den Vater noch heute eine schwere Prüfung darstellt. Im Andenken an den Sohn wurde die Stiftung «Freude herrscht» gegründet. Sie unterstützt Bewegungs- und Sportprojekte für Kinder und Jugendliche.

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ADOLF OGI, BERGFÜHRERSOHN ODER MAGISTR AT ?

Der berufliche Weg führte Adolf Ogi, den Vater der Neat, wie er gerne genannt wird, zuerst in den Bereich von Tourismus und Sport. Er war Direktor des Schweizerischen Skiverbands (SSV), arbeitete für die Fédération Internationale de Ski (FIS) und präsidierte das Kandidaturkomitee für die Olympischen Winterspiele «Sion 2006». Dass der ehemalige Präsident und Bataillonskommandant von Gebirgsfüsilieren nicht einfach nur präsidierte und kommandierte, sondern schon früh aktiv Sport betrieb, merkt man, wenn man mit ihm unterwegs ist. Denkt man, der Wanderpartner werde bei zügigem Tempo ohne grosse Pausen vielleicht irgendwann etwas ruhiger oder gar langsamer, so hat man sich gründlich getäuscht. Mit einem Gemeindepräsidenten als Vater kam Dölf Ogi schon früh mit der Politik in Berührung. Den Vater hat er als Mann der Öffentlichkeit, als aussergewöhnliche und liebenswürdige Persönlichkeit in Erinnerung, die ihm immer wieder den Weg gewiesen habe. In der Politik präsidierte Adolf Ogi die Schweizerische Volkspartei (SVP) von 1983 – 87 als Nationalrat, bevor er am 9. Dezember 1987 in den Bundesrat gewählt wurde, wo er nacheinander dem Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement (EVED), dem Eidgenössischen Militärdepartement (EMD) und dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vorstand. 1993 und 2000 war Adolf Ogi Bundespräsident der Schweiz. Im Dezember 2000 trat er nach 13 Jahren als Bundesrat zurück und war bis 2007 Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und Sonderberater von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und Ban Ki-moon für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden. Daneben bekleidete er weitere Funktionen und erhielt unzählige Ehrungen und Auszeichnungen. Über zwanzig Jahre dauerte seine aktive Zeit als Politiker.

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Was im persönlichen Gespräch auffällt, ist, dass sich der alt Bundesrat auf dem Parkett seiner nationalen und internationalen Wirklichkeit sicher und selbstverständlich bewegt und dass er dabei bescheiden und realitätsnah geblieben ist. Anderen Menschen gegenüber verhält er sich herzlich und offen und dies keineswegs herablassend, sondern auf Augenhöhe. Das macht wohl viel von seinem durchschlagenden Erfolg und seiner Beliebtheit aus. Selbst mit der Tatsache, dass er überall erkannt und angesprochen wird, geht er gelassen um. Es ist ihm weder lästig noch unangenehm, vielmehr nutzt er seine Volksnähe, um die Menschen zu begeistern, zu motivieren. Wofür? Um nur zwei Bereiche zu nennen: für die unsagbar vielen schönen Seiten unseres Landes und für den hohen Wert des Sports als völkerverbindendes Element. Die Titelfrage Bergführersohn oder Magistrat bezeichnet mit ihren unterschiedlichen Begrifflichkeiten gleichsam das Spannungsfeld, dem der alt Bundesrat als einer der populärsten Schweizer Bundesräte während seiner aktiven Zeit ausgesetzt war. Gross war die Rivalität, Vertreter anderer politischer Meinungen nutzten gerne die Tatsache, dass Adolf Ogi kraftvoll und durchtrainiert war, dass er in einem überaus sportlichen Umfeld grossgeworden, dass ihm Herzlichkeit und Begegnungen auf Augenhöhe wichtiger schienen als die allzeit korrekte Akkusativanwendung. Das alles suchten sie gegen ihn zu verwenden. Mit welchen Erfolgen? «Gallensteine», antwortet Ogi. Ansonsten verpufften die Angriffe am Bergführersohn, der er aus Überzeugung war und ist und der kein Entweder-Oder zum Bundesrat darstellte, sondern ein Und. Er war als Bergführersohn selber begeisterter Bergsteiger und Bundesrat, von Anfang bis Ende. Damals erschien das als eine sehr gewagte, ungewohnte Kombination für einen Magistraten, heute läge Dölf Ogi damit voll und ganz im Trend. Mit ihm Spaziergänge und Wanderungen an einige seiner Lieblingsplätze zu unternehmen, war ein Genuss, den dieses Buch an Sie, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, weitergibt. Begeben Sie sich auf Ogis Spuren ins Zentrum unserer Heimat. Hier warten Entschleunigung, Stille und reiche Natur auf Sie. Kommen Sie.

