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MuseumsMagazin 2

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museum Herausgegeben vom Vorarlberger Landesmuseumsverein

magazin Jahrgang 1 | Nummer 2

Die Auer Lehrgänge: Ein Vermächtnis der Bregenzerwälder Barockbaumeister


Portica Toscana ohne Piedestat Eines der knapp 400 Blätter der Auer Lehrgänge, die im Juli 2011 als Schenkung dem vorarlberg museum überantwortet wurden.

Das neue VLMV-Jahrbuch 2011 Nachdem das Jahrbuch 2008–2010 sich ausschließlich der Burgenlandschaft Vorarlbergs und dem Lebenswerk von Franz Huber gewidmet hat, umfasst das Jahrbuch 2011 wieder zehn Beiträge unterschiedlicher Fachrichtungen sowie fünf Rezensionen, an denen insgesamt 18 Autorinnen und Autoren mitgearbeitet haben. Es wurde dabei besonderes Augenmerk auf die Mitarbeit von jungen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern gelegt, denen das Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins als Medium zur Verbreitung ihrer Forschungsergebnisse zu Vorarlberger Belangen zur Verfügung stehen soll.

Die erste Ausgabe hat eine Reihe von freundlichen Reaktionen hervorgerufen, für welche wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchten. Kritisch angemerkt wurde der Umstand, dass der Bezug zum Vorarlberger Landesmuseumsverein nicht klar ersichtlich sei. Hierbei gilt es festzuhalten: Herausgeber ist der Vorarlberger Landesmuseumsverein, und der Inhalt des Magazins spiegelt neben den Aktivitäten des vorarlberg museum und des Vereins auch kulturgeschichtlich und kulturlandschaftlich relevante Projekte aus Vorarlberg wider. Letzteres baut auch auf dem Untertitel unseres Vereins „Freunde der Landeskunde“ auf. Die Ausschüsse unseres Vereins sind andererseits auch angehalten, das Magazin mit Neuigkeiten aus ihrem Bereich zu ergänzen. In dieser Ausgabe berichten wir über das Erscheinen des Jahrbuchs 2011, das von einer kleinen Vortragsreihe begleitet wird. Baldur Hämmerle vom Exkursionsausschuss liefert in dieser Nummer auch schon eine Übersicht zu den 2012 geplanten Exkursionen. Neues von der Ruine Blumenegg sowie der Bericht zur Exkursion in die Schneckenlochhöhle runden die Tätigkeitsfelder des Museumsvereins ab. Andreas Rudigier, Christof Thöny

Editorial Unter uns Interview Evelyn Brandt Tagung „Analog/Digital“ Den Frauen gleiches Recht Ausstellung „No Childs Play“ Wartesstall Klösterle Trachtenpflege Carl Lampert

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Bedingt durch mehrere Faktoren nehmen in diesem Jahrbuch die archäologischen Beiträge einen breiten Raum ein. Zwischen September 2009 und Juli 2010 hat in Bregenz im Bereich des so genannten ‚Böckle-Areals‘ die größte Grabungskampagne zum antiken Brigantium in der jüngeren Vergangenheit stattgefunden. Die dabei erzielten Ergebnisse (Maria Bader, TALPA GnbR.) werden hier erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Damit in enger Verbindung steht eine erste Aufarbeitung ausgewählter Funde des genannten Areals (Julia Kopf), die im Verlauf der nächsten Jahre ausgewertet und deren erste Ergebnisse hier vorgestellt werden. Ein weiterer Beitrag widmet sich der Siedlungssituation in Brigantium zwischen der Mitte des 2. und dem letzten Drittel des 3. Jahrhunderts n. Chr. (Julia Kopf). Der regen archäologischen Forschung im Süden Vorarlbergs trägt der Beitrag eines Autor/innenteams (Franziska Würfel, Tanja Zerl, Rüdiger Krause) zur prähistorischen Siedlungsforschung, Montanarchäologie und römischen Alpwirtschaft im Montafon Rechnung. Den Abschluss der archäologischen Berichterstattung bilden interessante Erkenntnisse der Unterwasserarchäologie, welche die Entstehung des Schwarzen Sees zwischen Göfis und Satteins und die darin nachweisbaren alten Wegtrassen (Autorenteam Alexander Schwille, Michael Konrad, Daniel Neubauer, Klaus Pfeifer) untersuchte. Diese landesweiten intensiven archäologischen Aktivitäten spiegeln sich in der thematischen Ausrichtung des Jahrbuchs wider. Zwei historische Beiträge befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten der Geschichte der Talschaft Montafon. Mit Hilfe von überlieferten Steuerverzeichnissen wird die Vermögensverteilung und somit auch die Sozialstruktur in der Krisenzeit am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert im Montafon (Michael Kasper) herausgearbeitet. Den Aufschwung des Tourismus im Montafon (Edith Hessenberger) seit dem Zweiten Weltkrieg dokumentieren Erinnerungserzählungen ehemaliger ‚Vermieterinnen‘ und anderweitig Beschäftigter im Tourismus. In die aus heutiger Sicht kuriose Welt von Plan- und Universalsprachen führt anschließend eine Abhand-

„Was damals Recht war ...“ Die Auer Lehrgänge Archölogisches Museum Koblach ARTENNE Nenzing Lustenauer Migrationsgeschichte EGG Museum Tag des Denkmals Familientag der KUGES Ruine Blumenegg

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lung über den Feldkircher Ferdinand Hilbe (Sebastian Fink), der am Beginn des 20. Jahrhunderts – ganz im Trend seiner Zeit – an der Entwicklung einer Zahlensprache arbeitete, die der internationalen Verständigung dienen sollte. Den Abschluss der themenspezifischen Beiträge bildet eine Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des Bregenzerwälder Bildhauers Kaspar Albrecht (Kurt A. Czurda), der sich vor allem mit sakralen Skulpturen und Reliefwerk in seiner Heimat, aber auch mit Auftragsarbeiten zu Vorarlberger Wohnkultur in Wisconsin/USA einen Namen machte. Im Gedenken an den 2009 verstorbenen Direktor i.R. des Vorarlberger Landesmuseums, Elmar Vonbank, würdigt Helmut Swozilek dessen Leben und Schaffen. Besprechungen von aktuellem Schrifttum mit interessanten Bezügen zu Vorarlberg runden in bewährter Weise das Spektrum der landeskundlichen Beiträge des Jahrbuches ab. Gemeinsam mit dem Grafikbüro Rita Bertolini konnte ein ansprechendes und zeitgemäßes Layout für die kommenden Jahrbücher entwickelt und umgesetzt werden. Erstmals veranstaltet der Landesmuseumsverein eine Vortragsreihe, die in Verbindung mit dem Jahrbuch steht. Vier Beiträger/innen berichten in vier aufeinander folgenden Wochen im November im Stadtmuseum Dornbirn unterstützt durch Bildmaterial und Interviews über ihre Forschungen (siehe Seite 13). Mit dieser neuen Veranstaltungsreihe möchten wir den Mitgliedern einige Autorinnen und Autoren vorstellen und ihnen die Möglichkeit zur Diskussion über die vorgestellten Themen des Jahrbuches bieten. Durch die Veranstaltungsreihe führen Andreas Rudigier und Brigitte Truschnegg. Im Anschluss an den letzten Vortrag am Montag, 28.11. 2011 wird das neue Jahrbuch 2011 präsentiert. Brigitte Truschnegg

Die erste Ausgabe des museum magazin stößt auf reges Interesse und Wohlwollen Die Mittagspause der diesjährigen 13. Interregionalen Alpgespräche, die in St. Martin im St. Gallischen Calfeisental stattfanden, nutzten zahlreiche Teilnehmer dieser internationalen Tagung, um einen Blick in die erste Nummer des museum magazin zu werfen. Sowohl Layout als auch inhaltliche Vielfalt wurden durchwegs als gelungen bezeichnet.

Alpgespräche in St. Martin Vorträge & Beiträge Schneckenlochhöhle Exkursionen Vernetzte Vorarlberger Museen Silvretta Historica Impressum

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... wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben ... so umschreibt Rainer Maria Rilke die Stimmung eines Herbsttages im gleichnamigen Gedicht – und das Stimmungsbild ist auch zutreffend für das Literaturhaus „Schanett“ in Hohenems – benannt nach Jeannette Landauer, der Wirtin des ehemals jüdischen Gasthauses „Zur frohen Aussicht“ – das mit Ende des Jahres seine Pforten schließen muss ... mm: Frau Brandt, Sie sind Obfrau des Literaturhauses – was war Ihre Intention, als das Literaturhaus vor einem Jahr eröffnet wurde? Brandt: Wir haben seit 2006 oft beim Kulturamt der Vorarlberger Landesregierung angeklopft, um eine gemeinsame Initiative mit Partner(innen) anzustreben. Das war nicht möglich. Insofern lag es dann auf der Hand, das fortzusetzen und auszubauen, was der Verein seit fünf Jahren unter Literatur für alle versteht. Einen Ort zu schaffen, an dem sich Literatur mit Entspannung, Lebensfreude und Genuss verbindet, an dem Vernetzung, Begegnung und Austausch zwischen Schreibenden und Lesenden groß geschrieben wird. Neben den klassischen Lesungen vermitteln wir Literatur mit verschiedenen Formaten wie beispielsweise Literaturgespräche, Lesebühnen, Lesesalons, Schreibworkshops, dem Philosophischen Salon, Kultur- und Literaturreisen, Kinderlesungen. Nachhaltigkeit ist uns wichtig.

mm: Mit dem Literaturhaus hatte Ihr Forum für Literaturschaffende und Literaturinteressierte (LiLi) – gegründet 2005 - eine Heimat gefunden. Welches inhaltliche Konzept steht hinter LiLi und welche Zielgruppe soll damit angesprochen werden? Welche Bedeutung messen Sie dem Literaturhaus und LiLi innerhalb der literarischen Szene Vorarlbergs bei? Brandt: Wie gesagt, das Konzept Literatur für alle verlangt Vielfalt und Nachhaltigkeit, es birgt unerschöpfliche Entwicklungsmöglichkeiten in alle Richtungen, das ist reizvoll für Grüblerinnen, die unermüdlich nachdenken

„Vorarlberg ist nun wieder das einzige Bundesland, das kein Literaturhaus besitzt. Es will keines, warum auch immer.“ Evelyn Brandt, Literaturhaus Schanett

über Inhalte, Stile, Ziele einer Veranstaltung. Das gibt unserem Verein seit sieben Jahren ein eigenständiges, wiedererkennbares, sympathisches Gesicht. mm: Als akademisch ausgebildete Schreibpädagogin führen Sie auch Schreibwerkstätten für Erwachsene, Kinder und Jugendliche durch. Wie ist die Resonanz auf diese Veranstaltungen?

Brandt: Ich biete seit zehn Jahren verschiedene Schreibwerkstätten an. Das Interesse an den Workshops steigt von Jahr zu Jahr. Topfavorit ist die monatliche Frauenschreibwerkstatt, die in das 11. Jahr geht. Aber auch die Kinderschreibwerkstatt ist etwas Besonderes, Einmaliges. Sie findet jedes Jahr im Sommer statt. „Schreiben im Museum“ wäre auch interessant. Es gäbe viele schöne Ideen … mm: Aus welchen Gründen muss die Schließung erfolgen und wo wird mit dem Ende des Literaturhauses die literarische Geselligkeit und Salonkultur ihre Fortsetzung finden? Brandt: Nachdem auch für 2012 das Land Vorarlberg die angesuchte Subvention in der Höhe von 44.000 Euro zur Anstellung einer LiteraturmanagerIn nicht in Aussicht stellt, ist die Toleranzgrenze unserer Ehrenamtlichkeit ausgeschöpft. Wir arbeiten seit sieben Jahren ehrenamtlich und haben auch die Geschäftsführung des Literaturhauses ehrenamtlich geleistet, mehr geht nicht. Also wird die literarische Geselligkeit 2012 wieder vagabundierend stattfinden, einmal da und einmal dort; je nach Art der Veranstaltung in kleineren und größeren Räumen. Ich räum schon mal mein Wohnzimmer auf. Vorarlberg ist nun wieder das einzige österreichische Bundesland, das kein Literaturhaus besitzt. Es will keines, warum auch immer. Susanne Emerich

Ipad, Smartphone ... – und das im Museum? „Digital Natives“ bzw. die „Digitalen Eingeborenen“ und „Digital Immigrants“ – diese Begriffe und die Frage nach dem „Wie“ und „Wo“ des Einsatzes multimedialer Vermittlung standen am Beginn der Tagung „Analog / Digital. Zum sinnvollen Umgang mit Dingen im multimedialen Umraum“, veranstaltet vom vorarlberg museum zusammen mit der Museumsakademie Joanneum und dem Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin. Möglichkeiten und Hindernisse sprach Theresa Zifko, Museumsakademie Joanneum, im einführenden Vortrag an, wie etwa die Befürchtung, dass das Über-Angebot das Objekt selbst immer mehr verdrängt. Anschließend erläuterte Stephan Schwan, Institut für Wissensmedien, die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen zum Besucherverhalten: zusätzliche Informationen zu einem Objekt, das möglichst „vor Ort“ und in kompakter Form. Im nächsten Vortrag rief Gunther Reisinger, Museumsakademie Joanneum, zur besonderen Sorgfalt auf und wies darauf hin, dass die digitale Abbildung

keineswegs das authentische Erleben ersetzen kann. Anhand der folgenden praktischen Beispiele wurden die Bandbreite und die Möglichkeiten multimedialer Vermittlung aufgezeigt, wie der Einsatz von Ton bei einer Ausstellung zur Kulturgeschichte der Stimme im ZKM, wie Brigitte Lachmayer-Felderer erläuterte. Andrea Haller und Jule Murmann vom Deutschen Filmmuseum sprachen zur neuen Dauerausstellung, in der unter anderem durch Kinos, Projektionen, interaktive Terminals usw. deutlich gemacht wird, wie der Film und seine Vorläufer funktionieren. Detlef Vögeli vom Stapferhaus, Lenzburg, erklärte das Vermittlungskonzept zur Ausstellung „Home“, bei der Führungen über Ipads begleitet wurden. Holger Simon machte seine Thesen an den von der Pausanio Gmbh entwickelten Applikationen fest, mittels derer man Informationen zu Kunstdenkmälern, Bauten usw. auf das Mobiltelefon holen kann. Abschließend erläuterte Gerid Maria Hager das Vermittlungskonzept im Ars Electronica Center, wo zum aktiven

