Wirkstoff
Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation
4/2026

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Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation
4/2026

Ein Sensei an der Spitze
Similasan-CEO Jure Batur erzählt im Interview über Krisen, Auswege und Karate
Innovation wird gefördert
Mit einem neuen Förderprogramm werden Ideen aus der Branche umgesetzt
Aufgeschürft oder geschnitten
Wie läuft die Wundheilung ab und wie werden Wunden fachkundig versorgt?
Branche

Auf Social Media können sich Drogerien optimal präsentieren. Aber Achtung: Bei Arzneimittelwerbung ist der Spielraum sehr klein. Like-, Kommentar- und ShareFunktionen können zu unzulässigen Laienzeugnissen führen.
Impressum Wirkstoff

Die meisten Pilze, die auf uns leben, sind harmlos – bis sie Beschwerden verursachen. Pilzerkrankungen sind zwar lästig, können aber in der Regel gut behandelt werden.
Herausgeber Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel, Telefon 032 328 50 30, info@drogistenverband.ch
Verlag vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel Geschäftsführung und Verlagsleitung: Tamara Gygax-Freiburghaus, t.gygax@vitagate.ch
Inserate: Tamara Gygax-Freiburghaus, Marlies Föhn, Valérie Rufer, Janine Klaric, inserate@vitagate.ch
Abonnemente und Vertrieb: Sabine Andersen, vertrieb@vitagate.ch
Redaktion
Publizistische Leitung, Chefredaktorin Wirkstoff: Céline Jenni, c.jenni@vitagate.ch
Redaktionelle Mitarbeit in dieser Ausgabe: Astrid Tomczak, Barbara Halter, Désirée Klarer Wissenschaftliche Fachkontrolle: Dr. oec. troph. (Univ.) Monika Wilhelm Übersetzung: Marie-Noëlle Hofmann Titelbild: istockphoto.com/gresei
Produktion
Layout: Claudia Luginbühl
Druck: Courvoisier-Gassmann AG, Biel ISSN 2673-4974 (Print), ISSN 2673-4982 (Online); CHF 65.–/Jahr, inkl. MWST. Auflage von 5 469 Ex. WEMF/KS-beglaubigt (9/2025) 7. Jahrgang. Erscheinung 10× jährlich © 2026 – vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel

Offizielles Magazin des Schweizerischen Drogistenverbandes und Medium von Angestellte Drogisten Suisse

Jure Batur übernahm 2024 mitten in einer Krise die Geschäftsleitung von Similasan. Im Interview erzählt er, wie die Firma in die Zukunft blickt und was ihn der Spitzensport und Karate gelehrt haben.
Fachwissen

So werden Nägel richtig gepflegt
Fuss- und Fingernägel haben nach dem Winter etwas Pflege nötig. Eine Kosmetikerin erklärt, was bei brüchigen Nägeln gemacht werden kann, wie Nägel richtig gekürzt und gekonnt verschönert werden.
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Neues Förderprogramm Innovationen und Projekte, die der ganzen Branche dienen können, werden mit dem Förderprogramm unterstützt.
Angestellte Drogisten Suisse Antworten rund ums Thema Urlaub, denn: Können Ferien verjähren? Und darf der Arbeitgeber Ferien streichen?
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Schnittwunden und Co. Ein Überblick über die Phasen der Wundheilung und wie Wunden optimal versorgt werden.

Innovativ und dynamisch – so wären auch viele Drogerien gerne. An guten Ideen mangelt es kaum. Wie die entstehen? Fast immer spontan. Eine Kundin will etwas wissen, ein Mitarbeitender hinterfragt einen Prozess, im Gespräch mit Berufskolleginnen und -kollegen fällt ein Witz. Einer, der auf dem Heimweg zum Nachdenken anregt. Und dann ploppt auf einmal eine Idee auf, wie etwas verbessert oder verändert werden könnte. Leider hat man im Arbeitsalltag oft keine Zeit, diesem «Ping» im Hinterkopf nachzugehen: zu umständlich, zu zeitintensiv, zu teuer. Dass viele Ideen im Nichts verpuffen, ist schade. Denn neue Impulse könnten nicht nur einzelne Betriebe, sondern eine ganze Branche weiterbringen. Das neue Programm zur Innovationsförderung des Schweizerischen Drogistenverbandes setzt genau dort an. Es schafft Raum für Ideen aus der Praxis. Für Menschen, die diese Ideen umsetzen wollen. Mit der Förderung soll zumindest die finanzielle Hürde kleiner werden. Matchentscheidend ist, dass die geförderten Projekte Modellcharakter haben. Das Förderprogramm versteht Innovation nicht als Aufgabe einzelner Pioniere, sondern als Gemeinschaftsprojekt.
Wie Sie Ihre gute Idee einreichen können und wie das Förderprogramm genau funktioniert, lesen Sie auf Seite 4. In diesem Sinne: Ideen raus aus der Schublade und rein ins Förderprogramm. Wir sind gespannt auf Ihre Projekte!
Céline Jenni, Leiterin Publizistik, Chefredaktorin Wirkstoff, c.jenni@vitagate.ch
Die Schweizer Drogeriebranche braucht keine Verwalter des Status quo –sie braucht Ideen, die nachhaltig etwas bewegen. Mit einem neuen
Förderprogramm ebnet der SDV den Weg für innovative Projekte.
7 Désirée Klarer
Die Schweizer Drogeriebranche steht vor grossen Herausforderungen. Dazu gehören veränderte Kundenbedürfnisse, zunehmender Wettbewerbsdruck und steigende regulatorische Anforderungen. Antworten darauf, wie man mit diesen Herausforderungen umgehen soll, entstehen oft nicht am Schreibtisch, sondern mitten im Betrieb – aus gemachter Erfahrung und aus gelebter Praxis. Genau dort setzt das neue Förderprogramm des Schweizerischen Drogistenverbandes (SDV) an.
Ermöglicht wird das Programm durch eine grosszügige Schenkung der «Alfred und Annemarie Käser-Stiftung». «Einen Teil des Geldes konnten wir bereits für die SwissSkills einsetzen. Mit der Innovationsförderung möchten wir nun den Strategieprozess unterstützen und in der Branche verankern», sagt Andrea Ullius, Geschäftsführer des SDV. Klar hätte der Verband die Gelder auch intern nutzen können. «Rein vom Stiftungszweck her wäre dies problemlos möglich gewesen. Doch die Veränderungen geschehen an der Front, in den Drogerien selbst. Darum haben wir uns für
Förderrahmen auf einen Blick
• Maximaler Förderbeitrag: bis CHF 50 000 pro Projekt
• Art der Förderung: nicht rückzahlbarer Beitrag (Grant)
• Co-Finanzierung: mindestens 50 % Eigen- oder Drittmittel
• Projektlaufzeit: in der Regel 6 Monate bis 2 Jahre
• Anzahl Projekte: maximal 3 neue Projekte pro Jahr
• Eingabefrist 2026: 31. Mai 2026
• Einreichung: zukunft@drogistenverband.ch
das Förderprogramm entschieden», begründet Ullius den Entscheid.
Die Förderung richtet sich an Projekte, die das «Ökosystem Drogerie» nachhaltig stärken. Dazu gehören beispielsweise Ausbildungs- und Nachwuchsprojekte, Massnahmen zur Stärkung des Berufsbildes, neue Dienstleistungen und Prozesse oder Konzepte zur Sicherung der Grundversorgung. Entscheidend ist dabei nicht die Grösse des Projekts, sondern Relevanz, Umsetzbarkeit und Wirkung. «Was wir nicht wollen, ist alter Wein in neuen Schläuchen», sagt Ullius scherzend. Gesucht seien Ideen «Out of the Box». «Also nicht nur ein Weiterdenken bekannter Ideen, sondern Revolution, wo möglich», sagt Ullius. Als positives Beispiel einer solchen Idee nennt er das Konzept der Naturathek, das seinerzeit von Erich Müller eingeführt wurde. «Es darf gerne auch etwas sein, das die Branche ein wenig aufrüttelt», ergänzt Ullius.
Ein wichtiges Kriterium: die Übertragbarkeit. Geförderte Projekte sollen Modellcharakter haben und skalierbar sein – damit die gewonnenen Erkenntnisse auch anderen Betrieben zugutekommen. «Das bedeutet, dass sich entweder das Konzept übertragen lässt oder aber, dass man zum Beispiel etwas entwickelt, das andere mieten oder kostenlos ausleihen können», sagt Ullius. Als Ideen nennt er etwa ein mobiles Labor oder einen Drogeriebus, mit dem man den Drogisten-
beruf an Schulen attraktiver präsentieren könnte. «Es gibt so viele gute Ideen da draussen. Die Gelder aus dem Förderprogramm sollen dabei helfen, dass diese es aus den Köpfen und Schubladen in die Umsetzung schaffen», so Ullius. Wer Inspiration sucht, kann sich grob an die fünf Themenfelder des Strategieprozesses halten: «Herstellung», «Selbstmedikation», «Digital», «Beratung & Prävention» sowie «Komplementärmedizin». Die fünf Themenfelder sind jeweils mit einem Icon visualisiert – Piktogramme, die der SDV künftig vermehrt in seiner Kommunikation einsetzen wird.
Wer kann ein Projekt einreichen?
Das Förderprogramm steht einem breiten Kreis offen: Drogerie-Einzelbetriebe und Gruppierungen, Drogistinnen und Drogisten mit eigenen Ideen, Start-ups, Bildungs- und Forschungsinstitutionen mit Bezug zur Drogeriebranche, aber auch branchennahe Unternehmen. «Es könnte zum Beispiel auch eine Schreinerei sein, die ein Baukasten-System anbietet, das sich leicht auf einzelne Standorte anpassen lässt», sagt Ullius. Ausdrücklich willkommen sind Projekte mit Pilot- oder Modellcharakter – auch wenn eine Idee noch nicht vollständig ausgereift ist. Ob diese förderungswürdig ist, zeigt sich im Rahmen eines klar strukturierten, mehrstufigen Prüfverfahrens.
Wie läuft das Verfahren ab?
Zunächst prüft die Geschäftsstelle des SDV die formalen Anforderungen eingereichter Dossiers. Geeignete Projekte werden an-
schliessend einer Jury vorgelegt, die Innovationsgehalt, Branchenrelevanz, Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit beurteilt. Auf Basis dieser Empfehlung wiederum entscheidet der Zentralvorstand des SDV, bevor die «Fondation ESD» die definitive Förderzusage erteilt.
Geförderte Projekte verpflichten sich zu regelmässigem Reporting, einer detaillierten Abschlussdokumentation sowie zur aktiven Weitergabe ihrer Erkenntnisse – in Form von Leitfäden, Checklisten oder Präsentationen an SDV-Anlässen. «Der Wissenstransfer ist eine Ressource, die wir in unserer Branche noch viel zu wenig ausschöpfen. Wir sollten uns ein Beispiel an jenen nehmen, die etwas gut können, voneinander lernen und so die eigenen Schwächen ausmerzen», sagt Andrea Ullius.
einreichen –Frist bis 31. Mai 2026
In der Regel ist der Eingabeschluss jeweils der 31. März. Für das Jahr 2026 gilt jedoch eine verlängerte Eingabefrist bis zum 31. Mai. Das vollständige Projektdossier gemäss Richtlinien ist per E-Mail (zukunft@drogistenverband.ch ) bei der Geschäftsstelle einzureichen. Die Geschäftsstelle steht auch für Vorabklärungen oder eine erste Einschätzung von Projektideen zur Verfügung. «Mitmachen kann und soll jede und jeder – denn die Branche wächst nur gemeinsam. Wer der Branche heute etwas gibt, profitiert morgen selbst davon – das ist keine Theorie, sondern gelebte Überzeugung, also nutzt diese Chance. Nicht für eine Woche, nicht für eine Kampagne – sondern für etwas, das die Branche nachhaltig stärkt», so Ullius.
Die Zusatzdokumente samt Checkliste finden Sie hier:
Wer als Drogistin oder Drogist kommuniziert – ob auf Social Media, im Schaufenster oder auf der eigenen Website – bewegt sich in einem rechtlich klar definierten Rahmen. Was erlaubt ist, hängt stark davon ab, was beworben wird – und wie.
7 Désirée Klarer
Arzneimittelwerbung ist grundsätzlich erlaubt – doch der Begriff ist gesetzlich weit gefasst. Als Werbung gilt gemäss der Arzneimittel-Werbeverordnung (AWV) jede Massnahme zur Information, Marktbearbeitung oder Schaffung von Anreizen, die zum Ziel hat, den Verkauf, Verbrauch oder die Anwendung von Arzneimitteln zu fördern (Art. 2 Bst. a AWV). Das schliesst in der Massenkommunikation selbst sachliche Informationen über Anwendungsmöglichkeiten ein, wenn sie geeignet sind, das Konsumverhalten zu beeinflussen. Entscheidend ist also nicht nur die Absicht, sondern die Wirkung.
Was ist verboten?
Das Heilmittelgesetz (HMG) und die AWV setzen enge Grenzen: Verboten ist Werbung, die zu übermässigem, missbräuchlichem oder unzweckmässigem Einsatz von Arznei-