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LIEBLINGSPLÄTZE UND DEREN SCHUTZ «Ein Zauber liegt über dem Gasteretal», sagt Adolf Ogi. «Es ist mein Lieblingstal, bestehend aus Stein und Wasser, Wind und Wetter. Hier wachsen seltene Pflanzen, darunter etwelche Primärpflanzen, und hier wohnen viele bedrohte Tierarten. Die Auenwälder werden immer wieder von der Kander geflutet, aus den senkrecht sich erhebenden Kalkfelsen fallen, stürzen, rieseln Wasserläufe, nach Gewittern und im Frühling sturzbachartig, im Herbst zögerlich. Dasselbe Tal, von dem ich meine, jeden Meter zu kennen, zeigt sich mir bei jedem Besuch wieder anders, manchmal ganz anders. Und immer von Neuem zauberhaft.» Das Gasteretal sei eine wunderbare Naturlandschaft und für ihn ein persönlicher Rückzugsort mit vielen Lieblingsplätzen, meint Adolf Ogi. In seinen Augen stellt das Tal, das aussieht wie ein Grand Canyon, ein Markenzeichen für die Region Kandersteg dar und er ist davon überzeugt, dass die Vielzahl an attraktiven Wander- und Bikerwegen und an heimeligen Berghütten einzigartig ist. Hier wandere, jogge und bike man durch eine der schönsten Berglandschaften und gleichzeitig wandle man auf historischen Spuren. Zum Beispiel von Selden über den Lötschenpass ins Lötschental oder vom Sunnbüel über den Gemmipass nach Leukerbad. Noch vor wenigen hundert Jahren seien das die wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen dem Kanton Bern und dem Wallis gewesen, was möglicherweise den Weitblick der hiesigen Bevölkerung ausmache. «Die Kandersteger», darauf ist Adolf Ogi als Einheimischer sichtlich stolz, «sind keine engstirnigen Bergler. Sie haben schon immer, so auch heute, an den wichtigsten internationalen Transitachsen partizipiert.»

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Veröffentliche er manchmal regionale Wandertipps, erhalte er regelmässig Zuschriften, in denen ihm gesagt werde, dass es auch noch andere Regionen in der Schweiz von grosser Schönheit gebe. Das wisse und hoffe er. Als Kandersteger liebe er aber ganz besonders seine direkte Heimat, zu der er stehe und in der er seine Wurzeln habe. Für ihn persönlich gebe es kaum etwas Schöneres als das wilde Gasteretal. «Atemberaubend ist die Natur, wohin ich hier blicke.»

Aus meiner Heimat schöpfe ich meine Kraft.

Auf die Frage, was er unter Heimat verstehe, antwortet der alt Bundesrat: «Heimat ist eine Herzenssache, Heimat entsteht aus dem Erlebten, aus der Erfahrung. Heimat ist Erinnerung, ein Konglomerat, bestehend aus Landschaft, Erlebnissen und mir selbst. Aus meiner Heimat und aus dem Glauben schöpfe ich immer wieder meine Kraft. Aus diesem Grund tut es mir gut und ist es mir stets von Neuem ein Bedürfnis, meine Lieblingsplätze, meine heimatlichen Brennpunkte aufzusuchen und hier zu verweilen, hier zu entschleunigen. Deshalb – und das gehört für mich untrennbar zum Begriff Heimat – sollen wir, die wir das Privileg geniessen, dieses Tal, diese wundervollen Plätze aufsuchen zu dürfen, sie auch schützen.» Der Schutz unserer Landschaft tue heute not, bekräftigt Adolf Ogi. Er zeige seine Lieblingsplätze mit Stolz und er zeige sie einem aufgeklärten, verantwortungsvollen Publikum, das seine Liebe zur Natur und Kultur teile, das achtsam und sorgfältig mit den Ressourcen umgehe und das die Wildheit und Natürlichkeit des Gasteretals nicht nur genauso liebe wie er, sondern dieses auch genauso schütze wie er, dessen sei er sich sicher.

