Appenzeller Verlag Leseprobe
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Es braucht Mut
Ein Comic zur Gleichstellung von Frau/Mann im Kanton Appenzell Ausserrhoden
Erzählt von Lika Nßssli und Dario Forlin
Inhaltsverzeichnis
Vorwort Zeitraum bis 1991 1991–1998 1999–2019 Lexikon Chronologie Impressum
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Vorwort
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Yves Noël Balmer
Wenn Gleichstellung von Frau und Mann Wirklichkeit wird
2019 feiert die Abteilung Chancengleichheit des Kantons Appenzell Ausserrhoden ihr 20-jähriges Bestehen. Zugleich wurde vor 30 Jahren das Frauenstimmrecht im Kanton eingeführt. Frauenstimm- und Wahlrecht sowie die Gleichstellung von Frau und Mann sind elementare zivilisatorische Errungenschaften in unserem Land, die trotzdem immer wieder vergessen gehen und auch heute beileibe noch nicht selbstverständlich sind. Es brauchte Mut die Gleichstellung immer wieder zum Thema zu machen und auch bei Rückschlägen standhaft zu bleiben. Die beiden Jubiläen sind der Anlass, um der Appenzell Ausserrhoder Bevölkerung die «Gleichstellung Frau/Mann» wieder ins Bewusstsein zu bringen und sie auf die Fragestellung zu sensibilisieren, ob und inwieweit Gleichstellung in verschiedenen Lebensbereichen erreicht ist oder nicht. Im Jubiläumsjahr werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gleichstellung der Geschlechter beleuchtet. Der Comic zur Geschichte der Gleichstellung im Kanton bildet das Herzstück. Sie wird – frisch, zeitgemäss und witzig – als gezeichnete Bildergeschichte erzählt. Ein Comic ist bei Jung und Alt beliebt und kann auf eine unkomplizierte Weise die Auseinandersetzung mit dem Thema anregen. Allen voran richtet sich der Comic an die Bevölkerung von Appenzell Ausserrhoden, im Besonderen aber auch an Schülerinnen und Schüler, um Diskussionen im Freundeskreis und in den Familien zu fördern. Lika Nüssli und Dario Forlin, ein ideales Gespann und gelebte Gleichstellung, haben das Thema und die Geschichte der Gleichstellung in Appenzell Ausserrhoden in Form des Comics künstlerisch umgesetzt. Beide von Beruf IllustratorIn und KünstlerIn, haben in diesem Projekt ihre beiden Stile verschmelzen lassen und an jeder einzelnen Zeichnung immer zu zweit gearbeitet. So sehr, dass nicht mehr in jedem Fall erkennbar ist, welche Figur und welcher Strich von Lika Nüssli oder Dario Forlin ist. Gleichstellung von zwei Zeichnenden, schwarz auf weiss. Gemeinsam haben sie einen Comic realisiert, der zu einer anschaulichen Geschichtsschreibung beiträgt, ganz ohne Moral- und Mahnfigur. Zwei Figuren führen inhaltlich durch das Buch: Stein und Pfütze. Es sind geschlechts- und alterslose Gestalten, um kein Gefälle in das Gespräch zu bringen. Der Stein steht für einen zeitlosen Beobachter und die Pfütze für den Lauf der Zeit. Die Geschichte beginnt mit dem Jubiläumsfest der Gleichstellung und erzählt die Vorgeschichte, den Kampf und die Umsetzung der Gleichstellung von Frau und Mann, die Aktionen aus der Bevölkerung, die politischen Vorstösse, die Einrichtung einer Fachstelle und deren Weiterentwicklung. Eine tabellarische Chronik am Ende – losgelöst von der Geschichte von Stein und Pfütze – zeigt die Meilensteine der Gleichstellung der Geschlechter auf. Wir wünschen Ihnen interessante Einblicke! Yves Noël Balmer Vorsteher Departement Gesundheit und Soziales
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Zeitraum bis 1991
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Gleichstellung, gab es das schon immer?
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Der Mensch, wie wir ihn heute kennen (Homo sapiens), existiert seit circa 300’000 Jahren. Die überlieferte Geschichte der Menschheit wurde von Männern geprägt. Die Grundsteine für unsere heutige Kultur der Wissenschaften, Künste und Politik wurden in der Antike von Philosophen gelegt. In klassischen Erzählungen wie Sagen und Märchen, sind meistens Männer die Helden. Öffentliche Politik war bis ins 20. Jahrhundert reine Männersache.
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1910 hatte die deutsche Sozialistin 5 und Antikapitalistin 6 Clara Zetkin die Idee, einen internationalen Frauentag einzuführen. Diesem Tag gingen diverse Bewegungen voraus, wie zum Beispiel die Suffragetten, Frauen aus dem Bürgertum in England, die sich für das Frauenstimmrecht eingesetzt haben. 1909 gab es in den USA einen ersten nationalen Frauentag, der Clara Zetkin in der Umsetzung ihrer Idee bestärkte. Der erste internationale Frauentag fand in Dänemark, Deutschland, Österreich und in der Schweiz statt. Für kurze Zeit war die Schweiz damals sehr progressiv, was die Emanzipation 4 anging. Unter anderem durften an der Universität Zürich schon damals Frauen studieren. Darunter Rosa Luxemburg, eine wichtige Weggefährtin von Clara Zetkin. Ab dem ersten und bis lange nach dem zweiten Weltkrieg setzte man sich in der Schweizer Politik nicht mit Frauenrechten auseinander.
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A Frauen haben in den Kriegen diverse Rollen gespielt. Männer kämpften an der Front und leiteten das Kriegsgeschehen. Die Krankenpflege jedoch wurde schon damals vor allem von Frauen übernommen.
B Zu Hause fehlten die Männer. So waren die Frauen nicht nur für die Sorge und Ernährung der Familie verantwortlich, sondern mussten die Männer auch an den Arbeitsplätzen ersetzen.
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C Viele Männer kehrten nach Kriegsende nicht mehr zurück. Frauen und Mütter waren gezwungen, die Geschäfte und Arbeiten ihrer verstorbenen Männer zu übernehmen.
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Iris von Roten (1917– 1990), Juristin und Journalistin, studierte als eine der wenigen Frauen an den Universitäten Bern, Genf und Zürich. Mit ihrem Buch «Frauen im Laufgitter» (erschienen 1958) wurde sie über Nacht zur meistkritisierten Frau der Schweiz. Ihr Buch löste 10 Jahre vor der 68er Bewegung einen riesigen Skandal aus. Sie galt im Volksmund als «Emanze 4 der Schweiz». In ihrem Werk analysierte sie die Lage der Frau in der Schweiz. Radikal forderte sie die Gleichstellung der Frau in allen Bereichen. Sie erörterte dazu sexuell-erotische 7 Fragen und hinterfragte traditionellweibliche Werte.
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