Skip to main content

MuseumsMagazin 8

Page 1

Österreichische Post AG Sponsoring.Post 11Z038958S Retouren an Postfach 555, 1008 Wien

museum

magazin

Herausgegeben vom Vorarlberger Landesmuseumsverein

Jahrgang 4 | Nummer 8

gegründet 1857

Bauer, Schriftsteller, Visionär: Franz Michael Felder, 1839–1869


Hier fehlt der Text Titelbild

Generalversammlung der Mitglieder 2014

Die Generalversammlung am 12. April des Jahres brachte einige Neuerungen für den Vorarlberger Landesmuseumsverein

mit

sich.

Einerseits wurden die Statuten des Vereins den veränderten Rahmenbedingungen (vor allem dem neuen Vereinsgesetz) angepasst,

und

Am Samstag, den 12. April 2014 fand im vorarlberg museum in Bregenz unter erfreulich hoher Beteiligung der Mitglieder die diesjährige Generalversammlung statt. Ebenso zahlreich wurde das Rahmenprogramm zur Versammlung, die aktuelle Ausstellung „Jenseits der Ansichtskarte. Die Alpen in der Fotografie“ im vorarlberg museum sowie ein Historischer Spaziergang zur Bregenzer Klause von den Mitgliedern in Anspruch genommen. Nach einem Bericht über die Vereinsaktivitäten 2013 durch den Vorstand informierten die Obmänner der einzelnen Fachausschüsse Emil Büchele (Karstund Höhlenkundlicher Ausschuss), Karl Fischer (Numismatischer Ausschuss), Baldur Hämmerle (Exkursionsausschuss) und Harald Rhomberg (Burgenausschuss) kurz über die Aktivitäten in den Ausschüssen. Nach der Präsentation des Budgetvorschlags für 2014 wurden vor allem zwei wesentliche Tagungsordnungspunkte erörtert. Änderung der Vereinsstatuten

andererseits

konnte den anwesenden Mitgliedern der neue Internetauftritt präsentiert werden. Unter www.vlmv.at werden zukünftig auch jeweils die Ausgaben des Museumsmagazins der vergangenen Jahre dokumentiert. Die aktuelle Ausgabe erhalten Sie als

Die bestehenden Statuten (Version 2002) des Vereins wurden mit Unterstützung des Juristen Dr. Lothar Giesinger dem geltenden Vereinsgesetz angepasst und modifiziert. Dabei wurde in der Formulierung des Vereinszwecks die neue Namensgebung des vorarlberg museums aufgegriffen, in der Namensgebung des Vereins wurde jedoch bewusst die Bezeichnung „Vorarlberger Landesmuseumsverein“ mit Verweis auf das Gründungsjahr 1857 beibehalten, da sie über die lange historische Entwicklung und Tätigkeit des Vereins Zeugnis ablegen. Im Rahmen dieser Änderungen wurde auch auf eine gendergerechte Formulierung der Statuten Wert gelegt. Die neuen Statuen können bereits auf der Homepage des Vereins eingesehen werden: www.vlmv.at

Mitglied natürlich weiterhin exklusiv

Mitgliedschaft für Studierende und Partner/innen

zugesandt.

Einstimmig wurde in der Generalversammlung auch die Möglichkeit einer Mitgliedschaft für Studierende bis zum Alter von 26 Jahren zum reduzierten Preis von 20,00 Euro beschlossen. Der Anregung durch einzelne Mitglieder für eine Form der Partnermitgliedschaft wurde ebenfalls Rechnung getragen, und so können sich die Mitglieder ab 2015 neben der Einzelmitgliedschaft und der Doppelmitgliedschaft für eine Partnermitgliedschaft (50,00 Euro) mit einer/einem namentlich genannten Partnerin/Partner mit jeweils eigenem Mitgliedsausweis entscheiden. Wer von der Einzelmitgliedschaft oder von der freien Doppelmitgliedschaft zur Partnermitgliedschaft wechseln möchte, den bitten wir uns zu kontaktieren: entweder schriftlich geschaeftsstelle@vlmv.at oder gerne auch telefonisch (0699-10981911, 0664-4911474 und 06507708680). Das Protokoll der Generalversammlung finden Sie bereits auf unserer Homepage.

Wie auch die aktuelle Nummer der Zeitschrift unter Beweis stellt, werden nach wie vor die Tätigkeiten des Vorarlberger Landesmuseumsvereins, Ausstellungen und Veranstaltungen im vorarlberg museum und vielfältige Aspekte der Museums- und Kulturlandschaft Vorarlbergs stehen.

im In

Mittelpunkt

Neue Homepage

allen

Auf der Generalversammlung konnte unser Geschäftsführer Christof Thöny auch bereits die von ihm gestaltete neue Homepage des Vereins vorstellen. Sie wurde nicht nur in ihrer Struktur übersichtlicher gestaltet, sondern kann in Zukunft auch durch den Verein selbst betreut werden (Thomas Klagian), was eine flexible und rasche Aktualisierung ermöglicht. Darüber hinaus bietet sie anschauliche Neuerungen. So werden zum Beispiel im Bereich der Publikationen alle Museumsmagazine (mit Ausnahme der jeweils aktuellen Ausgabe) komplett auf der Homepage einsehbar sein, und die Inhaltsverzeichnisse der Jahrbücher der letzten Jahre werden Interessierte über die vielfältigen Beiträge informieren. Auch den einzelnen Ausschüssen wurde

drei

Schwerpunkten haben die kommenden Sommermonate vieles zu bieten. Bei der Auswahl aus den reichhaltigen kulturellen Angeboten wünschen wir Ihnen viel Vergnügen! Andreas Rudigier, Christof Thöny

Editorial | Unter uns Porträt Ida Strolz Ausstellung F. M. Felder Siegfried Fussenegger Hinter der Fassade

2|

2 3 4|5 6|7 8

Rheticus-Jahr 2014 Skigeschichte Warth und Damüls Vorarlberg im Ersten Weltkrieg Museumswelten Susi Weigel

9 10|11 12|13 14 15

mehr Raum eingeräumt, ihre Aktivitäten zu präsentieren und mit Vereinsmitgliedern und Interessierten in Kontakt zu treten. Projekte 2014 Bereits seit Beginn des Jahres laufen die Vorbereitungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der BURGENAKTION Vorarlberg. Die Aktion, die der Verein seit 2013 organisatorisch betreut, konnte zwischen 2013 und 2014 bereits große Schritte zur Sanierung und Erhaltung Vorarlberger Burgen umsetzen. Die notwendigen Anträge an die Kooperationspartner und Fördergeber, das Land Vorarlberg (Kulturabteilung) und das Bundesdenkmalamt (Bundeskanzleramt), wurden einge-

reicht, und wir hoffen auf eine erfolgreiche Fortführung dieses beispielgebenden Projekts. Im Halbjahresrhythmus (März/Oktober) finden dieses Jahr Besprechungen mit den Obmännern der Fachausschüsse statt, in denen die aktuelle Situation sowie die Projekte des Vereins besprochen werden. Die Kooperation mit dem vorarlberg museum soll weiter ausgebaut werden, es wird in diesem Zusammenhang ein Projekt zur Aufarbeitung des Archivs geplant. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Museen im Lande soll intensiviert werden. Ihre Mithilfe erwünscht Da die Aussendung von Informationen an 1300 Mitglieder (zweimal jährlich) eine zeitaufwändige Aufgabe darstellt, suchen wir Freiwillige, die sich bereit erklären, bei der Faltung und Kuvertierung der Blätter bzw. des Informationsmaterials behilflich zu sein. Es geht darum, einen Pool von Freiwilligen zu schaffen, der dann im Bedarfsfall unverbindlich angefragt werden kann. Darüber hinaus sucht der Verein auch nach einer kontinuierlichen Unterstützung bei den Sekretariatsarbeiten (Kleinversand, Aktualisierung des Mitgliederstands etc.) durch ein interessiertes Mitglied. Wenn Sie Interesse an einer der Aufgaben haben, melden Sie sich bitte bei uns: geschaeftsstelle@vlmv.at oder 0699-10981911. Auch das vorarlberg museum würde sich über Ihre Unterstützung freuen. Direktor Andreas Rudigier hat in der Generalversammlung die Gelegenheit genützt und nach Interessierten gefragt, die eventuell bereit wären, im Umfang von einigen Stunden als Aufsicht in den Ausstellungen des vorarlberg museums tätig zu sein. Wenn Sie Interesse an dieser Aufgaben haben, melden Sie sich beim Sekretariat des vorarlberg museums m.stabodin@vorarlbergmuseum.at oder 0557446050517 oder bei uns: geschaeftsstelle@vlmv.at oder 069910981911. Intensive Reise- und Exkursionstätigkeit von Juli bis Oktober Die nächsten vier Monate bieten den Mitgliedern zahlreiche Möglichkeiten, an interessanten mehr- oder eintägigen Exkursionen teilzunehmen. Auf dem Programm stehen dabei Museen und die Kulturlandschaft in Vorarlberg (Bregenzer Festspiele, Lustenau im Ersten Weltkrieg, Montafoner Bergbau – Silberpfad und Bergbau Museum/Silbertal, Kulisse Pfarrhof Ausstellung „Wälder, Walser, Wintersport“/Damüls), in der unmittelbaren Nachbarschaft (Das Tal des Vorderrheins/Graubünden) sowie in Belgien (Flämische Kultur), Frankreich (Burgund und Provence) und Italien (Kirchen, Museen, Paläste in Florenz/Toskana) auf dem Programm. Einen Überblick über die geplanten Veranstaltungen bis Oktober 2014 finden Sie auf der Seite 19 des Museumsmagazins mit den entsprechenden Kontaktdaten. Über die restlichen Veranstaltungen von 2014 werden Sie im nächsten Magazin im Oktober informiert.

Wenn Sie grundsätzlich Fragen oder Anregungen an den Vorarlberger Landesmuseumsverein haben, dann wenden Sie sich bitte jederzeit entweder schriftlich geschaeftsstelle@vlmv.at bzw. Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz oder telefonisch (05574-46050545) an uns.

Jüdisches Museum Mariella Scherling Elia Veranstaltungskalender Exkursionen | Impressum Rückseite (Betitelung unklar)

16 17 18 19 20


Mit Herz und Seele im Hus Das Klostertal Museum feiert diesen Sommer seinen 20. Geburtstag. Kaum jemand kennt das Haus so wie Ida Strolz (70), die ihre Verbundenheit nach wie vor aktiv lebt. mm: Frau Strolz, woher rührt Ihr intensiver Bezug zur regionalen Kultur und Geschichte? Strolz: Vom Vater! Der hatte ein großes Wissen und ein großes Interesse. Er hat ja auch das Heimatbuch Dalaas/Wald geschrieben. Nur hätte er es gern gesehen, wenn es zu einem Museum im alten Schulhaus gekommen wäre. Einfach deshalb, weil es ihn gefreut hätte, wenn der Thöny-Hof wieder bewirtschaftet worden wäre.

mm: Und was hat Ihnen auswärts am besten gefallen, an Ausstellungen oder Museen? Strolz: Das Angelika Kauffmann Museum. Und eigentlich noch mehr das Felder Museum in Schoppernau [schmunzelt]. Das hat halt wohl auch mit unserem Bezug zu tun: Mein Mann ist der jüngste Urenkel von Franz Michael Felder, er stammt vom Mikle [Felders Tochter Maria Katharina] her. Erst durch unsere Hochzeit ist er vom Bregenzerwald ins Klostertal, in die Familie Gantner, gekommen. Für mich wäre es nicht in Frage gekommen, wegzugehen. mm: Sie sind vermutlich die einzige Trägerin des Verdienstzeichens des Landes Vorarlberg mit Kontakten zur Baader-Meinhof-Gruppe.

mm: Rein aus Museumssicht ja ein Glücksfall, dass es anders kam … Strolz: Ja, weil dadurch am Hof alles so geblieben ist wie damals, als der Valentin weg ist. Valentin Thöny war mein ältester Cousin. Er und sein Bruder haben früh die Eltern verloren und sind dann bei nahen Verwandten, zwei ledigen Geschwistern, am Thöny-Hof aufgewachsen. Der Onkel ist gestorben, der Bruder wäre Buur mit Leib und Seele gewesen, aber er ist 1944 gefallen. So hat der Valentin seine Jugend geopfert und ist bis zu ihrem Tod bei der alleinstehenden Tante Karlina, der Baba, geblieben. 1959 konnte er den Hof dann verlassen und Theologie studieren. Der Zustand im Haus war bis in die achtziger Jahre unverändert.

„Mir tät‘ es gefallen, wenn das Museum vermehrt als Ausflugsziel genutzt würde. Für Jahrgänger-Ausflüge zum Beispiel, oder von Frauenbünden.“ Ida Strolz

mm: Und Sie sind dort, praktisch direkt gegenüber Ihrem heutigen Wohnhaus, ein- und ausgegangen?

Strolz: Ganz weit entfernt, ja: Valentins Großvater und Christofs Urgroßvater waren wohl Cousins. Unseren Vater hätte es jedenfalls wahnsinnig gefreut, wenn er des erlebt hätt‘, dass sich der Christof so heimatkundlich entfaltet. Überhaupt, dass es junge Menschen gibt, die sich dermaßen interessieren …! Und auch deshalb ist es ein anderes Museum: Nicht einfach eines, wo alles Alte ufg’stellt würd, was es gibt. mm: Was haben Sie für Wünsche zum 20. Geburtstag des Klostertal Museums? Strolz: Mir tät‘ es gefallen, wenn das Museum vermehrt als Ausflugsziel genutzt würde. Für Jahrgänger-Ausflüge zum Beispiel, oder von Frauenbünden. Zwei Sippentreffen waren im Herbst da, eins von Lech und dann das Bertolini-Treffen. Die waren alle ganz begeistert. D’Lüt sägn, ma merkt des, dass ma mit Herz und Seele im Hus isch. Auch für solche Anfragen wäre ich Ansprechperson. Jederzeit!

Ida Strolz ist am 21. Februar 1944 geboren. Die engagierte Landwirtin war dreißig Jahre lang Ortsbäuerin von Dalaas und Wald und hat vier Kinder aufgezogen. Zwei davon führen die Familientradition vor Ort weiter. Eine Tochter lebt in Bludenz, ist Bezirksschulinspektorin sowie Schriftführerin im Museumsverein und hat die Museumspädagogik des Klostertal Museums aufgebaut. Ein Sohn hat das politische Erbe seiner Vorfahren kreativ weiterentwickelt und lebt als Mitbegründer der neuen Parlamentspartei Neos in Wien. 2011 erhielt Ida Strolz das Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg. Die Mitbegründerin der Klostertaler Bauerntafel produziert noch eingelegte Käsle in kleinen Mengen, für die frisch gemolkene Milch der beiden Kühe gibt es im Ort eine einzige Kundschaft: den Haushalt des 102 Jahre alten Pfarrers, immer bis zum Sommer, wenn das Vieh uf Spualas oben ist. Für das ambitionierte Talschaftsmuseum gilt: Ohne Ida Strolz wäre es nicht dasselbe.

mm: Da sind Sie im Museum prädestiniert für Führungen. Strolz: Die organisiere ich, in meiner Rolle im Beirat, und die mache ich auch selbst sehr gern. Wenn man die Geschichte hautnah kennt, ist das etwas ganz Besonderes: Zeigen zu können, wie man vor hundert Jahren gelebt hat, wie das Tal sich entwickelt hat, in einem alten Haus, wo alles so g’wachsa isch. Und da ich direkt dort wohne, bin ich auch noch „Mädchen für alles“ … mm: Inzwischen ist das Museum etabliert, sogar ausgezeichnet. Welche Präsentation dort hat Ihnen am meisten bedeutet?