Johann Günther Digital Natives & Digital Immigrants 216 Seiten, Format 19,4 x 13 cm Gebundene Ausgabe Studienverlag ISBN-13: 978-3706544092

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Erleben und Entdecken angeregt wird. Bei den Vorträgen wie bei den anschließenden Diskussionen stellte sich immer wieder die Frage, wie weit sich Kosten und Aufwand lohnen. Es wurde aber auch betont, dass die digitalen Medien die personelle Vermittlung niemals ersetzen, sondern vielmehr ergänzen soll. Die Frage bleibt, wie es gelingen kann, die „Digital Natives“, die nach 1980 geborenen Jahrgänge, ins Museum zu bringen, und auch den „Immigrants“, die vor 1980 Geborenen, neue Zugänge über multimediale Vermittlung zu ermöglichen. Magdalena Häusle


„Den Frauen gleiches Recht!“ Hundert Jahre ist es her, dass Frauen mit diesem Schlagwort im März 1911 für ihre Rechte eintraten, Anlass genug für das Frauenmuseum in Hittisau, seiner Aufgabe, Frauengeschichte sichtbar zu machen und zu dokumentieren, gerecht zu werden. In Kooperation mit dem Johanna Dohnal und Kreisky Archiv sowie mit dem Österreichischen Museum für Volkskunde und dem Bregenzerwaldarchiv wird die bewegte Geschichte des Frauentages in Österreich anhand von drei Themenbereichen (Gleichheit-Frieden-Körper) durch Plakate, Transparente, Filmdokumente, Abzeichen und Zeitungsberichten den BesucherInnen nähergebracht. Die Rolle der Frau im „subra Ländle“ Über Jahrzehnte dominierten althergebrachte Rollenbilder die Situation der Frau in Vorarlberg, sie war Hausfrau und Mutter, der Mann Ernährer der Familie. Auch Kirche und Politik sprachen sich für diese Rollenverteilung aus, zu Beginn der 1980er Jahre waren Schutz und Förderung von Ehe und Familie Teil der Landesverfassung. Ebenfalls in den 1980er Jahren wurde das Frauenreferat der Landesregierung etabliert, das durch laufende Evaluierungsberichte Einblick in die Situation der Frauen in Vorarlberg gibt. Ebenfalls Mitte der 1980er Jahre formierten sich auch in Vorarlberg frauenbewegte politische Gruppierungen. Diesem Aspekt und der Bewusstseins-

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Susanne Emerich

Mehr Information unter www.frauenmuseum.com Aktuelle Veranstaltungen im Frauenmuseum: chung um die Gleichstellung zwischen Frauen und Männer gilt die Aufmerksamkeit eines eigenen Ausstellungsteils, ebenso wird die Geschichte der Frauenorganisationen im Bregenzerwald, vor allem der organisierten Österreichische Frauenbewegung (ÖFB), einer Teilorganisation der ÖVP, die in 24 Gemeinden des Bregenzerwaldes aktiv ist, erläutert. Grrrl Zines In Zusammenarbeit mit dem Mädchenzentrum Amazone in Bregenz sind Mädchen und Junge Frauen aufgefordert, in Grrrl Zines - unabhängigen Magazinen, die von und für Mädchen und Frauen mit Interesse an Feminismus, Alternativkultur und Aktivismus selbstständig

gemeine Wahlrecht mitzubestimmen, sondern auch aktiv durch ihre Präsenz in Regierung und Partei mitzugestalten. Es muss ihnen das Recht zukommen, gleichberechtigt in der Wirtschaft, Forschung und Bildung mitzumischen und zwar zu gleichen Konditionen wie die Männer. mm: Haben für Sie die Forderungen der Frauen aus dem Jahr 1918 - Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge, eine Senkung der Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und den legalen Schwangerschaftsabbruch – noch einen aktuellen Bezug?

„Wichtig ist die Anerkennung jedes einzelnen Menschen“ mm im Gespräch mit der Bürgermeisterin der Gemeinde Lingenau, Annette Sohler mm: Was bedeutet für Sie das Jubiläum 100 Jahre Frauentag? Sohler: Wenn man in unsere Kulturgeschichte der letzten Jahrhunderte zurückblickt, wird deutlich, dass den Frauen im öffentlichen, aber auch familiären Leben nicht dieselbe Würde zugesprochen wurde wie den Männern. In diesem Zusammenhang hat die Frauenrechtsbewegung und haben Frauentage ihre große Bedeutung. Frauen müssen am öffentlichen Leben gleichberechtigt mit den Männern teilnehmen können, sie müssen mit das Recht haben, nicht nur ihre Regierung durch das all-

produziert, herausgegeben und vertrieben werden – ihre Meinung kreativ auszudrücken und sich so Gehör im öffentlichen Raum zu schaffen. In einem abschließenden Grrrl Zines Workshop im Frühjahr 2012 haben alle interessierten Mädchen die Möglichkeit, gemeinsam ein Grrrl Zine zu gestalten.

Sohler: Die Zeit, das Weltempfinden, die Kultur hat sich so stark verändert, dass es geradezu folkloristische Züge annehmen würde, wenn man sich heute dieselben Forderungen und Kampfparolen auf die Transparente schreiben würde wie früher. Times are really changing! Insofern glaube ich, dass man die Forderungen von 1918 nur mehr als historisch betrachten kann. Die Ansprüche der Gegenwart zielen dahin, dass Frauen für die erbrachten Leistungen denselben Lohn erhalten wie die Männer; dass es Frauen, welche im Berufsleben stehen, nicht verunmöglicht wird Mütter zu werden und ihre Verantwortung für Familie und Kinder ernst zu nehmen. Im Übrigen gilt es dafür Sorge zu tragen, die gewonnene Gleichstellung auch zu halten. mm: In welchen Bereichen sollten Frauen gefördert werden? Sohler: Frauen und Mädchen sollen so gefördert werden, dass sie sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten

FRAUEN, DIE BEWEGEN. Emanzipation in Vorarlberg Freitag, 11. November 2011, 20h, Podiumsdiskussion (mit Führung durch die Ausstellung um 19h) FESTE. KÄMPFE. 100 JAHRE FRAUENTAG Donnerstag, 8. Dezember 2011 (Feiertag), 11h, öffentliche Führung FESTE. KÄMPFE. 100 JAHRE FRAUENTAG Sonntag, 12. Februar 2011, 17h, öffentliche Führung FESTE. KÄMPFE. 100 JAHRE FRAUENTAG Donnerstag, 8. März 2012, 17h, öffentliche Führung

entdecken und verwirklichen. D.h. konkret, dass wir nicht mehr mit den Standardschablonen – „Frauen müssen so sein“, „das ist ein Frauen- und das ein Männerjob“ etc. – arbeiten, sondern eben mit jeder einzelnen Person, mit jeder einzelnen Frau und ihrer Einzigartigkeit. Das ist eine enorme Herausforderung v.a. für den Bereich der Erziehung und Bildung, dann aber auch in der Politik, die solche Entwicklungsräume eröffnen und schützen muss. mm: Wie sehen Sie sich in Ihrer Rolle als Bürgermeisterin? Sohler: Als Bürgermeisterin sehe ich mich im Dienst der Gemeinde Lingenau. Natürlich ist es nicht immer einfach als Frau „im Ring“ zu stehen, aber es ist gleichzeitig faszinierend zu sehen, wie viel aktive und auch kompetente Unterstützung ich von Seiten der Männer erhalte, was indirekt auch eine sympathische und freundschaftliche Art der „Männerarbeit“ von Seiten einer Frau ist. mm: Alice Schwarzer meinte „Schaffen wir ihn endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“ Wie stehen Sie zu dieser Aussage? Sohler: Ich stimme im Wesentlichen mit der Aussage von Alice Schwarzer überein. Nicht Quoten und Eigenrechte führen zur Gleichberechtigung, sondern die Anerkennung und das volle Ernstnehmen eines jeden einzelnen Menschen.

Hanno Platzgummer, Karin Bitschnau, Werner Bundschuh (Hg.) „Ich kann einem Staat nicht dienen, der schuldig ist ...“ 95 Seiten, Format 26 x 18 cm Eigenverlag ISBN-13: 978-3-901900-25-9

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„Mitbestimmen und Mitgestalten“

Frauen wählen dürfen. Es ist zwar für mich heute selbstverständlich, aber ich vergesse nicht, dass dies ein paar Generationen vorher nicht möglich war.

mm im Gespräch mit jungen Frauen im Mädchenzentrum AMAZONE in Bregenz

mm: Welche Besserungen und Gleichstellungen sollten für Frauen in welchen Bereichen umgesetzt werden?

mm: Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Das alles beherrschende Thema der ersten Jahre war die Forderung nach dem freien, geheimen und gleichen Frauenwahlrecht. 1918 forderten die Frauen Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschläge, eine Senkung der Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und den legalen Schwangerschaftsabbruch. Was bedeutet für euch das allgemeine Wahlrecht? Wie steht ihr zu den Forderungen der Frauen aus dem Jahr 1918 im Bezug zu heute?

Larissa: An erster Stelle steht für mich die Verbesserung des Gehalts/Lohns. Warum sollten wir Frauen uns denn mit weniger Geld zufrieden geben? An nächster Stelle steht für mich die tatsächliche Gleichstellung lesbischer Paare und nicht immer nur das Gequatsche, das sich dann in der Realität völlig anders darstellt. Alle Frauen sollen sich zudem künstlich befruchten lassen dürfen, aus welchen Gründen auch immer sie diesen Weg wählen. Es soll als völlig normal angesehen werden, dass sich

Larissa: Als ich 16 Jahre alt war und das erste Mal wählen gehen durfte, war ich mir unschlüssig, ob ich die Chance nutzen soll oder nicht. Dann erzählte mir meine Mutter die "Geschichte" vom hart erkämpften Wahlrecht. Um das zu honorieren und um für mich selbst sagen zu können: "Ich habe gewählt und damit versucht, etwas zu verändern" gehe ich wählen. Für mich sind die Forderungen aus dem Jahr 1918 real und heute - fast 100 Jahre später – teilweise nicht erfüllt. Lebensmittel werden immer teurer, Schule ist noch lang nicht für alle erschwinglich. Mary: Das allgemeine Wahlrecht bedeutet für mich, dass alle Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft hierzulande ab 16 Jahren wählen gehen dürfen. Jedoch betrachte ich den Terminus ,,allgemeines Wahlrecht" eher kritisch, da dieses Wahlrecht weder fremde Staatsbürgerinnen und -bürger noch politikgewandte Menschen unter 16 betrifft. Mir ist bewusst, dass hart dafür gekämpft wurde, dass

manche Frauen gegen den gesellschaftlich oft vorgegebenen Weg der Hausfrauen- und Muttertätigkeit stellen. Mary: Einerseits müssen Frauen und Männer gleichermaßen für ihre Arbeit entlohnt werden, andererseits muss schon in der Kindheit vermittelt werden, dass Haushalt genauso Männersache ist, damit es später gar nicht erst zu einer klassischen Aufteilung der Geschlechterrollen kommt. Es muss bedeutend mehr über Gender gesprochen werden, wenn ich mir viele Jugendliche und auch erwachsene Menschen ansehe.

entag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen. Im Jahr 2010 plädierte Alice Schwarzer für eine komplette Streichung des Tages: „Schaffen wir ihn endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März! Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer.“ Larissa: Ich stimme da eher der luxemburgischen EUKommissarin zu. Wenn wir aus dem Frauentag einen "Menschentag" machen, wird die Nachricht, die die vielen Frauen damit in die Welt hinaus tragen wollen, doch wieder nicht gehört. Dann wird es ein Feiertag für uns Menschen und kein Denkanstoß, dass es noch so viel Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt. Schön wäre es allerdings, wenn wir irgendwann soweit sind, dass wir keinen extra Frauentag mehr feiern müssen. Mary: Ich gehe mit beiden Aussagen konform. Solang es einen Frauentag gibt, werden Frauen emporgehoben, was meiner Meinung nach nicht korrekt ist. Andererseits bedarf es, solange nicht eine völlige Gleichberechtigung erreicht ist, eben solcher Tage, um aufmerksam zu machen und zu Taten zu mobilisieren. Mein Traum ist es aber, eines Tages keinen Frauentag mehr zu brauchen, weil Frauen und Männer absolut gleichgestellt sind. Vor allem Alice Schwarzers Aussage trifft ins Schwarze - wir sind alle einfach nur Menschen. Susanne Emerich

mm: Die luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding stellte im März 2008 fest: „Solange wir einen Frau-

Ausstellung "No Child's play – Kein Kinderspiel" an Vorarlberger Schulen Über Vermittlung des Vereins „Österreichische Freunde von Yad Vashem“ wird ab November in Buchs (CH) und in weiterer Folge an sieben Schulen in Vorarlberg die Ausstellung „No Child´s play – Kein Kinderspiel“ in Zusammenarbeit mit dem Vermittlungsprojekt erinnern.at

präsentiert. Schülerinnen und Schüler aus Vorarlberg kommen damit mit der Geschichte jener Kinder in Berührung, welche im Holocaust aufgrund ihrer jüdischen Herkunft der grausamen Verfolgung ausgesetzt waren. Rund eineinhalb Millionen der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden waren Kinder. Die Anzahl der Kinder, die diese Zeit überlebten, sind ein paar Tausend. Ihre Kindheit fand ein frühes Ende. Weder die Ermordeten, noch die wenigen Überlebenden konnten Kinder bleiben. In manchen Fällen mussten sie ihre Eltern oder Geschwister versorgen. Vielfach gaben sie ihren nächsten Angehörigen Hoffnung und Kraft bei ihrem täglichen Kampf ums Überleben. Aber wann immer sie konnten, waren sie auch wie die anderen Kinder, spielten, lachten, waren kreativ und drückten ihre Ängste und Hoffnungen aus. Die Erinnerung an sie wird in der Ausstellung „No Child´s play – Kein Kinderspiel“ wach gehalten.

