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MuseumsMagazin 12

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m a museumgazin ausgabe

12 / 201

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Ich bin ich Industriegeschichte in Vorarlberg Leo Walser im Gespräch Die NeuBurgBaustelle

Herausgegeben vom Vorarlberger Landesmuseumsverein


2 Editorial

museum magazin ausgabe 12 / 2015

Inhalt

Editorial

Editorial 2

Inhalt Editorial Coverstory

Unter uns 3

Unter uns

Im Gespräch 4 6

N

Stein auf Stein Die NeuBurgBaustelle Wie ein Puzzle Maria Bader und Talpa

Museum 7

Schule trifft Museum Partnerschaften im Klostertal und Montafon

Geschichte 8

Foto: Petra Rainer

Industriegeschichte in Vorarlberg

Porträt 10 Von Amts- und Wanderwegen Leo Walser

Ausstellung 12 Ich bin ich Mira Lobe und Susi Weigel

Kunst 15 Johann Peter Kaufmann Porträtist von Angelika Kauffmann

Coverstory

Ich bin ich

Hinter der Fassade 16 Ökoprofit im vorarlberg museum

Atrium 17 Vom Sterben und Geborenwerden Ausstellungen im vorarlberg museum

Literatur 18 Literaturtipps

Exkursionen 19

Sehen und Erleben Exkursionen 2015 Werden Sie Mitglied beim Vorarlberger Landesmuseumsverein Impressum

Illustration Das kleine Ich bin ich, 1972 Susi Weigel, Illustratorin Wien, Verlag Jungbrunnen

J

ede für sich war ein schöpferisches Talent, gemeinsam waren sie ein Traumteam: Mira Lobe (1913–1995) und Susi Weigel (1914 –1990) stehen für ikonenhafte Figuren der österreichischen Kinderliteratur, allen voran Das kleine Ich bin Ich. Das Wien Museum widmete der Schriftstellerin und der Illustratorin eine Ausstellung, die nun im vorarlberg museum zu sehen ist, in jenem Bundesland, wo Susi Weigel ihre zweite Lebenshälfte verbrachte und wo, privat, ihr Nachlass liegt. Auch als Ort für den dauerhaften Verbleib dieses Nachlasses kommt das vorarlberg museum ins Spiel. Gespräche eröffnen die Möglichkeit, dass Susi Weigels bunte Hinterlassenschaft in Bregenz Erschließung und Aufarbeitung erfahren wird. Die Ausstellung Ich bin Ich, kuratiert von Lisa NogglerGürtler mit dem Kinderliteraturexperten Ernst Seibert und dem Lobe-Biografen Georg Huemer, präsentiert Mira Lobe und Susi Weigel in ihrer beachtlichen Produktivität und zeigt die nahezu Gleichaltrigen als wechselhaft involvierte Exponentinnen des 20. Jahrhunderts. Im vorliegenden Museumsmagazin werfen Kulturschaffende aus unterschiedlichen Sparten einen Blick auf die sogenannten Mira-Susi-Koproduktionen. Petra Nachbaur

ach dem speziell herausgegeben Sommermagazin, in dem Sie einen umfangreichen Einblick in die musealen Aktivitäten in Vorarlberg im Sommer 2015 erhalten haben, erscheint nunmehr wieder das bereits zur Gewohnheit gewordene Museumsmagazin im Zeitungsformat zur Langen Nacht der Museen im Oktober. Wie bisher auch bieten unterschiedlich gestaltete Beiträge ein buntes Portfolio, wobei das Interview mit Leo Walser einen Schwerpunkt zum Thema Dokumentation und Erhaltung der Kulturlandschaft darstellt. Gleichzeitig blicken wir bereits auf die Ausstellung zur fruchtbaren Zusammenarbeit von Mira Lobe und Susi Weigel, die ab November im vorarlberg museum gezeigt wird. Nicht zuletzt möchten wir Ihnen die Präsentation des Jahrbuchs des Vorarlberger Landesmuseumsvereins speziell ans Herz legen, die heuer am 15. Oktober 2015 erstmals in Bludenz erfolgt und von einem Vortrag zur Geschichte der Douglasshütte am Lünersee begleitet wird. Andreas Rudigier, Christof Thöny


Unter uns 3

museum magazin ausgabe 12 / 2015

Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg Fotos: Alfons Bereuter

Unter uns N ach dem neu akzentuierten Sommermagazin möchten wir un­­sere Mitglieder über die Ver­eins­an­ge­ legenheiten und Vereinstätigkeiten im bereits bewährten Format über die Aktivitäten des Vereins der letzten halben Jahres informieren.

Am Fuße der Burgruine Tosters ... ... fand im April auf Initiative von Harald Rhomberg und Raimund Rhomberg von unserem Burgenausschuss das zweite Vernetzungstreffen der Burgenverantwortlichen in Vorarlberg statt. Es bietet jenen, die sich seit vielen Jahren für die Restaurierung, Erhaltung und Nutzung verschiedener Burgen im Lande mit viel Engagement einsetzen, eine Gelegenheit, sich über den Stand der Arbeiten an ‚ihrer‘ Burg, sowie über laufende und zukünftige Projekte auszutauschen. Die rund 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dokumentieren die erfolgreiche Fortführung dieser Initiative unseres Burgenausschusses.

Zu Besuch in Wald am Arlberg Am 9. Mai 2015 nützten zahlreiche Mitglieder die Gelegenheit, unseren Kooperationspartner, das Klostertal Museum in Wald am Arlberg, besser kennenzulernen und sich in unserer Generalversammlung über die Vereinsaktivitäten und -projekte zu informieren. Danach genossen die Mitglieder bei einem Buffet der Bäuerinnen die Zeit zur Informa­ tion und zum Austausch mit dem Vereinsvorstand und anderen Vereinsmitgliedern. Beim Organisator und den Mitwirkenden des Klostertaler Museumsvereins möchten wir uns für die Gastfreundschaft herzlich bedanken!

Sehen und Erleben – Jahresausklang Aufgrund der großen Nachfrage bietet der Exkursionsausschuss des VLMV im November noch einmal eine mehrtägige Reise in die Toskana an. Die Reise führt nach Florenz zu den bedeutendsten Skulpturensammlungen Italiens sowie in die reizvollen Städte Lucca und Arezzo. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Seite 19 in diesem Magazin. Dank dafür geht wie immer an Baldur Hämmerle für die exzellente Organisation der Veranstaltungen! Gleich zu Beginn des neuen Jahres wird Ihnen dann bereits das Exkursionsprogramm für das Jahr 2016 per Post zugesendet.

Münzen, Höhlen, Burgen Im März dieses Jahres fand wieder eine Besprechung mit den Obmännern der Fachausschüsse statt, in denen die Projekte der Ausschüsse sowie die Situation und Pläne des Vereins besprochen wurden. Zu den Tätig­keiten unserer Ausschüsse finden Sie in dieser Ausgabe auf den Seiten 4 – 5 einen ausführlichen Bericht über die sogenannte „Kinderbaustelle“ auf der Neuburg bei Koblach. Wenn Sie sich umfassender über die Arbeit in den Fachausschüssen informieren oder sich dort engagieren wollen, finden Sie auf unserer Homepage http://www.vlmv.at/verein/ ausschüsse/ alle notwendigen Kontaktdaten.

Neuer Kooperationspartner Wir freuen uns, Sie darüber informieren zu können, dass wir mit dem Angelika Kauff­ mann Museum in Schwarzenberg einen neuen Kooperationspartner des Vorarlberger

Landesmuseumsvereins gewonnen haben. Wir freuen uns auf künftige gemeinsame Projekte! Für die Mitglieder des Vorarlberger Landesmuseumsvereins bedeutet dies darüber hinaus, dass sie ab 2016 auch das Angelika Kauffmann Museum – wie alle Museen unser Kooperationspartner – kostenlos besuchen können!

Vortrag und Präsentation des Jahrbuchs 2015 Die Arbeiten am Jahrbuch 2015 sind erfolg­ reich abgeschlossen und bieten wiederum einen vielseitigen Ausschnitt aus den Forschungen in und über Vorarlberg und seiner Kulturlandschaft. Archäologisches von Bregenz bis Feldkirch, Historisches und Sprachwissenschaftliches vom 16. bis ins 21. Jahrhundert vermitteln neue Erkenntnisse aus dem ganzen Land. Nachdem die letzten beiden Jahre unsere Vorträge, die auf das Jahrbuch einstimmen sollen, in Bregenz im vorarlberg museum stattgefunden haben, möchten wir dieses Jahr den Vortragsort wieder wechseln und freuen uns, Sie in Zusammenarbeit mit dem Bludenzer Geschichtsverein und dem Alpenverein Bludenz zum Vortrag nach Bludenz einladen zu dürfen. Die Architektin Doris Hallama von der Universität Innsbruck wird Ihnen am Donnerstag, den 15. Oktober in der Remise in Bludenz Interessantes zur Architektur der Schutzhütten in den Alpen und im Beson­ deren zur Baugeschichte der Douglasshütte in Vorarlberg berichten. Im Anschluss daran findet die Präsentation des Jahrbuchs 2015 statt, zu der alle herzlich eingeladen sind und im Zuge derer die anwesenden Mitglieder das Jahrbuch mitnehmen können. Näheres zum Vortrag finden Sie auf der Seite 19 dieser Ausgabe! Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Sie haben Fragen, Anregungen? Wir freuen uns über Ihre Fragen oder Anregungen, die Sie jederzeit entweder schriftlich an geschaeftsstelle@vlmv.at beziehungsweise Vorarlberger Landesmuseumsverein, Geschäftsstelle, Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz oder telefonisch (+43 5574 46050545) an uns richten können. Brigitte Truschnegg

Paul auf der Kinderbaustelle der Burgruine Koblach. Foto: Maria Berg, Herbert Kuzel, Reinhard Sonderegger


4 Im Gespräch

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Frage: „Wie

stellt ihr euch das Leben auf einer Burg vor?“ Alle: „Ritter,

Burgfräulein, Tiere, Pferde und Kühe!“

Stein auf Stein

Bild oben: Burgruine Koblach Bilder unten: Nach einer Einführung durch Reinhard Sonderegger (links) folgen die praktischen Arbeiten mit Otto Summer (rechts).

Auf der NeuBurgBaustelle für Kinder bei der Neuburg in Koblach legen die Kinder bei der Erhaltung der Burgruine selbst Hand an. Reinhard Sonderegger und Otto Summer berichten über ein besonderes Restaurierungsprojekt.


