m a museumgazin ausgabe
13 / 201 6
Zeitzeichen Hubert Lampert im Gespräch Leuchtende Bilder in Vorarlberg Museum für Lebensgeschichten in Hard
Herausgegeben vom Vorarlberger Landesmuseumsverein
2 Editorial
museum magazin ausgabe 13 / 2016
Inhalt Editorial
Editorial 2
Inhalt Editorial Coverstory
Unter uns 3
Unter uns
Im Gespräch 4
Von Andalusien bis Berlin Hanni und Baldur Hämmerle
Ausstellung 5 6 7
Mira Lobe und Susi Weigel Bilder aus der Ausstellung Zeitzeichen Egon Goldners zeichnerisches Oeuvre ganznah. Landläufige Geschichten zum Berühren Neue Ausstellung im Format „Sichten“
Museum 8 16
Foto: Petra Rainer
Ehret die Toten Die Restaurierung eines Leichenwagens Museum für Lebensgeschichten Das Museumsteam in Hard stellt einen besonderen Ort vor
Kulturlandschaft
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ir möchten alle Mitglieder des Landesmuseumsvereins und alle an den Vorarlberger Museen interessierten Men schen herzlich begrüßen und unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, dass Sie sich in diesem Moment der neuen Ausgabe des Mu seumsmagazins und somit unseren aktuellen Themenschwerpunkten widmen. Der Muse umsverein ist auch 2016 bemüht, Ihnen ein abwechslungsreiches Exkursionsprogramm zu bieten, das zum Teil auch in Kooperation mit dem vorarlberg museum ausgearbeitet wurde. Hinter dem Programm stehen seit Jahren Baldur und Hanni Hämmerle, die den Leserinnen und Lesern in diesem Magazin einmal näher vorgestellt werden. Noch enger mit der Geschichte unserer Institution ist Altdirektor Helmut Swozilek verbunden, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feiern konnte. Auszüge aus der Laudatio anlässlich der Prä sentation der ihm gewidmeten Publikation „Archäologie in Vorarlberg“ können Sie den Seiten 14 und 15 im Blattinneren entnehmen. Schwerpunkte des Frühjahres sind Ausstel lungen zu Mira Lobe und Susi Weigel, zu Egon Goldner und „landläufige Geschichten“ zum Thema Berühren. Letzteres sicherlich ein ungewöhnliches Kapitel, sind wir es doch im Museum gewohnt, nichts berühren zu dürfen. Wir freuen uns, Sie bei einer Veran staltung in einem der Vorarlberger Museen treffen zu können. Andreas Rudigier, Christof Thöny
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Vorarlberger Gasthausgeschichten Eine Wanderausstellung Leuchtende Bilder Glasfenster in den Kirchen Vorarlbergs
Porträt 12 Der Künstler Hubert Lampert im Gespräch 14 Helmut Sozilek zum 70. Geburtstag
Literatur 18 Literaturtipps
Exkursionen 19
Sehen und Erleben Exkursionen 2016 Werden Sie Mitglied beim Vorarlberger Landesmuseumsverein Impressum
Coverstory
Zeit / Raum Hubert Lampert
I Zeit / Raum Installation von Hubert Lampert im vorarlberg museum Foto: Christa Engstler
m vorarlberg museum befindet sich auf der Galerie des 4. Geschosses ein Kunstwerk, das eine hohe Symbolkraft für das Konzept des Museums besitzt. Das oft kaum beachtete, von der Decke hängende Stabgewirr ist nur von einem Punkt aus im Raum zu lesen und verweist damit auf die Wichtigkeit der Perspek tive bei der Betrachtung des Landes, sei es in historischer oder auch in gegenwärtiger Hinsicht. Der Künstler dieses Werkes ist Hubert Lampert aus Götzis. Im Zuge der Vor bereitungen für die Neukonzeption sprach Hubert Matt, externer Mitarbeiter der Ausstellung „vorarlberg. ein making-of“, den Künstler auf dieses Werk in Erinnerung an frühere Arbeiten an. Hubert Lampert fertigte ein neues Kunstwerk für das vorarlberg museum an. Zeit und Raum sind für ihn passende Begriffe, die auch für den Bildhauer zentrale Dimensionen seines Schaffens definieren. Das mm führte mit Hubert Lampert ein Gespräch (Seiten 12 bis 13). Andreas Rudigier
Unter uns 3
museum magazin ausgabe 13 / 2016
Unter uns
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m vorliegenden Frühjahrsmagazin möchten wir unsere Mitglieder im Rah men der Vereinsangelegenheiten im Besonderen über unsere geförderten Projekte 2015 informieren und sie auf inter essante, aktuelle Aktivitäten der Ausschüsse im ersten Halbjahr 2016 hinweisen.
Erhaltung – Kooperation – Förderung Die Erhaltung der Kulturgüter bzw. der Natur- und Kulturlandschaft Vorarlbergs, die Unterstützung des vorarlberg museums, die Kooperation mit Partnermuseen sowie die Förderung und Verbreitung von landeskund licher Forschung zählen zu den wesentlichen Aufgaben des Vorarlberger Landesmuseums vereins. Den letzteren Anliegen verpflichten sich vor allem das Jahrbuch und die Muse umsmagazine, den ersteren widmet sich die Förderung verschiedener Projekte, die der Verein mit Hilfe seiner Mitglieder jedes Jahr ermöglicht. So unterstützte der Verein im Jahr 2015 die Restaurierung des ältesten Gemäldes des Montafoner Vorgesetzten Thomas Sander, einem der beiden höchsten Amtsträger des Standes Montafon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nachdem es von den Montafoner Museen aus Privatbesitz erwor ben wurde, war eine gründliche Restaurie rung notwendig, bevor es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Die Bedeutung der musealen Arbeit im Lande unterstreicht auch die Förderung der Pub likation „Museum und Gegenwart“ des vor arlberg museums, welche die Ergebnisse des österreichweiten 25. Museumstages im Okto ber 2014 im Haus festhält und die Museen als Handlungsorte sozialer Verantwortung und gesellschaftlichen Wandels begreift. Mit dem Ausstellungskatalog „Residenz Rom“ des Angelika Kauffmann Museums in Schwarzenberg wurde auch die Arbeit eines Partnermuseums zu der prominenten Vor arlberger Künstlerin gefördert. Nicht zuletzt gestaltete Christof Thöny eine Broschüre, die die erfolgreiche Restaurierung von zehn Vorarlberger Burgen im historischen Kon text dokumentiert und damit der Öffent lichkeit einen informativen Folder zu diesen wichtigen Kulturdenkmälern Vorarlbergs zur Verfügung stellt. Möglich gemacht wird das alles letztlich durch die Beitragszahlun gen der Mitglieder des Vereins, denen wir an dieser Stelle herzlich danken möchten.
Sehen und Erleben Das Motto Sehen und Erleben leitet wie immer zu unserem vielfältigen Exkursions programm über, bei dem der Verein und vor allem der Obmann des Exkursionsausschus ses, Baldur Hämmerle, um Themenvielfalt und um eine ausgewogene Mischung von ein- und mehrtägigen Exkursionen in unsere Nachbarregionen und die eigene Natur- und
Vorgesetzter des Standes Montafon Thomas Sander (1704 –1785), Künstler unbekannt Atelier für Konservierung und Restaurierung (Angela Kaufmann und Arno Gehrer)
Kulturlandschaft bzw. ins Ausland bemüht sind. Zu den Reisezielen und Themen im ersten Halbjahr 2016 zählen: Zentralspanien und Katalonien, der Bodenseeraum und die Schwäbische Alp sowie Ausstellungen in Mannheim und Bochum zum Alten Ägypten und zum Bergbau in den Alpen (siehe Seite 19). Exkursionen im Lande sind für die zweite Jahreshälfte geplant. Im Jahr 2016 sind erstmals neben unseren Veranstal tungen auch die Exkursionen in das Veran staltungsprogramm des vorarlberg museums integriert.
Restaurierungsmaßnahmen im Rahmen der Burgenaktion gestaltet wurde und voraus sichtlich am Sonntag, den 10. April 2016 im ORF2 ausgestrahlt werden wird. Bereits seit dem Oktober 2015 stellt Ihnen Karl Fischer, Obmann des Numismatik-Ausschusses des Vereins, in laufender Folge in der Neuen Vorarlberger Tageszeitung 40 Vorarlberger Medaillen unter der Motto „Geschichte in geprägter Form“ näher vor. Weitere aktuelle Informationen zu den Fachausschüssen fin den Sie unter http://www.vlmv.at/verein/aus schüsse.
Münzen, Höhlen, Burgen
Nicht verpassen …
Unsere Ausschüsse und ihre Aktivitäten tre ten seit 2015 verstärkt ins Rampenlicht. Als besonderes Highlight dürfen wir Ihnen eine Fernsehsendung zu den Vorarlberger Burgen in der Sendereihe „Erlebnis Österreich“ ankündigen, die von Ingrid Bertel zu den
… sollten Sie unsere Generalversammlung am Samstag, den 23. April 2016. Dieses Jahr sind wir im Kolpinghaus Dornbirn zu Gast mit einem Rahmenprogramm in dessen un mittelbarer Umgebung. Entweder nützen Sie die Gelegenheit, einen aktuellen Einblick
in unsere Partner-Institution inatura Natur schau Dornbirn zu erhalten oder sie beglei ten Harald Rhomberg auf einen Spaziergang, der ihnen die Architektur der Schmelzhüt ten in Dornbirn näher bringt. In jedem Fall aber können Sie die Gelegenheit nützen, sich über aktuelle Aktivitäten und Projekte des Vereins und seiner Ausschüsse zu infor mieren und sich im gemütlichen Ambiente auszutauschen.
Sie haben Fragen, Anregungen? Wir freuen uns über Ihre Fragen oder Anre gungen, die Sie jederzeit entweder schrift lich an geschaeftsstelle@vlmv.at beziehungs weise Vorarlberger Landesmuseumsverein, Geschäftsstelle, Kornmarktplatz 1, 6900 Bre genz oder telefonisch (+43 (0)5574 46050545) an uns richten können. Brigitte Truschnegg
4 Im Gespräch
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Von Andalusien bis Berlin Hanni und Baldur Hämmerle erzählen von den Exkursionen, die sie für den Landesmuseumsverein organisieren und begleiten.