mitteln verleitet (Art. 32 Abs. 1 Bst. b HMG). Für Publikumswerbung gilt ausserdem eine lange Liste unzulässiger Inhalte – darunter garantierte Wirkversprechen, Überlegenheitsclaims gegenüber anderen Therapien, Laienzeugnisse sowie Aussagen, die Angst auslösen oder Erwartungen wecken (Art. 22 AWV). Begriffe wie «Durchbruch», «neue Hoffnung» oder «Ärztinnen feiern diese Therapie» sind daher problematisch. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen dem Publikum gegenüber gar nicht beworben werden (Art. 32 Abs. 2 Bst. a HMG).
Social Media: mehr Risiko als gedacht
Auf Social Media gelten dieselben Vorgaben, allerdings mit einem entscheidenden Zusatzrisiko: der Interaktivität. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nun Facebook, Instagram, LinkedIn oder sonst eine Plattform nutzt. Sylvia Schüpbach, Rechtsanwältin bei der Pharmalex GmbH, sagt: «Grundsätzlich unterscheiden sich einzelne Social-Media-Plattformen bezüglich der rechtlichen Vorgaben nicht. All diese Plattformen ermöglichen die Interaktion der Nutzerinnen und Nutzer». Genau darin liegt das Problem: Sind Like-, Share- und Kommentarfunktionen bei einem arzneimittelbezogenen Post aktiviert, kann das Arzneimittel bewertet, mit Erfahrungsberichten versehen und verbreitet werden –laut der Aufsichtsbehörde Swissmedic alles unzulässige Laienzeugnisse gemäss Art. 22 Bst. g AWV. Bereits einzelne Likes werden
von Swissmedic als solche gewertet, auch wenn es dazu noch keine Gerichtsfälle gibt.
Hausspezialitäten bewerben: nur am Point of Sale
Für Hausspezialitäten gelten nochmals strengere Regeln: Da sie ausschliesslich für die eigene Kundschaft bestimmt sind, dürfen sie auch nur direkt vor Ort in der Drogerie –am Point of Sale – beworben werden. Online sind höchstens Name, Menge, galenische Form und Preis erlaubt. Selbst auf Packshots im Hintergrund darf die Indikation nicht lesbar sein. Dennoch gibt es Spielraum: «Hausspezialitäten dürfen zwar ausdrücklich nicht auf Social Media gezeigt werden. Was man hingegen bewerben darf, sind das Wissen und die Fähigkeiten rund um Hausspezialitäten», betont Schüpbach. So sind beispielsweise Videos zur Herstellung möglich. Dies, solange keine medizinischen Hinweise zu den Arzneimitteln gegeben werden. Wichtig: Auch in den Hashtags darf kein direkter Hinweis auf die Hausspezialität oder zusätzliche Angaben zu einer Wirkung oder Indikation gemacht werden. Bei Medizinprodukten für Laien, Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika wiederum kann auf Social Media mit Bild- und Tonmaterial Werbung gemacht werden, sofern alle übrigen werberechtlichen Vorgaben eingehalten werden. «Wenn Mitarbeitende zudem auf einem Post abgebildet sind, dann können sich datenschutzrechtliche Fragen stellen, weil diese Bilder oft nicht mehr unwiderruflich
aus dem Internet entfernt werden können», sagt Schüpbach. Das könne zum Beispiel problematisch sein, weil Personen unerwünschterweise herausfinden könnten, wo jemand arbeitet. Darum sei es wichtig, eine Einverständniserklärung abzuholen. Aus Beweisgründen habe dies jeweils schriftlich zu erfolgen.
Swissmedic überwacht Werbung aktiv durch eigene Screenings und Meldungen Dritter. Verdächtige Werbung kann über market.surveillance@swissmedic.ch gemeldet werden. Bei einem Verstoss droht zunächst ein Hinweisschreiben, bei gröberen Verletzungen kann Swissmedic Werbeinhalte verbieten – verbunden mit Verwaltungsgebühren. Wird das Verbot missachtet, kann ein Strafverfahren mit persönlicher Busse für die werberechtlich verantwortliche Person folgen. Fehlerhafte Posts sollten sofort entfernt werden. «Wenn der Inhalt nicht mehr online verfügbar ist, dann drohen keine Verwaltungsverfahren mehr», sagt Sylvia Schüpbach, wenngleich eine theoretische Restgefahr nachträglicher Strafverfolgung bestehen bleibt. Schüpbach konkretisiert: «Dies, wenn zum konkreten Zeitpunkt ein Verstoss begangen wurde und jemand seine Existenz nachweisen kann und will.» Das Internet vergisst nicht. Daran sollte man denken, wenn man etwas postet. Erst recht, wenn es sich um Arzneimittel und Haus spezialitäten handelt.
Wer bei Social-MediaBeiträgen und Werbemassnahmen die Checkliste von Swissmedic miteinbezieht, minimiert das Risiko von Verstössen.
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Ob im Schwimmbad, im Kosmetikstudio oder im Fell von Haustieren: Pilze sind allgegenwärtig. Auf unserer Haut und unseren Schleimhäuten leben Pilze meist als harmlose Mitbewohner. Unter bestimmten Bedingungen können sie jedoch Beschwerden verursachen. Die gute Nachricht: Pilzerkrankungen können zwar hartnäckig sein, lassen sich aber in der Regel gut behandeln.
Pilze besiedeln unsere Haut und Schleimhäute, leben mit uns – meist unauffällig. Viele gehören zu einem gesunden mikrobiellen Gleichgewicht. Krank machen sie erst dann, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist. Genau das passiert bei Pilzerkrankungen. «Es gibt Pilze, die nicht zur normalen Flora gehören», sagt Maya Wolfensperger, Dermatologin am Stadtspital Zürich. «Treten solche Erreger auf, ist das immer krankhaft –unabhängig davon, wie gut das übrige Gleichgewicht ist.»
Aus medizinischer Sicht unterscheidet man vor allem drei Gruppen: Fadenpilze (Dermatophyten), Hefepilze und – deutlich seltener – Schimmelpilze. «Die wichtigsten sind die Fadenpilzerkrankungen», sagt Wolfensperger. Fadenpilze ernähren sich von Keratin, dem Hauptbestandteil von Haut, Haaren und Nägeln. Sie gehören nicht zur normalen Flora – und sie verschwinden nicht von selbst.
entsteht eine kreisförmige Struktur. «Meistens ist der Rand des Kreises etwas ausgeprägter, und dann wird die betroffene Stelle immer grösser», erklärt Wolfensperger. Je nach Lokalisation können die Veränderungen auch nässen oder eitrig werden.
Je nach betroffener Körperstelle entstehen unterschiedliche Krankheitsbilder. Ist die Haut betroffen, spricht man von einer Tinea corporis (Ringelflechte). Charakteristisch dafür ist ein ringförmig wachsender Herd mit betonter Randzone, die Mitte wirkt oft ruhiger. Befallen Dermatophyten die Kopfhaut, heisst die Erkrankung Tinea capitis, im Bartbereich Tinea barbae, an den Nägeln Tinea unguium beziehungsweise Onychomykose.

