Magazin von Pro Senectute Kanton Zürich www.pszh.ch
Blick in die Zukunft
Die Chancen des demografischen Wandels und andere Megatrends.
Kurt Aeschbacher
Neugierig auf alles, was das Leben schenkt.
Mehr Gelassenheit
Wie man im Alter mit sich ins Reine kommt.
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Liebe Leserin, lieber Leser
Der demografische Wandel und die Digitalisierung sind zwei zentrale Megatrends unserer Zeit. Sie prägen, wie wir leben, arbeiten und unsere Zukunft gestalten.
Dabei kommt der Generation 60-plus eine wichtige Rolle zu. Sie wächst nämlich so stark wie keine andere Bevölkerungsgruppe.
In der Schweiz wird ihr Anteil bis 2050 um mehr als eine Million Menschen steigen und dann rund einen Viertel der Bevölkerung ausmachen. Ältere Menschen rücken damit zunehmend in die Mitte der Gesellschaft –als aktive Mitgestaltende.
Dazu gehört, moderne Technologien zu nutzen, neue Einsatzmöglichkeiten zu entdecken und auch die eigene Haltung zum Älterwerden zu überdenken. Nicht Rückzug, sondern Neugier, Lernbereitschaft und Engagement eröffnen neue Perspektiven.
Was die Zukunft bringt und wie Jung und Alt sie gemeinsam gestalten können. > ab Seite 6
Wichtige positive Treiber sind persönliche Kontakte, tragfähige Beziehungen zwischen den Generationen und der Wille, voneinander zu lernen. Wo Austausch gelingt, entsteht auch Zukunft.
Wie dieser Gestaltungsprozess aussehen kann und welche Chancen sich dabei eröffnen, das beleuchten wir in diesem Visit (ab Seite 6).
Ich wünsche Ihnen viel Freude und Anregung beim Lesen.
Véronique Tischhauser-Ducrot Vorsitzende der Geschäftsleitung
Lebensraum
4 kurz und gut
6 Titelgeschichte: Wir werden älter und fühlen uns jünger
14 «Die Zukunft wird besser und schlechter zugleich»: Gespräch mit Zukunftsforscher Georges T. Roos
19 Medientipps
Lebensweg
20 Die Kunst der Gelassenheit
24 Kurt Aeschbacher: «Ich bin ein Umsetzer der Neugier»
27 Kolumne Christine Brand
Lebenslust
28 Verträumtes Städtchen
30 Wanderung: Über sieben Thur-Brücken
32 Aus unserem Kursangebot
33 Meine Passion: Wenn Holz Geschichten erzählt
34 Agenda
35 Ernährung
36 Rätsel
38 Marktplatz, Impressum
39 Goldene Zeiten
Folgen Sie uns auf Facebook und LinkedIn.
Kurt Aeschbacher ist noch immer sehr aktiv. > Seite 24
Georges T. Roos über die Megatrends. > Seite 14
Suisse Disco 60+ neu auch in Zürich
Nach ihrem erfolgreichen Start im Mai 2025 in Basel geht die Suisse Disco 60+ in die nächste Runde: Am 12. September 2026 organisieren wir gemeinsam mit Pro Senectute Schweiz in The Hall Dübendorf/Zürich eine weitere Ausgabe der grössten ü60-Party der Schweiz. Ab 14 Uhr sorgen Klassiker der 60er- bis 90er-Jahre für beste Tanzstimmung, begleitet von einem attraktiven Rahmenprogramm mit prominenten Gästen. Tanzen Sie mit uns zum Weltrekord der grössten ü60-Disco! Tickets sind online erhältlich: suissedisco.ch
Zürich, 5. Dezember 2025 Ein starkes Zeichen für Gesundheit und Gemeinschaft: Regierungsrätin Natalie Rickli überreichte die Weihnachtsspende der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich an Véronique Tischhauser-Ducrot, Vorsitzende der Geschäftsleitung von Pro Senectute Kanton Zürich. Mit der Spende wird das Projekt «Nordic Walking für alle – gemeinsam in Bewegung kommen» unterstützt. Von Januar bis Juli 2026 erhalten ältere Menschen die Möglichkeit, kostenlos an Nordic-WalkingKursen von Pro Senectute Kanton Zürich teilzunehmen – unabhängig davon, ob sie erste Schritte wagen oder Erfahrung mitbringen. pszh.ch/nordic-walking
Überarbeiteter Docupass
Das umfangreiche Vorsorgedossier Docupass wurde aktualisiert. Insbesondere wurde die Patientenverfügung aufgrund neuer Standards überarbeitet. So wird neu die Werteerklärung noch mehr in den Fokus gerückt, da sie wichtige Hinweise für medizinisches Personal und Vertretungspersonen beinhaltet. Neu ist der Docupass auch in einer englischen PDF-Version erhältlich. In unseren Docupass-Workshops erhalten Sie wertvolle Informationen und Unterstützung zur Anwendung dieses umfassenden Vorsorgedossiers. pszh.ch/docupass
Würdigung
des freiwilligen Engagements
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 offiziell zum Internationalen Jahr der Freiwilligen erklärt. Damit würdigen sie das freiwillige Engagement weltweit als wichtigen Beitrag für soziale Sicherheit und Gemeinschaftsleben. Auch für Pro Senectute Kanton Zürich sind die rund 2800 Freiwilligen, die jährlich mit über 293 000 Einsatzstunden Begegnungen schaffen, Einsamkeit entgegenwirken und das solidarische Zusammenleben stärken, ein unverzichtbarer Pfeiler der Organisation.