3|

mm: Apropos junga Kerle: Der nicht einmal Mittdreißiger Christof Thöny ist schon über zehn Jahre lang Obmann des Museumsvereins und Leiter des Klostertal Museums. Ist die Namensgleichheit zufällig oder liegt auch da eine verwandtschaftliche Beziehung zum Thöny-Hof vor?

Zur Person:

Strolz [vielsagend]: Und wie! Kaum waren wir Kinder mit der Arbeit fertig, mit Hoanzna oder Fuadr Tretta, mussten wir noch hinüber, dem Valentin helfen. Wir waren zu sechst, er und die alte Baba mit dem Kopftuch allein. Aber Marenda am fremden Ort war schon eine Entschädigung für die zusätzliche Arbeit.

Strolz [ohne zu zögern]: Glong! Wir haben selber auch eine Glong-Mahd gehabt. Und die Ausstellung hat einfach alte Erinnerungen aufgefrischt, schöne Erinnerungen. Heuen, im Heu Schlafen, s’GlongHeu Züha im Winter: Bis ans Ortsende sind die Männer durch den Schnee herunter. Und dort durften wir Kinder dann aufsitzen und auf dem Schlitten mit herausfahren – und es gab alle möglichen Küachle. Bei der zweiten Burde dann dasselbe noch einmal, und danach ganz a guat’s Essa, mit Fleisch …! Die Ausstellung war es auch, die von den Dorfbewohnern am meisten angenommen worden ist.

bürgerlich geworden ist, später noch weiter auf Besuch gekommen und hat erzählt: Einer hatte sich damals unter falschem Namen eingetragen. Es sin nette Lüt gsi, aber mit einer ganz anderen Lebensauffassung, wahrscheinlich.

Petra Nachbaur

Strolz [stutzt, irritiert, lacht dann herzlich]: Ah, jetzt weiß ich … Mein Sohn ist in der Zeitung „Der Falter“ so in der Art zitiert worden. Das waren Winterurlauber, gaanz nette Gäscht, die immer alle sieben Betten komplett gebucht haben. Pässe habe ich keine verlangt, und die Clique ist unter sich geblieben. Obwohl: Einmal haben sie ein Buch gebracht: „Kohl, die Birne“ oder so ähnlich: Des hon i glei in Ofa inig’haut! Im Nachhinein schade … Auf jeden Fall ist einer von ihnen, der als junga Kerle noch eine Mähne gehabt hat und dann ganz gemäßigt und

KLOSTERTAL MUSEUM Haus Nr. 11 6752 Wald am Arlberg Tel. +43 664 4911474 christof.thoeny@ museumsverein-klostertal.at (siehe auch Seite 18)

Foto: Christa Engstler


Ich, Felder. Dichter und Rebell Ein literarisches Ausstellungsprojekt Eine Ausstellung zum 175. Geburtstag von Franz Michael Felder, dem wortstarken Vorarlberger, kann und soll nicht einfach eine klassische Vitrinenausstellung sein. Doch wie die „Felder“ begreifen, die diesen Menschen ausmachen, wie die Facetten seines Agierens darstellen, die Energie seiner Biografie spürbar machen?

Vertraut gemacht mit der Lebenssituation und den Arbeitsbedingungen des Autors begegnen die Besucher im zweiten Teil der Ausstellung Franz Michael Felders eigentlichem Werk auf kompromisslose Weise: Quasi auf sich gestellt, stoßen sie erstmals konzentriert auf die Hand-

In der Felder-Ausstellung verquicken sich biografische, lebensweltliche und werkspezifische Aspekte mit rezeptionsrelevanten Gesichtspunkten und verweben sich zu einem dichten räumlichen Geflecht, das die Intensität dieses kurzen Lebens sinnlich erfahrbar macht. Die Verknüpfung von originalen Exponaten mit audiovisuellen Installationen ermöglicht Raum- und Zeiterfahrungen, die den Zugang zum Kosmos Felder eröffnen und diesen in

Dreidimensionale auratische Objekte gibt es wenige: eine Hutspange, Handbohrer aus der Werkstatt des Vaters, einen unscheinbaren Tisch. Manuskripte und Bücher hingegen gibt es viele. Reicht das, um das Besondere des Dichters, die Dynamik des Rebellen neu zu beleuchten? Wir entscheiden uns für eine Ausstellung, die Felders Lebensspur folgt. Eine multimediale Darstellungsform, die die Höhen und Tiefen seines Lebens abbildet. Eine Gestaltungsform, die das Publikum in das Beziehungsgeflecht Felders einbindet, eine Architektur, die die Widerstände erfahrbar macht. Dabei ist unser Zugang subtil und pragmatisch. „Ich, Felder“ ist Programm, und so bleiben wir dem Menschen Felder dicht auf den Fersen. Das faktisch Wesentliche seines Lebens und die zentralen Ereignisse seiner kurzen Lebenszeit zeigen Felder direkt und sind Chance für neue, unverbrauchte Auseinandersetzungen, fernab vom Bild des glorifizierten Landesdichters vergangener Dekaden. Der künstlerische Gestalter der Ausstellung, Roland Stecher, wählt Papier als Ausgangsmaterial für die gesamte Ausstellungsarchitektur. Kein anderes Material kommt Felder näher, beschreibt mit seiner Nachhaltigkeit, Einfachheit und Wandelbarkeit das Leben des Dichters treffender. Felder bannt sein Leben auf Papier, wir inszenieren sein Schaffen mit Papier. Felder wird so greifbar, neue Räume entstehen, Spielwiesen für Gedanken, Flächen für Begegnungen. Die Ausstellung gliedert sich in drei große Abschnitte, die auf verschiedene Art Felders Leben und Werk thematisieren. Der erste Teil orientiert sich an seiner Biografie: Der Verlust eines Auges, die Liebe seines Lebens, das Verlangen nach Literatur, das Netzwerk an Freunden, die Widerstände gegen sein Tun. Erfahrbar wird, wie das Leben Felders schlagartig öffentlich wird. Abstecher in die Gegenwart vereiteln eine lineare, historisierende Chronologie. So wird schon die erste Begegnung mit Felder zu einem Statement aktueller Kunst: Felder markant, impulsiv, farbig und aktuell. Deutlich wird so aber auch, dass es viele „Felder-Bilder“ gibt. Einen weiteren zeitgenössischen Anknüpfungspunkt bieten die Arbeiten Arno Gisingers. Aus der Perspektive des Heute zeigen große Projektionsflächen jene Lebensund Wirkungsorte Felders, die für seine Biografie entscheidend sind. Sie machen deutlich, dass Felder sich längst von diesen Erinnerungsorten entfernt hat, dass die Energie Felders an anderen Orten auffindbar ist. Raumtöne in Form von akustischen Zitaten aus der Autobiografie „Aus meinem Leben“ und anderen Texten stellen Erzählsituationen des Alltags nach und erzeugen Spannung und Emotion. Die Distanz zu Felder wird gebrochen, die Dramatik seines Lebens aktualisiert.

5|

schrift des Dichters. Folgt man der Spur der Originale, folgt man Felders Leben noch einmal: Von den ersten erhaltenen Kritzeleien bis zu den großen Handschriften seiner literarischen Werke. Lässt man sich auf die Manuskripte ein, kann man sich der Aura und Ästhetik des Originals nicht entziehen. Hier ist „Ich, Felder“ dicht, unkommentiert und pur. Sind die Besucher neu-gierig auf die Inhalte seiner Werke, können sie die Nacherzählung seiner Romane in vielstimmigen Videos verfolgen. Im dritten und letzten Teil öffnet sich die Ausstellung zu einer medialen Inszenierung des Nachlebens und interpretiert „Ich, Felder“ neu. Manchmal spielerisch, ironisch, nicht immer ganz ernst gemeint; immer aber aus dem Blickwinkel der Gegenwart.

Ernst Steininger, Franz Michael Felder, 1993

der heutigen Welt verankern. So soll die Ausstellung Anregung sein, die Romane und gesellschaftspolitischen oder journalistischen Schriften Franz Michael Felders zu erkunden – ein räumliches Erlebnis, das idealerweise zur Lektüre führt, aber auch zu den Orten, wo über Felder geforscht wird, wo seine Manuskripte, Briefe und Lebensdokumente aufgehoben werden: zu den Archiven und Bibliotheken. Theresia Anwander, Annemarie Hürlimann, Ulrike Längle, Jürgen Thaler

„Ich, Felder. Dichter und Rebell“ Ausstellung im vorarlberg museum 28. Juni bis 16. November 2014 Umfangreiches Begleitprogramm und aktuelle Öffnungszeiten unter www. vorarlbergmuseum.at Katalog zur Ausstellung siehe Buchtipp unten.

Fotos und Grundriss der Ausstellung: atelier stecher, Götzis

Ulrike Längle, Jürgen Thaler und vorarlberg museum (Hg.) Ich, Felder. Dichter und Rebell 336 Seiten, ca. 100 Abbildungen Format 16,5 x 23,5 cm Libelle Verlag ca. 29,80 Euro ISBN: 978-3-905707-57-1


Von der Kunst, ein Museum zu gründen Oder: Wer war Siegfried Fussenegger? Heute erinnert nur noch ein Relikt im vorarlberg museum daran, dass das alte Landesmuseum von seiner Gründung an bis in die 1930er Jahre auch eine naturkundliche Sammlung besessen hat: Ein Mammutstoßzahn, derzeit in der Ausstellung „vorarlberg – ein making-of“ zu sehen. Er soll darauf hinweisen, dass sich die Konstruktionsarbeit an der Geschichte des Landes im 19. und 20. Jahrhundert nicht allein auf die Menschen, ihre Gesellschaft und Kultur bezogen hat. Landesmuseen – ursprünglich meist von privaten Geschichtsvereinen initiiert und organisiert – legten von Beginn an oft naturkundliche Sammlungen an, so auch in Vorarlberg. Allerdings kam es hier schon verhältnismäßig früh zu einem – wenn auch langwierigen – Trennungsprozess. Entscheidend waren dabei nicht, wie man meinen könnte, didaktische, museologische oder epistemologische Fragen. Die entsprechende Weichenstellung wurde vielmehr von der Platzfrage diktiert. Und die war wiederum eine Geldfrage. Auf der Hauptversammlung des Museumsverbandes vom Juni 1932 wurde kritisiert, dass die alten gotischen Skulpturen im Landesmuseum wie in einem „Trödelladen“ aufgestellt seien. Landeshauptmann Otto Ender erinnerte daran, „dass zu einer modernen Aufstellung der Raum fehlt.“ Diesen Raum könne man nur zusätzlich beschaffen, in dem man das Museum mit einem weiteren Gebäude verbinde. In Frage komme das Gebäude der Bezirkshauptmannschaft oder der alte Kornspeicher. Aber der Landeshauptmann wies noch auf die Möglichkeit hin, im Museum selbst Platz zu schaffen. Das sei – da in Dornbirn erfreulicherweise ein „naturwissenschaftliches Museum“ entstehe – möglich durch die Ausgliederung der naturwissenschaftlichen Sammlung einerseits, durch die Übergabe der Bibliothek an das gerade erweiterte Landesarchiv andererseits (es wurde 1933 bezogen). Während die Übergabe der Bibliothek an das Landesarchiv relativ rasch durchgeführt wurde, zog sich die Schaffung eines neuen Museums lange hin. Die Pläne der Stadt Dornbirn, ein naturwissenschaftliches Museum einzurichten, gingen auf die Initiative Siegfried Fusseneggers zurück. Wer war Fussenegger? Ein 1894 in Wien geborener Fabrikantensohn aus einer Dornbirner Familie, der nach einer Ausbildung in der Seidentextilschule in Como in der väterlichen Fabrik J. G. Ulmer in Dornbirn arbeitete. Während des Ersten Weltkriegs – Fussenegger war als Reserveoffizier bei der Artillerie im Einsatz – wurde er zum leidenschaftlichen Sammler vor allem von Fossilien. Anfang der 1920er Jahre besuchte er an der Münchner

6

Akademie einen Malkurs, um selbst Ölbilder zu Dokumentationszwecken herstellen zu können. Das stand schon im Zusammenhang mit der von ihm entwickelten Idee eines naturwissenschaftlichen Museums. Insgesamt sollten es im Laufe der Jahre über 170 Gemälde werden, das vorarlberg museum besitzt zwei davon (die meisten werden in der inatura Dornbirn aufbewahrt). Seine Funde ließ er von renommierten Wissenschaftlern bestimmen und analysieren, insbesondere von dem Schweizer Geologen Arnold Heim. Als Autodidakt initiierte er dadurch eine Reihe von einschlägigen Publikationen. 1927 zeigte er eine erste Ausstellung im Dornbirner Rathaus (damals Fronfeste genannt), die Aufsehen erregte. Die Firma des Vaters geriet allerdings in der Welt-

wirtschaftskrise ab 1929 in Schwierigkeiten und wurde 1934 von der Firma F. M. Rhomberg übernommen. Fussenegger, wohl kaum ein wohlhabender Rentier, widmete sich dennoch ausschließlich der Erweiterung seiner Sammlung und seinen Museumsplänen. Schon 1927 kam es zwischen dem Vorstand des Muse-

ums und Siegfried Fussenegger zu Gesprächen. Am 28. Jänner 1928 besprachen die führenden Persönlichkeiten im Ausschuss des Museumsvereins, wie man mit der Sammlung Fusseneggers umgehen solle. Unbestritten war die Bedeutung, die man ihr zuschrieb. Adolf Helbok, damals Ao. Univ.-Professor in Innsbruck (ab 1935 Professor in Leipzig) und Ausschussmitglied, sprach sich für die Erwerbung der Sammlung aus, von dem Gymnasialprofessor und Geologen Josef Blumrich kam der Vorschlag, Fussenegger in den Ausschuss des Museumsvereins zu wählen und ihm ein Kustosamt zu übertragen – schon 1929 war Fussenegger Mitglied des Ausschusses und stellvertretender Vorstand des Vereins. Bei der nächsten Sitzung am 12. April 1928 erwähnte der Vorstand, man höre, dass sich die Stadt Dornbirn „bereit erklärt habe, für die Unterbringung der Fussenegger‘schen Sammlung Räume zur Verfügung zu stellen.“ Allerdings fand man auch klare Worte, wie damit umzugehen sei: „Dies müssen wir im Interesse des Landesmuseums zu verhindern trachten, freilich fehlen hier die erforderlichen Räume zur Aufstellung dieser Sammlung.“ Der Bregenzer Bürgermeister Kinz habe auf das alte Kornhaus neben dem Museum hingewiesen, das nicht mehr als Lagerhaus benötigt werde. Adolf Helbok forderte, „dass wir von Siegfried Fussenegger wo möglich jetzt schon die Zusicherung erwirken, seine Sammlung dem Landesmuseum zur Aufstellung zu übergeben, schon um zu verhüten, dass die Stadt Dornbirn mit dem zu gründenden Museum uns den Rang ablaufe. Wenn Dornbirn ein Museum schaffe, so solle dieses sich darauf beschränken, die Eigenheiten des Rheintales zur Anschauung zu bringen. Alsdann würde es als Lokalmuseum seine Berechtigung haben.“ Am 16. November 1929 wurde das neue naturkundliche Heimatmuseum im Rathaus in Dornbirn eröffnet. Es war von vornherein klar, dass die Unterbringung der Ausstellung im Rathaus zeitlich befristet war. Landeshauptmann Ender setzte sich beim Dornbirner Bürgermeister Josef Rüf für das Projekt ein und schrieb, er könne „die Stadt Dornbirn zu ihrem Fussenegger nur auf das herzlichste beglückwünschen“. Die Verhandlungen zwischen Fussenegger und dem Museumsverein gingen also weiter. Fussenegger formulierte seine Bedingungen in einem Schreiben an den Vorstand des Museumsvereins im Dezember 1931. Darin bezeichnete er seine Sammlungen „einschließlich der ergänzenden Oelbilder, fotografischen Bilder und der Zeichnungen“ als „unteilbares Ganzes“. Im selben Schreiben betonte Fussenegger, er würde seine Sammlung nicht einem „musealen Privatverein“ überantworten, auch wenn dieser von der