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LIEBLINGSPL ÄT ZE UND DEREN SCHUT Z

Interview zum Thema Lieblingsplätze Herr alt Bundesrat Ogi, Sie fühlen sich zu besonderen Plätzen hingezogen. Weshalb gehört nebst der Kander, dem Gasteregesicht, Plätzen im Gastereholz zum Beispiel auch der grosse Steinblock auf der Alp Schönbühl über der Gfelalp zur langen Liste Ihrer Lieblingsplätze? Es ist landschaftlich wunderschön hier, auf dem Schönbühl, dem schönen Hügel. Warum ich immer wieder bei diesem Steinblock und nicht bei einem anderen anhalte, kann ich nicht sagen, das ist Intuition. Hier zieht es mich hin, hier setze ich mich jeweils für kurze Zeit und trinke einen Schluck Tee. Danach fühle ich mich bereit für den weiteren Weg. Weshalb vermag dieser Stein Sie stets von Neuem zu begeistern? Könnte es Gewohnheit sein? Das ist eine interessante und schwierige Frage. Da ich eigentlich kein Gewohnheitsmensch bin und nicht einfach das mache, was ich letztes Mal machte, schliesse ich die Vermutung mit der Gewohnheit eher aus. Möglicherweise hat der Platz etwas an sich, das ich aber nicht benennen kann. Etwas wirkt auf mich oder ich wirke auf den Ort? Gibt es das? Was genau machen Sie hier? Sitzen, schauen, Tee trinken. Es sind oft einfach unbeabsichtigte, kontemplative Tätigkeiten. Es ist nicht immer so, dass ich mit einer Absicht hierherkomme, hier etwas Bestimmtes suchen oder erfahren will. Manchmal aber schon, dann suche ich Lösungen, positive Wendungen aus schwierigen Situationen. Was macht dieser Lieblingsplatz mit Ihnen? Wenn ich darüber nachdenke, kann ich sagen, dass es mich entspannt, hier zu sitzen und auf die Alpweide, die Steinblöcke und ins Gasteretal hinunterzuschauen. Und manchmal finde ich eine Idee, eine andere Perspektive. Ich denke keine Probleme, ich denke Lösungen, hier fallen sie mir schneller zu als andernorts, das kann ich sagen.

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Gehen Sie gleich, wie Sie gekommen sind? Ich werde das nächste Mal darauf achten. Ich glaube, ich gehe beschwingter, irgendwie kraftvoller, vielleicht auch zuversichtlicher. Neue Ideen motivieren, stärken, geben auch Selbstvertrauen, an dem es mir zwar nicht mangelt, das ich aber dennoch, wie jedermann, gut gebrauchen kann. Macht jeder dieser Plätze dasselbe oder unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung? Das ist eine Aufgabe, die Sie mir da stellen, das muss ich zuerst ausprobieren, bevor ich das beantworten kann. Gefühlsmässig würde ich sagen, dass ich mich an jedem meiner ausgewählten Plätze besonders gut fühle, dass sich dieses Gefühl aber unterschiedlich zeigt. Nicht jeder Ort fühlt sich gleich an wie der andere. Vielleicht hat es auch mit der Lage zu tun. Um beim Beispiel Schönbühl zu bleiben, stelle ich mir vor, es mache einen Unterschied, ob ich von oben auf ein Tal blicke oder ob ich mitten im Wald sitze. Ich will künftig darauf achten. Ist die Wirkung am selben Ort zeitabhängig oder immer gleich? Hm, das ist schon wieder nicht so einfach zu sagen. Ich denke, der einzelne Platz fühlt sich immer ähnlich an, aber ich selber bin ja nicht immer derselbe, also kann es nicht immer genau dasselbe Gefühl sein, das ich hier empfinde. Es ist mir aber noch nie passiert, dass ich mich an einem der Plätze schlecht oder merkwürdig gefühlt hätte. Es ist immer spannend oder immer beruhigend, je nach Ort, und doch ist es unterschiedlich spannend oder immer wieder etwas anders beruhigend. Man müsste eine Versuchsreihe durchführen, aber die wäre natürlich individuell. Als Kraft-und-Kulturort-Expertin habe ich festgestellt, dass die Lieblingsplätze vieler Menschen Kraft- und möglicherweise sogar ehemals genutzte Kult- und damit Kulturorte sind. Auch bei Ihnen ist das der Fall. In der Zeit des Übergangs aus dem Rollen-