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m: Sie sind beide pensioniert und widmen einen Großteil Ihrer Zeit den Exkursionen. Idealismus? Baldur Hämmerle: In meinem Beruf ist die Kultur einfach viel zu kurz gekommen. Ich bin zwar viel auf Reisen gewesen, aber meis tens geschäftlich. Ich habe mit Pistenfahr zeugen gehandelt. In der Pension kann ich mich endlich mehr mit kulturellen Themen beschäftigen. Aber eigentlich hat mich meine Frau dazu gebracht. Hanni Hämmerle: Ich komme ursprüng lich aus Graz, bin nach der Lehre nach Vor arlberg übersiedelt, wegen Baldur. Aber hier habe ich eine kulturelle Wüste vorgefunden, muss ich wirklich sagen. Damals hat's noch überhaupt nichts gegeben, außer vielleicht den Festspielen. Über einen Bekannten bin ich dann zum Museumsverein gekommen. Ich habe Exkursionen besucht, mit meinem Mann zusammen. Wir waren begeistert. Baldur Hämmerle: Dr. Karl-Heinz Heinzle und Norbert Burtscher haben das viele Jahre lang organisiert. Das waren beeindruckende Persönlichkeiten, ich hab viel von ihnen ge lernt. Es waren super Touren mit ihnen.
mm: Mittlerweile organisieren Sie bis zu zwölf Exkursionen im Jahr. Werden Sie nicht müde? Baldur Hämmerle: Nein, überhaupt nicht. Solange wir können, machen wir das. Hanni Hämmerle: Die Fahrten sind natürlich anstrengend, vor allem, je weiter wir reisen, nach Andalusien zum Beispiel oder in den Norden Portugals. Es kommt schon mal vor, dass wir jede Nacht in ein neues Hotel gehen. Da kann man in unserem Alter noch lernen, aus dem Koffer zu leben! Baldur Hämmerle: Aber die meisten Fahrten sind sehr komfortabel. Wir buchen Stadt hotels, die in Zentrumsnähe liegen. Wir gehen in gute Restaurants, unsere Guides sind Ein heimische, die wissen, wo man gut isst. Erhol sam ist es zwar nicht. Aber in unserem Alter braucht man keinen Urlaub mehr. [Lacht] mm: Wo führen die Exkursionen hin? Baldur Hämmerle: Das kann überallhin sein. Unsere Themen und unsere Reiseziele sind wirklich breit gefächert. Wir sind bereits nach Madrid und Zentralspanien gefahren, auf den Spuren der Habsburger. Wir waren schon über zehn Mal in Venetien, in
Städten wie Padua, Verona, Vicenza oder Venedig. Wir haben auch Touren zu litera turhistorischen Themen gemacht, sind auf den Spuren von Goethe, Schiller und Luther in Erfurt, Weimar und Wittenberg unter wegs gewesen. Wir haben zyklische Vorträge organisiert, etwa zur Baukunst. Das hat in Ravenna begonnen mit der frühbyzantini schen Architektur, die nächste Station war das Burgund mit seinen romanischen Bau werken, später Chartres mit der berühmten gotischen Kathedrale. Hanni Hämmerle: Es hat auch interessante Reisen zur Zeitgeschichte gegeben. In Berlin haben wir das Olympiastadion angeschaut, wo Hitler 1936 die Spiele ausgerichtet hat. Oder Dresden: Dort haben wir eine spannen de Führung in der Semperoper bekommen. Wir haben viel über die Methoden der Stasi erfahren. In jeder Sitzlehne war ein Mikrofon eingebaut, das muss man sich mal vorstel len! Wir haben auch spannende Schiffsrei sen gemacht. Wir sind einmal von Linz nach Budapest gefahren, die Donau hinunter. Ein anderes Mal sind wir auf der Seine von Hon fleur bis nach Paris gereist, dann wiederum auf der Saône und der Rhône von Chalon bis
nach Port-Saint-Louis, das im Süden Frank reichs liegt. Baldur Hämmerle: Wir haben vor allem immer Glück mit unseren Guides. Die über legen sich auch immer wieder ganz nette Sachen. In Sizilien hat einer mit uns im Wald gegrillt. Er hat uns viel über Botanik erzählt, obwohl das nicht im Programm gestanden hat. In Berlin hat uns eine Vorarlbergerin, die dort seit 30 Jahren lebt, herumgeführt. Wir sind in ihr Lieblingslokal gegangen, anschließend hat sie die ganze Gruppe zu sich nach Hause eingeladen und uns Vorarl berger Schnäpse kredenzt! Hanni Hämmerle: Solche Leute würde man sonst nie kennenlernen. Kontakte spielen bei diesen Organisationen eine wichtige Rolle. Gewissermaßen als Türöffner. Das wichtigste ist aber immer die Gruppe. Da möcht ich mich an dieser Stelle bei allen bisherigen Teilnehmern bedanken für die vielen harmo nischen Fahrten, die sehr viel Spaß gemacht haben. mm: Danke für das nette Gespräch. Max Lang
Foto: Christa Engstler
„Da kann man in unserem Alter noch lernen, aus dem Koffer zu leben!“
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Ich bin ich Mira Lobe und Susi Weigel Bilder aus der Ausstellung im vorarlberg museum, zu sehen noch bis zum 1. Mai 2016
Ausstellung 5 Fotos: Markus Tretter
6 Ausstellung
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eit 30. Jänner 2016 stellt das vorarl berg museum in einer kleinen, aber feinen Kabinettausstellung das zeich nerische Oeuvre Egon Goldners vor. Von frühen Arbeiten aus den späten 1960er Jahren bis hin zu aktuellen Zeichnungen bietet die Ausstellung Zeitzeichen einen ersten großen Überblick über das Werk dieses Ausnahmekünstlers. Insgesamt 40 Zeichnun gen – vorrangig aus privater Hand – konnten vom Kurator Richard Bösch zusammenge tragen werden. In Verbindung mit Fotos, Pressemitteilungen und privater Korrespon denz wird dem bisherigen Leben und Wirken Egon Goldners nachgespürt. Das Ergeb nis ist noch bis 1. Mai 2016 zu besichtigen.
Die Vorbedingungen In unserer technisierten Gesellschaft irritiert kaum etwas mehr als Unverfügbarkeit. Wie soll eine Ausstellung organisiert werden, wenn weder Künstler noch Kurator über Handy oder Computer verfügen? Dies fragte sich zu Beginn dieser Zusammenarbeit eine etwas ratlose Projektleiterin. Denn kurzfris tige Treffen müssen anberaumt, Entschei dungen gefällt werden – und da Zeit Geld bedeutet, sollte natürlich alles möglichst schnell gehen. Es ging! Und wie sich heraus stellte, sorgte die Entschleunigung für einen besseren Fokus. Sich briefeschreibend zu arti kulieren benötigt nämlich ein weitaus höhe res Maß an Konzentration als unsere heutige Unart, mehrere E-Mails hintereinander zu verschicken, bis dann (und stets nur für den Moment) scheinbar alles gesagt ist. Statt vieler Telefonate gab es wenige, dafür intensive Treffen, bei denen Richtung und Ziel des Pro jekts klar definiert wurden. Über allem lag eine Stimmung gegenseitiger Wertschätzung und großem Vertrauen, gepaart mit dem Wunsch, den Zeichnungen Egon Goldners den bestmöglichen Rahmen zu bieten. Darin waren sich alle Projektbeteiligten einig.
Der Künstler 1945 in Lustenau geboren, absolvierte Egon Goldner von 1960 bis 1964 eine Buch druckerlehre und begann im Jahr 1966 mit dem Zeichnen. Nach reger Ausstellungs tätigkeit im In- und Ausland verschwand der Künstler Anfang der 1990er Jahre für ein Jahrzehnt von der Bildfläche, zog nach Delhi in Indien und bereiste von dort aus den ganzen Subkontinent. Während dieser Jahre
Egon Goldner Zeitzeichen Foto oben: Egon Goldner, Wien im Oktober 2015. Foto: Sepp Dreissinger Bild unten: Egon Goldner, Häuserschlucht I, 1970, Tusche / Papier, 50,8 x 66 cm, vorarlberg museum, Bregenz. Foto: Günter König brach er jeglichen Kontakt zu seiner Heimat ab und stellte auch das Zeichnen ein. Sein Name blieb indes einer kleinen und wert schätzenden Kunstgemeinde im Gedächtnis. 2002 kehrte Goldner nach Wien zurück, widmete sich auf Anregung von Richard Bösch hin aber erst im Frühjahr 2014 wieder dem Medium Zeichnung. Seither ist sein Schaffensdrang ungebrochen.
Goldnersche Typologien Strich um Strich entwickelt Egon Goldner Stimmungslandschaften in Tusche und Bunt stift auf Papier. Gleich einem Seismografen setzt der Künstler seine Schraffuren aufs Blatt und verbildlicht Eindrücke und Gefühle in konzentrierten Kompositionen als eine Art visuelles Tagebuch. Sein Strich variiert dabei: mal ist er rund und fließend und erinnert an die Wiedergabe von Höhenlinien in der Karto grafie, ein andermal nervös und abgehackt, legt sich Schicht für Schicht übereinander zu Zerwürfnissen auf dem Papier. Manche dieser
Samstag, 26. März 2016, 15 Uhr
Der Künstler und Kurator der Ausstellung Richard Bösch führt durch die Ausstellung Samstag, 2. April 2016, 14.30 bis 16.30 Uhr Workshops für Kinder: Zeichnen wie Egon Goldner Mittwoch, 27. April 2016, 19 Uhr
Film mit Gespräch „Im Porträt: Egon Goldner. Ein filmisches Kurzporträt von Ingrid Adamer“ Sonntag, 30. April 2016, 15 Uhr
Der Künstler Egon Goldner führt durch die Ausstellung Buch zur Ausstellung
In der Reihe „Künstler im Gespräch“: Egon Goldner, Bd. 5 Blätter erinnern an Schalttafeln, wieder ande re an Partituren. Je nach Verfassung zeichnet er Fantasiebuchstaben oder bildet Formatio nen militärisch nebeneinander gereihter senkrechter Striche – nie, ohne sie an einer Stelle aufbrechen oder implodieren zu lassen. In Zeitzeichen stellt Richard Bösch in einer komprimierten Auswahl die frühen Arbeiten an den umlaufenden Wänden aus und zeigt das aktuelle Werk auf den dafür entwickel ten Stellwänden im Inneren des Raumes. Die Entstehung und Weiterentwicklung der Goldnerschen Typologien wird so exempla risch sichtbar. Ergänzend zu den Zeichnungen präsentiert die Ausstellung eine Auswahl an Korrespon denzen des Künstlers, die Aufschluss über sein schwieriges Verhältnis zur Presse geben, aber auch die große Wertschätzung seiner Arbei ten in ausgewählten Künstlerkreisen zeigen.