sich besonders wohl, wenn es warm und feucht ist. Schwimmbäder, Duschen und Umkleiden sind klassische Ansteckungsorte. Dort sammeln sich Hautschuppen von infizierten Personen. «Gerade an den Stellen, wo man sich die Füsse mit Spezialduschen abspritzen kann, finden sich häufig viele Fadenpilze», sagt Wolfensperger. «Dorthin gehen schliesslich auch alle, die bereits eine Infektion haben.» Typisch für den Fusspilz sind schuppende, aufgeweichte oder rissige Hautareale – meist zwischen den Zehen – häufig begleitet von Juckreiz oder Brennen.
Anders präsentiert sich der Nagelpilz. Hier steht keine Schuppung im Vordergrund, sondern eine Veränderung der Nagelstruktur: Der Nagel wird verdickt, verfärbt sich gelblich bis bräunlich, wird brüchig oder löst sich teilweise vom Nagelbett. Nägel wachsen langsam und der Erreger sitzt oft tief. Ist die Nagelmatrix betroffen, reichen äusserliche Massnahmen häufig nicht aus – die Behandlung kann sich über Monate hinziehen.
Fadenpilze finden sich nicht nur in feuchtwarmen Böden, sondern auch im Erdreich oder im Tierfell. «Viele Tiere tragen Fadenpilze, ohne irgendwelche Symptome zu zeigen», erklärt Wolfensperger. Gerade Hunde oder Pferde können Erreger übertragen, ohne selbst auffällig zu sein. Entscheidend ist jedoch auch die Hautbarriere des Menschen: Eine gesunde, intakte Haut ist für Fadenpilze schwer zu überwinden. Trockene Haut mit kleinen Rissen, aufgeweichte Haut oder Mikroverletzungen erleichtern das Eindringen.
Wenn die Schleimhaut juckt und brennt
Eine zweite Gruppe von Pilzen, die Beschwerden verursachen können, sind die Hefepilze. Zu ihnen zählen vor allem Candida-Arten sowie Malassezia-Arten –früher oft als Pityrosporum bezeichnet. Anders als die Fadenpilze gehören viele Hefen durchaus zu unserem natürlichen Mikrobiom. Malassezia findet sich bei den meisten Menschen als Bestandteil der normalen Hautflora, besonders in talgdrüsenreichen Arealen wie Kopf haut,
Oberbegriff für keratinabbauende Pilze (u. a. Trichophyton, Microsporum, Epidermophyton).
Befallen Haut, Haare und Nägel; gehören nicht zur normalen Flora –Nachweis ist immer krankhaft.
Übertragung: Hautkontakt, kontaminierte Böden/Hautschuppen, Tiere; begünstigt durch feuchtwarmes Milieu und Mikroverletzungen.
Typisch: randbetonte, sich ausbreitende Herde; je nach Lokalisation unterschiedliche Krankheitsbilder (Tinea/Onychomykose).
Häufigste Dermatophytose.
Typisch zwischen den Zehen: weisslich aufgeweichte Haut, Schuppung, Risse; oft Juckreiz oder Brennen.
Risikoorte: Gemeinschaftsduschen/Umkleiden; okklusive Schuhe fördern Rückfälle.
Kann auf Nägel übergreifen (häufige Kombination Tinea pedis + Onychomykose).
Dermatophytose der Nägel (meist), seltener Hefen und noch seltener Schimmelpilze.
Typisch: verdickte, gelblich-bräunlich verfärbte, brüchige Nägel; ggf. Ablösung vom Nagelbett.
Unterschied zur Hautform: keine «Schuppung», sondern Strukturveränderung des Nagels.
Therapie oft langwierig (Monate); je nach Ausprägung lokal und/oder systemisch.