Ausstellung an Vorarlberger Schulen Die Ausstellung ist ab November 2011 an sieben Vorarlberger Schulen zu sehen, wobei die Thematik mit den Schülerinnen und Schülern bearbeitet wird. Engagierte LehrerInnen, welche in das Netzwerk von _erinnern.at_ eingebunden sind, haben die Organisation und Koordination vor Ort übernommen. Terminplan Ausstellung „No Child´s play“ Collegium Bernardi-Privatgymnasium Mehrerau 14. bis 25. November 2011 Sacré Coeur Riedenburg 28. November bis 10. Dezember 2011 Bundesgymnasium Lustenau 12. bis 22. Dezember 2011 Bundesgymnasium Dornbirn 9. bis 20. Jänner 2012 Bundesgymnasium Bludenz 22. Jänner bis 10. Februar 2012 Bakip Feldkirch 22. Februar bis 2. März 2012 BG Feldkirch Rebberggasse 5. bis 16. März 2012

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Ein Bekenntnis zur eigenen Geschichte. Der Wartesstall in Klösterle wird saniert Im Ortszentrum von Klösterle steht der mächtige Wartesstall, der einst eine wichtige Rolle im Salzhandel entlang der Straße über den Arlberg spielte. Seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt, hat der Zahn der Zeit an dem historisch bedeutsamen Gebäude seine Spuren hinterlassen, und das „Denkmal in Not“ droht zu zerfallen. Nach einem längeren Prozess der Bewusstseinsbildung und der Diskussion hat die Gemeindevertretung von Klösterle nunmehr einen wichtigen Schritt gesetzt: Am 31. August wurde einstimmig (!) die Sanierung des Wartesstalls beschlossen, womit dessen Geschichte nun weiter geschrieben und neue Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden können.

Vor mehr als zehn Jahren erwarb die Gemeinde Klösterle aus dem Nachlass des verstorbenen Ehepaars Amadeus und Sybilla Burtscher das „Haus Wartes“ mit dem dazugehörigen mächtigen Stallgebäude. Das Bundesdenkmalamt erachtete diese beiden Gebäude im Ortszentrum als wichtige Baudenkmäler des Klostertals mit Ensemblecharakter und nahm die Unterschutzstellung in Angriff. Notwendige Reparaturarbeiten wurden in Aufrag gegeben, welche einen Einsturz des mittler-

weile arg in Mitleidenschaft gezogenen Stallgebäudes verhindern sollten. Zukünftige Nutzungsideen wurden schon damals diskutiert, konkretere Überlegungen jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Bauhistorische Untersuchung Eine Anregung des Bundesdenkmalamtes aufgreifend, initiierte der Museumsverein Klostertal 2007 ein Projekt, um konkrete Daten über das Alter und die frühere Nutzung des Wartesstalls in Erfahrung zu bringen. Eine umfassende dendrochronologische Untersuchung durch Dr. Klaus Pfeifer lieferte beachtliche Ergebnisse: Es konnte nachgewiesen werden, dass die ältesten Bauteile des Wartesstalls ins 14. Jahrhundert datieren. Im Vergleich mit ähnlichen Gebäuden in der Region kann von einem Erstbau ausgegangen werden, welcher um 1393 errichtet wurde. Um 1580 entstand ein größerer Stall mit gemauertem Aufbau, der 1768 und 1812 erweitert wurde und seine heutigen Ausmaße erhielt. Interessant ist auch die Tatsache, dass sich seit dem 14. Jahrhundert für jedes nachfolgende Jahrhundert Baumaßnahmen im Gebäude nachweisen lassen. Das Alter, die zentrale Lage, die Ausmaße sowie die Bedeutung für den Salzhandel über den Arlberg – die im Zuge von historischen Forschungen nachgewiesen werden konnte – machen den Wartesstall zu einem herausragenden Baudenkmal

im Klostertal. Die Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchung wurden in weiterer Folge durch den Museumsverein Klostertal publiziert. Den Druck der Broschüre finanzierte die Gemeinde Klösterle, welche diese auch an alle Haushalte versandte. Dieser Schritt bildete den Auftakt zu einer Reihe von Maßnahmen, die das Bewusstsein für den Wert einer Erhaltung des Wartesstalls für die Zukunft stärken sollte. Prozess der Bewusstseinsbildung Die Voraussetzungen für die zukünftige Erhaltung waren zunächst alles andere als günstig: In der Gemeinde Klösterle schien die überwiegende Mehrheit einen Abriss dieses „Schandflecks“ zu befürworten. Auch die Gemeindevertretung signalisierte – mit dem Anliegen einer Sanierung konfrontiert – wenig Bereitschaft, einen positiven Beschluss für die Aufbringung finanzieller Mittel zu erwirken. In zahlreichen Sitzungen und einer Informationsveranstaltung für die Bevölkerung bemühten sich Landeskonservatorin DI Eva Hody, Dr. Leo Walser und der Museumsverein Klostertal darum, die Diskussion auf eine sachliche und weniger emotionsbeladene Ebene zu bringen. Der ohnehin nur mehr kläglich vorhandene Bestand an historischer Bausubstanz in Klösterle sollte nicht noch mehr dezimiert werden. Dieser Diskussionsprozess hat mit dem Beschluss der Gemeindevertretung einen vorläufigen positiven Abschluss gefunden. Beim Tag des Denkmals wurde der Wartesstall der Bevölkerung noch als „Denkmal in Not“ präsentiert; doch dieser Zustand wird sich in den nächsten Monaten wohl ändern. Hinsichtlich der Finanzierung wurde eine Drittellösung durch Bund, Land und Gemeinde vereinbart, so dass die konkreten Arbeiten nunmehr hoffentlich rasch in Angriff genommen werden können. Christof Thöny

Lebendige Trachtenpflege im Bregenzerwald Die „Juppe“ als Synonym für den Bregenzerwald. Die Juppenwerkstatt in Riefensberg, in der diese traditionelle Bregenzerwälder Tracht hergestellt wird und als Museum auch zahlreiche Interessierte begeistert. Auch architektonisch ist dieses Kleinod, welches im Jahre 2003 im ehemaligen Gasthaus Krone eingerichtet wurde, eine Besonderheit, ebenso wie die Bregenzerwälder Juppe selbst, die in keinem Geschäft fertig erworben werden kann und durch ihre Eleganz und Schlichtheit besticht. Die einzelnen Stufen der Veredelung des schwarzen Leinenstoffes für den Juppenrock können nur in der Juppenwerkstatt durchgeführt werden. Der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg bietet Führungen zum Kennenlernen der gesamten Arbeitsprozesse an. Er unterstützt Interessentinnen auf dem Weg zu ihrer Juppe und vermittelt Kontakte zu den einzelnen Kunsthandwerkerinnen. Susanne Emerich

Foto: Wolfgang Schubert

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Vom NEIN sagen – Carl Lampert wird seliggesprochen Provikar Carl Lampert – der ranghöchste Priester, der von den Nationalsozialisten umgebracht wurde, wird am 13. November 2011, auf den Tag genau 67 Jahre nach seiner Ermordung, in der Stadtpfarrkirche in Dornbirn selig gesprochen. Wer war Carl Lampert? Carl Lampert wurde am 9. Jänner 1894 in Göfis geboren. Nach der Matura - im Jahr 1914 - trat Carl Lampert ins Priesterseminar in Brixen ein, wo er 1918 zum Priester geweiht wurde. Auf seine Kaplansjahre in Dornbirn St. Martin folgte ein Kirchenrechtsstudium in Rom, bis Carl Lampert schließlich 1935 damit beauftragt wurde, in der Diözese Innsbruck das Kirchliche Gericht aufzubauen. 1939 wurde Carl Lampert schließlich zum Provikar ernannt und war damit Stellvertreter des damaligen Bischofs Paulus Rusch. Während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft setzte sich Carl Lampert vor allem für die Rechte der Menschen und der Kirche ein und wird mehrmals in Gestapo-Haft genommen. Carl Lampert wird ins KZ Dachau deportiert und schließlich nach Stettin verbannt. 1943 wird Carl Lampert er-

neut verhaftet und mehrfach zum Tode verurteilt. Anklagepunkte waren u. a. Spionage und Begünstigung von Zwangsarbeitern. Am 13. November 1944 wird Carl Lampert in Halle/Saale hingerichtet. Mit der Seligsprechung wird Carl Lampert vor allem – wie der Theologe Roman Siebenrock es ausdrückt – Vorbild in der Schlichtheit, mit der er für die Rechte der Menschen eintritt. Darin ist er Orientierungshilfe – auch für eine Kirche, die nach einem Weg sucht. Innere Räume betreten Um die Person Carl Lamperts zu erfassen, was für die Menschen der heutigen Zeit schwer sein kann, entwickelte der Vorarlberger Künstler Georg Vith gemeinsam mit den Graphik-Designern Sigi Ramoser und Martin Caldonazzi eine Installation – einen Baucontainer, der quer durch das Land tourt. BesucherInnen sind aufgefordert innere Räume zu betreten, zur Ruhe zu kommen und sich so auf die Spur Carl Lamperts zu begeben, über sein Leben, seine Zeit und sein Schicksal näheres zu erfahren. Der Container steht als Synonym für das Sperrige, das Carl Lampert für manche Mensche mit sich bringt, für das Sich-in-den-Weg-Stellen, wie es für Carl Lampert selbstverständlich gewesen ist. Reiseroute und Stationen des Containers Schruns: bis 29. September Bludenz Hl. Kreuz: bis 6. Oktober Hohenems St. Karl: bis 13. Oktober Egg: bis 20. Oktober Lustenau Kirchdorf (Blauer Platz): bis 27. Oktober Bregenz: bis 3. November Dornbirn St. Martin: bis 14. November

„Dass Menschen wieder Menschen werden“ Unter dem Motto der Seligsprechung sind SchülerInnen im Alter von 14 bis 19 Jahren angesprochen, sich zur Thematik „Was macht Menschlichkeit aus? Wo kommt Menschlichkeit unter die Räder? Wie kann Widerstand gegen Unmenschlichkeit aussehen?“ Gedanken zu machen und sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Die Art der Auseinandersetzung kann auf vielfältige Art geschehen – Text, Film, Kurz-Theater, Blog, Homepage, Fotos, Installation, Kunstobjekt, Musik, Sozialprojekt, ... der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Begrenzt ist lediglich die Zeit, die für die Präsentation zur Verfügung steht – sie darf das Sieben-Minuten-Limit nicht überschreiten. Die Beiträge – jeweils drei Kopien – können von Einzelnen oder Gruppen bis zum 31. 03. 2012 bei der Medienstelle der Katholischen Kirche Vorarlbergs eingereicht werden. Die Siegerprojekte erhalten ein Preisgeld von 200 Euro. Kontakt: Patricia Begle, Medienstelle, Bahnhofstr. 13, 6800 Feldkirch, medienstelle@kath-kirche-vorarlberg.at Susanne Emerich

Den Opfern der NS-Militärjustiz ein Gesicht geben In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 fällte die nationalsozialistische Militärjustiz mehr als drei Millionen Urteile – davon betrafen 25.000 bis 30.000 Todesstrafen Angehörige der Wehrmacht. Im Dornbirner Kulturhaus wurden BesucherInnen bis Ende Oktober 2011 mit diesem düsteren Kapitel der jüngeren Vergangenheit konfrontiert: Unter dem Titel „Was damals Recht war ...“ – eine Wanderausstellung, die seit 2007 in Deutschland und Österreich gezeigt wird – wird den Angehörigen der Wehrmacht, die während des Nationalsozialismus den Kriegsdienst verweigerten und dafür oft mit ihrem Leben bezahlen mussten, ein Gesicht gegeben, darunter auch den Deserteuren aus Vorarlberg wie Emil Bonetti, Hilar Huber, August Weiß, Ernst Volkmann.