Landesregierung regelmäßig subventioniert werde. Die Landesregierung selbst müsse die Sammlung als Eigentum übernehmen, oder der Museumsverband selbst zu einem „Amt der jeweiligen Landesregierung“ werden. Adolf Helbok wiederum reagierte auf diese „Bedingungen“ Fusseneggers empört: „Ich finde, dass der Mann allgemach beim Grössenwahn endet. Und ich meine, wir können auch des Guten zuviel tun, wenn wir ihm nachlaufen. Das was er macht, ist heute der übliche Stil jedes modernen naturwissenschaftlichen Museums. Und die Sachen, die er hat, sind aus der Natur jederzeit zu holen. Nur die Bilder können wir nicht malen, hier liegt die ein-

darstelle und niemals irgendeinen wirtschaftlichen Gewinn zu bringen vermag.“ Neuerdings kam daher das Bregenzer Kornhaus ins Spiel. Dessen Umbau schien am ehesten finanzierbar und nach langem Hin und Her erklärte die Stadt Bregenz sich darüber hinaus bereit, zur Finanzierung der laufenden Kosten einen bescheidenen Beitrag zu leisten. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz erteilte im Juli 1937 die behördliche Genehmigung „zum Einbau von Museumsräumen“ in das Kornhaus der Stadt Bregenz. Siegfried Fussenegger wurde vom Landesmuseumsverein zum Direktor des neuen Museums ernannt. Adolf Hild verlangte übrigens in der Sitzung vom

zige Besonderheit des so selbstbewußten Herren.“ Es schien allen sinnvoll, die Sammlung Fusseneggers mit jener des Landesmuseums zu fusionieren. Die Frage war jedoch, wie sich das verwirklichen ließe. Man benötigte geeignete Räumlichkeiten und eine laufende Finanzierung, nicht zuletzt für Fussenegger als Museumsdirektor selbst. Er forderte, nicht ganz unbescheiden, für sich ein Jahresgehalt von 12.000 Schilling, Adolf Hild, der Verwalter des Museums, verdiente damals gerade einmal 5.500 Schilling jährlich. Der Museumsverein erreichte in zahlreichen Verhandlungen, dass die Gemeinde Dornbirn und das Land sich da„Ich finde, dass der rauf einigten, Teile der Finanzierung zu Mann allgemach beim übernehmen, wenn Grössenwahn endet. auch der Bund etwas Schließlich, so Und ich meine, wir zahle. argumentierte man, können auch des betrage der BundesGuten zuviel tun, voranschlag für museale Zwecke 1,3 wenn wir ihm nachlau- Millionen Schilling, fen. Das was er macht, davon erhalte Vorarlberg nur eine ganz ist heute der übliche kleine Summe. DenStil jedes modernen noch wurde seitens des Unterrichtsminisnaturwissenschaftli- teriums 1935 eine chen Museums. Und Mitfinanzierung abdie Sachen, die er hat, gelehnt. Die Gemeinde Dornbirn erreichte sind aus der Natur je- schließlich, dass die derzeit zu holen. Nur Textilfirma F. M. Hämmerle ein Grundstück die Bilder können wir im Wert von 40.000 nicht malen, hier liegt Schilling zur Verfügung stellte und erdie einzige Besonder- klärte sich bereit, eiheit des so selbstbe- nen laufenden Jahvon 6.000 wussten Herren.“ resbeitrag zu übernehmen. AlAdolf Helbok lerdings hatte dieses Angebot einen Haken: Der Museumsverein sollte einen Museumsneubau finanzieren, wozu er natürlich, was jeder wusste, nicht in der Lage war. In einer Sitzung des Dornbirner Stadtrates vom 4. Mai 1936 wurde festgehalten, „dass das Verbleiben des Museums in Dornbirn, von der wirtschaftlichen Seite aus betrachtet, immer eine Belastung

28. Februar 1938 „inbezug auf die Titelführung Gleichstellung mit Herrn S. Fussenegger“. Es wurde ihm ebenfalls gestattet, den Titel „Direktor“ zu führen. Die Überführung der naturwissenschaftlichen Sammlungen aus Dornbirn war – aufgrund von Finanzierungsproblemen – noch nicht begonnen, als im März 1938 der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich vollzogen wurde. Landesarchivar Viktor Kleiner, Vorstand des Museumsvereins trat im April zurück. Siegfried Fussenegger wurde als NSDAP-Parteigenosse zunächst „Kommissarischer Leiter“ des Landesmuseums. Der Landesmuseumsverein musste sich, wie alle Vereine, einer Beurteilung durch den „Stillhaltekommissar“ unterziehen, der auf Vorschlag des Landesrates Rudolf Kopf im September 1938 Fussenegger auch „mit der Wahrnehmung der laufenden Geschäfte“ des Museumsvereins beauftragte. Im Dezember 1938 entschied die Behörde, dass der Museumsverein als selbstständiger Verein bestehen bleiben könne. Fussenegger wurde vom „Stillhaltekommissar“ als „endgültiger Vereinsleiter“ bestimmt. Per Erlass des Reichsstatthalters in Tirol und Vorarlberg wurde Siegfried Fussenegger als Leiter des Reichsgaumuseums, Adolf Hild als sein Stellvertreter bestimmt. Mit dem „Anschluss“ wurde die Unterbringung im Bregenzer Kornhaus gestoppt, die Stadt Dornbirn zog das Projekt nun endgültig an sich. Das naturwissenschaftliche Museum wurde am 4. Juni 1939 in einer adaptierten Halle des Dornbirner Viehmarkts eröffnet (Vorarlberger Tagblatt, 5. Juni 1939, S. 6–7). Während des Krieges wurde Fussenegger neuerdings als Reser-

7|

veoffizier eingezogen und von seinem Stellvertreter Adolf Hild fortlaufend über die wichtigsten Ereignisse informiert. Im September 1942 trat der Landesmuseumsverein – wie der langjährige Vorstand des Vereins Viktor Kleiner nach Kriegsende feststellte, „unter Zwang“ – die Sammlungen an den Reichsgau Tirol-Vorarlberg ab (eine Entscheidung, die 1947 per Vertrag bestätigt wurde). Ein Jahr später, am 3. September 1943 wurde Fussenegger – wie er selbst schreibt „ohne Kündigung“ – als Leiter des Landesmuseums entlassen, zugleich wurde auch die Naturgeschichtliche Schau ausgegliedert. Hintergrund des Hinauswurfs Fusseneggers waren offenbar neuerdings Differenzen bei der Bewertung und Abgeltung seiner Sammlung. Nach 1945 begann die endlose Geschichte der Museumsgründung wieder von vorn und dauerte – angesichts der tristen wirtschaftlichen Situation – neuerdings viele Jahre. Im Landesmuseum wurden die naturkundlichen Objekte 1947/48 aus Platzgründen ins Depot verlagert, sie wurden durch eine Präsentation der volkskundlichen Sammlung in Form eines „modernen Heimathauses“ ersetzt. 1954 kam es endlich zu einer Einigung zwischen dem Land und der Stadtgemeinde Dornbirn. Man erwarb in der Dornbirner Marktstraße ein Haus zwecks Unterbringung des Museums und 1957 schließlich auch die Sammlung Siegfried Fusseneggers. Als auf einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung des Museumsvereins am 8. Juni 1957 durch den langjährigen Leiter der Kultur- und Bildungsabteilung der Vorarlberger Landesregierung Arnulf Benzer (1910–2009) die Frage aufgeworfen wurde, „wie sich der Verein zur Verlegung von

seinerzeit dem Lande übergebenen naturkundlichen Sammlungsobjekten nach Dornbirn stelle“, forderte Fussenegger, man „möge zum früheren Vereinsbeschluss stehen und keine kleinliche und spießbürgerliche Lösung treffen.“ 1960 wurde die Naturschau in Dornbirn eröffnet. Fussenegger, zu diesem Zeitpunkt 66 Jahre alt, leitete sie bis zu seinem Tod im Jahr 1966. Peter Melichar

Fotos: inatura Bildarchiv


Wissenschaft mit Leib und Seele Seit nunmehr 30 Jahren ist Gerhard Grabher als Archäologe im vorarlberg museum tätig. Bei der letzten Ausgrabung, die das Museum durchführte, war er noch beteiligt. Über den Wandel seines Berufsbildes und das Glück, ein Archäologe zu sein. Im Gespräch mit Gerhard Grabher bemerkt man schnell die Leidenschaft, die er für seinen Beruf hegt. Und dabei hat seine Tätigkeit nichts mit dem Abenteurer-Klischee eines Indiana Jones zu tun. Generell mag Grabher Klischees nicht. Darum berichtigt er auch jede Laiendarstellung sofort. Diese Zeit nimmt er sich gerne, es geht ihm um Wahrheitsfindung. Ob es zum Beispiel tatsächlich eine römische Seeschlacht am Bodensee gegeben hat? Grabher holt aus und spannt einen Bogen von der

Besiedlung des nördlichen Alpenbogens bis zum Erfolgsdruck, der auf den römischen Feldherren lastete. Man muss genau zuhören, Wissenschaft braucht Zeit. Aber die lohnt sich. Verwahrstelle für archäologische Funde Denn im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern versteht man jedes Wort, das Grabher sagt. Seine Ausstellungen, bemerkt er, sollen für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen verständlich sein. Grabhers Tätigkeit ist mittlerweile die eines Vermittlers, fast eines Kulturmanagers. „Das vorarlberg museum selbst führt

seit den 1990er Jahren keine Ausgrabungen mehr durch. Das übernehmen jetzt private Firmen. Ich muss aber dazu schauen, dass die Funde auch bei uns landen.“ Dies sei mittlerweile nicht mehr selbstverständlich. Vieles gelange in Privatbesitz, anderes werde auf verschiedene Orte verteilt. „Das vorarlberg museum soll aber die Verwahrstelle für archäologische Funde bleiben. Immerhin hat das Museum seit seiner Gründung einen starken Bezug zur Archäologie, der Landesmuseumsverein wurde nicht zuletzt wegen der römischen Überreste ins Leben gerufen. Unser Depot umfasst durch seine über 150-jährige Geschichte einen riesigen Bestand an archäologischem Material.“

Graben im Depot Grabhers Aufgabe besteht neben Forschungs- und Ausstellungsprojekten auch darin, Materialien und Wissen für andere Forscher zugänglich zu machen. „Wir hatten einen spanischen Professor bei uns. Er ist spezialisiert auf römische Amphoren. Er fragte nach, ob er einen Blick in unser Depot werfen könne. Irgendwann rückte er mit einer Gruppe von Studenten an und drehte unser ganzes Lager um. Am Ende überreichte er mir eine Liste mit Herstellungsort und Datierung dieser speziellen römischen Gefäße.“ Das Erstaunliche dabei: Die Römer in Brigantium verfügten, ähnlich den heutigen Maßstä-

ben, über Produkte aus verschiedensten Ländern. Olivenöl und Fischsoße aus Spanien, Süßwein aus Rhodos, Produkte aus Palma – die Römer machten ihre Waren über weit verzweigte Handelsnetze auch den Bewohnern von Brigantium zugänglich.“ Ötzi, Götzi, Kötzi Auch sonst kommen immer wieder spannende Anrufe herein. „Jemand sagt, wir haben was Tolles gefunden und ich solle mir das mal ansehen.“ Bei interessanten Forschungsprojekten kann er helfend zur Hand gehen. So wurde eine Diplomarbeit unterstützt, die erstaunliche Erkenntnisse zutage förderte. Im hauseigenen Depot des Museums wurde der älteste menschliche Knochen

auf österreichischem Boden mittels Radiokarbonmethode identifiziert. „Der Kummenberger Halswirbelknochen eines jungen Mädchens ist dann medial zum Vorarlberger Ötzi aufgebauscht worden. Man taufte ihn Götzi, obwohl er nicht mal in Götzis, sondern in Koblach gefunden wurde. Aber Kötzi lässt sich halt schwerer verkaufen als Götzi.“ So etwas verzerre die historische Bedeutung. Und das ärgert ihn. Grabher kann sich als Althistoriker und Archäologe gleichermaßen um die Quellen wie um ihre Geschichte kümmern. Er studierte an der Universität Innsbruck und übersiedelte 1988 zurück nach Vorarlberg. Er ist ArchäoMax Lang Foto: Darko Todorovic

Das Spiel zur Ausstellung „Römer oder so“ im vorarlberg museum Suchen & Finden für Archäologinnen und Archäologen von 3 bis 99 Spiel mit aufwändig gestaltetem Booklet Piatnik 17,90 Euro im Museumsshop