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Gesicht oder Brust. Krankhaft wird der Hefepilz erst bei Milieuverschiebungen – etwa durch anhaltende übermässige Talgproduktion, Stress oder hormonelle Veränderungen. Candida findet sich vor allem auf Schleimhäuten – im Mund, im Darm und im Genitalbereich. Gerade im Vaginaltrakt kann der Pilz auch bei beschwerdefreien Frauen nachweisbar sein. Problematisch wird Candida in der Regel erst dann, wenn das
Verursacht durch Dermatophyten.
Ringförmig wachsender, randbetonter Herd; Mitte oft ruhiger.
Häufig nach engem Hautkontakt oder nach Kontakt zu infizierten Tieren oder Erde.
Kann Ekzeme imitieren – bei Unsicherheit ist mykologische Abklärung sinnvoll.
Im ambulanten Alltag selten; häufiger bei besonderen Risikokonstellationen (z. B. Immunsuppression, Verletzungen).
Beispiele: Aspergillus (Atemwege), Mukormykose; seltene Nagelinfektionen; Otomykose (äusserer Gehörgang).
Problem bei Feuchtigkeit, Reibung, hormonellen Faktoren oder geschwächter Barriere.
Typisch: gerötete, nässende Areale, Brennen/ Juckreiz; oft scharf begrenzt, möglich sind Satellitenläsionen.
Im Intimbereich häufige Ursache von Beschwerden; Selbstdiagnosen sind wegen ähnlicher Ursachen oft unzuverlässig.
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lokale Gleichgewicht gestört ist – etwa durch Feuchtigkeit und Reibung, nach einer Antibiotikatherapie, bei erhöhten Blutzuckerwerten oder bei geschwächter lokaler Abwehr. Auf der Haut zeigt sich eine Candida-Infektion meist in warmen, feuchten Hautfalten: gerötete, aufgeweichte oder glänzende Areale, häufig begleitet von Juckreiz oder Brennen sind die Anzeichen. Charakteristisch sind kleine entzündliche «Satelliten»-Herde am Rand der betroffenen Stelle.
Oft sind Frauen betroffen: Die vulvovaginale Candidose zählt zu den häufigsten Infektionen des weiblichen Genitaltrakts; rund 70–75 Prozent aller Frauen erleben mindestens eine Episode im Laufe ihres Lebens. Gleichzeitig sind die Beschwerden unspezifisch: Juckreiz, Brennen oder veränderter Ausfluss können auch andere Ursachen haben, etwa bakterielle Infektionen oder Reizungen. Selbstdiagnosen sind deshalb oft unzuverlässig.
Schimmelpilze können ebenfalls Erkrankungen verursachen, spielen im ambulanten Alltag auf der Dermatologie jedoch eine deutlich geringere Rolle. «Schimmelpilze sehen wir viel seltener», sagt Wolfensperger. Sie betreffen meist besondere Risikogruppen – etwa Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Kleine, begrenzte Hautinfektionen –etwa ein Fusspilz zwischen den Zehen –lassen sich meist lokal behandeln. Zum Einsatz kommen topische Antimykotika wie Clotrimazol, Miconazol, Econazol oder Terbinafin (Liste B). In der Schweiz sind zahlreiche dieser Wir kstoffe – je nach Dosierung und Präparat – rezeptfrei (Abgabekategorie D) erhältlich und können nach einer Fachberatung in Drogerien abgegeben werden. Die Wir kstoffe sind in unterschiedlichen galenischen Formen verfügbar: als Creme, Gel, Lösung, Spray oder Puder. Die Wahl der Darreichungsform richtet sich nach der Lokalisation und dem Hautzustand – bei nässenden oder auf-
geweichten Arealen sind Lösungen oder Pasten oft besser geeignet als fetthaltige Salben. Azol-Antimykotika wie Clotrimazol oder Miconazol hemmen die Ergosterol-Synthese in der Pilzzellmembran. Terbinafin greift früher in denselben Syntheseweg ein und wirkt bei Dermatophyten meist fungizid, während viele Azole primär fungistatisch wirken.
Beim Nagelpilz kommen lokal unter anderem Amorolfin (Liste D)- oder Ciclopirox (Liste B)haltige Nagellacke zum Einsatz. Ist die Nagelmatrix betroffen oder sind mehrere Nägel involviert, wird häufig eine systemische Therapie notwendig. Dabei werden Wir kstoffe wie Terbinafin, Itraconazol oder Fluconazol eingesetzt – diese sind rezeptpflichtig (Abgabekategorie B) und erfordern eine ärztliche Kontrolle.
Bei Candida-Infektionen richtet sich die Therapie nach der Lokalisation. Kutane Candidosen werden meist lokal mit Azolen (z. B. Clotrimazol, Miconazol) behandelt. Bei vulvovaginaler Candidose kommen lokal Vaginaltabletten, -zäpfchen oder
-cremes mit Azolen zum Einsatz; in bestimmten Fällen kann eine systemische Einmaldosis Fluconazol indiziert sein, ärztlich verordnet. Entscheidend ist hier die korrekte Differenzierung, da ähnliche Beschwerden auch andere Ursachen haben können.
Daneben gibt es pflanzliche Zubereitungen mit antimykotisch wirksamen Inhaltsstoffen, etwa aus Usnea (Bartflechte), Kapuzinerkresse oder bestimmten ätherischen Ölen. Diese werden in der Drogerie meist als Tinkturen, Urtinkturen oder Kombinationen angeboten. Sie können unterstützend eingesetzt werden – etwa zur Begleitung einer lokalen Therapie oder zur Stabilisierung der Hautbarriere – ersetzen jedoch bei ausgeprägten Dermatophytosen, Nagelpilz oder

Einladung
Wir laden unsere Mitglieder zur
der Branchen Versicherung Genossenschaft ein.
Drogeriekongress: 19. – 21. April 2026
Mittwoch, 27. Mai 2026
Metropol, Zürich
Programm
ab 10 00 Kaffee und Tee
11 00 – 12 00 Generalversammlung
12 00 – 13 30 Apéro und Stehlunch
Stimmberechtigte der Genossenschaft erhalten eine persönliche Einladung.
Anmeldung noch bis am 9. April möglich
Einfach sicher. Seit 1902.
komplizierten Candida-Infektionen in der Regel keine gezielte antimykotische Behandlung. Je nach Erreger unterscheiden sich die bevorzugten Wir kstoffe. Antimykotika wirken zwar gegen mehrere Pilzarten, greifen jedoch gezielt Strukturen der Pilzzelle an und sind keine unspezifischen «Breitbandmittel».
«Am häufigsten kommen Kundinnen und Kunden zu uns, um Fusspilz zu behandeln», sagt Drogist Martin Riesen. «Wir können einordnen, begleiten und, wenn nötig, weiterverweisen.» Gerade bei rezeptfreien Präparaten ist die fachkundige Beratung entscheidend – etwa zur Anwendungsdauer, zur Wahl der geeigneten Darreichungsform und zur Beurteilung, wann eine ärztliche Abklärung notwendig ist. «Viele Pilzinfektionen verschwinden äusserlich schneller, als sie tatsächlich ausgeheilt sind», so Riesen.
Das bestätigt auch Dermatologin Wolfensperger. Für sie liegt ein zentrales Problem in der Praxis in Fehldiagnosen. Pilzerkrankungen können sehr unterschiedlich aussehen – und sie können Ekzeme imitieren, was Fehlbehandlungen zur Folge haben kann. «Cortison nimmt zwar die Entzündung, beseitigt aber nicht die Ursache», sagt Wolfensperger. «Der Pilz bleibt bestehen – und wird dadurch oft erst recht übersehen.» Fachleute sprechen in solchen Fällen von einer Tinea incognito.
Gleichzeitig zeigt Wolfensperger Verständnis für Fehldiagnosen. «Ich finde, eine korrekte Einordnung kann von Allgemeinpraktikerinnen und -praktikern nicht immer erwartet werden», sagt sie. Hausärztinnen und Hausärzte müssten an viele verschiedene Krankheitsbilder denken, zudem «haben nicht alle ein Mikroskop». Fehldeutungen seien deshalb nachvollziehbar – zumal sich viele Hautveränderungen klinisch stark ähneln.
In der dermatologischen Praxis stehen dagegen spezifische diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. «Wir kratzen ein paar Schuppen ab, färben sie an und schauen sie unter dem Mikro-
skop an – und haben nach ein paar Minuten ein Resultat», erklärt Wolfensperger. Je nach Befund könne zusätzlich eine Kultur angelegt werden, die allerdings mehr Zeit benötige, oder eine PCRUntersuchung durchgeführt werden, um den Erreger genauer zu bestimmen.
Probleme verhindern
Dabei gilt: Nicht jede Hautveränderung muss sofort spezialärztlich abgeklärt werden. Viele Fadenpilzerkrankungen lassen sich mit einfachen Massnahmen verhindern – etwa durch konsequentes Abtrocknen der Haut, das Tragen von Badeschlappen in Gemeinschaftsduschen oder hygienische Schuh- und Textilpflege. Auch bei der Gartenarbeit oder im Kontakt mit Tieren kann Schutz sinnvoll sein: Handschuhe verhindern Mikroverletzungen und reduzieren den Kontakt mit potenziell belastetem Erdreich. «Es geht nicht darum, Situationen zu meiden», betont Wolfensperger, «sondern sich der Risikofaktoren bewusst zu sein.»
Pilze gehören zu unserem biologischen Umfeld. Weltweit existieren unzählige Arten, die meisten harmlos, nur ein kleiner Teil potenziell krankmachend. Entscheidend ist nicht, sie zu dramatisieren, sondern sie richtig einzuordnen. Wer weiss, womit er es zu tun hat, kann angemessen reagieren.
Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:
Weltweit werden mehrere Millionen Pilzarten vermutet; wissenschaftlich beschrieben sind bislang rund 150 000 Arten. Nur ein sehr kleiner Teil besiedelt den Menschen regelmässig (v. a. Dermatophyten, Candida-Arten und einzelne Schimmelpilze).
Schätzungen zufolge können weniger als 300 Pilzarten beim Menschen Erkrankungen verursachen – viele davon vor allem bei Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Betroffenheit:
• Fusspilz: ca. 10–20 Prozent der Bevölkerung (vor allem Erwachsene)
• Nagelpilz: ca. 5–12 Prozent der Bevölkerung (vor allem Erwachsene)
• Vulvovaginale Candidose: 70–75 Prozent der Frauen sind mindestens einmal im Leben betroffen
Nicht immer ist das Thema Ferien mit Vorfreude verbunden – nicht selten kommt es deswegen zu Zwist zwischen den Angestellten und den Arbeitgebenden.
7 Regula Steinemann
Gemäss GAV der Drogeriebranche, Art. 31, beträgt der Ferienanspruch 22 Tage pro Jahr. Arbeitnehmende ab Beginn des Kalenderjahres, in dem sie das 50. Altersjahr vollenden, Arbeitnehmende mit 10 Dienstjahren sowie Arbeitnehmende, die das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, haben Anspruch auf 25 Tage Ferien. Für Teilzeitarbeitende sehen die Ziffern 4 und 5 weitere Regelungen vor, unter anderem beträgt die Ferienentschädigung für 22 Tage Ferien 9,24 Prozent und für 25 Tage 10,65 Prozent.
Darf man Ferien streichen?
Es kommt vor, dass Vorgesetzte mit der Streichung der Ferien drohen, falls Mitarbeitende diese nicht innert einer gewissen Frist beziehen. Es gibt teilweise auch Reglemente, die hierzu Bestimmungen enthalten, zum Beispiel, dass die Ferien bis Ende Jahr oder spätestens bis im März des darauffolgenden Jahres zu beziehen sind. Selbstverständlich darf man Ferien nicht einfach streichen. Die Vorgesetzten und Arbeitgebenden wollen mit solchen Aufforderungen primär sicherstellen, dass die

