«850 Joor Rynach»
Reinach feiert im 2024 sein 850-Jahr-Jubiläum. Wir nehmen dieses freudige Ereignis zum Anlass, um mit Gemeindeverwalter Thomas Sauter und WBZ-Geschäftsführer Stephan Zahn über die langjährige Verbundenheit von Standortgemeinde und Institution zu sprechen.

Gemeindeverwalter Thomas Sauter (links) mit WBZ-Geschäftsführer Stephan Zahn und einem Querschnitt durch die Produktion des WBZ als Jubiläumspräsent.
Wie haben Sie das WBZ kennengelernt, Thomas Sauter?
Sauter: Ich war lange im Stiftungsrat einer Institution für Menschen mit Behinderung in Ettingen – das viel grössere WBZ war uns natürlich ein Begriff. Als ich Reinacher Gemeindeverwalter wurde, ging es bald einmal ums liebe Geld. (Schmunzelt) Aus einer jährlichen Spende wurde ein Leistungsvertrag. Das WBZ bietet Praktika für Personen im Integrationsprogramm der Gemeinde, die Mühe haben, sich im Arbeitsmarkt zu etablieren. Auch anderes nutzen wir: Wir lassen die Geschäf tsdokumente für den Einwohnerrat sowie die Abstimmungs- und Wahlunterlagen im WBZ drucken, beziehen manchmal Weihnachtskarten oder mieten Räume. Wir schätzen es, die Institution in der Gemeinde zu haben.
Und umgekehrt, wie bist Du in Kontakt mit der Gemeinde gekommen, Stephan Zahn?
Zahn: Ich bin in Reinach aufgewachsen ... Als der erwähnte Vertrag abgeschlossen wurde, war ich bereits Geschäftsführer des WBZ. Diese Vereinbarung ist zu einer klassischen Win-win-Geschichte geworden.
«Reinach ist nicht nur seit fast 50 Jahren Standortgemeinde für das WBZ. Reinach ist für viele von unseren Bewohner:innen eine zweite Heimat geworden. Dahinter verbergen sich unzählige Lebensgeschichten. Sie sind heute jedoch in Reinach zuhause und partizipieren am Reinacher Leben.»
Roman Jermann, Stiftungsratspräsident WBZ
Finanzier t wird das WBZ grundsätzlich aus anderen Quellen, aber ein guter Draht zur Standortgemeinde ist extrem wichtig. Wir führen offene Diskussionen, wie etwa beim Neubau. In dieses Projekt haben wir die Behörden transparent einbezogen und frühzeitig von ihrem Input profitieren können.

Gibt es Momente mit dem WBZ, die Sie als speziell oder wertvoll erlebt haben?
Sauter: Ein Kränzchen muss ich dem WBZ und Stephan Zahn im Zusammenhang mit der Ukraine-Hilfe winden. Als es um die Unterbringung der Flüchtlinge ging, machte er den leerstehenden Altbau für uns nutzbar. Für ein akutes Problem liess sich eine tolle Lösung finden, das war obergenial. Aus Reinach nicht wegzudenken ist natürlich der WBZ-Flohmarkt. Und mir fällt auf, wie fröhlich ich immer begrüsst werde, wenn ich ins WBZ komme. Ich fühle mich willkommen.
Wo steht Reinach in Sachen Integration und Inklusion?
Sauter: Wer im WBZ wohnt und arbeitet, ist auch in Reinach unterwegs und Teil unseres Alltags. Wir investieren viel in behindertengerechtes Bauen. Das kann ordentlich ins Geld gehen, wenn zum Beispiel ein Haus nachträglich mit Lift ausgerüstet werden muss. Gemeinderat Ferdinand Pulver kann uns aus seiner persönlichen Betroffenheit heraus aber noch sehr viel weiterbringen. Integration und Inklusion sind ein Prozess, da lernt man immer wieder dazu.
Reinach feiert. Feiert das WBZ mit?
Zahn: Selbstverständlich. (Lacht) Zum einen stehen unser Flohmarkt und unsere Jahresausstellung im Jahresprogramm von «850 Joor Rynach». Zum anderen sind wir mit einem Stand am «Rynach Fescht» im September mit dabei. Die Planung läuft.