scheidung, den Eid auf Adolf Hitler zu verweigern, nicht in den sinnlosen Krieg zu ziehen, brachte ihnen keine Achtung – vielmehr wurden diese Männer nach dem Krieg mit Vorwürfen konfrontiert, sie hätten Kameraden und Vaterland verraten. Erst Ende der 1990er Jahre begann in Österreich die Auseinandersetzung mit dieser Thematik auf politischer und wissenschaftlicher Ebene. Der Nationalrat beschloss 2005 das „Anerkennungsgesetz“, das die sozialrechtliche Schlechterstellung der Deserteure ausschloss. Der Impuls zur vollständigen Rehabilitierung durch die Republik Österreich erfolgte 2009 durch das „Anerkennungs- und Rehabilitationsgesetz“: Desertion aus der Wehrmacht wurde dadurch als Akt des Widerstandes anerkannt. Ernst Volkmann

Wanderausstellung Die Ausstellung wurde auf den Tag genau 70 Jahre nach Anfang des Zweiten Weltkriegs am 1. September 2009 in Wien eröffnet. Konzipiert von der Berliner Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas für Deutschland entwickelt, wurde die Thematik durch den Verein „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ für Österreich aktualisiert. Kein Thema Wehrmachtsdeserteure standen jahrzehntelang außerhalb der erinnerungspolitischen Wahrnehmung. Ihre Ent-

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Als Beispiel für jene Männer, die ihrem Gewissen treu blieben und nicht der Massenhysterie der Nazidiktatur verfielen, steht Ernst Volkmann. Aus dem Sudetenland stammend, ließ er sich 1927 in Bregenz als Gitarrenbauer nieder. Als Ernst Volkmann im Februar 1941 zur Wehrmacht nach Lienz eingezogen wurde, ließ er den dortigen Kompanieführer wissen, dass er den Eid auf Hitler ver-

weigere, da seine religiöse Anschauung nicht mit dem Nationalsozialismus vereinbar sei. Der Fall wurde ans Reichskriegsgericht Berlin weitergeleitet, Ernst Volkmann zum Tod verurteilt. Am 9. August 1941 fand in Brandenburg/ Havel die Hinrichtung durch das Fallbeil statt. Ähnlich dem in Österreich weit bekannteren Franz Jägerstätter steht Ernst Volkmann für einen der wenigen Aufrechten, die ihre Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit bis zur letzten Konsequenz vertraten. http://www.ernstvolkmann.at Denkmal für Vorarlberg Eine Gedenkstätte für Wehrmachtsdeserteure im “Ländle“? Fehlanzeige: Bis auf Wien, wo 2013 ein solches Denkmal umgesetzt werden soll, gibt es bisher in Vorarlberg keine Erinnerung an Kriegsdienstverweigerer im öffentlichen Raum. Deshalb fordern hierzulande die Mitglieder der “Johann-August-Malin-Gesellschaft” und die Bregenzer Grünen die Errichtung eines eigenen Denkmals für Vorarlberg, um an jene Menschen zu erinnern, die für ihre tapfere Haltung nicht nur seitens der NS-Justiz verfolgt, zu Gefängnis, „Frontbewährung“ oder zum Tod verurteilt wurden, sondern vielmehr auch noch nach dem Krieg keine Rehabilitation erfahren haben und als „Kameradenschweine“ und „Vaterlandsverräter“ beschimpft wurden. Susanne Emerich


Die ‘Auer Lehrgänge’, ein architekturhistorischer Fund von unschätzbarem Wert, dokumentieren auf knapp 400 Seiten den schöpferischen Rang der Bregenzerwälder Barockbaumeister, ihre Formensprache und handwerkliche Souveränität.

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Die Auer Lehrgänge. Ein einzigartiges Kulturerbe findet seinen Weg in das Museum Schoppernau, im Jahre 1940: Die Eheleute Josef Peter Erath und Maria Erath, geborene Aberer, sind kinderlos verstorben, das Haus Oberdorf Nr. 47 wird geräumt. Das Dachbodengerümpel steht bereits zur Entsorgung in die Bregenzerache bereit, als Gebhard Albrecht, Schulleiter von Au-Rehmen, ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Buch in die Hand fällt. Es handelt sich um eine gebundene Sammlung handbeschrifteter Architekturzeichnungen, die in Tusche ausgeführt und größtenteils laviert worden sind. Das Werk trägt einen Besitzvermerk: Dieses Buch gehört der / ehrsamen Jungfrau Maria Juliana Berin aus der Au 1812 Dieses Buch gehört / Nikolaus Melchior Aberer, Schoppernau 1838

offen, betont jedoch noch einmal ihre Funktion als Bildungsinstrument. In denselben Zeitraum fällt auch die am Institut für Papierrestaurierung am Schloss Schönbrunn durchgeführte Restaurierung der Auer Lehrgänge. Diese war erforderlich geworden, nachdem die Bücher als bedeutende Exponate für die Ausstellung Architectura Practica (Vorarlberger Landesmuseum, 2006) ausgewählt worden waren. Kontakte zwischen dem Landesmuseum und der Familie Albrecht, in deren Verwahrung sich die Bücher seit ihrer Auffindung befanden, hatte es bereits im Jahre

Etwa zur gleichen Zeit taucht in Au-Schrecken ein weiteres Buch auf, das inhaltlich fast identisch ist. Auch hier verweist ein Eintrag auf die Herkunft: Johann Aberer von Schoppernau Johann Elmerch Gottfried Beer

„Es ist eine große Freude, die Auer Lehrgänge endlich dort zu wissen, wo sie hingehören: in den Besitz einer Öffentlichkeit – sei sie fachkundig, an der Architekturtradition interessiert oder einfach nur neugierig.“ Architekt Jakob Albrecht, Schenker

Jahrzehnte sind vergangen, die Fachleute aus Deutschland und der Schweiz, die sich für die Bücher interessierten

Bei den Büchern handelt sich um Lehrwerke, die der theoretischen Schulung des Nachwuchses im Bauhandwerk dienten. Vermittelt wurde der architektonische Kanon der damaligen Zeit: die „Principia Geometriae“, die Säulenordnung, eine Typologie der Türen und Portale, Fenster und Lukarnen, Gewölbeformen und Treppen. Darstellungen von Grund- und Aufrissen besonders interessanter Sakral- und Profanbauten so wie von Bau-

Michael Thumb 1640 - 1690 aufnahmen ergänzen die Sammlung. Derartige Traktate waren seinerzeit ein weitverbreitetes Mittel der Nachwuchsförderung, und ein Zusammenhang mit der Vorarlberger Barockbauschule liegt von Beginn an nahe. Die Beforschung der Objekte setzt bereits im Jahr 1948 ein, als Norbert Lieb und Franz Dieth, Autoren einer 1960 erschienenen Publikation zu den Vorarlberger Barockbaumeistern, Einsicht in die von ihnen als Auer Lehrgang 1 und 2 bezeichneten Werke nehmen. Ihre Version der Besitzgeschichte lässt vermuten, dass die Sammelwerke in den Jahren 1720 -1730 von der Familie Beer, aus deren Reihen hervorragende Barockkünstler hervorgegangen sind, zusammengestellt worden sind, wobei Studien- und Entwurfsmaterialien der Baumeistergruppen Thumb und Moosbrugger hinzugenommen wurden. Einige Jahre später erregen die Auer Lehrgänge ein weiteres Mal das Interesse der Wissenschaft: Prof. W. Oechslin, der sich im Rahmen eines Forschungsprojektes am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (ETH Zürich) intensiv mit den Auer Lehrgängen auseinandersetzt, lässt die Frage nach der Autorenschaft

und diese eingesehen haben, können Franz Beer 1660 - 1726 1956 gegeben, als Gebhard Albrecht dem Museum ein Vorkaufsrecht einräumt. Der Architekt Jakob Albrecht, in dessen Besitz die Auer Lehrgänge seit 1970 sind, erwähnt, dass er schon früh daran dachte habe, die wertvollen Bücher dem vorarlberg museum nach vollzogener Restaurierung und Digitalisierung zu überlassen. Der große Augenblick lässt dann noch einige Jahre auf sich warten, im Juni 2011 ist es endlich so weit: Das Forschungsprojekt der ETH ist vorläufig abgeschlossen, eine hochwertige Faksimile-Ausgabe der Auer Lehrgänge steht Forschern und anderen Interessierten in ausgewählten Bibliotheken – darunter auch die Vorarlberger Landesbibliothek – zur Einsicht zur Verfügung, als Jakob Albrecht die Originale im Rahmen eines feierlichen Schenkungsakts an den Direktor des vorarlberg museum, Andreas Rudigier übergibt. In diesem Zusammenhang sei der Familie Abrecht gedankt. Die Umsicht von Gebhard Albrecht bewahrte die Auer Lehrgänge vor ihrer Vernichtung, die folgenden Generationen verschrieben sich leidenschaftlich dem Erhalt und der wissenschaftlichen Aufarbeitung des wertvollen Erbes. Mit der Übergabe an das vorarlberg museum sicherte Jakob Albrecht nicht nur den dauerhaften Verbleib der Auer Lehrgänge im Land, sondern auch deren fachgerechte Konservierung und die andauernde Beforschung und Veröffentlichung dieser einzigartigen Zeugnisse Vorarlberger Kultur.

beinah an einer Hand abgezählt werden. Der Gedanke, die Bücher nach einer Restaurierung und Faksimilierung dem Vorarlberger Landesmuseum zu schenken und damit die Lehrgänge der Öffentlichkeit zu übergeben, kam mir immer häufiger. Die Entstehungsart und Zweckbestimmung der beiden Bänder als Lehrstoff und Vorbildsammlung ist unverkennbar und vermittelt Einblick in die theoretische Ausbildung des Bregenzerwälder Barockbaumeister-Nachwuchses auf der Grundlage der ArchitekturTraktate von Daviler, Sturm und Pozzo, aus denen nachgezeichnet wurde. Auch an Werner Oechslin wurden die Bücher zur wissenschaftlichen Bearbeitung übergeben. Dieser hat 1973 die ganz konkreten Bezüge zu Einsiedeln hervorgehoben und die Funktion „Bildungsvermittlung“ an Caspar Moosbrugger (1656-1723) herangerückt, doch blieb es stets bei der Hypothese einer Moos-

Silvia Groß

bruggerschen Verursachung. Oechslin sagt, dass die Autorenfrage nach wie vor offen bleiben müsse und man wohl auch mit verschiedenen Händen rechnen

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Tobias G. Natter, Ute Pfanner (Hg) Architectura Practica 95 Seiten, Format 21,5 x 15,5 cm Gebundene Ausgabe Verlegt vom vorarlberg museum ISBN-13: 978-3901802263

sollte. Dieser Ansicht ist die Einschätzung der Funktion der Auer Lehrgänge als Bildungsinstrumente zuzuordnen.


Alte Funde in neuem Kleid – Museum Urgeschichte in Koblach wiedereröffnet Anlässlich der „Langen Nacht der Museen“ am ersten Oktoberwochenende wurde das kleine archäologische Museum in Koblach nach längerer Schließzeit wieder eröffnet. Prähistorischer Siedlungsplatz Kummenberg Die Geschichte dieser Ausstellung geht längere Zeit zurück. Die Gemeinde Koblach ist am Kummenberg gelegen, dem bislang ältesten bekannten Siedlungsplatz Vorarlbergs. Ausgrabungen unter der Leitung des ehe-

maligen Leiters des Vorarlberger Landesmuseums Prof. Dr. Elmar Vonbank zwischen 1950 und 1965 ergaben eine Siedlungstätigkeit von der Mittel- und Jungsteinzeit bis in die Bronzezeit (8.-1.Jt.v.Chr.). Zwei Fundstellen am Kummen, die sog. „Krinnenbalme“ und die „Rheinbalme“ heben sich hervor, sowie die „Glitzbalme“ auf

Strukturwandel in Haus, Stall und Garten In der Ausstellung „Haus, Stall, Garten“, bekamen die BesucherInnen anhand der Hausgeschichte und den daraus resultierenden Reflexionen heimischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler – darunter Mirjam Dröge (Berlin), Hubert Lampert (Götzis), Sabine Marte (Wien), Michael Mittermayer (Bings), Carmen Müller (Meran), Ute Schendel (Basel) sowie Uta-Belina Waeger (Dornbirn) – Einblicke in den ländlichen Strukturwandel und eine Nutzungsform der regionalen Geschichte, die durch die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft endgültig Teil der Vergangenheit geworden ist.

dem kleineren Inselberg Neuburghorst, alle drei auf dem Gemeindegebiet von Koblach gelegen. Diese Balmen sind Felsüberhänge, die vor Witterungseinflüssen schützten und als kleine Siedlungsareale und Lagerplätze genutzt wurden. Auf dem Kadel im Westen des Kummenbergs, dem Rhein zu gelegen, wurde eine bronzezeitliche Siedlung lokalisiert. Dieses Gebiet ist heute durch den Steinabbau der Rheinbauleitung verloren gegangen.

