Skip to main content

F038950080-leseprobe-01

Page 1

FormatOst Leseprobe

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen. © Verlag FormatOst www.formatost.ch


DIE FASNACHT IN ALTSTÄTTEN URSPRUNG UND ENTWICKLUNG

100 Jahre Röllelibutzen Verein


© 2018 by Verlag FormatOst, CH-9103 Schwellbrunn Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten. Gestaltung: Janine Durot Umschlagbild: Robert Hangartner Satz: Verlagshaus Schwellbrunn Druck: Galledia AG, Berneck/Flawil Bindung: Grollimund AG, Reinach Gedruckt auf LuxoArt Samt New hochweiss, 150 g/m2 Gesetzt in ITC Stone Serif Std und ITC Stone Sans Std ISBN 978-3-03895-008-0 www.formatost.ch


INHALT Carlo Pinardi

7 Vorwort des Vereinspräsidenten 9

Josias Clavadetscher Geschichte der Fasnacht: Woher kommt die Fasnacht? Werner Kuster

21 Vorgeschichte der Altstätter Fasnacht: Fasnachtstreiben vor 1800? Meinrad Gschwend

40 Die Röllelibutzen im 19. Jahrhundert: Fasnacht als Spiegel einer bewegten Zeit Meinrad Gschwend

50 Konkurrenz durch «kultivierte» Festspiele: Verdrängungskampf auf der Fasnachtsbühne Meinrad Gschwend

58 Gründung des Vereins: Dem erneuten Verbot zum Trotz

Meinrad Gschwend

65 Grössere Umzüge und mehr Publikum:

Professionalisierung in den 1920er Jahren Meinrad Gschwend

77 Auf und ab nach dem 2. Weltkrieg: «Herr Oberst – d’Chrieg isch us» Meinrad Gschwend

81 Fasnachtszeitungen: «Wenn’s jemand ärgert –

Lino Pinardi

117 Aussergewöhnliche Auftritte des

­ öllelibutzen Vereins: Ausstrahlung R über die Landesgrenzen hinaus Max Pflüger

126 Festspiel 1927: «Rölleli, Rölleli, hopsassa»

Max Pflüger

130 Festspiel 1969: «S’ischt woor – s’ sind 50 Johr»

Max Pflüger

135 «Memories – Erinnerungen»: Aus den Erinnerungen des Autors Max Pflüger

139 «700 Jahre Stadtrecht Altstätten»: Stadtübernahme 1998 Anja Hangartner

146 Polanaise und Marschmusik:

Entwicklung der Butzenpolonaise Meinrad Gschwend

171 Die Röllelibutzen im Kunstschaffen: 30-Rappenmarke als Botschafterin Josias Clavadetscher

174 Die Röllelibutzen und die Nation: Der Röllelibutz im Vergleich

So ist er nicht gescheidt»

180 Chronik des Röllelibutzen Vereins

Meinrad Gschwend

184 Präsidenten des Röllelibutzen Vereins

ist der Kopfputz»

185 Mitarbeitende

Ferdi Segmüller

186 Quellen und Literatur

Kostüm: Reglementiert und doch einzigartig

189 Bildnachweis

Lino Pinardi

192 Dank

84 Frühe Entwicklung des Hutes: «Das Prächtigste 88 Schmuck und Kleidung: Das Röllelibutzen-

106 Fasnachtsbrauchtum in Altstätten: Die Altstätter Fasnacht – Vom Martinstag bis Aschermittwoch


Vorwort

100 JAHRE RÖLLELIBUTZEN VEREIN Carlo Pinardi, Präsident des Röllelibutzen Vereins Altstätten Der Röllelibutzen Verein feiert 2019 seinen 100. Geburtstag. Dieser soll mit mehreren Veranstaltungen gebührend begangen wer­ den. Deshalb bereitet sich der Vorstand, die sogenannte Kommission, seit längerem auf das runde Jubiläum vor. Während dieser Zeit wuchs im Gremium das Bedürfnis, mehr über den Ursprung der Altstätter Fas­ nachtsfigur schlechthin zu erfahren. Das Verlangen, die Leistungen der Vorgänger zu würdigen, steigerte sich. Schliesslich mün­ deten die Begehren in ein Vorhaben, dessen Ergebnis Sie nun in Händen halten: Eine Festschrift, welche die Entwicklung der ein­ zigartigen Fasnachtsgestalt gründlich un­ tersucht und die damit verbundene Ge­ schichte des Röllelibutzen Vereins fundiert darstellt. Die objektive Schilderung der Entste­ hungsgeschichte war sicherlich eine grosse Herausforderung. Denn das Quellenmaterial über die «Butzen» sprudelt oft nur spärlich. Die Kommission darf sich glücklich schät­ zen, ausgewiesene Kenner und fachkundige Mitarbeiterinnen für dieses Projekt gewon­ nen zu haben. Die Darstellung der abwechs­ lungsreichen Vereinsgeschichte war aber auch eine dankbare Aufgabe. Denn auf den