Regula Steinemann, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin Angestellte Drogisten Suisse. Dies ist eine Seite von Angestellte Drogisten Suisse. Die Meinung der Autorin muss sich nicht mit jener der Redaktion und/oder des Schweizerischen Drogistenverbandes decken. www.drogisten.org
Arbeitnehmenden ihre Ferien beziehen und sich nicht grössere Feriensaldi ansammeln. Denn letztlich geht es um die Erholung (und Gesundheit) der Angestellten, die sichergestellt werden soll.
Ferien können verjähren
Das Bundesgericht hat entschieden, dass Ferien innerhalb von fünf Jahren ab Fälligkeit (in der Regel ist dies der letzte Tag, an dem die nicht bezogenen Urlaubstage im laufenden Jahr noch bezogen werden könnten) verjähren. Haben sich die Ferienguthaben mehrerer Jahren summiert, verjähren grundsätzlich die älteren vor den jüngeren – sofern keine abweichenden Parteiwillen vorliegen. Es ist nicht unüblich, dass den Arbeitnehmenden per Ende Jahr oder zu Beginn eines neuen Jahres ein Saldo der angefallenen Überstunden, Überzeit, offenen Ferientage usw. mitgeteilt wird. Die herrschende Lehre sieht darin eine sogenannte «Novation», wonach die Forderung und die Verjährungsfrist neu zu laufen beginnen.

Jure Batur arbeitet seit 17 Jahren bei Similasan. 2024 übernahm er die Geschäftsführung – mitten in der grössten Krise der Firmengeschichte. Im Interview spricht er darüber, wie sich Similasan wieder nach vorne orientiert und wie ihm Karate und seine Zeit als Spitzensportler bei der Arbeit helfen.
7 Barbara Halter | Miriam Kolmann
Jure Batur, Sie leiten Similasan seit 2024. Was war die grösste Freude und was der grösste Ärger der vergangenen zwei Jahre?
Jure Batur: Ich habe die Geschäftsführung von Similasan in einer schwierigen Zeit übernommen. Rund ein halbes Jahr bevor ich begonnen habe, wurden in den USA sämtliche homöopathischen Augentropfen verboten. Dies traf Similasan empfindlich. Unser grösster Markt fiel weg. Es war ein Super-GAU, den wir noch immer nicht ganz verdaut haben. Aber, und das ist meine grösste Freude: Ich betrachte es als grosse Wertschätzung, dass mir die Aufgabe als CEO übertragen wurde.
Als im September 2023 das Verbot in Kraft trat, war Urs Lehmann CEO bei Similasan, Sie selbst waren Finanzchef. Gibt es im Rückblick etwas, das man anders hätte machen können?
Die US-amerikanische Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel änderte die Regularien praktisch über Nacht – das konnte niemand vorhersehen. Um marktfähig zu bleiben, waren wir gezwungen, das Unternehmen in kürzester Zeit zu restrukturieren und neu aufzustellen. Etwas möchte ich in diesem Zusammenhang noch ausführen.
Bitte.
Es geht um die Hintergründe des Importverbots: Damals kam ein indischer Mitbewerber auf den amerikanischen Markt, dessen Augentropfen verkeimt waren. In der Folge mussten Menschen hospitalisiert werden, einige erblindeten oder sind gar gestorben. Als Reaktion darauf verschärfte die amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde die Anforderungen für die ganze Branche. Dies betraf insbesondere den Import von homöopathischen Augentropfen. Similasan hat dieses Importverbot nicht verschuldet.
Gibt es Hoffnung, dass sich dies wieder ändern wird?
Nein, davon gehen wir nicht aus. Dennoch sind wir weiterhin in den USA tätig, die Marke Similasan ist dort seit vierzig Jahren auf dem Markt und hat sich erfolgreich etabliert. In diesen Tagen versenden wir unsere ersten neu formulierten natürlichen Augentropfen, die dann ab Frühjahr in den amerikanischen Apotheken zu finden sein werden.
Wie steht Similasan heute wirtschaftlich da?
Jure Batur
hat Jahrgang 1981, kam 2009 zur Firma Similasan nach Jonen im Kanton Aargau und hat dort verschiedene Stationen durchlaufen. Seit April 2024 ist er CEO und Miteigentümer des Unternehmens. Jure Batur ist Sensei einer Karateschule in Jonen. In seiner Karriere als Sportler war er Dritter bei den Europameisterschaften im Vollkontakt-Karate und er erreichte den fünften Platz bei den Weltmeisterschaften in Japan in Goju-Kai Karate. Er lebt mit seiner Familie in Obfelden, ZH. Seine Töchter sind 13 und 17 Jahre alt.
Wir spüren die Auswirkungen der Umstrukturierung immer noch, möchten aber im Verlauf dieses Jahres wieder zurück zur Normalität finden und uns nach vorne orientieren. Vor der Krise befand sich Similasan in einer längeren Wachstumsphase.
«Die Drogerien, ebenso wie die Apotheken, sind unsere Freunde und Partner.»
Mit John F. Kennedy haben die USA einen Gesundheitsminister, der Naturheilmitteln sehr positiv gegenübersteht. Verfolgen Sie das?
Ja, das ist für uns durchaus relevant. Allerdings sind die Abläufe in der amerikanischen Gesundheitsbehörde undurchsichtig und unter Donald Trump kann sich sowieso täglich alles ändern.
Sie arbeiten seit 17 Jahren bei Similasan. Was hat Sie ursprünglich hierher gebracht? Ich suchte nach einer Firma, die ein Produkt herstellt, hinter dem ich stehen kann und das die Menschen in der Hand halten können. Als bei Similasan eine Stelle als Finanzcontroller ausgeschrieben wurde,
kam ein Headhunter auf mich zu. Und als ich dann feststellte, dass sich das Unternehmen nur sieben Minuten von meinem Zuhause entfernt befindet, war für mich klar: Diese Stelle will ich.
Mit dem Gesundheitsbereich hatten Sie bis dahin keine Berührungen?
Nein, ich komme aus der Betriebswirtschaft und war damals in der Maschinenindustrie tätig.
Similasan wurde 1980 von drei Drogisten gegründet. Welche Bedeutung haben die Drogistinnen und Drogisten heute?
Die Drogerien, ebenso wie die Apotheken, sind unsere Freunde und Partner. Der Fachhandel hat Similasan gross gemacht und unterstützt uns auch in schwierigen Zeiten. Die Kompetenz der Drogistinnen und Drogisten sowie ihre Nähe zu den Kundinnen und Kunden sind durch nichts zu ersetzen. Als Hersteller möchten wir Produkte entwickeln, die die Fachpersonen in ihrer Arbeit unterstützen. Dazu investieren wir in Schulung. Wenn der Fachhandel stark ist, ist auch Similasan stark – davon sind wir überzeugt.
Im letzten Herbst kam es zu einem vorsorglichen Rückruf einer Charge Similasan Schnupfen Globuli. Was ist passiert?

Bei der Produktion der Globuli wurde in einem Sieb ein sehr kleiner Glassplitter gefunden. Wir sind uns nahezu hundertprozentig sicher, dass die Produkte selbst nicht verunreinigt waren. Da aber für uns die Sicherheit der Kundinnen und Kunden an erster Stelle steht, haben wir uns vorsorglich zu diesem Rückruf entschieden.
Sie produzieren fast alles in Jonen. Wäre dies im Ausland nicht günstiger?
Wir sind ein Schweizer Unternehmen und wollen in der Schweiz bleiben. Klar, die Löhne und die Produktionskosten sind hierzulande wahrscheinlich höher, aber dafür arbeitet unser Team in Jonen qualitativ hervorragend, effizient und äusserst flexibel. Bei Bedarf können wir spontan an einem Samstag die Maschinen starten und produzieren.
Wie führen Sie die rund 100 Mitarbeitenden bei Similasan?
Wir pflegen eine familiäre Leistungskultur. Alle sind per Du – vom Lehrling bis zum CEO. Gleichzeitig erwarten wir wie in einer Familie gewisse Leistungen. Mir ist es wichtig, die Teams zusammenzuschweissen. Dann lassen sich auch unangenehme Themen ansprechen.
«Das Leben als Leistungssportler ist anspruchsvoll: Du lernst zu gewinnen, zu verlieren und dich immer wieder aufzuraffen.»
Ihr Vorgänger Urs Lehmann gilt als schillernde Figur. Er steht durch den Skisport seit Jahren in der Öffentlichkeit. Wie war es für Sie, in seine Fussstapfen zu treten? Wir kennen uns seit 17 Jahren und stehen uns nahe, er ist mein Coach und Mentor. Oft reicht ein Blick und wir wissen, was der andere denkt. Für mich ist er keine schillernde Figur, sondern einfach der Urs.
Die Leitung von Similasan ist sportlich aufgestellt. Sie haben wie Urs Lehmann Leistungssport gemacht. Thomas Lambert, der Leiter des internationalen Geschäfts, war Freestyle-Skisportler. Sind Spitzensportler auch gute Leader?
Dass Urs und ich zusammengefunden haben, ist Zufall. Aber wir schätzen Spitzensportler um uns herum sehr. Sie bringen einen eigenen Drive mit und wir verstehen, wie sie ticken. Das Leben als Leistungssportler ist anspruchsvoll: Du lernst zu gewinnen, zu verlieren und dich immer wieder aufzuraffen. Wir fördern auch junge Menschen bei der Sportlerlehre. Gleichzeitig arbeiten bei