«850 Joor Rynach»
Der WBZ-Flohmarkt vom 25. bis 28. Oktober und die Jahresausstellung des kreativAteliers vom 24. bis 28. November sind zwei von über 100 Aktivitäten im Reinacher Jubiläumsprogramm. Höhepunkt wird das «Rynach Fescht» vom 13. bis 15. September im Zentrum der Gemeinde sein. Das WBZ ist mit einem Standauftritt zugegen.
Mehr zum Jubiläum auf 850-joor-ryna.ch bzw. über diesen QR-Code:
Was gibst Du der Gemeinde zu ihrem Jubiläum mit auf den Weg?
Zahn: Unseren herzlichen Dank für die tolle Zusammenarbeit! Zudem hoffe ich, dass die Gemeinde ihre Professionalität, ihren Pragmatismus und ihre Menschlich keit beibehält. Man begegnet sich auf ei ner emotionalen Ebene. Reinach ist eine lässige, aber auch grosse Gemeinde. Es ist eine Herausforderung, das zu managen und alle Gesetze zu befolgen, ohne büro kratisch zu werden. Dieser Spagat gelingt meines Erachtens.
Was ist eigentlich Deine Lieblingsecke in Reinach? Fernab vom Grill im Garten des WBZ, versteht sich.


Zahn: Ich bin schon meistens im WBZ zu finden ... (Lacht) Als Jugendlicher war ich fleissiger Schwimmbadgänger. Wenn ich heute unseren Hund zur Arbeit mitnehme, gehen wir über Mittag im Leywald spazieren.
«Das WBZ gehört ganz einfach zu Reinach. Als wertvolle Institution, als einer unserer grössten Arbeitgeber und mit Leistungen, die wir sehr gerne nutzen. Im April führen wir zum Beispiel die Mitgliederversammlung des Vereins Birsstadt im WBZ durch. Das ist eine Beziehung ohne Hürden – wenn es etwas zu besprechen gibt, gehen wir unkompliziert aufeinander zu.»
Melchior Buchs, Gemeindepräsident Reinach
gibt es uns aber auch bereits ein halbes Jahrhundert. (Auf dem Bild: WBZ - Altbau von 1975)
Und was macht aus Ihrer Sicht Reinach so (er-)lebenswert, Thomas Sauter?
Sauter: Es ist die Vielseitigkeit der Gemeinde, die mich fasziniert. Reinach bietet alle Facetten von urbanem und ländlichem Leben mit Leywald, Kulturhaus, Heimatmuseum und Rebberg. Von dort aus kann das ganze Dorf überblickt werden. Wir haben die internationale Wirtschaft im Kägen, die Oase des Gartenbads, die Reinacher Heide, die Dynamik im Dorfzent-
rum. Es gibt für alle die passenden Erlebnisse und Wohlfühlorte.
Was erhoffen Sie sich vom Jubiläum?
Sauter: Genau das! Dass der Bevölkerung noch stärker bewusst wird, was sie an Reinach hat. Am Stadtfest wird man die Geschichte kennenlernen und das Hier und Jetzt erleben können. Reinach hat alles, was man braucht.
Stephan Zahn, Dein Schlusswort?
Zahn: Eine Erinnerung muss ich noch teilen. Beim Umzug zum 800-Jährigen habe ich hinten auf einer Postkutsche das Posthorn gespielt. So vergeht die Zeit ... Auf tolle «850 Joor Rynach»!
Herzlichen Dank für das Gespräch! (mta)
Integriert werden und sich integrieren wollen
Julia Dürrenberger, Bewohnerin und Mitarbeiterin WBZ, im Austausch mit Ferdinand Pulver, Reinacher Gemeinderat und Vizepräsident des WBZ-Stiftungsrats (siehe auch Titelbild).
Dürrenberger: In der Gemeinde Reinach fühle ich mich wohl. In Sachen Integration wäre natürlich noch mehr möglich, man könnte noch mehr voneinander profitieren.
Pulver: Das ist ein Prozess, der immer weitergeht. Reinach hat das auf dem Radar und wir sind stolz, das WBZ in der Gemeinde zu haben.
Dürrenberger: Das merkt man, finde ich!
Pulver: Gerade bezüglich Hindernis-/Barrierefreiheit sind wir schon relativ weit, aber ich nehme Deine Botschaft mit, Julia. Ich habe vor, meine beiden Hüte als Gemeinde- und Stiftungsrat zu verbinden und eine Aktion zur Sensibilisierung zu starten. Zum Beispiel um zu zeigen, wie kompliziert es noch immer sein kann, sich mit eingeschränkter Mobilität in Reinach zu bewegen.
Dürrenberger: Das finde ich gut. Und Integration ist auch nicht nur Eure Sache. Nicht jede:r mit Behinderung ist wirklich integrationswillig. Ich fände es auch schön, wenn es im WBZ wieder mehr Aktivitäten mit Firmen gäbe, die etwas mit uns zusammen machen. Das bringt beiden Seiten Einblicke und Verständnis.