gelungenen Band warten nicht nur neugieri­ ge Vereinsmitglieder und an Folklore Interes­ sierte, sondern auch eine breitere Öffentlich­ keit, die einen Blick auf die Geschicke der Altstätter Fasnachtsfigur werfen will. Die rund 60 Männer, die sich 1919 zu­ sammengeschlossen hatten, konnten nicht alle Folgen ihrer Tat abschätzen. In erster Linie wollten sie eine tief verwurzelte Lokal­ tradition weiterführen, die während des Ersten Weltkrieges zum Erliegen gekommen war. Offensichtlich ist ihnen dies gelungen. Mit dem Röllelibutzen Verein begründeten sie aber auch jene Körperschaft, die seither massgeblichen Einfluss auf die Altstätter Fasnacht ausübt. Heute besteht der Verein aus rund 75 Mitgliedern. An seiner Spitze steht ein Prä­ sident, der «Butzenkönig». Für die Organi­ sation der Strassenfasnacht zeichnet ein eigens dafür eingesetztes Komitee verant­ ­ wortlich, das sich auf die Unterstützung zahlreicher Helferinnen und Helfer verlas­ sen kann. Die Ehrendamen und Röllelibut­ zen versammeln sich jedoch nicht nur wäh­ rend der närrischen Zeit, sondern pflegen das ganze Jahr hindurch ein reges Vereins­ leben.

7


Im Verlauf seiner Geschichte dehnte Wandels geworden. Sie zeigt einen Verein, der Röllelibutzen Verein seinen Aktions­ der ganz in seiner Tradition steht und radius aus. Er besuchte viele Umzüge im­­­ gleichzeitig den Blick in die Zukunft richtet, In- und Ausland, nahm an diversen Narren­ indem er Bewährtes erhält, Neues schafft treffen teil und vertrat das Rheintaler Markt­ und beides miteinander verbindet. städtchen sowie den Kanton St. Gallen an Die Kommission bedankt sich für die vielen kulturellen Anlässen ausserhalb der finanzielle Unterstützung bei den grosszügi­ Fasnachtszeit. Mittlerweile sind die farben­ gen Förderinnen und Sponsoren. Sie über­ frohe Fasnachtsgestalt, ihr neckisches Trei­ reicht das einmalige Werk nicht ohne Stolz ben und die anmutigen Polonaisen weithin der Öffentlichkeit, wünscht der Festschrift bekannt. grossen Anklang und dankt den Autorinnen In den vergangenen 100 Jahren hat sowie Autoren der Text- und Bildbeiträge. sich vieles verändert, auch die Fasnacht so­ wie die Ehrendamen und Röllelibutzen. So Altstätten, 11. November 2018 ist diese Festschrift zu einem Zeugnis des


Geschichte der Fasnacht

WOHER KOMMT DIE FASNACHT? Josias Clavadetscher Wenn man das genau wüsste! Wer hat die Fasnacht «erfunden», oder wo ist sie über­ haupt erstmals in Erscheinung getreten? Und warum und wie konnte sie sich bis heute erhalten und hat sich immer weiter entwickelt? Viele Städte, Gegenden und vie­ le Traditionen nehmen für sich in An­ spruch, die Wiege des fasnächtlichen Trei­ bens zu sein. Nur: die Wurzeln lassen sich gar nicht genau festlegen. Zudem ist vieles, was in gutem Glauben beteuert wird, schlichtweg falsch. Vor allem im ausgehen­ den 19. Jahrhundert, und teils bis vor etwa 50 Jahren, wurden viele Traditionen mit ei­ nem mythologischen Ursprung begründet. Es war von heidnischem Brauchtum und von kultischen Überresten des Altertums die Rede. Die neuere Forschung in den Be­ reichen Sozial- und Kulturanthropologie sowie Ethnologie – früher einfach Volks­ kunde – hat damit aufgeräumt und dies em­ pirisch belegt. Es gibt keine direkte Verbin­ dung von der heutigen Fasnachtstradition zurück bis zu germanischen Mythen oder der Brauchtumswelt der Alemannen. Die einzige Verbindung kann in der sogenann­ ten anthropologischen Konstante gesehen werden. Sie besagt, dass der Mensch, offen­ sichtlich von seiner genetischen Konstitu­

tion her, gerne Festivitäten begeht, dabei Lärm erzeugt, sich ungehemmtem Genuss hingibt, wenn möglich in eine Gegenwelt eintritt und für eine beschränkte Zeit in an­ dere soziale Rollen schlüpft, indem er sich vermummt, verkleidet und maskiert. Allerdings sind aus dem Altertum Praktiken belegt, die tatsächlich fasnächtli­ che Elemente enthalten haben. Typisch wa­ ren die römischen Saturnalien, Festtage zu Ehren des Gottes Saturn. Sie wurden ab 45 v. Chr. (jeweils vom 17. Dezember bis zur Wintersonnenwende) begangen. Die Satur­ nalien dauerten damit mehrere Tage, bis zu einer Woche. Öffentliche Einrichtungen waren geschlossen und damit die staatliche Ordnung ausgeblendet. Gleichzeitig wur­ den die Standesunterschiede aufgehoben: Sklaven nahmen die Rolle der Herren ein und umgekehrt. Es wurde sogar ein «rex bi­ bendi» ernannt, ein «König des Trinkens». Die Saturnalien wurden wild und feucht­ fröhlich begangen und arteten in masslose Trink- und Essgelage aus. Es wurden Spott­ gedichte vorgetragen und Rosenblätter aus­ geschüttet, was Vergleiche zu den heutigen Schnitzelbänken oder Büttenreden sowie zu den Konfetti zulässt. Auch wurden Geister figürlich dargestellt, indem Maskenträger

