Out of Speicher
VERSE UND TEXTE EINES
APPENZELLERS UNTERWEGS
Die Herausgabe dieses Buches wurde unterstĂŒtzt von
© 2023 by edition punktuell, ch-9103 Schwellbrunn
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Radio und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, TontrÀger, elektronische DatentrÀger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
Umschlaggestaltung: Daniela Saravo
Gesetzt in Minion Pro Regular und Gotham Narrow
Herstellung: Verlagshaus Schwellbrunn
isbn 978-3-905724-75-2
www.editionpunktuell.ch
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VORWORT UND REISESTART
Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Lesende bis ans Les-Ende
Dieses Buch, das Du in HĂ€nden tut nicht mit dem Anfang enden, also macht es wohl auch Sinn, dass Du startest am Beginn.
Verse, Texte, Skizzen, heiter sollen sein Dein Reiseleiter, magst Du mich auf vielen Seiten etwas durch die Welt begleiten?
Du machst Bekanntschaft mit Figuren, Storys, lustigen, obskuren, brauchst Du Pause, tutâs Dir reichen, lege rein dann ein Buchzeichen.
Ist LektĂŒrâ beendet mal, dann stell das BĂŒchlein ins Regal, und willstâs nicht mehr, verspreche mir, legâs wenigstens zum Altpapier.
Doch jetzt: Was Speicherer erleben, was sich eben hat ergeben âreise mit und tust Duâs wollen, musst Du blĂ€ttern (und nicht scrollen!).
Meine Reise begann an einem Samstagabend, am 21.5.1977, als mich der Storch â oder die wunderbare FĂŒgung â als Sohn eines Puppenspielers und einer Schwerhörigenlehrerin als Einzelkind im Sternzeichen Zwilling, kurz nach Ladenschluss, ins Spital Herisau brachte. Meine Eltern, ein StadtzĂŒrcher und eine Aargauerin, waren zuvor auch schon reisend unterwegs, hatten sie sich doch nicht etwa bei einer Stobete auf der Hundwiler Höhe, sondern im Paris der 1968er-Jahre bei einem Sprachkurs kennen- und lieben gelernt. Mein Vater kam mit meiner Mutter einer Tanzschule wegen nach Herisau â ich folgte ihm auf dem (tanzenden) Fuss. Bald nach meiner Geburt ging es dynamisch weiter und wir zogen nach St. Gallen und schliesslich nach Speicher. Bis heute bin ich trotz (oder wegen) meiner schweizerischen Reisefreudigkeit â meist im Zug â wohl in keinem Dorf so angekommen wie in Speicher, ohne zu behaupten, dass ich deswegen eine «Speicher-KapazitĂ€t» geworden wĂ€re. Jedoch ging ich hier zur Schule und in die Klavierstunde, zum Hausarzt und in die Kinder- und Erwachsenengugge, lernte schwimmen im Hallenbad und stand ein Stockwerk darĂŒber zum ersten Mal auf der BĂŒhne; fĂŒr dieses Dorf textete ich Hits von «Biene Maja» bis «Mambo No. 5» um oder schrieb ein Speicherlied, das ich mit dem hiesigen Frauenchor aufnahm, das von der Gemeinde unterstĂŒtzt und von Tele Ostschweiz gefilmt wurde. In Speicher ist immer wieder mal etwas Besonderes. Ja, gerade weil mein beruflicher und privater Weg seit meiner Kindheit dort an Traumlage auf dem BirthĂŒgel mit Blick auf Bodensee und Ăsterreicher Berge mich bereits nach Bern, Thun, ZĂŒrich, Wien oder Stuttgart fĂŒhrte, denke ich â als Geograf und GA-Globetrotter â oft an diesen heimelig-offenen Ort, von dem aus sich in gut vierzig Jahren so vieles entrollte, wovon einiges in diesem Buch zwischen Fernweh und «Ostalgie» niedergeschrieben ist. So wĂŒnsche ich der geneigten, sitzenden
oder selbst reisenden Leserschaft viel VergnĂŒgen mit meiner «fröhlichen» Reise durch verschiedene Themen der letzten 35 Jahre unterwegs und gebe eröffnend in entspannter Verbundenheit zur Scholle zu bedenken:
Spycher, Spycher, Du hĂ€sch gmacht mis LĂ€be rycher, lisch zwĂŒsche See und SĂ€ntis, wĂŒrd glaub fĂŒr Dich viel gĂ€h, ha Spycher «gspycheret», drum cha mirâs niemert nĂ€h âŠ
(Aus «Spycherlied», A.F.)