Die Szenografie Sich ganz den feinen Linien Goldners unter zuordnen und diese ins bestmögliche Licht zu rücken war das erklärte Ziel aller in dieses Projekt eingebundenen Gestalter. Goldners
zeichnerischen „Verdichtungen“ setzt der Ar chitekt Hansjörg Thum in ein zartes Geflecht von raumhohen Trennwänden um, die den Besucher bereits am Eingang ausbremsen und entschleunigen. Nach dem Betreten des Raumes ermöglichen sie immer neue Per spektiven und Ausblicke auf das Werk des Künstlers. Diesem Konzept ordnet sich auch die ausgeklügelte Lichtregie von Silvi Hoidis und Daniel Zerlang vom Offenbacher Atelier deLuxe unter – mit großer Begeisterung haben sie Leuchten konstruiert, die den kon servatorischen Bedingungen Rechnung tra gen und gleichzeitig das Raumgefühl durch lebendige Hell-Dunkel-Effekte verstärken. Für die grafische Gestaltung zeichnet der Grafiker Kurt Dornig verantwortlich. Er hat nicht nur eine elegante, zurückhaltende Typografie für die Beschriftung der Ausstellung entworfen, sondern zusammen mit Hansjörg Thum eine Farbgestaltung entwickelt, die sich ganz den subtilen Arbeiten Goldners fügt: Die Farbe Schwarz bleibt dabei dem Künstler und seinen feinen Strichen vorbehalten. Müsste ich mit einem Filmtitel die an dieser Ausstellung beteiligten Charaktere umschrei ben, es wäre ohne Zweifel „Die Liga der außer gewöhnlichen Gentlemen“. Kathrin Dünser
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Ausstellung 7
Korrespondierende(s) „Sichten“
Foto: Günter König
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ie ist das mit den geschrie benen Küssen, laut Franz Kafka? „Auf dem Wege aus getrunken“ werden sie, na mentlich „von den Gespenstern.“ Nicht nur die übermittelten Zärtlichkeiten, sondern auch ihre materiellen Träger sind gefährdet. Die Überlieferung der Textsorte Liebesbrief stellt ein fragiles Unterfangen dar. So manches Schreiben erreicht(e) seine Adressatin, seinen Adressaten nie, da es der selbstkritischen Überprüfung nicht stand gehalten hat. Die nächste Chance, den Brief nicht zu überliefern, besteht auf Empfänger seite: Zerrissen – beziehungsweise „gelöscht“ – wird entweder sofort, nach einem Streit oder als Manifestation der Trennung. Erfreulicherweise erhalten geblieben sind jene Schriftstücke, die nun Gehör finden in ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren, der zweiten Ausstellung im Format „Sichten“ (ab 19. März). Die authentischen Zeugnisse aus zwei Jahrhunderten, dem vorarlberg museum nach einem landesweiten Aufruf in Zusammenarbeit mit dem Bregenzerwald Archiv zur Verfügung gestellt, geben Gefühle preis. Für die Audioinstallation von Nik Hummer (Metalycée, thilges3) im Ausstel lungskapitel „In Liebe, für immer“ mussten die Briefe und Briefkonvolute dabei gleich zweifach greifbar sein: Erhalten – und den Weg hinaus aus der Privatheit nicht scheuend. Beim hier im Museumsmagazin mitgeteilten Brief gibt es Indizien zur Datierung und zum Alter beider Beteiligten. Offen bleibt, auf welcher Seite der Gespenster das Schreiben zerknüllt worden ist. Petra Nachbaur
ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren Ausstellungsbeginn:
19. März 2016 Projektleitung: Theresia Anwander Kuratorische Leitung: Robert Gander Co-Kuratoren: Theresia Anwander, Bruno Winkler Kuratorische Beratung: Annemarie Hürlimann, Werner Matt Gestaltung: Julia Landsiedl Grafik: Klaus Lürzer
8 Museum
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Ehret die Toten Die Konservierung eines Leichenwagens aus dem Bestand des vorarlberg museums
Leichenkutsche nach der Restaurierung während der Ausstellung. Foto: vorarlberg museum
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m frühen Sommer 2015 fiel die endgül tige Entscheidung, für Rita Bertolinis Ausstellung Sterbstund im Atrium des vorarlberg museums eines der eher un gewöhnlichen Großobjekte der Sammlung als Highlight zu präsentieren: die Leichen kutsche. Ohne Zweifel machte dieser prachtvolle Lei chenwagen, eine schwarze Kutsche mit Pfer defuhrwerk, einen besonderen Eindruck auf die Besucher. Die imposante Dachkonstruk tion der Ladefläche wird erhaben von Säulen getragen und von einer schwarzen Drape rie mit schwarz-goldenen Raffhaltern ge schmückt, an welche Kränze angebracht wer den können. Aufwändige Blattversilberungen sowie vier Kerzenleuchter an den Säulen run den die prunkvolle Erscheinung des Wagens ab. Eine Aufschrift „Ehret die Toten“ weist auf den Verwendungszweck des Wagens hin.
Die Kutsche des Museums, die ursprünglich aus dem Besitz des Handwerker- und Wirt schaftsvereins Lauterach stammt, wurde un ter anderem bei der Beisetzung Otto Enders 1960 verwendet. Hinter der glänzenden Oberfläche der Lei chenkutsche und dem heutigen Zustand stecken viele Stunden Arbeit, die im Vorfeld der Ausstellung in den Restaurierungswerk stätten des Museums in Zusammenarbeit mit der Restauratorin Sylvia Karner bewerkstel ligt wurden. Durch die jahrzehntelange Nutzung der Kutsche und die anschließende Einlagerung an unterschiedlichen Orten zeigen sich charakteristische Schadensphänomene wie Haftungsverluste des schwarzen Lackes oder die graue Schmutzschicht auf der gesamten Oberfläche.
Detail des schwarzen Lackes am Dach: starke Haftungsverluste und Verschmutzungen. Foto: Sylvia Karner
Glasbruch bei den Kerzenleuchten sowie Risse und aufgetrennte Nähte im Kutscher überzug zeugen ebenfalls davon. Neben diesen tatsächlichen Beschädigungen lassen sich an derartig komplexen Objekten auch immer zusätzlich Spuren entdecken, die interessante Details zur Nutzung preisgeben: Anstatt des hölzernen Bremsbelags wurde ein Stück Mopedreifen verwendet. Flächen deckende Fellhaare auf dem Kutschersitz erinnern möglicherweise an ein Tier als treuen Begleiter. Obwohl die Kutsche grund sätzlich lenk- und rollbar ist, ist sie aufgrund der Alterung der Materialien und dem ent standenen Spiel der technischen Teile für den Gebrauchszweck nicht mehr geeignet. Für die Ausstellung war es demnach Ziel, die Oberfläche der Leichenkutsche zu sichern und sich damit wieder der ursprüngli chen prunkvollen Erscheinung anzunähern.
Gebrauchsspuren am Kutschersitz, lose Borte und anhaftende Hundehaare. Foto: Sylvia Karner
Gleichzeitig können den Nutzungspuren Raum und Berechtigung gegeben werden. Die konservatorischen Maßnahmen bestan den größtenteils aus einer sorgfältigen Festigung loser Beschichtungsbereiche und der Oberflächenreinigung. Dabei handelte es sich um eine sehr kleinteilige und zeitauf wändige Arbeit. Bei ersterer wurde ein geeig netes Klebemittel partiell unter die aufste henden Lackschollen gebracht und mit Hilfe von Wärme niedergelegt. Der Oberflächenschmutz wurde anschlie ßend abgesaugt und mit feuchten Schwämm chen gereinigt, bis die unter der Schmutz schicht liegende, glänzende Lackschicht zum Vorschein kam. Korrosionsprodukte auf den Metallen wurden mechanisch mit feinen Glasfaserradierern entfernt und mit einem Schutzüberzug aus Wachs behandelt. Ab schließend wurden die aufgetrennten Nähte wieder angeheftet und die Kordelbänder an ihrem ursprünglichen Platz fixiert. Nach der Restaurierung zeigte sich die gesamte Oberfläche der Kutsche wieder in einem gepflegten und gleichmäßigen Zustand. Umbauten und Fehlstellen wurden allerdings als Zeichen der Alterung und Nutzung belassen. Größere Restaurierungsprojekte wie dieses sind eine dankbare Arbeit an der hauseigenen Sammlung. Die Leichenkutsche zählt in jedem Fall zu den eindrucksvollen Objekten des Museums, die durch eine Restaurierung erheblich an Wert dazugewonnen haben. Franziska Bergmann
Kulturlandschaft 9
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links: Gasthaus Adler in Dornbirn Foto: Stadtarchiv Dornbirn rechts: Schwarzer Adler in Rankweil Foto: Gemeindearchiv Rankweil
Der touristische Aufschwung im 20. Jahrhun dert führte zu einem nachhaltigen Wandel in der Gasthauskultur. So verdankt Mellau dem Gasthaus Sonne und seiner geselligen Wirtin Margret Bitschnau den zweifelhaften Ruf, ein „sündiges Dorf“ zu sein und in Lech wurde bereits in der Zwischenkriegszeit in den Tanzcafés fleißig im Dreivierteltakt ge tanzt. So manches Gasthaus schaffte sogar den Sprung in die Weltliteratur. Norbert Jacques‘ „Dr. Mabuse“ wurde im Gasthaus Bad Diezlings in Hörbranz erschaffen und Ernest Heming way erinnerte sich in einigen seiner Werke an seine Zeit in der Taube in Schruns zurück. Migrationsbewegungen und die Globalisie rung haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahr hunderts wiederum zu weitreichenden Ver änderungen in der Gastronomielandschaft geführt. Oder um es mit den Worten der CoKuratoren Fatih Özçelik und Oliver Heinzle auszudrücken: „Ab Anfang der 1970er Jahre hielten in Vorarlberg ,fremdländische‘ bzw. exotische Gastlokale Einzug“. Damit waren anfangs primär die Lokale türkischstämmiger Gastarbeiter gemeint. Einige Jahre später folgten die ersten Pizzerien sowie ChinaRestaurants und steigerten die kulinarische Vielfalt in Vorarlberg noch weiter.
links: Fuhrpark der Brauerei Frastanz 1945. Foto: Gemeindearchiv Frastanz rechts: Gastgarten der Taube in Schruns. Foto: Montafon Archiv
Vorarlberger Gasthausgeschichten Eine Wanderausstellung des Arbeitskreises Vorarlberger Kommunalarchive (avk)
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eit dem Jahr 2011 beteiligt sich der avk, ein loser Zusammenschluss von Archivarinnen und Archivaren aus den Städten, Talschaften und Gemeinden Vorarlbergs, dem auch das Wirtschaftsarchiv Vorarlberg, das Archiv der Diözese Feldkirch und das Vielfaltenarchiv angehören, mit einer Ausstellung an der Langen Nacht der Museen.