Täglich anwendbar zum gezielten Schutz vor schmerzempfindlichen Zähnen dank optimaler Konsistenz und Haftbarkeit.
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Similasan viele Menschen, die nie Spitzensport betrieben haben.
Sie haben professionell Karate gemacht und besitzen eine Karateschule. Was bedeutet Ihnen dieser Sport?
Karate ist meine Passion. Ich habe dadurch Demut, Geduld und Fokus gelernt. In meinem Alltag reiht sich ein Termin an den nächsten, aber ich kann mich dennoch auf jeden Einzelnen gut fokussieren. Ich bin jeweils voll im Augenblick. Karate verdanke ich auch meine mentale Stärke. Es braucht viel, damit mich etwas richtig durchschüttelt. Nervös und aufgewühlt bin ich eigentlich nur, wenn eines meiner Kinder krank ist.
«Karate verdanke ich auch meine mentale Stärke. Es braucht viel, damit mich etwas richtig durchschüttelt.»
Stehen Sie noch täglich auf der Matte?
Nein, ich bin nicht mehr oft im Dojo, das wäre nicht vereinbar mit meinem Job. In meiner Schule leitet ein Team die täglichen Trainings. Nach wie vor coache ich an den Wettkämpfen, da bin ich jeweils Feuer und Flamme.
Sie engagieren sich in der Schulpflege an Ihrem Wohnort. Wieso tun Sie das neben all den anderen Aufgaben?
Bei mir muss viel laufen, sonst langweile ich mich. Ich bin in der Schulpflege an der Sekundarschule Obfelden-Ottenbach. Mein Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die den Jugendlichen helfen, eine Lehre oder Anschlusslösung zu finden und sie so auf ihrem Weg zu unterstützen.
Welchen Weg haben Sie als Jugendlicher eingeschlagen?
Ich habe eine KV-Lehre gemacht und später als Familienvater berufsbegleitend BWL studiert, inklusive eines MBA. Zusätzlich habe ich an einer französischen Universität studiert, wo ich viel über Diversity gelernt habe.
Ihre Eltern stammen aus Kroatien. Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?
Ich wurde in Kroatien geboren und kam als Bub vor dem Krieg in die Schweiz, wo mein Vater Gastarbeiter war. Als Kind spürt man, dass man zu einer anderen Klasse gehört. Besonders hart war für mich, als mir mein Lehrer in der 6. Klasse sagte, dass ich nicht aufs Gymnasium gehen könne, weil Deutsch nicht meine Muttersprache sei. Von der Leistung her hätte ich es geschafft, aber in den 90erJahren musstest du als Ausländerkind in allem viel besser sein als die anderen. Diese Erfahrung hat mich sicher auch später angetrieben.
Sie sind kein Digital Native, das beweist Ihr Instagram-Account. Dort teilen Sie gerade mal acht Bilder, darunter das Meer in Kroatien, das Grab von Bruce Lee und der Besuch eines 50 Cent-Konzerts. Verraten Sie dazu etwas mehr?
Wir haben auf einer Insel in Kroatien ein Ferienhaus. Wenn ich dort ankomme, vergesse ich alles andere sofort. Ich bin gern am und auf dem Meer, das vermisse ich in der Schweiz. Während unserer USA-Rundreise mit der Familie machten wir Halt in Seattle. Ich musste dort nur eines sehen: das Grab von Bruce Lee. Er war mein Idol und hat mich als Kind zum Karate gebracht. Ähnlich ist es mit 50 Cent: Ich war in den 90er-Jahren ein Hip-Hopper und heute hört meine ältere Tochter gerne Hip-Hop. Das 50 Cent-Konzert mit ihr war ein tolles Erlebnis.
In der Mai-Ausgabe von Wirkstoff erwartet sie an dieser Stelle ein Gespräch mit Fabienne Hebeisen-Dumas, Geschäftsleiterin von aha! Allergiezentrum Schweiz.