8


„... mehr Gelehrte als Rom!“ Ausstellung und Veranstaltungen zum 500. Geburtstag von Georg Joachim Rheticus In Feldkirch steht das Jahr 2014 ganz im Zeichen von Georg Joachim Rheticus. Der am 16. Februar 1514 ebendort Geborene zählt zu den bedeutendsten aus Vorarlberg stammenden Wissenschaftlern. In einer Ausstellung und zahlreichen begleitenden Veranstaltungen wird an jenen Mann erinnert, der das Weltbild des Nikolaus Kopernikus einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Heute betonen Astronomiehistoriker, dass es ohne Rheticus wohl keinen Kopernikus gegeben hätte.Trotzdem ist sein Name in der breiteren Öffentlichkeit des Landes wenig bekannt geblieben. Das zu ändern versuchen die Akvtivitäten im RheticusJahr 2014, wobei gleichzeitig die Bedeutung Feldkirchs in der Zeit des Humanismus beleuchtet wird. Wer war Georg Joachim Rheticus? Als Sohn italienischer Zuwanderer – seine Mutter stammte aus einer lombardischen Adelsfamilie – wurde Georg Joachim Rheticus 1514 in Feldkirch geboren. Sein Vater, Stadtarzt Georg Iserin, erhielt in jenem Jahr das Bürgerrecht der Stadt. Iserins Tätigkeit fand jedoch 1528 ein jähes Ende: Der von seinem Sohn als Bücherfreund und Gelehrter beschriebene Mann war im Volk als Zauberer und Hexenmeister verschrien und wurde, unter dem Vorwand des Diebstahls und Betrugs bezichtigt, mit dem Schwert hingerichtet. Für den 14-jährigen Sohn, der in Feldkirch die überregional bedeutsame Lateinschule besuchte, bedeutete dies sicherlich einen prägenden Einschnitt in der Biografie. Nach dem Besuch der Frauenmünsterschule in Zürich widmete er sich in Wittenberg als Student mathematischen Fächern und wurde erst 25-jährig Professor für Mathematik und Astronomie. In seinem selbst gewählten Namen „Rheticus“ verwies er auf seine Herkunft und – dem Trend der Zeit folgend – einem Thema der Antike, der römischen Provinz Raetien. Begegnung mit Kopernikus Während seiner Studien wurde Rheticus mit der Gedankenwelt des Nikolaus Kopernikus vertraut. Dieser hatte die These entwickelt, dass nicht – wie ausgehend von Ptolemäus und auch von der Katholischen Kirche gelehrt – die Erde im Mittelpunkt der Welt stehe (Geozentrisches Weltbild), sondern diese sich

9|

vielmehr um die Sonne bewege (Heliozentrisches Weltbild). Dieser Paradigmenwechsel am Beginn der Neuzeit wäre ohne Georg Joachim Rheticus undenkbar gewesen. Er hatte Kopernikus in Frauenburg aufgesucht und während seines zweijährigen Aufenthalts die „Narratio Prima“ (Erster Bericht) über das neue Weltsystem des Kopernikus verfasst. Dieser hatte sich stets vor einer Veröffentlichung seiner Lehren gescheut, da er den Spott der Fachwelt fürchtete. Erst die positive Aufnahme des Berichts seines Schülers bestärkte ihn in der Herausgabe des Werkes „De Revolutionibus Obrium Coelestium“ (Über den Umlauf der Himmelskreise), für dessen Veröffentlichung Rheticus 1543 sorgte. Damit trug er zu einem Meilenstein in der Geschichte der Wissenschaften und zu einer grundlegenden Veränderung der Weltsicht bei. Seine wissenschaftliche Karriere führte Rheticus über zahlreiche Stationen 1554 nach Krakau. In Kaschau (Oberungarn) verstarb er schließlich am 4. Dezember 1574. Die Epoche des Humanismus … Seit dem 14. Jahrhundert breitete sich ausgehend von Italien eine geistige Strömung aus, die den Menschen und sein Denken sowie die Bedeutung der Bildung in den Mittelpunkt rückte. Die Flucht byzantinischer Gelehrter nach Westeuropa in Folge der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 förderte die Auseinandersetzung mit Ideen der Antike. Der Rückgriff auf diese Epoche wurde zum Trend, wobei die dazwischen liegende Zeit abwertend als „medium aevum“ (mittleres Zeitalter) bezeichnet wurde. Im 19. Jahrhundert setzte sich die Sprachregelung durch, die Zeit des Umbruchs zwischen Mittelalter und Neuzeit „Renaissance“ (Wiedergeburt, und zwar jene der Antike) zu nennen. Deren bedeutendste Geistesströmung wurde zum „Humanismus“ – und dieser damit auch zum epochebezeichnenden Begriff. … und ihre Bedeutung in Feldkirch In der Geschichte der Stadt Feldkirch sticht heute vor allem die Epoche des Humanismus als besonders produktive Zeit hervor. Zahlreiche neue Bauten und internationale Kontakte deuten auf die politische und wirtschaftliche Blüte während eines Jahrhunderts hin. Vor allen Dingen prägte aber der Humanismus die Entwicklung der Stadt in jener Phase. Neben der Lateinschule, die als bedeutendste Einrichtung dieser Art im Bistum Chur galt und zahlreichen Söhnen der Stadt ein Hochschulstudium ermöglichte, prägte vor allem die verkehrsgünstige Lage Feldkirchs die Entwicklung in der Zeit der Humanismus. Sie trug auch zur Herausbildung von Netzwerken bei, die der Verbreitung humanistischer Ideen und Ziele förderlich waren. Beachtliche 470 Studenten aus Feldkirch lassen sich zwischen 1436 und 1550 an europäischen Universitäten nachweisen, was angesichts der geschätzten Bevölkerungszahl von ca. 1.500 bis 1.800 Personen bemerkenswert ist. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Stadt an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit eine stattliche Anzahl an Humanisten hervorbrachte, die sich in der Philologie, der Theologie und der Philosophie verdient gemacht haben.

Ausstellung in der Stadtbibliothek Feldkirch Ebensowenig erstaunt es, dass der Lindauer Dichter und Schulmeister Kaspar Brusch Mitte des 16. Jahrhunderts behauptete, Feldkirch habe „mehr Gelehrte als Rom“ hervorgebracht. Dieses Zitat gibt einer Ausstellung im Palais Liechtenstein ihren Namen, in welcher die Zeit des Humanismus in Feldkirch in den Blick genommen wird. Die von Stadtbibliothekar Hans Gruber konzipierte Schau besticht durch eine sorgfältig und ausgewogene Auswahl der Themen und Objekte und die ansprechende Gestaltung. Ziel war es, in kompakter Form im Bereich der Stadtbibliothek den Hintergrund des Lebens von Georg Joachim Rheticus und die Bedeutung Feldkirchs zur Zeit des Humanismus aufzuzeigen und zu vermitteln. Vor allem zahlreiche Schulklassen nehmen das Angebot von kostenfreien Führungen gerne in Anspruch. Zahlreiche Feldkircher Humanisten werden in der Ausstellung erwähnt, wobei neben Rheticus auch Hieronymus Münzer besondere Beachtung zuteil wird. Der promovierte Arzt, der kurzzeitig auch Lateinschulmeister in seiner Heimatstadt Feldkirch gewesen war, gilt als bedeutender Vertreter des Frühhumanismus. Der weit gereiste Gelehrte steuerte der von Hartmann Schedel herausgegebenen Weltchronik wichtige geografische Abschnitte und Karten bei, darunter auch die erste gedruckte Deutschlandkarte aus dem Jahr 1493, die in der Ausstellung gezeigt wird. Die für eine Stadt der Größe von Feldkirch ansehnliche Sammlung der Stadtbibliothek ermöglichte die Präsentation mehrerer besonderer Werke. Wegbereiter der Neuzeit Im Rahmen der Ausstellungseröffnung zum 500. Geburtstag wurden in einem Symposium am 15. und 16. Februar 2014 Georg Joachim Rheticus und seine Bedeutung für die Wissenschaftsgeschichte gewürdigt. Dabei betonten alle Referenten unisono die herausragende Bedeutung des aus Feldkirch stammenden Gelehrten als „Wegbereiter der Neuzeit“, die oftmals zu wenig Beachtung gefunden hatte. Diesen Titel trägt auch ein Sammelband zu seinem Wirken, das anlässlich des Jubiläumsjahres in zweiter, erweiterter Auflage erschienen ist. Christof Thöny „… mehr Gelehrte als Rom“ Feldkirch und der Humanismus Ausstellung im Palais Liechtenstein 17. 2. bis 19. 12. 2014 Öffnungszeiten Mo bis Do 8.30 bis 12.00 Uhr, 13.30 bis 17.00 Uhr Fr 8.30 bis 16.00 Uhr

Abbildungen: Stadtbibliothek Feldkirch, Staatsbibliothek Krakau

Helmut Sonderegger, Philipp Schöbi (Hg.) „Rheticus – Wegbereiter der Neuzeit. Eine Würdigung“ Zweite und erweiterte Auflage Gebunden, 256 Seiten Bucher Verlag 28,00 Euro ISBN 978-3-99018-263-5


Von Skipionieren und Tradition in der Region Seit Juni 2013 werden die ehemaligen Schul- und Kindergartenräumlichkeiten der Gemeinde Warth für Ausstellungen genutzt, aktuell steht das Thema „Fremdenverkehr“ im Mittelpunkt. Einer der Initiatoren, der Warther Bürgermeister Stefan Strolz, erläutert die Inhalte der Ausstellung:

In einem kleinen Kino werden in einem Kurzfilm die historischen Ereignisse zusammengefasst. mm: Was ist die Intention, was soll der Besucher an Neuem und Interessantem erfahren?

mm: Die aktuelle Ausstellung thematisiert den Fremdenverkehr in der Region. Aus welchem Anlass wurde dieser Schwerpunkt gesetzt?

mm: Wie spannt sich der historische Bogen, mit welchem Ereignis beginnt die Ausstellung?

Foto: Markus Sturn/vol.at

Strolz: Im Jahr 2013 war es 700 Jahre her, dass sich die ersten Walser in Vorarlberg niederließen. Anhand von noch heute erhaltenen Urkunden sind die ersten Besiedelungen in Damüls und Laterns durch Siedler aus dem Wallis nachzuweisen. Das war – neben dem Jubiläum des 50jährigen Bestehens der Skilifte in Warth – der Anlass für die Ausstellung, mit der der Beginn des Fremdenverkehrs in der Region thematisiert wird.

Strolz: Warth kann auf eine lange Skitradition zurückblicken, als Erster kam Pfarrer Johann Müller auf den Gedanken, Ski als Fortbewegungsmittel zu verwenden. Müller war in den Jahren 1891 bis 1896 Pfarrprovisor in Warth und durch die erschwerten Bedingungen im Winter kam er durch einen Zeitungsbericht über das Skifahren in Skandinavien auf die Idee, Ski als Fortbewegungsmittel zu verwenden. Im Jahr 1894 war er als Skipionier von Warth nach Lech unterwegs und setzte damit den Grundstein für das Skifahren in der Region. Die Ausstellung ist in vier Räume aufgeteilt, dargestellt werden der Beginn des Skilaufs, die Gründung der Skischule und des Skilifts. Ein Schwerpunkt ist auch Skisportlern aus Warth gewidmet, darunter ein Porträt von Olympiasieger Hubert Strolz.

Strolz: Den Kuratorinnen und Kuratoren – Christof Thöny, Brigitte Moll, Christoph Weißenbach, Caroline Walch, Martina Brenner, Markus Brenner, Stephanie Ulseß, Werner Ulseß – und mir war es ein Anliegen, dem Besucher die Entwicklung und Geschichte des Skitourismus in Warth näher zu bringen und zu veranschaulichen, was dadurch in diesem kleinen Dorf in Bewegung gekommen ist. Susanne Emerich

Skisport und Tourismus in der „Kulisse Pfarrhof“ in Damüls Im Sommer 2013 wurden nach Umbauarbeiten im Pfarrhof in Damüls neue Räumlichkeiten adaptiert die aktuelle Ausstellung befasst sich dabei mit dem Skisport und Tourismus in der Region. Der Pfarrhof musste schon einige Umbauten über sich ergehen lassen – erbaut im Jahr 1608 erhielt das Haus im Jahre 1882 schließlich sein heutiges Aussehen. Zusam-

views mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vertiefen dieses Thema und Berichte der Bewohner und auch der Zuwanderer ergänzen das Gesamtbild. Ein weiterer Fokus richtet sich auf die regionale Skigeschichte: Dem Gesellschafter der Damülser Seilbahnen, dem Bregenzer Christian Lingenhöle, ist es gelungen, über die Jahre zahlreiche Skimodelle zu sammeln. Die dabei zustande gekommene, imposante und umfangrei-

men mit dem direkt angebauten Pfarrstall bildet dieser Gebäudekomplex ideale Voraussetzungen für Ausstellungen oder kleinere Veranstaltungen. Aufgrund des Jubiläums „700 Jahre Walser in Vorarlberg“ beschäftigt sich die erste Ausstellung mit der Identität des Ortes. Wo sind die Einwohner von Damüls zu verorten? Gehören sie den Wäldern oder den Walsern an? Inter-

che Sammlung wird in der "Kulisse Pfarrhof" präsentiert. Dem Ausstellungsteam um Kurator Christof Thöny – Christian Lingenhöle, Elisabeth Walch, Pascal Keiser sowie Bürgermeister Stefan Bischof – gelingt somit ein interessanter Blick auf die über 100-jährige Geschichte des Skisports in Vorarlberg. Susanne Emerich

10

WÄLDER.WALSER.WINTERSPORT Ausstellung in der "Kulisse Pfarrhof" in Damüls Öffnungszeiten: Dienstag und Freitag, 14.00 bis 17.00 Uhr, Gruppen auf Anfrage


Kästle Ski – Ein Nachlass von landesgeschichtlicher Bedeutung Nach der Schließung des Hohenemser Traditionsunternehmens Kästle im Jahr 1998 verblieben zahlreiche historische Dokumente, Fotos und museale Objekte vor Ort. Nun hat das Wirtschaftsarchiv Vorarlberg den wertvollen Nachlass gesichert. Möglich war dies dank zahlreicher Förderer – auch der Vorarlberger Landesmuseumsverein beteiligte sich.

vor der Markteinführung. Mit dem Kauf des heute als Kästlepark bekannten Betriebsareals in Hohenems legte er im Jahr 1941 den Grundstein für die Expansion in den nachfolgenden Jahrzehnten. Die Mitarbeiterzahl stieg ständig und erreichte in den 1980er Jahren mit rund 400 Beschäftigten den Höchststand. In Spitzenzeiten verließen jährlich bis zu 400.000 Paar Ski das Werk. Ein wesentlicher Marketingfaktor waren die Erfolge im Spitzensport. 1950 gewann Trude Jochum-Beiser bei der Ski-WM in Aspen die erste Goldmedaille für Kästle. Die letzten Medaillen auf den Brettern aus Hohenems erzielten die Norweger Kjetil André Aamodt und Tom Stiansen bei der WM in Sestriere 1997.

1924 begann Anton Kästle im väterlichen Wagnerbetrieb in Hohenems mit der Herstellung von Skiern. Skifahren etablierte sich damals als Volkssport, die hölzernen Bretter wurden ein gefragter Artikel. Wagnereien und Tischlereien waren mit der Bearbeitung und dem Biegen von Holz vertraut. Etliche entdeckten die Skiherstellung als neuen Geschäftszweig, nur wenige wurden damit groß. Noch in der Zwischenkriegszeit richtete Anton Kästle den Betrieb verstärkt auf die Produktion von Skiern aus und brachte diese unter der Marke „Arlberg“ in den Handel. Bereits damals investierte Kästle in die technische Entwicklung und ließ 1938 einen Metallski patentieren, rund zwei Jahrzehnte

Dazwischen holten Kästle-Athleten über 150 mal Edelmetall bei Weltmeisterschaften und Olympiaden. Stars wie Toni Sailer oder Pirmin Zurbriggen standen beim Hohenemser Skihersteller unter Vertrag.