9


10

aufgetreten sind. Die Saturnalien galten als die fröhlichsten und populärsten Festlich­ keiten im antiken Rom. Schon vor diesen Saturnalien sind im 2. Jahrhundert v. Chr., jeweils Mitte März, zu Beginn des neuen Jahres nach römischer Zeitrechnung, die Bacchanalien gefeiert worden. Ebenfalls geprägt von Masslosig­ keit, als eine Gegenwelt mit Tanz, Rollen­ spiel, Maskierung und «Ausseralltäglich­ keit». Die Teilnehmer werden beschrieben als Zecher, die sich Felle und Häute über­ streiften und Tiere dargestellt, sich also maskiert haben. Nicht immer sind diese Veranstaltungen reibungslos verlaufen. Die Geschichtsschreiber Flavius und Titus Livi­ us beschrieben, wie 186 v. Chr. als Folge des Bacchanalienskandals rund 7000 Frauen und Männer hingerichtet worden sind. Eine Folge dieses Massakers: die Baccha­ nalien wurden vorübergehend bewilli­ gungspflichtig, weil dieser Kult als staats­ bedrohend erachtet worden ist wegen Giftmischerei, Urkundenfälschung, Masslo­ sigkeit, Verleumdung, bis hin zu Mord. Gerade der rheinische Karneval hat lange versucht, seinen Ursprung auf diese römischen Saturnalien zurück zu führen, um der eigenen Tradition übersteigertes his­ torisches Gewicht zu geben. Ein nutzloses Unterfangen. Ebenso wie später immer wie­ der versucht worden ist, die Traditionen der schwäbisch-alemannischen Fasnacht – zu der auch die deutschschweizerische Fas­ nacht gehört – aus germanischen Ursprün­ gen abzuleiten. Zum Gebiet der schwä­ bisch-alemannischen Fasnacht gehört ein nicht genau begrenzbares, über die Landes­ grenzen hinaus reichendes Gebiet etwa zwi­ schen dem Main und den Alpen, von der deutsch-französischen Sprachgrenze im Westen bis ins Tirol. In diesem grossen Ein­ zugsgebiet ist man immer wieder der Ver­ suchung erlegen, eine Verbindung zwi­

Saturn, in der römischen Mythologie der Gott der Aussaat und des Ackerbaus.

schen fasnächtlichen Brauchtumsformen und den Rauhnächten herzustellen. Die Rauhnächte, oder Zwölf-Nächte, beginnen nach der germanischen Mythologie an Weihnachten (25. Dezember) und enden an Dreikönigen (6. Januar). Sie leiten sich dar­ aus ab, dass ein kalendarisches Jahr zwölf Mondmonate mit total 354 Tagen umfasst, ein Sonnenjahr 365 Tage. Die Differenz der 12 Nächte galten als «tote Tage, die ausser­ halb der Zeit liegen». Die Germanen nah­ men an, dass darum die Gesetze der Natur ausgeschaltet seien, die Grenzen zu andere Welten offen seien und deshalb die toten Ahnen wieder zurückkehren würden. Ty­ pisch ist in diesem Zusammenhang die Sage vom Wuotis Heer, das in wilder Jagd, mit Hörnerklang und Schwertergeklirr, verhee­ rend durch die Lüfte zieht. Mit möglichst viel Lärm sollten darum diese Dämonen ge­ bannt werden. Das in vielen Volksbräuchen enthaltene Lärmbrauchtum bezieht sich oft auf diesen Ursprung. Die Furcht vor Dämonen mag heute befremdlich klingen. Wenn unsere Vorfah­


ren sich jedoch die Phänomene der Natur nicht erklären konnten, im dunklen und kalten Winter bei Talglichtern und Feuer überleben mussten, dann kann man sich die Anspannung vorstellen, wenn draussen Stürme tobten. Es gibt Hinweise, dass sogar der moderne Mensch diese Urängste noch nicht los ist. Warum wird an Silvester mit Feuerwerk möglichst viel Lärm erzeugt, wenn es ins neue Jahr geht? Warum sieht man sich mit Gänsehaut die TV-Serie «The Walking Dead» an? Oder wie erklärt es sich, dass Jonny Cash mit «Ghost Riders in the Sky» einen Welthit gelandet hat, und war­ um haben die Romane mit Harry Potter mit der Schilderung übersinnlicher Kräfte im Kampf zwischen Gut und Böse Milliarden eingespielt? Und was den Urtrieb des Rol­ lenwechsels oder das Vertrauen auf magi­ sche Kräfte angeht, so sind heute durchaus im Alltag entsprechende Beispiele zu erken­ nen: ausgefallene Kleidung, exzentrische Frisuren und überbordend viele Tattoos und Piercings.

Erste richtige Spuren im Mittelalter Zuverlässige, erste Spuren der Fasnacht fin­ den sich im Hochmittelalter. Die heutige Ethnologie geht davon aus, dass der Ablauf des Agrarzyklus und gleichzeitig das Kir­ chenjahr die Entstehung, Verbreitung und Entwicklung der Fasnacht begünstigt ha­ ben. Die mit ihren Haupttagen im Februar und März angesiedelte Fasnacht fällt mit dem Rückzug des Winters zusammen und mit dem Beginn der Vegetationszeit. Die dunkle Jahreszeit ist vorbei. Viele Fasnachtsund Frühjahrsbräuche enthalten tatsäch­ lich Elemente der Wintervertreibung und der Fruchtbarkeitsbeschwörung. Dies gilt etwa für Lärmbräuche zum Erwecken der

Der germanische Gott Wotan zieht mit seinem Heer durch die Winternächte.