Im Gespräch 5

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M

m: Können Sie uns ganz kurz die Geschichte der Ruine und ihr Schicksal in den vergangenen Jahrzehnten umreißen? Sonderegger: Die Neuburg wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Ersten urkundlichen Erwähnungen 1152 zufolge war die Burg in welfischem Besitz, bis sie 1363 an die Habsburger verkauft wurde. 1767 besiegelte ein folgenschwerer Verkauf das Schicksal der Burg: Die einst stolze Burg wurde als Steinbruch freigegeben, was den ‚Abbau‘ der Burg­ ruine in großen Teilen zur Folge hatte. Seit 1864 befindet sich die Burg im Besitz der

„Hättet ihr gerne auf einer solchen Burg gelebt?“ Frage:

Alle:

„Jaaaa!“

Gemeinde Koblach und bereits 1912 und 1956 gab es erste Bemühungen, den Bestand der Ruine zu sichern. Von 1985 bis 2000 fanden auf Initiative von Franz Josef Huber, dem Obmann des Burgenausschusses des Landesmuseumsvereins, und mit vielen freiwilligen Helfern umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt. Einige engagierte Bürgerinnen und Bürger aus Koblach starteten 2013 erneut Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen. Die Förderungen im Rahmen der BURGENAKTION von Land und Bundesdenkmalamt waren dabei eine willkommene Starthilfe und sind ein wichtiger Teil der Finanzierung. Einstimmige Beschlüsse der Koblacher Gemeindevertretung sicherten jeweils das notwendige Baubudget und zeigen somit auch die Verbundenheit und Verantwortung der Gemeinde Koblach gegenüber diesem kulturellen Erbe. Durch eine Spendenaktion leisten darüber hinaus auch Firmen und Private einen erheblichen Beitrag. mm: Seit 2014 gibt es eine Kinderbaustelle auf der Burgruine Neuburg. Wie kam es zu dieser Idee und welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht? Sonderegger: Die Neuburg und der Schlosswald sind ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Kinder sind fasziniert davon. Um Kindern die Neuburg erlebbar zu machen, haben wir, die Mitglieder der Initiative Neuburg, die NeuBurg-Baustelle für Kinder geschaffen. Bei einem Rundgang erfahren die Kinder Interessantes über die Burg und deren Geschichte. Von Otto Summer von der Firma Wilhelm & Mayer erhalten sie spannende Informationen über die Restaurierungsmaßnahmen und die mittelalterliche Bautechnik. Dann können die Kinder eigenhändig unter Anleitung eine Trockenmauer bauen und direkt an der Ruine Mauerteile ausputzen und Mörtel stopfen. Zum Abschluss erhalten sie eine von der Gemeinde spendierte Jause. Otto Summer, sein Team und Freiwillige sorgen dafür, dass alles klappt. In den letzten zwei Jahren haben rund 180 Kinder an dieser erfolgreichen Ak­ tion teilgenommen. Wir haben dazu Schul­ klassen aus Koblach und Umgebung einge­ laden. Zu jeweils einem offenen Termin

waren auch deren Familien mit von der Partie. Die Kinder und auch die Begleitpersonen waren immer total begeistert. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen, wie toll und wichtig dieses Projekt ist. mm: Wie gehen die Schülerinnen und Schüler Ihrer Erfahrung zufolge mit dem historischen Erbe um? Sonderegger: Beim Rundgang durch Burg und Schlosswald wird deutlich, wie wichtig auch den Kindern die Pflege und der sorgsame Umgang mit der Ruine und der Natur sind. Durch die Informationen und die eigene Erfahrung, welchen Aufwand der Erhalt und die Pflege erfordern, entwickeln sie eine persönliche Beziehung zur Neuburg und zum Schlosswald. Sie werden sozusagen zu Botschafterinnen und Botschaftern eines sorgsamen Umgangs mit diesem Juwel. mm: Sie sind Mitglied der Initiativgruppe Burgruine Neuburg Koblach. Worin sehen Sie ihre Aufgaben? Welche Möglichkeiten bieten sich Interessierten, die Ruine Neuburg und den Schlosswald zu erkunden? Sonderegger: Die Initiative „Burgruine Neuburg Koblach“ sieht es als ihre Aufgabe, die Burgruine Neuburg und den Schlosswald „mit seinen Qualitäten erfahrbar und erlebbar zu machen“. Dazu wurden verschiedenste Maßnahmen initiiert: Jährliche Ausforstungsarbeiten zur Verbesserung der Sicht auf die Neuburg, Pflegemaßnahmen zum Schutz des restaurierten Mauerwerkes und die Weiterführung der unterbrochenen Restaurierungsarbeiten bei der Ruine. Die vielzähligen Informationen zur Neuburg kann man auf der reich bebilderten Homepage einsehen. Außerdem organisieren wir jedes Jahr eine Spendenaktion, deren Ertrag zur Finanzierung der NeuBurgBaustelle für Kinder verwendet wird und das verfügbare Res­ taurierungs-Budget unterstützt. In unserer Gruppe gibt es inzwischen einige ausgesprochene Neuburg- und Schlosswald-Expertinnen und -Experten. Wir bieten daher Führun­ gen durch das Burggelände und durch die Naturschönheiten des Schlosswaldes an. Informationen dazu findet man auf unserer Homepage.

Initiative Burgruine Neuburg Koblach Kontakt

Reinhard Sonderegger, Klauser Ried 21, 6842 Koblach E: sonderegger.reinhard@aon.at, T: +43 664 73117440 www.burgruine-neuburg.koblach.at

mm: Was sind die speziellen Herausforderungen für Sie als Fachmann, wenn Sie mit Schülerinnen und Schülern historische Mauern restaurieren und was sind die Besonderheiten bei der Restaurierung historischer Bauten? Summer: Die Bereiche, in denen die Kinder arbeiten, müssen gut zugänglich und gut gesichert sein. Alle Informationen und Erklärungen sollten dem Alter angepasst sein. Durch eigenes Anpacken entwickeln die Kinder ein Gefühl für die Arbeit und eine Beziehung zum mittelalterlichen Gemäuer. Wie am Beispiel Neuburg sind bei historischen Bauten oft die exponierte Lage und die erschwerte Zugänglichkeit eine besondere Herausforderung. Es gibt immer auch einsturzgefährdete Bereiche, die meistens vor den eigentlichen Restaurierungsarbeiten gesichert werden müssen. Man muss sich Hineindenken in frühere Zeiten und überlegen, wie könnte dies oder das gewesen sein. Besonders schön ist das Arbeiten in der Natur. Brigitte Truschnegg

Frage: „Was

hat euch besonders gefallen?“

Alma und Paul beim Ausputzen der Mauer. Fotos: Maria Berg, Herbert Kuzel, Reinhard Sonderegger

Paul:„Das

mit dem Mörtel.“

„Das Auskratzen und Putzen der Mauer.“ Alma:


6 Im Gespräch

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Wie ein Puzzle Jede Ausgrabung sagt etwas über die Vergangenheit. Maria Bader, Teil des dreiköpfigen Führungsteams von Talpa, im Gespräch über erfolgreiche Aktivitäten in Vorarlberg, den Nebeneffekt neuer Carports und die Kompetenzen einer guten Archäologin.

mm: Die nichtssagendste Baustelle kann zu Erkenntnissen führen, z.B. wenn sich ein Carport an einem Hot Spot aus Brigantium befindet. Oder sind solche Grabungen zu punktuell, um aufschlussreich zu sein? Bader: Jedes Fenster in die Vergangenheit, und sei es auch noch so klein, ist von immenser Bedeutung für die Siedlungsgeschichte von Brigantium. Wie ein Puzzle fügt sich Schritt für Schritt ein Bild zusammen. Im Fall von Brigantium ist es besonders wichtig, auf dem Ölrain auch punktuell gesehen in die Tiefe zu gelangen, um so sämtliche Siedlungsphasen und Veränderungen in der Siedlungsstruktur vom 1.– 4./5. Jahrhundert n. Chr. zu erschließen. Ein kleiner Schnitt, in dem der östliche Spitzgraben der frühen militärischen Anlage freigelegt würde, könnte etwa genügen, um endlich die Ausmaße des frühkaiserzeitlichen Kastells auf dem Ölrain zu erfassen. Gräberfunde wie 2014 in der Landstraße sind ebenfalls ein wichtiger Puz­ zlestein in Anbetracht der demografischen Entwicklung von Brigantium. mm: Was zeichnet eine gute Archäologin, einen guten Archäologen aus? Bader: Sich stets bewusst zu sein, niemals alles zu kennen oder zu wissen. Mich hat meine Grabungstätigkeit gelehrt: Jedes Projekt hält seine Überraschungen bereit. Der Befund muss zuerst objektiv beschrieben und anschließend interpretiert werden. Keine Interpretation nimmt der Ausgrabung ihre Aussagekraft, zu viel oder eine beeinflusste bzw. vorgefertigte Auslegung kann zu falschen Schlüssen führen. Ich finde es auch wichtig, die Ergebnisse und das gewonnene Wissen zu teilen und nach außen zu transportieren.

Maria Bader, Foto: Irene Knoche

M

m: Bei unserem ersten Telefonkontakt eilten Sie gerade zu einer – „Notgrabung“ ... ? Bader: Da ist historischer Bestand von einer unmittelbar geplanten Baumaßnahme bedroht und muss vor seiner unwiederbringlichen Zerstörung archäologisch untersucht werden. Die wissenschaftlichen Arbeiten erfolgen unter enormem Zeitdruck. Letzte Woche hatten wir den Bagger quasi im Genick. Die Baugrube inmitten einer bekannten Fundzone im Tiroler Oberland war schon ausgehoben, wobei Reste eines bronzezeitlichen Gebäudes abgetragen wurden. Das Bundesdenkmalamt erwirkte einen vorläufigen Baustopp, und wir konnten die Siedlungsreste noch im Profil dokumentieren. mm: In Vorarlberg haben Sie und Ihre Kolleginnen die zweite Etappe der Grabungen am Bergfried der Burgruine in Tosters abgeschlossen. Bader: Wir gelangten, wieder unter Leitung von Tamara Senfter, in Schichten, die weit vor der Errichtung des Turmes am Ende des 13. Jh. n. Chr. entstanden waren. Römisches Fundmaterial, z. B. eine Münze des Carinus (282–284 n. Chr.) und einige Terra SigillataScherben, bezeugt die Anwesenheit von Menschen in dieser Zeit auf dem Hügel. Die größte Sensation? Eine enorme Menge sehr

qualitätvoller Stein- und Silexgeräte: Pfeilspitzen, Klingen, Beilfragmente – spätneolithisch bis frühbronzezeitlich! Und wir haben etliche Silexabschläge geborgen: Sie zeigen auf, dass die in ihrer Präzision beispielhaften Gerätschaften an Ort und Stelle hergestellt wurden. mm: Worin unterscheidet sich eine Grabung wie die in Tosters von der bei der Peterskirche in Rankweil? Bader: Jede Epoche und Region birgt offene Forschungsfragen, deren Klärung man sich durch aktuelle Grabungstätigkeit nähert. In Rankweil war es die Frage nach der ältesten Kirchenphase und der daraus ablesbaren Bedeutung des Raumes von Rankweil in frühmittelalterlicher Zeit. Im Fall des Tostner Bergfrieds galt es, die Baugeschichte des Turmes abzuklären und politische Entwicklungen der Region im Hochmittelalter zu beleuchten. In beiden Fällen konnten wir wichtige Hinweise zu weit älteren Siedlungsstrukturen erbringen. mm: Gibt es eine Zusammenarbeit mit dem vorarlberg museum? Bader: Diese Zusammenarbeit ist uns besonders wichtig. So waren meine Kollegin Irene Knoche und ich für die Ausstellung „Römer oder so“ beratend im Team. Derzeit wird die

römerzeitliche Bausubstanz von Brigantium in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem vorarlberg museum (Gerhard Grabher), der Universität Innsbruck (Karl Oberhofer) und dem Bundesdenkmalamt (Andreas Picker) von uns georeferenziert. Ich bin auch immer dankbar, im Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins aktuelle Grabungsergebnisse publizieren zu dürfen und so ein breites Publikum zu erreichen.

mm: Und manchmal kommt Humor dazu: Ihre Firma heißt Talpa, nach dem lateinischen Wort für Maulwurf. Und ‚der‘ ist im Lateinischen weiblich ... ! Bader: Humor kommt bei uns in der Tat nicht zu kurz. Wir wollten einen kurzen, prägnanten Namen, der in untrockener Weise Bezug zur Grabungstätigkeit herstellt und zu uns passt….und dessen Darstellung sich putzig im Logo ausmacht! Petra Nachbaur

Talpa. Büro für archäologische Dienstleistungen existiert seit 2009. Vor der Firmengründung waren die Leiterinnen Maria Bader, Irene Knoche und Tamara Senfter zehn Jahre lang in verantwortlichen Positionen für das Bundesdenkmalamt tätig. Das Tätigkeitsfeld der drei Archäologinnen und ihrer Teams umfasst archäologische Ausgrabungen und Sondagen von der Steinzeit bis zur Industriearchäologie nach neuestem Stand der Technik.