Benetton-Konzern. Dieser schloss 1998 die Skiproduktion in Hohenems und legte ein Jahr später auch die Marke Kästle still. 2007 kam der Name erneut in die Schlagzeilen. Mehrere Unternehmer und Investoren entschlossen sich, die Traditionsmarke wiederzubeleben. Die heutige Kästle GmbH widmet sich der Entwicklung von Premium-Skiern. Produziert werden diese größtenteils bei Head in Kennelbach und sind somit auch nach 90 Jahren „made in Vorarlberg“. Sicherung durch das Wirtschaftsarchiv Vorarlberg Insbesondere zwei ehemaligen Kästle-Mitarbeitern ist es zu verdanken, dass die historischen Dokumente, Fotos und Objekte am ehemaligen Betriebsstandort Hohenems nach der Schließung erhalten blieben. Horst Wehinger und Gebhard Schneider sorgten dafür, dass nichts abhanden kam. Mit viel Engagement richteten sie ein Betriebsmuseum in der Hohenemser Innenstadt ein. Um den dauerhaften Erhalt des wirtschaftsgeschichtlich wertvollen Nachlasses sicherzustellen, überließen sie diesen vor zwei Jahren dem Wirtschaftsarchiv Vorarlberg. Dank der Unterstützung der heutigen Kästle GmbH konnte das Wirtschaftsarchiv die Historikerin Vanessa Hämmerle mit der Erschließung des Bestands beauftragen. Sie widmete sich von September 2012 bis Dezember 2013 der systematischen Erfassung und Digitalisierung. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit bestand darin, die zahlreichen historischen Fotos aus Bereichen wie Spitzensport, Betriebsleben, Produktion und Werbung zu identifizieren. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Horst Wehinger, der das Projekt in unzähligen ehrenamtlichen Stunden unterstützte. Die Museumsdokumentation des Landes Vorarlberg stellte ein Team bereit, welches die musealen Objekte (über 300 Paar Ski) fotografisch erfasste. Der Vorarlberger Landesmuseumsverein ermöglichte mit einer Förderung die Durchführung von Zeitzeugeninterviews. Befragt wurden die ehemaligen Mitarbeiter Horst Wehinger und Gebhard Schneider sowie der langjährige KästleVorstand Wolfgang Nußbaumer. Die über 3.500 verzeichneten Fotos, Dokumente und Objekte sind seit Kurzem über die Datenbank der Vorarlberger Museumsdokumentation online einsehbar, zugänglich über die Website des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg unter www.wirtschaftsarchiv-v.at. 2014/15 ist die Kästle-Geschichte zudem im Rahmen der Wanderausstellung „Bergab Bergauf. 90 Jahre Kästle Ski“ erlebbar. Informationen dazu und Standorte der Ausstellung sind ebenfalls auf der Website des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg zu finden. Christian Feuerstein

„Bergab Bergauf. 90 Jahre Kästle Ski“ Ausstellung im Wirtschaftsarchiv Vorarlberg Neustadt 37 (Alte Dogana) 6800 Feldkirch 23. Mai bis 20. Juni 2014 Dienstag und Freitag 13.00 -17.00 Uhr

Die 1990er Jahre führten zum Ende von Kästle in der bisherigen Form. Die Produktion industrieller Massenartikel wurde angesichts zunehmender Konkurrenz aus Billiglohnländern immer schwieriger. 1991 verkaufte Eigentümer Fischer das Unternehmen Kästle an den italienischen

11 |

Barbara Motter, Barbara Grabherr-Schneider Orte – Fabriken – Geschichten 188 historische Industriebauten in Vorarlberg 336 Seiten, kartoniert 128 x 200 mm 19,90 Euro ISBN 978-3-7099-7097-3


Der Erste Weltkrieg in den Vorarlberger Museen Am 28. Juni 2014 jährt sich zum 100. Mal jenes Ereignis, das den Ersten Weltkrieg auslöste, diesen ‚großen Krieg’, dem in der historischen Fachwelt auch die Bezeichnung „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts zuteilwerden sollte. Es ist deshalb wenig überraschend, dass jenes Thema nun Archive, Bibliotheken und Museen in ganz Europa beschäftigt. Auch in Vorarlberg gibt es Projekte, die sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzen, auch wenn hier der Krieg 1914 in anderer, mittelbarer Form Einfluss auf das Leben der Menschen nahm. Das Museums-

Südostfront gebracht wurden. Solche historischen, teils bis heute nachwirkenden Feindbilder und Ressentiments bieten Anlass, einen Blick in diese aus mitteleuropäischer Perspektive wenig oder skeptisch wahrgenommene Ecke Europas zu werfen; entlang serbischer Gegenwartskunst, Geschichte und Erinnerungskultur.“

Lustenau 1914-1918

„Eingebettet in das Realisierungsjahr 2014, bewegt sich das Projekt serbi.arte auf schwierigem Terrain. Einerseits, bei einem Kunstprojekt mit serbischen Künstlerinnen und Künstlern ist es nahe liegend, die belastete Beziehungsgeschichte dieser beiden Länder mitzudenken. Andererseits birgt 2014 als Gedenkjahr auch gewisse Gefahrenmomente. Wie aus zahlreichen Beispielen der Vergangenheit hinlänglich bekannt, wird wohl auch das Jahr 2014 in vielfältiger, möglicherweise auch inflationärer

magazin möchte ab sofort und in den nächsten Jahren von diesen verschiedenen Aktivitäten zum Ersten Weltkrieg berichten. Den Anfang machen Hinweise auf eine schon absolvierte Auftaktveranstaltung sowie erste Ausstellungen, die diesen Sommer in Vorarlberg zu sehen sind. In diesem Zusammenhang sei auch auf den Bericht über das Jüdische Museum in Hohenems in dieser Ausgabe verwiesen.

Das Bregenzerwald Archiv sucht Beiträge Ab August 2014 wird auf der Internetseite des Bregenzerwald Archivs eine Rubrik zum Thema „Der Erste Weltkrieg im Bregenzerwald“ freigeschaltet. In dieser finden sich die Beiträge der Ortschronisten, Kriegsrezepte, Transkriptionen von Feldpostbriefen, Chroniken und Tagebüchern und manches andere. Das Egg Museum beschäftigt sich in seiner Sommerausstellung ebenfalls mit dem Thema „Erster Weltkrieg im Bregenzerwald“. www.regiobregenzerwald.at/bregenzerwaldarchiv.html, www.eggmuseum.at

Die Montafoner Museen sammeln

serbi.arte Einen neuen, sehr bemerkenswerten Ansatz wählte der Schrunser Museologe Bruno Winkler, der, ausgehend von schon länger bestehenden Kontakten der Schrunser Galerie montArtphon (Johann Trippolt) zur künstlerischen Szene in Belgrad, einen Serbien-Schwerpunkt mit vorarlbergweiter Ausstrahlung setzte, der im Mai und Juni 2014 in Schruns und in der Folge in ganz Vorarlberg ausgetragen wurde. Dazu Bruno Winkler im begleitenden Katalog:

Eine Gemeinde im Ersten Weltkrieg ... das ist das Thema, der seit 13. Juni in der Galerie Hollenstein laufenden Ausstellung, die sich mit Lustenau in den Jahren 1914 bis 1918 auseinandersetzt. www.lustenau.at/de/historisches-archiv/

Form zum Anlass genommen, Akzente des Gedenkens zu setzen. serbi.arte sieht sich selbst zwar auch in diesem Erinnerungskontext, allerdings mit gänzlich eigenständigem Profil und dezidierter Blickrichtung: nach Serbien. 1914 ist Auslöser bedeutungsschwerer Assoziationen, in Österreich ganz besonders. „Serbien muss sterbien“ stand auf den Zügen, in denen Soldaten von Wien an die

Über einen Aufruf an die Mitglieder und sonstige potenzielle Inhaber einschlägiger Quellen bemühen sich die Montafoner Museen an Fotografien, Objekten, Dokumenten zu gelangen, die Zeugnis für den Ersten Weltkrieg in der Talschaft ablegen. Ab 2015 wird es dann jährlich in einem der Montafoner Museen Ausstellungen zum Ersten Weltkrieg geben. www.stand-montafon.at/montafoner-museen

Der britische Panzer „Mark IV Male“.

„Dann kommen die Überlebende aus dem Krieg und erzählen, wie schön der Heldentod ist." Ludwig Thoma


en

Katastrophenzeit – Vorarlberg vor 100 Jahren Vorarlberg lag zwar weit entfernt von den Fronten und wurde erst nach Kriegsende kurz von feindlichen Soldaten betreten, der Krieg erfasste das Land aber schon 1914 mit voller Wucht: Mit den Einberufungen, ersten Todesmeldungen, vielen Verletzten, einer großen Zahl an Kriegsgefangenen und einer rasch sich verschlimmernden Nahrungsmittelknappheit. Dem ersten Schock über die Ermordung des Thronfolgerpaares folgten auch in den Vorarlberger Medien klare Schuldzuweisungen: Die serbische Nationalbewegung sei für den politischen Mord verantwortlich. Allerdings verwiesen die Sozialdemokraten bereits wenige Tage

Junge Montafoner nach der Musterung am 24. April 1914 Quelle: Montafon Achiv, Sammlung Bruno Hueber

später auf die Gefahr eines Weltkriegs, falls Serbien angegriffen würde. Nach der Mobilmachung Ende Juli wurden derartige Aussagen jedoch nicht mehr getätigt. In weiten Teilen des Landes fanden mehr oder weniger „spontane“ politisch-patriotische Kundgebungen zu Kriegsbeginn statt. Im Zuge der Mobilmachung wurden viele Männer eingezogen. Die meisten wurden bei den Kaiserjägerregimentern und den Kaiser- bzw. Landesschützen eingesetzt und bereits am ersten Kampftag, dem 28. August, fielen an der russischen Front 36 Vorarlberger, 14 blieben vermisst. Die meisten Opfer waren in den beiden ersten Kriegsjahren zu verzeichnen. Insgesamt starben rund 5.000 Soldaten – ein im Vergleich zu den übrigen Ländern der Monarchie besonders hoher Prozentsatz. Auf das heutige Österreich entfielen insgesamt etwa 180.000 bis 190.000 Gefallene und Vermisste. Im Vergleich mit den anderen späteren Bun-

Lustenau 1914-1918 – Eine Gemeinde im Ersten Weltkrieg“ Dauer: 14. Juni bis 11.Oktober 2014 Öffnungszeiten: 14. Juni - 13. Juli: normale Öffnungszeiten 20. Juli - 7. September: Achtung: Sommeröffnungszeiten: Sonntag: 10 -12 Uhr und Führungen nach Vereinbarung 12. September - 11. Oktober: normale Öffnungszeiten Rahmenprogramm: Archivgespräch 3 / 2014: Oliver Heinzle: „Lustenauer Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg“, Montag, 23. Juni, 18.30 Uhr, Galerie Hollenstein

13 |

desländern bezogen auf Tausend pro Bevölkerung nahm Vorarlberg mit 33,9 den zweiten Rang nach Kärnten ein. Ein erheblicher Teil der Gefallenen war verheiratet. Somit gab es zahlreiche Kriegswitwen und etwa dreimal so viele Kriegswaisen. Dazu kamen viele schwer Verwundete, die eine dauernde Invalidität davontrugen. Man musste aber nicht nur körperliche Schäden berücksichtigen, denn die Kriegsneurosen und seelischen Traumata, die viele Soldaten erlitten hatten, beschäftigten die Psychiatrie noch lange. Eine der hartnäckigsten Kriegslügen der österreichischen Geschichte ist jene vom „anständigen“ Ersten Weltkrieg im Unterschied zum „schmutzigen“ Zweiten Weltkrieg. Der Erste Weltkrieg war jedoch keinesfalls ein „sauberer Krieg“ – ganz abgesehen davon, dass Krieg immer ein schreckliches Töten und Zerstören bedeutet. Fotos von österreichischen Soldaten vor gehängten serbischen Zivilisten, menschenverachtende Sturmläufe und Giftgasangriffe, Geiseln als menschliche Schutzschilde, hinterhältiger Antisemitismus und offener Völkermord, Vertreibungen sowie sinnlose Zerstörungen ergeben insgesamt ein düsteres Bild. Bei der einseitigen Wahrnehmung des Krieges als Männerangelegenheit wurde zudem oft übersehen, dass vor allem die Mehrheit der Bevölkerung, Frauen und Kinder, im Hinterland besonders schwere Belastungen trugen und ebenfalls sehr stark litten. Die Versorgungslage war von Beginn an prekär, die Lebensmittelpreise stiegen bereits im August 1914. Schon im September kam es in Feldkirch zu einer Versorgungskrise. Ab dem Frühjahr 1915 wurde schließlich flächendeckend die staatliche Zwangsbewirtschaftung eingeführt. Am härtesten traf es dabei wie üblich die Wehrlosesten: die Kinder. Gegenmaßnahmen wie Kinderausspeisungen oder die Aktion „Kinder in die Schweiz“ konnten da kaum Abhilfe schaffen. Im Frühsommer 1918 bat der Dornbirner Ortsschulrat sogar um die Erlaubnis, die Schulen früher schließen zu dürfen: „Wenn man sie länger schlafen lassen könnte, würden sie den Mangel an Lebensmitteln leichter überstehen.“ Im Herbst 1918 forderte schließlich die spanische Grippe

Bibliothek Lustenau: „Schönheit und Schrecken – Literatur zum Thema „Erster Weltkrieg“. Es lesen Oliver Heinzle, Peter Ladstätter und Pia Pichler. Donnerstag, 26. Juni, 19 Uhr, Bibliothek Lustenau Archivgespräch 4 / 2014: Wolfgang Scheffknecht: „Inszenierung und Wirklichkeit des Ersten Weltkriegs am Beispiel der Marktgemeinde Lustenau“, Montag, 7. Juli, 18.30 Uhr, Galerie Hollenstein Archivgespräch 5 / 2014: Vanessa Hämmerle: „Alltagsleben in Lustenau während des Ersten Weltkriegs“, Montag, 15. September, 18.30 Uhr, Galerie Hollenstein

rund 500 Todesopfer. Insgesamt war es in den Kriegsjahren überdies zu einem Anstieg der Tuberkulosefälle gekommen, Eheschließungen und Geburten waren drastisch zurückgegangen. Die Vorarlberger Wirtschaft wurde vom Kriegsausbruch und der unmittelbar folgenden Schweizer Grenzsperre schwer getroffen. In der Folge stieg die Arbeitslosigkeit rasch an und als dann noch Kriegsgefangene als billige Arbeitskräfte vermehrt ins Land kamen verschärfte sich die Situation weiter. Die vornehmlich russischen und italienischen Kriegsgefangenen wurden zumeist im Straßenbau oder bei der Wildbachverbauung eingesetzt. Zahlreiche Kriegsgefangene versuchten überdies aus