Natur oder die Umrundung von Bäumen und den Zug auf Feldern. Diesem Volks- und Aberglauben stand die katholische Kirche von ihrer Theologie her ablehnend gegenüber. Etwa ab 1400 erfolgte nach einem tiefgreifen­ den Umbruch der Theologie eine Diaboli­ sierung der Fasnacht durch die Kirche. Fasnächtliches Treiben wurde moralisch bewertet und als Gegenpol zur Fastenzeit dargestellt. Weil die popularisierte Fas­ nacht aber nicht auszurotten war, hat die Kirche sie kurzerhand ins Kirchenjahr in­ tegriert, eher ungewollt. Der theologische Ansatz dazu wird häufig in der Zwei-Staa­ ten-Lehre des heiligen Augustinus gese­ hen. Hier die Welt des Teufels, der Narren, der Zügellosigkeit und der Völlerei, da die Welt der Gottesfurcht, des gottgefälligen Lebens, der Erlösung und des Heils. Oder anders gesagt: wer im Genuss und in sit­ tenlosen Ausschweifungen übertreibt, der ist als Sünder wieder einfacher zu diszipli­ nieren. Ein Spiel um Schuld und Sühne, um Gewissen und Vergebung.

11


12

Unter diesen Aspekten hat sich im Hochmittelalter die Fasnacht definitiv als Schwellenfest zur Fastenzeit etabliert. Die auf 40 Tage angelegte Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet am Palmsonn­ tag, gefolgt von der heiligen Woche oder Osterwoche. Eine andere Zählweise nimmt während der Fastenzeit die Sonntage aus, sodass die Fastenzeit erst am Gründonners­ tag endet. Die Fastenzeit hatte nun insofern wesentlichen Einfluss auf das Geschehen an der Fasnacht, als während den 40 Tagen ri­ gorose kirchliche Vorschriften galten. Der Verzehr von Fleisch, Fett, Eiern, Butter und Käse war untersagt, in einzelnen Gegenden zeitweise sogar von Milch. Die Verbote be­ trafen auch alle Lustbarkeiten, Musik, Tanz, Alkoholausschank und «andere fleischliche Gelüste». Diese von der Kanzel verhängten Einschränkungen hatten massiven Einfluss auf die Lebensmittelproduktion, -versor­ gung und -verwertung. Was die Versorgung mit Fleisch betraf, liess sich das mit dem Aussetzen von Schlachtungen durchaus steuern. Ebenso war Käse lagerfähig. Den Hühnern dagegen konnte das Eierlegen nicht verboten werden. Um keine Lebens­ mittel verderben zu lassen, führte dies fast notgedrungen zu einem gesteigerten Ver­ brauch vor Beginn der Fastenzeit und nach deren Ende an Ostern. Die üppige Verwen­ dung von Eiern und Fett für Gebäck wie Fasnachtschüechli oder die Tradition der Ostereier ist so leicht erklärbar. Nicht nur die Kirche hat mit Verboten, Geboten und Regelungen die Fasnacht be­ einflusst und damit gesteuert. Auch die staatlichen Instanzen sind immer wieder regulierend oder strafend eingeschritten. Die Inhaber von Macht und staatlicher Au­ torität sahen in der Fasnacht eine Zeit un­ regulierter oder nicht steuerbarer Verunsi­ cherung. Nicht unbegründet, da die Fasnacht immer wieder Ausgangspunkt und Gelegenheit für Übergriffe war. Typisch ist zum Beispiel die «bös fasnacht zu Basel» im Jahre 1376. Als fasnächtliche Lustbarkeit

gedacht wurde von Herzog Leopold III. ein Turnier angesetzt, auch um seine habsbur­ gischen Machtansprüche in der Stadt zu do­ kumentieren. Als Pferde und Ritter mit Waf­ fen in die Zuschauer gerieten, entstand daraus ein unkontrollierter Tumult. Mehre­ re Gefolgsleute des Herzogs wurden erschla­ gen. Der Basler Rat erklärte, dass «fremdes volk und böse buben» als Verursacher er­ kannt worden seien und liess zwölf angeb­ liche Rädelsführer hinrichten. Die Stadt sel­ ber kam unter den Bann und damit unter die schärfere Kontrolle von Habsburg. Bis heute allgemein bekannt ist ein zweites Vorkommnis: der Saubannerzug von 1477. An der Fasnacht in Weggis, Uri, Zug und Schwyz wurde dieser Zug des «to­ rechten lebens» gestartet. Die vorwiegend jungen Männer hatten die Absicht, in Genf die zugesicherten Anteile aus der Beute der Schlacht von Nancy einzutreiben. Der Sau­ bannerzug, 1700 Mann stark, liess sich erst weit in der Westschweiz wieder stoppen, in­ dem 8000 Gulden sofort beglichen, für 16 000 Gulden Geiseln gestellt wurden und jeder Teilnehmer des Saubannerzugs zwei Gulden bar in die Hand und einen Um­ trunk erhielt. Ausgesprochen beliebt waren im Mit­ telalter die gegenseitigen Fasnachtsbesuche der eidgenössischen Stände. Sie hatten so­ wohl geselligen wie politischen Charakter. So waren 1444 die Leute von Wil in Schwyz, 1452 die Luzerner in Schwyz, 1461 Uri und Schwyz in Bern oder 1497 Bern in Schwyz und so weiter. Beinahe jährlich waren sol­ che Besuche unterwegs. Sie fanden logi­ scherweise nur unter den acht alten Orten der Eidgenossenschaft und mit den zuge­ wandten Städten statt, auch in Konstanz und Strassbourg, ab 1513 dann unter den 13 alten Orten. Die Untertanengebiete wa­ ren davon ausgenommen. Um die politi­ sche Bedeutung dieser Besuche zu doku­ mentieren, dient das Beispiel von 1447. Noch vor dem offiziellen Ende des alten Zürichkriegs und in den beginnenden Frie­