Museum 7

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Schule trifft Museum Dreijährige Partnerschaften sorgen für Impulse im Klostertal und Montafon.

K

ulturvermittlung im Sinne der Vermittlung von kulturellen Inhalten und der kulturellen Erziehung hat in der jüngeren Vergangenheit einen immer höheren Stellenwert erhalten. Dies betrifft nicht zuletzt die Arbeit von Museen, wo unter dem Schlagwort Museums­ pädagogik die Themen der Sammlungen an unterschiedliche Altersgruppen angepasst nähergebracht werden. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Schülergruppen mehr oder weniger durch museale Einrichtungen geschleppt und mit Wissen belehrt wurden. Heute stehen in erster Linie partizipative Ansätze im Vordergrund, die unter anderem durch das Programm p[ART] von Kulturkontakt Austria gefördert werden, an dem sich auch die Regionen Klostertal und Montafon beteiligen.

Was ist p[ART]? Im Rahmen des Programms p[ART] – Partnerschaften zwischen Schulen und Kultur­ einrichtungen – arbeiten je eine Schule und eine Kultureinrichtung in Form einer mehrjährigen Partnerschaft kontinuierlich zusammen. Auf diese Art und Weise sollen sie Zugang zur jeweils anderen Lebenswelt erhalten, wobei angestrebt wird, langfristige und nachhaltige Partnerschaften zwischen Schulen und Kultureinrichtungen zu bilden. Gegenseitiges Kennenlernen, Austauschen, hinter die Kulissen schauen, einander besuchen und gemeinsam Ideen entwickeln sind die Basis für mehrjährige Kooperationen und stehen am Beginn jeder Partnerschaft. p[ART] strebt die Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen an: Schülerinnen und Schüler werden in den Programmen selbst künstlerisch

aktiv und erleben kulturelle Einrichtungen als Lernort und Arbeitsplatz. Kultureinrichtungen erfahren mehr über die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und über das System Schule.

Kooperation im Klostertal ... Gemeinsam mit der Mittelschule Klostertal hat sich der Museumsverein Klostertal als Betreiber des Klostertal Museums in Wald am Arlberg an der Ausschreibung des Programms p[ART] im Jahr 2014 unter dem Schwerpunkt „Blickwechsel“ beteiligt. Das Ziel dieser Kooperation besteht darin, die einzige Mittel­ schule und das einzige Museum des Tales näher aneinander heranzuführen. Schülerinnen und Schüler sollen sich vermehrt mit der Geschichte und Kultur ihrer Heimatregion auseinandersetzen und Bewusstsein für die eigene Herkunft entwickeln. Dabei werden die Ausstellungs- und Projektthemen des Museumsvereins an das Klostertal angepasst und unterschiedliche Zugänge entwickelt. 2014 standen die Migrationsgeschichte des Tales – vor allem die Geschichten der Schwabenkinder – sowie die Kulturlandschaft am Beispiel des Raumes Alpe Mähren-Radona­ tobel im Fokus. Die aktuelle Sommerausstellung im Klostertal Museum widmet sich dem Zeitalter der Extreme von 1914 bis 1945. In Workshops setzten sich Schülerinnen und Schüler schon im Vorfeld mit dem National­ sozialismus in der Region und dem Phänomen Rechtsextremismus auseinander. Im Unterricht erarbeitete Materialien wurden auch in die Ausstellung integriert. Außerdem konnte ein Unterrichtsbesuch der HolocaustÜberlebenden Helga Pollak-Kinsky organisiert werden.

Geschichtenerzählerin Katharina Ritter in der Mittelschule Klostertal, Foto: Mittelschule Klostertal

... und im Montafon Die Montafoner Museen kooperieren seit Beginn des Jahres 2015 im Rahmen von p[ART] mit der Mittelschule Schruns Dorf. Erklärtes Ziel dieser Partnerschaft ist es, junge Menschen mit bedeutenden historischen Themen und Orten der Talschaft Montafon in Berührung zu bringen. In einem Pilotprojekt steht zunächst die Auseinandersetzung mit Erinnerungsorten an die NS-Zeit im Mittelpunkt. Zwei Schulklassen erkundeten dabei, begleitet von fachkundigen Experten, die Gedenkstätte beim Friedhof in Silbertal sowie die Spuren des dortigen ehemaligen Zwangsarbeitslagers und jenes in St. GallenkirchRüti. Dort spielte auch der Widerstand gegen

das NS-Regime eine wesentliche Rolle. In Gargellen erforschten die Schülerinnen und Schüler die Spuren jüdischer Flüchtlinge, die während der NS-Zeit in die Schweiz gelangen wollten, was durch Fluchthelfer wie Meinrad Juen teilweise auch gelang. In Bartholomäberg stand der Gemeinschaftsaufbau im Bergland im Mittelpunkt und im Heimatmuseum in Schruns wurde die NS-Euthanasie anhand lokaler Beispiele thematisiert. Außerdem wirkten die Schülerinnen und Schüler bei einer archäologischen Prospektion im ehemaligen Lager Suggadin (St. Gallenkirch) mit. Das umfangreiche Unterrichtsprojekt wird im Rahmen des Kulturmonats SEPTIMO der Öffentlichkeit vorgestellt. Christof Thöny

Bild links: Exkursion im Silbertal mit Hans Netzer Foto: Montafoner Museen Bild rechts: Ausstellung „Schwabenkinder“ in der Mittelschule Klostertal Foto: Mittelschule Klostertal


8 Geschichte

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Weiher Thüringen, Foto: Friedrich Böhringer

Allgegenwärtige Industriegeschichte

Bild rechts: Fabrik Boden, nach 1907 Repro: Stadtarchiv Dornbirn, o. Sign. Bild links: Sommer am Fabriksweiher Thüringen Foto: Wirtschaftsarchiv Vorarlberg / Bestand Renate Burtscher


Geschichte 9

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Conrad Sohm, 2013, Foto: Matthias Thomberg

W

o ist Industriegeschichte in Vorarlberg erlebbar, wo sind die Spuren der Industrialisierung, die das Land mehr als 200 Jahre lang stärker als jede andere Region Österreichs geprägt hat? An allen Ecken und Enden: Zeugnisse der Industrialisierung aus allen Zeitabschnitten sind allgegenwärtig.

Fast jeder Mensch, jede Familie, jede Ortschaft in Vorarlberg ist Teil der Industriegeschichte, alle können schon fast vergessene Dinge erzählen. Und trotzdem braucht es manchmal neben der Fachliteratur auch eine konkrete Vermittlung, um sich gemeinsam an Alltägliches zu erinnern. Hier drei Ein­ drücke aus der Kulturlandschaft Vorarlberg.

Emsiana 2015, Vielfaltenarchiv Foto: Ismail Bayrak

Conrad Sohm, Hämmerle Bar und Co ... Industriegeschichte ist vermeintlich kein Schlagwort, mit dem Teenager etwas anfangen können. Als meine Kollegin Barbara Grabherr-Schneider und ich kürzlich der Einladung eines Gymnasiums gefolgt sind, um über das Thema zu sprechen, gelang es uns jedoch sehr wohl, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen zu bekommen. Wir zeigten ihnen Bilder von verschiedenen Szenelokalen und sie sollten die Örtlichkeiten und deren ursprüngliche Nutzung erraten. Die Schülerinnen wurden neugierig und konnten sich durch diese Verortung in Beziehung zum Thema setzen.

Türen lassen sich öffnen Ein Spaziergang im historischen Stadtkern von Hohenems im Mai 2015 anlässlich des Kulturfestes Emsiana: Wir öffneten gelbe Baustellentüren und waren mitten in der Vorarlberger Industrie- und Migrationsgeschichte. Hier erzählten drei Menschen von ihrer

Kindheit und Jugend in Hohenems, vom Leben ihrer Eltern, die auf der Suche nach Arbeit ins Land gekommen waren. Die Kästen standen mitten am Schauplatz. Die darin präsentierten Kurzbiografien waren räumlich verankert. Sie berichteten von engen Substandardwohnungen, vom Kinderleben auf der Gasse und im Hinterhof und von den vielen Arbeitsstunden der Eltern. Während wir lasen, fiel unser Blick auf ein Abbruchhaus, das genau jenes Szenario viele Jahre lang beherbergt hatte. Manchmal reicht eine kleine Intervention zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, um Geschichte greifbar zu machen.

Erholungsräume Die Vorarlberger Industriekulturlandschaft hat keine Monumentalbauten, Industrievier­ tel oder Arbeiterwohnquartiere wie die großen Industrieregionen Europas. Der Typ der „ländlichen Industrielandschaft“ darf aber in seiner raumprägenden Wirkung nicht unterschätzt werden. Ein Beispiel dafür sind die vielen künstlich geschaffenen Wasserbauten – wie etwa die zwei schönen Montjola Weiher oberhalb von Thüringen. Sie werden heute als Naturlandschaft wahrgenommen und sind Teil des Tourismusangebotes „Wege zum Wasser“. Was nur regional bekannt ist: Eines der ursprünglichen Staubecken für die darunterliegende Thüringer Textilfabrik wurde auch als Schwimmbad genutzt, in dem vermutlich die meisten Thüringer (und viele Großwalsertalerinnen und Großwalser-

taler) schwimmen gelernt haben. Die Weiher sind somit auch sozialgeschichtlich ein inter­essanter Teil der Region.