Frauen im Krieg: Strick- und Nähstube Schwarzenberg 1914-15 Quelle: Montafon Archiv, Sammlung Georg Stampfer

oder durch Vorarlberg in die nahe Schweiz zu fliehen. In diesem Zusammenhang und mit der Erklärung Vorarlbergs zum „engeren Kriegsgebiet“ nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 wurde die Grenze vermehrt gesichert und durch sogenannte Grenzschutzabteilungen bewacht. In der Militärzensurstelle Feldkirch waren rund 800 Mitarbeiter tätig und kontrollierten den Briefverkehr, der über die Schweiz nach Österreich gelangte. Hunderte Vorarlberger waren bei Kriegsausbruch in Frankreich oder Belgien auf Saisonarbeit und wurden in der Folge dort interniert. Allein aus dem Montafon blieben von 1914 bis 1919 ca. 150 Männer in französischer Gefangenschaft. Vor allem mit dem Blick auf die Folgen sind – der klassischen Titulierung des Ersten Weltkrieges als „Urkatastrophe“ folgend – die Jahre zwischen 1914 und 1918 als regionale Katastrophenzeit zu sehen. Mit Spannung können daher die Projekte, Ausstellungen und die Publikation erwartet werden, die den „historischen Ort“ des Ersten Weltkriegs in der Vorarlberger Geschichte des 20. Jahrhunderts 100 Jahre nach dessen Ausbruch neu einzuordnen versuchen. Michael Kasper

Archivgespräch 6 / 2014: Hubert Weitensfelder (Technisches Museum Wien): "Nesselhemden, Schwindelseifen, Blutbrot. Der dunkle Kosmos der Ersatzstoffe im Ersten Weltkrieg", Montag, 29. September, 18.30 Uhr, Galerie Hollenstein Lange Nacht der Museen: Die Kuratoren sind anwesend und führen durch die Ausstellung. Samstag, 4. Oktober, 18 Uhr bis 1 Uhr, Galerie Hollenstein Finissage und Archivgespräch 7 / 2014: Gunda Barth-Scalmani (Universität Innsbruck): „Frauen in der Landwirtschaft in den Jahren 1914 bis 1918“, Samstag, 11. Oktober, 18.30 Uhr, Galerie Hollenstein


Fahrzeughalle des Vorarlberger Landesfeuerwehrmuseums im „Wollaschopf“ Im ehemaligen, in der Zwischenkriegszeit errichteten Baumwolllager der Textilwerke Ganahl (bekannt als „Wollaschopf“) wurde anlässlich der Langen Nacht der Museen 2013 die Fahrzeughalle des Vorarlberger Landesfeuerwehrmuseums eröffnet. Für die Initiatoren bedeutete dieser Schritt einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung der Vorarlberger Museumswelt in Frastanz. In einem aufwändigen Projekt konnte das aus Backstein-Ziegeln errichtete Gebäude unter der Leitung von Bezirksfeuerwehrinspektor Manfred Morscher in einen spektakulären Schauraum verwandelt

werden, wobei rund 2.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden investiert wurden. Die mächtige Halle zeichnet sich durch ihre besondere Strahlkraft sowohl nach innen als auch nach außen aus. Den Besucher erwarten unter Schwarzlicht lumineszierende Wandbilder sowie eine Klanginstallation, die einen imaginären Brandeinsatz vermittelt. Zehn Feuerwehroldtimer und mehrere Handdruckspritzen, Anhänger und Leitern aus der Sammlung des Vorarlberger Landesfeuerwehrmuseums werden in der Halle präsentiert. Durch die sorgsam restaurierte Außenbeleuchtung ist die Halle bei Tag und bei Nacht ein Erlebnis.

Landesfeuerwehrmuseum Fahrzeughalle „Wollaschopf“ Schmittengasse 19 6820 Frastanz Öffnungszeiten Jeweils Mittwoch, 16.00 bis 19.00 Uhr Für Gruppen wird nach Voranmeldung jederzeit geöffnet Kontakt: Peter Schmid, Tel. +43 664 2118999

Christof Thöny

Die goldene Schale. Spazieren in Bregenz Als goldene Schale hat der irische Missionar Kolumban Bregenz bezeichnet, bevor er den Ort verließ. Er meinte die Landschaft und den fruchtbaren Boden. Der Vergleich ist trefflich: Bregenz liegt an einer Bucht des Bodensees, bogenförmig gerahmt vom Pfänderstock. Eine goldene Schale voller Schlangen, fügte Kolumban freilich hinzu, und meinte die Bregenzer. Die Bregenzer ließen sich nämlich nicht missionieren, sie waren vielleicht

genz erkundet. Die eine führt von der Stadtpfarrkirche St. Gallus über die Oberstadt und die Maurachgasse an den See, die andere vom Kloster Mehrerau den See entlang bis zur Militärschwimmschule, die von den Bregenzern liebevoll Mili genannt wird. Quasi als Stichwortgeber können die in der Ausstellung gezeigten Objekte und Bilder gesehen werden, jedes von ihnen direkt verküpft mit der historischen Bregenzer Zeitlinie. Es wurden jedoch nur Exponate ausgewählt, die sich auch im heutigen Stadtbild

Darüberhinaus sind die Objekte als Bedeutungspaare angeordnet. Mit einem geübten Blick fürs Panoptische werden hier damalige Wirklichkeiten aus der Versenkung geholt und anhand der noch vorhandenen Spuren im heutigen Alltag beleuchtet. Der Rundgang, der im Martinsturm und in der RiBgalerie am Kornmarkt durch die Ausstellungsfläche begrenzt wird, lässt sich aber auch draußen vor Ort durchführen. Dazu erschien in der Reihe „Edition Stadgeschichte“ein Buch, das als Reiseführer

Epitaph von Kaspar Schoch | Stadtpfarrkirche St. Gallus

Gedenkknopf Gulaschbrücke | 75 Jahre Wälderbahn (1977)

noch finden lassen, was aus der Ausstellung einen historischen Rundgang mit aktuellem Bezug macht oder umgekehrt.

gute Dienste leistet. Als vertiefende Ausstellungsdokumentation ebenso wie als Guide durch die zwei illustrierten Routen (siehe Seite 18 und Buchtipp unten).

Schild der Bäckerzunft | Das Bäckerehepaar Vochazer

beeindruckt von diesem starrköpfigen Iren, lieb gewonnen haben sie ihn nicht. Die Ausstellung im Martinsturm und in der RiBgalerie am Kornmarktplatz, lädt ein, durch Bregenz zu spazieren und etwas über die Geschichte der Stadt und über ihre Bewohner zu erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes en passant. Auf zwei Routen wird Bre-

Thomas Klagian

14

Thomas Klagian Die goldene Schale. Spazieren in Bregenz Edition Stadtgeschichte Hardcover, 19x14 cm, 212 Seiten Einzelpreis EUR 22,-ISBN 978-3-9502706-7-9 Bertolini Verlag, Bregenz 2014


Vom Jagdspeer zum Skistock. Susi Weigel und die frühe Kunst am Bau. Den Sachunterricht in der Volksschule Klösterle genießen die Kinder vor einem Wandgemälde von Susi Weigel (1914-1990). Die Garderobenbänkchen sind dieselben wie anderswo auch. Und an den Kleiderhaken hängen die Turnbeutel. Das gewohnte Bild wird allerdings ergänzt durch ein ungewöhnliches.

produktiv war, gerät erst in den letzten Jahren ins Licht der Öffentlichkeit. Spät, aber doch, auch in Vorarlberg: Hier hat sie vier Jahrzehnte gelebt, zuerst in Langen am Arlberg, dann in Bludenz, wo sie 1990 verstarb.

Hebt man den Blick von jenen zwei Pferden, die einen pinkfarbigen Stoffsack schmücken, der Wand entlang nach oben, sind dort wieder Rösser. Gemalte. Ein großes quer-

Das Wandgemälde aus dem Jahr 1959 zeigt die Entwicklung des Klostertals als Geschichte in sechs Frames, vom 10. bis zum 20. Jahrhundert, Schlusspunkt bildet ein Ses-

formatiges Wandbild schmückt den Eingangsraum der Volksschule Klösterle, signiert ist das Bild mit „Susi MairWeigel 1959“. Susi Weigels Kreaturen, vom kleinen „Ichbin-Ich“ bis zu „Bimbulli“, von der Omama im Apfelbaum

sellift. Gebirge prägen die Szenen fortschreitender Zivilisation: Dem Dachdecken und Eberstechen folgt der gärtnernde Mönch, dem spätmittelalterlichen Treiben rund um Bäcker, Wirt und Zoll eine gerüstete Heerschar, steil

Am Anfang war der Fuchs

Mann, während im Vordergrund der Szene ein Bär und ein Bärenjunges an einem Bach zu sehen sind, beide „froh“ mit einem Fisch. Im Lauf der Geschichten wird das Ross zum Leit-Tier, vor dem Karren, beim Hufschmied – und im 19. Jahrhundert vor eine Reisekutsche gespannt, von der aus man den Zug übers Wäldletobelviadukt dampfen sieht. Im letzten Abschnitt, in dem die Menschen ihre Freizeit bereits im verschneiten Hang verbringen, haben zahlreiche motorisierte PS in flotter orangeroter Hülle die grauen und braunen Pferde verdrängt. Ein Skiifahrer hat ganz lässig einen Fotoapparat umgehängt – wie ein Schnappschuss wirkt auch jedes dieser nichtmonumentalen „JahrhundertBilder“. Die heutige Präsentation des Bildes ist alles andere als museal, und mit großer Selbstverständlichkeit hat das vertraute Wandgemälde seinen Platz im Unterricht, wenn „die

Foto: Nachlass Susi Weigel

Großen“ – Kinder der dritten und vierten Schulstufe – anhand dieser Bildwelt von Erz und Salz und Anderem lernen und dazu ihre Texte schreiben. Würdigung in Etappen

bis zur ebenfalls in Wipfeln hausenden grünmähnigen Frau Hullewulle sind bekannt und beliebt. Die in Wien aufgewachsene Künstlerin selbst, die vor allem in ihrer Arbeitspartnerschaft mit der Autorin Mira Lobe unglaublich

bergab. Die Sujets sind kindgerecht gestaltet, nicht zuletzt durch die Darstellung von Tieren: Am Anfang war der Fuchs, dies zeigt Susi Weigels Geschichte des Klostertals: Im Wald trifft das Wild(schwein) auf einen bewaffneten

Susi Weigels Name ist nicht annähernd so präsent und prominent wie ihre Figuren. Das ist ein Los, das sie mit vielen Illustratorinnen und Illustratoren, gerade von Kinderbüchern, teilt. Eine gezielte Erforschung und bewusste Weigel-Rezeption sind noch jung. Sie verdanken sich zunächst einem Impuls in Hinblick auf die Datenbank „biografiA“ am Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK-Dokumentationstelle Frauenforschung): Die folgenden Recherchen im Jahr 2007 konnten auch den Nachlass von Susi Weigel einbeziehen, der sich in Privatbesitz in Bludenz befindet. Andere Nachforschungen förderten einen Trickfilm von Susi Weigel (Berlin, 1941) zutage. Die zündende Personale, 2010/2011 im Frauenmuseum Hittisau und anschließend in der Remise Bludenz, rückte den Namen und das Wirken von Susi Weigel neu ins Licht der (vor allem Vorarlberger) Öffentlichkeit. Heuer schließlich, zum 100. Geburtstag der Künstlerin, stehen Susi Weigel und Mira Lobe als Team im Zentrum einer Ausstellung im Wien Museum (ab 6.11.) Im vorarlberg museum plant man, Susi Weigel eine der fünf Vitrinen auf der Galerie im zweiten Stockwerk zu widmen. Petra Nachbaur

Gemäldereproduktionen: Christa Engstler

15 |

Wien Museum 1040 Wien, Karlsplatz 8 Tel. +43-1-505 87 47 service@wienmuseum.at


Die ersten Europäer. Habsburger und andere Juden – eine Welt vor 1914 „Man muss nicht jüdisch sein, um die Geschichte Europas zu verstehen, aber es hilft“ – wird der britische Historiker Tony Judt im Eingangsbereich zur Ausstellung zitiert. Doch waren Juden tatsächlich die ersten Europäer?

jüdischen Gemeinde – Anton Rosenthal, der Bauherr der Villa, in der sich heute das Jüdische Museum befindet – und der letzte Rabbiner von Hohenems, Josef Link, damals noch für Tirol und Vorarlberg zuständig. Die „Gräfin von Hohenems“

Die Historikerin Diana Pinto macht hier mit einem Text im Katalog zur Ausstellung eine feinsinnige Unterscheidung und stellt die Frage: „Die ersten Europäer oder die ersten Kosmopoliten?” Und dadurch dann Vorboten der Globalisierung? Schließlich erstreckten sich ihre familiären, beruflichen, wirtschaftlichen und religiösen Netzwerke weit über alle Grenzen hinweg, wie eine Karte im Eingangsbereich des Museums veranschaulicht. Durch diese weitreichenden Vernetzungen hatten Juden eine wichtige Funktion als Vermittler zwischen den Kulturen und nahmen durch ihre Lebenswelten die Idee von Europa vorweg beziehungsweise leisteten, wie die Kuratorinnen der Ausstellung Felicitas Heimann-Jelinek und Michaela Feurstein-Prasser meinen, einen „Beitrag zur Entwicklung einer europäischen Kultur“. Wie umfangreich diese Kultur gewesen sein mag, veranschaulichen die Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen aus aller Welt, die die Vielfältigkeit eines untergegangenen Vielvölkerstaates und die daraus resultierenden Spannungsfelder erahnen lassen. Der Fokus liegt dabei oft auf den Menschen, den Lebensgeschichten hinter den Objekten, die mehrmals einen Bezug zu Hohenems herstellen lassen. Für die Ausstellungsarchitektur zeichnet Martin Kohlbauer aus Wien verantwortlich, der die Räume in das Blau der europäischen Fahne taucht und die 41 Objekte auf einem Tisch formiert, der mit einem Entwurf für die europäische Fahne des niederländischen Architekten Rem Koohlhaas aus dem Jahr 2005 unterlegt ist: einem Bar-Code gleich vereint Koohlhaas dabei alle Farben der Flaggen der Staaten der Europäischen Union. Dieser Vorschlag konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Die jüdische Gemeinde in Hohenems Hohenems war lange die einzige öffentlich anerkannte jüdische Gemeinde im Gebiet des heutigen Österreichs westlich des Burgenlandes. Und so scheint auch die jüdische Gemeinde von Hohenems als eine der damals insgesamt 400 jüdischen Gemeinden im Habsburgerreich in der Huldigungsadresse zum 80. Geburtstag Kaiser Franz Josefs auf – eine logistische Herausforderung, mussten doch die Vertre- Tora Mantel Jüdisches Museum Wien ter aller jüdischen Gemeinden die Glückwunschkarten unterschreiben, die dann zusammengefasst in der festlich gestalteten „Grußadresse“ die Loyalität zum Kaiser zum Ausdruck bringen sollten. Für Hohenems signierten der damalige Kultusvorsteher der