Die Fritschi-Maske wurde nach Basel entführt und ein Jahr später spektakulär zurück geholt.

densverhandlungen besuchten die Schwy­ zer auf Einladung hin die vorher verhassten Zürcher. «Do ludend di von Zurich die Eyd­ genossen zu inen in Ir statt ein vassnacht gesellschaft be Inen zu halten, damit sie wieder gute fründschaft und liebe pflanzet­ tind». Diese Fasnachtsbesuche konnten auch in heutigem Sinne wirklich fasnächtliche Aspekte haben. 1507 raubten die Basler die Fritschi-Maske in Luzern, das Symbolbild der Luzerner Fasnacht. Ein Jahr später tra­ ten die Luzerner in Basel an, um die Frit­ schi-Maske wieder zu befreien. Weil die Stände Luzern und Basel die Kosten zu tra­ gen hatten, ist das Ausmass dieses Besuchs bekannt. Es wurden neben Rindfleisch, Käl­ bern und Hammeln auch 1764 Hühner ver­

zehrt sowie 53 Lachse und 54 Saum Wein getrunken, was 8100 Litern entspricht. Oder ein anderes Beispiel: die Besuche zwi­ schen Uri, Schwyz und Basel, an denen man sich gegenseitig zu übertrumpfen versuch­ te. Auf dem Gegenbesuch von Basel in Alt­ dorf waren der Bürgermeister Hans Roüst, neun Ratsmitglieder, acht Zunftmeister, Rit­ ter, Zünftler, Geistliche, Weibel, Musikan­ ten, Bewaffnete, Narren, Maskierte und Hu­ ren dabei. Das entsprach einem Zug von 80 Personen zu Pferd und 130 zu Fuss. Man war mehrere Tage unterwegs; es wurde dar­ aus ein Gastspiel der Masslosigkeit. Auf der Urner Menükarte standen Gams, Steinbock, Hirsche, Rehe, Bären, Wildschweine, Scha­ fe, es wurde süsser und schwerer Malvasier ausgeschenkt, Claret-Wein, roter und weis­

13


Die frühe Entwicklung des Röllelibutzen-Hutes

«DAS PRÄCHTIGSTE IST DER KOPFPUTZ» Meinrad Gschwend

84

Das Rölleliband hat zwar den Namen gege­ ben, doch es ist vor allem der reichge­ schmückte Hut, der die Röllelibutzen ein­ zigartig macht. «Das Prächtigste an der Tracht des Röllelibutzes ist der Kopfputz, der mit vielen bunten Glasperlen besetzt und mit einem wallenden Federbusch ge­ ziert ist»,1 wurde 1940 voller Bewunderung über den Röllelibutzen-Hut geschrieben. Seit wann gibt es den Hut in dieser Form? Seit es den Verein gibt, hat sich der Hut in seiner Form und Gestaltung nur un­ wesentlich verändert. Vor 100 Jahren ge­ hörte es zu den wichtigen Bestrebungen des jungen Vereins, dass das Kostüm in seiner Art gleich bleiben sollte. In der Tat, Foto­ grafien aus dieser Zeit zeigen, dass das Kos­ tüm weitgehendst identisch ist mit dem heutigen. Schon damals galten Kostüm und Hut als «alt-hergebracht», und die Rölleli­ butzen betonten, man wolle das Bestehen­ de und Überlieferte der Butzentradition er­ halten.

Ein eleganter Schäferhut Bilder von Butzenhüten des 19. Jahrhun­ derts gibt es keine. Wir sind auf Beschrei­

bungen angewiesen. Wenn wir in den Un­ terlagen zurückblättern, stossen wir auf den im Kapitel «19. Jahrhundert: Fasnacht als Spiegel einer bewegten Zeit» erwähnten Be­ richt von Johann Laurenz Mooser2. Als Zeit­ zeuge beschrieb er die Röllelibutzen, wie sie sich um 1820/30 präsentiert hatten. «Ihre Kopfbedeckung war ein eleganter Schäfer­ hut, grün oder wenigstens mit grün gefältel­ tem Unterfutter, unter welchem eine weisse Frauenhaube das Haar und eine liebliche Larve (denn sie wollten ja vorzüglich dem schönen Geschlecht gefallen) das Gesicht verbarg.»3 Die Haube gibt es nach wie vor, ebenso die «schöne Larve», nur der Hut hat in den rund 200 Jahren eine Entwicklung durchgemacht.