Die Ausstellung von 2015 Sie hatte den Titel „Wend se Wi, wendr Bier oder wid Most? Vorarlberger Gasthausge schichten“. Nachdem die Ausstellung in der Langen Nacht drei Jahre lang immer in Feld kirch zu sehen war, wechselte sie 2015 ins Museum der Mohrenbrauerei in Dornbirn, wo sie bereits im Rahmen des Brausilvesters am 26. September eröffnet wurde. Die teil nehmenden Archive waren über das gan ze Land verteilt. Von Hard bis ins Montafon und von Rankweil bis nach Lech verfassten insgesamt 21 Archivarinnen und Archivare Beiträge für die Ausstellung.
Die Mitglieder des avk haben sich für eine Ausstellung über Gasthäuser entschieden, da diese ein wichtiger Teil der Vorarlberger Kultur sind. Jedes Archiv hat eine Ausstel lungstafel gestaltet. So entstand ein buntes Potpourri an Themen, das einerseits den Be deutungswandel von Gasthäusern im Laufe der letzten Jahrhunderte verdeutlicht und andererseits auch die gegenwärtige Vielfalt der Vorarlberger Gastronomielandschaft auf zeigt.
Aus dem Ausstellungsinhalt Man erfährt in der Ausstellung beispiels weise, dass die Gasthäuser rund um die Wallfahrtskirche von Bildstein bereits im 17. Jahrhundert wie die Pilze aus dem Boden schossen. Ähnliches kann auch über die Wallfahrtsgemeinde Rankweil berichtet wer den. Dass dies von der Kirche früher nicht unbedingt gutgeheißen wurde, wird beim Betrachten des Beitrags des Diözesanarchivs deutlich. Und wer sich schon des Öfteren
gefragt hat, warum es so viele Gasthäuser gibt, die Adler, Engel, Löwen und Ochsen heißen, dem sei an dieser Stelle verraten, dass es sich dabei um die Symbole der vier Evangelisten handelt. In Gasthäusern wurde früher auch oft Politik gemacht, wie etwa die bewegte Geschichte des Wirtshauses zum Buren in Altach bezeugt, in dem zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wiederholt die Landstände getagt hatten. Das Rössle in Innerbraz kann in seiner Besitzerliste zahlreiche Vorste her und Landtagsabgeordnete vorweisen, so dass es naheliegend ist, dass es auch in dieser Wirtsstube immer wieder um Politik ging. Im Hard des frühen 20. Jahrhunderts konnten die einzelnen Gasthäuser sogar politischen Lagern zugeordnet werden. So konnte es der freisinnige Bahnhofsvor stand Ignaz Rimml laut Textquelle aus dem Gemeindearchiv „nicht unterlassen, den Herrn Kaplan Nagel aus dem Gasthaus heraus durch laute Rufe frech anzuflegeln und zu belästigen“.
Es können und sollen hier natürlich nicht alle Themen im Detail präsentiert werden. Es sei allerdings noch erwähnt, dass das Thema Gasthaussterben, das gegenwärtig in aller Munde ist, vom Wirtschaftsarchiv kritisch beleuchtet wurde.
Ausblick Wer an der Wanderausstellung Interesse hat, kann sie noch besichtigen. Nach Stationen in Dornbirn, Nenzing, Ludesch und Hard im Jahr 2015 wird sie im Frühling im Landhaus in Bregenz und im Bregenzerwald zu sehen sein. Die genauen Termine werden rechtzei tig bekannt gegeben. Für Herbst 2016 ist eine neue Ausstellung in Planung, die sich mit dem Thema Essen und Trinken beschäftigen wird und somit thematisch gut zur aktuellen Ausstellung passt.
Erste Publikation des avk Im Zuge der Ausstellungseröffnung im Land haus wird am 2. Juni um 17 Uhr zudem der erste Sammelband des avk präsentiert werden. Darin können die Beiträge der Ausstellungen der Jahre 2013 und 2014 nachgelesen wer den, die sich mit dem Ersten Weltkrieg und seiner unmittelbaren Vorgeschichte befassen. Der Titel der Ausstellung von 2013 lautete Aufbruch in die Moderne. Die letzten Friedens jahre vor dem Ersten Weltkrieg und jener von 2014 Vorarlberg und der Erste Weltkrieg. Ein Blick in die Gemeinden. Bei beiden Ausstellungen standen regionale Komponenten eines glo balen Krieges im Zentrum der Betrachtung. Das Buch wird über 30 Beiträge beinhalten, die, ähnlich wie bei der hier beschriebenen Ausstellung, ein vielseitiges und spannendes Bild der unruhigen und gewaltsamen Zeiten zeichnen werden, die Vorarlberg vor 100 Jah ren durchleben musste. Andreas Brugger
Leuchtende Bilder Glasfenster der Kirchen Vorarlbergs Ausstellung im Atrium des vorarlberg museums Eröffnung am 20. Mai 2016, 17 Uhr
Entwürfe zu Glasfenstern von Martin Häusle Ausstellung im Palais Liechtenstein Eröffnung am 21. Mai 2016, 11 Uhr
Leuchtende Bilder Ein Projekt nimmt 2016 die Glasfenster der Kirchen Vorarlbergs in den Blick
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n einem Religionsbuch wird die Ge schichte eines Mädchens erzählt, das beim Einkaufen mit ihrem Vater an einer Kirche vorbeikam. Sie meinte, dass deren Fenster schmutzig seien. Darauf hin nahm ihr Vater sie mit in die Kirche und zeigte ihr die strahlend bunten und leuch tenden Fenster. Das Mädchen betrachtete die Glasfenster voller Erstaunen und entdeckte vor allem eine auffallend schöne Figur, die gerade von der Sonne durchstrahlt wurde. Auf die Frage, wer das sei, erhielt sie als Antwort: Das ist eine Heilige. Im Religions unterricht konnte das Mädchen dann ihrem Lehrer auf die Frage, wer ein Heiliger sei, diese Antwort geben: Ein Heiliger ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint! Diese kurze Geschichte verdeutlicht die Fas zination, die Kirchenfenster und ihre Motive seit jeher auf die Besucherinnen und Besu cher von Kirchenräumen ausüben. Dies gilt natürlich besonders für die großartigen Kunstwerke in den Kathedralen Europas (man denke z.B. an Notre Dame in Paris), nicht weniger aber auch für zahlreiche größere und kleinere Kirchen auf dem Lande, für die die Menschen trotz wirtschaftlich schwie riger Zeiten oft maßgebliche Beiträge zur kunstvollen Gestaltung der Fenster leisteten.
Öffentliche Bilder Die prächtigen Glasfenster der Kirchen Vor arlbergs sind öffentliche Bilder, auf denen zahlreiche Künstler und Kunsthandwerker Spuren hinterlassen haben. Ihre Motive wer fen in der Gegenwart freilich häufig Fragen auf, da die christliche Ikonografie nicht mehr zur Allgemeinbildung gehört. Das Ver ständnis von Heiligendarstellungen und bib lischen Motiven erfordert kunsthistorische und theologische Vermittlung. Niemand wird in Abrede stellen, dass die Glasfenster der Kirchen Vorarlbergs ein bedeutender Teil des kulturellen Erbes sind. Wenn sie in die Wahrnehmung der Menschen gebracht werden, können sie auch heute von Neuem ihre Wirkung entfalten, darüber sind sich die Initiatorinnen und Initiatoren des Projekts Leuchtende Bilder einig.
Weitläufiges Kooperationsprojekt Das Kooperationsprojekt wird durch die Katholische Kirche Vorarlberg, das Palais Liechtenstein in Feldkirch und das vorarlberg museum getragen, wobei die konzeptionelle Betreuung von Kathleen Sagmeister-Fox und Rudolf Sagmeister wahrgenommen wird. Derzeit werden landesweite Partnerschaften geknüpft, um ein umfangreiches Vermitt lungsprogramm in den verschiedenen Regio nen gewährleisten zu können. Der offizielle Auftakt zum Projekt erfolgt mit der Eröffnung einer zentralen Ausstellung zu den Glasfens tern der Kirchen Vorarlbergs im Atrium des vorarlberg museums am 20. Mai 2016. Eine weitere Ausstellung mit Originalentwürfen zu Glasfenstern des Künstlers Martin Häusle wird am darauffolgenden Tag im Palais Liech tenstein in Feldkirch erstmals präsentiert. Ein wesentliches Ziel des Projekts ist es, Schülerinnen und Schüler mit der Thema tik in Berührung zu bringen. Dazu werden den Schulen 5.000 aus Karton gestanzte Kir chenmodelle zum Zusammenstecken und 10.000 Bögen mit Kirchenfenster-Motiven auf Transparentpapier zum Ausschneiden und Einkleben in die ausgesparten Fensteröff nungen zur Verfügung gestellt (Sponsor:
Verpackungsland Vorarlberg). Vom Projekt start im Mai bis zum Ende des Schuljahres werden in einem dichten Programm an aus gewählten Orten in ganz Vorarlberg unter schiedliche Veranstaltungen und Projekte die Thematik der Glasfenster behandeln. Dabei werden eine Vielzahl an lokalen und interna tionalen Expertinnen und Experten einbezo gen, um bei der Entwicklung des Vermittlungs programms eine größtmögliche Vielfalt zu gewährleisten.