25 Jahre Generationen im Klassenzimmer
Seit einem Vierteljahrhundert stehen Seniorinnen und Senioren im Rahmen von «Generationen im Klassenzimmer» (GiK) freiwillig in Schulklassen Kindern und Lehrpersonen zur Seite und fördern so den Austausch zwischen den Generationen. Dieses Engagement ist ein starkes Beispiel dafür, wie Freiwilligenarbeit einen wertvollen Beitrag zu Gemeinschaft, Bildung und sozialem Miteinander leistet – als Motor für gesellschaftlichen Zusammenhalt und nachhaltige Entwicklung. Wir sagen Danke!
In einem neuen Video zeigt der Frei willige Chris, wie bereichernd der Schulalltag dank Genera tionen im Klassenzimmer sein kann.
19 700
Spenderinnen und Spender setzten 2025 ein Zeichen der Solidarität für die ältere Bevölkerung im Kanton Zürich und vertrauen damit unserem Engagement.
Persönlich
Karl-Heinz Kergel
Fahrdienst Ortsvertretung Weiach
Was ist Ihre Aufgabe bei Pro Senectute Kanton Zürich? Ich engagiere mich in der Ortsvertretung Weiach und leite hier den Fahrdienst. Mit unserem Fahrdienst können auch Personen mit eingeschränkter Mobilität am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Das können Fahrten zum Arzt, zur Physiotherapie, zum Coiffeur oder auch zu einem Kaffeetreffen sein.
Was schätzen Sie an dieser Tätigkeit besonders?
Den Kontakt zu den Menschen im Dorf und in der Umgebung sowie das entgegengebrachte Vertrauen der Fahrgäste schätze ich sehr. Durch diese Tätigkeit bin ich im Dorf gut vernetzt, was wiederum auch für mich persönlich ein Gewinn ist.
Was gefällt Ihnen an älteren Menschen vor allem?
Die uns anvertrauten Gespräche, die Offenheit und ihre Geschichten, die sie mir gerne erzählen. Sie sind dankbar für die Zeit, die wir uns für sie nehmen, und dafür, dass wir ihnen zuhören. Es ist viel Dankbarkeit spürbar für das Angebot eines Fahrdienstes in unserem Dorf. Was können Ältere von jüngeren Menschen lernen?
Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem im Alltag, aber auch Gelassenheit und Toleranz gegenüber den Jüngeren. Wenn Sie zaubern könnten: Was würden Sie verändern?
Ich wünsche mir, dass die älteren Menschen nicht noch mehr eingeschränkt werden in ihrem Alltag wie etwa beim ÖV oder Bargeldabheben. Damit verlieren sie ihre Selbständigkeit. Auch wünschte ich mehr Respekt gegenüber den älteren Menschen.
«Eilik» (links) sorgt für Spass und Stimmung, «Alpha-Mini» (rechts) hilft beim Lernen: KI-gesteuerte Hilfsmittel und Roboter könnten künftig den Alltag älterer Menschen unterstützen.
Was die Zukunft uns schenkt
Bald werden in Europa mehr als die Hälfte der Menschen über 50 Jahre alt sein. Über die Chancen des demografischen Wandels und andere Megatrends der Zukunft.