Bänder als einziger Schmuck Der Hut wurde im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte mit bunten Seidenbändern ge­ schmückt. Diese Bänder waren am unteren Rand der Rückseite des Hutes befestigt. Pa­ ter Fridolin Segmüller hat zur Zeit der Ver­ einsgründung festgehalten: «Der Putzenhut war früher ein einfacher dunkler Filzhut,


mit einem bunten Seidenband garniert, das in mehreren Partien über den Rücken hinab flatterte. Seit einigen Jahrzehnten ist die Ausstattung viel mannigfaltiger und kostba­ rer geworden. Der Gupf oder die ‹Raupe› wurde höher, mit bunten Blumen und künstlichen Früchten ausstaffiert, mit Goldund Silberfäden reich durchwirkt und mit Straussfedern bekrönt.»4 Da haben wir den Vorläufer des heuti­ gen Hutes. Diese Beschreibung beruht ei­ nerseits auf eigener Beobachtung, anderer­ seits auf Kontakten zu den Röllelibutzen. Als Jugendlicher hat der 1859 geborene Seg­ müller die Fasnacht erlebt, als Historiker hat er später die Entwicklungen in Altstätten während Jahrzehnten aufmerksam verfolgt. Zu den Gründern des Röllelibutzen Vereins pflegte er Kontakt. Er kündigte ihnen einen Bericht an5 und machte mit seinem 1922 veröffentlichten Beitrag «Die Rölleliputzen und die Altstätter Fastnacht» den Altstätter Fasnachtsbrauch über die Ostschweiz hin­ aus bekannt. Seine Darstellung wurde von den aktiven Röllelibutzen wohl als richtig empfunden, denn der gleiche Artikel wurde 20 Jahre später 1:1 im offiziellen Fasnachts­ programm6 nochmals abgedruckt. Aus dem Text von Pater Fridolin Seg­ müller kann der Schluss gezogen werden, dass sich die Veränderung des Hutes im Sin­ ne einer Vergrösserung und Verschönerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgespielt hatte. Das war die Zeit, in der sich die Röllelibutzen immer mehr vor ei­ nem grösseren Publikum präsentierten, ei­ gene Umzüge und weitere Darbietungen auf die Beine stellten.

Wettstreit um den schönsten Hut Der Auslöser dieser Hut-Einwicklung kann ganz einfach darin liegen, dass man dem Publikum gefallen wollte. Ein weiterer Grund liegt wohl in einem Wettstreit um

den farbigsten und grössten Hut. Der Träger des schönsten Hutes wurde zum Butzenkö­ nig ernannt und durfte vielleicht den Um­ zug anführen. Der Hut des Butzenkönigs ist auch heute einer der grössten und gilt als der schönste. Das war genau gleich um 1900. «Der Putzenkönig ist stets zu Pferd … und sein Helm (gemeint ist der Hut) ist der reichste und am meisten phantastische», schrieb Georg Baumberger im 1903 erschienen Ju­ biläumsbuch des Kantons St. Gallen.7 Den Röllelibutzen-Hut bezeichnete er als «… eine Art Helm mit bunter Zierart in Federn,

Wohl der älteste, erhalten gebliebene Röllelibutzen-Hut. Es ist sehr wohl möglich, dass dieser Hut im 19. Jahrhundert entstanden ist.

85


Glasperlen und hinten mit flatternden Bän­ dern in grün, weiss und rot.» Und weiter hiess es: «Diese Helme sind oft wahre Prachtstücke im Wert von sechzig bis acht­ zig und hundert Franken.» Auf die hohen Kosten der Hutherstellung Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch im Buch »Volks­ bräuche der Schweiz»8 hingewiesen.

Röllelibutzen-Hut aus der Generation vor dem 1. Weltkrieg.

Spezialisten am Werk

86

Damit ist klar: Ein Röllelibutzen-Hut war um 1900 aufwendig hergestellt und ent­ sprechend teuer. Das heisst auch, dass die Hüte nicht Jahr für Jahr neu gemacht wur­ den, sondern ihren Dienst lange erfüllen mussten und wohl innerhalb der Familie über Generationen hinweg weitergegeben wurden. Einen so kostbaren Hut, dessen Er­ werb ja ein Monatsgehalt (oder mehr) kos­ ten konnte, herzustellen, erforderte Ge­ schick und Können. Offenbar gab es schon vor der Vereinsgründung «Spezialisten», welche diese Hüte herstellten. Dass die Herstellung und Gestaltung der Hüte anspruchsvoll waren und dass nur wenige Personen dieses Handwerk tatsäch­ lich beherrschten, zeigte auch die Diskussi­ on an einer der ersten Versammlungen des jungen Vereins. 1920 wurde beschlossen, Theresia Buschor und Johann Geisser «we­ gen ihrer Errichtung von Butzenhüten» die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen.9 Darauf­ hin erfolgte der Vorschlag, auch Liseta Baumgartner-Büchel und Herr Eugster, Lü­ chingen, «wegen ihrer Herstellung von Hü­ ten» ebenfalls zu Ehrenmitgliedern zu er­ nennen. Gute Hutmacherinnen waren schon damals sehr geschätzt. Die Hüte waren um 1900 herum im Vergleich zu heute kleiner und in ihrer Er­ scheinungsform etwas wilder. Im Magazin des Röllelibutzen Vereins ist ein Exemplar dieser Hut-Generation erhalten geblieben. Bereits auf den Bildern, die zu den Beginn