Ein Beispiel Ein Beispiel soll die Vielseitigkeit des Themas illustrieren. Es handelt sich um die Glasfens ter im Chorraum der schmucken Bergkirche zu Unserer Lieben Frau in Stuben am Arlberg. Sie zeigen Maria und den Erzengel Gabriel von der Verkündigung sowie das auf die Trinität verweisende Motiv des Gnadenstuhls. Aus zeithistorischer Sicht ist vor allem die Geschichte eines der Stifter interessant. Das Fenster mit der Mariendarstellung wurde 1934 von Georg Eisenschimmel finanziert. Dieser aus dem heutigen Tschechien stam mende Industrielle jüdischer Herkunft hatte sich in St. Anton am Arlberg eine Villa errich ten lassen und sich dort niedergelassen. Seine besondere Beziehung zur Bevölkerung von Stuben brachte er durch die Spende für das Kirchenfenster zum Ausdruck, wobei ein Spender jüdischer Herkunft wohl eine seltene Ausnahme darstellt. Die Fenster entstanden in politisch unsicherer Zeit. 1937 emigrierte Eisenschimmel nach Kanada, noch recht zeitig vor dem „Anschluss“ Österreichs und der anschließenden Verfolgung von Juden. Als George Encil wurde er zu einem der wich tigsten Begründer des Skigebiets Banff in den Rocky Mountains. Eine von vielen Geschich ten rund um die Leuchtenden Bilder. Text: Christof Thöny / Fotos: Rudolf Sagmeister Seite 10: Hl. Heinrich II., Hubert Berchtold, Bregenz / oben: Maria Königin, Martin Häusle, Feldkirch-Levis unten links: Bruder Klaus, Martin Häusle, Dornbirn-Schoren / unten rechts: Hl. Familie, Fritz Krcal, Hohenems
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museum magazin ausgabe 13 / 2016
Fotos: Christa Engstler
Wo der Rahmen zum Helden wird … Hubert Lampert im Gespräch
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m vorarlberg museum befindet sich auf der Galerie des 4. Geschosses ein Kunst werk, das eine hohe Symbolkraft für das Konzept des Museums besitzt. Das meist nicht beachtete, von der Decke hän gende Stabgewirr ist nur von einem Punkt aus im Raum zu lesen (Zeit / Raum) und ver weist damit auf die Wichtigkeit der Perspek tive bei der Betrachtung des Landes, sei es in historischer oder auch in gegenwärtiger Hin sicht. Der Künstler dieses Werkes ist Hubert Lampert aus Götzis. Mit ihm führten wir in seinem Atelier das folgende Gespräch. mm: Wie kam es zu dieser Arbeit für das Museum? Lampert: Im Zuge der Vorbereitungen für die Neukonzeption des vorarlberg museums bin ich von Hubert Matt [externer Mitarbeiter bei der Ausstellung vorarlberg. ein making-of, Anm. mm] angesprochen worden, der sich an ähnlichen Arbeiten von mir aus den 1990er Jahren erinnern konnte. Ich schlug vor, eine neue Arbeit anzufertigen und habe den Auf trag schließlich erhalten. mm: Raum und Zeit – was hat es mit den Begriffen auf sich? Lampert: Ich hielt sie passend für ein Muse um. Ebenso wichtig sind Raum und Zeit auch für Bildhauerarbeiten. Sowohl die Zeit als auch die Bewegung im Raum sind für die Erschließung einer Skulptur von Bedeutung. mm: Hast du dafür Vorbilder? Lampert: Nicht direkt, es geht auf Bilder meiner Jugendzeit zurück, man kann auch von Fantasien sprechen, die sich mir zum Beispiel bei Waldausflügen eröffneten. mm: Gibt es in der Kunst Vergleiche zu die sem Werk? Lampert: Man kann eigentlich fast nichts Neues mehr erfinden. Ich verweise in die sem Fall vor allem auf die Op-Art, die eine ähnliche Problematik kennt. Mich interes siert aktuell im Besonderen die Übersetzung der zweidimensionalen Zeichnung in den Raum. Ich verziehe die Linien. Wie die Zeich nung im Raum aussieht, das ist es, was mich bei dieser Art künstlerischen Gestaltens antreibt. mm: War das für dich von Jugend an klar, dass du einen künstlerischen Lebensweg beschreiten möchtest? Lampert: Mir ist das Handwerk in die Wiege gelegt worden. Mein Vater war Maurer – das hätte mich schon auch interessiert, Räume aufbauen … ich habe dann aber Werkzeug macher gelernt. Das war eine filigranere Arbeit, aber insofern ähnlich, als dass ich mit dieser Fertigkeit Skulpturen in den Raum bauen konnte. Aber von Kunst hatte ich als Jugendlicher nichts verstanden. Was sollte
ein schwarzes Quadrat? Ich habe das Experi ment geliebt: Ich habe sogenannte Folge werkzeuge konstruiert, in mehreren Arbeits schritten, ich war neugierig, wenn auch im Geheimen. mm: Dann gab es wohl keine Förderer? Lampert: Einmal fast, zumindest wollte der Kaplan – ich war wohl zehn Jahre alt – eine Zeichnung von mir in der Schule kaufen. Es war ein stark leuchtendes Bild, mit viel Schwarz rundherum, damit es noch mehr leuchtet – ich habe es ihm geschenkt. mm: Das vorarlberg museum möchte auch Kinderzeichnungen sammeln. Hältst du das für sinnvoll? Lampert: Es ist in jedem Fall ein Zeichen von Wertschätzung, auf Talente zu achten ist spannend. Interessant ist ein Vergleich nach Jahrzehnten. Kinder sind frei, leben in einer anderen Welt – Erwachsenen sind viele Gedanken nicht mehr möglich. mm: Apropos „andere Welt“, du bist auch ein bisschen durch die Welt gekommen, oder? Lampert: Als junger Erwachsener habe ich mir eine Art Auszeit genommen. Ich bin ein Jahr lang durch Europa gezogen, ohne Geld, aber mit der Absicht, alles das zu sehen und zu erleben, was ich bis dahin nur aus dem Radio gehört habe. Paris, Spanien, Marokko,
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Deutschland, Amsterdam, Schweden, Norwe gen – wenn das Geld ausging, musste ich arbeiten gehen, wie zum Bespiel in den Ford-Werken von Köln. Ein Freund war mit mir unterwegs. Die Vielfalt von Spanien bis Schweden faszinierte mich, wir kamen in viele Häuser, wo ich mir die Baustile ange sehen habe. Großartig, ohne großes Fach wissen, aber mit viel Gespür. mm: Hat die lange Reise etwas bei dir aus gelöst? Lampert: Absolut, gerade nach dem Kontakt mit vielen Künstlern und Musikern war für mich nun klar, dass ich etwas Künstlerisches tun muss. Die zeitgenössische Kunst beein druckte mich, zum Beispiel Beuys. Es tat sich eine Welt auf. Von daheim war ich gewohnt, dass man etwas ‚Vernünftiges‘ tut. Aber wo für ist die Kunst da? Sobald ich ein Dach über dem Kopf und zu essen habe, dann kommt sehr schnell die Kunst. mm: Und wie müssen wir uns deine ersten künstlerischen Gehversuche vorstellen? Lampert: Ja, ich war wie erwähnt Werkzeug macher, weshalb wohl mein künstlerisches Denken in das Dreidimensionale ging. Ich sah eine Ausstellung von Göpf [Gottfried Bechtold, Anm. mm], ich glaube 1973, der Betonporsche war auch schon ein Thema („der Spinner“), und ich wusste, man kann Kunst auch in Vorarlberg machen und davon leben. Und ich wollte hier bleiben. Ich bin kein Sprachentalent, trotz meiner Auszeit kein Reisender, ich wollte lieber im Verbor genen arbeiten, auf dem Schrottplatz oder in der Natur habe ich mich aufgehalten, ich wollte anfänglich auch nichts verkaufen.
„Mir ist nur die erste Umsetzung wichtig. Danach würde ich das Interesse verlieren ...“
mm: Hast du an eine Ausbildung, eine Schule gedacht? Lampert: Fridolin Welte war ein Kollege und Lehrlingsausbilder von mir, er holte mich zur Firma Blum. Er schlug auch den künstlerischen Weg ein und ging deshalb auf die Akademie. Für mich war das nichts, ich wollte frei und unabhängig sein, in den Wald gehen, nachdenken. Fridolin habe ich später besucht und über ihn viele und vieles kennengelernt. mm: Geduld ist offensichtlich deine Stärke, zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich dir so zuhöre? Lampert: Mir ist die Natur sehr wichtig, zum Beispiel mein Garten. Da sieht man deutlich, man kann nichts erzwingen, alles hat seine Zeit. Die Natur gibt den Rhythmus vor. mm: Am Anfang standen Klangmaschinen? Lampert: 1978 war vom Spielboden, der ORF war auch dabei, ein Klangmaschinenwett bewerb ausgeschrieben. Das war mein The ma! Den gewinne ich, dachte ich mir. Ja, und tatsächlich war ich einer der vier Haupt gewinner. Das gab mir viel Selbstbewusstsein. Ich hatte danach eine Klangmaschinenaus stellung am Saumarkt in Feldkirch. Eine hatte der Otten in Hohenems gekauft, sie wird wohl nicht mehr funktionieren. Dann habe ich im AllerArt in Bludenz ausgestellt, die waren aber enttäuscht, weil ich da Würfel und Ähnliches ausgestellt habe, eine Fassung von Zeit / Raum war auch dabei. mm: Du warst aber noch nebenberuflich tätig? Lampert: Es hat bis 1987 gedauert, bis ich es
wagte, freiberuflich als Künstler tätig zu sein. Galerien waren nicht so mein Fall, heute bin ich froh, dass ich aus den kommerziellen Zwängen heraus bin. Bei meiner Ausstellung in Bludenz kam Kurt Prantl auf mich zu und wollte mich mit der Konkreten Kunst, dem Konstruktivismus, vor allem in der Schweiz, verbinden. Mit Prantl hat sich schon die Professionalität eingestellt, die Preise sind angezogen. mm: Teile deiner Arbeit könnten in Serie gehen? Lampert: Mir ist nur die erste Umsetzung wichtig. Danach würde ich das Interesse verlieren, das müssten dann wohl andere machen. mm: Wenn man dein Werk in deinem Atelier betrachtet, dann hat man das Gefühl, du bist als Künstler Fürsprecher, ein Anwalt der unbeachteten Nebendarsteller? Lampert: Ja, bei mir wird tatsächlich der Rahmen zum Helden, bei der Bearbeitung von Restteilen einer Skulptur spreche ich auch vom „Aufstand der Verlorenen Form“. mm: Das vorarlberg museum sammelt schwerpunktmäßig zeitgenössische Kunst, die sich mit der alpinen Bergwelt auseinan dersetzt. Bist du ein Bergsteiger? Lampert: Nein, ich war in das SilvrettAtelier eingeladen, und die Erfahrungen waren für mich neu. Dazu kommt das „gehen müssen“, das ist eine der größten Geschichten des Lebens … mm: … da fällt uns gleich dein Zeit / RaumKunstwerk im vorarlberg museum ein …
Lampert: … ja, wenn man festsitzt, geht nichts weiter. Die Zusammenarbeit mit jün geren Menschen ist sehr befruchtend. Diese Generation denkt strategischer, projekt orientierter, vernetzter … ich selbst bin ohne Ideen dorthin gegangen. So ist es mir schon bei meinen Auslandsaufenthalten gegangen, als ich vom Land ein Künstlerstipendium bekam, wie etwa in Palliano. Im SilvrettAtelier habe ich in erster Linie modelliert, die eigent lichen Ausführungen machte ich zuhause, wo ich auch meine Maschinen nutzen kann. mm: Wie siehst du deine Zukunft? Gibt es weitere künstlerische Pläne? Lampert: Mit dem Alter habe ich kein Pro blem, ich habe auch keine Existenzsorgen, neue Projekte stehen nicht an. Ich denke nach, ich ordne … das Lager ist voll. Andreas Rudigier
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museum magazin ausgabe 13 / 2016
Fotos: Christa Engstler
Das Hinschauen ist leider aus der Mode gekommen … Zum 70. Geburtstag von Helmut Swozilek
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m vergangenen Herbst feierte der frü here Direktor Helmut Swozilek seinen 70. Geburtstag. Zu diesem Anlass wid mete das vorarlberg museum seine Publikation „Archäologie in Vorarlberg“ dem Jubilar. Der folgende Text gibt einen Aus schnitt der Laudatio von Direktor Andreas Rudigier wieder.