Ein Besuch im Kosmetikstudio ist eine schöne Auszeit vom Alltag, doch oft fehlt dafür die Zeit. Eine Maniküre oder Pediküre lässt sich auch zu Hause umsetzen. Diese Tipps sorgen dafür, dass Nägel fast so gepflegt aussehen wie vom Profi.
7 Barbara Halter
Fingernägel mit der Feile kürzen
Sind die Nägel frei von Lack, werden sie auf die gewünschte Länge gekürzt. Wie kurz ein Nagel letztlich sein soll, hängt meist von den persönlichen Vorlieben ab. Bei den Fingernägeln verwendet Nadja Wartenweiler ausschliesslich die Feile, allerdings in unterschiedlichen Härtegraden. «Auch wenn dies länger dauert, meiner Erfahrung nach ist Feilen schonender für den Nagel als eine kleine Schere oder ein Nagelknipser.»
Bei kurzen Nägeln arbeitet Nadja Wartenweiler mit einer feinen Feile. Bei langen Nägeln beginnt sie mit einer groben und wechselt anschliessend zu einer feinen Feile. Feilen gibt es in unterschied-
Barfuss in die Sandalen schlüpfen und dann raus an die Sonne – so beginnt der Sommer! Vielleicht wird einem in diesem Moment aber auch bewusst, dass die Füsse noch mitten im Winter stecken. Vor allem die Nägel haben dringend etwas Pflege nötig. Kosmetikerin Nadja Wartenweiler ist die Expertin dafür. In einem Behandlungsraum in der DropaApotheke Parfumerie in Meilen ZH bietet sie verschiedene Beauty-Dienstleistungen an. Dazu führt das Geschäft alles, was es braucht, um Fuss- und Fingernägel auch zu Hause zu pflegen und zu verschönern. Zu Beginn einer Maniküre oder Pediküre werden allfällige Nagellackreste entfernt. Dafür empfiehlt Wartenweiler einen schonenden, acetonfreien Nagellackentferner. «Eine Ausnahme bilden schwarze Lacke oder Effekt-Nagellacke mit speziellen Partikeln wie Glitzer. Für deren Entfernung ist ein acetonhaltiges Produkt nötig.» In die gleiche Kategorie fällt Gel-Lack: Er löst sich nur mit einem acetonhaltigen Nagellackentferner, den man zudem etwas einwirken lassen sollte. Mehr zu den verschiedenen Arten von Nagellack folgt später.
licher Körnung zu kaufen, vergleichbar mit Schleifpapier. Je höher die Zahl, desto feiner die Feile. Wartenweiler mag Metallfeilen. «Das ist kein Muss, sondern entspricht einfach meiner persönlichen Vorliebe», sagt sie. Praktisch ist zudem, dass sich Metallfeilen gut desinfizieren lassen – gerade, wenn in einem Haushalt mehrere Personen dieselbe Feile benutzen. Für den Abschluss eignet sich eine Glasfeile. Sie sorgt für eine besonders glatte Nagelkante und ist ideal für empfindliche oder brüchige Nägel. Im Unterschied zu den Fingernägeln kommt am Fuss der Nagelknipser zum Einsatz: Der Nagel wird gerade gekürzt und die Ecken werden nicht abgerundet. «Sonst besteht die Gefahr, dass der Nagel einwächst. Wer dieses Problem feststellt, sollte eine Podologin aufsuchen. Sie arbeitet zum Beispiel mit speziellen Nagelspangen.»
Noch ein Hinweis zu brüchigen Nägeln: Neben dem regelmässigen Eincremen der Hände schätzen Nägel und Nagelbett auch ein paar Tropfen Öl. Oft wird Arganöl empfohlen, doch grundsätzlich eignet sich jedes pflanzliche Öl zur Pflege. Sind die Nägel stark geschädigt, kann eine Kur mit einem Nagelhärter hilfreich sein. Das Produkt sieht aus wie ein farbloser Nagellack, wird meist vier Tage hintereinander aufgetragen und dann wieder entfernt.
Kundinnen, die ihre künstlichen Nägel entfernt haben, leiden laut Nadja Wartenweiler vermehrt unter brüchigen Nägeln. «Oft gibt es dann nichts anderes, als abzuwarten, bis sich die natürlichen Nägel erholt haben.» Grundsätzlich rät sie dazu, Nägel nicht dauerhaft zu lackieren, son-
Nagellacke und Inhaltsstoffe
dern regelmässig Pausen einzulegen – etwa während den Wintermonaten.
Farblack, Gel-Nagellack, Striplack
Sind die Nägel auf die passende Länge gefeilt, trägt Wartenweiler einen Nagelhautentferner auf und lässt ihn kurz einwirken. Danach wird die Haut auf dem Nagel mit einem Rosenholzstäbchen vorsichtig gelöst und zurückgeschoben. «Bei diesem Schritt sind Scheren oder andere Hilfsmittel, die die Nagelhaut verletzen können, tabu. Wer unsicher ist oder eine besonders dicke Nagelhaut hat, lässt dies besser von einer Kosmetikerin erledigen.»
Bevor lackiert wird, ist darauf zu achten, dass der Nagel fettfrei und trocken ist. Damit das Resultat möglichst lange hält, werden vier Schichten aufgetragen: zuerst ein Unterlack, dann zweimal Farblack und zum Schluss ein Oberlack.
Der farblose Unterlack sorgt für eine glatte Oberfläche und soll vor Farbveränderungen schützen. Gerade bei Rottönen kann es vorkommen, dass sich der Nagel mit der Zeit gelblich verfärbt. Der ebenfalls farblose Oberlack verleiht Glanz und schützt die Farbe. Beim Nagellack unterscheidet Wartenweiler zwischen Farblack, Gel-Nagellack und Striplack. Letztere härten nur mithilfe einer LEDLampe oder unter UV-Licht aus und werden häufig in Nagelstudios verwendet, sind aber auch im Handel erhältlich. Das Spezielle beim Striplack ist, dass er sich zum Entfernen einfach vom Nagel abziehen lässt.
Seit dem 1. September 2025 dürfen in der Schweiz und der EU keine kosmetischen Mittel mehr verkauft und verwendet werden, die TPO enthalten. Der Stoff Trimethylbenzoyl Diphenylphosphin Oxid ist ein Photoinitiator und sorgt zum Beispiel in Gel-Lacken dafür, dass das Material unter UV-Licht oder LED-Lampen aushärtet. TPO gilt als giftig und steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit negativ zu beeinflussen. Vom Verbot betroffen sind vor allem Nagelstudios und Kosmetikerinnen, TPOhaltige Produkte waren jedoch teilweise auch im Fachhandel erhältlich. Konsumentenmagazine untersuchen regelmässig Nagellacke verschiedener Hersteller auf gesundheitsgefährdende Schadstoffe. Im Fokus stehen dabei unter anderem Nitrosamine, die sich während der Lagerung im Lack bilden können. Ebenfalls als bedenklich gelten hormonaktive UV-Filter wie Benzophenon-1 oder Phenol. Einige Nagellackfirmen versehen ihre Produkte mit «3free», «5free», «7free» oder bis zu «18free». Die Zahl meint die Anzahl zulässiger, aber möglicherweise problematischer Inhaltsstoffe, auf die sie freiwillig verzichten. Diese Kennzeichnung ist jedoch nicht geschützt. Einige Labels bieten veganen Nagellack an, Naturkosmetiklacke sind selten. Es macht Sinn, nagellackfreie Zeiten einzuplanen und die Haltbarkeitsempfehlungen der Hersteller zu beachten. Übrigens: Alter Nagellack kommt nicht in den Hauskehricht, sondern muss als Sonderabfall entsorgt werden.
macht den Meister –Tipps zum Lackieren
Laut Modemagazinen wie «Vogue» oder «Elle» sind dieses Jahr bei den Nägeln sanfte Nudetöne, zartes Rosa oder Pfirsich angesagt, aber auch auffällige Farben wie Schokoladenbraun, Salbei oder Babyblau. Bei den Kundinnen in Meilen besonders beliebt sind klassische Rottöne, ebenso Koralle oder im Sommer auch Neonfarben. Ein Phänomen unter den Nagellackfarben ist «Rouge Noir» von Chanel, ein fast schwarz wirkendes Bordeaux. Der Lack wurde in den 1990er-Jahren lanciert: Claudia Schiffer und Kate Moss trugen ihn auf dem Laufsteg, Uma Thurman im Kultfilm «Pulp Fiction». Nun erlebt «Rouge Noir» ein Revival.
Doch wie schafft man es, den Lack so perfekt aufzutragen wie eine Kosmetikerin? «Es ist schlicht Übungssache», sagt Nadja
Wartenweiler. «Darum keine Scheu und einfach loslegen.» Einen kleinen Tipp gibt sie dennoch: den Pinsel nicht zu nah an den Nagelrand führen. «Wenn der Lack in die Haut verläuft, lässt er sich nicht mehr so schnell entfernen.»
Sie arbeitet nach dem Prinzip «Hand für Hand». Zuerst trägt sie den Unterlack auf einer Hand auf, dann auf der anderen, anschliessend folgt der Farblack in derselben Reihenfolge. So haben die Nägel stets genügend Zeit zum Trocknen. Bevor sich die Kundinnen verabschieden, stellt Wartenweiler sicher, dass sie Portemonnaie oder Autoschlüssel bereits zur Hand haben – und nicht mit den frisch lackierten Nägeln in der Handtasche kramen müssen. Für zu Hause bedeutet das: Wenn die Zeit knapp ist, besser Strümpfe und die eleganten Kleider vor dem Lackieren anziehen –oder sich etwas gedulden, bevor man in die Sandalen schlüpft

Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:
Gesunde Kopfhaut, sichtbares Wohlbefinden.

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Ob Schnittwunde, Kratzer oder Schürfung - Wunden müssen fachgerecht versorgt werden, um Komplikationen zu verhindern. Wirkstoff gibt einen
Überblick
über die verschiedenen Phasen der Wundheilung und -versorgung.
Im Alltag passieren ganz schnell Verletzungen der Haut, sei es bei einem Sturz mit dem Velo oder beim Abrutschen des Küchenmessers. Unser Körper versucht dabei, Wunden möglichst rasch zu verschliessen, um den Blut- und Wasserverlust zu minimieren und sich vor Infektionen zu schützen. Jede Verletzung setzt dabei die Wundheilung in Gang, einen Reparaturmechanismus des Körpers. Grundsätzlich schützt die Haut als eines der grössten Organe des Menschen den Körper vor Einflüssen aus der Umgebung. Die Haut besteht dabei aus den drei Schichten Epidermis (Oberhaut), Dermis (Corium, Lederhaut) und Subcutis (Unterhaut), wo-
bei die Epidermis und die Dermis zusammen die Cutis bilden (siehe Grafik auf Seite 28). Die Epidermis ist dabei die äusserste Grenzschicht zwischen Organismus und Umgebung und besteht aus mehrschichtigem Plattenepithel, das nach aussen hin immer mehr verhornt ist. Die Epidermis ist nicht durchblutet. Die Dermis ist dicker als die Epidermis und besteht aus Bindegewebe, in das Blutgefässe, Nervenbahnen, Lymphgefässe, Haare, Talg- und Schweissdrüsen eingelagert sind. Die Subcutis besteht aus lockerem Bindegewebe mit eingelagerten Fettzellen. Die Dicke ist je nach Körperstelle unterschiedlich und abhängig
Ausführungsgang
einer Schweissdrüse (Hautpore)
Schweissdrüse
vom Ernährungszustand. Das Fettpolster bietet Schutz vor Kälte und ist eine Art Polsterung.
Eine Wunde entsteht, wenn die Haut gewaltsam durchtrennt oder beschädigt wird. Es gibt verschiedene Arten, unter anderem:
• Mechanische Wunden: Dazu zählen Schürf-, Schnitt-, Riss-, Kratz-, Stich-, Quetsch-, Platz-, Biss- und Schusswunden.
• Thermische Wunden: Extreme Wärmeoder Kälteeinwirkungen können die Haut beschädigen. Auch Verletzungen durch elektrischen Strom zählen hier dazu.
Talgdrüse
M. arrector pili
Oberhaut (Epidermis)
Lederhaut (Dermis)
Unterhaut (Subcutis) subkutanes Fettgewebe
Haarfollikel
Blutgefässe
Muskulatur
• Chemische Wunden: Verletzungen durch Säure und Laugen führen zu einem ähnlichen Verletzungsbild wie bei Verbrennungen.
Oft teilt man Wunden danach ein, wie tief die Verletzung ist. Bei Grad-I-Verletzungen spricht man von einem oberflächlichen Defekt, bei dem Epidermis und Dermis geschädigt sind. Bei Grad-II-Verletzungen reicht der Schaden bis ins subkutane Gewebe hinein, der Wundkrater ist etwa 1 bis 4 Millimeter tief. Wenn die Gewebsschichten inklusive Faszien und Muskelgewebe zerstört werden, spricht man von einer Grad-III-Verletzung. Und sobald Knochen, Sehnen und Gelenke beschädigt wurden, ist es eine Grad-IVVerletzung.
Ablauf
Bei einer Verletzung versucht der Organismus, die offene, ungeschützte Wunde zu schliessen. Dabei gibt es zwei Arten der Wundheilung. Die primäre Wundheilung läuft vor allem bei kleineren, infektionsfreien Wunden ab, bei denen nur ein sehr oberflächlicher Defekt von Epidermis und Dermis vorliegt. Bei einer kleinen Schnittwunde mit glatten Wundrändern, die nahe beieinanderliegen, kann eine Heilung innerhalb von circa zehn Tagen ohne grosse Neubildung von Gewebe abgeschlossen sein. Die frisch epithelisierte Narbe ist dabei kaum sichtbar. Wenn der Schaden am Gewebe grösser ist, muss die Gewebslücke mit Granulationsgewebe gefüllt werden – die sekundäre Wundheilung. Dieser freie Nervenendigungen
Diese Verletzungen gehören in ärztliche Hände!
Gewisse Wunden gehören nicht mehr in den Bereich der Selbstmedikation und müssen von ärztlichen Fachpersonen behandelt werden. Dazu gehören folgende Fälle:
• Biss- und Stichwunden
• Wenn die Wunde stark blutet
• Wenn tief in der Wunde Fremdkörper stecken
• Wunden im Gesicht
• Wenn die Wundränder ausgefranst sind
• Wenn während der Wundheilung eine Infektion auftritt
• Schwere Verbrennungen
• Chemische Verletzungen
Erstmassnahmen beschränken sich in diesen Fällen deshalb auf das Anlegen eines geeigneten, möglichst keimfreien Notverbands beziehungsweise bei stark blutenden Wunden eines Druckverbands. Andere Massnahmen wie Reinigung, Desinfektion oder Entfernen von allfällig vorhandenen Fremdkörpern sollen nicht ergriffen werden.
Prozess dauert länger und kann zu Narben führen. Sobald ein Wundheilungsvorgang mehr als acht Wochen benötigt, spricht man von chronischen Wunden. Die primäre und sekundäre Wundheilung laufen in drei ineinanderfliessenden Phasen ab (siehe Grafikunten): Die Exsudationsphase (Inflammations- oder Reinigungsphase), die Granulationsphase (Proliferationsphase) und die Epithelisierungsphase (Regenerationsphase).
Während der Exsudationsphase werden Zelltrümmer, Schmutzpartikel und Bakterien ausgeschwemmt. Die beschädigten Gefässe ziehen sich zusammen, um den Blutverlust zu minimieren, und das Blutgerinnungssystem wird aktiviert. Innerhalb von ein paar Stunden bildet sich ein Fibrinnetz, das als Matrix für das Granulationsgewebe dient. Zudem beginnt die zelluläre Immunabwehr. So beginnen beispielsweise Makrophagen Keime und Gewebetrümmer zu phagozytieren. Sehr oft zeigen Wunden Entzündungszeichen, das heisst, es
Exsudationsphase
Granulationsphase Epithelisierungsphase