Danke, Merci, Dhanyavad âŠ
VERSE VON UNTERWEGS
Eine Reise durch Lebensthemen
Merke â gesammelte Bonmots zum Start
Lieber per du als perdĂŒ.
Women est omen.
Wenn zwei heiraten, braut und brÀutigamt sich etwas zusammen.
Selbst wenn etwas wurst ist, geben wir unseren Senf dazu.
Wer auf einer BĂŒhne steht, sollte am Boden bleiben.
Wie nennt man wohlbeleibte Menschen, die wenig essen? Die gemÀssigten Breiten. Wer findet, dass er nichts findet, findet auch schon was.
Der Zweck heiligt die Genussmittel.
Heute haben sogar die Internetgegner ihre eigene Homepage.
Papierspartipp: Zerscht kapiere, denn kopiere.
Wie der ganze BĂŒrokram bloss so schnell ins BĂŒro kam?!
Die Entwicklung der Gleichberechtigung ist erfraulich.
Puppenspiel ist kein Pappenstiel.
Worte des Radiomoderators: «Der Hörer war nicht gut aufgelegt.»
Die schwangeren Frauen in der Schweiz haben wieder zugenommen.
Leider wollen viele derer, die zu Geld kommen, auch zur Geltung kommen.
Und der Clown setzte das Publikum lachmatt.
Zu viel Strohrum macht strohdumm.
Man kann wohl nur im Beisein gewisser Schranken frei sein.
Man soll planen UND spontanen.
Wenn man zu viel «im Ăl» ist, ist es mit der Gesundheit «essig».
Lieber umgezogen als ungezogen.
Wenn i tÀnk, i fahr lÀssig, isch es mÀngmol fahrlÀssig.
Kein Eigentum zu haben, ist eine FĂ€higkeit, die ich besitze.
Mein Hund hat schon die Mitlauf-Crisis.
Wenn ich meine Kleider bĂŒgel, brauch ich keinen KleiderbĂŒgel.
Lieber klug gewartet, als dumm gelaufen.
Wenn Dein Besuch nicht kommt, ist wahrscheinlich ein Besuch bei ihm zu Besuch.
Man darf etwas nicht nur machen mĂŒssen, man soll es auch tun können wollen.
Ich weiss das Angenehme mit dem Schönen zu verbinden.
Manchmal merkt Student beim Lesen: Ausser
Thesen nichts gewesen!
Das Leben ist nicht nur lesenswert, sondern vor allem lebenswert!
Unser neuer Firmenstandort, der ist schön ânur ist kein Mann dort.
Nach einer Niederlage wird ein Fussballtrainer zum FussballtrÀner.
Es gibt MĂ€nner, die sind nach der Geburt nie mehr neun Monate am StĂŒck mit der gleichen Frau zusammen gewesen.
Macht der Gewohnheit â den Garaus.
Spieglein, Spieglein, Parabol, wart, bis ich Dich vors Fenster hol.
Guter Rahm ist unschlagbar.
Wenn Fragen stets nach Fragen fragen, werfen Fragen Fragen auf.
FrĂŒhstĂŒck fĂŒr Vegetarier: Quorn Flakes. Es bruucht nur dĂ€ en Chuchischaft, wo öfters i de Chuchi schafft.
Manchmal sind wir noch grĂŒn hinter den Schlitzohren.
Wenn Du nicht zu mir stehst, lasse ich Dich sitzen.
Wenn eine Kollegin zur Freundin wird, werden Freunde oft zu Kollegen.
Lieber hellhörig als schnell hörig.
Lieber Harmoimmer als Harmonie.