Museum vor Ort Eine Vielzahl von Funden wurde im Rahmen dieser Ausgrabungen ans Tageslicht gebracht und war in einer Auswahl im ehemaligen Vorarlberger Landesmuseum ausgestellt. Schon kurz nach den Grabungskampagnen der 50er Jahre wurde die Idee eines Museums vor Ort in der Gemeinde Koblach diskutiert. Es dauerte aber schließlich bis 1990 bis aus dieser Idee ein konkretes Projekt wurde. Federführend für die Konzeption waren damals Dr. Christine Rhomberg- Spiegel und Dr. Hermann Fetz. Im Gemeindezentrum wurde dafür extra ein Raum zur Verfügung gestellt und vom ehemaligen Bürgermeister Reinhold Madlener auch mit Führungen betreut. Diese Aufgabe wurde in der Folge von Bürgermeister i.R. Werner Gächter weitergeführt. Immer wieder fanden Interessierte den Weg in diese Ausstellung,

Ausstellungs-und Veranstaltungsräumlichkeiten im letzten Jahr abgeschlossen wurde, war es für Obmann Helmut Schlatter naheliegend, das ehemalige Bauernhaus und seine Nutzungsformen von den Anfängen bis in die Gegenwart in den Mittelpunkt zu stellen.

Hausgeschichte Den Anlass für dieses Thema bot das Haus selbst: nachdem das ehemalige Landwirtschaftsgebäude zur ARTENNE umfunktioniert und der Umbau zu

Ausstellung Migrationen in der Geschichte Lustenaus Freitag, 30. September bis Sonntag, 18. Dezember 2011 Galerie Stephanie Hollenstein, Lustenau Die Ausstellung wirft ein Licht auf den Prozess der Ein- und Abwanderung der Gemeinde Lustenau und versucht der Frage nachzugehen, welche Auswirkungen Migration auf das Leben in Lustenau hatte. Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung widmet sich der Zeitgeschichte und stützt sich auf die Arbeit mit Zeitzeugen.

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Dabei ermöglichte die hauseigene Depotsammlung einen Blickwinkel aus verschiedenen Perspektiven auf die Hausgeschichte, die vorwiegend durch Frauen geprägt, doch männlich dominiert wurde. Rahmenprogramm Lustenauer Archivgespräche 3/2011 "Zwangsmigration: ZwangsarbeiterInnen in Vorarlberg" mit Dr. Werner Bundschuh Montag, 7. November, 20.00h, Galerie Hollenstein Bibliothek Lustenau "Willkommen! Willkommen?" Geschichten, Theater und Tatsachen zum Thema "Migration" mit Peter Ladstätter Donnerstag, 10. November, 20.00h, Bibliothek Pontenstraße "gastarbajter" Film von Renate Dukic, im Rahmen der Ausstellung "Migrationen in der Geschichte Lustenaus" Dienstag, 15. November, 20.00h, Kinothek Lustenau

die auch bei Lehrern und Schülern aus den Schulen der umgebenden Gemeinden ein beliebtes Ziel war. Neue Räumlichkeiten Im neu von Architekt DI Dietmar Walser geplanten, 2010 eröffneten, Gemeindezentrum „DorfMitte“ hat auch das Museum erneut seinen Platz gefunden und ist nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Ausgestellt sind repräsentative Funde vom Kummenberg und anderen prähistorischen Fundorten in Vorarlberg. Ein Modell der

Krinnenbalme (Schulprojekt einer Hauptschule) zeigt die Landschaft dieser Wildbeuter und frühen Bauern. Weitere Modelle wie Webstuhl, Steinbohrer- und Säge, prähistorisches Haus u.a. ergänzen die Fundstücke in den Vitrinen. Unter der Leitung von Archäologe Mag. Gerhard Grabher vom vorarlberg museum wurde die „alte Ausstellung“ in neuen Vitrinen den modernen Räumlichkeiten angepasst. Man muss an dieser Stelle den Verantwortlichen, Bürgermeister Fritz Maierhofer und Altbürgermeister Werner Gächter, danken, die mit finanzieller Unterstützung und viel Engagement zur Existenz dieses Museums beigetragen haben. Öffnungszeiten: Öffnungszeiten der Gemeinde Führungen nach Terminabsprache Judith Niederklopfer-Würtinger

Rundgänge durch Stall, Garten und die unmittelbare Nachbarschaft erläuterten die Veränderungen der Hausund Grundstücksnutzungen. Auch die baugeschichtliche Bedeutung der ARTENNE – handelt es sich bei diesem Gebäude doch um eines der größten und wenigen seiner Art, die im Walgau noch erhalten sind und somit zu den Objekten in Nenzing gehören, die als Zeugnisse einervergangenen bäuerlichen Kultur im Gegensatz zu Aussiedlerhöfen ins Dorfleben integriert waren – wird thematisiert. Mit der Ausstellung „Haus, Stall und Garten“ wurde die ARTENNE in Nenzing, die als Plattform für Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur im ländlichen Raum das Bewusstsein für Kulturerbe für die regionale Bevölkerung stärken und dadurch einen Zugang zur zeitgenössischen Kunst und Kultur schaffen möchte, mehr denn je ihrem Leitbild gerecht. Nähere Details zur ARTENNE Nenzing sind für Interessierte unter www.artenne.at zu finden. Susanne Emerich Lustenauer Archivgespräche 4/2011 "Displaced Persons" mit Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Thomas Albrich Montag, 21. November, 18.30h, Galerie Hollenstein Lustenauer Archivgespräche 5/2011 "Lustenauer Amerikaauswanderer" mit Mag. Meinrad Pichler Montag, 5. Dezember, 18.30h, Galerie Hollenstein Lustenauer Archivgespräche 6/2011 "Gastarbeiter - Migrationen in der jüngeren Geschichte Lustenaus" mit Oliver Heinzle Montag, 19. Dezember, 18.30h, Galerie Hollenstein Führung für Mitglieder des VLMV mit Kurator Wolfgang Scheffknecht Do, 16.12. 2011 um 19.00h


Rock ‘n’ Roll im „Wauld“

Plumpsklo am Ende eines langen Ganges in Richtung Stall war…“, erinnert sich ein Urlauber an seine ersten Ferientage im Bregenzerwald. In Egg wurde für die Sommergäste auch das erste Speiseeis nach dem Krieg angeboten – die Nachfrage war hoch, so benötigte beispielsweise der Gasthof Ochsen in Egg 40 Liter Milch zur Eisherstellung an einem Wochenende.

Zurückversetzt in die 50er-Jahre fühlten sich noch bis Ende Oktober 2011 BesucherInnen des EGG-Museum. Verschiedene Themenbereiche skizzierten ein Bild jener Zeit, die von Gegensätzen auf der Weltbühne und auf den meisten Dorfbühnen geprägt war.

Neue Baukultur

Puchroller und Sommerfrische Der moderne Minirock traf auf die traditionelle Juppe und Rock ‘n’ Roll auf Volksmusik. Auch die Mobilität wurde in den 50ern neu definiert. Das Motorrad begann seinen Siegeszug ebenso wie der boomende Tourismus: “Meine erste Begegnung mit Zimmervermietung im Bregenzerwald hatte ich, als ich mit meiner Familie in Mellau im Jahre 1954 Urlaub machte. Es war für meine Eltern, die 1951 von Wien nach Vorarlberg gezogen waren, der erste Urlaub seit dem Ende des Zweiten

Natürlich änderte sich auch das Bauen im Bregenzerwald in den 50ern. Holz wurde in weiten Teilen durch Ziegel, Hohlblocksteine und Betondecken ersetzt und führte zu einer architektonischen Zäsur im Landschaftsbild. Susanne Emerich Weltkriegs. Von dieser Zeit ist mir vor allem in Erinnerung, dass wir uns nach kurzer Zeit überessen hatten und dass die Magenverstimmung als Folge recht unangenehm war, weil die Toilette noch kein WC sondern ein

Tag des Denkmals in Vorarlberg – „aus Holz“ „Lange Nächte“ gibt es mittlerweile einige – Museen präsentieren sich zu diesen Anlässen genauso wie Forschungseinrichtungen. Denkmäler, die der Öffentlichkeit häufig verborgen bleiben, wurden anlässlich der European Heritage Days (EHD) – also tagsüber – in 49 europäischen Ländern geöffnet. Millionen Besucher nutzten die Möglichkeit, ihr kulturelles Erbe auf diese Art und Weise zu entdecken. In Vorarlberg besuchten am 25. September 2011 rund 4.500 Personen am Tag des Denkmals Objekte, die unter dem Motto „aus Holz“ zugänglich gemacht wurden. Die Besucherzahl konnte im Vergleich zum Vorjahr damit um 20 Prozent gesteigert werden.

46 Denkmäler öffneten zum Tag des Denkmals, der in enger Kooperation des Bundesdenkmalamts mit dem Land Vorarlberg durchgeführt wird, ihre Pforten. Die Bandbreite reichte von Kirchen und Klöstern über Gasthäuser, Museen, landwirtschaftliche Objekte bis hin zu

Familientag 2011 – Nachts im Museum, Kunsthaus und Theater

nen Haus zu Gast. Das Lichtspiel der Taschenlampen bringen die seltsamen und lustigen Objekte zum Sprechen. Die Führungen um 16, 17 und 19 Uhr bieten also einige Überraschungen.

Jährlich locken das vorarlberg museum, das Kunsthaus und das Landestheater Tausende Menschen zu Ausstellungen, Workshops und Theateraufführungen. Doch nachts bleiben die Gebäude meist verschlossen. Am diesjährigen Familientag öffnen sich die Türen ausnahmsweise auch abends. Schnappt euch eure Taschenlampen und entdeckt Kunst und Kultur im dunkeln.

Nachts im Kunsthaus Die bekannte österreichische Künstlerin VALIE EXPORT zeigt im KUB eine Auswahl ihres Archivs. Die Taschen-

Mit Taschenlampen ausgerüstet machen sich Groß und Klein auf den Weg rund um die Baustelle bei Nacht. Anschließend sind wir mit einer Ausstellung zu Bau und Geschichte des Landesmuseums im stockdunklen Klei-

Christof Thöny

Nachts im Theater Das Kleine Haus wird am Familientag von unheimlichen Nachtgestalten bevölkert, wenn um 18 Uhr Schauspieler zusammen mit den Kindern ein Mitmachtheater veranstalten. Um 20 Uhr rundet das Stück „Bisswert – ein richtiger Mensch“ den nächtlichen Familientag ab. Das Zelt vor dem Kleine Haus verwandelt sich in eine Kantine für Nachtschwärmer. Der Jugendclub versorgt die Besucherinnen und Besucher mit schaurigen Snacks. Familientag 2011 Samstag, 5. November 2011, 16 bis 21h Eintrittskarten erhalten sie an der KUB Kasse.

Am ersten Samstag im November laden Museum, KUB und Theater die ganze Familie zu einer Entdeckungsreise ins Reich der Schatten ein. Von 16 – 21 Uhr gibt es Taschenlampenführungen, Theaterstücke und Workshops. Die Nachtschwärmer werden vom Jugendclub bewirtet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber die Teilnehmerzahl bei den Führungen ist begrenzt. Unbedingt Taschenlampe mitbringen!

Nachts rund ums vorarlberg museum

bemerkenswerten Brücken aus Holz. Alle teilnehmenden Denkmäler waren ganztags der Öffentlichkeit zugänglich und präsentierten spezielle Programme – etwa Spezialführungen, Ausstellungen oder Konzerte. In acht Denkmal-Treffpunkten wurden den zahlreichen BesucherInnen nähere Informationen sowie kulinarische Verköstigung geboten. Alle Kinder waren mit dem Holzwurmsammelpass zur Entdeckungsreise mit ihren Eltern, Großeltern, Verwandten oder Freunden eingeladen. Für jedes gelöste Holzwurm-Rätsel konnte ein Stempel im Sammelpass eingetragen werden – für drei Stempel erhielten die Kinder ein Holzspielzeug. Der Tag des Denkmals beweist, dass das häufig diskussionsbeladene Thema der Denkmalpflege durch gezielte Aktionen auch stark positiv konnotiert werden kann.

Info: Kunsthaus Bregenz, Kunstvermittlung, Kirsten Helfrich, Karl Tizian Platz, 6900 Bregenz, Tel.:05574 48 59 44 15, k.helfrich@kunsthaus-bregenz.at Ein Familienticket kostet 5,-Euro. Bis zu zwei Erwachsene und ihre Kinder können damit alle Angebote nutzen. lampenführungen um 16, 17 und 19 Uhr setzen Spots auf Skizzen und Installationen wichtiger Arbeiten. In einer anschließenden Aktion dürfen Kinder und Erwachsene selbst Objekte ertasten. In der durchgehenden Nachteulen-Werkstatt werden gruslige Requisiten für das Mitmachtheater hergestellt.

Markus Barnay Vorarlberg: Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart 176 Seiten, Format 18,8 x 11,4 cm Broschiert Haymon Verlag ISBN-13: 978-3852188614

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Anja Rhomberg


Neues von der Ruine Blumenegg Eine sorgenvolle Betrachtung hinsichtlich der Erhaltung der Burgruine Blumenegg erschien in der Ausgabe 1 des museum magazin. Der Verein der „Burgfreunde Blumenegg“ und der Burgenausschuss des Vorarlberger Landesmuseumsvereins sind weiterhin intensiv bemüht, Lösungen für die Rettung des bedeutendsten Herrschaftssitzes im südlichen Vorarlberg zu finden, um die Burgruine einer zukünftigen Nutzung zuführen zu können.