Darüber reden Bei den verschiedenen Vorträgen, Touren und Rundgängen im Land, die wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Buch „OrteFabriken-Geschichten“ 2014 durchgeführt haben, besuchten wir neben bekannten, revi­talisierten Standorten, wie z. B. dem Steinebach- oder Gütle-Areal in Dornbirn oder dem Benger- oder Schoeller-Areal in Bregenz, auch weniger bekannte ehemalige Produktionsstätten. Wir trafen gerade dort zahlreiche, höchst interessierte und oft bestens informierte Besucherinnen und Besucher. Wir erfuhren viele wertvolle Details zu den Orten und Gebäuden, Details, die nirgendwo aufgeschrieben sind. Derartige Informa­ tionen ergänzen die verschiedenen Forschungsarbeiten, die in den letzten 30 Jahren zu einzelnen Standorten bereits durchgeführt wurden. Heute, mit zeitlichem Abstand zum einschneidenden Strukturwandel der Vorarlberger Wirtschaft Ende des 20. Jahrhunderts, kann freier über den Niedergang der einstmals dominierenden Textilindustrie gesprochen werden. Einige Zeitdokumente und bauliche Spuren sind leider verloren gegangen, aber sehr vieles ist auch noch vorhanden – ein idealer Zeitpunkt also, um Industriegeschichte wieder verstärkt zu sammeln und darüber zu reden! Barbara Motter


10 Porträt Leo Walser Foto: Christa Engstler

Von Amts- und Wanderwegen Als Bludenzer Bezirkshauptmann war Leo Walser dienstlich für zahlreiche Belange regionaler Gestaltung und Entwicklung zuständig. Zuständig gilt er nach wie vor, als Bürger mit viel Sinn für und viel Wissen um die Chancen der Kulturlandschaft.

B

ludenz, Schlosscafé: In Sichtweite der Terrasse liegt Schloss Gayenhofen, Sitz der Bezirkshauptmannschaft. Der ehemalige Hausherr – „Leiter der Dienststelle“ nennt er selbst es nüchtern – lässt seinen Blick viel weiter schweifen: Kulturlandschaft? Die gehe „bis z’oberscht uffi“. „Die Kulturlandschaft endet am Gipfelkreuz“, deutet Leo Walser und erinnert sich, wie er vor fünfzig Jahren mit anderen Jugendlichen das Kreuz auf dem Gavalinakopf aufgerichtet hat. Hinauf getragen hatten sie es damals noch zu Fuß, von Lorüns aus. Diese Gemeinde ist Walsers Wohnort geblieben und bot immer wieder Anlass für Engagement: Leo Walser hat zum Beispiel vor etwa 30 Jahren erwirkt, dass die in Lorüns abzutragende alte, gedeckte Brücke über die Ill in Schruns / Gamprätz mit Originalholz neu angebracht und so als bauliches Kulturgut erhalten worden ist. Seine Amtszeit als Bezirkshauptmann, gibt er zu bedenken, war die Zeit des großen Erschließungsbooms. Andererseits aber auch eine Zeit, erzählt Walser, in der es möglich war, sogar Einsatzkräfte des Bundesheeres für Kulturlandschaftsprojekte heranzuziehen. Pioniere waren als „Hilfestellung im Rahmen der Ausbildung“ nicht nur beim genannten Brückentransfer beteiligt, sondern auch in einem Maisäßgebiet im Gauertal und nicht zuletzt beim Küngsmaisäß. Dieses heute denkmalgeschützte Ensemble ist auf Initiative des aufmerksamen Talschaftsbewohners Walser revitalisiert worden; „ewig schad‘“ wäre es um die historische Bausubstanz gewesen. Mitbesitzer, Freunde und andere Helfer verbrachten, gemeinsam mit dem Juristen als „erstem Hilfsarbeiter“, viele Arbeitsstunden dort oben, „hon g‘schwendet“ (Jungwuchs beseitigt), haben kultiviert, restauriert. Schottische Hochlandrinder galt es aufzutreiben, so wild war das Gelände. Als Leo Walser für seine Verdienste um die Denkmalpflege von Bundesseite eine Auszeichnung überreicht wurde, hielt er fest, er wolle „dazu beitragen, dass es in Vorarlberg nicht notwendig wird, ein Freilichtmuseum à la Stübing oder Kramsach zu errichten.“ Und tatsächlich hat er so manchen Besitzer alter bäuerlicher Bausubstanz trotz eines oft gehörten ersten „Spinnsch Du ... ?!?!“ überzeugt. Schlussendlich herrschten „Stolz und eine Riesengaude“.

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Porträt 11

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Freilich: „Viele Dutzend Stalltüren sind zu gegangen.“ Seit kurzem erst ist die Idee der ‚erhaltenswerten Kulturlandschaft‘ als Begriff­lichkeit auch vom Raumplanungs­ gesetzgeber ins Auge gefasst worden, erläutert der kundige Verwaltungsjurist: „Und das ist einmal gut so.“ An der Umsetzung der neuen Vorschriften hat er aber seine Zweifel; reiche Erfahrung hat ihn gelehrt, dass das momentan festgeschriebene Prozedere überbürokratisch sei und in der Praxis nur bedingt tauglich sein wird. Doch auch das sieht er gelassen: Nachbesserungen sind gefragt und möglich. Parallel dazu tut sich nicht nichts im Monta­ fon: Vor fünf Jahren regte Leo Walser an, Eigentümerinnen oder Eigentümer von historisch interessanter Bausubstanz mit einem Emblem „Montafoner Baukultur“, das vom Stand Montafon verliehen wird, auszuzeichnen: „Heuer soll das kommen.“ Eine Jury aus den Fächern Architektur, Denkmalpflege und Bauforschung diskutiert die Nominierungen, im September soll schließlich die erste Runde dieser Auszeichnungen vergeben werden. Private Bemühungen „ideell anerkennen, publik machen“, das ist Sinn und Zweck der Initiative von Leo Walser. Seine Rolle dabei, wie so oft: „Schriftführer, Vorschlaggeber, Lästigtuer“. Walsers Hartnäckigkeit in Kombination mit seinen Expertisen hat konkrete Auswirkungen: Kein Zufall ist es, dass es im Montafon, wo der auch im Paragrafen- und Zuständigkeitendschungel bestens Bewanderte sich hauptsächlich einsetzt, jährlich 30 bis 50 „Förderfälle“ aus öffent­

lichen Mitteln zum Erhalt baulicher Kulturgüter gibt – in Relation zur Gesamtzahl in Vorarlberg eine Häufung. Das habe andernorts nicht mit Ignoranz, sondern oft schlicht mit Unkenntnis über Förderungen zu tun. In Süd- oder Osttirol etwa sei man viel geschickter und offensiver im Lukrieren von Fördergeldern, zumal aus EU-Quellen. Die mangelnde Information hält Walser für sehr bedauerlich, aber auch für bezeichnend: „Das Bewusstsein um den Wert der Kulturlandschaft ist bescheiden“, bringt er es lakonisch auf den Punkt. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Mit Holzschindeln allein ist es nicht getan. Da wird in den Augen des kritischen Betrachters auch Schindluder getrieben, wenn zum Beispiel ganze Feriensiedlungen mit „Minihäusern“ aus dem Boden gestampft werden, die dann ausschauen, „als ob dort Christkindlmärkte stattfinden“. Und so ist die Arbeit im Dienste der engeren Heimat, seines Lebensraumes, „fast ein Halbtagsjob“ für den pensionierten Beamten. Der Großvater von fünf Enkelkindern veranstaltet seit dem 50er zu seinen runden Geburtstagen „keine großen Partys“, sondern beschenkt sich selbst und die Gemeinschaft mit baulichen Restaurierungsprojekten, wobei er auch zu Pickel und Schaufel greift: Ein wertvolles Wegkreuz in Lorüns zählt er auf, die Maisäßkapelle auf Marentes in Bartholomäberg, in Bludenz zuerst die alte Pfarrkirche St. Laurentius, dann das Kloster St. Peter, wo Leo Walser seit 1994 als Kurator tätig ist. Zum anstehenden 70er steht nun die Propstei St. Gerold

auf der Tagesordnung: Diese, mit der 1000jährigen Geschichte des Haupthauses und der Gnadenkapelle, den romanischen Bauteilen mit originalem Mauerwerk aus dem 11. / 12. Jahrhundert, ist etwas ganz Besonderes und hierzulande selten, „nicht wie in Frankreich und Italien.“ Bevor er aber noch weiter über die Spezifika von St. Gerold ausholt, fällt er sich selbst ins Wort und bringt noch einmal auf den Punkt, was er zuvor so glaubwürdig dargelegt hat: „Net nu gschiid reda! O eppas tua!“ Petra Nachbaur

Bild oben: Wandergruppe mit Leo Walser (Mitte) vor einem Gebäude am Küngsmaisäß in Bartholomäberg Foto: Alexander Loretz Bild unten: Der Netzamaisäß in St. Gallenkirch Foto: Georg Gantner


ICH BIN ICH. Mira Lobe und Susi Weigel Ausstellungsdauer

28. November 2015 bis 1. Mai 2016 Projektleitung: Theresia Anwander, Kuratorin: Lisa Noggler-Gürtler, Co-Kuratoren: Georg Huemer, Ernst Seibert, Ausstellungsarchitektur: polar÷ Wien, Ausstellungstexte: Petra Nachbaur, Grafik: Larissa Cerny Zur Ausstellung des Wien Museums ist ein Katalog im Residenz Verlag erschienen, siehe Buchtipps auf S. 18.

Es äußern sich zum ICH BIN ICH: Ulrich Gabriel, Kurt Bacharz, Christoph Abbrederis, Verena Petrasch und Sabine Hennig Die Fragen, auch zu anderen Büchern von Mira Lobe und Susi Weigel, stellte Petra Nachbaur.

Das kleine Ich bin ich, 1972 Susi Weigel, Illustration Mira Lobe, Autorin Verlag Jungbrunnnen


Ausstellung 13

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ira Lobe (1913 – 1995) und Susi Weigel (1914 – 1990) sind die Grandes Dames der österreichischen Kinderliteratur. Das Wien Museum widmete ihrem Werk eine Ausstellung, die nun in jenem Bundesland zu sehen ist, wo Susi Weigel viele Jahre gelebt hat. Die auch erwachsenengerechte Ausstellung Ich bin ich präsentiert Lobe und Weigel in ihrer beachtlichen Produktivität und zeigt die nahezu Gleichaltrigen als wechselhaft involvierte Exponentinnen des 20. Jahrhunderts. In diesem Beitrag beleuchten wir einige der sogenannten Mira-Susi-Koproduktionen im Austausch mit kreativen Köpfen, die ihrer­seits nicht nur, aber auch mit Kultur für die Kleinen befasst sind.

mm: Gerti Straka hat auch zu anderen Mira Lobe / Susi Weigel-Titeln komponiert. Das Ich bin ich ist allerdings der Hit. Gabriel: Das liegt sowohl am Text als auch an der sehr einfachen eingängigen Melodie, beides ist genial gelöst. Ich habe dann bei den Aufführungen begonnen, das Lied mit einfachen pantomimischen Bewegungen zu verbinden: Die sind sehr wichtig für die kindliche Aufnahme. Die Figur ist als kindliche Fantasiegestalt Urheber und Ausgangspunkt und hat den Antrieb zum Erfolg geliefert.