Bloss nichts ĂŒberstĂŒrzen (Rat des Karate-Weltmeisters).
Wer Klavier spielt, hat nicht GlĂŒck bei den Frauen, weil er immer ĂŒben muss.
Ist Deine Kluft zu moderat, so hol Dir doch durch Mode Rat.
Ohni Ornig wird i zornig. Apropos Gedankensprung âŠ
Frage an den Schriftsteller: «Was fÀllt Ihnen ein?!»
«Leider hab ich kein Geschenk fĂŒr Dich.» â «Ach, lass es Gutschein.»
Wische zuerst vor der eigenen TĂŒr, ausser, wenn das GlĂŒck anklopft.
Schön, Sie zu sehen, liebe Nachbarn â ich hab schon so viel von Ihnen gehört.
Zeit ist relativ â wichtig fĂŒr uns.
Einkaufstipp: Entweder Parcours oder Parkuhr. Kommt Past-Milch wirklich aus der Vergangenheit?
Wann wird Fast Food zu einer ganzen Mahlzeit? Und, wie war die Woche in den Bergen? Ein einschneiendes Erlebnis!
Die Russen haben meist ein vielfÀltiges Wodkabular.
ALLE Menschen neigen zu Pauschalisierungen. Wer viele Sprachen spricht, muss alt sein. Auch ein junges Frauenzimmer wird einmal ein altes Haus.
Au en alti Schachtle cha emol wie «us em Truckli» sii.
Was i no vo de Schuel weiss, isch d Feriezyt und d Schuelreis.
Lieber ein gĂŒtiger Finder als ein schlechter Verlierer.
Wenn sie schon auf Schokolade steht, kann sie nicht auch noch auf die Waage stehen. Ein Bahnknoten braucht viele Banknoten.
Lieber mehr Taschengeld, als es bleibt alles beim Alten.
Menschen tragen lieber PelzmĂ€ntel als die Verantwortung dafĂŒr.
MĂ€ngmol bisch vo hĂŒtt uf morn vo geschter. Die Muse kommt erst, wenn die Musse schon da ist.
Lieber knien als ellbögeln.
TrÀumen wir nicht alle davon, wach zu werden?!
SchĂŒttelreime
Die neue Kundennummer, die nimmt uns nun den Kummer.
Hat der Sohn Kohle, so kauft er Konsole.
Die SchlÀferin aus Wittenbach wird erst nach langem Bitten wach.
Es kam, dass der Herr Schlingensief bereits beim Schlafliedsingen schlief.
Wer trennt der Ente Nabelschnur, hat sie doch einen Schnabel nur?
Im «Löwen» und im «Schwanen» fingen wir bald an mit Fahnenschwingen.
Man sieht mich nie im Rampenlichte, weil ich selbst die Lampen richte (Worte des Beleuchters).
Verdient die Polizei genug fĂŒr eine Fahrt im Neigezug?
Mein finanzielles Manko bat: «Schau vorne rechts â ein Bankomat!»
Die einen sagen: «Ich fahr Bus», die andern gehen halt barfuss.
Mit Dim neue SchĂŒttelreim wecksch eim uf und rĂŒttelsch eim!
Limericks
Da gabâs eine Dame aus Nendeln, die tat mit dem Nachbarn gern tĂ€ndeln, dann zog der â oje ânach MĂŒnchenbuchsee, und das war zu weit, um zu pendeln.
Ein Mann sprach, er reise nach Wien, mit seinem Geld, das er verdienâ; nur schwand halt sein Lohn schon im Montafon, âdoch Ăsterreich warâs immerhin âŠ
Es wollte ein Wandârer aus BĂŒren beizeiten den RĂŒckweg aufspĂŒren und sah in Eschwege, dass nicht alle Wege zwangslĂ€ufig nach BĂŒren stets fĂŒhren âŠ
«Tschou», seit mini Frou zu mir, «Du, Adi, i ha Di ja so gĂ€rn und i verstah Di, aber mini KarriĂ€râ, nimm das etze ned so schwĂ€r, die geit vor â ade, Adi, i verlah Di!»
SKIZZEN VON DAHEIM