Exsudationsphase:
• Wundexsudat
• leichte Entzündungszeichen (Schwellung, Rötung, Wärme, Wundschmerz)

Granulationsphase
• feucht-glänzende, himbeerartig-rote Oberfläche
• nachlassende Exsudation
schmerzt, die Stelle schwillt an und wird warm und gerötet. Nach etwa drei Tagen ist diese Phase abgeschlossen.
In der Granulationsphase wird das Gewebe erneuert. Dazu bauen Fibroblasten auf dem Fibrinnetz ein Gerüst, in dem weitere Zellen aus der direkten Umgebung der Wunden angesiedelt werden. Die Fibroblasten bilden Kollagen, um das entstehende Granulationsgewebe zu verfestigen. Wunden in dieser Phase sind tiefrot, feucht-glänzend und wirken gut durchblutet. Das Gewebe ist zu diesem Zeitpunkt sehr empfindlich. Die Granulationsphase beginnt etwa ab dem zweiten Tag und kann bis zu 14 Tage dauern.
In der Epithelisierungsphase wird das Granulationsgewebe zu Narbengewebe umgebaut. Das heisst, Epithelzellen wandern auf dem noch feuchten Granulationsgewebe ein, teilen sich und bilden eine verdickte Zellschicht, bis die Wunde geschlossen ist. Diese Umstrukturierung des Gewebes beginnt an den Wundrändern beziehungs-

Ephithelisierungsphase
• feine, rosa Haut
• weisses, glattes Narbengewebe

Regenerationsphase
• Wunde komplett verschlossen
• empfindlich, neue Haut
weise am Grund der Wunde. Die Regenerationsphase beginnt ab dem vierten Tag und kann bis zu drei Wochen dauern. Bis das Gewebe wieder die volle Zugfähigkeit erreicht, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern – je nach Grösse und Lokalisation.
Bei der Behandlung gilt die folgende Reihenfolge: 1. Wundspülung, 2. Wunddesinfektion, 3. Wundversorgung mit Verband oder Wundschnellverband (Ruhigstellen der Wunde) und 4. Unterstützung der Heilung in der Granulationsphase. Die Reinigung und Desinfektion sind vor allem die entscheidenden Massnahmen, die den weiteren Verlauf der Heilung bestimmen. Wundspüllösungen vermindern das Infektionsrisiko und sollten steril, reizlos und nicht resorbierbar sein. Geeignet sind zum Beispiel Ringer- oder physiologische Kochsalzlösungen. Im Notfall kann eine Verletzung auch mit Trinkwasser gespült werden, da der Nutzen einer sofortigen Spülung grösser ist als die Gefahr einer Infektion der Wunde durch Keime im Leitungswasser.
Vor dem Anlegen eines Verbands sollte unbedingt eine Desinfektion folgen. Je nach Wir kstoff wirken Wundantiseptika bakterizid/bakteriostatisch, fungizid/fungistatisch oder viruzid. Idealerweise wirken sie gegen ein breites Keimspektrum, haben eine lange Wirkungsdauer, bilden keine Resistenzen aus, sind farblos, nicht wundheilungshemmend, schmerzfrei und nicht resorbierbar. Geeignete Wi rkstoffe sind beispielsweise Octenidin, Polihexanid, Chlorhexidin oder Produkte auf PVP-JodBasis.
Feuchte oder trockene Wundversorgung?
Bei der traditionellen, trockenen Wundversorgung wird die Verletzung abgedeckt und vor Keimen und mechanischer Belastung geschützt. Mull- und Vlieskompressen, Gazen und Wundschnellverbände wie Pflaster
gehören zu den konventionellen Wundauflagen der trockenen Wundbehandlung. Oft können sie viel Sekret oder Blut aufnehmen. Dies führt jedoch dazu, dass es zur Austrocknung der Wunde und zu Schorfbildung kommt. Dies ist ein Problem in der Granulationsphase, wenn neue Epithelzellen nicht über den trockenen Wundbereich wandern können. Kapillaren und Fibrinfasern wachsen auch in die Wundauflage ein, wodurch die Wunde bei jedem Verbandswechsel wieder aufgerissen wird. Dies verzögert die Heilung und ist schmerzhaft. Zur Erstversorgung und bei kleinen Wunden wie Schnitten sind jedoch konventionelle Wundauflagen das Mittel der Wahl. Die moderne Wundversorgung richtet sich nach den verschiedenen Phasen der Wundheilung und sorgt mit geeigneten Auflagen für das Feuchthalten der Wunde. Austrocknung und Schorfbildung werden vermieden. Bei der feuchten Wundbehandlung ist aber der Gasaustausch gewährleistet, das heisst, Sauerstoff gelangt an die Wunde und Wasserdampf kann verdunsten. Es entsteht also keine feuchte Kammer. Bei exsudierenden Wunden nutzt man Wundauflagen mit grosser Saugkapazität, damit Blut und Exsudat aufgenommen werden können. Dazu eignen sich konventionelle Wundauflagen. In der Granulationsphase werden Auflagen benutzt, die für ein feuchtes Klima sorgen, sodass die Wunde nicht mit dem Verband verklebt. Dabei eignen sich vor allem hydroaktive Wundauflagen mit beispielsweise Hydrogelen, Alginaten oder Hydrokolloidverbände. Wundheilcremen können die Bildung von neuem Gewebe zusätzlich unterstützen.
In der Epithelisierungsphase muss das neu gebildete und empfindliche Gewebe vor äusseren Einflüssen geschützt werden. Dazu eignen sich Wundauflagen ohne Saugwirkung, damit die Verletzung keinesfalls austrocknet. Das Feuchthalten ist wichtig, damit Epithelzellen auf der feuchten Oberfläche wandern können. So wird auch verhindert, dass die Wunde mit der Auflage verklebt und das neue Epithel wieder aufgerissen wird. Geschlossene Wunden können mit speziellen Narbengels behandelt werden, um eine verstärkte Narbenbildung zu vermeiden.
Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:
Fachinhalte, die ins Ohr gehen – Audiobeiträge der vitagate ag zum Thema «Wundbehandlung» finden Sie hier:


















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