Finanzierung der ersten Etappe noch nicht abgeschlossen Die erste Etappe der Sanierung der Burgruine wurde im Oktober und November 2010 durch den Verein „Burgfreunde Blumenegg“ in Auftrag gegeben, wobei ein reduziertes Budget in Höhe von ca. 37.000 Euro vorgesehen war. Der in den letzten Jahren immer mehr beschleunigte Verfall der Anlage machte dringliches Han-

Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen Obmann Hans Bösch, Stellvertreterin Alexandra Wucher und die Vorstandsmitglieder der Burgfreunde Blumenegg haben sich in den vergangenen Monaten intensiv darum bemüht, durch Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlungsaktivitäten die Dringlichkeit der Sanierung der Ruine Blumenegg ins Bewusstsein zu rücken. Führungen unter der Leitung von Harald Rhomberg und Raimund Rhomberg wurden im Rahmen der Generalversammlung des Vorarlberger Landesmuseumsvereins sowie für die Mitglieder des Geschichtsvereins Region Bludenz angeboten. Speziell für die Volksschulen des Walgaues und des Großen Walsertales fand am 1. Juni 2011 der erste Kinderburgtag mit mehr als 90 Teilnehmern statt. An vier Stationen wurde in spielerischer Form zum Mitmachen angeregt und gleichzeitig die Geschichte der Ruine vermittelt. Die Organisation weiterer Aktivitäten haben sich die Burgfreunde Blumenegg im kommenden Jahr zur Aufgabe gemacht, wobei auch die Kooperation mit Kulturveranstaltern aus der Region angestrebt wird. Blumenegg als Teil der Walgau-Identität

Die Burgruine Blumenegg befindet sich in Privatbesitz, doch übersteigt die Finanzierung der Sanierung aus Privatmitteln die Möglichkeiten des Eigentümers naturgemäß beträchtlich. Der 2007 gegründete Verein „Burgfreunde Blumenegg“ sicherte sich deshalb vertraglich die Möglichekti zur Sanierung und Nutzung der Anlage für einen Zeitraum von 25 Jahren zu. Das Konzept sieht jährliche Bauetappen in einem Ausmaß von sechs bis acht Wochen vor, wobei je nach finanzieller Situation durch die Zusammenlegung von zwei Bauetappen allgemeine Kosten – etwa für die Baustelleneinrichtung – effizienter gestaffelt werden könnten.

deln unumgänglich, obwohl noch keine Förderzusagen über das gesamte Budget vorlagen. Derzeit ist noch ein Betrag in Höhe von ca. 11.000 Euro offen, für den der Förderverein haftet. Hinsichtlich der Finanzierung wurden zahlreiche Gespräche mit dem Land Vorarlberg, dem Bundesdenkmalamt und den betroffenen Gemeinden geführt. Eine Arbeitsgruppe hat sich in zwei Workshops mit den Möglichkeiten der Sanierung und der zukünftigen Nutzung der Ruine Blumenegg auseinander gesetzt.

Interregionale Alpgespräche in St. Martin im Calfeisental

von St. Martin – insbesondere des Kirchleins – begann Mitte des 20. Jahrhunderts. Schon bald eröffnete eine kleine Gastwirtschaft ihren Betrieb. 1973 übernahm Klemens Nigg die Führung der Walsersiedlung; heute wird der Gastronomiebetrieb im Sommer von Christian Lampert und seiner Familie geführt.

Ein Alpkäsfest als Initiative zur Erhaltung der historischen Batzenalpe bildete 1999 in Schröcken den Auftakt zu den Alpgesprächen, die nunmehr mit dem „Alpmuseum uf m Tannberg“ verbunden waren. Bis 2006 fanden sich die Teilnehmer jeweils Ende September in Schröcken ein, während im Jahr 2007 die Alpgespräche erstmals „auf Wanderschaft“ gingen. Fortunat Ruffner, Andreas Rudigier und Christof Thöny organisierten die Veranstaltung damals in der historischen Walsersiedlung Guscha (CH). Diese drei zeichneten auch für die Austragung der Alpgespräche am 24. September 2011 in St. Martin im Calfeisental verantwortlich. St. Martin im Calfeisental Um 1300 wurde St. Martin im Calfeisental von Walsern besiedelt. Bereits damals entstand das kleine, heute noch erhaltene Kirchlein, das auf eine rund 700jährige Geschichte zurück blicken kann. Die Lebensverhältnisse inmitten der mächtigen Bergwelt waren – wie sich der heutige Besucher noch lebhaft vorstellen kann – äußerst hart. Die langen Winter erforderten sehr viel Brennholz, was, genauso wie die Alpwirtschaft, zu intensiver Rodungstätigkeit führte. Die Ansiedlung war zudem stets durch Lawinen und Muren gefährdet. Mitte des 16. Jahrhunderts setzte eine intensive Abwanderung aus St. Martin ein. Nach 1652 verließ schließlich die letzte Familie die Walsersiedlung. Die Abgeschiedenheit und die schlechte Verkehrsanbindung hatte sie zu diesem Schritt bewogen. Die Renovierung der verbliebenen Gebäude

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Interregionale Alpgespräche Christian Lampert trat auch als Gastgeber der 13. Interregionalen Alpgespräche auf, die unter der Patronanz des Vereins „Pro Walsersiedlung St. Martin“ veranstaltet wurden. Der Förderverein bemüht sich seit Jahren mit verschiedenen Initiativen um die Finanzierung der zukünftigen Erhaltung von St. Martin. Thematisch widmeten sich die Alpgespräche dem Verhältnis von Kulturlandschaft und Tourismus – mit dem Hintergrund, dass der gesamte Alpenraum in den vergangenen Jahrzehnten massiv durch den Tourismus geprägt worden ist. Damit einher geht ein massiver Wandel der traditionellen Kulturlandschaft. Die Pflege der – oftmals beworbenen – „Alpenlandschaft“ ist mit beträchtlichem Aufwand verbunden, weshalb die Frage der Erhaltung von historischen Objekten auch den Tourismus beschäftigt. Referate mit unterschiedlichen Ansätzen Thematische Vielfalt zeichnete die verschiedenen Referate aus, die von Moderator Andreas Rudigier jeweils eingeleitet wurden. Einen Vorarlberger Weg des Umgangs mit traditioneller Kulturlandschaft zeigte Ruth Moser auf: Die Geschäftsführerin des Biosphärenparks Großes Walsertal beschrieb unterschiedliche Aktivitäten und die Entwicklung nachhaltiger touristischer Angebote in ihrer Region. Die Konflikte zwischen Mensch und Tier in der touristischen Nutzung der Naturlandschaft zeigte

Es bleibt zu hoffen, dass der Blick auf die Ruine Blumenegg in absehbarer Zeit weniger sorgenvoll sein muss. Besonders die betroffenen Gemeinden im Walgau werden hoffentlich den Wert „ihrer“ Burganlage erkennen und die Rahmenbedingungen für eine zukünftige Erhaltung schaffen. Die Burgfreunde Blumenegg setzen jedenfalls Hoffnung in die neu entstehende Regio Walgau, für deren Identität die gemeinsame Geschichte – die in markanter Weise in den Burgruinen der Talschaft deutlich wird – eine bedeutende Rolle spielen kann. Christof Thöny

der Wildhüter Rolf Wildhaber anhand einiger bezeichnender Bilder auf. Den Beitrag der Alpwirtschaft für die Erhaltung der Kulturlandschaft beschrieb Markus Hobi als Präsident der Alpwirtschaftskommission des St. Galler Bauernverbands. Das touristische „Tagesgeschäft“ brachte Björn Caviezel den TeilnehmerInnen näher, der als Geschäftsführer der Tourismus Heidiland AG auch den Bereich des Calfeisentals vermarktet. Der Historiker Hans Jürg Gredig schließlich betonte in seinem abschließenden, sehr spannenden Referat die Bedeutung der eigenen Ressourcen für den Kulturtourismus. Gredig arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle für Tourismus und nachhaltige Entwicklung in Wergenstein (Graubünden), die Konzepte für nachhaltigen Tourismus entwickelt, welche auch für Vorarlberg beispielgebend sein könnten. Nach einer Mittagspause mit anregenden Gesprächen versammelten sich die TeilnehmerInnen zu einer Führung durch die Walsersiedlung St. Martin, geleitet von Dr. Hans Jörg Keel als Präsidenten des Fördervereins und dem Journalisten Axel Zimmermann. Bei herrlichem Wetter fand die Tagung im Calfeisental ihren Abschluss – und die Fortsetzung der Alpgespräche 2012 in Lech am Arlberg wurde bereits angekündigt. Christof Thöny


Michael Kasper (Schruns)

Kurt A. Czurda (Bregenz)

Armut und Reichtum im Montafon um 1800

Kaspar Albrecht Bildhauer und Architekt im Bregenzerwald und in Wisconsin. Seine Skulpturen und Kapellen.

Mo. 7.11. 2011, 19.00h Vortragssaal im Stadtmuseum Dornbirn (Marktplatz 11): Mit der Skizzierung der Phänomene „Armut“ und „Reichtum“ soll ein Beitrag zur derzeit – nicht nur in den Geschichtswissenschaften – rege geführten Diskussion um die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zu materiellen Gütern und deren Verteilung in der Gesellschaft am Beispiel des Montafons geliefert werden. Die Zeit um 1800 erscheint aus heutiger Perspektive als eine „Sattelzeit“ zwischen zwei großen historischen

Epochen, als eine Zeit des Umbruchs zwischen der alten traditionell ständischen Gesellschaft und der neuen bürgerlichen Lebensweise. Die Lage weiter Bevölkerungskreise war in den Jahren zwischen 1792 und 1815 höchst problematisch, als nahezu ununterbrochen Kriege, politische Umwälzungen sowie damit in Zusammenhang stehende soziale und wirtschaftliche Komplikationen weitreichende Verarmungsprozesse in Gang setzten oder verstärkten, aber andererseits auch vereinzelt die Akkumulation großer Vermögen ermöglichten.

Mo. 21.11. 2011, 19.00h Vortragssaal im Stadtmuseum Dornbirn (Marktplatz 11): Kaspar Albrecht, 1889 bis 1970, war ein Bregenzerwälder akademischer Bildhauer und Architekt aus Au-Rehmen. Seine Abstammung kann in direkter Linie auf einen der namhaften Vorarlberger Barockbaumeister, Franz II. Beer, ebenfalls aus Au stammend, zurückgeführt werden. Kaspar Albrechts Arbeitsschwerpunkt lag in der Kriegerdenkmal-Bildhauerei und im Schaffen von Skulpturen in Holz für die Ausstattung von Kapellen im Bregenzerwald. Hervorzuheben sind seine Kruzifixe. Zwei insgesamt vierjährige USA Aufenthalte führten zur beauftragten Planung und Errichtung eines Wälderhauses in Kohler Village, Wisconsin. An den Akademien in München und Wien erlernte er die Bildhauerei und traf mit Künstlern der "Moderne" und "Neuen Sachlichkeit" zusammen.

Maria Bader, Julia Kopf (Innsbruck)

Von den Anfängen des römischen Brigantium Aktuelle Erkenntnisse zur Bregenzer Siedlungsgeschichte aus den archäologischen Grabungen am ‚Böckleareal’. Mo. 28.11. 2011, 19.00h Vortragssaal im Stadtmuseum Dornbirn (Marktplatz 11)

Edith Hessenberger (Innsbruck)

„Zimmer frei.“

Tourismusgeschichte aus der Perspektive von Vorarlberger/innen. Mo. 14.11. 2011, 19.00h Vortragssaal im Stadtmuseum Dornbirn (Marktplatz 11): Der wirtschaftliche Aufschwung in den Nachkriegsjahrzehnten war eng verknüpft mit dem Wiederaufleben des Tourismus. Für viele Familien, die bislang vor allem von der Landwirtschaft gelebt hatten, stellte die Zimmervermietung eine wertvolle Einnahmequelle dar, die schließlich auch die Modernisierung in den Haushalten vorantrieb. Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen (Hörbeispiele) erlauben interessante Einblicke in das Erleben dieses Aufschwungs, in dessen ersten Jahren sich die vermietenden Familien noch den privatesten Lebensraum mit den Gästen teilten. Mit dem Wandel vom Sommer- hin zum Wintertourismus setzte schließlich auch ein Wandel in der Kultur der Gastlichkeit ein und der Tourismus professionalisierte sich.

Bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ist bekannt, dass das Gebiet des heutigen Ölrain das Kerngebiet der römischen Siedlung Brigantium darstellte. Im Jahre 1894 wurde das Gelände des späteren ‚Böckleareals’ von Samuel Jenny erstmals archäologisch untersucht, wobei drei repräsentative Steingebäude und Teile der wichtigen Alpenrheintalstraße aus der Römerzeit entdeckt wurden. Bei den 2009 bis 2010 durchgeführten Ausgrabungen konnten diese Ergebnisse um wertvolle Erkenntnisse erweitert werden. Die nach dem modernsten Stand der Grabungstechnik durchgeführten Untersuchungen ergaben die Reste von Holzfachwerk- und Steingebäuden aus insgesamt sieben Siedlungsphasen. Die von Samuel Jenny entdeckten Steingebäude stellen dabei die letzte Phase einer zwei Jahrhunderte andauernden römischen, militärischen und zivilen Nutzung des heutigen ‚Böckleareals’ dar.