der 1920er-Jahre aufgenommen wurden, sind die meisten Hüte wesentlich höher. Die Kugeln an den Hüten sollen zu Be­ ginn des Jahrhunderts bedeutend grösser gewesen sein, teils fast wie Christbaumku­ geln.10 Mit Sicherheit wurden einzelne Hüte auch von ihren Trägern hergestellt oder zu­ mindest in Stand gehalten. An diese Perso­ nen richtete sich im Jahr 1900 ein Inserat: «Putzen! Federn, Blumen, Kugeln in schönster Auswahl empfiehlt billigst Wiener Bazar.»11 In dieser Zeit gab es mehrere Altstätter Ge­ schäfte, die Hutschmuck, Bordüren, Kor­ deln aller Art anboten. 1919 soll es während der Polonaise plötzlich sehr stark geregnet haben. Die meisten Hüte wurden dabei triefend nass. Viele mussten neu aufgerichtet werden oder gar ersetzt werden.12 So entstanden inner­ halb kurzer Zeit von wenigen Personen (oder nur einer einzigen?) zahlreiche Hüte. Das führte zu einer gewissen Vereinheitli­ chung der Röllelibutzen-Hüte. Trotzdem ist jeder Hut ein Unikat, und die Handschrift – sozusagen der Stil der Hutmacherin – wie auch die persönlichen Präferenzen des Auf­ traggebers sind in vielen Hüten erkennbar.


«Hut-Studie» zu Beginn der 1920er-Jahre.

Anmerkungen 1 Moser-Gossweiler, Fritz: Volksbräuche der Schweiz, 1940, S. 82. 2 Johann Laurenz Mooser (1802–1886) ist in Altstätten aufgewachsen und hat sich später wissenschaftlich mit der Sprache und den Bräuchen des Rheintals beschäftigt. 3 Mooser, Johann Laurenz: «Alte Sitten und Gebräuche im Rheintal in Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensee’s und seiner Umgebung», S. 85 ff. 4 Von Roosen Wilhelm: «Die Rölleliputzen und die Altstätter Fastnacht», in «Alte und Neue Welt», Illustriertes Katholisches Familienblatt, 1922, S. 213. Vgl auch Fussnote 115 «Altstätter Fasnacht». 5 Privatarchiv Meinrad Gschwend. Protokolle des Röllelibutzen-Vereins 1919–1947, Sitzung 24. November 1920. 6 Archiv Röllelibutzen Verein. De Rölllelibutz – offizielle Fasnachtszeitung mit Programm des Umzugs 1946. 7 Baumberger Georg: St. Galler Land St. Galler Volk in: Der Kanton St. Gallen 1803–1903, S. 622. 8 Moser-Gossweiler Fritz: Volksbräuche der Schweiz, 1940, S. 82. 9 Privatarchiv Meinrad Gschwend. Protokolle des Röllelibutzen-Vereins 1919–1947, Sitzung 1. Februar 1920. 10 Gschwend Meinrad: Fasnacht: Die Altstätter Röllelibutzen ein alter Fasnachtsbrauch, S. 29. 11 Allgemeiner Anzeiger, Altstätten, 17. Februar 1900. 12 Gschwend Meinrad: Fasnacht: Die Altstätter Röllelibutzen ein alter Fasnachtsbrauch, S. 29.

Seit der Vereinsgründung haben sich Kostüm und Hut nur unwesentlich verändert. Bild: ca. 1920.

Der Hut des Butzenkönigs zeichnet sich durch Grösse, Üppigkeit, den weissen Federnkranz und ganz besonders die Krone aus. Butzenkönig Ferdi Segmüller im Jahr 1970.


Reigen der Polonaise – Beschreibungen

150

In den Statuten der Röllelibutzen heisst es im Artikel 15 (Polonaise): «Nach den Um­ zügen in Altstätten werden auf der Breite die Polonaisen durchgeführt. Nach deren Beendigung hält der Butzenkönig eine An­ sprache. Die Teilnahme an den Polonaisen ist für alle Butzen obligatorisch. An den tra­ ditionellen Aufführungstagen werden zu­ dem Abendpolonaisen durchgeführt. Eine Teilnahme ist für jeden Butzen obligato­ risch. Die Aufführungsorte werden an den Versammlungen bekannt gegeben.»7 Über die Form der aufgeführten Polonaisen gibt diese Notiz wenig Auskunft, deshalb folgt hier eine detaillierte Beschreibung der vier Polonaise-Teile, welche am Fasnachtsdiens­ tag aufgeführt werden. Als Vormerkung zu den Erläuterungen der Polonaise-Teile sei noch darauf hinge­ wiesen, dass die Ehrendamen keine Mitglie­ der im Verein sind. Sie werden jedes Jahr neu angefragt. Es ist genau reglementiert, wie viele Ehrendamen es geben darf. Acht ist die Höchstzahl; früher mussten sie nicht nur ledig, sondern auch jungfräulich sein. In der heutigen Zeit wird nicht mehr peni­ bel darauf geachtet, ob es wirklich vier evangelische und vier katholische Ehrenda­ men sind; wichtig ist nur noch, dass sie un­ verheiratet sind. Am Freitag, 4. Mai 2018, fand ein Tref­ fen statt, um den genauen Ablauf der Polo­ naisen – Stand 2018, geführt durch Rolf Goldener – festzuhalten. Als Gewährsperso­ nen anwesend waren Ferdi Segmüller (ehe­ maliger Präsident), Adolf Steiger (ehemali­ ger Polonaise-Führer) und Rico Pinardi (langjähriges Mitglied). Zur Vereinfachung und dem besseren Verständnis werden in der Folge die Be­ schreibungen mit Bildern und Figuren­ zeichnungen illustriert. Wichtig hierfür ist der «Tanzkompass», damit man sich den Platz vorstellen kann. Die Polonaisen sind

aus der Sichtweise der Fahnenwache no­ tiert, deren Mittelpunkt die Fahne bildet.