16

Geschätzt und verehrt wurde auch Kaiserin Elisabeth, „Sisi“, die ahnte, dass die Monarchie auf Dauer keine Zukunft haben würde – und einen Teil ihres Vermögens auf einem Konto der Rothschild-Bank in der Schweiz deponierte. Auf Einladung von Baronin Julie Rothschild weilte die Kaiserin auch im September 1898 in Genf, unter dem Namen „Gräfin von Hohenems“ stieg sie im Hotel Beau Rivage in Genf ab, wo sie von einem Anarchisten ermordet wurde. Der damalige „Sisi-Kult“ mag eine Rolle gespielt haben, aber viele Juden trauerten wohl auch aus anderen Gründen um die Kaiserin, deren Nachruf in der jüdischen Wochenzeitschrift „Die Neuzeit“ mit einem Zitat König Davids eingeleitet wurde: „Wie man vor Bösewichten fällt, bist du gefallen“. Geschätzt wurde Elisabeth besonders wegen ihrer Haltung gegen den aufkommenden AntiAbzeichen aus dem semitismus und ihrer Ver1. Weltkrieg Jüdisches Museum Wien ehrung für den Dichter Heinrich Heine, erfolglos blieb ihr Engagement für die Errichtung eines Heine-Denkmals in Düsseldorf – realisiert wurde das Denkmal in Elisabeths Privatschloss auf Korfu, dem Achilleion. Wie weitblickend sie war, veranschaulicht ein Zitat in der Ausstellung, in dem sie sich an eine „Zukunfts-Seele“ wendet: „Dir übergebe ich diese Schriften. Der Meister [Heine, Anm.] hat sie mir dictiert, und auch er hat ihren Zweck bestimmt, nämlich vom Jahre 1890 an in 60 Jahren sollen sie veröffentlicht werden zum Besten politischer Verurteilter und deren hilfebedürftigen Angehörigen. Denn in 60 Jahren so wenig wie heute werden Glück und Friede, das heißt Freiheit auf unserem kleinen Sterne heimisch sein […].“ Zahlreiche Texte und Judaica Neben vielen Handschriften, darunter das Sefer Or Zarua, ein Werk, das das jüdische Gesetz, die Halacha, kodifiziert und somit ein Sittenbild des jüdischen Alltags widergibt sowie das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge, geführt von 1633 bis 1932, sind Judaica wie Rimmonim und Toraschilder, Toravorhänge und vieles mehr zu sehen. Bemerkenswert die Geschichte eines Chanukkaleuchters, dessen Geschichte sich über mehrere Generationen zurückverfolgen lässt. 1713 in Halberstadt von Samuel Wertheimer erworben, sind die Be-

sitzer lückenlos bis ins Jahr 1929 nachzuweisen – 1942 nehmen sich die letzten Besitzer in Amsterdam vor der drohenden Deportation das Leben. Erst in den 1950er Jahren taucht die Chanukkia wieder auf, als Geschenk für die Central Synagogue in New York. Die Odyssee endet in einer Judaica-Auktion im Jahr 2006, in der dank genauer Unterlagen der Leuchter an die Erben der letzten Besitzer restituiert werden konnte. Auf einer Auktion im Jahr 2010 wiederum konnte der heutige Besitzer das geschichtsträchtige Stück erwerben. „Europa ist mir verloren ...“ Ein Highlight am Ende der Ausstellung ist ein Manuskript Stefan Zweigs, dessen jüdische Mutter Ida Brettauer aus Hohenems stammte. Seine transnationalen, europäischen Hoffnungen und Enttäuschungen bringt Zweig in seiner Autobiografie „Die Welt von gestern“ (Untertitel: „Erinnerungen eines Europäers“) zum Ausdruck – verfasst im Exil in Brasilien, wohin er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war und wo er sich im Jahr 1941 das Leben nahm. Er resümiert: „Ich bin 1881 in einem großen und mäch- Stefan Zweig tigen Kaiserreiche geboren, in der Manuskript „Blick auf mein Leben“ Seite 2 Monarchie der Habsburger, aber man suche sie nicht auf der Karte: sie ist weggewaschen ohne Spur. Ich bin aufgewachsen in Wien, der zweitausendjährigen übernationalen Metropole, und habe sie wie

Foto: Dietmar Walser

ein Verbrecher verlassen müssen, ehe sie degradiert wurde zu einer deutschen Provinzstadt. Mein literarisches Werk ist in der Sprache, in der es geschrieben, zu Asche verbrannt worden, in eben demselben Lande, wo meine Bücher Millionen Leser sich zu Freunden gemacht. So gehöre ich nirgends mehr hin, überall Fremder und bestenfalls Gast; auch die eigentliche Heimat, die mein Herz sich erwählt, Europa ist mir verloren, seit es sich zum zweitenmal selbstmörderisch zerfleischt im Bruderkriege.“ Susanne Emerich

Die ersten Europäer. Habsburger und andere Juden – eine Welt vor 1914 Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems 25. März bis 5. Oktober 2014 Öffnungszeiten Museum und Café: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10.00 -17.00 Uhr Montags geschlossen

Felicitas Heimann-Jelinek, Michaela Feurstein-Prasser (Hg.) Die ersten Europäer. Habsburger und andere Juden – eine Welt vor 1914 Gebunden, 200 Seiten, 30 x 23 cm Mandelbaum Verlag 34,90 Euro ISBN 978-3-85476-439-7


Selbstbildnis – ein Olivenbaum aus Kalabrien in Vorarlberg Die Werke der in Italien geborenen, seit über 60 Jahren in Hohenems lebenden Künstlerin Mariella Scherling-Elia lassen niemanden unberührt. Für sie ist Kunst nie Selbstzweck – mit ihren Arbeiten möchte die Künstlerin die Betrachter aufrütteln und auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. „Schmerz, Verlust, Freude, Seele, Herz, Liebe, Leben, Tod“ – Wörter aus einem der vielen von Hand verfassten Manifeste, die Scherling-Elia auf Himalaya-Papier schreibt und ihren Installationen beilegt. Diese Begriffe verdeutlichen, um welche Themen ihre Gedanken kreisen. Für die Umsetzung der Ideen wählt die Künstlerin stets das ihr am besten geeignet erscheinende Medium aus. 1997 zeigte Mariella Scherling-Elia in der Johanniterkirche in Feldkirch Zeichnungen, die sich mit der Gewalt an Bosnischen Frauen im Balkankrieg auseinandersetzten. Damals war es ein Skandal, dass die Künstlerin Zeichnungen mit Abbildungen von Frauen mit gespreizten Beinen ausstellen wollte. Die damalige Kuratorin pochte auf Zensur – Mariella Scherling-Elia folgte und brachte schwarze Tücher als „Vorhänge“ an den möglicherweise anstößigen Stellen an. Doch damit war der Fokus nur noch deutlicher auf das ihr wichtige Thema gelenkt: das allgemeine Wegschauen bei unangenehmen Angelegenheiten. Mariella Scherling-Elia legt Wert darauf nicht wegzuschauen – und die Kunst zu nutzen, um auf die aus ihrer Sicht zentralen gesellschaftlichen Probleme aufmerksam zu machen. Dabei gerät sie an Grenzen, die sie mutig durchbricht. Dies kann dazu führen, dass die Umsetzung einer Idee manchmal viele Jahre dauern kann. So wurde auch die Installation „Kinderleid“ – von Scherling-Elia 2003 für eine Ausstellung in der UNESCO in Paris geplant – erst 2013 in der Johanniterkirche in Feldkirch

umgesetzt. Die Künstlerin bedeckte den kompletten Boden der ehemaligen Kirche mit einem Teppich, der mit Gesichtern von Kindern aus allen Nationen bedruckt war. Es ging ihr dabei um die Sensibilisierung der Menschen gegenüber dem Leid und der Gewalt an Kindern. Ein sehr persönliches, für Mariella Scherling-Elia existenziell wichtiges Projekt, das sie schon viele Jahre beschäftigte, war die Idee einen Olivenbaum aus ihrer italienischen Heimat nach Vorarlberg zu bringen. Ende 2012 konnte dieses Vorhaben dann unter dem Titel „Autoritratto“, Selbstporträt, für ein Ausstellungsprojekt in der Galerie QuadrART in Dornbirn umgesetzt werden. Dabei sind die Verhandlungen, die Reisen, der Transport, die filmische Dokumentation, die mitwirkenden Helfer und auch die Ausstellung

selbst Puzzlestücke eines Werks, in dem sich die Frage nach dem Selbst ganz grundlegend stellt. In dieser Arbeit werden das Wachsen in der Kindheit, die notwendigen Schnitte bei einer Trennung, die Persönlichkeitsfindung oder das Abschiednehmen und Erinnern reflektiert. Nach dem Kunststudium in Florenz ist Scherling-Elia nicht mehr

in den Süden Italiens zurückgegangen. Es hat sie der Liebe zu ihrem Mann Hannes Scherling und auch der Arbeit wegen 1953 nach Vorarlberg verschlagen. Hohenems war damals als vorübergehende Zwischenstation gedacht, doch mittlerweile hat die Künstlerin den größten Teil ihres Lebens dort verbracht. Trotz dieser langen Zeit in Österreich beschäftigt Scherling-Elia die Frage nach den eigenen Wurzeln immer noch sehr intensiv. Am Beginn ihres Projektes „Autoritratto“ stand die Suche nach einem geeigneten Olivenbaum, der aus Kalabrien und möglichst aus der Nähe von Aprigliano kommen sollte, dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Auf einer ersten Reise suchte die Künstlerin mithilfe ihrer Familie und vielen Freunden nach dem richtigen Baum. Relativ leicht wäre es, von einer Baumschule ein beliebiges junges Bäumchen zu

erstehen. Aber Scherling-Elia bevorzugte einen älteren und damit bereits tiefer verwurzelten Olivenbaum. Da die Einwohner von Kalabrien ihre Olivenbäume wie Schätze achten und hegen, gestaltete sich das Projekt in dieser Phase als echte Herausforderung. Nach zähem Ringen wurde schließlich der richtige Baum in Figline Vegliaturo unweit von Aprigliano gefunden. Er ist etwa 70 Jahre alt und doch aufgrund seiner jungen Äste vital genug, um auch einen Transport nach Österreich zu überstehen. Auf einer zweiten Reise wurde dann dieser unter Anleitung des ortskundigen Gärtners Michele Fuoco zurechtgeschnitten, vom kalabresischen Boden freigelegt, samt Erdballen vorsichtig gehoben und für die weite Reise eingepackt. Unverzichtbarer Bestandsteil dieser Vorbereitung war auch die Segnung des Baumes, die Pfarrer „Don Eddie“ im Beisein von Verwandten und Freunden vornahm. Im November 2012 wurde der Olivenbaum dann in der Dornbirner QuadrART Galerie ausgestellt. Die Präsentation war für Mariella Scherling-Elia als eine Art Zwischenstation gedacht, bevor dieser, wie die Künstlerin selbst, seine Wurzeln in Hohenems in die Erde schlagen sollte. Trotz intensiver Bemühungen war es leider bis jetzt noch nicht möglich einen geeigneten Platz für den Baum im Hohenemser Stadtgebiet zu finden. Nach Monaten im Zwischenlager einer Gärtnerei bekommt der Olivenbaum nun im Atrium des vorarlberg museums eine weitere temporäre Heimat. Dieser Ort – im Zwischenbereich von Innen und Außen – in einem Haus, das sich mit der Geschichte Vorarlbergs und der Frage

„Woher kommen wir?“ auseinandersetzt, bietet einen neuen Kontext für die Arbeit von Mariella Scherling-Elia. Der verpflanzte Olivenbaum wird zu einem Bild der Selbstbefragung, zur Metapher eines ganz persönlichen Kulturtransfers, und damit zu einer Art Selbstbildnis. Kerstin Helfrich Ausstellung im Atrium des vorarlberg museums 16. Juli bis (DATUM FEHLT) Oktober 2014


Ausstellungskalender Sommer 2014 Martinsturm Bregenz | RiBgalerie am Kornmarkt Die goldene Schale. Spazieren in Bregenz 24. April – 31. Oktober 2014 Martinsturm Bregenz, Di – So 10.00 – 17.00 Uhr RiBgalerie am Kornkarkt, Mo – Fr 10-00 – 17.00 Uhr Führung durch die Ausstellung mit Thomas Klagian, Stadtarchivar von Bregenz und Vizepräsident des Vorarlberger Landesmuseumsvereins. Fr, 18. Juli, 17.00-18.00 Uhr, Martinsturm Bregenz www.martinsturmbregenz.at

Angelika Kaufmann Museum, Schwarzenberg Angelika Kauffmann. Blütezeit London 1. Mai – 6. Oktober 2014 Di – So 10.00 – 17.00 Uhr www.angelika-kauffmann.com

Frauenmuseum Hittisau Gestickte Moral. Spruchtücher zwischen Tradition, Rollenzuschreibung und Illsuion 7. Juni 2014 – 8. Februar 2015 Do und Fr 10.00 – 12.00 und 14.00 – 17.00 Uhr Sa und So 10.00 – 17.00 Uhr www.frauenmuseum.at

Juppenwerktstatt Riefensberg "In meinem Wälderkleide..." – Die Juppe in der Felderzeit 3. Juni – 31. Oktober 2014 Di 10.00 – 12.00 Uhr Fri 10.00 – 12.00 Uhr sowie 14.00 – 16.00 Uhr www.juppenwerkstatt.at

Klostertalmuseum, Wald am Arlberg Alpe Mähren – Radonatobel 5. Juni – 5. Oktober 2014 Mi und So jeweils 14.00 – 17.00 Uhr www.museumsverein-klostertal.at

Werkraum Bregenzerwald RundUmSanierung – eine Ausstellung mit Häuserrundgang in Andelsbuch 17. Mai – 21. Juni 2014 Di – Sa 10.00 – 18.00 Uhr www.werkraum.at