Bregenz – Feldkirch – Schellenberg / Borscht – Ägypten […] Helmut Swozilek ist Bregenzer, geboren am 9. Oktober 1945, Volksschule in der Augasse, sechs Jahre Gymnasium in Bregenz, die restlichen zwei Jahre in Feldkirch. Grund für den Ortswechsel war die Versetzung des Vaters, seines Zeichens Gendarmeriebeamter, nach Bludenz. Was studieren mit 18? Keine einfache Entscheidung. „Ich bin geschwom men“, so resümiert Swozilek heute seine
Studien in Anglizistik, Germanistik. Die Prähistorie wurde zum Dissertationsfach, die Liebe gehörte der provinzialrömischen Archäologie, die – so Swozilek – vielleicht wichtigste, verbindlichste und strengste Richtung. Das Frühchristliche, das Byzanti nische, das Armenische interessierte Swozi lek ebenso. […] Die Doktorarbeit führte Swozilek in heimi sche Gefilde, genauer gesagt, in die nächste Nachbarschaft, nämlich auf den Liechten steiner Fundplatz Schellenberg-Borscht. Das Thema entstand aus einer Absprache des Museumsdirektors Elmar Vonbank mit dem Universitätsprofessor und Hallstattspezialis ten Karl Kromer: Ein Vorarlberger sollte ein Vorarlberg-relevantes Thema übernehmen, das Motto für Swozilek lautete, „ich ließ es geraten“. Der Schellenberg-Borscht konnte auf eine Altgrabung eines älteren Museums menschen, nämlich Adolf Hild, verweisen,
nach dem Krieg waren die Liechtensteiner mit David Beck selbst an der Sache dran. Swozilek versuchte anhand der Tagebücher, Pläne und Funde die Vor- und Nachkriegs grabungen zu rekonstruieren. Die Arbeit wurde gut angenommen, die Funde, die in der Luft hingen, wie der Jubilar es schildert, sollten in der entsprechenden Schicht landen. Stratigrafie und Typologie waren in diesem stein-, bronze- und eisenzeitlichen Umfeld wichtige Orientierungspunkte, die Swozilek ein ganzes berufliches Leben lang begleiten sollten. Ein Stoff gehört gegliedert, horizontal und vertikal. „Das Hinschauen ist leider aus der Mode gekommen und einfaches Abrufen heißt noch nicht, dass ich etwas verstanden habe“, fasst Helmut Swozilek die Unter schiede zu heute zusammen. Zwischen 1968 und 1972 beteiligte sich Swozilek an den österreichischen Ausgrabun gen in Ägypten. Eine exquisite Umgebung,
ein aufregender Befund, Grabungszeich nungen und die Verordnung der Kleinfunde durch den jungen Archäologen – und er liest heute noch immer über das, was über die Er ben der Hirtenkönige im Nildelta erforscht und geschrieben wird.
Vorarlberger Landesmuseum 1973 taucht Swozilek als Mitarbeiter der Aus stellung zu Edmund Kalb im Vorarlberger Landesmuseum auf – spätestens jetzt be merkt Elmar Vonbank auch das Interesse seines späteren Nachfolgers an der Kunstge schichte. Helmut Swozilek tritt am 1. Jänner 1974 in den Landesdienst ein, er spricht von der Arbeit eines Tagelöhners. Elmar Vonbank war hingegen in seinen Augen ein großer Meister; er besaß weite Kenntnisse in allen Fachgebieten. Das Studium in Königsberg, Prag und Innsbruck – die weite Streuung
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ist dem Krieg geschuldet – schuf die Grund lagen; als Volkskundler war er firm, die Künstler Hubert Berchtold, Fritz Krcal oder Martin Häusle – und nicht nur sie – gingen bei Vonbank ein und aus. Helmut Swozilek arbeitete mit Vonbank in vollem Vertrauen zusammen: „Die Prähistorie war seins, da saß er drauf ! Er war froh, dass ich der Kunst zugetan war.“ Nach dem Ende 1986 erfolgten Ausscheiden von Elmar Vonbank gab es im Landesmuseum in den Jahren 1987/ 88 ein Doppeldirektorat. Helmut Swozilek und Paul Rachbauer führ ten die Geschicke des Museums. Swozilek war für die Archäologie und die Kunst zustän dig, Rachbauer für die Volkskunde und die Administration. „Ich habe mir leicht getan“, meint der Jubilar, „denn ich hatte ja die bei den Säulen bei mir und deshalb gab es bei mir auch keine Minderwertigkeitsgefühle.“ Kulturlandesrat Guntram Lins traf dann bald die Entscheidung für den alleinigen Direk tor Swozilek. Ja, Swozilek, ein böhmischer Name, zumindest kamen die Vorfahren von dort, der Vater war ein Wiener, die Mutter hatte er in Vorarlberg kennengelernt. Ein Swozilek als Direktor im Land der Rhombergs und der Hämmerles? Geht das überhaupt? Wie heißen Sie? Wo kommen Sie her? Helmut Swozilek verfiel bei seiner Antwort gerne in den Dialekt und gab zurück: „Der Name mag vom Vater kommen, eine Mutter gibt’s aber auch noch, und da müssen die Namen Eberle und Gmeiner wohl ‚langa‘.“ […] Ein neues Landesmuseum war ein zentrales Projekt unter der Schirmherrschaft von Helmut Swozilek. Das von ihm zitierte Memo randum von 1989 sprach bereits eine Erwei terung des Museums unter Einbeziehung des Gebäudes der Bezirkshauptmannschaft an. 1991 entwarf Ernst Hiesmayr einen Turm im Hof, das Landesbauamt dachte 1994 an eine hofseitige Erweiterung und auch der ehema lige Mitarbeiter Wilhelm Holzbauers Dimitri Manikas wurde angesprochen. Manikas hatte in jenen Jahren auch die Erweiterung des Wien Museums am Karlsplatz zu verantwor ten. […] 1998 sprachen die Verantwortlichen des Landesmuseums von den vier Weisen, die das Konzept eines neuen Museums in Form eines Workshops begleiteten: Gerd Biegel aus Braunschweig, Günter Düriegl aus Wien, Norbert Hasler aus Liechtenstein und Harald Szeemann, ein bekannter Schweizer Theatergründer und Ausstellungsmacher, der 2005 verstorben ist. […] Die Idee, das neue Museum mit dem Gebäude der Bezirkshauptmannschaft zu planen, war also früh angesprochen worden, allerdings sah Swozilek den Neubau eher auf der Seeseite, während das alte Museum für ihn architektonisch als Beispiel einer unter dem Weltkrieg durchtauchenden Neuen Sachlichkeit erhaltungswürdiger erschien. Den nunmehrigen Umbau beziehungsweise Neubau kommentiert er nicht, auch wenn dann doch die Entwürfe von Kaufmann-Rüf mit den keilartigen Glasecken oder die Vor schläge von Baumschlager-Eberle und Palffy besondere Erwähnung finden.