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ins Individualleben, in der wir uns als Gesellschaft befinden, interessiert es mich, weshalb gerade prominente Menschen wie Sie, Adolf Ogi, die dank ihrer Rolle in der breiten Öffentlichkeit bekannt und beliebt sind, sich zu überlieferten Kulturorten hingezogen fühlen. Rollen-Bezeichnungen und Rollen-Verhalten sind uns allen vertraut. Sie markieren gesellschafts-kulturelle Orientierungspunkte und bilden damit ein bürgerliches Koordinatensystem. Die Rolle des Bundesrates erleichterte mir den Umgang mit anderen Rollenträgern, wir wussten, wie wir uns zu verhalten haben. Das war auf der einen Seite ein Segen, auf der anderen schränkten uns die Normierungen aber auch ein. Ich musste, das ist kein Geheimnis, mehr als einmal weinen als Bundesrat. Das durfte ich aber nicht vor versammelter Mannschaft tun, so etwas gehört sich nicht, passt nicht ins Rollenbild, das für individuelle Bedürfnisse wenig Platz lässt. An meinen Lieblingsplätzen weinte ich nie, hier verarbeitete ich, hier baute ich mich wieder auf. Ich bin ein Mensch, der aus Niederlagen das Positive herausschält und schnell wieder nach vorne blickt. An meinen Lieblingsorten konnte ich genau das tun, nach vorne blicken. Wo stehen Menschen wie Sie in ihrem persönlichen Individualisierungsprozess? Ich kann nur für mich antworten und nur auf der Ebene der Einschätzung. Ich spürte mich immer als Individuum, nahm die Rolle, zum Beispiel die des Bundesrats, ernst, versuchte sie auszufüllen. Sie gab mir gerade durch ihre Einschränkungen eine gewisse Sicherheit, die ich nicht hätte missen wollen. Zum Beispiel musste ich mich in meiner Nach-Bundesratszeit zuerst wieder daran gewöhnen, jemandem zu erklären, wer ich bin und warum ich hier bin, hierherkomme. Als Bundesrat wurden mein Kommen und der Zweck meines Besuchs vorgängig angekündigt, ich wurde selbstverständlich erwartet und offiziell willkommen geheissen. Obwohl ich mir sicher war, dies nicht zu brauchen, musste ich mich nach meiner aktiven Zeit als Politiker zuerst daran gewöhnen, dass sich auf der offiziellen Ebene nichts tat. Und da war ich froh, dass ich mich schon immer als selbstbewusstes Individuum gefühlt hatte. Hätte ich die organisierte Aufmerksamkeit zur Stärkung meines Selbst gebraucht, wäre ich nach meinem Rücktritt wohl in ein grosses Loch gefallen.

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Was finden Sie an Plätzen früher kultureller Normierung? Da ich den Platz heute nicht mehr, wie meine Ahnen das taten, normiert erlebe, gibt er mir Raum für meine individuellen Bedürfnisse. Festigten und festigen Sie hier Ihre Rollen, die sich in der heutigen Zeit aufzulösen drohen, oder gibt Ihnen der historische Raum im Gegenteil die Möglichkeit, Ihre Rollen abzustreifen wie einen Kokon und als Individuum weiterzugehen? Minus mal minus gibt plus. Aber wie schon gesagt, erlebe ich die Plätze, die mir lieb geworden sind, nicht als kulturell normierte Orte, sondern als reine Naturorte, von denen ich erst durch die Fragen im Zusammenhang mit diesem Buch davon weiss, dass sie zum Teil schon sehr früh kulturell genutzt wurden. Und so geben sie mir zurück, was ich in sie hineingebe. Arbeite ich daran, eine oder verschiedene meiner Rollen zu festigen, wird das hier in der Ruhe besser möglich sein als andernorts. Arbeite ich daran, eine Rolle abzustreifen, wird auch dies hier besser gelingen als an einem beliebigen anderen Ort. Ich stelle mir meinen Lieblingsplatz als eine Art Spiegel von mir selber vor, der mich und meine Bestrebungen verstärkt, ganz einerlei, ob ich mir dieser Bestrebungen bewusst bin oder ob ich eher absichtslos entschleunige. Wie stellen Sie sich den Schutz Ihrer Lieblingsplätze vor? Wäre es nicht klüger, niemandem von ihnen zu erzählen? Ich verstehe zwar die Überlegung, das wäre für mich aber eine bevormundende Haltung. Damit ginge ich davon aus, ich selber sei zwar aufgeklärt und verantwortungsvoll, andere Menschen jedoch nicht. Im Grunde unseres Herzens sind wir doch alle noch ein wenig Kantianer und durchaus fähig und willens, Verantwortung für etwas zu übernehmen. Indem ich meine Lieblingsplätze bekannt mache, werden sie in ihrer ganzen Bedeutung als wertvolle Orte in einer intakten Landschaft wahrgenommen und etwas Wertvolles zu schützen, sind die Menschen gerne bereit. Ich bin schon zu lange Politiker, als dass ich den Kräften der Demokratie nicht vertraute. Auch das Tragen von Verantwortung haben wir in den letzten fast hundert Jahren demokratisiert. Wir sind als Gesellschaft durchaus in der Lage, auch mit sensiblen Landschaften umzugehen und zu diesen ganz speziell Sorge zu tragen, das liegt mir sehr am Herzen.