Text: Vanessa Simili
Fit, gut ausgebildet, finanziell abgesichert – die heutigen Seniorinnen und Senioren besitzen die höchste Lebenserwartung je. Nach der Pensionierung besteht die Aussicht auf weitere erfüllte Lebensjahre, viele bleiben lange gesund und aktiv. Die Gruppe der ü65-Jährigen wächst so schnell wie keine andere. In Europa wird 2030 bereits mehr als die Hälfte der Menschen über 50 Jahre alt sein. In der Schweiz rechnet man damit, dass die Bevölkerung über 65 Jahre bis 2050 um mehr als 1 Million Menschen auf einen Viertel der Bevölkerung ansteigt. Alter aber ist nicht nur eine Zahl, sondern auch ein Gefühl. Während man sich hierzulande in den 1990er Jahren mit durchschnittlich 69 Jahren «alt» fühlte, hat sich das subjektive «Altsein» heute auf 80 Jahre verschoben, hält das Bundesamt für Statistik in seiner Publikation «Panorama Gesellschaft Schweiz 2024» fest. Der Titel der Publikation sagt alles: «Seniorinnen und Senioren werden älter und fühlen sich jünger.»
EIGENSTÄNDIGKEIT
HAT PRIORITÄT
Der demografische Wandel ist unbestritten der Megatrend der Stunde. Nicht nur die sozialen Sicherungssysteme und das Gesundheitswesen sind gefordert; es stellt sich auch die Frage, wie ein erfülltes und aktives Leben im Alter aussieht. Mit den Babyboomern altert nicht nur die zahlenmässig grösste Bevölkerungsgruppe, gleichzeitig ist es die Gruppe, die den digitalen Wandel ihr Leben lang mitgestaltet hat. Dies betont auch die deutsche Körber-Stiftung, die es sich zum Auftrag gemacht hat, die Alterung der Gesellschaft potenzialorientiert zu gestalten: Die beiden Entwicklungen – «immer älter werden» und «immer digitaler werden» – dürfen nicht voneinander entkoppelt verlaufen. Deshalb hat sie mit ihrer Studie «Uncover: Smart Ageing» für die Verbindung dieser beiden Megatrends eine empirische Grundlage geschaffen. Aus über mehr als 1000
Der Desktop-Begleitroboter «Eilik» verfügt über «emotionale Intelligenz».
Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 50 Jahren geht unter anderem hervor: Am wichtigsten, noch vor körperlicher und geistiger Fitness, ist für ältere Menschen, möglichst lange eigenständig zu leben.
Hier können KI-gesteuerte Hilfsmittel wie Roboter und andere elektronische Geräte zukünftig Unterstützung bieten. Angetrieben durch neue Technologien wie KI, smarte Robotik und Bots entsteht laut dem Zukunftsforscher Georges T. Roos ein Megatrend, den er «technologische Autonomisierung» nennt: «Heute sind es diese grossen Sprachmodelle wie ChatGPT, welche eine neue Stufe der KI etablieren. Und bereits wird an KI-Agenten geforscht, die in ihrer Umgebung wahrnehmen, lernen, planen und autonom handeln können, um vorgegebene Ziele zu erreichen.» Folglich werde eine neue Generation von Robotern auf den Markt kommen, die als smarte Roboter kollaborativ sein werden, mit dem Menschen also auf gleicher Interaktionsfläche agieren. «Sie kommen auch im Dienstleistungsbereich zum Einsatz, zum Beispiel als Pflegeroboter oder als Butler in Einkaufscentern und Hotels», so Roos.
PARTIZIPATION IN DER FORSCHUNG
Solche neuen Technologien und Anwendungen aus dem sogenannten AAL-Bereich (Active Assisted Living) werden teilweise im Rahmen von «Living Labs» erforscht. Ein partizipativer Ansatz sichert dabei den Einbezug von
Betroffenen. «Anders als in klassischen Labors testen und evaluieren Personen, die mindestens 65 Jahre alt sind, Technologien direkt in ihrer privaten, alltäglichen Wohnumgebung», erklärt Sabina Misoch, lange Leiterin des Instituts Alter an der Fachhochschule St.Gallen, heute Leiterin des Swiss Center for Care@ Home. Misoch forscht und lehrt an der Berner Fachhochschule BFH und leitet das an die BFH angeschlossene «LivingLab65+». Die Vorteile von «Living Labs» beschreibt sie so: «Seniorinnen und Senioren nehmen aktiv und partizipativ Einfluss auf die Entwicklung neuer Technologien. Gleichzeitig können Industrie und Forschung die realen Bedürfnisse und Barrieren erkennen, indem sie von den Endnutzerinnen und Endnutzern noch während der Entwicklungsphase direkte Rückmeldungen zur Technologie erhalten.»