18

Klang:Kultur:Wanderungen Sa, 23. August, 18.00 Uhr, Alpe Gamp in Nenzing Alpsegen Hirten haben früher in der Schweiz, Liechtenstein und Vorarlberg täglich in der Abenddämmerung den Alpsegen gerufen. Ein Gebet, das die Alpe, das Alpvolk und das Vieh vor Unheil schützen sollte. Soweit der Schall des Alpsegens reichte, soweit – glaubte man – hatte das Böse keine Macht. In Vorarlberg ist der Alpsegen schon lange verstummt. In der Ausstellung „Sein & Mein“ im vorarlberg museum ist er dokumentiert. Martin Borg, Landwirt aus Nenzing, ist einer von wenigen, der diesen Brauch noch kennt. Bei dieser Klangwanderung (leichter Anstieg, ca. 30 Minuten) auf den Gipfel des Gampbergs wird Borg den Alpsegen rufen – ein eindrucksvolles, archaisches Erlebnis. Begleitet wird er vom Nenzinger Gemeindearchivar Thomas Gamon und dem Volkskundler Thomas Felfer, die auf dem Weg dieses Brauchtum erläutern. Treffpunkt: Berghaus Mattajoch auf der Alpe Gamp, 18.00 Uhr Gehzeit ein- bis eineinhalb Stunden Shuttlebus: Abfahrt um 16.00 und 17.00 Uhr beim Parkplatz oberhalb der Latzwiese, Nenzing. Der Bustransfer kostet 17 Euro und ist nur bei Voranmeldung bis 15. August möglich (Anton Gantner, 0043 (0) 5525/62217) Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt, bei Schlechtwetter im Berghaus Mattajoch. Sa, 6. September, 14.00 Uhr, Sonntag-Stein Echo Geräusche werden zumeist nicht bewusst wahrgenommen. Wir hören Umweltgeräusche, wenn sie uns stören und unsere Aufmerksamkeit fordern. Der Naturraum, und hier speziell die Berge, können dieses Wahrnehmungsmuster brechen. Sie bieten ein besonderes Hörerlebnis. Im Großen Walser-

tal gibt es mit der Echowand einen Ort von spezieller Klangqualität. Zur Echowand führt der sogenannte Klangraum Stein, ein Weg mit künstlerischen Installationen, die sich mit der Natur und ihrer Klanglandschaft auseinandersetzen. Sie sensibilisieren für die Wahrnehmung von Umweltgeräuschen. Der Volkskundler Thomas Felfer führt den Hörspaziergang durch den Klangraum Stein. Verschiedene Übungen sollen die Ohren für das Hörerlebnis an der Echowand öffnen. An der Echowand angekommen wird der Komponist Gerold Amann aus Schlins unterschiedliche Facetten des Echos beleuchten und vor Ort vorführen. Treffpunkt: 6. September, 14.00 Uhr, Bergstation Seilbahn Sonntag-Stein. Gehzeit ca. eine Stunde. Klang Kunst Turm, Laurentius. Bludenz, Wiederöffnung Bludenz verfügt über reichhaltige kunst- und sakralhistorische Potenziale. Dazu zählt auch die Laurentiuskirche mit ihrem Turm. Der in Wien lebende Klangkünstler gammon entwickelte im Jahr 2013 eine akustische Kunstidee für den Laurentiusturm. Im Zentrum dieser Hörinsel stehen der Spannungsbogen zwischen historischen und zeitgenössischen Klängen und die Turmglocken als zentrales akustisches Element. Von Mai bis Oktober wird die Klanginstallation den Besucherinnen und Besuchern, hoch über der Alpenstadt, erneut besondere Hörerlebnisse bieten. Kommen und lauschen Sie! Bei der Wiedereröffnung am Samstag, 10. Mai 2014, gibt der Künstler gammon einen Einblick in seine Arbeit. Über „Das Geheimnis der Glocken“ berichtet Monika Unterholzner von der Glockengießerei Grassmayr aus Innsbruck. Führungen Mai bis Oktober 2014, jeden Samstag um 17.00 Uhr Veranstalter Ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Bludenz, Bludenz Kultur gGmbH und Komitee Laurentiusturm in Kooperation mit dem vorarlberg museum. Laurentiusturm Bludenz Bludenz Kultur GmbH Tel.: +43 5552/63621-236 www.bludenz-kultur.at Fotonachweis Christa Engstler


„Flämische Kultur und Identität“ Lustenau – eine Gemeinde im Ersten Weltkrieg Mit dem nördlichsten Landesteil von Belgien werden deutliche Vorstellungen verbunden: Städte mit prächtigen Rathäusern, imposanten Glocken- und Kirchtürmen, beschaulichen Beginenhöfen und lebhaften Marktplätzen. Museen voller Meisterwerke von Künstlern wie Hans Memling, Hubert und Jan van Eyck, Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck. Weitere Attraktionen sind die prächtige Altstadt und das jüdische Viertel. Gent gilt als Stadt der Türme mit Belfried, St.-Nikolaus-Kirche und St.Bavo-Kathedrale. Brügge ist mittelalterliche Handelsstadt mit Weltgeltung. Die Tuchhalle, das feinverzierte Rathaus, die Heiligblut-Basilika und berühmte Museen mit flämischer Malerei machen Brügge beinahe zu einem Freilichtmuseum. Brüssel, die Hauptstadt Belgiens, hat einen prunkvollen barocken Hauptplatz, repräsentative Gründerzeitgebäude, elegante Jugendstielviertel und bunte Märkte. Termin: Sonntag 6. bis Freitag 11. Juli 2014 Wissenschaftliche Leitung: Karl Heinzle an: Baldur Hämmerle, E-Mail: Anmeldung exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100 „Mit Schiff und Bus vom Burgund in die Provence“ Bei der Anreise wird in Beaune das berühmte Hotel-Dieu besichtigt. Die Reise beginnt in Chalon-sur-Saône auf der seicht dahinfließenden Saône und weiter auf der ungestümen Rhône mit ihren Schleusenanlagen. Während der Hafenaufenthalte bietet sich die Gelegenheit, verschiedene Sehenswürdigkeiten zu besichtigen: Die Schluchten der Ardèche, die Papststadt Avignon, die landschaftliche Schönheit der Camargue, die römische Stadt Arles, das mittelalterliche Dörfchen Les-Baux-de-Provence sowie die Metropole Lyon. Der langen Weinbautradition in Frankreich trägt ein Besuch der Weinbaugebiete des Beaujolais und der Côtes du Rhône Rechnung. In Avignon wird der Papstpalast besichtigt. Ein Ausflug führt weiter in die Camargue mit Besichtigung des Wallfahrtsortes Saintes-Maries-de-laMer. In Arles erwarten uns neben dem Amphitheater und dem Forum der Place de la République mit dem Hotel de Ville. Weitere Stationen der Reise sind die Städte Lyon und Tournus. Termin: Donnerstag 7. bis Samstag 16. August 2014 Anmeldeschluss: 15. April 2014 Anmeldungen an: Baldur Hämmerle, E-Mail: exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100 Bregenzer Festspiele „die Zauberflöte“ – Tag des Vorarlberger Landesmuseumsvereins Die Bregenzer Festspiele zeigen Wolfgang Amadeus Mozarts im Jahre 1791 uraufgeführtes Werk, eine der weltweit am häufigsten gespielten Opern, 2014 noch einmal als Spiel auf dem See. Eine Führung gewährt vorab einen Blick hinter die Kulissen. Vor Besichtigung der großartigen Seebühne sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Begrüßungs-Apéro geladen. Wir dürfen uns wieder auf eine großartige Inszenierung auf der spektakulären Seebühne freuen. Beim Buffet im Gastronomiepark können wir uns in Ruhe auf den Festspielbesuch einstimmen. Termin: Donnerstag 21. August 2014 Anmeldungen an: Baldur Hämmerle, E-Mail: exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100

Das Historische Archiv der Marktgemeinde Lustenau organisiert eine Ausstellung zum Thema Lustenau im Ersten Weltkrieg. Die Ausstellung soll zeigen, wie der erste industrialisierte Krieg das Leben einer Gemeinde verändert hat. Im Rahmen der halbtägigen Exkursion wird zunächst die Ausstellung in der Galerie Hollenstein im Rahmen einer ausführlichen Führung besichtigt. Danach soll anhand der Kriegerdenkmäler in Lustenau und Dornbirn noch auf die Erinnerungskultur zum Ersten Weltkrieg eingegangen werden. Termin: Freitag 29. August Treffpunkt: 13.30 Uhr Lustenau Reichshofsaal Blauer Platz Wissenschaftliche Leitung: Wolfgang Scheffknecht an: Baldur Hämmerle, E-Mail: Anmeldung exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100 Für die Fahrt nach Dornbirn steht ein Bus zur Verfügung. KULTURWEG IN GRAUBÜNDEN „Das Tal des Vorderrheins“ Über 10.000 Millionen Kubikmeter Gestein stürzten beim Flimser Bergsturz vor fast zehntausend Jahren in die Tiefe. Der Rhein schnitt sich im Laufe der Zeit tief in die Gesteinsmassen ein und bildete die Rheinschlucht. Nur mit der Rhätischen Bahn oder zu Fuß kann man sie passieren. Von Chur aus werden wir mit der Bahn hindurchfahren und in Ilanz vom Bus abgeholt. Das Benediktinerkloster in Disentis ist seit dem 8. Jahrhundert das geistige und religiöse Zentrum des ganzen Tales. Die Klosterkirche haben die Bregenzerwälder Barockbaumeister geschaffen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen in Disentis erleben wir als kunstgeschichtlichen Höhepunkt dieser Fahrt den gotischen Freskenzyklus in der Kirche zu Waltensburg. Mit einem Abstecher nach Cazis schlagen wir eine Brücke zur Gegenwart und besuchen die „Steinkirche“ der evangelischen Kirchgemeinde Cazis. Ihre unkonventionelle Architektur hat schon für viel Aufsehen erregt und ihre räumliche Funktionalität ist beispielgebend. Termin: Donnerstag 4. September Leitung: Norbert Burtscher Anmeldungen an: Baldur Hämmerle, E-mail exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100 „Wälder, Walser, Wintersport“ – Ausstellungsbesuch und Besichtigung der Pfarrkirche Damüls In dem aus dem 17. Jahrhundert stammenden Pfarrhof konnte im Sommer 2013 die erste Ausstellung in der KULISSE PFARRHOF eröffnet werden. ... Sie widmet sich anlässlich des Jubiläums „700 Jahre Walser in Vorarlberg“ einerseits der zentralen Frage, ob die Damülserinnen und Damülser nun eher den Wäldern, den Walsern oder überhaupt einer eigenen Kategorie zuzuordnen sind und thematisiert andererseits zentrale Aspekte der jüngeren Vergangenheit von Damüls wie den Skisport

und den Tourismus. Den Kern der von Christof Thöny kuratierten Ausstellung bildet die einzigartige Sammlung von Christian Lingenhöle, die im ersten Stock des Pfarrhofs die Vorarlberger Skigeschichte illustriert. Eine Annäherung an die Frage nach der Identität der Bewohner des Ortes erfolgt im zweiten Stock mittels Zeitzeugeninterviews. Termin: Freitag 12. September 2014 ab 14.00 Uhr; Preis: 35,00 Euro Begleitung: Christian Lingenhöle, Pascal Keiser, Andreas Rudigier Anmeldung an: Pascal Keiser, Damüls-Faschina Tourismus E-Mail: pascal.keiser@damuels.at, T: 05510-620 Knappen, Pingen, Grubenfrösche – Auf den Spuren des Montafoner Bergbaus Der Bergbau im Montafon erlebte im 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Trotz der zahlreichen Bemühungen der Knappen erlangte diese Bergbauregion aber nie die wirtschaftliche Bedeutung wie zum Beispiel Schwaz im benachbarten Tirol. Im Bergbau Museum Silbertal wird den montanistischen Aktivitäten im südlichen Vorarlberg Rechnung getragen. Spannende archäologische Funde, historische Schriftquellen und beeindruckende Abbildungen lassen den Besucher in eine längst vergangene, mit Mythen und Sagen gespickte Welt eintauchen. Es ist somit eine ideale Ergänzung zum Silberpfad und der Silberspielwelt am Kristberg. Gemeinsam werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Spuren der Knappen das Bergbau Museum Silbertal, den Silberpfad und die Pingenfelder am Kristberg erkunden. Termin: Sonntag 21.September 2014, Preis: 45,00 Euro Begleitung: Georg Neuhauser, Universität Innsbruck, Sarah Leib, Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen Anmeldung an: Karin Valasek, Montafoner Heimatmuseum E-Mail: k.valasek@montafoner-museen.at, T: 05556-74723 Florenz – Kirchen Paläste und Museen in der Stadt der Medici Von welcher Seite aus man sich Florenz auch nähert, das erste, was man von der Stadt wahrnimmt, ist die emportauchende Domkuppel. Die Kuppel umfasst die Baumasse des Doms und ist dennoch Teil der gesamten Stadt. Bereits der Blick von Filippo Brunelleschis Kuppel lehrt, dass die geläufige Vorstellung von Florenz als „Stadt der Renaissance“ zu einseitig ist. Bevor der Architekt diese neue Baukunst einleitete, prägten bereits das Baptisterium und der Dom, die beiden Kommunalpaläste Palazzo Vecchio und Bargello, die Loggia dei Lanzi, der Or San Michele, der Ponte Vecchio oder die großen Ordenskirchen Santa Maria Novella und Santa Croce die Stadt. Es macht den Reiz von Florenz aus, dass sie beides ist: die Stadt des Trecento wie auch das Zentrum der Renaissance, die Stadt Arnolfo di Cambios wie Filippo Brunelleschis. Ein Besuch der Gallerie degli Uffizi und des Palazzo Pitti sowie die Besichtigung der Kirche und Kreuzgänge von Santa Maria Novella zählen zu den beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, San Lorenzo zu den ältesten Kirchen der Stadt. Die die Stadt umgebenden Hügel mit ihren berühmten Weingütern sind Charakteristika der Toskana und die alten Schlösser, Burgen und Rebgärten gelten als Symbole der Kulturlandschaft des Chianti und Chianti Classico. Termin: Sonntag 5. bis Freitag 10. Oktober 2014 Anmeldeschluss 1. September 2014 Anmeldungen an: Baldur Hämmerle, E-Mail: exkursionen@vlmv.at, T: 0664-1637100

Werden Sie Mitglied! Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie nicht nur die Arbeit der Museen im Lande, sondern Sie tragen auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Vorarlberg bei. Zusätzlich genießen Sie folgende Vorteile: • Kostenloses Abo des Museumsmagazins (3x jährlich) • Anspruch auf ein Freiexemplar des wissenschaftlichen Jahrbuches • Nutzung des Veranstaltungs- und Exkursionsprogramms des VLMV und des vorarlberg museums • Detaillierte Informationen über Vereinsveranstaltungen • Freier Eintritt in das neue vorarlberg museum, in die inatura Dornbirn und in die Partnermuseen (Klostertal Museum Wald am Arlberg und alle Montafoner Museen). Seit 2014 bietet Ihnen der Vorarlberger Landesmuseumsverein zwei Formen der Mitgliedschaft an: Neben der Einzelmitgliedschaft zu 36,00 Euro (Studierende zu 20 Euro) ermöglicht Ihnen eine Doppelmitgliedschaft zu 50,00 Euro jederzeit mit einer Person Ihrer Wahl oder mit einem namentlich genannten Partner (= Partnermitgliedschaft) das vorarlberg museum und die Partnermuseen zu besuchen. Kontakt: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Geschäftsstelle, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz, E-Mail: geschaeftsstelle@vlmv.at, Tel. +43 (0) 5574-46050-545 oder +43 (0) 699-10981911

Herausgeber: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz. Für den Inhalt sind die angeführten Autorinnen und Autoren verantwortlich. Idee und inhaltliches Konzept: Andreas Rudigier, Christof Thöny Redaktion: Eva Fichtner Beiträge: Theresia Anwander, Susanne Emerich, Christian Feuerstein, Kirsten Helfrich, Annemarie Hürlimann, Michael Kasper, Max Lang, Ulrike Längle, Peter Melichar, Petra Nachbaur, Andreas Rudigier, Jürgen Thaler, Christof Thöny, Brigitte Truschnegg Produktion: Frank Mätzler Druck: Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn Auflage: 4000 Fotonachweis: Die Fotos stammen, wenn nicht anders ausgewiesen, von den jeweiligen Institutionen. Gedruckt mit Unterstützung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung und des vorarlberg museums.

Vorarlberger Landesmuseumsverein Präsidentin: Brigitte Truschnegg Vizepräsident: Thomas Klagian Geschäftsführer: Christof Thöny Kassierin: Edeltraud Wirth


Hier fehlt noch eine erläuterndee Beschreibung der Aufnahme. Von der Auflösung her ist das Bild eher grenzwertig. Vielleicht gibt es ja mehrere, dann könnte man eine Art Mosaik gestalten ... -


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
MuseumsMagazin 8 by Christof Thöny - Issuu