Mira & Susi: Empfehlung ans Innere Kind! (Kurt Bracharz)

mm: Und das Ich bin ich-Lied greift dieses Self-Empowerment auf ? Gabriel: Und ob! Das Ich der Figur wird zum Ich des singenden Kindes, das sich ausgiebig selbst loben darf und sich ein Erfolgserlebnis mit sich selbst schafft. Eine selbsterfüllende Prophezeiung von der Spiel-Figur zum Kindes-Ich. Der Erwachsenenspruch „Eigenlob stinkt“ wird in diesem Lied übrigens umwerfend parodiert.

mm: Kurt Bracharz ist bereit, „Das Städtchen Drumherum“ vorzustellen. Und? Bracharz: Für ein 45 Jahre altes Kinderbuch ist das Städtebau-Thema von beachtlicher Aktualität. Das kleine Städtchen, das am Ende „Drumherum“ heißt, muss wirklich klein gewesen sein, und bevölkert war es eigentlich nur von Kindern, alten Leuten, Tieren, einem weiblichen Waldgeist (wird in der nächsten Auflage vermutlich gegendert) und einem einzigen Erwachsenen, dem Bürgermeister, der ohne Stadtrat etc. auskommt – wie im wirklichen Leben. Wie es sich für ein Kinderbuch gehört, folgt alles einer Traumlogik, Tiere und Pflanzen können sprechen, der Waldgeist kann zaubern, und der Bürgermeister lässt sich (durch einen Traum) eines Besseren belehren. Unklar bleibt nur am Ende, warum eine kreisförmige Riesenstadt mit einem zentralen Stadtwald (wesentlich kleiner als der Central Park in New York) die gute Lösung aller Probleme sein soll, und die Bürgermeister aus aller Welt sie bestaunen kommen.

mm: Wie kommt der Ich bin ich-Song bei Konzerten an? Verbinden die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer mit der Figur schon etwas? Gabriel: Die meisten – und zwar in ganz Öster­reich! – kennen das Ich bin ich tatsächlich bereits als Lied. Ich wundere mich noch heute über die große, rasche Verbreitung. Das ist etwas sehr Erfreuliches, das Lieder nur selten schaffen und noch seltener auf Dauer. Gerti Straka wurde damit 1984 beim Kinderliederwettbewerb des Kulturversuchs „Wecken & Animieren“ am Spielboden ausgezeichnet. Ich habe das Lied mit Gerty Sedlmayr und Rolf Aberer auf der Kassette „Neue Kinderlieder“ erstmals produziert. So starteten „Gauls Kinderlieder“.

mm: Der Bürgermeister ist auch daheim auf sich gestellt und meistert den Familienalltag ganz gut. Zudem formiert sich eine autonome Kinderbewegung zur Rettung des Waldes. Da sind für 1970 schon ein paar soziale Impulse enthalten. Nur halt nicht rotzig, sondern putzig. Wie sehen Sie das? Bracharz: Es war doch wohl eher eine atmos­­ phärische Umsetzung von damals in der Luft liegenden Ideen als eine gezielte. Dass der Bürgermeister offenbar Alleinerziehender ist, hat mehr damit zu tun, dass für seine Frau eine Rolle in der Geschichte hätte gefunden werden müssen. Das wäre eigentlich die gewesen, die an die kleine Frau Hullewulle gegangen ist, weil sie zaubern kann. Hätte die virtuelle Bürgermeisterin zaubern

Das Ich bin ich: ein genialer Einfall (Ulrich Gabriel) mm: Die Geschichte vom kleinen Ich bin ich ist die bekannteste Koproduktion von Mira Lobe und Susi Weigel. Worin liegt ihr Reiz? Gabriel: Es ist ein genialer Einfall, der ein fröhliches Rezept für Selbstbewusstsein, Selbstbild und Selbstwert schafft, das Negatives vertreibt und zum „Stolz auf sich Sein“ kräftig beiträgt.

Entree der Ausstellung im Wien Museum, Foto: Peter Kainz

Susi Weigel und Mira Lobe vor ihren Werken, 1970 Nur wenige erhaltene Fotoaufnahmen zeigen die Partnerinnen im Duo. Foto: Kurier-Archiv

Mira Lobe beim Vorlesen, 1980 Foto: Josef Hechenegger Private Leihgabe

können, hätte sie sich wohl eine andere Karriere gezaubert. Erzählökonomie ist auch der Grund dafür, dass Erwachsene nur in Gestalt der anonymen Baggerfahrer vorkommen, die problemlos wieder weggeschickt werden können, wenn ihre Schädlichkeit sogar dem Bürgermeister klar geworden ist.

die Geschichte in zwei Sprachen erzählt, und deren Verhältnis ist ein sehr nahes. Auch bei Lobe und Weigel gibt es „illustrierte Romane“. Wenn die Bücher sehr textlastig sind, gehen die Illustrationen in Richtung bildliche Verdeutlichung. Nach meiner Meinung ist die Buchillustration der Literatur näher als der Bildenden Kunst.

mm: Die lustigen Szenen haben mit Groteske und Schadenfreude gegenüber dem Mäch­ tigen zu tun. In Ihren Kinderbüchern bringen Sprachwitz und Situationskomik zum Lachen; es geht en passant ums Scherze­ machen und ums Späßeverstehen oder Nicht­­verstehen. Trägt Kinderliteratur zur Entwicklung eines nuancierten Verständnisses von Humor bei? Bracharz: Vielleicht ist es einfach der Vorgang des Lesens selbst, der eine differenzierte Ausbildung von Humor als Fähigkeit einer reflektierten Wahrnehmung fördert, weil man innehalten, nochmals lesen, geistig einen Schritt zurücktreten und sich in Ruhe eigene Gedanken machen kann, was ja beim Hören oder Sehen nicht oder nur sehr viel schlechter möglich ist. Aber Kinder, bei denen das Erlernen der Sprache nicht so weit zurückliegt und noch nicht zur Routine geworden ist, haben sicher ein größeres Vergnügen an Wortwitz, Wortspiel und Missverständnissen als Erwachsene. Das beweist jede Kasperltheateraufführung – wenn es das überhaupt noch gibt.

mm: Bei Mira Lobe und Susi Weigel scheint das Verhältnis funktioniert zu haben. Abbrederis: Die haben einfach zusammengepasst. Vom Hintergrund her, den Interessen, ihrem Bekenntnis zu humanistischen Werten, und eben auf ästhetischer Ebene: Da gibt es so etwas wie einen gemeinsamen Rhythmus, die gleiche Grammatik. Als aner­ kannte Künstlerinnen nahmen die beiden auch Einfluss auf die Buchgestaltung: Man sieht im Layout, wie die Zeichnungen in Texte eingebunden sind. Da war Weigels Blick als Grafikerin sicher wesentlich. – Mira Lobes Name ist vielleicht allgemein bekannter. Aber für alle, die sich auch nur ein bisschen in die Richtung interessieren, ist Weigel nicht minder relevant. Sie war und ist für lange Jahrzehnte in Österreich das Flaggschiff der Kinderbuch-Illustration.

(Christoph Abbrederis)

mm: Wie sehen Sie Susi Weigels künstlerische Handschrift? Abbrederis: Ganz augenscheinlich ist ihre Vielschichtigkeit: Sie probiert Techniken aus, ist ein Hans Dampf in allen Gassen, dabei Traditionen, aber auch neue Tendenzen aufnehmend: Sie kommt aus der Tradition at­mosphärischer Federstrichzeichner wie zum Beispiel des Kästner-Illustrators Walter Trier, hat aber sicher auch Yellow Submarine gesehen. Und sie arbeitet wirklich für ihr junges Publikum: Ihre Ästhetik spricht Kinder sehr an. Da sind die runden Formen, alles ist freundlich, ein krasser Gegensatz etwa zu Tomi Ungerer, dessen Zeichnungen oft leicht hinterfotzig sind. Weigel praktiziert eine liebliche Mixtur, immer spielerisch, in den Sphären von Fingerfarben und Kartoffeldruck. Ihr Stil ist kindlich, aber nicht kindisch. Und: Sie traut sich was: Vieles ist flott aneg’fetzt.

mm: Christoph Abbrederis, Ihr jüngstes Buch haben Sie selbst getextet, davor mit Schriftstellern zusammengearbeitet. Was ist dabei die größte Herausforderung an den Zeichner? Abbrederis: Es ist wahnsinnig schwierig, dass die Autoren freiwillig – [lacht] – nicht schreiben. Illustration, im ganz wörtlichen Sinn, „beleuchtet“ den geschriebenen Text. Im Idealfall lässt der Text Luft für einen Dialog zwischen Schrift und Bild. Dann wird

mm: Und noch ein inhaltliches Spezifikum der Mira / Susi-Bücher? Abbrederis: Die soziale Grundhaltung oder, wenn man so will, alle Kinder absolut gleich zu behandeln, zieht sich schon durch. Und ist in der Form mit konzipiert: Ich denke da an die Bastelanleitungen. Die haben mit Freundschaft zu tun. Gemeinsames Werkeln, Bauen, Machen bringt die Kinder zusammen und animiert zu eigener Produktivität und Aktivität.

mm: Welchem Kind oder was für Eltern würden Sie Mira Lobe und Susi Weigels Erfindungen empfehlen? Bracharz: Lobe und Weigel würde ich heute hauptsächlich dem Inneren Kind empfehlen, weil ich annehme – oder befürchte – , dass sich im Zeichen von Hello Kitty, Sponge Bob und den Minions die Ästhetik von für Kinder gedachten Produktionen aller Art, also auch von Büchern, doch sehr gewandelt hat.

Susi Weigel: Flaggschiff der Kinderbuch-Illustration


14 Ausstellung Mira Lobe: Fantasie und Freiheit (Verena Petrasch) mm: Sind Sie eine Enkelin der Omama im Apfelbaum? Anders gefragt: Welchen Stellen­ wert hatten Mira Lobe und Susi Weigel in Ihrer Lesesozialisation? Petrasch: Die Bücher von Mira Lobe und Susi Weigel begleiteten mich schon sehr früh. Mit Begeisterung blätterte ich sie wieder und wieder durch und bestaunte die wunder­ baren Illustrationen. Meine Mutter musste mir oft daraus vorlesen. Als ich dann lesen konnte, war tatsächlich „Die Omama im Apfelbaum“ eines meiner Lieblingsbücher: Das Bild dieser so untypischen Großmutter, die mit allen Regeln bricht, ist mir in lebhaf­ ter Erinnerung. Ich liebe ja Charaktere, die aus der Norm fallen – auch wenn sie, wie in diesem Buch, nur das Fantasiekonstrukt eines einsamen Jungen sind. Durch solche Bücher bekommt man als Kind eine Ahnung von der Größe der Welt und von den immensen Möglichkeiten, die sie uns bietet, wenn wir nur mutig sind und uns nicht durch Regeln und Konventionen zu sehr einengen lassen. Und von der Fantasie als Dimension, die eine unglaubliche Weite und Freiheit in sich trägt. mm: Sie schreiben aktuell Ihr zweites Kinder­ buch fertig. Ist Mira Lobe ein Vorbild? Petrasch: Sie war vielleicht eine der ersten, die ich bewusst als Autorin wahrgenommen und geschätzt habe. Ihre Bücher haben einen bleibenden Eindruck in mir hinterlassen. Sie sprechen aber eine andere Zielgruppe an als die Bücher, die ich schreibe. Von der Altersklasse her passen Schriftsteller wie Astrid Lindgren und Michael Ende vermutlich besser zu dem, was ich schreibe.