Doch wie sehen solche Robotiklösungen für den Alltag älterer Menschen konkret aus? Einige – auch verspielte – Beispiele lassen sich auf der Website age-int.ch entdecken. Wir finden etwa «Alpha-Mini», einen humanoiden Roboter, der primär beim Lernen hilft. Er sieht aus wie ein Playmobil-Figürchen und kann, so die Beschreibung, auch «gleichzeitig unterhalten und Menschen zum Lachen bringen». Oder «Eilik», ein Dektop-Roboter, der «für Spass und Stimmung sorgt». Er hat diverse Kommunikations-, Unterhaltungs- und Erinnerungsfunktionen, vor allem aber verfügt er über ‹emotionale Intelligenz›. Bringt man mehrere Eiliks zusammen, erkennen sie sich und schliessen Freundschaften und spielen. Er ist ein sozialer Begleiter gegen Einsamkeit.
ZUKUNFTSARBEIT IST VIELFÄLTIG
Forschungsprojekte rund ums gesunde Altern sind zahlreich. Eines, das Angehörige der Zielgruppe an der Forschung teilhaben lässt, ist «Jedes Alter zählt». Dieses Projekt des Healthy Longevity Center und des Zentrums für Gerontologie der Universität Zürich hat zum Ziel, Altersdiskriminierung in der Schweiz sichtbarer zu machen. «Aktuell gibt es kaum wissenschaftliche Daten aus der Schweiz zur Altersdiskriminierung oder zu Erfahrungen der Altersgerechtigkeit», ist zu erfahren. Gesucht werden Menschen, die aus ihrer Erfahrung berichten und so einen Beitrag leisten zur Forschung.* Denn in einer Zukunft, in der
Die wichtigsten Megatrends
Was bringt die Zukunft? Was wird global und über längere Zeit zu strukturellen Veränderungen führen? Hier vier der wichtigsten Trends.
Bevölkerungswachstum
Darüber ist sich die Forschung einig: An vorderster Stelle steht das Bevölkerungswachstum. Bis 2050 werden gemäss UNO 9,7 Milliarden Menschen die Erde bewohnen. Dabei ist Europa mit einer schrumpfenden Bevölkerung ein Sonderfall unter den Kontinenten. Am stärksten wächst Afrika mit einer Bevölkerungszunahme von über 1 Milliarde bis 2050 auf 2,4 Milliarden Menschen.
Ageing Society
Ein zweiter Megatrend ist unsere alternde Gesellschaft (Ageing Society). «Die Bevölkerung über 60 Jahre ist mit Ausnahme Afrikas weltweit die am schnellsten wachsende Altersgruppe», so der Zukunftsforscher Georges T. Roos. Die Lebenserwartung wird weltweit bis 2050 von heute 73 Jahren auf über 77 ansteigen. In der Schweiz wird die Gruppe der über 65-Jährigen bis 2050 um mehr als 1 Million auf einen Viertel der Bevölkerung anwachsen.
Bevölkerung 60+ weltweit
Lebenserwartung weltweit
Bio-Transformation
In der Bio-Transformation sieht Zukunftsforscher Georges T. Roos einen weiteren Megatrend: «Die neue, viel einfachere, schnellere und sicherere Möglichkeit, durch die Genschere (CRISPR/Cas9) die DNA von Lebewesen zu verändern oder zu löschen, ist vielver sprechend. Darüber hinaus wird die Bio-Transformation auch neue nachhaltige Materialien, Therapien, erneuerbare Energien und vieles mehr hervorbringen.»
Autonome Technologien und selbstlernende Systeme Nicht zuletzt sollen auch autonome Technologien und selbstlernende Systeme als Megatrend eine grosse Rolle spielen: Künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge und Drohnen, sich selbst bauende und korrigierende Produktionsanlagen (Smart Factories), Bots im Kundendienst sowie Roboter in Industrie und Dienstleistungsbranchen.