Helmut Swozilek Fragt man nach privaten Vorlieben, dann wird’s sehr profan: Lesen, Rauchen, Wein trinken, Gesellschaft mit ihm zusagen den Menschen. Viele Kontakte aus beruf licher Zeit haben sich erhalten. Er schätzt
Menschen, die um „ein Hauseck mehr“ wissen als er. Große Reisen sind nicht das vordringlichste Ziel, unnachahmlich seine Antwort: „Es ist mir nicht so wichtig, man war ja schon wo!“ Und auf seine Weltläufig keit angesprochen: „Ich sag mal, man kann schon mit Messer und Gabel essen!“ Syrien und Irak zählen zu den bereisten Ländern. Swozilek dazu: „Hervorragend ausgebildete Kollegen, Infrastruktur auf hohem Niveau, laizistische Staaten, das Positive wird nicht berichtet, das Autoritäre wird gesehen, Palmyra schaffte schon bisher kein Verständ nis für die Geschichte und wird in Pappen deckel neu entstehen.“ Und die Flüchtlinge? „Die sind jetzt do!“ Im Vorfeld dieses Abends habe ich auch Mit arbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, was sie denn mit Helmut Swozilek verbinden. Ja, es sind genau diese kurzen trockenen Bemerkungen, wenn es um die „Kunst des Möglichen“, die „Vorschläge zur Güte“ oder wenn es um den Hinweis geht: „Wenn man weiterkommen will, muss man Bücher lesen.“ Ein solches haben wir heute vorgelegt, und du hast mitgeschrieben [„Archäologie in Vor arlberg“, Anm. mm]. Forschungsgeschichtlich bist du immer noch im Einsatz. Die Infra struktur beschränkt sich – noch immer – auf Papier und Bleistift und die mechanische Reisekoffermaschine. Im Archiv, in der Bib liothek, im Museum siehst du dich noch gut gehalten. „Ich schätze das sehr!“, das ist dein Zitat. Lieber Helmut, namens des vorarlberg museums und in meinem Namen möchten wir dir sagen: Wir schätzen dich sehr und freuen uns jedes Mal über deine Anwesen heit. Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu deinem Geburtstag! Andreas Rudigier
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Museum für Lebensgeschichten
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as Museum für Lebensgeschichten im Harder Seniorenhaus am See wurde 2014 gegründet und trat noch im gleichen Jahr mit einer ersten Ausstellung an die Öffentlichkeit. Inhalt und Aufgabe sind das Sammeln und Erzählen unterschiedlichster Biografien aus Hard. Das Museum ist weniger als Ort kriti scher Biografieforschung zu verstehen, viel mehr als ein Ort „sympathischen Sammelns“ von Lebensläufen und Erinnerungen einer Kommune. 2014 stand das Leben von Othmar Windbich ler, der jedem Harder unter dem Spitzna men Fifi bekannt war, im Zentrum. Er war Straßenkehrer, Festredner, Umzugsliebhaber und Fußballfan. Altpfarrer Georg Meusburger verfasste die Biografie dieses Originals. 2015 wurde das Leben und Wirken der Hebamme Ida Wipplinger vorgestellt. Ihre Biografie wurde von der pensionierten Volksschuldirektorin Henrike Motter erstellt.
Das Museumskernteam, bestehend aus der Seniorenbegleiterin Ulrike Baur, dem Heim leiter Alwin Ender MAS, und Gemeinde archivar Mag. Philipp Wittwer, erzählt im Folgenden über das in Vorarlberg bisher einzigartige Projekt. mm: Was ist das Museum für Lebensge schichten? Ender: Das Museum für Lebensgeschichten ist ein Projekt, bei dem wir über eine Person, die in Hard gelebt und gewirkt hat, jährlich eine temporäre Ausstellung gestalten. Wir wollen das Leben dieser Person in unsere Mitte nehmen, bekannt machen, einfach auch um zu sagen: Es hat jeder sein einzig artiges Leben gelebt. mm: Warum hat man gerade die Museums idee aufgegriffen, man hätte es ja bei ein paar kleineren Heften oder Artikeln im Jahr belassen können? Ender: Die Idee ist aus einem Workshop
Die Bildtafeln der Ausstellung sind für Bewohner und Gäste im Seniorenhaus gut sichtbar.
heraus entstanden, es gibt ja das Museum für Lebensgeschichten in Speicher im Appen zellerland. Das wurde 2005 vom Künstler H.R. Fricker initiiert. Wir haben uns gedacht, wir machen auch so ein Museum im Pflege heim, das an sich ein Ort ist, an dem ganz viele Menschen ihren Lebensabend verbrin gen, ihre letzten Jahre. Viele Geschichten bestehen in dem Haus sowieso, der Ort ist also eigentlich schon ein Museum für Lebens geschichten – natürlich nicht im klassischen Sinn. Wir haben ja schon jahrelang ein Erzählcafé gemacht und kürzlich mit dem Hundertsten abgeschlossen. Das Museum für Lebensgeschichten ist eine andere Form, aber es geht um ähnliche Dinge. Wittwer: Vielleicht ganz kurz: Ein Museum ist ein Ort, an dem Dinge ausgestellt oder gezeigt werden, die für eine Gesellschaft wichtig sind – kulturell oder sozial oder in welcher Hinsicht auch immer. Und darum finde ich diesen Museumsbegriff für das, was wir jetzt da machen, sehr passend. Museum
Fotos: Christa Engstler
bedeutet erstens ein bisschen mehr als einen Zeitungsartikel zu machen, und zweitens soll der Name auch die Kontinuität des Gan zen andeuten. Baur: Ein kurzer Satz zum Ort: Wir sehen das Museum auch als Wertschätzung für gelebtes Leben, und ich denke, es tut unseren Bewohnern auch gut, wenn sie sehen, dass das, was man gelebt hat, was man gewirkt hat, auch einfach so als Ganzes angeschaut werden kann. mm: In der Seniorenbegleitung ist Biografie arbeit ein ganz wichtiger Teil. Sollte das Museum auch eine Wirkung auf die Bewoh ner haben? Baur: Natürlich, es regt an zum Nachdenken, zum Wecken der Erinnerungen, wir haben zum Beispiel Bewohnerinnen, die bei der Hebamme Wipplinger entbunden haben, und es kommen ganz viele Lebensgeschich ten und Erinnerungen auf. Ender: Es kommen natürlich auch ein paar
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Foyer Seniorenhaus
Museum für Lebensgeschichten Seniorenhaus am See, Seestraße 37, 6971 Hard http://www.hard.at/de/museum-fuer-lebensgeschichten/ Die jeweils zwei Monate dauernden Ausstellungen sind bei freiem Eintritt im Foyer zu besichtigen. Nächste Ausstellung ab Herbst 2016 Das Begleitheft 2015 ist im Seniorenhaus erhältlich. Beide Hefte von 2014 und 2015 stehen als PDF zur Verfügung: http://sozialesnetz.hard.at/de/museum-fuerlebensgeschichten v.l.n.r. Alwin Ender, Philipp Wittwer, Ulrike Baur
Besucher, die sonst vielleicht in einem Pflegeheim nicht anzutreffen wären, also es passiert auch Leben im Außenkontakt. Wenn 500 Leute das Museum besuchen, hat bereits ein Austausch stattgefunden. Es ist auch gut, dass die Bewohner und Besucher hier (im Foyer) sitzen, und Besucher der Ausstellung dazu kommen. Dann redet man und dann passiert dieser Kontakt, diese Kommunika tion miteinander.
mm: Gibt es da Vorgaben oder ist es dem Biografen überlassen, wie er den Text gestal tet? Wittwer: Es ist grundsätzlich dem Autor frei gestellt, wie er das aufbaut, aber natürlich schauen wir uns im Team den Text immer wieder gemeinsam an und geben Anregun gen. Die Leute machen das ehrenamtlich, und sie sollten auch hinter dem Text stehen können.
mm: Sie machen ja auch bei der Langen Nacht der Museen mit. Hat dieser Ort durch den Begriff Museum eine größere Öffentlich keit bekommen? Ender: Wir sind überzeugt davon, dass die Idee hinter dem Museum für Lebensge schichten gut ist. Und daher muss man es auch in der Öffentlichkeit bekannt machen. Die Idee kann auch nachgeahmt werden, wir sind nicht die einzigen, die das machen können.
mm: Es geht ganz offensichtlich um Wert schätzung bei den Lebensläufen, man möch te keine Biografien, die diskursiv sind, oder? Wittwer: Ja, es geht absolut um die Wert schätzung. Keine Person ist vollkommen, aber es gibt Persönlichkeiten, die sehr um stritten sind und ich glaube nicht, dass unser Museum der richtige Rahmen dafür wäre. Baur: Das Museum ist etwas, was Lust machen soll, etwas fürs Herz.
mm: Wie werden die Biografien ausgewählt, was sind die Kriterien? Ender: Wir haben keine festgelegten Krite rien. Wir wollen von der Projektidee her eigentlich auch über Menschen berichten, die nicht unbedingt Berühmtheiten der Ge meinde sind. Wobei wir das nicht ausschlie ßen. Wichtig ist uns, dass es eine Person ist, die in Hard gelebt hat. Baur: Ich möchte die Auswahl der Biografien auch abkoppeln vom Leistungsgedanken, es sind Menschen, die etwas bewirkt haben in der Bevölkerung. mm: Wie finden Sie die Biografinnen und Biografen? Baur: Es ist jedes Mal wieder ein Prozess. Wer könnte mit der Lebensgeschichte etwas anfangen? Nicht jeder, der gut schreiben kann, passt als Biograf zu der ausgewählten Lebensgeschichte.
mm: Werden die Nachkommen der Perso nen gefragt, ob es für sie in Ordnung ist, eine Ausstellung zu machen? Wittwer: Ja. Bei der Frau Wipplinger haben wir alle Kinder gefragt, der Prozess war wirk lich sehr spannend und deren Offenheit beeindruckend. mm: Wie wird das Museum finanziert? Ender: Von der Gemeinde. Es gibt ein Projekt budget, das die Produktionskosten der Tafeln und Hefte abdeckt. mm: Also ein Gemeindeprojekt und kein Verein? Ender: Wir haben von den Schweizern in Speicher einiges lernen können, sie haben uns sehr gut begleitet – die hätten schon gerne, dass man einen Verein gründet, denn solche Projekte sind manchmal personen abhängig. Wir haben in Hard einen anderen Weg gewählt.
Sitzecke Foyer Seniorenhaus
mm: Wie viele Personen sind in die Erstel lung einer Ausstellung involviert? Baur: Acht Personen: Die Grafikerin Alex andra Köss, der / die jeweilige Biograf/in, die Lektoren Urs und Resi Riesner, wir drei als Kernteam und für den Ausstellungsaufbau der Hausmeister Christian Gröber. Ender: Ich möchte auch noch sagen: Es macht Spaß, einmal etwas zu machen, was außerhalb unseres Alltagsgeschäftes liegt. Und wenn sich der Erfolg einstellt, ist es nett, das gemacht zu haben. Alle sind gerne dabei. Baur: Es war von Anfang an eine sehr frucht bare und freudvolle Zusammenarbeit von allen.
mm: Steht schon die nächste Person für 2016 fest? Ender: Das wird Manfred Dörler sein – also jetzt ein landesweit bekannter Mann, der die soziale Landschaft in Vorarlberg mitgestaltet hat, Landtagspräsident war, als Pfadfinder einiges bewegt hat und als Sozialreferent in Hard im Sozialsprengel oder im Seniorenhaus Meilensteine gesetzt hat. Franz Abbrederis wird der Biograf sein. Bisher sind die Erzäh lungen eher ins Privatleben gegangen, wir sind gespannt, wie das jetzt gelöst wird. Wir freuen uns auf die sicherlich wieder interes sante Ausstellung im Herbst. Barbara Motter
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Literaturtipps
Gerhard Grabher, Andreas Rudigier (Hg.)