Das kleine Ich bin ich, 1972 Susi Weigel, Illustration Mira Lobe, Autorin Verlag Jungbrunnnen

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mm: Wie stark denken Sie als professionelle Gestalterin die Bebilderung mit? Petrasch: Bei Vor- und Erstlesebüchern halte ich die Illustration für ein sehr wichtiges Thema, denn ich glaube, durch eine gute Bebilderung können Kinder zum Lesen hingeführt werden. Bilder sind ja das erste, was wir „lesen“ können, durch sie entstehen Geschichten im Kopf und oft auch das Bedürfnis, mehr zu erfahren. Ich selbst kam eigentlich über den Wunsch, mehr zu illustrieren, zum Schreiben und hatte ein Buch im Sinn, dessen Schwerpunkt in der Illustration liegt. Doch im Schreiben verselbständigte sich die Geschichte, die Zielgruppe wurde älter, und der Prozess des Schreibens zog mich so sehr in seinen Bann, dass am Ende ein 369-SeitenManuskript ohne Illustrationen heraus kam. Auch für meinen zweiten Roman sehe ich derzeit keine Illustrationen: Die Bilder, die der Text in meinem Kopf auslöst, genügen mir. mm: Der Jungbrunnen Verlag hat früher gezielt die Mira / Susi-Bücher beworben. Wie wirkt das, von aktuellem Marketing-Verständnis aus betrachtet? Petrasch: Offensichtlich wollte man eine Marke kreieren. Eine gut funktionierende Marke bietet dem Konsumenten eine Form von Sicherheit, etwas, worauf er sich verlassen kann. Das kann ein großartiges Instrument zur Verkaufsförderung sein, wenn das mit der Marke verbundene Produkt auch eine entsprechende Qualität liefert, wie es bei den Mira / Susi-Büchern sicherlich der Fall ist. Es birgt aber auch die Gefahr, dass die Leserschaft unkritisch und blind wird. Man sollte immer wach bleiben und offen für Neues.

Arbeit zu zweit: Ideen zuhauf (Sabine Hennig) mm: Wie lief die Entdeckung des „Bimbulli“ durch Ihre Theatergruppe? Hennig: Manches kam für uns zunächst ein bisschen altmodisch und sehr österreichisch daher. Schon die Sprache mit „Annerl und Peterl“ oder Inhaltliches: „Soll ich ihn durchhauen?“ Die Geschichte jedoch, in der sich am Beginn zwei Kinder verkleiden, als Mutter und Vater sich ein Kind falten, dieses dann vergessen, so dass es auf sich allein gestellt ist und ein Abenteuer nach dem anderen erlebt, das alles hat uns sofort angesprochen. mm: Und auf den zweiten Blick? Hennig: Da ist „Bimbulli“ einfach aktuell: Kinder spielen gerne Verkleiden, MutterVater-Kind, sie lassen ihre Kuscheltiere irgend­wo liegen, sie sind kleine Mäkelfritzen wie Prinz Küken, dem das beste Essen nicht schmeckt. Bimbulli ist hilfsbereit, brütet für die Henne „Prinz Küken“ aus, wird somit seine Mama oder auch so etwas wie der große Bruder. Sehr viele Kinder identifizieren sich mit ihm. Die beiden machen sich auf die Reise, fahren Wagerl, fallen ins Wasser, machen eine Bootsfahrt und ein Sturm kommt auf. Am Schluss müssen sie den Frosch, der allein unter einem Hut sitzt, bitten, das schützende Dach mit ihnen zu teilen. Doch das ist nicht so einfach. Es kommen immer mehr Tiere, die Hilfe brauchen, und im Boot wird es eng. Wenn das nicht aktuell ist ... ! mm: Susi Weigel hat jahrzehntelang in Bludenz gelebt. Zum 100. Geburtstag trat die Kulturbeauftragte der Stadt an Sie heran. Hennig: Miriam Schreinzer hat angefragt, ob wir bereit wären, ein Stück von Mira Lobe und Susi Weigel zu inszenieren. Ihr erster Vorschlag war „Lollo“. Wir beschäftigten uns mit der Geschichte, befragten unseren Regisseur, Saskia zeichnete. Nach einem Besuch bei Frau Bernegger, die Weigels Nachlass in Bludenz aufbewahrt, kamen uns viele weitere Bücher in die Hände. Dann fiel die Entscheidung sehr rasch. Bimbullis Protagonisten sind zwei Kinder, die spielen – und wir sind zwei Puppenspielerinen, die spielen

wollen. Es gibt eine Menge lustige Figuren, die Saskia zum Figurenbauen inspirierten. Die Geschichte selbst bietet interessanten Stoff, den wir für Kinder ab 4 Jahren inszenieren wollten, der Regisseur Christoph Bochdansky fand Gefallen daran. mm: Viele Bilder in Ihrem Stück sind wie dreidimensionale Buchseiten, die Ästhetik lehnt sich stark an die der Illustratorin an. Hennig: Susi Weigels Bilder und Zeichnungen sind wunderschön und für die Inszenierung wichtig, schließlich sollte das Stück auch eine kleine Hommage werden. Die Geschichte ist optisch einfach und vielfältig zugleich. Weigels Figuren sind sehr plastisch und mit kräftigen Farben gemalt. Saskia hat alle Figuren aus Wolle mit der Nadel gefilzt – der Auftritt der farbigen Mutter Henne oder der des Frosches sind immer wieder Höhepunkte im Stück! Die Bilder im Buch wirken sehr stofflich, und so hat Saskia auch für die Bühnenbilder weiße Stoffe und für die Kostüme gestrickte Pullover bemalt. In Susi Weigels Bildern kann man immer wieder Neues entdecken, man findet jedoch nichts Hässliches oder Angsteinflößendes. Ich finde, sie zeugen von einem tiefen, liebevollen Verständnis für die kindliche Seele. mm: Auch Sie arbeiten im Duo: Wie schätzen Sie das Miteinander von Mira Lobe und Susi Weigel ein? Hennig: Die beiden müssen ein ähnlich posi­ tives Verständnis für Kinder gehabt haben, und so wurden ihre gemeinsamen Bücher zu ihren bekanntesten. Ich denke, Lobe und Weigel haben sich gut ergänzt, und sie haben die Kinder und die Arbeit für die Kinder sehr ernst genommen. Eine Arbeitsteilung hat ihre Vorteile, denn so macht jeder das, was er besonders gut kann. Wenn das dann auch noch zusammen passt, was gibt es Schöneres? Wenn man im Duo arbeitet, poten­zieren sich die Ideen, das ist zumindest bei uns so. Aus einer Idee werden sehr schnell ganz viele, wenn man darüber redet, experimentiert oder probiert. Und dann nimmt man die besten her und macht damit ein Buch oder Theaterstück. Petra Nachbaur

Ulrich Gabriel („Gaul“)

ist Musiker und Autor sowie Kulturarbeiter mit sozialem Anspruch und Sinn fürs unborniert Lokale. Versammelt finden sich seine Aktivitäten auf dem Label Unartproduktion. Kult sind seine Kinderkonzerte, mit denen er locker drei Genera­ tionen Publikum beglückt. www.unartproduktion.at

Kurt Bracharz ist Schriftsteller. Mit „Wie der Maulwurf beinahe in der Lotterie gewann“ (Illustrationen: Tatjana Hauptmann) war er 2005 erster Träger des Kinderbuchpreises Penzberger Urmel, das Buch wurde übersetzt und vertont. Für reife Leser – so auch der Titel einer jüngeren Publikation des Autors – ist Bracharz Verfasser von Kriminalromanen und Kolumnen sowie Sachverständiger zu Themen von Kunst und Küche. Ein Abstecher ins Revier der Collage ist dokumentiert im Bildband „The Map“. Christoph Abbrederis

ist Zeichner: Comics, Kinderbücher, Plakate, Kampagnen, Buchillustrationen und Arbeiten für Printmedien von „taz“ bis „Datum“, „Strapazin“ bis „The New Yorker“. Zuletzt erschien „Oscar. Ein seltsamer Vogel“ (Wien: luftschacht, 2014). Per Lehrauftrag an der Universität für Angewandte Kunst in Wien lotst Abbrederis junge Kreative zu Grafik Design, Illustration und Layout, auch mit interdisziplinärem Anspruch. www.abbrederis.jimdo.com

Verena Petrasch ist Gestalterin. Sie ist seit dem Relaunch Anfang 2015 für das Erscheinungsbild des „museum magazin“ verantwortlich und arbeitet nach zahlreichen internationalen Praktika und Stellen freiberuflich, auch im Bereich Marketing. Der mit etlichen Auszeichnungen gepriesenen Grafik Designerin wurde vor kurzem eines der österreichischen Mira-Lobe-Stipendien für Kinder- und Jugendliteratur zugesprochen. www.verenapetrasch.com Saskia Vallazza und Sabine Hennig

sind „Il Segreto di Pulcinella“. Mit diesem Figurentheater zeigen sie seit 1996 ansprechend-avancierte Bühnenproduktionen nach literarischen Vorlagen: Der Zauberer von Oz (L. F. Baum), Fernando (M. Leaf), Schnrps krps drps (J. Krüss). Die Spielerinnen, die ihre Stücke selbst ausstatten, arbeiten nicht nur für Kinder, sondern in Workshops auch mit ihnen. www.saskiaundsabine-theater.com


Kunst 15

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Johann Peter Kauffmann (1764 – 1829) Porträtist von Angelika Kauffmann und Hofbildhauer von Weimar

Werke von Johann Kauffmann in der Ausstellung

Angelika Kauffmann. Residenz Rom im Angelika Kauffmann Museum Schwarzenberg Ausstellungsdauer und Öffnungszeiten

bis 25. Oktober 2015 Dienstag bis Sonntag, 10:00 bis 17:00 Uhr

Bild links: Johann Peter Kauffmann, Hl. Dominikus, um 1790 vorarlberg museum, Bregenz Bild rechts: Johann Peter Kauffmann, Hl. Katharina von Siena, um 1790 vorarlberg museum, Bregenz

E

s war dem Bregenzer Bezirksarzt und Heimatforscher Jodok Baer vorbehalten, erstmals auf das Werk des aus dem Bregenzerwald stammenden und zwölf Jahre in Weimar tätigen Bildhauers Johann Peter Kauffmann (1764 –1829) aufmerksam zu machen. Baer hatte 1878 im Jahrbuch des Vorarlberger Landesmu­seumsvereins über ihn geschrie­ ben und den Bildhauer damit in seiner alten Heimat in Erinnerung gerufen. Wei­tere wichtige Litera­tur erschien 1954 (Claudia Helbok, wieder im Jahrbuch des Museumsvereins) und jüngst im Rahmen einer Disser­­ tation durch Calin Alexandru Mihai (2004), dessen Bei­trag auch die heurige Ausstellung zu Ange­lika Kauffmann in Schwarzenberg ergänzte.

Ausbildung im Elsass und in Paris Kauffmann war 1764 in Reuthe im Bregenzerwald geboren worden. Aufgrund seines früh erkannten künstlerischen Talents ging er bereits mit 14 Jahren zu Gabriel Ignaz Ritter nach Gebweiler (Guebwiller), bei Colmar im Elsass gelegen, um eine Ausbildung in plastischem Arbeiten zu erhalten.