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BESUCHE DER MÄCHTIGEN IM GASTERETAL Aller guten Dinge sind drei, dreimal hat Adolf Ogi mit bekannten und wichtigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Medien sein Lieblingstal besucht. Es war dies am: • 2. Juli 1993 als Bundespräsident mit dem Gesamtbundesrat • 13. August 2000 mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan • 18. Juli 2012 zum 70. Geburtstag als Dankesanlass für die Wegbegleiter*innen

Mit Kofi Annan im Gasteretal Bild oben: Dölf Ogi mit Kofi Annan. Bild unten: Eintrag in der Gasterebibel.

Mit seinem Freund, dem früheren UNO-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan, besuchte Adolf Ogi einige seiner Lieblingsplätze im Gasteretal. Am 13. August 2000 hat sich der UNOGeneralsekretär auch in der berühmten Gasterebibel eingetragen. Kofi Annan habe das ruhige und friedliche Tal geradezu geliebt, stellt Adolf Ogi rückblickend fest. «Kein Wunder, das Tal hat auch wirklich sehr gut zu ihm gepasst.» Annan, der Ogi als Sonderberater zur UNO geholt hatte, sei ihm immer wieder durch eine gleichbleibende, charismatische Liebenswürdigkeit aufgefallen. «Mit Anstand, Ruhe und dem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen hat er an einer besseren, friedlicheren Welt gebaut. Auch wenn ihm das nicht einfach so gelungen ist, hat er den Mut nie verloren und täglich weitergemacht, still, zuverlässig, freundlich. Und natürlich hat er im Gasteretal ein Stücklein dieser friedlicheren Welt gefunden und das hat ihn begeistert.»

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BESUCHE DER MÄCHTIGEN IM GASTERETAL

Bild oben: Adolf Ogi und der Gesamtbundesrat. Bild unten: Eintrag in der Gasterebibel 1993.

Auf die Frage, was dem alt Bundesrat an seinem Freund besonders gefallen habe, nennt er das Geben. Viele Menschen wünschten sich, dass ihnen Liebe, Respekt, Wertschätzung geschenkt würden. Kofi Annan aber habe begriffen, dass man das, was man sich wünsche, geben müsse, damit es zu einem zurückkommen könne. «Das eigene Denken, Fühlen und Handeln ist das, was man erlebt. Ohne den Menschen den Respekt, den man von ihnen erwartet, zu schenken, kann man ihn nicht erfahren. Es kommt nicht immer zurück, was man gibt, aber was man nicht gibt, kann nicht zurückkommen. Annan wusste das. Nicht umsonst ist er Friedensnobelpreisträger gewesen.» Adolf Ogi hat der berühmte Freund nicht nur Respekt geschenkt, er gab ihm auch eine wunderbare berufliche Chance, stand ihm in schwierigen Zeiten mit Trost zur Seite und begegnete ihm mit dem tiefen Vertrauen des aufrichtigen Freundes. Damit habe er ihm, meint Dölf Ogi, auf der seelischen Ebene ebenso Heimat gewährt, wie dies das Gasteretal und Kandersteg realiter täten.

Mit dem Gesamtbundesrat im Gasteretal Bereits 1993 besuchte Adolf Ogi als Bundespräsident mit dem Gesamtbundesrat anlässlich der damaligen Bundesratsreise sein geliebtes Gasteretal. Die Kolleginnen und Kollegen seien durchwegs begeistert gewesen und die einen hätten sich gar vorgenommen, wieder zu kommen, was ihn persönlich sehr gefreut habe. Natürlich war dieser Besuch offizieller, weniger persönlich als derjenige mit Kofi Annan. Trotzdem erinnert sich Adolf Ogi gerne an diesen 2. Juli 1993 zurück. Es sei eine spezielle Herausforderung, mit Mitstreitern, die unter anderem auch gerne und gezielt Gegenpositionen einnähmen, etwas zu teilen, das einem selber sehr am Herzen liege. «Die Übung ist gelungen», meint der alt Bundesrat, «meine Kolleginnen und Kollegen haben positiv reagiert und ein bisschen von der Magie des Tals im Herzen mit nach Bern genommen.» Auch der Gesamtbundesrat erhielt und gab sich die Ehre, sich in der Gasterebibel einzutragen.

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ANDREA FISCHBACHER: LIEBLINGSORTE – DÖLF OGI IM WILDROMANTISCHEN GASTERETAL (Kurzvorschau) by WEBER VERLAG - Issuu