Im Anschluss an den Vortrag wird das Jahrbuch der Vorarlberger Landesmuseumsverein 2011 präsentiert. Informationen: brigitte.truschnegg@vlmv.at

Radiolarit und Hornstein, Material steinzeitlicher Waffen und Werkzeuge Immer wieder tauchen in der frühgeschichtlichen und archäologischen Literatur Hinweise – in gewisser journalistischer Ausformung Meldungen von Sensationsfunden – über die steinzeitliche Verarbeitung von Radiolariten und Hornsteinen zu Pfeilspitzen, Messern, Schabern etc. und ihre Herkunftsgebiete auf. In diesem Zusammenhang von „Ausgrabungen“, „Entdeckungen“, „Fundorten“, „größten Vorkommen“ etc. zu sprechen lässt an archäologische Ausgrabungen, Ruinenfunde, kurz, an Heinrich Schliemann, nicht an geologische Vorkommen, denken. Stratigraphie und Tektonik Nicht archäologische Entdeckungen, sondern geologische Erkenntnisse paläogeographischer Verhältnisse in der Tethysentwicklung und tektonischer Gebirgsbildungsprozesse, geologische Feld- und Kartierungsarbeit und geologisch-petrologische Analysen haben zur Kenntnis über die regionalen, in den Ostalpen und auch in Vorarlberg weit verbreiteten geologischen Vorkommen von Radiolarit und Hornstein geführt. Diese Vorkommen sind auskartiert und in allen regional relevanten geologischen Kartenblättern zu finden. Dazu exemplarisch für Vorarlberg: geologische Karte Blatt 112 Bezau, geologische Karte von Bayern Blatt Oberstdorf, geologische Karte der Lechtaler Alpen, geologische Karte Blatt Rätikon, geologische Karte Arlberggebiet, geologische Karte von Vorarlberg, etc. etc. Gerade auch auf die alten Kartenblätter von Ampferer und Reithofer, die z. T. schon vor dem ersten Weltkrieg entstanden sind, sei hingewiesen, weil sie die seit nunmehr über hundert Jahren in der Geologie angewendete stratigraphische Einordnung und die Kenntnis ihrer tektonischen Lagerungsverhältnisse belegen. Stratigraphische Hauptvorkommen in den Ostalpen Radiolarit im Kalkalpin in den oberen Allgäuschichten (Zeitstufe Jura, ob. Dogger) Hornstein im Helvetikum im Kieselkalk (Zeitstufe unt. Kreide) Bildungsbedingungen und Chemismus Hornstein und Radiolarit sind überwiegend amorphe Kieselsäurederivate, d. h. Siliziumdioxid, SiO2 in kristallisierter oder amorpher Form. Ähnlich wie im Karneol, Achat oder Onyx sind auch Radiolarite und Hornsteine wasserarme amorphe Sauerstoffverbindungen des Siliziums. Das Silizium findet sich in den Hartteilen, spiculae, Skelette, verschiedener mariner Organismen, die ab einhundert Meter Wassertiefe bis in die Tiefsee von viertausend Metern hinab ihr Biotop vorfinden und dort einsedimentiert werden. Im Hornstein sind überwiegend Schwammnadeln nachzuweisen, weshalb auch die petrographische Bezeichnung „Spongiolith“ in der wissenschaftlichen Literatur Verwendung findet. Radiolarite hingegen sind Lithifizierungen aus einzelligen Radiolarien, Rhizopoden, deren Skelette auch rezent wesentliche Bestandteile toniger Tiefeseesedimente sind. Beide Vorkommen, Radiolarite und Hornsteine, finden sich als Knollen und Linsen, als Bänder und in dünnen Lagen, je nach Eisen- und Mangangehalt verschieden gefärbt, als Zwischenschaltungen in Kalkformationen und Tonschiefern. Kurt A. Czurda

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Brigitte Truschnegg Thüringerberg Ein Dorf und seine Geschichte(n) 367 Seiten, Format 23,5 x 17 cm Gebundene Ausgabe Herausgegeben von der Gemeinde Thüringerberg ISBN-13: 978-3902225450


Mutprobe im Schneckenloch. Mit den Höhlenkundlern unter Tage Sie ist die längste Höhle Vorarlbergs. Aber nicht jede oder jeder, die bzw. der sich in den Schlund begibt, verspürt die Lust, die gesamte Länge der Höhle ausreizen zu wollen. Der Bregenzerwald verfügt zweifellos über sanftere Kulturlandschaften als jene, die sich in der Schneckenlochhöhle offenbart. Die Höhlenwanderung nimmt ihren Ausgang in Schönebach und verrät angesichts des romantischen Ambientes der Vorsäßlandschaft wenig von den physischen und psychischen Strapazen, welche jene Exkursionsteilnehmerinnen und Teilnehmer, die bis zum Schluss durchhalten, noch zu erdulden haben. Ja, doch – die Ausfassung der Ausrüstung (Schutzanzug mit Helm) beim Start der Wanderung lässt zumindest erahnen, dass sich die Rah-

ginnt. Ein riesiger dunkler Schlund und ein kalter Luftzug heißen die Höhlenkundler wenig herzlich willkommen. Emil erklärt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, welche Schutz- und Sicherungsmaßnahmen notwendig sind, wenn ein Höhlenforscher in den Berg fährt. Schutzanzug, feste Schuhe, Helm, Stirnlampe mit Ersatzbeleuchtung (Jörg hat noch die gute alte Karbidlampe bei sich!) und das Seil sind Teil davon. Ein Rucksack hingegen kann nicht

überall mitgenommen werden und bleibt beim Eingang liegen. Auch das Handy macht mangels Empfang keinen Sinn. Jörg erzählt, dass Höhlenforscher immer den Beginn und das vermutete Ende ihrer Fahrt zu melden haben, damit bei fehlender Rückmeldung sofort mit den Suchmaßnahmen gestartet werden kann. menbedingungen, welche der schöne Augusttag eigentlich zu geben bereit ist, ändern werden. Es bedarf etwa einer guten Stunde des leichten Ansteigens in der wildromantischen Landschaft des Bregenzerwalds, bis sich der Eingang der Schneckenlochhöhle abzuzeichnen be-

Termine Exkursionen 2012 Andalusien Rundreise Ronda – Jerez –Cadiz – Sevilla – Cordoba – Granada – Costa del Sol Freitag 13. bis Freitag 20. April 2012 Deutsche Kaiserdome –Ruhrgebiet Speyer, Worms, Trier, Limburg, Aachen, Essen Zeche Zollverein Weltkulturerbe Sonntag 3. bis Samstag 9. Juni 2012

Der ausgetretene Pfad in die Höhle zeigt, dass vor uns schon viele Menschen ins Dunkel getreten sind. Der Weg führt durch ein steinernes Meer und hält erstmals vor der sogenannten Leiterwand. Hier ist ein Seil not-

Österreichische Museums-Rallye Innsbruck, Graz, Wien, Salzburg Montag 9. bis Sonntag 15. Juli 2012 München und Oberbayern Dachau, München, Murnau, Steingaden, Oberammergau Ettal, Linderhof Dienstag 4. bis Donnerstag 6. September 2012 Venezianische und Palladio Villen Ferrara, Vicenza, Brenta Schifffahrt, Venedig, Ferrara die Stadt der Fam. Estensi Dienstag 23. bis Samstag 27. Oktober 2012

wendig, um den kleinen Felsvorsprung sicher zu überschreiten. Nach etwa einer halben Stunde trennt sich erstmals der Spreu vom Weizen: Eine Engstelle im Fels kann über mehrere Meter nur kriechend überwunden werden ... dem Verfasser wird klar, dass es jetzt nicht noch enger werden darf, sonst ... und tatsächlich, gleich darauf, hinter einem kleinen Wasserfall, wird es noch

enger und während sich die mutigsten Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer in den hinteren Teil der Höhle wagen, beendet der Verfasser seine Höhlenerkundung aufrechten Ganges. Die Idee der Höhlenforscher, tief im Berg das Licht auszuschalten und in völliger Ruhe zu erstarren, ist ein spannender Höhepunkt der Veranstaltung, das Heraustreten aus der Höhle ein anderer, weitaus entspannenderer. Andreas Rudigier

Tagesexkursionen 2012 Kinder, Eltern und Großeltern erobern die Schattenburg Feldkirch Freitag 17. Februar 2012 Tag des Vorarlberger Landesmuseumsvereins Mit den Freunden des KHM Wien Bregenzer Festspiele Donnerstag 26. Juli 2012 Anmeldung: baldur.haemmerle@vlmv.at

Korrigenda museum magazin 01 Numismatischer Ausschuss Die Gesellschaft der Vorarlberger Münzfreunde trifft sich jeweils am zweiten Mittwoch des Monats. Wir bedauern den Irrtum.

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Die Vorarlberger Museen – vielfach vernetzt durch die Kulturabteilung des Landes Die Museumslandschaft Vorarlbergs ist eine äußerst vielfältige: 54 offizielle Museen werden derzeit in Vorarlberg gezählt. Rund 40 Galerien und museumsähnliche Einrichtungen beteiligen sich mittlerweile im Land sowie im angrenzenden Liechtenstein an der Langen Nacht der Museen, bei der am 1. Oktober 2011 knappe 30.000 BesucherInnen gezählt werden konnten. Vielfach kooperieren diese Institutionen untereinander in kleineren und größeren Netzwerken – auch die Zusammenarbeit mit anderen Kulturveranstaltern spielt eine bedeutende Rolle. Die Kulturabteilung des Landes Vorarlberg prägt die Vernetzung der Vorarlberger Museen ganz entscheidend. In vergangenen Jahren haben dabei verschiedene Projekte wegweisende Impulse gegeben.

Nahmen 2008 bereits 18 Museen teil, so sind es mittlerweile derer 28. Im Mittelpunkt steht dabei das Prinzip der Nachhaltigkeit: Jeder Museums-Reiseleiter erhält zu seinem Reisepass einen edlen, aus Vorarlberger Holz gefertigten Reisekoffer. Besonders begeistert zeigt sich Barbara Neyer von den kreativen Programmen, welche in den Museen häufig ehrenamtlich organisiert werden. Diese verzichten vielfach auch auf Eintritte, da anlässlich der Aktion „Reiseziel Museum“ jede Person lediglich einen Euro pro Museum bezahlt. Seitens des Landes wird fachliche Beratung durch MuseumspädagogInnen in der Programmgestaltung angeboten. Auch die Politik stellt sich hinter das Projekt – so wurde bereits die Fort-

Vorarlberger Museumstag als Auslöser Den Auslöser für zahlreiche Projekte und Initiativen sieht Barbara Neyer im jährlich stattfindenden Vorarlberger Museumstag. Dieser bietet die Möglichkeit, Anregungen aus Impulsreferaten sowie Wünsche der Verantwortlichen in den Museen zu sammeln. So wurde etwa die Idee eines gemeinsamen Internetauftritts aller Vorarlberger Museen einstmals anlässlich eines solchen Museumstages entwickelt. Weitere koordinierende Schritte zur Umsetzung von Projekten obliegen jeweils der in der Villa Wacker angesiedelten Kulturabteilung, die ihrerseits Wert auf einen demokratischen Ablauf in der Zusammenarbeit mit den Museen legt. Während in anderen Bundesländern Museumsbünde als Servicestellen fungieren, wird in Vorarlberg Wert darauf gelegt, diese direkt beim Land angesiedelt zu wissen, wie Dr. Paul Rachbauer betont. Die MitarbeiterInnen der Kulturabteilung pflegen den direkten Austausch mit allen Museen, unabhängig von deren Größe und Besucherfrequenz. Hinsichtlich der Förderungen von Projekten und Aktivitäten sind die Richtlinien bewusst weit gefasst. Grundsätzlich gilt, dass „aktive“ Museen – wie auch der Wille zur Kooperation – in besonderer Weise honoriert werden. Individuelle Lösungen, die auf die jeweiligen Institutionen zugeschnitten sind, stehen auch im Mittelpunkt des Projekts „Museumsdokumentation Vorarlberg“. Sammlungen im Mittelpunkt: Museumsdokumentation Vorarlberg In vielen Museen Vorarlberg, vor allem jenen, welche bereits auf eine mehrere Jahrzehnte dauernde Geschichte zurück blicken können, existieren bedeutende Sammlungen. Damit verbunden wurden oftmals Inventare angelegt, welche auf großem fachspezifischen Wissen basieren. Die Digitalisierung dieser Inventare erfolgt im Rahmen des Projekts „Museumsdokumentation Vorarlberg“, welches durch den Vorarlberger Landesmuseumsverein bereits unterstützt wurde. Im Interview schildert Koordinatorin Mag. Barbara Motter die Schwerpunkte ihrer Tätigkeit.

setzung im kommenden Jahr beschlossen. Zukünftig wird jeweils ein Workshop zur Abstimmung der jeweiligen Programme stattfinden. Erfreulicherweise ist die Warteliste der Museen, die sich für eine Teilnahme interessieren, sehr groß. Auch Kooperationen mit dem Städtebund Bodensee, Vorarlberg Tourismus und den Museen in Liechtenstein wurden bereits ins Auge gefasst. Einer erfolgreichen Zukunft der Vorarlberger Museen als „Reiseziele“ scheint also nichts im Wege zu stehen. Mag. Barbara Motter im Gespräch mm: Barbara, du arbeitest als Koordinatorin des Projekts „Museumsdokumentation Vorarlberg“. Welches sind dabei deine schwerpunktmäßigen Aufgaben? Nach der Projektkonzeption in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung war meine Hauptaufgabe zu Beginn die Motivierung der Museen die Inventarisierung zu starten bzw. ihr Inventar zu digitalisieren. Diese Grundaufgabe jedes Museums ist eine für das Publikum meist nicht sichtbare, relativ zeitintensive und daher nicht sehr populäre Aufgabe. Gemeinsam mit dem Projektleiter Dr. Paul Rachbauer wurden und werden den einzelnen Museen individuelle Lösungswege für die erfolgreiche Inventarisierung ausgearbeitet. Es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten des Landes, vom finanziellen Zuschuss, Verleih von Geräten und Inventarisierungsmaterial bis zur konkreten personellen Starthilfe durch Studenten im Sommer. Jedes Museum hat hier andere Wünsche und Bedürfnisse. Darüber hinaus betreue ich das gemeinsam verwendete Software-Programm MBox als Administratorin – ich gebe Schulungen, bin die Ansprechpartnerin, wenn‘s klemmt und kann manche Funktionen, wie z.B. das Verwalten des Fachvokabulars, zentral am Computer über einen Server für alle Museen durchführen. Ein weiterer wichtiger Teil meiner Arbeit gemeinsam mit meinen Kollegen und Kolleginnen der Kulturabteilung ist die Konzeption von Weiterbildungsveranstaltungen und neuen Projektschwerpunkten. mm: Welche Erfahrungen kannst du aus deiner Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Museen schildern?