Am Ende dieser Lehrzeit bereiste Kauffmann Frankreich, wo er unter anderem in Paris auch als Holzbildhauer wirkte. 1786 fand er Aufnahme an der Pariser Kunstakademie. Über Vermittlung des bayerischen Kurfürsten Karl Philipp Theodor kam Kauffmann 1788 nach Mailand. Dort hielt er sich ein knappes Jahr auf. Über seine in Frankreich und Italien geschaffenen Arbeiten liegen bislang leider keine Informationen vor. Die Französische Revolution und ihre Auswirkungen auf die angrenzenden Länder ließen Kauffmann keine andere Wahl, als in seine Heimat Bregenzerwald zurückzukehren.

und Stuck geübten Bildhauer etwas Neues, aber bald nahm er eine wichtige Rolle in der Werkstatt des Canova ein. Die Gründung einer Familie zeigt, dass sich Kauffmann für längere Zeit in Rom einrichten wollte. 1805 wechselte Kauffmann als Mitarbeiter in die Werkstatt des Bertel Thorvaldsen, einem neuen Stern am römischen Künstlerhimmel. Aber auch jetzt lassen sich kaum eigenständige Arbeiten Kauffmanns ausmachen, auch wenn die Künstlerkarriere aufgrund der bisherigen Stationen, der wichtigen Vermittler und der prominenten Werkstätten kaum besser hätte verlaufen können.

Kauffmann unterstützt Kaufmann

Porträts von Angelika Kauffmann

Die Situation wäre für den Künstler wohl aussichtslos gewesen, wenn sich nicht seine entfernt Verwandte Angelika Kauffmann für den Bildhauer stark gemacht und ihm in Rom Aufträge verschafft hätte. Sein RomAufenthalt beginnt 1795 oder 1796. Er zog zunächst bei ihr ein und lernte über ihre Vermittlung den arrivierten Bildhauer Antonio Canova kennen, bei dem Kauffmann als Werkstattmitarbeiter Arbeit fand. Die Bear­ beitung von Marmor war für den in Holz

Die bekanntesten Werke aus römischer Zeit sind wohl die Büsten für Angelika Kauffmann, die nach deren Tod 1807 entstanden sind und im Pantheon beziehungsweise in der Neuen Pinakothek (Bayerische Staatsgemäldesammlungen) in München (das Werk war für die Walhalla geplant) aufbewahrt werden. Vorlage für eines der beiden Bildnisse war interessanterweise ein kleines Marmor-Porträt des irischen Bildhauers Christopher Hewetson (um 1795 / 96), das

sich heute in der Pfarrkirche von Schwarzen­ berg befindet. Der Einfluss seines Lehrers Canova wird in beiden Arbeiten auf unterschiedliche Weise spürbar.

Hofbildhauer in Weimar 1817 trat Johann Peter Kaufmann die Stelle als Hofbildhauer in Weimar an, wo er im Auftrag des Fürsten Karl August wirkte. Arbeiten von ihm sind unter anderem im Schloss und in der Bibliothek zu Weimar zu betrachten. Am 2. August 1829 starb Kauffmann in Weimar und wurde unweit der Fürstengruft begraben. In Anlehnung an die GleichheitsVorgabe der Herrnhuter Brüdergemeine, einer aus der böhmischen Reformation stammenden überkonfessionell-christlichen Glaubensbewegung, sind die Grabsteine in diesem Bereich des Friedhofs sämtlich in gleicher Größe und schlicht gestaltet. Auch der Grabstein Kaufmanns liegt ebenerdig in der Grasfläche. Er zeigt wie andere Grabsteine einen Schmetterling als Zeichen für die Auferstehungshoffnung und die Metamorphose der Seele. Es ist einer Spende aus Vorarlberg zu verdanken, dass der Grabstein 2012 restauriert werden konnte. Andreas Rudigier


16 Hinter der Fassade

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Ökoprofit im vorarlberg museum 2015 wurde das vorarlberg museum mit dem Zertifikat Ökoprofit ausgezeichnet. Das praxisnahe Umweltmanagementsystem hilft, die Emissionen eines Betriebes zu reduzieren und mit den Ressourcen von Mensch und Natur schonend umzugehen. Hauptverantwortlich für die Umsetzung ist Markus Unterkircher, seit 2005 technischer Leiter der Vorarlberger Kulturhäuser.

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arkus Unterkircher begann 1997 als erster Techniker des Kunsthauses Bregenz. Der gelernte Tischler baute dort ein Team auf, bevor er 2005 mit der technischen Leitung aller drei Kulturhäuser betraut wurde, zu denen neben dem Kunsthaus auch das Vorarlberger Landestheater und das vorarlberg museum gehören. Von Beginn an engagierte er sich für einen bewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen und versuchte, Material- und Personalaufwände effizient zu gestalten.

Team Ökoprofit Anton Sam Esther Schweighofer Stefan Vonier Gerald Nicolussi Markus Unterkircher

„Die Sensibilisierung fängt schon beim Umgang mit den Gebäuden selbst an. In Häusern, in denen regelmäßig Aufbauarbeiten stattfinden, versuchen wir, schonend mit der Bausubstanz umzugehen und etwa Bohrschäden zu vermeiden“, so Unterkircher. Die Kulturhäuser haben dabei den Vorteil, dass die Gebäude- und die Ausstellungstechnik nicht voneinander getrennt sind. Jedes Haus hat ein eigenes Team, einen technischen Leiter und einen Verantwortlichen für die Gebäudetechnik. „Bei uns gilt, dass diejenigen, die etwas aufbauen, es auch wieder abbauen müssen.“

Synergien bündeln Das sensible Vorgehen der Techniker schont die Bausubstanz, was im Fall des Kunsthauses den Effekt hat, dass Besucher und Künstler immer wieder über das Alter des Gebäudes staunen. Doch auch bei der Mate­ rialbeschaffung achten Unterkircher und sein Ökoprofit-Team, zu dem Esther Schweighofer, Anton Sam, Stefan Vonier und Gerald Nicolussi zählen, auf Nachhaltigkeit. „Wir sind oft lästig und klopfen früh bei den Kuratoren an, um uns im Vorhinein über die

Anschaffungen zu erkundigen. Hin und wieder fragen wir nach, ob manches nicht ausgetauscht werden könnte, damit wir es später wiederverwenden können.“ So gelangte eine Raumtrennwand aus der Ausstellung über die Künstlerin Yvonne Rainer im Kunsthaus bereits als Bühnenboden ins Landestheater. „Das Schöne an meinem Beruf ist, Synergien zwischen den einzelnen Häusern zu schaffen.“ Denn sowohl Kunsthaus, vorarlberg

museum als auch Landestheater haben technische Spezialisten, die auch in anderen Bereichen im Land eingesetzt werden können, wenn es ihr Zeitplan erlaubt. „Schön war zum Beispiel, als die Techniker des Kunsthauses beim Aufbau der Ausstellung „Das ist Österreich!“ geholfen haben und umgekehrt bei der Joan Mitchell-Ausstellung im Kunsthaus Techniker des vorarlberg museums beteiligt waren.“

Gute Annahme Für Ökoprofit wurden weitere Maßnahmen im vorarlberg museum ergriffen, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Ein eigens erstellter Umweltbericht gibt detailliert Aufschluss über die Energie- und Materialaufwände und verschiedene Maßnahmen in der Abfallwirtschaft. „In den verschie­denen Raumzonen haben wir ein Trennsystem eingeführt, damit wir die Abfälle sortenrein entsorgen können.“ Was nicht nur bei Ökoprofit, sondern auch bei den Besuchern gut ankommt. Die Umsetzung des Ökoprofit-Systems wurde im vorarlberg museum begeistert aufgenommen. „Viele Mitarbeiter haben mir erzählt, dass sie zuhause schon lange umwelt­ schonend haushalten, etwa in der Abfalltrennung, und dass sie sich ohnehin gefragt

Die Preisverleihung im Landeskonservatorium Feldkirch Foto: Verein Ökoprofit Bild oben: Das Ökoprofit-Team im vorarlberg museum Bild links: Anton Sam und Markus Unterkircher Fotos: Theresia Anwander

hätten, warum wir das in der Arbeit nicht auch so machen.“ Das Projekt soll daher weiterverfolgt werden. So ist für das kommende Jahr geplant, das Kunsthaus zu zertifizieren, 2017 soll das Landestheater und 2018 die Studiensammlung des Museums folgen. Für den vierfachen Familienvater aus Hohenems bedeutet das wieder volles Engagement für die Nachhaltigkeit der Vorarlberger Kulturhäuser. Max Lang


Atrium 17

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Vom Sterben und Geborenwerden Ausstellungen im vorarlberg museum

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as vorarlberg museum zeigt im November und Dezember zwei Ausstellungen, die jahreszeitlich ganz eng an zwei bedeutende kirchliche Feste gebunden sind. Die erste betrifft Allerheiligen und beschäftigt sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Sterben. Vor allem historische und literarische Aspekte kommen in diesem von Rita Bertolini initiierten Projekt, das auch eine umfangreiche Publikation begleitet, zur Sprache. Einen Monat später dann – wieder im Atrium des vorarlberg museums – steht die Krippe im Mittelpunkt einer Sonderschau.

Sterbstund Die moderne Gesellschaft hat das Sterben verdrängt. Obwohl untrennbar mit dem Leben verbunden und allgegenwärtig wird das Sterben dennoch vielfach tabuisiert. Das vorarlberg museum rückt das Sterben in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die im November im Atrium des Museums zu sehen sein wird. Sterbstund als historischer Begriff für den letzten Moment auf Erden dient als Ausstellungstitel. Die Ausstellung vereint historische und volkskundlich bemerkenswerte Objekte, die aus der Sammlung des Landesmuseums, weiterer Museen in Vorarlberg sowie aus Privatbesitz stammen. Als weitere Ausstellungsorte sind dann auch die Museen in Schruns und Lech vorgesehen.

Sigrid Polacek (1915–1933), Bludenz, Foto: Zentralarchiv Getzner, Mutter & Cie, Bludenz

Krippenbauen in Vorarlberg Das Krippenbauen für den privaten Bereich dürfte in Vorarlberg nicht auf so eine große Tradition zurückblicken können, wie z.B. in anderen alpenländischen Gebieten. Zumindest sind uns aus Tirol ältere Dokumente privater Krippen bekannt. Der Vorarlberger Krippenverband verweist darauf, dass die Etablierung einer Krippenbautradition erst auf die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zu datieren ist. Dornbirn, Rankweil und Lustenau stehen am Anfang. Diese Orte stellen auch die Basis für die Gründung des Vorarlberger Krippenverbandes, die in den frühen 30er Jahren vollzogen wurde. Nach kriegsbedingter Unterbrechung nahm der Verband in den 50er Jahren seine Tätigkeit wieder auf. Heute verfügt der Verband über rund 1600 Mitglieder, die in 21 Krippenbauvereinen über das ganze Land verteilt sind. Dazu kommen noch Liechtenstein und Diepoldsau

als ausländische Vertreter, die ebenfalls vom Vorarlberger Landesverband mitbetreut werden. Für diesen Umstand sind sowohl ‚historische Wurzeln‘ als auch organisatorische Gründe ausschlaggebend. Der Vorarlberger Landeskrippenverband mit Sitz in FeldkirchAltenstadt sieht sich als Bindeglied zwischen den Vorarlberger Krippenvereinen und dem Österreichischen Krippenverband, der in Inns­bruck seinen Sitz hat. Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder, bringt eine eigene Vorarlberger Krippenzeitschrift heraus und bietet gemeinsam mit den Ortsvereinen entsprechende Schulungen für Fortgeschrittene und Anfänger an. Die Ausstellung im vorarlberg museum zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch das historische Schaffen Vorarlberger Krippenbauer. 15 Beispiele aus der Sammlung des Landesverbandes stehen im Mittelpunkt dieser Ausstellung, die auch als Beginn einer neuen Krippensammlung für das vorarlberg museum zu verstehen ist.