Archäologie in Vorarlberg vorarlberg museum Schriften 15 Kunstverlag Josef Fink 260 Seiten, ca. 200 Abb. 22,5 x 30 cm 29,80 Euro ISBN 978-3-89870-983-5
Das Land Vorarlberg. 1861 bis 2015 Meinrad Pichler
Friederike Hehle, mit umfassender Quellenrecherche von Norbert Spalt
Quintessenz aus fünf Jahrhunderten, 350 Jahre Stadt-Apotheke Bregenz 1665–2015 144 Seiten, 52 Abbildungen 18,5 x 28,5 cm, gebunden StudienVerlag 24,90 Euro ISBN: 978-3-7065-5494-7
M
it dem nun vorliegenden Band schließt die von Landesarchivar Alois Niederstätter konzipierte dreibändige Landesgeschichte. Schon die beiden von Niederstätter verfass ten Bände „Vorarlberg im Mittelalter“ und „Vorarlberg 1523 bis 1861“ zeigten, wie not wendig, aber auch wertvoll eine umfassende neue Geschichte Vorarlbergs ist. Gleich vorweg sei gesagt: beim Werk von Meinrad Pichler handelt es sich um Ge schichte zum Lesen. Der angenehm lesbare Schreibstil, kurze und gekonnt ausgewählte Zitate sowie eine reichhaltige, aber nicht überbordende Bebilderung machen das Buch bei aller Wissenschaftlichkeit zur angeneh men Lektüre. Im vorliegenden Band wird der Wandel vom traditionellen Vorarlberg, über das Kaiser und Kirche herrschten, hin zum industriell geprägten, demokratischen Bundesland dar gestellt. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahr hunderts beginnen mit dem Streben nach politischer Selbstständigkeit, der industriel len Entwicklung sowie dem Kampf um das Welterklärungsmonopol. Der folgende Auf schwung wird durch die beiden Weltkrie ge, Diktaturen und wirtschaftliche Krisen
Kurt Bracharz im Gespräch mit:
Egon Goldner. Zeitzeichen Künstler im Gespräch, Bd. 5 vorarlberg museum Schriften 17 80 Seiten, zahlreiche Abb. 16 x 25 cm, broschiert Bucher Verlag 22,00 Euro ISBN 978-3-99018-372-4
gestoppt. Es folgt der Weg ins zeitgenössi sche Vorarlberg, immer verbunden mit dem Thema der Zu- und Abwanderung. Wichtigen Raum nehmen in allen Kapiteln Kultur und Kunst ein und werden als Charakteristika für die behandelten Zeiträume genutzt. So resü miert Meinrad Pichler im Kapitel „HeimatKult(ur)“ recht prägnant: „Die Konzentration auf die Heimat verstellte den Blick auf die Welt.“ Eine der Stärken des Buches ist die Darstel lung der Menschen. Der Autor widmet dem Thema Frauen nicht nur ein eigenes großes Kapitel, sondern er nützt auch viele kleinere biografische Exkurse und Anmerkungen, um Sachverhalte zu illustrieren. Das bietet die Gelegenheit, beim Lesen über historische Entwicklungen immer wieder kleine Aus flüge in das Leben unterschiedlichster Perso nen zu unternehmen: So verdiente 1888 die 64-jährige Klara Nachbauer in der DouglassFabrik in Thüringen nach heutiger Kaufkraft 55 Cent in der Stunde. Der Bildhauer Franz Plunder überquerte 1923 mit dem selbstge bauten Segelboot „Sowitasgot“ den Atlantik, unterrichtete in Chicago an der Kunstakade mie und kam 1945 als amerikanischer Offi zier ins bombengeschädigte Bregenz zurück. Der Maturant Joseph Anton King war von der
Robert Gander, Andreas Rudigier, Bruno Winkler (Hg.)
Museum und Gegenwart Verhandlungsorte und Aktionsfelder für soziale Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel vorarlberg museum Schriften 14 transcript Verlag 176 Seiten, zahlreiche Abb. 29,99 Euro ISBN 978-3-8376-33335-1
Gestapo zu Übersetzungsdiensten herange zogen worden. Die unmenschliche Behand lung der jungen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine veranlasste ihn, eine Widerstandsgruppe mit aufzubauen. Im Sommer 1944 wurde er verhaftet und im April 1945, kurz vor der Befreiung, im KZ Mauthausen umgebracht. Meinrad Pichlers hervorragende Kenntnis der Regionalgeschichte macht ihn zu einem kompetenten Führer durch die Geschichte der letzten 150 Jahre und sein Buch zu einem Standardwerk für das breite Publikum und die Wissenschaft. Werner Matt
Meinrad Pichler
Geschichte Vorarlbergs Das Land Vorarlberg. 1861 bis 2015 Das Land Vorarlberg 1861 bis 2015 472 Seiten zahlreiche Abb. und Grafiken Universitätsverlag Wagner 29,90 Euro ISBN 978-3-7030-0865-8
Exkursionen 19
museum magazin ausgabe 13 / 2016
Sehen und Erleben Reisen Sie mit uns! Der Vorarlberger Landesmuseumsverein bietet Ihnen bis zum Sommer eine vielfältige Auswahl an Reisen und Exkursionen zu interessanten Kulturstätten und in verschiedene Regionen.
Donnerstag, 17. bis Freitag, 18. März Deutsche Museen in Stuttgart und Mannheim. Das Mercedes-Benz Museum bietet einen Einblick in die 125-jährige Geschichte des Automobils und die Reiss-Engelhorn-Museen präsentieren Ägypten als das Land der Unsterblichkeit sowie die außergewöhnliche aktuelle Ausstellung DUCKOMENTA. WELTGESCHICHTE NEU ENT-DECKT. Anmeldung bis 15. Februar
Sonntag, 3. bis Donnerstag, 7. April Die Ausstellung Bergauf Bergab in Bochum führt die Besucherinnen und Besucher in Begleitung von Andreas Rudigier durch 10.000 Jahre Bergbau in den Ostalpen und wird mit weiteren interessanten Einblicken ins Ruhrgebiet verbunden. Anmeldung bis 29. Februar
Sonntag, 1. Mai Das Napoleonmuseum Schloss und Park Arenenberg im Thurgau in der Schweiz, eines der schönsten Schlösser im Bodenseegebiet, und die Bodenseehalbinsel Höri bilden die Höhepunkte dieser Tagesexkursion, die von Norbert Burtscher geleitet wird. Anmeldung bis 31. März
Sonntag, 15. bis Samstag, 21. Mai Madrid und Zentralspanien – Barcelona – Katalonien. Ausgehend von Madrid begleitet Christian Jochum in einer mehrtägigen Reise von Zentralspanien durch Katalonien nach Barcelona. Anmeldung bis 10. April
Montag, 6. bis Freitag, 10. Juni An bekannte und weniger bekannte Orte am Gardasee und in sein Hinterland führt diese fünftägige Reise mit Patricia Sasso, die sowohl die landschaftlichen Reize als auch die kultur historische Bedeutung des Raumes vor Augen führt. Anmeldung bis 10. Mai
Samstag, 25. Juni Den Spuren der Grafen von Werdenberg folgt Harald Rhomberg dieses Mal in den Werden berger Herrschaftsgebieten an der Donau und auf der Schwäbischen Alb, zu denen unter anderem Ulm, Trochtelfingen und Sigmaringen zählen. Anmeldung bis 10. Juni
Detaillierte Informationen
http://www.vlmv.at/exkursionen Anmeldungen
Baldur Hämmerle E: exkursionen@vlmv.at, T: +43 664 1637100
Foto: Petra Rainer Text: Brigitte Truschnegg
Werden Sie Mitglied! Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie nicht nur die Arbeit der Museen im Land, sondern Sie tragen auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Vorarlberg bei. Zusätzlich genießen Sie folgende Vorteile:
Vorarlberger Landesmuseumsverein
– Kostenloses Abo des Museumsmagazins (3x jährlich) – Anspruch auf ein Freiexemplar des wissenschaftlichen Jahrbuches – Nutzung des Veranstaltungs- und Exkursionsprogramms des VLMV und des vorarlberg museums – Detaillierte Informationen über Vereinsveranstaltungen – Freier Eintritt in das vorarlberg museum Bregenz, in die inatura Dornbirn und in die Partnermuseen (Klostertal Museum Wald am Arlberg, ALLE Montafoner Museen und NEU: Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg)
Kontakt / Anschrift: Vorarlberger Landesmuseumsverein Geschäftsstelle, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz E: geschaeftsstelle@vlmv.at, T: +43 5574 46050545
Der Vorarlberger Landesmuseumsverein bietet Ihnen drei Formen der Mitgliedschaft an: Neben der Einzelmitgliedschaft zu 36,00 Euro (Studierende zu 20,00 Euro) ermöglicht Ihnen eine Doppelmitgliedschaft zu 50,00 Euro jederzeit mit einer Person Ihrer Wahl oder eine Partnermitgliedschaft zu 50,00 Euro mit einem nament lich genannten Partner bzw. einer Partnerin das vorarlberg museum und die verschiedenen Partnermuseen zu besuchen.
Präsidentin: Brigitte Truschnegg Vizepräsident: Thomas Klagian Geschäftsführer: Christof Thöny Kassierin: Edeltraud Wirth
Impressum Herausgeber: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz. Für den Inhalt sind die angeführten Autorinnen und Autoren verantwortlich. Nicht in allen Fällen war es möglich, Rechteinhaber der Abbildungen ausfindig zu machen. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten. / Idee und inhaltliches Konzept: Andreas Rudigier, Christof Thöny / Redaktion: Eva Fichtner / Beiträge: Franziska Bergmann, Andreas Brugger, Kathrin Dünser, Max Lang, Werner Matt, Barbara Motter, Petra Nachbaur, Andreas Rudigier, Christof Thöny, Brigitte Truschnegg / Gestaltung: Verena Petrasch / Druck: Buchdruckerei Lustenau / Lithografie: Günter König / Auflage: 3000 / Gedruckt mit Unterstützung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung und des vorarlberg museums