G

L

M

«Tanzkompass»: M= Mitte; L= links; R= rechts; G= gegenüber; nach der FAHNE orientiert sich die Ausrichtung der Polonaise.

R

FAHNE

Der 1. Teil symbolisiert das Wasser und wird auch von den Jungbutzen marschiert. Die Aufstellung erfolgt zu Paaren – von der Fahne aus gese­ hen links am Platzrand – mit den Ehrenda­ men vorne in der Kolonne, die rechts vom Butz stehen. In Blickrichtung Platzmitte zum Polonaise-Führer marschieren sie auf das Kommando «Röllelibutza rechtsum – vor­ wärts Marsch!» auf der Umzugsbahn an der Fahne vorbei im Gegenuhrzeigersinn.

Abmarsch der Röllelibutzen mit den Ehrendamen zur 1. Polonaise. Der Polonaise-­ Führer geht zu seiner Position nach dem Kommando. Die Butzen marschieren an der Fahnenwache vorbei.


Es folgt das Abmarschieren der Um­ zugsbahn auf dem Platz im Gegenuhrzeiger­ sinn. Über die Mitte auf die Fahne zugehen und dann der Gruss der Paare mit Kopfni­ cken vor dem Trennen bei der Fahne.

Figur «Trennen».

Gruss mit Kopfnicken vor dem Trennen der Paare. Figur «Schmetterling».

Zeichnung «Schnägg», die gestrichelte Linie zeigt den Weg nach aussen nach dem Wenden.

Über den in der Fachliteratur genann­ ten «Schmetterling» finden die zwei Einer­ kolonnen gegenüber der Fahne zusammen. Hier fädelt die erste Ehrendame hinter dem entgegenkommenden Röllelibutzen ein und durch das Reissverschlussprinzip ent­ steht eine lange Einerkolonne. Der Polonai­ se-Führer zieht auf der Umzugsbahn an der Fahne vorbei und kommt über die Mitte gegenüber der Fahne zur nächsten Figur. Er beginnt mit der Schnecke (Spirale) im Gegenuhrzeigersinn und führt die But­ zen spiralförmig bis zur Mitte. Dort hebt er seine Spritze und signalisiert mit dem Ruf

Eindrehen der Einerkolonne zur Spirale. Die Butzen nennen sie den «Schnägg». Foto: 13. Februar 2018.

151


Im Hintergrund sieht man den «Schnägg», der PolonaiseFührer ist bereits aussen nach dem Wenden und setzt zur nächsten Figur an.

«Kehrt!» das Wenden und führt die Kolon­ ne im Uhrzeigersinn zwischen den «Gän­ gen» nach aussen. Im Uhrzeigersinn schreitet die Kolon­ ne neu an der Fahne vorbei und kommt ihr gegenüber durch Aufschliessen der ersten Ehrendame zum Kolonnenführer wieder zu einer Paarkolonne zusammen, dann ein er­ neutes Abschreiten der Umzugsbahn an der Fahne vorbei.

Abschreiten der Umzugsbahn an der Fahne vorbei.

Abschreiten der Umzugsbahn an der Fahne vorbei.

Über die Mitte gegenüber der Fahne schreitet die Paarkolonne auf die Fahne zu und dreht dann weg. Es folgt ein letztes Ab­ schreiten des Platzes im Gegenuhrzeiger­ sinn. Vor der Musik auf der linken Platzseite tritt der Polonaise-Führer aus der Paarko­ lonne zur Platzmitte und bereitet den Ruf der zum Stillstand kommenden Butzen vor. «Kehrt!» ist das Signal für alle, nach links zu drehen und mit dem Röllelibutzenruf «Jo jo jo ho ho» Wasser zu spritzen.

Die Röllelibutzen rufen «Jo jo jo ho ho» und spritzen Wasser.


Der 2. Teil symbolisiert die Erde und wird auch von den Jungbutzen marschiert.

Die Aufstellung erfolgt zu Paaren – von der Fahne aus gesehen links am Platz­ rand – mit den Ehrendamen vorne in der Kolonne, die rechts vom Butz stehen. Der Polonaise-Führer gibt wieder das Kom­ mando «Röllelibutza rechtsum, vorwärts Marsch!»

Das «Schlängeln», die Ehrendamen aussen, die Butzen innen.

Aufstellung zur 2. Polonaise, die Butzen stehen noch mit Blickrichtung Platzmitte zum Polonaise-Führer.

Der Gruss vor der Fahne vor dem Trennen.

Über die Mitte schreiten die Paare auf die Fahne zu. Es folgt der Gruss der Paare mit Kopfnicken vor dem Trennen bei der Fahne. Über den Schmetterling gehen die Einerkolonnen zur gegenüberliegenden Sei­ te der Fahne. Hier beginnen sie mit dem «Schlän­ geln», die Ehrendame dreht nach aussen, der Röllelibutz nach innen. Die entgegen­ kommenden Kolonnen drehen sich ab­ wechselnd nach innen und aussen und ge­ hen im Gleichschritt aneinander vorbei. Alle führen das Schlängeln durch, bis sie vor der Fahne die Einerkolonne wieder

153


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
F038950080-leseprobe-01 by Verlagshuus - Issuu