Von den Krippenbauern oft verwendete Krippenfiguren von Lepi, St. Ulrich in Italien

Von Seiten des Museums besteht zumindest der Wunsch, von allen Vorarlberger Ortsvereinen in den nächsten Jahren ein Exemplar ihres Könnens in die Sammlung aufzunehmen. Wir sind schon gespannt, von welchem Erfolg dieses Projekt gekrönt sein wird. Die Krippenausstellung wird von Heike Schlauch und Cornelia Wolf in Verbindung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des vorarlberg museums gestaltet. Ergänzend dazu ist auch die Aufstellung des „Buntbaumes“ von Tomi Scheiderbauer vorgesehen, eine aktuelle künstlerische Interpretation des Christbaumes. Andreas Rudigier

Ausstellungen im Atrium des vorarlberg museums Bregenz Sterbstund Vernissage: 29. Oktober 2015, 19 Uhr 30. Oktober bis 22. November 2015 Montafoner Museen: 27. November 2015 bis 1. April 2016 Lech Museum: 17. Juni 2016 bis 30. April 2017

Weihnachten in Vorarlberg Vernissage: 1. Dezember 2015, 19 Uhr 2. Dezember 2015 bis 10. Jänner 2016 Ankündigung

Schwabenkinder Vernissage: 15. Jänner 2016, 17 Uhr 16. Jänner 2016 bis 21. Februar 2016


18 Literatur

museum magazin ausgabe 12 / 2015

Literaturtipps

Ernst Seibert, Georg Huemer, Lisa Noggler (Hg.)

Ich bin ich. Mira Lobe und Susi Weigel 256 Seiten, farbige Abbildungen 21 x 28 cm, broschiert Residenz Verlag 26,00 Euro ISBN: 9783701733569

Michael Kasper (Hg.)

Ines Agostinelli (Hg.)

Mythos Piz Buin. Kulturgeschichte eines Berges

Vom Luftholen. Lungenheilstätte Gaisbühel

Georg Ligges. 1886 – 1944

144 Seiten, zahlreiche Abbildungen 22 x 29 cm, broschiert Ohne Verlag 25,00 Euro ISBN: 978-3-200-04184-4

148 Seiten, ca. 150 Abbildungen 22 x 27 cm, französische Broschur Bucher Verlag 33,00 Euro ISBN: 978-3-99018-338-0

328 Seiten, zahlreiche Abbildungen 16,5 x 23,5 cm, broschiert Haymon Verlag 24,00 Euro ISBN: 978-3-7099-7209-0

Bettina Schlorhaufer, Ute Pfanner, vorarlberg museum (Hg.)

Andreas Rudigier (Hg.)

Rita Bertolini (Hg.)

Künstlerin / Künstler im Gespräch

STERBSTUND

Das vorarlberg museum in Bregenz ist ein Mehrspartenhaus, das neben Vergangenem auch Gegenwärtiges sammeln, erforschen und vermitteln will. Die zeitgenössische Kunst, die im kulturgeschichtlichen Kontext eines Landesmuseums eine große Rolle spielt beziehungsweise spielen kann, stellt einen wesentlichen Eckpfeiler dieses Gegenwartsbezugs dar. Die Architektur des neuen Museums ist für sich eine große Herausforderung, die gerade von der bildenden Kunst im Besonderen angenommen werden kann. Die Kunst-und-Bau-Projekte, die heute noch

sichtbar mit dem Gebäude verbunden sind (Fassade, Panoramaraum), zeigen dies deutlich. Und das 23 Meter hohe Atrium setzt den Schwierigkeitsgrad noch ein, zwei Stufen höher – also erst recht eine Herausforderung für Künstlerinnen und Künstler! Die Reihe Künstlerin / Künstler im Gespräch möchte die Auseinandersetzung von zeitgenössischen Kunstschaffenden mit den Themen, der Architektur und Geschichte des vorarlberg museums widerspiegeln und gleichzeitig Einblicke in die Gedanken-

und Schaffenswelt der Künstlerinnen und Künstler geben. In den ersten drei Bänden der bibliophil von Kurt Dornig gestalteten Reihe kommen mit Marbod Fritsch, Tone Fink und Mariella Scherling Elia einschlägige Protagonisten der Vorarlberger Kunstszene zu Wort. Ca. 60 Seiten, zahlreiche Abbildungen 16 x 25 cm, broschiert Bucher Verlag Je 22,00 Euro

Mit Beiträgen von Theresia Anwander, Ingrid Bertel, Monika Helfer, Wolfgang Hermann, Friedrich Juen, Michael Kasper, Albert Lingg, Martina Mätzler, Ute Pfanner, Andreas Rudigier, Thomas Schiretz, Maria Rose Steurer-Lang und Farbab­ bildungen von Rudolf Sagmeister Ca. 300 Seiten, zahlreiche Abbildungen 19 x14 cm, Hardcover Bertolini Verlag 24,00 Euro ISBN: 978-3-903023-09-3 Erscheint am 29. Oktober 2015


Exkursionen 19

museum magazin ausgabe 12 / 2015

Sehen und Erleben

Blick auf die Terrasse der Douglasshütte nach ihrem Neubau 1960. Foto: In: Peter Strasser, Urlaubsgrüße aus dem Montafon, Erfurt 2011, S. 68

Vortrag und Jahrbuchpräsentation Donnerstag, 15. Oktober 2015, 19 bis 20 Uhr Remise Bludenz

Zwischen Staudamm und Liftstation: Was uns die Architektur der Douglasshütte erzählt Die Schutzhütten der Alpenvereine gehören seit fast 150 Jahren zur Ausstattung der alpinen Landschaft. Die Architek­ turen der Hütten, wenn sie auch auf den ersten Blick wenig auffällig scheinen, erzählen uns in herausragender Weise von der Erschließungsgeschichte der Alpen. Sie sind Zeugnis der Begeisterung für die Alpen, aber genauso der Praktiken und Ideologien innerhalb der alpinen Vereine. Sie zeugen auch ganz pragmatisch von den Schwierigkeiten des beginnenden Hüttenbaus – den richtigen Standort, die passende Konstruktion zu finden und überhaupt erst einen Bautypus Hütte zu entwickeln. Die Baugeschichte speziell der Douglasshütte, spiegelt außerdem die mehrgleisige Entwicklung in den Vorarlberger Bergen wider. Neben der touristischen wird hier die energiewirtschaftliche Erschließung prägend für die Beziehung zur Landschaft. So verschwand die Doug­ lasshütte auch in der Flutung des Ufers für die Aufstauung des Lünersees und wurde im Gegenzug als neue Douglasshütte an einem anderen Standort errichtet. An ihren Veränderungen, bis es zu dem Haus kam, das heute bezeichnenderweise zwischen Staudamm und Liftstation steht, kann ein Stück Alpenvereins- und Alpinismusgeschichte erzählt werden, die schließlich aufs Engste mit der Bautätigkeit der Wasserkraftwirtschaft verbunden ist. Im Anschluss an den Vortrag wird das Jahrbuch 2015 des Vorarlberger Landesmuseumsvereins präsentiert.

Doris Hallama

ist Architektin und Kunsthistorikerin. Sie unterrichtet an der Architekturfakultät der Universität Innsbruck und forscht zu Raum- und Bildproduktion alpiner Landschaften im Kontext von Naturgefahren und Sicherheitsdiskurs. Aktuell schreibt sie an einer Baugeschichte der Alpenvereinshütten in den Ostalpen.

Exkursionen mit dem Vorarlberger Landesmuseumsverein Aufgrund der großen Nachfrage bietet der Exkursionsausschuss des VLMV im Herbst noch einmal eine mehrtägige Reise nach Florenz und Umgebung an. Detaillierte Informationen

www.vlmv.at/exkursionen Anmeldungen

Baldur Hämmerle E: exkursionen@vlmv.at, T: +43 664 1637100

Exkursion Dienstag, 3. bis Sonntag, 8. November 2015

Florenz und Umgebung Die Reise führt nach Florenz in die Stadt des Trecento und der Renaissance, die von den Prunkbauten der Medici geprägt ist. Wir besuchen die Uffizien und die Dominikanerkirche Santa Maria Novella sowie die Galleria dell‘ Accademia und das Museo dell´Opera del Duomo, die zu den bedeutendsten Skulpturensammlungen Italiens zählen. Eine weitere reiz­ volle Destination ist die gut befestigte Stadt Lucca, die Geburtsstadt von Giacomo Puccini. Eine Fahrt durch den Apennin sowie ein Besuch von Arezzo, der Heimat des großen Architekten Giorgio Vasari, runden diese Reise ab.

Werden Sie Mitglied! Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie nicht nur die Arbeit der Museen im Land, sondern Sie tragen auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Vorarlberg bei. Zusätzlich genießen Sie folgende Vorteile:

Vorarlberger Landesmuseumsverein

– Kostenloses Abo des Museumsmagazins (3x jährlich) – Anspruch auf ein Freiexemplar des wissenschaftlichen Jahrbuches – Nutzung des Veranstaltungs- und Exkursionsprogramms des VLMV und des vorarlberg museums – Detaillierte Informationen über Vereinsveranstaltungen – Freier Eintritt in das vorarlberg museum Bregenz, in die inatura Dornbirn und in die Partner­museen (Klostertal Museum Wald am Arlberg und ALLE Montafoner Museen)

Kontakt / Anschrift: Vorarlberger Landesmuseumsverein Geschäftsstelle, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz E: geschaeftsstelle@vlmv.at, T: +43 5574 46050545

Seit 2015 bietet Ihnen der Vorarlberger Landesmuseums­ verein drei Formen der Mitgliedschaft an: Neben der Einzelmitgliedschaft zu 36,00 Euro (Studierende zu 20,00 Euro) ermöglicht Ihnen eine Doppelmitgliedschaft zu 50,00 Euro jederzeit mit einer Person Ihrer Wahl oder eine Partnermitgliedschaft zu 50,00 Euro mit einem namentlich genannten Partner bzw. einer Partnerin das vorarlberg museum und die verschiedenen Partnermuseen zu besuchen.

Präsidentin: Brigitte Truschnegg Vizepräsident: Thomas Klagian Geschäftsführer: Christof Thöny Kassierin: Edeltraud Wirth

Impressum Herausgeber: Vorarlberger Landesmuseums­­verein, Kornmarktplatz 1, A-6900 Bregenz. Für den Inhalt sind die angeführten Autorinnen und Autoren verantwortlich. Nicht in allen Fällen war es möglich, Rechteinhaber der Abbildungen ausfindig zu machen. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten. / Idee und inhaltliches Konzept: Andreas Rudigier, Christof Thöny / Redaktion: Eva Fichtner / Beiträge: Max Lang, Barbara Motter, Petra Nachbaur, Andreas Rudigier, Christof Thöny, Brigitte Truschnegg / Gestaltung: Verena Petrasch / Druck: Buchdruckerei Lustenau / Lithografie: Günter König / Auflage: 4000 / Gedruckt mit Unterstützung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung und des vorarlberg museums


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MuseumsMagazin 12 by Christof Thöny - Issuu