den kann. Es gibt dieselben Karteikartenvorlagen für alle teilnehmenden Museen. Über die gemeinsame Lösung kann das Datenmaterial soweit angeglichen werden, dass es gemeinsam im Internet veröffentlicht werden kann. Erste Ergebnisse dieses Projektziels können seit letztem Jahr unter www.vorarlbergmuseen.at eingesehen werden. Wobei Museen mit anderen Programmen nicht ausgeschlossen werden, sondern genauso auf der Seite ihre Objekte veröffentlichen können. Es wird nur technisch etwas komplizierter. mm: Ein wichtiger Schwerpunkt ist neben der Dokumentation die Professionalisierung und Qualifizierung der Beteiligten. Welche Aktivitäten werden dabei gesetzt? Wir versuchen ein bis zwei Weiterbildungsveranstaltungen im Jahr zu organisieren. Themenwünsche kommen meistens aus den Museen selbst, wie z.B. „ Text im Museum“ oder „Oral History“. Dafür werden meist Experten von auswärts als Seminarleiter eingeladen. Die Treffen sind aber auch zum Austausch gedacht, es gibt viel Spezialwissen in den heimischen Museen. Wenn ich an das sehr gute Seminar „Trachtendokumentation“ letzten Herbst denke, dann war das eher ein anregendes Expertentreffen, als ein Weiterbildungsseminar. mm: Welche wichtigen Meilensteine sind im Rahmen des Projekts in Zukunft geplant? Das Projekt Museumsdokumentation hat letzten Herbst eine erste Projektetappe erreicht – das Sichtbarmachen von ersten Objekten im Internet. Auf www.vorarlbergmuseen.at können derzeit an die 2000 Objekte aus zehn Museen durchsucht werden. Im Herbst 2012 werden drei weitere Museen Objekte freigeben. Nächster Meilenstein in Zahlen ist sicher die 5000 KarteikartenMarke. Da jedes Museum bei der arbeitsintensiven Inventarisierung ein anderes Tempo hat, lassen sich allerdings keine einheitlichen Zeitprognosen machen. Ein bedeutender Schritt für jedes Museum ist aber natürlich der Abschluss der Grundinventarisierung – damit kann in Zukunft die eigene Sammlung bewertet, ausgewertet und aufgewertet werden. Für diese logische Folge der Museumsdokumentation haben wir ab diesem Herbst ein Angebot, die Initiative „WERTE Sammlung“, die Museen beim Entwickeln einer zukunftsfähigen Sammelstrategie unterstützen soll. Vorarlberger Museumstag 2011 Donnerstag, 17. November 2011 Walserhaus Hirschegg (Kleinwalsertal) Programm ab 9.00h Empfang der Teilnehmerinnen und Teilnehmer 9.30h Begrüßung und Eröffnung: Landesrätin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann Begrüßung und Talschaftsporträt: Bürgermeister Andreas Haid und Stefan Heim 10.00h Präsentation der zweiten Ausgabe „museum magazin“ des Vorarlberger Landesmuseumsvereins durch Dr. Andreas Rudigier „Reiseziel Museum!“ – Kurzfilm, „Lange Nacht der Museen“; Projekt „WERTE Sammlung!“

Reiseziel Museum: Kinder in die Mitte Rund 13.500 BesucherInnen wurden im Sommer 2011 an drei Sonntagen anlässlich der Aktion „Reiseziel Museum“ in 28 teilnehmenden Museen gezählt – ein starker Beweis dafür, dass sich auch diese Initiative des Landes Vorarlberg mehr als bewährt hat. Anlässlich des Vorarlberger Museumstages 2007 stellte Projektleiter Thomas Müller die Initiative „Kinder in die Mitte“ den Verantwortlichen der Museen vor. In der folgenden Diskussion wurde – gemeinsam mit der Agentur Via3, die auch für die jährliche Abwicklung der Langen Nacht der Museen verantwortlich zeichnet – das Konzept für eine neue Schwerpunktaktion entwickelt, die junge Menschen als ReiseleiterInnen in die Vorarlberger Museen locken soll. Voraussetzung für die Umsetzung war die Bereitschaft zur Teilnahme von mindestens fünf Museen; eine Zahl, welche bei weitem übertroffen wurde:

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Die letzten Jahre brachten zahlreiche sehr positive Erlebnisse in der Zusammenarbeit mit den Museen. Es herrscht eine positive Grundstimmung in der Museumslandschaft, auch wenn es bei einzelnen oft an Ressourcen fehlt. Die Leidenschaft vieler Museumsmitarbeiter/-innen für ihre Arbeit und ihr Museum ist deutlich spürbar, und das ist sehr motivierend. Ich habe es mehrmals erlebt, dass ich nach einem gemeinsamen Arbeitseinsatz in einem Museum am liebsten viel länger geblieben wäre, um mit den spannenden Objekten und besonderen Menschen weiterzuarbeiten.

10.30h Kaffeepause & Tauschbörse 11.15h Impulsreferate „Horizontfelder zwischen Werk, Vermittlung und Kommunikation“ Dr. Winfried Nußbaummüller, Kunsthaus Bregenz „Interaktive Karten von Vorarlberg Tourismus“ – Präsentation durch V-Tourismus Diskussion

mm: Welche Vorteile siehst du in der gemeinsamen Lösung mit der Software „M-Box“?

14.30h Führungen „Drechsel-Haus“ und Kirche Mittelberg

Der Vorteil der gemeinsamen Software ist, dass die Objektdokumentation möglichst einheitlich gestaltet wer-

16.00h Tagungsende

12.30h Mittagessen auf Einladung des Landes Vorarlberg


Interdisziplinäre Grenzüberschreitungen im Dreiländereck Im Rahmen des Projekts „Silvretta Historica“ fand Ende August auf der Heidelberger Hütte ein erster „Pretest“ für die zukünftige Vermittlung der Kulturgeschichte der Silvretta-Region statt. Wissenschaft und Tourismus kooperieren im Rahmen dieses Projekts auf innovative Art und Weise. Die Silvretta-Region im Dreiländereck zwischen Graubünden, Tirol und Vorarlberg stellt ein besonders attrak-

tives touristisches Ziel im Alpenraum dar und ist sowohl von Österreich wie auch von der Schweiz aus gut erschlossen. Während die angrenzenden Talschaften über Jahrtausende durch grenzüberschreitende Alpwirtschaft, Vieh- und Weinhandel sowie Arbeitsmigration in regem Austausch standen, erweist sich die gegenwärtige Zusammenarbeit als ausbaufähig. Ausgehend von sehr positiven Erfahrungen mit einer verstärkten Kooperation zwischen dem Montafon und dem Prättigau wird nun seit 2010 ein wissenschaftlich fundiertes kulturhistorisches Vermittlungsangebot zwischen dem Montafon, dem Paznaun und dem Unterengadin umgesetzt. Ausgangspunkt dieser Kooperation sind archäologische und historische Forschungen im Silvretta-Gebiet, die einen tiefen Einblick in die Kulturgeschichte dieser Region bieten. Anhand von archäologischen Fundstellen,

historischen Wegverbindungen, Orts- und Flurnamen und anderen Denkmälern bzw. historisch bedeutsamen Stätten lässt sich die bis in die Steinzeit zurückreichende Erschließung und Besiedlung, die wechselvolle Geschichte und die dynamische Mensch-Umwelt-Beziehung der Region inmitten einer eindrucksvollen Naturlandschaft nachvollziehen. Aktuelle Forschungen, welche die Universitäten Bamberg, Innsbruck, Konstanz und Zürich in enger Kooperation durchführen, bieten

herigen Arbeiten zu informieren bzw. auszutauschen. Die einführenden Vorträge, die anschließenden Besuche der aktuell laufenden Ausgrabungen im Umfeld der Heidelberger Hütte (eisenzeitliche und frühneuzeitliche Alphütten) sowie das gemeinsame Abendessen waren von sehr anregenden Diskussionen begleitet, die etwa die Bauweise und Nutzung der Hütten, die Geschichte der Alpen, aber auch die touristischen Angebote in der Region und Möglichkeiten, die Grabungsbefunde als Sta-

dabei eine hervorragende Grundlage für die Etablierung neuer kulturhistorischer Angebote, die sowohl die touristische Infrastruktur wie auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen stärken sollen und später überdies auf angrenzende Regionen ausgedehnt werden könnten.

tionen darin zu integrieren, thematisierten. Das Treffen, zu dem die Gäste zu Fuß von Ischgl bzw. Vnà her zur Hütte gewandert waren, bot den TeilnehmerInnen ebenfalls Gelegenheit, Kontakte über die Grenze hinweg aufzufrischen oder neu zu knüpfen.

Ziel des Projekts ist die Etablierung eines touristischen Angebotes, das es BewohnerInnen und BesucherInnen der Region ermöglichen soll, entweder eigenständig oder mit kulturhistorisch ausgebildeten WanderführerInnen sogenannte „Points of Interest“ im Silvretta-Gebiet aufzusuchen, an denen sich verschiedene Aspekte der Kulturgeschichte der Region und ihrer Wechselwirkung mit dem Naturraum nachvollziehen lassen. Dies reicht von archäologischen Zeugnissen früher Alpwirtschaft über alte Saumpfade, Gletschermoränen bis hin zu Stätten, an denen historisch belegte Ereignisse stattfanden. Das neue Angebot soll das Verständnis für die Silvretta-Region als einer seit Jahrtausenden von Mensch und Natur gestalteten, dynamischen und schützenswerten Kulturlandschaft fördern. Am 22. und 23. August trafen sich Wander- und BergführerInnen, JournalistInnen verschiedener Medien sowie beteiligte WissenschaftlerInnen aus diesem Grund auf der Heidelberger Hütte, um sich aus erster Hand über die Ziele, Methoden und Ergebnisse der bis-

Mit ähnlichen Absichten wird für den Sommer/Herbst 2012 im Montafon ein wissenschaftliches Kolloquium zu den vielfältigen Ergebnissen des Projektes geplant, das Einheimische und Gäste der Region gleichermaßen ansprechen soll, um im Rahmen von Vorträgen und Exkursionen Neues zur Kulturgeschichte der Silvretta zu vermitteln. Interaktive Prozesse zwischen aktueller wissenschaftlicher Forschung und verschiedenen RaumnutzerInnen sollen das Verständnis für die nachhaltige Entwicklung im ökologisch sensiblen Alpenraum zukunftsgerichtet fördern. Die kulturtouristischen Angebote, die diese Interaktion ermöglichen, sollen zur wirtschaftlichen Stärkung der beteiligten Regionen beitragen, wobei insbesondere die Etablierung grenzüberschreitender Angebote dem touristischen Programm wie auch der interregionalen Zusammenarbeit eine neue Qualität verleihen soll. In diesem Sinne kann das Angebot auch auf einer kulturhistorischen Grundlage Perspektiven für die aktuelle und zukünftige Entwicklung der Silvretta-Region aufzeigen. Michael Kasper

Werden Sie Mitglied! Mit den 22€, die Ihre Mitgliedschaft ausmacht, unterstützen Sie nicht nur die Arbeit der Museen im Lande, sondern tragen Sie auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Vorarlberg bei. Zusätzlich genießen Sie folgende Vorteile: •Kostenloses Abo des Museummagazins•Anspruch auf ein Freiexemplar des wissenschaftlichen Jahrbuches •Detaillierte Informationen über Vereinsveranstaltungen•Ab 2013 freier Eintritt in das neue vorarlberg museum Kontakt: Vorarlberger Landesmuseumsverein, Wacker Villa, Römerstraße 24, 6900 Bregenz, wackervilla@vlmv.at; Tel 0664-88624801

Herausgeber: Vorarlberger Landesmuseumsverein Römerstraße 24 A-6900 Bregenz Für den Inhalt sind die angeführten Autorinnen und Autoren verantwortlich.

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Idee und inhaltliches Konzept: Andreas Rudigier, Christof Thöny Redaktion und Beiträge: Susanne Emerich, Silvia Groß, Magdalena Häusle, Michael Kasper, Judith NiederklopferWürtinger, Anja Rhomberg, Andreas Rudigier, Christof Thöny, Brigitte Truschnegg

Produktion: Frank Mätzler Druck: Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn Auflage: 2000 Fotonachweis: Die Fotos stammen, wenn nicht anders ausgewiesen, von den jeweiligen Institutionen.

Vorarlberger Landesmuseumsverein Präsident: Andreas Rudigier Vizepräsident: Thomas Klagian Geschäftsführerin: Brigitte Truschnegg Kassierin: Karin Tagwerker-Wehinger


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